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PRAXISBEISPIEL FÜR EIN SOLARDACHKATASTER:

Osnabrück, 15.12.2008

AUSSCHNITT: „NÜRNBERGER NORDEN“

GLIEDERUNG:

1. RÄUMLICHE EINORDNUNG.................................................................................. 2

2. DATENGRUNDLAGE ........................................................................................... 3

3. VISUELLE DARSTELLUNG DER ERZIELTEN ERGEBNISSE .............................................. 4


3.1 GEBÄUDEERKENNUNG 4
3.2 VERSCHATTUNG 5
3.3 DACHNEIGUNG 6
3.4 EXPOSITION 7
3.5 GESAMTERGEBNIS 8
3.5.1 BESTIMMUNG DER GESAMTEIGNUNGSKATEGORIE 8
3.5.2 VISUELLE DARSTELLUNG DES GESAMTERGEBNISSES 9

4. STATISTISCHE AUSWERTUNG ............................................................................ 11

5. ZUSAMMENFASSUNG ....................................................................................... 15

KONTAKT:
GEOPLEX (Unternehmen in Gründung)
Seminarstr. 19 a/b 49069 Osnabrück
Fon.: +49 541 969-4762
Fax.: +49 541 969-4073
info@geoplex.de
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1. RÄUMLICHE EINORDNUNG
Der zur praxisnahen Visualisierung eines digitalen Solardachkatasters ausgewählte
Quadratkilometer liegt im nördlichen Randbereich Nürnbergs und ist dem Stadtteil
Großreuth zuzuordnen. Als Landmarks sind in Richtung Norden der 1,5 km entfernte
Airport Nürnberg und der nordöstlich an Großreuth angeschlossene Volkspark Marien-
berg zu nennen. Westlich und östlich grenzen die Nordwest- bzw. Nordöstliche Außen-
stadt an die Beispielregion, während sich in Richtung Süden die Altstadt und die enge-
re Innenstadt anschließen. Verkehrstechnisch wird Großreuth durch die Kilianstraße
und die Bundesstraßen B2 und B4 erschlossen.

ABB. 1: Kartenausschnitt zur kleinräumigen Einordnung der ausgewählten Beispielregi-


on (rotes Rechteck).(Quelle: Google Maps).

Die kleinräumliche Orientierung wird im Folgenden anhand von Straßen bzw. Straßen-
zügen gegeben (vgl. Abb. 1). Nördlich endet der untersuchte Quadratkilometer knapp
unterhalb der von West nach Ost geführten Kilianstraße. Westlich begrenzt eine ge-
dankliche Verlängerung des Straßenzuges Grünewaldstraße/Röthensteig die Beispiel-
region; während das Areal in Richtung Osten kurz vor der Schopenhauerstraße endet.
Südlich schließen die Schiller- bzw. die Kobergerstraße das untersuchte Gebiet ab. Im
Beispielausschnitt selbst sind einerseits der zentral von West- nach Ost verlaufende
Nordring und die etwas nördlich gelegene Eisenbahnlinie Nürnberg-Fürth mit dem vom
Nordbahnhof kommenden Zubringer zur Orientierung hilfreich.

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Hinsichtlich der strukturellen Gliederung ist das Areal als Mischbebauung anzuspre-
chen. So ist der südliche Teil des Beispielausschnittes neben dem Nordbahnhof, dem
Wertstoffhof und einem größeren Gewerbekomplex am südöstlichen Rand vorwiegend
durch Wohnbebauung geprägt. Im nördlichen Teil haben sich dahingegen entlang der
Bahnlinie Nürnberg-Fürth verschiedene Industrie- bzw. Gewerbebetriebe angesiedelt,
die das Ortsbild dominieren. Diese strukturelle Diversität des Untersuchungsgebietes
eignet sich zur Verdeutlichung einerseits der selektiven Gebäudeerkennung sowie der
allgemeinen Funktionsweise des Solardachkatasters.

2. DATENGRUNDLAGE
Zur Generierung eines digitalen Solardachkatasters am Beispiel „Nürnberg Norden“
wurden ausschließlich Airborne Laserscannerdaten verwendet. Die Daten stammen aus
einer Befliegung im Jahr 2006 und verfügen über eine Genauigkeit von einem Mess-
punkt pro Quadratmeter. Bezugsquelle der Daten war das Bayerische Landesvermes-
sungsamt. Folgende Abbildung 2 zeigt das Höhenprofil der verwendeten Laserscanner-
daten.

ABB. 2: Höhenprofil der verwendeten Laserscannerdaten (2006).

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Die verwendeten ALS-Daten sind flächendeckend für den Bereich Nürnberg/Erlangen


vorhanden und über das Bayerische Landesvermessungsamt verfügbar. Für die rech-
nerische Umsetzung des digitalen Solardachkatasters reicht die Datenqualität aus, wo-
bei eine Reduzierung der Qualität zu Gunsten eines niedrigeren Preises nicht sinnvoll
erscheint.

Zum visuellen Abgleich der im folgenden geschilderten Ergebnisse ist die Einsicht ent-
sprechender Luftbilder über Google Maps oder Google Earth möglich.

3. VISUELLE DARSTELLUNG DER ERZIELTEN ERGEBNISSE

3.1 GEBÄUDEERKENNUNG
Die folgende Abbildung 3 zeigt die Ergebnisse der Gebäudeerkennung im Untersu-
chungsgebiet. Es ist anzumerken, dass nur Flach- und Spitzdächer mit mindestens 50
m² selektiert wurden.

LEGENDE:

GEBÄUDEERKENNUNG:

SPITZDACH

FLACHDACH

ABB. 3: Darstellung der Gebäudeerkennung (rot = Spitzdach; blau = Flachdach).

Mit Blick auf die obige Abbildung 3 bleibt festzuhalten, dass die vorliegende Datenqua-
lität eine sehr gute Gebäudeerkennung im Bezugsraum ermöglicht. Sowohl Flach- als
auch Spitzdächer über 50 m² Fläche wurden zu 98 % extrahiert.

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3.2 VERSCHATTUNG
Zur rechnerischen Umsetzung der Verschattungsrestriktion wird zunächst der Son-
nenstand für verschiedene Zeitpunkte am Tag und im Jahr berechnet. Die Anzahl der
untersuchten Tage und Uhrzeiten ist dabei variabel einstellbar. Folglich bestimmt ein
komplexer Algorithmus für jeden Laserscannerpunkt gesondert seine verschattende
Wirkung auf die einzelnen Laserscannerpunkte jeder Dachseite in Abhängigkeit vom
jeweiligen Sonnenstand. Die errechneten Ergebnisse werden zunächst gesammelt und
gehen folglich in die Bewertung der einzelnen Dachseiten hinsichtlich ihrer Eignung
ein.

++
ABB. 4: Grad der Verschattung im Untersuchungsgebiet (schwarz bzw. ++ = stark
verschattet / weiß bzw. – – = nicht verschattet). Exemplarisch für den 01.08.2008
dargestelltes Ergebnis.

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3.3 DACHNEIGUNG
Abbildung 5 zeigt die Ergebnisse der Dachneigungsberechnung. Dabei ist anzumerken,
dass vor dem Hintergrund des Untersuchungszusammenhangs nur Dächer mit einer
Neigung von unter 4 ° als Flachdach erkannt wurden (nach BauO ist ein Dach mit bis
zu 10 ° Neigung als Flachdach zu bezeichnen). Derartige Grenzwerte sind jedoch mit
Blick auf die genaue Ausformulierung des Untersuchungsrahmens anzupassen.

LEGENDE:
0° - 3° 11° - 20° 31° - 40° > 50°

4° - 10° 21° - 30° 41° - 50°

ABB. 5: Kategorisierte Darstellung der errechneten Dachneigungen.

Bei der Dachneigungsberechnung gilt eine Toleranzgenauigkeit von 2 °. Vor diesem


Hintergrund kann es im Einzelfall trotz geringer Abweichungen zu einer widersprüchli-
chen Kategorievergabe kommen. Im Rahmen der programminternen Eignungsberech-
nungen fällt diese Tatsache jedoch nur marginal ins Gewicht, weil hier mit den absolu-
ten Werten gearbeitet wird.

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3.4 EXPOSITION
Im Rahmen der Expositionsberechnungen wurden zunächst nördlich ausgerichtete
Dachseiten von der Eignung ausgeschlossen. Alle sonstigen Ausrichtungen wurden ih-
rer Eignung entsprechend kategorisiert und gewichtet. Abbildung 6 zeigt die Ergebnis-
se.

LEGENDE:

SÜD SSW SW WEST FLACHDACH

SSO SO OST NORD

ABB. 6: Kategorisierte Darstellung der Exposition einzelner Dachseiten.

Auch im Rahmen der Expositionsberechnungen gilt die Toleranzgenauigkeit von 2 °.


Die so in Einzelfällen scheinbar widersprüchliche Kategorievergabe fällt jedoch auch
hier im Rahmen der programminternen Eignungsberechnungen aufgrund der hier ab-
soluten Werten nur marginal ins Gewicht.

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3.5 GESAMTERGEBNIS

3.5.1 BESTIMMUNG DER GESAMTEIGNUNGSKATEGORIE

Die Bestimmung der Gesamteignungskategorie muss für Flach- und Spitzdächer ge-
trennt betrachtet werden. So richtet sich die Eignung von Spitzdächern nach den vier
Restriktionen Verschattung, Dachneigung, Größe und Exposition während Flachdächer
nur nach Größe und Verschattung zu beurteilen sind. Das Kriterium einer geeigneten
Mindestgröße wurde bereits vor der eigentlichen Kategorisierung über den Ausschluss
von Dachflächen unter 50 m² umgesetzt. Das Kriterium der Verschattung ist über die
Quantifizierung der verschatteten Fläche gelöst worden. Das bedeutet, dass im Jahres-
verlauf aus südlichen Himmelsrichtungen (Südost bis Südwest) regelmäßig verschatte-
te Flächen als ungeeignet betrachtet und somit ausgeschlossen wurden. Damit ist die
Untersuchung der Flachdächer methodisch abgeschlossen.

Für die Spitzdächer verbleiben die Restriktionen Dachneigung und Exposition. Diese
Kriterien wurden im Sinne der folgenden Abbildung 7 gegenübergestellt und in Verbin-
dung mit den Restriktionen Größe und Verschattung einer Gesamteignungskategorie
zugewiesen.

ABB. 7: Ertragserwartung in Abhängigkeit von Exposition und Dachneigung.


Quelle: www.photovoltaik-profit.de.

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3.5.2 VISUELLE DARSTELLUNG DES GESAMTERGEBNISSES

Die visuelle Darstellung der Gesamtergebnisse erfolgt aus Gründen der Übersichtlich-
keit für Flach- und Spitzdächer getrennt. So zeigt Abbildung 8 das kategorisierte Ge-
samtergebnis für Spitzdächer, während Abbildung 9 die Eignung der Flachdächer dar-
stellt. Die jeweilige Ertragserwartung eines Daches wird dabei im Sinne der Abbildung
7 sowohl in Prozent als auch in kWh/m² * a angegeben.

LEGENDE: NORDDÄCHER

124 – 130 / 95- 99 114 – 119 / 85- 89 SONDERKLASSE

119 – 124 / 90- 94 110 – 114 / 80- 84 FLACHDÄCHER

ABB. 8: Ertragserwartung der Spitzdächer im Untersuchungsgebiet (in kWh/h * a


und %) (Erträge bei 12 % Wirkungsgrad der PV-Module).

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Zur Darstellung der Ertragserwartung von Spitzdächern im Beispielausschnitt ist an-


zumerken, dass die weniger geeignete Seite eines Dachseitenpaares im Falle einer
Neigung von unter 15 ° nicht von der Eignung ausgeschlossen und, weil hier spezielle
Aufbausysteme greifen können, zu einer Sonderkategorie zusammengefasst wird.

Folgende Abbildung 9 zeigt das nach nicht verschatteter Fläche kategorisierte Ergebnis
für Flachdächer. Unter der Vorraussetzung, dass bei optimaler Ausrichtung und Nei-
gung der Module 40 % der Dachfläche nutzbar sind, ist pro Quadratmeter ein Ertrag
von 130 kWh/a bei 12 % Wirkungsgrad zu erzielen.

LEGENDE:
> 1000 500 - 1000 200 - 500 100 - 200 < 100

SPITZDACH

ABB. 9: Eignung der Flachdächer nach nicht verschatteter Fläche (Kategorien in m²).

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4. STATISTISCHE AUSWERTUNG

TAB. 1: Solarenergiepotentiale der Flachdächer im Untersuchungsgebiet.

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3. STATISTISCHE AUSWERTUNG

TAB. 2: Quantifizierung aller Spitzdächer im Untersuchungsgebiet.

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TAB. 3: Solarenergiepotentiale der Spitzdächer im Untersuchungsgebiet (Teil I).

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TAB. 4: Solarenergiepotentiale der Spitzdächer im Untersuchungsgebiet (Teil 2).


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5. ZUSAMMENFASSUNG
Zusammenfassend lassen sich auf Basis der visualisierten Ergebnisse und ihrer statis-
tischen Auswertung zum untersuchten Quadratkilometer folgende Aussagen treffen:

Zunächst wurden mit einer Genauigkeit von 98 % ab einer Mindestgröße von 50 m²


236 Flachdächer und 520 Spitzdachseiten erkannt. Auf die Flachdächer im Bezugsraum
entfällt eine Gesamtfläche von 74.174 m², davon 41.143 m² auf Dächer über 500 m²
Größe. Zusammengenommen ergeben die Spitzdächer eine Gesamtfläche von 138.021
m², wobei 47.503 m² Dächer über 500 m² repräsentieren.

Hinsichtlich der Eignung der Spitzdächer wurden insgesamt 32.368 m² der Eignungs-
klasse I zugeordnet. Dabei sind 31.936 m² nicht bzw. nicht maßgeblich verschattet
und somit für die Installation von Aufdach-PV-Anlagen sehr gut geeignet. Von diesen
136 Dächern sind 9 mit einer Gesamtfläche von 7934 m² über 500 m² groß. Hier
könnten zwischen 974.898 und 1.030.380 kWh Strom pro Jahr produziert werden. Auf
allen Spitzdächern im Bezugsraum ließen sich bei optimaler Installation der Anlagen
Erträge zwischen 7.674.143 und 8.057.686 kWh/a erzeugen. Auf allen Spitzdächern
über 500 m² (Gesamtfläche: 47.503 m²) lägen die Erträge zwischen 2.715.390 und
2.848.227 kWh/a.

Bei den Flachdächern entfallen insgesamt 38.538 m² nicht oder nicht maßgeblich ver-
schattete Flächen auf Dächer über 500 m² Größe. Auf diesen Flächen ließen sich mit
entsprechend installierten Systembaumodulen bei hinreichender Statik bis maximal
2.269.631 kWh/a Solarstrom ernten. Auffallend ist hier, dass der Grad der Verschat-
tung von den kleinsten Dächern mit unter 100 m² bis zu den potentiell ertragreichsten
Dächern ab einer Größe von 1.000 m² tendenziell stark abnimmt. Somit stechen große
Flachdächer hinsichtlich ihrer Eignung hervor. Alle Flachdächer zusammen könnten ei-
nen Ertrag von 4.108.338 kWh/a liefern.

Hinsichtlich des Ausbaus großer, industriell geprägter Flachdächer zur Stromprodukti-


on mit Photovoltaik bestehen innerhalb des untersuchten Quadratkilometers mit
2.269.631 kWh/a erhebliche Potentiale. Bei der wirtschaftlichen Umsetzung der
maßgeblichen Restriktionen Verschattung und Größe ergeben sich darüber hinaus auf
derartigen Dächern kaum Probleme (vgl. hierzu statistische Auswertung: Anteil nicht
verschatteter Flächen an der Gesamtfläche). Jedoch ist an dieser Stelle zu beachten,
dass der untersuchte Quadratkilometer eine Stichprobe darstellt und eher industriell
bzw. gewerblich geprägt ist. Eine endgültige Aussage über die landes- bzw. bundes-
weiten Potentiale von großen Flachdächern zur Stromproduktion mit Photovoltaik kann
nur eine entsprechend großflächig angelegte Untersuchung bringen.

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