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Plagiate aus dem Internet

Effektive Strategien zum Aufdecken und zur Prävention

HOLGER MORAWIETZ

„MEIN oder NICHT MEIN, das ist hier die Frage!“ Leider stellen sich nur die wenigsten ‘cleveren’ Schüler diese (aus dem Hamlet-Zitat abgewandelte) Frage, denn sie nutzen völlig selbstverständlich die technischen Möglichkeiten des Multimedia- Zeitalters, laden geeignete Texte aus dem Internet herunter, geben diese Texte als ihre eigenen Produkte aus und begehen dabei unbekümmert geistigen Diebstahl. Weil das Aufdecken von Plagiaten zu einer notwendigen Basisqualifikation von heu- tigen Lehrern wird, ermöglichen die folgenden Analysen und Beispiele ein kurzes Training, wie man Online-Texte in WORD- Texte verwandelt, wie man Plagiate erkennt und wie man erfolgreiche Präventionsmaßnahmen einsetzt.

1. Plagiate im Informationszeitalter Wegen des rasanten technischen Fort- schritts wäre es erstaunlich, wenn sowohl Studenten als auch immer mehr Schüler die vielfältigen neuen Möglichkeiten von Computer und Internet nicht täglich nut- zen würden. Dabei werden Online-Plagi- ate beim Anfertigen von Hausarbeiten, Referaten, Projektberichten, Praktikums- berichten oder Facharbeiten häufig als ‘Kavaliersdelikt’ empfunden, weil viele Lehrer im Technikbereich als zu ‘ah- nungslos’ angesehen werden, um Plagiate aus dem Internet zu erkennen. Daher kön- nen Lehrer durch die Ankündigung und Durchführung der Überprüfung von On- line-Plagiaten ihre Medienkompetenz nachweisen und dadurch viele Schüler ab- schrecken. Im Internet-Zeitalter haben Plagiate und ihre Aufdeckung neue Dimensionen be- kommen. Die Schüler finden im Internet im Gegensatz zu Büchern und Facharti- keln schneller und mehr Textvorlagen für ihre Arbeiten. Aber auch für die Lehrer, die effektiv im Internet recherchieren kön- nen, ist die Situation einfacher geworden. Die Lehrer müssen nicht mehr in allen re- levanten Büchern und Fachaufsätzen su- chen und mühsam die Textstellen verglei- chen, sondern sie brauchen nur noch im Internet und damit in einer einzigen, riesi- gen Quelle zu recherchieren. Auch indi- rekte Nachweise von Plagiaten aus ge- druckten Werken sind möglich, weil viele Online-Texte vorher aus Büchern und Ar- tikeln abgeschrieben wurden. In diesen Fällen hätten also zwei Plagiatoren eine dritte gedruckte Quelle benutzt.

1.1. Was sind Online-Plagiate? Ein Plagiat wird von der Online-Enzyklo- pädie WISSEN.DE (http://wissen.de) wie

folgt definiert: „Plagiat [das; lateinisch]:

bewusste Verletzung des Urheberrechts, indem fremdes Geistesgut als eigenes ausgegeben wird.“ Bei Plagiaten werden also künstlerische oder wissenschaftliche Werke ganz oder in Teilen kopiert ohne die Quellen anzugeben, so dass ein geisti- ger Diebstahl begangen wird. Auf die Ge- fahr von Plagiaten aus dem Internet haben in den letzten Jahren viele Autoren hinge- wiesen, z.B. Rötzer 1999, Morawietz 1999 und 2000, Molfenter/Göbel 2001, Weber-Wulff 2001 und 2002 sowie Aig- ner 2003. Die zentrale Aktion beim Erstellen von Online-Plagiaten ist das Downloaden von Texten, das zwar den meisten älteren Schülern, aber nur den wenigsten Lehrern bekannt ist und daher kurz erläutert wer- den soll.

1.2. Herunterladen von Online-Texten Das Herunterladen von Texten aus dem Internet auf den eigenen Computer und ihre Umwandlung in WORD-Texte ist ‘kinderleicht’ und lässt sich insbesondere durch folgende sechs Schritte durchfüh- ren:

1) Aufsuchen der gewünschten Online- Quelle, z.B. durch Eintippen der WWW-Adresse 2) Markieren des Textes mit der linken Maustaste 3) Kopieren dieses Textes durch Drücken der rechten Maustaste und Anklicken des Befehls ‘Kopieren’ 4) Aufrufen des Textverarbeitungssys- tems WORD 5) Einfügen dieses Textes durch Drücken der rechten Maustaste und Anklicken des Befehls ‘Einfügen’ 6) Abspeichern des erschaffenen WORD-Textes

Aus dem WWW-Dokument entstand durch diese Schrittfolge ein WORD-Text, der sich beliebig weiter bearbeiten, umge- stalten und ausdrucken lässt.

1.3. Referat-Archive im Internet Mögliche Online-Quellen für Plagiate sind grundsätzlich alle Texte im Internet, aber neben den Online-Enzyklopädien WISSEN.DE (http://wissen.de), BROCK- HAUS (http://www.brockhaus.de) und ENCARTA (http://de.encarta.msn.com) vor allem die zahlreichen Sammlungen mit Referaten, Haus- und Facharbeiten zu allen schulrelevanten Themen. Diese On- line-Archive bieten nicht nur Schülerar- beiten, sondern oft auch Schummeltricks, ‘originelle’ Ausreden, ein Diskussionsfo- rum sowie einen Newsletter und sind quasi eine Gegenoffensive gegen die Schule und gegen die Lehrer. Besonders deutlich wird das bei der Namensgebung für das CHEATWEB (http://www.cheat- web.de) und für die CD-ROM ‘Pauker- Schreck’ mit vielen, qualitativ sehr unter- schiedlichen, oft formal fehlerhaften Hausaufgaben und Referaten. Die folgende Übersicht über die wichtigs- ten deutschen Online-Archive zeigt die WWW-Adressen sowie die gerundete Gesamtzahl der Referate, Haus- und Facharbeiten und (in Klammern) zusätz- lich die Anzahl der relevanten Arbeiten zum Suchstichwort ‘goethe’:

Mit 29000 (1700) Arbeiten ist HAUSAR- BEITEN.DE (http://www.hausarbeiten. de) das größte gut funktionierende Ar- chiv, aber knapp die Hälfte der Arbeiten sind leider kostenpflichtig. Unverschämt sind allerdings die Praktiken von HAUS- ARBEITEN.DE, erst für das Downloaden von Schülerarbeiten viel Geld zu verlan- gen und dann die Käufer aufzufordern,

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selbst nach Plagiaten zu suchen und abge- schriebene Arbeiten per E-Mail zu mel- den. Vom selben Betreiber GRIN stammt WISSEN24 (http://www.wissen24.de) mit 12000 (815) kostenpflichtigen wis- senschaftlichen Arbeiten von Studenten, Dozenten und Professoren. Einige Kosten verursacht auch das Down- loaden der 4100 (60) Arbeiten von SCHOOLUNITY (http://www.school- unity.de), die als Nachfolger von vielen kleineren Referate-Archiven fungiert. Kostenlos sind die 15000 (140) Arbeiten von FUNDUS (http://www.fundus.org), die 16000 (140) Arbeiten vom SCHUE- LERWEB (http://www.schuelerweb.de/ referate.asp) und die 5000 (50) Arbeiten der REFERATE-HEIMAT (http://www. referate.heim.at). Viele der Funktionen von REFERATE.DE (http://www.refe- rate.de) mit 8000 (100) Arbeiten sind nur den registrierten Usern zugänglich. YOUNG.DE (http://www.young.de) mit 8000 (160) kostenlosen und 4500 kosten-

pflichtigen Arbeiten ist ein Netzwerk nur für Jugendliche ab 15 Jahren sowie für junge Erwachsene bis 25 Jahren. Damit ältere Lehrer beim Antrag auf Mitglied- schaft in der Community nicht abgewie- sen werden, müssen sie einige Fantasie entwickeln. Enttäuschend sind die Referate-Meta- suchmaschinen, denn KOSH (http:// www.kosh.de) hat die Aktualisierung ein- gestellt und HOMEWORXX (http:// www.homeworxx.de) mit 28500 Arbei- ten liefert bei der Volltextsuche nur 25 Treffer zum Stichwort ‘Goethe’. Das Stu- dienseminar Paderborn (http://www.uni-

paderborn.de/schulen/sem/links/clever-

links/clever.html) bietet eine kommen- tierte Link-Liste für alle wichtigen deutschsprachigen Referat-Archive. Die relativ große Anzahl der Online-Ar- chive sollte Lehrer jedoch nicht abschre- cken, denn die meisten Referate, Haus- und

Facharbeiten tauchen gleichzeitig in meh- reren Sammlungen auf, so dass nur wenige Archive durchsucht werden müssen. Die in den nächsten Abschnitten be- schriebene vollständige Aufdeckung von Online-Plagiaten besteht aus vier Schrit- ten und umfasst das Vermuten, das Su- chen, das Finden und das Nachweisen von Plagiaten.

2. Plagiate vermuten Schüler sind meistens zu faul, die aus dem WWW heruntergeladenen Texte

von der Rechtschreib- und Grammatik- kontrolle ihres Textverarbeitungssys- tems, vor allem von WORD, überprüfen zu lassen, so dass die in den Original- quellen häufig vorhandenen Fehler auch in den eingereichten Schülerarbeiten er- halten bleiben. Damit die Lehrer mit der Rechtschreib- und Grammatikkontrolle ihres eigenen Computers diese Fehler schneller aufspüren können, sollte man die Vorschrift einführen, dass die Schüler ihre Arbeiten auf Diskette einreichen müssen. Der Plagiat-Verdacht kann durch äußere, inhaltliche oder formale Auffälligkeiten hervorgerufen werden.

2.1. Äußere Auffälligkeiten

Neben dem bekannten Phänomen, dass zwei oder mehr Schüler (fast) identische Arbeiten einreichen, betreffen die äuße-

ren Auffälligkeiten vor allem folgende Besonderheiten (vgl. auch Weber-Wulff 2001) bei der Erstellung und Präsentation der Schülerarbeiten:

• Arbeiten werden in viel zu kurzen Fris- ten fertig gestellt.

• Arbeiten zu schwierigen oder umfang- reichen Themen werden (auch von schwächeren Schülern) ‘ohne Murren’ pünktlich abgeliefert.

• Arbeiten, die anfänglich den Schülern viele Probleme bereiteten und zu Be- schwerden beim Lehrer führten, wer- den pünktlich und ohne Lehrerhilfe be- endet.

• Beim Vortragen von Referaten wird deutlich, dass die Schüler den Text nicht verstanden haben, vor allem weil sie viele Inhaltsfragen nicht beantwor- ten sowie Fachbegriffe und Fremdwör- ter nicht erklären oder richtig ausspre- chen können.

• Beim Vortragen von Referaten und Hausaufgaben benutzen die Schüler die Original-Ausdrucke aus dem WWW (oft mit Quellenangaben und Datum), so dass hier der Plagiat-Nachweis schon von den Schülern erbracht wird.

2.2. Inhaltliche Auffälligkeiten

Die Auffälligkeiten, die sich auf den In-

halt und damit auf die Aussagen der Texte beziehen, umfassen vor allem folgende Besonderheiten (vgl. auch Weber-Wulff 2001): plötzliche Änderungen und Brü- che im Sprachstil, plötzliche Änderungen in der Wortwahl (z.B. mit einem abrupten Wechsel von der Umgangssprache hin zu

Fachbegriffen und Fremdwörtern), Brü- che im Abstraktionsniveau (z.B. mit ei- nem Wechsel von konkreten Erlebnissen und Erfahrungen hin zu abstrakten und theoretischen Aussagen), die Benutzung von (unbekannten) Fachbegriffen und Fremdwörtern (oft in sinnentstellender Form), die Verwendung bekannter Aus- sprüche und Aussagen ohne Herkunftsan- gabe, logische Sprünge und kaum ver- ständliche Argumentationsketten, die Einreichung völlig anderer Textinhalte als vorher mit dem Lehrer genauestens abgesprochen sowie nicht erkannte Sach- fehler im Text. In den auf Diskette eingereichten Schü- lertexten können einzelne inhaltliche Auffälligkeiten, wie z.B. einschlägige Fachbegriffe oder Fremdwörter, nicht nur durch zeitraubendes Durchlesen der Texte, sondern viel schneller mit Hilfe der Suchmöglichkeiten des Textverarbei- tungssystems aufgespürt werden. Beim Textsystem WORD sind dazu die Funk- tionen ‘Bearbeiten’ und dann ‘Suchen’ anzuklicken und in die Suchmaske ein Wortteil, ein einziges Suchwort oder mehrere, direkt aufeinander folgende Wörter als kurzer Suchsatz einzutippen. Wenn man die Option ‘Nur ganzes Wort suchen’ auswählt, dann wird nur genau nach dem eingegebenen Wort, nicht aber nach gleichlautenden Wortteilen gesucht. Zusätzlich kann man per Mausklick ent- scheiden, ob die WORD-Suche die ‘Groß-/Kleinschreibung beachten’ soll oder nicht.

2.3. Formale Auffälligkeiten Diese Auffälligkeiten betreffen nicht die inhaltlichen Aussagen, sondern die Be- sonderheiten in der Form der Textdarstel- lungen (vgl. auch Weber-Wulff 2001). Die folgenden formalen Auffälligkeiten lassen sich meistens, aber nicht völlig zu- verlässig mit der Rechtschreib- und Grammatikkontrolle von WORD heraus- filtern, wenn man die auf Diskette einge- reichten Schülertexte heranzieht: Recht- schreibfehler, Fehler durch alte Recht- schreibung, seltene Abkürzungen, feh- lende Zwischenräume, überflüssige Tren- nungsstriche, überflüssige Sonderzeichen sowie wenige elementare Grammatikfeh- ler. Die folgenden formalen Auffälligkeiten findet die Rechtschreib- und Grammatik- kontrolle in der Regel nicht, so dass man entweder die Texte selbst durchlesen

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muss oder zur Erleichterung des gezielten Auffindens öfters das Suchsystem für WORD-Texte zur Hilfe nehmen kann:

kompliziertere Grammatikfehler, über- flüssige Unterstreichungen, Zeichenset- zungsfehler, Nummerierungsfehler, ‘schiefe’ Formulierungen sowie indirekte Wortwiederholungen.

2.4. Übersetzungsfehler Werden für die Erstellung von deutschen oder fremdsprachlichen (vor allem engli- schen oder französischen) Texten die automatischen Online-Übersetzungsma- schinen, z.B. von GOOGLE oder ALTA- VISTA (http://babelfish.altavista.com), benutzt, dann entstehen oft Satzbaufehler, Wortfehler, Sprichwortfehler sowie Um- lautfehler (vgl. Morawietz 2001).

3. Plagiate suchen Wie neuere Vergleichstests beweisen, sind die vorhandenen Meta-Suchmaschi- nen, die gleichzeitig in mehreren Such- werkzeugen recherchieren, derzeit weni- ger empfehlenswert, denn sie wurden in ihren Leistungen von den besten Stich- wort-Suchmaschinen überholt. Auch die größten Suchkataloge, wie z.B. YAHOO (http://de.yahoo.com) und WEB.DE (http://web.de), sind weniger erfolgver- sprechend. Für das Aufspüren von Plagiaten sind die neueren Stichwort-Suchmaschinen mit Volltexten am besten geeignet, denn sie ermöglichen neben der Suche nach meh- reren typischen Stichwörtern auch die be- sonders wichtige gezielte Recherche nach ganzen Sätzen. Weil sich in neueren Vergleichsuntersuchungen die deutsch- sprachige Stichwort-Suchmaschine GOOGLE (http://www.google.de) mit großem Abstand als leistungsfähigste er- wiesen hat, wird dieses Suchwerkzeug auch für die Recherche nach Plagiaten besonders empfohlen und in allen hier vorgestellten Suchvorschlägen und -bei- spielen verwendet. In der Regel genügt bei der Fahndung nach Plagiaten bei GOOGLE schon die automatisch präsen- tierte Einfache Suche. Um die Suchzeiten zu verkürzen, sollte man statt der einge- stellten Suche im weltweiten Netz (Das Web), die Suche per Mausklick auf deutschsprachige Seiten (Seiten auf deutsch) beschränken. Grundsätzlich gilt für Stichwort-Suchma- schinen: Je intelligenter und gezielter die Suchbefehle formuliert werden, desto

präziser sind die Suchresultate. Zu unter- scheiden ist die Suche nach Stichwörtern und die Suche nach ganzen Sätzen.

3.1. Stichwortsuche im Netz

Gute Erfolge bei der Suche nach Plagia- ten erbringen Suchbefehle, die aus meh- reren, für den Text besonders charakteris- tischen Suchwörtern bestehen. Dazu sind alle Suchbegriffe (mit einer Leerstelle zwischen den einzelnen Wörtern) einzu- tippen, z.B. Montessori 1950 Friedens- nobelpreis . Dabei gilt: Je mehr wichtige Suchwörter benutzt werden, desto passender sind die Suchresultate. Erbringt GOOGLE keine (erwünschten) Treffer, weil die Quellen- texte beim Abschreiben in einigen Wör- tern oder Buchstaben modifiziert wurden, dann müssen weniger oder geänderte Suchwörter verwendet werden. Um Wör- ter mit unterschiedlichen Endungen, wie z.B. Krankenhaus, Krankenschwester und Krankenzimmer, zu finden, muss man im Suchbefehl an den Wortstamm ein Sternchen (Kranken*) anhängen.

3.2. Satzsuche im Netz

Noch erfolgreicher für das Aufdecken von Plagiaten ist meistens die Suche mit einem ganzen Satz, der durch Anfüh- rungszeichen vorn und hinten markiert ist: z.B. „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“ . Wenn GOOGLE dabei keine Treffer fin- det, dann könnten im Quellentext einige andere Wörter oder Buchstaben stehen, so dass der Suchsatz verkürzt oder leicht modifiziert werden sollte.

3.3. Suchkombination im Netz

Am effektivsten bei der Suche nach Pla- giaten ist die möglichst geschickte Kom- bination der Stichwortsuche mit der Satz- suche, z.B. im Suchbefehl Internet „vir-

tuelles Kaffeekränzchen“ .

3.4. Suche in einer Domain

Die Erweitere Suche von GOOGLE bietet zahlreiche zusätzliche Leistungen, insbe- sondere die Suche in einer Domain, also in einer bestimmten Netzwerkadresse, wie z.B. in Archiv www.hausarbeiten.de. Weil in diesen Archiven mit Referaten, Haus- oder Facharbeiten mit Hilfe der Suchmaschinen nur die frei zugänglichen WWW-Seiten durchsucht werden, blei- ben allerdings meistens die kostenpflich- tigen Arbeiten sowie die nur für Mitglie-

der der Community geöffneten Teile der Domain verborgen.

3.5. Suche in Archiven

Alle größeren Archive für Referate, Haus- oder Facharbeiten bieten interne Stichwort-Suchmaschinen, in die man einzelne oder mehrere Suchstichworte, wie z.B. goethe, eintippen muss.

3.6. Suche in WWW-Texten

Wenn man eine Web-Seite geladen hat, dann kann man mit Hilfe der Suchfunk- tion des Browsers in der Regel nur nach einem einzigen eingetippten Wort recher- chieren. Diese begrenzte Möglichkeit reicht jedoch meistens aus, weil man ja vorher durch die differenzierteren Such- leistungen von GOOGLE zu einer wahr- scheinlichen Plagiat-Quelle gelangt ist.

3.7. kommerzielles Suchen

Mehrere kostenpflichtige (amerikani- sche) Plagiat-Suchmaschinen, vor allem TURNITIN (http://www.turnitin.com) und die Essay Verification Engine EVE (http://www.canexus.com/eve) verspre- chen die lückenlose professionelle Aufde- ckung von Online-Plagiaten. Weil bislang jedoch die Künstliche Intelligenz noch größere Schwächen hat, sind die Erfolge dieser kommerziellen Plagiat-Suchwerk- zeuge oft unzuverlässig und lückenhaft sowie teilweise sogar falsch, wie Versu- che von Dehnart (vgl. Rötzer 1999, S. 3) und von Weber-Wulff (2002, S. 69) zei- gen.

4. Plagiate finden Wie schon im Abschnitt 2. ‘Plagiate ver- muten’ angedeutet, bieten die Auffällig- keiten der Texte die besten Ansatzpunkte zum Finden von Plagiaten. Die Tabelle 1 enthält die wichtigsten Beispiele für Stra- tegien zur erfolgreichen Aufdeckung von Online-Plagiaten. Gegliedert nach den verschiedenen Formen der Auffälligkei- ten werden dort für alle Beispiele die The- men, einige auffällige Sätze, erfolgreiche Suchbefehle und die Ursprungsquellen im WWW dargestellt. Dabei sind die auffäl- ligen Sätze ganz typische, repräsentative Stichproben aus dem Gesamttext, der in größeren Teilen aus den WWW-Quellen übernommen wurde. Bei den Suchbefeh- len sind alle mit der Leertaste zu erzeu- genden Zwischenräume durch ein nicht einzutippendes Sonderzeichen () mar- kiert. Bei den mit GOOGLE meistens un-

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Beiträge Realschule in Deutschland 5/2005 19

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ter den ersten zehn Treffern gefundenen WWW-Adressen müssen alle Buchstaben und Zeichen einfach der Reihe nach und ohne Zwischenräume eingetippt werden. Die Plagiat-Aufdeckung ist durch Nut- zung der in den Abschnitten 2.2. und 2.3. genannten inhaltlichen und formalen Auf- fälligkeiten meistens mit vertretbarem Aufwand möglich. Komplizierter wird es bei Übersetzungen. Haben Schüler beim Erstellen ihrer Arbeiten fremdsprachliche Texte sowie eine Online-Übersetzungs- maschine benutzt, dann fällt dies in der Regel schon beim flüchtigen Durchlesen der Texte auf. Das Finden der ursprüng- lichen WWW-Quelle ist allerdings meis- tens viel schwieriger, denn für das Aufde- cken der Online-Plagiate benötigt man insgesamt sechs Schritte und im Einzel- nen das Vermuten, Rückübersetzen, Su- chen, Finden, erneute Übersetzen sowie Nachweisen von Plagiaten. Um effektive Suchbefehle zum Auffinden des Ur- sprungstextes zu formulieren, reicht das Rückübersetzen der vorgefundenen Texte mit Hilfe der Übersetzungsmaschinen oft nicht aus, so dass Übersetzungsfehler selbst korrigiert werden müssen. Die Tabelle 2 ermöglicht ein kurzes eige-

nes Training zum Aufspüren von Plagia- ten. Alle acht repräsentativen Textaus- züge aus Referaten lassen sich eindeutig mit Hilfe der vorgestellten Suchstrategien testen, ob sie ein Plagiat sind oder nicht. Die erforderlichen Suchbefehle sind in die entsprechenden Felder der Tabelle einzutragen. Um die Spannung bei der Plagiat-Überprüfung zu erhalten, werden die Lösungen erst am Ende des Artikels mitgeteilt.

5. Plagiate nachweisen Der Nachweis von Plagiaten darf sich nicht nur auf einige Wörter, sondern sollte sich grundsätzlich auf mehrere Sätze oder Abschnitte beziehen. Wegen der oft schwerwiegenden Folgen müssen juris- tisch überzeugende Beweise des geistigen Diebstahls eindeutig und dauerhaft sein. Daher genügt es nicht, nur die WWW- Adresse der entsprechenden Web-Seite zu notieren, denn Web-Seiten können je- derzeit verändert oder gelöscht werden. Um ‘wasserdichte’ Beweise für Plagiate vorlegen zu können, sollten die Browser so eingestellt werden, dass sie die ent- sprechenden Web-Seiten zusammen mit WWW-Adresse und Datum ausdrucken.

Damit werden aus den flüchtigen Online-Quellen genauso dauerhafte Nach- weise wie gedruckte Quel- len. Um das Finden und Nach- weisen von Plagiaten zu per- fektionieren, sollten mög- lichst alle im Netz stehenden Schülerarbeiten überprüft werden können. Zur Minde- rung der Kosten für das Downloaden von Referaten, Haus- und Facharbeiten, sollte man zuerst nach Dou- bletten dieser Arbeiten in kostenfreien Archiven su- chen. Bei wichtigen, kosten- pflichtigen Arbeiten könnte man die Anschaffung über den Schuletat finanzieren und schrittweise eine al- len Kollegen zugängliche Sammlung von Online-Re- feraten erstellen. Nach dem Vorbild von Schweden (vgl. Aigner 2003, S. 6) mit dem 60000 Hausarbeiten umfassenden Archiv URKUND (http:// www.urkund.se) wäre es für den deutschsprachigen Raum ideal, ein zen- trales, laufend aktualisiertes, leicht durchsuchbares Archiv mit allen im Internet angebotenen kostenlosen und kostenpflichtigen Referaten, Haus- und Facharbeiten aufzubauen. Nur Lehrer dürften Zugang zu diesem Archiv haben und könnten an der Aktualisierung mit- wirken. Dieses Zentralarchiv könnte auch kommerzielle CD-ROMs mit Schü- lerarbeiten, wie z.B. ‘PaukerSchreck’, aufnehmen und nach dem Vorbild von Netz-Bibliotheken mit vollständigen On- line-Texten gedruckter Bücher, ähnlich wie z.B. das PROJEKT GUTENBERG (http://www.gutenberg2000.de), arbei- ten. Gefordert wären hier übergeordnete Bildungsinstitutionen, wie z.B. der DEUTSCHE BILDUNGSSERVER (http://www.bildungsserver. de), der bis- lang eher kontraproduktiv wirkt, weil er ohne Warnungen vor Plagiaten eine grö- ßere Link-Liste zu den wichtigsten On- line-Archiven speziell für Schüler (http://dbs.bbf.dipf.de/zeigen.html?seite =1331) anbietet. Bis die Idee eines deut- schen Zentralarchivs verwirklicht wird, könnten zur Verringerung des Arbeits-

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aufwands und der Kosten mehrere Schu- len beim Aufbau von Referate-Sammlun- gen kooperieren.

lich oder sinngemäß übernommenen Pas- sagen habe ich im Einzelnen unter ge- nauer Angabe des Fundortes gekenn-

Projektberichten oder Facharbeiten, kann zusätzlich die Anfertigung einer neuen Ar- beit mit ganz anderem Thema gefordert

6. Plagiat-Prävention Viel wünschenswerter als die Aufde-

zeichnet.“ Ergänzt werden könnte die Eh- renwörtliche Erklärung durch eine Auf- zählung der drastischen Konsequenzen

werden. In Wiederholungsfällen können auch weiterreichende Konsequenzen not- wendig werden, wie z.B. die im § 61 des

ckung von Plagiaten ist die Verhinderung

bei Verstößen.

Niedersächsischen Schulgesetzes be-

von

geistigem Diebstahl. Folgende acht

schriebenen ‘Erziehungsmittel und Ord-

Strategien sind als Schrittfolge besonders

6.4.

Arbeiten auf Diskette einfordern

nungsmaßnahmen’ (http://nibis.ni.schule.

wirksam.

Zur Erleichterung der Plagiat-Überprü- fung müssen die Schüler ihre Arbeiten

de/~ps5aur/ErzOrd.html).

Nach dem Einsatz der vorgeschlagenen

6.1.

Über Plagiate informieren

nicht nur ausgedruckt, sondern auch auf

Strategien zur Prävention und vor allem

wenige Schüler kennen den Begriffs-

inhalt von Plagiaten oder wissen, dass Plagiate strafbare Handlungen sind und

Nur

Diskette in einer aktuellen WORD-Ver- sion abgeben.

zum Aufdecken von Plagiaten können die Lehrer mit großer Überzeugung verkün- den: „So gut wie die Schüler sind wir Leh-

spürbare Konsequenzen haben können.

6.5.

Quellen als Kopie einfordern

rer schon lange!“

Einige Schüler halten nur das Abschrei-

Als Kopien im Anhang der Arbeit einge-

aus gedruckten Quellen, nicht aber

aus dem Internet für verboten. Schon das ausführliche Informieren über Plagiate und deren nachteilige Konsequenzen zeigt in der Regel erste positive Wirkun-

ben

reicht werden müssen alle gedruckten Quellen (mit Ausnahme von Büchern) so- wie alle WWW-Quellen in ausgedruckter Form.

gen.

6.6.

digen

Online-Suche nach Plagiaten ankün-

6.2.

Zitieren von Online-Quellen trainie-

Schon die Ankündigung der gezielten Re-

ren Damit Schüler das Verfassen von detail- lierten Quellenangaben beherrschen, müssen sie unter Anleitung trainieren, nicht nur aus gedruckten Werken, son- dern auch aus Online-Texten sauber zu

cherche nach Online-Plagiaten wirkt für viele Schüler abschreckend, wobei die komplette Überprüfung aller Arbeiten am mühevollsten, aber auch am wirkungs- vollsten ist.

zitieren. Dabei sollten alle Quellenanga-

6.7.

Online-Suche nach Plagiaten durch-

ben

folgende Informationen enthalten:

führen

Verfasser (mit Nachname und Vor-

Wenn die Suche nach Plagiaten angekün-

name), genauer Titel (evtl. auch Unterti- tel), Jahr und Seitenzahlen. Bei gedruck-

digt wurde, dann muss sie auch durchge- führt werden. Am Anfang sollte man zur

ten

Quellen kommen Ort und Verlag

Abschreckung möglichst alle Arbeiten

noch hinzu. Bei Online-Quellen nennt

überprüfen. Später reichen auch Stichpro-

man

stattdessen die WWW-Adresse und

ben sowie die Überprüfung der Arbeiten

das

Datum des Aufrufs. Beispiele für

besonders gefährdeter Schüler.

Quellenangaben finden sich im Litera- turverzeichnis.

6.8. Plagiate nachweisen

6.3.

Weil aber bei zahlreichen Schülern die In- formationen über Plagiate nur wenig aus-

richten, sind eigenhändig unterschriebene Ehrenwörtliche Erklärungen wirksamer.

Verpflichtungen einfordern

Studenten vorgeschlagenen Erklärung:

Falls nennenswerte Plagiate auftreten, sollte man sie überzeugend und dauerhaft durch Ausdrucken der entsprechenden

Online-Quellen (einschließlich WWW- Adresse und Datum) nachweisen.

Übernommen werden könnte z.B. der

6.9.

Plagiat-Sünder konsequent bestrafen

Wortlaut der (vom Vechtaer Germanistik- professor Dr. Wilfried Kürschner) für

Weil die bloßen Strafandrohungen nicht bei allen Schülern wirken, müssen ange- kündigte Konsequenzen bei eindeutig

„Hiermit versichere ich, dass ich die vor- liegende Arbeit selbstständig und unter Benutzung keiner anderen Quellen als

nachgewiesenen Plagiaten auch tatsäch- lich durchgeführt werden, denn dadurch wird die Gerechtigkeit erhöht und die Ab-

den

genannten (gedruckte Werke, Werke

schreckung vergrößert. Die gängigste

in elektronischer Form im Internet, auf

Konsequenz ist die Vergabe der Note ‘un-

CD

und anderen Speichermedien) ver-

genügend (6)’ bei Täuschungsversuchen.

fasst

habe. Alle aus solchen Quellen wört-

Bei größeren Arbeiten, z.B. Referaten,

Literatur

Aigner, Franz: Das Plagiat. Online unter:

http://www.informationsbroker.at/plagiat.h tml (Stand: Frühjahr 2003, Aufruf:

14.07.2003)

Molfenter; Arne / Göbel, Markus: Examensar- beit in fünf Minuten. Das Kopieren wissen- schaftlicher Arbeiten aus dem Internet wird zum Sport. In: DIE ZEIT. Nr. 50/2001. On- line unter: http://www.zeit.de/2001/50/pla- giat (Stand: Dezember 2001, Aufruf:

26.06.2003)

Morawietz, Holger: Unterrichtsplanung mit dem Internet. Konzepte, Beispiele und hilf- reiche WWW-Adressen. In: Realschule in Deutschland. Heft 4/1999, S. 19-24 Morawietz, Holger: Schüler arbeiten online. Lernmöglichkeiten und Lernorte im Inter- net. In: Realschule in Deutschland. Heft 6/2000, S. 20-25 Morawietz, Holger: Sinn und Unsinn in On- line-Übersetzungen. In: Realschule in

Deutschland. Heft 3/2001, S. 18-23 Rötzer, Florian: Originalität und Plagiat. On- line unter: http://www.heise.de//tp/deutsch/ inhalt/co/5067/1.html (Stand 09.07.1999, Aufruf: 14.07.2003) Weber-Wulff, Debora: Aufdeckung von Pla- giaten: Suchen im Internet für Lehrkräfte. Online unter: http://www.f4.fhtw-berlin. de/~weberwu/papers/plagiat.shtml (Stand:

02.08.2001, Aufruf: 14.07.2003) Weber-Wulff, Debora: Schummeln mit dem Internet? Praxistipps aus der Sicht einer Professorin. In: computer technik (c’ t). Heft 1/2002, S. 64 - 69. Online unter:

http://www.unikik.uni-hannover.de/down-

load/schummeln.pdf (Aufruf: 14.07.2003) Zuletzt die Resultate der Trainingsaufgaben:

Nur die Textauszüge 1, 2, 4, 5 und 8 sind Plagiate.

Dr. Holger Morawietz Lange Wand 20 49377 Vechta