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Halepaghen-Schule Buxtehude

TIM SCHOLZ

Schuljahr 2008/2009

Kennzeichen Neuer Kriege am Beispiel des andauernden Konfliktes zwischen Tutsi und Hutu

Seminararbeit im Kurs Afrika – ein Kontinent zwischen Elend und Hoffnung

Kurs Afrika – ein Kontinent zwischen Elend und Hoffnung Betreuende Lehrkraft: Herr Baumgarten Ausgabetermin des

Betreuende Lehrkraft: Herr Baumgarten

Ausgabetermin des Themas: 12.02.2009

Abgabetermin der Arbeit: 26.03.2009

Inhaltsverzeichnis

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Seite

1. Einleitung

1.1 Erkenntnisinteresse

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1.2 Anmerkungen zur Vorgehensweise

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2. Die Kennzeichen Neuer Kriege

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3. Die Vorgeschichte

3.1 Die Bedeutung der Begriffe „Hutu“ und „Tutsi“

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3.2 Die Kolonialzeit

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3.3 Die Unabhängigkeit

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3.4 Der Völkermord

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4. Der aktuelle Konflikt

4.1 Die Konstellation

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4.2 Die wirtschaftliche Bedeutung

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4.3 Die Bevölkerung

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4.4 Internationale Reaktionen

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5. Fazit

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6. Literaturverzeichnis

6.1 Literatur

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6.2 Internetquellen

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7. Erklärungen

7.1 Selbstständigkeitserklärung

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7.2 Einverständniserklärung

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8. Anhang

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1. Einleitung

1.1 Erkenntnisinteresse

Das Thema meiner Seminararbeit „Kennzeichen Neuer Kriege am Beispiel des an- dauernden Konfliktes zwischen Tutsi und Hutu“ ist sowohl von aktueller, als auch von

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historischer Bedeutung.

Von August 2008 bis Januar 2009 herrschte im Osten der Demokratischen Republik Kongo wieder ein Konflikt, und zwar zwischen den Tutsi-Rebellen um Anführer Nkun- da und der kongolesischen Regierungsarmee des Präsidenten Kabila. Dieser war geprägt von gegenseitigen Vorwürfen über Kooperationspartner, wie die am Völkermord betei-

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ligten Hutu-Milizen auf Seiten Kongos, Ansichten, Ziele sowie internen Streitigkeiten. Somit rechtfertigt dieses Geflecht mit seinen Auswirkungen, besonders für die Bevölke- rung, eine genauere Untersuchung.

Im Vorwege möchte ich die Vorgeschichte der beiden ethnischen Gruppen, begin- nend in der Kolonialzeit, beschreiben. So werden die Zusammenhänge mit dem aktuel-

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len Konflikt verdeutlicht, der sich zwar auf nationaler Ebene abspielt, jedoch mit Betei- ligung externer Akteure. Dieser Punkt ist deswegen so wichtig, weil dadurch eine neue Kriegsform sichtbar wird, die der Neuen Kriege. Heutzutage sind sie unberechenbar und demnach für alle Beteiligten eine enorme Bedrohung.

Für mich persönlich sind die besagten Kriege der Grund, über dieses Thema eine Ar-

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beit zu schreiben. Erst im Politikunterricht ist mir die Gefahr, die von diesen Kriegen ausgeht, bewusst geworden. Sogar entfernte Staaten sind durch sie betroffen, wenn die Rebellen, wie im Kongo, die Ressourcen ausbeuten.

Daneben spielt auch der humanitäre Faktor, d.h. der Eingriff der hilflosen UN-Sol- daten und der Hilfsorganisationen, auf die die Bevölkerung angewiesen ist, eine bedeu-

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tende Rolle. Jedoch ist der „K-Kontinent“ (Kriege, Korruption, Krankheiten) Afrika dafür bekannt, dass diese Hilfsprozesse nicht reibungslos ablaufen können. Demnach spiegelt dieser Konflikt mein typisches Bild einer Auseinandersetzung in Afrika wider. In diesem Zusammenhang soll am Ende geprüft werden, inwiefern man den Krieg im Kongo als Neuen Krieg bezeichnen kann, ob es Einschränkungen oder bisher nicht ge-

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nannte Aspekte in Bezug auf die Definition der Neuen Kriege gibt.

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1.2 Anmerkungen zur Vorgehensweise

Zu Beginn werde ich die typischen Merkmale der Neuen Kriege auf Grundlage der Definition von Herfried Münkler erläutern. Um diese weiter zu verdeutlichen, ist der aktuelle Konflikt zwischen den Tutsi und Hutu ein geeignetes Beispiel. Zuvor bedarf es

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jedoch der Aufzeigung des historischen Hintergrundes des Konfliktes, damit am Ende im Fazit die Kennzeichen mit dem Beispiel umfassend verglichen werden können.

Aufgrund der Eingeschränktheit dieser Arbeit und der Vielzahl an Quellen, besonders in Bezug auf die Zeitschriftenartikel für das 4. Kapitel, beschränke ich mich auf die wichtigsten Aspekte. Für eine genauere Analyse ist der Umfang der Seminararbeit nicht

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geeignet.

2. Die Kennzeichen Neuer Kriege

Um die Grundlage für das Thema dieser Arbeit zu schaffen, werden in diesem Kapitel die typischen Merkmale der so genannten Neuen Kriege erläutert, anhand derer am En- de der aktuellste Konflikt zwischen Tutsi und Hutu untersucht werden soll.

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Der klassische Staatenkrieg ist aufgrund des politischen Wandels seit dem Ende des Kalten Krieges, den hohen Kosten und möglichen Schäden ein „Auslaufmodell“. Dies trifft für Europa größtenteils zu, jedoch nicht für Afrika und Asien, wo die transnatio- nalen Kriege bzw. Neuen Kriege an die Stelle der klassischen getreten sind.

In den klassischen Kriegen folgen die beteiligten Staaten noch einem geregelten Ab-

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lauf gemäß dem Kriegsrecht, das heißt der Beginn wird durch eine Kriegserklärung und das Ende durch einen Friedensschluss markiert. Das Ende bedeutet gleichzeitig auch den Sieg einer Partei, der mit der Entscheidungsschlacht einhergeht. 1 Im Gegensatz da- zu sind in den Neuen Kriegen anstatt von Staaten parastaatliche und private Akteure, wie Warlords mit ihren Rebellen, die bestimmenden Kräfte. Sie kontrollieren Gebiete in

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Staaten, in denen der Staat keine Kontrolle mehr über sein Gewaltmonopol hat und so die Bevölkerung sowie den Markt nicht ausreichend schützen kann. Die eigene maro- dierende Armee und die Warlords beachten die Konventionen eines Staatenkrieges nicht.

1 Vgl. Münkler, Herfried, Neues vom Chamäleon Krieg, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 16-17/2007, Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.), Bonn 16.04.2007, S. 3ff.

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Vielmehr herrschen in den Neuen Kriegen asymmetrische Verhältnisse zwischen den

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ungleich starken Gegnern. Es wäre also möglich, dass ein von der Größe und Ausstat- tung überlegenes Militär den Rebellen unterlegen ist, da sie auf die Partisanenstrategie setzen, billige und effektive Kindersoldaten sowie Jugendliche mit leichten Waffen ein- setzen und eine höhere Mobilität aufweisen. 2 Damit verbilligt sich die Kriegsführung. Hinzu kommt, dass die Parteien die Kosten für ihre Kriegsführung finanzieren bzw.

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einsparen, indem sie illegale Güter, wie Drogen, und ausgebeutete Ressourcen über den Anschluss an die Weltwirtschaft über international organisierte, kriminelle Netzwerke verkaufen und die Gewinne privatisieren sowie ihre Kämpfer mit Gütern der internatio- nalen Hilfsorganisationen, die aufgrund der Flüchtlingsströme in der Lagern tätig wer- den, versorgen. Wenn sich die Flüchtlinge in einen Nachbarstaat begeben, werden die

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dortigen Flüchtlingslager zum Angriffsziel anderer Parteien, um die Hilfsgüter zu rau- ben, und der Krieg transnationalisiert sich. 3

Die ökonomischen Aspekte erklären, warum die Neuen Kriege auch „low intensity wars“ genannt werden. Die Warlords sind nämlich stets um die Fortdauer des Krieges und Vermeidung einer Entscheidungsschlacht bemüht. Deswegen können die Kämpfe

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überall kurzzeitig intensiv ausbrechen, weswegen es keine Front gibt, und wieder bis zur Unwahrnehmbarkeit abnehmen. Zudem ist die lange Dauer auch mit dem Bedarf nach Ressourcen oder erneuten Angriffen einer Kriegspartei zu begründen. 4

Ein weiteres Merkmal der Neuen Kriege, bei dem das Kriegsrecht missachtet wird, ist die Tatsache, dass sich die Gewalt überwiegend gegen die Zivilisten richtet. Mit Gewalt

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– sollte es sich nicht um einen Genozid handeln – soll entweder die Vertreibung einer Bevölkerungsgruppe oder der Zwang zur Unterstützung der Gruppierung erreicht wer- den, um so die Kriegsökonomie aufrecht zu erhalten und die Fortdauer des Krieges zu sichern. Unterstützung meint hierbei Raub, Plünderungen und Arbeit unter Gewaltan- drohung. Die Einschüchterung der Bevölkerung, beispielsweise durch Massaker und

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„Vergewaltigungsstrategien“ der Bewaffneten, spielt dabei eine große Rolle. Außerdem sind viele Zivilisten einerseits aufgrund der Kriegssituation und Gewaltandrohung nicht in der Lage, an Nahrung zu gelangen und verhungern, oder sind andererseits in den Flüchtlingslagern Seuchen ausgesetzt. Letztendlich fallen 80 Prozent Zivilisten den Neuen Kriegen zum Opfer. 5

2 Vgl. ders., Die neuen Kriege, Reinbek bei Hamburg 2002, S. 33ff.

3 Vgl. ebd., S. 153ff.

4 Vgl. ebd., S. 24ff.

5 Vgl. ebd., S. 28ff.

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Zuletzt zeichnen sich die Neuen Kriege dadurch aus, dass sie nicht wie die klassi- schen Kriege mit einem Friedensschluss zu beenden sind. Es handelt sich eher um einen aufwändigen Friedensprozess, der von Interventionsmächten und internationalen Hilfs- organisationen koordiniert werden muss, um dadurch einen Genozid oder einen „low intensity war“ zu verhindern. Da dieser Prozess meist mit hohen Kosten, Schäden durch

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Angriffe der Bewaffneten und geringem Erfolg verbunden ist, halten sich die westlichen Mächte erfahrungsgemäß zurück, einzugreifen. Bei ihrer Anwesenheit schaffen die Warlords nämlich aufgrund der Transnationalisierung und der Ökonomie des Konfliktes einfach neue kriminelle Strukturen. 6

Hinsichtlich des weit zurückreichenden Ursprungs des mit den genannten Kennzei-

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chen zu untersuchenden Konfliktes im Kongo, bietet es sich im Vorfeld an, einmal den historischen Hintergrund darzustellen, um den aktuellen Konflikt verstehen und einord- nen zu können.

3. Die Vorgeschichte

3.1 Die Bedeutung der Begriffe „Hutu“ und „Tutsi“

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Am Ende des 19. Jahrhunderts erkundeten die ersten Europäer Ruanda. Obwohl sie feststellten, dass sich die dortige Bevölkerung durch die politische sowie soziale Struk- tur und kulturelle Gemeinsamkeiten, wie Sprache und Religion, einte, nahmen die Ero- berer eine Einteilung in unterschiedlich wertige Rassen vor, die sie nach Charakter- eigenschaften und Aussehen bestimmten. Sie unterschieden drei Gruppen, wobei hier

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nur die Betrachtung zweier, nämlich der Hutu und Tutsi, notwendig ist.

Bei der ersten Rasse, den Hutu, handelt es sich um eine Rasse, die zu der Gruppe der Bantu zählt und die Mehrheit der Bevölkerung bildete. Sie waren sesshafte Ackerbau- ern, die aus dem Nordwesten Afrikas nach Ruanda gekommen sind. Die Europäer be- schrieben sie als soziale, unterwürfige und „echte ‚Neger’“. 7

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Nach den Hutu besiedelten die Tutsi, die aus dem Nordosten des Kontinents stam- men, im 14./15. Jahrhundert Ruanda. Im 16. Jahrhundert begannen sie mit dem Aufbau eines Staatswesens mit dem Mwami als absoluten Herrscher. 8 Nach europäischer An- sicht galten die Tutsi aufgrund ihrer politischen Macht, ihren großen Rinderherden und

6 Vgl. ders., Neues vom Chamäleon Krieg, a.a.O., S. 9.

7 Vgl. Schürings, Hildegard, Die „Entdeckung“ der Stämme, in: Zum Beispiel Hutu & Tutsi – Der Völkermord hätte verhindert werden können, befand ein UN-Bericht, hrsg. v. Uwe Hoering, Göttingen 1997, S. 13ff.

8 Vgl. Michler, Walter, Afrika – Wege in die Zukunft: Ein Kontinent zwischen Bürgerkriegen und Demokratisierung, Aachen 1995, S. 162.

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ihrem Aussehen, da sie nämlich Pharaonen ähnelten, als höherwertige Rasse. Deswegen

Ihre Stellung

bezeichnete man sie als „Hamiten“, also „Europäer mit schwarzer Haut“.

im Land wurde dadurch deutlich, dass sie es verwalteten und die ansässigen Rassen unterwarfen. 10

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3.2 Die Kolonialzeit

Laut Hoering wurde die zuvor beschriebene rassische Unterscheidung zwischen Hutu

und Tutsi in der Kolonialzeit verstärkt und ausgenutzt: „Erst die Kolonialherrschaft hat durch neue politische Institutionen und administrative Maßnahmen (…) das Konzept von unverwechselbaren, kulturell und sprachlich unterscheidbaren Stämmen einge- führt.“ 11

Die deutschen Kolonialherren, denen das heutige Ruanda und Burundi zwischen 1897

und 1916 unterlag, beabsichtigten nämlich, den personellen und finanziellen Aufwand so gering wie möglich zu halten, indem sie bereits vorhandene administrative, gesell- schaftliche und soziale Strukturen ausnutzten. Dies hatte für die Tutsi den Aufstieg zur herrschenden Schicht zur Folge. 12

Nachdem die Belgier die Kolonie während des Ersten Weltkriegs übernommen hat-

ten, kam der rassischen Bedeutung eine noch größere Rolle zu. Die Herrschaft über die jeweiligen Verwaltungseinheiten wurde nun auf einen Tutsi konzentriert. Außerdem durften sie, gestützt durch die militärische Macht der Kolonialherren, die Hutu Zwangs- arbeiten verrichten lassen und ausbeuten sowie koloniale Steuern eintreiben. Des Weite- ren wurden in den Schulen, die – mit wenigen Ausnahmen – nur Kindern der Tutsi zu-

gänglich waren, manipulierte Inhalte zur Begründung ihrer Überlegenheit vermittelt.

In den 1930er Jahren folgten weitere Maßnahmen, wie z.B. die Eintragung der jewei- ligen ethnischen Zugehörigkeit in den Ausweis, die die Unterscheidung förderten. Sie stärkten wiederum den Zusammenhalt der Hutu und leiteten durch die von der Massen- mobilisierung hervorgerufenen Proteste eine Phase des Umbruchs ein. 13

9 Vgl. Schürings, a.a.O., S. 15.

10 Vgl. Ohlendorf, Eike Karin, Zehn Jahre Genozid – Der Völkermord in Rwanda: Gruppenidentität und Gewalt, in: Afrika im Blickpunkt, Nr. 1-04, Institut für Afrika-Kunde (Hg.), Hamburg März 2004, S. 2.

11 Lentz, Carola, Joker im Kartenspiel, in: Zum Beispiel Hutu & Tutsi – Der Völkermord hätte verhindert werden können, befand ein UN-Bericht, hrsg. v. Uwe Hoering, Göttingen 1997, S. 25.

12 Vgl. Gutzler, Ellen; Honke, Gudrun; Servaer, Sylvia, „Tutsi ist, wer mehr als zehn Kühe hat“, in: Der Völkermord hätte verhin- dert werden können, befand ein UN-Bericht, hrsg. v. Uwe Hoering, Göttingen 1997, S. 19f.

13 Vgl. Ohlendorf, a.a.O., S. 2f.

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3.3

Die Unabhängigkeit

Die Phase der Unabhängigkeit begann in den 1950er Jahren mit der Abschwächung der Unterdrückung der Hutu aufgrund von Reformen der Belgier. So wurden die Hutu zunehmend in die Kolonialverwaltung, Politik und Wirtschaft einbezogen. Die Refor- men stießen bei den Tutsi auf Ablehnung, sodass es ab 1959 wegen Angriffen der Tutsi

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auf Hutu vermehrt zu Aufständen der Hutu kam, in Folge derer tausende Tutsi ermordet wurden oder flüchteten. Dass sich die Kolonialherren auf die Seite der Hutu stellten, war die Grundlage für die Unabhängigkeit Ruandas, die durch die radikale Partei PARMEHUTU (Parti du Mouvement de l’Emancipation des Bahutu) gesichert wurde. Die Partei konnte bei den Parlamentswahlen 1961 die Mehrheit erlangen und so den

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Präsidenten stellen, unter dem Ruanda 1962 unabhängig wurde. Der 1973 durch einen Putsch an die Macht gelangte Hutu-General Habyarimana beließ den Konflikt zwischen Hutu und Tutsi ungelöst. 14

3.4

Der Völkermord

Nach dem Bürgerkrieg in Ruanda 1993 erreichte die aus Uganda einmarschierte und

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aus geflüchteten Tutsi bestehende Rebellenarmee FPR (Front Patriotique Rwandais) die Beteiligung an der aus Hutu zusammengesetzten Regierung. Dies bedeutete nicht das Ende der Konflikte, denn der Abschuss des Flugzeugs im April 1994, in dem sich Prä- sident Habyarimana befand, galt als Anlass für den von den Hutu in der Regierung or- ganisierten Völkermord an den Tutsi. Innerhalb von hundert Tagen wurden etwa eine

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Million Tutsi und oppositionelle Hutu getötet. Danach konnten die Täter, vor allem die Hutu-Milizen, ungehindert unter etwa zwei Millionen weiteren Flüchtlingen vor der heranrückenden FPR, die die ruandische Regierung stürzte, in die Kivu-Region in Zaire, die heutige Demokratische Republik Kongo, flüchten. 15

14 Vgl. Michler, a.a.O., S. 163ff. 15 Vgl. Braeckmann, Colette, Völkermord in Ruanda – Eine Chronik unterlassener Hilfeleistungen, 03.05.2004, Site: www.uni- kassel.de.

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8 Abb. 1: Die Flüchtlings- und Vertriebenenzahlen nach dem Völkermord an den Tutsi in Ruanda. 1

Abb. 1: Die Flüchtlings- und Vertriebenenzahlen nach dem Völkermord an den Tutsi in Ruanda. 16

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Sie wurden nicht entwaffnet, sodass sie gegen die dortigen Tutsi weiterkämpften.

1997 gelang es jedoch diesen Tutsi mit Hilfe Ruandas und anderen Gruppen, den Präsi-

denten Zaires, Mobutu, zu stürzen und den Anführer der Allianz, Laurent-Désiré Kabi- la, als neuen Machthaber einzusetzen. Daraufhin schloss er Verbündete, beispielsweise die Tutsi, aus der Regierung aus. Aufgrund dessen versuchten sie erneut, zusammen mit anderen Rebellengruppen sowie Uganda und Ruanda, das Land einzunehmen, scheiter-

Das Ein-

ten aber an den Verbündeten Kabilas, u.a. Simbabwe, Namibia und Angola.

schreiten Ruandas und Ugandas war nicht nur mit der Zurückeroberung Zaires zu be- gründen, sondern auch mit der Ausbeutung von Ressourcen mit Hilfe von Rebellen- gruppen, die sie unterstützten, und der Errichtung einer Pufferzone zur Abwehr von Angriffen ostkongolesischer Rebellen vor allem in Ruanda. 18

17

16 Die ruandische Flüchtlingskatastrophe, o.V., in: Afrika – Wege in die Zukunft: Ein Kontinent zwischen Bürgerkriegen und De- mokratisierung, Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V. (Hg.), Aachen 1995, S. 158.

17 Vgl. Stroux, Daniel, Kriegerische Auseinandersetzungen in Kongo-Zaire, in: Informationen zur politischen Bildung – Afrika 1, Nr. 264, Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.), Bonn 1999, S. 50.

18 Vgl. Roxin, Helge, Demokratische Republik Kongo, 26.06.2008, Site: www.bpb.de.

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Mit dem im Jahr 2002 von allen Kriegsteilnehmern unterzeichneten Friedensabkom- men unter dem neuen Präsidenten Joseph Kabila wurde die Bildung einer Übergangsre-

gierung erreicht, dennoch sind die Anwesenheit der FDLR (Front Démocratique pour la Libération du Rwanda), die Ausbeutung der Ressourcen im Osten besonders durch Re- bellengruppen, die Ausübung von Kriegsverbrechen und Defizite der kongolesischen

Regierung friedensgefährdende Faktoren.

19 Bedingt durch diese und weitere Faktoren

sowie die Manifestierung der ethnischen Unterscheidung zwischen Tutsi und Hutu (sie- he 3.), ergibt sich der folgende Konflikt, der aufgrund seiner Vielschichtigkeit und weit- reichenden Folgen unter der Betrachtung von vier Aspekten dargestellt wird.

4. Der aktuelle Konflikt

4.1 Die Konstellation

Ende August 2008 begann eine erneute Offensive der Tutsi-Miliz CNDP (Congrès National pour la Défense du Peuple), angeführt von Warlord Laurent Nkunda, in der Provinz Nord-Kivu im Osten der Demokratischen Republik Kongo.

Nord-Kivu im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Abb. 2: Karte des von dem CNDP besetzten Gebietes

Abb. 2: Karte des von dem CNDP besetzten Gebietes in der Provinz Nord-Kivu im Osten der Demokrati- schen Republik Kongo im November 2008. 20

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Der ehemalige kongolesische General kämpfte mit seinen 4.000 Rebellen gegen die

kongolesische Regierungsarmee, und damit auch gegen die Regierung. Der Tutsi Nkun- da begründete das Vorgehen so, dass seine Ethnie nicht vor den Übergriffen der 15.000 Hutu-Milizen der FDLR, die nach dem Völkermord 1994 in Ruanda in den Osten Kon-

19 Vgl. Conflict history: DR Congo, o.V., Juli 2008, Site: www.crisisgroup.org. 20 Demokratische Republik Kongo, o.V., in: Die Zeit, Nr. 47, 13.11.2008, S. 23.

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gos geflüchtet sind, geschützt werde. 21 Dies und der schwindende Einfluss der Regie- rung auf den entfernten Osten verursachten bereits 2007 Kämpfe in dieser Region, bei

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denen der 2006 von Nkunda gegründete CNDP über die kongolesische Regierungsar- mee, bestehend aus 20.000 Soldaten, siegte. 22

Das Problem bei den neusten Auseinandersetzungen war, dass die FDLR noch nicht von der kongolesischen Regierungsarmee entwaffnet wurde; stattdessen kooperierte die Armee mit ihnen, genauso wie mit den regierungstreuen Mai-Mai-Milizen sowie der

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regulären Truppe Angolas. Hinzu kommen interne Probleme des Militärs: Es gilt als „verwahrlost“, da die Soldaten nicht ausreichend ausgebildet und besoldet, von korrup- ten Offizieren angeführt wurden sowie Menschenrechtsverletzungen verursacht hatten. Ihre Regierung ging nicht dagegen vor. Die Soldaten der UN-Blauhelmmission Monuc (Mission de l’Organisation des Nations Unies en République Démocratique du Congo)

210

sind zur Zusammenarbeit mit ihnen verpflichtet (siehe 4.4). Diese Defizite seitens der Regierung Kongos, die einer Lösung des Konfliktes im Wege standen, ermöglichten es Nkunda, weitere Gebiete Nord-Kivus zu erobern. 23

Die Angriffe Nkundas galten Lagern der kongolesischen Regierungsarmee und Ge- bieten, die unter dem Schutz der UN stehen. Ende Oktober konnten sie dann die Stadt

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Rutshuru einnehmen und bis zu der Provinzhauptstadt Goma vorstoßen, die aufgrund eines Waffenstillstandsabkommens nicht eingenommen wurde. Im November kam es wieder zu intensiven Gefechten. Dabei setzte Nkunda auf die Strategie, an mehreren Orten gleichzeitig zu kämpfen. 24 Außerdem waren seine Rebellen mit Kalaschnikows ausgestattet. 25

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Am Kampf um Goma wird die Problematik bei der Verteidigung deutlich. Denn die kongolesischen Soldaten flüchteten und die UN-Soldaten waren schon zur Übergabe der Stadt bereit, jedoch zog sich der CNDP zurück und gewährte damit Hilfstransporten Zutritt zu der Stadt. 26

Neben der Kooperation der kongolesischen Armee mit diversen Akteuren warf die

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kongolesische Regierung Ruanda vor, es hätte Nkunda militärisch und politisch unter- stützt, um sich so Bodenschätze zu sichern und gegen die FDLR zu kämpfen, gegen die Nkunda und der ruandische Präsident Paul Kagame 1994 zusammen in der FPR kämpf-

21 Vgl. Richter, Steffen, Wer ist verantwortlich für das Morden?, 18.11.2008, Site: www.zeit.de.

22 Vgl. Johnson, Dominic, Wer sind Nkundas Rebellen?, 30.10.2008, Site: www.taz.de.

23 Vgl. Richter, a.a.O.

24 Vgl. Conflict in Congo – 1. The current situation, o.V., 27.01.2009, Site: www.crisisgroup.org.

25 Vgl. Jederzeit mordbereit, o.V., in: Der Spiegel, Nr. 46/2008, S. 119.

26 Vgl. Knaup, Horand, Warlord auf großer Bühne, in: Der Spiegel, Nr. 50/2008, S. 145.

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ten. Im Dezember 2008 hingegen beschlossen die einstigen Opponenten Kongo und Ruanda, gemeinsam gegen die FDLR vorzugehen. Anfang 2009 kam hinzu, dass sich

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der CNDP unter der Führung von Nkundas Stellvertreter nach internen Streitigkeiten mit der kongolesischen Regierungsarmee verbündete. Wenig später nahm die kongole- sisch-ruandische Allianz Nkunda in Ruanda fest, da ihm Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. 27

4.2 Die wirtschaftliche Bedeutung

235

Laut UN-Experten führte Nkunda diesen Konflikt in erster Linie zur Sicherung der dortigen Ressourcen. 28 Die Rohstoffe im Osten der Republik werden nicht nur von dem CNDP, sondern auch von anderen Rebellengruppen illegal abgebaut. Bei den begehrten Stoffen handelt es sich vor allem um Gold, Diamanten, Coltan, welches für die Herstel- lung von Mobiltelefonen und Computern benötigt wird, Zinn, Kupfer, Kobalt und Erd-

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öl.

wird, Zinn, Kupfer, Kobalt und Erd- 240 öl. Abb. 3: Übersicht über die Rohstoffe in der

Abb. 3: Übersicht über die Rohstoffe in der Demokratischen Republik Kongo. 29

Damit diese Bodenschätze gewonnen werden können, zwingen die Rebellen die Be- völkerung in den besetzten Gebieten mit Waffengewalt zum Abbau. Im Anschluss wer-

27 Vgl. Krafczyk, Eva, Neue Hoffnungen für Ostkongo, 23.01.2009, Site: www.zeit.de.

28 Vgl. Perras, Arne, Der General und die Gespenster, in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 270, 23.11.2007, S. 3.

29 Reich an Rohstoffen, o.V., in: Focus, Nr. 47/2008, S. 194.

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den diese nach Ruanda und Uganda transportiert, um sie über Händler, Militärs und Politiker überwiegend nach Europa, Asien und in die USA zu verkaufen. Letztendlich

wird der Profit zur Finanzierung der Waffen verwendet.

30 Nkundas Händler, die auch

von den Geschäften profitierten, hätten ihm als Gegenleistung logistische Unterstützung

geleistet. 31

Das Beispiel Coltan zeigt die Problematik der Ausbeutung der Rohstoffe. Denn das illegal abgebaute Erz ist günstiger, sodass einerseits wegen der Verknappung dieser

Ressource und andererseits wegen des weltweiten Kostendrucks auf die Bergbaufirmen, viele Abnehmer, beispielsweise China, das Coltan aus dem Kongo beziehen. So sind bereits Unternehmen auf der ganzen Welt, die den Stoff aus rechtlichen und morali- schen Gründen nicht aus der Region beziehen, von einer Schließung betroffen. 32

Eine dritte Einnahmequelle zur Finanzierung der Kriegsführung Nkundas waren die

Erhebung von Zöllen für Händler an Grenzübergängen, Abgaben von Touristen für die Besichtigung von Gorillas, der Verkauf von überlebenswichtigen Materialen an die Be- völkerung sowie Spenden von Unternehmen und Sympathisanten. 33

Der ökonomische Aspekt spielt auch in anderer Hinsicht eine Rolle, da die kongolesi- sche Regierung China entgegen dem Friedensvertrag vom Januar 2008 Rohstoffliefe-

rungen aus dem betroffenen Gebiet versprochen haben soll. Dieser Vertragsbruch wäre ein weiterer möglicher Grund für den Beginn der Kämpfe. 34

4.3 Die Bevölkerung

Die Bewohner der betroffenen Region waren den Übergriffen, also dem Morden, den Vergewaltigungen und Plünderungen, der Rebellen, aber auch der regulären kongolesi-

schen Armee ausgesetzt, weswegen viele Menschen versuchten, sich in eines der Flüchtlingslager zu begeben. Sie litten unter Erschöpfung, Mangelernährung und Trau- mata.

Die internationalen Hilfsorganisationen waren gleichermaßen mit der Situation über- fordert. Dies lag vor allem an den nicht endenden Flüchtlingsströmen sowie den andau-

ernden Kämpfen, wodurch weder eine Rückkehr der Menschen in ihre Heimat noch die

30 Vgl. Räther, Frank, Hoffnungslos überfordert, in: Focus, Nr. 47/2008, S. 196.

31 Vgl. Goergen, Marc, Die Fratze des Krieges, in: Stern, Nr. 48/2008, S. 46.

32 Vgl. Johnson, Dominic, Coltan kehrt auf Weltmarkt zurück, 28.11.2008, Site: www.taz.de.

33 Vgl. Bühler, Alexander, Blutspur eines Generals, in: Die Zeit, Nr. 48, 20.11.2008, S. 16.

34 Vgl. Goergen, a.a.O.

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Herstellung von Ordnung in den Lagern möglich waren. Hinzu kamen Regenfälle, die die Straßen für Hilfstransporte unpassierbar machten, und tödliche Krankheiten, wie Cholera und Malaria. 35

Die folgenden Zahlen geben Aufschluss über die Dimension dieses Konfliktes: Bei

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ungefähr 250.000 Menschen handelte es sich um Flüchtlinge, bei über einer Million der etwa fünf Millionen Einwohner Nord-Kivus um Vertriebene. Zudem wurden in der Re- gion um Goma fünf große Lager errichtet. 36

Das oben angeführte Exempel zum Ausgang der Kampfhandlungen um Goma (siehe 4.1) verdeutlicht weitere Gefahren für die Bevölkerung. Die UN-Soldaten in dem um-

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kämpften Gebiet konnten keine Sicherheit gewähren, da die Gewaltakte der Rebellen und der marodierenden Regierungsarmee gegen Zivilisten nicht gestoppt werden konn- ten. Dies hatte zur Folge, dass aufgrund der unsicheren Lage Helfer abgezogen werden mussten und die Flüchtlinge nicht versorgt werden konnten, die sich stattdessen nach Ruanda und Uganda begeben haben. 37

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Nkunda hingegen, der Goma zwar nicht eingenommen und Hilfstransporte gewährt hat, werden Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, da er neben Massakern an Zivi- listen, Plünderungen und Vergewaltigungen durch seine Kämpfer auch Zwangsver- pflichtungen von Kindern und Männern für seine Gruppe zu verantworten hat. Gleich- zeitig sollte angeblich in dem Gebiet des CNDP mehr Ordnung herrschen, da z.B. Be-

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reiche des öffentlichen Lebens sowie Polizei und Justiz wieder intakt gewesen sein soll- ten. Der Zentralregierung gelang dies aufgrund von Problemen – undisziplinierte Solda- ten, Korruption der Minister, etc. – nicht. 38

4.4 Internationale Reaktionen

Zu Beginn der Auseinandersetzungen befanden sich 17.000 Soldaten im Rahmen der

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größten Friedensmission der Vereinten Nationen (UN), Monuc genannt, in der Demo- kratischen Republik Kongo. Die UN-Soldaten, so genannte Blauhelme, mussten unter schwierigen Bedingungen agieren, da ihnen einerseits viele und schwierige Aufgaben durch die UNO zugeteilt wurden und sie andererseits auf eine mangelhafte Ausrüstung zurückgreifen mussten. In der Bevölkerung galten sie zudem als unfähig und feige, was

35 Vgl. Räther, a.a.O., S. 194f.

36 Vgl. Goergen, a.a.O., S. 44.

37 Vgl. Perras, Arne, Schutzlos auf der Flucht im Kongo, in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 254, 31.10.2008, S. 11.

38 Vgl. Knaup, a.a.O., S. 145f.

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aber damit zu begründen ist, dass sie aufgrund ihres Mandates zum einen die Bevölke- rung schützen und zum anderen mit der marodierenden kongolesischen Armee koope- rieren mussten. 39 Außerdem sind die überwiegend indischen und pakistanischen Solda- ten dadurch überfordert, dass sie keine militärische Unterstützung der Großmächte er- halten, die dafür aber den größten Teil der finanziellen Kosten übernehmen. 40

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Zu ihrem negativen Ansehen trugen auch seit Beginn der Mission 1999 Vergewalti- gungen von Frauen, der Waffenhandel mit Rebellen und 2003 der Rückzug bei einem Massaker an Zivilisten bei. 41

Betrachtet man die Bemühungen der UN und der Europäischen Union (EU), lässt sich feststellen, dass ihre Vermittlungsversuche und der Plan zur Entsendung europäischer

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Soldaten, trotz Bitte der UN, scheiterten, während diverse Staaten sich um die Ausbil- dung von Soldaten, Entsendung von Beratern und Spenden bemühten. 42 Dass die Initia- tive des Westens zur Konfliktlösung gering war, zeigte sich auch darin, dass die Ver- stärkung von Monuc „zu spät“ beschlossen wurde, da Nkunda bereits ein großes Gebiet erobert hatte, und vorherige Anzeichen, wie die Schwächen der UN-Mission und die

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Anwesenheit gewalttätiger Rebellengruppen, nicht beachtet wurden. 43

Im November 2008 entschied sich der UN-Sicherheitsrat für die Aufstockung der UN-Truppe um etwa 3.000 auf 20.000 Soldaten. Des Weiteren wurde das Mandat für den Einsatz bis Ende 2009 verlängert. Gleichzeitig soll der Einsatz besonders auf die betroffene Region konzentriert werden. 44

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5. Fazit

Nachdem die Darstellung des Konfliktes, samt seiner Vorgeschichte, abgeschlossen ist, folgt nun der Teil, in dem das Vorherige resümiert wird, um das Ziel der Arbeit, die Vereinbarkeit der Definition der Neuen Kriege und des Konfliktes mit seiner Vorge- schichte, zu erreichen.

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Zuerst kann man in Hinblick auf die zeitliche Begrenzung des Konfliktes sagen, dass er durch die Verkettung von früheren Konflikten, Genoziden und wechselnden Macht- verhältnissen, die auf die Manifestierung der Ethnien Tutsi und Hutu durch die Koloni-

39 Vgl. Böhm, Andrea, Der afrikanische Weltkrieg, in: Die Zeit, Nr. 47, 13.11.2008, S. 23.

40 Vgl. dies., Die Mörder und wir, in: Die Zeit, Nr. 51, 11.12.2008, S. 3.

41 Vgl. Waffen gegen Gold, o.V., in: Der Spiegel, Nr. 45/2008, S. 115.

42 Vgl. Böhm, Der afrikanische Weltkrieg, a.a.O.

43 Vgl. Perras, Arne, Hilflos im Kongo, in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 266, 15.11.2008, S. 4.

44 Vgl. Bürgerkrieg: Minister: Fünf Millionen Tote im Ostkongo, o.V., 22.12.2008, Site: www.zeit.de.

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almächte zurückzuführen sind, bedingt ist und deshalb der Beginn nicht präzise zu bestimmen ist. Erst 1994 nach dem Völkermord hat er sich in den Osten Kongos verla-

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gert, da die Hutu-Täter der heutigen FDLR vor der RFP, in der Nkunda kämpfte, dort- hin geflüchtet sind, seitdem nicht entwaffnet wurden und die Tutsi weiterhin terrorisie- ren. Nkunda, der nach dem Bürgerkrieg die Rebellengruppe CNDP gegründet hatte, führte diesen Krieg, gestützt von Ruanda, das, wie früher, im Kongo zur Bekämpfung der FDLR und Rohstoffsicherung einschritt, weiter, indem er gegen die kongolesische

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Regierungsarmee, die sogar mit der FDLR kooperierte, kämpfte. Dazu zählen auch wei- tere Verbündete, besonders qua Mandat die UN-Soldaten der Friedensmission Monuc, die mit der Situation überfordert waren und die Bevölkerung nicht schützen konnten. Somit stimmt auch die in Kapitel 4.1 beschriebene Konstellation mit dem Charakteristi- kum der Akteure in den Neuen Kriegen überein. Aufgrund der Bündnisse mit auswärti-

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gen Partnern, die z.T. auf exterritorialem Gebiet agieren, kann man von einem transna- tionalen Krieg sprechen.

Dass außerdem der CNDP der Regierungsarmee, trotz eines Verhältnisses von 1:5 hinsichtlich der Anzahl der Soldaten, überlegen war, hat einerseits damit zu tun, dass die Regierung kaum Einfluss auf das peripher gelegene Gebiet im Osten und ihre dorti-

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ge marodierende Truppe hat. Andererseits erleiden sie Niederlagen durch die Kriegsfüh- rung der Rebellen. Dies ist nicht verwunderlich, da sie zum einen auf Kindersoldaten sowie leichte Waffen setzten und zum anderen die Gewaltausbrüche unregelmäßig so- wie überall und gleichzeitig möglich waren. Deshalb waren sie auch räumlich nicht klar zu bestimmen. Da dies schon seit Gründung von Nkundas Bewegung 2006 der Fall ist,

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kann man hier einen „low intensity war“ feststellen, zwischen dessen Beteiligten a- symmetrische Verhältnisse herrschten. Der Grund und die Motivation für solch einen lang andauernden Krieg liegen auf der Hand: Der Kongo ist sehr rohstoffreich, weswe- gen die Rebellen und Milizen die Bodenschätze ausbeuten, um ihre Waffen zu finanzie- ren und sich zu bereichern. Bieten sie die Bodenschätze zu niedrigen Preisen auf dem

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Weltmarkt an, wird die Existenz anderer Unternehmen bedroht.

Des Weiteren lässt sich die Situation der Zivilisten in Nord-Kivu, aufgeführt in Kapi- tel 4.3, mit den Merkmalen der Neuen Kriege vereinbaren. So übten beiden Parteien, die flüchtende disziplinlose Regierungsarmee sowie der CNDP, Gewalt (Massaker, Verge- waltigungen, Plünderungen) gegen die Bevölkerung, also Menschenrechtsverletzungen,

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aus. Letzterer tut es überwiegend aus drei Gründen: Erstens, sie rauben die nötigen Mit- tel zu ihrer eigenen Versorgung, zweitens, sie nutzen die Arbeitskraft der Zivilisten zum

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Abbau der Bodenschätze aus und, drittens, zwingen sie Kinder und Männer als Kämpfer in ihre Gruppe. Deswegen entstehen in der Region Angst und daraus resultierende Flüchtlingsströme, die sich nicht nur in Lager in Nord-Kivu, sondern auch nach Ruanda

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und Uganda bewegen. Ein Indiz für die Transnationalisierung des Konfliktes ist dies nicht, da über die Ausbeutung der Lager bisher nichts bekannt ist. Allerdings ist be- kannt, dass innerhalb und außerhalb der Lager nicht genügend Nahrung vorhanden ist und Krankheiten ausgebrochen sind. Dennoch lässt sich das Verhältnis zwischen zivilen und militärischen Opfern nicht eindeutig klären.

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Zuletzt lässt sich der für die Neuen Kriege typische Friedensprozess, auch in Verbin- dung mit dem geringen Interventionsengagement, feststellen. Denn die EU hatte ihre Interventionspläne verworfen und die Konfliktlösung der UN übertragen, die dann zu einem späten Zeitpunkt die Verstärkung ihrer Truppe beschloss. Es lässt sich aber auch feststellen, dass Münkler in seiner Definition einen Aspekt nicht betont, der in dem Bei-

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spielkonflikt eine bedeutende Rolle spielt, nämlich die Möglichkeit ungehindert und in kürzester Zeit (ohne Koordination externer Akteure) aufgrund wechselnder Interessen die Position zu wechseln. Dies zeigt sich in der Anfang 2009 begonnenen Zusammenar- beit der einstig verfeindeten Staaten Kongo und Ruanda. Gemeinsam nahmen sie bereits den ehemaligen Verbündeten Ruandas, Nkunda, fest und wollen die früher mit der kon-

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golesischen Armee zusammenarbeitende FDLR bekämpfen. Daran erkennt man, dass der Frieden auch weiterhin nicht beschlossen ist, was wiederum kennzeichnend für die- sen Kriegstypus ist, vielmehr wurde ein weiterer Schritt in Richtung Frieden vollzogen.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass bei diesem Konflikt im Großen und Ganzen die angeführten Eigenschaften Neuer Kriege zu finden sind, der eine Asymmetrie der Geg-

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ner sowie die weitreichenden Folgen aufgrund seiner Unberechenbarkeit aufweist. Da aber über diesen aktuellen Konflikt (noch) nicht alle Relationen zwischen den Akteuren bekannt sind, gibt es geringfügige Abweichungen von der Definition.

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6. Literaturverzeichnis

6.1 Literatur

Böhm, Andrea, Der afrikanische Weltkrieg, in: Die Zeit, Nr. 47, 13.11.2008, S. 23.

Böhm, Andrea, Die Mörder und wir, in: Die Zeit, Nr. 51, 11.12.2008, S. 3.

Bühler, Alexander, Blutspur eines Generals, in: Die Zeit, Nr. 48, 20.11.2008, S. 16.

Goergen, Marc, Die Fratze des Krieges, in: Stern, Nr. 48/2008, S. 42-46.

Gutzler, Ellen; Honke, Gudrun; Servaer, Sylvia, „Tutsi ist, wer mehr als zehn Kühe hat“, in: Zum Beispiel Hutu & Tutsi – Der Völkermord hätte verhindert werden können, befand ein UN-Bericht, hrsg. v. Uwe Hoering, Göttingen 1997, S. 18-22.

Jederzeit mordbereit, o.V., in: Der Spiegel, Nr. 46/2008, S. 119.

Knaup, Horand, Warlord auf großer Bühne, in: Der Spiegel, Nr. 50/2008, S. 144-146.

Lentz, Carola, Joker im Kartenspiel, in: Zum Beispiel Hutu & Tutsi – Der Völkermord hätte verhindert werden können, befand ein UN-Bericht, hrsg. v. Uwe Hoering, Göttingen 1997, S. 23-28.

Michler, Walter, Afrika – Wege in die Zukunft: Ein Kontinent zwischen Bürgerkriegen und Demokratisierung, Aachen 1995.

Münkler, Herfried, Die neuen Kriege, Reinbek bei Hamburg 2002.

Münkler, Herfried, Neues vom Chamäleon Krieg, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 16-17/2007, Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.), Bonn 16.04.2007, S. 3-9.

Ohlendorf, Eike Karin, Zehn Jahre Genozid – Der Völkermord in Rwanda: Gruppen- identität und Gewalt, in: Afrika im Blickpunkt, Nr. 1-04, Institut für Afrikakun- de (Hg.), Hamburg März 2004, S. 1-14.

Perras, Arne, Der General und die Gespenster, in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 270, 23.11.2007, S. 3.

Perras, Arne, Hilflos im Kongo, in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 266, 15.11.2008, S. 4.

Perras, Arne, Schutzlos auf der Flucht im Kongo, in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 254, 31.10.2008, S. 11.

Räther, Frank, Hoffnungslos überfordert, in: Focus, Nr. 47/2008, S. 194-196.

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Schürings, Hildegard, Die „Entdeckung“ der Stämme, in: Zum Beispiel Hutu & Tutsi – Der Völkermord hätte verhindert werden können, befand ein UN-Bericht, hrsg. v. Uwe Hoering, Göttingen 1997, S. 13-16.

Stroux, Daniel, Kriegerische Auseinandersetzung in Kongo-Zaire, in: Informationen zur politischen Bildung – Afrika 1, Nr. 264, Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.), Bonn 1999, S. 50.

Waffen gegen Gold, o.V., in: Der Spiegel, Nr. 45/2008, S. 115.

6.2 Internetquellen

Braeckman, Colette, Völkermord in Ruanda – Eine Chronik unterlassener Hilfeleistun- gen, 03.05.2004, Site: http://www.uni- kassel.de/fb5/frieden/regionen/Ruanda/chronik.html, Zugriff am 25.03.2009.

Bürgerkrieg: Minister: Fünf Millionen Tote im Ostkongo, o.V., 22.12.2008, Site:

http://www.zeit.de/news/artikel/2008/12/22/2691041.xml, Zugriff am

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Conflict history: DR Congo, o.V., Juli 2008, Site:

http://www.crisisgroup.org/home/index.cfm?action=conflict_search&1=1&t=1&

c_country=37, Zugriff am 19.03.2009.

Conflict in Congo – 1. The current situation, o.V., 27.01.2009, Site:

http://www.crisisgroup.org/home/index.cfm?id=2829&l=1#C1, Zugriff am

19.03.09.

Johnson, Dominic, Coltan kehrt auf Weltmarkt zurück, 28.11.2008, Site:

http://www.taz.de/1/politik/afrika/artikel/1/coltan-kehrt-auf-weltmarkt-zurueck/,

Zugriff am 01.12.2008.

Johnson, Dominic, Wer sind Nkundas Rebellen?, 30.10.2008, Site:

http://www.taz.de/1/politik/afrika/artikel/1/wer-sind-nkundas-rebellen/, Zugriff am 07.12.2008.

Krafczyk, Eva, Neue Hoffnungen für Ostkongo, 23.01.2009, Site:

http://www.zeit.de/online/2009/05/kongo-nkunda-festnahme-hintergrund,

Zugriff am 24.01.2009.

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Richter, Steffen, Wer ist verantwortlich für das Morden?, 18.11.2008, Site:

http://www.zeit.de/online/2008/46/bg-kongo-2, Zugriff am 01.12.2008.

Roxin, Helge, Demokratische Republik Kongo, 26.06.2008, Site:

http://www.bpb.de/themen/V2YYSY,0,0,Demokratische_Republik_Kongo.html,

Zugriff am 19.03.2009.

Anmerkung zu der Titelgrafik: Die Kongolesen befinden sich auf der Flucht vor den Kämpfen. Sie stehen symbolisch für den aktuellen Konflikt sowie die Kennzeichen der Neuen Kriege in Hinblick auf die Situa- tion der Bevölkerung.

Tausende Menschen sind auf der Flucht vor den Kämpfen, …, o.V., 01.11.2008, Site: http://www.n- tv.de/1046713.html, Zugriff am 22.03.09.

7. Erklärungen

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7.1. Selbstständigkeitserklärung

Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Facharbeit selbstständig angefertigt, keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt und die Stellen der Facharbeit, die im Wortlaut oder im wesentlichen Inhalt aus anderen Werken entnommen wurden, mit ge- nauer Quellenangabe kenntlich gemacht habe.

Buxtehude, den 26. März 2009

7.2. Einverständniserklärung

Hiermit erkläre ich, dass ich damit einverstanden bin, wenn die von mir verfasste Fach- arbeit der schulinternen Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Buxtehude, den 26. März 2009

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8. Anhang

Auf der angehängten CD-Rom befinden sich die Internetquellen, die im Kapitel 6.2 aufgelistet sind, im PDF-Format. Außerdem sind in einem weiteren Ordner die Pub- likationen von Münkler (Neues vom Chamäleon Krieg) und Ohlendorf zu finden.