Sie sind auf Seite 1von 14

Tibet oder die Frage der Minoritäten in der VR China

Sabine Krause

Quelle: http://www.chinafokus.de/nmun/6_liste.php

Einleitung

1

Die ethnischen Gruppen in der VR China

2

Religionszugehörigkeiten der einzelnen Minderheiten

2

Siedungsräume der einzelnen Minderheiten

2

Autonomie in der VR China

3

Tibet

4

"Ist Tibet ein Teil der VR China und wenn ja warum?"

4

Historische Argumentation der Zugehörigkeit Tibets

5

Tang Dynastie - die ersten Kontakte

5

Yuan Dynastie - Mongolen und Tibeter

6

Qing Dynastie - der Anfang vom Ende

7

1911-1950 Die Jahre der Unabhängigkeit

7

"Heim ins Reich"14 - Tibet ab 1950

8

Das Konzept der Reinkarnation

9

Soziale Argumentation der Zugehörigkeit Tibets

10

Zukünftige Problemfelder in Tibet

11

Reinkarnationsfindung

11

Gebietsfrage

11

Kulturbewahrung

12

Fazit

12

Literatur

14

Einleitung

Die Tibetfrage beschäftigt seit der "Befreiung" Tibets im Jahr 1951 Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen, Politiker aber auch Privatpersonen weltweit. Was ist es, das das Interesse an diesem kleinen Volk, das verhältnismäßig lange vor den Augen der Welt verborgen auf seinem Hochplateau zu Füßen der höchsten Gipfel der Welt lebte, so zu fesseln vermag? Zum einen sicherlich seine jahrtausendealte, bis in die 50er Jahre dieses Jahrhunderts erstaunlich funktionsfähige, geistliche Kultur. Zum anderen aber sicherlich auch das Charisma und die Medienpräsenz des tibetischen Oberhaupts, des 14. Dalai Lama, der nicht müde wird, mit friedlichen Mitteln für die Autonomie seines Landes zu kämpfen. Obwohl die Tibeter nur eine der in der Volksrepublik China lebenden Minderheiten sind, und nicht einmal die größte, sind sie diejenigen, deren zeitweise grausame Unterdückung international zu Protesten Anlaß gegeben hat. Um die heutige Stellung Tibets sowie der anderen Minderheiten der Volksrepublik China beurteilen zu können, soll in der vorliegenden Arbeit zunächst Hintergrundwissen über die Situation der Minderheiten in China generell und Tibets im besonderen bereit gestellt

werden. Anschließend soll die Geschichte der Beziehungen zwischen China und Tibet auszugsweise dargestellt werden, da in diesem Zusammenhang die Hauptargumente beider Seiten für die Zugehörigkeit Tibets genannt werden.

Die ethnischen Gruppen in der VR China

Die Volksrepublik China umfaßt 56 Ethnien, die in der Volkszählung von 1990 wie folgt erfaßt wurden: die größte Gruppe sind die Han, die 91,96% der Gesamtbevölkerung stellen; die anderen 55 Volksgruppen haben demnach zusammen nur einen Anteil von 8,04% der Bevölkerung. Diese 55 Ethnien sind hauptsächlich an den Grenzen Chinas angesiedelt und ihrer Größe nach angeordnet handelt es sich um die Zhuang, Hui, Uyguren, Yi, Miao, Mandschu, Tibeter, Mongolen, Tujia, Bouyei, Koreaner, Dong, Yao, Bai, Hani, Kazachen, Dai, Li, Lisu, She, Lahu, Va, Shui, Dongxiang, Naxi, Tu, Kirgisen, Qiang, Daur, Mulam, Gelo, Xibe, Jingpo, Salar, Blang, Maonan, Tajiken, Pumi, Nu, Achang, Ewenki, Jino, Usbeken, Jing, Deang, Yugur, Bonan, Moinba, Drung, Oroqen, Tataren, Russen, Gaoshan, Hezhen und Lhoba. Die Zhuang waren in der Volkszählung von 1990 als größte Gruppe 13,38 Millionen stark, die Lhoba dagegen bestehen nur aus 2312 Angehörigen. Interessant im Zusammenhang dieser Arbeit ist, daß Tibet mit seinen 4,5 Millionen Angehörigen erst an siebter Stelle steht.1 Die Sprache und Schrift der Han sind das sogenannte "Mandarinchinesisch", die offizielle Landessprache und eine Arbeitssprache der Vereinten Nationen. Die Hui und die Mandschus nutzen ebenfalls Han zur Verständigung, wohingegen die restlichen 53 Minderheiten ihre eigenen Sprachen sprechen und 23 davon sogar über eine eigene Schrift verfügen.

Religionszugehörigkeiten der einzelnen Minderheiten

In der VR China herrscht Religionsfreiheit, solange die jeweilige Religion keine staatsfeindlichen Inhalte hat. Die am weitesten verbreiteten Religionen sind der Taoismus, der Buddhismus, der Islam sowie das Christentum (ev.+ kath). Minderheiten folgen ihren eigenen Traditionen diesbezüglich: Hui, Uyguren, Kazachen, Kirgisen, Tataren, Uzbeken, Tajiken, Dongxiang, Salar und Bonan sind Moslems. Tibeter, Mongolen, Lhobas, Moinbas, Tus und Yugur sind Anhänger des Lamaismus, einer Unterart des Buddhismus, die im Bereich des tibetischen Hochplateaus entstanden ist und auch nur dort ihre Anhänger findet. Dai, Blang und Deang sind Anhänger des sogenannten "lesser vehicle" Buddhismus. Die meisten Miao, Yao und Yi sind Christen.

Siedungsräume der einzelnen Minderheiten

Wie bereits oben erwähnt, siedeln die ethnischen Minderheiten entlang den chinesischen Grenzen im Westen und Südwesten des Landes und es gibt kaum Migration der einzelnen

Völker aus ihren angestammten Gebieten heraus, wohl aber große Zuströme der Hanchinesen in die jeweiligen Gebiete. Dies liegt unter anderem an der Tatsache, daß die Siedlungsgebiete der Minderheiten deutlich weniger dicht besiedelt sind mit im Schnitt 13 Bewohnern pro qkm im Vergleich zu 360 Bewohnern pro qkm in den

Küstenregionen.2

Andererseits darf nicht übersehen werden, daß die Gebiete an der

Westgrenze Chinas zu den unwirtlichsten in ganz Asien gerechnet werden können, da sie entweder sehr hoch liegen, vgl. tibetisches Hochplateau mit einer durchschnittlichen Höhe von mehr als 4000m ü.d.M, oder aber größtenteils aus Wüsten bestehen, vgl. Gobi, Taklamakan. Die minderheitenreichste Provinz ist Yunnan (im Süden des Landes, Hauptstadt Kunming) mit 20 Nationalitäten. Interessant ist, daß trotz ihres geringen Anteils an der Bevölkerung 64,3% der Gesamtfläche von ganz China von Minderheiten bewohnt werden. Diese Tatsache stellt in Kombination mit der bereits erwähnten relativ geringen Zahl der Angehörigen nationaler Minderheiten den Hauptunterschied zu anderen traditionellen Vielvölkerstaaten wie bspw. der früheren UdSSR dar; in der UdSSR lag der Anteil der russischen Bevölkerung bei knapp 50%. Den größten Minderheiten wird insofern Rechnung getragen, als es fünf autonome Regionen (AR) gibt:

die Innere Mongolei, Ningxia Hui AR, Xinjiang Uygur AR, Guangxi Zhuang AR und Tibet AR. Des weiteren gibt es 30 autonome Präfekturen sowie 124 autonome Bezirke (counties). Hong Kong und Macao stellen weitere Sonderverwaltungsgebiete dar, auf die aber im Zusammenhang dieser Arbeit nicht eingegangen werden soll.

Autonomie in der VR China

Trotz der Tatsache, daß der Anteil der Nichtchinesen an der Gesamtbevölkerung Chinas sehr gering ist, hat das kommunistische China sich von Anfang an bemüht, relativ weitreichende Grundrechte für diese Minderheiten rechtlich festzulegen. So gibt es beispielsweise Sonderquoten für Angehörige der nationalen Minderheiten bei der Geburtenplanung oder dem Zugang zu höherer Bildung und generell werden Eigenarten wie Sprache, Schrift und Brauchtum durchaus toleriert und sogar zum Teil gefördert. Gründe hierfür waren zum einen die moralische Verpflichtung als Befreier von den vorhergehenden Herrschern, seien es nun Kaiser, Ausländer oder die Goumindang - es hätte sich schlecht verkaufen lassen, als "Befreier" die Unterdrückungspolitik der Vorgänger fortzusetzen - und zum anderen realpolitische Überlegungen. Da die Minderheiten wie bereits erwähnt an den Grenzen siedeln, wollte man der Möglichkeit von grenzübergreifenden Konflikten mit den Nachbarstaaten vorbeugen und im Gegenteil sogar den Minderheiten jenseits der Grenze die Musterhaftigkeit des chinesischen Umgangs mit den Minderheiten vorleben. In der Verfassung der VR China von 1954 sind in Artikel 4 sowie den Artikeln 37ff und 50ff bereits erstaunlich weitreichende Rechte für die Minderheiten niedergelegt, die in der Verfassung von 1982 dann erweitert und in dem Autonomiegesetz von 1984 endgültig präzisiert werden. Die entsprechenden Texte finden sich im Anhang, daher wird hier nicht auf Details eingegangen werden.3 Daß die Situation der Minderheiten in der VR China, insbesondere Tibets, heute von vielen Organisationen mit Sorge betrachtet wird, liegt daran, daß die VR China prinzipiell Schwierigkeiten hat, bestehende Gesetze in die Tat umzusetzen, da keine juristische Kultur besteht. "Mangelndes Rechtsbewußtsein, das Fehlen von Rechtsinstitutionen wie insbesondere Verwaltungs- und Verfassungsgerichte sowie die Dominanz der Partei über Staat und Recht machen (die Autonomie-) Bestimmungen weithin bedeutungslos."4 Ein weiteres Problem stellt für viele Minderheiten die Einführung der "demokratischen Reformen" dar, da mit ihnen die bestehenden Besitz- und Herrschaftsverhältnisse umgekrempelt wurden, was sich bei etlichen der Minderheiten (so z.B. auch in Tibet) in Änderungen der gesamten Gesellschaftsstruktur und somit massiven Eingriffen in die

gesamte Kultur niederschlug. Im Sinne der kommunistischen Gleichstellung aller Bürger sollten auch die Minderheiten assimiliert werden und der chinesische Weg der Assimilierung war schon in Kaiserzeiten die Bekehrung zur chinesischen als der besten aller Kulturen. Diese Sinisierung erfolgt auch heute noch im Rahmen der Gleichstellungspolitik aller chinesischen Bürger mittels Massenansiedlung von Hanchinesen und Durchdringung mit hanchinesischer Bildung und mittels der Einbindung in hanchinesisch dominierte Herrschafts- und Staatsstrukturen. Sie ist das Hauptproblem aller Minderheiten, da sie zwar gewaltfrei aber unaufhaltsam vor sich geht und keinerlei rechtliche Handhabe gegen sie vorliegt.

Tibet

"Die Tibeter und ihre ausländischen Sympathisanten beschreiben Tibet als ein seit alter Zeit unabhängiges und in seinen Eigenschaften unverwechselbares Land, das zwar von China immer wieder angegriffen und zeitweise besetzt, nie aber dauerhaft unterworfen worden und erst 1951 unter ein Okkupationsregime geraten sei, dessen Ziele darin bestünden, die tibetische Zivilisation und vielleicht sogar die Bevölkerung

auszulöschen."5

"Now, in socialist China, the broad masses of the Tibetan people have been liberated from the feudal politico-religious system, and they are enjoying personal freedom and leading a happy life."6 Betrachtet man diese beiden Ausagen hochrangiger Politikwissenschaftler, so wird die Kluft zwischen den Fronten deutlich sichtbar. Besonders tragisch in diesem Zusammenhang ist, daß beide Ausagen vorgeben, den tibetischen Standpunkt wiederzugeben, was verdeutlicht, inwieweit es den chinesischen Behörden bereits gelang, in den knapp 50 Jahren ihrer Besatzung Einfluß auf das tibetische Selbstverständnis auszuüben. In der Folge soll versucht werden, ein umfassendes Verständnis der Tibetproblematik zu ermöglichen.

"Ist Tibet ein Teil der VR China und wenn ja warum?"

Um auf die Tibetfrage umfassend eingehen zu können, müssen viele Aspekte berücksichtigt werden. Im Hinblick auf das politische Gewicht der VR China soll in dieser Arbeit im wesentlichen entlang der Pekinger Argumentation vorgegangen werden. Interessant ist hierbei, daß sich das heutige China immer noch auf Ansprüche aus der

Kaiserzeit und damit aus einer Epoche, die es eigentlich mit allen Folgeerscheinungen abzuschaffen angetreten war, stützt, was zusammen mit den diversen Manifestationen der Autonomie für Tibet deutlich macht, daß es sich bei der Tibetfrage um mehr als einen ideologischen Konflikt zwischen lamaistischem Buddhismus und Kommunismus handelt, nämlich einen nationalen Konflikt. Inwiefern innerhalb dieses Konfliktes zu Recht unterschiedliche Meinungen auftreten und wie diese begründet werden, soll in den folgenden Kapiteln aufgezeigt werden. Ebenso wird auf die unterschiedlichen Argumentationsansätze eingegangen werden sowie deren genaueren Zeitumständen Rechnung getragen. Zuvor jedoch die Gründe, warum die VR China so sehr an Tibet interessiert ist. Laut

Oskar Weggel sind hierbei im wesentlichen fünf Punkte zu berücksichtigen.7

einen die "historische Obsession", derzufolge eine Aufgabe Tibets einen Gesichtsverlust für China darstellen würde. Des weiteren das strategische Interesse Chinas an der Region,

Zum

in der verschiedenste Raketenstellungen (Mittelstrecken- und Interkontinentalraketen) die gemeinsame Grenze mit der Atommacht Indien sichern sowie eventuelle Angriffe aus dem Westen abschrecken sollen. Drittens ist Tibet ein Rohstofflager; die größten Vorräte Chinas an Chrom, Bor und Kupfer werden hier vermutet und aufgrund seiner Größe und vergleichsweise dünnen Besiedelung bietet sich Tibet auch als Endlagerungsstätte für gefährlichen Müll aller Art an. Außerdem füllt das rege Interesse vieler Menschen an der tibetischen Kultur die chinesischen Devisenvorräte auf.

Historische Argumentation der Zugehörigkeit Tibets

Bei der Auseinandersetzung mit der chinesischen Argumentation müssen bestimmte Besonderheiten berücksichtigt werden. So hat Geschichte in China schon immer einen traditionell hohen Stellenwert, was u.a. daran deutlich wird, daß es im alten China eigens

die Stellung eines Geschichtsschreibers am kaiserlichen Hof gab, der die Aufgabe hatte, die Geschichte im Sinne der jeweils regierenden Dynastie zu verfassen, d.h. nicht so, wie sie sich tatsächlich zutrug, sondern so, wie sie sich hätte zutragen sollen. Allgemeingültig für alle Dynastien war das Mittelpunktsdenken Chinas und das sich daraus ableitende Überlegenheitsgefühl gegenüber anderen Völkern, was zu überzogenen Interpretationen bestimmter historischer Gegebenheiten führte; so waren Gesandte fremder Völker prinzipiell Tributpflichtige, die ihren Gehorsam unter Beweis stellen wollten, erhielt ein ausländischer Herrscher einen Ehrentitel, so wurde daraus gefolgert, daß er die

Oberhoheit des chinesischen Kaisers anerkannte usw

Nach der Machtübernahme der

Kommunisten änderte sich wenig an dieser Argumentationsweise und so werden noch heute Gebietsansprüche auf diese Art gerechtfertigt (vgl. bspw. die Auseinandersetzung Chinas mit Vietnam und den Philippinen um Inseln im Südchinesischen Meer). In Tibet dagegen war man nie an einer derart "historischen Fixierung weltlicher Vorgänge"8 interessiert, was seine Beweisführungschancen gegenüber einem Land wie China, in dem

seit Jahrhunderten kontinuierlich eine "überaus normative" 9

gepflegt wurde, gering erscheinen läßt. Dennoch lassen sich beim genaueren Hinsehen

durchaus stichhaltige Gegenpositionen für Tibet finden.

durchaus stichhaltige Gegenpositionen für Tibet finden. Geschichtsschreibung Tang Dynastie - die ersten Kontakte

Geschichtsschreibung

Tang Dynastie - die ersten Kontakte

Laut chinesischer Darstellung beginnt das engere chinesisch-tibetische Verhältnis in der Tang Dynastie (618-907) mit der Heirat des legendären Begründers und ersten König Tibets, Songtsen Gampo, mit der chinesischen Prinzessin Wen Zheng im Jahr 641, die dann auch, neben vielen anderen zivilisatorischen Errungenschaften, den Buddhismus mit nach Tibet gebracht haben soll. Demgegenüber steht die von der Pekinger Argumentation schlichtweg unterschlagene Tatsache, daß Wen Zheng die vierte Frau Songtsen Gampos war, der neben zwei einheimischen Adligen bereits vier Jahre vor Wen Zheng die nepalesische Prinzessin Bhrikuti Devi geheiratet hatte, die ebenfalls Buddhistin war. Somit war diese die erste historisch nachweisbare Person, die den Buddhismus nach Tibet einführte und noch bis ins 12. Jahrhundert orientierte sich die kulturelle Entwicklung Tibets eher an ihrem südlichen Nachbarn Indien als an China. 10 Die Hochzeit mit Wen Zheng war jedoch insofern von goßer Bedeutung, als Songtsen Gampo jetzt Schwiegersohn des chinesischen Kaisers war und als solcher viele Titel und Ehrenbezeugungen verliehen bekam, die sein Ansehen und seine Position im eigenen Land festigten. Daher wurde es auch noch von seinen Nachfolgern als äußerst attraktiv

und seine Position im eigenen Land festigten. Daher wurde es auch noch von seinen Nachfolgern als

empfunden, am chinesischen Hof um diese Ehrentitel zu bitten und die dazu erforderlichen Verwandtschaftsbeziehungen immer wieder zu erneuern. Hierzu ist allerdings anzumerken, daß im alten China schon geringfügige Verehrungsgesten als Unterwerfungsgesten gedeutet wurden und dieses "Ersuchen um Titel" der tibetischen Seite wird auch in der heutigen Argumentation noch als erster Beweis einer politischen Herrschaft Chinas über Tibet angeführt. Demgegenüber steht die Tatsache, daß das Reich der Tang 907 zerbrach und China in der Periode der Fünf Dynastien (907-960), sowie während der Nördlichen (960-1127) und der Südlichen (1127-1279) Song Dynastie so zerrissen war, daß es in Tibet keinerlei Einfluß mehr besaß.

Yuan Dynastie - Mongolen und Tibeter

In den folgenden Jahrhunderten kam es jedoch wiederum zu engen Beziehungen zwischen Tibet und dem Chinesischen Kaiserhof, da mit der Yuan Dynastie (1279-1368) Mongolen auf dem Drachenthron saßen (und somit über Tibeter und Chinesen gleichermassen herrschten). Die Beziehungen zwischen Mongolen und Tibetern waren aufgrund der Tatsache, daß die Mongolen den Buddhismus und die tibetische Schrift übernommen hatten und gleichzeitig auch den Schutz über die wichtigsten Klöster übernahmen, besonders eng. Bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts hatte der Abt des Klosters Sakya mit Dschingis Khan als "Kaiserlehrer" in Verbindung gestanden, so daß man sagen könnte, die Tibeter waren für die geistliche und die Mongolen für die weltliche Entwicklung zuständig. Der oberste Lama war gleichzeitig geistlicher Ratgeber des Kaisers, der wiederum seinerseits eine Art Schutzpatron Tibets war - eine Sichtweise, die von China energisch bestritten wird. Mit der Einsetzung der Äbte zu weltlichen Herrschern über Tibet durch die Mongolen Kaiser entstand die für Tibet typische Hierokratie, die Verschmelzung von Staat und Religion in der Person des Lamaherrschers. (In diesem Zusammenhang ist es unerlässlich, auf das Konzept der Reinkarnation einzugehen, was im Anschluß an den historischen Überblick getan werden wird.) Da sich in Tibet immer mehr Klöster als Zentren geistiger Macht etablierten, kam es in der Folge zu Rivalitäten zwischen diesen Klöstern, was wiederum dazu führte, daß sich die Kaiser der Yuan Dynastie des öfteren in die inneren Angelegenheiten Tibets einmischten, allerdings nicht, wie Peking behauptet, um Herrschaft auszuüben, sondern um zu schlichten. Die Ming Dynastie (1368-1644) behielt die bis dahin übliche Praxis der Titelverleihungen bei und nutzte die Streitigkeiten der Tibeter untereinander mehr aus als die Yuan, um den promongolischen Klöstern zu schaden; dennoch setzte sich im 15. Jahrhundert mit den Gelbmützen eine promongolische Strömung durch, die durch strenge Ordensregeln zur Keimzelle des hierokratischen Tibet wurde, wie es vor 1951 bestand. Ein Nachfolger des Gründers der Gelbmützensekte bekam dann 1578 vom mongolischen Hof den Titel "Dalai Lama" verliehen, ein anderer Abt erhielt 1645 den Titel "Panchen Lama"; beide Titel sind also mongolische Ehrentitel, die bis auf den heutigen Tag verwendet werden und von den Chinesen lediglich immer wieder geschickt weiterverliehen bzw. bestätigt wurden. Der fünfte Dalai Lama (1617-1682) vollendete schließlich die Entwicklung Tibets zum Kirchenstaat und reiste 1652 nach Peking, um sich in seinem Amt als Mönchskönig bestätigen zu lassen. "Nach tibetischer Auffassung handelte es sich bei der "Bestätigung" durch die Zentralregierung um ein die eigene

Machtposition magisch überhöhendes Ritual, nach traditionell chinesischer Auffassung galt dieser Akt als tributäre Unterwerfungsgeste." 11

galt dieser Akt als tributäre Unterwerfungsgeste." 11 Qing Dynastie - der Anfang vom Ende Ab 1720

Qing Dynastie - der Anfang vom Ende

Ab 1720 übte das chinesische Kaiserhaus unter der mandschurischen Qing Dynastie dann reale Macht in Tibet aus, da es von den Tibetern als willkommener Verbündeter im Kampf gegen die mongolischen Dzungaren gesehen wurde, die im Gegensatz zu ihren Vorgängern die tibetische Kultur nicht respektierten und Tempel und Klöster plünderten. Nach Vertreibung der Dzungaren ließ der chinesische Kaiser jedoch eigene Truppen in Lhasa und ernannte zudem zwei Bevollmächtigte, sogenannte Ambane, die seine Interessen in Tibet wahrnehmen sollten. Durch zwei Kriege (1750 und 1791) wurden die Verwaltungsreformen von 1751 und 1793 erzwungen, die von den Chinesen noch heutzutage als schlagender Beweis für ihre jahrhundertealte Oberhoheit über das Gebiet angeführt werden. In der 1751er Reform wurde u.a. eine Art Kabinett (Gasha) eingerichtet, das dem Dalai Lama und den Ambanen unterstand, in dem 29 Punkte Abkommen von 1793 wurde dann u.a. die Gleichstellung der Ambane mit dem Dalai Lama und dem Panchen Lama sowie eine rituelle Mitbestimmung beim Reinkarnationsritual der beiden Lamas verankert. Diese Abkommen sind Hauptargumente Pekings für die Begründung der Herrschaft Chinas über Tibet. Vergessen wird hierbei, daß die Truppen nach 1791 Tibet bald aus mehreren Gründen wieder verlassen mußten, so daß von einer Machtausübung seitens der Ambane keine Rede sein kann. Formell hatte Tibet die Oberhoheit Pekings anerkannt, die Regierungsgewalt lag jedoch beim Dalai Lama, was bedeutet, daß Tibet zwar der Suzeränität aber nicht der Souveränität Chinas unterstand. Erst 1910, also über 100 Jahre später, wurden erneut chinesische Truppen nach Tibet entsandt, was den 13. Dalai Lama zur Flucht nach Indien zwang. In diesem Zeitraum von 100 Jahren vor der erneuten Einnahme schloß Tibet selbstständig Verträge, z.B. mit Nepal und Großbritannien 1904.

1911-1950 Die Jahre der Unabhängigkeit

Mit dem Ausbruch der Revolution in China 1911 war für die Oberhäupter Tibets das alte Bündnisverhältnis beendet, da eine der beteiligten Parteien, das chinesische Kaiserhaus, nicht mehr existierte. Durch den Umgang mit den Briten in den vorhergehenden Jahren für "moderne" politische Vorgehensweisen offen geworden, rief der aus dem Exil zurückgekehrte 13. Dalai Lama 1912/13 in einem Staatsakt in Lhasa die Unabhängigkeit Tibets aus. Die völkerrechtlichen Voraussetzungen für einen souveränen Staat, wie sie der Konvention über die Rechte und Pflichten von Staaten des Völkerbundes von 1933 zugrundeliegen, ein fest umrissenes Territorium, eine Regierung sowie die Fähigkeit, Beziehungen zu anderen Staaten aufzunehmen, waren somit erfüllt. Bis heute sind Experten einig, daß Tibet in dem Zeitraum von der Unabhängigkeitserklärung bis zur Besetzung durch China ein unabhängiger Staat war. Dazu aus einer Expertise des

Deutschen Bundestages 12 "Die Staatengemeinschaft geht zwar davon aus, daß Tibet Teil des chinesischen Staatsverbandes ist, doch wurde der Status Tibets nicht geklärt. Zum Zeitpunkt der gewaltsamen Einverleibung in den chinesischen Staatsverband war es ein eigenständiger Staat. China hat keinen wirksamen Gebietstitel erworben, weil es dem Grundprinzip des

:
:

aus dem Gewaltverbot hervorgehenden Annexionsverbot entgegensteht. Die Effektivität tatsächlicher Herrschaftsgewalt über ein Gebiet vermag keinen Gebietserwerb zu

bewirken (

Ein weiteres Indiz für die Unabhängigkeit Tibets in diesem Zeitraum ist die Konferenz von Simla im Jahre 1914. Teilnehmerstaaten waren Tibet, China und Großbritannien und Ziel war die Festlegung einer sino-tibetischen Grenze, um die Streitigkeiten beizulegen. In der "Konvention von Simla" wäre China die Suzeränität über ganz Tibet zugesprochen worden im Gegenzug zu einer Verpflichtung, Tibet nicht als chinesische Provinz zu annektieren. Außerdem wäre Britisch-Indien um 90 000 qkm ursprünglich tibetischen Gebiets vergrößert worden, was das Interesse Großbritanniens und die Weigerung Chinas zusätzlich verdeutlicht. Nichtsdestotrotz hat China mit der Konferenz von Simla Tibet als gleichberechtigten Verhandlungspartner anerkannt. Da die chinesische Seite die Konvention wegen der zweiten Klausel (Nichtannexion als chinesische Provinz) nicht ratifizierte, unterzeichneten Großbritannien und Tibet einen separaten Vertrag, in dem unter anderem festgehalten wurde, daß Chinas Rechte über Tibet erst mit der Ratifizierung der Konvention in Kraft treten sollten. Im Zuge weiterer sino-tibetischer Grenzstreitigkeiten kam es 1918 zu einer Vermittlung durch den britischen Konsul von Sichuan, Teichmann, die zu der Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens zwischen beiden Ländern führte. In diesem Abkommen wird sogar eine provisorische Grenze festgelegt. Somit kann Tibet von 1912 bis zu seiner Besetzung durch China im Jahr 1950 sowohl de jure als auch de facto als unabhängig angesehen werden. 13

)."

"Heim ins Reich"14 - Tibet ab 1950

Im Oktober 1950 rückte die PLA (People’s Liberation Army) in Tibet ein, um das Land zu befreien. Trotz militärischen Widerstands seitens der Tibeter rückte die PLA auf Lhasa vor und nahm Osttibet ein; der tibetische Gouverneur und Militärkommandant Kaloon Ngabou Ngawang Jigme geriet in chinesische Kriegsgefangenschaft. Nachdem die UNO sich nicht mit dem Thema befassen wollte, dort wurde am 24.11.1950 die Diskussion auf "später" verschoben, und die tibetische Regierung sich angesichts der militärischen Bedrohung auf Verhandlungen mit der chinesischen Seite eingelassen hatte, kam es am 23.5.1959 in Peking zur Unterzeichnung des "17 Punkte Abkommens", das Tibet zu einem Teil Chinas erklärte und aufgrund dessen die PLA ohne Gegenwehr in Lhasa einmarschieren konnte. (Punkt zwei des Abkommens lautet in seiner englischen Übersetzung: The Local Government of Tibet shall actively assist the PLA to enter Tibet and consolidate the national defence.) Im Gegenzug garantierte dieses Abkommen unter Punkt vier bis elf aber auch regionale Autonomie, den Fortbestand und Schutz der tibetischen Kultur sowie insbesondere den Fortbestand der Klöster. Strittig ist bis heute, ob die tibetische Delegation, die von dem in chinesische Gefangenschaft geratenen Ngabou geleitet wurde, unterzeichnungsberechtigt war. Tatsache ist, daß es sich bei dem Abkommen um ein erzwungenes Abkommen, einen ungleichen Vertrag handelt, was seine völkerrechtliche Gültigkeit in Frage stellt. Ebenso ist es erwiesen, daß die chinesische Seite ihren Anteil der Verpflichtungen nicht eingehalten hat, was nicht einmal bestritten wird. Dennoch ist dieses Abkommen eines der wichtigsten Pekinger Argumente für die Zugehörigkeit Tibets zu China und seine Gültigkeit wird hier nicht im geringsten hinterfragt. Der Dalai Lama dagegen verwarf das Abkommen kurz nach seiner

Flucht mit der Begründung, die Delegation, die nach Peking entsandt worden war, sei nicht zeichnungsberechtigt gewesen und er selbst habe nur unter Druck am 24.10.1951 ein Zustimmungstelegramm nach Peking gesandt.15 Seit 1951 war Tibet somit Teil Chinas, was von den Bewohnern Tibets allerdings nicht akzeptiert wurde. Es kam zu Spannungen zwischen den Tibetern und der chinesischen Besatzungsmacht, die im März 1959 in einem Volksaufstand eskalierten, bei dem laut chinesischer Angaben 87 000 Tibeter den Tod fanden. Angesichts dieser Situation floh der 24 jährige Dalai Lama mit ca. 85 000 seiner Anhänger nach Indien, wo er seitdem als Haupt der tibetischen Exilregierung lebt. Im Anschluß an seine Flucht und den tibetischen Aufstand 1959 wurde der tibetische Widerstand von der PLA vollständig aufgerieben. Am 9.9.1965 proklamierte die Regierung in Peking dann die "Autonome Region Tibet". Dennoch sollen weitere 470 000 Tibeter ihr Leben in dem Guerillakrieg, der bis 1974 von Anhängern des tibetischen Widerstandes geführt wurde, verloren haben. Zu beiden Zahlenangaben gibt es keine offizielle Stellungnahme der chinesischen Regierung. Seither ist sowohl eine starke Abwanderung von Tibetern ins Ausland (meist Indien und Nepal) als auch eine starke Zuwanderung von Chinesen nach Tibet zu beobachten, was die Exilregierung Tibets zu großer Sorge um den Fortbestand ihres Volkes veranlaßt. In der Folgezeit kam es zu einer weiteren schwerwiegenden Verletzung des 17 Punkte Abkommens durch China: von 2 700 bedeutenderen Klöstern wurden 2 690 zerstört, eine Tatsache, die von Peking lange Zeit der Kulturrevolution zur Last gelegt wurde. Außerdem weisen Menschenrechtsorganisationen seit Jahren auf die ständigen Menschenrechtsverletzungen aller Art hin, die nicht mit den Angaben des chinesischen Weißbuchs übereinstimmen. Bereits 1959 und1960 hatte die internationale Juristenkommission China für schuldig befunden, Akte des Völkermordes an den Tibetern begangen zu haben. Entgegen früherer Forderungen ist der Dalai Lama um den Fortbestand des tibetischen Volkes und seiner Kultur zu sichern mittlerweile sogar bereit, auf eine vollständige Unabhängigkeit zu verzichten, sollte China sich bereit erklären, eine umfassende innenpolitische Autonomie zuzusichern sowie den Zustrom von Chinesen sofort zu stoppen. Die chinesische Regierung verweigert bis heute jedes Gespräch mit dem Dalai Lama mit der Begründung, er habe nach wie vor "separatistische" Absichten. Da dies im wesentlichen bis heute der Stand der Dinge ist, wird nun auf andere Aspekte der Tibetfrage eingegangen werden.

nun auf andere Aspekte der Tibetfrage eingegangen werden. Das Konzept der Reinkarnation Wie bereits oben im

Das Konzept der Reinkarnation

Wie bereits oben im Zusammenhang der Beziehungen zwischen Mongolen und Tibetern zur Zeit der Yuan Dynastie angesprochen, ist es zum näheren Verständnis der tibetischen Staatsform unerläßlich, auf das Konzept der Reinkarnation einzugehen. Die Hauptbesonderheit des tibetischen Buddhismus ist das religiöse Konzept der Wiedergeburt eines religiösen Oberhaupts als lebende Inkarnation eines Bodhisattva, was für die tibetische hierokratische Staatsform zugleich von entscheidender institutioneller Bedeutung ist. Durch dieses Konzept wird die Übertragung weltlicher Führungsmacht auf die Körperschaft der Mönche ermöglicht, was auch die extreme Wichtigkeit der Klöster erklärt. Die Tatsache, daß bis auf den 4. und den 5. Dalai Lama alle anderen aus einfachen nichtadligen Familien stammten, zeigt die Bemühungen, das Amt des höchsten Lamas von politischen Beziehungen freizuhalten. Die Verschmelzung von religiöser und

politischer Führung gibt es in Tibet seit Mitte des 17. Jahrhunderts und sie sicherte lange die Unantastbarkeit des Amtsinhabers. Gegenüber dynastischer Herrschaftsrekrutierung hatte sie den Vorteil, daß Machtgelüste einflußreicher Familien ebenso unmöglich waren, wie die Ernennung unfähiger Erben. Außerdem setzten sich die Mönche, die nach den Reinkarnationen suchen, traditionell aus allen Schichten zusammen. Dennoch schlug der jetzige Dalai Lama im Zuge seiner Reformen vor, eine Art Volksversammlung zu schaffen, der auch die Befugnis haben soll, einen Dalai Lama "abzuwählen", sollte sich dieser als unfähig im Amt erweisen. 16

sollte sich dieser als unfähig im Amt erweisen. 16 Soziale Argumentation der Zugehörigkeit Tibets Abgesehen

Soziale Argumentation der Zugehörigkeit Tibets

Abgesehen von dem historischen, d.h. im chinesischen Sinne rechtmäßigen Anspruch der VR China auf Tibet, erhebt die VR auch getreu der kommunistischen Argumentationsweise den Anspruch, die Lebensumstände der meisten Tibeter mit der

Zugehörigkeit zum chinesischen Mutterland immens gebessert zu haben. Dafür führt man in Peking zuallererst an, daß es sich bei der tibetischen Staatsform um eine feudalistische Aristokratie gehandelt habe, in der eine kleine Minderheit mithilfe mittelalterlicher Gesetze die große Mehrheit aller Güter sowie Sklaven und Leibeigene besessen habe. "So sehr sich das reformerische vom Kulturrevolutionären China heute distanziert - in seiner Tibet-Propaganda sind die Methoden weitgehend gleichgeblieben: Das Schreckensbild vergangener Leiden wird von der modernen Propaganda nicht weniger liebevoll ausziseliert als von mittelalterlichen Malern das Innenleben der Hölle."17 China verweist auf diese früheren unmenschlichen Zustände, wenn es heute auf Menschenrechtsverletzungen in Tibet angesprochen wird. Auch die Exilregierung des Dalai Lama in Indien leugnet nicht, daß das alte Tibet "eine hierarchisch gegliederte Nomaden- und Bauerngesellschaft mit feudalen und hierokratischen

Strukturmerkmalen"18

das Volk offensichtlich nicht so unzufrieden gewesen, daß es von alleine gegen das System rebelliert habe - die VR China selbst sei gegen jede Art von Einmischung in die Innenpolitik eines Landes, um die dortigen Umstände zu ändern; dies entspräche offensichtlich nicht ihrer Linie gegenüber Tibet. Zum anderen wird darauf verwiesen, daß es unter dem Vorgänger des jetzigen Dalai Lama sowie insbesondere vom jetzigen Dalai Lama Ansätz zu sozialen Reformen gegeben habe bzw. noch gibt, die wegen der Invasion nie zur Ausführung kamen. Diese beinhalten u.a. das oben schon angesprochene Recht der Volksversammlung, den Dalai Lama von seinen politischen Ämtern zu entbinden aber auch die Aufhebung der Schuldknechtschaft. 1963 veröffentlichte der Dalai Lama eine moderne tibetische Verfassung, die buddhistische Grundsätze mit demokratischen Prinzipien verbindet.19 Ein weiteres soziales Argument, daß von Peking insbesondere in jüngerer Zeit angeführt wird, sind die Investitionen, die von China in seiner Autonomen Region Tibet getätigt werden. Hier wird auf eindrucksvolle Zahlen in den Bereichen Landwirtschaft, Infrastruktur, Kranken- und Schulwesen, sowie Kultur verwiesen, die teilweise sogar von außen bestätigt werden. Der Nachteil für Tibet besteht nur darin, so Exiltibeter, daß diese Investitionen nicht nur Tibetern sondern insbesondere auch den vielen mittlerweile in Tibet lebenden Hanchinesen zu gute kommen und außerdem auch nur im chinesischen Sinn angewandt werden, d.h. es werden chinesische Schulen und Krankenhäuser gebaut, die Straßen dienen zum Abtransport tibetischer Bodenschätze und Hölzer nach China und

tibetischer Bodenschätze und Hölzer nach China und war, macht aber auf das folgende aufmerksam: zum einen

war, macht aber auf das folgende aufmerksam: zum einen sei

tibetischer Bodenschätze und Hölzer nach China und war, macht aber auf das folgende aufmerksam: zum einen

die auf die Renovation von tibetischen Kulturgütern verwendeten Gelder dienen in erster Linie der Förderung des Tourismus in die Region und machen in keinster Weise den durch den Verlust tausender von Klöstern entstandenen Schaden gut. Außerdem reichen Investitionen alleine nicht aus, um Besitzansprüche zu legitimieren, sonst befände sich Indien immer noch in britischen Händen.20 Des weiteren behauptet Peking, dem Autonomiegesetz, daß hohe Partizipation der Minderheit an der Verwaltung vorsieht, in Tibet in vollem Umfang gerecht zu werden. Hierzu muß bemerkt werden, daß viele tibetische Kinder zur Ausbildung in chinesische Provinzen gebracht werden und erst nach jahrelanger Abwesenheit nach Tibet zurückkehren. Trotz dieser Tatsache werden führende Positionen weiterhin so gut wie ausschließlich von Hanchinesen besetzt oder von weitgehend chinesisch assimilierten oder kontrollierten Tibetern. Ein weiterer Faktor, der diesen letzten Punkt Chinas relativiert, ist die ständige Anwesenheit der PLA, die einen großen hanchinesischen Block darstellt. Über die Stärke der Truppen in Tibet gibt es keine offiziellen Angaben, aber Schätzungen gehen von bis zu einer halben Million Soldaten aus.

Zukünftige Problemfelder in Tibet

Million Soldaten aus. Zukünftige Problemfelder in Tibet Reinkarnationsfindung Eine der Besonderheiten der

Reinkarnationsfindung

Eine der Besonderheiten der tibetischen Art des Buddhismus sind die Lamas, lebende Buddhaverkörperungen, die immer wiedergeboren werden - daher auch die Bezeichnung Lamaismus. Die beiden höchsten Lamas sind die bereits oben erwähnten Dalai Lama und der Panchen Lama. Die Reinkarnation eines Lamas wird entdeckt, indem ein geistliches Gremium die Zeichen, die der vorherige Lama hinterließ, um den Ort seiner Wiedergeburt anzuzeigen, zu deuten versucht. Stehen mehrere Kinder zur Wahl, so hatte

sich seit der Qing Dynastie die Praxis eingebürgert, die Wahl mittels Losentscheid aus

einer goldenen Urne zu treffen.21

vorher von tibetischen Mönchsgremien entdeckt wurden, auf die Suche selbst hatte nie

ein Chinese Einfluß. Als der letzte Panchen Lama 1995 starb, entschied der Dalai Lama mit Äbten verschiedener Klöster, daß der sechsjährige Gedhum Choekyi Nyima seine elfte Wiedergeburt sei. Wenige Monate später verschwand der Junge und ist bis heute unauffindbar. Der Abt, der den Jungen ausgewählt hatte, erhielt zunächst Hausarrest und wurde 1996 sämtlicher Ämter enthoben. Stattdessen wurde mit Hilfe der goldenen Urne der sechsjährige Sohn eines KP Kaders zum elften Panchen Lama ernannt. Der Junge wurde 1996 nach Peking gebracht und dort hofiert, was ihn auf die chinesische Seite

ziehen sollte.22

des Dalai Lama nimmt und der jetztige Dalai Lama bereits 65 Jahre alt ist, dürfte die Absicht der chinesischen Regierung klar sein: der nächste Dalai Lama soll eine Marionette Pekings werden und dadurch den Widerstand innerhalb der Religionsgemeinschaft brechen.

den Widerstand innerhalb der Religionsgemeinschaft brechen. Wohlgemerkt: zur Wahl stehen nur Kinder, die Da der Panchen

Wohlgemerkt: zur Wahl stehen nur Kinder, die

brechen. Wohlgemerkt: zur Wahl stehen nur Kinder, die Da der Panchen Lama traditionsgemäß großen Einfluß auf

Da der Panchen Lama traditionsgemäß großen Einfluß auf die Wahl

Gebietsfrage

Die autonome Region Tibet entspricht in etwa der Größe des Tibets zwischen 1911 und 1950, also dem damaligen de facto unabhängigen Staat. Der Anteil der Fläche der Autonomen Region Tibets an der Gesamtfläche Chinas beträgt 12,8%. Die Tibeter selbst leben jedoch viel weiter verstreut und betrachten auch noch weitere Gebiete als zu Tibet

gehörig, die heutzutage in die Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan liegen. In diesen Provinzen leben die Tibeter sogar teilweise in autonomen Kreisen und Bezirken. Die jetztige autonome Region Tibet hat eine Fläche von 1 228 400 qkm, die Region dagegen, die die Tibeter als Tibet betrachten und die auch vor der Zuwanderung von Hanchinesen im wesentlichen von Tibetern besiedelt wurde, wäre 2,3 Mio. qkm groß und

entspräche somit knapp einem viertel der Gesamtfläche der Volksrepublik.23

diesem Punkt wird die Taktik der chinesischen Regierung hinreichend deutlich: durch die Teilung wird die Größe der gesamttibetischen Bevölkerung verringert und die Tibeter werden innerhalb der chinesisch dominierten Provinzen zu Minderheiten, die keinen Rückhalt in der anderen Bevölkerung haben. Außerdem wird von vornerein der territoriale Anspruch der Tibeter bezüglich ihres eigenen Staats, sollte er denn einmal zur Verhandlung kommen, um die Hälfte beschnitten.

Auch in

Kulturbewahrung

Der wichtigste Bestandteil der tibetischen Kultur ist die lamaistische Religion, die durch das über die Jahrhunderte gesammelte Wissen in den Klöstern am Leben gehalten wurde. Durch die Zerstörung der Klöster, die langjährige Inhaftierung von Tausenden von Mönchen und von Gläubigen sowie das beständige Abwandern Gläubiger ins Ausland ist die Weitergabe religiösen Wissens und der damit verbundene Fortbestand der Religion und des tibetischen Staatswesens nicht länger gewährleistet. Hierzu die Aussage eines hohen Mönchs, der in Peking ausgebildet wurde und die deutlich macht, wie recht diejenigen haben, die sich um den Fortbestand der tibetischen geistlichen Kultur im traditionellen Sinn sorgen:

"I lived under the Tibetan politico-religious system for many years and was entitled "Living Buddha". With the help of the Chinese Communist Party, I have participated in revolutionary work and studied the theory of Marxism-Leninism as well as social and natural scientific works and ancient Tibetan annals. Now I have a better understanding of dialectical materialism and historical materialism and thus have gained a wider field of vision. I have come to realize that when I was a monk in the monastery, I was completely ignorant of social evolution and social development. Compared with my life at that time, my progress today is satisfactory." 24

Fazit

Beschäftigt man sich näher mit der Tibetfrage, so muß man zwangsläufig zu der Erkenntnis gelangen, daß keine Lösung dieser Frage in Sicht ist. Zwar sind die Vorschläge des Dalai Lama in sich entgegenkommend und würden zumindest eine Aufnahme von Gesprächen möglich machen, doch die chinesische Seite scheint die Position des Dalai Lama nicht erkennen zu wollen und lehnt nach wie vor mit der Bgründung, er fordere Unabhängigkeit, jede Art von Gesprächen ab. Auf der anderen Seite drängt jedoch die Zeit, eine Lösung zu finden, denn sollte die bisherige Politik gegenüber Tibet weiterverfolgt werden, droht ein Untergang der tibetischen Kultur. Die Tibeter erfüllen alle Voraussetzungen für ein eigenes Volk, sie haben ein angestammtes Territorium, einen eigene, lebende Sprache, sowie ihre eigene Religion. Die Tibeter sind ihrer Tradition sehr verbunden und ihre Religion ist auch heute noch der wichtigste Bestandteil ihres Landes, ihrer Gesellschaft und ihrer Kultur.

"Volksgruppenmäßig gesehen heißt dies, daß nur "Volkstod durch Unterwanderung" das

Tibetproblem im chinesischen Sinne wird lösen können. (

eine langfristig ins Auge gefaßte demographische Veränderung des tibetischen Volkes

durch die VR China im Gang ist. (

demographischen Veränderung eines Gebietes bei."25 Trotz der Autonomie, die Tibet im Rahmen des 1984er Autonomiegesetzes zugebilligt wurde, ist wie in allen anderen Regionen das kommunistische Prinzip des demokratischen Zentralismus nach wie vor die Grundlage für die absolute Vorherrschaft der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Nach einem Besuch des damaligen Generalsekretärs der KPCh, Hu Yao Bang, in Tibet im Jahr 1980 wurden zwar Fehler bei der Verwaltung Tibets zugegeben und größere Liberalisierung der Verhältnisse geduldet. Außerdem wurde der Generalsekretär der Region seines Amtes enthoben, weil, wie Hu in einem internen Papier eingestand, die Situation schlimmer war, als 1959. 1987 legte die chinesische Führung auf einer Pressekonferenz in Lhasa sogar eine detaillierte Liste der Zerstörungen in Tibet vor, aus der klar hervorgeht, daß ein Großteil der Zerstörungen bereits vor der Kulturrevolution geschah, der man bisher diese Verbrechen zur Last gelegt hatte. Aber im Zuge der Unruhen in China im Früjahr 1989 kam es auch in Lhasa zu Erhebungen, bei denen es zu offiziell zwölf, nach inoffiziellen Angaben dagegen zu 450 Toten kam und vom 8.3.1989 bis zum 30.4.1990 wurde das Kriegsrecht über Lhasa verhängt. Monatelang waren ausländische Besucher ausgesperrt, so daß es kaum unabhängige Angaben aus diesem Zeitraum gibt. Allerdings fällt in diesen Zeitraum auch der größte diplomatische Erfolg der Tibeter: im Dezember 1989 wurde der Friedensnobelpreis an den Dalai Lama verliehen, wodurch sein gewaltfreier Kampf um Tibet internationale Anerkennung erhielt. China reagierte mit Empörung, mußte sich aber eine harsche Abfuhr des norwegischen Nobelpreiskomittees gefallen lassen: "Seit Adolf Hitler 1935 Wutanfälle wegen der Zuerkennung des Preises an den Friedenskämpfer Carl von Ossietzky bekam, hat kein Land derart heftig reagiert, wie China es jetzt in Verbindung mit dem Dalai Lama tut. Die Chinesen befinden sich so gesehen in guter Gesellschaft" erklärte der Vorsitzende des Komitees, Egil Aarvik. Durch die Reaktion der Weltöffentlichkeit ist China mittlerweile bemüht, eine Politik der Rekonziliation zu führen oder sie wenigstens zu demonstrieren, es ist jedoch nicht gewillt, der Unabhängigkeit als Form der Ausübung des Selbstbestimmungsrechts des tibetischen Volkes näherzutreten. Des weiteren wird eine Beschränkung des Zuzugs von Hanchinesen obwohl sogar in Art. 43 des Autonomiegesetzes eine Kontrolle vorgesehen ist, nicht in Erwägung gezogen. Da der tibetischen Religion keine Sonderstellung als den Staat tragender Faktor eingeräumt wird, wird ihre Weiterentwicklung auch nicht Entfaltung auch nicht gefördert, was zu einer Schwächung der tibetischen Kultur führt. Obwohl Indien laut des Dalai Lama alles nur Mögliche leistet, damit Exiltibeter ihre eigene Kultur, Identität und Gemeinschaft bewahren können und auch die Schulung einer neuen Generation von Tibetern zu gewähren, ist es zweifelhaft, ob die tibetische Kultur in der Diaspora überleben kann, wenn der jetzige Dalai Lama einmal stirbt. Selbst zu seinen Lebzeiten sind schon Spaltungen innerhalb des tibetischen Lagers zu erkennen, da vielen Tibetern seine gewaltfreie Politik zu langsame Fortschritte zeigt und seine Forderungen nach einer wirklichen Suzeränität zu weich sind.

)

Man hat den Eindruck, daß

)

Auch die Flüchtlingswellen tragen zur

einer wirklichen Suzeränität zu weich sind. ) Man hat den Eindruck, daß ) Auch die Flüchtlingswellen

Literatur

1. lnternet:

http://www.china.org.cn/English/

http://www.tibeticlt.org

http://www.lib.utexas.edu/libs/pcl/

map_collection/middle_east_and_asia/china_/ing_90.jpg

2. Artikel:

Weggel, Oskar: Zum 40. Jahrestag der Befreiung Tibets: wie China seine Souveränität über die "Autonome Region" zu rechtfertigen versucht. in: China Aktuell, Juni 1991. Ermacora, Felix/Benedek, Wolfgang: Bericht der österreichischen Rechtsexpertendelegation über ihren Besuch in China/Tibet im Juli 1992. in: Verfassung und Recht in Übersee, Heft 26, 1993. Heberer, Thomas: Die Tibetfrage als Problem der internationalen Politik. in:

Außenpolitik, 1995. Hoppe, Thomas/u.a.: Das Autonome Gebiet Tibet. Wirtschaft, Geographie, Gesellschaft. in: China Aktuell, Mai 1997. Ludwig, Klemens: Tibet. in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 1990. Gyaltag, Gyaltsen: Die Geschichte des tibetischen Volkes. in: du, Heft 7, 1995. Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestages, Fachbereich II, Nr. WF II - 163/87 vom 12.August 1987. Erffa, W.V.: Warten, bis es in China eine neue Situation gibt. Tibet und der Dalai Lama

geben die Hoffnung auf Befreiung nicht auf. in: Franfurter Allgemeine Zeitung, 7.2.1992.

3. Bücher:

Qin, Shi: China. Neuer Stern-Verlag, Beijing, 1997. Dung-dkar blo-bzang ‘phrim-las: The merging of religious and secular rule in Tibet. Peking, 1991.

4. Dokumente:

Information Office of the State Council: Human Rights in China. Peking, November

1991.

Autonomiegesetz der Volksrepublik China aus dem Jahr 1984. The Agreement of the Central People’s Government and the Local Goverment of Tibet on Measures for the Peaceful Liberation Of Tibet (= 17 Punkte Abkommen; Anm. d. Verf.) of 1951. The Twenty-Nine-Article Ordinance for the More Efficient Governing of Tibet of 1793.