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Rinde

Dieser Artikel befasst sich ausschließlich mit der Rinde bei Pflanzen. Für andere Bedeutungen siehe
Rinde (Begriffsklärung).

Außenansicht der Rinde der Gemeinen Robinie (sichtbar ist die Borke als Abschlussgewebe der
Rinde)Als Rinde (lat. Cortex) werden bei der Sprossachse und der Wurzel von Gefäßpflanzen
(Kormophyta) alle Gewebe außerhalb des Zentralzylinders bezeichnet. Wenn der Begriff Rinde im
Alltag verwendet wird, ist meist jedoch nur ein Teil der Rinde von Gehölzen gemeint, nämlich das
Abschlussgewebe, das spezifischer Periderm oder Borke genannt wird.

Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Aufbau
2 Aufkommen
3 Nutzeigenschaften und Verwendung
4 Literatur
5 Einzelnachweise
6 Weblinks

Aufbau [Bearbeiten]
Bei Pflanzen ohne sekundärem Dickenwachstum oder vor dessen Einsetzen umfasst die Rinde das
Grundgewebe zwischen der Epidermis und dem Zentralzylinder der Wurzel oder dem Kambiumring
der Sprossachse. Die Rinde ist meist reich an Interzellularen und dient oft der Speicherung. Häufig
befinden sich in der Rinde auch Festigungsgewebe wie Sklerenchym- und Kollenchymstränge.

Bei Pflanzen, die ein Sekundäres Dickenwachstum durchmachen, wird der vom Kambium nach außen
abgegebene Bast (sekundäres Phloem) zur (sekundären) Rinde gezählt: dieser besteht aus den
Siebröhren mit Geleitzellen, Bastfasern, und Sklereiden. Ein Teil dieser Rinde bildet das Sekundäre
Abschlussgewebe, das Periderm. Umgangssprachlich wird dieses Periderm mit dem Begriff Rinde
gleichgesetzt.

Pflanzen mit sehr starkem sekundären Dickenwachstum, viele Bäume und Sträucher, bilden ein
tertiäres Abschlussgewebe, die Borke, die im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Rinde bezeichnet
wird.
Aufkommen [Bearbeiten]
Rinde fällt in allen Betrieben an, die Holzstämme entrinden. Im Rahmen der Holznutzung fallen in
Deutschland jährlich zirka 4 Mio. m³ Baumrinde an. Davon können 1 – 1,5 Mio. m³ als technisch
verfügbar angesehen werden. Weltweit werden pro Jahr etwa 140 -170 Mio. m³ Rinde veranschlagt (bei
10% Rindenanteil an der Holznutzung).[1]

Nutzeigenschaften und Verwendung [Bearbeiten]


Getrocknete Rinden haben gute Dämmeigenschaften und einen im Vergleich zu Holz erhöhten
Brandwiderstand. Durch ihren Gehalt an Gerbsäuren sind sie relativ resistent gegenüber
Mikroorganismen.[2]

Vor allem die äußeren Bereiche der Rinden finden vielfache Nutzung: Ihr Reichtum an Gerbsäure
macht sie zu wichtigen Gerbmaterialien. Zur Gewinnung der Gerbrinden werden die betreffenden
Gehölze (Eichen und Akazien) in Lohwäldern gezogen. Man lässt die Schösslinge nur das Alter
erreichen, in welchem sie die beste Rinde liefern. Viele andere Rinden und Rindenteile, so die
Chinarinde oder der Zimt, werden arzneilich (siehe Heilpflanze) oder als Gewürz benutzt.

Die Korkeiche und der asiatische Amur-Korkbaum liefern den Kork, aus dem vor allem Stopfen und
Korken hergestellt werden. Die Flaschenkorkproduktion macht etwa 70 % der Wertschöpfung beim
Korkanbau aus. Außerdem wird Kork zur Herstellung von Fußbodenbelägen und Dämmmaterialien
und eine Reihe weiterer Produkte genutzt.
Rinde wird vor allem zur Energieerzeugung verbrannt sowie als Mulchrinde (Rindenmulch) verwendet,
daneben wird sie auch zu Rindenkompost als Torfersatz verarbeitet. Mulchrinde und Rindenkompost
werden durch Zerkleinerung, Siebung und gegebenenfalls Kompostierung von Baumrinde erzeugt. Sie
werden lose oder in Säcken an den Endverbraucher geliefert. Rinde kann auch in Energiepellets
eingemischt werden, vermindert aber deren Qualität. Wie Kork kann Rinde verschiedener Baumarten
auch für verschiedene stoffliche Anwendungen genutzt werden. Entsprechende Ansätze wie
Dämmplatten, Schüttdämmstoffe oder dekorative Werkstoffe befinden sich derzeit noch in der
Entwicklung.[2]

Literatur [Bearbeiten]
W. Braune, A. Leman, H. Taubert: Pflanzenanatomisches Praktikum I. Zur Einführung in die Anatomie
der Vegetationsorgane der Samenpflanzen. 6. Auflage, Gustav Fischer, Jena 1991. ISBN 3-334-60352-0
Schück, Schuck, Stimm: Lexikon der Baum- und Straucharten. Nikol, Hamburg 2002. ISBN 3-933203-
53-8
P.H. Raven, R.F. Evert, S.E. Eichhorn: Biologie der Pflanzen. 3. Auflage, R. Langenfeld-Heyser
(Übers.), Walter de Gruyter, Berlin, New York, 2000. ISBN 3-11-015462-5

Einzelnachweise [Bearbeiten]
1.↑ Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO-yearbook of forest products, FAO-
Statistik für 1999, 2000.
2.↑ a b Christian Warnecke, 2008: Stoffliche Nutzung von Baumrinde. Vdm Verlag Dr. Müller, S.1-2.
ISBN 3639002377

Weblinks [Bearbeiten]
Commons: Rinde – Bilder, Videos und Audiodateien
Baumbestimmung anhand Fotos der Baumrinde
Wiktionary: Rinde – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und
Grammatik