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september 2009

Kultur

Könizer zeitung

93

Der sensetaler

«Ich bin ein seltener Vogel»

Künstler Fredy grimm mag die natur lieber als die menschen

SCHLIERN / OTTENLEUE- BAD – Fredy Grimm wird Ende Jahr achtzig Jahre alt. Der Einzelgänger ermög- licht deshalb der Öffentlich- keit einen Blick auf sein Schaffen. Bis Mitte Novem- ber stellt er im Ottenleuebad seine Bilder aus.

Seine Wohnung ist ein Sammel- surium von Erinnerungen. Kaum eine Wand, die nicht mit Bildern – die meisten selbst gemalt – deko- riert wäre. In einem Regal stehen hölzerne Wildschweinfiguren aus fernen Ländern. Daneben türmen sich Steine aller Art. Es sind Mit- bringsel von Reisen. Und zu jedem Ding gäbe es eine Geschichte Genauso vielfältig sind Persönlich- keit und Leben von Fredy Grimm.

Der heute 80-Jährige hat in sei- nem Leben schon vieles auspro- biert. Als junger Spund hatte er sich in den Kopf gesetzt, Grafi- ker zu werden. Drei Monate vor Lehrbeginn wurde ihm eine Ab- sage erteilt; In den 1940er Jahren kriselte es in der Werbebranche. Als Notlösung machte er in einem grossen Verkaufshaus die Prüfung für eine Ausbildung zum Deko- rateur. «Das war nicht, was ich wollte», so Fredy Grimm. «Und eigentlich war die Lehrstelle auch schon vergeben.» Der 16-Jährige schnitt beim Test aber so gut ab, dass man dem anderen Aspiran- ten eine Absage erteilte. Dieser sollte seine Ausbildung neu in der Agentur eines Bekannten absol- vieren. «Ich hörte, dass in dieser Firma auch Grafiker arbeiteten», erzählt Grimm. Deshalb habe er eines Tages den «Tschope» sei- nes Vaters angezogen und wurde beim Bekannten seines ehema- ligen Konkurrenten vorstellig. Grimm wollte – wenn er schon selbst nicht Grafiker sein konnte – wenigstens in der Nähe eines Grafikers arbeiten. Schliesslich tauschten die beiden Lehrlinge ihren Ausbildungsplatz.

tauschten die beiden Lehrlinge ihren Ausbildungsplatz. Seine Kreativität lebt Fredy Grimm (Schliern) gerne am

Seine Kreativität lebt Fredy Grimm (Schliern) gerne am Zeichentisch aus.

Foto: bi

Fredy Grimm (Schliern) gerne am Zeichentisch aus. Foto: bi Streben nach mehr Während seiner Lehre besuchte

Streben nach mehr Während seiner Lehre besuchte Fre- dy Grimm zweimal in der Woche die Kunstgewerbeschule in Bern.

Einen Tag mehr als üblich. «Mein Lehrmeister ermöglichte mir die- se Ausnahme», sagt Grimm. «Ich profitierte sehr davon und konnte meine Leidenschaft – das Zeichnen – in vollen Zügen ausleben.» Aber der junge Grimm wollte mehr. Die Ausbildung zum Dekorateur reichte ihm nicht. Nach Lehrabschluss liess er sich auch noch zum Grafiker und nebenbei zum Schriftenmaler aus- bilden. «Irgendwann bin ich dann auch noch Innenarchitekt gewor- den», so Grimm. Auf diesem Beruf arbeitete er 42 Jahre lang.

Nicht teamfähig Fredy Grimm war sein Leben lang viel unterwegs. Er bereiste ferne Länder, lebte einige Zeit mit sei- ner Familie in Afrika. Neben dem

Malen sind Kochen und die Jagd seine grössten Hobbys. Die Natur hatte es ihm bereits in jungen Jah- ren angetan: «Schon immer fühlte ich mich in Gesellschaft von Tieren und Pflanzen wohler als in der Nähe von Menschen», sagt Grimm. «Ich bin ein seltener Vogel.» Er sei nicht teamfähig. Von jung an habe er Ent- scheidungen selbstständig getroffen und die Verantwortung dafür über- nommen. Nicht jeder komme mit ihm zurecht. Seine Frau sei eine Ausnahme. Mit ihr ist er seit 1954 verheiratet. Er hat eine Tochter, zwei Söhne und fünf Enkelkinder.

Kreativer Kopf In Fredy Grimms Leben gab es einen steten Wandel. Einmal zeich- nete er die Motive für «Chääs-Tru- ckli». Dann gestaltete er unzählige Schuhläden. Eine Zeit lang richtete er Restaurants und Hotels ein, die letzten Jahre vor seiner Pensionie- rung Arzt- und Zahnarztpraxen. Eines ist während der ganzen Zeit gleich geblieben: «Meinen krea- tiven Kopf habe ich nie verloren.» Einzelne Striche wachsen noch heu- te rasch zu Bildern heran. Grimm hat sich einen eigenen Stil zuge- legt: Zeichnungen werden stur mit schwarzer Tusche angefertigt. Die Köpfe seiner Karikaturen leuch- ten in grellem Rot. Seine Acrylge- mälde zeigen stets die Natur. Tiere und Pflanzen werden von kräftigen Tuschlinien umrahmt. Zu seinem 80. Geburtstag zeigt der Künstler sein Schaffen im Ottenleuebad. «Umgeben von wunderschöner Na- tur», wie er sagt.

Barbara Imboden

Ausstellung zum 80. Geburtstag von Fredy Grimm

bis 13. November 2009

Wo? in der galerie des Hotel/restau- rant Ottenleuebad (sangernboden)

Wann? mittwoch bis samstag, 10.00 bis 18.00 uhr / bei guter Witterung oder auf reservation, bis 23.30 uhr / sonntag, 10.00 bis 18.00 uhr / montag und Dienstag geschlossen

Weitere infos: www.ottenleuebad.ch