COST & LOGIS

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HOTEL-BUSINESS

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Cost & Logis sprach mit Marco Nussbaum, Co-Founder und CEO von prizeotel sowie Beiratsmitglied im Deutschen Hotelverband (IHA), über die Entwicklung seiner Hotelgruppe, das Verhältnis von Preisen und Sternen sowie die Entwicklung von Bewertungsportalen.
ERR NUSSBAUM, WIE STELLEN SIE SICH DIE PORTFOLIO-!!NTWIC KI.UNG VON PRIZEOTEL MITTEL- BIS LANGFRISTIG VOR?

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Wir streben eine Präsenz in den Kernmärkten Deutschlands an. Im kommenden Jahr starten wir in Harnburg und Hannover. Und auch in den beiden Jahren darauf wollen wir jeweils zwei Hotels an weiteren wichtigen Standorten in Betrieb nehmen. Unser ZieJ ist es, bis 2017 mit knappzeh n Hotels vertreten zu sein.
DIE GRUPPE MAY & CO. HAT KÜRZLICH PER KAPITALERHÖHUNG BIN DRITTEL DER ANTFIT.E AN DßR PRIZEOTEL MANAGEMENT GROUP ÜBERNOMMl.:.N. JNWUWLIT VERLEIHT DI:.R DEAL DER bNTWI C KLUNG IHRER GRUPPE ZUSÄTZLICHE SCHUBKRAFT?

.,Die Branche muss verstehen, dass Bewertungsportale keine ßewulungs-, sondem ßuchUJ18sporcale sind." Marco Nussbaum
T fl L ONE SOWiE B&B HOTELS ALS AUCH EINE REIHE SI!HR KLE lNI:.R ANBIETER. MU DER NUN VON IHNEN AVISIERTEN POR1FOLIO- ENTW1CKLUNG

NEUEN lNVESTOR IM RUCKEN - WmSI:HEN SIE PRfZEOTEL lM WETTBEWERBSUMFELD NlERT?

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UND DEM POSJTlO -

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May & Co. ist für uns ein starker Entwicklungs- und Finanzpartner, der nicht nu r ein Drittel unserer Gesellschaft erworben, sondern sich darüber hi naus verpflichtet hat, das für die weitere Immobilienentwicklung notwendige Eigenkapita l bereitzustellen. Das ermöglicht uns, den nächsten wichtigen Schritt in der Entwicklung unseres Unternehmens zu gehen.
i>LAN F.N SI E AUC H HOTF.I.S AUSSP.RHAJ. B DEUTSCH LANDS?

Das ist ein Wunschtraum. Unser Designer Karim Rashid sitzt in New York und wurde am Big Apple gerne ma l ein Hotel für uns gestalten. Auch wir halten den Standort natü rlich für äußerst interessant. Mein Feld ist die Welt, hat der bekan nte Hamburger Reeder Albert Ballin einmal gesagt. Für unsere heutige Gesellschaftgilt das umso mehr: Wir leben in einer globalen und global denkenden Community. Sollte sich wä h rend der weite ren Ent wick lung unserer Gruppe ein Schritt über die Grenzen hinaus anbieten, so halte ich einen solchen fü r durchaus möglich. Zunächst geht es u ns aber darum, eine Flächendeckung in Deutschland zu erreichen.
IN IHRBM SEGMENT DFS DEUTSCHEN HOTELMARKlES GIBT ES DOMINIERFNDE PLAYJ!R WIE ACCOR, MO ·

Im Fahrwasser der Großen fühJen wir uns wohl. Unser Vor teil ist, dass wir schnelle Enlscheidungen treffen können. Überschaubare Größe und Struktur machen uns flexibel und geben uns die Möglichkeit, interessante Dinge un kompliziert und umgehend auszuprobieren - zum Beispiel einen Check-in per 1tlobiltelefon. Anderes Beispiel: Wiretablieren gerade sogenannte Flavor Stations. an denen sich unsere Gäste rund um die Uhr Kaffee ziehen können - und das in vier Geschmacksrichtungen. Dickschiffe tun sich mit der Umsetzung spontaner Idee naturgemäß schwerer. prizeotel kombiniert die Professionalität zeitgemäßer Unternehmensführung mit dem Charme eines Privathotels. Big is beautiful heißt es zwar gemeinhin - Größe ist aber nicht alles.
IHRE STANDORT.I:.NTWtCl<LUNG KONZENTRIERf SICH IM WESENTLICHEN AUP PRIMÄRSTÄDTE. IST DAS TEIL DER STRATtGIE?

AttraktiveAngebote fürein Hotel jenseits der Metropolen werden wir uns mit großem Interesse ansehen. Die Fragen sind: Passen Produkte und Distributions5trategie von prizeotel zu Yergleichsweise kleineren Stando rten? Welchen Profit können wir dort erwirtschaften? Und wie befruchtet eine solche Präsenz die Marke insgesamt?

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DAS VERHÄLTNIS VON HOTFI.-STERNEN UNO PREJ SJ::N SCHJ::IN'l' AUS DEN PUGI'N ZU GERATEN: Dlf. RATEN El'ABLIER1ER MTTTELKLASSEMARI<EN UNO MO DERNER BUDGET- BRANDS NÄHERN SICll ZUSLHhNOS AN. WIE BEURTEILEN SIE DIE SITUATION?

Wir sind grundsätzlich Verfechter der Klassifizierung nach Hotel-Sternen. Sterne geben den Verbrauchern Orientierung. Anderersei ts beobachten wir, dass das Verhältnis Preise-Sterne immer weniger passt. \Venn unter betriebswirtschaftliehen Druck ge ratene Drei- und Vier-Sterne-Hotels Raten senken und ihre Leistungen über Last-Minute-Portale mit 30- bis 40-proz_entigen Nachlässen feilbieten oder mil Reiseve ran stalterraten gerade mal eben die Fixkosten gedeckt werden, dann kann das auf Dauer nicht gut gehen und schadet dem Ansehen der gesamten Branche. Wir leben in Deutschland ohnehin in einer Discountgese1lschaft. Fast jeder weiß, was ein Produktkostet - kaum einer weiß, was es wert ist. Alle wollen nur eines - unll das ist billig. In einem solchen Umfeld gehen Fünf-Sterne-Hotels hin und bieten das Doppelzimmer für 90 Euroan - inklusive Frühstück wohlgemerkt. Von den Firmenraten ganz zu schweigen. Ich sage: Damit werden Märkte zerstört. Und für viele Betriebe wird es langsamwirk 1ich ernst. Von unten drängen immer neue, pfiffige Player mit cleveren Konzepten auf den Markt, von oben drückt der Preis. Rechts und links hagelt es disruptive Innovationen, die Bestehendes zumindest partiell verdrängen. Unternehmen tauchen aus den Tiefen des world wide web auf und stellen die Business-Modelle etablierterAnbieterauf den Kopf. Die wenigsten mittelständischen Hotelketten beziehungsweise -marken verfügen über eine durchdachte Strategie beziehungsweise ein KonL.ept, um dieser durchaus bedrohlichen Entwicklung wirksam zu begegnen. Sie lassen sich stattdessen treiben vom zunehmenden Cash-Flow-Druck, reagieren mit weiteren Preisnachlässen- in der Hoffnung, damit zusätzliche Nachfrage zu generieren. Die Konsequenz Iiegt auf der Hand: Es wird weiter gespart, nicht zuletzt beim Personal. Und das in einer Branche, die sich ohnehin eines erheblichen Mangels an Fachkräften erwehren muss. Die Qualität der Dienstleistung rauscht ebenso ins Bodenlose wie die die Bewertung auf den Portalen. Ich halte es für keine abwegige Idee, die Preise an die Sterne-Klassifi zierung zu koppeln. Klassifizierung hat für mich auch etwas zu tun mit ethischen Grundsätzen der Unternehmensführung. Dazu gehört eine angemessene Vergütung der Mitarbeiter. Eine Vergütung, die bei der bestehenden Preisentwicklung zu nehmend unrealistischer wird.
INWIEWEIT MACHT SICH DIE SCHIEFLAGE IN DER RELATION PREISE-STERNE FÜR SIE ALS VERANTWOR1 LICHFR VON PRIZ.E01EL BEMERKBAR?

tel s am Ma rkt zu Preisen anbieten, die unter unseren liegen. Für den Gast wirft das natürlich die Frage auf: Warum soll ich für eine Zwei-Sterne-Superior-Unterkunft mehr zahlen als für ein Drei- oder gar VierSterne-Domizil? Dass die höher klassifizierten Häuser möglicherweise abgewohnt sind und einen teilweise bemerkenswerten Renovierungsstau vor sich herschieben, das interessiert den Buchungswilligen ersr mal nicht. \Nir sind deshalb der Mei nung, dass die Richtlinien der Hotelklassifizierung angepasst werden und Online-Bewertungen einfließen müssen. Bewertungen sind die neue 'vVährung im Internet. Sie stellen die Sterne-Klassifizierung für mich aber nicht in Frage. Menschen wollen ein Raster, wie es ihnen die Sterne bieten. Es gilt nur, immer wieder neu zu definieren, was hinter den Sternen steht.
Dl E A&O HO I CLS AND HOSTELS HOLDING AG HAT SICH VOR DEM LANDGERICHT HAMBURG <lEGeN IIOLJDAYCIIECK DURCHGHSl:.TZT. DIE BETRLißJ::R J::lNES KOMMERZIELLEN BUCHUNGSPORT ALS MÜSSEN DEMNACH FÜR OIE RICHTJGKETT DER VON IHNEN VERBREITETEN ERI-AHRUNGSBERICHTE HAFJ J::N.
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WEBSEITE lNTLGRI BRTEN BEWERTUNGSPORTAL SEI KÜNFTIG SO NICHf MEHR MÖGLICH, HEISS'I ~S BEI A&O. WELCHE Bl!DEUTUNG KÖNNTE DAS FÜR DIE BRANCHE HA.BEN, lll!RR NUSSBAUM?

Ich heiße die Vorgchcnsweise von A&O für gut. Die Branche muss verstehen, dass Bewertungsportale keine Bewertungs-, sondern Buchungsportale sind. Mit Bewertungen allein lässt sich kein Geld verdienen. Plattformen wie zum Beispiel I IolidayCheck und TripAdvisor sind keine gemeinnützigen Einr ichtungen, sonde rn profitorientierte Unternehmen. Wenn Hoteliers sich dafür entscheiden, bei solchen Portalen nicht mitzumachen, dann muss das Portal das akzeptieren, kann sich nicht auf die Aussage zurückziehen : W ir sind eine Plattform zur Meinungsbildung - das ist das Unternehmen meiner Auffassung nach in erster Linie eben nicht. firmen wie HolidayCheck nutzen den Content, den sie bekommen, um ihre Position im Jnternet weiter zu stärken, bieten Hotels Direct Links sowie weitere Murketi ngmaßnahmen an und verdienen damit enormes Geld -Geld, das die I Jotellerie bezahlt. HolidayCheck ist ein Portal, das sein Geld nicht für, sondern mit der Hotellerie verdient. Deshalb würde ich mir wünschen, dass Initiativen wiedievonA&O-ChefOliver Winter dazu führen, dass Hoteliers künftig die Wahl haben - mache ich auf Portalen wie HolidayCbeck mit oder eben nicht. So ·wie es etwa bei HRS, Booking.com und anderen Plattformen der Fall ist. Bei Portalen wie HolidayCheck ist das leider noch anders. Und das finde ich nicht okay. <

Wir stellen fest, dass viele Drei- und Vier-Sterne-Ho-

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