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Foto: © 2009 Financial Times Deutschland, © AP (http://www.ftd.de/boersen_maerkte/geldanlage/:Kreditvertr
%E4ge-BGH-verbietet-Sparkassen-Willk%FCrklausel/503009.html?imgpopup=1&nv=Image0 )

BGH setzt niedrige Huerden zur E-


Mail-ueberwachung

Ein knapp begründeter Beschluss des


Bundesgerichtshofes (BGH, Az. 1 StR
76/09[1], PDF-Datei) löst mit seinem überraschenden
Inhalt derzeit
unterschiedliche Reaktionen bei Gerichten,
Staatsanwaltschaften und
Providern aus. Die Karlsruher Richter hatten über die
rechtlichen
Anforderungen an einen Zugriff auf E-Mails in der
Mailbox eines
Internet-Nutzers zu entscheiden und wählten einen
Weg mit nur geringen
Hürden für den staatlichen Zugang.

Seit langem diskutieren Juristen die Frage, unter


welchen
Voraussetzungen der staatliche Zugriff auf E-Mails,
die in der Mailbox
ruhen, zulässig ist. Soll die Nachricht während der
Phase der
Speicherung in der Empfänger-Mailbox beim Provider
als Telekommunikation
gelten, wäre sie nur nach Maßgabe des Paragraphen
100a[2] der
Strafprozessordnung (StPO) überwachbar. Er setzt
Strafverfolgern
verhältnismäßig hohe Hürden. Sollte hingegen die E-
Mail während des
Ruhens in der Mailbox nicht als Telekommunikation
gelten, kann sie nach
Paragraph 94 StPO[3] beschlagnahmt werden
– mit deutlich
niedrigeren rechtlichen Voraussetzungen. In einer
vielbeachteten
Entscheidung[4] hatte das Landgericht Hamburg
zuletzt hohe Hürden
errichtet.

Im vorliegenden Fall wandte sich der Täter gegen


seine Verurteilung
wegen besonders schwerer Vergewaltigung. Der
Angeklagte rügte in seiner
Revision unter anderem den Zugriff auf E-Mails. Das
Landgericht München
I hatte sich in seinem Urteil maßgeblich auf E-Mails
gestützt, die
Ermittler zuvor einfach beschlagnahmt hatten, ohne
dabei den besonderen
Anforderungen an eine
Telekommunikationsüberwachung gerecht zu werden.
Darin sah der BGH jedoch keine Rechtsverletzung. Für
die Frage des
Zugriffs auf die E-Mails wählte der BGH in seinem
Beschluss einen Weg,
der weder über den strengen Paragraphen 100a der
Strafprozessordnung,
noch über den besonders einfach gangbaren
Paragraphen 94 StPO führt.
Nach Auffassung der Karlsruher Richter stelle der
Zugriff auf E-Mails in
der Mailbox eine Postbeschlagnahme nach Paragraph
99[5] StPO dar. In
dieser Phase sei der Zugriff "vergleichbar mit der
Beschlagnahme
beispielsweise von Telegrammen", erläutern die
Richter.

Soweit bislang Instanzgerichte mit der Frage


beschäftigt waren, ergingen
zwar ganz unterschiedliche Entscheidungen. Jedoch
wählten nur die
wenigsten Gerichte den Weg über die
Postbeschlagnahme nach Paragraph 99
StPO. Zu wenig passend erschien der dort erlaubte
Zugriff auf
"Postsendungen und Telegramme". Für Beobachter
der Auseinandersetzung um
Grenzen des staatlichen Zugriffs auf E-Mails kam die
Entscheidung damit
jedoch nur bedingt überraschend. Denn zwei der
beteiligten BGH-Richter
vertraten in eigenen wissenschaftlichen
Veröffentlichungen bereits zuvor
die Auffassung, ein Zugriff sei unter den geringeren
Voraussetzungen der
Postbeschlagnahme zulässig.

Die Provider dürften über diese Wendung kaum


erfreut sein. Herabgesetzte
Hürden für einen staatlichen Zugriff auf E-Mails
könnten die
Begehrlichkeiten und damit die anfallende Arbeit für
die Provider
erhöhen. Insbesondere aber konterkariert der
vorliegende BGH-Beschluss
die erheblichen Anschaffungen, zu denen die
Telekommunikations-Überwachungsverordnung
(TKÜV[6]) die Provider zwingt.
Die vom Bundesministerium für Wirtschaft erlassene
Rechtsverordnung
schreibt Anbietern detailliert vor, welche Technik sie
bereithalten
müssen. Doch dabei bezieht sich die TKÜV auf
Telekommunikationsüberwachungen nach Paragraph
100a StPO. Wie der BGH
nun jedoch darlegt, muss der Zugriff auf die E-Mails
jedenfalls während
der Speicherung beim Provider gar nicht auf
Grundlage von Paragraph 100a
StPO erfolgen. Die TKÜV verpflichtet damit zu teuren
Investitionen, um
einen rechtlichen Zugriff zu ermöglichen, der nun als
Folge der
BGH-Entscheidung gar nicht durchzuführen ist. (Dr.
Marc Störing) /
(anw[7]/c't)

10.05.2009 13:41 URL dieses Artikels:


http://www.heise.de/newsticker/meldung/137582

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[1]
http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-
bin/rechtsprechung/document.py?
Gericht=bgh&Art=en&Datum=2009-
3&nr=47839&pos=0&anz=304&Blank=1.pdf
[2] http://bundesrecht.juris.de/stpo/__100a.html
[3] http://bundesrecht.juris.de/stpo/__94.html
[4]
http://www.heise.de/newsticker/LG-Hamburg-setzt-
hohe-Huerden-bei-der-E-Mail-
Ueberwachung--/meldung/103534
[5] http://bundesrecht.juris.de/stpo/__99.html
[6] http://bundesrecht.juris.de/tk_v_2005/index.html
[7] mailto:anw@ct.heise.de