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Pressekonferenz vom 05.12.

2005

Lancierung der „schweizerischen Stellenbörse für Freiwilligenarbeit“,


René Rhinow, Präsident SRK

Die internationale Rotkreuzbewegung ist mit 97 Mio. Freiwilligen die weltweit


führende Freiwilligenorganisation. Sowohl nach der Tsunami-Flutkatastrophe als
auch nach dem jüngsten Erdbeben in Pakistan standen zehntausende Rotkreuz-
Freiwillige unermüdlich im Einsatz.
Auch das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) stellt eine der grössten Freiwilligen-
organisationen unseres Landes dar. Im Jahr 2004 waren knapp 50'000 Freiwillige in
SRK-Organisationen im Einsatz; sie leisteten insgesamt über 1'700'000 unent-
geltliche Einsatzstunden.

Dass die Freiwilligenarbeit beim nationalen und internationalen Roten Kreuz eine
zentrale Rolle spielt, ist kein Zufall: Das Kernstück der weltweiten Rotkreuzbewegung
bilden die 7 Rotkreuz-Grundsätze der Menschlichkeit, der Unparteilichkeit, der
Neutralität, der Unabhängigkeit, der Einheit, der Universalität und der Freiwilligkeit.
Diese Freiwilligkeit – der freiwillig geleistete Einsatz zugunsten Bedürftiger – gehört
damit zum Selbstverständnis der Rotkreuzbewegung und stellt auch einen
Grundpfeiler des SRK dar.

Das Schweizerische Rote Kreuz setzt sich aus insgesamt 30 Mitgliedorganisationen


– 24 Rotkreuz-Kantonalverbänden und 6 Rettungsorganisationen – zusammen.
Dabei handelt es sich fast ausschliesslich um Freiwilligenorganisationen.

Die Rotkreuz-Kantonalverbände bieten einerseits schweizweit identische Dienst-


leistungen an und andrerseits solche, die auf die spezifischen Bedürfnisse der
betreffenden Region abgestimmt sind. Zu den schweizweiten Dienstleistungen zählt
beispielsweise der SRK-Fahrdienst für ältere, kranke und behinderte Menschen. Im
Rahmen dieses Angebots haben im Jahr 2004 mehrere tausend Freiwillige
landesweit über eine halbe Million Fahrdienststunden geleistet. Weitere Dienst-
leistungen der Rotkreuz-Kantonalverbände sind z.B. der SRK-Besuchsdienst für
Betagte, das Rotkreuz-Notrufsystem sowie der Hütedienst für kranke Kinder bzw. für
die Kinder erkrankter Eltern. – Alle diese Unterstützungsleistungen wären ohne das
Engagement einer grossen Anzahl Freiwilliger undenkbar.
Auch die Rettungsorganisationen Schweizerischer Samariterbund, Schweizerischer
Militär-Sanitäts-Verband, Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft und
Schweizerischer Verein für Katastrophenhunde gehören zum SRK.
Der Samariterbund bietet Ausbildungskurse im Rettungs- und Nothilfebereich für eine
breite Bevölkerung an, und seine Freiwilligen bestellen Sanitätsposten an (Gross-)
Veranstaltungen. Mit seinen über 35'000 Freiwilligen und mehr als einer halben
Million unentgeltlich geleisteter Einsatzstunden jährlich ist der Samariterbund klarer
Spitzenreiter unter den SRK-Organisationen. – Die Leistungen des viel kleineren
Militär-Sanitäts-Verbandes decken sich weitgehend mit denjenigen des Samariter-
bundes; der Verband ist jedoch in erster Linie in der ausserdienstlichen Weiter-
bildung von Angehörigen des Armeesanitätsdienstes und des Zivilschutzes tätig.
Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft ist auf die Verhütung von Unfällen
im und am Wasser spezialisiert. Sie führt u.a. Kurse in Rettungsschwimmen und
Wassersicherheit durch und leistet in der ganzen Schweiz wichtige Aufklärungsarbeit
zum Verhalten am Wasser. Der Schweizerische Verein für Katastrophenhunde
schliesslich bildet Teams, bestehend aus Mensch und Hund, zur Rettung Vermisster
und Verschütteter aus, und seine Freiwilligen beteiligen sich an Such- und
Bergungsaktionen.
In allen SRK-Organisationen engagieren sich Freiwillige nicht nur für die
Leistungserbringung an der Basis, sondern nehmen auch die ehrenamtlichen
Kaderfunktionen zur Führung der Organisation wahr.

Damit steht fest: Der Grundsatz der Freiwilligkeit stellt auch auf der praktischen
Ebene ein Herzstück des Schweizerischen Roten Kreuzes dar. Ohne Freiwilligen-
arbeit würden sämtliche der soeben aufgeführten Dienstleistungen zusammen-
brechen.
Dadurch entstünde nicht zuletzt ein grosser volkswirtschaftlicher Schaden: Die zu
Beginn erwähnten, über 1'700'000 Einsatzstunden, die im vergangenen Jahr durch
Freiwillige in SRK-Organisationen geleistet worden sind, entsprechen einem Volu-
men von 930 Jahres-Vollzeitstellen. Bei einem angenommenen Salär von CHF 30.-
pro Arbeitsstunde betrüge der monetäre Gegenwert 51,5 Mio. CHF.
Angesichts der Tatsache, dass die Finanzierung unserer Gesundheits- und Sozial-
leistungen für den Staat eine kaum mehr zu bewältige Herausforderung darstellt,
wird die Bedeutung der Freiwilligenarbeit in Zukunft noch zunehmen. Gleichzeitig
werden immer höhere qualitative Anforderungen an die Arbeit Freiwilliger gestellt.
Deren Aus- und Weiterbildung ist daher von zentraler Bedeutung.

Um aber Freiwillige gewinnen zu können, muss den Veränderungen der Zeit


Rechnung getragen werden. Menschen, die sich jahrzehntelang freiwillig für ein und
dieselbe Organisation engagieren, gibt es noch immer. Viele ziehen es heute aber
vor, sich in zeitlich klar limitierte Projekte einzubringen, wobei die jeweilige
Organisation eine untergeordnete Rolle spielt.
Die schweizerische Stellenbörse für Freiwilligenarbeit wird diesem Anliegen gerecht:
Sie ermöglicht es allen, eine auf ihre Vorstellungen und Fähigkeiten zugeschnittene
Freiwilligenarbeit zu finden.

Als Präsident des Schweizerischen Roten Kreuzes ist es mir ein grosses Anliegen,
die Aufwertung und Anerkennung der Freiwilligenarbeit voranzutreiben. Ich hoffe
sehr, dass die Freiwilligenarbeit auch in der aktuellen Revision des Mehrwertsteuer-
Gesetzes anerkannt und nicht mit Steuern belastet wird.