november 2009 

Region Sense

Könizer zeitung Der Sensetaler

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«Vermutlich werden nur wenige Läden überleben»
Auch das Stedtli Laupen wird den Strukturwandel zu spüren bekommen
LAUPEN – Was geschieht mit dem Stedtli, wenn in der Poly ein neues Geschäftszentrum entsteht? An einem Informationsanlass des Altstadtleists Laupen nahm Urs Brülisauer vom Netzwerk Altstadt kein Blatt vor den Mund.
In Laupen wird fleissig an der Ortsplanung gearbeitet: Entlang der Sense ist eine Umfahrungsstrasse in Planung. Der Bahnhof soll um dreihundert Meter verschoben werden. Auf dem ehemaligen Poly-Areal soll ein neues Geschäftszentrum entstehen. Es tut sich was in Laupen; und das macht einem Teil der Bevölkerung Angst. «Was wenn das neue Zentrum in der Poly zu attraktiv wird und die Kundschaft den Läden im Stedtli davonläuft?», wurde an einem sehr gut besuchten Informationsabend des Altstadtleists Laupen gefragt. Ob Laupen ein zweites Zentrum verkraften könne, wollte man wissen. Gastreferent Urs Brülisauer, Leiter des Projekts «Netzwerk Altstadt» in Burgdorf (siehe Kasten), gab eine ernüchternde Antwort auf dieses Frage: «Ich glaube nicht.» Kampf ums Überleben Architekt Urs Brülisauer beschäftigt sich mit dem Strukturwandel in kleinen und mittleren Städten. «In den meisten historischen Zentren kämpfen die Läden ums Überleben», weiss der Fachmann. Die Bilder, die er am Informationsabend projiziert, zeigen die traurige Realität: geschlossene, verlassene, vernagelte, gar zugemauerte Detailhandelsgeschäfte. Viele ehemalige Ladenlokale liegen brach. Schweizweit! Der Wegfall der Geschäftsnutzung und damit oft der Einbruch der wirtschaftlichen Grundlage der Liegenschaften stellt Private und öffentliche Hand vor massive Probleme. Wer will schon in einer Gasse, in der sollte wieder gestärkt werden», rät er. Werde das Wohnen in der Altstadt als gesamtes aufgewertet, entspanne sich die Situation für den einzelnen Liegenschaftsbesitzer. Auch die Frage nach der Nutzung des leer stehenden Erdgeschosses verliere so an Brisanz. Mit der erstarkten Ertragslage der Obergeschosse im Rücken können auch weniger zahlungskräftige dafür wohnverträgliche Nutzungen im Erdgeschoss akzeptiert werden. Trotz der desillusionierenden Meinung des Fachexperten wollen die Laupener ihr Stedtli mit den vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten nicht einfach so aufgeben: «Das Stedtli soll leben!», war am Informationsabend die Meinung der meisten Votanten. Auch die Gemeinde will den Strukturwandel nicht einfach widerstandslos hinnehmen. Gemeindepräsident Rolf Schorro schlägt beispielsweise eine Intensivierung der Tourismusangebote vor, um vermehrt Kundschaft anzulocken. Auch plädierten verschiedene Einwohner Laupens für mehr Eigeninitiative und Gemeinschaftssinn: Man solle nicht immer nur an sich denken und – den ortsansässigen Geschäften zu Liebe – zu Fuss im Stedtli einkaufen, anstatt mit dem Auto in ein grosses Einkaufszentrum zu fahren.
Barbara Imboden
www.netzwerk-altstadt.ch

Noch gibt es laufende Geschäfte im Stedtli Laupen.

Foto: Nina Susedka

mehrere Ladenräumlichkeiten leer stehen, einen Neuanfang wagen? Es drohen Wertzerfall und soziale Spannungen. Laut Brülisauer ist ein aktives Vorgehen seitens der öffentlichen Hand einem Laisser-faire klar vorzuziehen: «Durch die frühzeitige

von Einkaufszentren im Grünen. «Dort wo heute billiges Bauland en masse zum Verkauf angeboten wird und schnell Baubewilligungen ausgestellt werden», betont Brülisauer. Die Kaufkraft wandert ab – von der Stadt aufs Land. «An diesem gesellschaftlichen

Urs Brülisauer, Architekt und Leiter Netzwerk Altstadt

Am gesellschaftlichen und « wirtschaftlichen Wandel wird auch das Stedtli Laupen nicht vorbei kommen.

»

Einbindung aller Akteure lassen sich zum Teil schwer reversible Folgen vermindern», ist er sich sicher. Unaufhaltbarer Wandel Die Ursachen für diesen Strukturwandel in historischen Zentren sind vielfältig. An erster Stelle macht Brülisauer den Trend zu grösseren Flächen im Detailhandel dafür verantwortlich. Aber auch gesellschaftliche Entwicklungen, wie der Wunsch Shopping als Event zu erleben, machen es den Detaillisten schwer. Die zunehmende Mobilität ermöglicht den Konsumenten den Besuch von Shoppingtempeln in weiterer Entfernung. Dies wiederum animiert den Grosshandel zum Bau

und wirtschaftlichen Wandel wird auch das Stedtli Laupen nicht vorbei kommen», ist sich Urs Brülisauer sicher. «Vermutlich werden im historischen Zentrum nur wenige Läden überleben. Egal ob auf dem Poly-Areal ein neues Geschäftszentrum entsteht oder nicht.» Das Stedtli soll leben! Um die kulturell wertvolle Bausubstanz im historischen Kern Laupens zu erhalten, schlägt Brülisauer eine Stärkung der Obergeschosse vor. Die Bemühungen im Erdgeschoss immer wieder neue Läden anzusiedeln, erachtet er als vergebens. «Das Wohnen ist schon heute die flächenmässig wichtigste Stütze der Altstadt und

Das Netzwerk Altstadt ist ein Kompetenzzentrum für Altstadtfragen und eine Plattform für den Austausch von Erfahrungen, Werkzeugen und Beispielen. Das Netzwerk basiert auf einem Projekt des Bundesamtes für Wohnungswesen. Netzwerk Altstadt, Hohengasse 17, 3402 Burgdorf Tel 034 423 43 20 Fax 034 423 25 31 info@netzwerk-altstadt.ch