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LESERBRIEF

Walliser Bote, 18. Juni 2013, Seite 11

165 Jahre Abzahlung sind genug


In meiner Funktion als Aktuarin der Walliser FreidenkerSektion ist es mir ein Anliegen, aus Respekt gegenber unseren Mitgliedern darauf hinzuweisen, dass Freidenker/innen nicht die Abschaffung der Kirchen anstreben. Zurzeit geht es nur darum, Transparenz in Bezug auf das Verhltnis von Kirche und Staat zu schaffen. Die Kirchen sollen weiter bestehen, jedoch vom Staat nicht privilegiert werden. Die Walliser Bevlkerung beschloss 1848 demokratisch die Trennung von Kirche und Staat, und sie wurde vollzogen. Der damalige Papst drohte daraufhin mit der Exkommunikation. Um diese abzuwenden, wurde mehr oder weniger freiwillig beschlossen, dass das Walliser Volk knftig das Dezit der Kirche trgt. Die Gemeinden sind legitime Besitzer der meisten Kirchengter, darum gehen diese nach einer Trennung von Kirche und Staat nicht automatisch in Kirchenbesitz ber: Die Kirche kann ein historisch begrndetes Vorkaufsrecht fr die Kultusanlagen (Kirchen, Kapellen) geltend machen. Die Gemeinden werden aber sicher wie bis anhin fr die Benutzung und Instandhaltung von Friedhfen und Aufbahrungsanlagen sowie Vermietung der Pfarrhuser verantwortlich sein. Wenn die Kirche ihr Vorkaufsrecht fr bestimmte Kultusanlagen nicht wahrnehmen wird, knnen die Gemeinden ber Umnutzung oder Weiterverkauf bestimmen. Die Behauptung, dass die rmisch-katholischen Feiertage derzeit einen legitimen Bestandteil des Ferienanspruches ausmachen wrden, ist falsch: Sie sind keine Errungenschaft der Kirche, es ist nicht etwa die Kirche oder gar der Bischof, der den Arbeiterinnen und Arbeitern diese freien Tage nanziert und fr die Lohn- und Produktivittsausflle der Wirtschaft aufkommt. Dass durch die Trennung von Staat und Kirche auch Privilegien der Kirche entfallen werden, wollen wir nicht verneinen, aber die Vorteile sowohl fr die Kirchenmitglieder als auch fr die Steuerzahler/innen berwiegen klar.
Melanie Hartmann, Susten