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LEITFADEN TIG-SCHWEISSEN Gas Spitze Strom Legierung Entscheidende Faktoren ∑ Stromquelle: z. B. moderne

LEITFADEN TIG-SCHWEISSEN

Gas Spitze Strom Legierung

Entscheidende Faktoren

Stromquelle: z. B. moderne Inverterstromquellen mit HF Zündung und exakter Stromeinstellung

die Wolframelektrode: Größe und Zusammensetzung

Vorbereitung der Elektrode: Schliff, Winkel, Sitz der Spitze

Abstand zwischen Elektrode und dem Werkstück sowie zwischen Elektrodenspitze und Gasdüse

Schutzgas: Menge, Zusammensetzung, evtl. Wurzelschutz

Umgebungsbedingungen: Zugluft, Absaugung

Gas

Gasdüse

Die zum Schweißen verwendete Gasdüse sollte weder zu groß noch zu klein gewählt werden, um sowohl die Elektrode als auch die abkühlende Schweißnaht mit Schutzgas zu bedecken.

Schutzgas

Je nach Anwendung werden die Edelgase Argon und Helium verwendet. In bestimmten Fällen werden auch Gemische wie Argon/Helium, Argon/Wasserstoff oder Argon/Stickstoff einge- setzt. Beim allgemeinen Schweißen wird in der Regel Argon der Rein- heitsklasse 4.6 benutzt. In Sonderfällen ist ein Gas der Klasse 4.8 oder höher zu empfehlen.

Elektrodenspitze

Schleifrichtung

Wir empfehlen die Elektrode in Längsrichtung anzuschleifen (siehe Abbildung 1). Diese Art des Anschliffs bewirkt eine ver- besserte Zündung und einen stabileren Lichtbogen. Beim radialen Anschliff besteht neben dem schlechteren Licht- bogen zudem die Gefahr, dass während des Schweißens kleine Teile von der Elektrode abbrechen und in die Schmelzen gelan- gen können.

Elektrode abbrechen und in die Schmelzen gelan- gen können. Abbildung 1 Einfluss der Schleifrichtung auf die

Abbildung 1 Einfluss der Schleifrichtung auf die Ausformung des Lichtbogens und des Einbrands.

Zentrierung

Die Spitze soll möglich zentrisch angeschliffen werden. Ist dies jedoch nicht der Fall, so kann der Lichtbogen instabil werden und er zündet nicht dort wo er soll (siehe Abbildung 2). Denn letzteres spielt vor allem beim automatisierten TIG-Schweißen eine Rolle.

vor allem beim automatisierten TIG-Schweißen eine Rolle. Abbildung 2 Verlauf des Lichtbogens bei nicht zentrierter

Abbildung 2 Verlauf des Lichtbogens bei nicht zentrierter Spitze.

Gasmenge

Der Schutzgasstrom muss richtig dosiert sein. Wird zu wenig Gas verwendet, so ergibt sich eine unzureichende Schutzgasab- deckung von Schweißnaht und -elektrode. Eventuell am Materi- al anhaftender Restsauerstoff führt zu einer Oxidation und zu einer schlechten Schweißnaht. Beim Einsatz von zu viel Gas kommt es aufgrund der hohen Strömungsgeschwindigkeit zu Turbulenzen im Gasstrom. Da- durch werden geringe Teile der Umgebungsluft eingesaugt, die eine Oxidation der Schweißnaht und des Schweißguts bewirken. Die Erfahrung zeigt, dass eine Menge von ca. 8 l/min gute Er- gebnisse liefert. Bei großen oder empfindlichen Teilen ist der Wurzelschutz zu beachten!

Winkel

Im Zusammenwirken mit dem Durchmesser der Elektrode hat der Anschliffwinkel einen entscheidenden Einfluss auf die Aus- bildung von Schweißnaht und Einbrand. Die Skizze in Abbildung 3 stellt den Zusammenhang zwischen Einbrandprofil und dem Anschliffwinkel bei konstantem Strom und Gas dar: Bei einer spitzen Elektrode wird die gesamte Energie auf eine kleine Fläche konzentriert, wodurch ein tiefer Einbrand entsteht. Dagegen bewirkt ein stumpfer Anspitzwin- kel, dass die gleiche Energie auf einer deutlich

Anspitzwin- kel, dass die gleiche Energie auf einer deutlich Abbildung 3 Einbrandprofile in Abhängigkeit vom

Abbildung 3 Einbrandprofile in Abhängigkeit vom Spitzenwinkel.

größeren Fläche auftrifft. Dadurch wird der Einbrand deutlich flacher. Somit sind der Lichtbogen und dessen Einbrandprofil ein Spiegelbild des Anschliffwinkels.

Zur Verbesserung der Standzeit und Reduzierung der Spitzen- belastung wird empfohlen die Elektrodenspitze nach dem An- schleifen abzustumpfen. Der dabei entstehende Tip sollte einen Durchmesser von etwa 10 % des Elektrodendurchmessers ha- ben, d.h. bei einer 2,4er Elektrode beträgt der Tipdurchmesser

0,24mm.

Strom

Empfehlungen für Stromart und Gas für verschiedene Werkstoffe

Werkstoff

Gleichstrom

Wechsel-

Schutzgas

+

-

strom

Argon

Helium

un- und legierte Stähle

 

x

 

x

 

Kupfer und Kupferlegierungen

 

x

 

x

x

Nickel und Nickellegerungen

 

x

 

x

 
 

o

   

o

o

Aluminium und Aluminiumlegierungen

   

x

x

x

 

x

   

x

Magnesium und Magnesiumlegierungen

o

   

o

o

   

x

x

x

Titan, Titanlegierungen, Zirkon, Tantal, Molybdän, Wolfram

 

X

 

X

 

x ohne Einschränkungen; o nur bei geringen Wanddicken; Stähle können bei Gleichstrom auch mit Gemischen aus Agon/Wasserstoff, Argon/Helium und Argon Stickstoff geschweißt werden.

Empfehlungen für die Wahl der Stromstärke für DC in Abhängigkeit von Spitzenwinkel und Durchmesser

Durchmesser

 

15°

 

30°

 

45°

 

60°

 

75°

1,0 mm

5 – 20 A

10

– 30 A

20

– 80 A

 

 

1,6 mm

10

– 50 A

20

– 75 A

30

– 100 A

50

– 140 A

 

2,4 mm

30

– 50 A

20

– 90 A

30

– 140 A

50

– 180 A

80

– 230 A

3,2 mm

30

– 80 A

40

– 140 A

50

– 220 A

70

– 300 A

80

– 320 A

4,0 mm

50

– 100 A

50

– 150 A

60

– 250 A

70

– 350 A

90

– 450 A

Empfohlene Stromstärke in Abhängigkeit vom Elektrodendurchmesser

   

Gleichstrom

   

Wechselstrom

 

Durchmesser

 

Elektrode negativ (-)

 

Elektrode positiv (+)

 
 

Wolfram mit

 

Wolfram mit

 

Wolfram mit

 

rein Wolfram

Oxidzusätzen

rein Wolfram

Oxidzusätzen

rein Wolfram

Oxidzusätzen

1,0 mm

10

– 75 A

10

– 75 A

keine Angabe

keine Angabe

15

– 55 A

15 – 70 A

1,6 mm

40

– 130 A

60

– 150 A

10

– 20 A

10

– 20 A

45

– 90 A

60

– 125 A

2,0 mm

75

– 180 A

100

– 200 A

15

– 25 A

15

– 25 A

65

– 125 A

85

– 160 A

2,4 mm

120

– 220 A

150

– 250 A

15

– 30 A

15

– 30 A

80

– 140 A

120

– 210 A

3,2 mm

160

– 310 A

225

– 330 A

20

– 35 A

20

– 35 A

150

– 190 A

150

– 250 A

4,0 mm

275

– 450 A

350

– 480 A

35

– 50 A

35

– 50 A

180

– 260 A

240

– 350 A

4,8 mm

380

– 600 A

480

– 650 A

50

– 70 A

50

– 70 A

240

– 350 A

330

– 450 A

5,0 mm

400

– 625 A

500

– 675 A

50

– 70 A

50

– 70 A

240

– 350 A

330

– 460 A

6,4 mm

575

– 900 A

750 – 1000 A

70

– 125 A

70

– 125 A

325

– 450 A

450

– 600 A

Empfehlungen für die Elektrodenart in Abhängigkeit vom Werkstück

Werkstück

WS2

WLa

WLa

WP

WZr

WLa

WCe

WTh

WTh

WTh

WTh

Anmerkung

20

15

8

10

20

10

20

30

40

unlegierter Stahl

++

+

++

 

- o

++

+

+

+

+

+

 

legierter Stahl

                     

Es wird von der An-

++

++

+

- o

o

++

o

+

++

++

wendung thorierter

                       

Kupfer, Kupferlegierungen

++

+

+

 

- o

o

+

+

+

-

-

Elektroden abgeraten,

Nickel, Nickellegierungen

++

++

+

     

++

 

+

++

++

da sowohl beim

- o

o

-

Schweißen als auch

                       

Aluminium, Aluminiumlegierungen

++

o

o

++

++

+

o

+

-

 

- -

beim Anschleifen radio-

Magnesium, Magnesiumlegierungen

++

o

o

++

++

+

o

+

-

 

- -

aktive Stäube freige-

                       

setzt werden, die in-

Titan, Titanlegierungen

++

+

+

- -

-

+

-

+

++

++

korporiert werden

Zirkon

++

+

+

 

- -

o

+

-

+

++

++

können. Weitere In-

                       

formationen finden Sie

Tantal

+

++

o

- -

o

+

-

+

++

++

in der BGI 746.

Wolfram

+

++

o

 

- -

o

+

-

o

++

++

Eignung: ++ sehr gut, + gut, o bedingt, - schlecht

Weiterführende Literatur

- DVS-Merkblätter 0911, 0920, 0934, 0950 und 2713 in der jeweiligen aktuellen Fassung

- BG-Informationen BGI 746: Umgang mit thoriumoxidhaltigen Wolframelektroden beim Wolfram-Inertgas-Schweißen (WIG), 03/2008

- DIN EN ISO 6848:2005-03

- ANSI/AWS A5.12/A5.12M:2009 (ISO 6848:2004 MOD)