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Abstract: 

Die Rolle der Bibliotheken hat sich im Internetzeitalter drastisch verändert. Anforderungen
und Bedürfnisse der KundInnen haben sich gewandelt wie auch die Möglichkeiten darauf zu
reagieren. Eine davon bietet die virtuelle Welt Second Life, die bereits von so mancher
Bibliothek zur Präsentation und Serviceentwicklung genutzt wird.
Second Life ist ein von ihren UserInnen selbst gestaltetes Abbild der realen Welt.
Anfangs wurde sie eher zu kommerziellen Zwecken genutzt, mittlerweile dominiert der
Bildungsaspekt. Einige der wichtigsten Vorzüge der zweiten Welt sind die vielfältigen
Möglichkeiten der Kommunikation, der Erlebniseffekt und das große Potential, welches durch
die Kreativität der UserInnen entfaltet werden kann – durch all diese positiven Erscheinungen
kann Second Life durchaus als Weiterentwicklung von Library 2.0 gelten. Nachteile ergeben
sich unter anderem auf Grund der nötigen technischen Voraussetzungen und eventuell daraus
resultierenden technischen Probleme.
Bibliotheken in der virtuellen Welt können zum einen ihre klassischen Dienste
anbieten, zum anderen lässt sich zusätzlich das ganze kreative Potential eines neu zu
errichtenden Kosmos nutzen. Trotzdem ist zu bemerken, dass die meist auf dem
Infoarchipelago angesiedelten virtuellen Bibliotheken Second Lifes hauptsächlich
amerikanischen Ursprungs sind. Aus eben dieser Besonderheit ergibt sich die Frage, wieso
deutschsprachige, insbesondere österreichische Bibliotheken die angebotenen Möglichkeiten
nicht nutzen.
Im Rahmen dieser Arbeit wurde zuerst durch eine Befragung ein Meinungsbild von
österreichischen BibliotheksleiterInnen erstellt, anhand dessen sich einige Thesen zur
bibliothekarischen Nutzung von Second Life ableiten ließen. Diese Thesen wiederum bildeten
die Basis der Case Studies; fünf in Second Life implementierte Bibliotheken wurden
einerseits vorgestellt, andererseits zu ihren Erfahrungen mit der virtuellen Welt bzw. der
Effektivität für den realen Standort befragt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen als
Hilfe für Bibliotheken dienen, an welchen ein virtueller Aufbau in der zweiten Welt
angedacht wird.
Abstract: 

The role of libraries has changed drastically in the digital age; customers ask for different
services due to the many possibilities offered by an internet society. One of the digital age’s
innovations is the emergence of virtual worlds such as Second Life. This virtual world has
already been used by some libraries for promotional reasons and for the development of new
services.
Second Life is to be understood as a reflection of the real world, created by its
inhabitants. It was used rather for commercial purposes in the beginning, but now many
educational organisations have decided to go virtual, and have established a branch in Second
Life. Some of its most important advantages are the manifold possibilities of communication,
the great experience of walking in virtual surroundings, and the enormous potential that lies in
its users’ creativity – all these positive aspects make Second Life a true offspring of the
concept Library 2.0. Disadvantages may result from individual system requirements causing
technical difficulties.
As stated above, in addition to offering traditional services, virtual libraries can
benefit from endless new possibilities that derive from the creation of a totally new cosmos.
Nevertheless, few libraries have chosen to take part in Second Life and most of them are of
American origin. The question is why most European – especially Austrian – libraries do not
make use of what Second Life has to offer.
Two studies have been carried out in this paper. First, Austrian academic libraries
were consulted to find out how they feel about the virtual world; several theses on libraries’
use of Second Life could be derived from this study. Then, these theses formed the basis of
the second study: five libraries, which actively use Second Life, have been asked about their
experience with virtual libraries and about their effectiveness for the real-life library. The
results should be used as a means of assistance for libraries which consider entering Second
Life.

 
Master Thesis

zur Erlangung des akademischen Grades

Master of Science

an der Karl-Franzens-Universität Graz

Second Life
ein sinnvolles Instrument zur Steigerung
der Attraktivität einer Bibliothek?

vorgelegt von:
Mag. Verena Loibner

Betreuer:
Mark Buzinkay, M.A. MSc MBA

Wien, 2009
Eidesstattliche Erklärung 

Ich erkläre, dass ich die vorliegende Master Thesis selbst und selbständig verfasst, und keine
anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe.

Darüber hinaus erkläre ich, dass ich diese Master Thesis bisher weder im In- noch im Ausland
in keiner wie auch immer gearteten Form als Prüfungsarbeit vorgelegt habe.

Ort, Datum Unterschrift

II 
 
Inhaltsverzeichnis 
 
1. Einleitung 1
1.1 Motivation zu dieser Arbeit 1
1.2 Einleitung zum Thema 2

A. Theoretischer Teil 7

2. Second Life 7
2.1 Was ist Second Life? 7
2.2 In der Welt 9
2.2.1 Avatare 9
2.2.2 Funktionen in der Welt 11
2.2.3 Kosten der Profilerstellung 11
2.3 Kreationen 12
2.4 Wirtschaft in Second Life 12
2.5 Kommunikation und E-Learning in Second Life 14
2.6 Allgemeine Stärken und Schwächen von Second Life 16

3. Die Aufgaben einer Bibliothek 19


3.1 Traditionell 19
3.2 Im Internetzeitalter 20
3.2.1 Third Place 21
3.2.2 Library 2.0 22
3.2.3 Fazit zum Thema Library 2.0 27

4. Bibliotheken in Second Life 29


4.1 Einleitung 29
4.2 Dienste von Bibliotheken in Second Life 31
4.2.1 Medienangebot 32
4.2.2 direkte Auskunft 34
4.2.3 die Bibliothek als Kommunikations- und Lernplattform 35

III 
 
4.2.4 Ausstellungen und Events 35
4.2.5 Teen Second Life 36
4.3 Bibliothekare in Second Life 36
4.4 Niederlassungen in Second Life 37
4.4.1 Info Archipelago 37
4.4.2 Caledon Library 38
4.4.3 Outdoor Tendenzen 40
4.5 Probleme 41
4.6 Empfehlungen 42

B. Praktischer Teil 46

5. Zielsetzung und verwendete Methoden 46


5.1 Fragebogen 46
5.1.1 Darlegung der Vorgangsweise 46
5.1.2 Darlegung der Ergebnisse 47
5.1.3 Aufstellung der Thesen 52
5.2 Case Studies 54
5.2.1 Klärung des Begriffs 54
5.2.2 Eignung als Methodik für den Untersuchungsgegenstand 56
5.2.3 Vorgehensweise 57
5.2.4 Fragenkatalog 58
5.2.5 Befragte Einrichtungen 59
5.2.5.1 State Library of Kansas 60
5.2.5.2 Glenview Public Library 65
5.2.5.3 Bayerische Staatsbibliothek 68
5.2.5.4 Kean University Library – Nancy Thompson Library 72
5.2.5.5 Murdoch University Library 75
5.2.5.6 Zusammenfassende Bemerkungen 76

6. Ergebnisse 79
6.1 Ergebnisse der Case Studies 79

IV 
 
6.2 Einzelergebnisse der Bibliotheken zusammengefasst 91
6.3 Überprüfung der Thesen 94

7. Resümee 99

8. Quellennachweis 104

9. Anhang 111
9.1 Fragebogen 111
9.2 Ergebnisse des Fragebogens 112
9.3 Fragebogen der Case Studies 117
9.4 Ergebnisse des Fragebogens der Case Studies 118


 
Abkürzungsverzeichnis 

Abb. Abbildung
AV audiovisuell
BSB Bayerische Staatsbibliothek
CNN Cable News Network
ebd. ebenda
ICT Information & Communications Technology
IM Instant Messaging
MUVE Multi User Virtual Environment
OCLC Online Computer Library Center, Inc.
PC Personal Computer
OPAC Online Public Access Catalogue
RSS Really Simple Syndication
vgl. vergleiche

VI 
 
Abbildungsverzeichnis 

Alle Abbildungen wurden in Second Life erzeugt.

Abb. 1 [Profil auf Second Life, 1.5.2008] 10 


Abb. 2 [ui2 campus der Universität Innsbruck, 14.6.2008] 16 
Abb. 3 [Caledon Library – Außenansicht, 21.01.2009] 38
Abb. 4 [Caledon Library – Medientisch, 21.01.2009] 39
Abb. 5 [Welcome Center auf Info Island, 29.06.2008] 40
Abb. 6 [State Library of Kansas – Gesamtansicht, 20.01.2009] 61
Abb. 7 [State Library of Kansas –Gebäude, 20.01.2009] 61
Abb. 8 [State Library of Kansas – Fensterlinks, 20.01.2009] 63
Abb. 9 [State Library of Kansas – Helianthus Square, 20.01.2009] 64
Abb. 10 [Glenview Public Library – Gesamtansicht, 10.02.2009] 65
Abb. 11 [Glenview Public Library – Unterwasserraum, 19.02.2009] 67
Abb. 12 [Glenview Public Library –Fernseh-/Kinoraum, 19.02.2009] 67
Abb. 13 [Bayerische Staatsbibliothek – Außenansicht, 21.01.2009] 69
Abb. 14 [Bayerische Staatsbibliothek – Fürstensaal, 15.06.2008] 70
Abb. 15 [Bayerische Staatsbibliothek – Teleport Map, 21.01.2009] 71
Abb. 16 [Bayerische Staatsbibliothek –Vortragsbühne, 21.01.2009] 71
Abb. 17 [Bayerische Staatsbibliothek –Treppenhaus, 21.01.2009] 71
Abb. 18 [Kean University Library – Außenansicht, 22.01.2009] 72
Abb. 19 [Kean University Library – Librarybot, 22.01.2009] 74

VII 
 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

1. Einleitung 

1.1 Motivation zu dieser Arbeit 

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Second Life – ein sinnvolles Instrument
zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek?“. Als ich zum ersten Mal im Rahmen
einer Lehrveranstaltung davon hörte, dass es in dieser mir zuvor unbekannten, virtuellen
Welt virtuelle Bibliotheken beziehungsweise BibliothekarInnen gibt, waren meine Neu-
gier aber zugleich auch mein Misstrauen geweckt. Wie sollte das funktionieren? Virtu-
elle Bücherregale mit E-Books? Ganz normale Öffnungszeiten wie in realen Bibliothe-
ken? Wer nutzt das? Wäre es nicht viel einfacher, die Homepage der jeweiligen Biblio-
thek zu laden und sich auf die altbewährte Art und Weise Informationen zu holen?
Schließlich eröffnete ich einen Account in Second Life und sah mir die Sache selbst an.
Was zurück geblieben ist: Faszination durch die Möglichkeiten in virtuellen Welten und
durch die von Menschen weltweit eingebrachte Kreativität! Ich erlebte Van Goghs
Werke dreidimensional, wandelte durch Shakespeares Globe Theatre auf der Renais-
sance Island und kleidete meinen Avatar in viktorianischer Manier auf Caledon Island.
In der Folge begann ich Beispiele für virtuelle Bibliotheken zu besuchen und war be-
eindruckt von der internationalen Kooperation der KollegInnen sowie dem Engagement
und den vielen guten Ideen, welche in zahlreichen Bibliotheken augenscheinlich in mü-
hevoller Kleinstarbeit eingeflossen sind. Ich fragte mich, ob man auf diese Weise nicht
zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte: BenutzerInnen zusätzlichen virtuellen
Service anbieten und gleichzeitig etwas Werbung für die Bibliothek machen zu können,
da man sich den steigenden Bedürfnissen nach Virtuellem anpasst. Diese Frage, ob der
Eintritt in die zweite Welt die Attraktivität der realen Einrichtung steigern kann, soll
hier beantwortet werden.

Verena Loibner  Seite 1 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

1.2 Einleitung zum Thema 

We are losing the interest of our users.


We no longer consistently offer the services our users want.
We are resistant to changing services that we consider traditional or fundamental to li-
brary service.
We are no longer the first place many of our current and potential customers look for in-
formation.
(Casey & Savastinuk 2007: xxiv)

Jacob und Tan (2007) identifizieren derzeit durch die Digitalisierung der Medien und
die fortschreitende Vernetzung der Kommunikationswege eine Medienrevolution, der
sich Bibliotheken anpassen müssen. Der Kernbereich dieses Paradigmenwechsels ist der
Übergang des Realen in das Virtuelle (vgl. ebd.). So hat sich auch die Rolle der Bib-
liotheken im Internetzeitalter drastisch verändert. Waren sie zuvor Hauptquelle des
Wissens, haben Bibliotheken ihre Monopolstellung als Quell des Wissens in den letzten
zehn Jahren kontinuierlich verloren (vgl. Casey & Savastinuk 2007: 5). Außerhalb des
universitären beziehungsweise hochschulischen Bereichs werden sie kaum noch als
Nachschlagemöglichkeit konsultiert; viele Informationssuchende befragen lieber das
Internet, dessen Vorteile in Menge der Information und Zeitersparnis unumstritten sind
(vgl. Robinson 2008: 69-70). Jacob und Tan (2007) betonen auch die Gefahr der Por-
talsmentalität, das heißt das Warten darauf, dass BenutzerInnen von sich aus auf Biblio-
theksangebote zugreifen – zum Portal kommen. Mit den Vorzügen des Internets ist
kaum zu erwarten, dass KundInnen den Weg zur Bibliothek auf sich nehmen, wenn sie
viel schneller im Internet nach der jeweiligen Information suchen könnten. Deshalb
steigt die Notwendigkeit des Umdenkens im Bibliothekswesen: nicht die BenutzerInnen
kommen zu uns, die Bibliotheken müssen auf die BenutzerInnen zu gehen – im heutigen
Zeitalter bedeutet dies teilweise den virtuellen Weg einzuschlagen und kreativ zu wer-
den (vgl. ebd.).
Die heutige Jugend beziehungsweise die aktuellen StudentInnen ist/sind mit
dem Internet aufgewachsen – vergleiche hierzu die Bezeichnung „digital natives“ (Ro-

Verena Loibner  Seite 2 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

binson 2008: 67). Dazu wurde eine Studie an akademischen Bibliotheken in Hongkong
durch geführt; dabei wurde untersucht, ob sich die Bibliotheken in ihren Serviceangebo-
ten der digitalen Generation angepasst haben – das Resultat fiel negativ aus. Robinson
(vgl. 2008: 68) sieht den Grund dafür in dem Generationsunterschied. Im Gegensatz zu
den „digital natives“ sind die älteren Generationen, welche in den Bibliotheken arbeiten
und für die jüngeren die Serviceangebote zusammenstellen, als „digital immigrants“
zu sehen. Für sie ist das World Wide Web mit all seinen Funktionen und Vorteilen etwas
Neues gewesen und deshalb mag vielen die Umstellung beziehungsweise Akzeptanz
neuer Tools schwerer fallen, wodurch wiederum das Angebot für die jungen „digital
natives“ nicht zufriedenstellend ausfällt.
Eben dieses Dilemma kann man auch in der westlichen Welt und ihren Bib-
liotheken feststellen. Eine von OCLC im Jahr 2006 durchgeführte Studie belegt, dass
89% der StudentInnen zuerst mit Hilfe einer Suchmaschine im Internet nach Informati-
onen suchen und nur 2% gleich die Bibliotheks-OPACs konsultieren (vgl. OCLC 20061:
1-7). Ein konkretes Beispiel wäre hierbei die Nutzung der Datenbanken, welche auf
OPACs angeboten wird (vgl. Robinson 2008: 70). Für Ungeübte kann der Umgang mit
Datenbanken oftmals als schwierig empfunden werden; darauf haben Bibliotheken rea-
giert, indem sie, neben den Datenbanken an sich, Suchanleitungen zur Verfügung stel-
len. In diesem Fall nimmt die Bibliothek demnach eine Vermittlerrolle ein – im Gegen-
satz dazu wird bei der Online Suche kein Vermittler benötigt, die Suchmasken vieler
Suchmaschinen entpuppen sich als leicht bedienbar.
Jedoch wird den Ergebnissen der Bibliothekssuche mehr Vertrauen in Bezug
auf die Qualität der Angaben zugeschrieben als Ergebnissen der Suchmaschinen (vgl.
OCLC 20062:2-10). Darauf lässt sich bauen und es besteht das Potential, die Gruppe
der jungen BenutzerInnen von den Vorteilen der Bibliothek zu überzeugen – wenn die
Rahmenbedingungen stimmen. Somit könnte ein Umdenken und Anpassen an die
Trends, beispielsweise durch einen Eintritt in Second Life maßgeblich dazu beitragen,
die Zielgruppe der 14- bis 25-jährigen zurück in die Bibliothek zu führen.
Auch das Berufsbild BibliothekarIn hat sich verändert. War er/sie ursprüng-
lich die Hauptinformationsquelle für BenutzerInnen, so werden nun, in Anlehnung an
die Virtualisierung der Medien, viele Informationen über die Bibliothek im Internet an-

Verena Loibner  Seite 3 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

gegeben, zum Beispiel digitalisierte Kataloge, Zugang zu Datenbanken oder E-Books


(vgl. Jacob & Tan 2007). BibliothekarInnen haben die Funktion der Informationsaufbe-
reitung übernommen, wodurch die KundInnen zu einem großen Teil selbst aktiv werden
können. Als Ergebnis ist eine veränderte Kommunikationssituation zu sehen: von
Mensch-Mensch Kontakt am Infoschalter zu Mensch-Computer Kontakt am virtuellen
Infoschalter, das heißt an der Bibliothekshomepage – der physische Kontakt ist dem-
nach teilweise einem virtuellen gewichen (vgl. Farha 2001: 356). Mit einem Eintritt in
die virtuelle Welt Second Life besteht die Möglichkeit, dieser virtuellen Begegnung
durch Nutzung der Avatare den physischen Aspekt zurückzugeben, sodass die Biblio-
thek wieder ein „Gesicht“ bekommt.

Auch zwischen den Bibliotheken herrscht eine Konkurrenzsituation, zumindest die


Finanzierung betreffend. Um öffentliche Gelder zu erhalten, müssen viele Bibliotheken
ihren Anspruch auf Finanzierung durch den Nachweis eines großen Leserkreises stich-
haltig legitimieren. Die Gewinnung und Erhaltung eines solchen Leserkreises lässt sich
unter anderem durch eine gute Vermarktung der Bibliothek bewerkstelligen, das heißt
es ist wichtig medial präsent zu sein beziehungsweise zu bleiben und seinen KundInnen
ein umfassendes Angebot, zum Beispiel persönliche Beratung via Internet, bieten zu
können.
Einige Bibliotheken haben deswegen den Weg in Second Life gewählt. Die
Public Library of Charlotte & Mecklenburg County hat beispielsweise eine Jugendbib-
liothek in Second Life errichtet und bietet unter anderem für Jugendliche interessante
Schulungen, Buchdiskussionen oder „begehbare“ Buch- beziehungsweise Filmszenen
an. In der State Library of Kansas findet man beispielsweise Links zum Verbundkatalog
von Kansas, zur Website der bedeutendsten Bücher aus beziehungsweise über Kansas
oder zu verschiedenen Nachschlagewerken sowie Informationen über die Kansas Libra-
ry Card. Überdies kann man in der Glenview Public Library zu bestimmten Zeiten di-
rekt mit Bibliotheksavataren sprechen.
Nachdem zuvor schon über die Konkurrenzsituation zwischen Bibliotheken
und Internet als Informationslieferanten gesprochen wurde, wird nun eine Form der Zu-
sammenarbeit kurz dargestellt: Bibliothek + Web 2.0 = Bibliothek 2.0. Interaktiv ge-

Verena Loibner  Seite 4 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

führte Online Dienste, wie Blogging oder RSS, sind vermehrt auf Bibliothekswebseiten
zu finden (zum Beispiel http://bibliothek.fh-burgenland.at/index.php?id=82). In diesem
Kontext wäre ebenso das Google-Projekt Google Scholar zu nennen, welches eine Ko-
operation der Internetsuchmaschine Google und der OCLC darstellt (vgl. Robinson
2008: 72) und mit der einfach zu bedienenden Maske von Google zu Ergebnissen aus
akademischen Quellen verhilft. Dennoch bietet Google Scholar bei den Suchergebnis-
sen auch Seiten aus dem World Wide Web, wobei man nicht sicher sein kann, wie rele-
vant beziehungsweise wie vertrauenswürdig diese Seiten sind (vgl. Taylor 2007: 5), da
sich Google bei Fragen nach den durchsuchten Informationsseiten bedeckt zeigt. Trotz-
dem sieht Taylor (vgl. ebd.) Potential in dieser Partnerschaft, vor allem auch im Bereich
der Document Delivery. Durch Eröffnung eines Standortes in Second Life könnte diese
fruchtbringende Kooperation von Bibliotheken und den Möglichkeiten des Internets
weitergeführt und vertieft werden.
Die Perspektiven von virtuellen Welten gestalten sich als vielversprechend.
Godfrey und Dinberg (2007: 215) berufen sich auf eine Studie von Forbes Magazine,
nachdem im Jahr 2011 80% der aktiven InternetnutzerInnen Teil von virtuellen Welten
wie Second Life sein werden. Insofern gestaltet es sich als durchaus sinnvoll, bereits
zum heutigen Zeitpunkt Erfahrungen in diesem Bereich zu sammeln um bestmöglich
vorbereitet zu sein (vgl. ebd.).
Die Möglichkeiten scheinen schier unbegrenzt zu sein. Innerhalb der zweiten
Welt gibt es Einkaufszentren, Museen, Discotheken, Viktorianische Inseln, futuristische
Star Trek Plätze (vgl. Bell et.al. 2007: 15) und vieles mehr. Vom realen Erwerb von
Büchern über eine Amazon Zweigstelle (vgl. DPA & Cloer 2008) über die Wahl-
kampfwerbung von Ségolène Royal (vgl. Reuters 2007) und die virtuelle Fußball Welt-
meisterschaft bis zur Aufführung von Theaterstücken, wobei die realen Schauspieler die
Avatare in Second Life bedienen (vgl. Sagatz 2008), ist in Second Life alles möglich.

Im theoretischen Teil dieser Arbeit wird die virtuelle Welt Second Life mit all ihren sich
bietenden Möglichkeiten und Aspekten vorgestellt. Darauf folgt ein Überblick über die
Aufgaben von Bibliotheken – traditionell und im Internetzeitalter, dabei wird auch das
Thema Library 2.0 näher erläutert. Schließlich werden im Kapitel „Bibliotheken in Se-

Verena Loibner  Seite 5 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

cond Life“ beide bisher behandelten Themen vereint und bereiten dadurch auf den Fra-
gebogen und die Case Studies vor.
Der praktische Teil widmet sich der Effektivität eines Standortes in Second
Life. Was bringt es der Bibliothek eine Präsenz in der virtuellen Welt einzurichten? Für
eine Auswahl fünf realer Bibliotheken (öffentliche wie auch wissenschaftliche), die
einen Standort in Second Life aufgebaut haben, wurden Case Studies durch geführt,
welche sich mit den folgenden Themen befassen:
1. Motivation hinsichtlich Implementierung eines Standortes in Second
Life
2. Meinung der BibliotheksrepräsentantInnen zum Aufwand eines Auf-
baus ihrer Bibliothek in Second Life
3. Kundenorientierung/Service durch den Standort in Second Life
4. Effektivität
Anhand dieser Case Studies, die aufzeigen, ob und inwieweit an Second Life gestellte
Erwartungen erfüllt wurden, soll die Effektivität des Standorts überprüft werden. Effek-
tivität in diesem Zusammenhang bezieht sich auf eine von den teilnehmenden Instituti-
onen selbst wahrgenommene Steigerung der Attraktivität als Bibliothek.
Bei dieser einmaligen Gelegenheit soll zuvor untersucht werden, wie Reprä-
sentanten österreichischer Bibliotheken zu diesem Thema stehen. In einer Befragung
von 50 österreichischen Bibliotheken mit Hilfe eines online Fragebogens wird ermittelt,
welche Erwartungen das österreichische Bild von Second Life dominieren. Die Ergeb-
nisse werden bei Durchführung der Case Studies berücksichtigt, um zu den durch die
Befragungen der heimischen Bibliotheken aufgeworfenen Annahmen Stellung beziehen
zu können.
Vielleicht wird durch diese Überprüfung von Erwartungen an ein Medium,
mit dem österreichische Bibliotheken so gut wie keine Erfahrungen haben, die eine oder
andere Einrichtung angeregt, sich näher mit dem Phänomen Second Life zu beschäfti-
gen und sich in die internationale Kooperation von BibliothekarInnen auf dem Infoar-
chipelago einzugliedern.

Verena Loibner  Seite 6 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

A. Theoretischer Teil  
 
2. Second Life 

2.1 Was ist Second Life? 

Second Life ist eine von BenutzerInnen selbst gestaltete, thematisch völlig offene virtu-
elle Welt und zählt nunmehr beinahe 13,5 Mio. BewohnerInnen (vgl. Linden Research
20088). Davon loggen sich ca. 469.036 zumindest einmal in sieben Tagen ein (vgl. ebd.,
Daten vom 2. Mai 2008), Anfang März 2009 waren es 469.491 (vgl. Linden Research
20091, Daten vom 4. März 2009). Zudem sind die in Second Life verbrachten Stunden
der BenutzerInnen von ca. 2,5 Mio. (Anfang 2006) auf ca. 31 Mio. (März 2008) ange-
stiegen (vgl. Linden Research 200810 – für März 2009 gab es keine detaillierten Daten)
– Zahlen, die Welt und Wirtschaft auf Second Life aufmerksam gemacht haben.
Die 1999 von Philip Rosedale gegründete Herstellerfirma Linden Lab, mit
Sitz in San Francisco, hat das Experiment Second Life im Jahr 2003 öffentlich zugäng-
lich gemacht (vgl. Linden Research 20081 und 200811). Seitdem hat die zweite Welt
eine erstaunliche Medienkarriere gemacht; vor allem im ersten Halbjahr 2007 sorgte
Second Life sowohl unter BenutzerInnen wie auch Unternehmen für Furore (vgl. DPA
& Cloer 2008). Kurz danach beruhigte sich der Hype und kritische Stimmen zu Themen
wie Kinderpornographie und Glücksspiel wie auch zu häufigen Programmabstürzen und
wackeliger Grafik wurden laut, wodurch Second Life viele NutzerInnen verlor (vgl.
Sagatz 2008; The Economist 2007; Dell 2007). Mittlerweile haben sich die Gemüter
allerdings wieder beruhigt; Gründer Rosedale selbst zeigt sich zuversichtlich und beton-
te, mit der Entwicklung dieser virtuellen Zweitwelt stünde man erst am Anfang (vgl.
DPA & Cloer 2008).
Die Vorzüge dieser Abbildung der realen Welt werden auf der offiziellen
Homepage wie folgt beschrieben:

Second Life® is a 3-D virtual world created by its Residents. Since opening to the public in 2003, it has
grown explosively and today is inhabited by millions of Residents from around the globe.

Verena Loibner  Seite 7 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

•From the moment you enter the World you'll discover a vast digital continent, teeming with
people, entertainment, experiences and opportunity. Once you've explored a bit, perhaps you'll
find a perfect parcel of land to build your house or business.
• You'll also be surrounded by the Creations of your fellow Residents. Because Residents retain
intellectual property rights in their digital creations, they can buy, sell and trade with other Resi-
dents.
• The Marketplace currently supports millions of US dollars in monthly transactions. This com-
merce is handled with the inworld unit of trade, the Linden™ dollar, which can be converted to
US dollars at several thriving online Linden dollar exchanges.
Welcome to the Second Life world. We look forward to seeing you inworld. (Linden Research 20081)

Diese Darstellung umfasst bereits einige der wesentlichen Komponenten Second Lifes:
• Second Life steht für Zusammentreffen von Menschen, Unterhaltung, Erfah-
rungen und Möglichkeiten. Gleichzeitig werden bereits die über Amüsement hi-
nausgehenden Chancen für den Erwerb von Grund und Boden, um Häuser be-
ziehungsweise Büros zu errichten und somit auch in Second Life geschäftlich
präsent zu sein, angepriesen.
• Der zweite Absatz spricht die Interaktivität und den Datenschutz an. Die vir-
tuelle Welt lebt von Eigenkreationen der BenutzerInnen und diese geistigen
Schöpfungen dürfen an andere Einwohner von Second Life verkauft oder ver-
schenkt beziehungsweise getauscht werden (vgl. Linden Research 20082).
• Im dritten Abschnitt wird der wirtschaftliche Aspekt erwähnt. Es gibt eine ei-
gene Währung mit der in Second Life Handel betrieben werden darf und die in
US Dollar umgetauscht werden kann – Linden Dollar.

Interessant sind ebenso demografische Daten zu Second Life. Reuters (2007) stellt
fest, dass im Jänner 2007 über 54% der aktiven UserInnen aus Europa stammten:
Active residents by country
United States 31.19%
France 12.73%
Germany 10.46%
United Kingdom 8.09%
Netherlands 6.55%
Spain 3.83%
Brazil 3.77%
Canada 3.30%
Belgium 2.63%
Italy 1.93%
(ebd.)

Verena Loibner  Seite 8 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

BürgerInnen der Vereinigten Staaten Amerikas sind mit über 30% am stärksten ver-
treten, darauf folgt Frankreich mit einem Anteil über 12% und an dritter Stelle stehen
deutsche BenutzerInnen mit starken 10%. Studien ergaben zudem, dass beinahe 59%
der BewohnerInnen männlich sind und dass das Durchschnittsalter 33 Jahre beträgt
(vgl. ebd.).

In diesem ersten Kapitel wird auch geklärt, wie Second Life nicht zu sehen ist und wie
es vielerorts missverstanden wird (zum Beispiel von Vorsamer 2006): als ein reines
Online Spiel. Die Parallelen zu Online-Rollenspielen liegen auf der Hand (vgl. Tan
2007: 7-8): dreidimensionale Umgebung und Nutzung von Avataren (vgl. 2.2.1 Avata-
re). Im Gegensatz zu Online Spielen wie World of Warcraft fehlt Second Life jedoch
eines der allerwichtigsten Elemente, nämlich das zu erreichende Spielziel, wie die Er-
füllung einer Mission – in Second Life steht es jedem frei das zu tun was er möchte.
Überdies bietet Second Life den NutzerInnen weitgehende Gestaltungsfreiheit in Bezug
auf ihre Umgebung und Inhalte der virtuellen Welt sowie mehr Interaktivität. Kurz ge-
sagt: in Second Life kann gespielt und spielerisch agiert werden, aber Second Life selbst
ist kein Spiel (vgl. ebd.) sondern ein MUVE (multi-user virtual environment), das heißt
eine spielähnliche Online-Plattform, zu der viele NutzerInnen Zugang haben und die sie
zur Interaktion mit anderen Personen und Objekten nutzen können (vgl. 20081: 1).

2.2 In der Welt 

2.2.1 Avatare 

BenutzerInnen werden durch Avatare, id est grafische Stellvertreter, repräsentiert.


Dabei kann man seinem persönlichen Geschmack freien Lauf lassen; das Aussehen ver-
ändernde Werte wie Alter, Körpergröße, Körpermasse, Haarfarbe, Sommersprossen,
Weite der Nasenlöcher oder Länge der Wimpern können beliebig abgestimmt werden.

Verena Loibner  Seite 9 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Abb. 1 [Profil auf Second Life, 1.5.2008]

Auch den Bekleidungswünschen für die Avatare sind keine Grenzen gesetzt. Sie kön-
nen selbst erstellt, getauscht oder in Geschäften erworben werden – zum Beispiel Klei-
dungsstücke im Stil des 19. Jahrhunderts oder Schuhe der Marke Adidas. Wobei Vor-
samer (2006) vor allem den Trend zu Jugendlichkeit und überdurchschnittlicher (sexuel-
ler) Attraktivität beobachtet.
Diese Avatare können mittels Mausfunktion beliebig durch die virtuelle
Welt bewegt werden, sind in der Lage sich hinzusetzen und sogar zu fliegen. Um die
künstlichen Menschen lebensechter beziehungsweise interaktionsfähiger wirken zu las-
sen, wird eine Reihe von Gestikmöglichkeiten, beispielsweise Nicken, Pfeifen oder
Schulterzucken, angeboten, wobei die schnelle Handhabung durch Shortcuts erleichtert
wird.

Verena Loibner  Seite 10 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

2.2.2 Funktionen in der Welt 

In der Welt selbst findet man sich schnell zurecht. Die angebotenen Funktionen, wie
Suchen, Unterhalten oder Inventar sind selbsterklärend und relativ einfach anwend-
bar.
Durch die angebotene Suchfunktion wird beispielsweise die Suche nach Re-
gionen, Einrichtungen, Events und Avataren ermöglicht. Dabei kann man die Sucher-
gebnisse auch in der jeweiligen Profilbeschreibung genauer prüfen sowie zielgerichtet
zu einem Ort, einem Event et cetera mittels Teleportation navigieren. Die Navigation
an sich wird ebenso durch eine immer angezeigte Minikarte der jeweiligen Region, auf
der man zum Beispiel andere Avatare oder Events sehen kann, erleichtert.
Die Kommunikation mit anderen Avataren ist ebenso möglich. Dabei kann
man zwischen klassischem, öffentlichem Chat, Instant Messaging (privatem Chat) und
Voice Chat wählen, und sich demnach schriftlich per Tastatureingabe wie auch mittels
angeschlossenen Headsets unterhalten.
Unter dem Menüpunkt Inventar kann man erhaltene beziehungsweise selbst
entworfene Dateien verwalten. Hier finden sich beispielsweise Infodateien beziehungs-
weise Kleidungsstücke, Texturen oder auch in Second Life geschossene Fotos.

2.2.3 Kosten der Profilerstellung 

Die Erstellung eines Profils ist kostenlos, allerdings besteht die mit Kosten verbundene
Möglichkeit sich ein Stück virtuelles Land zu kaufen. Dabei fallen monatlich 9,95 US
Dollar plus eine Landbenutzungsgebühr, die proportional zu der Größe des virtuellen
Grundstückes berechnet wird (vgl. Linden Research 20083), an. Ein von einem Second
Life Grundstückmakler erworbenes Stück virtuelles Land kann man bebauen, seine
Kreationen darauf zur Schau stellen beziehungsweise horten oder auch für Events sowie
Geschäftliches nutzen (vgl. Linden Research 20084).

Verena Loibner  Seite 11 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

2.3 Kreationen 

Kreationen können verschiedenster Natur sein; hierbei ist der Fantasie keine Grenze
gesetzt. Abgesehen von Avataren, Kleidungsstücken und Gebäuden finden sich ani-
mierte Haustiere, Möbel, Raumschiffe, Statuen und Bilder berühmter Künstler, Bäume,
reflektierende Schmuckstücke, Programme um das Wetter auf dem jeweiligen Grund-
stück zu beeinflussen sowie auch Accessoires für den eigenen Avatar, wie Elfenohren
oder Tätowierungen. All diese Items sind entweder direkt in Second Life oder von ei-
nem Link der offiziellen Second Life Homepage
(http://www.slexchange.com/index.php) zu erwerben, tauschen oder mittels von Second
Life angebotenen Programmen selbst zu kreieren.

2.4 Wirtschaft in Second Life 

Linden Lab wirbt mit der Möglichkeit, in Second Life echtes Geld zu verdienen (vgl.
Linden Research 20085). Dies funktioniert durch LindeX Exchange, einer virtuellen
Wechselstelle, bei der Second Life Nutzer untereinander Linden Dollar gegen US Dol-
lar oder Geld anderer Währungen tauschen können. Zusätzlich zu LindeX Exchange
bieten andere Wechselstellen ihre Dienste an (vgl. Linden Research 20086).
Virtuelles Geld kann man auf verschiedene Wege erlangen (vgl. Linden Re-
search 20085):
1. Der einfachste Weg ist Schaffung und Verkauf virtueller Güter, da die Krea-
tionen rechtlich geschützt sind.
2. Man kann ein eigenes Geschäft in Second Life auf die Beine stellen, wie Cafés,
Ernährungsberatungen oder Trainingszentren (vgl. „Event Island“ Finanz Nach-
richten 2008). Mediale Berühmtheit erlangte in diesem Zusammenhang die Dol-
larmillionärin Aileen Gräf alias Anshe Chung; als Immobilienmaklerin in Se-
cond Life erwirtschaftete sie genug Geld um mit ihrem Mann in China eine Fir-
ma, die sich ebenso mit virtuellen Immobiliengütern beschäftigt, zu gründen
(vgl. Köver 2007; Schmitz 2007).

Verena Loibner  Seite 12 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Zusammen mit der ungeheuren Reichweite von Second Life sind dies Argumente, die
sowohl große Konzerne wie IBM, Adidas, Daimler und kleinere Verlage wie Snow-
books (in Zusammenarbeit mit Amazon) überzeugten, Zeit und Geld in die „Marketing
Plattform“ Second Life zu investieren. Diese virtuellen Zweigstellen ermöglichen den
KundInnen beispielsweise sich in die virtuelle Ausgabe eines Autos setzen und sich das
Armaturenbrett desselben anzusehen (vgl. DPA & Cloer 2008).
Hier zeigt sich das (wirtschaftliche) Potential von Second Life (vgl. Breuer
2007: 7), welches ebenso in Verbindung mit Bibliotheken beachtenswert ist:
• Prototyping für Produkte und Gebäude: Bibliotheken könnten neue Services
in der virtuellen Zweigstelle ausprobieren und direkt mit BenutzerInnen deren
Effektivität diskutieren bevor man in der realen Einrichtung Geld und Zeit in-
vestiert um Abläufe und Angebote langfristig umzustellen.
• Virtuelle Meetings: Direkter Kontakt zwischen BenutzerInnen und Bibliotheka-
rInnen, zum Beispiel Informationsveranstaltungen, wodurch Bibliotheken ihre
Präsenz verstärken können, wäre möglich – oder auch internationale Biblio-
thekskonferenzen in einem virtuellen Konferenzraum.
• Branded Entertainment: Die Aufmerksamkeit der BenutzerInnen könnte durch
Veranstaltungen wie virtuellen Lesungen auf die Bibliothek und ihr Angebot ge-
lenkt werden.
Der Trend, Unternehmen in Second Life zu platzieren, hatte wiederum das vermehrte
Aufkommen von Werbeagenturen, wie den deutschen Anbietern Neonred Group oder
Bokowsky + Laymann, zur Folge, welche gezielte Beratung und Gestaltung von Nieder-
lassungen in Second Life anbieten.
Greenhill (vgl. 20082) beobachtet allerdings die für Bibliotheken erfreuliche
Tendenz der virtuellen Welt, dass der kommerzielle Aspekt zu Gunsten des bildenden
Aspekts in den Hintergrund tritt. Second Life selbst scheint im Wandel zu sein.

Verena Loibner  Seite 13 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

2.5 Kommunikation und E­Learning in Second Life 

Zusätzlich zum wirtschaftlichen Aspekt muss der Fortschritt für den Kommunikations-
sektor gesehen werden, welcher einen erheblichen Anteil am Erfolg von Second Life
ausmacht. Dazu zählen höhere Effektivität in der Kommunikation und Überwin-
dung von Beschränkungen der klassischen Kommunikationsmedien (vgl. Breuer
2007: 4).
Höhere Effektivität in der Kommunikation zeichnet sich vor allem durch den
direkten Kontakt aus, der durch das Zusammentreffen von Avataren entsteht, obwohl
die realen Personen durch räumliche Distanz ohne virtuelle Welten wie Second Life
eigentlich keinen direkten Kontakt aufbauen könnten. Natürlich besteht die Möglichkeit
Online-Konferenzen über Medien wie Skype abzuhalten und durch den Gebrauch von
Webcams visuellen Kontakt herzustellen, jedoch bleibt man sich bei Videoübertragun-
gen stets der räumlichen Distanz bewusst. Mittels Second Life können sich Gesprächs-
partner in der virtuellen Welt gegenüber stehen und entweder über Chat beziehungswei-
se Instant Messaging oder sogar mit einem Headset über Voice Chat unterhalten. Dabei
ist völlig unerheblich wo sie sich im realen Leben gerade befinden – durch das Eintau-
chen in die virtuelle Welt wird das Gegenüber als anwesende Person wahrgenommen
(vgl. Breuer 2007: 46).
Die Beschränkungen der klassischen Kommunikationsmedien werden durch
die Multimedialität von Second Life überwunden (vgl. Tan 2007: 9-10). Die zweite
Welt bietet Texte, Bilder, Audiodateien und Videos – alles in einem und alles unmittel-
bar erfahrbar. Es ist sogar möglich selbst Videos, genannt Machinima, in der virtuellen
Welt zu erstellen und zu veröffentlichen (vgl. Bell et.al. 2007: 17).
Trotz der hervor stechenden Vorteile im Bereich der Kommunikation dürfen
die Schwächen nicht übersehen werden. Unter anderem wird Second Life, wie auch
allen anderen MMORPGs (Massively Multiplayer Online Role-Playing Games), die
eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit von Gestik und Mimik angelastet (vgl. Breuer
2007: 45). Zwar können Avatare begrenzt nonverbal kommunizieren (vgl. oben 2.2.1
Avatare) und die von Second Life angebotene Liste ist erweiterbar, aber dennoch erfor-

Verena Loibner  Seite 14 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

dert es einige Mühe, während des Schreibens oder Sprechens zusätzlich Shortcuts für
die entsprechenden Bewegungen des Avatars zu bedienen.
Tan (2007: 14) erwähnt in Zusammenhang mit Kommunikation auch die In-
stabilität des Systems. Die Anzahl der Avatare an einem Ort ist derzeit auf fünfzig ein-
geschränkt, was für große Konferenzen ein Problem darstellen kann. Das System wird
langsamer, wenn mehr als 40.000 EinwohnerInnen gleichzeitig online sind, wodurch die
Kommunikation über Second Life gestört werden könnte. Zudem gestaltet sich der Up-
load von Dateien teilweise als umständlich (vgl. Breuer 2007: 45).

Nichtsdestotrotz haben viele, renommierte Bildungseinrichtungen den Weg in Se-


cond Life gefunden. Rosedale selbst (vgl. DPA 2008) betont die Eignung seiner virtuel-
len Welt als Kommunikationsmedium, insbesondere für das Abhalten von Kursen; ab-
gesehen von Firmen, welche in Second Life Meetings abhalten, seien mittlerweile hun-
derte von Universitäten in Second Life vertreten und hielten dort Kurse ab. Beispiele
(vgl. Sim Teach 2008) sind:
• Australian Film TV and Radio School, Australien
• Universität Hamburg, Deutschland
• Audiocourses Music Production School, Großbritannien
• Unict Università degli studi di Catania, Italien
• Havard University, USA
Ein für das Bibliothekswesen besonders interessantes Beispiel wäre die School of Libra-
ry & Information Science (SLIS) auf der San Jose State University in Kalifornien, wel-
che ihre auszubildenden Bibliothekare auf einer Insel in Second Life schult (vgl. Green-
hill 20081: 11).

In Österreich sticht speziell die Universität Innsbruck als federführend in der Integra-
tion von Second Life in den Campus Alltag hervor und hat seine virtuelle Entsprechung
derzeit noch auf der Insel Ballers City errichtet (vgl. Universität Innsbruck 2008).

Verena Loibner  Seite 15 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Abb. 2 [ui2 campus der Universität Innsbruck, 14.6.2008]


 

2.6 Allgemeine Stärken und Schwächen von Second Life 

Zu den Vorteilen im Bereich Kommunikation dürfen auch andere Stärken von Second
Life nicht unbeachtet bleiben (vgl. Universität Innsbruck 2008; Graves 2008).
• Erlebniseffekt
• Sozialer Aspekt: Zusätzlich zu den Vorteilen im Kommunikationsbereich ist
auch das Potential zur Bildung neuer, sozialer Netzwerke zu sehen – Second Li-
fe sozusagen im Kontext der Social Software. Dieser Aspekt gilt ebenso für das
Knüpfen internationaler Kontakte.
• Hoher Spiel- und Spaßfaktor: Das spielerische Entdecken der Angebote von
Second Life trägt zur Attraktivität bei.

Verena Loibner  Seite 16 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

• Read-and-Write-Web: Durch die aktive Beteiligung der BenutzerInnen setzt


sich der Wandel vom passiven Read-Web zum interaktiven Web 2.0 fort.
Das dreidimensionale Web wird als Zukunftsform des Internets betrachtet und insofern
ist Second Life als Spielwiese zu betrachten, auf der man experimentieren und sich auf
die kommenden Anforderungen vorbereiten kann.
Dennoch muss man sich auch der Nachteile Second Lifes bewusst sein (vgl.
Breuer 2007: 21):
• Second Life ist aktuell ein Single-Source-Produkt: Da nur Linden Lab für
Angebot und Betreibung der Plattform Second Life zuständig ist, droht der Ver-
lust aller Arbeitsergebnisse in der zweiten Welt, falls Linden Lab beschließen
sollte, Second Life nicht weiter zu betreuen.
• Die Hardware-Voraussetzungen auf Anwenderseite sind relativ hoch: Win-
dows Usern wird Windows XP oder Vista empfohlen, DSL-Internetanbindung
oder LAN vorausgesetzt, zudem benötigt die Software unter anderem einen 800
MHz Pentium III Prozessor (Empfehlung für Windows XP 1,5 GHz) und einen
Arbeitsspeicher von mind. 1 Gigabyte (vgl. Linden Research 200810).
• Performance-Schwankungen: Bei dem Betrieb des Programms kann es immer
wieder zu Abstürzen kommen, gegenwärtig arbeitet Linden Lab an der Verbes-
serung dieses Problems (vgl. DPA & Cloer 2008).
• Offenheit: Die Einrichtungen in Second Life sind generell für alle BewohnerIn-
nen, wenn sie nicht durch Beschränkung auf Mitglieder einer bestimmten Be-
nutzergruppe geschützt werden, zugänglich. Dies kann zu Zwischenfällen füh-
ren, wenn Kritiker oder Vandalen die Szenerie betreten beziehungsweise stören.
• Leseprobleme: Tan (2007: 13) identifiziert zusätzlich Schwächen beim Lesen
von Texten in der zweiten Welt. Da Texte auf dreidimensionalen Objekten dar-
gestellt werden, entstehen durch Veränderung des Blickwinkels Verzerrungen,
wodurch die Rezeption erheblich erschwert wird, da man den Avatar erst richtig
positionieren muss – dabei ist auch zu beachten, dass auch der Avatar selbst
dem/der realen LeserIn die Sicht versperren kann.
• Unübersichtlichkeit: Second Life ist räumlich und nicht in erster Linie, wie
BenutzerInnen es vom klassischen Internet gewohnt sind, textorientiert. Dadurch

Verena Loibner  Seite 17 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

sind viele Informationsquellen nicht sofort als solche erkennbar und bei der Su-
che kann es zu ungewohnt größerem Zeitaufwand kommen (vgl. Buzinkay 2007:
110).
• „ruckelige“ Grafik: Die grafische Darstellung in Second Life wird bei Neupo-
sitionierung des Avatars teilweise als „ruckelig“ empfunden (vgl. DPA & Cloer
2008).

Verena Loibner  Seite 18 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

3. Die Aufgaben einer Bibliothek 

3.1 Traditionell 

Hacker (1992: 11-20) beruft sich auf fünf Begriffsbestimmungen des Begriffs ‚Biblio-
thek‘, aus denen sich die traditionellen Aufgaben, welche die Institution Bibliothek zu
erfüllen hat, ableiten:
1. Büchersammlung: Der Begriff ‚Bibliothek‘ stammt aus dem Griechischen und
bedeutet so viel wie ‚Büchersammlung‘. Charakteristischerweise bestanden und
bestehen Bibliotheken aus dem Sammelgut Buch. Darin liegt auch die erste
Aufgabe dieser Einrichtungen: eine geordnete und benutzbare Sammlung von
Büchern zur Verfügung zu stellen, das heißt Bücher zu sammeln, zu erschließen
und zu vermitteln. Diese Definition umfasst allerdings nicht alle Aspekte von
Bibliotheken.
2. Literatursammlung: Diese Bücher enthalten hauptsächlich Literatur. Unter Li-
teratur versteht man im Allgemeinen „alles Geschriebene, wenn es zum Zweck
der Veröffentlichung verfasst wurde“ (Hacker 1992: 12) und wenn es zur Veröf-
fentlichung bestimmt war beziehungsweise ist. Im Gegensatz dazu gehören Tex-
te, die einen Gebrauchszweck erfüllen, wie Bedienungsanleitungen, Akten oder
Urkunden, nicht zur Literatur und sind eher in Archiven zu finden. Daraus wird
die erst genannte Aufgabe um einen Aspekt erweitert: Bibliotheken sammeln,
erschließen und vermitteln Literatur und vermitteln Literaturinformation (Bib-
liografien und Literaturdaten) um diese Literatur auch benutzen zu können.
3. Mediensammlung: Nachdem Bibliotheken allerdings nicht nur Literatur bezie-
hungsweise Bücher verwalten, sondern auch Mikroformen, audiovisuelle Me-
dien und elektronische Medien, muss die Definition erneut überarbeitet werden.
Unter einem Medium versteht man ‚Vermittler‘ beziehungsweise ‚Vermittlungs-
instrumente‘ – dies umfasst sowohl Bücher, welche Literatur beinhalten, als
auch oben genannte technische Medien. Bibliotheken sammeln, erschließen und
vermitteln also Medien im Allgemeinen und Literaturinformationen
(=Metadaten).

Verena Loibner  Seite 19 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

4. Informationseinrichtung: Die von Bibliotheken vermittelten Medien enthalten


Informationen, demnach ist die Bibliothek als Vermittlerin von Informationen zu
sehen. Zusätzlich zu der sich in der Mediensammlung befindliche Fülle an In-
formationen (in Büchern, Datenbanken, et cetera) vermittelt die Bibliothek In-
formationen über diese Informationen (Metainformationen). Dies geschieht
durch Formal- und Sacherschließung und Bereitstellung dieser Informationen
durch direkte Auskunftserteilung, Bibliografien und Kataloge des eigenen be-
ziehungsweise fremden Medienbestandes beziehungsweise durch Online-
Abfrage von Teilen der elektronischen Medien.
5. Dienstleistungsbetrieb: Bibliotheken erbringen Dienstleistungen und sind dem-
nach Servicebetriebe. Da die Dienstleistungen der Bibliotheken von Interesse für
die Allgemeinheit sind, nämlich zur Förderung von Kultur, Bildung und Wis-
senschaft, werden die meisten dieser Einrichtungen aus Steuermitteln finanziert.
Als Unternehmen haben sie sich ebenso zum Ziel gesetzt, sparsam und rationell
zu arbeiten – dies provoziert einen Zielkonflikt für Bibliotheken, da Sparsamkeit
und Rationalisierung sich schwerlich mit einem Maximum an Serviceleistung
kombinieren lassen.
Aus diesen fünf Aspekten der Bibliotheksarbeit ergeben sich die beiden traditionellen
Hauptaufgaben, nämlich Literaturversorgung und Literaturinformation, welche als
Dienstleistungen zu erbringen sind.

3.2 Im Internetzeitalter 

Bibliotheken identifizieren sich naturgemäß stark mit dem Begriff Sammlung. Dies
kann soweit gehen, dass sie teilweise den Eindruck vermitteln, der Leser sei ein Feind,
gegen den es die zu bewahrenden Medien unbedingt zu verteidigen gilt (vgl. Hobohm
2001: 1). Dieser Ansicht schließt sich auch Umberto Eco (vgl. 2005: 6) an. Um einem
derartigen Eindruck entgegen zu wirken, müssen Bibliotheken ihre Pforten noch weiter
öffnen – sowohl den BenutzerInnen als auch den neuen Technologien – und teilweise
stärker an der Erbringung von Serviceleistungen arbeiten. Robinson (2008: 72) appel-

Verena Loibner  Seite 20 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

liert beispielsweise an bibliothekarische Einrichtungen, sich dem Benutzer gegenüber


flexibler zu erweisen. Dies gelänge mit längeren Öffnungszeiten, 24/7 Einrichtungen
oder durch Leistung von Hilfestellung für IT-Belange. In diesem Kapitel werden nun
zwei Möglichkeiten vorgestellt, wie man Serviceangebote von Bibliotheken anpassen
könnte.

3.2.1 Third Place 

Heutzutage wird verstärkt nach Informationen verlangt (vgl. Hacker 1992: 20). Die
Menschheit benötigt Wissen für verschiedene Zwecke: Ausbildung, Beruf, Forschung,
politische Meinungsbildung, Befriedigung geistiger Interessen, Lebensgestaltung, Frei-
zeit und auch Unterhaltung. Dieser gesteigerte Informationsbedarf hat verschiedene
Ursachen, beispielsweise höhere Voraussetzungen in der Ausbildung, rasender Fort-
schritt in Wissenschaft und Technik sowie die Notwendigkeit kritischer Urteilsfähigkeit
in politischen Belangen. Um diesen gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, be-
nötigt man vermehrt das Angebot der Informationsmedien, wobei das World Wide Web
den Bibliotheken den Rang als erste Wissensquelle bereits abgelaufen hat (vgl. Einlei-
tung).
Peter Bromberg (2006) identifiziert drei aktuelle Trends, von denen Biblio-
theken unmittelbar betroffen sind. Der erste ist die verstärkte Internetnutzung im priva-
ten Bereich für zuvor öffentlich durchgeführte Tätigkeiten, wie Einkäufe, Bankgeschäf-
te oder eben Informationsbeschaffung. Der zweite bezieht sich auf die kontinuierlich
steigernde Entfremdung im sozialen Bereich und der dritte verweist auf die populär ge-
wordene Erweiterung des Angebots in vielen Branchen. Ein Beispiel dafür wäre die
Möglichkeit, in Buchhandlungen nicht nur Bücher zu erwerben, sondern auch gemütlich
eine Tasse Kaffee zu trinken oder bei Finanzinstituten zusätzlich zur traditionellen Fi-
nanzberatung auch von Seminaren zum Thema Pensionsplanung zu profitieren. Damit
versuchen diese Unternehmen ihre Standorte zu einer „destination of choice“ (ebd.), id
est ein Aufenthaltsort den man freiwillig wählt, zu machen, indem sie attraktive Zusatz-
leistungen bieten, mit welchen die Konkurrenz im Internet nicht aufwarten kann.

Verena Loibner  Seite 21 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Zahlreiche internationale Bibliotheken haben diesen dritten Trend gewinn-


bringend umgesetzt, beispielsweise die Idea Stores in London. Die verschiedenen
Standorte der Idea Stores verbinden Services der Bibliothek, Fortbildungsangebote
(Sprachen, Finanzen, Tanz, et cetera) und allgemeine Informationsangebote.
Bromberg (2006) meint, Bibliotheken bieten KundInnen von Natur aus neben
der Arbeit und dem Zuhause eine Art dritten Platz, an dem sie ihre Wissbegier befrie-
digen, Unterhaltungsmedien bekommen und über ihre Welt reflektieren können. Er ap-
pelliert daran, Bibliotheken nicht nur als einen möglichen dritten Platz anzubieten, son-
dern dieses Potential zu nutzen und aus ihnen eben diese „destination of choice“ zu ma-
chen um sie für BenutzerInnen wieder attraktiver zu machen.
Diesen Ansatz empfindet auch Eco (2005: 13) in seinem ironisch-
nachdenklichen Essay als wünschenswert. Auch er ruft die Bibliotheken auf, die Ein-
richtung in ein dem Menschen angemessenes Universum zu verwandeln, „in eine lust-
volle Bibliothek, in die man gerne geht und die sich allmählich in eine große Freizeit-
maschine verwandelt“ (ebd.).

3.2.2 Library 2.0 

„[Library 2.0] is about reaching out to new users


without losing those we already have.“
(Casey & Savastinuk 2007: 77-78)

Neben Bromberg zählen auch Michael E. Casey und Laura C. Savastinuk zu den Be-
gründern eines aktuellen Konzepts in der Bibliothekswelt: Library 2.0. Im Jahr 2005
eröffnete Casey den Weg Log „LibraryCrunch“ und begann mit BibliothekarInnen aus
aller Welt die veränderten Bedürfnisse der BenutzerInnen (vgl. hierzu auch die JIM-
Studie 2006, welche sich mit der Internetnutzung der deutschen Jugendlichen beschäf-
tigt) sowie das Thema Web 2.0 und seine Folgen für die Bibliothekswelt zu diskutieren
(vgl. Casey & Savastinuk 2007: xxi-ii).

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Der Begriff selbst nimmt seine Anreize aus den Gebieten Web 2.0 und Busi-
ness 2.0. Web 2.0 bezeichnet das partizipative Internet, welches Interaktion bezie-
hungsweise Input der NutzerInnen mit einfach zu bedienenden, „sozialen“ Web An-
wendungen wie Flickr oder Wiki-Tools fördert; im Zentrum von Business 2.0 steht der
Kunde, der hohe Ansprüche an Produkt und Kundenservice stellt, wohlwissend, dass es
für das Produkt mehr als einen Anbieter gibt (vgl. 2007: 3). All diese Aspekte spiegeln
sich in Library 2.0 wider.
Casey und Savastinuk formulieren dies in ihrer eher losen Definition wie
folgt: „Participatory service and change are the heart of Library 2.0, and technology is a
tool that can help us get there“ (2007: xxi-ii). Der Informationsfluss bei Library 2.0 geht
in beide Richtungen: vom Bibliothekar zum Benutzer und vom Benutzer zum Biblio-
thekar, traditionell bewegten sich Informationen nur in eine Richtung, nämlich von der
Bibliothek zu dem Benutzer. Dieser Bereich soll sich verändern, KundInnen sollen an
dem Informationsaustausch aktiv teilnehmen können und dazu werden moderne Inter-
nettechnologien in den (Informations-)Service eingebaut.

Einige dieser Tools welche die begrüßenswerte Partizipation der BenutzerInnen bezie-
hungsweise auch die Interaktion der BibliotheksmitarbeiterInnen untereinander ermög-
lichen, werden kurz erwähnt (vgl. 2007: 78-102):
• Blogs: Unter einem (We)b Log versteht man chronologisch geordnete Einträge
auf einer Website, die in der Regel jeder Besucher jederzeit kommentieren kann,
wodurch sich ein Dialog entwickelt. Als etablierte, kostenlose Beispiele sind
Blogger (www.blogger.com) und Wordpress (www.wordpress.org) zu nennen,
welche einfach zu bedienende Oberflächen zur Benutzung anbieten. Des Weite-
ren besteht die Möglichkeit, die Blogging Software auf den eigenen Server zu
installieren, wobei die Bearbeitung zwar komplizierter aber bei weitem flexibler
ist. Ein Beispiel wäre Drupal (www.drupal.org).
INTERNE BLOGs: BibliotheksmitarbeiterInnen können durch interne Blogs, zu
denen die KundInnen keinen Zugang haben, tagtägliche Belange diskutieren,
wie Änderungen des Personalbestandes. Interne Blogs können auch, insbesonde-
re durch verstärkte Kommunikation mit der Leitungsebene, den vielleicht ge-

Verena Loibner  Seite 23 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

schwächten Teamgeist stärken, da man auf diese Weise trotz unterschiedlichster


Arbeitszeiten miteinander in Kontakt stehen kann und Informationen aus allen
Bereichen der Arbeitsstätte erhält.
EXTERNE BLOGs: Für externe Blogs gelten dieselben Vorteile wie für interne
Blogs. Die Bibliothek bietet Informationen zu verschiedensten Themen an und
lädt die KundInnen ein, sich aktiv an gebloggten Inhalten zu beteiligen. Da die
jeweiligen Kommentare beziehungsweise Antworten der BibliothekarInnen auf
Fragen öffentlich sind, können diese auch von anderen BenutzerInnen, welche
vielleicht dasselbe Anliegen hatten, angesehen werden.
Zusätzlich zu Blogs an sich besteht die Möglichkeit, RSS-Feeds einzurichten.
RSS steht für „really simple syndication“ und beliefert NutzerInnen mit Mel-
dungen über Updates einer bestimmten Seite, wie beispielsweise Bibliotheks-
homepages. Dadurch kann eine noch direktere Verbindung zu den BenutzerIn-
nen geschaffen werden.
• Wikis und Wissensmanagement: Wikis sind Websites, deren benutzergenerier-
te Inhalte von allen TeilnehmerInnen editiert beziehungsweise erweitert werden
können – das wohl bekannteste Beispiel ist Wikipedia. Auch bei den Wikis gibt
es gehostete Versionen, die sogenannten Wikifarmen (zum Beispiel Wikia
(www.wikia.com/wiki/Wikia) oder SeedWiki (www.seedwiki.com), und Versi-
onen, die man sich auf einen eigenen Server installieren kann (zum Beispiel
MediaWiki (www.mediawiki.org).
INTERNE WIKIs: Im internen Bereich erlauben Wikis zum Beispiel die Spei-
cherung von Wissen über Arbeitsabläufe. Dadurch kann vor allem die Einarbei-
tung neuer MitarbeiterInnen erleichtert beziehungsweise die Güte der Arbeit all-
gemein verbessert werden, da man zu oftmals als peinlich empfundenem Nach-
fragen bei KollegInnen eine Alternative gefunden hat.
EXTERNE WIKIs: Hierfür gelten dieselben Vorteile wie für interne Wikis, mit
dem Unterschied, dass sie für viel mehr Menschen abrufbar sind. Wikis können
zu allen erdenklichen Themen über das Bibliothekswesen hinausgehend erstellt
werden.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

• Instant Messaging und Chat: Instant Messaging (IM) und Chat ist eine Online-
Kommunikationsmethode, bei der sich die TeilnehmerInnen per Texteingabe,
unabhängig vom Ort in Echtzeit unterhalten können. Problematisch dabei war
lange Zeit, dass die Programme untereinander nicht kompatibel waren, das heißt
man musste denselben Client wie der Gesprächspartner verwenden, wobei diese
nunmehr auf Interoperabilität setzen und sich diesbezüglich entwickeln. Beispie-
le für IM- und Chattools sind Windows Live Messenger (messenger.msn.com)
oder Google Talk (www.google.com/talk). Zusätzlich gibt es Programme, die
speziell für Kommunikation zwischen NutzerInnen verschiedener IM- und Cha-
tanbieter entwickelt wurden, wie Trillian (www.ceruleanstudios.com). Eine drit-
te Variante sind Tools, die keinen Download erfordern, sondern im jeweiligen
Internetbrowser laufen, zum Beispiel Meebo (www.meebo.com).
INTERNES IM UND CHAT: Im internen Bereich sind IM- und Chattools von
unschätzbarem Wert, wenn Konferenzen abgehalten werden und sich die Mitar-
beiterInnen an unterschiedlichen geographischen Orten befinden.
EXTERNES IM UND CHAT: Auch für KundInnen der Bibliothek können IM
und Chats gute Dienste leisten – beispielsweise um Auskünfte zu beziehen. Der
Vorteil gegenüber dem Telefon ist, dass die Antwort schriftlich vorliegt und sich
beispielsweise Nachfragen auf Grund akustischer Probleme erübrigen. Insbe-
sondere junge Menschen bedienen sich verstärkt IM- und Chattools, die Integra-
tion derartiger Programme in die Bibliothekshomepage könnte speziell diese
Zielgruppe verstärkt ansprechen.
• Podcasting: Unter Podcasting (eine Kombination der Wörter iPod und Broad-
casting) versteht man das Veröffentlichen von Audio- oder Videodateien, die
mittels RSS abgerufen werden können, im Internet.
Verwendet werden kann dies beispielsweise für die Aufzeichnung von Inter-
views mit AutorInnen, für lustige Kurzfilme oder für Rundgänge in der Biblio-
thek.
• Social Networking: Hier werden Software Anwendungen genutzt, um unter-
schiedliche Interessensgruppen soziale Netzwerke aufzubauen. Prominente Bei-
spiele sind MySpace (www.myspace.com) oder Facebook

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

(www.facebook.com). Solcherlei soziale Netzwerke erfreuen sich insbesondere


bei jungen Menschen größter Beliebtheit. Eine weitere Möglichkeit bietet Flickr
(www.flickr.com), ein populäres Online Netzwerk, bei welchem man Fotos öf-
fentlich zugänglich machen kann.
Nun stellt sich die Frage, was Bibliotheken mit sozialen Netzwerken anfangen
sollen. Die Public Library of Charlotte & Mecklenburg County beispielsweise
hat auf der Plattform MySpace eine eigene Seite gestaltet
(www.myspace.com/freedomteenzone). Anwendungsmöglichkeiten von Flickr
wären zum Beispiel die Dokumentation eines Umbaus auf der jeweiligen Biblio-
thek oder einer Veranstaltung. Auf diese Weise kann sich die Einrichtung besser
in ihre „Community“ integrieren, da sie für das Publikum sozusagen greifbarer
wird.
• Tagging (vgl. 2007: 15): Ein „Tag“ kann als Schlagwort gesehen werden, wel-
ches von BenutzerInnen selbst vergeben beziehungsweise verlinkt werden kann;
im weiteren Sinn ist darunter eine Randbemerkung beziehungsweise ein Kom-
mentar zu verstehen, der einem Objekt im Internet beigefügt werden kann.
Einige Bibliotheken erlauben ihren KundInnen bereits, die Katalogeinträge im
Web OPAC mit ihren Bemerkungen beziehungsweise Beurteilungen zu verse-
hen. Diese können auch von anderen BenutzerInnen gesehen und bei der Ent-
scheidung, ob dieses Medium von Interesse ist, berücksichtigt werden.

Casey und Savastinuk (2007: 68-72) präsentieren einige Beispiele erfolgreicher Library
2.0 Services:
• Ann Arbor District Library (www.aadl.org): Abgesehen von einem Blog der
Bibliotheksleitung ist es möglich bereits auf der ersten Seite Kommentare zu den
Einträgen abgeben. Ein besonderes Tool sind Card Catalog Images, womit Be-
nutzerInnen virtuelle Katalogkarten ihrer eigenen Sammlung hinzufügen bezie-
hungsweise sogar auf diesen Karten Kommentare hinterlassen können, welche in
ihrem Profil gespeichert werden.
• Gwinnett County Public Library (www.gwinnettpl.org): Die Aktion “Rock
the Shelves” zielte darauf ab, Teenager durch ein in der Bibliothek veranstaltetes

Verena Loibner  Seite 26 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Rockkonzert dreier lokaler Bands auf die Bibliothek aufmerksam zu machen.


Der Erfolg konnte sich sehen lassen – über 300 Jugendliche fühlten sich ange-
sprochen und fanden sich sprichwörtlich zwischen den Regalen der Bibliothek
ein.
• Tacoma Public Library (www.tacomapubliclibrary.org): Diese Bibliothek ar-
beitet mit RSS Feeds und ermöglicht seinen BenutzerInnen dadurch stets mit
den aktuellsten Neuigkeiten aus der Bibliothek versorgt zu sein ohne dabei auf
die Homepage oder in das Bibliotheksgebäude gehen zu müssen. Zusätzlich er-
gibt sich der Vorteil, keine Veranstaltung, die eventuell von Interesse gewesen
wäre aber übersehen wurde, zu versäumen.
• Darien Library (www.darienlibrary.org): Zehn verschiedene Blogs versorgen
verschiedene Zielgruppen mit Informationen zu Themen wie „Movies & Music“
oder „The Front Desk Speaks“.
Robinson (vgl. 2008: 74) warnt allerdings davor, blindlings Library 2.0 Tools auf Bib-
liothekshomepages einzubauen. Zielführender wäre eine genaue Bedürfnisanalyse der
jeweiligen Zielgruppe(n). Um sich gegen das Internet zu behaupten, muss man Nischen
finden, welche im Internet nicht bedient werden können beziehungsweise sich von
Suchmaschinen und anderen Internetdiensten zu einer Verschmelzung der Annehmlich-
keiten des World Wide Web und der Qualität der Bibliotheksressourcen inspirieren zu
lassen.

3.2.3 Fazit zum Thema Library 2.0 

Viele der Library 2.0 Tools, wie IM oder Soziale Netzwerke, sollen speziell junge Lese-
rInnen beziehungsweise an aktuellen Internetentwicklungen Interessierte ansprechen.
Dennoch muss festgestellt werden, dass mit Library 2.0 immer noch die traditionellen
Aufgaben der Bibliotheken wahrgenommen werden. Informationen sowie Metainforma-
tionen werden erschlossen und angeboten, verändert hat sich die Form des Angebots
beziehungsweise auch der Feedback Aspekt. Somit kann man in Library 2.0 eine
Mischform aus traditionellem und modernem Angebot sehen.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

In diesem Zusammenhang sollte man ebenso Second Life betrachten. In der


zweiten Welt werden genauso Informationen in allen Formen angeboten (siehe Kapitel
4), demnach traditionelle Aufgaben wahrgenommen, allerdings im Mantel einer neuen,
virtuellen Welt, in der alles möglich ist. Wie auch Library 2.0 zu einem großen Teil
darauf ausgerichtet ist, besonders die jungen BenutzerInnen zurück in die Bibliothek zu
führen und aus diesem Grund Tools einbaut, die insbesondere das junge Publikum an-
sprechen, so gilt dies ebenso für Second Life: “Dort hinzugehen, wo der Kunde ist, das
ist das Motto des Konzepts einer Bibliothek als Interaktionsraum.“ (vgl. Buzinkay 2007:
110).
Speziell bei der Integration von Second Life in Library 2.0 wird teilweise
bereits von Library 3.0 gesprochen: „If we think of the brick-and-mortar library as Li-
brary 1.0 and the interactive library Web site as Library 2.0, then what is Library 3.0 or
Library 3-D?” (Bell et.al. 2007: 14). Bell et.al. (ebd.) beziehen sich dabei einerseits auf
die erneute Weiterentwicklung der Möglichkeiten für das Bibliothekswesen, anderer-
seits auf die Dreidimensionalität der virtuellen Welt(en). Allerdings hat sich der Begriff
Library 3.0 für Bibliotheken im virtuellen Raum bislang noch nicht etablieren können.

Verena Loibner  Seite 28 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

4. Bibliotheken in Second Life 

4.1 Einleitung 

Wie eingangs dargelegt wurde, verliert die Einrichtung Bibliothek ihre Popularität als
Nachschlagemöglichkeit an die Dienste des World Wide Web. Informationssuchende
konsultieren eher Suchmaschinen wie zum Beispiel Google und entscheiden sich be-
wusst für die Quantität und die sofort verfügbaren Ergebnisse anstatt für die Qualität,
welche durch die intellektuelle Selektion von Informationen durch BibliothekarInnen
gewährleistet wird, wobei auch Bibliotheken mit webbasierten beziehungsweise elekt-
ronischen Ressourcen aufwarten.
Bernsee (2007: 374-375) plädiert für eine Neupositionierung der Bibliothe-
ken um das öffentliche Bewusstsein für die angebotenen Dienstleistungen zu stärken
und sieht dabei das Potential in zwei auf den ersten Blick widersprüchlichen Bereichen:
dem sozialen Raum und dem dezentralisierten, digitalen Angebot. Im Zeitalter der dro-
henden Vereinzelung durch das Internet kann die klassische Dorfbrunnen-Funktion (vgl.
Rauch 2000: 26) der Bibliotheken genutzt und zusätzlich zu dem traditionellen Informa-
tionsangebot der Aspekt des lebenslangen Lernens und der Kommunikation in der Bib-
liothek durch geeignete Veranstaltungen gefördert werden (vgl. auch 3.2.1 Third Place).
Andererseits sollte auf die Bewerbung des dezentralisierten da digitalen Angebots ein
größeres Augenmerk gelegt werden um Informationssuchende erneut auf den Dienst
Bibliothek aufmerksam zu machen und somit eine qualitätsvolle Alternative zu anderen
digitalen Quellen wie Google und Co aufzuzeigen. Eine interessante Mischung von di-
gitalen Informationsressourcen und gleichzeitiger Förderung sozialer Kontakte bieten
Bibliotheken in Second Life!
Die klassische virtuelle Bibliothek bekommt in Kombination mit Second Li-
fe ein völlig neues Gesicht. Wird im klassischen Sinn die Präsentation der Informatio-
nen im Internet, auch mit Hilfe von Web 2.0 Tools, unter diesem Begriff verstanden
(vgl. Hilberer 2006: 230), so kann der Ausdruck ‚virtuelle Bibliothek‘ in Second Life
nun wörtlich genommen werden, da zusätzlich zu dem Informationsangebot und den

Verena Loibner  Seite 29 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

elektronischen Ressourcen nun auch Gebäude und BibliothekarInnen virtuellen Charak-


ter bekommen haben.
Eine Niederlassung in Second Life zu betreiben erscheint vor allem deshalb
als sinnvoll, da das Erleben und Werken in der virtuellen Welt dem Spieltrieb des Men-
schen, sowohl Kindern als auch Erwachsenen, entgegen kommt. Obgleich Second Life
kein klassisches Online Spiel ist, ermöglicht diese Plattform ihren BenutzerInnen spie-
lerisches Lernen und ist deshalb insbesondere als ein Gewinn für diese und die kom-
menden Generationen, welche bereits im Kindesalter mit Online Ressourcen in Berüh-
rung kommen, anzusehen (vgl. Peterman & Grieg 2007: 25-26) – dieser Ansatz hat auch
zahlreiche Hochschulen ermutigt, mit Second Life als Lehrstätte zu arbeiten (vgl. Kapi-
tel 2.5 Kommunikation und E-Learning in Second Life). Daher sollten sich (akademi-
sche) Bibliotheken auch nicht die Möglichkeit entgehen lassen, dieses Instrument der
Zukunft sofort zu nutzen beziehungsweise wichtige Erfahrungen zu sammeln um auf
den Zeitpunkt vorbereitet zu sein, wenn die Arbeit mit virtuellen Welten nicht mehr weg
zu denken ist: „If virtual worlds are the next thing that our students use day-today, is not
it better to have some experience using it yourself now, that there may be 2,000 students
who use, rather than to start after 20,000 students use it.“ (Peterman & Grieg 2007: 27).
Diese Initiative ging von Alliance Library System (ALS) aus, einer Einrich-
tung mit Sitz in Peoria, Illinois, die sich gänzlich den Services von und an Bibliotheken
verschrieben hat – hauptverantwortlich ist das Team um Lori Bell. Im April 2006 wur-
de das Experiment Bibliotheken in Second Life in einem kleinen gemieteten Gebäude
gestartet um das Interesse der BewohnerInnen zu prüfen (vgl. Bell, Pope & Peters 2007)
– die virtuelle Parallelgesellschaft war begeistert und bereits in der ersten Jahreshälfte
2007 besuchten durchschnittlich 5.000 Personen die Bibliotheken des von ALS mitge-
gründeten Info Archipelagos (mehr dazu in 4.4.1).
Bis jetzt haben leider immer noch fast ausschließlich amerikanische Biblio-
theken die Möglichkeit, das Potential der virtuellen Welt auszuprobieren, genutzt. Aus
Europa finden sich nur vereinzelt virtuelle Bibliotheken in Second Life, dazu gehören
verschiedene Sprachzentren (niederländische, deutsche, portugiesische, skandinavische,
spanische, italienische und französische Niederlassungen), Universitätsbibliotheken
beispielsweise von Dublin oder Zagreb, öffentliche Bibliotheken wie die Bibliotheek

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Amsterdam, die West of Ireland Library und eine Niederlassung der bayrischen Staats-
bibliothek (vgl. Infoisland 2009). Ende Jänner 2009 waren 134 Bibliotheken im Ver-
zeichnis des Infoarchipelagos registriert (vgl. ebd.).
Zur Frage, wieso kaum deutschsprachige Bibliotheken den Schritt in Second
Life gewagt haben, meint Tan (vgl. Jacob & Tan 2007), der Informationsbedarf im
deutschsprachigen Bereich sei noch sehr hoch. Die Parallelwelt ist zwar bekannt und
viele bekannte Unternehmen haben versucht, Second Life als Marketingmöglichkeit zu
nutzen, aber viele Firmen haben das Experiment enttäuscht beendet:
Für die meisten hat es sich nicht gelohnt, weil die Unternehmen keine guten
Konzepte für Second Life-Projekte hatten, sich zum Beispiel in Second Life nur
ein Gebäude aufbauten und sich nachher nicht darum kümmerten. Wenn man ei-
ne Bibliothek in Second Life aufbauen will, bedeutet das nicht nur ein Gebäude
in den virtuellen Raum zu stellen, sondern auch, dass man dort entsprechende In-
formationsangebote anbietet. Dafür ist die Kreativität der Bibliothekare gefragt.
(ebd.)
Der Bereich Bibliotheks- und Informationswesen in Second Life hat sich im europäi-
schen Bereich noch eher zurück gehalten. Dies erscheint höchst verwunderlich, da zu-
mindest im Februar 2007 über 54% der aktiven UserInnen aus dem europäischen Raum
stammten (vgl. Reuters 2007). Für die Diskrepanz mag es zwei Gründe geben: einerseits
die vermehrt negative Berichterstattung in der Presse und andererseits die Barrieren
durch die technischen Anforderungen (vgl. ebd.). Zudem nimmt die sinnvolle Ausei-
nandersetzung mit Second Life natürlich einiges an personellen Ressourcen in An-
spruch. Doch insbesondere an Second Life interessierte Bibliothekseinrichtungen haben
nun einen entscheidenden Vorteil: sie könnten von den Erfahrungen der amerikanischen
KollegInnen profitieren; auf Infoisland finden regelmäßig Workshops beziehungsweise
Präsentationen für EinsteigerInnen statt.

4.2 Dienste von Bibliotheken in Second Life 

Im Dienstangebot unterscheiden sich die virtuellen Nachbildungen nicht von den realen
Bibliotheken: beide bieten in erster Linie Informationen und entsprechende Serviceleis-
tungen an. Einzig die Möglichkeiten in der Parallelwelt sind vielfältiger.

Verena Loibner  Seite 31 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

4.2.1 Medienangebot 

Oftmals wird ein Lesesaal mit Bücherregalen nachgebildet wobei verschiedene Objekte
mit Links zu Websites versehen sind, beispielsweise die Abbildung eines Computers
der den Webbrowser mit der Homepage der jeweiligen Bibliothek verbindet, so gesehen
bei der virtuellen Version der Bayerischen Staatsbibliothek.
Tan (vgl. 2007: 48) befasst sich unter anderem mit der zu Recht gestellten
Frage, wieso man diese etwas umständliche Art, auf die Homepage zu gelangen, über-
haupt in Second Life eingebaut hat, da es mit dem Webbrowser einfacher zu bewerk-
stelligen wäre – in anderen Worten: wozu eine virtuelle Bibliothek errichten, wenn die
Informationen auch klassisch über das Internet abrufbar sind?
Gründe, die dafür sprechen, sind gegeben. Erstens funktioniert Kommunika-
tion beziehungsweise Informationsvermittlung am besten in einem adäquaten Umfeld,
in diesem Fall durch die Schaffung von Bibliotheksatmosphäre und teilweise durch
face-to-face-Kommunikation mit Bibliothekarsavataren. Zweitens bietet Second Life
eine interessante Möglichkeit Bibliotheksdienste neu und ansprechend zu präsentieren
(vgl. ebd.).
Der dritte und wahrscheinlich bedeutendste Aspekt ist die Dreidimensionali-
tät an sich: Buzinkay (2007: 108) berichtet, dass viele Second Life BenutzerInnen die
virtuelle Welt gerne als Shoppingmöglichkeit nutzen. Durch die Nachbildung tatsächli-
cher Geschäfte wird die Atmosphäre des gemütlichen Bummelns erzeugt – demgegen-
über steht das gezielte Bestellen von Gütern mit Hilfe zweidimensionaler Webseiten.
Dieser Vergleich kann ebenso für BibliothekskundInnen heran gezogen werden: genüss-
liches Stöbern im dreidimensionalen (virtuellen) Bibliotheksraum und gezieltes Recher-
chieren auf der zweidimensionalen Homepage. Durch die Erweiterung des Angebotes
auf virtuelle Standorte wird, ganz im Sinne von Library 2.0 und auch Brombergs Ansatz
der Bibliothek als Third Place (vgl. Kapitel 3.2.1 Third Place und 3.2.2 Library 2.0),
ein weiterer Schritt auf die KundInnen zu gemacht.

Verena Loibner  Seite 32 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Die in der virtuellen Welt nachgebildeten Bücherregale können, außer mit der
Homepage der jeweiligen Bibliothek, auch auf andere Art verlinkt werden, nämlich in
Zusammenhang mit den zu Grunde liegenden Medien. Tan (vgl. 2007: 49) nennt drei
Möglichkeiten:
• das direkte Verlinken gescannter Buchdeckel und Buchrücken mit
den jeweiligen OPAC-Daten inklusive der Möglichkeit das Buch
gleich zu entlehnen,
• das Nutzen der Notecard Funktion (bei Anklicken werden Dateien
zum Download angeboten) für Zusammenfassungen beziehungsweise
Rezensionen zum Buch oder
• das Lesen von eingescannten Probeseiten beziehungsweise Blättern
im Buch, dabei müssen zuvor allerdings die Copyright Bestimmun-
gen geklärt werden.
Neben Verlinkungen auf Webseiten könnte die Informationseinrichtung Bib-
liothek auch aktuelle Informationen anbieten, beispielsweise über RSS (vgl. 3.2.2 Lib-
rary 2.0). Tan (2007: 50) bezieht sich hierbei auf die Möglichkeit, die Nachrichten auf
einer virtuellen Leinwand zu präsentieren. Dies gelingt auch durch eine eigens von der
Nachrichtenagentur Reuters entwickelte Anzeigetafel.
Weitere Multimediadienste, die in Second Life abrufbar sind, wären Audio-
und Videodateien, die sich mittels Streaming Technologie ohne Download sofort im
Browser abspielen lassen (vgl. 2007: 52-53). Beispiele für Audiodateien wären Benut-
zungshinweise oder die Beantwortung oft gestellter Fragen (zum Beispiel Homepage
der Bibliothek der Helmut Schmidt Universität Hamburg: http://www.hsu-
bibliothek.de/), wohingegen Videodateien eine Führung durch die reale Bibliothek bie-
ten könnten.
Bell et.al. (vgl. 2007: 16) nennen als zusätzliche Medien Online-Quellen,
wobei von BibliothekarInnen Hilfestellung angeboten werden kann:
Libraries should be prepared to assist virtual residents in finding and evaluating
online information. We strive to give them independence, bolster their confi-
dence in using the Internet, and provide access to high-quality information re-
sources. (Bell et.al. 2007: 16)

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Dabei stellt sich erneut die viel diskutierte Frage, ob die bibliothekarische Erschließung
von Informationen auf das Medium Internet ausgeweitet werden soll.

4.2.2 direkte Auskunft 

Neben der Literaturversorgung ist Literaturinformation die zweite wichtige Aufgabe


von Bibliotheken. Der persönliche Auskunftsdienst ist heutzutage in verschiedenen
Formen möglich: Informationsschalter, telefonische oder E-Mail Auskunft sowie Instant
Messaging Dienste (zum Beispiel Homepage der Bibliothek der Helmut Schmidt Uni-
versität Hamburg: http://www.hsu-bibliothek.de/).
Eine weitere Variante ist die Befragung von Bibliotheksavataren in Second
Life. Durch die Abbildung der realen Bibliothek und die daraus resultierende Schaffung
eines adäquaten Umfelds, wird für BenutzerInnen die erfolgreiche Informationsaufnah-
me erleichtert (vgl. Tan 2007: 57-58). Gleichzeitig spielt diese face-to-face-
Kommunikation eine große Rolle auf der Beziehungsebene, da sie eher der direkten
Auskunft am Informationsschalter in der realen Bibliothek als telefonischer Auskunft
oder E-Mail beziehungsweise Instant-Messaging-Diensten ähnelt (vgl. ebd.).
Alternativ zu realen Personen im Auskunftsdienst von Second Life Bibliothe-
ken stellt Tan (vgl. 2007: 60-61) Chatbots vor. Chatbots sind Programme mit einer
bestimmten Wissensbasis, aus der sie bei der Beantwortung von an sie gestellten Fragen
schöpfen können. Ein gutes Beispiel wäre ein Chatbot in Gestalt einer jungen Frau na-
mens Stella auf der Homepage der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg
(http://www.sub.uni-hamburg.de/), welche ihre Antworten mit entsprechender Gestik
versieht (vgl. 2007: 40). Chatbots könnten zusätzlich zu echten Personen im virtuellen
Auskunftsdienst genutzt werden, um auch in unbesetzten Zeiten die Beantwortung von
klassischen Fragen zu gewährleisten.

Verena Loibner  Seite 34 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

4.2.3 die Bibliothek als Kommunikations‐ und Lernplattform 

Wie bereits im Kapitel 2.5 festgestellt wurde, eignet sich Second Life als Treffpunkt für
Schulungen und Veranstaltungen. Für solcherlei Vorhaben bieten sich natürlich vor
allem virtuelle Bibliotheken als in Multimedia Belangen erfahrene Einrichtungen an.
Auf Info Island gibt es beispielsweise regelmäßige Buchbesprechungen, die bayerische
Staatsbibliothek bietet einen Konferenzraum beziehungsweise Platz im Innenhof des
virtuellen Gebäudes speziell für derartige Veranstaltungen an. Peters (2007: 25-26) er-
wähnt auch spezielle von Bibliothekarsavataren angebotene Workshops in Second Life,
durch welche Neulinge (sogenannte Newbies) vertrauter im Umgang mit ihren Avataren
und der virtuellen Welt an sich gemacht werden beziehungsweise Unterstützung im
Aufbau eigener Einrichtungen bekommen.

4.2.4 Ausstellungen und Events 

Ergänzend sind auch virtuelle Ausstellungen unbedingt zu erwähnen, wie sie bei-
spielsweise in der virtuellen Bayerischen Staatsbibliothek zum Thema „450 Jahre Baye-
rische Staatsbibliothek“ erstellt wurden. Ein Beispiel hierfür wäre ebenso die bekannte
Ausstellung zu den Werken Van Goghs, in der es Avataren möglich gemacht wird, die
Bilder dreidimensional zu erleben, das heißt sie zu betreten.
Peters (2007: 27-29) erinnert auch an die von virtuellen Bibliotheken viel ge-
nutzte Möglichkeit, Second Life als Plattform für Events zu nutzen. Dies können Buch-
diskussionen sein, aber auch Diskussionsrunden, Konferenzen und Interviews mit Auto-
rInnen. Eine weitere ebenso interessante wie aufsehenerregende Variante wäre im Rah-
men von Literaturveranstaltungen der Bibliothek eine virtuelle Theateraufführung zu
organisieren, beispielsweise mit der Second Life Shakespeare Company
(http://slshakespeare.com/ [Stand: 02.01.2009]).

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

4.2.5 Teen Second Life 

Abgesehen von der für Erwachsene vorgesehenen virtuellen Welt gibt es auch ein Se-
cond Life für Teenager (13-17 Jahre) (vgl. Peters 2007: 30-31). Da sich speziell jünge-
re Generationen von virtuellen Welten angezogen fühlen, könnte man überlegen, die
Dienste der jeweiligen Einrichtung auf Teen Second Life anzubieten und damit eventu-
elle Bedürfnisse der jüngeren BenutzerInnen abzudecken.

4.3 Bibliothekare in Second Life 

Tan (vgl. 2007: 63) stellt fest, dass sich die Arbeit der virtuellen Bibliothekare nicht
sehr von der realer unterscheidet. Beide Gruppen betreuen Informationsdienstleistun-
gen, Schulungen, Gestaltung und Planung von Veranstaltungen sowie Marketing und
Entwicklung der bibliothekarischen Angebote.
Dennoch ergeben sich Besonderheiten in ein paar Aspekten (vgl. Bell et.al.
2007: 18). Die Arbeit in Second Life ermöglicht einen Heimarbeitsplatz. Die Kom-
munikation muss effektiver sein als am Informationsschalter im realen Bibliotheksge-
bäude, schließlich steht den Bibliotheksavataren nur die Tastatur zur Verfügung. Trotz
face-to-face-Kommunikation können sie nicht aus der Körpersprache der KundInnen
lesen beziehungsweise sich selbst nur unter zusätzlichem Aufwand der Gestik und Mi-
mik bedienen. Auch müssen die virtuellen MitarbeiterInnen technisches Verständnis
und die Bereitschaft, stets weiter zu lernen, mitbringen sowie generelles Interesse an
Second Life, da viele KundInnen ihre diesbezüglichen Fragen auch an die Bibliotheka-
rInnen stellen.
Die größte Herausforderung bildet natürlich die personelle Besetzung von
Bibliotheken in Second Life. Um einen 24/7 Dienst zu ermöglichen müssen schließlich
ausgebildete Kräfte beschäftigt werden, wodurch es zu drastischen Kostensteigerungen
kommen kann. Dieses Problem wurde durch die globale Zusammenarbeit von Biblio-
thekarInnen behoben: auf freiwilliger Basis werden wöchentlich pro teilnehmender Per-
son zwei Stunden in den virtuellen Bibliotheksdienst investiert. Bell, Pope und Peters

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

(vgl. 2007) berichten von über 200 BibliothekarInnen, die sich weltweit für das Funkti-
onieren der virtuellen Informationseinrichtungen engagieren.
Dabei können natürlich nicht alle Bibliotheken betreut werden; viele bleiben
unbesetzt. Die meisten BewohnerInnen jedoch schätzen persönlichen Kontakt (vgl. Bell
et.al. 2007: 17) beziehungsweise die Möglichkeit sich mit ihren Fragen direkt an eine
Person richten zu können. Ein Kompromissvorschlag wäre, pro Woche ein paar Stun-
den an virtuellem Online-Auskunftsdienst in der eigenen Bibliothek zu investieren und
diese Zeiten bekannt zu geben, um interessierten BewohnerInnen auch diesen Service
zu bieten.

4.4 Niederlassungen in Second Life 

4.4.1 Info Archipelago 

Die Insel, auf der sich in Second Life die meisten, teils kostenpflichtigen (vgl. Buzinkay
2007: 108), Bibliotheksdienste angesiedelt haben, ist Info Island. Auf diesem Eiland,
welches eigens für Informationsdienste errichtet wurde, finden sich unterschiedlichste
Angebote: die ICT Library, das Genealogy Ressource Center, ein Portal für Science
Fiction und Fantasy Begeisterte, Mystery Manor (für Anhänger des Mystery Genres),
eine Library Art Gallery, einen Park mit Infos zu den Weltreligionen, u.v.m.
Info Island, welche täglich bis zu 6.000 BesucherInnen empfängt (vgl.
Greenhill 20081: 4), gehört zu dem Info Archipelago, welches aus über 20 Bibliotheks-
inseln und zusätzlichen Partnerinseln besteht (vgl. Bell et.al. 2007: 16; Peters 2007: 21);
darunter finden sich die folgenden virtuellen Inseln: Info Island, Info Island 2, HealthIn-
fo Island, Cybrary City, Cybrary City 2, EduIsland, Renaissance Island, Imagination
Island und Arts Island (vgl. Bell, Pope & Peters 2007). Info Island 2 beherbergt allerlei
Ausstellungen, Cybrary City ermöglicht es lokalen Bibliotheken eine Stelle in Second
Life zu errichten, außerdem beherbergt es den beliebten Reader’s Garden (Treffpunkt
für Buchbesprechungen), und Cybrary City 2 ist für größere Bibliotheksorganisationen
vorgesehen. Zusätzlich gibt es spezialisierte Bibliotheksinseln: HealthInfo Island betreut

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

den medizinischen Bereich und Imagination Island bietet spezielle Angebote für Kinder
an. Erwähnenswert sind auch Caledon Victoria City – eine im Stil des 19. Jahrhunderts
errichtete Stadt in der man sich auch zeitgemäß kleiden kann – und die dazu gehörende
Bibliothek.

4.4.2 Caledon Library 

Abb. 3 [Caledon Library – Außenansicht, 21.01.2009]

Die Caledon Library bietet Informationen rund um die (britische) Literatur und Ge-
schichte sowie Kultur des 19. Jahrhunderts. Diese Informationen werden durch Mou-
seclicks auf an den Wänden hängende Poster angeboten, wodurch man auf die jeweilige
Website geführt wird. BesucherInnen sind auch eingeladen Tipps für Links oder Erwer-
bungsvorschläge abzugeben.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Ein besonderes Highlight stellt der Tisch mit ausgewählten Werken aus bzw.
über das 19. Jahrhundert dar. Beispielsweise ist es möglich, in einer digitalisierten
Übersetzung von Goethes Faust zu lesen oder mittels Notecards in Kapitel aus Emily
Thornwells Guide to Perfect Gentility zu schmökern.

Abb. 4 [Caledon Library – Medientisch, 21.01.2009]

Ein zweiter Tisch bietet unter anderem einen Link zu Blogs für Interessierte.
Caledon Library stellt eine liebevoll gestaltete rein virtuelle Bibliothek dar,
welche auch, wie Peters (vgl. 2007: 31) betont, oftmals Diskussionsrunden und Buchbe-
sprechungen organisiert. Ein nettes Detail an dieser außergewöhnlichen Bibliothek ist
die an das 19. Jahrhundert angepasste Sprache, zum Beispiel „Pray touch this sign to be
transported thither“.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

4.4.3 Outdoor Tendenzen 

Greenhill (vgl. 20081: 12-13) beobachtet die Evolution der Bibliotheksgebäude in


Second Life. Anfangs glichen die virtuellen Informationseinrichtungen den realen Bau-
ten – Avatare mussten Türen und Treppen benutzen um in die Gebäude zu gelangen.
Dies entpuppt sich speziell für Anfänger die das Navigationstool erst kennen lernen
müssen als eine Herausforderung. Mittlerweile hat man vielerorts umgedacht: bei-
spielsweise das Welcome Center auf Info Island ist nicht durch Mauern beschränkt,
sondern es besteht aus einer Plattform mitten auf der Wiese. Ein Mitgrund ist sicherlich,
dass die Planung beziehungsweise Errichtung von ganzen Gebäuden zeitintensiver ist,
als einfach ein paar Infowände hochzuziehen.

Abb. 5 [Welcome Center auf Info Island, 29.06.2008]

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

4.5 Probleme 

Problematisch für den Erfolg von Bibliotheken in Second Life sind vor allem die bereits
genannten, allgemeinen Probleme von Second Life: die technischen Anforderungen
(ein leistungsstarker Rechner und eine schnelle Internetverbindung). Doch andererseits
sollte dieser Einwand keine allzu lange Gültigkeit mehr haben, da neue Rechner immer
besser ausgestattet und schnelle Internetverbindungen von Jahr zu Jahr günstiger ange-
boten werden.
Bell, Pope und Peters (vgl. 2007) identifizieren zusätzlich einen Nachteil, der
eigentlich als Vorteil angesehen wird: Second Life macht Spaß. Dadurch werden die
mit viel Arbeit und Engagement verbundenen in der Parallelwelt angebotenen Dienst-
leistungen oft nicht als solche wahrgenommen. Aber was könnte mitreißender oder
spannender sein, als Dienstleistungen als vergnüglich zu erleben?
Wie bereits behandelt, stellt auch die personelle Besetzung der virtuellen
Zweigstellen ein Hindernis dar. Zum gewohnten Informationsangebot einer Bibliothek
gehört schließlich persönliche Beratung durch kompetente BibliothekarInnen. Die um-
fassende Betreuung der virtuellen KundInnen ist durch eine damit einhergehende Perso-
nalkostenexplosion nicht möglich.
Doch wenn man nicht die unrealistische Zielsetzung, jeden virtuellen Biblio-
theksstandort mit 24/7 Diensten zu besetzen, hingibt, könnte man durch die bereits
fruchtbringende internationale Zusammenarbeit der Bibliotheken zumindest einen
oder einige Standorte ständig besetzt halten. Auf die jeweiligen diensthabenden Stellen
kann durch dementsprechende, stets aktuell gehaltene Anschläge in der eigenen virtuel-
len Bibliothek verwiesen werden – vielleicht sogar mit dem Angebot gezielter Telepor-
tation zum nächsten gerade diensthabenden Bibliotheksavatar in dessen virtuelle Biblio-
thek. Dieses Vorgehen würde einige Vorteile bringen: Stärkung der bibliothekarischen
Zusammenarbeit weltweit, umfassende Serviceleistung für die BenutzerInnen, intensi-
vierte Knüpfung von individuellen Kontakten und zusätzlich das Kennenlernen von
vorher vielleicht unbekannten Bibliotheksstellen in Second Life beziehungsweise eine
Chance für teilnehmende Bibliotheken ihren Bekanntheitsgrad zu steigern.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Außerdem betrachten viele Vorgesetzte die Arbeit in Second Life oft nicht als
Arbeit sondern eher als Freizeitvergnügen (vgl. Bell et.al. 2007: 18) wenn nicht gar als
pure Zeitverschwendung (vgl. Herring 2007: 59). Dem könnte man entgegen halten,
dass die Betreuung von KundInnen in Second Life nur durch einen anderen Kommuni-
kationskanal geschieht – an der eigentlichen Bibliotheksarbeit ändert sich nichts. Es
macht keinen grundlegenden Unterschied, ob auskunftsgebende Bibliotheksmitarbeite-
rInnen nun am Telefon, im Chat oder in einer virtuellen Welt agieren.
Zudem bemängeln Bell, Pope und Peters (vgl. 2007) die eingeschränkten
Trainingsmöglichkeiten zu Second Life. Die Bibliothek kann zwar einen Guide auf der
Homepage anbieten, aber die User müssen das Programm selbst aus dem Internet herun-
ter laden und auch den Einstieg allein meistern. Schulungen machen eher innerhalb der
virtuellen Welt Sinn. All dies kann für unerfahrene BenutzerInnen schwierig bezie-
hungsweise frustrierend sein.
Dennoch sollte man meinen, dass Bibliotheken, die für ihre KundInnen ohne-
hin jahrelange Erfahrung im Bereich Benutzungsschulungen für ihre klassischen Diens-
te haben, auch für den Bereich Second Life oder virtuelle Welten im Allgemeinen an-
sprechende Schulungsmodelle entwerfen könnten. Dies gilt zumindest für Bibliothe-
ken, welche die Errichtung von virtuellen Standorten erwägen.

4.6 Empfehlungen 

Wie die internationale Presse in letzter Zeit vermehrt berichtet, sei der Hype um Second
Life vorerst abgeflaut; viele Unternehmensstandorte wurden entweder gelöscht oder
sind verwaist (vgl. Dell 2007; DPA und Thomas Cloer 2008). Dennoch sollte die Idee
einen Standort in Second Life zu errichten nicht leichtfertig verworfen werden, da
Firmen, im Gegensatz zu Bibliotheken, kommerziell orientiert sind und sich günstigerer
Online-Vertriebsmöglichkeiten bedienen können. Die Zahl in Second Life registrierten
NutzerInnen steigt kontinuierlich: Ende Jänner waren es 12.265.829 (vgl. Linden Re-
search 20087, Daten vom 31. Jänner 2008) und Anfang Juli bereits 14.289.487 (vgl.
Linden Research 20078, Daten vom 8. Juli 2008) registrierte Second Life BewohnerIn-

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

nen – innerhalb von etwas mehr als fünf Monaten haben sich knapp über 2 Millionen
neue NutzerInnen registrieren lassen. Virtuelle Welten sind die Zukunft und auch wenn
nicht Second Life das Produkt der Zukunft sein wird, so sind erworbene Erfahrungen in
diesem Gebiet absolut unbezahlbar.
Capps (vgl. 2007: 6) hat ein paar Empfehlungen gesammelt:
• Don’t build a presence just to be there: Das Ziel sollte nicht nur ei-
ne Präsenz in Second Life sein, sondern eine Weiterentwicklung der
Service- und Produktpalette. Außerdem ist Öffentlichkeitsarbeit un-
umgänglich um die Einrichtung auch außerhalb der virtuellen Welt
bekannt zu machen beziehungsweise neues Publikum zu erreichen.
Dem schließt sich auch Peters (2007: 10) an:
Many organizations initially assume that creating a built space is the
key way to achieve this type and level of organizational presence.
On a small scale, offices were built and office hours were an-
nounced. On a large scale, the New Media Consortium (NMC), a
consortium of over 200 institutions of higher education and related
institutions, is pursuing an aggressive plan to create and build out
and equip a teaching, learning, research, and service “campus” in
SL. Unfortunately, in Second Life, if you build it, they may not nec-
essarily come. It takes more than an attractive built space to generate
usage by avatars. Events, exhibits, organized sets of resources and
tools, immersive information and learning experiences, and other in-
teractive activities are needed to energize each built space.

• Do try to offer some value to the community other than just a


product: Es hat wenig Sinn, nur ein Produkt anzubieten, das es wo-
möglich auch in der realen Welt zu erwerben gibt. Stattdessen sollte
Kreativität für echte Novitäten eingesetzt werden.
• Do keep it fresh: Die Einrichtungen sollten nicht verwaisen bezie-
hungsweise veraltete Informationen oder Links beinhalten. Man muss
Zeit investieren und die virtuelle Entsprechung aktuell halten.
• Don’t expect a direct link to sales in the real world: Hier bezieht
sich Capps direkt auf die Effektivität einer Filiale in Second Life. Auf

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

diese Empfehlung wird erst nach der Auswertung der Studie einge-
gangen werden.
All dies muss vor der Investition von Zeit und Geld in die Unternehmung „Bibliothek in
Second Life“ beachtet werden.
Greenhill (20081: 12), welche zum einen die Einrichtung Australian Libraries
auf Cybrary City II sowie die Murdoch University Library betreut, empfiehlt die Be-
antwortung folgender Fragen, bevor man eine Präsenz in Second Life in Erwägung
zieht:
1. Are my users likely to be in Second Life? Ever?
2. Are my library services ever likely to be delivered using a MUVE interface?
3. Do a significant proportion of my users spend time gaming on their PC?
4. Do we have the money, time and staffing to run a virtual branch?
5. Is the brief of my parent organisation to be innovative or experimental or to
conduct research?
6. Will there be significant marketing advantages from having a branch in
Second Life?
7. Is the library able to offer access to Second Life for users from PCs within
our building?
8. Is the library able to offer training for users to access Second Life?
9. Are any services planned in Second Life also available using another me-
dium if possible?
10. Are staff willing to accept that this is both an experimental and a production
environment, and to accept that some things may not work, while simulta-
neously striving to create a professional environment?
Vor dem Kauf eines Grundstückes beziehungsweise kostspieliger Planung und Errich-
tung eines Gebäudes oder gar einer ganzen Insel besteht die Möglichkeit, zuerst nur ein
Gebäude zu mieten um die Funktionalität Second Lifes für die eigenen Bedürfnisse
beziehungsweise Ideen zu testen. Wenn dieses Projekt zur Zufriedenheit ausgefallen
ist, kann immer noch die tatsächliche Realisierung eines Gebäudes erwogen werden.
Eine weitere Möglichkeit wäre die Lösung, welche viele kleinere (amerikani-
sche) Bibliotheken gewählt haben (vgl. 2008: 4). Im Austausch für zwei Stunden frei-

Verena Loibner  Seite 44 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

williger Bibliotheksarbeit in Second Life bekommen sie von Alliance Library Systems
ein kleines Stück Land und ein Gebäude kostenlos zur Verfügung gestellt um ihre Be-
stände und Serviceleistungen auch virtuell anbieten zu können.
Wenn sich in Europa eine bibliothekarische Dachorganisation fände, die
sich für Bibliotheksdienste in Second Life interessierte, wäre ein derartiges Arrange-
ment durchaus realisierbar und böte eine gute Gelegenheit, mit geringen finanziellen
Mitteln erstmals Erfahrungen zu sammeln. Diese Dachorganisation könnte sich an der
Organisationsarbeit von Alliance Library Systems orientieren und auf diese Weise in-
ternationale bibliothekarische Zusammenarbeit stärken. Wobei natürlich auch eine
Möglichkeit darin bestünde, europäische Bibliotheken zuerst in die Arbeit von Alliance
Library Systems zu integrieren und erst dann einen eigenen Versuch in Zusammenarbeit
mit der amerikanischen Organisation zu wagen. In jedem Fall würde die Bibliotheken-
landschaft davon profitieren, einerseits durch den Ausbau des Angebotes, andererseits
durch ein neues und gestärktes Gefühl der Zusammengehörigkeit als BibliothekarInnen.

Verena Loibner  Seite 45 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

B. Praktischer Teil 

5. Zielsetzung und verwendete Methoden 

Wie bereits im Einleitungskapitel beschrieben wurde, untersucht diese Master Thesis


die Effektivität eines Eintrittes in Second Life für die reale Bibliothek. Interessant sind
hierbei die Eindrücke von VertreterInnen ausgewählter Bibliotheken, die bereits einen
Standort in Second Life errichtet haben. Diese Eindrücke und Meinungen werden mit-
tels Befragungen in Case Studies gesammelt und ausgewertet.
Vor Durchführung der Case Studies, welche sich um Einrichtungen, die be-
reits Erfahrungen mit Second Life gesammelt haben, drehen, wurde ein online Fragebo-
gen erstellt und an österreichische Bibliotheken, von denen noch keine in der virtuellen
Welt vertreten ist, ausgeschickt.

5.1 Fragebogen 

5.1.1 Darlegung der Vorgangsweise 

Das Ziel des Online Fragebogens war es, ein Meinungsbild der österreichischen Bib-
liotheken in Second Life zu erstellen und geäußerte Befürchtungen in Bezug auf einen
Einstieg in die virtuelle Welt zu sammeln, um sie in den anschließenden Case Studies
zu erörtern. Wie bereits an einer früheren Stelle dieser Arbeit festgestellt, verhalten sich
deutschsprachige, insbesondere österreichische, Bibliotheken im Hinblick auf Einstiege
in Second Life eher zurückhaltend. Im Vergleich zu dem Engagement amerikanischer
Bibliotheken (siehe 4.4.1 Info Archipelago) sticht diese Scheu besonders hervor.
Der Fragebogen (siehe Anhang, 9.1 Fragebogen) umfasst insgesamt 18 Fra-
gen. Die ersten fünf erheben allgemeine Daten zu den jeweiligen Bibliotheken, die dar-
auf folgenden zwölf widmen sich dem Thema Second Life und das letzte Item bietet die
Möglichkeit für allgemeine Anmerkungen zum Thema Bibliotheken in Second Life. Die
ersten elf der themenbezogenen Fragen sind typische geschlossene Fragen mit offenen
Feldern für die jeweiligen Antworten. Die zwölfte Frage bezieht sich dezidiert auf

Verena Loibner  Seite 46 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Gründe, welche gegen ein Engagement in Second Life sprechen, und ist deshalb offen
gestellt.
Die Befragungsgruppe bestand aus über 50 inländischen wissenschaftlichen
und öffentlichen Bibliotheken, die Ende August 2008 keinen virtuellen Standort in Se-
cond Life errichtet hatten. Diese Auswahl ergibt sich zum einen aus der Größe vieler
öffentlicher Bibliotheken, da es wahrscheinlicher ist, dass sich Bibliotheken mit einem
größeren Medienbestand überlegen, auf die Möglichkeiten von Second Life zu bauen.
Deshalb wurden die Nationalbibliothek Österreichs, Landesbibliotheken und Stadtbib-
liotheken der Hauptstädte kontaktiert. Zum anderen wurden speziell wissenschaftliche
Bibliotheken ausgewählt, da ihre KundInnen Großteils aus Studierenden bestehen und
man jüngeren Generationen eher eine gewisse Affinität zum Medium Internet zuspricht
(vgl. Robinson 2008: 67). Daraus ergab sich die Befragung von Bibliotheken österrei-
chischer Universitäten, Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen.
Durchgeführt wurde die Befragung mittels des online Tools
www.kwiksurveys.com. Der Link zu dem Fragebogen wurde wiederum durch ein E-
Mail mit dem Betreff „Bibliotheken in Second Life - schön und gut, aber was bringen
sie?“ und einer kurzen Vorstellung des Themas und der Arbeit an die jeweiligen Direk-
torInnen und LeiterInnen der Einrichtungen versandt. Der Befragungszeitraum erstreckt
sich von 18. August 2008 bis zum Erhalt der letzten Antwort am 16. September 2008.
Insgesamt 14 TeilnehmerInnen benutzten das online Tool, drei TeilnehmerIn-
nen bedienten sich nach Rücksprache des Fragebogens als Word Dokument und zwei
lieferten ihre Antworten als Statement im E-Mail. Daraus ergeben sich 19 an der Befra-
gung teilnehmende Organisationen.

5.1.2 Darlegung der Ergebnisse 

Betrachtet werden in diesem Kapitel die zwölf Fragen zum Thema ‚Second Life und
Bibliotheken’ sowie die allgemeinen Anmerkungen (zugehörige Tabellen im Anhang,
9.2 Ergebnisse des Fragebogens) unter Ausklammerung der allgemeinen Angaben in
den ersten fünf Fragen.

Verena Loibner  Seite 47 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

1. Empfinden Sie Second Life als zukunftsbestimmend am Informationssek-


tor?
Ein großer Teil der Befragten, nämlich 58%, empfinden Second Life als nicht
zukunftsbestimmend am Informationssektor, wohingegen 16% durchaus an eine
Zukunft von virtuellen Welten im Informationssektor glauben. Eine der teilneh-
menden Bibliotheken baut hierbei auf den Aspekt des Community Buildings be-
ziehungsweise auf den user generated content, den auch Tools von Library 2.0
inne haben.
2. Haben Sie sich über einen Einstieg (Ihrer Bibliothek) in Second Life infor-
miert?
Der Großteil der teilnehmenden österreichischen Bibliotheken (74%) hat sich
nicht über einen Eintritt in Second Life informiert.
3. Ist ein Eintritt Ihrer Bibliothek in Second Life geplant?
Diese Frage beantworteten 95% der teilnehmenden österreichischen Bibliothe-
ken mit ‚Nein‘. Eine einzige Bibliothek plant nach eigenen Angaben, in die vir-
tuelle Welt einzusteigen.
4. Stehen Sie als RepräsentantIn Ihrer Bibliothek der virtuellen Welt Second
Life positiv gegenüber? Bitte um Begründung.
Bei dieser Frage ergaben sich unterschiedliche Tendenzen. 26% beantworteten
diese Frage positiv; als Gründe wurde die Attraktivität neuer Welten, Second Li-
fe als interessante Spielerei, die Möglichkeit neuer Services beziehungsweise
neuer NutzerInnengruppen und auch die Eignung als Marketinginstrument ge-
nannt. Als problematisch wird dennoch die Verwaltung der Nutzerrechte (open
access) in der virtuellen Welt gesehen.
Demgegenüber stehen immerhin 47% die sich definitiv gegen die virtuelle Welt
Second Life richten; davon sehen 56% keinen Nutzen, einen Standort in Second
Life zu errichten, je 22% empfinden die Pflege der realen Bibliothek als wichti-
ger als einen virtuellen Standort und glauben, dass ihre KundInnen nicht in Se-
cond Life vertreten sind.
26% zeigten sich unentschlossen; die Begründungen variieren: Abwägung der
Kosten-Nutzen-Faktoren, die Feststellung, dass man sich anpassen müsste, wenn

Verena Loibner  Seite 48 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

die KundInnen Second Life nutzen würden und der Aussage, dass Second Life
derzeit noch kein Thema in der Community des Bibliothekswesens sei.
5. Schätzen Sie das Interesse Ihrer KundInnen an Second Life als hoch ein?
53% der Teilnehmer schätzen das Interesse ihrer KundInnen an Second Life als
nicht hoch ein, 5% schätzen das Interesse ihrer KundInnen an Second Life
durchaus als hoch ein und 42% sind diesbezüglich unentschlossen. Als Begrün-
dung wurde verschiedenes angeführt: von BenutzerInnenseite ist noch keine An-
frage diesbezüglich gekommen, das Interesse wird derzeit als nicht sehr hoch
eingeschätzt, die Nachfrage würde steigen wenn auch Teile des Studiums in Se-
cond Life eingegliedert würden und die Unterscheidung zwischen StudentInnen,
die gerne am Campus lernen (niedrigeres Interesse), und denjenigen, die sich
nicht so oft auf dem Campus aufhalten (höheres Interesse).
6. Empfinden Sie Second Life als zukunftsorientierte Möglichkeit neue Kun-
dInnen zu erreichen?
Die Mehrheit, nämlich 42%, empfindet Second Life als zukunftsorientierte
Möglichkeit neue KundInnen zu erreichen. 37% stimmen dem nicht zu und 21%
zeigen sich unentschlossen. Abermals wird Second Life bei den ergänzenden
Bemerkungen als eher ansprechend für jüngere NutzerInnen genannt, eine Ein-
richtung beharrt auf ihren klar abgegrenzten KundInnenstamm, wodurch sich die
Notwendigkeit, neue KundInnen zu erreichen, nach Meinung der/des Repräsen-
tantIn nicht ergibt, und für eine Bibliothek würde Second Life zumindest einen
kleinen KundInnensektor erreichen. Eine weitere Bemerkung, welche eine inte-
ressante Idee darstellt, betrifft die Errichtung einer deutschsprachigen Bibliothek
in Second Life, zu der andere ihre ergänzenden Bestände stellen würden; somit
würde der Ressourcenverschwendung durch Literaturdoppelung Einhalt gebo-
ten.
Diese Idee könnte eventuell von dem Verbund österreichischer Bibliotheken
aufgegriffen werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: für einzelne Bibliotheken
geringerer Aufwand in finanzieller und personeller Hinsicht bis hin zu gar kei-
nem Aufwand, wenn die Daten des Verbundkataloges übernommen würden. Zu
bedenken bleibt hierbei allerdings der Verlust der Identifikation mit einzelnen

Verena Loibner  Seite 49 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Einrichtungen beziehungsweise der Verlust der Services wie spezifische Aus-


kunft in Second Life, da eine Stelle schwerlich Informationen beispielsweise
über die Entlehnmodalitäten aller teilnehmenden Bibliotheken geben kann.
7. Bietet Ihnen der Eintritt in die virtuelle Welt Second Life die Möglichkeit,
sich im Internet als Informationslieferant neu zu positionieren?
47% sehen in dem Eintritt in Second Life keine Möglichkeit für eine Neupositi-
onierung; eine Bibliothek meint, sie hat sich schon in der realen Bibliothek posi-
tioniert, eine andere sieht Second Life für Anbieter von Fachinformationen ihres
Themenschwerpunktes nicht als vertrauenswürdig und eine dritte meint, das
Hauptprodukt der Bibliothek bleibe immer noch das Buch. 37% verstehen Se-
cond Life durchaus als Möglichkeit, sich als Informationslieferant im Internet
neu zu positionieren. 16% gaben sich unentschlossen, wobei eine der Antworten
anregte, sich zuerst gründlich dem Thema Library 2.0 zu widmen.
8. Sehen Sie die Möglichkeit für neuartige Serviceleistungen durch eine Imp-
lementierung eines virtuellen Standortes in Second Life?
Die große Mehrheit von 58% sieht keinen Fortschritt im Servicebereich durch
einen Eintritt in die virtuelle Welt Second Life; eine Antwort betont, derzeit
werde keine derartige Möglichkeit gesehen, eine andere besagt wiederum, diese
Chance ergebe sich eher bei Library 2.0 und eine dritte drückt aus, dass es für
das Zielpublikum kaum attraktive Innovationen gebe. Immerhin 32% sehen die-
se Möglichkeiten, vor allem im Auskunftsdienst, und 11% können dazu nach ei-
genen Angaben nichts sagen.
9. Erachten Sie den personellen Aufwand für den Aufbau eines Standortes Ih-
rer Bibliothek in Second Life als hoch?
68% befürchten hohen personellen Aufwand für den Aufbau eines Standortes ih-
rer Bibliothek in Second Life; Gründe dafür werden vor allem in der Notwen-
digkeit eines 24-Stunden Betriebes gesehen, außerdem wird der personelle Auf-
wand zu hoch für den potentiellen Nutzen für die Bibliothek eingeschätzt. 11%
sehen keinen hohen personellen Aufwand und 21% konnten dazu keine Angaben
machen.

Verena Loibner  Seite 50 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

10. Erachten Sie den finanziellen Aufwand für den Aufbau eines Standortes Ih-
rer Bibliothek in Second Life als hoch?
47% rechnen mit hohem finanziellen Aufwand für den Aufbau eines Standortes
ihrer Bibliothek in Second Life; als ausschlaggebend dafür gelten hohe Perso-
nalkosten für das Aufrechterhalten der Repräsentanz in Second Life, aber auch
enorme Kosten für externe Dienstleister, welche mit Design beziehungsweise
Erstellung und Errichtung von Schnittstellen zu der Bibliothekssoftware betraut
werden. 11% der Befragten meinen, der finanzielle Aufwand sei nicht hoch, und
42% können zu dieser Frage keine Angaben machen.
11. Sehen Sie die nötigen technischen Voraussetzungen als Hindernis?
47% sehen in den nötigen technischen Voraussetzungen kein Hindernis für einen
Einstieg in Second Life; wobei ein/e Teilnehmer/in zu bedenken gibt, dass dieser
Aspekt eher für die NutzerInnenseite problematisch werden könnte. 37% emp-
finden die technischen Voraussetzungen durchaus als Hindernis und 16% gaben
hierzu nichts an.
12. Welche anderen Gründe sprechen gegen die Errichtung eines virtuellen
Standortes in Second Life?
Bei dieser Frage wurden teilweise mehrere Gründe angegeben. Die meisten
TeilnehmerInnen, nämlich 39%, sehen keinen (Zusatz-)Nutzen in der Errichtung
eines virtuellen Standortes in Second Life; 26% empfinden es als zu aufwändig.
Je 9% bemerkten, die BenutzerInnen seien nicht daran interessiert und Second
Life sei nur als Hype zu sehen. Ebenfalls 9% merken an, außer personellem und
finanziellem Aufwand gebe es keine weiteren Gründe, die gegen eine virtuelle
Zweigstelle sprechen. Jeweils ein/e TeilnehmerIn führte die strikten Vorgaben
öffentlicher Träger als Hinderungsgrund an und eine/r enthielt sich der Stimme.
Dabei wurde festgestellt, dass die Implementierung von Library 2.0 Services
wichtiger sei und die Aktualität der derzeitigen Bibliotheksausbildung schwer-
lich mit den Kenntnissen, die eine virtuelle Welt wie Second Life, erfordere, zu
vereinbaren wäre. Außerdem wurde angeregt, zuerst nur Teile von Bibliotheken
in Second Life zu integrieren um Erfahrungen zu sammeln und dass die Errich-

Verena Loibner  Seite 51 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

tung eines virtuellen Campus vielleicht den Einzug der (akademischen) Biblio-
theken zur Folge haben könnte.
13. Sonstige Anmerkungen:
Unter den sonstigen Anmerkungen zum Thema fiel insbesondere der zweifach
genannte Einwand, dass Second Life sich vorrangig für öffentliche Bibliotheken
im Gegensatz zu wissenschaftlichen eignen würde, auf.
Diese Befragung zeigt, dass RepräsentantInnen österreichischer Bibliotheken der Er-
richtung eines Standortes in der virtuellen Welt Second Life zum großen Teil negativ
beziehungsweise unschlüssig gegenüberstehen. Beinahe drei Viertel der Befragten hat
sich noch nicht informiert, dadurch erscheint auch die Tatsache, dass nur eine Biblio-
thek einen Einstieg plant, wenig verwunderlich. Second Life wird eher als Spielerei und
nicht als ernst zu nehmend empfunden, wodurch sich nach Ansicht der TeilnehmerInnen
kein befriedigendes Verhältnis von Aufwand und Nutzen ergibt.

5.1.3 Aufstellung der Thesen 
 

Aus den gesammelten Ergebnissen ergeben sich vielerlei Thesen, die anhand der Case
Studies mit bereits in Second Life vertretenen Bibliotheken überprüft werden sollen.
1. Das Interesse von KundInnen an Second Life ist niedrig. (siehe Frage 5)
Da sehr viele Hochschulbibliotheken an der Befragung teilgenommen haben und
doch eher die jüngere Generation, welche einen Großteil der Studierenden aus-
macht, als besonders offen für Neues im virtuelle Bereich angesehen wird, er-
scheint diese Einschätzung als sehr interessant und hinterfragungswürdig.
2. Second Life eignet sich als Instrument neue KundInnen zu erreichen. (siehe
Frage 6)
Eine knappe Mehrheit sieht das Potenzial zum KundInnengewinn in der virtuel-
len Welt Second Life, fast ebenso viele sind nicht dieser Meinung und der Rest
zeigt sich unschlüssig. Doch dies ist eine wichtige Frage, die vor näheren Über-
legungen zu einem tatsächlichen Engagement in Second Life gestellt und erör-
tert werden muss.

Verena Loibner  Seite 52 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

3. Durch Second Life kann man eher keine Neupositionierung der Bibliothek
als Informationslieferant im Internet erreichen. (siehe Frage 7)
Gerade in der heutigen Informationsgesellschaft sollte man meinen, dass Biblio-
theken sich der Möglichkeiten zur Neuerfindung beziehungsweise Erweiterung
ihrer Services bewusst werden, um sich als Informationseinrichtung ein Stück
vom Kuchen abzuschneiden. Ob diese Möglichkeit wirklich besteht, soll durch
die Case Studies überprüft werden.
4. Ein Fortschritt im Servicebereich ist durch die Errichtung eines Standortes
in Second Life eher nicht gegeben. (siehe Frage 8)
Beinahe 60% sehen diese Möglichkeit als nicht gegeben. Auf Grund des eher
niedrigen Informationsstandes bezüglich Bibliotheken in Second Life, bedarf
diese Feststellung näherer Betrachtung durch eine Befragung der an der Case
Study teilnehmenden Bibliotheken.
5. Der personelle Aufwand ist sehr hoch. (siehe Frage 9)
Über zwei Drittel der Befragten schätzen den personellen Aufwand als sehr hoch
ein. Diese Einschätzung lässt sich am besten im Dialog mit bereits in Second Li-
fe vertretenen und mit dem Aufwand vertrauten Bibliotheken überprüfen.
6. Der personelle Aufwand wird dem Nutzen nicht gerecht. (siehe Frage 9)
Einige TeilnehmerInnen gehen von der Notwendigkeit einer 24-stündigen Be-
setzung des virtuellen Standortes aus. Deshalb wäre der personelle Aufwand
enorm hoch und würde den Nutzenfaktor weit übersteigen.
7. Der finanzielle Aufwand ist eher hoch. (siehe Frage 10)
Zwar können über 40% der Befragten keine Einschätzung zu der Höhe des fi-
nanziellen Aufwandes abgeben. Jedoch noch mehr BibliothekarInnen vermuten
durch die Arbeit mit Second Life eher hohe Kosten. Hierbei könnte eine Befra-
gung von mit dem finanziellen Aufwand bereits vertrauten Bibliotheken frucht-
bringend sein.
8. Die technischen Voraussetzungen könnten für die BenutzerInnen problema-
tisch werden. (siehe Frage 11)
Dieser Einwand wurde geäußert und in Anbetracht der technischen Vorausset-

Verena Loibner  Seite 53 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

zungen, um sich in Second Life zu bewegen, erscheint er nicht unbegründet.


Deshalb bietet sich eine derartige Frage an praxiserfahrene Einrichtungen an.
9. Die Betreibung eines Standortes in Second Life ist sehr aufwändig und im
Verhältnis zum Aufwand wenig bis gar nicht nutzbringend. (siehe Frage 12)
Diese Einwände wurden, neben den hohen personellen und finanziellen Auf-
wendungen und dem Desinteresse der KundInnen, am öftesten geäußert und sind
demnach auch unter den Hauptgründen, welche gegen Bibliotheken in der virtu-
ellen Welt sprechen, zu sehen und somit diskutierwürdig.
10. Second Life ist nur ein Hype, welcher bereits abgeflaut ist, und deshalb er-
scheint jegliche Investition sinnlos. (siehe Frage 12)
Die Blütezeit der virtuellen Welt Second Life scheint das Jahr 2007 gewesen zu
sein, dennoch hat sich das Info Archipelago als fruchtbare und stets wachsende
Einheit entpuppt. Aus diesem Grund wäre eine Diskussion dieses Schlusses sehr
interessant für österreichische Bibliotheken.
11. Second Life ist nur für öffentliche Bibliotheken geeignet. (siehe sonstige
Anmerkungen)
Dieser Kommentar ist besonders interessant. Wieso sollte sich ein Standort in
Second Life nur für öffentliche Bibliotheken eignen, wenn sich insbesondere an
wissenschaftlichen Bibliotheken junge und an Innovationen interessierte Benut-
zerInnen befinden?
Diese elf Thesen, welche basierend auf den Ergebnissen von dem Fragebogen an öster-
reichische BibliotheksrepräsentantInnen aufgestellt wurden, bilden die Basis für Befra-
gungen in den Case Studies.

5.2 Case Studies 

5.2.1 Klärung des Begriffs 

Der Begriff ‚Case Studies‘ – Fallstudien – existiert in den sozialen Wissenschaften seit
den 60er Jahren (vgl. George & Bennett 2004: 17). Damals erfolgte die Unterscheidung

Verena Loibner  Seite 54 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

von dem Begriff ‚statistische Studien‘ wie folgt: „definitions of case studies relied on
distinctions between the study of a small versus a large number of instances of a phe-
nomenon“ (ebd.). Somit wurde die reduzierte Quantität der untersuchten Fälle bezie-
hungsweise Beispiele eines untersuchten Phänomens als charakteristisches Unterschei-
dungsmerkmal festgelegt.
Die Erklärung des Begriffs ‚Case‘ kann wie folgt formuliert werden: „a case
[is] an instance of a class of events“ (ebd.). Nach George und Bennett (vgl. 2004: 17-18)
sind Case Studies Studien von Beispielen zusammengehörender Phänomene bezie-
hungsweise Untersuchungsgegenstände, aus deren Ergebnissen die WissenschaftlerIn-
nen Theorien über Ursachen von Ähnlichkeiten beziehungsweise Unterscheidungen der
Fälle ableiten. Dabei werden sowohl einzelne Fälle in sich untersucht wie auch unter-
einander verglichen.
Die Stärke von Fallstudien liegt vor allem in der Qualität im Gegensatz zur
Quantität der Ergebnisse. Vier starke Vorteile sprechen für Fallstudien als Methodik-
wahl (vgl. 2004: 19-22):
• Conceptual validity. Hohe Gültigkeit der durch die Studie gebildeten
Annahmen wird insbesondere durch die Enge der untersuchten Fälle
begünstigt. Dadurch kann die Streckung dieser Begriffe über eine
große Menge von statistisch untersuchten Fällen vermieden werden.
Dies ist insbesondere wichtig, da diese Vielzahl an Fällen einander
durch die geforderte Quantität unähnlicher sein kann als wenige ge-
zielt gewählte Fälle in Fallstudien, wodurch wiederum die Ergebnisse
weniger Gültigkeit bieten können als bei wenigen untersuchten Fällen.
• Deriving new hypotheses. Neue Hypothesen, welche sich aus konkre-
ten Situationen der Fallstudie ergeben, können während der Studie
problemlos ergänzt werden. Dies ist in rein statistischen Studien mit
einem vorgegebenen Set von Variablen nicht möglich.
• Exploring causal mechanisms. Die Untersuchung kausaler Mechanis-
men gelingt bei Fallstudien viel detaillierter, da einzelnen Fällen
durch die begrenzte Anzahl mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden
kann.

Verena Loibner  Seite 55 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

• Modeling and assessing complex causal relations. Auch komplexe


kausale Relationen können durch die begrenzte Anzahl der untersuch-
ten Fallstudien besser durchleuchtet werden.
Demgegenüber stehen naturgemäß auch ein paar Nachteile, die insbesondere
durch die Enge der untersuchten Fälle begünstigt werden (vgl. 2004: 22-34). Der am
deutlichsten potentiell kritische Aspekt ergibt sich durch den Mangel an Repräsentativi-
tät im Sinne von Allgemeingültigkeit. Zwar sind die Ergebnisse für die Gruppe der Un-
tersuchungsgegenstände gültig, aber man kann sie auf Grund der quantitativen Limitati-
on nur auf andere Untersuchungsgegenstände umlegen, bei denen die Voraussetzungen
völlig mit den untersuchten übereinstimmen.

5.2.2 Eignung als Methodik für den Untersuchungsgegenstand 

Untersuchungsgegenstand dieser Master Thesis sind Bibliotheken, die bereits mit einer
virtuellen Entsprechung in der online Welt Second Life vertreten sind. Ziel ist heraus zu
finden, ob Second Life als ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität
einer Bibliothek zu werten ist.
Für österreichische Bibliotheken die an einem Einstieg interessiert sind, er-
scheinen qualitative Ergebnisse sinnvoller als quantitative. Zu sehen wie andere Bib-
liotheken an Second Life heran gegangen sind beziehungsweise welche Überlegungen
getroffen wurden ergeben für eigene Bedenken wertvolleres Feedback als statistische
Auswertungen.
Auch die allgemeinen Vorteile von Case Studies sprechen für sich, im Be-
sonderen zwei der oben genannten. Erstens, es werden für die jeweiligen Bibliotheken
mit all ihren besonderen Voraussetzungen gültige Aussagen getroffen beziehungsweise
Schlüsse für andere Bibliotheken mit gleichen oder ähnlichen Voraussetzungen gezo-
gen. Dabei können sich an der virtuellen Welt interessierte Bibliotheken wertvolle In-
formationen für ihr eigenes Vorhaben aus diesen Aussagen ableiten. Zweitens, im Ver-
lauf der Befragung beziehungsweise Untersuchung besteht die Möglichkeit, zusätzliche
Aspekte einzubeziehen, die sich während dem Dialog ergeben.

Verena Loibner  Seite 56 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Der genannte Nachteil kann weitgehend ignoriert werden. Erstens, in der


Master Thesis wird immer wieder betont, dass die Ergebnisse beziehungsweise Empfeh-
lungen in Bezug auf Second Life nicht allgemein gültig sind, sondern von jeder Einrich-
tung selbst geprüft werden sollten. Zweitens, diese Arbeit soll lediglich als Anregung
beziehungsweise Betrachtung in Österreich verbreiteter Gedanken zu Second Life im
Kontext zu bereits in Second Life befindlichen Bibliotheken gesehen werden.
Case Studies eignen sich demnach sehr gut um den Ansprüchen dieser Master
Thesis Rechnung zu tragen.

5.2.3 Vorgehensweise 

George und Bennett (2004: 67) beschreiben die Methode und Logik des strukturierten,
fokussierten Vergleichs als einfach und direkt:
• Strukturiert: „the researcher writes general questions that reflect the research
objective and that these questions are asked of each case under study to guide
and standardize data collection, thereby making systematic comparison and cu-
mulation of the findings of the case possible” (ebd.)
Generelle Fragen, welche das Ziel der Untersuchung betreffen, werden allen Un-
tersuchungsteilnehmern gestellt, um die Datensammlung zu führen und zu stan-
dardisieren. Dadurch sollen Daten systematisch verglichen und gesammelt wer-
den können.
• Fokussiert: „it deals only with certain aspects of the […] cases examined“
(ebd.)
Der Fokus der Untersuchung wird nur auf manche Aspekte der Untersuchungs-
gegenstände gelegt.
Die für die Fallstudien formulierten Fragen werden demnach allen teilnehmenden Bibli-
otheksvertreterInnen gestellt, wobei sich der Fragenkatalog auf den Aspekt der virtuel-
len Niederlassung in Second Life und deren Auswirkung auf die reale Bibliothek kon-
zentrieren wird. Um bestmöglich auf die Resultate beziehungsweise Anliegen der öster-
reichischen BibliotheksvertreterInnen eingehen zu können, werden die basierend auf

Verena Loibner  Seite 57 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

den Ergebnissen des Fragebogens abgeleiteten Thesen in den Befragungen der Fallstu-
dien Einzug finden.
Den Ablauf von Case Studies beschreiben George und Bennett (2004: 75) in
drei Phasen:
1. Formulierung von Zielen, Gestaltung und Struktur der Studie
2. Ausführung der Fallstudien gemäß der festgelegten Gestaltung
3. Auswertung der Ergebnisse sowie Abgleichung mit den Zielen der
Studie
Im konkreten Fall befinden sich die Fallstudien in Phase eins: Ziel der Case Studies ist
festzustellen, ob sich die virtuelle Welt als sinnvolles Instrument zur Steigerung der
Attraktivität von Bibliotheken eignet. Festgestellt wird dies durch Befragung von Rep-
räsentantInnen bereits in Second Life vertretener Bibliotheken, wobei sich hierbei die
Anzahl der befragten Einrichtungen auf fünf beschränken wird.
Dieser Befragung wird ein Fragenkatalog zu Grunde liegen, welcher per E-
Mail versandt werden wird; des Weiteren können sich aus den Antworten eventuell
Folgefragen ergeben, welche auch in die Ergebnisse mit ein bezogen werden. Zusätz-
lich zu den Befragungen soll jede dieser fünf Bibliotheken kurz vorgestellt werden, um
die Antworten im rechten Kontext sehen zu können.

5.2.4 Fragenkatalog 

Der Fragenkatalog, welcher bereits die zweite Phase der Case Studies einleitet, setzt
sich aus 17 Fragen inklusive einer Möglichkeit für allgemeine Anmerkungen zusam-
men, wobei sich elf davon auf die Fragebögen der österreichischen Bibliotheken bezie-
hen. Damit sollen die aufgestellten Thesen anhand von im Umgang mit Second Life
erfahrenen BibliothekarInnen überprüft werden.
Der Katalog an sich besteht aus vier Teilbereichen:
1. Motivation (Fragen 1-3) hinsichtlich Implementierung eines Standor-
tes in Second Life

Verena Loibner  Seite 58 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

2. Meinung der BibliotheksrepräsentantInnen zum Aufwand (Fragen 4-


8) eines Aufbaus ihrer Bibliothek in Second Life
3. Kundenorientierung/Service (Fragen 9-11) durch den Standort in
Second Life
4. Effektivität (Fragen 12-17)
Der Teilbereich zur Motivation soll einen Überblick über die Beweggründe der Errich-
tung eines Standortes in Second Life geben. Hierbei werden die Thesen zum Interesse
der KundInnen an der virtuellen Welt und zur Möglichkeit der Neupositionierung als
Informationslieferant im Internet hinterfragt. Der zweite Bereich setzt sich mit den The-
sen zum personellen und finanziellen Aufwand der Errichtung sowie Erhaltung einer
Bibliothek in Second Life auseinander; zudem wird die Problematik der technischen
Anforderungen an BenutzerInnen angesprochen wie auch die Aufwand-Nutzen-Frage,
welche durch die Fragebögen aufgeworfen wurde. Im Teil zu Kundenorientierung und
Service soll erhoben werden, wie erfahrene Second Life UserInnen zu den aufgestellten
Thesen bezüglich KundInneninteresse an Second Life, Servicemöglichkeiten und unter-
schiedlicher Eignung von virtuellen Standorten für öffentliche und wissenschaftliche
Bibliotheken stehen.
Fragen zur Effektivität einer Implementierung in der virtuellen Welt bezie-
hungsweise Fragen zur gesteigerten Attraktivität finden sich im vierten Teilbereich des
Fragenkataloges. Dieser Bereich führt zum Herz dieser Master Thesis. Was kann durch
eine zusätzliche virtuelle Niederlassung erreicht werden? Deckt sich der Aufwand mit
dem Nutzen? Verändern sich die für Bibliotheken wichtige Zahlen wie Entlehnungen,
Aufnahme neuer BenutzerInnen oder die Nutzung der Angebote? Ist Second Life wirk-
lich nur ein Hype, wie viele behaupten? Kurz und gut – ist Second Life als sinnvolles
Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek zu sehen?

5.2.5 Befragte Einrichtungen 

Die Anzahl der befragten Einrichtungen ist auf fünf begrenzt. Diese Einschränkung er-
gab sich aus der Überlegung, dass die Präsentation und Befragung von fünf Bibliothe-

Verena Loibner  Seite 59 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

ken den Rahmen nicht sprengt und trotzdem repräsentativ ist. Da nach der Befragung
der österreichischen Bibliotheken die These aufgestellt wurde, dass sich Second Life
nur für Benutzer von klassisch öffentlichen Bibliotheken eignet (vgl. 5.1.3 Aufstellung
der Thesen; These 11), setzen sich die befragten Einrichtungen aus drei öffentlichen und
zwei wissenschaftlichen in Second Life vertretenen Bibliotheken zusammen. Durch
diese Schwerpunktlegung lässt sich auch die genannte These eher überprüfen.
Befragt wurden:
• die State Library of Kansas,
• die Glenview Public Library,
• die Staatsbibliothek Bayern,
• die Kean University Library und
• die Murdoch University Library.
Im Folgenden sollen diese Einrichtungen und ihre virtuellen Entsprechungen kurz prä-
sentiert werden um die Ergebnisse der Befragungen im Kontext sehen zu können.

5.2.5.1 State Library of Kansas 

Standort: Topeka (State Library of Kansas: 20091)


Second Life Standort: Cybrary City II,
http://slurl.com/secondlife/Cybrary%20City%20II/36/164/
22
Gegründet: 1855 (State Library of Kansas: 20092)
Medienbestand: unter anderem 145.000 Printmaterialien, 10.000 audio-
visuelle Medien, 80.000 Medien in der Sammlung der
staatlichen Dokumente (Haxton: 2009)
Anzahl der Mitarbeiter: 31 (vgl. State Library of Kansas: 2008)
Website: http://www.kslib.info/index.html

Verena Loibner  Seite 60 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Abb. 6 und 7 [State Library of Kansas – Gesamtansicht und Gebäude, 20.01.2009]

Die virtuelle Ausgabe der State Library of Kansas bietet ihre Services sowohl in virtuel-
len Bibliotheksgebäuden als auch in der virtuellen Natur Second Lifes an. Auf dem far-
benfroh gestalteten Gelände sind verschiedenste Links zu finden:
• State Library of Kansas, Homework– angeboten wird Unterstützung
bei Hausübungen,
• mehrfach State Library of Kansas Website,
• State Library of Kansas, Audiobooks, Music & More– Link zur Ho-
mepage der AV-Medien Sammlung,
• zweifach State Library of Kansas, Kansas Center for the Book - kon-
zentriert sich auf Literatur des Bundesstaates,
• State Library of Kansas, Kansas State Data Center – welche auch von
der State Library betrieben wird,
• State Library of Kansas, Talking Books – Informationen über audio-
visuelle Medien der Bibliothek,
• zweifach Kansas Reads– auch von der State Library of Kansas betrie-
ben, bietet u.a. Buchempfehlungen,
• Blue Skyways of Kansas– eine Art Informationssammlung für die
BibliothekskundInnen von Kansas; diese Seite wird von der State Lib-
rary of Kansas betrieben und bietet auch Raum für Publikationen,
• zweifach State Library of Kansas, Kansas Webjunction – einer Platt-
form für bibliothekarische Einrichtungen,

Verena Loibner  Seite 61 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

• State Library of Kansas, Ask a Question Online – die Möglichkeit


durch das Ausfüllen einer Onlineform eine Frage zu stellen,
• Linksammlungen zu den Themen: Newsletters, Blogs, etc., Who We
Are, Contact Information, Talking Books, Catalogs, Databases, etc.,
Kansas State Data Center, General Kansas Information, Kansas Histo-
ry and Genealogy Resources, Kansas Legislative Information, Search-
able Historical Kansas Databases, Kansas Library Resources, Some
Kansas Biography Resources, Criminal and Correctional Lists, Kansas
Flora, Fauna, Geology, Some Kansas Musicians of Note, Poetry of
Kansas, Alliance Virtual Libraries Catalog, Other Kansas Databases,
• zweifach Kansas Library Card – Informationen über den Erhalt und
die Möglichkeiten dieser Benutzerkarte,
• Kansas Library Directory,
• Kansas Library Catalog,
• Blog einer Bibliothekarin der State Library of Kansas,
• Online Kansas Books – eine Linksammlung zu Literatur aus und über
Kansas,
• Youtube – eine virtuelle Tour durch die State Library of Kansas,
• Info Archipelago Directory – eine Auflistung zu dem Info Archipela-
go gehörender Organisationen,
• Alliance Virtual Library Calendar – mit Informationen zu aktuellen
Veranstaltungen,
• Homepage der Gouverneurin von Kansas und
• Oceans of Kansas Paleontology.
Diese Links werden durch Mouseclick auf verschiedene Objekte, zumeist Poster auf
Mauern, teilweise Fenster, welche im Internetbrowser daraufhin das jeweilige Fenster
öffnen, aktiviert.

Verena Loibner  Seite 62 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Abb. 8 [State Library of Kansas – Fensterlinks, 20.01.2009]

Zudem bietet die virtuelle Bibliothek


• verschiedene Notecards: Willkommenskarte, Auflistungen anderer
Einrichtungen aus dem Themenbereich Kansas in Second Life, Kon-
taktdaten des Betreuers der virtuellen Einrichtung, Auflistungen von
Informationen und Links zu Martin Luther King Jr., Spitznamen von
Kansas, die Verfassung von Kansas, die Kansas Letters about Litera-
ture, Informationen zu dem Kansas Cottonwood Tree, dem American
Bison und der Western Meadowlark außerdem zur Landwirtschaft von
Kansas,
• die Möglichkeit einen Bibliothekar durch Instant Messaging zu errei-
chen,
• die Möglichkeit des Erwerbs eines „Alliance Virtual Library“ T-
Shirts, welches der Avatar tragen kann, für 20 Lindendollar, wobei der
Erlös dem Alliance Virtual Library Projekt zugute kommt,

Verena Loibner  Seite 63 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

• ein gratis T-Shirt der State Library of Kansas für den Avatar,
• eine Straßenkarte von Kansas und verschiedenste andere Karten,
• Bilder von Kansas, fotografiert von Hal Stiles,
• eine Übersicht über wichtige Autoren aus Kansas,
• eine Zusammenstellung von Fakten zu den Büchern „The Wonderful
Wizard of Oz“ und „A Hungry Heart“,
• einen „Informationswürfel“, welcher 15-minütig aktualisiert wird und
statistische Informationen über Kansas bietet und
• die Möglichkeit, am Helianthus Square auf dem Gelände der Biblio-
thek seinen Avatar sozusagen tanzen zu lassen.

Abb. 9 [State Library of Kansas – Helianthus Square, 20.01.2009]


Die virtuelle Einrichtung muss sich durchaus keinen Vorwurf, ein Abklatsch der Home-
page der State Library of Kansas zu sein, gefallen lassen. Zwar werden Verlinkungen
angeboten, die sich mit denen der Homepage decken, aber sämtliche Linksammlungen
und andere Second Life spezifische Leistungen (Notecards mit Informationen, T-Shirts,
die Nutzung von virtuellen Mauern als Ausstellungsfläche, et cetera) gehen darüber

Verena Loibner  Seite 64 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

hinaus. Zudem erzeugt die bunt und klassisch gestaltete virtuelle Bibliothek eine ange-
nehme Atmosphäre und lädt zum Verweilen (in einer der zahlreichen Sitzmöglichkeiten
im Inneren des Gebäudes beziehungsweise am Helianthus Square) ein.
Es erscheint allerdings verwunderlich, dass die Homepage keinen Link zur
virtuellen Einrichtung anbietet. Nur durch die angebotene Suchfunktion auf der Website
gelangt man zumindest zu einer nützlichen Linksammlung die virtuelle Welt Second
Life betreffend [Stand Jänner 2009].

5.2.5.2 Glenview Public Library 

Standort: Glenview (Glenview Public Library: 20091)


Second Life Standort: Eduisland 4,
http://slurl.com/secondlife/Eduisland%204/33/216/25
Gegründet: 1930 (Glenview Public Library: 20092)
Medienbestand: 315.000 Medien (Bettig: 2009)
Anzahl der Mitarbeiter: ungefähr 120 MitarbeiterInnen, davon ungefähr 30 Biblio-
thekarInnen (Bettig: 2009)
Website: http://www.glenviewpl.org/

Abb. 10 [Glenview Public Library – Gesamtansicht, 10.02.2009]

Verena Loibner  Seite 65 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Die öffentliche Bibliothek aus dem amerikanischen Bundesstaat Illinois bietet eine bun-
te Vielfalt verschiedenster Angebote und Aktivitäten. Über bibliothekarische Dienste
hinaus scheint es der Institution ein Anliegen zu sein, BenutzerInnen mit Second Life
selbst vertraut zu machen.
Auf dem großflächigen Gelände sind verschiedene Links zu finden:
• Glenview Public Library Homepage,
• Glenview Public Library Reader Services – mit diversen Links zu
Suchmöglichkeiten,
• Glenview Public Library Reference Services – mit Links zu Ressour-
cen und Kontaktmöglichkeiten,
• Glenview Public Library Construct – Informationen zum geplanten
Neubau der realen Bibliothek,
• Digital Past – einer Website mit Digitalisaten.
Zudem bietet die virtuelle Bibliothek:
• verschiedene Notecards zu den Themen: Welcome to the Glenview
Public Library, Museums in SL (inklusive der Links zu den virtuellen
Standorten), Tutorials in SL - Tour Card (inklusive der Links zu den
Tutorials in Second Life), Character Counts,
• die Annehmlichkeit einer virtuellen Bank auf der sich Avatare in einer
kleinen Laube hinsetzen können,
• sofort an dem Eingang zur virtuellen Bibliothek die Möglichkeit der
Gruppe „GroupMan“ bei zu treten, wobei nichts zu den Hintergründen
erklärt wird,
• vier Geschenksboxen mit so genannten Freebies, das sind kostenlose
virtuelle Güter wie Ankleidungsstücke für Avatare,
• einem praktischen Teleportationssystem, mit dem man bequem inner-
halb des Geländes reisen kann,
• einen Informationstresen, an dem man mit einem Bibliothekar Kon-
takt aufnehmen beziehungsweise Kommentare zu der virtuellen Ein-
richtung deponieren kann,

Verena Loibner  Seite 66 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

• ein Bild, worauf man einen Vorschlag zum geplanten Neubau der rea-
len Bibliothek sehen kann,
• einen virtuellen Tisch mit Buchempfehlungen,
• eine Sitzgruppe und andere Sitzgelegenheiten um beispielsweise Be-
sprechungen abzuhalten,
• einem Unterwasserbesprechungsraum,
• ein sogenanntes Holodeck, ein Besprechungsraum mit Bibliotheks-
flair, welches nur über das Teleportationssystem zugänglich ist,
• einen Fernseh-/Kinoraum inklusive Popcornspender auf dem Dach des
Hauptgebäudes, wobei man den Quicktime-Player installiert haben
muss um dieses Angebot nutzen zu können,

Abb. 11 und 12 [Glenview Public Library – Unterwasserraum, Fernseh-/Kinoraum, 19.02.2009]

• eine weitere Kommunikationsmöglichkeit in einer Laube im virtuellen


Garten vor der Bibliothek,
• ein eigenes kleines Gebäude für Tutorials bezüglich Second Life in-
nerhalb der virtuellen Welt – Anleitung bieten ein Buch, welches man
durch blättern kann, und Filmclips auf einer großen Leinwand,
• die Sandbox, eine Möglichkeit für Einsteiger, das Erstellen von virtu-
ellen Dingen zu Üben.
Das Informationsangebot der virtuellen Glenview Public Library konzentriert sich auf
eigene Inhalte sowie insbesondere auf Informationen zu Second Life im Allgemeinen.

Verena Loibner  Seite 67 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Besonders beeindruckend ist die Kreativität mit der das großzügig angelegte Gelände
von den BibliothekarInnen gestaltet wurde.
Der Aspekt der Kommunikation wird besonders hervor gehoben. Drei ver-
schiedene Räumlichkeiten, welche nur für kommunikative Zwecke angelegt zu sein
scheinen, und zahlreiche zusätzliche Sitzgelegenheiten bieten abwechslungsreiche (bei-
spielsweise den Unterwasserraum) und stimmungsvolle Möglichkeiten (beispielsweise
das Holodeck) zum gegenseitigen Austausch.
Einzigartig sind die vielen Verweise zu Second Life selbst. Die Glenview
Public Library kommt ihren BenutzerInnen in Bezug auf den Umgang mit der virtuellen
Welt in großem Maße entgegen; sie bietet nicht nur Tutorials zu den verschiedensten
Themen sondern auch einen Platz um das eben Gelernte praktisch anzuwenden (die
Sandbox).
Auf der Homepage der realen Bibliothek befindet sich allerdings keinerlei
Hinweis zu der Einrichtung in Second Life, was etwas verwunderlich ist.

5.2.5.3 Bayerische Staatsbibliothek 

Standort: München (Bayerische Staatsbibliothek: 20091)


Second Life Standort: Insel der Information,
http://slurl.com/secondlife/Insel%20der%20Information/1
29/20/23
Gegründet: 1558 (Bayerische Staatsbibliothek: 20092)
Medienbestand: unter anderem 9.248.000 Bände, 52.500 laufende Zeit-
schriften, 92.000 Handschriften [Stand 2007] (Bayerische
Staatsbibliothek: 20093)
Anzahl der Mitarbeiter: 685 [Stand 2007] (Bayerische Staatsbibliothek: 20093)
Website: http://www.bsb-muenchen.de/

Verena Loibner  Seite 68 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Abb. 13 [Bayerische Staatsbibliothek – Außenansicht, 21.01.2009]

Eine der wenigen europäischen Bibliotheken, die sich mit einer virtuellen Entsprechung
in Second Life befasst haben, ist die Bayerische Staatsbibliothek. Dazu wurde das Ge-
bäude weitgehend originalgetreu auf der „Insel der Information“ in der Parallelwelt
nachgebaut (vgl. Bayerische Staatsbibliothek: 20094), wobei besonders die Nachbildun-
gen des historischen Treppenhauses sowie der Prunksäle beeindrucken.
Auf dem detailgetreu nachgebildeten Gelände sind verschiedene Links zu
finden:
• Bayerische Staatsbibliothek Homepage
• Bayerische Staatsbibliothek, Imagebroschüre – mit umfangreichen In-
formationen zur Bibliothek selbst
• Bayerische Staatsbibliothek, Münchner Digitalisierungszentrum – mit
Informationen rund um die digitale Bibliothek
• Bayerische Staatsbibliothek, Online-Auskunft – Informationen rund
um das Question Point Service

Verena Loibner  Seite 69 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

• Bayerische Staatsbibliothek, OPACplus – die Startseite zur Suche im


OPAC
• Bayerische Landesbibliothek Online – die Website der Landesbiblio-
thek Bayern
Zudem bietet die virtuelle Bibliothek:
• eine zweisprachige (deutsch und englisch) Teleport Map mit den
wichtigsten Informationen zur Bibliothek auf einen Blick sowie den
Attraktionen der virtuellen Einrichtung inklusive der jeweiligen Links
zum Teleportieren – dies erweist sich insbesondere auf Grund der
Weitläufigkeit des Geländes als sehr nützliches Tool,
• den Friedrich von Gärtner Saal als Möglichkeit Konferenzen abzuhal-
ten,
• die Ausstellung zum Thema 450 Jahre BSB,
• den Marmorsaal,
• einen allgemeinen Lesesaal,
• das detailgetreu virtualisierte Treppenhaus,
• den Fürstensaal, welcher besonders bemerkenswert ist, da in diesem
Raum einige Handschriften (wie eine Abschrift von Wolfram von
Eschenbachs Parzifal) und historische Druckwerke ausgestellt sind
worüber man zweisprachige Notecards mit Informationen bekommt
und die sogar virtuelles Blättern erlauben,

Abb. 14 [Bayerische Staatsbibliothek – Fürstensaal, 15.06.2008]

Verena Loibner  Seite 70 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

• ein Info Center mit zweisprachigen Infowänden inklusive Informatio-


nen über in Second Life geplante Vorträge,
• zwei Innenhöfe wobei einer als Vortragsbühne dient (und eine digita-
lisierte Ausgabe der Gutenbergbibel samt informativer Notecard bie-
tet) und
• der andere die Annehmlichkeiten eines virtuellen Cafés genießen lässt
(inklusive einer virtuellen dampfenden Tasse Kaffee).

Abb. 15, 16 und 17 [Bayerische Staatsbibliothek – Teleport Map, Vortragsbühne und Treppen-
haus, 21.01.2009]

Das Informationsangebot der großzügig gestalteten Einrichtung konzentriert sich auf die
eigenen Angebote. Außer der Homepage der Bayerischen Landesbibliothek führen die
integrierten Links nur zu Websites der Bayerischen Staatsbibliothek.
Auch der Aspekt der Kommunikation durch Second Life wird ermöglicht. In
den Innenhöfen findet man ein Tagungs- und Konferenzzentrum für virtuelle Fach- und
Infoveranstaltungen sowie ein Café. Dieses soll auch von der Bibliothek selbst für re-
gelmäßige In-world-Veranstaltungen genutzt werden. Zweimal wöchentlich kann man
von eingeloggten Bibliotheksavataren Hilfestellungen zur Benutzung der virtuellen Bib-
liothek beziehungsweise Auskünfte rund um die Bibliothek bekommen (vgl. ebd.).
Auf der Homepage befindet sich neben einer Einführung in die virtuelle Welt
ein Link, der bereits registrierte BenutzerInnen direkt auf die Insel der Information tele-
portiert. Allerdings bietet sie keine Anleitung oder sonstige Hilfestellung zum allgemei-
nen Umgang mit Second Life, wie beispielsweise einen Schritt für Schritt Guide zur
Anmeldung auf Second Life. Dies ist natürlich nicht zwingend notwendig, da die An-
meldung bei Second Life relativ problemlos zu bewältigen ist, aber wäre dennoch eine
nette Serviceleistung.

Verena Loibner  Seite 71 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

5.2.5.4 Kean University Library – Nancy Thompson Library 

Standort: Union, New Jersey (Kean University Library: 20091)


Second Life Standort: Cybrary City I,
http://slurl.com/secondlife/Cybrary%20City/229/70/25
Gegründet: 1855 (Pitts: 2009)
Medienbestand: unter anderem 275.000 Bände, 27.000 laufende Zeitschrif-
ten (Kean University Library: 20092)
Anzahl der Mitarbeiter: 13 (Kean University Library: 20091)
Website: http://library.kean.edu/webvoy.htm

Abb. 18 [Kean University Library - Außenansicht, 22.01.2009]

Im Bereich Library 2.0 zeigt sich die Kean University Library sehr engagiert. Zusätzlich
zur virtuellen Einrichtung in Second Life ist die Bibliothek auch in den sozialen Netz-
werken MySpace, Twitter und Facebook vertreten, außerdem unterhält sie einen Library

Verena Loibner  Seite 72 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Blog auf Wordpress und bietet Instant Messaging durch fünf verschiedenen Programme
an (vgl. Kean University Library: 20093).
In dem virtuellen Gebäude sind verschiedene Links zu finden:
• Kean University Website,
• Kean University Library Homepage,
• Kean University Library, Universal Human Rights Resources – eine
Linksammlung mit Bezug zu Studien an der Kean University,
• Kean University Library, Library 2.0 @ Kean University – eine Über-
blicksseite über die an Web 2.0 orientierten Services der Bibliothek,
• Kean University Library, Ocean County College Resources – eine Zu-
sammenstellung von Informationen und Links für Studenten dieser
Partnereinrichtung,
• The Official Site of Kean University Athletics – ein virtueller Puma
dient als Link zu der Homepage des Kean University Basketballteams
Cougars,
• QandAnj – einer Frage-und-Antwort-Seite, die von BibliothekarInnen
betreut wird und
• CNN Events – sozusagen die CNN Seite für Nachrichten aus der
zweiten Welt.
Zudem bietet die Einrichtung:
• ein kostenloses virtuelles Kean-University-T-Shirt,
• einen sogenannten Librarybot, welcher BesucherInnen namentlich be-
grüßt, eine Welcome-Notecard überreicht (und auch sonstige von den
EigentümerInnen programmierte Informationen geben könnte),

Verena Loibner  Seite 73 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Abb. 19 [Kean University Library – Librarybot, 22.01.2009]

• eine Notecard zu dem Thema America’s Kean University Goes Inter-


national,
• die Möglichkeit dem Betreuer der virtuellen Einrichtung eine Nach-
richt zu übermitteln,
• eine übersichtlich gestaltete Anleitung, wie man eine Benutzerkarte
lösen kann,
• eine Infowand zum Thema Library 2.0 und
• einen Hinweis darauf, dass Kean University in Zukunft mit iTunes ar-
beiten wird, das heißt dass man mit der Universität zusammenhängen-
de Informationen mit Hilfe eines iPods herunter laden kann.

Die Homepage bietet eine kurze Einleitung zum Thema Second Life samt Link zur Bib-
liothek für bereits registrierte Benutzer, aber wiederum keine Hilfestellung zur Anmel-
dung beziehungsweise allgemeine Tipps.
Die Gestaltung dieser Universitätsbibliothek konzentriert sich durch sämtli-
che Links und sonstige Leistungen auf die Studenten und Studentinnen der Kean Uni-

Verena Loibner  Seite 74 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

versity. Dabei werden nicht nur Aktivitäten der Bibliothek sondern auch die der Univer-
sität ins Zentrum der virtuellen Einrichtung gerückt.
Der virtuelle Standort der Kean University Library in Second Life ist kleiner
als die anderen bisher behandelten, trotzdem steht er ihnen in Bezug auf Informations-
angebot in nichts nach. Auch wird durch den ständig anwesenden Librarybot eine ange-
nehme Atmosphäre vermittelt; man fühlt sich durch die bloße Anwesenheit eines huma-
noiden Programms gut aufgehoben.

5.2.5.5 Murdoch University Library 

Standort: Murdoch (Murdoch University Library: 20091)


Second Life Standort: zuerst in Cybrary City II (vgl. Greenhill 2007), ab 2008
auf der Murdoch University Island (vgl. Greenhill 20082),
http://slurl.com/secondlife/Murdoch%20University/128/12
8/0/
Gegründet: 1975 (Coleman: 2009)
Medienbestand: 485.705 Monographien, 59.730 Periodika [Stand: 2007]
(Coleman: 2009)
Anzahl der Mitarbeiter: 85 (vgl. Murdoch University Library: 20092)
Website: http://www.kslib.info/index.html

Die Murdoch University Library entschloss sich aus zwei Gründen zu dem Schritt eine
virtuelle Bibliothek anzubieten (vgl. Greenhill 2007): erstens wollte man den Mitglie-
dern der Universität eine Alternative zu altbekannten Informationsressourcen anbieten,
zweitens einen Platz um mit diesem neuen Medium zu experimentieren und auf diese
Weise Angestellte und Studierende damit bekannt machen.
Zu diesem Zweck bot die Bibliothek nach Implementierung eines virtuellen
Standortes Workshops zur Einführung an (vgl. ebd.). Diese wurden von Angehörigen
der Murdoch University dazu genutzt, innerhalb der virtuellen Bibliothek beziehungs-
weise der virtuellen Welt Recherche zu betreiben, die gebotenen Ressourcen zu nutzen

Verena Loibner  Seite 75 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

und durch spielerische Herangehensweisen, wie beispielsweise Schatzsuchen auf dem


virtuellen Gelände, mit der zweiten Welt vertraut zu werden. Greenhill (vgl. ebd.) stellt
klar, dass sie Second Life für ungeeignet hält um bibliothekarische Serviceleistungen
anzubieten; dazu würden den meisten BenutzerInnen die Voraussetzungen fehlen.
Durch den Erfolg der bibliothekarischen Einrichtung auf Cybrary City I zu
vermehrt virtuellen Aktivitäten ermutigt, erwarb die Universität selbst eine Insel: Mur-
doch University Island (vgl. Greenhill 20082). Diese wird von vier Organisationen be-
trieben: der nunmehr umgezogenen Bibliothek, dem Teaching & Learning Department,
der Corporate Information Technology und der School of Information Technology. Die
Insel ist nur für UserInnen, welche der Universität angehören; Nicht-Angehörige haben
keinen Zutritt – aus diesem Grund befindet sich hier auch keine Auflistung der angebo-
tenen Services. Diese Sicherheitsmaßnahme wird verstärkt von sogenannten Benimm-
regeln, zum Beispiel sind nur studiumssorientierte Aktivitäten auf dem Gelände erlaubt.
Die von der Bibliothek organisierten Workshops werden weiterhin betrieben. Ergänzend
bietet die Universität unter anderem freien virtuellen Platz um das Gestalten in virtuel-
len Umgebungen zu üben an, sowie Simulationen von Bewerbungsgesprächen (vgl.
ebd.).

5.2.5.6 Zusammenfassende Bemerkungen  

Das gemeinsame Merkmal dieser Bibliotheken ist die Entscheidung, sich in Second Life
zu präsentieren. Doch unterscheiden sich all diese virtuellen Einrichtungen durch ver-
schiedene Merkmale voneinander und bieten somit differenziertere Ergebnisse.
Die State Library of Kansas bietet ein sehr umfassendes und abwechslungs-
reiches Angebot an auf die eigene Homepage, aber auch auf fremde, themenverwandte
Websites verweisende Links. Abgedeckt werden nicht nur die potentiellen Interessen
von BibliotheksbenutzerInnen (zum Beispiel Informationen über die Library Card, Kon-
taktmöglichkeiten) sondern darüber hinaus gehend von interessierten BibliothekarInnen
(zum Beispiel den Library Blog, Link zum Library Directory des Infoarchipelagos) oder

Verena Loibner  Seite 76 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

von Personen, die sich ein allgemeines Bild von Kansas bilden wollen (zum Beispiel
Bilder, Informationen über Vegetation und Literatur).
Ebenso abwechslungsreich gestaltet sich die virtuelle Einrichtung der Glen-
view Public Library, welche aus einem Hauptgebäude und ein paar kleinen Nebenge-
bäuden besteht. Die Informationen zur Bibliothek selbst sind – im Vergleich zur State
Library of Kansas – eher gering gehalten, die wichtigsten Informationen sind durch
Verlinkungen auf die jeweiligen Websites verfügbar gemacht worden, allerdings an-
sonsten konzentrieren sich die Dienste eher auf Second Life selbst. BenutzerInnen ha-
ben hier die Möglichkeit die virtuelle Welt sowohl informativ wie auch spielerisch zu
erleben, wodurch sicherlich die Attraktivität und Einzigartigkeit der Bibliothek gestei-
gert werden. Ins Auge sticht auch der Kommunikationsschwerpunkt, der durch zahlrei-
che verschiedenste Sitzmöglichkeiten gelegt wird.
Die Staatsbibliothek Bayern bildet auf einer eigenen Insel eine virtuelle
Entsprechung der realen Bibliothek ab. Diese Einrichtung gleicht vom Aufbau her eher
dem Bild einer klassischen Bibliothek: Lesesaal, Ausstellungsräume, Infowände und so
weiter. Die Links konzentrieren sich auf die eigenen Websites. Die besondere Stärke der
Staatsbibliothek liegt in dem Angebot von Kommunikationsraum (Innenhöfe und Fried-
rich von Gärtner Saal) und der Organisation von virtuellen Vorträgen in der Einrichtung
– dieser Aspekt begleitet die virtuelle Bereitstellung von Informationen (unter anderem
Ausstellung, Digitalisate und Infowände), welche allerdings nicht über das Angebot der
realen Einrichtung hinaus gehen.
Die Kean University Library, flächenmäßig bisher die kleinste virtuelle
Bibliothek, versorgt ihre Zielgruppe, Studierende der Kean University, mit den nötigen
Informationen über die Bibliothek und die Kean University. Die virtuelle Einrichtung
weist auch Merkmale der Zusammenarbeit mit der Universität auf – unter anderem den
Link zu den Universal Human Rights Resources. Darüber hinaus setzt sie auf den As-
pekt der Kommunikation und bietet einen Konferenztisch im oberen Stockwerk an.
Die Murdoch University Library zeigt enge Zusammenarbeit mit der Uni-
versität. Die Einrichtungen befinden sich auf einer eigenen Insel, die nur für Angehörige
der Universität bestimmt ist. Das Hauptaugenmerk liegt nicht auf bibliothekarischen
Diensten sondern auf bildenden Aktivitäten: Angeboten werden Workshops der Biblio-

Verena Loibner  Seite 77 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

thek und Schulungen von anderen universitären Einrichtungen, wobei besonders auf den
Aspekt des spielerischen Lernens gesetzt wird.

Diese fünf hier präsentierten Bibliotheken beteiligten sich an den Befragungen. Die
Fragebögen wurden per E-Mail sowohl im Mail als auch als Anhang (Word Dokument)
an die mit Second Life beschäftigte Kontaktperson geschickt, welche darin von ihren
Erfahrungen mit der virtuellen Ausgabe ihrer Bibliothek berichtet. Der Befragungszeit-
raum erstreckt sich von 18. Dezember 2008 bis zum Erhalt der letzten Antwort am 05.
Februar 2009.

Verena Loibner  Seite 78 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

6. Ergebnisse 

In der dritten Phase der Case Studies werden in diesem Kapitel die Ergebnisse der 17
auf den zuvor durchgeführten Fragebogen basierenden Fragen zum Thema „Second Life
– ein Resümee“ betrachtet (zugehörige Tabellen im Anhang, 9.4 Ergebnisse des Frage-
bogens der Case Studies). In diesem Fall werden die einzelnen Entscheidungen der Bib-
liotheken offen gelegt – dies führt insbesondere durch die voran gegangenen Präsentati-
onen der einzelnen Einrichtungen zu aufschlussreichen Ergebnissen.
Nach der allgemeinen Auswertung, wobei spezielles Augenmerk auf die vier
Teilgebiete des Fragenkatalogs gelegt wird, sollen insbesondere Ergebnisse für die ein-
zelnen teilnehmenden Institutionen zusammenfassend erläutert werden. Danach werden
die aufgestellten Thesen mit den Ergebnissen der Case Studies verglichen.

6.1 Ergebnisse der Case Studies 

A. MOTIVATION
1) Wodurch wurden Sie motiviert einen Standort in Second Life einzurichten
(z.B. neue Benutzergruppen ansprechen, …)?
a) Eigenes Interesse: Drei der teilnehmenden BibliothekarInnen gaben an, aus pu-
rem eigenem Interesse einen Eintritt in die virtuelle Welt in die Wege geleitet zu
haben.
b) Neues ausprobieren/anbieten: Einig waren sich alle Befragten im Bestreben,
durch Second Life Neues ausprobieren und anbieten zu wollen und damit als in-
novative Einrichtung auf dem neuesten Stand zu sein.
c) Vorbereitung auf neue Bedürfnisse der NutzerInnen: Obwohl bei dieser Frage
als einziges vorgegebenes Anwortbeispiel „neue Benutzergruppen ansprechen“
genannt war, wurde dies von keiner einzigen Bibliothek explizit als anvisiertes
Ziel gesehen. Stattdessen wollen drei der teilnehmenden Institutionen auf etwai-
ge neue Bedürfnisse der KundInnen vorbereitet sein.

Verena Loibner  Seite 79 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Primäres Ziel eines Eintritts in Second Life war demnach nicht neue KundInnen
anzusprechen, sondern durch den Aufbau einer virtuellen Bibliothek mit neuen
Medien vertraut zu werden und auf den Fall, dass virtuelle Welten wie Second
Life an Wichtigkeit gewinnen, vorbereitet zu sein.
2) Empfinden Sie Second Life als eine attraktive Möglichkeit neue KundInnen zu
gewinnen bzw. ist Ihnen dies durch Ihren Eintritt geglückt? Warum oder wa-
rum nicht?
a) Nein: Mit Ausnahme einer Bibliothek waren sich alle teilnehmenden Institutio-
nen darin einig, dass sich Second Life nicht als Möglichkeit neue KundInnen zu
gewinnen eignet beziehungsweise keiner dieser vier hat durch den Eintritt in die
zweite Welt neue KundInnen gewinnen können.
Gedanken über die Gründe dafür decken sich großteils: Beispielsweise die bei-
den teilnehmenden Universitätsbibliotheken gaben an, ihre BenutzerInnen hätten
kaum Zeit noch Interesse sich „freiwillig“ mit Second Life zu beschäftigen.
Auch das Rechtemanagement in Bezug auf online anzubietende Medien, wo-
durch neue Benutzergruppen zu gewinnen wären, ist zurzeit noch schwierig. Ei-
nige der TeilnehmerInnen meinten, dass sich die virtuelle Welt weniger dafür
eigne, neue NutzerInnen zu gewinnen, dafür aber den Kontakt zu interessierten
KollegInnen aus aller Welt ermögliche und somit hilft, wertvolle berufliche
Verbindungen zu knüpfen
b) Ja: Die bereits genannte Ausnahme ist die State Library of Kansas. Von dort
wurde gemeldet, dass sich ein paar BenutzerInnen über die virtuelle Bibliothek
auch für die reale Einrichtung interessieren konnten. Die Kontaktperson zeigte
sich vor allem positiv von den Interessierten überrascht, welche im normalen
Leben keine Bibliotheken benutzen, sich jedoch für das Informationsangebot der
virtuellen Zweigstelle der State Library begeisterten.

Die TeilnehmerInnen sind sich einig darüber, dass sich Second Life kaum als
attraktive Möglichkeit der Kundenaquisition eignet, selbst in Kansas war man
überrascht über die NeukundInnen. Allerdings konnte man sich nicht erklären,
wieso sich keine neuen BenutzerInnen über Second Life finden ließen.

Verena Loibner  Seite 80 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

3) Bietet Ihnen der Eintritt in die virtuelle Welt Second Life die Möglichkeit, sich
im Internet als Informationslieferant neu zu positionieren? Warum oder wa-
rum nicht?
a) Eher nein: Zwei BibliothekarInnen gaben an, eher kein Potential in der Neuposi-
tionierung ihrer Einrichtung durch Second Life zu sehen. Die Staatsbibliothek
Bayern sieht über die Website der Bibliothek den niedrigschwelligeren Zugang
gegeben. Die Murdoch University Library will durch ihren Eintritt in die virtuel-
le Welt kein zusätzliches Informationsservice anbieten, sondern nutzt diese neue
Plattform in erster Linie für didaktische Zwecke.
b) Eher ja: Die übrigen drei Bibliotheken sehen sehr wohl Potential in einer Neu-
positionierung ihrer Einrichtung als Informationslieferant. Die Gründe dafür äh-
neln einander: Virtuelle Welten werden als die neue Evolution des Webs gese-
hen, dadurch bieten sich interessante Möglichkeiten, das Informationsangebot in
Kooperation mit anderen Bibliotheken (wie am Beispiel des Infoarchipelagos)
zu erweitern. Die State Library of Kansas zeigte sich vor allem von dem kreati-
ven Potential der zweiten Welt ermutigt.

Die divergierenden Antworten fußen hier auf unterschiedlichen Zielsetzungen


der Institutionen. Wenn man Second Life rein für Lehrzwecke einsetzt bezie-
hungsweise den Informationsstand betreffend nicht über das Angebot der Web-
site hinaus gehen möchte, ist naturgemäß kein Potential in einer Rollenverände-
rung zu sehen. Wenn man allerdings, wie es die State Library of Kansas vor-
zeigt, zu den eigenen Weblinks viele zusätzliche Quellen nennt oder wie die
Glenview Public Library sehr viel Kreativität im Anbieten von Diensten zeigt,
ergibt sich durchaus die Möglichkeit einer Neupositionierung als Informations-
lieferant.

Die Motivation der teilnehmenden Institutionen sich mit dem Projekt Second Life zu
befassen, lag nicht in erster Linie am Bestreben neue KundInnen zu gewinnen, sondern
eher in der Neugierde an diesem für sie neuen Medium „virtuelle Welt“. Durch den Ein-
tritt in die zweite Welt sieht man eher Potential für eine Neupositionierung als Informa-

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

tionslieferant. Deshalb mag auch eher das Anliegen, Erfahrungen mit dieser neuen und
an sich viel versprechenden Plattform zu sammeln, ein Antrieb für viele Bibliotheken
sein einen virtuellen Standort in Second Life zu errichten.

B. AUFWAND
4) Erachten Sie den personellen Aufwand für den Aufbau eines Standortes Ihrer
Bibliothek in Second Life als hoch bzw. halten sie 24/7 Betreuung des virtuellen
Standorts für nötig? Warum oder warum nicht?
a) Nein: Keine der teilnehmenden BibliothekarInnen erachtete die personellen Res-
sourcen für Aufbau und Betreibung des virtuellen Standortes als hoch. Die bei-
den Universitätsbibliotheken werden von jeweils ein bis zwei Personen betrie-
ben und auch die öffentlichen Institutionen berichteten von eher kleinen Teams
beziehungsweise halten den personellen Aufwand zur Betreuung der virtuellen
Einrichtung für gering.
Keiner der TeilnehmerInnen sah die Notwendigkeit einer lückenlosen Betreu-
ung. Die Staatsbibliothek Bayern bietet zweimal pro Woche für jeweils vier
Stunden Service durch eine/n geschulte/n MitarbeiterIn an, würde aber eine aus-
gedehntere Betreuungszeit von 8 bis 22 Uhr für angemessener halten. Die ande-
ren BibliothekarInnen waren sich einig, dass Second Life nicht dazu gedacht sei,
jeden Tag 24 Stunden lang betreuten Service zu bieten. Die State Library of
Kansas räumte ein, dass es dafür zu wenig Nachfrage gäbe, da die meisten Be-
sucherInnen ohne hin nur „casual visitors“ seien und nicht gezielt in Second Life
recherchieren; bei einer entsprechend gestalteten virtuellen Einrichtung sei eine
Betreuung rund um die Uhr demnach überhaupt nicht nötig.

Diese Einstimmigkeit zeigt, dass der personelle Aufwand für Aufbau und
Betreibung nicht sehr hoch ist. Allerdings muss man sich die enorme Motivation
dieser BibliothekarInnen vor Augen halten; alle handeln aus eigenem Interesse
und sind um eine Optimierung ihrer Standorte bemüht, wodurch die Arbeitsleis-
tung sicherlich von großer Effizienz geprägt ist.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

5) Erachten Sie den personellen Aufwand für Aufbau und Betreibung des Stand-
ortes für den Nutzen gerecht werdend? Warum oder warum nicht?
a) Ja: Auch bei dieser Frage zeugten die Befragten von absoluter Einigkeit. Der
personelle Aufwand wurde als den Nutzen rechtfertigend beschrieben. Der
Hauptgrund liegt im geringen personellen Aufwand, der für die virtuelle Ein-
richtung nötig ist! Darüber hinaus geben drei der TeilnehmerInnen an, auch au-
ßerhalb der Arbeitszeit regelmäßig an der Einrichtung zu feilen – dadurch ent-
stehen für die Einrichtung natürlich noch weniger personelle Aufwendungen.

Aufbau und Betreibung von virtuellen Bibliotheken stellen geringen personellen


Aufwand dar, da sie großteils freiwillige Projekte sind und viele MitarbeiterIn-
nen auch in ihrer Freizeit Updates durch führen. Die Motivation an einer Biblio-
thek ist sogar so hoch, dass das freiwillige Team auch weiterhin ohne die Unter-
stützung des Managements, das heißt immer außerhalb der Arbeitszeit, fortfüh-
ren wird.
6) Erachten Sie den finanziellen Aufwand für den Aufbau eines Standortes Ihrer
Bibliothek in Second Life als hoch? Warum oder warum nicht?
a) Nein: Auch in diesem Punkt sind sich die TeilnehmerInnen der Case Studies ei-
nig. Die Implementierung ihrer Bibliotheken in Second Life ist auch in finan-
zieller Hinsicht als dem Nutzen entsprechend zu sehen und jeder der Teilnehme-
rInnen gab an, dass die Kosten für den Aufbau und die Betreibung der virtuellen
Einrichtung nicht hoch sind. Die Kean University Library bezahlt jährlich unge-
fähr 100 $ für den Platz auf Cybrary City, auch die Murdoch University Library
vermeldet, dass die Kosten für so manches Enzyklopädienset höher wären und
die Bayerische Staatsbibliothek stellt fest, dass sich der detailgetreue Nachbau
angesichts des Besucherstroms gelohnt hätte. Die State Library of Kansas be-
tont, dass man Geld sparen kann, indem man vieles selbst kreiert und die Glen-
view Public Library hat nur mit finanziell günstigen virtuellen Objekten bezie-
hungsweise Freeware, das heißt gratis Software, gearbeitet.

Diese Frage hat ein eindeutiges Ergebnis erbracht. Der finanzielle Aufwand für

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

die virtuellen Einrichtungen ist als gering zu sehen und dem Nutzen entspre-
chend.
7) Sehen Sie die technischen Voraussetzungen als Hindernis für BenutzerInnen?
a) Eher nein: Die Glenview Public Library und die Murdoch University Library
sehen bei der Benutzung von Second Life eher keine technischen Hindernisse
für BenutzerInnen. In Glenview meint man, der Umstieg auf neue Software wie
Windows Vista erfordere ohnehin höhere Systemvoraussetzungen, deshalb sieht
man hier kein Hindernis. Für BenutzerInnen der Murdoch University Library
stellt sich die Frage erst gar nicht – die Benutzung ist nur von der realen Biblio-
thek aus möglich und dort sind angemessene Rechner bereit gestellt.
b) Eher ja: Die Mehrheit der befragten Personen sieht die technischen Vorausset-
zungen als eher problematisch. Obwohl meist in den Bibliotheken die Benut-
zung von Rechnern mit den nötigen Anforderungen angeboten wird, sieht die
Bayerische Staatsbibliothek beispielsweise die nötigen leistungsfähigen Grafik-
karten nicht als selbstverständlich. In Kansas äußert man Bedenken über schnel-
le Internetverbindungen, da Kansas ein Bundesstaat mit eher ländlichem Charak-
ter ist.

Die technischen Voraussetzungen, um Second Life nutzen zu können, scheinen


tatsächlich ein Hindernis zu sein. Andererseits muss man der teilnehmenden
Bibliothek in Glenview Recht geben, die Systemanforderungen steigen auch für
andere Software beziehungsweise werden auch die PC-Komponenten immer
leistungsstärker.
8) Empfinden Sie die Betreibung des virtuellen Standortes als sehr aufwändig
bzw. in Bezug auf den Nutzen als gerechtfertigt?
a) Nein bzw. gerechtfertigt: Wieder sind sich alle TeilnehmerInnen einig. Die
Betreibung des virtuellen Standortes wird nicht als sehr aufwändig gesehen be-
ziehungsweise als dem Nutzen gerecht werdend.

In Berücksichtigung aller Faktoren wird die Betreibung der virtuellen Standorte


als dem Nutzen entsprechend gesehen.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Weder der personelle noch der finanzielle Aufwand wird als hoch angesehen; auch wird
der personelle Aufwand des Aufbaus und der Betreibung des virtuellen Standortes laut
Case Studies dem Nutzen gerecht, welchen die zweite Welt der realen Bibliothek er-
bringt. Als eher hoch beziehungsweise problematisch wird der technische Aufwand für
BenutzerInnen gesehen; dem kann allerdings durch Bereitstellen geeigneter Rechner auf
der Bibliothek Abhilfe geschafft werden.

C. KUNDENORIENTIERUNG/SERVICE
9) Schätzen Sie das Interesse Ihrer NutzerInnen an Second Life als hoch ein?
a) Eher nein: Vier der teilnehmenden Institutionen schätzen das Interesse ihrer
NutzerInnen an Second Life als eher nicht hoch ein. Die BesucherInnenzahlen
haben sich in Grenzen gehalten; die State Library of Kansas stellt fest, dass sich
vor allem BibliothekarInnen für Bibliotheken in Second Life interessieren. Aus
der Murdoch University Library berichtet man, dass die wenigen wirklich inte-
ressierten NutzerInnen allerdings sehr viel Zeit in der virtuellen Welt verbracht
haben und sich sogar eine Initiative gebildet hat, die den Kauf der eigenen Insel
für die Murdoch University angeregt hat. In Kean und Glenview fürchtet man,
nicht genug für die virtuelle Einrichtung geworben zu haben.
b) Eher ja: Die Bayerische Staatsbibliothek ortet ein höheres Interesse an ihren Se-
cond Life Schulungen vor allem bei einem technikaffinen Publikum.

Diese Antwort deckt sich weitgehend mit den Ergebnissen der zweiten Frage.
Das Interesse der NutzerInnen wird als eher nicht hoch eingeschätzt. Eine weite-
re Erkenntnis liegt darin, dass das Angebot von Schulungen (siehe Bayerische
Staatsbibliothek und Murdoch University Library) durchaus genutzt wird; beide
Einrichtungen berichten von erhöhtem Interesse der NutzerInnen.
10) Inwiefern empfinden Sie den Aufbau eines Standortes in Second Life als geeig-
net um vermehrt kundenorientierten Service bzw. völlig neuartigen Service an-
zubieten? Bitte um Beispiele.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

a) Ungeeignet: Nur an der Murdoch University Library sieht man Second Life als
nicht geeignet, vermehrt kundenorientierten Service beziehungsweise völlig
neuartigen Service anzubieten. Allerdings liegt der Schwerpunkt an dieser Bib-
liothek auch weniger an bibliothekarischen Diensten, sondern an der engen di-
daktischen Zusammenarbeit mit der Universität.
b) Geeignet: Die anderen vier TeilnehmerInnen sehen durchaus Potential für (neu-
en) bibliothekarischen Service. Vor allem virtuelle Führungen, die bequem von
zuhause aus besuchbar sind, und die Möglichkeit, die BenutzerInnen durch
Workshops mit virtuellen Welten vertraut zu machen, wurden als Beispiele ge-
nannt. Diese Instrumente tragen maßgeblich dazu bei, Hürden abzubauen, so-
wohl zur Bibliothek als auch zu Second Life. Weitere Möglichkeiten für neuar-
tige Services der virtuellen Welt wären virtuelle Diskussionsrunden und biblio-
thekarische Auskunft durch Avatare – beide Serviceangebote profitieren vor al-
lem von den Gelegenheiten, ein internationales Publikum anzusprechen und zu
integrieren beziehungsweise internationale Kooperationen zu bilden.

Kurz: Man möchte den BenutzerInnen soviel unterschiedlichen Service anbieten


wie möglich – um so besser, wenn er innovativ ist.
11) Besteht ein Unterschied in der Sinnhaftigkeit von Standorten in Second Life
für KundInnen öffentlicher oder wissenschaftlicher Bibliotheken? Wenn ja,
warum?
a) Nein: Die beiden Universitätsbibliotheken und die State Library of Kansas sind
sich einig, dass die virtuelle Welt Second Life für öffentliche und wissenschaft-
liche Bibliotheken gleichermaßen geeignet ist.
b) Ja: Die Bayerische Staatsbibliothek vertritt den Standpunkt, dass Second Life
besser für öffentliche Bibliotheken geeignet ist, da das Hauptpublikum der wis-
senschaftlichen Bibliotheken, nämlich Studierende, stärker an realem Lernraum
interessiert sind; dieser ergibt sich naturgemäß nur in den realen Einrichtungen.
Die Glenview Public Library äußert andere Gedanken; an der öffentlichen Ein-
richtung in Glenview sieht man eher an wissenschaftlichen Bibliotheken Poten-
tial für die Integration virtueller Welten. Akademisches Personal und Studieren-

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

de würden sich eher für Second Life interessieren beziehungsweise daran mitar-
beiten.

Die Mehrheit der befragten Einrichtungen sieht keine unterschiedliche Eignung.


Zwei Bibliotheken haben sich für unterschiedliche Eignungen ausgesprochen –
allerdings hat man sich nicht auf eine Präferenz festgelegt. Beide genannten Be-
gründungen klingen plausibel.

Das Interesse der KundInnen an Second Life wird als eher niedrig eingestuft. Dies ist
eine spannende Erkenntnis in Bezug auf Kundenservice. Wenn in BenutzerInnen kaum
Interesse vermutet wird, inwiefern macht das Angebot von Serviceleistungen im virtuel-
len Bereich überhaupt Sinn? Dennoch erkennen die TeilnehmerInnen der Case Studies
das in Second Life liegende Potential für neuwertigen Service an. Man könnte bei-
spielsweise virtuelle Führungen anbieten und dadurch die Schwellenangst zur realen
Einrichtung abbauen. Das gleiche könnte durch Workshops mit virtuellen Institutionen
geschehen.
Bei der Frage, ob ein Eintritt in die zweite Welt eher für KundInnen von öf-
fentlichen oder wissenschaftlichen Bibliotheken Sinn macht, entschied die Mehrheit für
eine gleichwertige Eignung; zwei TeilnehmerInnen plädierten für jeweils eine der Ant-
wortmöglichkeiten. In diesem Bereich scheint es keine Präferenz zu geben; mit einer
entsprechenden Strategie kann Second Life für Bibliotheken beider Sparten nützlich
sein.

D. EFFEKTIVITÄT
12) Hat sich die Anzahl der neu registrierten KundInnen seit dem Eintritt in Se-
cond Life überproportional verändert?
a) Nein: Alle befragten Einrichtungen gaben an, dass sich die Anzahl der neuen
KundInnen nicht überproportional verändert hat.

Second Life hat demnach keine Auswirkung auf die Neuregistrierung von Be-
nutzerInnen.

Verena Loibner  Seite 87 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

13) Inwiefern haben sich Ihre Erwartungen an BesucherInnenzahlen an Ihrem


Standort in Second Life erfüllt?
a) Keine Daten: Die Bayerische Staatsbibliothek konnte auf Grund mangelnder
Statistiken dazu keine Aussage machen.
b) Nicht zufriedenstellend: Die Glenview Public Library und die Kean University
Library berichteten, dass sich ihre Erwartungen nicht erfüllt hätten. Beide äußern
allerdings Bedenken, zu wenig für den virtuellen Standort geworben zu haben.
c) Zufriedenstellend: Die State Library of Kansas und die Murdoch Public Library
sind zufrieden mit den BesucherInnen in ihrer virtuellen Bibliothek. Aus Kansas
berichtete man vor allem von internationalen BesucherInnen, welche sich positiv
über die Einrichtung geäußert haben.

Teilweise konnten Erwartungen an BenutzerInnenzahlen erfüllt werden, teilwei-


se nicht. Allerdings äußerten die beiden unzufriedeneren Bibliotheken konkrete
Verdachte, woran es gescheitert sein könnte – mangelnde Werbung.
14) Empfinden Sie die Nutzung Ihrer Angebote in Ihrem Standort in Second Life
als für Sie zufriedenstellend?
a) Nein: Sowohl die Glenview Public Library als auch die Kean University Library
hätten sich größere Nutzung der angebotenen Dienste erwartet. Beide sind gene-
rell unzufriedener mit der KundInnenfrequenz (vergleiche Frage 13).
b) Ja: Die State Library of Kansas, die Bayerische Staatsbibliothek und die Mur-
doch University Library zeigen sich zufrieden mit der Nutzung ihrer angebote-
nen virtuellen Dienstleistungen.

Erwartungsgemäß decken sich die Antworten großteils mit jenen der voran ge-
henden Frage.
15) Wie haben sich Ihre KundInnen über Ihre Einrichtung in Second Life geäu-
ßert?
a) Keine Daten: Zwei Bibliotheken konnten hierzu auf Grund mangelnder Statisti-
ken keine Angaben machen.

Verena Loibner  Seite 88 
Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

b) Positiv: Die anderen drei berichteten von ausschließlich positiven Rückmeldun-


gen. Die State Library of Kansas bekommt jede Woche ein paar Kommentare zu
ihrer virtuellen Bibliothek; in Murdoch hat sich sogar eine eigene Gruppe Stu-
dierender gebildet, welche die Universität im Kauf einer eigenen Insel bestärkte.

Keine Bibliothek machte Erfahrung mit negativen Reaktionen.


16) Inwiefern haben sich Ihre Erwartungen bezüglich des Nutzens Ihres Standor-
tes in Second Life erfüllt?
a) Nicht erfüllt: Die Bibliotheken in Glenview und an der Kean Universität meinten
beide, ihre Erwartungen bezüglich des Nutzens des virtuellen Standortes hätten
sich nicht erfüllt.
b) BenutzerInnen vorbereitet: Insbesondere die Murdoch University Library sieht
durch den Erfolg ihrer Workshops ihre BenutzerInnen gut auf den Umgang mit
virtuellen Welten vorbereitet.
c) Werbung: Die State Library of Kansas nutzte Second Life mit Erfolg um für ihre
Einrichtung zu werben.
d) Anerkennung als innovative Einrichtung: Alle drei Bibliotheken, deren Erwar-
tungen sich erfüllt haben, können nun auf den Ruf eine innovative Einrichtung
zu sein verweisen. Die Bayerische Staatsbibliothek berichtet von einem Messe-
stand auf der Online-Educa in Berlin und die Murdoch University Library wird
seit ihrem Eintritt in die virtuelle Welt verstärkt in IT-Belangen konsultiert.

Sowohl die Glenview Public Library als auch die Kean University Library sehen
ihre Erwartungen als nicht erfüllt an; jedoch äußerten beide Kontaktpersonen das
Bestreben, weiterhin an einem Erfolg ihrer virtuellen Bibliotheken arbeiten zu
wollen – auch ohne größere Unterstützung durch das Management der realen
Bibliothek als bisher. Die anderen drei Bibliotheken können durchaus schöne
Erfolge verbuchen, vor allem die Anerkennung als innovative Einrichtung, die in
IT-Belangen auf dem neuesten Stand der Technik ist, erscheint im Internetzeital-
ter wertvoll.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

17) Viele sehen Second Life als Hype, welcher bereits abgeflaut ist, wie stehen Sie
zu dieser Meinung?
a) Second Life falsch verstanden: Die Kontaktperson an der Murdoch University
Library meinte zu dieser Frage, Second Life sei falsch verstanden worden. Im
Grunde sei es auf eine noch unreife Technologie gebaut und viele NutzerInnen
sind mit falschen beziehungsweise überhöhten Erwartungen in Second Life ein-
getreten. Deshalb sei der Hype abgeflaut.
b) Als Stufe zu sehen: Alle anderen TeilnehmerInnen sind sich einig, dass Second
Life als Stufe zu sehen sei. In Kansas meint man, Second Life könne Bibliothe-
ken auf eine neue Servicestufe bringen beziehungsweise in der Entwicklung da-
hin bestärken. Aus Glenview und Kean wurde berichtet, dass Second Life eine
wichtige Stufe für virtuelle Welten im Allgemeinen ist – auch wenn diese vie-
lerorts immer noch als Spiel angesehen werden. In Bayern teilt man diese An-
sicht; viele Bibliotheken (vor allem im deutschsprachigen Raum) entdecken erst
den Nutzen virtueller Welten – insofern ist Second Life als Stufe dorthin zu se-
hen.
c) Erst im Kommen: Glenview und Kean stimmen darin überein, dass virtuelle
Welten an sich – und Second Life insbesondere – erst im Kommen sind. Lang-
fristig gesehen mag sich Second Life eventuell nicht an der Spitze halten kön-
nen.

Einig ist man sich insofern, dass Second Life eine gute Möglichkeit dar stellt,
Praxis für das Kommen der virtuellen Welten zu sammeln und somit auf den
Trend vorbereitet zu sein.

Insbesondere die Ergebnisse in Bezug auf die Effektivität eines Eintritts in Second Life
sind spannend. Aus den ersten drei Teilgebieten des Fragenkatalogs konnte man folgen-
de Erkenntnisse gewinnen:
• Die Motivation eine Einrichtung in Second Life zu eröffnen war nicht in erster
Linie die Gewinnung neuer KundInnen, sondern eher Neugierde auf die neue
Welt und der Wunsch, Erfahrungen zu sammeln.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

• Der Aufwand zu Aufbau und Betreibung ist als gering und dem Nutzen gerecht
werdend beschrieben.
• Kundenservice kann durch Second Life vermehrt angeboten werden, aber das In-
teresse der KundInnen wird als eher gering eingeschätzt.
Welche Ergebnisse konnten also mit wenig Aufwand erzielt werden?
• Negativ: Die Anzahl der neu registrierten KundInnen ist nicht überproportional
seit der Errichtung des virtuellen Standorts angestiegen.
• Neutral: Die Erwartungen an BesucherInnenzahlen an dem virtuellen Standort
haben sich gleichermaßen teilweise erfüllt, teilweise nicht.
• Positiv: Die Nutzung der Angebote an dem virtuellen Standort wird mehrheitlich
als zufrieden stellend empfunden.
• Positiv: Soweit Daten verfügbar waren, haben sich alle KundInnen positiv über
den virtuellen Standort geäußert.
• Positiv: Für zwei Bibliotheken konnten sich die Erwartungen bezüglich des Nut-
zens für die reale Bibliothek nicht erfüllen. Die anderen drei äußerten sich sehr
zufrieden und berichteten von Anerkennung als innovative Einrichtung, Werbung
durch den Eintritt, Vertiefung internationaler Beziehungen zu FachkollegInnen
und Erfolg in der Vorbereitung ihrer BenutzerInnen auf virtuelle Welten.

6.2 Einzelergebnisse der Bibliotheken zusammengefasst 

Aus diesem Fragenkatalog ergeben sich auch interessante Einzelbetrachtungen zu den


Bibliotheken. Fünf verschiedene Bibliotheken haben unter großteils verschiedenen Vor-
aussetzungen und teilweise mit verschiedenen Zielsetzungen virtuelle Entsprechungen
ihrer Einrichtungen errichtet.
Für die State Library of Kansas war dieses Projekt ein voller Erfolg. Die
vielseitig und informativ gestaltete virtuelle Bibliothek bietet viele über Bibliotheks-
dienste hinaus gehende Dienste beziehungsweise Linksammlungen an. Anfangs ent-
schied man sich aus purer Neugier für einen Einstieg in Second Life; die Kontaktperson
wollte sich in Bezug auf neue Technologien weiter bilden und hat deshalb sowohl Ar-

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

beits- wie auch Freizeit in die Errichtung der virtuellen Zweigstelle investiert. Der posi-
tive Nebeneffekt der engagierten Gestaltung war der Besuch vieler interessierter Avata-
re (durchschnittlich 15-20 pro Tag); man konnte auch einige Personen ansprechen, die
im realen Leben keine Bibliotheken nutzen und somit neue NutzerInnen ansprechen –
von den befragten Einrichtungen sieht man nur in Kansas das Potential, neue Benutze-
rInnen über Second Life zu gewinnen. Allerdings musste die Kontaktperson auch ein-
räumen, dass die eigentlichen NutzerInnen der State Library of Kansas – hauptsächlich
MitarbeiterInnen der Regierung – welche gezielt recherchieren, eher kein Interesse für
Second Life zeigen. Dies kann als Grund gewertet werden, wieso auf der Homepage
kein Link zur virtuellen Einrichtung vorhanden ist. Zusammenfassend ist festzustellen,
dass die virtuelle Bibliothek die Erwartungen erfüllt und teilweise sogar übertroffen hat
und der Aufwand dem Nutzen in jedem Punkt gerecht wird.
Im Gegensatz dazu schätzt die Glenview Public Library den Eintritt in Se-
cond Life als bisher eher nicht erfolgreich ein. Das Bestreben eine virtuelle Zweigstelle
zu errichten war einerseits Erfahrungen mit virtuellen Welten zu sammeln und anderer-
seits den BenutzerInnen neuen, wertvollen Service zu bieten. Da ein Neubau geplant ist,
wollte man den KundInnen auch für die Umzugszeit immer zur Verfügung stehen – in
diesem Fall durch eine virtuelle Einrichtung. Die Erwartungen an Second Life waren
demnach eher hoch. Problematisch gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem oberen
Management; die zweite Welt wird als Spiel gesehen und die Führungsebene der Biblio-
thek steht nicht hinter der virtuellen Zweigstelle, welche nur von wenigen Freiwilligen
in deren Freizeit aufgebaut und betreut werden konnte beziehungsweise kann. Unter
diesen schwierigen Voraussetzungen war auch das Bewerben der virtuellen Bibliothek
bei den BenutzerInnen nicht möglich. Der fehlende Erfolg der aufwendig und kreativ
gestalteten virtuellen Einrichtung lässt sich auf diese Faktoren zurück führen. Dennoch
sieht man in der Nutzung von Second Life das Potential innovative Serviceangebote zu
erstellen und sich als Informationslieferant neu zu positionieren. Trotz des scheinbaren
Misserfolges wird man definitiv weiter an der virtuellen Einrichtung arbeiten.
Die Bayerische Staatsbibliothek wiederum berichtet von einem erfolgrei-
chen Eintritt in die zweite Welt. Man entschloss sich zu dem Aufbau der aufwendig
gestalteten Zweigstelle um auf die Bedürfnisse der BenutzerInnen von morgen vorberei-

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

tet zu sein; dabei ist dies wirklich als Zweigstelle der Bayerischen Staatsbibliothek an-
zusehen, da sich das Informationsangebot auf eigene Quellen beschränkt – wie in der
Befragung geäußert wurde, sieht man in Second Life nicht die Möglichkeit sich als In-
formationslieferant neu zu positionieren. Die virtuelle Einrichtung konnte insbesondere
durch von der Bibliothek angebotene Schulungen und Fachveranstaltungen punkten,
trotzdem hat man festgestellt, dass sich die Anzahl der neu registrierten BenutzerInnen
nicht verändert hat. Als einzige der an den Case Studies teilnehmenden Bibliotheken
stuft man in Bayern das Interesse der KundInnen als eher hoch ein, doch dabei be-
schränkt man sich auf Angaben zu einer technikaffinen Klientel. In Summe hat die Ent-
scheidung, etwas im deutschsprachigen Raum noch einzigartiges auszuprobieren, posi-
tive Früchte getragen und die Erwartungen der MitarbeiterInnen, soweit es dazu Daten
gibt, erfüllt – zudem genießt die Bayerische Staatsbibliothek nun den Ruf eine innovati-
ve Organisation zu sein.
Im Gegensatz dazu zeigt man an der Kean University Library eher Enttäu-
schung über die Errichtung des virtuellen Standortes. Obwohl man auf der im Vergleich
zu den anderen hier behandelten Bibliotheken eher kleinen virtuellen Fläche ein speziell
auf Studierende der Kean University zugeschnittenes Informationsangebot eingerichtet
hat, berichtet die Kontaktperson von eher mäßigem Erfolg bei den BenutzerInnen. Die
Motivation für den Eintritt war zu einem großen Teil die Neugierde der Kontaktperson
selbst – diese Neugierde hätte man sich auch bei den Studierenden erwartet, jedoch
werden die nötigen technischen Voraussetzungen zuhause als mögliche Gründe für die
fehlenden BenutzerInnen gewertet; in der Bibliothek bietet man deshalb entsprechende
Rechner an. Eine weitere Intention war, die virtuelle Bibliothek als zweiten Standort
aufzubauen. Wie an der Glenview Public Library mangelt es an Unterstützung; die Uni-
versität selbst hat bislang kein Interesse die Vorzüge der virtuellen Welt zu nutzen.
Dennoch sieht man Potential in der zweiten Welt und möchte weiterhin an Verbesse-
rungen arbeiten.
Ein weiteres positives Beispiel bietet die australische Murdoch University
Library. Diese Bibliothek sticht insbesondere dadurch aus den befragten Einrichtungen
hervor, weil man von Anfang an eng mit anderen Abteilungen der Universität zusam-
mengearbeitet hat und der virtuelle Standort nicht errichtet wurde um neue bibliotheka-

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

rische Dienste zu entwickeln, sondern um didaktische Inhalte auf eine innovative Art
anzubieten. Auch ist der virtuelle Standort nicht für die Öffentlichkeit gedacht, sondern
ausschließlich für Studierende und MitarbeiterInnen der Universität. Murdoch Universi-
ty Island ist nur über Rechner des realen Campus erreichbar. Somit ergeben sich im
Vergleich zu den übrigen teilnehmenden Bibliotheken andere Voraussetzungen und
Erwartungen. Die Murdoch University Library wollte keine bibliothekarische Zweig-
stelle errichten, sondern eine Möglichkeit bieten, spielerisch mit virtuellen Welten ver-
traut zu werden. Die Kontaktperson stellt fest, dass sich viele der Studierenden erst
durch Teilnahme an den Workshops wirklich für Second Life interessierten. Die zweite
Welt wurde in diesem Beispiel bestmöglich genutzt und konnte die an sie gestellten
Erwartungen erfüllen.

6.3 Überprüfung der Thesen 

Die in Kapitel 5.1.3 aufgestellten Thesen zu Bibliotheken in Second Life werden nun
auf Basis der Case Studies überprüft.

1. Das Interesse von KundInnen an Second Life ist niedrig. (vergleiche Case Stu-
dies, Frage 9)
Die Mehrheit der teilnehmenden Institutionen schließt sich dieser Meinung an. Die
Annahme, dass sich ein jüngeres Publikum, wie Studierende, eher für virtuelle Wel-
ten interessieren könnte, muss nach der Durchführung dieser Case Studies sehr kri-
tisch überdacht werden. Beide Universitätsbibliotheken gaben an, ihre BenutzerIn-
nen zeigten kein allzu großes Interesse – mit Ausnahme der engagierten StudentIn-
nengruppe in Murdoch, welche nach Teilnahme an den Workshops zu dem Thema
Second Life den Kauf einer unversitätseigenen Insel durchsetzen konnten. Auch an-
dere Einschränkungen werden genannt: Bei einem technikaffinen Publikum wird
größeres Interesse geortet.
Woran liegt das Desinteresse an der zweiten Welt? An anderen Stellen der Befra-
gung wurde ein Manko an Werbung als möglichen Grund für das fehlende Interesse

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

an der virtuellen Einrichtung diagnostiziert. In diesem Gedankenzug werden auch


die technischen Anforderungen genannt und die Problematik des „Spielerischen“ bei
einem Thema wie Informationsbereitstellung Second Life wird teilweise als nicht
ernst zu nehmend gesehen.
Ergebnis: These verifiziert.
2. Second Life eignet sich als Instrument neue KundInnen zu erreichen. (verglei-
che Case Studies, Frage 2)
Auch hier bestätigt die Mehrheit der Second Life erfahrenen Bibliotheken, dass sich
Second Life nicht für KundInnenenacquisition eignet. Nur eine Ausnahme hat ge-
zeigt, dass es doch möglich ist, potentielle BenutzerInnen durch einen Eintritt in eine
virtuelle Welt anzusprechen.
Vielleicht ist das Bestreben, durch Second Life NeukundInnen zu gewinnen, ein zu
ehrgeiziges? Anscheinend ist dies die falsche Motivation eine Einrichtung in der
zweiten Welt aufzubauen.
Ergebnis: These falsifiziert.
3. Durch Second Life kann man eher keine Neupositionierung der Bibliothek als
Informationslieferant im Internet erreichen. (vergleiche Case Studies, Frage 3)
Second Life gilt dem Großteil der TeilnehmerInnen als Evolution des Webs, welche
vor allem durch ihr kreatives Potential sehr wohl dazu dienen kann, sich als Informa-
tionslieferant neu zu positionieren. Second Life bietet vielfältigere Möglichkeiten als
eine klassische Homepage – das wurde mit den zahlreichen zusätzlichen Angeboten
der in Second Life integrierten Einrichtungen gezeigt.
Außerdem haben einige Institutionen berichtet, dass ihre Bibliotheken seit dem Ein-
tritt in die virtuelle Welt von externen BetrachterInnen als innovativ und sich in IT-
Belangen auf dem neuesten Stand befindlich gesehen wird. Dies kann bereits als
Neupositionierung gewertet werden.
Ergebnis: These falsifiziert.
4. Ein Fortschritt im Servicebereich ist durch die Errichtung eines Standortes in
Second Life eher nicht gegeben. (vergleiche Case Studies, Frage 10)
Vier von fünf der BibliothekarInnen sahen in Second Life großes Potential für Inno-
vationen im Servicebereich. Als Beispiele wurden vor allem solche genannt, die mit

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

direkter Kommunikation im virtuellen Umfeld zu tun haben: virtuelle Führungen,


virtuelle Diskussionsrunden, Informationen durch Auskunftsavatare.
All diese Services würden den Bibliotheken im Internet, neben Informationsbereit-
stellung, aktive Dienste ermöglichen. Man kommt seinen BenutzerInnen entgegen;
viel geschieht auf persönlicher Ebene.
Ergebnis: These falsifiziert.
5. Der personelle Aufwand ist sehr hoch. (vergleiche Case Studies, Frage 4)
Einstimmig erklärten die TeilnehmerInnen, dass der personelle Aufwand gering ist.
Die meisten virtuellen Bibliotheken wurden im Alleingang beziehungsweise in klei-
nen Teams aufgebaut. Auch die Betreuung nimmt keinen großen Personalaufwand
in Anspruch, regelmäßige Updates und zeitlich geregelte Erreichbarkeit werden als
genügend empfunden.
Ergebnis: These falsifiziert.
6. Der personelle Aufwand wird dem Nutzen nicht gerecht. (vergleiche Case Stu-
dies, Frage 4 und 5)
Viele österreichische BibliothekarInnen haben die Befürchtung geäußert, eine virtu-
elle Bibliothek erfordere ständige Betreuung und wäre deshalb enorm aufwändig.
Dies wurde durch allerdings von allen an den Case Studies teilnehmenden Einrich-
tungen entkräftet; alle sprachen sich gegen die Notwendigkeit einer lückenlosen, vir-
tuellen Betreuung aus und betonten abermals, dass der personelle Aufwand in jedem
Fall durch den Nutzen abgedeckt wird.
Somit konnte eine der Hauptbefürchtungen beziehungsweise Hauptargumente der
eingangs befragten Bibliotheken gegen einen Eintritt in Second Life klar widerlegt
werden.
Ergebnis: These falsifiziert.
7. Der finanzielle Aufwand ist eher hoch. (vergleiche Case Studies, Frage 6)
Eine weitere Befürchtung der österreichischen Bibliotheken war ein hoher finanziel-
ler Aufwand. Durch die hier ausgeführten Case Studies kann auch diese eindeutig
entkräftet werden. Die teilnehmenden Institutionen haben einstimmig die niedrigen
beziehungsweise dem Nutzen entsprechenden Kosten betont.
Ergebnis: These falsifiziert.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

8. Die technischen Voraussetzungen könnten für die BenutzerInnen problema-


tisch werden. (vergleiche Case Studies, Frage 7)
Selbst bei den praxiserfahrenen Einrichtungen herrscht in dieser Frage Unstimmig-
keit, wobei die Tendenz eher dazu geht, in den technischen Voraussetzungen poten-
tielle Problemherde zu sehen.
Ein wichtiger Rat diesbezüglich ist die Bereitstellung leistungsstarker Rechner in für
BenutzerInnen zugänglichen Räumlichkeiten an der jeweiligen Einrichtung.
Ergebnis: These verifiziert.
9. Die Betreibung eines Standortes in Second Life ist sehr aufwändig und im Ver-
hältnis zum Aufwand wenig bis gar nicht nutzbringend. (vergleiche Case Stu-
dies, Frage 8)
Auch dieser Einwand der im voran gegangenen Fragebogen geäußerten Bedenken
kann durch die Befragung der Case Studies entkräftet werden. Die in Second Life
vertretenen Bibliotheken haben klar gestellt, dass die Betreibung eines virtuellen
Standortes nicht sehr aufwändig ist und den Nutzen in jedem Fall rechtfertigt.
Dies haben auch in Second Life weniger erfolgreiche Institute betont. Wenn keine
KundInnen angesprochen werden konnten, so diente der Eintritt der Intensivierung
von Fachbeziehungen, der Werbung für die Bibliothek, dem Ansehen der Bibliothek
als innovativ und nicht zuletzt als Möglichkeit in einem neuen Gebiet Erfahrungen
zu sammeln.
Ergebnis: These falsifiziert.
10. Second Life ist nur ein Hype, welcher bereits abgeflaut ist, und deshalb er-
scheint jegliche Investition sinnlos. (vergleiche Case Studies, Frage 17)
Die in den Case Studies befragten Personen sind sich weitgehend einig, dass Second
Life als Stufe zu Neuerungen im virtuellen Bereich zu sehen ist. Diese virtuelle Welt
mag vielleicht bald durch eine besser konzeptionierte ersetzt werden, jedoch die be-
reits mit virtuellen Welten gesammelten Erfahrungen sind in jedem Fall als vorteil-
haft zu sehen.
Die Beteiligten sind sich einig, dass eine Investition, in finanzieller wie personeller
Hinsicht, keineswegs sinnlos ist (vergleiche dazu auch These 9).
Ergebnis: These falsifiziert.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

11. Second Life ist nur für öffentliche Bibliotheken geeignet. (vergleiche Case Stu-
dies, Frage 11)
Bei dieser These sind sich selbst mit Second Life erfahrene BibliothekarInnen unei-
nig. Drei sahen keinen Unterschied in der Eignung und die verbliebenen beiden
sprachen sich jeweils für öffentliche beziehungsweise wissenschaftliche Bibliothe-
ken aus.
Ergebnis: In dieser Frage ist es zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen.

Insgesamt acht der auf die Ansichten von österreichischen BibliothekarInnen aufgestell-
ten Thesen wurden falsifiziert, nur zwei verifiziert und bei einer These konnte kein ein-
deutiges Ergebnis erzielt werden. Dies zeigt, dass die Einrichtungen in vielen ihrer Be-
fürchtungen falsch liegen, jedoch in dem Punkt ‚mangelndes KundInneninteresse’ Recht
haben.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

7. Resümee 

Das World Wide Web ist dabei Bibliotheken den Rang als Informationslieferanten abzu-
laufen – wenn dies nicht bereits geschehen ist! Informationen durch Suchmaschinen zu
erlangen geht rascher, als eine Bibliothek aufzusuchen, dort nach Nachschlagewerken
zu recherchieren und dann das Gewünschte in den Regalen zu finden. Bibliotheken
müssen umdenken, Kompromisse mit dem Medium Internet eingehen und Kreativität
beweisen. Einige BibliothekarInnen versuchen dies durch die Errichtung eines virtuellen
Standortes ihrer Einrichtung in der virtuellen Welt Second Life.
Dieser Trend führte zu einem Zusammenschluss vieler bibliothekarischer In-
stitutionen auf dem virtuellen Infoarchipelago in der zweiten Welt. Angeboten werden
Informationen, traditionelle oder innovative Serviceleistungen und Fachauskünfte durch
Bibliotheksavatare – kurz: virtuelle Welten, welche eine Weiterentwicklung des Inter-
nets dar stellen, könnten den Begriff Library 3.0 prägen. Dennoch besteht das Infoar-
chipelago, diese internationale bibliothekarische Kooperation, hauptsächlich aus ameri-
kanischen Einrichtungen. Mit Ausnahme der Bayerischen Staatsbibliothek ist keine wei-
tere deutschsprachige geschweige denn österreichische Bibliothek bekannt, die es ge-
wagt hat, mit dem neuen Medium ‚virtuelle Welt‘ zu experimentieren.
Ein Fragebogen wurde an österreichische Bibliotheken ausgeschickt, um
aufzudecken, wieso man sich dem Phänomen Second Life so konsequent verschließt.
Als Hauptgründe, die gegen Second Life sprechen, befürchtete man großen Aufwand in
sowohl personeller wie auch finanzieller Hinsicht, außerdem meinte man, die virtuelle
Bibliothek brächte keinerlei Zusatznutzen. Ein oft genannter Einwand war auch die
Sorge, diese virtuelle Bibliothek 24 Stunden pro Tag besetzen zu müssen – dieser Auf-
wand würde keinesfalls dem Nutzen entsprechen. Dazu muss man bedenken, dass sich
74% der beteiligten Personen nicht über einen Einstieg in Second Life – vermutlich
auch nicht über Second Life an sich – informiert haben. Auch bekannten sich 47% der
LeiterInnen offen dazu, der virtuellen Welt Second Life grundsätzlich eher negativ ge-
genüber zu stehen. Interessant ist vor allem, dass trotzdem 42% in Second Life durchaus
eine zukunftsorientierte Möglichkeit sehen, neue KundInnen zu erreichen; zuerst seien
allerdings Library 2.0 Tools zu integrieren. Österreichische Bibliotheken stehen der

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virtuellen Welt demnach eher negativ gegenüber, obwohl Potential für einen Nutzen
gesehen wird – ein Paradoxon. Ein Grund für die negative Grundeinstellung könnte das
weit verbreitete Missverständnis, Second Life sei ein Spiel und deshalb nicht ernst zu
nehmen, sein. Andererseits muss man diesbezüglich der Kontaktperson der Kansas State
Library Recht geben, der/die sich fragte, was eigentlich so schlimm an einem spieleri-
schen Zugang zu Wissen wäre?
Für österreichische Bibliotheken stellt sich die Frage nach der Effektivität
eines Eintritts in Second Life; hat es überhaupt Sinn sich mit diesem Phänomen ausei-
nanderzusetzen? Anhand der Ergebnisse wurden Thesen zu Second Life allgemein und
der Effektivität erstellt, um sie in den Case Studies zu überprüfen – ist die virtuelle
Welt als sinnvolles Instrument zur Attraktivitätssteigerung der Bibliothek zu se-
hen? Diese Frage soll nun beantwortet werden.
An den Case Studies teilgenommen haben fünf Bibliotheken, die mit teil-
weise unterschiedlichen Erwartungen beziehungsweise Zielsetzungen an das Projekt
Bibliothekseingliederung in die virtuelle Welt heran getreten sind. Jedes einzelne wurde
von Menschen durch geführt, die sich primär aus persönlichem Interesse an Neuem für
Second Life interessierten. Der Fragenkatalog bestand aus Items, welche die aufgestell-
ten Thesen überprüfen und zusätzlich Fragen zur Effektivität beantworten sollten.
Acht von den elf anhand der Meinung österreichischer Institutionen aufge-
stellten Thesen wurden falsifiziert. Second Life wurde in den Case Studies ein Groß-
teils positives Zeugnis abgelegt. Und die erfahrenen Bibliotheken sind sich darin einig,
dass sowohl der personelle wie auch der finanzielle Aufwand nicht hoch ist bezie-
hungsweise in jedem Fall dem Nutzen entspricht und darüber hinaus durch die virtuelle
Welt Zusatznutzen wie Werbung und internationale Kooperation lukriert werden kann!
Diese Erkenntnis entkräftet die von österreichischen BibliothekarInnen ge-
nannten Hauptgründe, welche gegen den Aufbau einer virtuellen Bibliothek in Second
Life sprechen. Eine weitere wichtige Erkenntnis bringt die Einigkeit, dass eine 24/7
Betreuung keinesfalls notwendig sei. In einem Punkt waren die mit Second Life uner-
fahrenen Bibliotheken zu optimistisch – der NeukundInnenacquisition. Darin wurde
sehr wohl Potential gesehen, allerdings konnten die erfahrenen Bibliotheken dies nicht
bestätigen.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

Kann die virtuelle Welt Second Life nun die Attraktivität einer Bibliothek steigern?
Ja, sie kann!

„Our patrons are [now] more educated about an information tool that is likely to affect
their future and many now regard the library as a service that can generally provide this.“
(aus dem Fragebogen der Murdoch University Library, welche das Experiment mit Second Life
wagte)

Der Eintritt in die zweite Welt ist für die Einrichtung an sich als effektiv anzusehen,
weil erwiesenermaßen:
• die Angebote in der virtuellen Welt von KundInnen genutzt werden
und somit diese virtuelle Bibliothek als zusätzlicher Service gesehen
wird.
• sich KundInnen sehr positiv über den zusätzlichen Service und die
virtuelle Einrichtung an sich geäußert haben.
• Bibliotheken durch das Wagnis, in die virtuelle Welt einzutreten, An-
erkennung als innovative Einrichtung erfahren.
• diese Innovation als Werbemittel eingesetzt werden kann, weil man
auf eine zusätzliche Art präsent ist.
• durch den Aufbau eines virtuellen Standortes internationale Fachkol-
legInnen auf die Einrichtung selbst aufmerksam werden und dadurch
internationale Kontakte vertieft werden können.
• bei gezieltem Einsatz von Workshops die Vorbereitung von Benutze-
rInnen und MitarbeiterInnen auf virtuelle Welten erreicht wird und
man auf diese Weise auch das Interesse der NutzerInnen steigern
kann.
Trotzdem bleibt zu bedenken, selbst die erfolgreichen mit Second Life erfah-
renen Institutionen haben angegeben, dass sie das Interesse ihrer KundInnen als nicht
allzu hoch einschätzen. Dies meinten auch die Kontaktpersonen von den beiden Univer-
sitätsbibliotheken. Gerade deren Klientel sollte an sich – als junge ‚digitale‘ Generation

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– sehr interessiert an dem Eintritt ihrer Serviceeinrichtung in eine virtuelle Welt sein.
Kean zeigt sich sehr enttäuscht, auch im an sich erfolgreichen Murdoch ortet man eher
Desinteresse. Andererseits hat es die Kontaktperson in Murdoch geschafft, durch
Workshops das Publikum derart zu begeistern, dass sich eine Gruppe Studierender er-
folgreich dafür eingesetzt hat, für die Universität eine ganze virtuelle Insel zu erwerben.
Angesichts des sehr positiven Beispiels für institutionsübergreifende Zusam-
menarbeit in Murdoch kann in dieser Arbeit für akademische Bibliotheken die Emp-
fehlung ausgesprochen werden, mit ihren jeweiligen Bildungseinrichtungen zusammen-
zuarbeiten, falls erwogen wird, die zweite Welt zu erobern. Gemeinsam kann man Ziel
gerichtete Konzepte besser umsetzen – beispielsweise durch Lehrende initiierte Projekt-
ideen mit Bibliotheksbelangen oder Recherche zu verknüpfen.
Öffentliche Bibliotheken können sich an den Positivbeispielen Bayern und
Kansas orientieren. Workshops um KundInnen gezielt auf Second Life aufmerksam zu
machen in Kombination mit einzigartigen virtuellen Angeboten, wie digitalisierte Be-
stände in der virtuellen Welt zu präsentieren, stellen hier das Erfolgsrezept dar. Auch
über das hauseigene Informationsangebot hinaus gehende Linksammlungen werden von
BenutzerInnen gerne angenommen. Von Glenview könnte man sich die Second Life
bezogenen intermedialen Services abschauen und für die zusätzliche Onlineschulung
von Interessierten nutzen. Dennoch zeigt diese Einrichtung auch, dass Zusammenarbeit
innerhalb der Institution von enormer Bedeutung für den Erfolg eines Projekts sein
kann.

Als wichtig erscheint auch die Erwartungshaltung, mit der an die Errichtung eines
virtuellen Standortes heran gegangen wird. Die Case Studies haben gezeigt, dass sich
Second Life nicht in erster Linie dazu eignet, neue KundInnen zu lukrieren. Auch der
ehrgeizige Aufbau als zweite Zweigstelle, wie die virtuellen Bibliotheken von Kean und
Glenview geplant waren, funktioniert meist nicht wie gewünscht. Zuerst müssen Kun-
dIinnen das neue Medium virtuelle Welten annehmen, erst dann kann ernst zu nehmen-
der Bibliotheksbetrieb aufgenommen werden.
Sinnvoller ist der gezielt ausgearbeitete Eintritt in die zweite Welt, um sich
mit neuen Medien vertraut zu machen und diese den KundInnen zu präsentieren be-

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ziehungsweise gleichzeitig die eigenen MitarbeiterInnen auf neue Entwicklungen vor-


zubereiten. Ein positiver Nebeneffekt ergibt sich durch die Positionierung der Einrich-
tung als innovativ und offen für neue Entwicklungen – dadurch kann man einen wichti-
gen Schritt setzen, um mit dem Konkurrenten Internet zusammenzuarbeiten und dessen
Vorteile früher oder später zu den eigenen machen. Zudem lässt sich dieser Zusatznut-
zen mit relativ wenig personellem und finanziellem Aufwand erlangen; das heißt: posi-
tiver Effekt mit überschaubarem Aufwand!

Auf diese Weise ist Second Life als ein sinnvolles Instrument
zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek zu sehen.

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

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9. Anhang 

9.1 Fragebogen 
Bibliotheken in Second Life - schön und gut, aber was bringen sie?

1. Allg. Fragen zur Bibliothek:


• Bitte geben Sie die Art Ihrer Bibliothek an:

• Bitte geben Sie die Anzahl Ihrer MitarbeiterInnen an:

• Bitte geben Sie den Umfang Ihres Medienbestandes an:

• Bitte geben Sie die Anzahl Ihrer NutzerInnen an:

• Bitte geben Sie die Anzahl der Entlehnungen an Ihrer Bibliothek im Jahr 2007
an:

2. Fragen zu Second Life:


• Empfinden Sie Second Life als zukunftsbestimmend am Informationssektor?

• Haben Sie sich über einen Einstieg (Ihrer Bibliothek) in Second Life informiert?

• Ist ein Eintritt Ihrer Bibliothek in Second Life geplant?

• Stehen Sie als RepräsentantIn Ihrer Bibliothek der virtuellen Welt Second Life
positiv gegenüber? Bitte um Begründung.

• Schätzen Sie das Interesse Ihrer KundInnen an Second Life als hoch ein?

• Empfinden Sie Second Life als eine zukunftsorientierte Möglichkeit neue Kun-
dInnen zu erreichen?

• Bietet Ihnen der Eintritt in die virtuelle Welt Second Life die Möglichkeit, sich
im Internet als Informationslieferant neu zu positionieren?

• Sehen Sie die Möglichkeit für neuartige Serviceleistungen durch eine Implemen-
tierung eines virtuellen Standortes in Second Life?

• Erachten Sie den personellen Aufwand für den Aufbau eines Standortes Ihrer
Bibliothek in Second Life als hoch?

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

• Erachten Sie den finanziellen Aufwand für den Aufbau eines Standortes Ihrer
Bibliothek in Second Life als hoch?

• Sehen Sie die nötigen technischen Voraussetzungen als Hindernis?

• Welche anderen Gründe sprechen gegen die Errichtung eines virtuellen Standor-
tes in Second Life?

• Sonstige Anmerkungen:

[ermittelt mit http://www.kwiksurveys.com]

9.2 Ergebnisse des Fragebogens 

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Second Life - ein sinnvolles Instrument zur Steigerung der Attraktivität einer Bibliothek? 

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9.3 Fragebogen der Case Studies 
Bibliotheken in Second Life – ein Resümee

A. MOTIVATION
1) Wodurch wurden Sie motiviert einen Standort in Second Life einzurichten (z.B.
neue Benutzergruppen ansprechen, …)?

2) Empfinden Sie Second Life als eine attraktive Möglichkeit neue KundInnen zu ge-
winnen bzw. ist Ihnen dies durch Ihren Eintritt geglückt? Warum oder warum nicht?

3) Bietet Ihnen der Eintritt in die virtuelle Welt Second Life die Möglichkeit, sich im
Internet als Informationslieferant neu zu positionieren? Warum oder warum nicht?

B. AUFWAND
4) Erachten Sie den personellen Aufwand für den Aufbau eines Standortes Ihrer Bib-
liothek in Second Life als hoch bzw. halten sie 24/7 Betreuung des virtuellen Stand-
orts für nötig? Warum oder warum nicht?

5) Erachten Sie den personellen Aufwand für Aufbau und Betreibung des Standortes
für den Nutzen gerecht werdend? Warum oder warum nicht?

6) Erachten Sie den finanziellen Aufwand für den Aufbau eines Standortes Ihrer Bib-
liothek in Second Life als hoch? Warum oder warum nicht?

7) Sehen Sie die technischen Voraussetzungen als Hindernis für BenutzerInnen?

8) Empfinden Sie die Betreibung des virtuellen Standortes als sehr aufwändig bzw. in
Bezug auf den Nutzen als gerechtfertigt?

C. KUNDENORIENTIERUNG/SERVICE
9) Schätzen Sie das Interesse Ihrer NutzerInnen an Second Life als hoch ein?

10) Inwiefern empfinden Sie den Aufbau eines Standortes in Second Life als geeignet
um vermehrt kundenorientierten Service bzw. völlig neuartigen Service anzubieten?
Bitte um Beispiele.

11) Besteht ein Unterschied in der Sinnhaftigkeit von Standorten in Second Life für
KundInnen öffentlicher oder wissenschaftlicher Bibliotheken? Wenn ja, warum?

D. EFFEKTIVITÄT
12) Hat sich die Anzahl der neu registrierten KundInnen seit dem Eintritt in Second Life
überproportional verändert?

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13) Inwiefern haben sich Ihre Erwartungen an BesucherInnenzahlen an Ihrem Standort


in Second Life erfüllt?

14) Empfinden Sie die Nutzung Ihrer Angebote in Ihrem Standort in Second Life als für
Sie zufriedenstellend?

15) Wie haben sich Ihre KundInnen über Ihre Einrichtung in Second Life geäußert?

16) Inwiefern haben sich Ihre Erwartungen bezüglich des Nutzens Ihres Standortes in
Second Life erfüllt?

17) Viele sehen Second Life als Hype, welcher bereits abgeflaut ist, wie stehen Sie zu
dieser Meinung?

• Sonstige Anmerkungen:

9.4 Ergebnisse des Fragebogens der Case Studies 

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