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Kommunen gehen zunehmend dazu über, 28. März 2009


ihren innerörtlichen Handel durch die
Festlegung räumlich genau definierter
"zentraler Versorgungsbereiche" gegen zu
starke Konkurrenz an den Ortsrändern oder
auf der grünen Wiese zu schützen - so nun
auch Much. Gutachter Michael Karutz von
der Firma 'CIMA', die vergleichbare
Erhebungen auch schon in Lohmar und
Neunkirchen-Seelscheid durchgeführt hat,
hat eine Bestandsaufnahme des
vorhandenen Einzelhandels im Kernort
Much und den Außenorten erarbeitet. Das
Ergebnis der Untersuchungen stellte er
diese Woche im Planungs- und Verkehrs-
Ausschuß der Gemeinde vor.

Demnach besitzt Much eine einzelhandels-


relevante Kaufkraft, die 3,6 Prozent über
dem Bundesdurchschnitt liegt. Das jährliche Nachfrage-Volumen beträgt 81,3 Millionen
Euro, von denen jedoch mehr als die Hälfte, 43,8 Millionen, in andere Kommunen wie
Köln oder Siegburg abfließen. Auswärtige Personen geben dagegen nur 3 Millionen Euro
in Much aus. Der im Gemeindegebiet getätigte Umsatz beläuft sich somit auf
40,5 Millionen Euro, wovon 36,5 Millionen auf den Kernort, 1,2 Millionen auf Marienfeld
und 2,9 Millionen auf die übrigen Ortsteile entfallen.

Bei den Kaufkraft-Abflüssen stehen Lebensmittel und Reformwaren (12,1 Mio.),


Elektrogeräte und Unterhaltungs-Elektronik (6,5 Mio.), Baumarkt-Sortimente (5,4 Mio.),
Einrichtungsbedarf (4,8 Mio.), Gesundheits- und Körperpflege-Artikel (4,6 Mio.) sowie
Bekleidung und Wäsche (4,1 Mio. Euro) im Vordergrund. Bei den Zuflüssen von extern
fällt nur der Bereich Lebensmittel / Reformwaren mit 1,2 Millionen Euro ins Gewicht.

Gerade der hohe Kaufkraft-Abfluß im Bereich Lebensmittel (12,1 von 32,1 Millionen Euro
Nachfrage-Potential) zeige, daß die Ansiedlung eines weiteren Discounters wie 'Lidl'
chancenreich wäre. Für einen solchen zusätzlichen Markt wird eine Umsatzerwartung
von 5,2 Millionen Euro, davon 4,7 Mio. im Bereich Lebensmittel, prognostiziert. In diesem
Bereich könnten somit 3,2 Millionen Euro Umsatz ins Gemeindegebiet zurückgeholt
werden, die restlichen 1,5 Millionen würden durch Umsatzverlagerung aus dem
bestehenden Handel erzielt.

Als räumliche Lage für einen weiteren


Discounter käme das Areal Kleverhof /
Raiffeisenmarkt in Frage. Im Gespräch ist
auch ein Umzug des 'ALDI'-Marktes in
diese Zone. In diesem Falle müßte aber ein
neuer Discounter am bisherigen Standort
angesiedelt werden, um die umsatzstarke
Kombination eines Vollsortimenters und
eines Discounters im Wahnbachtal
wiederherzustellen. Eine Verlagerung des
'ALDI' könne vermutlich damit verhindert
werden, wenn die Größe der Verkaufsfläche
Sollen in ihrer Kombination unbedingt im Bereich Kleverhof planungsrechtlich auf
erhalten bleiben : Vollsortimenter und 800 Quadratmeter beschränkt wird.
Discounter im Wahnbachtal Discounter hegen meist den Wunsch, ihre
Fläche zu vergrößern. Ist dies auf diese
Weise ausgeschlossen, wird eine Verlagerung unattraktiv.

Ein weiteres Potential für Neuansiedlungen bestehe im Bereich der Gastronomie, die
eine Steigerung der Anziehungskraft des Ortskerns bewirken würde. Weiterhin käme hier
der Sektor Glas, Porzellan und Keramik in Frage, da in diesem Bereich ein
Kaufkraftzufluß von außerhalb des Gemeindegebiets bestehe.

Insgesamt weist das Gemeindegebiet derzeit 79 Einzelhandelsgeschäfte auf, davon 53 in


Much, 4 in Marienfeld und 22 in den übrigen Ortsteilen. Diese umfassen zusammen

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8.030 Quadratmeter Verkaufsfläche, davon allein 3.285 für Lebensmittel und


Reformwaren (40,9 %). Dies entspricht einem Flächenanteil von 0,64 Quadratmeter pro
Einwohner (Bundesdurchschnitt 1,40), bezogen auf den Hauptort Much
2,36 Quadratmeter pro Einwohner.

Der Mehrzahl der Einzelhandels-Betriebe


attestierte der Gutachter ein positives
Erscheinungsbild : In Punkto Schaufenster-
Gestaltung, Fassade, Lichtkonzept,
Warenpräsentation und Dekoration
genügen 2 Prozent der Geschäfte allen
Ansprüchen, 54 Prozent präsentieren sich
modern und zeitgemäß, 33 Prozent werden
in die Kategorie "normal, ohne Highlights"
mit Optimierungs-Bedarf eingeordnet. Nur
11 Prozent wurden als veraltet und
renovierungsbedürftig bewertet.
Die "enorme Verkehrsbelastung" der
In die Abgrenzung des "zentralen Hauptstraße wird als Negativum betrachtet
Versorgungsbereichs" wurden die
Grundstücke entlang der Hauptstraße von den Geschäftshäusern schräg gegenüber des
Rathauses bis zur Einmündung der Straße 'Auf dem Beiem , die Dr.-Wirtz-Straße bis
zur Einmündung der Zanderstraße, die Ostseite der Gartenstraße, der Kirchplatz, die
Nordseite der Lindenstraße sowie die Kirchstraße einbezogen. In einer Insellage gehören
weiterhin die Märkte im Wahnbachtal zwischen der Marienfelder Straße und der
Wahnbachtalstraße dazu. Nicht einbezogen wurden somit die 'Norma'- und 'Penny'-
Märkte am Krahmer Weg sowie der Tierfutter-Fachmarkt zwischen Bauhof und
Tankstelle.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte, daß


der Bereich zwischen dem Kirchplatz und
den Märkten im Wahnbachtal, also die
Straße 'In der Schweiz' und das Bauhof-
Areal aus dem Zentrumsbereich
ausgeklammert wurden. Hier hatte die
Planungsgruppe 'Hamerla' in der
Vergangenheit alternative Entwicklungs-
Möglichkeiten wie ein Hotel oder auch
Wohnbebauung aufgezeigt. Eine davon sah
ein "Kreativ-Viertel" für Künstler,
Kunstgewerbe-Anbieter und Handwerker
Das Areal rund um den Bauhof zwischen vor. Auf Nachfragen aus dem Ausschuß
Klosterstraße und Hauptstraße gehört nicht bezeichnete der Experte die Chance eines
zum "zentralen Versorgungsbereich" solchen auch touristisch attraktiven
"Kreativ-Viertels" wörtlich als
"Phantastereien" und "Planer-Romantik".

Beigeordneter Norbert Büscher betonte, daß sich die Alternative eines Wohnquartiers bei
der derzeitigen Investoren-Suche ohnehin als wahrscheinlicher abzeichnen würde. Mit
der Herausnahme dieses Gebietes aus der zentralen Handelszone ist auch der
langbeschworene "Brückenschlag" zwischen der Hauptstraße und den
Lebensmittelmärkten hinfällig. Dieser, so der Gutachter, sei aufgrund des
Geländesprungs auch gar nicht gegeben. Bei einer Ansiedlung von Geschäften in
diesem Bereich würde die Attraktivität des östlichen Ortsrands zu Lasten der westlichen
Hauptstraße gesteigert. Eine weitere Entwicklung des Einzelhandels im Bauhof-Areal
sollte tabu sein, so die Einschätzung.

In die Liste der zentrenrelevanten Waren, die auf den abgegrenzten Bereich zu
beschränken sind, wurden die als grundsätzlich eingestuften Sortimente Bücher,
Zeitschriften und Schreibwaren, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren, Unterhaltungs-
und Kommunikations-Elektronik, Computer und Elektrokleingeräte, Foto und Optik, Haus-
und Heimtextilien, Haushaltswaren und Einrichtungs-Zubehör ohne Möbel, Uhren und
Schmuck, Spielwaren sowie Sportartikel aufgenommen. Für Much spezifisch kommen
Bastelbedarf und Parfümerie-Artikel hinzu.

Außerhalb des definierten "zentralen Versorgungsbereichs" sind demnach die


verbleibenden Produktgruppen wie Möbel, Baustoffe, Baumarkt-Artikel, Sanitär- und
Eisenwaren, Autozubehör, Gartenartikel, Zoobedarf und sperrige Artikel aus den
Bereichen Sportbedarf, Elektro und Babybedarf zulässig. Bestehende Geschäfte mit
zentrenrelevanten Sortimenten besitzen jedoch auch außerhalb des Zentralbereichs
Bestandsschutz.

Die Ausschuß-Mitglieder stimmten der vorgeschlagenen Abgrenzung des "zentralen


Versorgungsbereichs" und der "Mucher Sortimentsliste" nach der Diskussion einstimmig
zu. Diese müssen in der Folge noch mit der Bezirksregierung abgestimmt werden. (cs)

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