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Zeitschrift für Genozidforschung. Zeitschrift des Instituts für Diaspora- und Genozidf...

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Zeitschrift für Genozidforschung 9 (2008), 1


02.03.2009

Zeitschrift: Zeitschrift für Genozidforschung. Zeitschrift des Instituts für Diaspora- und Genozidforschung an
der Ruhr-Universität Bochum
Herausgeber: Prof. Dr. Mihran Dabag, Kristin Platt (verantwortlich) in Zusammenarbeit mit dem Kuratorium des
Instituts: Prof. Dr. Wilhelm Bleek, Prof. Dr. Lucian Hölscher, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Knut Ipsen,
Dr. Hans-Henning Pistor, Prof. Dr. Klaus Tenfelde, Prof. Dr. Bernhard Waldenfels
ISSN: 1438-8332
Verlag, Wilhelm Fink Verlag,
Erscheinungsort: Paderborn u.a.
Preis: 21,00 EUR
Weitere halbjährlich
Angaben:
Ausgabe: 9 (2008), 1 - Humanismus als Antwort
ISBN: 1438-8332

Sehr geehrte Damen und Herren,


liebe Kolleginnen und Kollegen,
das neue Heft der Zeitschrift für Genozidforschung ist soeben erschienen. Sie können die Zeitschrift über den
Buchhandel oder direkt über den Verlag (www.fink.de) beziehen. Die Zeitschrift für Genozidforschung erscheint
halbjährlich. Der Jahresbezugspreis beträgt 34,90 Euro, für Studierende 27,90 Euro. Das Einzelheft kostet 21,00
Euro, incl. MWst., zzgl. Versandkosten. Die Redaktion lädt zur Einsendung von Manuskripten ein, über die
Veröffentlichung entscheidet ein peer-review Verfahren. Weitere Informationen zur Zeitschrift finden Sie auf unserer
Homepage www.ruhr-uni-bochum.de/idg/zeitschrift/index.shtml
Editorial:
Die Beiträge des vorliegenden Bandes machen auf Lücken in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit
Versöhnung, Aufarbeitung und Wiedergutmachung aufmerksam, aber auch auf die lückenhaften politischen
Verständnisse und Umsetzungen. Auf beiden Ebenen – Wissenschaft und Politik – werden die
Auseinandersetzungen von vorsichtigen, ja misstrauischen, unübersehbar skeptischen Haltungen begleitet, die
jenen entgegengebracht werden, die Versöhnung nicht nur als Formel einfordern, sondern Versöhnung an die
Bedingung historischer Aufarbeitung binden. Geht es nicht eigentlich bei der Forderung nach Versöhnung doch nur
um die Frage des materiellen Schadensausgleichs? Steht nicht doch die »Brandmarkung« einzelner Täterfiguren im
Mittelpunkt des Interesses? Geht es nicht doch nur um die Definition beziehungsweise Neudefinition
gesellschaftlicher Machtpositionen?
Rita Werden macht in ihrem Beitrag zum Schuldempfinden von Tätern des Völkermords in Rwanda deutlich, dass
die Fragen nach Schuld und Versöhnung noch längst nicht als geklärt angesehen werden können. Ihr
Ergebnisschluss, dass es sich bei den Schuldeingeständnissen der Täter des rwandischen Genozids um wenig
mehr als um Lippenbekenntnisse handelt, zeigt beispielhaft das »Funktionieren« spachlicher Schammuster auf,
auch wenn Um- oder Neudefinitionen des gesellschaftlichen Wissens selbst ausblieben.
Erika Dahlmanns arbeitet anhand von Bilderanalysen, dies ebenfalls in der Erörterung von Verarbeitungsprozessen
des Genozids in Rwanda, zu kulturspezifisch gültigen Ansichten von Einheit und Differenz, Inklusion und Exklusion.
Zeigen sich nach dem Genozid Erschütterungen der Bilder von Gesellschaft und Identität? Kann man
Verarbeitungsprozessen, die zentral an Geschichts-, Gesellschafts- und Identitätsbildern beginnen, einen Beitrag
zur Lösung von gesellschaftlichen Konflikten zuschreiben?
Christin Pschichholz wirft in ihrer Untersuchung der protestantischen Reaktionen auf die Verfolgung der Armenier
das interessante Problem des Verhältnisses zwischen zeitgenössischer Rezeption und späterer historischer
Kategorisierung auf. Ihr besonderes Augenmerk gilt dabei Bildern, die von den Akteuren definiert und transportiert
werden, hier vor allem der osmanischen Armenier als unzuverlässige Bürger des Osmanischen Reichs.
Richard Albrecht eröffnet mit seinem Beitrag zum »L-3-Dokument«, jener stets aufs Neue geleugneten Rede
Hitlers, in der sich dieser auf den Genozid an den Armeniern bezieht, nicht allein eine quellenkritische Diskussion.

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Der Beitrag ermöglicht auch einen Einblick in den Umgang mit Dokumenten – und Erinnerungen – während des
Nürnberger Kriegsverbrechertribunals sowie in damals (und heute) als unzulässig geltende Fragen.
Jörn Rüsen fordert mit dem schwierigen Begriff Humanismus heraus und konfrontiert zu einer Zeit, die gerne als
grundsätzliche Ungültigkeitserklärung von humanistischen Normen und Werten gedacht wird, mit der Analyse
notwendiger »Lehren aus der Geschichte«. Dabei distanziert er sich von den häufig üblichen Typologisierungen von
Leerformeln zum Sinn der Geschichte. Im Fokusartikel analysiert er unter Einbezug philosophischer,
anthropologischer, sozialwissenschaftlicher und historischer Fragen grundsätzliche Anliegen der Zukunft des
Menschen im gesellschaftlichen Zusammenleben.
Um die gesellschaftliche Zukunft wird es gleichsam im zweiten Band dieses Jahres gehen, wenn auch konzentriert
aus einer ganz anderen Perspektive: dem Völkerecht.
Artikel:
Rita Werden:
Zum Schuldempfinden von Tätern des Völkermords in Ruanda
S. 8-44
Erika Dahlmanns:
Spannungsfelder - Spannungsbilder: Gesellschaftsbilder nach dem Genozid in Ruanda
S. 45-67
Christin Pschichholz:
Die "armenische Frage" im kolonialen Kontext. Nationalprotestantische Sichtweisen zwischen konfessionellem
Antagonismus, Rassismus und theologischer Überhöhung
S. 68-92
Richard Albrecht:
"Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?" - Adolf Hitlers Geheimrede am 22. August 1939: Das
historische L-3-Dokument
S. 93-131
Jörn Rüsen:
Humanismus als Antwort auf den Holocaust. Zerstörung oder Innovation?
S. 133-145
Rezensionen:
Matthäus, Jürgen / Mallmann, Klaus-Michael (Hgg): Deutsche, Juden, Völkermord. Der Holocaust als Geschichte
und Gegenwart, Darmstadt: WBG 2006 (Klaus-Peter Friedrich, Marburg)
Brakel, Alexander: Der Holocaust. Judenverfolgung und Völkermord, Berlin: Be.bra 2008 (Klaus-Peter Friedrich,
Marburg)
Fischer, Torben / Lorenz, Matthias N. (Hgg.): Lexikon der "Vergangenheitsbewältigung" in Deutschland. Debatten-
und Diskursgeschichte des Nationalsozialismus nach 1945, Bielefeld: transcript 2007 (Jens Kroh, Essen)
Barkan, Elazar / Cole, Elizabeth A. / Struve, Kai (Hgg.): Shared History - Divided Memory. Jews and Others in
Soviet-Occupied Poland, 1939-1941, Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2007 (Klaus-Peter Friedrich, Marburg)
Hankel, Gerd (Hg.): Die Macht und das Recht - Beiträge zum Völkerrecht und Völkerstrafrecht am Beginn des 21.
Jahrhunderts, Hamburg: Hamburger Edition 2008 (Hans-Joachim Heintze, Bochum)
Reemtsma, Jan Philipp: Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne, Hamburg:
Hamburger Edition 2008 (Helgard Kramer, Berlin)
Brubaker, Roger: Ethnizität ohne Gruppen, Hamburg: Hamburger Edition 2007 (Karin Scherschel, Jena)
Forschungsbibliographie
Schwerpunkt: Auswahlbibliographie von Neuerscheinungen des Jahres 2007

Kontakt: Kristin Platt (verantwortlich)


Institut für Diaspora- Genozidforschung an der Ruhr-Universität Bochum, D-44801 Bochum

Tel.: +49 (0)234/32 29702, Fax: +49 (0)234/32 14770


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