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Deutsch (Thiel) Japan • Haiku

Deutsch (Thiel) Japan • Haiku
Deutsch (Thiel) Japan • Haiku

Der alte Teich. Ein Frosch springt hinein - Das Geräusch des Wassers

Auf kahles Astwerk hat sich die Krähe gesetzt:

Des Herbstes Abend

Nichts als die Stille! Tief in den Felsen gräbt sich der Schrei der Zikaden

Flöhe, Läuse - die Pferde pissen nahe bei meinem Kissen

Komm in die Hütte und bring vom Winde mit, der durch die Fichtenzweige weht

Der Herbst der Felder läuft durch die Gräser dahin als Windesrauschen

Sogar den Pferden schaut man verwundert nach im Schnee am Morgen

Im Frühlingsregen Geschichten sich erzählend gehen Schirm und Mantel

Die Efeublätter Mit vorwurfsvoller Miene im feinen Regen

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Dichten heißt in Japan Uta = Gesang Japanisches Dichten bedeutet, sein Fühlen in rhythmischen Klängen auszudrücken!

Japaner sind sehr feinfühlig und leben in ständiger Zurückhaltung. Dichtung ist ein Ausdruck aus dieser menschlichen Verhaltenheit. Sie ist gewissermaßen ein Sicherheitsventil für aufbrechende, strömende Gefühle. Dichtung ist eine Weise, in der der Japaner sein Sehnen und Fühlen in Worte fast. „So können wir zum Beispiel Wörter mit gleichem Klang und ver- schiedener Bedeutung (Homonyme), Stimmungen unseres Inneren ausdrücken.“ Homonyme sind immer doppelgesichtig, zweideutig, analog und komplementär. Diese Andeutung ist das Geheimnis der japanischen Dichtung! Erkärung Homonyme: Wörter, die mit anderen gleichlauten, aber in der Bedeutung unterschiedlich, oft gegensätzlich sind, z.B. Lerche – Lärche, Heide (Natur) – Heide (Mensch).

Das Haiku ist ein Jahreszeitengedicht. Es ist eine literarische Aussage, bei der die Form vorgegeben ist. Das Haiku wird bestimmt durch seine klassische Prägung. Es unterliegt strengen Regeln, die für das Haiku unabdingbar sind.

1) Eine lakonische Grundstimmung 2) Shasei 3) Der 5-7-5-Silben-Rhythmus 4) Bezug auf eine Jahreszeit 5) Das Jahreszeitenwort 6) Auslassung und Nachklang 7) Das Schneidewort

Die lakonische Grundstimmung Lakonisch (grich.): schnörkellos, auf das Wesentliche konzentriert. Also eine Wortkarge Mitteilung, eine trockene Feststellung ohne jeden überflüssigen Kommentar – kurz und treffend im Ausdruck! Der Begriff Shasei stammt aus der chin. Malerei und bedeutet soviel wie - ohne Zusätze und Ausschmückungen. Der 5-7-5 – Silben-Rhythmus 1. Zeile = 5 Silben • 2. Zeile = 7 Silben • 3. Zeile = 5 Silben Auslassung und Nachklang Die Beschränkung auf 17 Silben erlaubt nur Andeutungen, sodass Unausgesprochenes die Phantasie des Lesers anregt (Nachklang). Das Schneidewort (kireji) In der japanischen Sprache verteilen sich die 17 Silben des Haiku – im Durchschnitt – nicht mehr als auf sieben Wörter, von denen eins, das sogenannte Schneidewort, inhaltslos ist und eine Interjektion darstellt (meistens am Ende der zweiten Zeile).

eins, das sogenannte Schneidewort, inhaltslos ist und eine Interjektion darstellt (meistens am Ende der zweiten Zeile).