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Lautsprecher

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Ein Lautsprecher ist ein Gerät, das niederfrequente elektrische Signale in Schall umwandelt.

Beispiele für Lautsprecher

Lautsprecher werden in verschiedenen Größen, Ausführungen und Qualitäten produziert. Je


höher die zu reproduzierenden Töne, desto kleiner die Abmessungen des Lautsprechers.
Verwendet werden Lautsprecher in der Regel in Lautsprecherboxen, Radios, Fernsehern,
Funkempfängern, Handsprechfunkgeräten, Messempfängern, Mobiltelefonen und
Kopfhörern.

Lautsprecher werden auch Chassis oder Treiber genannt, obwohl diese Begriffe eigentlich nur
bestimmte Teile von Lautsprechern bezeichnen, nämlich den sogenannten Korb und den
Membranantrieb. Auch der Oberbegriff Schallwandler und der Anglizismus Speaker sind
gebräuchlich.

Bereits am 26. Oktober 1861 stellte der Volksschullehrer Philipp Reis das von ihm erfundene
Telefon beim Physikalischen Verein in Frankfurt vor. Es gelang ihm aber nicht, seiner Umwelt
die Bedeutung seiner Erfindung zu vermitteln. 1870 führte Thomas Alva Edison die ersten
Experimente mit seinem Phonographen durch. Alexander Graham Bell entwickelte – nach
eigenem Bekunden – auf der Erfindung von Reis aufbauend das Telefon zur Marktreife
weiter. Die Erfindung des Schallwandlers, fand somit sozusagen nebenbei statt.

Die mechanischen Lautsprecher von Thomas Alva Edison und Emile Berliner kamen noch
ohne elektrischen Strom aus. Werner von Siemens hat 1878 ein Patent für den noch heute
gebräuchlichen elektrodynamischen Lautsprecher erhalten. Diese Konstruktion war schon
sehr ausgereift, mit feststehendem (Hufeisen-)Magnet, beweglicher Schwingspule und
beweglicher NAWI-Membran (NAWI steht für nicht abwickelbar[1]). Sein Pech war das
Fehlen geeigneter Verstärker. Als Begründer der modernen Lautsprecher gilt in England der
an der Universität Birmingham lehrende Physikprofessor Sir Oliver Lodge, der im Jahre 1898
die Gesetze des Elektromagnetismus anwandte, um eine Versuchsanordnung aufzubauen, die
durch elektrischen Strom hervorgerufene Laute erzeugt. Für die im heutigen Sinne
naturgetreue Wiedergabe von Klängen taugte der primitive elektromagnetische Lautsprecher
mit feststehender Spule und beweglichem Eisenkern natürlich noch nicht, aber immerhin war
ein Anfang gemacht.
27 Jahre sollte es noch dauern, bis die erste Funkausstellung in Berlin im Jahre 1925 mit dem
Blatthaller den ersten elektrodynamischen Lautsprecher präsentierte, eine abenteuerliche
Konstruktion von gut einem Meter Länge, die ein feststehendes Magnetsystem und einen
beweglichen stromdurchflossenen Leiter besaß. Im gleichen Jahr hatten Edward Kellog und
Chester Rice von der amerikanischen Firma Western Electric den elektrodynamischen
Lautsprecher entwickelt, wie er im Prinzip heute noch in weit über 90 Prozent aller
Lautsprechersysteme eingebaut wird. Er besitzt eine bewegliche Schwingspule, die mit einer
Konusmembran verbunden ist und sich im Takt des durch sie hindurchfließenden Stroms von
dem sie umgebenden Magnetfeld gewissermaßen abstößt. Größtes Problem war in dieser Zeit
der äußerst geringe Lautsprecher-Wirkungsgrad (Kennschalldruck), der riesige Hörner zur
Schallverstärkung erforderlich machte. Bei der Kinobeschallung, für die diese
Hornlautsprecher eingesetzt wurden, waren die enormen Abmessungen aber kein Problem.

Eine andere technische Klippe galt es erst noch zu umschiffen: Dauermagnete mit
ausreichender Kraft (magnetischer Induktion bzw. magnetischem Fluss) gab es zu Anfang des
20. Jahrhunderts noch nicht, und deshalb erzeugten damals Elektromagnete das erforderliche
Magnetfeld. Der Engländer Paul G. A. H. Voigt zählt zu den Pionieren der Lautsprecher mit
Permanentmagnet; nachdem er mit seiner 1927 gegründeten Firma Lowther Voigt Ltd.
zunächst Schallwandler mit „Energized Magnet“ hergestellt hatte, präsentierte er im Jahr 1936
den ersten Prototypen eines Lautsprechers mit „Permanent Magnet“. Aber erst die
Militärforschung des Zweiten Weltkriegs erbrachte leistungsfähige Magnetmaterialien aus
Legierungen von Metallen der Seltenen Erden, die ab 1945 die Lautsprecher mit Feldspule
auf breiter Front verdrängten.

Die Ära des modernen Lautsprechers beginnt mit den Arbeiten des Australiers Albert Neville
Thiele und des US-Amerikaners Richard H. Small, die ab 1951 die Wechselwirkungen
zwischen dem Lautsprecher und seinem Gehäuse auf eine theoretisch fundierte Grundlage
stellten (Thiele-Small-Parameter) und die Voraussetzungen dafür erarbeiteten, dass relativ
kleine Lautsprecherboxen heute erstaunlich tiefe Frequenzen abstrahlen können. So
verwundert es nicht, dass die Mehrzahl der heute aktiven Lautsprecherhersteller sich erst in
den sechziger und frühen siebziger Jahren gründeten.

Den für die Analyse und Simulation direktstrahlender Lautsprecher wesentlichen Beiträgen
von Thiele und Small gingen zahlreiche theoretische Abhandlungen über akustische Elemente
voraus, von den vor allem Elements of Acoustical Engineering (1940) von Harry F. Olson zu
nennen ist.

Grundprinzip

Zur Wandlung elektrischer Energie in Schallwellen werden fast ausnahmslos Membranen


(meist: flach trichterförmige, konzentrisch zulaufende dünne Pappe o.Ä. mit ringförmigem
Wulst am äußeren Rand und flachkugelig nach außen gewölbtem Zentrum) in mechanische
Schwingungen versetzt. In den meisten Fällen sollen diese als Kolbenstrahler wirken, die
Membran soll also ganzflächig und gleichmäßig bewegt werden. Dieses ist im Allgemeinen
nur bei - im Verhältnis zur Membranfläche - tiefen Frequenzen zu erreichen. Alle Membranen
brechen bei höheren Frequenzen in Teilgebiete auf, die sich gegensinnig bewegen, dabei
entstehen notwendig Knotenlinien, auf denen sich die Membran gar nicht bewegt. Im
Allgemeinen setzt dieses Phänomen der Partialschwingungen eine obere Frequenzgrenze für
die Nutzung der Membran, da dann Bündelungs- und Resonanzerscheinungen überhand
nehmen. Durch gezielte Werkstoffauswahl (weiche Polymere) können Membranen eine hohe
innere Dämpfung aufweisen, die die Partialschwingungen erfolgreich niederhalten, so dass
die obere Frequenzgrenze eher durch die geometrisch bedingte Bündelung des Schalls oder
durch Gegebenheiten des Antriebs bestimmt wird. Dies geht auf Kosten des Wirkungsgrades
und evtl. auch des Klirrverhaltens. Meistens bedingt hoher Wirkungsgrad harte Membranen
und dadurch mehr Partialschwingungsprobleme.

Die Abstrahlung von Schallwellen ist intuitiv schwer zu erfassen und wird meist falsch
verstanden. Sie hat zwei Anteile. Es kommt zuerst dabei nicht auf die sichtbare oder fühlbare
Membranauslenkung an, sondern auf die Membranschnelle, also die
Momentangeschwindigkeit. Der Strahlungswiderstand ist zweitens dafür verantwortlich, dass
die Membranschnelle in eine Druckwelle umgesetzt wird. Dieser Widerstand ist abhängig von
der Membranform und Größe, sowie der Frequenz und dem Medium (meist Luft). Er hat stets
den Wert 0 bei der Frequenz 0 Hz und steigt bis auf einen von Form und Größe der Membran
vorgegeben Grenzwert an, mit einigem Überschwingen. Beim klassischen Problem des
Kolbenstrahlers in unendlicher Schallwand im allseits unendlich großen Raum ist der
Strahlungswiderstand bis zum Grenzwert proportional zur Frequenz. Dies sollte ein stark
höhenbetontes Klangbild zur Folge haben. Es ist bei fast allen Strahlern aber so, dass die
aufgebrachte mechanische Kraft für höhere Frequenzen konstant ist und damit nach Newton
auch die Beschleunigung. Dies bedingt, dass die Schnelle umgekehrt proportional zur
Frequenz ist. Dies kompensiert genau das Ansteigen des Strahlungswiderstandes. Bei den
meisten Strahlern gibt es also ohne weiteres Zutun einen Bereich, in dem die abgestrahlte
Leistung unabhängig von der Frequenz ist und dieser wird folglich zum Hauptarbeitsbereich
gewählt.

Das Beispiel mit unendlicher Schallwand zeigt, dass eine analytisch mathematische
Behandlung nur in einfachen Modellfällen möglich ist. Mehrere Membranen, oder
Resonatoren interagieren miteinander und den Strukturelementen von Räumen, dies verändert
auch den Strahlungswiderstand. Man kann sich den Strahlungswiderstand auch vorstellen als
zusammengefasste Rückwirkung des Strahlungsfeldes auf den Strahler.

Bei Direktstrahlern, die nur Membranen beinhalten, sind die Kräfte, mit denen das
Strahlungsfeld auf die Membran zurückwirkt gegenüber der Antriebskraft, der Massenträgheit
und den elastischen Federkräften vernachlässigbar. Die Bewegung der Membran ist also
praktisch unabhängig vom barometrischen Gleich-Luftdruck, bis hin zum Vakuum.
Elektrische und mechanische Messungen an Chassis sind somit im Freifeld vergleichbar mit
solchen im Hallraum. Die Berechnung der Zusammenschaltung mehrerer Membranen zu
einem Feld kann daher durch einfache, rückwirkungsfreie Überlagerung der
Einzelcharakteristiken erfolgen.

Der Einsatz von akustischen Resonatoren oder Transformatoren (Hörnern) ändert punktuell
oder breitbandig die Ankopplung der Membran an das Strahlungsfeld, und zwar drastisch. Die
Kräfte des Strahlungsfeldes auf die Membran sind nicht länger vernachlässigbar. Die
Zusammenschaltung ist in diesem Fall nicht rückwirkungsfrei und auch die anderen
Vereinfachungen gelten nicht mehr.

Grundsätzliche Limitationen
Hauptartikel: Schallreproduktion
Eine unüberwindliche Ursache für Klangverfälschungen ist der Hörraum selbst. Selbst wenn
der Schallwandler ohne jeden Fehler ideal funktionierte, so werden die von den Wänden
zurückgeworfenen Schallwellen in komplizierter Weise mit dem Direktschall überlagert.

Bestimmte Frequenzen werden stark gedämpft übertragen und ein unregelmäßiges Verhalten
tritt auf. An zwei leicht verschiedenen Orten ergeben sich stark unterschiedliche Ergebnisse.

Für einen bestimmten Punkt im Raum könnten die Verfälschungen durch inverse Filterung
beseitigt werden. Allerdings werden die Probleme wenige Zentimeter daneben nicht besser,
sondern eher schlimmer. Damit ist auch klar, dass das Schallfeld eines Aufnahmeraumes auf
keinen Fall im normalen Hörraum reproduziert werden kann. Es ist damit auch klar, dass
Optimierungen des Frequenzganges im echoarmen Raum im Falle des normalen Hörraumes
relativ uninteressant sind.

Es sei erwähnt, dass diese Effekte auch bei anderen Schallquellen auftreten, etwa bei einem
Sprecher oder einem Musikinstrument an Stelle des Lautsprechers. Die Verfälschungen sind
immer vorhanden und gehören zur Alltagserfahrung, es ist kein Zufall, dass das Gehör
unempfindlich gegenüber solchen Störungen ist.

Antriebsformen

Schallwandler können auf unterschiedliche Weise angetrieben werden. Die überwiegende


Bauform ist dabei der elektrodynamische Lautsprecher mit zentralem Antrieb.

Elektrostatische und magnetostatische Lautsprecher werden auf Grund der großen strahlenden
Flächen auch als Flächenstrahler bezeichnet. Deren Merkmale sind die bipolare Abstrahlung
sowie hohe Bündlungsfaktoren schon bei mittleren Frequenzen.

Elektrodynamischer Lautsprecher

Hauptartikel: Elektrodynamischer Lautsprecher

Bei elektrodynamischen Lautsprechern wird die Membran durch die Wechselwirkung


zwischen elektrischem Strom und einem magnetischen Gleichfeld angetrieben.

Eine stromdurchflossene Spule (Schwingspule, engl. Voice coil) befindet sich im


magnetischen Gleichfeld eines Magneten.

Der klassische elektrodynamische Lautsprecher hat eine zentrale Schwingspule. Andere


Formen arbeiten mit dezentralen Antrieben. Diese werden als Magnetostaten bezeichnet und
sind eine Form von Flächenstrahlern.

Die Spule befindet sich auf einem Schwingspulenträger, der wiederum an der Membran
(Cone) befestigt ist. Leitet man einen Wechselstrom durch die Spule, wird durch die
Lorentzkraft eine Kraft auf die Membran ausgeübt, die diese zum Schwingen veranlasst.
Spule und Membran können sich im Magnetfeld vorzugsweise in der Richtung senkrecht zum
Feldverlauf hin- und herbewegen. Eine Zentrierspinne (engl. Spider) und die Sicke (engl.
Surround) sind für die Rückführung der Membran in die Ruhelage sowie für die Zentrierung
der Schwingspule verantwortlich. Die Sicke verhindert weiterhin einen direkten
Luftaustausch zwischen Vorder- und Rückseite.