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JULI 2008

AUSBILDUNG

KÖNIZER ZEITUNG

89

DER SENSETALER

Familie beeinflusst Bildungschancen

Die Bildungsbiografie eines Kindes beginnt bei der Geburt

Der soziale Hintergrund der Familie hat den gröss- ten Einfluss auf die Bil- dungschancen. Besonders benachteiligt sind Kinder mit Migrationshintergrund. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Publikation der Eidgenössischen Koordina- tionskommission für Famili- enfragen (EKFF) «Familie - Erziehung - Bildung».

In ihrer neuen Publikation «Fami- lien - Erziehung – Bildung» geht die Eidgenössische Koordinati- onskommission für Familienfra- gen (EKFF) den Verknüpfungen zwischen sozialer und kultureller Herkunft der Familien und den damit verbundenen Chancen im Bereich von Erziehung und Bil- dung nach. Unter diesem Blick- winkel stellt die EKFF fest, dass die Bildungsbiografie eines Kin- des bei der Geburt beginnt. Jürg Krummenacher, Präsident der EKFF, betont, dass demzufolge das grösste Potenzial zum Aus- gleich ungleicher Bildungschan- cen in der frühen Kindheit liege. Die EKFF unterstützt deshalb das Projekt «HarmoS», das eine Har- monisierung der Bildung in der Schweiz und eine Aufwertung der vorschulischen Bildung anstrebt. Gleichzeitig fordert die EKFF jedoch auch, dass Kindertages- stätten zu Bildungsorten weiter entwickelt werden und die fami- lienergänzende Kinderbetreuung ausgebaut und professionalisiert wird. Kindertagesstätten sollten auch vermehrt Eltern beraten und unterstützen. Insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund ist ein Ausbau der Sprachförde-

mit Migrationshintergrund ist ein Ausbau der Sprachförde- Die Weichen für die Berufschancen eines Kindes werden schon

Die Weichen für die Berufschancen eines Kindes werden schon früh gestellt.

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rung

Schuleintritt notwendig.

des

Aufnahmelands

vor

Prävention und Integration gegen Jugendgewalt Die Publikation der EKFF befasst sich auch mit Erziehungsfragen im Jugendalter, insbesondere mit der Frage der Jugendgewalt. Die EKFF weist darauf hin, dass es über das Ausmass der Jugend- gewalt in der Schweiz keine

verlässlichen Zahlen gibt. Zwar scheint es unbestritten zu sein, dass in der Strafurteilsstatistik ausländische Jugendliche über- vertreten sind. Doch liegen die Gründe dafür vor allem in deren sozialen Benachteiligung und in einer ungenügenden Integration. Massnahmen gegen die Jugend- gewalt müssten deshalb vor allem in der Prävention und einer bes- seren Integration ansetzen.

«Kultur der Vielfalt» Generell befürwortet die EKFF, dass die Anstrengungen für eine bessere Integration der auslän- dischen Bevölkerung verstärkt werden. Dabei ist allerdings auf sozialpolitische Aspek- te ein besonderes Gewicht zu legen. Denn Familien mit Mi- grationshintergrund gehören überdurchschnittlich oft sozial benachteiligten Schichten an. Voraussetzung dafür, dass Inte- gration gelingt, ist eine «Kultur der Vielfalt», die den kulturel- len Unterschieden genügend Rechnung trägt. Wie die EKFF nämlich auch feststellt, ist der kulturelle Hintergrund von Mi- grationsfamilien keineswegs homogen. Migrationsfamili- en unterscheiden sich in ihren Werten und im Erziehungs- stil auch nicht grundsätzlich von Schweizer Familien. Und «Kulturkonflikte» betreffen nur eine Minderheit der Migrati- onsfamilien.

Schliesslich weist die EKFF auch auf die grosse Bedeu- tung der Zusammenarbeit von Eltern und Lehrpersonen hin. Bildungsferne Eltern haben Schwierigkeiten, ihre Anliegen angemessen zu vertreten. Das trägt zu einer ungleichen Ver- teilung von Bildungschancen bei. Angebote in der Elternbil- dung sollten deshalb spezifisch auf bildungsferne Eltern aus- gerichtet werden. Die Kompe- tenzen von Lehrpersonen im Umgang mit Familien mit Mig- rationshintergrund sind gezielt zu fördern.

BI

INFO | www.ekff.admin.ch

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