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Die Abwendung von geglaubten Sagen und die Hinwendung zur Diskussion.

Wenn man über griechische Denker wie Sokrates, Platon oder Aristoteles zum Beispiel nachdenkt, beschäftigt man sich im Grunde nicht nur mit der Vergangenheit, sondern zwangsläufig auch mit der Gegenwart. Auch wenn diese Denker schon vor langer Zeit gelebt haben, reicht ihr Vermächtnis bis in die heutige Zeit. Viele wissenschaftliche Termini, die man noch heute nutzt, hat man den griechischen Denkern zu verdanken; aber auch eine ganze Menge methodologischer Entdeckungen und grundlegender Problemeinsichten. So geht nicht nur die Ethik oder die Logik auf das griechische Denken zurück, sondern auch die Kosmologie oder die Psychologie, und natürlich die Metaphysik.

Der Ursprung des abendländischen Denkens: Vom Mythos zum Logos

Diese Fülle von Termini, Einsichten, Überlegungen und Methoden, die gerade zur Zeit vonSokrates, Platon und Aristoteles entdeckt wurden, kamen in einer Zeit des Übergangs im Denken der Menschen aufs. Das heißt, dass zu dieser Zeit ein Wandel die Entwicklung abendländischen Denkens einläutete, der als Übergang vom Mythos zum Logos bekannt geworden ist. Alleine die stetigen Fragen des Sokrates, deuten diesen Wandel deutlich an. Was vorher einfach hingenommen wurde, ist plötzlich hinterfragt worden. Und das wiederum bedeutet, dass auch die bis dato vorherrschende Welterklärung hinterfragt wurde. So begann das abendländische Denken in einer Übergangsphase von einer hingenommenen Welterklärung mithilfe von Mythen und Sagen zu einer Welterklärung auf Basis vernünftiger und eigenständiger Reflexion über die empirischen Dinge.

Der Mythos als etwas Empfangenes

Das Wort „Mythos“ kommt vom Griechischen „mýein“ (sagen) und deutet so bereits an, dass man Mythos allgemein mit Sage übersetzen kann. Und eine Sage ist immer etwas, deren Inhalt von jemand anders stammt. Das heißt, dass der Inhalt überbracht wurde, in Form einer Nachricht oder Kunde, und immer weiter getragen werden kann. „Mýein“ meint nämlich im Deutschen nicht einfach nur das Verb „sagen“, sondern bedeutet vielmehr das Nachsagen, das Nachreden. Und das wiederum ist nichts anderes als das, woraus eine Sage, ein Mythos entsteht. Ein Inhalt, dessen Urheber man nicht ist, sondern den man empfangen hat, wird wieder nachgesagt im Sinne von: weitererzählt. Und diese, heute Jahrtausende alten Inhalte, die meist aus Göttersagen oder Ähnlichem bestehen, wurden damals hingenommen und zur Welterklärung verwendet. Und das nicht nur bei den Griechen, sondern auch bei den Römern, den Wikingern oder auch im Christentum.

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Der Logos als etwas Erbrachtes

Das Wort „Logos“ kommt vom griechischen „légein“ (reden) und deutet mit Blick auf den Mythos an, dass hier das eigenständige, aktive Reden im Vordergrund steht; nicht nur das Nacherzählen. Das heißt, dass „légein“ eine Art denkendes reden meint; ein aussagendes und erklärendes reden. Hier wird nicht nur etwas Gehörtes wiederholt, sondern es wird ein Schritt weiter gegangen, indem über das Gehörte nachgedacht wird und dann etwas darüber gesagt wird im Sinne einer Auslegung oder Erklärung. „Légein“ vereint also im Grunde das Denken und das Reden, wohingegen dem „mýein“ das denkende Element fehlt. Der Übergang also vom Mythos zum Logos bedeutet, dass das Denken Einzug erhielt. Und das wiederum bedeutet, dass sich das rezeptive, hinnehmende Nachsagen durch den Einzug des Denkens in ein produktives Diskutieren entwickelt hat durch die Hinterfragung und Abwendung von etwas bisher Geglaubtem.

Quelle:

Wilhelm Nestle: Vom Mythos zum Logos, Kroener Alfred GmbH & Co, Stuttgart 1998, 580 Seiten, eventuell gebraucht erhältlich