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STANDORTE EHEMALIGER NS-LAGER

die Burg als Schulungsstätte der Hitler-Jugend (Wehrertüchtigungslager) genutzt. Ab 1939 diente es als Kriegsgefangenenlager (Oflag IVA) für ca. 800 polnische und französische Offiziere. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion war es das Kriegsgefangenen-Stammlager IV A für Gefangene aus 12 verschiedenen Ländern, welche in Landwirtschaft und Industrie Zwangsarbeit leisten mussten. Im Mai 1945 wurden die Menschen befreit.

Außenlager des KZ Flossenbürg in der Sächsischen Schweiz
DRESDEN

Frühe Konzentrationslager in der Sächsischen Schweiz
DRESDEN ZSCHACHWITZ HOHNSTEIN

Im Polenztal 1, an der Mühle, informierte bis in die 1990-er Jahre eine Tafel darüber, dass die Kreuzung Polenztal als Apellplatz für die zur Arbeit ausrückenden Häftlinge des „Schutzhaftlagers“ diente. Die Marschkolonne der KZ-Häftlinge, von bewaffneter SA bewacht, kam täglich von der Burg an diese Kreuzung, die als Appellplatz diente. Hier wurde zur Arbeit eingeteilt. Eine Gruppe arbeitete im Steinbruch Heeselicht, die andere an der Verbreiterung der Wartenbergstraße. Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, primitive Werkzeuge, Häftlinge als Zugtiere. Der allabendliche Zählappell mit seinen vielfältigen Schikanen sollte dazu beitragen, die Widerstandskraft der Antifaschisten_innen zu brechen.

Burg Hohnstein —
ein frühes Konzentrationslager

HEIDENAU

MOCKETHAL-ZATSCHKE

PIRNA PORSCHDORF

Juristische Aufarbeitung
Am Landgericht Dresden wurde im Frühjahr 1935 gegen den Lagerkommandanten und 23 weitere Personen prozessiert. Ein ehemaliger Häftling berichtete dem stellvertretenden Chef der Dresdner Gestapo über die Misshandlungen. Dieser ließ daraufhin die gesamte SAWachmannschaft festnehmen und leitete Ermittlungen ein. In der Hauptverhandlung legten die Angeklagten umfassende Geständnisse ab. Der ehemalige Lagerkommandant wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, die Strafen der anderen Angeklagten lagen zwischen zehn Monaten und 3 3/4 Jahren. Bei allen Angeklagten wurden mildernde Umstände anerkannt. Immer wieder schaltete sich Gauleiter Mutschmann in den Prozess ein und forderte vom Justizminister Gürtner die Einstellung des Prozesses. Mutschmann wandte sich auch an Hitler. Gürtner sah durch die Einschaltung Dritter und die Umgehung der Richter die Strafrechtspflege bedroht, konnte sich aber letztendlich nicht durchsetzen. Hitler begnadigte Ende 1935 alle Verurteilten des Hohnstein-Prozesses. Nach Kriegsende fanden drei Prozesse in Dresden, Pirna und Freital gegen Angehörige der Wachmannschaft statt. Im ersten HohnsteinProzess (Mai/Juni 1949) standen in der Stadthalle am Nordplatz in Dresden 23 Angeklagte von Dresdner SA-Stürmen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht. Die verhängten Haftstrafen beliefen sich auf 1 Jahr bis 20 Jahre. Es gab drei Freisprüche. Der zweite Prozeß fand im Juli 1949 im Volkshaus Pirna statt. In ihm hatten sich 31 Angehörige der SA-Standarte 177 aus dem Kreis Pirna zu verantworten. Der Angeklagte Stachowski, der sich als „Burgfriseur“ mit sadistischen Exzessen an zahlreichen Gefangenen vergangen hatte, erhielt eine lebenslange Zuchthausstrafe. Auch die anderen Angeklagten mussten ins Gefängnis. Einer wurde freigesprochen. Im dritten Hohnstein-Prozeß in Freital im November 1949 verurteilte das Gericht einen Angeklagten zu lebenslangem, die Übrigen zu vier

STRUPPEN

HALBESTADT

KÖNIGSTEIN

bis 15 Jahren Zuchthaus bzw. zu Gefängnisstrafen zwischen einem und zwei Jahren. Insgesamt wurden die Angeklagten zu über 100 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Lagerleiter Jähnichen und sein Stellvertreter Friedrich standen nicht vor Gericht. Sie hatten sich in die Westzonen abgesetzt; Auslieferungsanträgen wurde nicht entsprochen. Jähnichen machte als Beamter Karriere. Lediglich ein stellvertretender Lagerleiter konnte zur Verantwortung gezogen werden: der SA-Sturmführer Friedrich Heinicke, den eines der 24 vollstreckten von 32 Todesurteilen in den „Waldheimer Prozessen“ traf. Er wurde am 4. November 1950 in Waldheim erhängt.

Die Herausgabe dieses Informationsblattes wurde unterstützt durch die Stadt Hohnstein und die Kreisvereinigung Sächsische Schweiz des VVN-BdA.

links: Am 1. November 1952 wurde eine Gedenkstätte eingeweiht. Mit einer Kundgebung, an der auch ehemalige Häftlinge teilnahmen, wurde am 2. Juli 1961 das noch heute vorhandene VVN-Denkmal eingeweiht. Nach der Jahrtausendwende wurde die braune Stele eingeweiht. Diese setzt, ganz dem Zeitgeist entsprechend, das Konzentrationslager der Nazis einem fiktiven Lager der Staatssicherheit der DDR, was es nicht gegeben hat, gleich. rechts oben: Der erste Schutzhäftling auf der Burg Hohnstein war der Sozialdemokrat und Herbergsleiter Konrad Hahnewald rechts unten: Gedenktafel in der Burg Hohnstein. „Lebensweg zum Schleifstein — Auf diesem Weg bewährte sich die Solidarität der Häftlinge gegen Terror und Verbrechen der SA — 1933–1934“

quellen Baganz, Erziehung zur Volksgemeinschaft, Berlin 2005 VVN Sächsische Schweiz, Unsere Heimat unterm Hakenkreuz, Pirna 2003 SED, Hohnstein – Jugendburg Ernst Thälmann, Dresden 1974 VVN Dresden, Von der Jugendburg Hohnstein zum Schutzhaftlager Hohnstein, Berlin-Potsdam, 1949 www.geschichte-pirna.de/Entnazifizierung.htm herausgeber Alternatives Kultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz e. V. Kirchgasse 2 · Pirna · www.akubiz.de

www.gedenkplaetze.info

Von 1924–1933 war die „Jugendburg Hohnstein“ eine der größten Jugendherbergen Deutschlands. Davor diente die Burg als Gefängnis. Am 8. März 1933 besetzten SA-Leute des SA-Sturmes 5/100 die Burg und richteten ein sogenanntes „Schutzhaftlager“ ein. Nach dem Reichstagsbrand setzte eine Verhaftungswelle gegen politische Gegner_innen ein. Ziel der „Schutzhaft“ war die Festigung des nationalsozialistischen Regimes und die „Umerziehung“ politischer Gegner_innen. Dies geschah durch Demütigungen, Erniedrigungen, Gewalt und Misshandlungen. Der erste Schutzhäftling auf der Burg Hohnstein war der Sozialdemokrat und Herbergsleiter Konrad Hahnewald. Bei der Übernahme der Burg durch die SA verweigerte er das Hissen der Hakenkreuzfahne. Daraufhin wurde er von seinem Posten enthoben und festgenommen. Wenige Tage später kam er dann zur „Sonderbehandlung“ ins Schutzhaftlager Königstein-Halbestadt. Ab 14. März 1933 trafen die ersten Häftlingstransporte aus Dresden, Freital, Pirna und Sebnitz ein.

Zwangsarbeit als Umerziehungsmaßnahme
In dem Schutzhaftlager waren ungefähr 5.600 Menschen inhaftiert. Darunter befanden sich 109 Frauen, sowie ca. 400 Kinder und Jugendliche. Fast zwei Drittel der Inhaftierten waren Kommunist_innen. Die Häftlinge wurden zur Arbeit gezwungen. Sie arbeiteten innerhalb und außerhalb der Burg. So verrichteten sie Handwerksarbeiten im Burggelände, arbeiteten in der Waschküche und reinigten die Zimmer, auch eine Schuhmacherei gab es im Lager. Die Wohnung des Lagerkommandanten, Rudolf Jähnichen aus Pirna, wurde von den Häftlingen eingerichtet. Einige übten weiterhin ihr erlerntes Kunsthandwerk aus, indem sie Landschaftsgemälde oder Portraits von SA-Führern malten. Außerhalb der Burg mussten sie Straßenarbeiten verrichten (Bau der Hohnsteiner Serpentine) und im Steinbruch an der Heeselichtmühle schuften. Sie arbeiteten auch am Sportplatz, im Baustelle in der Kurve 4 der Serpentine vom Hockstein zum Polenztal, der Wartenbergstraße. Zum Ausbau der Rennstrecke Hohnsteiner Rathaus, bauten ein Bad „Großdeutschlandring“ wurden die KZ-Häftlinge gezwungen. KZ-Häftlinge und SA-Wachmannschaft, 1933 in Rathewalde und errichteten einen Schießstand. Ebenso mussten sie private Arbeiten ausführen. So rissen sie ein Haus eines Bauern in CunnersDie Zahl der Todesfälle wird auf 140 Menschen geschätzt. Im Register dorf ab. Während dieser Arbeiten wurden sie regelmäßig von den sie des Standesamtes sind offiziell nur 8 Fälle gemeldet. Allerdings wurbewachenden SA-Männern misshandelt. den viele Häftlinge noch kurz vor ihrem Tod in die naheliegenden KranDie Bewachung der Häftlinge übernahm die Pirnaer SA-Standarte kenhäuser überstellt, wo sie an den Folgen der Misshandlungen star177, welche von der Dresdner SA-Standarte 100 unterstützt wurde. ben. Da ihnen dort eine andere Todesursache bescheinigt wurde, sind diese Todesfälle offiziell nicht dem KZ Hohnstein zugeordnet. Nach der Auflösung des KZ wurden nach Angaben der „Sozialistischen Aktion“ von 1935 (einer SPD-nahen Zeitschrift) 17 Leichen gefunden, u. a. auch zwei Eingemauerte. Bis heute konnte dies jedoch nicht genau bestätigt werden. Es ist möglich, dass sie auf dem Friedhof oder in Burgecken verscharrt worden sind. Einige Tote sind bis heute nicht aufgefunden worden.

Widerstand
Gegen die Faschisten und die menschenunwürdigen Bedingungen formierte sich Widerstand. Mitglieder der KPD und SPD bildeten eine illegale Lagerleitung, den sogenannten „Siebenerkopf“. Wichtige Positionen des Lagerbetriebes wurden mit zuverlässigen Häftlingen besetzt. Es wurden Lebensmittel verteilt und versucht, Inhaftierte zu schützen und zu warnen. Außerdem entwickelten sie Fluchtpläne und fälschten Anwesenheitslisten. Etwa 30 Personen konnte so erfolgreich zur Flucht verholfen werden. Am 28. April 1934 gelang Anton Jäger und Alfred Zeisler die Flucht. Am Tag darauf sprachen sie im Prager Rundfunk über die Bedingungen im KZ Hohnstein. Dies zog allerdings eine Strafe für die Insassen nach sich, dabei gab es vier Tote, 27 Schwer- und 50 Leichtverletzte. Mit Hilfe von außen, vor allem durch die VKA (Vereinigte Kletterabteilung, auch bekannt als „Rote Bergsteiger“), drangen Informationen über das Schutzhaftlager in die Öffentlichkeit. Sie übermittelten und tauschten Informationen mit Hilfe von sogenannten „Toten Briefkästen“ aus. Auf diesem Weg gelangten auch illegale Zeitschriften ins Lager. Das Lager bestand bis zum 25. August 1934. Ab 30. Juni 1934 löste das SS-Sonderkommando Sachsen die SA-Einheiten ab. Mit der Auflösung des Lagers wurden die Häftlinge ins KZ Sachsenburg überstellt. Dies dauerte bis zum 1. September 1934 an. Ab dem 18. April 1935 wurde

Misshandlungen waren alltäglich
Schläge und weitere Erniedrigungen erfuhren die Häftlinge schon gleich nach ihrer Ankunft. „Diese Misshandlungen gehörten zur Aufnahme wie Formalitäten, und nur ganz selten sind diese unterblieben“, berichtete ein ehemaliger Häftling. Gewalt gehörte zum täglichen Umgang mit den Häftlingen, sie wurden bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt und gefoltert, in den „Hungerbunker“ gesteckt oder mussten im Burggarten strafexerzieren. Außerdem wurden sie gezwungen, faschistische Lieder zu singen und stundenlang beim sogenannten Häftlinge beim Marsch um die Linde im KZ Hohnstein „Marsch um die Linde“ zu marschieren. Einige Schutzhäftlinge wurden mit einem Tropfgerät gefoltert, welches durch stundenlanges herunter tropfendes Wasser eitrige Entzündungen hervorrief. Die vorherrschenden Bedingungen und die menschenunwürdige Behandlung trieb einige Häftlinge aus Verzweiflung in den Freitod, entweder sprangen sie aus dem Fenster oder stürzten sich über die Burgmauer 80 Meter in die Tiefe.

Lagerleitung mit Mitgliedern der SA-Standarte 177 in Hohnstein, im Hintergrund sind Häftlinge zu sehen