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LEISTUNGSSCHUTZ

Kommt das Gesetz, fangen die Probleme an
Im Bundestag wird morgen voraussichtlich das Leistungsschutzrecht verabschiedet. Dabei ist das Gesetz absurd und unklar wie eh und je, kommentiert Kai Biermann.
VON Kai

Biermann | 28. Februar 2013 - 15:01 Uhr

Die Regierungskoalition will das Leistungsschutzrecht unbedingt, so albern es sein mag. Am morgigen Freitag wird der Bundestag über den gerade noch einmal veränderten Gesetzentwurf abstimmen. Zwar gibt es selbst in der Regierungskoalition inzwischen einige, die sich enthalten oder gar dagegen stimmen wollen . Aber es sind wohl nicht genug, weswegen derzeit alles danach aussieht, dass das Gesetz beschlossen wird. Womit die Probleme erst anfangen. Auch wenn Verlage wie Burda und Springer glauben, damit welche lösen zu können. Drei Jahre dauert der Streit bereits, und er ist, versprochen, noch lange nicht vorbei. Denn das Gesetz ist so unklar formuliert, dass es Raum für viele neue Debatten bietet. Der Entwurf selbst ist kurz , wir zitieren ihn daher hier schnell in seiner aktuellen Entwurfsfassung: "Der Hersteller eines Presseerzeugnisses (Presseverleger) hat das ausschließliche Recht, das Presseerzeugnis oder Teile hiervon zu gewerblichen Zwecken öffentlich zugänglich zu machen, es sei denn, es handelt sich um einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte. (...) Zulässig ist die öffentliche Zugänglichmachung von Presseerzeugnissen oder Teilen hiervon, soweit sie nicht durch gewerbliche Anbieter von Suchmaschinen oder gewerbliche Anbieter von Diensten erfolgt, die Inhalte entsprechend aufbereiten." Was soll das? Der gemeine Nichtjurist wird sich wahrscheinlich fragen, was das soll. Denn die Abmahnwellen der vergangenen Jahre haben sicher auch dem Letzten klargemacht, dass es teuer werden kann, Filme, Bilder, Musik oder andere Inhalte, die man nicht selbst kreiert hat, anderen "zugänglich zu machen" – schon gar, wenn man es "gewerblich" tut. Genau das ist das Problem. Um dieses Verbot geht es den Verlagen gar nicht. Sie wollen ein anderes. Denn Verlage machen ihre Artikel und Geschichten im Internet bewusst jedem zugänglich und verdienen damit Geld. Allerdings gibt es jemanden, der noch viel mehr Geld verdient, da er anders als irgendwelche deutschen Medien weltweit agiert, mit einer Suchmaschine einen ziemlich sinnvollen Dienst bietet und Milliarden Menschen erreicht: Google . Von dem Geld dieses Unternehmens wollen Verlage etwas abhaben, auch wenn ihr Geschäftsmodell ein anderes ist als das der Suchmaschine.
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© ZEIT ONLINE Nun kann der Bundestag nicht einfach ein Gesetz gegen Google machen. dass sich die Verteidiger des Entwurfes immer neue Argumente ausdenken. dass er sich bei dem Urheber die Genehmigung holt und im Zweifel dafür zahlt. dagegen vorzugehen. Seine Profilseite finden Sie hier. 2 . Die sind im Gegenzug heilfroh. Gesetze sollen allgemeingültig sein. man findet die Idee dort falsch und unnötig . ohne das andere zu lassen. Denn das Gesetz ist. alles andere als klar. der einen Inhalt verbreiten will. obwohl sie hinter einer solchen Bezahlschranke lägen. Suchmaschinen würden sich Inhalte "aneignen". KAI BIERMANN Kai Biermann ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Grundsätzlich wirkt es absurd. denn so bekommen sie viele. andererseits zeigt Google nur. Aber Google verbreitet einerseits keine kompletten Inhalte. dass der amerikanische Konzern ein Geschäftsmodell gefunden habe. wenn auch kurz. das den deutschen Verlagen bislang fehle. wenn jemand "ihre Bezahlschranke durchbreche". etwas zu untersagen. Sie will kein Leistungsschutzrecht für sich in Anspruch nehmen. kam der obige Quark heraus. warum das Ganze notwendig sein soll. mit dem sich nun die Betroffenen und die Gerichte herumschlagen müssen. ein Gesetz dazu zu schreiben. die Hand aufhalten und vom Erfolg anderer profitieren wollen". indem sie sich zurücklehnen.INTERNET "Vom Erfolg anderer profitieren" Die kleine Tageszeitung Grafschafter Nachrichten hat das gerade noch einmal aufgeschrieben. So etwas gilt als unfair. was bereits untersagt ist – beziehungsweise etwas zu untersagen. machten es sich viele Verlage und ihr Verband allzu leicht. was der Besitzer des Inhaltes bereits von sich aus erlaubt. Das neueste brachte nun der CDU-Abgeordnete Günter Krings vor: Verleger hätten keine Chance. was die Verlage ohnehin von sich aus ins Netz stellen. Denn das Urheberrecht fordert von jedem. im Streit mit Google "gehe es im Kern darum. das eine zu tun. Und sie ist die Ursache dafür. dass Google ihre Sachen präsentiert. die der Medienwandel mit sich bringe. Und anstatt sich selbst kreativ und mutig auf die gewaltigen Herausforderungen einzustellen. das müsse verhindert werden. Diese Schizophrenie macht es so schwierig. ohne etwas dafür tun zu müssen. viele Klicks. sagte Krings am Donnerstag . In dem Versuch. Sie schreibt.

Auch mehr und mehr Christdemokraten finden und sagen öffentlich . so urteilten die Richter. er verstoße gar gegen die Verfassung . diese so einzurichten. dass die Falschen getroffen werden. wie einige Kritiker befürchten. Leider aber bleibt das Leistungsschutzrecht in seinem Kern ungenau. erlaubt seien weiterhin "einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte". Die wichtigste heißt im Juristendeutsch Normenklarheit. An diesem Punkt wird festgelegt. dass Suchmaschinen nichts dahinter finden.. "umso größer ist das Risiko unangemessener Zuordnung von rechtlich erheblichen Belangen. er sei ökonomisch ungeeignet und werde nicht erreichen. manches muss ungenau bleiben. Der SPD-Abgeordnete Lars Klingbeil nannte das eine "Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Rechtsanwälte" . Es wäre technisch einfach. ist dabei nicht völlig frei. CDU-Mann Krings sagte. ob Suchmaschinen künftig irgendetwas Sinnvolles anzeigen können oder nicht. statt sie zu beseitigen. ob kleine Aggregatoren wie Rivva demnächst eine Abmahnung bekommen oder nicht. Die Frage entscheidet. sie legt fest. er muss sich hierzulande an ein paar Regeln halten. Das Bundesverfassungsgericht hat diese Forderung der Verfassung mal so formuliert : "Das Gebot der Normenbestimmtheit und der Normenklarheit (. er schaffe Rechtsunsicherheit. dass man "mit unbestimmten Rechtsbegriffen hantiert". die die Überschrift des Textes enthält. Nun muss und kann nicht jeder einzelne Sachverhalt in einem Gesetz erfasst werden.. Verschiedene Gutachten bescheinigen dem Gesetzentwurf daher. sie entscheidet. Gesetze müssen normenklar sein Wer Gesetze macht. so sei das nun einmal in einer Demokratie. Sie wollen auf keinen Fall sagen. je ungenauer die Anforderungen seien. an seiner zentralen Stelle heißt es. Es läge in der Natur der Sache. sagt der CDU-Abgeordnete Ansgar Heveling. ob bereits eine URL. was er vorgebe .) soll die Betroffenen befähigen. Es geht also nicht ums Verbieten. Das müssten bitte die Beteiligten aushandeln. ihre Bezahlschranken "zu durchbrechen". damit sie ihr Verhalten danach ausrichten können. Ja. ein solches Beschäftigungsprogramm 3 . Das aber tun Verlage nicht. wie viel gezeigt werden darf." Übersetzt heißt das: Ungenaue Gesetze führen dazu. abmahnbar ist. im Zweifel eben vor Gericht. sondern ums Kassieren. die Rechtslage anhand der gesetzlichen Regelung zu erkennen. der sich die Passage mit den Textausschnitten ausgedacht hat. um möglichst viele Lebensbereiche zu beschreiben.INTERNET Lustigerweise machen Verlage es Suchmaschinen und Aggregatoren wie Twitter bewusst möglich. "Arbeitsbeschaffung für Anwälte" Doch die Gesetzgeber schweigen dazu." Denn. ob es neue Abmahnwellen geben wird. Wie viele Wörter? Wie viele Zeichen? Die Frage ist erheblich. denn sie wollen die Klicks. heißt es aus der Regierungskoalition unisono.

im Urheberrecht gebe es bereits viele unbestimmte Rechtsbegriffe.INTERNET brauche es nicht." Allerdings. wie Union und FDP am Donnerstag sagten. COPYRIGHT: ZEIT ONLINE ADRESSE: http://www.zeit. eine Hoffnung gibt es noch: Am 3. mit den Schlagzeilen und kurzen Textausschnitten deutscher Tageszeitungen so viel Geld zu verdienen. ihre vollständigen und häufig exklusiven Inhalte erfolgreich zu vermarkten. kaum zu durchschauende Regel hinzuzufügen.de/digital/internet/2013-02/leistungsschutzrecht-bundestag 4 . Zum Schluss dazu noch einmal die Grafschafter Nachrichten : "Wir bei den GN meinen: Wenn es Google tatsächlich gelingt. ist keine gute Idee. Aber es ist vor allem ein Armutszeugnis: Einem kaum zu durchschauendem Rechtsfeld eine neue. Dort könnte er dann noch immer sterben. Der Anspruch sollte der umgekehrte sein. neue Geschäftsmodelle zu verhindern. Mai wird der Gesetzentwurf im Bundesrat verhandelt. dass der Konzern sogar etwas davon abgeben soll – dann sollten die Verlage selbst doch erst recht in der Lage sein. Genau wie der Anspruch der Verlage nicht sein sollte. Juristen seien also schon gut beschäftigt. Es sollte lakonisch klingen.