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EINIGE

ASPEKTE

DER

GTER-MA-LITERATUR

 
 

DER

R?JlN-MA-PA-SCHULE

 

Von

Eva

Neumaier,

 

München

Die

gTer-ma-Literatur

nimmt

innerhalb

der

Gesamt-Literatur

der

rSfih-ma-pa

einen

äußerst

wichtigen

Platz

ein.

Wie

kam

es

dazu?

Man

muß

sich

das

bewegte

religiöse

Leben

der

tibetischen

Frühzeit

vor

Augen

halten

:

Ein

einfaches,

bäuerliches

Volk

wird

zum

erstenmal

mit

den

geistigen

Er¬

rungenschaften

 

der

Philosophie

und

Hochreligion

aller

es

umgebenden

 

Länder

innerhalb

dreier

Jahrhunderte

vertraut

gemacht.

Die

verschieden¬

sten

Anregungen

fallen

allesamt

auf

einen

fruchtbaren

Boden.

Es

entsteht

ein

blühendes

religiöses

Leben,

alle

Arten

und

Richtungen

gedeihen

und

konkurrieren

untereinander.

Der

chinesische

Buddhismus

gewann

mehr

und

mehr

Anhänger,

der

indische

geriet

ins

Hintertreffen*.

Es

folgt

das

Konzil

von

bSam-yas

(792)*.

Der

chinesische

Buddhismus

unterliegt.

Die

Gründe

 

hierfür

sind

im

Augenblick

uninteressant.

 

Das

Königshaus

fördert

nun

ein¬

deutig

den

indischen

Buddhismus.

bSam-yas,

der

königliche

Tempel,

wird

mit

reichen

Pfründen

ausgestattet.

Die

Chinesen

ziehen

sich

zurück,

ver¬

bergen

aber

-

wie

der

Historiker

Padma-dkar-po

berichtet*

-

ihre

Texte,

gleich

den

gTer-ma

der

rSJin-ma-pa.

Es

folgt

nun

die

Blütezeit

des

indischen

 

Buddhismus.

Viele

Texte

werden

übersetzt.

Die

Periode

endet

mit

der

Ver¬

folgung

der

buddhistischen

Religiösen,

der

Zerstörung

der

Heiligtümer

und

des

Übersetzungswerkes

 

durch

gLah-dar-ma.

Diese

Periode

ist

bekannt

 

als

sha-dar

,,die

Zeit

der

Verbreitung

des

Buddhismus

in

der

Frühzeit".

Durch

Rin-c'en-bzah-po

und

Atiäa

wird

rund

160

Jahre

später

die

zweite

Phase

der

Verbreitung,

p'yi-dar,

begründet.

Die

rNin-ma-pa

selbst

nennen

ihre

Schule

auch

sna-'gyur-bstan-pa

 

,,die

Lehre

der

Übersetzungen

der

Frühzeit".

Es

wird

damit

klar

gesagt,

daß

im

wesentlichen

nur

Übersetzun¬

 

gen

aus

der

Zeit

vor

AtlSa

Aufnahme

in

die

rJfih-ma'i

ö'os-lugs

gefunden

haben,

Texte

also,

die

in

der

Zeit

der

sna-dar

ins

Tibetische

übersetzt

wur¬

den.

Daß

aus

dieser

drei

Jahrhunderte

umspannenden

Zeit,

die

in

ihrem

historischen

Ablauf

so

bewegt

war,

Texte

mannigfachen

Gehaltes

und

unter¬

schiedlichster

Provenienz

überliefert

wurden,

ist

klar,

ebenso,

daß

die

Tra¬

dition

häufig

durch

die

politischen

WiiTen

unterbrochen

wurde.

1

G.

Tucci.

Minor

Buddhist

Texts

1958;

2.

Bd.

S.

9.

2

G.

Tucci.

Minor

Buddhist

Texts;

2.

Bd.

S.

26.

3

G.

Tucci.

Minor

Buddhist

Texts;

2.

Bd.

S.

44.

850

Eva

Neumaier

 

Die

Auffindung

der

gTer-ma

-

jenerTexte

also,

die

in

den

Wirren

der

sna-

dar

verborgen

wurden

-

fällt

aber

insgesamt

in

die

Zeit

nach

Atisa.

Es

stehen

sich

somit

bei

den

rSih-ma-pa

 

klar

gegenüber

: sha-dar,

die

Zeit

des

Verbergens

der

gTer-ma

und

p'yi-dar,

die

Zeit

der

Entdeckung

der

gTer-ma.

Dies

kann

als

eine

Art

Faustregel

 

für

die

alten

gTer-ma

gelten,

die

aber

nicht

besagen

soll,

daß

in

den

späteren

Jahrhunderten

 

keine

gTer-ma

gefunden

worden

wären.

Der

erste

der

gTer-ston

 

rgyal-po'i

lha

ist

Nah-ral-pa-can

 

S^i-ma'od-zer,

geb.

1124.

Es

würde

hier

zu

weit

führen,

Näheres

über

den

Lebenslauf

dieses

bedeutenden

 

gTer-ston

mitzuteilen.

Eine

Zusammen¬

fassung

des

bisher

Bekannten

bringt

A.

Ferrari

 

in

mK'yen-brtse's

Guide

to

the

Holy

Places

of

Central

Tibet

1958,

S.

45

und

56,

sowie

Anm.

137.

Wohl

unter

dem

Eindruck

 

des

imponierenden

Aufstieges

der

bKa'-gdams-pa-

Schule

besannen

sich

die

rNin-ma-pa

 

auf

ihre

eigene

Tradition

:

Sie

suchten

nach

den

Grundtexten,

derer

die

mündliche

Tradition

 

wohl

noch

gedachte,

deren

Kenntnis

und

mystische

Bedeutung

 

jedoch

weitgehend

verloren¬

gegangen

sind.

Ehe

diese

um

die

rehgiöse

Erneuerung

 

so

wacker

bedachten

 

Männer

die

alten

Texte

wieder

aus

ihren

Verstecken

ans

Tageslicht

 

bringen

konnten,

brauchten

sie

einen

Hinweis,

 

ein

K'a-byan

oder

Lde-mig.

Diesen

Hinweis

entnahmen

sie

alten

Prophezeiungen

oder

mündlichen

Angaben.

Im

rnam-t'ar

des

Stan-ral

Ni-ma-'od-zer

heißt

es*:

Guru

Rin-po-6'e

med

'byor

pa

dBan-p'yug-rdo-rje

bya

bar

sprul

nas

k'a

byan

gnad

yig

rnams

gnrni

zin

bslab

bya

mjad

paj

,,Der

rNal-'byor-pa

dBah-p'yug-rdo-rje,

von

dem

es

heißt,

er

sei

ein

sPrul-pa

des

Guru

Rin-po-ö'e,

gab

ihm,

[jJi-ma-'od-zer],

k'a-byan

und

gnad-yig

(=

Zusammenfassung)

und

gab

ihm

den

Auftrag

[zur

Auffindung

und

Bearbeitung]".

Aufgrund

dieses

Hinweises

begab

sich

Sfi-ma-'od-zer

nach

Brag-srin-mo-sbar-rjes

und

entdeckte

dort

schließhch

ein

kupfernes

Kästchen,

eine

Tonvase,

heilige

Figuren,

rituelles

Zubehör

(dam-rjas)

und

viele

verschiedene

Edelsteine.

In

der

Ton

vase

imd

dem

Kästchen

befanden

sich

weitere

Kultobjekte

und

vor

allem

Texte.

Diese

konnte

er

durch

weitere

Funde

ergänzen

und

vervollständigen.

Die

Erlan¬

gung

des

k'a-byan

ist

dementsprechend

eine

conditio

sine

qua

non

für

den

gTer-ston,

denn

darin

ist

der

ganz

konkrete

Hinweis

auf

verborgene

Texte

enthalten,

ohne

den

eine

Auffindung

ausgeschlossen

ist.

Der

gTer-ston

konnte

diesen

Hinweis

auch

richtigen

Literatur-Listen

entnehmen:

,0-

rgyan-glih-pa

fand

auf

diese

Weise

das

zweite

Buch

des

bKa'-t'ah-sde-liia*.

Mit

der

Auffindung

der

Texte

wurden

diese

Männer

zu

gTer-ston

-

wie

ich

sie

bisher

auch

schon

immer

genannt

habe

-

und

die

wiederentdeckten

Bücher

zu

gTer-ma.

Diese

gTer-ma

faßte

man

später

in

mehreren

großen

* Bod

sna

rabs

pa

gsan

ö'en

rnin

ma'i

ö'os

'byun

legs

bSad

gsar

pa'i

dga'

ston

bdu

'dren

giun

don

le'u'i

nos

'jin

biugs

des

bDud-'joms

Rin-po-ö'e

fol.

260

b.l.

5

G.

Tucci.

Tibetan

Painted

Scrolls

1949;

1.

Bd.

S.

114.

Sammlungen

Einige

zusammen,

Aspekte

der

am

bekanntesten

gTer-ma-Literatur

sind

die

rS^in-ma'i

851

rgyud-'bum

und

Rin-ö'en

gter-mjod.

 
 

Keine

andere

Schule

 

des

tibetischen

Buddhismus

war

je

in

gleicher

histo¬

rischer

Lage.

Nur

die

Bon-po

kamen

durch

die

mannigfachen

Verfolgungen

 

in

ähnliche

Situationen

und

auch

sie

kennen

gTer-ma*.

Die

Frage

nach

dem

Verhältnis

der

Bon

gTer-ma

zu

den

rN^ih-ma

gTer-ma

muß

gestellt

werden.

Eine

Antwort

muß

aber

so

lange

ausstehen,

bis

die

Lehren

der

beiden

Sy¬

steme

genügend

bekannt

geworden

sind,

um

einen

Vergleich

ziehen

zu

können.

Hier

sei

nur

gesagt,

daß

ein

und

derselbe

gTer-ston

sowohl

gTer-ma

der

Bon-po

wie

der

rSiii-ma-pa

entdeckte.

Von

rDo-rje-glin-pa,

 

dem

3.

gTer-

ston

rgj^al-po,

heißt

 

es

in

seinem

rnam-t'ar'

ausdrücklich,

daß

er

ö'os-gter

ma

der

buddhistischen

 

Lehre

und

bon-sde'i

gter-ma,

 

d.

h.

gTer-ma

der

Bon

Religion

gefunden

habe.

 
 

Mit

diesen

knappen

 

Angaben

mag

der

historische

Rahmen

abgegrenzt

sein,

in

dem

sich

der

rein

als

religiöses

Phänomen

zu

würdigende

Vorgang

der

Auffindung

und

Bearbeitung

abspielte.

Im

folgenden

möchte

ich

den

Versuch

unternehmen,

diese

aus

dem

Bereich

der

Mystik

stammenden

Mit¬

teilungen

auf

ihre

historische

Wahrscheinlichkeit

hin

zu

untersuchen.

Man

kann

das

Problem

folgendermaßen

 

formulieren

:

Eignen

sich

die

in

Prophe¬

zeiungen,

Offenbarungen

 

und

Visionen

eingebetteten

Berichte

über

die

gTer-ston

und

die

gTer-ma

als

Quelle

literarhistorischer

Untersuchungen

?

 

Die

gTer-ma

wurden

 

bisher

nie

von

seiten

der

Wissenschaft

 

einer

ein¬

gehenden

Untersuchung

unterzogen.

Zwar

zog

man

bKa'-t'aii-sde-lna

und

den

Padmasambhava

 

rnam-t'ar

-

der

ja

auch

in

Übersetzung

 

vorliegt

-

zur

Lösung

von

historischen

Fragen

der

tibetischen

Königszeit

heran,

als

Literaturgattung,

die

Wesentliches

 

über

die

Lehre

der

rJfin-ma-pa

auszu¬

sagen

hat,

fand

sie

keine

Beachtung.

Im

Allgemeinen

sah

man

in

den

gTer-

ma

eine

apokryphe

Literatur,

 

die

ihr

Entstehen

den

gTer-ston

verdankt,

die

in

archaischer

Verkleidung

allerlei

obskure

Ansichten

 

und

Praktiken

verbreiteten.

Diese

Ansicht

vertritt

Waddell*

uneingeschränkt

und

spricht

nur

eine

allgemeine

tibetische

Redensart

aus,

wenn

er

schreibt,

die

gTer-ma

begründeten

den

Verfall

 

der

rNih-ma-pa.

Diese

 

Schule

hatte

zuletzt

in

Tibet

unter

dem

Volk

 

einen

ebenso

schlechten

Ruf

wie

die

Bettelorden

im

Europa

des

17.

und

18.

Jahrhunderts.

 

Wie

man

sich

aber

durch

die

Novellen¬

literatur

der

besagten

 

Zeit

nicht

abhalten

lassen

darf,

die

philosophisch¬

 

theologische

Leistung

der

Bettelorden

zu

untersuchen,

 

so

darf

man

sich

nicht

verleiten

lassen,

 

diesen

unzähligen

Anekdoten

 

über

gewisse

Pseudo-

rNih-ma-pa

zu

folgen

und

deshalb

die

ganze

gTer-ma

Literatur

 

als

gering

 

Zu

den

gTer-ma

s.

G.

Tucci.

Tibetan

Painted

Scrolls

2.

Bd.

S.

727.

'

gTer-mjod

vol.

Ka

fol.

79b.

2-81b.

3.

8 The

Buddhism

of

Tibet

or

Lamaism

repr.

1959;

S.

56

f.

und

165.

852

Eva

Neumaier

erachten.

Diese

Methode

empfahl

schon

T'u'u-kvan

Rin-po-c'e'.

G.

Tucci

rückt

bereits

in

den

Tibetan

Painted

Scrolls

von

dem

Pauschal-Urteil

Waddells

ab

und

räumt

die

Möglichkeit

echter

Funde

ein*",

in

Minor

Buddhist

Texts

II**

erhärtet

er

die

Möglichkeit

zur

Wahrscheinlichkeit.

Im

folgenden

möchte

ich

einen

Überblick

über

die

Kategorien

der

gTer-

ma

geben,

geordnet

nach

der

Art

der

Entstehung.

Meine

Darlegung

stützt

sich

auf

die

Kolophone

des

Rin-c'en

gter-mjod,

in

der

Ausgabe

von

mC'ur-

p'u

-

der

Residenz

des

Karma-pa

Hierarchen,

 

den

die

Staatsbibliothek

Marburg

vor

einiger

Zeit

erworben

hat,

ferner

auf

die

rnam-t'ar

der

wichtig¬

sten

gTer-ston

und

auf

historische

Texte

wie

Grub-mt'a'-sel-gyi-me-loh

 

des

T'u'u-kvan

Rin-po-ö'e

und

den

ö'os-'byuh

des

Padma-dkar-po.

1.

sa-gter:

dies

sind

gTer-ma,

die

aus

dem

Erdboden

(sa),

aber

auch

in

Felshöhlen,

in

oder

unter

Statuen

in

den

Tempeln

zum

Vorschein

 

ka¬

men,

also

-

wenn

die

Tradition

stimmt

-

echte

arehäologische

Funde.

2.

yah-gter:

dies

sind

gTer-ma,

die

bereits

früher

einmal

von

einem

gTer-

ston

entdeckt

worden

waren,

die

sie

möglicherweise

bearbeitete

und

sie

wieder

versteckte,

so

daß

nun

der

zweite

gTer-ston

sie

erneut

finden

mußte.

Es

können

aber

auch

gTer-ma

sein,

deren

exegetische

und

ri¬

tuelle

Überlieferung

abgerissen

ist

und

die

nun

neu

begründet

wurde.

3.

dgons-gter:

dies

sind

Texte,

die

in

Meditations-

und

Visionserlebnissen

 

der

gTer-ston

fußen.

Ihre

Autorisierung

erhalten

sie

durch

den

Lehrer

des

gTer-ston,

der

die

Erlaubnis

zur

Niederschrift

erteilte

und

auch

meist

die

Korrektur

übernahm.

Zu

den

sa-gter

:

Es

ist

wichtig

hervorzuheben,

daß

ein

gTer-ma

nicht

nur

ein

Text

sein

kann,

sondern

ebensogut

eine

Statue

oder

die

Reliquie

 

eines

Heiligen.

Häufig

kann

man

die

literarischen

gTer-ma

und

die

dinglichen

nicht

voneinander

trennen,

da

sie

in

einem

einzigen

Fundkomplex

gehoben

wurden.

Es

erhebt

sich

die

Frage,

inwiefern

es

sich

tatsächlich

um

archäolo¬

gische

Funde

handelt.

G.

Tucci

hat

-

wie

ich

oben

wiedergab

-

dieses

Mög¬

hchkeit

eingeräumt

und

sie

später

zur

Wahrscheinlichkeit

gemacht.

Da

Tucci

jedooh

nur

am

Rande

diese

Frage

behandeln

konnte,

sei

es

mir

er¬

laubt,

sie

hier

in

ihrer

Gesamtheit

und

mit

Hilfe

neuer

Quellen

zu

erörtern.

Mehrfach

wurde

die

historische

Zuverlässigkeit

der

tibetischen

Quellen

untersucht.

Tucci

konnte

in

den

Tombs

of

the

Tibetan

Kings**

nachweisen,

 

daß

die

Beriehte

der

tibetischen

Chroniken

-

wie

sie

Ran-byuh-rdo-rje,

der

Karma-pa

Hierarch

des

18.

Jahrhunderts

überlieferte

-

durchweg

auf

Ori-

° grub

mt'a'

6ad

kyi

k'uhs

dan

'dod

o'ul

ston

pa

legs

bSad

sei

gyi

me

loh

vol.

K'a

fol.

5b.

4.

*" Tibetan

Painted

Scrolls;

1.

Bd.

S.

111.

1*

S.

45.

*2

1950;

S.

339

fr.

 

Einige

Aspekte

der

gTer-ma-Literatur

 

ginalquellen

basieren

und

ibnen

eine

hohe

Glaubwürdigkeit

 

bracht

werden

darf.

In

India-Antiqua**

setzte

sich

G.

Tucci

853

entgegenge¬

bereits

früher

mit

dem

Wert

und

der

Zuverlässigkeit

tibetischer

Geschichtswerke

ausein¬

ander.

Es

ist

mir

nicht

vorstellbar,

daß

die

Tibeter

auf

der

einen

Seite

eine

ausgesprochen

quellen-bezogene

 

Geschichtsschreibung

 

pflegten,

seit

ältester

Zeit

umfängliche

Archive**

führten

und

auf

der

anderen

Seite

die

Überliefe¬

rung

einer

ganzen

Literatur,

die

Tausende

von

Einzelwerken

zählt,

frei

erfunden

haben

sollten.

Derselbe

Rah-byuh-rdo-rje,

 

der

den

Bericht

über

die

tibetischen

Könige

so

sorgfältig

ausarbeitete,

 

war

auch

ein

gTer-ston

gewesen.

In

dem

einen

Werk

wußte

er

sich

historischer

 

Wahrhaftigkeit

 

verpflichtet,

in

den

anderen

wäre

er

ein

frommer

Betrüger

 

gewesen.

Die

Diskrepanz

ist

offenbar.

Man

kann

auch

nicht

mehr

länger

behaupten,

die

sa-gter

seien

eine

Erflndung

 

der

gTer-ston,

wenn

man

die

einzelnen

Kolo¬

phone

ohne

Voreingenommenheit

betrachtet:

Sio

geben

Ort

und

Zeit

der

Auffindung

jeweils

genau

 

an

und

beschreiben

auch

den

Fund

eingehend.

Das

Kolophon

des

Lha-'dre

bka'-yi

t'an-yig

-

in

der

Potala-Ausgabe

 

-

gibt

an:

Am

Abend

des

15.

Tages

des

Tiger-Monats

im

Jahre

1347

(Feuer-Bär)

brachte

,0-rgyan-glin-pa

von

dGra-stod-yar-c'en,

 

der

Kun-dga'-c'ul-

k'rims

mit

sich

genommen

hatte,

es

unter

der

Schildkröte

 

des

Tores

zur

rechten

Hand

im

Bu-c'al-gser-k'ah-ghn

ans

Licht.

Es

war

eine

gelbe

Rolle,

aus

einem

Blatt

bestehend,

und

Mandäravä

war

der

Autor**.

Es

wird

aber

auch

in

einigen

Kolophonen

des

gTer-mjod

berichtet,

 

daß

ein

Text

in

einem

Kästchen

von

dieser

oder

jener

Beschaffenheit

 

war.

Die

Ausmaße

und

Farbe

des

Papieres

-

meist

braun

bis

gelb

-

werden

häufig

angegeben.

 

Es

ist

auffällig,

daß

das

Hochformat

der

Schriftrolle

 

überwiegt.

 

In

einem

anderen

 

Fall

wird

aber

ein

indisches

Format

beschrieben:**

sprul

 

pa'i

gter

6'en

mö'og-gyur-bde-c'en-glin-pas

mDo-k'ams

Nam-mk'a'-mijod

kyi

gnas

mc'og

nas

spyan

drans

pa'i

bdud

rei

Ina'i

Sog

gu

zin

mt'o

gan

/

dkyus

sor

bzi

I

yig

p'ren

gsum

pa

Qu-ru

Rin-po-6'e'i

p'yag

bris

nagara

yig

p'yi

ma

las

I gnas

dus

kyi

rten

'brel

p'un

sum

c'ogs

pas

mc'ams

sbyar

te

/

Bod-c'en-po'i

sa'i

t'ig

le

/

dpal

gnam

sa'i

dban

p'yug

sDe-dge

6'os

rgyal

6'en

po'i

p'o

bran

Lhun-grub-sten-dan-zun-du-'brel-ba'i

6'os

grvar

snan

srid

t'ams

 

6ad

bdud

rci'i

ran

bzin

tu

p'yin

gyis

brlabs

pa

skabs

gtan

la

p'ab

rim

bzin

tu

/

bya

bral

ba

mK'yen-brce'i-dban-pos

bris

pa'i

dge

bas

gnas

de'i

'dod

rgyu

Ihun

gyis

grub

pa'i

rgyur

gyur

6ig

Imangalam

jj

,,Der

sPrul-pa

und

gTer-ö'en

 

mÖ'og-

 
 

**

1947;

S.

309-322

„The

Validity

of

Tibetan

Historical

Tradition".

 

** M.

Laiou.

Revendications

des

Fonctionnaires

in:

JA

1955;

 

S.

172.

*5

G.

Tucci.

Tibetan

Painted

Scrolls;

1.

Bd.

S.

113.

 

** gTer-mjod

vol.

T'a.

Der

zu

dem

Kolophon

gehörige

Text

ist

ein

sog.

gTor-

gzun.

Der

Begriff

wird

weiter

unten

genau

erläutert.

 

Der

Titel

des

Textes

lautet

:

zab

bdun

rca

gsum

skar

las

j

gu

ru

bde

ba

fen

po'i

grub

t'abs

bzugs