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Diplomarbeit

Diplomarbeit Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? - Das Beispiel Amsterdam Xenia Maria Merkl Technische Universität

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus?

Diplomarbeit Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? - Das Beispiel Amsterdam Xenia Maria Merkl Technische Universität

- Das Beispiel Amsterdam

Xenia Maria Merkl

Technische Universität Kaiserslautern

Universiteit van Amsterdam

Milieus? - Das Beispiel Amsterdam Xenia Maria Merkl Technische Universität Kaiserslautern Universiteit van Amsterdam

Diplomarbeit

Diplomarbeit Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? - Das Beispiel Amsterdam Betreuer: Prof. Bernd Streich, TU

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus?

- Das Beispiel Amsterdam

Menschen aus kreativen Milieus? - Das Beispiel Amsterdam Betreuer: Prof. Bernd Streich, TU Kaiserslautern Jun. Prof.
Menschen aus kreativen Milieus? - Das Beispiel Amsterdam Betreuer: Prof. Bernd Streich, TU Kaiserslautern Jun. Prof.

Betreuer:

Prof. Bernd Streich, TU Kaiserslautern Jun. Prof. Annette Spellerberg, TU Kaiserslautern Prof. Sako Musterd, Universiteit van Amsterdam Dr. Marco Bontje, Universiteit van Amsterdam

Bearbeiterin:

Xenia Maria Merkl Sebastianusstraße 36a 46487 Wesel Matrikelnummer 343 137 Raum- und Umweltplanung

I don’t understand why people are afraid of new ideas. What I’m afraid of is old ideas.

(John Cage)

Eidesstattliche Erklärung (Verfassererklärung)

Hiermit versichere ich an Eides statt, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbständig verfasst habe. Alle verwendeten Quellen und Hilfsmittel wurden vollständig kenntlich gemacht.

(Xenia Maria Merkl)

Amsterdam/ Kaiserslautern, 29. März 2006

Danksagung

Dank gebührt vor allem den Betreuern dieser Diplomarbeit, namentlich Herrn Prof. Bernd Streich (TU K’lautern), Herrn Prof. Sako Musterd (UvA), Frau Jun. Prof. Annette Spellerberg (TU K’lautern) und Dr. Marco Bontje (UvA).

Dank gebührt außerdem allen Menschen, die sich interessiert an der Thematik zeigten, meine Aussagen in Gesprächen kritisch hinterfragten und mir bisweilen mit konstruktiven Anregungen zur Seite standen.

Dank gebührt den Menschen, die sich freundlich zur Korrektur des Textes zur Verfügung stellten und insbesondere denen, die die englischsprachige Zusammenfassung korrigiert haben.

Danke

Textes zur Verfügung stellten und insbesondere denen, die die englischsprachige Zusammenfassung korrigiert haben. Danke
Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Inhaltsverzeichnis A Konzeptioneller Rahmen

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Inhaltsverzeichnis

A Konzeptioneller Rahmen

5

A.1

Problemstellung und Themenabgrenzung

7

A.2

Einleitung

8

A.3

Zielsetzung

11

A.4

Methodik und Vorgehensweise sowie Aufbau der Arbeit

13

B Theorie

 

15

B.1

Begriffe

17

B.2

Milieus und Lebensstile zur Klassifizierung der Bevölkerung

25

B.2.1

Beispiele für Milieutypologien

28

 

B.2.1.1

Sinus-Milieus

28

B.2.1.2

Milieus nach Schulze

30

B.2.2

Beispiele für Lebensstiltypologien

31

 

B.2.2.1

Lebensstiltypologie nach Noller/ Ronneberger

31

B.2.2.2

Lebensstiltypologien nach Schneider/ Spellerberg

32

B.3

„Creative Knowledge City“

34

B.4

Zwischenfazit

42

C Praxis

 

45

C.1

Stadtanalyse

47

C.1.1

Stadtauswahl

47

C.1.2

Eindrücke

47

C.1.3

Historie der Niederlande mit besonderem Schwerpunkt auf Amsterdam

48

C.1.4

Geografische Einordnung

52

C.1.5

Amsterdam als Teil der Randstad

55

C.1.6

Amsterdam und die RSA

55

C.1.7

Bevölkerung

57

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam C.1.8 Infrastruktur 64 C.1.9

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

C.1.8

Infrastruktur

64

C.1.9

Wirtschaft

65

C.1.10

Bildungsniveau

71

C.1.11

Kultur und Freizeit

72

C.1.12

Zusammenfassende Überlegungen zur Stadtanalyse

73

C.2

Expertenmeinungen über Amsterdam

74

C.2.1

Amsterdam als „Creative Knowledge City“

74

C.2.2

Amsterdam – Die Stadt im Ring

77

C.2.3

Stärken und Chancen von Amsterdam

78

C.2.4

Schwächen von Amsterdam

78

C.2.5

Die Region Amsterdam

79

C.2.6

Bildung

81

C.2.7

Wohnen in Amsterdam

81

C.3

Realisierung der Befragung

83

C.3.1

Aufbau der Befragung

83

C.3.2

Durchführung der Befragung

85

C.4

Auswertung der Befragung

87

C.4.1

Vorgehensweise

87

C.4.2

Auswertung

89

C.4.2.1

Das Architekturbüro

89

C.4.2.2

Der private Standort

93

C.4.2.3

Die professionelle Einschätzung

97

C.5 Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse aus der Stadtanalyse, den

 

Expertenmeinungen und der Befragung

102

D

Fazit

107

D.1

Fazit

109

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam D.1.1 Rückblick auf die

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

D.1.1

Rückblick auf die Arbeit

109

D.1.2

Bedeutung von Kreativität und Wissen für die aktuelle Stadtentwicklung

110

E Zusammenfassungen

115

E.1

Zusammenfassung in deutscher Sprache

117

E.1.1

Konzeptioneller Rahmen

117

E.1.2

Theorie

118

E.1.3

Praxis

122

E.1.4

Fazit

130

E.2

Zusammenfassung in englischer Sprache

133

E.2.1

Conceptual Frame

133

E.2.2

Theory

133

E.2.3

Practice

137

E.2.4

Conclusion

144

F Verzeichnisse

147

F.1

Literaturverzeichnis

149

F.2

Verzeichnis der Internetquellen

155

F.3

Abbildungsverzeichnis

157

F.4

Tabellenverzeichnis

159

F.5

Abkürzungsverzeichnis

160

F.6

Glossar

162

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

A Konzeptioneller Rahmen

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

A.1 Problemstellung und Themenabgrenzung

Die vorliegende Diplomarbeit wurde durch die Technische Universität Kaiserslautern und die Universiteit van Amsterdam betreut.

Die Verfasserin dieser Arbeit hat die Aufgabenstellung folgendermaßen definiert:

Lebensqualität und Atmosphäre einer Stadt sowie das Humankapital der Bevölkerung werden immer wichtiger im Bezug auf die Konkurrenzfähigkeit der Städte. Eine vielseitig und hoch gebildete Bevölkerungsstruktur erleichtert die Ansiedlung neuer Unternehmen, die kosmopolitische, hochmotivierte und flexible Mitarbeiter benötigen, um weltweit agieren zu können. Daneben wird eine Bandbreite von minder qualifizierten Arbeitskräften für die unterschiedlichen Dienstleistungen und Hilfstätigkeiten benötigt, die häufig von Migranten ausgeübt werden.

Diese Bevölkerungsgruppen, ebenso wie subkulturelle Milieus, sind zumeist in Global Cities und Metropolen anzutreffen.

In den Niederlanden, die innerhalb Europas als sehr liberal und weltoffen gelten, blicken subkulturelle Milieus auf eine lange Tradition zurück. Das gilt insbesondere für die Landeshauptstadt: Amsterdam sieht sich als „creative knowledge city“.

Der Begriff „Kreative Milieus“ hat in letzter Zeit verstärkt Einzug in die raumplanerische Fachdiskussion gehalten. Immer wieder stellt sich die Frage, wie die Menschen aus kreativen Milieus eigentlich leben.

Nicht mehr allein von harten Standortfaktoren, wie z.B. Marktnähe, Energieversorgung oder Verkehrsanbindung, hängt die Standortgunst einer Stadt ab, da diese Faktoren ubiquitär vorhanden sind. Mit Beginn der 1980er Jahre gab es theoretische Ansätze, die besagen, dass Flexibilisierung, Unternehmenskontakte und Synergien als Standortfaktor wichtig werden. Die kreativen Milieus zählen dazu. So stellt sich ebenfalls die Frage, was die kreativen Milieus ausmacht.

Da die zuerst gestellte Frage, nämlich wie die Menschen aus kreativen Milieus eigentlich leben, bisher wenig beachtet worden ist, wird dieser in der vorliegenden Arbeit am Beispiel der niederländischen Hauptstadt Amsterdam nachgegangen.

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

A.2 Einleitung

Für Studierende der Raum- und Umweltplanung an der Technischen Universität Kaiserslautern sieht die Diplomprüfungsordnung (DPO) vom Mai 2000 als Abschlussarbeit eine Diplomarbeit vor. Diese wird in § 24 (1) DPO näher charakterisiert:

„Die Diplomarbeit ist eine Prüfungsarbeit, die die wissenschaftliche Ausbildung abschließt. Die Diplomarbeit soll zeigen, dass die Studierenden in begrenzter Zeit ein Problem aus ihrer Fachrichtung selbständig nach wissenschaftlichen Methoden lösen können. Thema, Aufgabenstellung und Umfang der Diplomarbeit sind von der Betreuerin oder dem Betreuer so zu begrenzen, dass die Frist zur Bearbeitung der Diplomarbeit eingehalten werden kann. Die Diplomarbeit kann auch in Form einer Gruppenarbeit (von maximal 2 Studierenden) zugelassen werden, wenn der als Prüfungsleistung zu bewertende Beitrag der oder des einzelnen Studierenden auf Grund von objektiven Kriterien, die eine eindeutige Abgrenzung ermöglichen (z.B. Angabe von Abschnitten oder Seitenzahlen), deutlich unterscheidbar und bewertbar ist und die Anforderungen nach Satz 1 erfüllt.“ 1

Betreut wurde diese Diplomarbeit von Prof. Dr. Bernd Streich, Lehrgebiet CPE 2 und Jun. Prof. Dr. Annette Spellerberg, Lehrgebiet Stadtsoziologie, beide von der TU Kaiserslautern sowie von Prof. Dr. Sako Musterd und Dr. Marco Bontje, Faculty of Social and Behavioural Sciences, Department of Geography and Planning, Universiteit van Amsterdam.

Die Motivation, das vorliegende Thema zu bearbeiten, resultiert aus dem Studienverlauf der Bearbeiterin.

Kreative Milieus blicken in Amsterdam auf eine lange Tradition zurück. Die Niederlande und insbesondere Amsterdam gelten als weltoffen und liberal. Subkulturelle Milieus fühlen sich hier schon seit langem wohl. Ihre Zusammensetzung und Motivation ist einem ständigen Wandel unterworfen. Wenig

1 DPO Raum- und Umweltplanung an der TU Kaiserslautern vom 9. Mai 2000 2 Computergestützte Planungs- und Entwurfsmethoden in Raumplanung und Architektur

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Beachtung fand jedoch bisher

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Beachtung fand jedoch bisher die Frage, wie die Menschen aus kreativen Milieus in Amsterdam leben. Dieser Frage soll nun nachgegangen werden.

Im ersten Teil der Arbeit wird der theoretische Hintergrund erläutert. Die aktuelle gesellschaftliche Ära wird als Wissensgesellschaft bezeichnet. In ihr ist Wissen zur zentralen Voraussetzung gesellschaftlicher Entwicklung und zur wichtigsten Produktionskraft geworden. Um nun einzelne Bevölkerungsgruppen definieren zu können, wird auf die Milieustruktur zurückgegriffen. Begriffe, wie beispielsweise Milieu, Kreativität, kreatives Milieu, werden definiert und in Relation gesetzt.

In einem nächsten Schritt erfolgt die Erläuterung zur Klassifizierung der Bevölkerung mit Hilfe von Milieus und Lebensstilen. An dieser Stelle werden beispielhaft die Lebensstiltypologien nach Schneider/ Spellerberg und Noller sowie die Milieutypologien nach Sinus und Schulze genannt. Berufe aus den Branchen Architektur, Kunst und Kultur werden beispielsweise als kreativ eingestuft. Aus diesem Personenkreis kann sich das kreative Milieu rekrutieren; allerdings gibt es eine Vielzahl weiterer Bedingungen.

In dem theoretischen Teil der Arbeit wird auf die Bezeichnung „kreative Wissensstadt“ für Amsterdam eingegangen. Städtekonkurrenzen und die neuen Dienstleistungen sowie die neuen Standortfaktoren spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle. Flexibilisierung, Internationalisierung, Toleranz und Kreativität sind die neuen Schlagworte.

Nach der Erarbeitung der theoretischen Grundlagen folgt der praktische Teil der Arbeit. Der praktisch orientierte Teil der Diplomarbeit beginnt mit der Begründung der Stadtauswahl und einer differenzierten Analyse der Stadt Amsterdam. Die folgenden Faktoren wurden in der Stadtanalyse berücksichtigt:

Allgemeine Daten

Lage im Raum

Infrastruktur

Stadthistorie

Bevölkerung

Wirtschaft

Kultur und Freizeit

Ausländeranteil

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam • Haushaltsstruktur Aufbauend auf

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Haushaltsstruktur

Aufbauend auf die theoretischen Grundlagen aus dem vorhergehenden Kapitel und der Analyse der Stadt wird nun der Kernfrage der Arbeit „Wie leben Menschen aus kreativen Milieus?“ nachgegangen. Zu dieser Betrachtung gehört auch die Analyse des Wohnumfeldes. Beispielhaft wird an dieser Stelle die Gruppe der Architekten betrachtet. Es wird eine Befragung von Architekten in Amsterdam durchgeführt. Sie werden zu ihrem Arbeits- und Wohnstandort, aber auch zu ihrer professionellen Einschätzung, wie kreative Menschen in Amsterdam leben, befragt.

Den Abschluss der Arbeit bildet das Fazit. Darin wird die Relevanz der gewonnenen Erkenntnisse für die Raumplanung dargestellt. Weiterhin wird darauf eingegangen, wie sich Standortfaktoren verändert haben. Aber auch Brain Drain, also die Migration besonders ausgebildeter oder talentierter Menschen aus der Stadt, ist ein wichtiges Stichwort.

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

A.3 Zielsetzung

Die Zielsetzung erfolgt durch die konkrete Formulierung von Fragen, die im Laufe der Arbeit beantwortet werden. Durch die Beantwortung der Fragen sollen die Lebensumstände und die Lebenssituation der Menschen kreativer Milieus in Amsterdam dargestellt werden.

Die zentrale Frage der Arbeit lautet:

Wie leben die Menschen aus kreativen Milieus in Amsterdam?

Die zu beantwortenden Fragen sind die folgenden:

Was arbeiten die Menschen, die das kreative Milieu ausmachen, womit beschäftigen sie sich in ihrer Freizeit?

Gibt es in Amsterdam bestimmte Stadtteile, in denen die Menschen aus kreativen Milieus wohnen, oder leben sie weit gestreut?

Bevorzugen sie Neubauten am Rande der Stadt (z.B. Java- und KNMS- Eiland, Sporenburg und Borneo) oder das Oude Centrum (begrenzt durch Singel, Oude Schans, Amstel und IJ) oder den Grachtengürtel, Jordaan oder doch ganz andere Orte?

Wie ist die Haushaltsgröße im Vergleich zum städtischen Durchschnitt?

Wie viele Personen leben auf wie vielen Quadratmetern?

Wie ist die finanzielle Situation?

Lassen sich Wanderungsbewegungen innerhalb der Stadt feststellen?

Die Fragen beziehen sich immer auf die Menschen aus kreativen Milieus in Amsterdam im Vergleich zur Gesamtbevölkerung der Stadt.

Die verschiedenen Teilfragen deuten schon an, dass das breite Spektrum der Faktoren, die in der Raum- und Umweltplanung relevant sind, berücksichtigt wird. Auf Grund der Fülle von zu berücksichtigenden Faktoren ist es nicht beabsichtigt eine tief greifende Analyse zu erstellen.

Kreative Milieus sind komplexe Gebilde, die sich auf verschiedene Fachdisziplinen auswirken. Beispielsweise soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass die Milieubildung an sich ein Thema der Soziologie ist. Der Einfluss eines kreativen Milieus auf eine Gebietskörperschaft ist dagegen eher ein Thema in den

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Politikwissenschaften. Interessant für die

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Politikwissenschaften. Interessant für die Raum- und Umweltplanung sind die Theorien über die (Nicht-) Planbarkeit kreativer Milieus.

Bei Arbeiten dieser Art stellt sich immer wieder die Frage, wie der Bezug zur Raum- und Umweltplanung hergestellt werden kann. Die Thematik der kreativen Milieus spielt sich hauptsächlich in den Bereichen der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ab. Erfolgreich kann das Konzept der kreativen Milieus aber nur über die Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sein. Es stellt sich auch die Frage, wie sich die kreativen Milieus in einer Stadt einfügen und wie sie innerhalb einer Stadt wandern. Allgemein bekannt ist, dass Menschen kreativer Milieus „hippe“ Wohngegenden einer Stadt bevorzugen. Dazu gehören nicht-modernisierte, zentrumsnahe Wohnviertel, in denen eine tolerante Grundstimmung vorherrscht. Hier findet man vor allem alte Menschen, Ausländer und kreative Menschen. Durch Gentrification, also durch die soziale Aufwertung innenstadtnaher Wohngebiete, und durch den Zuzug von Angehörigen der sozialen Ober- bzw. oberen Mittelschicht werden die bisher bevorzugten Wohngebiete zu teuer, aber auch zu konservativ. Die kreativen Menschen ziehen in der Regel in ein besser für sie geeignetes Viertel weiter.

Weiterhin soll aufgezeigt werden, wie die Menschen, die zu kreativen Milieus gehören, innerhalb der Stadt Amsterdam leben. Hier lässt sich ein Bezug zur Stadtplanung herstellen. Die Frage der Steuerung von Gentrification stellt sich bei Sanierung und Modernisierung schließlich immer wieder. Heutige Planung bezieht sich in der Regel auf Überplanung vorhandener Strukturen. Es wird immer weniger notwendig auf der „grünen Wiese“ zu planen. Gründe dafür sind unter anderem der demographische Wandel und der damit verbundene Bevölkerungsrückgang.

Innerhalb der Stadt Amsterdam werden Verdrängungsprozesse offensichtlich. Hier stellt sich die Frage, ob besonders ausgebildete oder talentierte Menschen abwandern im Sinne von Brain Drain. Es hat sich aber gezeigt, dass für das Vorhandensein dieses Personenkreises eine ökonomische Notwendigkeit besteht. Weiterhin unterstützen sie den Sprung in die Wissensgesellschaft.

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

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A.4 Methodik und Vorgehensweise sowie Aufbau der Arbeit

Im ersten Teil der Arbeit befasst sich die Autorin mit dem theoretischen Hintergrund dieser Diplomarbeit. Die sozialwissenschaftliche Lebensstil- und Milieuforschung sowie die kreativen Milieus im Zusammenhang mit der Wissensgesellschaft werden beleuchtet. Dazu wurden die verfügbare Literatur, theoretische Abhandlungen und empirische Untersuchungen ausgewertet. Ergänzend wurde eine Internetrecherche durchgeführt.

In diesem Teil der Arbeit werden die grundlegenden Begriffe definiert. Ebenso wird auf die Milieus und Lebensstile zur Klassifizierung der Bevölkerung eingegangen. Das Hauptaugenmerk liegt auf den kreativen Milieus und dem Begriff der kreativen Wissensstadt am Beispiel Amsterdam.

Der zweite Teil der Arbeit ist ein praktisch orientierter Arbeitsabschnitt. Hier wird die Stadt Amsterdam zunächst vorgestellt. Hierfür wichtige Faktoren sind allgemeine Daten über die Stadt wie z.B. Einwohnerzahl, Infrastruktur, Historie, Wirtschaft, Kultur und Freizeit, Ausländeranteil und Haushaltsstruktur.

In einem nächsten Schritt wird dann aufgezeigt, wie die Menschen kreativer Milieus leben. Hier werden die eigene Befragung Amsterdamer Architekten sowie die vorliegenden Interviews einbezogen. Diese Interviews sind von Marco Bontje (UvA) im Rahmen des Forschungsprojekts „The inventive city: Urban competitiveness and sustainable development“ im Zeitraum Dezember 2004 bis März 2005 mit Schlüsselpersonen in Amsterdam geführt worden. Die Hauptthemen sind der Wohnungsmarkt Amsterdams, Amsterdam und die Region sowie das Leitbild „creative knowledge city“. Abgeschlossen wird dieses Kapitel mit einem Zwischenfazit.

Das Fazit schließt die Arbeit ab. In diesem Teil der Arbeit wird die Bedeutung der kreativen Klasse für die aktuelle Stadtentwicklung dargestellt.

Die Arbeitseinteilung erfolgte an Hand eines strikten Zeitplans (siehe Abbildung 1).

Korrekturgespräche mit den Betreuern in Amsterdam fanden ca. alle vier Wochen statt. Die Korrektur durch die Betreuer in Kaiserslautern erfolgte hauptsächlich per E- Mail. Treffen fanden zu Beginn der Arbeit ca. alle acht Wochen, später ca. alle vier Monate statt.

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Abb. 1: Zeitplan 3 3

Abb. 1:

Zeitplan 3

3 Eigene Darstellung

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

B Theorie

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

B.1 Begriffe

In diesem Kapitel sollen die folgenden Begriffe gegeneinander abgegrenzt und definiert werden.

Kultur

Lebensstil

Subkultur

Milieu

Kreativität

Kreatives Milieu

Um den Begriff des kreativen Milieus definieren zu können, müssen zuerst die Begriffe Kreativität und Milieu erläutert werden. Um nun das kreative Milieu von einer Subkultur unterscheiden zu können, werden die Begriffe Kultur und Subkultur definiert.

Sowohl Subkulturen als auch die verschiedenen Milieus werden durch Lebensstile geprägt. Daher ergibt sich die Notwendigkeit, den Begriff Lebensstil zu erläutern.

Kultur wird als Gesamtheit des menschlichen Handelns betrachtet. In der Soziologie wird Kultur als Gesamtheit aller Kommunikations- und Wissensvermittlungsformen zwischen Menschen einer gemeinsamen Lebensweise interpretiert. Was wichtig im Leben ist und was die Art und Weise beeinflusst, in der die Menschen Ereignisse interpretieren, zählt zur Kultur. Ebenfalls zur Kultur gehören weit verbreitete, triviale und alltägliche Verhaltensformen, die der Mensch für selbstverständlich hält und kaum bemerkt. Die Kultursoziologie zeigt, dass Hoffnungen und Ängste, Vorlieben und Abneigungen, Ansichten und Gewohnheiten in hohem Maße kulturelle Schöpfungen sind, zutiefst beeinflusst durch Zeit und Raum als Rahmenbedingungen des Lebens. Sie erlauben aber Spielräume des Handelns, da sie von Menschen entwickelt und gelebt wird. So ist Kultur immer dynamisch und einem ständigen Wandel unterworfen. 4

4 vgl. Wikipedia 2005 a

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Alle menschlichen Kulturen beinhalten

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Alle menschlichen Kulturen beinhalten die gleichen Grundelemente, auch wenn Kultur unterschiedlich ausgefüllt wird. Die Grundelemente sind Wissen, Sprache, Symbole, sittliche Werte, Normen und Artefakte 5 .

Die Dynamik der kulturellen Wandlungen wird heutzutage von den Massenmedien beeinflusst. Durch diese haben sich Herstellung und Empfang von Informationen und kulturellen Inhalten tief greifend gewandelt. Eine Konsequenz der weltweiten Vernetzung ist die Internationalisierung der Kultur. Sich stark voneinander unterscheidende Kulturen werden zunehmend durch eine einzige globale Kultur ersetzt bzw. überformt. Beispiele dafür sind französische Zeitungen in Asien, Frühlingsrollen und Pizza in Berlin und New York, BBC-Nachrichten auf der ganzen Welt. Große Wanderungsbewegungen erweisen sich als eine andere soziale Kraft, durch die die Internationalisierung der Kultur vorangetrieben wird. Es dürfte demnach zu neuen kulturellen Mischungen und „Hybridbildungen“ kommen, auch zu einem neuen Verhältnis von Weltkultur (global) und kultureller Regionalität (lokal), also zu einem Zustand der „Glokalisierung“. 6

Lebensstile sind sowohl bei Menschen aus Milieus wie auch bei Menschen aus Subkulturen vorhanden. Der Lebensstil macht das Milieu bzw. die Subkultur aus. Umgangssprachlich ist der Lebensstil eine Bezeichnung für spezifisch wieder erkennbare Kombinationen von Freizeitpräferenzen (z.B. welche Musik man hört). Dazu gehört aber auch der Stil, der beruflich oder familiär gelebt wird. Dieser Lebensstil verringert die soziale Distanz zwischen den jeweiligen diesen Stil Pflegenden (Vertrauen auf Reaktionen der anderen wird erhöht.) oder vergrößert gegenüber anderen (die sog. „unsichtbaren Schranken“ errichten). Das bezieht sich auf Merkmale wie Wohnstil, Kleidung, Sprachgestus, Aufenthaltsorte. Ein Beispiel eines ausgeprägten Lebensstils war z.B. der Dandy. 7

Soziologisch betrachtet sind Lebensstile als Ausdrucksform bestimmter Lebensformen ein Teil der gesamten Kultur. Unter Lebensstil wird ein relativ stabiles, regelmäßig wiederkehrendes Muster der alltäglichen Lebensführung einer Person

5 von Menschen geschaffene Gedanken und Dinge
6

vgl. Rehberg 2001, S. 63-92
7

vgl. Wikipedia 2005b

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam oder Gruppe in einem

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

oder Gruppe in einem bestimmten Habitus verstanden. Die verschiedenen Lebensstilgruppen bilden den Grundstein der Milieus und Subkulturen. 8

Bestimmte Lebensstile bilden eine Subkultur. Die Subkultur grenzt sich gegen die Milieus ab. Aber auch innerhalb der Subkulturen sind Lebensstile das Unterscheidungskriterium. Um den Begriff Subkultur zu erläutern, wird auf die Erklärung von Hillmann 9 zurückgegriffen: „Subkultur ist die Bezeichnung für die Lebensform eines Personenkreises oder Bevölkerungsteils mit bestimmten Auffassungen, Werten, Normen, sozialen Strukturen und Verhaltensweisen (Lebensstil), die von jenen der jeweiligen Mehrheitskultur oder dominanten Kultur erheblich, deutlich und gegebenenfalls in konfliktträchtiger Weise abweichen.“ 10 Subkulturen sind jedoch als ein Teil der Gesellschaft anzusehen. „Die Entstehung von Subkulturen wird durch bestimmte gemeinsame Merkmale von Personen begünstigt, z.B. Alter, Geschlecht, Beruf, ethnische Zugehörigkeit, Weltanschauung und soziale Schicht.“ 11

Zwei Gründe können zum Herausbilden von Subkulturen führen. Zum einen können sich kulturelle Minderheiten einer Angleichung durch die dominante Kultur widersetzen. Wichtige Werte, Normen, Traditionen und Weltdeutungen, die in der Gesamtgesellschaft als „normal" gelten, werden nicht übernommen. Zum anderen können sich kulturelle Unterschiede aber auch dadurch verfestigen, dass dominante Gruppen und Eliten alles tun, um Minderheiten von der Mehrheitskultur fernzuhalten. So wird die Ungleichheit zugunsten der Macht und der Privilegierung der herrschenden Gruppen gefestigt. Auch jede Subkultur ist darauf angewiesen, dass Menschen sich mit deren Existenz, Mitgliedern und Lebensweise identifizieren. Neben den Milieus bilden sie allerdings nur einen sehr kleinen Teil der gesamten Kultur.

Subkulturen spalten sich in regressive, progressive und virtuelle Subkulturen.

Neben den Subkulturen existieren die Milieus. Auch sie werden durch bestimmte Lebensstile begründet. Ein Milieu wird von einer Gruppe Gleichgesinnter mit

8 vgl. Geißler 2002, S. 126 und Band/ Müller 2001, S. 427ff.

9

Hillmann 1994, S. 850

10 Hillmann 1994, S. 850

11 Hillmann 1994, S. 850

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam ähnlichen Werthaltungen, Prinzipien de

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

ähnlichen Werthaltungen, Prinzipien der Lebensgestaltung, Beziehungen zu Mitmenschen und Mentalitäten, die dadurch ihre Umwelt ähnlich interpretieren und gestalten, geprägt. 12 Milieus werden, im Gegensatz zu Subkulturen, in der Regel von der Gesellschaft akzeptiert. Milieus wollen ihre bestehende Position bzw. ihren eigenen Vorteil erhalten oder ausbauen, wohingegen Subkulturen gesellschaftliche Veränderungen anstreben. Milieus sind in ihrer Wirkung nach innen gerichtet, sie wollen selten Aufmerksamkeit, sondern handeln zu ihrem persönlichen Nutzen. Ein Wechsel von einer Subkultur in ein Milieu bzw. der umgekehrte Fall oder Überlappungen kommen nur selten vor, können aber auch nicht kategorisch ausgeschlossen werden. Bei den Milieus wird zwischen Makro- und Mikromilieu unterschieden. Das Makromilieu bezeichnet eine große Gruppe mit ähnlichem Lebensstil, deren Menschen sich nicht begegnen. 13 Beim Mikromilieu hingegen stehen die Mitglieder in unmittelbarem persönlichem Kontakt. 14

Der moderne Kreativitätsbegriff wurde durch Guilford zu Beginn der 1950er Jahre geprägt. 15 Im heutigen deutschen Sprachgebrauch ist Kreativität ein alltäglicher Begriff. Der häufigste Gebrauch ist im Sinne von schöpferisch tätig sein, Ideen haben und diese gestalterisch verwirklichen. 16 „Dies bedeutet nicht unbedingt, dass dabei etwas völlig Neues auf der Grundlage von bisher Unbekanntem geschaffen wird. Neues entsteht vielmehr dadurch, dass bei dem kreativen Prozess vorhandenes Wissen in "ungewöhnlicher" Weise kombiniert wird. Aus diesem Grund wird der Prozess oft als unlogisch empfunden, das Ergebnis jedoch als im höchsten Maße logisch wahrgenommen.“ 17 Wichtig dabei ist ein unkonventioneller Lebensstil. Kreativität kann so auch durch Interaktion entstehen. Zur Kreativität gehört auch die Innovation, die Entwicklung einer Idee und letztendlich auch die Produktion der Idee.

Das kreative Milieu ist ein Sonderfall innerhalb der Milieus. Erstmals in den Blickpunkt der Forschung gerieten die Aspekte eines kreativen Milieus seit 1984 durch die Forschungsgruppe GREMI (Groupe de Recherche Europèen sur les

12 vgl. Hradil 1999 und vgl. Lepsius 1993, S. 80
13

vgl. Hradil 1987, S. 168
14

vgl. Hradil 1987, S. 167ff.
15

16 vgl. Müller 1982, S. 430

17 Wikipedia 2005c

vgl. Guilford 1950

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Milieux Innovateurs) zuallererst aus

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Milieux Innovateurs) zuallererst aus dem französischsprachigen Bereich. Es wurde dort versucht, die Beziehungen zwischen den regionalen Unternehmen und Organisationen herauszuarbeiten, um den Begriff des „Milieus" auf diese Weise zu charakterisieren. Die Gruppe ging von folgenden Kernfragen aus: Wo liegt die entscheidende Ursache für die unterschiedliche Innovationsfähigkeit verschiedener Wirtschaftsräume? Welches ist der „gemeinsame Nenner" erfolgreicher Regionen und gleichzeitig Differenz zu den übrigen?

Die GREMI- Gruppe definiert kreative Milieus als "

of mainly informal social relationships on a limited geographical area, often determing

a specific external image and a specific internal representation and sense of

set, or the complex network

the

belonging, which enhance the local innovative capability through synergetic and

collective learning processes". 18 19

Bricht man die genannte Definition in ihre Teilaussagen auf, sind vor allem drei Merkmale als kennzeichnend für kreative Milieus hervorzuheben:

Kontaktnetze regionaler Akteure, die Lernprozesse anregen,

soziale, d.h. explizit persönliche Beziehungen,

Image und Selbstwahrnehmung als Ausdruck mentalen Zusammenhalts und gemeinsamer Zielsetzungen.

Das Vorhandensein einer bestimmten Art von Verflechtungsbeziehungen zwischen den Akteuren stellt somit die Kerneigenschaft kreativer Milieus dar. Weitere Merkmale des kreativen Milieus sind:

Das kreative Milieu bildet eine räumlich abgrenzbare Einheit, wobei nicht administrative Grenzen das Abgrenzungskriterium darstellen, sondern die Homogenität im Verhalten, in der Problemwahrnehmung und technischen Kultur.

18 In der Übersetzung ungefähr: "Komplexes bzw. dichtes Netz von vor allem informellen sozialen Beziehungen innerhalb einer abgrenzbaren Region, die oft nach außen ein spezielles Image fördern und nach innen eine bestimmte Wahrnehmung bzw. ein Zugehörigkeitsgefühl; dieses Netz fördert die örtliche Innovationsfähigkeit durch synergetische und kollektive Lernprozesse". 19 Wikipedia 2005d

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam • Es gibt in

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Es gibt in ihm Gruppen von Akteuren, die aus verschiedenen Bereichen stammen (Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, lokale Behörden u.a.) und eine relative Entscheidungsautonomie über zu wählende Strategien haben.

Das Vorhandensein von Schlüsselpersonen mit besonderen Fähigkeiten zur Kommunikation und zur Integration unterschiedlicher Interessen leistet ebenfalls einen positiven Beitrag.

Das „Milieu" beinhaltet materielle (Unternehmen, Infrastruktur), immaterielle (Know-how) sowie institutionelle (Behörden mit Entscheidungskompetenz) Faktoren.

Zwischen den regionalen Akteuren finden Austausch und Interaktion statt, die zu einer effizienteren Nutzung der vorhandenen Ressourcen führen.

Es

besteht

eine

aus

Tradition

erworbene,

hohe

Lernfähigkeit,

die

den

Akteuren

ein

schnelles

Reagieren

auf

veränderte

Rahmenbedingungen

ermöglicht.

Ein kreatives Milieu muss eine „institutionalisierte Weisheit“ besitzen.

Weiterhin weisen kreative Milieus Gruppen von Akteuren auf, die zwar aus verschiedenen Bereichen stammen (Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, lokale Behörden u.a.), jedoch überwiegend Akteure mit hohem Bildungsniveau sind (oft auch ehem. Studenten). Diese Akteure stellen bestimmte Anforderungen an ihre Wohnung und das Wohnumfeld.

Ein wesentlicher Ansatzpunkt der GREMI–Gruppe besteht dabei in der Verbindung zwischen den funktionalen Unternehmens- und Politiknetzwerken und deren Einbindung in ein (regionales) „Milieu". Erst dadurch kann in der Verbindung der Innovationsnetze mit dem regionalen Milieu ein kreatives Milieu entstehen. Wichtig erscheinen auch noch die im regionalen Milieu erzeugten Synergieeffekte durch häufige informelle Kontakte, die einen ständigen Lernprozess der Unternehmen ermöglichen. Diese informellen Kontakte werden aufrechterhalten über die sozialen Beziehungen wie informelle Netzwerke, z.B. ehemaliger Absolventen von Bildungseinrichtungen. Kooperationen entstehen durch gemeinsame Mitgliedschaft in lokalen Vereinen, Fachverbänden oder Ähnlichem. Aus privaten Kontakten können

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam geschäftliche Beziehungen entstehen. Ge

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

geschäftliche Beziehungen entstehen. Gemeinsame räumliche und soziale Identifikation entwickeln das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Milieu. Face-to-face Kontakte, die begünstigt sind durch räumliche Nähe, werden im lokalen Milieu die Kreativität, Kommunikation, Kompetenz und Kooperation als ausschlaggebende Faktoren für Innovationen fördern. Organisationen, wie Kammern, Verbände, öffentliche Transferstellen und Wirtschaftsförderstellen können dazu wesentlich beitragen.

Wesentlich für den Milieubegriff ist das gegenseitige, lokale Vertrauen bei Innovations- und Investitionsrisiken der Unternehmen. Bei diesem regionalen Beziehungsgefüge handelt es sich um einen Milieubegriff, der zwar eine notwendige Voraussetzung, aber keine hinreichende Bedingung für ein „kreatives" Umfeld schafft. Aufgrund von empirischen Fallstudien wurde dessen ungeachtet nachgewiesen, dass die Entstehung kreativer Milieus nicht zwingend mit räumlicher Nähe verknüpft sein muss. Dies belegen zahlreiche Studien von Von Einem und Helmstädter (1997), Malecki (2000) und Schönert (2000). Es ist aber eher fraglich, ob sich ein rein virtuelles, also völlig vom Raum losgelöstes Milieu etablieren kann oder ob der persönliche und direkte Kontakt zwischen den Akteuren nicht doch notwendig ist.

Der Ansatz der kreativen Milieus scheint verlockend und vielversprechend, jedoch wird auch vielfältige Kritik geäußert. Die am häufigsten geäußerte Kritik ist jene der Übertragbarkeit auf andere Regionen. Neben den unterschiedlichen wirtschafts- und arbeitskulturellen Einflüssen stellen auch die unterschiedlichen Neigungen, Verhaltensweisen und Mentalitäten der Menschen die Übertragbarkeit in Frage. Des Weiteren wird die zu starke Betonung des Zusammenhanges zwischen räumlicher Nähe und Kooperation und Verflechtung kritisiert. Nordhause-Janz/ Widmaier (1999, S. 97 f.) weisen darauf hin, dass dieser Zusammenhang eher fraglich und abhängig von Branche, Region und Entwicklungsstadium des Unternehmens ist. Ebenso wird die zu geringe Beachtung der Tatsache kritisiert, dass Wissenstransfer nicht nur über Kooperationsbeziehungen und informelle Kontakte erfolgt, sondern auch über Personalfluktuation, die natürlich nicht nur intraregional erfolgt. Für innovations- und forschungsintensive Unternehmen seien Universitäten ein wichtiger Standortfaktor, zum einen für die Gewinnung von Personal und zum anderen für Kooperationsbeziehungen und zum Wissenstransfer. Bei aller Kritik steht jedoch eine

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Frage im Vordergrun d:

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Frage im Vordergrund: Kreative Milieus – eine „unplanbare Planungsaufgabe“? Abschließend kann man feststellen, dass Kreativität und Innovation an sich nicht herstellbar sind, es ist jedoch möglich, Voraussetzungen und Freiräume zu schaffen, innerhalb derer kreative Milieus entstehen können.

Zu den kreativen Milieus zählen auch solche, die künstlerisch-schöpferisch geprägt sind. Als Beispiel sei hier das Künstlerdorf Worpswede genannt.

In der unten stehenden Grafik sind die erläuterten Begriffe in ihrer Beziehung zueinander dargestellt.

Hierarchie der Begriffe Kultur Lebensstile Milieu Subkultur
Hierarchie der Begriffe
Kultur
Lebensstile
Milieu
Subkultur

Abb. 2:

Hierarchie der Begriffe 20

20 eigene Darstellung

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

B.2 Milieus und Lebensstile zur Klassifizierung der Bevölkerung

Der Mensch im Fokus der Stadtplanung mag auf den ersten Blick paradox klingen. So fällt einem beim Stichwort Stadtplanung sicher zunächst die Gestaltung des Stadtraums, der Städtebau oder die Stadtentwicklung ein. Aber es ist der Mensch, der einem Straßenzug Leben einhaucht, Farbe gibt.

So ist es nachvollziehbar, dass der Mensch mit seinen Bedürfnissen bei der Lenkung städtischer Prozesse eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielt. Es ist aber kaum machbar, jeden einzelnen Menschen und seine Bedürfnisse zu betrachten. Deshalb wird es erforderlich, die Bevölkerung nach Lebensstilen in Gruppen oder aber in Milieus einzuteilen. Eine derartige Einteilung ist notwendig, da das kreative Milieu von anderen Milieus und Subkulturen abgegrenzt werden muss, möchte man die Wohnverhältnisse der kreativen Gruppe betrachten. Um die Bevölkerung nun zu klassifizieren, kann auf vorhandene Möglichkeiten zurückgegriffen werden. Aus der Geschichte der Klassifizierung der Bevölkerung ist die Einteilung in Klassen oder Stände nach Marx, Weber und Bourdieu aber auch Geiger bekannt. Neue Methoden sind die Klassifizierungen nach Lebensstilen, so z.B. Noller/ Ronneberger oder Schneider/ Spellerberg und die Milieutypologien. Hierbei werden beispielsweise die Sinus-Milieus und Milieus nach Schulze näher erläutert.

Klassisch betrachtet aus dem Blickwinkel der Soziologie gehört die Einteilung in Klassen bzw. Stände zu den Möglichkeiten die Gesellschaft zu beschreiben. Die Einteilung in Klassen erfolgt anhand der ökonomischen Lage der Individuen bzw. über die Position in den funktionalen Sphären einer Gesellschaft. „Klassen sind […] Aggregate von Akteuren in einer gleichen „Klassenlage“, einer gemeinsamen gesellschaftlichen Lage, die in erster Linie durch die ökonomische Lage bzw. Position in den funktionalen Sphären einer Gesellschaft und den dazugehörenden Märkten bestimmt ist, also über typische soziale Produktionsfunktionen in der Reproduktion des Alltags über materielle Ressourcen.“ 21 Für Karl Marx bestimmt sich die Klassenlage über den Arbeitslohn und das Kapital. Diese traditionellen Klassen- und Schichtkonzepte orientieren sich nur an der vertikalen Dimension des

21 Esser 2000, S. 132

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Einkommens, der Berufsste llung

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Einkommens, der Berufsstellung und des Bildungsniveaus. 22 Es ergeben sich dichotome Spaltungen in der Gesellschaft. Diese gesellschaftlichen Widersprüche drängen auf Überwindung. Max Weber unterscheidet hingegen verschiedene Klassenlagen. Für ihn ist eine Klassenlage eine „typische Chance“. Diese definiert sich über die Güterversorgung, die äußere Lebensstellung und das innere Lebensschicksal. 23

Die Verwendung von Schichten zur Kategorisierung von Bevölkerungsgruppen wurde durch die gesellschaftliche Entwicklung erforderlich. Im Gegensatz zu den Prognosen von Karl Marx wurden die Varianzen in den Klassen nicht kleiner, sondern größer, so dass es zu Überlappungen und Durchlässigkeiten kam, die eine scharfe Abgrenzung wie bei den Klassen nicht mehr zuließen. Heutzutage geht man von einer kompletten Individualisierung der Menschen und einer damit verbundenen endgültigen Auflösung der Klassen und Stände aus. 24

Theodor Geiger war der erste Soziologe, der auf diese Entwicklungen reagierte. „Mit den Varianzen, Überlappungen, Überkreuzungen und Durchlässigkeiten war für Geiger jedoch keineswegs die Aufhebung der vertikalen Ungleichheiten verbunden. Nach wie vor gab es Menschen mit deutlichen Unterschieden in wirtschaftlicher Macht und im Prestige, die sich nach wie vor aus ihrer beruflichen Tätigkeit bezogen haben. Aber neben die beiden Kriterien des Eigentums und der Ehre tritt nun zunehmend die Bildung und die Verfügungsmacht in den staatlichen wie nichtstaatlichen Organisationen in den Vordergrund. Und so wurde es plausibel, statt der einfachen dichotomen Klassenmodelle nunmehr komplexere Bilder der gesellschaftlichen „Lagerungen“ zu entwerfen.“ 25 Er orientierte sich zunächst an der kapitalistischen und der proletarischen Lage von Marx und fügte eine mittlere Lage ein. Diese, wie Geiger sie nennt, Rohgliederung nach Produktionsverhältnissen, ist ihm aber zu grob. Er ersetzte diese durch eine so genannte Tiefengliederung, die

22 vgl. Häußermann 2000, S. 153 23 vgl. Esser 2000, S. 133

24

25

vgl. Esser 2000, S. 144

Esser 2000, S. 145

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam nun fünf Kategorien enthält,

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

nun fünf Kategorien enthält, die sich in verschiedenen Marx’schen Lagen wieder finden lassen. 26 (siehe Abbildung 3)

Lagen wieder finden lassen. 2 6 (siehe Abbildung 3) Abb. 3: Schichteneinteilung nach Theodor Geiger 2

Abb. 3:

Schichteneinteilung nach Theodor Geiger 27

Mit dem Beginn der 1970er Jahre begann die Kritik an den genannten Modellen. Insbesondere die realen Entwicklungen Deutschlands und die damit verbundene schwindende empirische Basis wurden den Theorien entgegengehalten. Es kommt zunehmend zu Statusinkonsistenzen (Auseinanderklaffen von Bildung und Einkommen) und zur Entkopplung von Lebensbedingungen und Lebensweisen. 28 Der Wohlstand der Bevölkerung nimmt zu, es sind mehr Güter verfügbar und das Freizeitverhalten wird differenzierter. Weiterhin kommt es zu einer kulturellen Modernisierung. Normen und Werte werden aufgebrochen. Diese Theorien sind aber noch in Gebrauch und bieten so eine Konkurrenz zu neueren Ansätzen. 29

26 vgl. Esser 2000, S. 145 ff.
27

28 vgl. Häußermann 2000, S. 153 29 vgl. Schwenk 1999, S. 15 ff.

Esser 2000, S. 146

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam B.2.1 Beispiele für Milieutypologien

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

B.2.1

Beispiele für Milieutypologien

B.2.1.1 Sinus-Milieus

Als Beispiel für eine Milieutypologie sei an dieser Stelle die Einteilung des Sinus- Instituts 30 genannt. Die Typologisierung dieses Instituts ist weit bekannt. Es werden Wertorientierungen, Alltagsbewusstsein und sozialer Status kombiniert. 31 Sinus Sociovision ist ein privatwirtschaftliches Institut, welches sich originär mit Marketingstrategien beschäftigt und daher eigentlich nicht sozialwissenschaftlich geprägt ist. Die Einteilung der Bevölkerung in Milieus ist in diesem Fall umstritten, da die Herleitung der Milieus unveröffentlicht bleibt. Bei den Sinus-Milieus werden die soziale Lage und die Grundorientierung in Relation gesetzt. Daraus ergeben sich 10 Milieutypen.

Konservative

Traditionsverwurzelte

DDR-Nostalgische

Etablierte

Bürgerliche Mitte

Konsum-Materialisten

Postmaterielle

Hedonisten

Experimentalisten

moderne Performer

Sinus-Milieus gruppieren Menschen, die sich in ihrer Lebensauffassung und Lebensweise ähneln. In die Analyse gehen zunächst die grundlegenden Wertorientierungen ein, dann die Alltagseinstellungen zur Arbeit, zur Familie, zur Freizeit, zu Geld und Konsum und so weiter.

Die Sinus-Milieus sind nicht zu verwechseln mit Lifestyle-Typen. Während diese Oberflächenphänomene klassifizieren, deren Haltbarkeit vergleichsweise flüchtig ist, erfasst das Sinus-Milieumodell die Tiefenstrukturen sozialer Differenzierung. Das

30 vgl. Sinus 2004 31 vgl. Häußermann 2000, S. 153

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Modell ist aber kein

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus?

– Das Beispiel Amsterdam

Modell ist aber kein starres System, es verändert sich mit dem gesellschaftlichen

Wandel, dem es in Modell-Updates immer wieder angepasst wird.

In Tabelle 1 sind die Milieutypen in vier Gruppen eingeteilt worden und die Verteilung

der einzelnen Milieutypen auf die Gesamtbevölkerung Deutschlands im Jahr 2005

wird dargestellt. Eingeflossen ist die Wohnbevölkerung ab 14 Jahren. Es werden

somit ca. 64,72 Mio. Menschen einbezogen.

 

Die gesellschaftlichen Leitmilieus

 

29,1 % ca. 18,8 Mio

Sinus B1 (Etablierte)

10,2%

 

Sinus B12 (Postmaterielle)

10%

 

Sinus C12 (Moderne Performer)

9,1%

 

Traditionelle Milieus

 

25,2 % ca. 16,3 Mio

Sinus A12 (Konservative)

5%

 

Sinus A23 (Traditionsverwurzelte)

14,4%

 

Sinus AB2 (DDR- Nostalgische)

5,8%

 

Mainstream -Milieus

 

26,8 % ca. 17,3 Mio

Sinus B2 (Bürgerliche Mitte)

15,8%

 

Sinus B3 (Konsum- Materialisten)

11%

 

Hedonistische Milieus

 

18,9 % ca. 12,2 Mio

Sinus C2 (Experimentalisten)

7,8%

 

Sinus BC3 (Hedonisten)

11,1%

 

Tab. 1:

Sinus-Milieus 32

Das Sinus-Institut hat für 16 weitere Nationen diese Einteilung vorgenommen.

32 Sinus 2004

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Abb. 4: Sinus-Milieu 3 3 Ähnlich wie

Abb. 4:

Sinus-Milieu 33

Ähnlich wie das Sinus-Institut arbeitet Motivaction 34 in den Niederlanden. Dieses Institut legt allerdings in noch viel geringerem Maße die Erkenntnisse dar wie das Sinus-Institut. Präsentiert werden Ergebnisse, aber die Einteilung in Milieus oder Lebensstiltypologien kann nicht eingesehen werden. Bei Motivaction geht es hauptsächlich um Marktforschung.

B.2.1.2 Milieus nach Schulze

Erläutert wird noch die Arbeit von Gerhard Schulze 35 (soziale Milieus). Er hat ein großes theoretisches Gebäude um die Milieus aufgebaut. Schulze hat die Gesellschaftsstrukturen in Nürnberg untersucht. Er verzichtet bewusst auf die Anwendung älterer Modelle der Gesellschaftsstrukturbeschreibung, da die Gefahr besteht, „einer verzerrten Wahrnehmung der Vergangenheit durch die Brille der gegenwärtigen Deutungsmuster“ 36 zu erliegen. Aber auch der umgekehrte Fall, die Begegnung der Gegenwart mit alten Denkmustern, ist zu verhindern. Die Beschreibung der Gesellschaft durch soziale Milieus erfolgt durch Stiltypen, die

33 Sinus 2004

34 vgl. Motivaction 2005

35 vgl. Schulze 1993
36

Schulze 1993, S. 20

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam zusammen mit den Merkmalen

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

zusammen mit den Merkmalen Alter und Bildung konstituiert werden. Es ergeben sich fünf Milieutypen:

Dem Selbstverwirklichungsmilieu sind 18% der deutschen Gesamtbevölkerung zuzurechnen. Dieses Milieu ist der Ausgangspunkt sozialer Bewegungen.

Das Unterhaltungsmilieu, 11% der Gesamtbevölkerung, ist stark an Serviceleistungen von Erlebnisanbietern orientiert.

Niveaumilieu, 12%, hingegen ist an Hochkultur orientiert und steht in der Tradition des Bildungsbürgertums.

Das Integrationsmilieu, 20% der Bevölkerung sind hierzu zu zählen, ist überwiegend konservativ eingestellt.

Zum Harmoniemilieu gehören mit 39% die meisten Menschen. Es ist in der Arbeiterschaft verbreitet, Durchschnittlichkeit ist typisch.

B.2.2

Beispiele für Lebensstiltypologien

B.2.2.1 Lebensstiltypologie nach Noller/ Ronneberger 37

Noller/ Ronneberger stellen in ihrer Arbeit den Zusammenhang zwischen Arbeitsleben und den subjektiven Erwartungen von modernen Berufsmilieus an Wohnungen, Wohn- und Arbeitsumfelder sowie an städtisches und alltägliches Leben dar. Für die Studie wurden Berufsmilieus im Frankfurter Raum betrachtet.

Sie kommen zu dem Ergebnis, dass beispielsweise Zugehörige zum EDV-Milieu einerseits einen berufszentrierten Lebensstil haben und andererseits treffen die Merkmale Selbstverwirklichung und Quartiersbezogenheit zu. Die Merkmale, konzentriert, abstrakt, termingebunden und im Team Informationen zu verarbeiten und weiterzuführen, treffen insbesondere auf Beschäftigte der IKT-Branche 38 zu. Dabei sind Arbeit und Freizeit bei termingebundener Projektarbeit nur schwer voneinander zu trennen. In ihrer Freizeit bevorzugt diese Gruppe gesellige und sportliche Aktivitäten wie z.B. Wandern oder Radfahren. Im kulturellen Bereich sind sie weniger an den Orten der Hochkultur anzutreffen als in Off-Theatern oder bei

37 vgl. Noller/ Ronneberger 1995 und Noller 1999
38

Branche der Informations- und Kommunikationstechnologien

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Stadtteil- und Straßenfest en

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Stadtteil- und Straßenfesten zu finden. Die bevorzugte Musikrichtung ist die Rock- und Popmusik. Überdurchschnittlich oft ist diese Gruppe der Bevölkerung in Szenekneipen anzutreffen. Wichtige Lebensziele der IKT-Beschäftigten sind Abwechslung, Kreativität, ein naturnahes und gefühlsbetontes Leben zu führen, auf der Höhe technischer Entwicklungen zu sein und geselliges Zusammensein mit Freunden zu pflegen. Bezogen auf ihre Wohnung und ihr Wohnumfeld bevorzugen sie Altbauquartiere in der Stadt selbst. An ihr Wohnquartier haben sie eine hohe Bindung. Nach der Arbeit halten sie sich noch in der Stadt auf. Dort essen sie oder gehen einer Freizeitbeschäftigung nach. Häufig nutzen sie dabei kleinere lokale Einrichtungen und sie sind in Vereinen aktiv. Sie stehen einer Basisdemokratie und einer multikulturellen Gesellschaft positiv gegenüber.

Generell lässt sich feststellen, dass das Berufsmilieu, in das jemand eintaucht, sobald er einen Beruf ergreift, damit zu spezifischen Erfahrungen und zu Sozialisationen führt. Nicht nur die abgeforderten Qualifikationen unterscheiden sich, sondern auch die Wahrnehmung und Bewertung bestimmter Sachverhalte in verschiedenen Branchen. So betont die Werbe- und EDV-Branche Kreativität und Nonkonformismus.

Autoren aus der Lebensstil- und der Biographieforschung (Bourdieu 1987, Vester u.a. 2002) gehen von einem Gleichklang der individuellen Orientierungen, Verhaltens- und Interaktionsmuster und beruflichen Milieus aus. 39

B.2.2.2 Lebensstiltypologien nach Schneider/ Spellerberg 40

Die Untersuchung von Schneider/ Spellerberg ist eine bevölkerungsrepräsentative Studie, die auf Untersuchungen von 1993 und 1996 basiert. Im Zentrum dieser Studien stehen Lebensstilgruppen in Ost- und Westdeutschland und das Ausmaß (un-)befriedigter Wohnbedürfnisse im Hinblick auf Wohnlage und Wohnform, Ausstattungen und Einrichtungsweisen sowie Mobilitätsbereitschaft, um das differenzierte Geschehen auf dem Wohnungsmarkt erfassen zu können. Ermittelt werden Wohnverhältnisse und -zufriedenheit, Standortwahl, Ausstattung sowie die

39 vgl. Bourdieu 1987 und Vester et al. 2002 40 vgl. Schneider/ Spellerberg 1999, S. 95 ff.

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam tatsächlichen Gegebenheiten und die

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

tatsächlichen Gegebenheiten und die Wünsche an Stadt und Land sowie in Ost und West. Statt nach Schichten oder Einkommen werden die 3000 Befragten in je 9 westdeutsche und ostdeutsche Lebensstilgruppen eingeteilt. Wegen Überschneidungen von Lebensstilgruppen aus Ost- und Westdeutschland werden im Endeffekt 12 verschiedene Lebensstiltypen unterschieden.

1. Hochkulturell Interessierte, sozial Engagierte (Ost- und Westdeutschland)

2. Kulturell Interessierte, Arbeits- und Familienorientierte (Osten)

3. Traditionelle, zurückgezogen Lebende (Ost und West)

4. Sicherheitsorientierte, sozial Eingebundene mit Vorlieben für volkstümliche Kultur und Kleidung (Ost und West)

5. Traditionelle, kulturell Interessierte und Familienorientierte (Osten)

6. Häusliche, Unterhaltungs- und Modeorientierte (Westen)

7. Expressiv Vielseitige (Ost und West)

8. Einfach Lebende, arbeitsorientierte Häusliche (Westen)

9. Sachlich-pragmatische Qualitätsbewusste (Westen)

10. Sachlich-pragmatisch Unauffällige (Osten)

11. Arbeits- und Erlebnisorientierte, vielseitig Aktive (Ost und West)

12. Hedonistisch Freizeitorientierte (Ost und West)

Das zentrale Ergebnis dieser Studie ist, dass die besten Prädikatoren der Zugehörigkeit zu den Lebensstilen das Alter, die Schulbildung und das Geschlecht (in dieser Reihenfolge) sind. Erst dann folgen soziostrukturelle Merkmale, wie sozioökonomischer Status, Einkommen und subjektive Schichtzugehörigkeit.

Die hohe Bedeutung der Kriterien Alter und Bildung für die Abgrenzung von Milieugruppen hat bereits Schulze in seiner Studie festgestellt. 41

41 vgl. Schulze 1993, S. 193

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

B.3

„Creative Knowledge City“

Städte sind einer ständigen für sie wichtigen Transformation unterworfen. Eine ständige Transformation zeigt eine ständige Weiterentwicklung an. So werden beispielsweise Betriebe des produzierenden Gewerbes immer weniger in westlichen industrialisierten Staaten zu finden sein, da die Produktion in Billiglohnländer verlagert wird. Die aktuelle Ära basiert auf Informationen, die Gesellschaft entwickelt sich zu einer so genannten Wissensgesellschaft. Die Schlüsselwörter, die im Zusammenhang mit der neuen urbanen Transformation genannt werden müssen, sind Wissen, Kultur und Kreativität. 42

Aktuelle wirtschaftliche Umstrukturierungsprozesse zeigen eine andauernde Verlagerung der urbanen Wirtschaft von einer fordistischen Situation (das Profil des produzierenden Gewerbes ist charakterisiert durch standardisierte Fertigungsprozesse) zu einer post-fordistischen Situation (Business, Abnahmeservice und Kommunikation; Produktionsprozesse sind weniger standardisiert und flexibler). In der momentanen Situation sind Technologie, Service und Kommunikation verbunden mit dem Anwachsen auf dem Wissens- und Kultursektor mit Elementen, die bedeutend sind für Kreativität und Innovation.

Es gibt die Theorie, dass in Zeiten von Internationalisierung Firmen, Personen und Prozesse als Teil des Global Village unverwurzelt sind. Betrachtet man nun die Realität, fällt auf, dass Leute und Firmen sich aber nicht so leicht von einer Umgebung lösen, in die sie über längere Zeit investiert haben.

Die „Creative Cultural Knowledge City“ hat in der letzten Zeit viel Aufmerksamkeit von Forschern bekommen. Neue Herausforderungen sind mit neuen Stadttypen verbunden und eine wirtschaftsgeografische Verlagerung fällt auf, welche für Standortfaktoren nicht unentscheidend ist. Das Ganze fällt unter die weitere Diskussion über die Bedeutung des Ortes und das wechselnde Gewicht der Standortfaktoren. Talent, Verschiedenheit und Toleranz sind die neuen Standortfaktoren für die neuen wirtschaftlichen Aktivitäten. 43

42 vgl. Musterd/ Ostendorf 2004, S. 189 ff
43

vgl. Musterd 2002 a

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Die klassischen Standortfaktoren verlieren

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Die klassischen Standortfaktoren verlieren an Bedeutung, sie sind aber weiterhin notwendig. Prüft ein Unternehmen verschiedene Standorte für einen neuen Unternehmensstandort, werden zuerst die klassischen Standortfaktoren betrachtet. Am Ende dieser Prüfung gibt es mehrere Standorte mit etwa gleichwertiger Ausstattung; nun werden die weichen Standortfaktoren betrachtet, durch die eine Standortentscheidung herbeigeführt wird. 44 Die heutige Produktion ist nicht mehr abhängig von Material, sondern von Service, Hinweisen, Wissen, Konsum, Kultur und Innovation. Humankapital ist der wichtigste Produktionsfaktor. Städte wachsen, wenn sie gute Bedingungen für die Niederlassung von multinationalen Firmen bieten, die den Informationsfluss und die wirtschaftlichen Prozesse kontrollieren. 45

Firmen des kreativen Servicesektors entscheiden ihre Standorte oft nach „look and feel“. So wird Sehen und Fühlen zum geografischen Kapital. 46

Musterd 47 stützt sich in seiner Argumentation auf Florida und Gates. Sie betrachten hohes Human Capital als Schlüssel zum Erfolg in einer neuen Ära wirtschaftlichen Wachstums. Die Standortfindung von Unternehmen wird dadurch beeinflusst, wo der Talentpool ist: Arbeitnehmer des IKT-Sektors suchen Orte, die verschiedene Meinungen zulassen. Verschiedene Gemeinschaften, die Homosexuelle, Immigranten, Künstler und freidenkende Bohemien willkommen heißen, sind ideal für aufkeimende Kreativität und Innovation, beides Schlüssel zum Erfolg in der neuen Technologie.

Standortfaktoren müssen eine passende Basis für die Umstrukturierung der Wirtschaft, die immer noch andauert, bilden. Dabei ist das Vorhandensein flexibler und dynamischer Arbeitskräfte ebenso relevant wie eine vielfältige Bevölkerung mit den richtigen Fähigkeiten und Talenten. Die entsprechende ökonomische Struktur, die die passenden Charakteristika für Wachstum aufweist, wird benötigt. Die wachstumsfördernden Branchen sind Service, Kultur, Konsum, High-Tech und Medien. Um neue und kreative Menschen für den Wachstumssektor der städtischen Wirtschaft zu begeistern, benötigt man Toleranz, ein innovatives Klima und Diversität

44 vgl. Dangschat 2005, S. 8
45

46 vgl. Arnoldus 2004, S. 204 ff
47

vgl. Musterd 2002b

vgl. Musterd 2004, S. 225 ff

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam als Schlüsselbedingungen. Wichtig ist

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

als Schlüsselbedingungen. Wichtig ist auch eine urbane Atmosphäre, die eine soziale Beteiligung an bestimmten Identitäten einschließt, was wiederum interessant ist für die jungen talentierten Arbeitskräfte, eine vollentwickelte urbane Struktur, die den verschiedenen Konsumwünschen gerecht wird (interessante Architektur, historische Orte, öffentliche Plätze, Freizeitaktivitäten, etc.) und eine vollentwickelte soziale Struktur, die für Firmen und Menschen attraktiv und wichtig ist für das ökonomische städtische Wachstum. Diese Städte haben Erfahrungen mit Druck auf ihre attraktivsten Stadteile. Getrification-Prozesse werden weiterhin aufkommen und stattfinden. Weiterhin ist eine relativ sichere Umgebung mit moderater Kriminalitätsrate, moderater sozialer Polarisation und moderater Armut förderlich.

Arnoldus 48 führt aus, dass Kreativität als Aspekt der ökonomischen Erneuerung zu betrachten ist. Er zitiert Florida, der betont, dass kreative Arbeiter bzw. Wissensarbeiter hoch gebildet sind und ein sehr hohes Einkommen aufweisen, Erard hingegen weist darauf hin, dass insbesondere künstlerisch kreative Arbeiter kaum von ihrem Einkommen leben können.

Zum Beginn dieses Abschnitts wurde Wissen als ein weiteres Schlüsselwort für die neue urbane Transformation genannt. Helbrecht 49 weist darauf hin, dass zwischen stillem und explizitem Wissen unterschieden werden muss. Als stilles Wissen wird solches bezeichnet, das ein Mensch hat, aber nicht weitergeben kann. Es ist sehr stark personengebunden und somit auch ortsgebunden. Explizites Wissen hingegen kann weitergegeben und weiterverarbeitet werden.

Diese (neuen) Standortfaktoren können nicht so leicht hergestellt werden wie die klassischen Standortfaktoren, wie z.B. Infrastruktur, Kommunikationsdienste etc. Das Amsterdamer Profil ist zum Beispiel im 17. Jh. oder früher verwurzelt. Neue Firmen fragen bei ihrer Standortentscheidung immer mehr nach kreativem Klima, in welchem ihre Innovationen entwickelt werden. Eine US-amerikanische empirische Untersuchung (Florida & Gates) hat bewiesen, dass die Städte, die internationales Flair aufweisen, welches die Kreativität stimuliert, tolerant sind und eine große

48 vgl. Arnoldus 2004, S. 204 ff 49 vgl. Helbrecht 2004, S. 194 ff

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Vielfalt in ethnischer und

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Vielfalt in ethnischer und sozialer Hinsicht aufweisen. Solche Städte haben das größte Wachstum in wirtschaftlicher Hinsicht zu verbuchen.

Amsterdam scheint in Europa eine solche Stadt zu sein: Talente, Toleranz und ein schnelles Wachstum im Service und Kommunikationsbereich. Eine weitere wichtige Rolle nehmen höhere Bildungseinrichtungen, Einwanderer und sehr kleine Haushaltsgrößen ein. Die richtige Kombination dieser Kriterien scheint die Umgebung für wissensintensive Firmen zu sein und gleichzeitig aber auch für zahlreiche kleine, innovative Unternehmen. Im Vergleich zu Rotterdam sieht es so aus, als ob die historisch gewachsene wirtschaftliche Struktur Amsterdams besser mit den Prozessen des Strukturwandels umgehen kann. Vergleichbar mit Amsterdam ist München. In Amsterdam ist im Vergleich zu München und Rotterdam der Anteil an produzierender Industrie sehr gering. Auch andere Städte betrachten sich gerne im Kontext der Knowledge City. Barcelona ist ein solches Beispiel, aber sie weist immer noch das Profil einer produzierenden Industriestadt auf und hat somit (noch) keine Chance. 50

In Europa ist Amsterdam ein gutes Beispiel für Talente, Diversität und Toleranz und auch schnelles Wachstum im Service und Kommunikationssektor. Amsterdam weist eine große ethnische und soziale Diversität auf, ist tolerant gegenüber den vielen Lebensstilen, incl. Bohemiens, Homosexuelle und ist Heimatstadt vieler höherer Bildungseinrichtungen. In Amsterdam finden sich viele westliche und nicht-westliche Immigranten (Immigranten aus nicht-industrialisierten Staaten (36 % der Bevölkerung), aus industrialisierten Staaten (10 % der Bevölkerung)) sowie kleine und junge Haushalte. Diese kleinen Haushalte sind ökonomisch aktiv und weisen eine hohe Partizipation auf dem Arbeitsmarkt auf. 76 % der Haushalte sind Ein- oder Zweipersonenhaushalte. Neue Haushalte haben ein bestimmtes Profil: Die Haushalte sind jung, klein, politisch aktiv und eher nach außen orientiert. Es gibt aber ein Missverhältnis zwischen dem, was heutige Haushalte fordern und was geboten werden kann. Dieses fordert eine politische Antwort. Die Transformation zu dieser Haushaltsform ist in Amsterdam schwerer zu erreichen als in München oder Barcelona. Die Regierung spielt in den Niederlanden eine größere

50 vgl. Musterd 2002 a

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Rolle im Wohnungswesen. In

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Rolle im Wohnungswesen. In Amsterdam waren 54 % der Haushalte Sozialwohnungen, 32 % privat gemietet (teilweise von der lokalen Regierung kontrolliert) und 14 % waren Eigentumswohnungen. Hinzu kommt, dass der Boden im staatlichen Besitz ist. 51 Die Boden- und Wohnungspolitik stellt sich sehr starr dar.

Martin Dijst und Cees Cortie fanden heraus, dass Personen, die zu einer bestimmten Wissenskultur (z.B. Wissenschaftler, Künstler) gehören, sich in Amsterdam in bestimmten Gegenden der Stadt aufhalten. Im Zusammenhang mit dem Problem, Wohn- und Arbeitsräume für die Kreativen zu finden, hat die Gemeinde Amsterdam eine Richtlinie für „Broedplaatsen“ 52 in Amsterdam ins Leben gerufen. Diese Richtlinie besagt, dass Künstler und kulturelle Unternehmer bei der Suche nach Wohn- und Arbeitsräumen unterstützt werden sollen. Vor allem solche, die alleine chancenlos sind, sollen profitieren. Die Tradition, die dahinter steht, ist die Hausbesetzerszene in Amsterdam: Hier fanden die Kreativen nicht nur billige Wohn- und Arbeitsräume, sondern auch eine Freiheit der Organisation experimentell und abweichend vom Mainstream der Bevölkerung wohnen und arbeiten zu können. Aber auch in Amsterdam werden besetzte Häuser geräumt und somit eine wichtige Gruppe von Menschen aus der Stadt gedrängt. Besetzte Häuser sind meistens die letzte Möglichkeit für die (kreativen) Hausbesetzer noch in Amsterdam zu verbleiben, da andere Locations zu teuer sind. Durch diese Politik droht der Stadt Amsterdam, dass die Funktion kulturelle und ökonomische Neuerungen herauszubringen, verloren gehen wird. Die Broedplaatsen sollen Abhilfe schaffen. Die kreative Stadt braucht immer Menschen, die sich gegen die aktuelle Ordnung stellen und die vom Mainstream abweichen. Es zeigen sich bereits Abwanderungstendenzen nach Rotterdam. 53 Hier ist entsprechender Wohn- und Arbeitsraum verfügbarer als in Amstersam.

Neue Experten, die verbunden sind mit der New Economy (Service und Kommunikation), kommen in die Stadt. Die Stadt selbst hat einen hohen Anteil an potenziellen Wissensarbeitern. 10 % der Bevölkerung sind Studierende. Ihre Umgebung braucht Cafés, Restaurants, kulturelle Einrichtungen und Möglichkeiten

51 vgl. Musterd 2002 a

Brutplätze 53 vgl. Musterd 2002 b

52

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam zur Erholung. Es stellt

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

zur Erholung. Es stellt sich nun die Frage, welche Umgebung, welches Biotop, die neuen Talente suchen. Faktoren sind das Vorhandensein von Arbeitsplätzen, soziale Sicherheit, Gesundheits(vorsorge)systeme und eine vielseitige Umgebung mit einem umfangreichen Angebot an Service- und Kultureinrichtungen. Um dieser Frage weiter nachgehen zu können, wurden Adressinformationen gesammelt, von Arbeitern in der Wissenschaft, Kunst und Design, finanzieller Sektor und IKT-Sektor, Werbe- und Medienbranche und Informanten der lokalen Regierung. Es wurden Gruppen gebildet: zum ersten Beschäftigte im kreativen Sektor, in der lokalen Regierung und höher Qualifizierte in Sozialwissenschaften und Recht und zum zweiten Beschäftigte des höheren Gesundheitswesens, Wissenschaft und Wirtschaft und zum dritten der Business Service Sektors. Dabei stellte man fest, dass die Beschäftigten des kreativen Sektors und Beschäftigte in kulturellen und sozialen Bereichen überdurchschnittlich oft in den Kernlagen der Stadt Amsterdam zu finden sind. Repräsentanten des Finanzbereichs und die Beschäftigten im Informations-, Kommunikations- und Technologiebereich wohnen lieber in suburbanen Randlagen. So zeigen auch Studierende der eher kreativen, sozialen und kulturellen Studiengänge mehr urbane Orientierung als jene der Naturwissenschaften und der Wirtschaft. 54

In Amsterdam gibt es laut Musterd 55 fünf Haushaltskategorien. Bei der ersten Kategorie handelt es sich um kleine, ökonomisch aktive Haushalte mit hohem Beschäftigungsgrad. Sie zeichnen sich aus durch viel Geld und wenig Zeit. Zugehörige zu dieser Gruppe sind karriereorientiert. Ihre räumliche Orientierung tendiert stark zum urbanen Raum. Auf Grund der Tatsache, dass sie wenig Zeit haben für andere Aktivitäten, muss die räumliche Nähe gegeben sein. Von ihnen werden häufig Dienstleistungen nachgefragt. Eine ausgeprägte Szene des Hotel- und Gaststättengewerbes muss vorhanden sein. Der wirtschaftliche Status findet Ausdruck in der Wohnform.

Die zweite Kategorie ist der ersten ähnlich. Aber hier finden sich Berufsgruppen, die mit der neuen städtischen Ökonomie verbunden sind: kreative Berufe (Medien,

54 vgl. Musterd 2002 b
55

Musterd 2002 b

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Werbung u.ä.), Dienstleistungen. Diese

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Werbung u.ä.), Dienstleistungen. Diese Menschen haben keine Nine-to-Five-Jobs, sondern eine flexible Zeiteinteilung. Interaktionen sind ihnen besonders wichtig.

Die dritte Kategorie wird von Immigranten aus nicht-westlichen Ländern gebildet. Sie sind auf der Suche nach Perspektiven und somit eher städtisch orientiert. Unter ihnen befindet sich ein hoher Anteil an Beschäftigten im Hotel- und Gaststättengewerbe. In Amsterdam gehören rund 30% der Bevölkerung zu dieser Gruppe.

Bei der vierten Kategorie handelt es sich um Immigranten aus reicheren Ländern. Sie sind jung und karriereorientiert. Ihre Motivationen sind ähnlich der Gruppe der ersten und zweiten Kategorie. Ihr prägendes Motto ist „sehen und gesehen werden“. In Amsterdam gehören rund 10% der Bevölkerung zu dieser Gruppe.

In der fünften Kategorie befinden sich kleine Haushalte in der Anlaufphase zur Erwerbstätigkeit und zu höherem Einkommen. Diese Bevölkerungsgruppe ist durch Bildungs- und Freizeiteinrichtungen städtisch orientiert. Überwiegend Studenten gehören dieser Gruppe an.

Das alles scheint die richtige Mischung auszumachen. Große Konzerne, wie die Shell Forschungsabteilung, Phillips, Cisco, aber auch viele kleine, innovative Unternehmen haben ihre Headquarters in Amsterdam. Die entscheidenden Talente sind hochgebildete Arbeitskräfte mit verschiedensten Fähigkeiten, die eine hohe Flexibilität und Kreativität aufweisen und dabei international orientiert und ehrgeizig sind.

Bezogen auf den kreativen Sektor (Architekten, Werbung, Medien) und auf Arbeitnehmer in der höheren Bildung, die in kulturellen und sozialen Wissenschaften tätig sind, fällt auf, dass diese überproportional oft in Amsterdam und dort in den urbansten Teilen der Stadt wohnen. Mitarbeiter aus dem Finanzsektor und der IKT- Branche sind suburban orientiert. Es ist interessant, dass sich dieses Verhalten schon bei Studierenden entsprechender Fachrichtungen deutlich abzeichnet.

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Hall 5 6 äußerst

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Hall 56 äußerst sich sehr kritisch gegenüber Florida: Er bezeichnet ihn als selbsternannten Erfinder des neuen urbanen Allheilmittels. Er nennt keinen konkreten Ansatzpunkt für die Städte, die sich zur kreativen Wissensstadt entwickeln möchten. Städte müssen ihre Stärken erkennen und dort ansetzen. Hinweise auf die entscheidenden Faktoren werden nicht gegeben. Hall weist nur darauf hin, dass Performance und Bildung den Prozess der wachsenden kreativen Stadt beschleunigen können. Veränderungen brauchen Zeit und geschehen nicht von heute auf morgen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Kreativität, ein gutes Klima für Innovationen und das Vorhandensein von Kontrollfunktionen entscheidende Faktoren für den Erfolg der urbanen Wirtschaft sind. Das Ziel von Städten sollte es sein, den Talent- Pool zu fördern, um so einen ausgeglichenen Mix in sozialer, wirtschaftlicher, kultureller und physischer Hinsicht zu erlangen. Städte müssen heutzutage flexibel sein um verschiedenste Milieus zu etablieren. Weiterhin muss die Wirtschaft Strukturen aufweisen, die dem Wachstum der Städte gerecht werden.

56 vgl. Hall 2004, S. 256 ff

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B.4 Zwischenfazit

In diesem Kapitel – B Theorie – wurde der Zusammenhang zwischen Kultur, Lebensstil, Subkultur und Milieu geklärt. Kultur ist die Gesamtheit des menschlichen Handelns. Die Grundelemente der Kultur sind Wissen, Sprache, Symbole, sittliche Werte, Normen und Artefakte. Lebensstile werden durch die Kultur geprägt und sind die prägenden Merkmale für Milieus bzw. Subkulturen. Sie gelten als Ausdrucksform bestimmter Lebensformen. Unter einer Subkultur versteht man einen Bevölkerungsanteil, der sich von der Mehrheit deutlich unterscheidet. Unter Umständen so stark, dass es zu Konflikten zwischen der Mehrheitskultur und der Subkultur kommen kann. In der Regel von der Gesellschaft akzeptiert sind die Milieus. Milieus sind eine Gruppe Gleichgesinnter, die ähnliche Werthaltungen, Prinzipien der Lebensgestaltung, ähnliche Beziehungen zu Mitmenschen und Mentalitäten haben und so ihre Umwelt ähnlich interpretieren. 57 Milieus und Subkulturen unterscheiden sich dahingehend, dass die Menschen der Milieus ihren Vorteil erhalten und ausbauen möchten, während die Subkulturen gesellschaftliche Veränderungen anstreben. Das kreative Milieu, um das es hier geht, ist ein Sonderfall der Milieus. Merkmale dieser Milieus sind laut der GREMI-Gruppe Kontaktnetze regionaler Akteure, die Lernprozesse anregen, soziale Beziehungen und, als Ausdruck mentalen Zusammenhalts und gemeinsamer Zielsetzungen, Image und Selbstwahrnehmung.

Um nun einzelne Gruppen der Bevölkerung fassen zu können, wurden in der Vergangenheit diverse Methoden entwickelt um die Bevölkerung klassifizieren zu können. Angefangen bei Karl Marx, der die Bevölkerung nach Besitz und Nichtbesitz in Klassen einteilte, bis zu Lebensstil- und Milieutypologien. Eine Milieutypologie ist die des Sinus-Instituts. Hier werden Wertorientierungen, Alltagsbewusstsein und sozialer Status kombiniert. Außerdem gibt es noch die Einteilung in Lebensstiltypologien.

Nachdem nun erläutert wurde, um welche Bevölkerungsgruppe es sich bei den kreativen Milieus handelt, muss noch die Stadt näher betrachtet werden. Das

57 vgl. Hradil 1999, S. 420

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam „Leitbild“ Amsterdams ist das

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

„Leitbild“ Amsterdams ist das einer „creative knowledge city“. Das Konzept ist dadurch gekennzeichnet, dass es von einer starken Position weicher Standortfaktoren ausgeht. Harte Standortfaktoren wie die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Infrastrukturen werden als unverzichtbarer Bestandteil für die Entwicklung von Städten betrachtet. Diese reichen aber nicht aus um die Stadt im internationalen Konkurrenzkampf erfolgreich zu positionieren. Die kulturelle Basis einer Stadt und das kreative Schaffen der in ihr lebenden Menschen tritt ins Bewusstsein der Planer. Ebenso wichtig ist das Feeling in einer Stadt. Immer mehr Firmen entscheiden sich bei gleichwertigen potenziellen Standorten für denjenigen Standort, bei dem sie das bessere Gefühl haben und der sich vorteilhafter präsentiert. Look und Feel werden so zu Standortfaktoren. In der Wissensgesellschaft sind somit kreative Milieus besonders wichtig. Ebenso wichtig ist die Förderung eines Talent-Pools. Zu diesem Talent-Pool gehören Menschen, die kreativ sind, unterschiedliche kulturelle Hintergründe haben, differenzierte Lebensstile aufweisen, aus unterschiedlichen Wohnmilieus stammen und ungewohnte Positionen auf dem Arbeitsmarkt haben. Dies ist eine unschätzbare Ressource für die Stadtentwicklung, die nicht so einfach hergestellt werden kann wie die klassischen Standortfaktoren. Notwendig für eine positive Stadtentwicklung werden also in Zukunft die Faktoren Kreativität, Diversität, Toleranz, Internationalität und Sicherheit sein.

Nun scheint Amsterdam von Natur aus begünstigt zu sein. Die für die Niederländer typischen Merkmale sind Pragmatismus, Experimentierfreudigkeit und der Mut unkonventionelle Wege einzuschlagen. Die Neugier ist größer als die Angst. Das Neue und Unbekannte wird schneller umarmt als anderswo. So werden sie zumindest im Ausland gesehen. Die Niederländer selbst sehen diese Stärke eher nicht so bzw. sind der Meinung, dass diese Eigenschaften nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nicht mehr in dem Maße vorhanden sind. Auch die Niederländer sind gegenüber anderen Menschen und Kulturen ängstlicher geworden.

Im folgenden Kapitel – C Praxis – soll aufgezeigt werden, wie und wo die kreativen Menschen in Amsterdam leben. Exemplarisch wird auf die Gruppe der Architekten fokussiert. Mit wichtigen Fragestellungen wird nachgeprüft, wo die Architekten leben und arbeiten und warum sie sich gerade dort niedergelassen haben. Vorher wird die

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Stadt Amsterdam und die

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Stadt Amsterdam und die Region Amsterdam analysiert. Indikatoren wie Haushaltsgröße, Familienform, Erwerbsstatus und Bildungsniveau werden einfließen, da sie als relevant für kreative Milieus betrachtet werden.

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

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C Praxis

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C.1 Stadtanalyse

C.1.1

Stadtauswahl

Die Auswahl der Untersuchungsstadt folgte pragmatischen Gründen. Durch den Auslandsaufenthalt der Bearbeiterin dieser Arbeit in den Niederlanden und die Betreuung der Arbeit durch Prof. Musterd von der Universität Amsterdam stand Amsterdam als zu untersuchende Stadt fest.

Amsterdam bietet sich aber auch an, denn in dieser Stadt haben die kreativen Milieus eine lange Tradition. Die Niederlande im Ganzen und Amsterdam im Besonderen gelten als weltoffen und liberal.

C.1.2

Eindrücke

Amsterdam wird auch Venedig des Nordens genannt. Die niederländische Hauptstadt wird und wurde auf Sand gebaut. Amsterdam ist im Übrigen nicht Regierungssitz 58 und somit ist der Anteil von Beschäftigten in diesem Sektor in Amsterdam sehr gering. Früher waren es Holzpfähle, die sich etwa 10 Meter tief in den Boden bohrten, heute sind es Betonpfeiler, die 20 bis 60 Meter in die Tiefe ragen. So steht beispielsweise die Centraal Station auf ca. 9.000 Stützen. Das Lebensgefühl in Amsterdam beschreibt der DuMont direkt-Reiseführer sehr treffend:

„Wichtigstes Kapital der Stadt ist ihre Grachtenidylle – sie bezaubert wirklich jeden. Gleiches tun die etwas aus dem Gleichgewicht geratenen Giebelhäuser, deren Haupt sich mehr oder minder gefährlich zur Seite oder nach vorne neigt. Und die etwas steif grüßenden Türme der zahlreichen Kirchen mit ihren Glockenspielen, die auch mal einen Popsong klimpern. Die Fassaden mit Giebelsteinen sind quasi das „Who’s who“ der Amsterdamer, bevor Napoleon ihnen zu nahe trat. Die hofjes mit ihrer ganz eigenen Welt … Die Hausboote, Symbol einer ganz besonderen Lebensauffassung. Das reiche Kunst- und Kulturerbe, das mit viel Liebe und Sorgfalt gepflegt wird. Diese Denkmalpflege wird so funktionell und nüchtern wie möglich betrieben: Besser, man unterteilt eine alte Kirche in neue Büroräume, als sie mangels Kirchgängern und Geld abzubrechen und ein neues Bürogebäude zu errichten. Die Fassaden von

58 Regierungssitz ist Den Haag

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam heruntergekommenen Häusern werden saniert,

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

heruntergekommenen Häusern werden saniert, während dahinter ein von Grund auf neues Haus entsteht.“ 59

dahinter ein von Grund auf neues Haus entsteht.“ 5 9 Abb. 5: Eindrücke aus Amsterdam 6

Abb. 5:

Eindrücke aus Amsterdam 60

C.1.3

Historie der Niederlande mit besonderem Schwerpunkt auf Amsterdam

Die Römer 61

Von 500 v. Chr. bis 500 n. Chr. sind die Römer im Süden der heutigen Niederlande

Die Hanse 62

Mit der Gründung des Hansebundes (1122) erlangen niederländische Städte an der Zuiderzee und den Flussmündungen von Maas, Rhein und Schelde Bedeutung.

59 Völler/ van der Wal 2004, S. 9 f.

60 eigene Fotos: Bijlmermeer, Borneo, Betondorp, Westerkerk, Gracht

61 vgl. Stiller 1997, S. 12 f

62 vgl. Stiller 1997, S. 12 f

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Die Zeit der Grafen

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Die Zeit der Grafen 63

Um 1170 entsteht durch eine Amstel-Eindeichung eine erste Siedlung. 1275 verliehen ihr die Grafen von Holland das Zollrecht, 1300 erlangte Amsterdam Stadtrechte. Die Entwicklung von Handel und Schifffahrt ging rasant voran. Um 1400 wird die erste steinerne Stadtmauer mit Festungstürmen errichtet.

Die Bibel 64

1523 erscheint eine Übersetzung der Bibel Martin Luthers. Seine Reformation, vor allem in der Fortentwicklung durch Calvin und Zwingli, findet schnell viele Anhänger. Im Jahr 1576 schreibt die „Genter Erklärung“ die Religionsfreiheit für die Niederlande fest.

Die Habsburger Zeit 65

Um 1500 fällt die Stadt an die Habsburger. Kaiser Maximilian verleiht ihr das Recht, seine Krone im Wappen zu führen. Mit Gewalt bekämpfen Karl V. und sein Sohn Philipp II. den stets weiter an Boden gewinnenden Protestantismus. Prinz Willem van Oranje führt den Widerstand der protestantischen Niederlande an. 1578 stellt sich Amsterdam auf seine Seite und wird offiziell protestantisch.

Die Vereinigten Niederlande 66

Amsterdam wird zum Zufluchtsort verfolgter Minderheiten, da es einen toleranten Ruf genießt. Große Teile der jüdischen Bevölkerung aus Portugal und Spanien fliehen und nach dem Fall von Antwerpen flüchten viele Tausende wohlhabende Protestanten und lassen sich mit ihrem Wissen, ihrem Geld und ihren Kontakten in Amsterdam nieder. In der Zeit von 1570 bis 1640 verzeichnet die Stadt einen enormen Bevölkerungsanstieg von 30.000 auf 140.000 Einwohner. 1613 beginnt der erste planmäßige Ausbau der Stadt. Der erste Teil des Grachtengürtels mit Heren-, Keizers- und Prinsengracht wird angelegt.

63 vgl. Völler/ van der Wal 2004, S. 12 f
64

65 vgl. Völler/ van der Wal 2004, S. 12 f

66 vgl. Völler/ van der Wal 2004, S. 12 f

vgl. Stiller 1997, S. 12 f

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Das Goldene Zeitalter 6

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Das Goldene Zeitalter 67

Die Niederlande haben die Alleinherrschaft auf See errungen und steigen im 17. Jahrhundert zur führenden Handelsnation auf. Handelsvereinigungen konzentrieren sich auf die Kolonien in Ost- (heutiges Indonesien) und Westindien (Karibik und Südamerika) und sammeln unermessliche Reichtümer an. Ein großer Teil des Geldes wird in den Bau von Stadtpalästen entlang der Grachten und in Kunst investiert: Die niederländische Malerei gelangt mit Rembrandt und Vermeer zu bis dato nicht da gewesener Blüte. Der Westfälische Friede von 1648 beendet den Krieg mit Spanien. Wohlstand und Macht der Stadt manifestieren sich im Bau des prachtvollen Rathauses am Dam.

Der Niedergang 68

Im 18. Jahrhundert werden die Niederlande in mehrere Seekriege mit England verwickelt, eine französische Invasion droht, die ehedem gewaltigen Finanz- und Kraftreserven nehmen ab. Zu Beginn des 19. Jh. trifft die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre die immer noch wohlhabende Stadt schwer.

Die französische Zeit 69

Radikale Niederländer proklamieren im Geiste der Französischen Revolution Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit und gründen mit Hilfe französischer Truppen die Republik Batavia. Napoleon entsendet seinen Bruder nach Amsterdam. Dieser regiert bis 1813 als König Lodewijk Napoleon und macht das bisherige Rathaus zu seinem Palast.

Das Königreich der Niederlande 70

Die Niederlande und Belgien bilden ein Königreich, bis Belgien 1830 selbständig wird. Der neue Noordzeekanaal bringt der Stadt, die nun zum Heimathafen der Binnenschifffahrt wird, wieder Wohlstand. Die sich verbessernden Lebensbedingungen führen zu einem starken Bevölkerungswachstum. 1848 geben sich die Niederlande eine Verfassung.

67 vgl. Völler/ van der Wal 2004, S. 12 f

68 vgl. Völler/ van der Wal 2004, S. 12 f
69

vgl. Völler/ van der Wal 2004, S. 12 f
70

vgl. Völler/ van der Wal 2004, S. 12 f

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Zwischen 1849 und 1852

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Zwischen 1849 und 1852 wird das Haarlemermeer trockengelegt. Es ist die bis dato größte Landgewinnung der Welt. 71

Das 20. Jahrhundert 72

Der Staat fördert Wohnungsbauprojekte. Stadtteile entstehen, in denen die Aufsehen erregende Architektur der Amsterdamer Schule den weniger finanzkräftigen Bürgern guten Wohnraum bietet.

Während des ersten Weltkrieges bleiben die Niederlande neutral. 1920 werden die Niederlande Mitglied des Völkerbundes. Der internationale Gerichtshof tagt von nun an in Den Haag. 73

Im Jahr 1926 wird Schiphol im Haarlemermeerpolder Amsterdams Flughafen. Diese entscheidende Entwicklung für die Region und die Stadt wäre ohne die Trockenlegung des Haarlemermeers nicht möglich gewesen. 74

1934 wird vom Amt für Stadtentwicklung ein Generalentwicklungsplan aufgestellt, der bis zum Jahr 2000 blickt. In ihm wird die Funktionstrennung von Wohnen, Arbeiten, Verkehr und Erholung propagiert. 75

Im zweiten Weltkrieg wird das Land von den Nationalsozialisten besetzt. Im Mai 1940 erfolgt ein Angriff auf Amsterdam durch Deutschland, wobei die Stadt 10 % ihrer Bevölkerung verliert. Es werden 75.000 Juden ermordet. Auch der Februarstreik von 1941, mit dem viele Amsterdamer gegen die Deportation ihrer jüdischen Mitbürger demonstrieren, bewirkt nichts. Am 5. Mai 1945 endet die Besetzung mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht. 76

1949 wird die Kolonie Indonesien unabhängig. In den 1950ern erholt sich die Wirtschaft und der Wohlstand wächst. Im folgenden Jahrzehnt wird Bijlmermeer gebaut. Dies ist eine Großwohnsiedlung mit Wohnungen für 100.000 Menschen. Das Wohnungsproblem wurde dadurch allerdings nicht gelöst, da die Mieten zu hoch und Einfamilienhäuser in nahe gelegenen Städten beliebter waren. Die leeren

71 vgl. Stiller 1997, S. 12 f

72 vgl. Völler/ van der Wal 2004, S. 12 f
73

vgl. Stiller 1997, S. 12 f

74 vgl. Roegholt 1997, S. 46

vgl. Roegholt 1997, S. 46 76 vgl. Roegholt 1997, S. 49

75

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Wohnungen wurden mit allochtoner

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wohnungen wurden mit allochtoner Bevölkerung aufgefüllt. Heute ist Bijlmermeer ein sozialer Brennpunkt.

1968 wird der Tunnel unter dem IJ fertig gestellt und somit ein Teil der Verkehrsprobleme gelöst. 77 In den 1960er und 1970er Jahren stören Provos, Studentenunruhen und Hausbesetzer die Ruhe der Stadt. 1975 wird die Kolonie Surinam unabhängig und Zehntausende Surinamer ziehen in die Niederlande und somit auch nach Amsterdam.

Die heutige Zeit

Der Autobahnring der A 10 wird erst zu Beginn der 1990er Jahre fertig gestellt. 78

An den Ufern des IJ und des Markermeers entstehen neue Wohnviertel, wie bspw. Java- und KNSM-Eiland. Schwerpunkte der Stadtentwicklung sind die IJ-Ufer, IJburg, die Noord-Zuidlijn (neue Metrolinie) und die Zuidas, die Amsterdam von Amstelveen trennt. 79

C.1.4

Geografische Einordnung

Die Niederlande liegen in Europa und grenzen im Osten an Deutschland, im Süden an Belgien und im Norden und Westen an die Nordsee.

Im weiteren Verlauf der Stadtanalyse wird immer wieder die Rede von einzelnen Stadtteilen sein. Um diese Stadtteile nun auch geografisch im Gesamtgebilde der Stadt einordnen zu können, soll die folgende Grafik einen Überblick geben.

77 vgl. Roegholt 1997, S. 51 78 vgl. Roegholt 1997, S. 52

79

vgl. Völler/ van der Wal 2004, S. 12 f

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Abb. 6: Niederlande im Überblick 8 0

Abb. 6:

Niederlande im Überblick 80

80 BLC Berlin 2005

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Abb. 7: Stadtteile von Amst erdam mit

Abb. 7:

Stadtteile von Amsterdam mit der Ringautobahn A 10 81

Amsterdam liegt in der Provinz Noord-Holland 82 . Die Stadt erstreckt sich entlang der Amstel und am IJ, der Verbindung zum heutigen IJsselmeer.

Amsterdam umfasst eine Fläche von 219,07 km², aber nur eine Landfläche von 166,57 km². 83 Der größte Teil der Fläche Amsterdams ist bebaut.

 

Flächennutzung

In %

Absolut in ha

Bebauung

48

10.650

Erholung

12

2.459

Natur

26

5.852

Landwirtschaft

14

2.946

Tab. 2:

Landnutzung in Amsterdam 84

 

81 Wikipedia 2005e

Die Provinzen bilden die Verwaltungsebene zwischen der nationalen Regierung und den Gemeinden. In den Niederlanden gibt es zwölf Provinzen (Drenthe, Flevoland, Friesland, Gelderland, Groningen, Limburg, Nordbrabant, Nordholland, Overijssel, Südholland, Utrecht, Zeeland)

82

83

vgl. Gemeente Amsterdam 2005a, S. 14

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam C.1.5 Amsterdam als Teil

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

C.1.5

Amsterdam als Teil der Randstad

Die niederländische Hauptstadt Amsterdam ist ein Teil der Randstad. Die Randstad ist ein Ballungsgebiet im Westen des Landes. Die urbanen Gebiete von und um Amsterdam, Haarlem, Leiden, Den Haag, Delft, Rotterdam, Gouda, Utrecht und Hilversum gehören dazu. In diesem Gebiet wohnen etwa 8 Millionen Menschen. Der Siedlungsring umschließt das so genannte „Groene Hart“ 85 , welches als Naherholungsgebiet für die Randstad, aber auch als Pufferzone für die dichtbesiedelten Städte in Ring dient. Die Abbildung 8 zeigt die Ausdehnung der Randstad von 1850 und von heute.

8 zeigt die Ausdehnung der Randstad von 1850 und von heute. Abb. 8: Die Randstad um

Abb. 8:

Die Randstad um 1850 und 2000 86

C.1.6

Amsterdam und die RSA

Zur Region Amsterdam - Regional Samenwerking Amsterdam (RSA) gehören die Gemeinden im Nordflügel der Randstad, die sich 1998 zu einer informellen Kooperation zusammengeschlossen haben.

84 vgl. Gemeente Amsterdam 2004, S. 14
85

grünes Herz
86

KNAG 1996, S. 35

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Im Bereich der RSA

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Im Bereich der RSA wohnen 2,1 Millionen Menschen. Davon leben 34 % in Amsterdam (737.000 Einwohner). 87 Am 1. Januar 2005 wurden 742.951 Einwohner verzeichnet. 88 Die Bevölkerung der Stadt ist zwischen 1996 und 2003 um 3 % gewachsen 89 , ausgehend von 2005 sind 0,6 % im Vergleich zum Vorjahr hinzugekommen.

von 2005 sind 0,6 % im Vergleich zum Vorjahr hinzugekommen. Abb. 9: Gebiet der RSA 9

Abb. 9:

Gebiet der RSA 90

Viele Städte und Gemeinden rund um Amsterdam können als Vorstädte von Amsterdam betrachtet werden. Fakten, die dafür sprechen, sind Pendlerverflechtungen, der Wohnungsmarkt und die Verbrauchsgewohnheiten.

87 vgl. Gemeente Amsterdam 2004, S. 5

88 vgl. Gemeente Amsterdam 2005a, S. 1 89 vgl. Gemeente Amsterdam 2004, S. 5

90

RSA 2005

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam Manche Gemeinden orientieren sich

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Manche Gemeinden orientieren sich aber mehr an den Subzentren oder sie weisen eine diffuse Orientierung zu mehreren Zentren der Region auf. Generell kann man sagen, dass die Gemeinden des inneren Rings engere Beziehungen zu Amsterdam und/ oder den Subzentren haben als die Gemeinden des äußeren Rings. Während der äußere suburbane Ring hauptsächlich aufs Wohnen konzentriert ist, weist der innere Ring eine Vielfalt an Funktionen auf. Eine Sonderstellung innerhalb des inneren Rings hat Almere. Diese Retortenstadt, die 1976 gegründet wurde, ist nun die zweitgrößte Stadt der Region nach Amsterdam. Almere hält wichtige Funktionen wie Wohnen, Arbeiten und Dienstleistungen vor und kann so als ein Subzentrum der polyzentrischen Region Amsterdam betrachtet werden. 91

C.1.7

Bevölkerung

Im Jahr 1960 wohnten noch 50 % der Bevölkerung der Region in Amsterdam. Im Jahr 2000 sind es weniger als 30 %. Betrachtet man die sechs Subzentren Haarlem, Haarlemmermeer, Zaanstad, Alkmaar, Amstelveen und Almere, so haben diese Städte zusammen so viele Einwohner wie Amsterdam. Das ist ein klarer Faktor für das Aufkommen einer polyzentrischen Region. 92

Die Bevölkerung nach Altersgruppen betrachtet, lässt erkennen, dass in Amsterdam wenig Kinder, aber auch wenig alte Menschen im Vergleich zur Region wohnen. Insgesamt sind die Unterschiede zwischen der Region und der Stadt Amsterdam aber erstaunlich gering. Hier passt die Theorie nicht, die besagt, dass junge Familien in das Umland abwandern. In Amsterdam und der Region kann man nicht mehr von der Altersgruppe auf Präferenzen beim Wohnort schließen. Diese Tatsache kann verschiedene Gründe haben. Zum einen sind die Entfernungen in der RSA sehr gering. Innerhalb einer Stunde kann man von jedem Punkt der Region aus das Zentrum Amsterdams erreichen. Zum anderen verteilen sich die ökonomischen Aktivitäten, aber auch die urbanen Probleme immer weiter in die Region hinein. Der Unterschied zwischen Stadt und Umland verringert sich immer mehr.

91 vgl. Bontje 2005, S.7 92 vgl. Bontje 2005, S. 8

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Altersgruppe/ Gebietseinheit

RSA (in %)

Amsterdam (in %)

< 14 Jahre

 

18,32

16,21

15

– 24 Jahre

11,01

11,61

25

– 44 Jahre

32,45

38,03

45

- 64 Jahre

24,98

22,75

65

+ Jahre

13,24

11,40

Tab. 3:

Bevölkerung nach Altersgruppen 93

 

In der Prognose, die den Zeitraum 2005 bis 2020 betrachtet, wird eine Zunahme der 65+ - Generation um 25 % erwartet. 94

Bis 2020 wird von einem Bevölkerungswachstum ausgegangen, 43.000 neue Wohnungen werden in Amsterdam in diesem Zeitraum gebaut werden. 95 Die Bevölkerungsdichte ist wie überall in den Niederlanden enorm hoch. In der RSA sind es 1.489 Einwohner pro Quadratkilometer und in Amsterdam 4.465 EW/ km². 96

Die Kenntnis über die vorhandenen Haushaltstypen ist wichtig für die Stadtentwicklung, deshalb sollen sie hier näher betrachtet werden.

Demografisch betrachtet sind ¾ der Amsterdamer Haushalte Ein- oder Zweipersonenhaushalte ohne Kinder.

Typ

Haushalte

 

Personen

 
 

Anzahl

%

Anzahl

%

Insgesamt

398

285

100

709

398

100

Alleinwohnende

217

956

55

217

956

31

Paar ohne Kinder

83

428

21

166

857

24

Paar mit Kindern

47

560

12

229

159

32

Einelternfamilie

49

341

12

95 426

12

Tab. 4:

Verteilung der Haushaltstypen in Amsterdam 97

 

93 vgl. Gemeente Amsterdam 2005b
94

95 vgl. Gemeente Amsterdam 2004, S. 6
96

97 vgl. Musterd 2002 b

vgl. Gemeente Amsterdam 2004, S. 20

vgl. Gemeente Amsterdam 2004, S. 16 f.

Wie leben Menschen au s kreativen Milieus? – Das Beispiel Amsterdam

Wie leben Menschen aus kreativen Milieus?

– Das Beispiel Amsterdam

Stadtteil

Hauhalte

Davon

Paare

mit

Davon Alleinwohnende in %

insgesamt

Kindern in %

Amsterdam total

404.507

24,6

54,5

Amsterdam

52.028

14,2

67,0

Centrum

Westpoort

167

15,0

56,3

Westerpark

20.260

19,3

63,3

Oud-West

20.470

15,7

64,8

Zeeburg

21.420