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Leptolalax pictus sp.n. (Anura: Pe1obatidae)


vom Mount Kinabalu/Nord-Borneo
Rudolf MALKMUS
mit Abb. von T. ASSMUTH (A) und vom Verfasser

Abstract
A new specics of the Pelobatid genus Leptolalax from the southeastern slopes of Mount Kinabalul
North Borneo is described: Leptolalax pictus sp.n. The new form is morphologically distinctly different
from the presently known forms of this genus.
Key words: Amphibia: Anura: Pelobatidae: Leptolalax pictus sp.n.; Borneo; taxonomy; morphology;
ecology.

Pelobatiden sind auf Borneo mit den Gattungen Megophrys, Leptobrachium, Leptolalax und Lepto-
brachella (vgl. DRING 1983, DUBOIS 1980, 1983, 1986, INGER 1966) vertreten. Aufgrund ab-
weichender morphognostischer Details (Lage der Axillardriisen, glatte Hautoberfläche, morphognostische
Unterschiede; Thenar- größer als Palmartuberkel) faßte DUBOIS (1980) eine Gruppe der Gattung
Leptobrachium zu einem neuen Sub genus Leptolalax zusammen, den er später (1983) zu einer
eigenständigen Gattung erhob.

Es handelt sich um kleine bis mittelgroße, relativ Holotypus


schlank gebaute und langbeinige Arten, die über- ZFMK 51762, Männchen adult; Sungei Langanan
wiegend den von Fallaub bedeckten Boden von am Südosthang des Mount Kinabalu, 800 m NN.
Primärwäldern bewohnen, bevorzugt im Ufer-
bereich von Bächen und Flüssen der collinen und Beschreibung
montanen Zone (bis 2200 m NN). Ihr Verbreit- Kopf-Rumpf-Länge 32 mm. Alle nachfolgenden
ungsgebiet erstreckt sich von Südchina bis zur Maßangaben sind Relationswerte, die das Verhält-
Malaiischen Halbinsel und Borneo. nis des jeweiligen Meßbereichs zur KRL zum
DUBOIS (1980, 1986) unterscheidet 5 Arten: 2 Ausdruck bringen:
auf Borneo (L. gracile GÜNTHER, L. dringi - Kopfbreite 0,352
DUBOIS) und 4 auf dem Festland (L. gracile - Abstand Auge-Nasenöffnung 0,091
GÜNTHER, L. heteropus BOULENGER, L. - Abstand Auge-Tympanum 0,043
pelodytoides BOULENGER, L. oshanense LIU). - Tibialänge 0,594
Die nachfolgend beschriebene neue Art unter- - Abstand zwischen den Nasenöffnungen 0,081
scheidet sich deutlich von den bisher bekannten - Durchmesser des Tympanums 0,081
und wird dargestellt als - Innerer Palmartuberkel 0,063
- Innerer Metatarsaltuberkel 0,047
Leptolalax pictus sp.n. Die Nasenöffnungen liegen der Schnauzenspitze
etwas näher als dem Auge; Canthus rostralis deut-
lich; Lorealzone konkav; Interorbitalraum schma-
Diagnose ler als Augenlid, aber größer als der Abstand
Eine schlanke, mittelgroße Form der Gattung Lep- Auge-Nasenöffnung; Schnauze stumpf konkav ge-
tolalax (sensu DUBOIS 1980, 1983, 1986), die sich rundet, weit vorspringend (im präparierten Zu-
durch sehr markant ausgeprägte dorsale und late- stand jedoch senkrecht abfallend und nicht über-
rale Fleckenzeichnung und - bezogen auf ver- stehend). Tympanum deutlich; sein Durchmesser
wandte Arten - durch abweichende morphome- entspricht etwa dem halben Augendurchmesser
trisehe Indices auszeichnet. und ist größer als sein Abstand vom Auge. Eine
Supratympanalfalte zieht sich mit starker Biegung,
Derivatio nominis den oberen und hinteren Rand des Tympanums
Lateinisch pictus = bemalt, gefleckt berührend, vom Auge zur Axilla. Gaumenzähne

SAURIA, Berlin, 1992, 14 (3): 3-6 3


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fehlen. Bei nach vorn seitlich an den Körper an- kleinen Punkten finden sich an den Kopfseiten 5
gelegten Hinterbeinen reicht das Fersengelenk bis große schwarze Flecke, die in dieser Anordnung
knapp über die Schnauzenspitze. auch bei den Paratypen auftreten: zwischen Tym-
Die Fingerspitzen sind gerundet, ihre Haut deut- panum und Oberarm; zwischen Unterrand des
lich unterschieden von der der Fingerhaut; erster Tympanums und des Auges; zwischen dem vor-
und zweiter Finger gleich lang, Subartikulartu- deren Augenrand und der Oberlippe; im Loreal-
berkel schwach ausgeprägt; ein großer, hoher, seit- bereich und an der Schnauzenspitze. Der große
lich etwas zusammengedrückter, schwarzer The- Fleck an der Schnauzenspitze wird durch eine
nartuberkel, daneben ein Palmartuberkel von etwa weiße Vertikalbarre medial geteilt. Die Supra-
halber Größe. Zehenspitzen wie Fingerspitzen. tympanalfalte ist schwarz mit einem hell rot-
Dritte Zehe länger als fünfte Zehe; vierte Zehe braunen Oberrand. Die Körperunterseite ist weiß,
sehr lang; rudimentäre Schwimmhäute an der Ze- nach hinten zu dunkler überflogen; Brust und
henbasis vorhanden; Subartikulartuberkel kaum Kehle nach gelblich übergehend. Auf beiden
erkennbar; innerer flacher Metatarsaltuberkel Brustseiten - an der Armbasis - befindet sich ein
schwach ausgeprägt. runder kreideweißer Fleck, der sich jeweils aus
Die gesamte Hautoberfläche ist frei von Tuberkeln einem Ensemble von 7-12 Pünktchen zusammen-
und glatt. Lediglich auf dem Augenlid befinden setzt.
sich kleine Wärzchen. Der Rand des Unterkiefers ist irregulär weiß und
braun gefleckt. Die Schenkeloberseite ist farblieh
Lebendfärbung mit dem Dorsum identisch und wird von 3
Die lichtbraune Oberseite ist mit dunkler braunen, schwach weiß gerandeten, schmalen dunkelbrau-
zum Teil großen, völlig irregulär verteilten Flecken nen Bändern überzogen; dazwischen liegen ver-
bedeckt, die ihrerseits mit schwarzbraunen Punk- einzelt schwarzbraune Flecken; die Unterseite ist
ten besetzt sind und von einer feinen weißen, zum hell bräunlich. Im distalen Drittel der Rückseite
Teil unterbrochenen Begrenzungslinie umrandet der Schenkel befindet sich je ein längs ovaler, weiß-
werden. Kennzeichnend ist ein ebenso gefärbtes, licher, dunkelbraun umrahmter Fleck (Durch-
breites, nach hinten konvex ausgebeultes inter- messer 1 mm).
orbitales Band. An den Flanken hellt sich das Die Iris ist grau-golden mit einem dunkel rot-
Braun des Rückens auf. Zahlreiche kleinere braunen, ca, 120 0 umfassenden Segmentausschnitt
schwarze, weiß umrandete Flecken und Punkte in der oberen Hälfte. Die Gesamtiris wird von
decken die oberen zwei Drittel des Lateralfeldes einem netzartigen, dichten Geflecht feiner rot-
zwischen Humerus- und Femuransatz. Neben brauner und schwarzer Äderchen durchzogen.

Dorsalansicht des Holotypus (H) und der Paratypen (P/P 2) von Leptolalax pictus sp.n., Maßstab = 5 mm (A)

4
Maßstab = 5 mm

Eines der drei Männchen von Leptolalax picjus sp.n.

in 20-50 cm Höhe im unmittelbaren Bachrandbe-


reich angetroffen. Die Männchen geben von dort
aus einen einphasigen, sehr schrillen Ruf ab, ähn-
lich dem zahlreicher Arten anderer Gattungen
(z.B: Staurois, Meristogenys, Ansonia, Hylarana,
Fußunterseite Handunterseite (A)
Rhacophorus; vgl. MALKMUS 1988, 1989).
Es handelt sich dabei durchwegs um Formen, die
Paratypen 2MB 49 023 und 49 027 entlang von Bergbächen mit einem zum Teil be-
Ihre KRL beträgt 31 bzw, 34 mm, Alle morpho- trächtlichen Dauer-Geräuschpegel vorkommen
metrischen Relationswerte liegen im Bereich derer und nur durch derartig explosiv ausgestoßene
des Holotypus. Lediglich die Tibien (bis 0,613) Signale eine akustische Kommunikation mit Art-
und der Durchmesser des Tympanums (0,082- genossen herzustellen vermögen. Konvergent
0,097) weisen bei den Paratypen höhere Werte wurden von Insekten - vornehmlich Orthopte-
auf. Im Gegensatz zu der bereits erwähnten, recht ren - z.T. fast gleich klingende adaptive Laut-
einheitlichen Fleckung der Kopfseiten. scheint die äußerungen entwickelt (vgl. MALKMUS 1991).
des Dorsums und der Flanken recht variabel zu Leptolalax pictus kommt möglicherweise syntop
sein. Als Grundmuster treten bei allen Tieren mit Leptolalax gracile (INGER 1966: Sungei
große Rücken- und kleine Flankenfleckung, ferner Kepungit, Sungei Mamut) vor, bleibt aber im
ein breites, nach hinten gebogenes Interorbitalband Gegensatz zu diesem offensichtlich im sub mon-
auf. Die Lateralfleckung der Paratypen zeigt eine tanen Bereich. Gemeinsam mit Leptolalax pictus
höhere Dichte, so daß sich zum Teil die weißen
Einsäumungen berühren und miteinander ver- Portait von Leptolalax pictus sp.n.
schmelzen. Dadurch entsteht - besonders im Mit-
telfeld - der Eindruck einer weißen, schwarz ozel-
lierten Grundfläche.

Ökologie
Holotypus und Paratypen stammen vom gleichen
Fundort: Primar-Dipterocarpaceenwald des obe-
ren Sungei Langanan (800 m NN). Inzwischen er-
hielt ich von Herrn Dr. RIEDE/Freiburg freund-
licherweise ein weiteres Exemplar (ZMB 49 672 -
Paratypus) dieser Art von der gleichen Örtlichkeit,
das in allen morphologischen Werten den oben
beschriebenen Tieren entspricht.
Die nachtaktiven Frösche wurden zwischen 19
und 21 Uhr auf Stauden- und Strauchvegetation

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'" nun Maf~stab 5

Eines der drei M,innchcn von Leptolalax piaus 51'.1'1.

in 20-50 cm HÖhe im unmittelbaren Bachrandbe-


reich angetroffen. Die Männchen geben von dort
aus einen einphasigen, sehr schrillen Ruf ab, ähn-
lich dem zahlreicher Arten anderer Gattungen
(z.B: S'täurois,M eristogenys, Ansonia, Hylarana,
hlEuntcrscitc llanduutcrseitc (A)
Rhacophorus; vgl. MALIZMUS 1988, 1989).
Es handelt sich dabei durchwegs um Formen, die
Paratypen 2MB 49 023 und 49 027 entlang von Bergbachen mit einem zum Teil be-
Ihre KRL beträgt 31 bzw. 34 mm. Alle rnorpho- tr.ichtlichen Dauer-Geräuschpegel vorkommen
metrischen Relations werte Liegen im Bereich derer und nur durch derartig explosiv ausgestoßene
des Holotypus.Lediglich die Tibicn (bis 0,(13) Signale eine akustische Kommunikation mit Art-
und der Durchmesser des Tympanums (0,082- genossen herzustellen vermögen. Konvergent
0,097) weisen bei den Paratypen höhere Werte wurden von Insekten - vornehmlich Orthopte-
auf. Im Gegensatz zu der bereits crw.ihrucn, recht ren -- z.T. fast gleich klingende adaptive Laut-
einheitlichen Fleckurig der Kopfseitcn, scheint die äuGerungen entwickelt (vgl. MALKMUS 1991).
des Dorsums und der Flanken recht variabel zu Leptolalax pictus kommt mÖglicherweise svntop
sein. Als Grundmuster treten bei allen Tieren mit Leptolalax grade (IN GER 1966: Sungei
groGeRÜcken- und kleine Flan kcnflcckung, ferner Kepungit, Surrgei Marnut) vor, bleibt aber im
ein breites, nach hinten gebogenes Interorbitalband Gegensatz zu diesem offensichtlich im submon-
auf. Die Lareralfleckung der Paratypen zeigt ei ne tanenBereich. Gemeinsam mit Lcptolalax picuis
höhere Dichte, so daf~ sich zum 'Teil die weif~en
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schmelzen. Dadurch entsteht besonders im Mit-
telfeld- der Eindruck cinerwcilscn, schwarz oz.cl-
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Ökologie
Holotypus und Paratypen stammen vorn gleichen
Fundort: Prim:.ir-Dipterocarpaceenwalcl des obe-
ren Sungci Langanan (800 m NN). Inzwischen er-
hielt ich von Hcrrn Dr.RIE.DE/I"reiburg [reund-
lieherweise ein weiteres Exemplar (2MB 49672 -
Paratypus) dieser Art von der gleichen Örtlichkeit,
das in allen morphologischen Werten den oben
beschriebenen Tieren entspricht.
Die nachtaktiven Froschc wurden zwischen 19
und 21 Uhr auf Stauden- und Strauchvegetation

5
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baIu/Nord-Borneo wird Leptolalax pictus sp.n.


beschrieben, der sich durch deutliche morpho-
metrische Distanz von den bekannten Arten der
Gattung unterscheidet.

Dank
Herrn Dr. W. BÖHME (Bonn) möchte ich für
die Bestimmung der Geschlechtszugehörigkeit des
Holotypus, Herrn U. MANTHEY (Berlin) für
Literaturhinweise und Typus-Vergleiche und
Herrn Dr. K. RIEDE (Freiburg) für die Zusend-
ung eines Sammelstückes sehr herzlich danken.

Verwendete Abkürzungen und Akronyme


KRL - Kopf-Rumpf-Länge; ZFMK - Zoologi-
sches Forschungsinstitut und Museum Alexander
König, Bonn; 2MB - Zoologisches Museum der
Humboldt-Universität, Berlin

Literatur
BOULENGER, G.A. (1908): ARevision of the
Oriental Pelobatid Batrachians (Genus Megalo-
phrys) - Proc. Zool. Soc., London, 1908: 407 - 430
DRING, J. (1983): Frogs of the genus Leptobrachella
(Pelobatidae) - Amphibia-Reptilia, Leiden, 4 (2-4): 89-
102
Biotop von Leptolalax pictus sp.n. (Langanan) DUBOIS, A. (1980): Notes sur Ja systematique et la
repartition des amphibiens anoures de Chine et des
wurden in der Uferzone des felsigen Bergbaches regions avoisantes, IV. Classification generique et
subgenerique des Pelobatidae, Megophrynae - BuH.
Ansonia longidigit«, Staureis tuberilinguis, 2 Meri- Mus. Soc. Linn., Lyon, 8: 469-482
stogenys sp., ein großer grüner Ranide (?) und der
- (1983): Note preliminaire sur le genre Leptolalax
semiaquatische Waldskink Sphenomorphus aqua- DUBOIS, 1980 (Amphibiens, Anures), avec diagnose
ticus angetroffen (MALKMUS 1991, 1992). d'une espece nouvelle du Vietnam - Alytes, Paris, 2
(4): 147-153
Beziehungen - (1986): Miscellanea taxonomica batrachiologica
Die hier vorgestellte Form unterscheidet sich von (I) - Alytes, Paris, 5 (1-2): 7-95
den nahe verwandten Arten Leptolalax beteropus, INGER, R.F: (1966): The systematics and
L. dringi und L. gracile durch relativ längere Tibien zoogeography of the amphibia of Borneo - Fieldiana
und Hinterbeine, einen geringeren Internarialab- Zool., Chicago, 52: 1-402
stand und einem besonders L. beteropus gegen- MALKMUS, R. (1988): Herpetologische Studien an
über deutlich größeren Tympanumdurchmesser. einem Waldbach am Mount Kinabalu, Borneo -
herpetofauna, Weinstadt, 10 (53): 6-11
Die Dorsalzeichnung hingegen ähnelt am stärksten
der von L. heteropus, ist jedoch differenzierter aus- - (1989): Herpetologische Beobachtungen am Mount
Kinabalu, Borneo I - Mitt. Zoo I. Mus. Berlin, 65 (2):
gebildet. Das Interorbitalband beschränkt sich auf 179-200
den Interorbitalraum und zieht sich mit seinen - (1991): Zur Herpetofauna des oberen Liwago, Mount
Enden nicht über die oberen Augenlider. Auch Kinabalu/Nord-Borneo - herpetofauna 13 (72): 26-34
die Anordnung der Zeichnungsmuster zwischen - (1991): Sphenomorphus aquaticus sp.n. (Sauria: Sein-
Canthus und Augenunterrand, zwischen Supra- cidae) vom Mount Kinabalu/Nord-Borneo - SAURIA,
tympanalfalte und Oberkieferrand weicht im Rah- Berlin, 13 (3): 23-28
men einer gewissen Variabilität von der bei den - (1992): Herpetologische Beobachtungen am Mount
anderen Arten deutlich ab (vgl. BOULENGER Kinabalu, Nord-Borneo IrI - Mitt. Zoo I. Mus. Berlin,
1908). 68 (1): 101-138

Zusammenfassung Rudolf MALKMUS


Aus dem submontanen Bereich des Mount Kina- Schulstr. 4, D (W) - 8771 WiesthaI