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In Deutschland leiden etwa 24 Millionen Menschen an Allergien. Allergie? Auch bei vielen chronischen Erkrankungen
In Deutschland leiden etwa 24 Millionen Menschen an Allergien. Allergie? Auch bei vielen chronischen Erkrankungen

In Deutschland leiden etwa 24 Millionen Menschen an Allergien.

Deutschland leiden etwa 24 Millionen Menschen an Allergien. Allergie? Auch bei vielen chronischen Erkrankungen können
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Allergie?

leiden etwa 24 Millionen Menschen an Allergien. Allergie? Auch bei vielen chronischen Erkrankungen können Allergien
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Auch bei vielen chronischen Erkrankungen können Allergien eine zentrale Rolle spielen. Fragen Sie einen BICOM Therapeuten*.

zentrale Rolle spielen. Fragen Sie einen BICOM Therapeuten*. REGUMED GmbH, Hans-Cornelius-Str. 4 82166 Gräfelfing,
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REGUMED GmbH, Hans-Cornelius-Str. 4 82166 Gräfelfing, Telefon 089 / 854 61-01, Mail: info@regumed.de

Gräfelfing, Telefon 089 / 854 61-01, Mail: info@regumed.de *Wenn Sie auf der Suche nach einem BICOM

*Wenn Sie auf der Suche nach einem BICOM Therapeuten sind, helfen wir Ihnen gerne weiter.

3 CD07+08/2013

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| Seit über 65 Jahren | Deutschland € 5,90 Das Familienmagazin | 7+8 2013 www.christlicherdigest.de

Das Familienmagazin | 7+8 2013

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Foto: altanaka/fotolia Foto: Claudia Paulssen/fotolia
Foto: altanaka/fotolia
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BeGeGnunGen

Sprachgewaltig:

die stumme erzählerin

GeSundheit

Wichtig fürs Wohlfühlen:

Stabile Knochen

ReiSen und GenieSSen

Brescia – Genuss im Reich der Langbärte

DIE

THERAPIE

FÜR

SUCHTKRANKE

FRAUEN

Fachklinik

DIE THERAPIE FÜR SUCHTKRANKE FRAUEN Fachklinik Hutschdorf Mehr Infos unter: www.haus-immanuel.de Ein neues Haus für die

Hutschdorf

Mehr Infos unter: www.haus-immanuel.de
Mehr Infos unter:
www.haus-immanuel.de
Hutschdorf Mehr Infos unter: www.haus-immanuel.de Ein neues Haus für die Sucht-Therapie Seit Juni 2012

Ein neues Haus für die Sucht-Therapie

Seit Juni 2012 können in der Fachklinik Haus Immanuel 60 suchtkranke Frauen, darunter bis zu 12 Mütter mit ihren Kindern, aufgenommen und therapiert werden.

mit ihren Kindern, aufgenommen und therapiert werden. Fachklinik Haus Immanuel Hutschdorf 46 95349

Fachklinik Haus Immanuel Hutschdorf 46 95349 Thurnau-Hutschdorf

Telefon: 0 92 28 / 99 68 -0 Telefax: 0 92 28 / 99 68 -99

E-Mail: info@haus-immanuel.de www.haus-immanuel.de

Klinikneubau
Klinikneubau
Patientenzimmer
Patientenzimmer
Spielzimmer
Spielzimmer
Klinikneubau Patientenzimmer Spielzimmer 5 CD07+08/2013 Schwimmbad Cafeteria wie Gott in Italien

5 CD07+08/2013

Klinikneubau Patientenzimmer Spielzimmer 5 CD07+08/2013 Schwimmbad Cafeteria wie Gott in Italien Liebe Leserinnen

Schwimmbad

Cafeteria

Spielzimmer 5 CD07+08/2013 Schwimmbad Cafeteria wie Gott in Italien Liebe Leserinnen und Leser, Italien hat

wie Gott in Italien

Liebe Leserinnen und Leser,

Italien hat als Land der Genießer Frankreich schon lange den Rang

dafür stehen die europäischen

Brüder und Schwestern südlich der Alpen. „Leben wie Gott

Italien“, so würde das Sprichwort wohl heute lauten. Wer die wirklich gute italienische Küche erkunden will, der ist jenseits der Touris- tenzentren im Allgemeinen besser aufgehoben. Zum Beispiel in der Region Brescia, zwischen Gardasee und Lago d‘Iseo. Hier findet man zu bezahlbaren Preisen eine Fülle an Genüssen der kulinarischen Art.

abgelaufen. Feine Küche, edle Weine

in

Wir waren für Sie dort und berichten zum Beispiel aus der Franciacor- ta, wo es die leckeren italienischen Perlweine gibt.

Kann man als Kranker oder Behinderter Außergewöhnliches leisten? Man kann! Nicoleta Craita Ten’o hat mit 17 aufgehört zu sprechen. Und ist dafür Dichterin geworden. In Rumänien ausgezeichnet mit Preisen für ihre Dichtkunst, verblüfft sie heute mit Gedichten in deutscher Sprache. Wir haben diese außergewöhnliche Frau für Sie besucht.

Und immer an die Knochen denken! Sie tragen uns durchs Leben. Was Sie tun können, erfahren Sie in diesem Heft!

Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe!

Herzlichst, Ihr

Heft! Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe! Herzlichst, Ihr Fred Heine editoRiaL Am Lago d‘Iseo kann

Fred Heine

editoRiaL

Lesen dieser Ausgabe! Herzlichst, Ihr Fred Heine editoRiaL Am Lago d‘Iseo kann man Italien und seine

Am Lago d‘Iseo kann man Italien und seine Genüsse erleben, S. 10

Bilder: Fred Heine; Silke Düker; Klosterfrau
Bilder: Fred Heine; Silke Düker; Klosterfrau

Nicoleta Craita Ten’o: Statt zu sprechen, schreibt sie wunderbare Gedichte, S. 50

Statt zu sprechen, schreibt sie wunderbare Gedichte, S. 50 Unsere Knochen tragen uns durchs Leben, S.

Unsere Knochen tragen uns durchs Leben, S. 21

CD07+08/2013 3

Bilder: Fondazione Ugo da Como; Schweiz Tourismus; Ulm/Neu-Ulm Tourismus; AOK; Fred Heine

inhaLt

S. 52

fiScheRStechen in uLm – Wenn Sich fauSt und mePhiSto dueLLieRen

S. 54 150 JahRe PauSchaLReiSen in die SchWeiz – „SoGaR daS echo veRKauften Sie unS“
S. 54
150 JahRe PauSchaLReiSen
in die SchWeiz – „SoGaR daS echo
veRKauften Sie unS“

S. 58, Rezepte: Jetzt geht‘s um die Wurst

S. 16

Schönheit und WiSSen – die StiftunG uGo da como

S. 38

daS RiSiKo fähRt mit – autofahRen und mediKamente

in

die S e R

a u S G a B e

S. 10

im heRzen deR LomBaRdei – GenuSS im Reich deR LanGBäRte

Reisen

RubRiken

 

10

Lombardei: Genuss im Reich der Langbärte

3

Editorial

18

Wohnmobil-Urlaub für Einsteiger

4

Inhalt

27

Windisch: Antike Heilkunde und römisches Lazaret

6

Impuls

ReliGion und Glaube

 

27

Französische Kultur Schloss Wildegg

7

Neues in Kürze

62

Klinikseelsorger Heribert Scherer:

28

Naturerlebnis mit Schwarzwälder Spezialitäten

30

Bücher

„Reiß mich heraus aus gewaltigen Wassern

28

Naturerlebnisse im Südlichen Thüringer Wald

49

Kultur im Rampenlicht

 

29

Kultur des Mittelalters und der Hanse

58

Rezepte

beGeGnunGen

 

32

Urlaub im Wohnstift

64

Kinderseite

20

Ritterburg mit Toilette

32

Oase der Ruhe mit vielen Ausflugsmöglichkeiten

66

Vorschau/Impressum

46

Das Ende der Kindheit

33

Klostersommer in Memleben

50

Die stumme Erzählerin

45

Grasgrün – Sommerkultur in Meiningen

 

54

Schweiz: „Sogar das Echo verkauften sie uns“

oRGanisationen

26

Europa-Park: Jonglieren für den Gemeinnutz

Gesund und schön

56

Johanniter: Gegen die Flut

21

Stabile Knochen

 

36

Kurz berichtet

kultuR und Wissenschaft

38

Das Risiko fährt mit

16

Schönheit und Wissen – Die Stiftung Ugo da Como

40

Kathrin Wolter beantwortet Leserfragen

20

200. Geburtstag – Auf Verdis Spuren

41

Wollen Sie aufhören zu rauchen?

52

Fischerstechen: Wenn sich Faust und Mephisto duellieren

42

Gesundheitstipps

sich Faust und Mephisto duellieren 42 Gesundheitstipps unseren großen Rätselteil mit Preisrätsel finden sie in

unseren großen Rätselteil mit Preisrätsel finden sie in der heftmitte!

Gewinnen sie 3 x je 2 eintrittskarten für den europapark

Bild: Wolfgang Borrs

Foto: Fred Heine

Bild: Fred Heine

imPuls

Sommerjubel

Carl Busse (1772 – 1829)

Nun ist die Zeit, sich einen Kranz zu binden, Die Pelargonien stehn im vollsten Blühn, Wie weiße Falter wiegen weiße Winden Sich leuchtend-hell im dunklen Heckengrün.

Dazu das Wehn von tausend Wipfelkronen, Das Lindenlaub und der Akazienduft, Und überall mit Erkern und Balkonen Schaun weiße Villen in die blaue Luft.

Das ist ein Tag, so ganz für mich gegeben, Es pocht mein Herz in tollstem Übermut, Ich jubel‘ auf vor lauter Glück und Leben Und jedem Mädchen blick‘ ich unter‘n Hut.

Wie alle Sorgen von mir lassen müssen! Mein ganzer Ernst will vor der Sonne fliehn, Ich möcht‘ vor Freude jeden Backfisch küssen Und neckend an den blonden Zöpfen ziehn.

n eue S

in

Kü R z e

Zahl der Tafeln leicht gestiegen

In den vergangenen zwölf Monaten ist die Zahl der Tafeln leicht gewachsen. Auf Initi- ative von Bürgervereinen oder gemeinnüt- ziger Träger sind seit Juni 2012 bundesweit 19 neue Tafeln entstanden. Die Gesamtzahl liegt aktuell bei 910 Tafeln. Die meisten Ta- feln gibt es in Nordrhein-Westfalen (163), Baden-Württemberg (163) und in Bayern (144). Die Mehrheit der Tafeln befindet sich in Trägerschaft gemeinnütziger Verbände oder Institutionen (Diakonie, Caritas; AWO, DRK u.a.) und ist daher gut mit anderen so- zialen Hilfsangeboten vernetzt. Die lokalen Tafeln und der Bundesverband finanzieren sich ganz überwiegend durch Spenden. Was die Tafeln verteilten, könne nur eine zusätzliche Hilfe sein, die Menschen mit geringem Einkommen einen klei- nen finanziellen Spielraum eröffnet. „Die Tafeln können und wollen den Sozialstaat nicht ersetzen. Die solidarische Hilfe der Zivilgesellschaft darf von der Politik nicht zum Lü-

aktuelles

ckenbüßer für eine unzureichende soziale Grundsicherung gemacht werden. Der Staat ist und bleibt für die Daseinsvor- sorge verantwortlich, also dafür, Hilfebedürftigen jeden Al- ters ein menschenwürdiges Auskommen zu ermöglichen“, kommentiert der Vorsitzende des Verbandes, Gerd Häuser.

tauSende fLüchtLinGe LeBen in deutSchLand ohne PeRSPeKtive

Die Diakonie Deutschland begrüßt den Beschluss des Bun- desrates zum Bleiberecht für gut integrierte Flüchtlinge. „Tausende Flüchtlinge leben seit Jahren nur geduldet ohne Perspektive in Deutschland. Jeden Tag droht ihnen die Ab- schiebung. Auch dann, wenn sie sich trotz erheblicher Hin- dernisse wie dem Ausschluss vom Arbeitsmarkt in den ers- ten Jahren gut in die Gesellschaft integriert haben“, kritisiert Diakonie-Präsident Johannes Stockmeier. Durch ständige Verlängerung der Duldung, teilweise nur für wenige Tage, entstehen Kettenduldungen. „Das ist weder gesellschaftspo- litisch noch rechtsstaatlich vertretbar“, betont Stockmeier. Die vom Bundesrat beschlossene Bleiberechtsregelung könnte das Problem der Kettenduldungen deutlich ein- grenzen. Sie sieht vor, dass Flüchtlinge eine dauerhafte Perspektive in Deutschland erhalten können, wenn sie sich seit mehr als acht Jahren oder als Familie mehr als sechs Jahre in Deutschland aufhalten.

Grundsätzlich müssen sie ihren Lebensunterhalt eigen- ständig sichern und straffrei geblieben sein. Aus huma- nitären Gründen bezieht die neue Bleiberechtsregelung aber auch die Menschen mit ein, die Anforderungen wie die eigenständige Sicherung des Lebensunterhalts nicht erfüllen können, weil sie zum Beispiel alt oder krank sind. „Die Regelung honoriert Integration und gibt auch Men- schen eine Chance auf ein Bleiberecht, die die unrealis- tischen Anforderungen der bisherigen Regelungen nicht erfüllen können“, hebt Stockmeier hervor. Die neue Bleiberechtsregelung könnte mindestens 35.000 Menschen zugute kommen, die laut Aussage der Bundes- regierung Ende 2012 mehr als sechs Jahre nur geduldet in Deutschland lebten. Sie hätten nach Jahren des Aufent- halts in Deutschland endlich einen rechtmäßigen Aufent- haltsstatus und beispielsweise einen Zugang zu einem Integrationskurs.

Bild: KIRCHE IN NOT

aktuelles

n eue S

in

Kü R z e

Bild: KIRCHE IN NOT aktuelles n eue S in Kü R z e Kinderuniversität zum „Klimawandel“

Kinderuniversität zum „Klimawandel“

Auf Juist wird viel für den Klimaschutz getan. Und das hat sehr nachvollziehbare Gründe: Gemeinsam möchte man die schöne In- sel mit ihrer gesunden Luft bewahren und verstärkt den Folgen des Klimawandels entgegenwirken. Darum widmet sich die Kurverwal- tung Juist vom 4. Juli bis 29. August 2013 den Jüngsten mit einem ganz besonderen Projekt: Mit der Juister Kinderuni, die bereits zum dritten Mal stattfindet, will Juist Kindern auf spannende und abwechslungsreiche Weise viel Wissenswertes zum Thema Klima- wandel, Klimaschutz und Nachhaltigkeit vermitteln. Zur Kinderuni kommen spannende Leute, wie z. B. Nico Paech, der viel zum Thema Einkaufen oder Konsum erzählt. Oder Professor Stefan Rahmsdorf, der bekannte Wissenschaftler beim Potsdam Institut für Klimaforschung. Er stellt sein neues Kinderbuch „Wol- ken, Wind und Wetter“ vor, das 2012 zum Umweltbuch des Jahres ausgezeichnet wurde. Bei Björn Hansen kann man mal so richtig in die Pedale treten und Strom erzeugen. Dabei können die Kinder hautnah fühlen, wie viel Strom ein Laptop oder eine Kaffeemaschi- ne verbraucht. Nadja Ziebarth wird über die Folgen von Plastikmüll am Strand informieren. Vielleicht kann man ja gleich im Anschluss an den Vortrag direkt etwas dagegen unternehmen? Alle Veranstal- tungen sind kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

auS PRoteSt:

PfLeGe-WunSchnote 3,6

Mit seiner Weigerung, einen Ordner vorzulegen, hat Armin Rieger, der Heimleiter der privaten Senioren- pflegeeinrichtung Haus Marie in Augsburg, eine He- rabstufung der Benotung seiner Einrichtung auf die Endnote 3,6 bewusst provoziert. Damit protestiert Rieger gegen das System der Prüfung durch den Me- dizinischen Dienst der Krankenversicherung Bayern (MDK). Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte Rieger: „Der Pflege-TÜV ist nichts anderes als die Le- galisierung des Betrugs.“ Rieger, der in früheren Prüfungen auch schon die Note 1,0 abgelehnt hat, erzwang sich die Note 3,6. Und das mit einem einfachen Mittel: Als die MDK- Prüfer das Haus Marie prüfen wollten, verweigerte er ihnen die Herausgabe eines Ordners mit den Zei- ten, wann es in der Einrichtung Frühstück oder Mit- tagessen gibt. Die „mangelhafte“ Dokumentation führte zur Herabstufung. Sorgen, dass dies seinem Haus schaden könnte, hat Rieger nicht: „Ich habe einen guten Ruf an den richtigen Stellen“. Auch der MDK hält Teilbereiche der Qualitätsprüfung für dringend überarbeitungsbedürftig. Ottilie Rand- zio, stellvertretende Geschäftsführerin des MDK Bayern: „Herr Rieger lehnt die Qualitätsprüfung ja nicht grundsätzlich ab, sein Protest richtet sich ge- gen das zugrundeliegende Bewertungssystem.“ Die Kritik von Armin Rieger geht aber noch weiter in die Tiefe. Seiner Meinung nach kaschiere das Marke- tinginstrument Pflege-TÜV die wahren Probleme wie Pflegemangel und Personalnotstand in den Einrich- tungen – und zwar unabhängig davon, ob es sich um kirchliche, kommunale oder private Träger handelt.

Bilder: Juist Tourismus; Ocskay Bence/Fotolia
Bilder: Juist Tourismus; Ocskay Bence/Fotolia

deR WeLtJuGendtaG – eine „veRaBRedunG mit dem PaPSt“

„Mit Freude sehe ich dem kommenden Juli in Rio de Janeiro entgegen. Ich verabrede mich mit euch in dieser großen Stadt Brasiliens!“, rief Papst Franziskus am Palmsonntag der Jugend der Welt zu. Mit seiner Einladung meinte er nicht nur die Ju- gendlichen aus den reicheren Ländern, die sich die Reise nach Rio leisten können. „Geht hin, und macht alle Völker zu meinen Jüngern!“, lautet das Motto des diesjährigen Weltjugendtages. Jugendliche aus der ganzen Welt werden zusammenströmen, um gemeinsam Zeugnis abzulegen für Jesus Christus. Und gerade die Jugendlichen aus Ländern, in denen Christen Not und Bedrängnis erleiden, legen ein besonderes Bekenntnis ab. Sie selbst werden gestärkt durch die Erfahrung, dass sie ihren Glauben mit Millionen anderen Jugendlichen teilen. Sie sind keine Minderheit, sondern gehören der riesigen Familie der Weltkirche an. Stellvertretend für ihre Altersgenossen aus dem Irak sollen 100 Jugendliche aus Bagdad am Weltjugend-

BEPHA – Krankenversich­ erung für die Ärmsten

Wer in Deutschland krank ist, geht zum Arzt oder ins Kran- kenhaus.DieKrankenkassenbezahlendieBehandlungbzw. beteiligen sich an den Kosten. Das ist für uns selbstverständ- lich. In vielen Ländern jedoch nicht. So verschulden sich in Kamerun immer wieder ganze Familien, wenn eines ihrer Mitglieder ernsthaft krank wird. In Kamerun haben Bischö- fe von vier Diözesen die bischöfliche Krankenversicherung BEPHA gegründet, die mittlerweile 30.000 Mitglieder hat. Etwa 5.000 France (7,50 Euro) kostet die Mitgliedschaft bei BEPHA pro Jahr. Dafür übernimmt BEPHA zweimal pro Jahr 75 Prozent der Rechnungen für Arztbesuche und Me- dikamente und einmal jährlich 75 Prozent der Kosten von Operationen und Entbindungen. Es gibt einen spezifischen Behandlungskatalog, in dem alle Leistungen genau aufge- führt werden. MISEREOR unterstützt BEPHA durch Bera- tung. Nestor Ngube, Priester und Leiter von BEPHA: „Bei BEPHA müssen sich mindestens vier Menschen als Gruppe registrieren lassen. Jede Gruppe zahlt einmalig Registrie- rungsgebühren. Die Gruppenmitglieder müssen nicht ver- wandt sein. Aber natürlich kann sich auch eine sechsköpfige Familie als Einzelgruppe versichern. So streuen wir das Ri- siko und ermutigen die Menschen, alle Familienmitglieder zu versichern und nicht nur das Familienoberhaupt.

zu versichern und nicht nur das Familienoberhaupt. tag teilnehmen. Das Schicksal der Christen im Irak liegt

tag teilnehmen. Das Schicksal der Christen im Irak liegt Papst Franziskus besonders am Herzen. Etwa 1000 christliche Mär- tyrer in nur zehn Jahren, viele Angriffe auf Kirchen, Angst, Tod und Verfolgung auf Schritt und Tritt. Mit 20.000 Euro hilft „Kir- che in Not“, damit die Jugendlichen aus Bagdad der Einladung des Papstes folgen können. Auch aus Haiti und Ägypten und können Jugendliche mit Un- terstützung von „Kirche in Not“ nach Brasilien reisen. Wer das unterstützen möchte, kann das über das Spendenkonto tun. (siehe www.kirche-in-not.de).

Wir unterstützen weltweit christliche Initiativen durch finanzielle Hilfe. Projekt 4616 Syrien
Wir unterstützen weltweit christliche Initiativen durch finanzielle Hilfe.
Projekt 4616
Syrien

Flüchtlingskinder in Syrien

Kämpfe und Zerstörung an vielen Orten. Viele Kinder sind traumatisiert und auf der Flucht. Genau für sie werden nun Programme angeboten, um ihnen wieder Lebens- freude zu schenken.

www.gottes-liebe-weltweit.de

Schickstraße 2 • D-70182 Stuttgart • Fon 07 11/2 10 21 - 0 EKK Konto Nr. 415 600 • BLZ 520 604 10

2 • D-70182 Stuttgart • Fon 07 11/2 10 21 - 0 EKK Konto Nr. 415

Gottes Liebe weltweit.

Reisen und Geniessen

BRESCIA: Im HERzEN DER LOmBARDEI

Genuss im Reich der

Langbärte

Die Langobarden beherrschten einst die Lombardei. Mancher Forscher führt den Namen auf „Langbart“ zurück. Die Bärte sind heute weg. Aber vom Genießen, davon verstehen sie was

Text und Bilder: Fred Heine

Der Lago d‘Iseo bildet die westliche Grenze der Region Brescia

Reisen und Geniessen

die westliche Grenze der Region Brescia Reisen und Geniessen Oben: Ein Kleinod für Kunstfreunde ist die

Oben: Ein Kleinod für Kunstfreunde ist die Acasa Gallery in Poncarale

M anchmal versteht der alte Fausto die Welt nicht mehr. Zum Beispiel dann, wenn seine Söhne

und Enkel in den Weinberg gehen und die Reben beschneiden. Selbst solche Trauben nehmen sie vom Weinstock, die doch guten Ertrag bringen könnten. In seinen besten Zeiten hat der heute 81-Jährige über 80.000 Flaschen produziert, sein Nachwuchs bringt es gerade mal auf die Hälfte. Und das alles machen sie, wie sie sagen, wegen der besseren Qualität. Dabei hat sein Wein doch immer allen gut geschmeckt

Doch es gibt Momente, da wird der alte Winzer wie- der mit der Welt versöhnt. Dann, wenn er einen der edlen Tropfen seines Weinguts im Glase hat. Fausto ist Bianchista. So nennt man in Italien die Liebhaber von Weißweinen. Und auf den Weißwein aus seinem Haus lässt er nichts kommen. Er trinkt ihn, über alle Regeln der Kenner hinweg, zu allem, was auf den Tisch kommt. Ob zu Fisch, Fleisch, oder Meeres- früchten, zum Dessert oder einfach so, Fausto und sein Weißwein sind so eng miteinander verbunden, dass seine Kinder den Wein nach ihm benannt ha-

Reisen und Geniessen

In der Lombardei perlt mancher Wein, und oft gerade der gute. Der Käse ist hart, das Öl kalt gepresst. Und aus Kastanienmehl backt man feinste Kekse. Wer Genuss zu schätzen weiß, findet in und um Brescia sein kleines Paradies

ben. „Fausto“ ist eine Mischung aus der nur in Nord- italien vorkommenden Rebsorte Trebbiano di Soave und Chardonnay. Wer ihn trinkt, der wird Fausto sofort verstehen. Der goldgelb schimmernde Wein hat einen Hauch von reifem Pfirsich, sein Duft erin- nert an Tropenfrüchte. Gelesen werden seine Trauben über einen längeren Zeitraum, denn nur die jeweils reifen Früchte werden vom Rebstock genommen und wandern in die Maische. Sensationell wie der Wein ist auch sein Preis. Wer den vielfach ausgezeichneten Tropfen direkt beim Winzer kauft (woanders wird es ihn, mangels Maße, vermutlich gar nicht geben), zahlt nur fünf Euro pro Flasche. Vielleicht ist das ein kleines Geschenk des alten Fausto an die vielen Bianchistas dieser Welt, die ihm in ihrer heimlichen Leidenschaft verbunden sind.

das schönste autoRennen deR Welt

Aber nicht nur der alte Fausto macht die Provinz Bre- scia in der Lombardei zu einem Refugium für Genie- ßer. Hier, zwischen dem Lago d’Iseo und dem Garda- see, gedeihen Genüsse der ganz besonderen Art. Neben Weinen werden hier Olivenöle in Spitzenqualität und die berühmten Hartkäse Parmesan und Grana Pada- no hergestellt. Und nicht zu vergessen die exzellenten Schaumweine aus der Franciacorta. Die Region südlich des Iseosees hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einen Namen gemacht mit ihren edlen Spumantes. Der negative Beiklang dieses „Cousins zweiten Grades des Champagners“ hat nichts mit der Realität zu tun:

Die Trauben der Franciacorta wachsen auf steinigem Gletscherboden und geben den Weinen viel Mine- ralität. Und weil sie weit mehr Sonne bekommen als die meisten anderen Schaumweine dieser Welt – der Champagner eingeschlossen –, haben sie zudem eine enorme mediterrane Frische. Chardonnay, Pinot Bi- anco und Pinot Nero sind die drei wichtigsten Sorten in der Franciacorta. Die ersten beiden sind vermutlich schon vor tausend Jahren mit Mönchen aus dem Bur- gund gekommen. Schaumweine, Spumantes auf Italienisch, gab es schon bei den alten Römern. In der Renaissance wurden sie, wie so vieles aus der alten Zeit, wiederentdeckt. Da-

Rechts oben: Stefano Beretta macht nicht nur hervorragendes Olivenöl, bei ihm kann man auch Ferien machen. Hier zeigt er, was den Parmesan vom Grana Padano unterscheidet Rechts unten: In der Villa Franciacorta wird der hervorragende Perlwein gekeltert, für den die Franciacorta so berühmt ist

wird der hervorragende Perlwein gekeltert, für den die Franciacorta so berühmt ist 12 CD07+08/2013 CD07+08/2013 13
wird der hervorragende Perlwein gekeltert, für den die Franciacorta so berühmt ist 12 CD07+08/2013 CD07+08/2013 13

Die Bibliothek der Fondazione Ugo da Como in Lonato besitzt das kleinste Buch der Welt – von Galileo Galilei. Mehr dazu ab Seite 16

bei haben die Menschen damals gar nicht verstan- den, wie ein solcher Perlwein überhaupt entsteht, denn Kohlensäure und die Wirkung von Hefe im Reifungsprozess waren noch unbekannt. Deshalb umgab die Schaumweine immer auch eine Aura des Rätselhaften. Schon in der frühen Neuzeit um das Jahr 1600 werden Schaumweine aus der Franciacor- ta beschrieben. Trotzdem sind sie über Jahrhunderte fast unbekannt geblieben, weil ihn die Winzer und ihre Familien lieber selber getrunken haben, als sie an Kaiser und Könige zu liefern – das taten stattdes- sen die Winzer der Champagne. Das Hauptereignis der Region ist aber ein Autoren- nen. Und nicht nur irgendein Autorennen, sondern, wie es der Autopionier Enzo Ferrari nannte, „das schönste Autorennen der Welt“. Die lombardischen Genießer geben sich nicht mit weniger als 80 Jahren Leidenschaft, Emotion und Tradition zufrieden. Und so startet jedes Jahr im Mai in Brescia eine „Tausend-Meilen-Polonaise“ der schönsten Oldti- mer der Automobilgeschichte zu einem Rennen der ganz besonderen Art. Meiserwerke der Autotechnik und des Designs verzücken auf ihrem Weg nach Rom und wieder zurück die Herzen von Autofans aus aller Welt. Faszinierende Schönheit ohne den Duft nach Motor- öl und ungefilterten Abgasen? Auch davon hat Bre- scia viel zu bieten. 2011 wurde das Kloster Santa Gi- ulia und das archäologische Areal des Kapitols in das Verzeichnis der Weltkulturerbestätten der UNESCO aufgenommen. Der monumentale Komplex von San Salvatore und Santa Giulia wurde 753 als Frau- enkloster des Benediktinerordens gegründet. Die ornamentale Ausschmückung ist einzigartig und wurde erst in den vergangenen Jahren hervorragend restauriert. Die vielen Ausgrabungen zeigen sehr schön, welch Blüte die Stadt unter den Römern und den Langobarden erreichte. Zu den Höhepunkten des Museums zählt ganz sicher auch die Skulptur der „Vittoria Alata“ (die geflügelte Siegesgöttin). Kost- barstes Stück des Stadtmuseums ist aber das Lango- bardenkreuz des Desiderius, des letzten Langobar- denkönigs, der nach der Kapitulation vor Karl dem Großen um 786 in Klosterhaft verstarb. Das Kreuz ist geschmückt mit hunderten schönster Juwelen. Der Alte Dom von Breschia, auch Rotonda genannt, war ursprünglich eine Kathedrale aus frühchristli- cher Zeit. Der heutige Bau ist aus dem 12. Jahrhun- dert und beherbergt das beeindruckende Grabmal

12. Jahrhun- dert und beherbergt das beeindruckende Grabmal Reisen und Geniessen Links oben: Wenn es um

Reisen und Geniessen

beherbergt das beeindruckende Grabmal Reisen und Geniessen Links oben: Wenn es um die Qualität der Weine

Links oben: Wenn es um die Qualität der Weine geht, die seinen Namen tragen, gibt es für Fausto (hier mit seinem Sohn Dario) keine Kom-

promisse

Rechts oben: Jugendliche haben den ehemaligen Gerichtsstein in Desenzano am Gardasee für sich erobert

von Bischof Bernardo Maggi, dem Herrscher der Stadt, der im Jahr 1308 starb. Direkt daneben erhebt sich der barocke Neue Dom der Stadt mit seinen klassizistischen Tendenzen in der Deckenarchitektur.

ein Ganz besondeRes RestauRant

Wer gerne mit dem Fahrrad die Welt entdeckt, ist in der Region Brescia ebenfalls gut aufgehoben. Die Strecken sind meist eben, die Steigungen sanft und auch für unge- übte Radler beherrschbar. Das schönste: ausgebaute Rad- touren führen an den vielen kleinen und großen Weingü- tern vorbei, die zu einem Zwischenstopp einladen. Wer in die Gegend kommt, der sollte sich aber einen ech- ten Genuss nicht entgehen lassen: In seinem Restaurant Due Colombe („Zwei Tauben“) in der alten Burg von Bor- gonato südlich des Iseosees kocht der vielleicht beste Koch der Region, Stefano Cerveni. Hier stimmt wirklich alles:

Das vorzügliche Menü wird begleitet von Perlweinen aus der Franciacorta, serviert von einem perfekten Team – und das in einem einzigartigen Ambiente. Auf die Frage, wo er so gut Kochen gelernt hat, nennt Stefano an erster Stelle seine Großmutter, die ihre ganze Liebe in das hin- eingetan hat, was sie ihren Kindern und Enkeln auf den Tisch brachte. Auch diese Oma soll nicht immer einfach gewesen sein. Wie Fausto auf seinem Weingut. Der schaut bisweilen etwas streng, wenn seine Nachkommen nicht so tun, wie er es gewohnt war. Doch mit seiner Zunge und seinem Gaumen setzt er den Maßstab. Und erst wenn es ihm schmeckt, wissen alle: jetzt ist es gut genug!

inteReSSanteS und WiSSenSWeRteS

Weine Hervorragende Perlweine der Region Franciacorta gibt es in der villa franciacorta in 25040 Monticelli Brusa- ti (www.villafranciacorta.it). Hier kann man in sehr gut ausgestatteten Ferienwohnungen auch mehrere Tage bleiben und die Gegend erkunden. Das kleine Weingut von fausto und seinen Söhnen ist die azienda agricola Lazzari in 25020 Capriano del Col- le (www.lazzarivini.it)

oLivenöL Wie bestes Olivenöl hergestellt wird, welche unter- schiedlichen Sorten es gibt, was Parmesan und Grano Padana voneinander unterscheidet, das alles erklärt Stefano Beretta in seinen Olivenhainen des calvino gusto Supremo in 25080 Padenghe sul Garda (www. calvinogusto.it). Auch hier kann man in Sichtweite zum Gardasee sehr schöne Tage verbringen (mit Swimming- pool).

eSSen Das Essen ein Genuss. Der Service perfekt. Und das im Ambiente einer alten Burg – wer in die Gegend kommt, sollte unbedingt bei Stefano cerveni einen Abend ver- bringen. In seinem „Ristorante al borgo antico due co- lombe“ wird das Abendessen zum Erlebnis für die Sinne (www.duecolombe.com)

Bilder: Fondazione Ugo da Como

Reisen

SCHöNHEIT UND WISSEN

Wenige Kilometer vom süd- westlichen Ufer des Gardasees entfernt liegt eine einzigartige kulturelle Perle, die Stiftung Ugo da Como in Lonato

U go da Como (1869 – 1941) war das, was man einen kunstsinnigen Mann nennen darf.

Der sowohl sozial, als auch kulturell sehr aktive Senator aus Brescia testamentarisch sein Vermö- gen in eine Stiftung gegeben, die seinen Namen trägt: die Fondazione Ugo da Como, unter ande- rem Eigentümerin des Hausmuseums, der Bib- liothek und der Festung La Rocca hoch über dem Gardasee. Ganz im Sinne des Stifters kümmert sie sich um das kulturelle des Senators, seiner Bibliothek und einem umfangreichen Ornitho- logischen Museum. Die Festung aus der Mitte des 14. Jahrhunderts ist ein beeindruckender Bau, der von den Hügeln des südlichen Gardasees über die Landschaft blickt und Kinder in fantastische Ritterträume versinken lässt. Das Haus von Ugo da Como, die „Casa del Po- destà“, war bereits zu seinen Lebzeiten Wohn- haus und Museum gleichzeitig. Heute wohnt niemand mehr in dem Gebäude, die imposante Ausstattung der Räume lockt allerdings immer noch viele Besucher auf die Spuren seiner beweg- ten Geschichte. Die Bibliothek beherbergt eine von Italiens wich- tigsten Privatsammlungen alter Schriften. Rund 52.000 Bücher, einige aus dem 12. Jahrhundert, davon 495 Inkunabeln, also Drucke aus der Zeit vor 1500, sowie persönliche Briefe von Ugo da Como, Pergamente und weitere Drucke, Karten- material und Zeichnungen gehören zum Kultur- schatz. Das vielleicht kleinste Buch der Welt, das den Brief Galileo Galileis an Cristina di Lorena enthält, ist eine der kleinen Kostbarkeiten der umfangreichen Bibliothek. Das Ornithologische Museum innerhalb der Rocca zeigt eine beeindruckend komplette Sammlung der italienischen Vogelwelt. Von den zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts ein- balsamierten 1800 Exemplaren sind viele auch heute noch in erstaunlich gutem Zustand.

kultuR und Wissenschaft

sind viele auch heute noch in erstaunlich gutem Zustand. ■ kultuR und Wissenschaft 16 CD07+08/2013 CD07+08/2013
sind viele auch heute noch in erstaunlich gutem Zustand. ■ kultuR und Wissenschaft 16 CD07+08/2013 CD07+08/2013
sind viele auch heute noch in erstaunlich gutem Zustand. ■ kultuR und Wissenschaft 16 CD07+08/2013 CD07+08/2013

Bilder: mcRent

Bilder: mcRent WOHNMOBIL-URLAUB FÜR EINSTEIGER Keine Angst vor großen Fahrzeugen: Wer seinen Urlaub völlig flexibel und

WOHNMOBIL-URLAUB FÜR EINSTEIGER

Keine Angst vor großen Fahrzeugen: Wer seinen Urlaub völlig flexibel und individuell gestalten möchte, ist mit einer Reise im Wohnmobil gut beraten. Mieten oder Kaufen – Alexander Kastl, Geschäftsführer von McRent, Euro- pas größter Wohnmobilvermietung, beantwortet wichtige Fragen.

größter Wohnmobilvermietung, beantwortet wichtige Fragen. Was sind die VoRteile eines Wohnmobil-uRlaubs? Wer

Was sind die VoRteile eines Wohnmobil-uRlaubs?

Wer Flexibilität und Unabhängigkeit auch im Urlaub nicht missen will, der trifft mit einem Wohnmobil genau die richtige Wahl. Auf Rundreisen lassen sich fernab der Touristenströ- me auch entlegene Winkel und Ge- heimtipps entdecken, jeder Tag kann so an einem anderen Ortverbrachtwerden.FallsdasWettereinmalnichtmitspielt, geht es mit dem Wohnmobil einfach dem Sonnenschein hin- terher. Miet-Wohnmobile sind für fast alle Arten von Urlaub geeignet: Je nach Fahrzeugtyp können Städtereisen, Strand- urlaub oder Aktivreisen unternommen werden – und das zu zweit, mit Freunden oder mit der ganzen Familie.

WeR kann ein Wohnmobil mieten bzW. fahRen?

Hierbei spielen das Alter sowie der Führerschein eine Rol- le. Der Mieter muss im Besitz eines gültigen Personalaus- weises bzw. Reisepasses sein. Das Mindestalter der Person, die das Wohnmobil mietet, muss 21 sein, bei manchen Fahrzeugtypen sogar 25. Wer einen alten Führerschein der Klasse 3 hat, darf Reisemobile bis 7,5 Tonnen Gesamt- gewicht fahren. Inhaber einer Fahrerlaubnis der Klasse B dürfen Wohnmobile bis 3,5 Tonnen bewegen.

Wie hoch sind die stellPlatz-kosten?

Eine Nacht auf einem der etwa 4.500 europäischen Reisemo- bilstellplätze kostet zwischen fünf und 15 Euro plus Strom und Frischwasser. Daneben gibt es auch ausgewiesene Cam- pingplätze. Diese bieten einiges mehr – dementsprechend liegen die Kosten mit durchschnittlich rund 30 Euro etwas höher. Top-ausgestattete Luxuscampingplätze können mit mehr als 50 Euro pro Nacht zu Buche schlagen.

kann ich auch als „laie“ ein Wohnmobil mieten?

Professionelle Reisemobilvermieter geben eine umfassende und intensive Einweisung in sämtliche Details des Fahr- zeugs. Alles wird genauestens erklärt, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Daher sollte man für sämtliche Formali- täten und Einweisungen ca. eine Stunde Zeit einberechnen.

Wie sieht es mit deR ausstattunG aus?

Moderne Wohnmobile haben meist eine komplett ausge- stattete Küche mit zwei oder mehr Kochstellen an Bord sowie einen Sanitärbereich mit Waschbecken, Dusche und Chemietoilette. An vielen Tankstellen und den meisten Campingplätzen besteht die Möglichkeit, Gasflaschen wie- der aufzufüllen. Bei Reisen im Ausland ist zu beachten, dass

modeRnes Reisen

dort oftmals unterschiedliche Anschlüsse und Gasflaschen vorhanden sind. Daher kann es sein, dass zum Befüllen ei- ner deutschen Gasflasche ein Adapter benötigt wird.

düRfen mitfahReR WähRend deR fahRt hinten sPielen, schlafen und essen?

Auf keinen Fall, das ist gesetzlich verboten. Wie im Pkw auch, müssen alle Insassen angeschnallt auf ihren Plätzen sitzen. Hierfür gibt es speziell für die Fahrt zugelassene Sitzplätze mit entsprechendem Sicherheitsgurt.

Wie Viel GePäck daRf mitGenommen WeRden?

Im Vergleich zum Pkw kann in einem gemieteten Reise- mobil viel mehr Gepäck mitgenommen werden. Auch ist es kein Problem, größeres Sport-Equipment, wie Fahrrä- der oder Surfboards, zu transportieren. Allerdings muss die zulässige Gesamtmasse, die im Fahrzeugschein einge- tragen ist, beachtet werden. Beim Bepacken darauf ach- ten: Schweres kommt nach unten, Leichtes nach oben. Schwere Gegenstände sollten möglichst in der Nähe der Achse verstaut werden und die Ladung muss unbedingt gegen Verrutschen gesichert werden.

ist die mitnahme Von haustieRen eRlaubt?

Im eigenen Wohnmobil kein Problem. Aber man muss natürlich einige Regeln beachten. Zum Beispiel gibt es Einreisebeschränkungen und vorgeschriebene Impfun- gen. Hier ist auch zu beachten, dass von rechtlicher Hin- sicht der Transport von Haustieren als „Ladung“ gilt. Daher greift die Sicherungspflicht für Gegenstände. Bei Nichtbeachtung drohen Bußgelder oder gar ein Verlust des Versicherungsschutzes. Wer ein Wohnmobil mietet, muss sich Haustiere in der Regel von der Mietstation ge- nehmigen lassen. Bei Mitnahme von Haustieren können aber höhere Reinigungskosten anfallen.

Wo ist fReies camPen eRlaubt?

In Deutschland ist das einmalige Übernachten zur „Wie- derherstellung der Fahrtüchtigkeit“ dort erlaubt, wo es nicht explizit verboten ist. Einmaliges Übernachten umfasst in der Regel einen Zeitraum von bis zu zehn Stunden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass hierbei das Herausdrehen der Markise oder auch die Aufstellung von Campingstühlen und Tischen nicht gestattet ist – also al- les, was unter den Begriff „campingähnliches Verhalten“ fällt. In anderen europäischen Ländern gibt es keine ein- heitliche Regelung zum freien Campen. Daher sollte man sich im Vorfeld unbedingt über die Vorschriften der jewei- ligen Reiseländer informieren.

Bilder: Ivan Floriani/Fotolia; Julia Ess

Bild: Klosterfrau

kultuR und Wissenschaft

Links: Die berühmte Mailänder Scala Oben: Verdi-Denkmal im Heimatort Busseto

AUF VERDIS SPUREN

Die Emilia-Romagna feiert den 200. Geburtstag des Komponisten und Nationalhelden

A ls Giuseppe Verdi im Januar des Jahres 1901 im Sterben lag, war der Respekt vor dem gro- ßen Komponisten und italienischen Freiheits- kämpfer so groß, dass die Bürger Mailands die Straßen vor seinem Haus mit Stroh belegen ließen, damit die Kutschen und Pferdehufe die Ruhe des Sterbenden nicht störten. Sein Gefangenchor aus der Oper Nabucco ist die heimliche Nationalhym- ne des Landes. Bewundert wird er aber auch wegen seiner sozialen Ader. Auf die Frage, welches seiner Werke er für das bes-

te halte, antwortete der Schöpfer von Aida,

20. April 2013 im Teatro Municipale in Piacenza nur eine Einstimmung auf das alljährlich zelebrierte Verdi-Festival ein, das den ganzen Oktober über in Parma, Busseto und Umgebung stattfindet. Über die Website www.giuseppeverdi.it kön- nen viele Events in Echtzeit via Livestream verfolgt werden. Außerdem bietet der Web- auftritt eine App, die Besucher umfang- reich über die verschiedenen Termine und Angebote in der Verdi-Region informiert.

Termine und Angebote in der Verdi-Region informiert. auf VeRdis sPuRen in busseto und le Roncole Rigoletto

auf VeRdis sPuRen in busseto und le Roncole

Rigoletto und La Traviata: „Das Altenheim in Mailand“ – er hatte es auf eigene Kosten für ver- armte Musiker errichten lassen.

Vor 200 Jahren, am 10. Oktober 1813, wurde Giuseppe Ver-

di in Roncole, einem kleinen Dorf in der Nähe von Busseto,

geboren. Aus diesem Grund feiert die gesamte Opernwelt und insbesondere die Emilia-Romagna Ihren berühmten Sohn das ganze Jahr mit verschiedenen Veranstaltungen. In seinen 87 Lebensjahren hat Giuseppe Verdi insgesamt 27 Opern geschaffen und zahlreiche Konzerte mit großem Erfolg umgesetzt. Sein außergewöhnliches künstlerisches Talent wird während der Jubiläumsfeierlichkeiten 2013 im Mittelpunkt stehen. Das Festprogramm startete im März mit der Aufführung von Macbeth im Teatro Romolo Valli in Reggio Emilia und endet mit der Oper Nabucco im Oktober, die im Teatro Comunale in Bologna dargeboten wird. Aber nicht nur Opernfreunde kommen auf Ihre Kosten, sondern auch Konzertliebhaber: So war das große Verdi-Konzert am

Neben den musikalischen Darbietungen des Ausnahmetalents, hält die Region allerdings noch interessante lebensgeschichtliche Highlights zu Verdi bereit. Interessierte können das Geburtshaus des Künstlers in Le Roncole besichtigen. Ein Muss für alle Verdifans ist je- doch die Stadt Busseto, in der Verdi zur Schule ging. Hier findet man unter anderem die Piazza Verdi mit einer gro- ßen Statue des Musikers, das Teatro Verdi, das Haus seines Schwiegervaters, Casa Barezzi und den Palazzo Orlandi, in dem Verdi gewohnt und beispielsweise die berühmte Oper Rigoletto komponiert hat. Auch kann man sich auf eine kulinarische Reise zum Thema Verdi begeben und hierbei seine Lieblingsspeisen verkosten. Zu diesen zählen zum Bei- spiel der sogenannte Culatello di Zibello (Zibello-Schinken aus Parma) oder der Kuchen Spongata (gefüllt mit Dörrobst, Keksen, Gewürzen und Honig)

Weitere Informationen www.emiliaromagnaturismo.it und www.festivalverdiparma.it

Gesund und schön

STABILE KNOCHEN

Ein Viertel aller Deutschen im Alter über 50 Jahren leidet an Osteoporose. Bei dieser Krankheit verlieren die Knochen ihre Stabilität, so dass sie bei der geringsten Belastung brechen. Entsprechende Vorbeugung kann viel zur Knochenstärke beitragen.

von Anette Brecht-Fischer

deR knochen lebt

Die Osteoporose ist keine Krankheit, die plötzlich da ist, sondern sie entwickelt sich über viele Jahre hinweg. In dieser Zeit, in der die Knochen langsam immer brüchi- ger werden, hat man noch keine Schmerzen und bemerkt deshalb die schleichende Gefahr nicht. Wenn dann bei einem an sich harmlosen Sturz der erste Knochen bricht, kommt das Ausmaß der Erkrankung ans Licht – für viele völlig überraschend.

Knochen sind nicht etwa tote Materie, wie vielleicht manche glauben mögen, sondern sie unterliegen einem ständigen Auf- und Abbau. Bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen überwiegt der Knochenauf- bau. Durch Sport und Bewegung zerren und zurren Muskeln und Sehnen am Knochen und machen ihn auf diese Weise kräftig und stabil. Zellen in den Knochen, die sogenannten Osteoblasten, bilden dabei neue Kno- chensubstanz, die zudem eine starke Vernetzung mit

Bild: Klosterfrau

Bild: CmA

Gesund und schön

anderen Knochenstrukturen aufweist. Mit knapp 30 Jah- ren haben die Knochen ihren Topzustand erreicht. Bei geringer Beanspruchung dagegen sorgen andere Zellen, die Osteoklasten, für einen Abbau der Knochenmasse. Nur wenn die Aktivität beider Zellen im Gleichgewicht ist, bleibt die Knochenmasse erhalten und der Knochen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten gesund.

Dieses Ideal wird aber in vielen Fällen gestört. Der Kno- chen in seinem Bestzustand mit der höchsten Knochen- dichte und der maximalen Knochenmasse existiert meist nicht lange, denn in den folgenden Jahrzehnten verläuft

ein kontinuierlicher Prozess des langsamen Abbaus: Die Knochenmasse nimmt mehr und mehr ab, die Mikroar- chitektur des Knochens verschlechtert sich. Bei Frauen wird der Vorgang nach den Wechseljahren durch das Fehlen der östrogene noch beschleunigt. Schließlich erreichen immer mehr Menschen mit zunehmendem Lebensalter den Punkt der kritischen Frakturgrenze, bei dem schon starke Knochenbelastungen und leichte Stürze zum Knochenbruch führen. Eine Knochendichte- messung oder das Röntgenbild kann bei vielen Patienten die Diagnose Osteoporose bestätigen. Bei dieser Krank- heit ist die Knochenmasse drastisch erniedrigt, die Kno- chenstruktur ist porös, woraus eine erhöhte Gefahr für Knochenbrüche resultiert. Hand- und Fußgelenke sind davon betroffen, die Wirbelkörper der Wirbelsäule und

oSteoPoRoSe – GezieLt BehandeLn

Wenn eine Osteoporose festgestellt wird, sind mehre- re Maßnahmen nötig, die individuell auf den Patienten zugeschnitten werden müssen. Kriterien sind dabei z.B. das Geschlecht, das Alter und ob bereits ein durch die Osteoporose verursachter Knochenbruch vorliegt. Es reicht nicht aus, nur Medikamente einzunehmen, sondern die aktive Mitarbeit des Patienten ist gefragt. Eine bewusste, knochengesunde Ernährung mit Cal- cium und Vitamin D steht an erster Stelle, verbunden mit regelmäßigem, körperlichem Training. Spezielle Osteoporose-Medikamente verhindern den weiteren Knochenabbau oder unterstützen den Knochenaufbau. Die Therapie erstreckt sich über mehrere Jahre. Die oft starken Schmerzen bei Osteoporose (z.B. nach Wirbel- brüchen) müssen mit einer gezielten Schmerztherapie behandelt werden, um Bewegung wieder zuzulassen. Außerdem spielt die Sturzvermeidung eine wichtige Rolle, damit es nicht zu Knochenbrüchen kommt.

wichtige Rolle, damit es nicht zu Knochenbrüchen kommt. im fortgeschrittenen Alter besonders die Oberschenkel- hals-

im fortgeschrittenen Alter besonders die Oberschenkel- hals- und Beckenknochen. Nach neuesten Untersuchun- gen tritt die Osteoporose auch bei Männern häufiger auf als vermutet, immerhin halb so oft wie bei Frauen.

knochenGesund leben

Auch wenn der Prozess des Knochenabbaus auf den ers- ten Blick naturgegeben und unabänderlich erscheint, so gibt es doch verschiedene Faktoren, die positiv oder ne- gativ darauf einwirken können. Eine Hauptrolle bei der primären Osteoporose spielen die Gene, deren Anteile sowohl an der Knochendichte als auch an der Geschwin- digkeit des Knochenabbaus rund 60 bis 70 Prozent be- tragen. Bei einer Mutter-Tochter-Studie aus österreich fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Töchter von Müttern, die an Osteoporose erkrankt waren, ebenfalls eine deutlich geringere Knochendichte hatten als Töch- ter gesunder Mütter.

Doch nicht alles kann man auf die Gene schieben. Zahl- reiche Lebensstilfaktoren, zu denen u.a. Ernährung und Bewegung zählen, sind ebenfalls ganz wesentlich an der Knochengesundheit beteiligt. Dazu gehört in erster Linie die ständige ausreichende Versorgung mit dem Mineral- stoff Calcium, der zusammen mit Phosphor für die Fes- tigkeit und Stabilität der Knochen verantwortlich ist. 99 Prozent des gesamten Calciums im Körper sind im Skelett gebunden. Nach Expertenmeinung beträgt die notwen- dige tägliche Calciumaufnahme etwa 1000 mg, wobei in der Wachstumsphase, Stillzeit oder im Alter die Menge erhöht werden sollte. Vitamin D unterstützt die Calcium- Aufnahme aus dem Darm und muss deshalb ebenfalls in ausreichender Menge vorhanden sein. Wichtigste Calci- umlieferanten sind in unseren Breiten die Milchproduk- te, auch manche Gemüse enthalten große Mengen des Mineralstoffs. Leider ist die sogenannte Bioverfügbar- keit (die Menge, die tatsächlich vom Körper aufgenom- men und dem Stoffwechsel zugutekommt) aus Gemüse schlechter als die aus Milchprodukten. Wer Milch, Käse oder Joghurt nicht mag, kann seinen Calciumbedarf zum großen Teil auch mit einem calciumreichen Mineralwas- ser decken. Besonders effektiv ist diese Methode, wenn das Mineralwasser zum Essen getrunken wird.

Ein weiterer, wichtiger Faktor im Hinblick auf die Os- teoporose-Vorbeugung stellt ausreichende Bewegung dar – das ganze Leben hindurch. Das Zusammenspiel der knochenauf- und abbauenden Zellen bleibt nur dann im Gleichgewicht, wenn der Knochen beansprucht wird.

Gesund und schön

Wirken keine Zugkräfte der Muskeln auf den Knochen, wird der Knochen abgebaut. Bei starker Beanspruchung jedoch wird vermehrt Knochenmasse gebildet. Untersu- chungen haben gezeigt, dass die Knochendichte bei Pa- tienten, die aufgrund einer Erkrankung 90 Tage im Bett lagen, um rund 20 Prozent reduziert wurde. „Hier hilft auch keine Gabe von Calcium oder Vitamin D, wenn die

körperliche Aktivität fehlt“, so ein Experte. Während der Wachstumsphase in Kindheit und Jugend bieten sich die besten Möglichkeiten, langfristig etwas für die Knochen- gesundheit zu tun. Eine optimale Calcium-Versorgung zusammen mit sportlicher Bewegung ist die beste Vor- aussetzung für feste Knochen. Wenn auf diese Weise die genetisch vorprogrammierte maximale Knochenmasse erreicht wird, kann die kritische Frakturgrenze um viele Jahre nach hinten verschoben werden.

eRnähRunG füR GeSunde Knochen

Milch und Milchprodukte wie z.B. Hartkäse sind die wichtigsten Calcium-Lieferanten. Auch die fettarmen Varianten sind
Milch und Milchprodukte wie z.B. Hartkäse sind die
wichtigsten Calcium-Lieferanten. Auch die fettarmen
Varianten sind zu empfehlen. Darüber hinaus sollten
Mineralwässer mit hohem Calcium-Anteil getrunken
werden. Eine Inhaltsanalyse findet sich auf dem Etikett.
Ab einem Calciumgehalt von 300 mg pro Liter gilt ein
Mineralwasser als calciumreich. Grünes Gemüse wie
Brokkoli, Grünkohl, Lauch, auch Fenchel enthält viel
Calcium, ebenso getrocknete Feigen. Seefisch und Pil-
ze (sowie Sonnenlicht) liefern Vitamin D, das für den
Calcium-Einbau in die Knochen nötig ist.

beGeGnunGen

beGeGnunGen

Ritterburg mit Toilette

Im „Baukasten“ von Luise Lübke können schon Vierjährige ihr eigenes Traumhaus bauen. Die 35-jährige Kulturwissenschaftlerin bietet Architek- turkurse für Kinder an.

Von Janet Binder, Bilder: Focke Strangmann

D er sechsjährige Alexander malt mit Eifer ein kleines Plastikteil grau an. „Das wird das Klo für die Ritter“,

erklärt er, während er mit einem Pinsel noch mehr Farbe aufträgt. Vor ihm steht eine noch nicht ganz fertig gebau- te Ritterburg samt Burggraben. An einem der vier Türme

will er später die selbstgebastelte Toilette ankleben. Alex- ander besucht zusammen mit fünf weiteren Jungen einen Kurs im Bremer „Baukasten“ – es ist die erste Architek- turschule für Kinder in Deutschland. „Kindern Architektur zu vermitteln, kommt gerade aus der Nische heraus“, sagt „Baukasten“-Gründerin Luise Lübke. Verlage gäben entsprechende Bücher heraus, Spielzeugher- steller böten Bausätze in verschiedensten Varian- ten an. Luise Lübke freut sich über den Trend, der so zu Beginn ihrer Selbst- ständigkeit vor rund ei- nem Jahr noch nicht ab- zusehen war. Damals kamen verstärkt Schulen auf sie zu, die mit ihrer Hilfe den Schü- lern Architektur näher bringen wollten. Für die Bremerhavener Astrid-

Lindgren-Ganztagsschu-

le erarbeitete die 35-Jäh- rige einen Lehrplan für das Unterrichtskonzept

Architektur.„Kinderkön-

nen dabei ganz nebenbei erlernte Fähigkeiten aus Mathematik, Naturwis- senschaften, Sachkunde und Kunst einsetzen“, erklärt Lübke. An einer anderen Schule soll sie

die Kinder mit an der Planung und Gestaltung einer neu- en Mensa beteiligen.

sPieleRisch den blick füR aRchitektuR öffnen

Ihr gehe es nicht darum, zukünftige Architekten auszu- bilden, sagt die „Baukasten“-Leiterin. Vor allem sollten die Kinder ihre Kreativität ausleben und einen Sinn für Proportionen, Formen und Konstruktionstypen bekom- men. Erlernt werde handwerkliches Geschick ebenso wie abstraktes Denken. Gerne beginne sie einen Kurs damit, durch die Straßen spazieren zu gehen, um sich die ver- schiedenen Häuser genauer anzuschauen. „Ich möchte

ver- schiedenen Häuser genauer anzuschauen. „Ich möchte Links: In der Bremer Architekturschule „Baukasten“

Links: In der Bremer Architekturschule „Baukasten“ können Kinder spielerisch ihre Kreativität ausleben, einen Sinn für Proportionen, Formen und Konstruktionstypen bekommen Oben: Vor einem Jahr machte sich die Kulturwissenschaftlerin Luise Lübke selbstständig und gründete nach finnischem Vorbild die erste Kinder-Architekturschule Deutschlands in Bremen – den „Baukasten“

beGeGnunGen

den Kindern den Blick für Architektur öffnen“, sagt Luise Lübke. Den spielerischen Ansatz hält sie dabei für ganz wichtig. Manchmal kämen Kinder aber auch schon mit ganz konkreten Entwürfen und Skizzen. Auch handwerkliche Fähigkeiten werden in Lübkes Kursen gefördert. „Hier können die Kinder sägen, bohren, schnei- den und hämmern“, sagt Lübke. Das findet auch Alexan- der gut. „Für ihn ist es das Größte, an der Werkbank zu arbeiten“, sagt seine Mutter Olga Janzen. Direkt neben Alexander arbeitet der sechsjährige Jonas gerade an der Gestaltung des Außenbereichs seiner Ritterburg. Um sei- ne Bäume aus Schaschlikstäbchen und grüner Wolle klebt er mit einer Heißklebepistole kleine Kieselsteinchen. Auch Luise Lübke hat sich bereits als Kind für Architektur begeistert. Das hat Tradition in ihrer Familie: Der Lebens- gefährte ihrer Mutter ist Architekturhistoriker und ihr Großvater Hermann Henselmann war der bedeutendste Architekt der DDR. Seine Bauwerke prägen noch heute das Gesicht Ost-Berlins. An den Leistungen des Großvaters wollte Luise Lübke sich nicht messen lassen. „Ich habe mich deshalb nicht getraut, Architektur zu studieren, das Vorbild war zu groß“, räumt Lübke ein. So kam die gebürtige Berline- rin 2004 nach Bremen, um an der Universität das Stu-

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bei Freiburg Info-Line 07822 77-6688 · www.europapark.de dium der Kunst- und Kulturwissenschaften sowie der

dium der Kunst- und Kulturwissenschaften sowie der Soziologie aufzunehmen. Ihr besonderes Interesse galt vor allem der Architekturvermittlung für Kinder und Jugendliche.

aRchitektuRschule in finnland als VoRbild

Nach dem Studium stand für sie fest, dass sie genau das auch beruflich weiter machen wollte. „Etwas ande- res war für mich undenkbar.“ Doch einen Job in dem Bereich gab es nicht, deshalb musste sie ihn sich selbst schaffen. Sie erfuhr von der Architekturschule für Kin- der „Arkki“ in Helsinki, besuchte sie und war begeistert von den Angeboten. „Die machten genau das, was ich machen wollte“, sagt die Mutter von zwei sechs und elf Jahre alten Töchtern. Sie schrieb ein Konzept, wurde von der Bremer Aufbau- Bank ein Jahr lang in ihrer Existenzgründung gefördert und gewann den Bremer Gründerwettbewerb „Campusideen“. Schließlich mietete sie einen Raum in der Innenstadt für ihre Schule an und besorgte Modellbaupappe, Kunststof- fe, Wolle, Eierschalen und Zahnstocher als Baumaterialen. Inzwischen hat sie schon erste Sponsoren gefunden, die sie mit Bauteilen unterstützen. Mithilfe ihrer Schwester erstell- te sie den Internetauftritt des „Baukastens“ sowie Flyer. Neben den wöchentlichen Kursen bietet sie auch Famili- enworkshops an, zu denen bereits Vierjährige mit ihren Eltern kommen können. „Bauen ist ein natürlicher Drang des Kindes“, sagt Lübke. Kleinkinder stapeln Bauklötze zu Türmen oder bauen mit Legosteinen Häuser. Zudem veranstaltet Luise Lübke Desgin-Workshops, bei denen Kinder selbst Möbel gestalten können. Auch Kinderge- burtstage hat der „Baukasten“ inzwischen im Programm. Gebaut werden kann alles, was gefällt: Weltraumstati- onen, Knusperhäuschen, Swimmingpools, Pferdeställe oder eben Ritterburgen. Seit rund sieben Wochen beschäftigt sich ihr Freitags- kurs mit Rittern. „Es ist mir wichtig, dass wir uns einem Thema ganzheitlich nähern“, sagt Lübke. Die Gruppe hat sich ein Bilderbuchkino angeschaut, sich gegensei- tig Geschichten aus dem Mittelalter erzählt, und jeder hat Bücher von zuhause mitgebracht. „Dabei kam die Frage auf, ob die Ritter damals schon Toiletten hatten“, erzählt Lübke. Das Thema ließ den sechsjährigen Alexander nicht mehr los, deshalb war es für ihn wichtig, dass seine Ritterburg entsprechend ausgestattet wird. Sein „Klo“ hat er inzwi- schen fertig angemalt und legt es zum Trocknen hin. Nächsten Freitag will er es an der Burg befestigen.

Mehr unter www.baukasten-bremen.de .

befestigen. ■ Mehr unter www.baukasten-bremen.de . ■ Antike Heilkunde und römisches Lazaret Auf dem

Antike Heilkunde und römisches Lazaret

Auf dem Legionärspfad in Windisch tauchen Besucher in die faszinierende Geschichte des einzigen römischen Legionslagers der Schweiz ein

S timmungsvoll inszenierte Fundstätten laden im Rö- mer-Erlebnispark zu Entdeckungen ein: zum Beispiel

die versunkene Offiziersküche mit Bildern eines opulenten Festmahls und Gesprächen zum Mithören oder die mit Licht und Düften belebte Ruine der römischen Therme.

das eRste sPital deR schWeiz stand in Vindonissa

In diesem Sommer und Herbst kann auf dem Legionärs- pfad ein originalgetreu nachgebautes römisches Militärla- zarett besichtigt werden. Das erste Spital der Schweiz stand vor rund 2000 Jahren in Vindonissa. Das monumentale Gebäude bot in 60 Krankenzimmern Platz für 300 Solda- ten. Hier wurden Kampfverletzungen nach Schlachten, Alltagskrankheiten und Arbeitsunfälle behandelt. Mit dem Valetudinarium (Spital) haben die Römer den ersten Sani- tätsdienst der Weltgeschichte erfunden. Die römische Me- dizin war nach heutigem Massstab sehr fortschrittlich und umfasste die Sparten Ernährungslehre, Pharmazie und ärztliche Behandlungen wie Chirurgie. Das authentisch rekonstruierte Feldlazarett veranschaulicht die Kenntnisse der römischen Ärzte. Mit der Eröffnung der zehnten Sta- tion des Legionärspfads stehen zudem neu die Spiel-Tour „Alarm im Lager“, die Themen-Tour „Der Medicus“ und neue Gruppenprogramme im Vermittlungsangebot.

Weitere Informationen unter www.legionaerspfad.ch

Reisen

Französische Kultur auf Schloss Wildegg

Das schweizer Schloss Wildegg mit feuda- lem Wohnmuseum und Barockgarten ist ein authentischer Erlebnisort der Geschich- te und der historischen Gartenkultur

D ie Saison 2013 widmet sich mit dem Thema „Von Versailles nach Wildegg“ den Beziehungen zum

königlichen Hof in Frankreich. Von ihren Reisen nach Frankreich brachte die Patrizierfamilie neben guten Beziehungen und Freundschaften auch viele Eindrücke und Ideen zur französischen Mode, Architektur oder Kü- che mit nach Hause. Die neue Audiotour zum Saisonthema führt an sieben Stationen in Hof und Schloss. Lebendige Hörspiele ent- führen in längst vergangene Zeiten. Man hört Sophie von Erlach aus ihren Memoiren vorlesen. Sie diskutiert mit ihrem Bruder Albert über die Französische Revolution und den Domänenbetrieb auf Schloss Wildegg. Der Wildegger Schlossgarten nimmt die Besucher mit auf eine Reise in den Versailler Küchengarten des legendär- en Sonnenkönigs. Goldene Tafeln führen im Wildegger Garten zu Gemüse und Obst, welche schon im Küchen- garten des Königs angepflanzt wurden.

im Küchen- garten des Königs angepflanzt wurden. ■ Weitere Informationen zum Schloss Wildegg unter

Weitere Informationen zum Schloss Wildegg unter www.schlosswildegg.ch

FERIENREGION BRANDENKOPF

Naturerlebnis mit Schwarzwälder Spezialitäten

Wanderer lieben den Schwarzwald wegen seiner herrlichen Landschaft. Mountain- biker haben ihn als Trainingsrevier neu entdeckt.

W anderer lieben den Schwarzwald wegen seiner herrli- chen Landschaft. Mountainbiker haben ihn als Trai-

ningsrevier neu entdeckt. Über 500 Kilometer beschilderte Wanderwege, 19 Nordic-Walking-Pfade und rund 500 km Mountainbikestrecken mit Ziel- und Entfernungsangabe stehen in der Ferienregion Brandenkopf für Sie bereit. Zur Ferienregion gehören die Orte Biberach, Nordrach, Zell a.H. und Oberharmersbach. Namensgeber ist der Brandenkopf. Mit fast 1.000 m ist er die höchste Erhebung des Mittleren Schwarzwalds. Vom Aussichtsturm auf dem Gipfel rücken selbst die Schweizer Alpen ein Stückchen näher. Herrlich gelegen ist auch die 18-Loch Golfanlage Gröbernhof in Zell a.H. oder der neue Adventure Mini.Golf.Park in Oberhar- mersbach. Im Puppen- & Spielzeugmuseum Nordrach kom- men Groß und Klein ins Staunen. Kein Wunder, denn 3.500 Puppen und Teddys sowie Holz- und Blechspielzeug umfasst die Sammlung. Einfach mal durchatmen und sich dann in den zahlreichen urtypischen Vesperstuben und Gasthöfe mit Schwarzwälder Spezialitäten verwöhnen lassen! Und vielleicht treffen Sie beim Städtlebummel in Zell am Harmersbach auf ”Hahn und Henne”, die berühmten Motive der Zeller Kera- mik. Übernachtungsgäste erhalten übrigens in der Ferien- region Brandenkopf die KONUS-Gästekarte. Damit fahren Urlauber kostenlos in den Bussen und Bahnen des Schwarz- walds. Das schont die Urlaubskasse.

Bahnen des Schwarz- walds. Das schont die Urlaubskasse. ■ info@brandenkopf.com, www.brandenkopf.com SCHAUmBERGER L AND

info@brandenkopf.com,

www.brandenkopf.com

SCHAUmBERGER L AND

Naturerlebnisse im Süd­ lichen Thüringer Wald

Im Thüringer Wald zwischen dem Son- neberger Land, dem Coburger Land und dem Rennsteig, befindet sich die Ur- laubsregion Schaumberger Land.

D ie Region lockt mit sattgrünen Hügeln, kulturhistori- scher Landschaft romantischen Wäldern, sanften Tä-

lern, anspruchsvollen Bergtouren mit herrlichen Fernblicken und blühenden Wiesen. Im Norden besticht das Schaum- berger Land mit den hohen Bergen des Thüringer Waldes, im Süden mit dem Mainfränkischen Hügelland und lädt Körper und Seele zu aktive Naturerlebnisse ein. Neben einer wanderbaren Natur in einem traumhaft schönen Waldge- birge, bietet die Region auch Wintersportmöglichkeiten, ein vielseitiges Radwanderwegenetz, geologische Besonderheiten und kulturelle Schätze. Wanderwege wie der „Panoramaweg Schaumberger Land“ mit einer Gesamtlänge von 90 km führt den Wanderer zu zahlreichen Museen, Kirchen, romantische Burgruinen, traditionellen Handwerk und Höhlen. Eine weitere Besonderheit ist das Grünen Band im Schaumberger Land mit vielen wertvollen Biotopen und Schautafeln mit be- wegenden Geschichten. Ein spannendes Wandererlebnis für die ganze Familie bietet der zertifizierte Goldpfad, auf dem man nicht nur viel über die Geschichte des Goldes erfährt, sondern auch selbst mit erfahrenen Goldwäschern Gold wa- schen kann. Ein Besuch des Deutschen Goldmuseums gibt Einblicke in einem unbekannten aber sehr interessanten Teil der Bergbaugeschichte im Thüringer Wald. Goldwaschen ist eines der letzten Abenteuer unserer heutigen Zeit, einmal vom Goldfieber gepackt, lässt es keinen so schnell wieder los.

www.schaumberger-land.de

keinen so schnell wieder los. ■ www.schaumberger-land.de BARLACHSTADT GüSTROW Kultur des Mittelalters und der Hanse

BARLACHSTADT GüSTROW

Kultur des Mittelalters und der Hanse

E ntlang der Ostseeküste und weit ins Binnenland hinein haben seit der Zeit der Hanse, der Klostergründungen und

der Ritterorden die Jahrhunderte ihre Spuren im Land hin- terlassen. Doch vor allem das mittelalterliche Kulturerbe, die Backsteingotik, ist in den Orten der Route bis heute allgegen- wärtig. Die Europäische Route der Backsteingotik verbindet die Perlen des hanseatisch geprägten Mittelalters. Seit 2009 engagiert sich auch die Barlachstadt Güstrow mit ihren prominenten mittelalterlichen Backsteinbauten auf der Europäischen Route der Backsteingotik. Es sind die eindrucks- vollen Bauwerke, die jedem Besucher der Stadt gleich ins Auge fallen: etwa die Pfarrkirche St. Marien mit ihrem weithin sicht- baren Turm und der bedeutenden erhalten gebliebenen Aus- stattung aus dem 15. Jahrhundert. Der Dom zu Güstrow wurde wenig später, im Jahr 1335, ge- weiht. Er ist eingerahmt von einem schönen Ensemble aus Bürgerbauten und der ältesten Schule Mecklenburgs. In ihm findet sich auch der Nachguss des „Schwebenden“ von Ernst Barlach. In der Hauptsaison finden dienstags wöchentlich wechselnde Kirchenkonzerte im Dom und in der Pfarrkir- che statt. Zu den wichtigsten Bauwerken zählen zudem die Gertrudenka- pelle, heute ein Museum für Werke des Bildhauers Ernst Bar- lach, und die Heilig-Geist-Kirche, 1308 erstmalig als Hospital erwähnt, mit ihrem einzigartigen Norddeutschen Krippenmu- seum. Das Güstrower Renaissance-Schloss entstammt zwar dem 16. Jahrhundert, ist also etwas jünger als die Bauten der Backsteingotik – die Bezüge zur Gotik stellt aber die einmalige Mittelalter-Ausstellung des Schlosses her. Arrangement: (ESS)- Kultur in der Barlachstadt - Backsteingotik einmal anders (p.P. schon ab 132,00 €) Tipp: Güstrow entdecken - öffentliche Stadtführungen, Ab- endspaziergang mit Einkehr in das Weinhaus im Hof, Nacht- wächterführungen, Stadtrundfahrten (auf Anfrage).

Nacht- wächterführungen, Stadtrundfahrten (auf Anfrage). Güstrow-Information, Franz-Parr-Platz 10, 18273 Güstrow,

Güstrow-Information, Franz-Parr-Platz 10, 18273 Güstrow, Tel.: 0 38 43 - 68 10 23 www.guestrow-tourismus.de und www.eurob.org

Reisen

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Bild: Alex Bramwell/Fotolia

bücheR

JüdiScheR fundamentaLiSmuS

Im Namen der Sittsamkeit und Tugend verschleiern die jüdischen „Talibanfrauen“ in Israel Gesicht und Haare, tragen mehrere

Hosen, Röcke und Umhänge übereinan- der und treten radikal für die strikte Ge- schlechtertrennung im öffentlichen Leben ein. Für ungeübte Augen unterscheiden sie sich daher äußerlich kaum von den Frauen der islamistischen Glaubensge- meinschaften. „Das Kind der Talibanfrau“ ist ein Entwick- lungsroman in Tagebuchform. In einem fiktionalen Monolog, der von wahren Bege- benheiten inspiriert ist, wird die Leidensge- schichte eines Jungen im Alter von 6 bis 15 Jahren erzählt. Aus der Perspektive des Kin- des werden die extremen Erziehungsmaßnahmen einer sich mehr und mehr radikalisierenden Mutter geschildert. Der in knapper, poetischer Sprache verfasste Text vermittelt eindringlich die tiefe Verstörung des Jungen. Er zeigt damit, welche fatalen Auswirkun- gen Zwangspädagogik und religiöse Indoktrination auf Kinder aller Kulturkreise und Glaubensgemeinschaften haben. Der Text, dessen Form mit dem Älterwerden des Protagonisten wächst und komple- xer wird, ist durchdrungen von den Stimmen seiner Mutter, seiner Lehrer, von Bibelpsalmen und Gebetsfetzen. Der Junge berichtet in eindringlichen Bildern von einer Vielzahl an tragischen Erlebnissen, die seine gesamte Lebenswelt betreffen. Die Tatsache, dass ein Kind erzählt mit der ihm eigenen schlichten Sprache, macht den Text zu- sätzlich ergreifend. Der Autor Yair Nehorai, 1967 in Jerusalem geboren, ist Strafvertei- diger und betreibt eine Anwaltskanzlei in Jerusalem. In den letz- ten Jahren vertrat er einige Mandanten, die extremen religiösen Gruppierungen angehörten. Er war mit einigen aufsehenerregen- den Fällen betraut, die die zunehmenden Spannungen zwischen Staat und Religion in Israel sichtbar machen. DAS KIND DER TALIBANFRAU Eine ultraorthodoxe Familie in Isra- el. Von Yair Nehorai. Nicolai Verlag. 19,95 EUR

in Isra- el. Von Yair Nehorai. Nicolai Verlag. 19,95 EUR Wer bin ich? Woher komme ich?

Wer bin ich? Woher komme ich? Was be­ stimmt mein Leben?

Grundsätzliche Fragen brechen auf, als die selbstständige Grafikerin Jael Winterstejn bei einem Sommerspaziergang im Rheintal zufäl- lig einen Grabstein entdeckt, auf dem ihr Name steht. Eine Suche nach der Geschichte, die sich hinter diesem Grabstein verbirgt, wird nicht nur zu einer Reise in die Vergangenheit ihrer eige- nen Familie, sondern rührt an anderen dunklen

Geheimnissen. Fragen von Schuld und Vergebung, Rache und Versöhnung werden plötzlich ganz ak- tuell und persönlich. Sie führt zu Begegnungen in Prag und im ehemaligen Sudetenland. Dort trifft Jael den sympathischen Tschechen Radek … Eine lebendig erzählte, pa- ckende Geschichte, in der das Lebensgefühl mehrerer Generationen aufei- nander trifft. Eine ungewöhnliche Auseinander- setzung mit der Zeitgeschichte: deutsch-jüdische und deutsch-tschechische Vergangenheiten, Krieg und Vertreibung. Eine aktuelle Geschich- te, die die Frage aufwirft, wie Beziehungen gelin- gen können und wie die Verstrickung in Schuld überwunden werden kann.

ERBEN DES SCHWEIGENS von Sabine Dittrich. Neufeld Verlag. EUR 12,90

SCHWEIGENS von Sabine Dittrich. Neufeld Verlag. EUR 12,90 Stiefmutter in der Pubertät Eine tragikomische Geschichte
SCHWEIGENS von Sabine Dittrich. Neufeld Verlag. EUR 12,90 Stiefmutter in der Pubertät Eine tragikomische Geschichte

Stiefmutter in der Pubertät

Eine tragikomische Geschichte über die großen und kleinen Katastrophen einer Patchwork-Familie:

Claire, Anfang 40, ist seit vielen Jahren glücklich mit Axel verheiratet. Er brachte damals seine vierjäh- rige Tochter Josefien mit in die Ehe, zu der Claire von Anfang an eine liebevolle Bindung entwickelte. Doch jetzt ist Josefien in der Pubertät, und Claire versteht die Welt nicht mehr: Schier über Nacht ist das Kind zur undankbaren, aufsässigen Göre geworden, die ihre Stiefmutter beschimpft und hinter- geht. Und das Schlimmste: Ihr Mann will die Probleme nicht wahrhaben, sieht in seiner Tochter im- mer noch die unschuldige Prinzessin. Er ahnt nicht, dass ihm die ganze Zeit ein schwerwiegendes Ge- heimnis vorenthalten wird … Einfühlsam, authentisch und mit lakonischem Humor schildert Renate Dorrestein die oft aberwitzigen Bemühungen einer Stiefmutter, den Familienfrieden zu retten.

STIEFMUTTERTAG von Renate Dorrestein. Verlag C. Bertelsmann. EUR 16,99

die GRoSSe WeLt deR KLeinen Judith

Ein Roman, so großherzig und unwiderstehlich, dass er nur ein Wunder sein kann! Menschen aus Pfeifenputzern, Häuser aus Keks- schachteln, Wattewolken und ein Spiegelsee. Die zehnjährige Judith hat sich in ihrem Zimmer eine klei- ne Welt geschaffen, ganz für sich allein. In der Schule wird sie gehän- selt, weil sie anders ist, sich von der sündigen Welt fernhalten muss. Ihr streng religiöser Vater hat kein Ohr für ihre Nöte, die Mutter hat sie nie kennengelernt. Vielleicht, denkt Judith, wenn ich es hier drinnen schneien lasse, mit Rasierschaum, Watte und Daunenfedern, fällt am Montag die Schule aus. Als sie am nächsten Tag die Vorhänge öffnet, ist tatsächlich alles weiß. Judith hat ihr erstes Wunder bewirkt. Und damit fangen ihre Probleme erst richtig an … Grace McCleen hat ei- nen herzzerreißenden Roman über Gut und Böse, Glaube und Zweifel, über Liebe, Verlust und Erlösung geschrieben, mit einer bezau- bernden jungen Heldin. Ein Schicksal, das tief bewegt. WO MILCH UND HONIG FLIESSEN Von Grace Mc- Cleen. DVA. EUR 19,99

MILCH UND HONIG FLIESSEN Von Grace Mc- Cleen. DVA. EUR 19,99 bücheR Mörder mit reinem Gewissen

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HONIG FLIESSEN Von Grace Mc- Cleen. DVA. EUR 19,99 bücheR Mörder mit reinem Gewissen Von seinem

Mörder mit reinem Gewissen

Von seinem Onkel überrumpelt gerät Júlio Santana, der als Sohn einer armen Familie im Nordosten Brasiliens keine Chance auf einen anständig bezahlten Beruf hat, mit 17 Jahren auf die von ihm anfangs nur widerwillig eingeschlagene, Jahrzehnte dauern- de Laufbahn eines Auftragsmörders. Klester Cavalcanti hat diese Biographie aufgeschrieben. Er ist einer der bekanntesten Journa- listen Brasiliens und lebt in Sao Paulo. In Júlio Santana, der ohne Hass, aber auch ohne Mitleid seinem Geschäft nachgeht und im Lauf seiner Karriere fast 500 Menschen umbringt, begegnen wir einem Familienvater, einem Hinterwäldler mit schlichtem und doch nachdenklichem Gemüt, der seinen Beruf akribisch und ehrgeizig praktiziert. Und der ein seltsam pragmatisches Verhält- nis zu Sünde und Vergebung an den Tag legt. Seine Tätigkeit rückt ihn dabei immer wieder in die Nähe brasilianischer Politik; so ist er an der Verfolgung von Gewerk- schaftern beteiligt und wird zum Mörder der ersten Guerilleros in den siebziger Jah- ren. Doch er tötet auftragsgemäß vor allem „gewöhnliche“ Menschen; pedantisch hat er in einem Notizbuch mit Donald-Duck-Motiv alle Morde und deren zum Teil mäch- tige Auftraggeber festgehalten – seine Lebensversicherung. Nach 35 Jahren schafft er endlich den Absprung. Seine Kinder halten ihn bis heute für einen Polizisten.

DER PISTOLEIRO Die wahre Ge- schichte eines Auftragsmörders. Von Klester Cavalcanti. EUR 19,80

Reisen

Eines der vielen Freizeitangebote, das auch die Urlaubsgäs- te wahrnehmen können: Wassergymnastik im hauseigenen Schwimmbad, hier im KWA Kurstift Bad Dürrheim.

Urlaub im Wohnstift

Die KWA Senioreneinrichtungen bieten ein Urlaubsangebot der beson- deren Art an

W ieder einmal Ferien machen, eine andere Umge- bung erkunden, neue Menschen kennenlernen

– ein schöner Wunsch, aber als Bewohner eines Senio- renwohnstifts mit Pflegestufe 2 wohl eher ein Wunsch- traum“, so dachte Herbert F. Doch weit gefehlt! Denn seine Tochter hatte die Idee, zusammen mit ihrem Vater Urlaub in einem der KWA Wohnstift zu machen. Sie ent- schieden sich für das KWA Kurstift Bad Dürrheim. Dann ging alles ganz schnell: Herbert F. bezog ein gemütliches Zimmer im Pflegebereich und seine Tochter und ihr Ehemann mieteten eines der Gästeapartments. Die drei verbrachten einen entspannten und erholsamen Urlaub, erkundeten die herrliche Natur des Schwarzwalds, nutz- ten aber auch viele der Angebote des Kurstifts. Am Ende waren sie sich einig: „Diesen Urlaub wiederholen wir – es gibt ja noch 13 weitere KWA Wohnstifte.“ Urlaub im Wohnstift, das bedeutet Erholung und Abwechs- lung an den schönsten Flecken Deutschlands, hotelähn- licher Service und die angenehme Atmosphäre der KWA Häuser genießen. Es bedeutet aber auch Sicherheit und Un- terstützung in Bereichen, die über den Service eines Hotels hinausgehen. Sollte ein Gast während seines Urlaubs unter- stützende Pflege oder Betreuung brauchen – der hauseigene Pflegedienst steht rund um die Uhr bereit. Das Urlaubspaket beinhaltet außerdem: gemütliche Gästezimmer und groß- zügige Gemeinschaftsräume, Frühstücksbüfett, Mittags- menü, Abendessen, abwechslungsreiches Freizeit- und Kul- turangebot (Konzerte, Veranstaltungen, Ausflüge) sowie die Nutzung von Schwimmbad und Sauna.

Informationen zu den einzelnen KWA Einrichtungen finden Sie im Internet unter www.kwa.de und einen Kurzfilm zum Thema „Urlaub im Wohnstift“ unter www.kwa.de/standor- te/bad-duerrheim/kwa-kurstift-bad-duerrheim/

KLOSTER ST. JOSEF IN NEUmARKT

Oase der Ruhe mit vielen Ausflugs­ möglichkeiten

Das Gästehaus im Kloster St. Josef in Neumarkt in der Oberpfalz bietet bezahlbaren Komfort in herrlicher Umgebung

E inkehren, entspannen, aufatmen, besinnen und kre- ativ tagen: Das Gäste- und Tagungshaus im Kloster

St. Josef in Neumarkt in der schönen Oberpfalz bietet sei- nen Besuchern viele Möglichkeiten für einen erholsamen und kurzweiligen Aufenthalt. Nahe der historischen Alt- stadt von Neumarkt findet man eine Oase der Ruhe im weitläufigen Klosterpark. Die nahe Umgebung lädt zum Wandern oder Radfahren ein („Fünf-Flüsse-Radweg“, „Tour de Baroque“) und mit Bahn oder Auto ist man in weniger als einer Stunde in den Metropolen Nürnberg und Regensburg oder im romantischen Altmühltal. Die insgesamt 85 Einzel- und Doppelzimmer mit Dusche/WC haben verschiedene Ausstattungen: von der einfachen, aber modernen Einrichtung bis hin zum Komfortzimmer mit Flatscreen-Fernseher – kostenfreies WLAN und Park- plätze am Haus inbegriffen. Übernachtung mit Frühstück oder Vollverpflegung - mit saisonalen Gerichten und Produkten aus der Region bie- tet die Klosterküche zu jeder Tageszeit einen reich gedeck- ten Tisch, bzw. ein abwechslungsreiches Büffet. In sechs Tagungs- und Veranstaltungsräumen sowie vier Medita- tionsräumen finden Gruppen und Seminare beste Bedin- gungen vor für konzentriertes Arbeiten und geselliges Miteinander. Die Klosterkirche ist der ideale Ort für Gottesdienste, Konzerte oder Lesungen. Die Schwes- tern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern) bewohnen noch selbst einen Teil der Klosteranlage. Wer möchte, kann an Gebet und Eucharistiefeier der Schwes- tern teilnehmen oder das Gespräch mit ihnen suchen. Gerne laden die Schwestern auch auf Anfrage zu Oasen- tagen, Meditationswochenenden oder Exerzitien ein.

Mehr Informationen gibt es unter www.kloster-erleben.eu oder Telefon 09181/4500-7000.

unter www.kloster-erleben.eu oder Telefon 09181/4500-7000. Klostersommer in Memleben H ier, im Süden Sachsen-Anhalts

Klostersommer in Memleben

H ier, im Süden Sachsen-Anhalts war Memleben schon zu Zeiten Ottos des Großen eine der bedeutendsten

Kaiserpfalzen Europas. Sein Sohn Otto II. gründete mit seiner Gattin Theophanu zu seinem Gedenken eine Be- nediktinerabtei und ließ eine doppelchörige Monumen- talkirche errichten, die er wohl als seine eigene Grablege konzipierte. Heute, mehr als 500 Jahre nach dem Ende des Klosters kehren wieder Mönche in das ehemalige Kloster nach Memleben zurück. Aus der Abtei Münsterschwarz- ach machen sich Benediktiner auf den Weg in die Saale-

Unstrut-Region und sorgen im Sommer für ein belebtes und begreifbares Kloster auf Zeit. Mit dem neuen Angebot „Belebtes Kloster – Benediktinermönche in Memleben“ können Besucher des Klosters Memleben mit den Bene- diktinermönchen in Kontakt treten und viel Wissenswer- tes über das moderne Klosterleben erfahren.

höhepunkte im Sommerprogramm von Kloster memleben so, 14.7.2013, 16 uhr: mein sommerlied

Ein Nachmittag für Alt und Jung mit geistlichen und welt- lichen Liedern zum Zuhören und Mitsingen, von und mit Regionalkantor Gerhard Schieferstein mi, 31.7., bis 4.8.2013: ora et labora

Benediktinermönche verweilen im Kloster Memleben,

Tägliches Angebot für Besucher: Gebete, Andachten, Gesprächsrunden

so, 24.28 16.30 uhr: sommerkonzert mit sara avelia

2013,

Liebeslieder in vier Sprachen, Harfe und Gesang mi, 18.9.2013, 19 uhr: leben im angesicht des todes.

Wie der Gedanke an das Sterben das Leben stärkt. Vortrag mit Pater Anselm Grün

Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben; Thomas- Müntzer-Str. 48, 06642 Memleben; Tel: 034672-60274; info@kloster-memleben.de; www.kloster-memleben.de

Reisen

MUSEUM KLOSTER UND KAISERPFALZ MEMLEBEN Pfalzort und Reichsabtei • Sterbeort der Ottonen • Klosteranlage mit
MUSEUM
KLOSTER UND KAISERPFALZ
MEMLEBEN
Pfalzort und Reichsabtei • Sterbeort der Ottonen •
Klosteranlage mit spätromanischer Krypta
Öffnungszeiten:
15. 3. – 31. 10. täglich 10 –18 Uhr,
1. 11. – 14. 3. nur Außenanlage täglich 10 –16 Uhr (außer feiertags)
Thomas-Müntzer-Straße 48, 06642 Memleben
Telefon 034672-60274, info@kloster-memleben.de
www.kloster-memleben.de
Belebtes Kloster
in Memleben
Spirituelle
Angebote
zum Programm
Informationen
siehe
Homepage
– in Memleben Spirituelle Angebote zum Programm Informationen siehe Homepage 32 CD07+08/2013 CD07+08/2013 33

Bild: Konstanze Gruber/Fotolia

koRGReisenultuanisationenR und Wissenschaft

REISEAPOTHEKE

Bestens gerüstet für kleine Wehwehchen

Kleiner Inhalt, große Wirkung: Mit der richtigen Reiseapotheke im Ge- päck sind Urlauber auf die häufigs- ten gesundheitlichen Beschwerden am Ferienort ideal vorbereitet.

D ie Medikamente einer guten Reiseapotheke lindern leichte Probleme und beugen gleichzeitig schwere-

ren Erkrankungen vor. Die genaue Ausstattung ist zwar abhängig vom Reiseziel und der Art des Urlaubs, einige Utensilien gehören jedoch in jedes Gepäck. Wir stellen die wichtigsten Reisebegleiter vor. Zur Pflichtausstattung der Reiseapotheke zählen grundsätz- lich alle Medikamente, die der Reisende regelmäßig einneh- men muss. Häufig sind die nötigen Tabletten oder Tropfen am Urlaubsort nicht verfügbar und sollten daher bereits

von zu Hause mitgebracht werden. Ferner empfiehlt es sich, alle wichtigen Medikamente während einer Flugreise im Handgepäck zu verstauen, damit diese auch bei verzögerter Gepäckauslieferung oder einem Verlust des eingecheckten Reisegepäcks verfügbar sind. Außerdem sind bei Flugreisen die folgenden Inhalte ein Muss in jeder Reiseapotheke:

1. Schmerz- und fiebersenkende Arzneimittel zur Behand- lung leichter Verletzungen oder bei Kopfschmerzen nach Wetterumschwung:

Schmerzhemmende Mittel sind in verschiedenen Do- sierungen für jedes Alter in der Apotheke erhältlich. Schmerzen während der Schwangerschaft oder Stillzeit sollten jedoch nur nach Rücksprache mit einem Arzt mit Schmerzmitteln behandelt werden – gleiches gilt für die Schmerzbehandlung bei Säuglingen und Kleinkindern. 2. Mittel gegen Durchfall, die den Verlust von Flüssigkeit und Mineralien ausgleichen: Ein sogenanntes „Elektro- lytpulver“ hilft, Wasser und notwendige Salze im Körper zu ersetzen. Im Notfall können Reisende einen halben Teelöffel Salz und fünf Teelöffel Traubenzucker in einem halben Liter abgekochtem Wasser auflösen und trinken. Im Zweifelsfall ist es grundsätzlich ratsam, nur gekochte Speisen und Getränke zu sich zu nehmen.

34 CD07+08/2013

Speisen und Getränke zu sich zu nehmen. 34 CD07+08/2013 3. Desinfektionsmittel für die Haut. Eine sogenannte

3. Desinfektionsmittel für die Haut. Eine sogenannte „Wunddesinfektion“ zur Versorgung kleinerer Schnitte und Verletzungen ist Pflicht in der Reiseapotheke. Wich- tig sind außerdem Pflaster, Mullbinden, Klebeband und eine Schere. 4. Sonnenschutz nicht nur bei Reisen in den Süden: Mit dem richtigen Sonnenschutzmittel vermeiden Reisende nicht nur einen kurzfristigen Sonnenbrand, sondern auch Langzeitfolgen wie Hautkrebs. Bei leichten Rötungen der Haut hilft eine After-Sun-Lotion oder ein kühlendes sogenanntes „Antihistaminikum“, das auch bei leichten Insektenstichen hilft. 5. Reisen in Risikogebieten: Bei Reisen in exotischere Desti- nationen und Risikogebiete empfiehlt sich grundsätzlich eine ausführliche Beratung bei einem Facharzt für Reise- medizin oder dem Tropeninstitut. So sind beispielsweise bei Reisen in Malariagebiete entsprechende Arzneien zur Malaria-Prophylaxe erforderlich. 6. Stöpsel gegen Ohrendruck und -schmerzen bei der Lan- dung, zum Beispiel von SANOHRA fly. Sie sorgen auf Flugreisen für einen langsamen und kontinuierlichen Druckausgleich und geben dem Ohr mehr Zeit, sich an neue Druckverhältnisse anzupassen, bevor Schmerzen entstehen. Insbesondere bei Reisenden mit Erkältung oder Heuschnupfen halten Schmerzen ansonsten oftmals über mehrere Tage an. Kai-Jörg Schulz, Geschäftsführer von Innosan: „Eine gute Reiseapotheke sollte Pflicht für jeden Urlaub sein, da unge- wohntes Essen oder mangelnde Hygiene das Risiko einer Erkrankung ansteigen lassen. Außerdem sind passende Medikamente vor Ort häufig nicht oder nur sehr begrenzt verfügbar. Auch aufgrund der Sprachbarriere oder den ört- lichen Verhältnissen am Ferienziel ist eine gute vorbereitete und ausgestattete Reiseapotheke sowie eine rechtzeitige und kompetente Information ein Muss.“

EUROPA-PARK

oRGanisationen

Jonglieren für den Gemeinnutz

Gruppencoaching für Deutschlands größtes Jugend-Sozialprojekt:

Die 72-Stunden-Aktion im Europa-Park

B is zum 16. Juni sind im Rahmen der 72-Stunden-Aktion allein in

der Erzdiözese Freiburg über 12.000 Kinder und Jugendliche in beinahe 500 gemeinnützigen, politischen oder ökologischen Projekten aktiv. Erstmals findet die Aktion in diesem Jahr bundesweit statt. Der Europa- Park unterstützte den Bund der Deutschen Katholischen Jugend auf besondere Weise und lud zwei der Projektgruppen zu einem Coaching ein: Gemeinsam mit den Künstlern und Artisten aus Deutschlands größ- tem Freizeitpark bereiteten sich die Gruppen mit einer Menge Spaß auf ihre gemeinnützigen Projekte vor. „Kinder und Jugendliche engagieren sich Woche für Woche in Gemein- den und Verbänden, in Sportver- einen oder der Nachbarschaft. Die 72-Stunden-Aktion macht dieses Engagement sichtbar“, erklärt Ma- nuel Schätzle, der als BDKJ-Diöze- sanleiter für die Organisation der Aktion in der Erzdiözese Freiburg verantwortlich ist. Der Europa-Park unterstützte zwei der Projekte mit speziellen Coachings. Die Projekt- gruppe der Heimschule St. Lando- lin, Ettenheim erhielt ein Wanderzirkus-Coaching, bei dem Jonglage, Zauberei und Clown-Animation auf dem Programm standen. Mit den erlernten Zirkusnummern wird die Gruppe am Samstag und Sonntag den Senioren- heimen des Caritasverbands Lahr eine Freude bereiten. Die Ministranten aus Hechingen wurden in die Kunst des Schwarzlichttheaters eingeführt, um mit einer Auf- führung Spenden für ein soziales Projekt zu sammeln. „Die 72-Stunden-Aktion fordert Kinder und Jugendliche heraus, sich für Menschen einzusetzen und Solidarität

zu leben. Es ist schön zu sehen, mit wie viel Engagement sich die Kinder beteiligen und ich freue mich, dass wir sie bei diesem tollen Projekt unterstützen können“, so Roland Mack, Inhaber des Europa-Park. In allen 16 Bundesländern und 27 Bistümern und in 272 regionalen Koordinationskreisen haben sich Akti- onsgruppen angemeldet. Mit mehr als 170.000 Aktiven ist die 72-Stunden-Aktion schon jetzt die bislang größte Jugend-Sozialaktion Deutschlands.

Weitere Informationen unter www.72stunden.de

CD07+08/2013 35

Bilder: TK; DAK Wigger; abf

Gesund und schön

kuRz beRichtet

Bilder: TK; DAK Wigger; abf Gesund und schön kuRz beRichtet Wie wirkt Fluorid in der Zahnpasta?

Wie wirkt Fluorid in der Zahnpasta?

Regelmäßiges Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta beugt Karies vor. Das darin enthaltene Fluorid verbindet sich mit dem Zahnmaterial und bildet einen dünnen Schutzmantel, der die Zähne vor den Säuren schützt, die die Mundbakterien beim Abbau von Zucker produzieren. Doch offensichtlich ist diese schon lange bekannte Schutzwirkung nicht alles. Wissenschaftler der Saar-Uni um Prof. Karin Jacobs haben gezeigt, dass Fluorid noch mehr kann. Sie untersuchten die Haftkraft verschiede- ner Bakterienarten an Zahnoberflächen. Waren diese zuvor mit Fluorid behandelt worden, blieben die Bakterien nur noch halb so stark haften wie auf unbehandelten Oberflächen.

auffRiSchimPfunGen nicht veRGeSSen

Oberflächen. auffRiSchimPfunGen nicht veRGeSSen 36 CD07+08/2013 In Berlin gab es kürzlich wieder vermehrt

36 CD07+08/2013

In Berlin gab es kürzlich wieder vermehrt Fälle von Masern. Betroffen waren in erster Linie Ju- gendliche und junge Erwachsene, die in ihrer Kindheit nur einmal oder gar nicht gegen Ma- sern geimpft worden waren. Der Impfschutz ist jedoch nur dann komplett, wenn auch die Auf- frischimpfung durchgeführt wurde. Experten der Ständigen Impfkommission (STIKO) sind sich ei-

StadtBeWohneR haBen öfteR KoPfSchmeRzen

Entgegen vieler Vermutungen nehmen Kopf- schmerzen in Deutschland tendenziell nicht zu, wie eine neue Langzeiterhebung zeigt. Allerdings leiden Menschen, die in Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern leben, sta- tistisch gesehen häufiger unter Kopfschmer- zen als Menschen, die auf dem Land leben. „Stress gilt als einer der häufigsten Auslöser für Kopfschmerzen. Immer mehr wird disku- tiert, ob uns unser Lebensstil, die ständige Erreichbarkeit jedes Einzelnen für private und berufliche Belange und die vielerorts gewaltige Verdichtung der Arbeit krank ma- chen und zu mehr Kopfschmerzen führen“, meint die Neurologin Stefanie Förderreuther. Für Kopfschmerzpatienten könnte es daher durchaus sinnvoll sein, etwas mehr Ruhe in der Umgebung zu suchen und sich vom typi- schen Großstadtstress abzuwenden.

suchen und sich vom typi- schen Großstadtstress abzuwenden. nig, dass fehlende Impfungen in jedem Lebens- alter

nig, dass fehlende Impfungen in jedem Lebens- alter nachgeholt werden können und sollen. Da sich nach Impfungen ein Immungedächtnis aus- bildet, reicht es auch nach langen Impfabstän- den aus, die fehlenden Impfungen zu ergänzen. Man muss nicht von vorne anfangen! Der Nach- teil von zu langen Impfabständen: Man ist in der Zwischenzeit nicht sicher geschützt.

Gesund und schön

Panikattacken bei Studenten

Plötzlich auftretende Angstan- fälle, die Minuten oder Stun- den dauern können, nennt man Panikattacken. Atemnot, Herz- rasen, Schweißausbrüche und ein Engegefühl in der Brust gehören zu den Symptomen. Wie eine aktuelle Umfrage des Forsa-Instituts zeigt, sind Stu- dierende besonders häufig da- von betroffen. Jede fünfte Stu- dentin und jeder siebte Student erleidet im Laufe seines Studi- ums mindestens eine Panikattacke. Phasen tiefster Verzweiflung kennen 28 Prozent der weiblichen Studierenden und 19 Prozent der männlichen. Die Ergebnisse sind fächerübergreifend, denn die Umfrage wurde in den Bereichen Ingenieurs-, Geistes- und Wirt- schaftswissenschaften durchgeführt.

Geistes- und Wirt- schaftswissenschaften durchgeführt. mandeLoPeRationen Bei KindeRn Jährlich werden in

mandeLoPeRationen Bei KindeRn

Jährlich werden in Deutschland etwa 26. 000 Mandel-Operationen an Kindern im Alter bis zu 14 Jahren durchgeführt. Es ist somit einer der häufigsten Eingriffe in dieser Altersklasse. Ob eine Operation mit einer vollständigen Ent- fernung der Gaumenmandeln notwendig ist oder ob bereits ihre Verkleinerung ausreicht, muss der behandelnde HNO-Arzt individuell entscheiden. Bei einer Komplettentfernung können ernste Komplikationen drohen. Der Faktencheck Gesundheit der unabhängigen Bertelsmann Stiftung hat große regionale Unterschiede innerhalb Deutschlands bei der Häufigkeit der Mandel-OPs registriert. Eltern können sich auf der Website www.fakten- check-mandeloperation.de informieren und Unterstützung bei der Entscheidung für oder gegen eine Mandelentfernung finden.

menSchen mit GLauKom oft nicht fahRtüchtiG

Rund 800.000 Patienten leiden in Deutschland an einem Glaukom, auch als „grüner Star“ bekannt. Dabei gehen nach und nach die Fasern des Sehnervs zugrunde. Viele Betroffene bemerken die Krankheit erst, wenn das Sehen schon stark gestört ist. Typisch für das Glaukom sind Ausfälle an den Rän- dern des Gesichtsfelds. Beim Au- tofahren kann dies zu vermehrten Unfällen führen. Wenn ein Auto von der Seite kommt oder ein Kind auf die Straße läuft, kann der Glaukom- Patient oft nicht mehr schnell ge- nug reagieren, da er sie zu spät be- merkt. Eine japanische Studie ergab ein doppelt so hohes Unfallrisiko für Glaukom-Patienten im Vergleich zu Gesunden. Bei über 65-Jährigen wird deshalb alle ein bis zwei Jahre eine Glaukom-Kontrolle empfohlen.

Salmonellengefahr bei Reptilienhaltung

Schildkröten, Schlangen, Chamäleons und Agamen wer- den als Haustiere immer be- liebter. In Terrarien können sie meist problemlos zu Hause gehalten werden. Doch was kaum jemand weiß: 90 Prozent der Reptilien und Amphibien sind mit Salmonellen in- fiziert – ohne selbst an der von den Bakterien verursachten schweren Durchfallerkrankung zu leiden. Die Tiere scheiden sie mit dem Kot aus, aber auch ihre Hautoberfläche sowie Maul und Rachen können Salmonellen aufweisen. Wer im oder am Terrarium hantiert oder die Reptilien anfasst, sollte sich hinterher gründlich die Hände waschen. Auslauf in der Wohnung, speziell in der Küche, sollte unbedingt vermieden werden. Kinder müssen die nötigen Hygi- eneregeln kennen und sie einhalten, sonst droht einen Salmonelleninfektion.

CD07+08/2013 37

Bild: AOK

Bild: AOK

Gesund und schön

Das Risiko fährt mit

Die Einnahme von Medikamenten und anschließendes Autofahren sind mitunter eine gefährliche Kombination. Warnhinweise müssen unbedingt beachtet werden, sonst ist nicht nur das eigene Leben in Gefahr.

von Caroline Schawe

A utofahren erfordert eine geschärfte Wahrnehmung:

Gutes Sehen und Hören, Koordination, schnelles Er-

kennen und Reagieren ist notwendig, um dem heutigen Verkehr gewachsen zu sein. Das Gleiche gilt übrigens auch für Radfahrer. Alkohol und Drogen sollten im Straßenver- kehr tabu sein, doch die Gefahren lauern noch woanders:

Jährlich werden in Deutschland mehr als 1,6 Milliarden Packungen Medikamente verkauft. Ihre eigentliche Auf- gabe ist es zu helfen, zu heilen oder zu lindern, aber sie können auch unheilvolle Auswirkungen haben. So zum

Beispiel, wenn sie die Fahrtüchtigkeit herabsetzen und der Verbraucher trotzdem Auto fährt.

wissen nicht, dass Medikamente ihre Fahrtüchtigkeit be- einflussen können. Untersuchungen zeigen immer wieder, dass die Auswirkungen des Medikamentenkonsums auf den Straßenverkehr größer sind als vermutet. So gesche- hen rund 20 Prozent aller Unfälle unter dem Einfluss von Arzneimitteln – eine erschreckend große Zahl. Kann die Polizei nachweisen, dass der Unfallverursacher durch die Medikamenteneinnahme nicht fahrtüchtig war, schützt Unwissenheit nicht vor Strafe. Jeder Verkehrsteilnehmer ist für seine Fahrtüchtigkeit selbst verantwortlich. Nehmen Sie deshalb Warnhinweise vom Arzt oder Apotheker ernst. Auch auf dem Beipackzettel muss der Hersteller auf eine mögliche Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit hinwei- sen. Steigen sie dann lieber auf öffentliche Verkehrsmittel um oder lassen Sie sich chauffieren.

liebeR ohne auto

Wenn Sie eines der folgenden Medikamente einnehmen, sollten Sie das Risiko genau abwägen:

Schmerzmittel: Bei leichten, rezeptfreien Schmerzmit- teln liegt die Gefahr in einer Überdosierung. Dann kön- nen Übelkeit und Erbrechen das Autofahren erschweren. Starke, morphinhaltige Schmerzmittel können u.U. zu

Wer lässt schon den Wagen stehen, wenn er wegen einer Er- kältung oder einer Allergie ein Medikament geschluckt hat? Sogar solche vermeintlich harmlosen Arzneimittel können die Reaktionsfähigkeit verlangsamen oder zu Benommen- heit führen. Andere Mittel schränken die Sehfähigkeit ein oder trüben die Wahrnehmung. Auch besonders aggressi- ves Verhalten kann die Folge von Medikamenteneinnahme sein. Eigentlich klar, dass man dann nicht mehr Auto fah- ren sollte. Doch leider werden die Risiken für den Straßen- verkehr massiv unterschätzt. Acht von zehn Autofahrern

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Unruhe, Reizbarkeit oder zu Einschränkungen der mo- torischen Fähigkeiten führen. Vorsicht ist auch nach einer lokalen Betäubung beim Arzt oder Zahnarzt geboten. Erst wenn die Wirkung vollständig abgeklungen ist, soll- ten Sie sich ans Steuer setzen.

Anti-Allergie-Mittel: Die älteren Antiallergika können Schwierigkeiten bereiten: Sie wirken oft beruhigend auf das zentrale Nervensystem und machen müde. Allerdings können auch Erregungszustände vorkom- men. Vorsicht zu Beginn der Behandlung, wenn man die Nebenwirkungen noch nicht kennt. Die neueren Medikamente machen nicht mehr müde.

Grippe- und Erkältungsmittel: Codeinhaltige Mittel gegen Hustenreiz wirken allgemein dämpfend und setzen so die Reaktionsfähigkeit herab. Viele Arzneien enthalten auch Alkohol.

Schlafmittel: Wer ein Schlafmittel eingenommen hat, darf nicht Auto fahren! Auch eine kalte Dusche oder ein starker Kaffee helfen nicht gegen die aufkommen- de Müdigkeit. Beachten Sie die Wirkungsdauer und nehmen Sie nie ein Schlafmittel nach Mitternacht. Auch bei früherer Einnahme kann die Reaktionsfähig- keit am Morgen danach noch deutlich eingeschränkt sein.

Psychopharmaka: Hierzu gehören antidepressiv wir- kende Mittel, Neuroleptika (Mittel gegen Psychosen), Beruhigungsmittel (Tranquilizer) und Benzodiazipi- ne. Sie wirken u.a. entspannend und dämpfen das Zen- tralnervensystem. Müdigkeit, Konzentrationsmangel und eine längere Reaktionszeit setzen die Verkehrs- tüchtigkeit rapide herab. Bei einer Polizeikontrolle haben auffällige Verkehrsteilnehmer besonders oft Spuren von Mitteln wie Benzodiazepine im Blut. Wird zusätzlich Alkohol konsumiert, verstärkt sich das Risi- ko beträchtlich.

Antidiabetika: In der Einstellungsphase mit neuen Me- dikamenten ist besondere Vorsicht geboten. Eine even- tuell eintretende Über- oder Unterzuckerung kann zu Sehstörungen oder sogar zur Bewusstlosigkeit führen. Ein gut eingestellter Diabetiker kann jedoch problem- los Auto fahren.

Blutdrucksenkende Mittel: Derartige Arzneimittel können die Konzentrationsfähigkeit herabsetzen. Bei neu verordneten Medikamenten kann es zu einem plötzlichen Blutdruckabfall mit Schwindel und Be- nommenheit kommen. Auf der anderen Seite bedeutet Bluthochdruck ein hohes Verkehrsrisiko, denn Seh-, Hör- und Gleichgewichtsstörungen können auftreten.

Augenmittel: Pupillenverengende Medikamente be-

Gesund und schön

einträchtigen die Sehschärfe. Bei Augenuntersuchun- gen werden auch oft Augentropfen eingesetzt, die die Pupillen weitstellen. Anschließend sind die Augen für mehrere Stunden extrem blendempfindlich, so dass helles Sonnenlicht oder Scheinwerfer entgegenkom- mender Autos beim Fahren große Schwierigkeiten be- reiten können.

Die angeführten Warnhinweise gelten übrigens nicht nur für den Straßenverkehr. Das Unfallrisiko nach Medika- menteneinnahme erhöht sich auch im Haushalt, am Ar- beitsplatz oder beim Sport. Wenn mehrere Arzneimittel eingenommen werden müssen, kann sich die Wirkung der einzelnen Inhaltsstoffe verstärken. Ihr Arzt sollte also immer wissen, welche Medikamente Sie insgesamt ein- nehmen. Halten Sie die vom Arzt vorgegebene Dosierung ein und seien Sie bei neuen Arzneimitteln, deren Wirkung Sie noch nicht kennen, besonders vorsichtig. Bei älteren Menschen und auch bei Frauen kann schon die norma- le Dosierung stärkere Wirkungen oder Nebenwirkungen haben. Dies liegt ganz allgemein daran, dass Wirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln an normalge- wichtigen Männern mittleren Alters getestet werden. Aufgrund deren Reaktionen wird die empfohlene Dosis festgelegt. Für eine zarte, schlanke Frau kann dies oft schon zu viel sein. Vorsicht bei Alkohol: Manche Neben- wirkungen der Medikamente können sich verstärken.

voRSicht Bei naRKoSe-mitteLn

Wenn ein Narkosemittel verabreicht wurde, darf der Patient mindestens 24 Stunden – besser 48 Stunden – danach kein Auto fahren. Das gilt auch für Kurznar- kosen z.B. bei einer ambulanten Operation. Es dau- ert rund zwei Tage, bis das Medikament und seine Abbauprodukte aus dem Körper verschwunden sind. Auch eine lokale Betäubung beim Zahnarzt kann je nach Menge und Art des Wirkstoffs die Fahrtüchtig- keit beeinflussen. Direkt nach der Anwendung sollte der Patient auf keinen Fall Auto fahren.

keit beeinflussen. Direkt nach der Anwendung sollte der Patient auf keinen Fall Auto fahren. CD07+08/2013 39

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Bild: Thomas Siepmann/Pixelio

Gesund und schön

K

at h R i n

Wo Lt e R

B

eant Wo Rtet Le S e R f R a G e n

ich versuche meine ernährung auf vollwertkost umzu- stellen. davon bekomme ich aber heftige Blähungen. Was sollte ich tun? Brigitte S., Konstanz Es ist völlig normal, wenn der Darm bei einer Ernährungsumstel- lung auf Vollwertkost mit Blähungen und Völlegefühl reagiert. Vollwertkost hat einen hohen Anteil an Ballaststoffen und auch der vermehrte Verzehr von Rohkost kann vorübergehend zu Magen-Darmbeschwerden führen. Aus gesundheitlicher Sicht sollten Sie aber „am Ball“ bleiben, denn die Probleme ver- schwinden nach einer kurzen Eingewöhnungszeit. Unterstüt- zend können Sie mit blähungswidrigen Kräutern die Beschwer- den lindern. Koriander, Anis, Kümmel und Fenchel sind dabei gute Medizin. Zum einen lassen sich Speisen mit den Kräutern würzen, zum anderen können Sie sich auch einen Tee aus der Kräutermischung (vor dem Aufguss die Körner zerstoßen) zu- bereiten . Drei bis vier Tassen am Tag – nach den Mahlzeiten getrunken – verhindern weitere Verdauungsprobleme.

frage: da ich den ganzen tag am Schreibtisch sitze, sind meine Beine abends müde und schwer. Was kann dage- gen helfen? Annette D., Dresden Wippen Sie, das bringt Schwung in die Beine und macht sie wieder leicht und locker, denn der Abfluss des venösen Blutes zum Herzen wird aktiviert. Wippen ist ganz einfach: Aufrecht hinstellen, Knie leicht anwinkeln, und dann wippt man von den Zehenspitzen zurück auf die Fersen, die Zehen müssen dabei nach oben gehen. Nutzen Sie jede Gelegenheit, Ihren Beinen etwas Gutes zu tun, zum Beispiel beim Telefonieren oder Lesen. Zeitlich sind dem Wippen keine Grenzen gesetzt, es sollte aber mehrmals täglich wenigstens zehnmal trainiert werden. Bei Ungeübten kann zu Anfang sogar Muskelkater auftreten, der aber rasch wieder abklingt. Übrigens ist das Wippen nicht nur am Schreibtisch sinnvoll, es lässt sich auch bei anderen Tätigkeiten durchführen (Zähneputzen, Kochen).

frage: meine tochter hat eine hausstauballergie. Wel- ches wäre der richtige urlaubsaufenthalt für sie? Iris T., Hachenburg Bei Allergien oder Hautleiden wie Schuppenflechte oder Neurodermitis ist das Hochgebirge der ideale Urlaubsort. In einer Höhe von 1500 Metern gibt es so gut wie keine Haus- staubmilben und Bakterien mehr, und Schimmelpilzsporen kommen nur in ganz geringer Konzentration vor. Die Luft in dieser Höhe ist immer „sauber“, denn es wachsen dort fast ausschließlich Nadelbäume, deshalb kommt kaum zum Pol-

lenflug. Hochgebirgsklima hat aber noch andere Heilfaktoren. Zum einen scheint die Sonne öf- ters, zum anderen gibt es so gut wie keinen Nebel oder Dunst. Da

die Luft sehr „dünn“ ist, werden der Organismus zu einer vermehrten Produktion von roten Blutkörperchen angeregt und das Immunsystem gestärkt. Mit diesen klimatischen Veränderungen hat der Körper in den ers- ten Urlaubstagen zwar zu kämpfen, und man fühlt sich mit- unter müde und abgeschlafft. Das legt sich aber rasch, wenn man sich akklimatisiert hat.

ich stehe zurzeit unter familiärem Stress. Gibt es etwas natürliches, das mich – außer medikamenten – beruhi- gen kann? Daniela R., Wolfsburg Die Heilkundige Hildegard von Bingen empfahl gestressten Menschen aufgekochten Wein mit Kräutern. Sie betrachtete den Wein als „Lebenswasser“, wenn er maßvoll getrunken wür- de. Ein bewährtes Rezept war der Petersilien-Wein. Dazu kocht man fünf Minuten lang einen Liter trockenen Weißwein mit ei- nem Esslöffel Weinessig und einem Bund Petersilie. Danach die Petersilie herausnehmen und den Wein abkühlen lassen. Dann werden 150 Gramm Honig darin aufgelöst. Von dieser Zuberei- tung trinkt man über den Tag verteilt zwei bis drei Schnapsglä- ser voll und abends vor dem Schlafengehen eins. Der Wein hilft aber nicht nur gegen Stress, er stärkt auch das Herz.

in meinem naturkostladen wird Quinoa, ein Getreide der inkas, als Beilage zu fleisch und Gemüse angeboten. Was verbirgt sich dahinter? Susanne H., Rostock Hinter dem zungenbrecherischenWort „Quinoa“ – man spricht übrigens „kienwa“ – verbirgt sich eine der ältesten Kultur- pflanzen der Menschheit. Die kleinen ovalen Körner enthalten wertvolle Nährstoffe zum Teil in deutlich höherer Konzentra- tion als Getreide: Sie sind vor allem reich an Eisen, und ihr Gehalt an Magnesium, Kalium und Vitamin B2 liegt doppelt so hoch wie der des Hafers. Außerdem liefert die erstaunli- che Körnerfrucht lebenswichtige Aminosäuren, hat mehrfach ungesättigte Fettsäuren und sogar Vitamin C zu bieten, das weder in Weizen oder Hafer, noch in Mais oder Reis enthalten ist. Die Zubereitung ähnelt der von Reis: Für vier Portionen bringt man 200 bis 250 Gramm Quinoa mit einem halben bis dreiviertel Liter Wasser zum Kochen und lässt die Körner noch eine Viertelstunde im zugedeckten Topf ziehen - fertig.

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Wollen Sie aufhören zu rauchen?

Das ist eine gute Idee! Und zum Glück müssen Sie auch keine Angst vor den üblichen Entzugserschei- nungen haben. Es geht auch ohne. Ex-Raucher berichten, dass sie nach der Therapie mit dem so genannten Bicom-Gerät kein Verlangen mehr nach einer Zigarette verspürten.

E inem Raucher muss man nicht erzählen, dass er sei- ner Gesundheit schadet. Das weiß jeder. Nur das Auf-

hören fällt schwer. Das Problem ist einerseits die Gewohn- heit, andererseits sind es die Entzugserscheinungen. Die Gewohnheiten, die mit dem Rauchen verbunden sind, muss sich jeder Raucher selbst abtrainieren. Was verbinden Sie mit dem Rauchen? Ist es eine Hilfe gegen Stress? Dann brauchen Sie ein neues Entspannungsritual. Oder eine scheinbar wohl tuende Belohnung? Suchen Sie nach Alter- nativen. Vielleicht helfen Musik oder eine Atemübung. Auf jeden Fall lassen sich Gewohnheiten wieder ändern. Wer jahrelang geraucht hat, muss mit diesen Erinnerungen zurechtkommen und für sich Bilanz ziehen. Bioresonanz- Therapeuten können den Willen eines Menschen nicht ver- ändern. Wer Lust hat zu rauchen, der wird das auch nach der Therapiesitzung tun. Aber wer sicher ist, dass er ohne Rauch auskommen will, der macht sich das Leben mit der Bioreso- nanztherapie ein ganzes Stück leichter. Jeder Raucher hat Angst vor dem Gefühl, jetzt und sofort un- bedingt rauchen zu müssen. Angst davor, dass die Finger zit- tern, der Kopf weh tut oder er Schweißausbrüche bekommt. Die Angst kennt jeder, aber diese Beschwerden müssen nicht sein! Mit der Bicom-Bioresonanztherapie – so das Urteil von Ex-Rauchern und Therapeuten – kann man solche Sympto- me verhindern. Diese biophysikalische Therapie wird von vielen Ärzten und Heilpraktikern angeboten. Sie setzt elektromagneti- sche Schwingungen ein. Dazu muss man wissen, dass jede Substanz ihr ganz eigenes Schwingungsspektrum mit spe-

jede Substanz ihr ganz eigenes Schwingungsspektrum mit spe- zifischen Informationen besitzt. Das betrifft zum einen den

zifischen Informationen besitzt. Das betrifft zum einen den Körper des Patienten, aber auch Substanzen wie z.B. Aller- gene oder eben auch Tabak. Der Körper des Rauchers ist da- ran gewöhnt regelmäßig Tabak zu bekommen. Er ist auf die Schwingung und Information des Tabaks programmiert. Mit dem Bicom Gerät kann diese Programmierung aufgeho- ben und Schadstoffe ausgeleitet werden. Dies erfolgt durch eine Spiegelbildschaltung der Tabakschwingungen. In der Praxis läuft die Raucherentwöhnungstherapie folgen- dermaßen ab: Zum Therapiebeginn wird die letzte Zigarette geraucht, allerdings nur zur Hälfte. Die Kippe nutzt der The- rapeut zur Behandlung. Davon bekommt man allerdings gar nichts mit. Man sitzt vor dem Gerät, lässt sich verkabeln und wartet. Die Behandlung tut nicht weh, man spürt gar nichts. Aber nach der Behandlung merkt man, dass sich et- was verändert hat. Die Angst vor der Lust nach der nächsten Zigarette ist weg. Es geht auch ohne! Der Kopf wusste sowieso schon, dass es vernünftiger ist, nicht zu rauchen. Und dem Körper kann man mit der Biore- sonanztherapie helfen, das Aufhören leichter zu schaffen.

infoRmationSmateRiaL zuR BioReSonanztheRaPie

Wer neugierig geworden ist, findet auf der Homepage der Herstellerfirma Regumed (www.Regumed.de) weitere Informationen. Hier kann man auch Adressen von Ärzten und Heilpraktikern erfragen, die mit der Bicom-Bioreso- nanztherapie arbeiten.

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Bilder: Prospan; Laif 900 Balance

Gesund und schön

Gesundheitstipps

kRaft füR den alltaG tanken

Eine ernstzunehmende depressive Verstimmung entwickelt sich meist schleichend. Die seeli- schen Akkus sind leer, die

Eine ernstzunehmende depressive Verstimmung entwickelt sich meist schleichend. Die seeli- schen Akkus sind leer, die Alltagsbewältigung ist für die Betroffenen eine Herausforderung. Bei einer anhaltenden Verstimmung ist es wich- tig, aktiv zu werden und wieder neue Kraft für den Alltag zu schöpfen. Eine Hilfe hierbei können hoch dosierte Johanniskraut-Präparate (z.B. „Laif 900 Balance“, Apotheke) sein. Diese haben eine stimmungsaufhellende und zugleich ausgleichende Wirkung. Lebensfreude, Kraft und Elan kehren zurück, die Betroffenen kommen wieder zur Ruhe und können wieder besser schlafen.

PflasteR hilft PaRkinsonPatienten

Sprechvermögens sowie bei ihrer individuellen und sozia- len Entwicklung. Gab es bisher spezielle Kinder-Hörgeräte, können die meisten aktuellen Modelle von Siemens nun eigens auf die Anforderungen der unterschiedlichen Alters- gruppen abgestimmt und eingestellt werden.

kRäuteR füR die Galle Um nach fettreichen Mahlzeiten die Verarbeitung der Nah- rung zu unterstützen, gibt es Hilfe aus der Natur: Ein Tee aus Löwenzahn, Pfefferminzblättern, javanischer Gelbwurz und Schafgarbenkraut (z. B. Leber- und Gallentee von „Sid- roga“, Apotheke) regt den Gallenfluss an und kann Be- schwerden im Bereich der Gallenblase und des Gallenab- flusses lindern. Löwenzahn enthält pflanzliche Bitterstoffe, die die Fettverdauung anregen, Pfefferminz löst krampfar- tige Schmerzen und javanischer Gelbwurz regt die Gallen- säurenproduktion an.

sommeRhusten eRnstnehmen Eine starke Abkühlung des Körpers, Zugluft und eine ge- schwächte Abwehr: Das sind die Hauptgründe für den un- geliebten Sommerhusten. Er ist besonders schmerzhaft,

Typisches Zittern und steife Bewegungen sind die Haupt- anzeichen einer Parkinson-Erkrankung. Doch 95 Prozent aller Parkinson-Patienten leiden auch an nicht-motori- schen Symptomen und zwar enorm. Gestörter Nachtschlaf, Schmerzen, chronische Verstopfung und Stimmungs- schwankungen beeinträchtigen die Lebensqualität stark. Für Parkinson-Patienten steht eine Reihe von Therapiemög- lichkeiten zur Verfügung. Zum Spektrum gehört neben Ta- bletten und Infusionen z.B. auch ein Medikamentenpflas- ter. Es gibt den Wirkstoff kontinuierlich über 24 Stunden an den Körper ab. Gleichmäßige Wirkstoffspiegel können so dazu beitragen, auch nicht-motorische Symptome wie etwa eine gestörte Nachtruhe zu verbessern.

da er trocken beginnt und sich erst nach mehreren Tagen löst. Und: Er kann sogar gefährlich werden. Können die Krankheits- erreger nicht abgehustet bzw. mit dem Schleim nach außen transportiert werden, verbleiben sie im Organismus und vermeh- ren sich. Aus einer sim- plen bakteriellen Atem-

außen transportiert werden, verbleiben sie im Organismus und vermeh- ren sich. Aus einer sim- plen bakteriellen
 

kindGeRechte höRGeRäte Schwerhörigkeit bei Kindern kommt häufiger vor als man denkt und kann große Auswirkungen auf deren Entwick- lung haben. Allein in Deutschland wird jedes Jahr bei mehr als 1.000 Neugeborenen eine versorgungsbedürftige Hörminderung diagnostiziert. Aber auch im Kindes- und Jugendalter tritt Schwerhörigkeit auf. Insgesamt wird die Zahl der schwerhörigen Kinder auf etwa 500.000 geschätzt. In jedem Falle brauchen sie so früh wie möglich Hörgerä- te. Diese helfen ihnen bei der Ausbildung ihres Hör- und

wegserkrankung kann dadurch sogar eine Lungenentzündung werden. Darum ist es wichtig, den Schleim schnell zu lösen, damit dieser die Krankheitserreger direkt aus dem Körper transportieren kann. Pflanzliche Arzneimittel auf Basis von Efeublätter- Trockenextrakt (z.B. „Prospan“, Apotheke) fördern die Produktion körpereigener Substanzen, die zähen Schleim verflüssigen. Gleichzeitig erweitern sie die Bronchialmus- kulatur und erleichtern somit das Abhusten. Eingenommen in Liquid-, Tropfen- oder Saftform lösen sie den Schleim und lindern den Hustenreiz.

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INTERVIEW mIT SABINE LINEK

Gesund und schön

„Krebs hängt nicht nur von Genetik ab“

von Tom Kuschel

Frau Linek, der US-Arzt Dr. David Agus (48) aus Los Angeles in Kalifornien hat ein Buch geschrieben „Leben ohne Krankheit“ (siehe Kasten unten). Er gibt sensationelle Rezepte für ein lan- ges, gesundes Leben. Stimmen Sie überein? Sabine Linek: Ich lese das Buch gerade und muss sagen: In einigen Punk- ten stimme ich mit ihm überein, in anderen gar nicht. Wo stimmen Sie nicht überein:

SL: Dieses Baby-Aspirin. Dr. Agus behauptet, dass das Krebs-Risiko um 40 Prozent verringert wird, Aspirin hat bekannter- weise Nebenwirkungen wie Blutungen im gan- zen Körper. Dr. Agus sagt zwar, ein Auto hätte auch Neben- wirkungen. Das ist wie Äpfel und Birnen zu vergleichen. Ich arbeite mit isopathischen und homöopathischen Mitteln, die das Blut flüssig und beweglich halten und dem Krebs und Herzkreislauferkrankungen vorbeugen. Ohne Neben- wirkungen. Wie ist das mit dem Schlafen? SL: Man soll nicht ausschlafen? Ist mir neu. Ich schlafe am Wochenende gerne aus, habe am Montag keine Probleme aufzustehen. Aber man sollte das Thema nicht verallgemei- nern. Die These ist dennoch interessant. Frage: Kein frisches Gemüse aus dem Supermarkt… SL: Mag sein. Wenn Gemüse oder Obst tagelang in Regal lagert, dann gehen Vitamine verloren. Tiefgefroren sind sie noch enthalten. Am besten ist Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten. Wir sollten uns viel mehr um Gärten küm- mern, und nicht so viel Nutzrasen anlegen, stattdessen Kohl- rabi und Kirschen, Pflaumen und Möhren. Keine Fahrstühle… SL: Finde ich total okay. Bewegung haben die meisten zu we- nig. Treppensteigen ist sehr gesund, stärkt unsere Muskula- tur und Gelenke und man verliert dabei eine paar Pfunde. Ist Alkohol gesund? SL: Er sagt, Rotwein ist für Herz und Gefäße gut. Ich kann nur sagen: Ja! Ich trinke auch gern Rotwein, allerdings guten

sagen: Ja! Ich trinke auch gern Rotwein, allerdings guten Rotwein und trockenen. In Rotwein ist Resveratrol,

Rotwein und trockenen. In Rotwein ist Resveratrol, das ist ein Stoff, die Gefäße erweitert und biegsam macht, das Blut kann besser durch die Gefäße fließen. Rotwein ist auch gut für die Zellatmung und vorbeugend gegen Krebs. Aber alles in Maßen. Sind Gen-Tests wirklich gut? SL: Es gibt jetzt die Diskussion um Angelina Jolie und eine Brust-Amputation. Meine Meinung ist: Ich kann das nicht befürworten, gutheißen. Auf Grund meiner 20 jährigen Erfahrung sehe ich, dass die Krebsentstehung nicht nur von der Genetik abhängt, sondern die Mitochondrien, also die Kraftwerke der Zellen, müssen intakt sein. Wie ich die Krebsentstehung bei vielen meiner Patienten in meinen Praxen sehe, ist kompliziert. Aber erkläre es so: Wenn die Zellen nicht mehr atmen können, zum Beispiel durch Ent- zündungen, durch Blutstau und falsche Ernährung, dann haben sie einen perfiden Mechanismus, nämlich sie gehen in die Gärung. Durch Gärung entstehen Gewächse, wie zum Beispiele Krebstumor. Einfaches Bild: ein Gartenteich kippt um, weil zu wenig Sauerstoff im Wasser ist und Algen wu- chern. Krebs ist ein Allgemeingeschehen im Körper, es trifft immer das schwächste Organ, da, wo am wenigsten Sauer- stoff ist. Das ist meine Meinung. Da sind sie doch der Meinung von Dr. Agus? SL: Nein, er ist der Meinung, dass Krebs durch Entzündun-

gen entsteht. Dieser Meinung bin ich auch, aber ich bin nicht dafür, Organe zu amputieren, die eventuell erkranken könn- ten, nicht alles ist genetisch begründet. Was meinen Sie? SL: Nach meinen Erfahrungen sehe ich durchaus vererbte Krankheiten, die aber von dem kranken Blut der Eltern an die Kinder übertragen wird. Dieses kranke Blut entwickeln wir mit der Isopathie wieder in gesundes Blut zurück. Was ist mit Vitaminpillen? SL: Ich bin gegen die Einnahme von A, C und E, aber Vi- tamin B empfehle ich häufig, doch die Mul-

tivitaminpräparate

von denen halte ich persönlich nicht viel und empfehle sie mei- nen Patienten nicht. Danke für das Ge-

spräch.

sie mei- nen Patienten nicht. Danke für das Ge- spräch. David B. Agus LEBEN OHNE KRANKHEIT

David B. Agus LEBEN OHNE KRANKHEIT Piper, 400 Seiten 24,99 Euro

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Gesund und schön

KNEIPP- & GESUNDHEITSRESORT KNEIPPIANUM* * * *

Heilende Kräuter & Spiritualität

Sehen, schnuppern, schmecken, staunen! Erstmalig können kräuterinteressierte und kräuterkundige Frauen vom 15. – 18. Au- gust 2013 im Kneipp- & Gesundheitsresort KNEIPPIANUM**** in Bad Wörishofen einen spannenden Workshop zum Thema „Frauen-Kräuter“ erleben.

S chon seit dem 5. Jahrhundert wird Mariä Himmelfahrt am

15. August gefeiert. Und fast ebenso alt ist der Brauch auch in

unseren Regionen, dass die Frauen an diesem Tag frühmorgens Kräuter sammeln, die dann geweiht werden. Nach alter Überlie- ferung sollen Heilpflanzen, die zwischen dem Himmelfahrtstag der Muttergottes und ihrem Geburtstag am 8. September ge- pflückt werden, die meiste Kraft besitzen. Unser Naturheilkundler Siegfried Bäumler, Autor des Bu- ches „Heilpflanzen Praxis Heute“ wird Ihnen „Gesundheit & Schönheit durch die Heilkraft der Natur“ charmant näher

Schönheit durch die Heilkraft der Natur“ charmant näher bringen. Erika Jäger, unsere „Kräuterfrau“ geht mit

bringen. Erika Jäger, unsere „Kräuterfrau“ geht mit Ihnen raus in die schöne Allgäuer Natur. Natürlich binden Sie selbst Kräu- terbuschen an Mariä – mit Schwester Oberin Waldefried und Apollonia Martin und Sie lernen ganz nebenbei Brauchtum & Spiritualität kennen. Der Workshop „Frauen-Kräuter“ umfasst 4 Übernachtungen mit Kneipp-Halbpension, 1 Kräuterstempel-Massage (30 Min.), 1 Kräuterfußbad oder 1 vitalisierender Kneippguss, 1x Ganz- körperpackung mit Sanddorn, das Buch „Heilpflanzen Praxis Heute“ von Siegfried Bäumler für Anwendungen, Rezepturen etc. zuhause, Guten Morgen Gymnastik, Nutzung des Kneipp- SPA & des Fitnessbereichs: ab € 445,-- pro Person im DZ.

Alfred-Baumgarten-Straße 6, 86825 Bad Wörishofen Telefon: 08247/351-0, Telefax: 08247/1005 www.kneippianum.de

Telefon: 08247/351-0, Telefax: 08247/1005 www.kneippianum.de Garmisch-Partenkirchen Entdecke Deine wahre Natur.
Garmisch-Partenkirchen Entdecke Deine wahre Natur.
Garmisch-Partenkirchen
Entdecke Deine wahre Natur.

Anregend, aufregend oder beruhigend — rund um Garmisch-Partenkirchen entdeckst du die raue Schönheit einer atemberaubenden Bergwelt. Berge erheben sich bis knapp an die 3.000er Marke, zerfurcht von tiefen Schluchten, mit eingebe eten Hochalmen und alles überragenden Felsgipfeln wie Alp- oder Zugspitze. Die Vielfalt unserer alpinen Umgebung ist kaum zu überbieten. Garmisch-Partenkirchen ist Synonym für aktives Leben in der Natur und mit der Natur. Und diese Natur steckt voll ansteckender Energie. Der Alltag rückt in weite Ferne, der Kopf wird klar wie die Lu in hochalpiner Gebirgslandscha .

Unsere Urlaubsberater freuen sich auf dich:

Tourist Information Garmisch-Partenkirchen Richard-Strauss-Platz 2 . 82467 Garmisch-Partenkirchen Tel: 08821 180 700 . tourist-info@gapa.de . www.gapa.de

Richard-Strauss-Platz 2 . 82467 Garmisch-Partenkirchen Tel: 08821 180 700 . tourist-info@gapa.de . www.gapa.de

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GRASGRÜN

Sommerkultur in Meiningen 08. Juli bis 31. August 2013

D as Festival lädt zu mehr als dreißig Veranstaltungen ein. Mit ihrem Konzert „Sommernacht“ stimmt die

Meininger Hofkapelle auf den Sommer ein. Die Inselbühne Leipzig wirft mit „Richard“, einem Schauspiel mit Musik, ei- nen frech-frischen Blick auf Richard Wagner. Renommierte Solisten werden zum Orgelsommer in der Stadtkirche u.a. an der Reger-Orgel musizieren. Zu den Highlights 2013 ge- hören das Theatersommerfest und die Open-Air-Konzerte im Hof von Schloss Elisabethenburg mit Friend‘n Fellow und den Weltklasse-Musikern des Motion Trio.

13.07. |19:30 | meininger theater, Großes haus

I Puritani (Die Puritaner) | Oper von Vincenzo Bellini

14.07. | 19:00 | meininger theater, Großes haus

Der Bettelstudent | Operette von Carl Millöcker

17.07. | 19:30 | meininger theater, Großes haus

Sommernacht | Konzert der Meininger Hofkapelle

20.07. | 20:00 | englischer Garten

Sommerfest des Meininger Theaters – die Party zum Spielzeitabschluss

02.08. | 20:00 | schloss elisabethenburg, innenhof

Konzert mit dem Motion Trio auf ihrer Welttournee

03.08. |20:00 | schloss elisabethenburg, innenhof

Friend‘n Fellow “Songs and Stories”

08.08. | 09.08. | 10.08. | jeweils 20:00 und 11.08. | 18:00 |

schloss elisabethenburg, innenhof

Richard – Schauspiel mit Musik Open-Air-Theater mit der Inselbühne Leipzig

mit Musik Open-Air-Theater mit der Inselbühne Leipzig 17.08. | 14:00 – 22:00 | schlosspark 18.08. |
mit Musik Open-Air-Theater mit der Inselbühne Leipzig 17.08. | 14:00 – 22:00 | schlosspark 18.08. |

17.08.

| 14:00 – 22:00 | schlosspark

18.08.

| 14:00 – 19:00 | schlosspark

Parkgeflüster 3. Meininger Hörspiel-Wochenende Zuhören, Entspannen, Picknicken. Eintritt frei 25.08. | 19:30 | stadtkirche

Cathrin Pfeifer & Band „Pousse Blues Waltz“

informationen: www.meiningen.de/grasgrün Tickets: Tourist-Information Meiningen

T 03693 4465-0

Internetverkauf: www.mkgd.de

und für die Vorstellungen im Theater

T 03693 451-222

www.das-meininger-theater.de

im Theater T 03693 451-222 www.das-meininger-theater.de Reiseangebot: Wir stellen gern Ihr persönliches Reisean-

Reiseangebot: Wir stellen gern Ihr persönliches Reisean- gebot zusammen. Tourist-Information Meiningen | T 03693 4465-15 | Tickets plus 1ÜN/F ****Hotel ab 60,- p.P.; *** Hotel ab 40,-p.P.

MEININGER ORGELSOMMER
MEININGER
ORGELSOMMER

Seit 2009 erfreut sich der von Kantor Sebastian Fuhr- mann zusammen- gestellte Meininger Orgelsommer wachsender Beliebtheit. In Mitt- wochskonzerten gastieren namhafte Organisten in der Stadtkirche.

TICKETS

Tourist-Information Markt 14 T 03693 44650

10.

Juli | 7.August

28.

August: 5 €

jeweils 20:00 Uhr

24.

Juli | 31. Juli

14.

August

21.

August: 8 €

jeweils 20:00 Uhr

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beGeGnunGen

GESCHICHTEN DIE DA S LEBEN SCHRIEB

Oelsnitz – Plauen, Vogtland, damals DDR; 1983 – 1985

Das Ende der Kindheit

Von Mario Goldstein

A ls ich 14 Jahre alt war, wurde meine Kindheitsidyl- le 1983 abrupt beendet. Wie jeder Junge lechzte ich

nach Abenteuern. Meine Freunde und ich bildeten eine eingeschworene Gemeinschaft; wir trafen uns jeden Tag im Garten, wo wir in einem alten Wohnwagen ohne Rä- der zusammensaßen. Eines der vielversprechendsten Abenteuer bot sich, als mein Freund Volker von nächtlichen Spritztouren erzählte, die er hin und wieder mit dem LKW seines Vaters unternahm. Heimlich natürlich. Für mich gab es nur eines, ich musste dabei sein! Also

drängelte ich Volker so lange, bis er endlich nachgab. In einer dunklen Winternacht war es dann so weit. Wir beide und zwei andere Freunde schlichen zum LKW und holten den Schlüssel unter dem Radkasten hervor. Volker, drei Jah- re älter als ich, schwang sich hinter das Lenkrad und startete den LKW. Ich hatte mich aus Platzmangel in die Schlafkabi- ne zurückgezogen. Eine größere Tour über mehrere Dörfer

46 CD07+08/2013

war geplant. Langsam erwärmte sich der Motor des alten Kamaz-Trucks; nur noch die Bremse am Hänger lösen – dann fuhren wir an, und es war aufregend, über den Schnee zu rollen, der im Mondlicht glitzerte. Ein echtes Erlebnis! In unserer Begeisterung merkten wir nicht, dass wir den An- hänger mit blockierten Rädern hinter uns her zerrten. Als wir an die nächste Kreuzung kamen, blieben wir stehen. Es war unmöglich, den Hänger über die salztrockene Straße zu ziehen, denn seine Druckluftbremse war nicht richtig geöff- net. Mist! Eigentlich war alles völlig menschenleer, aber ausgerechnet direkt neben uns in einer kleinen Seitenstraße stand ein Strei- fenwagen der Polizei. Die Polizisten verfolgten das Prozedere misstrauisch. Während wir aufgeregt durcheinander zischel- ten, was nun zu tun sei, entschieden unsere beiden Freunde, lieber die Flucht zu ergreifen. Nun kamen die Uniformierten in unsere Richtung; schon wurde die Fahrertür aufgerissen

beGeGnunGen

Richtung; schon wurde die Fahrertür aufgerissen beGeGnunGen und unsere Gesichter mit grellem Licht geblendet. Unser

und unsere Gesichter mit grellem Licht geblendet.

Unser Ausflug war been- det, noch bevor er richtig begonnen hatte. Wir wurden alle vier ver- urteilt, allerdings wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Zudem hatten wir diverse Stunden ge-

meinnützigerArbeitabzu-

leisten, was für uns coole Jungs, die wir sein woll- ten, die wohl schlimmste Strafe darstellte. Bravere Bürger wurden wir durch diese Erziehungsmaß- nahme nicht, doch unse- rer Kameradschaft taten die gemeinsam verbüßten Stunden gut und ließen uns näher zusammenrü- cken. Nach getaner Strafar- beit schlugen wir uns die Nächte mit Westmu- sik um die Ohren. Bob Dylan, Neil Young und Jonny Cash ließen uns den Duft der großen weiten Welt schnuppern, und es dau- erte nicht lange, bis wir den sehnlichen Wunsch verspür- ten, sie auch zu sehen. Wie toll musste es sein, gehen zu können, wohin man wollte! Ich begann, von großen Abenteuern zu träumen und mit meinen Freunden die ersten Fluchtpläne zu schmieden. Immer häufiger spielten wir in Gedanken die verschiede- nen Möglichkeiten durch, wohl wissend, dass das Regime mit aller Härte zuschlagen würde, wenn sie uns erwisch- ten. Wir zogen einige Fluchtmöglichkeiten in Betracht, ein Agrarflugzeug schien uns am sichersten, ich habe mir Bücher dazu in der Bibliothek ausgeliehen. Aber auch die Flucht per Fuß über die deutsch-deutsche Grenze war eine Möglichkeit. Die Fluchtgedanken verflogen schlagartig, als ich mich verliebte. Sie war bereits 18 Jahre alt und Krankenschwes- ter. Sie war lieb und es war aufregend. Obwohl ich erst 15 Jahre alt war, verstanden wir uns gut und trafen uns regel- mäßig. Ich dachte in jeder freien Minute nur noch an sie und alles andere war weit weg.

Doch plötzlich geschah es! Aus heiterem Himmel schnappte die Falle zu:

Zwei Polizisten kamen in die Schule und holten mich Anfang November 1984 mitten aus dem Un- terricht. Zusammen mit zwei Freunden wurde ich auf die örtliche Polizeidi- rektion gebracht und lan- ge verhört. Man befragte mich gezielt nach den Plä- nen und Vorbereitungen, die wir zur Republikflucht getroffen hatten. Irgend- wer hatte uns verpfiffen. Ich war mir keiner Schuld bewusst, gestand zwar die Fluchtgedanken, erklärte sie aber gleichzeitig für überholt, da jetzt doch al- les anders sei durch meine neue Liebe. Bester Stim- mung verkündete ich die- se Wahrheit und glaubte, damit sei alles vergessen und erledigt. Doch ich hatte meine Rechnung ohne die Polizei gemacht. Nachts, gegen 22 Uhr, begriff ich den Ernst der Lage, als die Handschellen klickten und die- ses kalte, harte Metall meine Handgelenke umschloss. Mein Herz zog sich zusammen; ich konnte kaum atmen, als ich in den Polizeitransporter stieg. Ins Untersuchungsgefängnis nach Plauen gebracht, sollte ich am nächsten Tag dem Haft- richter vorgeführt werden. Angesichts dieser Tatsache sackte ich weinend in mich zusammen. Ich wurde meiner geliebten Freiheit beraubt und gewaltsam von meiner neuen Liebe ge- trennt! In dieser Minute war meine unbeschwerte Kindheit zu Ende. Ich sollte lange Zeit brauchen, um mich von diesem Schock zu erholen. Im Untersuchungsgefängnis wurden uns alle persönlichen Sachen abgenommen. Ich kam in eine Einzelzelle und war mit meinen Gedanken allein. Die Schule abgebrochen, keine Lehrstelle, keine Freunde, keine Liebe – nichts! Ohnmächtige Wut stieg in mir auf, mein Leben war außer Kontrolle geraten. Mit Händen und Füssen schlug ich erst auf die Tür, später auf die Wand ein. Es war sinnlos, doch

CD07+08/2013 47

beGeGnunGen

es gelang mir nicht, meine Gedanken zu ordnen. Mit dieser Situation war ich, ein fünfzehnjähriger Junge, einfach über- fordert. Immer schneller drehten sich die Gedanken im Kreis. Er- lösung, doch welche? Ich wollte sterben. Die Frage war nur, wie? Ich dachte daran, mir die Pulsadern aufzuschneiden. Immer wieder spielte ich den Ablauf im Geist durch; und mein Verlangen, es auch wirklich zu tun, wurde von Tag zu Tag größer. Selbstmord ist einfach, wenn man keinen ande- ren Ausweg mehr sieht, keine helfende Hand hat und keinen Funken Licht. Es ist wie ein Strudel, dem man alleine nicht entkommen kann. Hunderte Male spielte ich den Gedan- ken durch, dann entkam auch ich dem Sog nicht mehr und schritt zur Tat Dass man mich rechtzeitig entdeckte, verdankte ich nur der Wache, die mich häufig kontrollierte, wohl weil ich mental nicht gerade den stabilsten Eindruck machte. Alles war in Aufruhr, und ich wurde in eine dunkle Ar- restzelle gesteckt. Hier sollte nun alles besser werden, der Untersuchungshäftling sich besinnen und den richtigen Weg erkennen. Kalte Natursteinwände umgaben die Zel- le, die durch mehrere Gitter unterteilt war. In der Mitte des Raumes stand ein eisernes Bettgestell mit Matratzen. Darauf zwang man mich und dann – dann wurde ich an- gekettet! Linkes Bein – linker Pfosten, rechtes Bein – rechter Pfos- ten. Danach die Hände. Sie warfen mir eine kratzige Ross- haardecke über und gingen. Da lag ich dann im Dunkeln. Allein. Ich fühlte mich kein Stück besser als vorher, im Ge- genteil, es war bedrückender als je zuvor. Wild zerrte ich an den Fesseln und schrie meine Wut hinaus, doch obwohl ich mir beinahe die Hände abriss, war der Erfolg gleich Null. Mit der Zeit wurde ich müde und apathisch. Es ist wie beim Stierkampf, erst wenn man nicht mehr kann und Ruhe gibt, wird zum Todesstoß angesetzt. Aber man wollte mich lebend. Ein toter Jugendlicher im Untersuchungsgefängnis hätte wohl zu großes Aufse- hen erregt. Alle paar Minuten schaute ein Wärter durch den Spion. Ich hatte jeglichen Widerstand aufgegeben, kämpfte nur noch mit der Decke, um mich vor dem kalten Luftzug, der zwischen die Ritzen meiner Matratzen blies, zu schützen. Mit den Zähnen oder mit den Zehen zog ich sie Zentimeter um Zentimeter zurecht. Doch wenn es einigermaßen pass- te, musste ich zur Toilette oder es gab Essen – die einzigen Gelegenheiten, bei denen ich abgekettet wurde. Danach begann alles wieder von vorn. Nach zwei langen qualvollen und sehr nachdenklichen Tagen wurde ich herausgebracht, dieses Mal in eine Vier-

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mannzelle. Dort fand ich so etwas wie Geborgenheit. Ein Familienvater, der aus welchem Grund auch immer ein- saß, nahm sich meiner an, und es gelang mir von Tag zu Tag besser, die außergewöhnliche Situation zu ertragen. Immer wieder wurde ich zu Verhören gezerrt. Mein An- walt rechnete, da ich ja noch unter Bewährung stand, mit 15 Monaten Gefängnis. Mein Freund stritt alles ab, und für mich waren die Fluchtgedanken längst ad acta gelegt. So drehte sich alles im Kreis und man kam nicht weiter. In den zehn Wochen, die ich im Untersuchungsgefängnis verbrachte, durfte mich meine Mutter nur ein einziges Mal besuchen, und so fielen das Weihnachtsfest 1984 und der Jahreswechsel ins Jahr 1985 für mich sehr nachdenk- lich aus, auch wenn mich meine neue Liebe durch Briefe und gute Worte immer wieder aufbaute. Am 18. Januar besuchte mich mein Anwalt und teilte mir freudestrahlend mit, dass ich am nächsten Tag nach Hau- se dürfe. Es gab keinerlei Erklärungen, weder ein Warum noch ein Weshalb. Es war wie ein Wunder, und ich nahm es als solches hin, ohne lange zu fragen. An einem sonnigen Samstag öffneten sich die Gefängnis- tore für mich. Alleine ging ich die Straße hinab, während

die Sonne durch die blattlosen Baumkronen auf mich herab strahlte. Gierig zog ich die frische, kalte Luft tief in meine Lungen und fühlte die Freiheit, die ich so vermisst hatte. In diesem Moment schwor ich mir, sie nie mehr her- zugeben. Während mein Körper vor Glück bebte und mein Herz mei- nen Brustkorb beinahe platzen ließ, war ich eins mit der Welt. Ich war frei. Ein wahrlich großer und glücklicher Au- genblick, den ich in meinem Leben sicher nicht vergesse. Zwei Tage später saß ich wieder in meiner Klasse und alles sollte so sein wie früher. Doch meine Unbekümmertheit war dahin und ich hatte jegliches Vertrauen in Alles und Jeden verloren. Ich glaube, zu dieser Zeit bin ich gewaltsam

erwachsen geworden.

zu dieser Zeit bin ich gewaltsam ■ erwachsen geworden. Entnommen aus dem Buch SIEBZIG METER ANGST

Entnommen aus dem Buch SIEBZIG METER ANGST Fluchtgeschichten aus der DDR 1961 - 1989. Aus der Reihe DDR- Geschichten, Band 2. 192 Seiten, mit vielen Abbildun- gen, Ortsregister. Zeitgut Verlag ISBN 978-3-86614-221-3 Euro 6,90

kultuR im RamPenlicht

AUTOMOBILLEGENDE

In einer Sonderausstellung widmet sich das Mercedes- Benz-Museum in Stuttgart noch bis zum 3. November ei- ner Automobillegende: der S-Klasse von Mercedes. „Auf der ganzen Welt ist die S-Klasse von Mercedes-Benz ein Synonym für Luxus, Komfort und Sicherheit“, sagt Micha- el Bock, Leiter von Mercedes-Benz Classic und Geschäfts- führer der Mercedes-Benz Museum GmbH. „Die Sonder- ausstellung präsentiert die Entwicklungsschritte der vergangenen 110 Jahre. Die Museumsbesucher können sich auf eine faszinierende Zeitreise begeben, die vom Jahr 1904 bis zur neuen S-Klasse des Jahres 2013 reicht.“ Die Vielfalt der Oberklassen-Baureihe von Mercedes- Benz wird im Collectionsraum 5 deutlich: Elf beeindru- ckende Fahrzeuge, ein Tonmodell im Maßstab 1:1 sowie realistische Interieur-Exponate und Wandgrafiken bilden dort das Herzstück der Sonderausstellung. Für die frü- hen Jahre des exklusiven Baureihen-Stammbaums stehen

frü- hen Jahre des exklusiven Baureihen-Stammbaums stehen dort die Typen 770 „Großer Mercedes“ (W 07) von

dort die Typen 770 „Großer Mercedes“ (W 07) von 1931 und 320 „Autobahnkurier“ (W 142) aus dem Jahr 1939. Nebenan sind die etwas jüngeren Ahnen chronologisch aufgereiht: Vom Typ 300 „Adenauer“ (W 189) von 1959 bis zum S 400 HYBRID (Baureihe 221) aus dem Jahr 2008. Erstmalig sind auch Exponate der Dauerausstellung in die Sonderschau integriert. Und die neue S-Klasse von 2013 ist natürlich auch zu sehen. Noch bis 3. November 2013. Weitere Infos unter Telefon 07 11/17 30 000, per E-Mail unter classic@daimler.com oder online www.mercedes-benz-classic.com/museum

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CD07+08/2013 49

Die stumme Erzählerin Mit 13 Jahren hörte Nicoleta Craita Ten’o auf zu sprechen. Stattdessen schrieb

Die stumme Erzählerin

Mit 13 Jahren hörte Nicoleta Craita Ten’o auf zu sprechen. Stattdessen schrieb sich das Mädchen unermüdlich den Schmerz, ihre Wünsche und Sehnsüchte von der Seele. Die inzwischen 30-jährige Bremer Autorin hat mehrere Romane, Erzählungen und Gedichtsammlungen veröffentlicht

Von Silke Düker (Text und Bilder)

I n der Tagesstätte für psychisch Kranke stehen die Fens- ter im Wintergarten offen. Gerade eben hat hier noch

etwa ein Dutzend Menschen zu Mittag gegessen. Ein Mit- arbeiter säubert die Tische. Vor einem der Fenster sitzt Nicoleta Craita Ten’o. Sie schreibt auf einen Zettel: „Um 14 Uhr muss ich putzen. Auch hier. Dann das Treppen- haus, die drei Toiletten, und den Raum vorne wischen und staubsaugen.“ Seit einigen Monaten erst arbeitet sie in der Tagesstätte. Die 30-Jährige kommuniziert mit ih- ren Mitmenschen nur schriftlich. Vor 17 Jahren hörte sie mit dem Sprechen auf. Was in der Einrichtung kaum jemand weiß: Die 30-Jäh- rige ist Schriftstellerin. In ihrem Heimatland Rumänien erhielt sie bereits als 20-Jährige den renommierten Lite- raturpreis „Prima Verba“ für ihren Roman „Rebel“ („Re- bellisch“).

gewandt, bereits mit acht Jahren verfasst sie ihr erstes Ge- dicht. Es folgen viele weitere. Dann plötzlich, mit 13 Jah- ren, zieht sie sich von einem Tag auf den anderen aus dem Leben zurück. Die Ärzte diagnostizieren Schizophrenie und Autismus. Von nun an spricht Nicoleta kein Wort mehr. Die Schule muss sie abbrechen. Drei Jahre verbringt sie im Bett, will die Wohnung nicht mehr verlassen. Ihre Mutter ist verzweifelt, möchte helfen. Überzeugt von ihrem Talent, schickt sie eine Auswahl ihrer Ge- dichte an den Präsidenten des Verbandes rumänischer Schriftsteller. Der ist begeistert und bietet sofort eine Veröffentlichung an. Es erscheint Nicoletas erster Ly- rikband „Durerea in durere piere“ (Der Schmerz ver- schwindet im Schmerz). Zwei Jahre später erscheint ihr Debüt-Roman „Pe urmele Fefelegei“ (Auf den Spuren von Fefelegei) und noch im selben Jahr ein weiterer ru- mänisch-sprachiger Gedichtband. „Da habe ich plötz- lich begriffen, dass ich schreiben kann. So wurde aus etwas ganz Intimem ein starker Wunsch, der Welt etwas von mir zu hinterlassen“, teilt sie mit.

als achtjähRiGe eRstes Gedicht GeschRieben

Als Kind besucht Nicoleta Craita Ten’o die Grundschule in ihrer Heimatstadt GalaTi in Rumänien. Sie ist sprach-

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Als sie 18 Jahre alt ist, siedeln die Eltern, beide Schiffsbauinge- nieure, mit ihr und der jüngeren Schwester nach Deutschland über. In Bremen angekommen, schreibt sie die ersten Jahre noch in ihrer Muttersprache. Dann bringt sie sich die neue Sprache selbst bei. Nicht nur notdürftig, sondern nahezu per- fekt.BeimLernengehtsiesystematischvor,übersetztmithilfe eines Wörterbuchs ins Deutsche. „Als ich anfing, auf Deutsch zu schreiben, habe ich bis zu acht Stunden für ein Gedicht ge- braucht. Immer noch schlage ich bei jedem Text im Duden nach. Mir fehlt das Gespür, weil Deutsch nicht meine Mut- tersprache ist. Ich habe sie eher ‚mathematisch‘ gelernt. Ich wünschte mir sehr, ich könnte sie spüren, weil Deutsch eine wunderschöne Sprache ist“, schreibt die Autorin. Nicoletta schreibt wie eine Besessene. „Ich schreibe mor- gens nach dem Aufwachen oder – wenn ich vormittags in der Tagesstätte arbeite – nach der Arbeit, wenn ich nach Hause komme. Ich habe meine eigenen Rituale und mein eigenes Programm“, erklärt sie. Die Arbeit trägt Früchte. Vor drei Jahren erschien Nicoletas erster deutschsprachi- ger Lyrikband „Haruka“, ein Jahr später „Drei Köpfe“ sowie eine Erzählung. Im Sommer 2012 brachte der Zwie- belzwerg-Verlag einen Prosa-Band heraus. „Inzwischen sind diese eigenen Bücher der Grund, wieso ich am Leben bin, meine Motivation weiterzukämpfen.“

beGeGnunGen

WohnunG VolleR PuPPen

Nicoletta kämpft viel. Mit dem Leben, ihrer Vergangen-

heit, gegen die Zeit: „Ich möchte ein Kind sein“, bekennt sie. „Deswegen habe ich mir mein eigenes Universum aufgebaut. Meine Wohnung ist voll mit Puppen. Ich lasse sie keine Sekunde aus dem Arm. Sie begleiten mich auch außerhalb der Wohnung. Das stößt nicht immer auf To- leranz.“ Doch der Wunsch, als Kind wahrgenommen zu werden, ist übermächtig. Mit einer Ausnahme: „Meine Bücher sollen die einer erwachsenen Frau sein. Sie sind mein Ventil und mein Zugang zur Normalität. Ich wün- sche mir, irgendwann mal von der Schriftstellerei leben zu können.“ Kontakt zu den anderen Patienten der Tagesstätte hat Nicoleta nicht. „Ich fühle mich hier vor allem wohl, wenn ich arbeiten kann“, schreibt sie auf den Zettel. Das heißt: Stofftiere für Kinder nähen, Mützen und Schals stricken oder Hausarbeiten verrichten. Die neue Tätigkeit strukturiert ihren Tagesablauf, der – seit sie bei der Mutter ausgezogen ist – zunehmend von Selb- ständigkeit geprägt ist. Sie wohnt zusammen mit ihrer Katze Haruka, die sie seit 14 Jahren begleitet. „Ich kann mich auf sie verlassen, sie hat ein wachsames Auge auf

mich.“

seit 14 Jahren begleitet. „Ich kann mich auf sie verlassen, sie hat ein wachsames Auge auf

CD07+08/2013 51

Bilder: Ulm/Neu-Ulm Tourismus

kultuR und Wissenschaft

Wenn sich Faust und Mephisto duellieren

Am 14. und 21. Juli stehen wieder zehntausende begeisterte Zuschauer in Ulm und Neu-Ulm an den Ufern der Donau. Fischerstechen heißt das jahr- hundertealte Turnier, das alle vier Jahre stattfindet. Feucht-fröhlich geht es zu, denn bis auf den Sieger landen alle Teilnehmer des Spektakels im Wasser.

von Fred Heine

D ie Tambours in ihren roten Röcken rühren die Trom- meln. Von beiden Ufern der Donau stoßen die Boote

ab. Kräftig tauchen die Paddel der Ruderer ins Wasser. Auf dem erhöhten Heck stehen die „Stecher“ und heben lang- sam ihre 2,80 Meter langen Lanzen in die Höhe. Die Boote kommen sich näher und näher. Nur noch wenige Meter, bis der erste Stecher getroffen ist und ins Wasser fällt.

52 CD07+08/2013

GRossWesiR GeGen ulmeR sPatz

„Entscheidend ist die Standfestigkeit“, verweist Hermann Scheuffele auf das, worauf es ankommt. „Ein hohes Kör- pergewicht allein bedeutet noch keinen Vorteil“, erklärt der 2. Vorsitzende des Ulmer Schiffervereins, der das Fischerstechen organisiert. Wenn es dumm läuft, sor- gen die ruckartigen Bewegungen dafür, dass der Stecher

sor- gen die ruckartigen Bewegungen dafür, dass der Stecher bereits ins Wasser fällt, bevor er seinen

bereits ins Wasser fällt, bevor er seinen Gegner auch nur anvisieren konnte. Beim Fischerstechen treten auf der Donau 16 Paare ge- geneinander an, die Figuren der Geschichte und Ulmer Originale darstellen. So kämpfen unter anderem der Ul- mer Spatz, der Schneider von Ulm, Mephisto und Faust sowie die Weißfischer, das Narrenpaar, der Türkenlouis und der Großwesir gegeneinander. Mit einem „Überra- schungspaar“ kommt die Gegenwart ins Spiel. Die Teil- nehmer fahren vom gegenüberliegenden Ufer aufeinan- der zu. Zillen heißen die schmalen, bis zu zehn Meter langen Boote. Der lokalen Sage nach, haben im 16. Jahrhundert die Ul- mer Fischer Käßbohrer und Molfenter ein Ritterturnier beobachtet. Die beiden meinten, dass sie das auch könn- ten. Ihnen fehlten jedoch Schlachtrösser, Lanzen und Rüstungen. Und so fuhren sie auf der Donau mit Booten aufeinander los.

uRalte ReGeln

Die Regeln? Seit Jahrhunderten unverändert. Wer ins Wasser fällt, hat verloren. Wer ins Boot tritt, gilt ebenfalls als „nass“. Der Stecher, der stehen bleibt, ist „trocken“ geblieben, hat gesiegt und kommt in die nächste Runde. Bleiben beide trocken, endet die Runde unentschieden. Dann wird so lange gestochen, bis einer gewonnen hat. Besonders beim Publikum beliebt: der „Krettaweber“, ein schwäbischer Nörgler. Er liefert sich mit seinem Widerpart, dem Vertreter der „Bollezei“, und den Zuschauern deftige Dialoge. „Beide Figuren sind mit am schwersten zu beset- zen“, erzählt Scheuffele aus langjähriger Erfahrung. Historische Kostüme, viele Zuschauer, unzählige Freiwil- lige, die helfen. Fritz Eckhardt, Vorsitzender des Schiffer- vereins bewahrt da die Ruhe. Nur eine Situation bringt den Organisator des Fischerstechens wirklich „ins Schwit-

kultuR und Wissenschaft

zen“. Wenn zu viele Teilnehmer standhaft bleiben. Das Duell wird so lange wiederholt, bis einer nicht mehr tro- cken bleibt. Das kann sich in die Länge ziehen. Mitunter eine harte Probe für Eckhardt, der das Geschehen für die Zuschauer kommentiert. „Ich muss mir dann den Mund in den Zwischenpausen fusselig reden“, lacht er.

zehntausende besucheR

Und wer es nicht so mit dem Wasser hat? Der kann die far- benprächtigen Umzüge mit traditionellen Tänzen durch die Stadt genießen, die anlässlich des Fischerstechens stattfinden. Die rund 300 Teilnehmer sammeln sich zu- nächst auf dem Saumarkt im Fischerviertel und tanzen ein Menuett. Danach wird der Tanz auch an anderen Plät- zen in der Doppelstadt aufgeführt. Die Suche nach den Tänzern fällt nicht immer leicht. „Menuette sind ja doch nicht ganz so cool“, schmunzelt Eckhardt. Sein Vereinskollege Scheuffele sieht das locke- rer. Dreimal hat er beim Umzug schon als Bäuerin teil- genommen. Eine Rolle, die traditionell von einem Mann übernommen wird. Beim Umzug geht es allerdings ebenso wenig trocken zu wie nachmittags beim Stechen. Nur dass die Befeuchtung innerlich erfolgt. Doch das steigert den Mut für das nach- mittägliche Turnier und erwärmt das Blut für den Sturz in die auch im Sommer etwas kühle Donau. Karten gibt es bei der Tourist-Information im Stadthaus. Stehplatzkarten können auch an der Tageskasse vor Ort erworben werden. Mit der Reisepauschale „ulm: spatzial“ lassen sich die Veranstaltungen auch für Urlauber leicht miterleben. Sie kann ab 59 Euro mit ein bis drei Über- nachtungen gebucht werden (inkl. UlmCard).

drei Über- nachtungen gebucht werden (inkl. UlmCard). ■ Infos bei Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH, Tel. + 49

Infos bei Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH, Tel. + 49 (0)731/1612830, www.tourismus.ulm.de

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Bilder: Schweiz Tourismus

Reisen

150 JAHRE PAUSCHALREISEN IN DIE SCHWEIz

„Sogar das Echo verkauften sie uns“

Miss Jemima Morrell war eine launige Engländerin. Ihr verdanken wir ein einzigartiges Zeitdokument: die Beschreibung der ersten Pauschalreise in die Schweiz vor 150 Jahren

V or 150 Jahren, am 26. Juni 1863, startete eine illustre Reisegruppe in London mit dem Ziel Graubünden

in der Schweiz. Darunter eine 31 Jahre alte Lady, Miss Jemima Morrell. Die Tochter eines englischen Pastors war eine Vertreterin der britisch-viktorianischen Gesell- schaftsschicht, die sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts das Reisen leisten konnte und diese Möglichkeit auch wahrnahm.

Jemima Morrells Bericht bietet eine detailgenaue Darstel- lung vom Ablauf der Reise von London über Paris und Genf nach Chamonix und Luzern, um dann schließlich über Pontarlier die Schweiz zu verlassen. Die Autorin führte nicht nur die Verkehrsmittel genau- estens auf, die auf den verschiedenen Etappen zur Ver- fügung standen, sowie die Hotels, in denen die Gruppe übernachtete, sondern auch die Betreiber dieser Angebo-

54 CD07+08/2013

Reisen

auch die Betreiber dieser Angebo- 54 CD07+08/2013 Reisen te, wobei kein aufsässiger Gepäckträger und kein schlech-

te, wobei kein aufsässiger Gepäckträger und kein schlech- ter Wirt vor ihrer spitzen Feder sicher war. Das Besondere daran: Morrell und ihre Begleiter wa- ren die ersten Pauschaltouristen in den Alpen. Thomas Cook, der Erfinder der Pauschalreise, hatte zu dieser „First Conducted Tour of Switzerland“ geladen. Dass da- mit auch der Mont Blanc verbunden war, der bekanntlich in den französischen Alpen liegt und über Chamonix angefahren wurde, spielte damals keine größere Rolle. Von den Gastgebern dort hatte sie allerdings keine gute Meinung, ihr missfiel das stark am Gewinnstreben ori- entierte Verhalten der Alpenbewohner: „Sogar das Echo verkauften sie uns“, hielt sie in ihrem Reisebericht fest.

Reisen in die Alpen vor 150 Jahren, das ist mit heute nicht mehr zu vergleichen. Schon die Anreise war beschwerlich und dauerte mehrere Tage. Die Hotels und Unterkünfte waren dünn gesät, vor Ort mussten Träger organisiert und Wege erkundet werden. Wo heute eine Bergbahn in sieben Minuten von Leuker- bad zur Daubenwand führt, stand den Reisenden ein mühsamer Aufstieg bevor. Hier am Berghotel Schwarzen- bach sind sie damals auch vorbeigekommen, genau am 3. Juli des Jahres, wie Morrell in ihren Aufzeichnungen vermerkt. Die Gästeliste dieser Berghütte liest sich wie ein Auszug aus dem „Who-is-Who“ von Kunst und Literatur:

Adalbert von Chamisso war hier, ebenso wie Alexandre

Dumas, Jules Verne, Guy de Maupassant, Mark Twain, Sir Arthur Conan Doyle und auch Pablo Picasso. Vom „Schwarenbach“ ist die Reisegruppe nach Kandersteg gelaufen, dann ging es weiter mit der Kutsche nach Spiez und von dort mit dem Schiff nach Interlaken. Trotz mancher spitzen Formulierung, die Reise scheint den Teilnehmern gefallen zu haben. Am Ende vermerkt Miss Morrell zufrieden: „Die Gefahren auf Alpenreisen können in zwei Klassen geteilt werden, die realen und die eingebildeten, und rückblickend lässt sich feststellen, dass unsere zur Letzteren gehörten.“ Wäre es anders gewesen, der Tourismus in die Schweiz hätte sicher eine andere Ent-

wicklung genommen.

CD07+08/2013 55

Bild: Julian Rossig

Bilder: Lars menzel

oRGanisationen

Die Wassermassen sind kaum aufzuhalten

Einsatz der Johanniter in den Hochwassergebieten

Gegen die Flut

Es kam langsam, aber gewaltig: das katastrophale Hochwasser, das im Juni viele Regionen von Süd-, Ost- und Norddeutschland überflutet hat. Zurück ließ es zerstörte Häuser und verzweifelte Menschen.

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Viele ältere Menschen müssen evakuiert werden

Nach tagelangen schweren Regenfällen waren Anfang Juni Bäche zu Flüssen angeschwollen und Flüsse zu rei- ßenden Strömen, die weit über ihre Ufer traten. Deiche weichten auf und brachen, das Wasser floss ungehindert ins weite Land. Selbst Orte, die weit weg von den Fluss- läufen liegen, wurden überflutet. Die Einwohner verloren nicht selten ihr gesamtes Hab und Gut. So verzweifelt und aussichtslos die Lage für die Betroffe- nen war, auf eines konnten sie bauen: die Solidarität der Mitmenschen. Aus dem ganzen Land reisten Freiwillige in die überschwemmten Gebiete, um zu helfen – beim Si- chern der Deiche, beim Evakuieren von Häusern, bei der Bereitstellung von Notunterkünften. Auch die Johanniter waren mit rund 1300 Helfern und Dutzenden von Einsatzwagen überall da, wo die Not am größten war. Ob in Dresden, Magdeburg, Dannenberg oder Lauenburg – sie haben Betroffene und Einsatzkräfte sowohl an den Brennpunkten der Katastrophe unterstützt als auch an Orten, die weniger präsent in den Medien wa- ren. So waren in Deggendorf in Bayern, das von den Was- sermassen buchstäblich überflutet wurde, über Tage mehr als 110 Johanniter-Helfer im Einsatz. Sie kümmerten sich um die Verpflegung und Unterbringung der Katastro- phenschützer, unterstützten notwendige Evakuierungen und leisteten Transportdienste. Auch in Sachsen packten einige Hundert Helfer der Johanniter mit an, in Spitzen- zeiten rund 200 zeitgleich. Wie in Bayern und den übrigen

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. , Konto: 42 42, Bank für Sozialwirtschaft, (BLZ 370 205 00), Stichwort: Hochwasserhilfe www.johanniter-helfen.de

oRGanisationen

betroffenen Bundeslän- dern lag der Schwerpunkt dabei auf der Betreuung und Versorgung der Ein- satzkräfte. Inzwischen sind die Pe- gelstände vielerorts zu- rückgegangen. Doch die Johanniter lassen die Men- schen nicht im Stich und unterstützen nun die Auf- räumarbeiten. Oft zeigt sich das wahre Ausmaß der Schäden erst, nachdem das Wasser abgeflossen ist. Auch etliche Johanniter- Einrichtungen sind von der Flut schwer betroffen, darun- ter Kindertagesstätten in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Viele Betroffene wissen nicht, wie es weitergehen soll. Des- halb werden die Johanniter sich auch am Wiederaufbau be- teiligen. Möglich ist dies dank der Spenden in Millionenhö- he, die bei den Johannitern für die Flutopfer eingegangen sind. Ebenso wichtig ist eine Stärkung des Bevölkerungs- schutzes – damit Katastrophen dieser Größenordnung auch in Zukunft gemeinsam bewältigt werden können.

Große Mengen an Lebensmittel werden zubereitet
Große Mengen an Lebensmittel
werden zubereitet

CD07+08/2013 57

Bilder: Fritz Frech

RezePte

Quiche

von cornélia Rouvel, Rezept für 4 Personen

zutaten für den teig: 250 g Mehl • 125 g Butter • 1 Ei • Salz für den Belag: 1/2 EL Semmelbrösel •1 Stange Porree • 300 g Fleischwurst • 100 g Emmentaler, gerieben • 200 ml Sahne • 1 Ei • geriebene Muskatnuss • scharfer Chili • Salz, Pfeffer • 1 EL frische Petersilie

58 CD07+08/2013

zuBeReitunG

Die Zutaten für den Teig zusammenkneten. In Frischhalte- folie einwickeln und ca. 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen. Den Porree putzen und schneiden. Die Fleischwurst ebenfalls schneiden. Beides auf dem Quicheboden vertei- len. Den Käse darüber geben.

In einer Schüssel die Sahne mit dem Ei, einem Hauch Mus- katnuss und einem Hauch Chili sowie Salz und Pfeffer ver- quirlen. Die Petersilie hinzufügen und untermischen.

Den Teig auf einem gefetteten Backblech auslegen und mit Semmelbröseln bestreuen. Die Mischung für den Belag auf dem Teig verteilen. Im vorgeheizten Backofen bei 180 °C (Umluft) ca. 30–45 Minuten backen.

RezePte

Bayerischer Biergarten Salat

von Lioba Schorb, Rezept für 4 Personen

zutaten 3 rote Zwiebeln • 2 rote Paprikaschoten • 4 Gewürzgur- ken • 100 g Bergkäse in Scheiben • 300 g Fleischwurst im Ring • 5–6 EL Weißweinessig • 2 EL süßer bayrischer Senf • ein Bund Schnittlauch • Salz, Pfeffer • 4–5 EL Sonnen- blumenöl • 2 Laugenbrezeln

zuBeReitunG

Die Zwiebeln schälen, die Paprika waschen, putzen, längs halbieren und entkernen. Die Zwiebeln, die Paprika, die Gurken und den Käse in 3–4 cm lange Streifen schneiden. Die Fleischwurst enthäuten pellen und ebenfalls in Strei- fen schneiden. Alles in einer Schüssel mischen.

Für die Vignaigrette den Essig mit Senf, Salz und Pfeffer verrühren. Dann das öl kräftig darunter schlagen. Den Schnittlauch waschen, trockenschütteln, in Röllchen schneiden und in die Vignaigrette rühren. Diese dann über die Zutaten in der Schüssel gießen. Alles gut vermi- schen und kurz durchziehen lassen.

Inzwischen die Brezel in Würfel schneiden. Etwas öl in ei- ner Pfanne erhitzen und die Brezelwürfel darin unter Wenden rösten. Den Wurstsalat nochmals pikant mit Salz, Pfeffer und eventuell Essig abschmecken. Zum Schluss die Brezelwürfel unterheben.

pikant mit Salz, Pfeffer und eventuell Essig abschmecken. Zum Schluss die Brezelwürfel unterheben. CD07+08/2013 59

CD07+08/2013 59

Bilder: Fritz Frech

RezePte

Gugelhupf

von Gerlinde Reich, Rezept für 20 Stücke

zutaten 3 Zwiebeln • 1 Knoblauchzehe • 1 kg Hackfleisch • 400 g Leberkäsebrät • 2–3 Eier • 150 g Semmelbrösel • 2 EL Toma- tenmark • 1 EL Senf • 2 EL gehackte Petersilie • 300 g Bacon in Scheiben • 250 g Fleischwurst • Salz, Pfeffer, Muskat

zuBeReitunG

Die Zwiebeln und den Knoblauch schälen und fein ha- cken. Das Hackfleisch mit dem Leberkäsebrät, den Eiern, den Semmelbröseln, dem Tomatenmark, dem Senf, den

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Zwiebel, dem Knoblauch und der Petersilie verkneten. Mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Eine Gugelhupf-Backform (26 cm Ø) ausfetten und mit den Bacon-Scheiben auslegen. Den Hackteig einfüllen. Die Fleischwurst enthäuten und in dicke Scheiben schnei- den. Diese in den Fleischteig drücken. Im auf 160 °C vor- geheizten Backofen ca. 60 Minuten backen. Dann aus dem Ofen nehmen und auf ein Backblech stürzen. Wieder in den Ofen schieben und weitere 40 Minuten braten, bis der Bacon knusprig ist.

Wein-tipp: Diese Fleischwurst-Schöpfung ist schon außerge- wöhnlich phantasievoll und fordert eine besondere Wein- Partnerschaft geradezu heraus: Eine Scheurebe Auslese – nur und am besten vom Weingut Heinrich Männle in Durbach.

nur und am besten vom Weingut Heinrich Männle in Durbach. Fleischwurstring gespickt von Sylvia hockenjos, Rezept

Fleischwurstring gespickt

von Sylvia hockenjos, Rezept für 4 Personen

zutaten 1 große Zwiebel • 100–150 g Speck• etwas dickere Käsestrei- fen (z. B. Emmentaler) • 1 Ring Fleischwurst (ca. 500–600 g)

zuBeReitunG

Die Zwiebel, den Speck und den Käse in grobe Stifte schneiden. Die Fleischwurst vorsichtig häuten. Im Ab- stand von 2 cm Schlitze in die Wurst schneiden. In diese

Schlitze den Käse, einen Teil des Specks und der Zwiebeln stecken, nach Belieben auch Knoblauchstückchen. Den so gespickten Wurstring in eine feuerfeste Form le- gen. Den Backofen auf 200 °C vorheizen und den Wur- string dann bei 180 °C 30–35 Minuten backen. Die rest- lichen Zwiebeln und Speckstreifen zur Wurst legen. Mit Baguette und Kräuterbutter servieren. Dazu passen auch Tomatensoße und Hörnchennudeln.

Dazu passen auch Tomatensoße und Hörnchennudeln. BuchtiPP Bild: Rainer Kwiotek Wurst zu machen ist wie die

BuchtiPP

Bild: Rainer Kwiotek

Wurst zu machen ist wie die Kochkunst eine große und ural- te Handwerkskunst. „In einer Wurst steckt mehr Kreativität als in einem Steak“, sagt Rafael Pérez, der Schweizer Slow Food Präsident. Dies gilt ganz beson- ders für den Klassiker aus der Wurstküche, die Fleischwurst/Lyoner. Überall in Deutsch- land gehört sie zu den beliebtesten Wurstsorten – mit durchaus verschiedenen Rezepturen und auch unter ganz unterschiedlichen Namen. In diesem Kochbuch stellt Eckart Witzigmann, der „Koch des Jahrhunderts“, 4o Gerichte vor. Die Rezepte, die Zu- taten – im Mittelpunkt natürlich die Fleischwurst/Lyoner

– wie auch die Zubereitung sind so phantasievoll und unterschiedlich wie die Hausfrauen und Köche, die beim Koch-Buch-Wettbewerb von Edeka Südwest Fleisch mit großer Leidenschaft und viel Freude gemeinsam am Herd gewirkt haben.

fleischwurst /Lyoner Der Klassiker aus der Wurstküche Mit einer Liebeserklärung von Jürgen Mäder und einer Weinauslese von Herbert Agradetti und Otto Geisel. edition K /Hampp Verlag ISBN 978-3-942561-01-3

144 Seiten, Euro 8.90

Herbert Agradetti und Otto Geisel. edition K /Hampp Verlag ISBN 978-3-942561-01-3 144 Seiten, Euro 8.90 CD07+08/2013

CD07+08/2013 61

WissenReliGionundR kindeGlaubeR

„Reiß mich heraus aus gewaltigen “

Wassern

Aus dem Alltag eines Klinikseelsorgers:

Atemberaubend. Erschütternd.

Herzerfrischend. von Heribert Scherer

H aben Sie die Bilder in den Nachrichten gestern Abend gesehen, Herr Scherer? Von den Überflutungen in

Bayern, in Sachsen/Anhalt, oben im Norden? Das ist so furchtbar!“ Herr F. schaut mich verunsichert an. Sein Hän- dedruck ist schwach; seine Augen wandern unruhig hin und her. „Herr F., die Bilder gehen mir zur Zeit nicht mehr aus dem Sinn. So viele Menschen, deren Häuser, Felder und Stallungen unter Wasser stehen. Die um ihre Existenz ban- gen und kämpfen. Die so vieles verloren haben. Was müs- sen die in diesen Tagen körperlich wie seelisch alles aushal- ten? Was mag in ihnen vorgehen? Ich vermute, wir können uns das hier nicht einmal annähernd vorstellen “

„Ich kann mir das schon vorstellen. Ich habe das als Kind in meinem Heimatdorf oben an der See selbst erlebt. Wie die große Sturmflut über uns hereingebrochen ist. Wie der Deich und die Dämme damals gebrochen sind. Wie das Was- ser mit einer unbändigen Gewalt alles weggespült hat: Unse- re Felder wurden überflutet. Viele Kühe sind verendet. Die

Keller waren voll; alles, was wir dort an Vorräten eingelagert hatten, war mit einem Schlag unbrauchbar. Ein furchtbarer Gestank von Fäulnis lag wochenlang über unseren Dörfern. Viele Monate waren wir mit den Aufräumarbeiten beschäf- “

tigt.“ „Da war die Verzweiflung bestimmt groß

stimmt, Herr Scherer. Viele wussten nicht mehr aus noch ein. Etliche Bauern hatten die Grundlagen ihrer Existenz verloren und mussten ganz von vorne anfangen. Manche sind weggezogen in die Stadt, nach Hamburg oder Bremen, weil sie so etwas nicht noch einmal erleben wollten.“ „Und was hat denen geholfen, die geblieben sind?“ „Das war vor allem der unwahrscheinliche Zusammenhalt. Nicht nur in der Familie und Verwandtschaft. Der ist ja eigentlich selbstverständlich. Nein, in der ganzen Dorfgemeinschaft hat man sich gegenseitig geholfen beim Aufräumen, Repa- rieren und Aufbauen. Die Stärkeren den Schwächeren; die weniger Betroffenen den Hauptopfern; die Handwerker den Hilflosen; die Jungen den Alten mit ihrer Tatkraft; die Alten den Jungen mit ihrer Erfahrung. Selbst Nachbarn, die im Unfrieden miteinander lebten, haben das zumin-

„Das

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dest für eine Zeit lang vergessen. Das Wenige, was wir noch hatten, wurde geteilt, damit alle überleben. Einen solchen Zusammenhalt wie damals bei der Flut – den gab es bei uns im Dorf niemals zuvor noch danach.“ „Und wo haben Sie Kraft gefunden in all dem, was Sie da- mals bewältigt haben?“ „Gut, dass sie fragen, Herr Scherer. Ich wollte Ihnen nämlich gerade von unserem alten Pastor erzählen. Der hat uns immer wieder Mut gemacht. Zu- nächst dadurch, dass er an vorderster Front geholfen hat. Beim Überlegen und Planen; bei Hilfsmaßnahmen für die Bedürftigsten; und auch für das Schaufeln und Ackern war er sich nicht zu schade; er war schon Anfang 70; ein Kerl wie ein Baum, mit kräftigen Händen, die wie Schraubstöcke zu- packen konnten. Und natürlich durch seine Gottesdienste; die tröstlichen Lieder und die mitreißenden Predigten. Der Platz in unserer kleinen Dorfkirche reichte oft nicht aus; die Leute standen bis vor die Tür. Zum Glück hatte unser Pastor eine kräftige Stimme.“ Herr F. lächelt mich an. Seine Augen sind im Erzählen ruhiger geworden und leuchten ein we- nig. „Er hat mit uns immer wieder einen Psalm gebetet, in dem es um die Errettung aus den Fluten geht. Den bekom- me ich aber nicht mehr zusammen; das ist ja schon einige Jahrzehnte her.“ Ich denke nach. „Gut möglich, dass es der Psalm 144 war. Wenn Sie möchten, lese ich Ihnen gerne da- raus vor.“ Herr F. nickt mir mit freundlichen Augen zu.

„Gelobt sei der Herr, der mein Fels ist, der meine Hände den Kampf gelehrt hat Du bist meine Huld und Burg, meine Festung, mein Retter, mein Schild, dem ich vertraue.

Herr, was ist der Mensch, dass du dich um ihn kümmerst, des Menschen Kind, dass du es beachtest? Der Mensch gleicht einem Hauch, seine Tage sind wie ein flüchtiger Schatten. Herr, neig deinen Himmel und steig herab, Streck deine Hände aus der Höhe herab und befreie mich; reiß mich heraus aus gewaltigen Wassern,

KLiniKSeeLSoRGeR heRiBeRt ScheReR • Jahrgang 1967, geboren in Karlsruhe als jüngs- tes von sechs Kindern

KLiniKSeeLSoRGeR heRiBeRt ScheReR

• Jahrgang 1967, geboren in Karlsruhe als jüngs- tes von sechs Kindern

• verheiratet, drei Kinder

• Dipl.-Theol., Dipl.-Päd.; seit 1995 als kath. Pas- toralreferent Seelsorger im Erzbistum Freiburg

• seit 2008 Klinikseelsorger in Bühl/Baden mit weiteren Schwerpunkten im Beerdigungs- dienst sowie in der Senioren- und Altenheimseelsorge

• lädt seit 2000 unter dem Motto „In vino vita!“ gemeinsam mit Winzern zu biblischen Weinproben ein Kontakt: Pfarramt St. Peter und Paul, Eisenbahnstraße 1, 77815 Bühl; E-Mail: scherer@pfarrei-peter-paul.de

Ein neues Lied will ich, o Gott, dir singen, auf der zehnsaitigen Harfe will ich dir spielen, Unsre Speicher seien gefüllt, überquellend von vielerlei Vorrat; unsre Herden mögen sich tausendfach mehren, vieltausendfach auf unsren Fluren. Unsre Kühe mögen tragen, ohne zu verwerfen und ohne Unfall; kein Wehgeschrei werde laut auf unsern Straßen. Wohl dem Volk, dem es so ergeht, glücklich das Volk, dessen Gott der Herr ist!“ (Auszüge aus Psalm 144)

„Genau, das ist der Psalm. Vor allem den einen Vers, den haben wir immer wieder gebetet:

„Streck deine Hände aus der Höhe herab und befreie mich; reiß mich heraus aus gewaltigen Wassern.“

Wir beten gemeinsam. Denken an die Flutopfer dieser Tage. Und schweigen. Herr F. schaut mich mit großen klaren Au- gen an: „Ich wünsche den Menschen in den Flutgebieten ei- nen Zusammenhalt, wie wir ihn damals erfahren durften. Und die Kraft von Gott, von der dieser Psalm spricht:

„Streck deine Hände aus der Höhe herab und befreie mich; reiß mich heraus aus gewaltigen Wassern.“

ReliGion und Glaube

heraus aus gewaltigen Wassern.“ ■ ReliGion und Glaube KLOSTER BRANDENBURG/ILLER Oberschwaben ist eine Reise wert
KLOSTER BRANDENBURG/ILLER
KLOSTER BRANDENBURG/ILLER

Oberschwaben ist eine Reise wert

Schöne Herbsttage in Kloster Bran- denburg erleben

Z wischen Donau und Bodensee, der Schwäbischen Alb und dem Allgäu liegt das schöne Oberschwaben.

Im Herzen dieser Region liegt Kloster Brandenburg / Il- ler. Das Kloster und Gästehaus zeichnet sich durch Ruhe und entspannte Atmosphäre aus. Wer abseits des Trubels

Zeit für sich finden möchte, ist hier genau richtig. Rad- und Wanderwege führen direkt am Haus vorbei. Es gibt unzählige Sehenswürdigkeiten in nächster Umgebung. Ulm mit seinem Münster und der zauberhaften Altstadt, Biberach, Memmingen … - zahlreiche Klöster der Ober- schwäbischen Barockstraße sowie die Schwäbische Alb mit dem eindrucksvollen Biosphärengebiet, das Allgäu und der Bodensee. Ob Einzelgast, Familie oder Gruppe, im Kloster Branden- burg sind alle herzlich willkommen. Familienfreundliche Preise zeichnen das Haus aus. Ruheplätze rund um das Kloster laden zum Entspannen ein. Die Dachterrasse mit Blick über das Illertal, der Klostergarten mit Biotop und schattigen Plätzen sowie der Park direkt am Haus. Ein be- sonderes Erlebnis: Alle Gäste dürfen jederzeit am gemein- samen Gebet der Schwestern teilnehmen. Auch das leibliche Wohl kommt nicht zu kurz. Eine aus- gewogene, regionale Küche mit vielen frischen Zutaten wird angeboten. Das Wohlbefinden der Gäste ist oberstes Anliegen der Gemeinschaft.

Buchungsanfragen direkt an: Kloster Brandenburg/Iller e.V. Am Schlossberg 3 · 89165 Dietenheim-Regglisweiler Telefon 07347 955 0 · www.kloster-brandenburg.de info@kloster-brandenburg.de

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Bild: I like/Fotolia

Wissen füR kindeR

Bild: I like/Fotolia Wissen füR kindeR In Wickies Heimatstadt Haitabu 64 CD07+08/2013 Wissen füR kindeR D

In Wickies Heimatstadt Haitabu

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füR kindeR In Wickies Heimatstadt Haitabu 64 CD07+08/2013 Wissen füR kindeR D ie meisten Kinder kennen

Wissen füR kindeR

D ie meisten Kinder kennen und lieben ihn: Wickie, den klei- nen Wikinger. Wenn nicht aus der Wickie-Zeichentrickserie,

dann aus dem Kino. Übrigens: Wickie wird dieses Jahr 50 Jahre alt. Erfunden wurde Wickie von dem Schweden Runer Jonsson. Er machte den kleinen Wikinger und seine Freunde Halvar, Snorre und Faxe 1963 zu Helden seiner Zeichentrickserie. Was dort gezeigt wird, ist lustig. Aber nicht alles ist wahr. Zum Beispiel hatte damals kein Wikinger einen Helm mit Hörnern dran. Wie das Leben bei den Wikingern wirklich war, dass kann man in Wickies „Heimatstadt“ Haitabu sehen. Der Ort gilt als erste mittelalterliche Stadt in Nordeuropa. Er liegt an der Meerenge zwischen Nordsee und Ostsee im heutigen Dänemark. Um das Jahr 1000 hatte Haitabu rund 1500 Einwohner. Das ist für heu- tige Verhältnisse ziemlich klein. Da die Wikinger in kleinen Fa- milienverbänden lebten, war das im Vergleich aber schon ganz ordentlich. Aber schon kurz darauf war es um Haitabu geschehen. König Harald der Harte von Norwegen eroberte die Stadt und brannte sie nieder. Für die Altertumsforscher heute ist das fast ein Glück. Denn weil hier niemand mehr siedelte, wurden die Überreste der Stadt nicht überbaut, sie zeigen eine echte Wikingerstadt, wie sie damals war. Dazu kam der Anstieg des Meeresspiegels, so dass große Teile der Stadt unter Wasser lagen. Einer der größten Funde war ein echtes Wikingerschiff, das vor rund tausend Jah- ren im Hafen von Haitabu versunken ist.

WeR WaRen die WikinGeR WiRklich?

Eines kann man auf jeden Fall sagen: so nett wie Wickie waren sie nicht alle! Im Gegenteil, wenn an den Küsten der britischen Inseln die Segel der Wikingerboo- te auftauchten, versetzte das die Menschen in Angst und Schrecken. Das Kloster Lindisfarne in England wurde von ihnen ausgeraubt und niederge- brannt. Auch die Stadt Paris haben sie belagert. Später haben sie die Kriegs- axt aber beiseite gelegt und als Kaufleute Handel betrie- ben. Dabei kamen sie weit in der Welt herum. Auch Amerika wurde lange vor Kolumbus schon von den Wikingern entdeckt. Das Wissen ging aber verloren, deshalb gilt Christoph Kolumbus als der Entde- cker der Neuen Welt.

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VoRschau/imPRessum

das erwartet Sie in ausgabe 9/2013

ReiSen Zauberhafter Bodensee Bilder: Fred Heine; DAK (2); Kreuzschnabel
ReiSen
Zauberhafter Bodensee
Bilder: Fred Heine; DAK (2); Kreuzschnabel

GeSundheit

Arthrose – so bleiben die Gelenke fit

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KuLtuR Stadtgeschichten: Schwäbisch Gmünd

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Was tun?

Schwäbisch Gmünd GeSundheit Sodbrennen: Was tun? 66 CD07+08/2013 imPReSSum christlicher digest Verbund

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anzeigen Alice-Beate Merk anzeigen@chrisdig.de Telefon 0711/90 11 40 40 Es gilt Preisliste 11, gültig ab 01.01.2013

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iSSn 1619-2001

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Ganz in meinem Sinne

christlichen digest ist der 04.09.2013 Ganz in meinem Sinne Mit einem Vermächtnis zugunsten der Johanniter können

Mit einem Vermächtnis zugunsten der Johanniter können Sie viel bewirken. Sie unterstützen damit Menschen in Not über die eigene Lebenszeit hinaus.

Wir helfen aus Liebe zum Leben – an jedem Ort, an jedem Tag. Helfen auch Sie!

zum Leben – an jedem Ort, an jedem Tag. Helfen auch Sie! Weitere Informationen: Tel. 030

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