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Deutsch-kanarische Korrespondenz aus Berlin

Die Kanaren in gutem Kontakt mit Deutschland

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Inselnachrichten

Wochenblatt 5.-18.Jun.2013

Der inoffizielle Vorwahlkampf hat bereits begonnen

Ein festliches Konzert kanarischer Musik des „Hespérides Ensemble“ eröffnete den Abend.

Zur diesjährige Feier des „Tages der Kanaren“ in Berlin am 31. Mai 2013 wählte die Deutsch-Kanarische Gesellschaft e.V. „Canarias en Berlín“ neben klassischen Kulturakzenten der kanarischen Lebensart auch politische Statements. Eine gute Mischung, wie sich erwies. Die „Humboldtbox“ in BerlinMitte (Informationspavillon zum Neubau des Berliner Stadtschlosses /Humboldtforums) erwies sich als gut gewählter Ort dazu. Schließlich war es Alexander von Humboldt, der als erster weltweit orientierter deutscher Gelehrter und Forscher auf seiner ersten Südamerika-Expedition auch auf La Graciosa und Teneriffa Station machte. Herzlich begrüßt wurden die besonderen politischen Gäste des Abends, der Botschafter Spaniens in Deutschland, S.E. Pablo García-Berdoy und, direkt von den Kanaren, die bekannte kanarische Kongress-Abgeordnete für Santa Cruz de Tenerife, Ana María Oramas, sowie der Abgeordnete im Kanarischen Parlament für Lanzarote,

Berlin

David Felipe de la Hoz. Der Präsident der Deutsch-Kanarischen Gesellschaft, Damián Peña Martín, brachte u.a. bei seiner Begrüßung zum Ausdruck, dass inzwischen unter den vielen Spaniern, die in Berlin und Deutschland neue berufliche Perpektiven suchen, auch viele Canarios seien, denen die Deutsch-Kanarische Gesellschaft mit Rat und Tat zur Verfügung stehen wird. Dem Abend des konzentrierten politischen Gedankenaustausches und der Diskussion mit Mitgliedern und Gästen schloss sich dann am 1. Juni im neuen Sitz des Vereins in Berlin-Kreuzberg ein Vortrag unter dem Titel „Canarias, situación actual y perspectivas de futuro. El reto europeo“ („Kanarische Inseln, aktuelle Situation und Zukunftsperspektiven. Eine europäische Herausforderung“) an. Ana Oramas betonte in ihrem Statement vor allem die wichtige Rolle Deutschlands in Europa und insgesamt das europäische Verständnis als Schlüsselfrage für eine neue kanarische Ausrichtung von Politik und Ökonomie. Dazu gehöre nicht nur, dass sich

Europa mehr für die ultraperiphären Positionen der Kanaren interessiere und ihnen zustimme, sondern auch, dass vor allem Unterstützung in Strukturveränderungen auf den Kanaren derzeit mehr von dort als von Spanien zu erwarten sei. Sie unterstrich auch das große Potenzial der Kanaren, aus eigener Kraft heraus eine neue kommerzielle Plattform für die wirtschaftlich erstarkten Nationen Südamerikas in Beziehung zu Europa herzustellen. Dazu zählen ihrer Meinung nach auch neu zu schaffende See- und Luftverkehrsknotenpunkte, Forschungslabore und Logistikzentren in Beziehung zu Afrika (Beispiel: Rotes Kreuz, Las Palmas). Als größtes derzeitiges kanarisches Manko bezeichnete Oramas die gravierende Jugendarbeitslosigkeit. Sie setzte sich für eine intensive Ankurbelung des am Boden liegenden Bildungssystems ein, und kritisierte in diesem Zusammenhang die Kurzsichtigkeit sowie die ökonomische und finanzielle Enthaltsamkeit der spanischen Zentralregierung auf diesem Gebiet. David de la Hoz setzte mit seinen

Politischer Diskussionsabend bei der Deutsch-Kanarischen Gesellschaft in Berlin mit Ana Oramas und David Felipe de la Hoz. (Mitte: Elías Rodríguez-Sarmiento, Übersetzer).

Ausführungen zur wirtschaftlichen Erneuerung der Autonomen Region der Kanaren die konstruktiv-konkreten Zukunftsperspektiven fort. So sprach er u.a. davon, die naturgegebenen Vorteile der Kanaren wirtschaftlich und zugleich umweltbewusst zu nutzen und zu entwickeln. Als Beispiele nannte er: Beobachtung des Weltalls, Biodiversität, Meereskunde, Labors für erneuerbare Energien, Aufbau und Weiterentwicklung logistischer Zentren in Beziehung zu Südamerika und Afrika. In der sich anschließenden lebhaften Diskussion mit den Mitgliedern wurde trotz aller angeschnittenen und manchmal aussichtslos klingenden Problemlagen eines klar: Es ist gut, solche Ideen und Lösungsvorschläge weiterhin zu fördern, die die Vorteile der kanarischen Gemeinschaft noch besser in ein wirtschaftlich und finanziell koordiniert handelndes Europa einbringen, um die Brückenfunktion der Kanaren zu Südamerika und Afrika für ein solches Europa zu stärken.
Text und Fotos von León W. Schönau

Erst in zwei Jahren stehen die nächsten Regionalwahlen an, doch der interne Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Coalición Canaria (CC) hat bereits begonnen. Momentan deutet alles darauf hin, dass Paulino Rivero und Ana Oramas gegeneinander antreten werden. Zwar wollte sich der aktuelle Regionalpräsident im Interview mit dem lokalen Radiosender Canarias Radio nicht explizit zu einer möglichen Kandidatur äußern, doch betonte Rivero: „Ich fühle mich voller Kraft und will weiterarbeiten.“ Dann: „In dieser Situation … wer weiss schon, was in zwei Jahren ist?“ Aufgrund der vielen, schweren Probleme wolle er sich jedenfalls jetzt vollkommen seiner Arbeit widmen. Innerhalb der CC steht auch Ana Oramas hoch im Kurs. Die ehemalige Bürgermeisterin von La Laguna und derzeitige Abgeordnete im spanischen Parlament hatte bis vor Kurzem eine mögliche Kandidatur stets abgelehnt, nun aber Anfang März zum ersten Mal durchblicken lassen, einer Aufstellung nicht mehr vollkommen abgeneigt zu sein. Die als Bürgermeisterin äußerst erfolgreiche und beliebte Oramas gilt als aussichtsreiche Kandidatin für den Chefsessel der kanarischen Regierung.

Rivero contra Oramas?

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