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Moderne Schatzgräber

Kohle und Eisen, Zink und Blei, Gold und Silber, Öl und Gas, Diamanten und Opale: Australiens Boden steckt voller Schätze. Rohstoffe machen mehr als die Hälfte aller Exporte des Landes aus. Endress+Hauser hilft mit Geräten, Technik und Service, die reichen Lagerstätten zu erschließen.

und Service, die reichen Lagerstätten zu erschließen. Es ist, als ob sich die Tür des Backofens

Es ist, als ob sich die Tür des Backofens geöffnet hätte. Trocken und heiß umfängt die Hitze alle, die auf dem Rollfeld der Cannington-Mine aus dem Flugzeug stei- gen – mitten im Outback Ostaustraliens, 800 Kilometer westlich der Küstenstadt Townsville. Die nächste Sied- lung ist 83 Straßenkilometer entfernt: McKinlay, ein Weiler mit 17 Einwohnern; einer der Drehorte für „Crocodile Dundee“. Das Thermometer zeigt schon kurz nach acht mehr als 30 Grad Celsius. Die Luft flirrt. Aufdringlich um- schwirren Fliegen die Frauen und Männer, die mit der zweimotorigen Turboprop-Maschine eingeflogen sind. Einen Tower gibt es hier nicht, ebenso wenig ein Flug- hafengebäude. Unter einem Blechdach warten die An- kömmlinge auf den Bus, der sie hinaus zum Minenge- lände bringt. Auf dem Flugplatz herrscht reger Betrieb

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an diesem Morgen. Es ist Schichtwechsel in Canning- ton: Die einen haben neun Arbeitstage vor sich, die anderen kehren für fünf freie Tage nach Hause zurück.

Eine Stadt auf Zeit im Nirgendwo Das Silber-, Blei- und Zinkvorkommen von Canning- ton wurde 1990 entdeckt. 1997 begann BHP Billiton Cannington mit dem Abbau untertage. Für die Arbei- ter errichtete das Unternehmen mitten in der Wüste ein kleines Dorf mit Sporthalle, Schwimmbad und Fit- nesscenter, einem kleinen Laden und einer Kranken- station. Ein gewaltiger Aufwand – doch er lohnt sich, auch wenn das Vorkommen in 20 Jahren erschöpft sein wird: Nirgendwo sonst auf der Welt wird derzeit so viel Silber und Blei aus dem Boden geholt wie hier. Das geförderte Erz wird vor Ort weiterverarbeitet.

Schätze aus dem Boden:

Australiens Minenbetriebe verarbeiten das geförderte Erz meist vor Ort weiter (oben). Wie ein Riese ragt die Eisenbrikett-Fabrik bei Port Hedland in den Him- mel über der Wüste (Mit- te). Die Anlage der Can- nington-Mine wäscht mit mechanischen und chemi- schen Prozessen Blei, Zink und Silber aus dem Ge- stein (unten).

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Zunächst wird das Material gemahlen. Brocken von bis zu 180 Millimeter Größe werden zu Körnchen mit 20 Mikrometer Durchmesser zerrieben. Dann wird in ei- nem Flotationsprozess das Metall ausgewaschen: Che- mische Stoffe helfen dabei, Silber, Blei und Zink vom Gestein zu trennen; heraus kommen ein 72-prozentiges Blei-Konzentrat sowie ein 50-prozentiges Zink-Konzen- trat, die beide auch Silber enthalten.

Hightech im Härtetest Rund 140 Endress+Hauser Instrumente kontrollieren die Prozesse. BHP Billiton Cannington nutzt zur Steuerung dieses Anlagenbereichs Profibus PA – „eine Besonderheit für die Branche“, betont John Immelman, Geschäftsfüh- rer von Endress+Hauser Australien. Die Profibus-Tech- nologie ist in Australien noch wenig verbreitet. Immel- man spricht deshalb von einer „mutigen Entscheidung“. Einer Entscheidung, die sich im Alltag bewährt hat, denn BHP Billiton Cannington hat Profibus PA inzwischen zum Standard bei Erweiterungen gemacht.

PA inzwischen zum Standard bei Erweiterungen gemacht. Die Profibus-Technik hilft, Kosten zu sparen. Die An- lage

Die Profibus-Technik hilft, Kosten zu sparen. Die An- lage kann mit der Hälfte des sonst üblichen Personals gefahren werden. Die Techniker und Ingenieure sind voll des Lobes über die Schulung in Sydney und über die Unterstützung während der Anfangsphase. Auch die Instrumente von Endress+Hauser haben einen gu- ten Ruf: Vor allem die Robustheit und Zuverlässigkeit der Geräte gelten als beeindruckend.

Schiffe inmitten der Wüste Wie eine Fata Morgana stehen die großen Frachtschiffe am Horizont. In der flirrenden Hitze des Flughafens von Port Hedland scheinen sie mitten in der Wüste vor Anker zu liegen. Wer würde schon hier, abgelegen im Nordwesten des Landes, den umschlagreichsten Hafen Australiens vermuten? Mehr als 500 Schiffe jährlich,

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vermuten? Mehr als 500 Schiffe jährlich, 34 Märkte jedes bis zu 230 Meter lang und mit
vermuten? Mehr als 500 Schiffe jährlich, 34 Märkte jedes bis zu 230 Meter lang und mit

jedes bis zu 230 Meter lang und mit Laderaum für bis zu 250.000 Tonnen Fracht, werden hier mit Eisenerz beladen. Sechs Erzminen betreibt BHP Billiton in der Region. Die ergiebigste liegt am Mount Whaleback. Fünfeinhalb Kilometer lang und anderthalb Kilometer breit ist das

riesige Loch, das hier auf der Suche nach eisenhaltigem Gestein in den Boden gegraben wurde, einer der größ- ten Eisenerz-Tagebaue der Welt. Güterzüge mit bis zu

336 Waggons bringen das Erz ins 420 Kilometer ent-

fernte Port Hedland. Dort transportieren kilometerlange Förderbänder das Material von den Lagerhalden zu den Hafenanlagen. Ein paar Autominuten vom Flughafen entfernt erhebt sich ein stählernes Ungetüm aus dem kargen Grasland.

Hightech in der Wüste:

Sonne, Sand und Wind setzen tagaus, tagein der Flotationsanlage von BHP Billiton Cannington zu. Und über alles legt sich eine feine Schicht aus Metallstaub – ein Härtetest für jedes Messgerät. Rück- grat der Prozesssteuerung ist ein Profibus-System. Von der klimatisierten Leitwarte aus haben die Techniker alles im Griff.

119 Meter hoch ragen die Reaktortürme der Eisenbri-

Endress+Hauser

changes kett-Fabrik in den Himmel. Hier wird in einem chemi- schen Reduktionsprozess unter Hitze und

changes

kett-Fabrik in den Himmel. Hier wird in einem chemi- schen Reduktionsprozess unter Hitze und durch Zugabe von Wasserstoff und Kohlenmonoxid das Eisenerz in metallisches Eisengranulat umgewandelt – der Eisen- gehalt steigt dabei von rund 65 auf mehr als 90 Pro- zent. 2,6 Milliarden Australische Dollar, rund 1,6 Milliarden Euro, hat BHP Billiton in die Anlage gesteckt, die seit 1999 in Betrieb ist. Eine zukunftsträchtige Investition:

Die Eisenbriketts von der Form und Größe eines Stücks Seife, die am Ende mit lautem Klappern aufs Förder- band fallen, bringen auf dem Rohstoffmarkt wesentlich mehr Geld als das rohe Eisenerz. Die Anlage ist welt- weit einzigartig; die Technik hat BHP Billiton selbst ent- wickelt.

Und über allem ein Schleier aus rotem Staub Der Wind weht rostroten Sand über Port Hedland. Er dringt durch jede Ritze, setzt sich auf Fenstern, Böden, selbst auf den Beinen der Bürostühle ab. Das

Die Geräte zeichnen sich durch Robustheit, Qualität und Zuverlässigkeit aus.

Vertrauensvolle Partnerschaft Doch auch importierte Erze werden in Australien ver- edelt. Queensland Nickel (QNI), eine weitere Tochter von BHP Billiton, ist international führend in der Nickel- Verarbeitung. In der Yabulu Refinery 25 Kilometer nord- westlich von Townsville erzeugt das Unternehmen hoch- wertige Nickel- und Kobaltprodukte. Die Erze kommen per Schiff aus Neukaledonien, Indonesien und von den Philippinen. Mit der Bahn werden sie vom Hafen zur Anlage transportiert. QNI und Endress+Hauser sind auf besondere Art im Servicebereich verbunden: Seit zwei Jahren schult Endress+Hauser die Vertriebsleute und Lehrlinge in Sachen Messtechnik und Prozessautomatisierung. „Gemeinsam investieren wir in eine neue Generation von Fachkräften“, sagt Geschäftsführer John Immelman. In der Automatisierungstechnik kommt es darauf an, das

In der Automatisierungstechnik kommt es darauf an, das Kurz informiert BHP Billiton mit Hauptsitz in Melbourne

Kurz informiert

BHP Billiton mit Hauptsitz in Melbourne ist das weltweit größte diversifizierte Unternehmen auf dem Rohstoffsektor. Das Portfolio umfasst Aluminium, Kohle, Kupfer, Eisenlegierungen, Eisenerz und Titan sowie Öl, Gas, verflüssigtes Erdgas, Nickel, Diamanten und Silber. BHP Billiton zählt etwa 35.000 Beschäftigte an mehr als 100 Standorten in 20 Ländern. Im Geschäftsjahr 2003 erzielte das Unternehmen 17,5 Milliarden US-Dollar Umsatz und wies vor Steuern und Zinsen 3,5 Milliarden US-Dollar Gewinn aus.

Wasser kommt lauwarm aus dem Hahn: Die Sonne heizt den Tank des Wasserturms von Port Hedland auf wie einen Boiler. Klimaanlagen sorgen im Innern der Gebäude für erträgliche Temperaturen. Aber drau- ßen, auf den Anlagen, wo das erzhaltige Gestein wei- terverarbeitet wird, herrscht gleißende Hitze. Und über keine andere Region Australiens fegen so viele Wirbelstürme hinweg. Hunderte Messgeräte helfen in einer typischen Erzmi- ne, die Prozesse zu steuern. Schon die klimatischen Bedingungen stellen jedes einzelne auf eine harte Pro- be. Dazu kommt, dass die verarbeiteten Materialien hochgradig abrasiv wirken. Der Verschleiß ist so groß, dass manche Instrumente jeden Monat ersetzt werden müssen. Da ist es kein Zufall, dass der Marktanteil von Endress+Hauser in der Bergbau-Industrie stetig wächst:

richtige Instrument für die richtige Anwendung auszu- wählen. Endress+Hauser Experten halten deshalb Tech- niker und Ingenieure von QNI über neue Branchen- trends auf dem Laufenden – wichtig in einem Land, in dem es keine eigenständige Ausbildung für Messtechnik und Prozessautomatisierung gibt und Fachleute Man- gelware sind. „Die Schulungen von Endress+Hauser“, ist John Immelman überzeugt, „steigern das Verständ- nis, wie wichtig der Bereich der Prozesstechnik ist.“

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