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FREIZEITSOZIOLOGIE UND PSYCHOLOGIE

MARC STICKDORN

F REIZEITSOZIOLOGIE UND – PSYCHOLOGIE M ARC S TICKDORN M ODUL 4 // V ERA S

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AUFGABENSTELLUNG

Fassen sie die Kernaussagen des Artikels „Moving Beyond Subjective Well-Being: A Tourism Critique“ von Sebastian Filep zunächst kurz zusammen. Stellen Sie anschließend vor, mit welchen konkreten Maßnahmen Sie „Tourist happines“ in einer Tiroler Destination messen könnten. Begründen sie ihre Antwort basierend auf den im Artikel vorgestellten Konzepten. (800-1.000 Wörter)

ÜBERSICHT

Moving Beyond Subjective Well-Being: A Tourism Critique
Messbarkeit von „Tourist happiness“ in einer Tiroler Destination
Subjectiv well-being
Tourist happines

in einer Tiroler Destination  Subjectiv well-being  Tourist happines M ODUL 4 // V ERA

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MOVING BEYOND SUBJECTIVE WELL-BEING: A TOURISM CRITIQUE

Der Artikel Moving Beyond Subjective Well-Being: A Tourism Critique wurde im Februar 2012 von

Sebastian Filep im Journal of Hospitality & Tourism Research veröffentlicht. Dieser ist eine kurze Kritik, welche die wichtigsten Probleme der Begriffsfassung von touristischem Glücksempfinden 1 (tourist happiness) und Alternativvorschläge zu subjectiv well-being 2 (SWB) (subjektives Wohlbefinden) beschreibt. Glück ist maßgeblich, denn dieses beeinflusst nachweislich, wie eine touristische Erfahrung schlussendlich wahrgenommen und in weiterer Folge verbreitet wird. Hohe SWB besteht aus einem

Mix der folgenden drei Faktoren:

die relative Abwesenheit von Angst und Depression,

häufiger und intensiver positive Gefühlszustand und

der allgemeinen Zufriedenheit mit dem Leben (vgl. Diener, 2009, S. 11-58 nach Filep, 2012). Einerseits deutet die wahre Glücks Konzeptualisierung darauf hin, dass das Glück mit positiven

Gefühlen wie Liebe, Interesse, Freude und Zufriedenheit, als auch Engagement, das heißt ein Gefühl

der Beteiligung an Aktivitäten des täglichen Lebens und einem Gefühl von Sinn und Zweck im Leben,

ist. Anderseits wurde tourist happiness mit den Faktoren der positiven Beziehungen und Erfolg beschrieben (vgl. Seligman, 2011 nach Filep, 2012).

Der Artikel zeigt zwei wesentliche Probleme in der Konzeption touristischem Glück als SWB auf:

1. die Schwierigkeit des SWB in Erläuterung sinnvoller Urlaubserfahrungen und

2. die Schwierigkeiten bei SWB in die Vor-Ort-Erfahrungen einzugreifen.

Bedeutung und Urlaubsreflexion

Ein erfüllte touristische Erfahrung ist nicht nur von Freude bzw. Zufriedenheit gekennzeichnet, sondern auch wie sinnvoll die Touristen ihre Urlaubsaktivitäten empfanden. Während die Lebenszufriedenheit mit Skalen wie beispielsweise Beurteilen Sie auf einer Skala von 1 bis 10 wie zufrieden Sie sind, ausgedrückt werden kann, besagt die SWB Theorie, dass das meiste Glück dann ist, wenn sich Menschen wohl fühlen (vgl. Diener 2009 und Layard 2005 nach Filep,

2012).

Neuere Forschungen haben auch ergeben, dass Urlauber glücklicher sind als Nichturlauber, aber zeitgleich die Glückseffekte nicht lange nach dem Urlaub nachwirken und das Glückgefühl schnell verschwindet (vgl. Nawijn et al., 2010, S. 35-47 nach Filep, 2012). Jayawickreme, Pawelski und Seligman bekräftigen diese Aussage indem sie aufzeigen, dass Touristen keine

1 Siehe tourist happiness Seite 8

2 Siehe subjectiv well-beeing Seite 8

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1 Siehe tourist happiness Seite 8 2 Siehe subjectiv well-beeing Seite 8 M ODUL 4 //

Erlebnismaschinen sind und damit die Lebensdauer von künstlich induzierten positiven Emotionen nicht von vielen Menschen erlebt werden (vgl. Jayawickreme et al., in press nach Filep, 2012). Des Weiteren besteht die Problematik, dass die SWB Theorie, mit ihren Urteilen von Lebenszufriedenheit und emotionalen Reaktionen, nicht die mächtigen, fesselnden Momente, welche die vielen touristischen Ereignisse und Situationen charakterisieren und mit Leben bereichern, erklärt.

Engagement und Vor-Ort-Erfahrungen

Ein wesentlicher Bestandteil des SWB ist die Lebenszufriedenheit (vgl. Cummins, 2009 nach Filep, 2012). Nussbaum hingegen bekräftigt, dass die Aufsummierung von guten, schlechten und gewöhnlichen Erfahrungen zu der Würdigung des Lebens führt (vgl. Nussbaum 2003 und 2008 nach Filep, 2012). Hierzu geht es in der Tourismusforschung von Filep darum, die unmittelbaren touristischen Veranstaltungen und Aktionen zu verstehen, und nicht die allgemeinen touristischen Erlebnisse zu reflektieren. Weiteres beton er, dass die unvorhersehbaren Ereignisse und Momente, die am Ende oft sehr erfreulich für Touristen sind, getrennt untersucht und verstanden werden sollten. Subjektives Wohlbefinden erscheint im Hinblick auf die Erläuterung dieser leistungsfähigen touristischen Momente problematisch. Obwohl sie nützlich und informativ für ein allgemeines Verständnis sind, um ein umfassendes Verständnis des touristischen Glück, der Textur und den Reichtum der besonderen touristischen Situationen und Ereignisse zu ermöglichen, kann Lebenszufriedenheit nicht einfach in einer Frage eruiert werden. Dies bekräftigen auch Kler und Tribe, welche betonen, dass sich die Gefühlserfüllung der Touristen nicht direkt messen lassen und daher auch nicht zu entziffern ist (vgl. Kler und Tribe, in press nach Filep, 2012).

Pearce, Filep, und Ross sind überzeugt, dass touristisches Glück die drei wichtigsten Phasen des Reiseerlebnis betreffen: Reise-Motivationen, Vor-Ort-Erfahrungen und Reflexionen über die Erfahrungen (vgl. Pearce et al., 2011 nach Filep, 2012). Dieses Bild zeigt, wie die Phasen mit den authentischen Glückselementen der positiven Emotionen, Engagement und Sinn verbunden sind (vgl. Seligmann, 2002 nach Filep, 2012). Tourist happiness ist ein Zusammenspiel mehrerer Reisemotivatoren wie Beziehung und Zugehörigkeit, Sicherheit und Komfort, Neugier und geistige Anregung, und Selbst-Entwicklung. Seligmann sagt, dass wenn Touristen von Neugier und geistige Stimulation motiviert sind, sind sie auf einer Suche nach dem authentischen Glück (vgl. Seligmann, 2002 nach Filep, 2012).

Suche nach dem authentischen Glück (vgl. Seligmann, 2002 nach Filep, 2012). M ODUL 4 // V

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Tourist happiness ist von der Leistungsfähigkeit der Vor-Ort-Erfahrungen durch Themen wie Zeitverschiebung, Gefühle der Ruhe und Beschaulichkeit, und eine volle Konzentration und Fokussierung auf den besuchten Ort gekennzeichnet.

Reisemotivatoren von tourist happines

Beziehungen und Zugehörigkeit geistige Sicherheit Anregung und Komfort Tourist happiness Selbst- Neugier
Beziehungen
und
Zugehörigkeit
geistige
Sicherheit
Anregung
und Komfort
Tourist
happiness
Selbst-
Neugier
Entwicklung

Quelle: Eigene Darstellung nach Selingmann 2002

Selbst- Neugier Entwicklung Quelle: Eigene Darstellung nach Selingmann 2002 M ODUL 4 // V ERA S

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MESSBARKEIT VON „TOURIST HAPPINESSIN EINER TIROLER DESTINATION

Der Artikel stellt Methoden vor, wie tourist happiness in einer Destination gemessen werden kann. Bevor aber der Gast in der Destination nach seiner Urlaubszufriedenheit und auch nach der Abreise nach seinen Reiseerfahrungen befragt werden kann, muss dieser zuerst in die Destination kommen. Hierfür sind verschiedene Push- und Pull-Faktoren verantwortlich. Push-Faktoren beziehen sich vorrangig auf emotionale Aspekte. Diese Antriebskräfte kommen von dem Gast selber und wirken sich entscheidend auf den Wunsch des Reisens aus. Diese Faktoren bestehen aus subjektiven (schwer messbar) und objektiven Bedürfnissen, welche schlussendlich das touristische Potenzial bestimmen (vgl. Yoon und Uysal, 2005, S. 46; Mundt, 2006. S. 107; Tschurtschenthaler, 2007, S.163). Push-Faktoren können bspw. etwas Aufregendes erleben, der Wunsch vom Alltag zu fliehen, Gesundheit oder soziale Interaktion sein. Im Gegenzug kommen bei der Destinationsauswahl die Pull-Faktoren ins Spiel. Diese können die Push-Motivation stimulieren und stärken. Dabei haben die Angebotselemente und die natürlichen Ressourcen einer Destination eine hohe Bedeutung (vgl. Yoon uns Uysal, 2005, S. 45; Tschurtschenthaler, 2007, S.163). Für die Verantwortlichen einer Destination bedeutet dies, in einem ersten Schritt die Wünsche und Bedürfnisse der Zielgruppen zu kennen und verstehen und gemäß der Faktoren zu agieren. Alternativ kann auch versucht werden, potenzielle Gäste als auch Stammgäste nach deren idealen Urlaub zu befragen. Auf Grundlage der Ergebnisse sollen dann in der Destination die Produkte und Dienstleistungen erstellt werden. Wenn die Gäste in der Destination sind, bietet sich die Methode der (persönlichen) Interviews zur Erhebung des touristischen Glücks an. Durch den direkten Kontakt wird einerseits das Interesse am Gast und seinen Gefühlen und Bedürfnissen bekundet. Anderseits bekommt die Destination unverzüglich und ohne Verzerrung die Rückmeldung zu dem jeweiligen Produkt oder Dienstleistung. Diese Methode ist sehr zeit- als auch kostenaufwendig, bietet aber der Destination auch die Möglichkeit unverzüglich zu reagieren und dem Gast im Bedarfsfall noch gute/bessere Erlebnisse anbieten zu können. Eine weitere im Artikel erwähnte Methode ist jene der Fokusgruppen. Da dies sehr zeitintensiv ist und mehrere Gäste zur gleichen Zeit für dieses Gespräch sich Zeit nehmen müssen, ist die Methode wenig praxistauglich. Nach Abreise des Gastes ist die Methode des cognitiv mapping als Messung der tourist happiness geeignet. Hierbei soll der Gast aus der Erinnerung heraus ein möglichst getreues Bild der Destination wiedergeben und damit seine positiven als auch negativen Erfahrungen teilen. Diese Methode bedarf

seine positiven als auch negativen Erfahrungen teilen. Diese Methode bedarf M ODUL 4 // V ERA

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einer aktiven und intensiven Pflege der Gästedaten und bringt das Risiko weniger Rückmeldungen mit sich.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass die Thematik des tourist happiness im vorherrschenden globalen Verdrängungswettbewerb sehr wichtig für Destinationen ist, da die Zufriedenheit wesentlich für die Weiterempfehlungsrate und auch Loyalität des Gastes gegenüber der Destination ist.

SUBJECTIVE WELL-BEING

Subjective well-being (SWB) wird als subjektives Wohlbefinden beschrieben und steht im Mittelpunkt des Interesses in diesem Booklet. Diener, Suh, Lucas and Smith definieren SWB als: “a broad category of phenomena that includes people’s emotional responses, domain satisfactions and global judgments of life satisfaction” (vgl. Diener et al, 1999, S. 277 nach Filep, 2012). Die Theorie von SWB wurde ursprünglich entwickelt um Tourismusforschern beim Messen und Beschreiben der Glücksgefühle der Touristen zu helfen. Diese Theorie sagt aus, dass sich Glücklichkeit aus Lebenszufriedenheit und Freude zusammensetzt. Diese Theorie kann aber nicht das Glücksempfinden eines Touristen beschreiben.

TOURIST HAPPINESS

Tourist happiness hingegen wird weitgehend als der psychologische Erfüllungsgrad, das Wohlbefinden und den Erwartungen während der Reise verstanden. Dabei spielt die Teilnahme bzw. die Mitwirkung am Erreichen der Erwartungen eine wesentliche Rolle.

bzw. die Mitwirkung am Erreichen der Erwartungen eine wesentliche Rolle. M ODUL 4 // V ERA

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LITERATURVERZEICHNIS:

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Mundt, J. (2006): Tourismus. München: Oldenburg Wissenshaftsverlag

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Nussbaum, M. C. (2008). Who is the happy warrior? Philosophy poses questions to psychology.

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Nutzung der alpinen Landschaft. In Egger, R. (Hrsg.): Tourismus: Herausforderungen: Zukunft. S.

161-176. Wien: LIT Verlag

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destination loyalty: a structural model. Tourismus Management (26), S. 45-56

on destination loyalty: a structural model. Tourismus Management (26), S. 45-56 M ODUL 4 // V

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