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26 Internet World BUSINESS E-COMMERCE 30. März 2009 7/09

SERIE: CONVERSION-RATE-OPTIMIERUNG (2/4)

Die optimale Startseite


Nicht nur Nutzwert müssen Onlinehändler ihren Kunden bieten, auch die emotionale Ansprache ist wichtig

H eute hier, morgen dort, bin kaum da,


muss ich fort“ – das Sprunghafte, das
Liedermacher Hannes Wader besingt,
„Das größte Problem ist,
vielen Shops noch im-
mer Defizite fest. „Nur
rund 20 bis 30 Prozent
Serie: Conversion Rate
Optimization
dass die meisten Händler ihre
kennen auch Onlinehändler nur zu gut: der Top-500-Webshops Lernen Sie mit unserer vierteiligen Serie,
Im Schnitt hat ein Webshop zwischen zwei Zielgruppen nicht kennen.“ haben ihre Startseite wie Sie mehr Ihrer Webshop-Besucher zu
und acht Sekunden Zeit, um Internetnutzer Tim Hahn relativ gut optimiert“,
(kauffreudigen) Kunden machen:
zu überzeugen, tiefer in ihr Sortiment ein- Geschäftsführer Netz98 glaubt Netz98-Gründer
zusteigen. Und jeder dritte potenzielle Tim Hahn. Vor allem ❚ Folge 1: Grundlagen und Zahlen
Kunde, so zeigt eine Studie des Conversion- der Bereich Mode und Ausgabe 6/2009
Rate-Optimierers Web Arts, klickt weiter Hamburger Versandhaus Otto. „Doch es Fashion habe hier eine Vorreiterfunktion.
❚ Folge 2: Die optimale Startseite
zur Konkurrenz, noch bevor ein Webhänd- entwickelt sich immer stärker in Richtung Die restlichen 70 bis 80 Prozent der Shops
Ausgabe 7/2009
ler mit seiner Startseite den Eindruck er- Unterhaltung.“ Unter dem Nutzwert- jedoch verschenken noch immer Umsatz-
wecken kann, er begrüße den Kunden mit aspekt sei natürlich der schnelle Weg zum potenzial, weil sie schon auf der Startseite ❚ Folge 3: Navigation und Suche
„Guten Tag, lieber Kunde, schön, dass du Angebot wichtig.Allerdings gebe es immer unnötig Kunden verlieren. Ausgabe 8/2009
da bist, was kann ich denn für dich tun?“ mehr Internetnutzer, die in ihrem Kauf-
entscheidungsprozess noch weitere Infor-
Hemmschuh Zielgruppenanalyse ❚ Folge 4: Neue Softwaretechnologien
Emotion statt Produktfülle mationen, Anregung, Inspiration suchen. Das größte Problem der Shopbetreiber sei, Ausgabe 9/2009

Wie im stationären Ladengeschäft tüfteln „Deshalb spielt im Rahmen unserer E- dass sie ihre Zielgruppe nicht kennen.„Oft Alle bereits erschienenen Folgen der Serie können Sie
online unter www.internetworld.de/webcode mit dem
auch Onlineshopbetreiber seit den ersten Shopping-Initiative die emotionale Kun- werden hier Zahlen falsch interpretiert“,
Webcode 0907026 herunterladen
Tagen des E-Commerce an Konzepten, wie denansprache eine zentrale Rolle“, erklärt sagt Hahn. „Und die Händler verlassen
virtuelle Schaufenster denn eigentlich aus- er. Der Internetkauf soll Spaß machen, sich auf die 50 bis 60 Prozent der Kunden,
Wünsche wecken und die einheitlich sind, statt gezielt die 20 Pro- der Usability-Profi klare Vorstellungen:
zu Impulskäufen anre- zent anzusprechen, die bekanntermaßen „Im Hauptsichtbereich platziert man Key-
„Das Internet entwickelt sich gen. Zu diesem Zweck für 80 Prozent des Umsatzes sorgen.“ visuals und Aktionen, die Navigation wird
weg vom reinen Nutzwert- will Otto.de künftig ver- Damit Händler ihre Zielgruppen besser um diese herum platziert. Auch plädiert
stärkt auf Bewegtbild kennenlernen, empfehlen Hahn und sein Nitz dafür, die Suche groß und prominent
zum Unterhaltungsmedium.“ und animierte Teaser Team den Shopbetreibern, ihre Kunden im zu platzieren. „In vielen Shops ist die Suche
Thomas Schnieders setzen, um den Einstieg Anschluss an eine Bestellung zu befragen, zu klein und zu unauffällig, dabei haben
Direktor Neue Medien bei Otto in den Onlineshop noch Fragebögen den Bestellungen beizulegen alle Internetnutzer die Google-Suchoptik
emotionaler zu gestal- und auch Telefonbefragungen durchzu- in der Mitte der Seite gelernt. Gerade hier
ten. führen. Erst wenn man die Bedürfnisse ergibt sich ein großes Möglichkeitsspek-
sehen müssen, um den Kunden zum Blei- Dass Emotion das neue Buzzword im seiner Kernklientel kenne, könne man trum für Webshops“, weiß Nitz.
ben zu motivieren. Und während viele E-Commerce ist, bestätigt auch Florian auch darangehen, die Startseite wirklich Wer seine Zielgruppenansprache vor-
Händler in der Vergangenheit die Strategie Schneider, Creative Director Interactive zu optimieren. bildlich umsetzen will, sollte darüber hin-
verfolgten, dem Verbraucher möglichst bei der Mainzer E-Commerce-Agentur Welche Anforderungen Shopbetreiber aus verschiedene Landing Pages konzipie-
schon auf der Startseite das gesamte Sorti- Netz98. „Shops werden immer mehr zu hier vor allem erfüllen
ment zu präsentieren, und die Shopein- Magazinen mit Produktvorstellungen“, so müssen, weiß der
stiegsseite mit winzig kleinen Produktbil- seine Erfahrung. Nutzer würden in Welten Netz98-Usability-Ex- „Vor drei bis vier Jahren
dern nahezu überfrachteten, geht der ak- gelockt, in die dann Produkte einfließen. perte Daniel Nitz: „Die hat man bei einem Relaunch
tuelle Trend eher dahin, den Kunden mit Allerdings sieht er in der emotionalen Seite sollte übersichtlich
großflächigen Werbebildern so in Shop- Kundenansprache beispielsweise über wirken, Orientierung mehr Geld verbrannt.“
pinglaune zu versetzen, dass er sich dem Gesichter auch Gefahren: „Mag jemand bieten und Prozesse ver- Axel Seeger
Angebot nicht mehr entziehen kann. Die das Gesicht nicht, ist er auch schnell ständlich umsetzen“, er- E-Commerce-Stratege bei S.Oliver
bislang einhellige Meinung, dass ein Shop- wieder weg“, sagt Schneider. klärt er. Darüber hinaus
besucher in der Regel mit einer gezielten Während die emotionale Kundenan- ist auch Nitz der Auffas-
Produktvorstellung auf der Startseite eines sprache Shopbetreibern und ihren Agen- sung, dass verschiedene Einstiegsmöglich- ren und dabei berücksichtigen, woher der
Shops landet und von dort möglichst turen viel Raum für Kreativität lässt, gibt keiten für Shopbetreiber immer wichtiger Kunde gerade kommt, sagt Nitz. Nutzer,
schnell zu seinem gewünschten Produkt es allerdings auch simple Vorgaben, die es werden: Die Navigation über Kategorien, die über eine Affiliate- oder Adword-Kam-
finden sollte, wurde inzwischen modifi- bei der Gestaltung der Startseite eines ein prominent dargestelltes Suchfenster pagne auf die Seite gelangt sind, suchen
ziert: „Das Internet ist heute weitgehend Webshops zu beachten gilt. Obwohl diese und visuelle Einstiege über Teaser zählen vermutlich gezielt nach Sonderangeboten
noch ein Nutzwertmedium“, sagt Thomas von Experten seit Jahren kommuniziert für ihn zu den Basics, die ein Shop erfüllen und sollten diese auf der Landing Page
Schnieders, Direktor Neue Medien beim werden, stellt das Netz98-Team hier bei sollte. Auch bei der Seitenaufteilung hat auch finden. Über das organische Such-

Checkliste Startseitengestaltung
❚ Konzentrieren Sie sich bei der Optimierung
auf die 20 Prozent Ihrer Zielgruppe, die
für 80 Prozent des Umsatzes sorgt.
❚ Bieten Sie Kunden unterschiedliche Ein-
stiege über Navigation, Suche und emotio-
nale Bildansprache an.
❚ Platzieren Sie die Suche prominent und
großflächig. Sie birgt großes Umsatz-
potenzial für Ihren Shop.
❚ Gestalten Sie Call-to-Action-Buttons
prominent in immer der gleichen Farbe
und klar als klickbar erkennbar (keine
Grautöne).
❚ Lassen Sie sich auf keine Experimente bei
der Warenkorbplatzierung ein. Der Waren-
korb gehört immer ins obere rechte Drittel.
Startseiten-Evolution bei Mediherz.de: Im Abstand von sechs Monaten optimierte die Versandapotheke die Seite. Hauptziel: Vertrauen schaffen
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maschinen-Ranking werde eine breitere


Masse an Besuchern zu dem Shop gelockt.
Hier sei es wichtig, einen größeren Aus-
schnitt aus dem Sortiment zu zeigen. Und
bei einer gezielten Werbekampagne wür-
den eventuell auch Keyvisuals und Micro-
sites ausreichen, um den Kunden zum
Kauf zu bewegen.
Insgesamt rät das Team von Netz98
Shopbetreibern, die einen Relaunch pla-
nen, die Nutzer im Rahmen von Usability-
Labs in die Konzeption einzubeziehen. Die
Kosten in Höhe von 5.000 bis 15.000 Euro
– je nach Zahl der Zwischenschritte – seien
durch höhere Konversionsraten schnell
wieder refinanziert. Wer die Kosten für
einen kompletten Relaunch scheut, könne
auch oft durch sogenannte Quickwins die
Konversionsraten um bis zu zwei Prozent
steigern. „Hier werden oft nur Details im
Design verändert, neue Keyvisuals plat-
ziert oder die Ansprache emotionaler ge-
staltet. Die vorhandene Shopstruktur wird
belassen“, erklärt Tim Hahn. Vorher: Die Startseite von S.Oliver verschenkt viel Platz Nachher: Authentische und sympathische Markenpräsentation
Der Webshop des Mode- und Lifestyle-
Unternehmens S.Oliver hat den Relaunch Umstellung von Websphere auf Demand- Jetzt ist die Navigation an den oberen Bild- Auch die Möglichkeit, A/B und variable
gerade hinter sich. In das neue Konzept ware – ins Boot geholt. „Viele Ideen und schirmrand gewandert und der Haupt- Testings durchzuführen, soll künftig ver-
flossen fünf Jahre E-Commerce-Erfah- Vorstellungen für das Konzept stammen sichtbereich lässt Platz für emotionale stärkt genutzt werden. Ebenso sollen ver-
rung des Teams, die Ergebnisse aus Kun- aber direkt von uns“, betont Axel Seeger, Bildansprachen, Sonderangebote und die schiedene Landing Pages und Startseiten je
denbefragungen und Usability-Wettbe- Manager Strategic E-Commerce bei S.Oli- Kommunikation des eigenen Service-An- nach Kunde eingesetzt werden. Seeger ist
werbsanalysen durch Marktforschungsin- ver. Die neue Startseite nutzt den vorhan- gebots. Dabei bietet Demandware dem überzeugt, dass der Webshop sein Ziel,
stitute ein. Darüber hinaus wurden die denen Raum auf dem Bildschirm deutlich E-Commerce-Team auch größeren Ge- schöner und umsatzträchtiger zu werden,
Stuttgarter Internetagentur DMC für die besser aus als vorher. „Früher wurde die staltungsspielraum: „Früher gab es starre erfüllt. Schon kurz nach dem Launch sei
grafische Gestaltung und T-Systems MMS gesamte linke Hälfte für die Navigation Frames, heute können wir auch ganze Sei- die Absprungrate gesunken und die Kon-
– für die technische Umsetzung und die verschenkt“, so der E-Commerce-Stratege. ten für Grafiken verwenden“, sagt Seeger. versionsraten hätten zugenommen. dp ❚

INNOVATIVE NAVIGATION

Personas statt Personalisierung


Zielgruppen-Clustering ist eine einfache Technik, unterschiedliche situative Bedürfnisse der Nutzer einzubeziehen

D ie Legende vom funktionierenden


One-to-one-Marketing stirbt nicht
aus. Landauf, landab versuchen Marketer,
und zwar immer dann,
wenn ein kritisches Ereig-
nis eintritt.“ Seinem Vor-
mationen benötigen, als die bisherige
Website sie liefert.“
Die konkrete Umsetzung auf der Website
ihre Mail-, SEM- oder Displaykampagnen schlag zufolge decken fünf kann zum Beispiel in Form der offenen
immer genauer auf die vermuteten Be- bis sechs typische Nut- Darstellung der Archetypen geschehen,
dürfnisse der Nutzer auszurichten. Mit zungsszenarien die Erfor- wie das iStorez betreibt. Es funktioniert
großem Aufwand, aber mit überschauba- dernisse für die meisten aber auch über prägnante, klar zu unter-
rem Erfolg. Das Problem ist systemimma- Websites ab. scheidende Fragestellungen. Wie man es
nent: Beim Targeting werden Interessen In seinen Workshops rät nicht machen sollte, zeigt das Beispiel Tui-
und Neigungen erhoben, die sich zeitlich Kalbach zu einem unge- Vital.de. Hier werden vier unterschiedli-
betrachtet einigermaßen stabil entwickeln, wöhnlichen Weg, um be- che Wellness-Segmente zur Differenzie-
doch daneben spielt auch der situative stehende Denkmuster in rung der Bedürfnisse herangezogen. Die
Kontext eine bedeutende Rolle für die ak- der Marketingabteilung Begriffspaare sind aber nicht trennscharf.
tuellen Bedürfnisse des Nutzers und seine aufzubrechen. In einem Wenn man die Eigenschaften und Be-
nächste Entscheidung. ersten Schritt setzen sich dürfnisse der unterschiedlichen Personas
„Wir müssen verstehen, wann wir mit die Beteiligten aus allen in Beziehung setzt, gelangt man zu einer
den Erwartungen der Nutzer spielen kön- Bereichen eines Unterneh- Prioritätenliste. Dann wollen zum Beispiel
nen und wann nicht“, sagt James Kalbach, mens zusammen und su- vier der sechs Archetypen detailliertere
Informationsarchitekt und Usability-Ex- Beachten Sie das Wording: Aus der biederen Hausfrau wird auf chen nach den Archetypen Produktinformationen und nur zwei sind
perte.„Zum Beispiel ist der Warenkorb ein der iStorez-Website die anspruchsvolle „Domestic Diva“ und deren Eigenschaften. an Schnäppchen interessiert. Hieraus ergibt
linearer Prozess. Da ist kein Raum mehr Kalbach bevorzugt hier sich eine Hierarchie für das Sitedesign.
für gestalterische Experimente oder gar für niemals alle Benutzer präzise bedienen klassische Metaplan-Arbeit. Die Typen- James Kalbach ist übrigens der Mei-
Cross-Selling.“ Von Seite zu Seite ändern können“. Statt sich auf den einzelnen zu bezeichnungen werden an eine Pinnwand nung, dass sich der etwas aufwendigere
die Nutzer Kalbachs Meinung nach die fokussieren, fordert Kalbach die Site-Ent- geheftet und ihnen werden dann die Eigen- Strategie-Ansatz am Ende nicht nur für
spezifischen Fragestellungen, die sie an ein wickler auf, sich mehrere Benutzungs- schaften zugeordnet. Dann wird über ein Großunternehmen lohnt: „Gerade kleine
Online-Angebot richten: „In der Informa- szenarien auszudenken und diese zum Bewertungssystem reduziert, bis man bei und mittlere Sitebetreiber tun sich doch
tionsarchitektur nennen wir das Transitio- Grundgerüst der Navigation zu machen. fünf Personas angelangt ist. nachher viel leichter, wenn sie ihre Website
nal Volatility.“ Das klassische Zwei-Varianten-Modell Im nächsten Schritt müssen die konkre- auf fünf oder sechs konkrete Zielgruppen
mit je einem Zugang für den transaktions- ten Probleme der Archetypen erkannt hin optimieren können“. ❚
Den User besser kennenlernen orientierten, websicheren Power-Nutzer werden.„Sehr gute Erfahrungen haben wir Frank Puscher
Dem muss der Sitebetreiber und Marketer und den ziellos umhersurfenden Inspira- mit Rollenspielen gemacht. Dabei insze-
natürlich nicht tatenlos zusehen. Er muss tionssucher geht dem in Hamburg leben- niert man den tatsächlichen Bedarfsdialog Weitere Infos unter www.internetworld.de/webcode
die Website vorhersehbar gestalten. Kal- den Amerikaner nicht weit genug: „Inner- wie ein Verkaufsgespräch. Man kann sehr WEBCODE 0907027
bach plädiert für den Einsatz von Ziel- halb einer Session wechseln wir mehrfach genau sehen, an welchen Stellen welche
gruppen-Clustering: „Eine Website wird zwischen diesen beiden Verhaltensweisen, Zielgruppen mehr oder andere Infor- ❚ Weitere Anregungen zum Thema Persona