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EUROVISION SONG CONTEST 2013: 100 Millionen Zuschauer sehen sich den Eurovision Song Contest jährlich an.
EUROVISION SONG CONTEST 2013:
100 Millionen Zuschauer sehen sich den Eurovision Song Contest jährlich an.
Für sie ist der ESC ein entspannter Abend auf der Couch. Nicht so für
Musikkritiker Stoph Ruckli (rechts) und Mannschaft-Redaktor Frank Richter.
Mit kritischen Ohren haben die beiden im Vorfeld stundenlang Songs gehört,
Texte hinterfragt und Biografien recherchiert. Die Arbeit hat sich gelohnt. Das
Resultat ist eine Vorschau, wie sie fairer und politisch korrekter nicht sein könnte.
Illustriert wurde der Schlagabtausch von Erykah Barkle.
Cascada – Glorious Frank: Lieber gut gecovert als schlecht selbstgemacht. Was meinst du? Stoph: Wenn
Cascada – Glorious
Frank: Lieber gut gecovert als schlecht
selbstgemacht. Was meinst du?
Stoph: Wenn der letzjährige schwedische
Gewinnersong tatsächlich ähnlich klingt,
tun mir in erster Linie die Schweden leid.
F: Du hast den Song von Loreen noch
nie gehört?! In welcher Höhle lebst du
denn? «Euphoria» kennt man sogar in
Australien.
S: Ich sags mal so: Die schwedische Sex-
Amazone gefällt mir deutlich besser als
das deutsche Pfundsmädel.
Takasa – You And Me
© Lina Schuetze
Frank: Der Song ist ein ziemlicher Ohr-
wurm. Nicht zwangsläufig im positiven
Sinn, aber er bleibt hängen. Allerdings
geht mir der religiöse Aspekt der Heilsar-
mee auf den Keks.
F: Also mir sagt die arische Popsirene
eher zu. So eine wie Loreen stand früher
bei uns im Garten und hielt die Vögel von
den Beeren fern.
Stoph: Tatsächlich funktioniert der Song.
Aber spannender ist die Frage, ob es Emil
noch bis Malmö macht mit seinen 95
Jahren. Ich sehe schon die Wetteinsätze:
«Welches Land verliert? Welches Land
gewinnt? In welcher Sendeminute stirbt
Emil?»
S: Die Sängerin von Cascada ist aus-
gebildete Tänzerin, stampft im Videoclip
aber wie eine Marmorsäule durch den
Ballsaal. Und die Ballerinadamen neben
ihr sind zu allem Übel noch hässlicher als
sie. Kalkül? Nein, ich bevorzuge definitiv
das schwedische Indianermädchen.
F: Sollten wir hier eigentlich nicht über die
Musik reden? Eurodance vom Feinsten.
F: Kann man ihn nicht einfach am Kont-
rabass festkleben? Merkt doch keiner.
S: Schon der Videodreh war gemäss
Interview ein Krampf für ihn. Dabei sitzt er
zu 95% im Auto. Meine Güte. Hoffen wir,
dass sein Instrument ihn nicht erschlägt.
S: Lass es mich so sagen: Ein bisschen
Busen, ein bisschen Bein, so muss deut-
sche Eurodance-Scheisse sein.
F: 10 Punkte
S: 2 Punkte
© SRF/Oscar Alessio
F: Lange im Auto sitzen kann in dem Alter
anstrengend sein. Obwohl, die Kutschen
in seiner Jugend waren bestimmt auch
nicht viel bequemer.
S: Zum Glück ist Bandmitglied Sa-
rah Altenpflegerin. Im Notfall gibts ne
Herzmassage und den Blick-obligaten
Skandal-Zungenkuss in Form der Mund-
zu-Mund-Beatmung.
F: Darf sie das? Die sind ja nicht verhei-
ratet.
S: Im Krieg ist alles erlaubt.
F: Aber wäre ja schon geil, wenn die ge-
winnen. Stell dir mal die Mehreinnahmen
in der Fussgängerzone vor.
F: 4 Punkte
S: 6 Punkte
MAI 2013
61
Marco Mengoni – L'Essenziale Stoph: Marco Mengoni sieht aus und klingt wie eine dieser langweiligen,
Marco Mengoni – L'Essenziale
Stoph: Marco Mengoni sieht aus und
klingt wie eine dieser langweiligen, hässli-
chen italienischen Fernsehshows.
Frank: Italien macht auf Nummer sicher
mit der klassischen Herzschmerznum-
mer. So innovativ wie die Schwalbe im
Strafraum. Der perfekte Sound für die
Bunga-Bunga-Afterparty.
Amandine Bourgeois – L'Enfer Et Moi
S: Allein für die Streicher müsste er mit
Berlusconi in den obersten Turm des Vati-
kans eingesperrt und nie wieder rausge-
lassen werden.
Frank: Toller Song.
© Giuseppe La Spada
Stoph: Der Song hält sich dank ihrer
Stimme tatsächlich im oberen Segment
der Eurovision-Bewerber. Aber bitte, bitte
stellt dem Mädel eine gescheite Make-up-
Artistin zur Seite.
F: Gibt es am ESC eigentlich eine Ober-
grenze dafür, wie lang die Kotletten sein
dürfen? Wenn der sich hinlegt, könntest
du auf den Dingern glatt ein Flugzeug
landen.
F: Sie sieht ein bisschen aus wie Stefanie
Hertel nach ‘ner Nasenvergrösserung.
Hoffentlich haut sie mit dem Riechkolben
nicht den Mikroständer um. Weisst du,
von was die da singt?
S: Für die Friese möchte ich ihm gene-
rell gerne eine grosse Torte ins Gesicht
klatschen.
F: Da schliesse ich mich an. Oder ihn
zwingen, zwölf Stunden TV-Sendungen
mit La Hunziker zu gucken.
S: Nein, in Französisch hatte ich immer
eine 3. Aber zumindest ihr Äusserliches
lässt darauf schliessen, dass sich da kein
Cascada-Text dahinter verbirgt.
S: Es gibt zwei Arten von ESC-Bewerbern.
Die doofen und innovativen sowie die
klischierten und langweiligen. Letztere wie
Marco Mengoni sind prinzipiell scheisse.
F: «L’enfer et moi». Google Translate
übersetzt mit «Die Hölle und ich». Sie
singt: «Ich werde dir die Hölle heiss
machen.» Entweder es geht um eine
gescheiterte Beziehung, oder die Frosch-
schenkel während des Air-France-Flugs
waren aus. Wem würdest du eigentlich
gern mal die Hölle heiss machen?
F: 3 Punkte
S: 1 Punkt
S: Ihrer Make-up-Artistin.
F: Mann, bist du oberflächlich. Auch
hässliche Menschen können Erfolg haben.
Denkst du, irgendjemand kauft die Gölä-
Platten, weil Marco Pfeuti so geil aussieht?
S: Oberflächlichkeit gehört zum Euro-
vision wie der Gölä zur hässlichen Seite
des Schweizer Musikgeschmacks. Fazit:
Um den Song Frankreichs zu geniessen,
muss man halt die Augen schliessen.
F: 8 Punkte
S: 8 Punkte
62
MANNSCH AFT
© Seb K.
Natália Kelly – Shine Stoph: Im Vergleich zu den Trackshittaz vom letzten Jahr hat Österreich
Natália Kelly – Shine
Stoph: Im Vergleich zu den Trackshittaz
vom letzten Jahr hat Österreich sein
musikalisches Image wieder aufpoliert.
Frank: Gefällt mir auch. Ein süsses
Mädel. Ganz Österreich möchte die
einpacken und für acht Jahre im Keller
knuddeln. Willst du auch noch ‘nen
Kellerwitz reinwerfen?
S: Als Halb-Österreicher möchte ich diese
Frage nicht kommentieren. Aber okay, wir
fragen uns alle, wie viele Bürger es in
Österreich wirklich gibt, wenn die Versteck-
ten im Keller noch dazugezählt werden. Auf
dass sie nicht allein den Schulweg heim-
läuft, sag ich der lieben Natália nur.
F: Pah, den kannte ich schon. Was hältst
du vom Song? Perfekter Radiopop, aber
auch ein bisschen langweilig. Zum einen
Ohr rein, zum anderen raus.
S: Natália ist ein rockiger Mix aus allen
No Angels-Mitgliedern: Chrusel-Haare
von Lucy, Augen von Nadja, Teint von
Jessy, Stimme von Sandy und Kindlich-
keit von Vanessa. Auch wenn letztere 20
Jahre älter ist als Natália.
Robin Stjernberg – You
F: Gott die No Angels. Die waren ja mal
für Deutschland am ESC. Das hatte ich
als Deutscher schon verdrängt. Vielen
Dank fürs Aufkratzen der alten Wunde.
Ich stell mich jetzt für 15 Minuten zum
Schämen in die Ecke.
Frank: Robin Stjernberg beweist, dass
Schweden mehr Probleme hat als Pferde-
fleisch in den Ikea-Fleischbällchen. Wenn
man nicht mit Kopfstimme singen kann,
sollte mans lassen.
S: Meine Rache für zwei verlorene Welt-
kriege.
F: Als ob ihr euch mit Arabella Kiesbauer
Mitte der Neunziger auf ProSieben nicht
schon genug gerächt hättet.
Stoph: Ein Casting-Barde, der fürch-
terlich schlecht singt und es nur dank
einer zweiten Chance sowie einer hirn-
amputierten Jury ins Finale geschafft
hat? Danke, da tu ich mir noch eher 12
Stunden lang den Sound in einer H&M-
Filiale an.
F: 6 Punkte
S: 8 Punkte
F: Songs wie den von Robin brauchts am
ESC allerdings auch. Irgendwann muss
das Publikum ja mal pissen.
S: Oder kotzen, weil wir doch vorher bei
den Ikea-Fleischbällchen waren.
F: Der Song ist wirklich schlecht. Und mit
schlechter Musik kenne ich mich aus. Ich
hab alle Alben von Aqua. Nein halt, das
nehme ich zurück. Barbie Girl war besser
als dieser Müll.
S: Darf ich auch 0 Punkte geben?
F: Du musst!
S: 0 Punkte
F: -3 Punkte
MAI 2013
63
© Rickard Frantzén
© ORF