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Das Schlechteste aus zwei Welten

Microsofts Surface Pro ist das größte Tablet der Reihe. Im Vergleich zu seinen Konkurrenten ist es zu schwer, doch ein echter Notebook-Ersatz ist es auch nicht.

VON Sybille Klormann | 29. Mai 2013 - 12:08 Uhr

Surface Pro von Microsoft

© SAUL LOEB/AFP/Getty Images

Microsoft hat spät begonnen, eigene Tablets zu verkaufen . Ab dem 31. Mai ist nun das Surface Pro erhältlich, das größte und teuerste Modell der Reihe. Nicht nur tritt es gegen die starke Konkurrenz von Apple und Android an. Es läuft auch mit dem bei vielen unbeliebten Betriebssystem Windows 8 . Und dann gibt es da noch ein weiteres Problem: Das Surface Pro ist gar kein Tablet im klassischen Sinn, sondern vereint viele Eigenschaften eines normalen Notebooks. Was auch bedeutet, dass es deutlich dicker, schwerer und unhandlicher als andere Tablets ist.

Mit seinen 900 Gramm wiegt es schwer in der Hand und ein erster Blick erklärt nicht, warum das Surface Pro 13,5 Millimeter dick sein muss: Oben rechts befindet sich der Anschaltknopf, am linken Rand ist ein Lautstärkeregler zu finden. Vorhanden sind zudem ein Kopfhörer- und der Netzanschluss und eine Buchse für den Standard USB 3.0. Bei zwei weiteren Anschlüssen ist Fantasie und Recherche gefragt, da Microsoft auf eine Beschriftung verzichtet. Hinter dem einen Schlitz verbirgt sich ein Micro-SD-Schacht , das andere ist ein HD/VGA-Video Port.

Umfang und Gewicht des Surface Pro erklären sich erst, wenn man sich mit der Leistung beschäftigt. Im Gehäuse stecken der i5-Prozessor von Intel und ein vier Gigabyte großer Arbeitsspeicher. Für die Grafik ist eine Grafikkarte Intel Graphics HD 4000 integriert.

Positiv fällt daher auf, wie schnell das Surface Pro ist. Nur acht bis neun Sekunden benötigt es aus ausgeschaltetem Zustand zum Hochfahren, sechs Sekunden aus dem Ruhezustand. Auf das Drücken des Ein- und Ausschaltknopfs reagiert es augenblicklich. Surfen, Spielen und Arbeiten funktionieren schnell und reibungslos.

Gutes Display, schlechte Bilder

Von außen sieht das Surface Pro mit seinem titangrauen Metallgehäuse schlicht, aber elegant aus. Auf der Rückseite befindet sich die Kamera, eine sogenannte 2.720p-HD- LifeCam. Bilder lassen sich mit ihr schnell mit einem Fingerdruck auf das Display machen. Die Bildqualität ist jedoch aufgrund der niedrigen Auflösung deutlich schlechter als bei anderen Tablets.

Dafür überzeugen Display und Ton. Die Lautsprecher befinden sich an den Seitenrändern und erzeugen einen vollen, klaren Sound. Das Full-HD-Display hat eine hohe Auflösung

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von 1.920 mal 1.080 Pixeln. Die Farben sind kräftig und das entspiegelte 10,6-Zoll-Display lässt sich so einstellen, dass das Gerät auch bei hellem Sonnenlicht noch benutzt werden kann. Durch das 16:9-Format werden Websites häufig in einer verkleinerten Variante dargestellt. Für das Betrachten von Bildern und Videos hingegen ist das Format optimal.

Aufgrund des Gewichts hat man intuitiv Angst, dass das Gerät beim Aufstellen nach hinten kippen wird. Doch die ist unbegründet: Dank eines Klappständers auf der Rückseite steht das Surface auf dem Tisch. Auch auf dem Schoß hält es sich stabil, solange man sich nicht zu sehr bewegt und in Kauf nimmt, dass es nur einen möglichen Winkel gibt, in dem der Klappständer hält. Am besten, man nimmt in dieser Position gleich die Tastatur ab und bedient das Display mit den Fingern.

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Sybille Klormann ist Nachrichtenredakteurin bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Das funktioniert ohnehin deutlich zuverlässiger und intuitiver, birgt aber den Nachteil, dass die Darstellung zeitweise so klein und eng ist, dass selbst kleine Finger ihr Ziel nicht immer treffen. Leider reagiert das Display auch nur zeitverzögert, wenn man mit Daumen und Zeigefinger versucht, die Darstellung zu vergrößern. Nervig ist, dass sich für die Texteingabe nicht immer gleich die Tastatur einblendet.

Einen Teil dieser Probleme löst ein mitgelieferter Stift. Mit ihm lassen sich auch die kleinsten Navigationskästchen anklicken oder feine Zeichnungen anfertigen. Er dient auch dazu, eine URL in Blockbuchstaben in ein dafür vorgesehenes Feld zu schreiben, um eine Website anzusteuern. Das funktioniert zuverlässig, solange es deutlich voneinander getrennte Blockbuchstaben sind. Beim ersten Anflug von persönlicher Handschrift bekommt das Programm leider Verständnisschwierigkeiten.

Was das Surface Pro ganz klar von anderen Tablets unterscheidet, ist das darin versteckte Notebook. Auf ihm befinden sich zwei Oberflächen. Eine Tabletansicht in der typischen Windows-8-Kacheloptik und eine, die aussieht wie ein normaler Windows-PC. Es lässt sich auf dem Surface Pro alles installieren, was für den täglichen und auch beruflichen Alltag gebraucht wird. In der Tabletdarstellung vorinstalliert sind zudem diverse Apps und Anwendungen.

Diese Doppelbelastung hat jedoch den Nachteil, dass sie die Akkulaufzeit verkürzt. Damit ist diese deutlich niedriger als bei anderen Tablets. Im Test zeigte sich, dass das Surface Pro im alltäglichen Gebrauch in der Regel nur fünf Stunden durchhält, bei intensiverem

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Gebrauch sogar nur vier oder noch weniger. Die Ladezeit für den Akku betrug im Test etwas mehr als zweieinhalb Stunden.

Wer das Gerät als kleines Notebook nutzen will, sollte außerdem eine der Tastaturen kaufen, die dafür angeboten werden. Sie sollen die Bedienung von Programmen erleichtern, die nicht für den Touchscreen entwickelt wurden.

Der Hersteller bietet zwei Varianten an: das Touch Cover und das Type Cover , die sich mit Hilfe von Magneten leicht an das Surface Pro andocken lassen. Beide unterscheiden sich in puncto Dicke und Material, lassen sich aber gut bedienen; zumindest solange sie auf einer stabilen Oberfläche genutzt werden.

Mehr als 1.000 Euro

Hat man das Surface Pro hingegen auf dem Schoß, gibt es Probleme: Beide Tastaturen reagieren dann nicht mehr auf leichten Druck und biegen sich beim Tippen durch. Häufig braucht es beide Hände: eine hält die Tastatur, die andere drückt kräftig auf die Tasten. Das macht ebenso wenig Spaß wie die Touchpads, die dann ebenfalls nicht mehr zuverlässig auf Berührung und Bewegung reagieren.

Beide Tastaturen kosten außerdem 120 beziehungsweise 130 Euro zusätzlich. Ein teures Extra, das verbesserungswürdig ist. Noch dazu, da es für den täglichen Gebrauch und für das Arbeiten mit dem Gerät ein notwendiges Extra ist.

Überhaupt, der Preis: Im Handel erhältlich ist das Surface Pro mit 64 und 128 Gigabyte Speicherplatz. Die erste Variante kostet 879 Euro, die zweite 100 Euro mehr. Microsoft gibt bei der Wahl zu bedenken, dass das Betriebssystem erheblichen Raum einnimmt: Auf dem 64-Gigabyte-Surface sind daher nur rund 28 Gigabyte für eigene Inhalte verfügbar, 89 Gigabyte sind es bei der großen Variante. Wer damit arbeiten will, sollte also 979 Euro für das große Gerät und noch einmal 120 Euro für eine Tastatur ausgeben.

Fazit: Ein Tablet kann das Surface Pro nicht ersetzen, dafür ist es zu schwer, zu unhandlich und die Akkulaufzeit ist zu gering. Als Ersatz für gängige Notebooks kann es eine Alternative sein, denn mit ihm lässt sich schnell und produktiv arbeiten. Zumindest, wenn es auf einem Tisch steht. Dann stellt sich aber die Frage, ob das Geld nicht doch besser gleich in ein richtiges Notebook investiert ist. Denn im Vergleich dazu bietet das Surface Pro weniger Speicherplatz, ist deutlich instabiler zu handhaben und kostet so viel wie ein Gerät zum Aufklappen.