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Nr. 96/97 November/Dezember 2012 D: € 6,00 | A: € 6,30 | CHF 9,00 MachenTierimpfungen
Nr. 96/97 November/Dezember 2012 D: € 6,00 | A: € 6,30 | CHF 9,00 MachenTierimpfungen
Nr. 96/97 November/Dezember 2012 D: € 6,00 | A: € 6,30 | CHF 9,00 MachenTierimpfungen

Nr. 96/97

November/Dezember 2012

D: € 6,00 | A: € 6,30 | CHF 9,00

MachenTierimpfungen

Sinn? Weitere Themen:
Sinn?
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Schweiz: „NEIN zum Tierseuchengesetz!“ Unterrichtsausschluss nicht immer rechtens Macht die Grippe-Impfung Sinn?
Schweiz: „NEIN zum Tierseuchengesetz!“
Unterrichtsausschluss nicht immer rechtens
Macht die Grippe-Impfung Sinn?

Die Notwendigkeit von Tierimpfungen

Jede Impfung stellt einen Eingriff in einen hochkomplexen gesunden Organismus dar, dessen Folgen für das einzelne geimpfte Tier nicht wirklich kalkulierbar sind. Deshalb ist selbst dann, wenn Impfungen eine gewisse Wirksamkeit hätten und ihr Risiko rein statistisch kalkulierbar wäre (erste und zweite Säule der Impfentscheidung), die Frage der Notwendigkeit zu stellen (dritte Säule). Dabei sind verschiedene Aspekte zu beachten.

von Hans U. P. Tolzin

Wurde die Diagnose richtig gestellt? Stellen Sie sich vor, Ihr Tier hat einen blutigen Aususs aus Maul und Nüstern, atmet schwer und will nicht fressen. Es wird immer schlimmer statt besser. Schließlich rufen Sie den Tierarzt Ihres Ver- trauens. Dieser entnimmt Ihrem Tier Blut und schickt die Probe mit dem Auftrag, es auf BTV-8 (Blau- zungenvirus) hin zu untersuchen, an ein Labor. Das Labor gibt ein positives Ergebnis zurück und der Tierarzt ordnet sofort die Keulung des gesamten Tierbestandes und die Einrichtung einer Sperrzone von mehreren Kilometern an. Solche Dinge sind geschehen, sei es bei der Blauzungenkrank- heit, der Vogelgrippe oder der Pferdepest und anderen Infekti- onskrankheiten. Und sie können jederzeit wieder geschehen, prak- tisch überall. Das Problem fängt bereits da- mit an, dass es aus Sicht der Schul- medizin im Grunde zahlreiche Erreger gibt, die ähnliche oder gar identische Symptome auslö- sen können. Eigentlich müsste ein

Tierarzt

durchtesten lassen, um sicher zu gehen, dass er keine der möglichen Ursachen übersehen hat. Doch das tut er normalerweise nicht, denn wenn mehrere Erreger gleichzeitig positiv getestet werden können, bringt ihn das in ein Diagnose- Dilemma und das lässt ihn mög- licherweise vor dem Tierbesitzer nicht gut aussehen. Tatsächlich ist es möglich, dass die Labortests auf mehrere Erreger gleichzeitig positiv anschlagen. Das hat mehrere Gründe. Zum einen gibt es bei jeder Infektionskrank- heit einen bestimmten Prozentsatz an Tieren, die trotz Infektion ge- sund und munter sind – und blei- ben. Zum anderen können Labor- tests irren und falsche Ergebnisse anzeigen. Daraus folgt: Wenn ein Labor- test positiv anschlägt, heißt dies nicht unbedingt, dass man damit die Ursache der Krankheit kennt.

Um dieses Dilemma zu ver- meiden, lassen die meisten Tier- ärzte die Proben auch nur auf die „Hauptverdächtigen“ hin testen. Sobald ein Test positiv anschlägt,

sämtliche

Erregertypen

beendet er die Suche nach dem Schuldigen. Warum? Wie kann er sicher sein, dass der Erreger, auf den er getippt hat, die Krankheits-

Notwendigkeit Erkrankungs- risiken & fehlende Alternativen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit
Notwendigkeit
Erkrankungs-
risiken
& fehlende
Alternativen
Anspruch auf
Wissenschaftlichkeit

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impf-report Nr. 96/97

Zwangsimpfung Daten: www.bmelv.de, Stand Juli 2009 Grafik: impf-report
Zwangsimpfung
Daten: www.bmelv.de, Stand Juli 2009
Grafik: impf-report

Anzahl der angeblich von der Blauzungenkrankheit betroffenen Betriebe

ursache ist, wenn er gar nicht nach den anderen möglichen Erregern hat suchen lassen? Er geht tat- sächlich nach dem Motto „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“ vor. Ein relativ aktuelles Beispiel ist die angebliche Blauzungenepide- mie in Deutschland im Jahr 2007. Im Grunde hat es keinerlei Anzei- chen gegeben, dass 2007 auch nur ein einziges Tier mehr mit der ty- pischen Symptomatik erkrankt ist wie im Jahr davor. Allerdings wur- de im Sommer 2007 in Deutsch- land und angrenzenden Ländern ein neuer Labortest eingeführt, der die Bestimmung von Untertypen des Blauzungenvirus wesentlich vereinfachte. Dieser Test wurde auch massenhaft angewendet. Da der Test bei einem bestimmten Pro- zentsatz von Tieren, insbesondere in der Massentierhaltung, positiv anschlägt, und die Diagnose mel- depichtig ist, war die Seuchenpa- nikmache damit vorprogrammiert. Lange bevor die Zwangsimpfung im Mai 2008 einsetzte, war die an- gebliche Epidemie bereits wieder abgeebbt. 1 Vielleicht reichen Ihnen ja die voreiligen Diagnosen Ihres Tier- arztes. Doch wenn Ihnen die nach- haltige Gesundheit Ihres Tieres wirklich am Herzen liegt, sind Sie mit einem schnellen Diagnose- stempel dieser Art sicherlich nicht so einfach zufrieden zu stellen.

Krankheitssymptome können auch ganz andere Ursachen haben, als da wären Mangelernährung, Um- weltgifte, Medikamentengifte und die oft unwürdigen Bedingungen der Massentierhaltung. Achten Sie deshalb darauf, dass Ihr Tierarzt oder Tierheilpraktiker eine sorgfältige Anamnese* macht und sowohl die Vorgeschichte der Erkrankung als auch die sonstigen Umstände abklärt. Alles, was nicht „infektiös“ ist, fällt bei der Diagnosestellung re- gelmäßig unter den Tisch. Dafür kann Ihr Tierarzt zunächst mal nichts, denn so ist er ausgebildet und das ist die hochofzielle Poli- tik der deutschen Behörden:

Gehen Sie einmal auf die Web- seite des Friedrich-Löfer-Insti- tuts (FLI, www.i.bund.de) und dort auf „Service“, danach auf „Na- tionale Referenzlabore“ und dann auf den Link „Auistung der Tier- seuchen und -krankheiten“. Dort nden Sie eine Aufstellung der gängigen Tierkrankheiten. Achten Sie insbesondere auf die Rubrik „Differenzialdiagnose“. Sie werden dort regelmäßig nichtinfektiöse Ursachen entweder gar nicht oder ganz am Ende der Liste nden. Dies bedeutet, dass nichtinfektiöse Ursachen für Tiererkrankungen systematisch und regelmäßig unter den Tisch fallen. Die Konsequenz: Die Gefähr- lichkeit bestimmter Erreger wird

möglicherweise überschätzt und die wahren Übeltäter nicht er- kannt. Ich möchte Ihnen dazu noch ein Beispiel bringen, das ich selbst recherchiert habe: 2 Im Oktober 2006 werden auf einem Pferdehof in Thüringen 11 von 15 Pferden positiv auf „Equine Infektiöse Anämie“ (EIA) getestet. Es sind jedoch alle Tiere gesund, bis auf die heutzutage anscheinend unvermeidlichen kleinen Zipper- lein. Für mehrere Tage scheint es, als müssten sämtliche Pferde getö- tet werden. Die betroffene Familie, die ihre Tiere über alles liebt, steht unter Schock. Die erwachsenen Kinder begin- nen jedoch, sich über das Internet zu informieren und beschließen, sich nicht von den Behörden ein- schüchtern zu lassen. Im Zuge dieser Suche nach Auswegen wer- de auch ich kontaktiert. Weitere Proben werden entnommen – und sind negativ. Meine Recherchen ergeben, dass sämtliche Pferde, die testpositiv waren, kurz vorher entweder gegen Inuenza geimpft worden waren oder aber andere Medikamente verabreicht bekom- men hatten. Dass der EIA-Test doch nicht ganz so eindeutig ist, wie die Be- hörden behaupten, wurde bereits 1988 festgestellt. In einer Publi- kation von US-Forschern wird die sog. Kreuzreaktivität zwischen dem Virus der EIA und Bestandtei-

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len des AIDS-Virus beschrieben. 3 Doch bereits 1977, also 11 Jahre vorher, beschreiben die Wissen- schaftler Gaskin, Neal und Rubin im „American Journal of Veterina- ry Research“, dass nach Impfungen bis zu drei Monate lang Antikörper nachweisbar sind, die mit dem EIA-Virus kreuzreagieren. 4 Das bedeutet nichts anderes, als dass den Veterinärbehörden be- reits seit Jahrzehnten bekannt ist, dass eine Inuenzaimpfung von Pferden dazu führen kann, dass der EIA-Labortest positiv anschlägt – ohne dass eine entsprechende Infektion überhaupt vorliegt.

Medikamentenvergiftungen Natürlich ist mit Erkrankungen, die zu schweren Komplikationen führen können, nicht zu spaßen. Doch auch hier ist, wie bei der ei- gentlichen Diagnosestellung, sehr große Sorgfalt angezeigt. Denn unsere schulmedizinisch ausgebil- deten Tierärzte neigen dazu, jedes Wehwehchen mit symptomunter- drückenden Medikamenten zu be- handeln, deren Nebenwirkungen oft nicht ohne sind. Darum sollten Sie grundsätz- lich immer den Beipackzettel stu- dieren, was immer man Ihrem Tier auch verabreicht. Denn was beim oberächlichen Hinsehen wie eine Komplikation der Infektionskrank- heit aussieht, könnte in Wahrheit auf die Nebenwirkungen der Medi- kamente zurückzuführen sein. Dabei kann es sich um Imp- fungen handeln, aber auch um antibakterielle und antivirale Mit- tel, Steroide oder Kortison-Prä- parate. Kommen dann noch die Bedingungen der Massentierhal- tung hinzu, braucht es uns nicht zu wundern, wenn ein bestimm- ter Prozentsatz der so gehaltenen Tiere immer krank ist. Im Grunde hat sich die Phar- maindustrie hier eine Art Perpe- tuum mobile installiert: Hat das Tier ein Zipperlein, werden Me- dikamente verschrieben. Deren Nebenwirkungen werden zum An- lass genommen, auf die angebliche Notwendigkeit von Impfungen hinzuweisen. Die haben auch wie- der Nebenwirkungen, die dann wieder medikamentös behandelt werden müssen. Und da unsere

© Herby ( Herbert ) Me - Fotolia.com
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Tierärzte völlig einseitig ausgebil- det wurden, ihr Gesicht gegenüber ihren Klienten wahren wollen und außerdem ihre Familien ernähren müssen, machen mehr als 95 % der Veterinäre bei diesem Spiel mit.

Wie groß ist das Risiko der Ansteckung wirklich? Eines der Argumente für die Notwendigkeit von Impfungen stellt die Behauptung eines hohen Ansteckungs- und Verbreitungsri- sikos dar. Betrachten wir z. B. die Grak mit den Neuerkrankungen der Blauzungenkrankheit, dann scheint der steile Anstieg im Som- mer 2007 dieses Risiko zu bekräf- tigen. Doch wir müssen uns verge- genwärtigen, dass bei den erfassten Betrieben nicht etwa die Anzahl tatsächlich erkrankter Tiere ge- zählt wurde, sondern die Anzahl der Betriebe, bei denen BTV-8 per Labortest festgestellt wurde. Das heißt nicht zwangsläu- g, dass diese Tiere auch wirklich erkrankt waren. Das waren tat- sächlich die wenigsten der positiv

getesteten Tiere und es kam auch in keinem der Betriebe zu einem Massensterben. Im Gegenteil, die „Ausbrüche“ verschwanden wie- der, wie sie gekommen waren. Damit reduziert sich das Anste- ckungs- und das damit verbunde- ne Erkrankungsrisiko auf einen Bruchteil des behaupteten Wertes. Berücksichtigen wir dies und die Neigung der Schulmediziner, auf Differenzialdiagnosen zu ver- zichten, stellt sich die Frage, ob bei der Blauzungenkrankheit die Hy- pothese von dem bösen Virus und der Ansteckung überhaupt stimmt. Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen, denn für die eigentliche Impfentscheidung

*

Worterklärungen

Anamnese systematische Befragung eines Patienten zur Erfassung der Krankheitsvorgeschichte (grch. ana „zurück“ + mimneskein „erinnern“)

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ist das nicht wirklich relevant. Wenn Sie meine medizinhisto- rische Analyse dazu interessiert, empfehle ich Ihnen das entspre- chende Kapitel in meinem Buch „Die Seuchen-Ernder“.

Alternative Vorsorge- und Behandlungsmethoden Ein letzter Aspekt bei der Be- urteilung der Notwendigkeit von Impfungen ist ihre angebliche Al- ternativlosigkeit. Naturheilkundi- ge Tierärzte und Tierheilpraktiker sehen dies völlig anders als die Schulmedizin – und berichten von erstaunlichen Erfolgen. Merkwür- digerweise sind unsere zuständi- gen Behörden auf diesem Ohr so taub, wie man es nur sein kann:

Ohne sie je fair geprüft zu haben, werden Homöopathie und andere alternative medizinische Metho- den einfach als Unfug oder Esote- rik abgetan. Dies ist nicht rational, denn nur weil mir eine Methode fremd erscheint, kann ich sie nicht ungeprüft verwerfen. Wenn Sie mehr über alternative Wege der Vorsorge und Behand- lung von Tieren erfahren möchten, empfehle ich Ihnen besonders die noch recht junge Zeitschrift „artge- recht“.

Wenn Sie sich mit der Frage beschäftigen, wie Sie Ihre Tiere artgerecht halten können und welche Alternativen der Vorsor- ge und der Behandlung es im Krankheitsfalle gibt, dann soll- ten Sie sich vielleicht einmal die neue Zeitschrift „artgerecht“ an- schauen, mit der „impf-report“ eine Kooperation eingegangen ist. Eine kostenlose Leseprobe erhalten Sie bei:

Schairon GmbH, Schloßhof 2-6 D-85283 Wolnzach Telefon: 08442 / 92 53-13 Fax: 08442 / 22 89 E-Mail: info@schairon.de http://www.artgerecht-tier.de/

2-6 D-85283 Wolnzach Telefon: 08442 / 92 53-13 Fax: 08442 / 22 89 E-Mail: info@schairon.de http://www.artgerecht-tier.de/

Fazit: Nicht nur der Nachweis von Wirksamkeit und Sicherheit, sondern auch der nachweis der Notwendigkeit von Impfungen bleiben uns die zuständigen Be- hörden schuldig. Damit macht aus meiner persönlichen Sicht keine einzige Tierimpfung Sinn.

Fußnoten:

1 siehe dazu impf-report Nr. 54/55, Mai/Juni 2009

2 siehe dazu impf-report Nr. 24/25,

Nov./Dez. 2006, S. 25ff

3 Journal of General Virology, Vol 69, 1711-1717, Copyright © 1988 by Society for General Microbiology http://vir.sgmjournals.org/cgi/

content/abstract/69/7/1711

4 Am J Vet Res. 1977 Mar;38(3):373- 7. „ Equine antibody to bovine serum induced by several equine vaccines as a source of extraneous precipitin lines in the agar gel immunodiffusion test for equine infectious anemia“

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Die drei Ausgaben der Diphtherie-Serie können sowohl einzeln für je 6,- Euro oder im Set als „Info- Paket Diphtherie“ für zusammen 15,- Euro (statt 18,- Euro) bestellt werden. Best.-Nr.: IPA-122