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november 2009 

Unterwegs

Könizer zeitung Der Sensetaler

101

Finanzspritze für die Flughafensicherheit
Der Kanton Bern will Bern-Belp vor dem Absturz bewahren
REGION – Der Flughafen Bern-Belp soll Schengen konform werden. Auch die bilateralen Verträge mit der EU erfordern Massnahmen. Der Kanton will sich mit 5,7 Millionen Franken an der Finanzierung beteiligen.
Als Folge der Umsetzung des Schengen-Abkommens muss der Flughafen Bern-Belp zwingend umfangreiche bauliche und betriebliche Anpassungen vornehmen. Damit die Bestimmungen des Abkommens erfüllt werden, müssen unter anderem die Passagierströme bei der Abfertigung strikte getrennt werden. Dazu sind bauliche Anpassungen erforderlich, die innerhalb der bestehenden Räumlichkeiten nicht realisiert werden können. Das Terminalgebäude muss erweitert werden. Die Baukosten werden auf 3,15 Millionen Franken veranschlagt. Überbrückungshilfe vom Kanton Der Flughafen Bern-Belp muss im Zuge der Terrorbekämpfung auch seine Infrastruktur und die betrieblichen Abläufe an die verschärften internationalen Sicherheitsauflagen anpassen: Seit dem 1.  Juli 2009 müssen nicht nur die Fluggäste, ihr Gepäck und das Frachtgut kontrolliert werden, sondern auch alle anderen Personen, Geräte und Güter, die sich im kritischen Bereich des Flughafens befinden. Diese Forderungen sind Bestandteil der bilateralen Verträge mit der EU.

Wird der Verpflichtungskredit 2010 nicht gesprochen, ist der Linien- und Charterbetrieb ab Bern-Belp gefährdet.

Foto: zvg

Die Personenkontrollen werden in den Jahren 2010 bis 2012 rund 850'000 Franken pro Jahr kosten. Sie sollen im Sinne einer Überbrückungshilfe vom Kanton bis Ende 2012 übernommen werden. Danach sollen die Kontrollen aus zweckgebundenen Treibstoffsteuern finanziert werden. Wichtiger Standortfaktor Der Flughafen Bern-Belp ist ein wichtiger Standortfaktor für den Kanton Bern. Die vorgesehenen baulichen und betrieblichen Anpassungen werden durch internationale Verträge zwingend nötig und liegen laut Kanton im öffentlichen Interesse. Zudem sind die Personenkontrollen am Flughafen grundsätzlich eine Aufgabe der

Kantone. Die privatwirtschaftliche Flughafenbetreiberin Alpar AG ist nicht in der Lage, die Kosten vollumfänglich selbst zu tragen. Werden die Massnahmen nicht umgesetzt, müsste der Flughafen den Linien- und Charterbetrieb voraussichtlich einstellen. Der internationale Linien- und Charterverkehr bildet mit nur rund sieben Prozent der Flugbewegungen die Haupteinnahmequelle des Flughafens Bern-Belp (Passagiergebühren). Er sichert damit die wirtschaftliche und touristische Anbindung an wichtige europäische Zentren wie München und Paris. Mit dem vorliegenden Geschäft sollen auch Wettbewerbsnachteile des Flug-

hafens Bern-Belp gegenüber anderen regionalen Flughäfen teilweise ausgeglichen werden. Die Konkurrenten sind weit gehend in öffentlicher Hand und werden daher direkt oder indirekt mit öffentlichen Mitteln unterstützt. Entscheid fällt im Januar Der Regierungsrat des Kantons Bern hat dem Grossen Rat Ende Oktober einen Kantonsbeitrag von insgesamt 5,7 Millionen Franken an Massnahmen zur Umsetzung der Schengen-Vorschriften und weiterer internationaler Abkommen am Flughafen Bern-Belp beantragt. Der Grosse Rat wird das Geschäft voraussichtlich in der Januar-Session 2010 behandeln.
Barbara Imboden

5,7 Millionen vom Kanton – gerechtfertigt oder nicht?
Empörung über die erneute Subventionierung des Flughafens Bern-Belp
Die Kantonale Vereinigung gegen Fluglärm (VgF) mit Sitz in Wabern zeigt sich in einem Communiqué empört über die erneute Subventionierung des Flughafens Bern-Belp. Dadurch würden ökologisch und volkswirtschaftlich fragwürdige private Business-Jet- und Ferienflüge mit Steuergeldern massiv gefördert. Dass Steuerzahler dafür aufkommen müssten, sei untragbar. Die Vereinigung plädiert dafür, dass die Flugpassagiere nach dem Verursacherprinzip die Kosten selbst tragen sollen. Des Weiteren würden Nachfrage und Bedeutung des Flughafens überschätzt. Das erkenne man daran, dass es der Alpar AG nicht gelinge, den Flughafen rentabel und mit finanziellen Reserven zu betreiben. Die VgF bezweifelt zudem, dass für den Kredit die nötigen Rechtsgrundlagen bestehen. Sie wird ww.vgf.ch Abklärungen treffen und behält sich rechtliche Schritte vor.

Grenzsicherung und Terrorbekämpfung sind eine hoheitliche Aufgabe
Die Alpar AG, Betreiberin des Flughafens Bern-Belp, betont in einer Stellungsnahme, dass der Verpflichtungskredit ausschliesslich dem Strategiebein «Öffentlicher Linien- und Charterverkehr» zukomme. Die Zahlung sei berechtigt, weil mit dem Schengener Abkommen die Grenzverfahren auf Flughäfen als EU-Aussengrenzen festgelegt wurden und die Grenzsicherung keine privatwirtschaftliche sondern eine hoheitliche Aufgabe sei. Bei den zusätzlichen Massnahmen, die vom Kanton mitfinanziert werden sollen, handle sich um Präventivmassnahmen gegen allfällige terroristische Aktionen. Auch hierfür würden Kanton und Bund die Verantwortung tragen. Ausserdem sei der Luftverkehr ab Bern-Belp ein wichtiger und volkswirtschaftlich unverzichtbarer Bestandteil des Verkehrsangebots www.alpar.ch in der Grossregion Bern. Der Flughafenbetrieb sei rentabel.