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Donnerstag, 10. Januar 2013

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THEMA

DER WOCHE

Open Air Gampel rockt

Gampel / Turtmann Vom 15. bis 18. August verwandelt sich der Walliser Talgrund in einen Festkessel. Neben zahlreichen internationa- len Top-Acts, sind auch Walliser Bands am Start.

Das Line-Up vom Open-Air Gampel rockt in diesem Jahr gewaltig. Neben unzähligen anderen ausgezeichne- ten Bands, werden Acts wie Tenaci- ous D, Billy Talent, Biffy Clyro, Par- ov Stelar Band, The Gaslight Anthem oder Xavas den Festivalbesuchern mächtig einheizen. Traditionsgemä- ss spielen in Gampel aber auch Wal- liser Bands: Bzar (siehe Interview rechts), die bekannte und talentierte Oberwalliser Ska-Jazz-Combo Scut- luck und das Unterwalliser Trio Ky- asma. Obwohl diese Bands nicht als Headliner gehandelt werden, bieten sie Musik vom Feinsten - allen voran die junge Band Kyasma.

Am Anfang war die Eifersucht Zum ersten Mal traffen sich Djamel Cencio (Sänger, Pianist, Gitarrist, Komponist) und Melchior Ebener (Bassist) im Alter von fünf Jahren. «Ich war unglaublich eifersüchtig

(Foto: La Fouinographe)
(Foto: La Fouinographe)

Erfolg als logische Konsequenz: Die junge Unterwalliser Band Kyasma hat Weltformat.

auf Melchior», erzählt Djamel und lacht. «Er hatte die erste Playstati- on der Schweiz, diese stand dann auch am Anfang unserer Freund- schaft.» Die zwei Freunde holten den Schlagzeuger Jonathan de Castro ins Boot und gründeten bereits mit 12 Jahren unter dem Namen Child ih- re erste Band. «Wir spielten Grunge, coverten Nirvana, The White Stri- pes aber auch erste eigene Kompo- sitionen», erinnert sich Djamel zu- rück. Im August 2007 wurde Child

schliesslich in Kyasma umbenannt, die zweite Gitarre verschwand - und plötzlich ging alles ganz schnell.

Junge, aufstrebende Band Nach den ersten Konzerten im Un- terwallis ernteten die damals erst 17-Jährigen Musiker von den ver- schiedensten Seiten ausgezeichne- te Kritiken. «Sie imitieren nicht, sie kreieren», hiess es. «Sie haben ei- nen eigenen Sound, etwas, das man in dieser Form bisher noch nie ge-

HÄ? WEAR NEU AM OPEN AIR GAMPEL

Visp Das Walliser Kult-Label hä? ist neu am Open-Air Gampel vertreten.

Was steckt hinter dem Label hä? Hinter dem Label hä? steht eine Men- ge Innovation, Spass, Wallis und na- türlich auch Glück. Alles angetrieben von zwei Brüdern aus Visp mit viel viel Hilfe von Freunden & Familie.

Wie ist hä? entstanden? Ins Leben gerufen wurde hä? 2006 durch Zufall. Wir hatten am Anfang nie die Absicht dahin zu kommen, wo wir jetzt sind, doch als sich die Chan- ce dazu zeigte, haben wir sie gepackt und das Beste daraus gemacht. Man muss sich aber stetig weiterentwi- ckeln und darf nie stehenbleiben. So machts auch Spass und mit diesem lassen sich die verschiedenen Aufga- ben viel besser bewältigen.

Angefangen mit selbstgehäkelten Mützen, hat sich hä? zu einem Sze- nelabel entwickelt. Genau, damals haben wir mit selbst- gehäkelten Stirnbändern und Mützen und einem Startkapital von gerade mal 50 Franken die ersten Produkte hergestellt. Aus diesen 50 wurden 100 Franken, mit welchen wir wiede- rum Wolle gekauft haben und weiter- häkelten. So nahm alles seinen Lauf. Obwohl wir nicht schnell gewachsen sind, würden wir alles noch mal ge- nau so machen. Auch 7 Jahre später haben wir noch viele Produkte, die hier lokal im Wallis hergestellt wer- den. So findet der Kunde immer noch die selbst gehäkelten Stirnbänder und Mützen in unserem Sortiment . Neuerdings machen wir auch spezi- elle Shirtlinien, die wir selber herstel- len. Wir lieben das Wallis und daher

(Foto: hä?wear)
(Foto: hä?wear)

ist es uns wichtig, noch viel selber lo- kal produzieren können.

Sie machen gemeinsame Sache mit dem Open Air. Wie kam es dazu? Imboden Olivier wurde duch unsere Facebook-Fanpage auf uns aufmerk-

hört hat.» Oder: «Die Spieltechnik dieser jungen Musiker ist unglaub- lich, sie haben eine grosse Zukunft.» Die Verfasser dieser Kritiken sollten recht behalten. So wurden Kyasma im März 2013 für den Swiss Music Award in der Kategorie «Best Talent» nominiert. Zwar mussten die Unter- walliser der Zürcher Band Hecht den Vortritt lassen, konnten ihre Klasse aber einem breiten Publikum bewei- sen.

Der endgültige Ritterschlag Kyasma produzierten ihr erstes Al- bum «Symphonie for Technology» in Zusammenarbeit mit dem Phil- harmonischen Orchester aus Prag. Djamel: «Wir machen Progressiven Rock, dabei mischen wir auch elek- tronische und klassische Musik. Un- ter dem Namen Kyasma sind viele Musikstile vereint.» Das Endprodukt wirkt durchdacht und spielerisch zugleich. Die Texte der Band unter- stützen diesen Kontrast. «Meistens schreibe ich über den Kampf zwi- schen Romantik und Vernunft», so Djamel. Das Kyasma Potenzial ha- ben, muss auch der englische Produ- zent John Cornfield gedacht haben, als er ein Lied, das ihm die Unterwal- liser zugesandt haben, hörte. «Es ist

sam. Er schätzt unsere Arbeit und auch die handgemachten Produkte. Da beide (OAG & hä?) im Wallis be- kannt sind, fanden wir es von Anfang an eine gute Sache, dass man zusam- men etwas auf die Beine stellen könnte. Nur kurze Zeit später war das hä?package dann schon beschlos- sene Sache.

Wie entstand das Open Air Shirt? Beide Parteien sollten beim hä? pa- ckage involviert sein. Da war die Idee mit einem gratis hä?shirt zum 4 Ta- gespass nicht fern. Speziell am hä?shirt ist das einmalige Design. Wir wollten «Gampel» so gut wie möglich im Design integrieren, somit findet man Musik, Tanz, Bier, Lagerfeuer, Good Times und Zelte, also eigentlich praktisch alles kombiniert in einem Design, dargestellt als Piktogramme.

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unglaublich», staunt Djamel. «John Cornfield produziert weltbekannte Bands wie Muse und Oasis. Als er unseren Song hörte, wollte er unbe- dingt mit uns zusammenarbeiten.»

Auf dem Boden geblieben «Wir werden weiter an uns arbeiten», verspricht Djamel Cencio und er- gänzt: «Klar wollen wir von unserer Musik leben, wir gehen das Ganze aber locker an. In erster Linie inte- ressiert uns der künstlerische As- pekt.» Und das Open-Air Gampel? «Wir freuen uns sehr auf unseren Auftritt. Wir waren bereits mehrmals als Besucher dabei und werden alles geben. Wir versprechen eine explo- sive Show mit einigen Überraschun- gen.» Der internationale Durchbruch von Kyasma ist wohl nur eine Frage der Zeit. Und davon haben die jungen Musiker noch mehr als genug.

Tobias Tscherrig

INFOS ZUR SICHERHEIT Um Langfingern keine Chance auf Beute zu geben, gibt es in diesem
INFOS ZUR SICHERHEIT Um Langfingern keine Chance auf Beute zu geben, gibt es in diesem

INFOS ZUR SICHERHEIT

INFOS ZUR SICHERHEIT Um Langfingern keine Chance auf Beute zu geben, gibt es in diesem Jahr

Um Langfingern keine Chance auf Beute zu geben, gibt es in diesem Jahr neu Schliessfächer auf dem Open Air Gelände. Die Parkplätze für VIP, Stände und Medien, sowie der Park & Ride in Turtmann werden neu be- wacht. Der Bustransfer zwischen Turt- mann und Gampel wird auf 24-h-Be- trieb ausgebaut. Der Sanitätsposten erhält erhöhten Personenschutz.

Zudem führen Sie eine neue Bar. Was können die Besucher erwarten? Die Bar führen wir zusammen mit un- serem Kollegen Matthias Schwester- mann, der sich mit seinem Kumpel Sven Zehnder das letzte Jahr über im Perron1 mit eigenen Wasteland-Par- ties einen Namen gemacht hat. Wa- steland bringt die Hütte mit feinstem Rock (Rockabilly, Punk, Surf, Trash, Indie, Garage) zum Kochen. Da wir rechts neben der Bühne1 unsere Bar haben, ist die tägliche Afterparty nach dem Hauptact für die Festi- valbesucher nicht weit. Wir haben di- verse DJs der Szene eingeladen, wel- che für viel Stimmung sorgen werden. Wer die Musikrichtung Rock liebt oder bereits an einer Wasteland-Party ge- feiert hat, der wird sich an unserer Bar sicherlich wohlfühlen. dk

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NACHGEFRAGT BEI: Bzar, Musiker und Rapper

 

«DAS OPEN AIR GAMPEL IST IMMER WIEDER DER WAHNSINN»

Visp Bzar ist nach längerer musika- lischer Pause wieder zurück. Im RZ-In- terview erzählt der Musiker und Rap- per von seinem neuen Album, seiner Karriere und dem Open Air Gampel Song.

(Foto: Christian Pfammatter)
(Foto: Christian Pfammatter)

Bzar wird am Open Air Gampel auch den Gampel-Song «Kei Schlaf» live performen.

Ja, und wie. Ich denke, es ist für je- den einheimischen Künstler und Mu- siker ein Highlight, in Gampel auf der Bühne zu stehen. Denn es ist nicht selbstverständlich, dort oben stehen zu dürfen.

Sie standen aber schon einige Male auf der Open Air Bühne. Es ist immer wieder der Wahnsinn, in Gampel auf der Bühne zu stehen. Ich hatte das Glück, schon einige Male auf der Bühne zu stehen. 2008 war mein erster Auftritt als Bzar, zwei Jah- re später stand ich mit dB die Band am Mikrofon. Und 2011 durfte ich gleich bei zwei Schweizer Künstle- rinnen einen Gastauftritt ergattern, bei Sina und Steff la Cheffe. Das war einfach grossartig!

vös zu werden. Aber ich glaube, wenn ich kurz davor stehe, die Bühne zu betreten, wird mich die Nervosität und das Lampenfieber packen. Die- ses Gefühl ist es, was es ausmacht, vor Leuten auf einer Bühne zu perfor- men.

Sie haben den neuen Open Air Song geschrieben. Wie kam es dazu? Ich wurde vom OK des Open Airs an- gefragt, ob ich Interesse daran hätte, einen Song zum Festival zu machen. Natürlich musste ich nicht lange überlegen und willigte sofort ein. Ich holte sofort meinen Produzenten Will Jungo mit ins Boot, der mein Album

produziert hat und auch in der Band mitwirkt, um mir bei diesem Projekt zu helfen.

Wie ist das Lied dann entstanden? Die Organisatoren gaben uns einige Vorgaben, die der Open Air Song zu erfüllen hatte. So sollte es ein Dance Track werden, zu dem die Leute tan- zen und abgehen können. Das Lied sollte einerseits die Leute mit der Me- lodie und dem Text «gluschtig» da- rauf machen, nach Gampel zu kom- men. Aber auch das Video zum Song sollte zeigen, was in Gampel an den vier Festivaltagen los ist. Nach vielen Stunden Arbeit, unzähligen verschie- denen Versionen und langen Nächten im Studio ohne Schlaf entstand all- mählich in Zusammenarbeit mit dem OK der Song «Kei Schlaf».

Wie bereiten Sie sich vor? Die Vorbereitungen sind voll im Gan- ge. Wir proben intensiv in unserem kleinen Übungsraum und auch die Tänzerinnen kennen den genauen Ab- lauf und jede Schrittfolge sitzt. Wir wollen nichts dem Zufall überlassen. Jeder weiss ganz genau, was am Open Air zu tun sein wird. Bei einer Generalprobe üben wir das gesamte Konzert einmal durch. Auch die Tän- zerinnen werden mit dabei sein. Nur drei Leute sitzen dann im Publikum und kritisieren und coachen uns, da- mit wir Unklarheiten und Schwach- stellen noch beheben können.

Sie haben sich eine längere Pause ge- gönnt, sind jetzt aber mit einem neu- en Album «Bis hie bisch chu» am Start. Das stimmt. Ich habe für kurze Zeit die Freude an dem verloren, was ich immer geliebt habe. Ich fragte mich vor Auftritten, wofür ich das über- haupt machte. Ich wollte Musik aus Freude machen und nicht um damit Geld zu verdienen. Auch das Lampen- fieber und das gewisse Kribbeln ging verloren. Deshalb benötigte ich eine Pause. Nun bin ich aber zurück. Mein neues Album unterscheidet sich des- halb auch zum vorderen. Die Texte und Inhalte sind wichtiger geworden und erhalten mehr Sinn, aber auch die Musik an und für sich hat einen grösseren Stellenwert. Es ist eher ein Hip Hop Album geworden, während ich bei meinem ersten Album vor allem durch meine Technik als Rapper überzeugen wollte.

Böse Zungen behaupten, «Kei Schlaf» sei ein Coversong. Was sagen Sie da- zu? Da muss ich immer grinsen, wenn ich solche Aussagen höre. Denn es stimmt, es ist ein veränderter Cover- song von Faithless mit einem eigenen Text auf Walliserdeutsch. Aus dem machen wir aber auch kein Geheim- nis, denn dieser Song galt als Vorlage für den Open Air Song 2013.

Auch in diesem Jahr performen Sie in Gampel. Was können die Leute erwar- ten? Das Publikum kann sich einerseits auf viel Musik, fette Beats und tief- gründige Texte freuen, aber auch das Auge wird nicht zu kurz kommen, da die Tanzgruppe Project Dix den Auf- tritt visuell attraktiver macht. Ich wer- de mit Liveband performen und so mit dem Bassisten Will Jungo, einem Schlagzeuger, DJ und vielen anderen auf der Bühne stehen. Zudem dürfen wir zwei Gäste begrüssen. Insgesamt sind elf Leute bei dem Projekt dabei. Auch der Open Air Song wird zu hören sein, obwohl sich dieser ziemlich stark von unserem eigentlichen Mu- sikstil abhebt.

Freuen Sie sich auf den Auftritt? Ich freue mich extrem darauf. Im Mo- ment sind wir an der letzten Vorberei- tungen, so bleibt mir keine Zeit, ner-

Was bedeutet Ihnen persönlich das Open Air Gampel? Das Open Air Gampel bedeutet mir sehr viel. Bereits seit 17 Jahren bin ich in Gampel dabei, sei es als Festi- valbesucher oder aber Backstage beim Catering oder, wie letztes Jahr, im Mediateam. Zum Open Air Gampel habe ich eine spezielle Verbunden- heit.

Ist es für Sie etwas Besonderes, auf ei- ner heimischen Bühne zu stehen?

Was sind Ihre nächsten Pläne und Pro- jekte? In diesem Jahr durften wir bereits in den City Festivals Basel und St. Gallen auftreten. Beim Touch the La- ke in Zürich fiel ein Co-Headliner aus, so wurden wir kurzerhand von der kleinen Vorband zu einem Co-Headli- ner mit Vorbands. Unser Ziel ist es, Konzerte zu spielen und vor allem die Bühnen in der Deutschschweiz zu er- obern. Aber zuerst freuen wir uns auf Gampel und ich bin sicher, alle Festi- valbesucher kriegen «Kei Schlaf». dk