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Mitteilungsblatt des Arbeitskreises für Mammillarienfreunde

Taxonomie und Nomenklatur

Mammillaria mieheana TIEGEL – eine Variante von Mammillaria


densispina (COULTER) ORCUTT unter Bedingungen spärlicher
Belichtung
Mammillaria mieheana TIEGEL una variante de Mammillaria
densispina (COULTER) ORCUTT generada bajo condiciones de
escasa Iluminacion
Von Chávez Martínez Ruth Julieta, Sánchez Martínez Emiliano,
Hernández-Oria José Guadalupe, Hernández Magaña Rafael y
Hernández Martínez María Magdalena, Cadereyta de Montes/Mexiko

Übersetzung aus dem Spanischen: Javier Castañon/Mexiko


Redaktionelle Überarbeitung: Ralf Dehn

Vorwort
Als mich unser Redakteur Helmut natürlichen Felswand mit ihrer interessan-
Rogozinski bat, vorliegende Übersetzung ten Vegetation.
eines Artikels aus der CySM (?) zu prüfen, Nachdem sich die Existenz einer persön-
war mein Interesse schon geweckt, nach- lichen Beziehung zum Umfeld des Artikels
dem ich die Überschrift gelesen hatte. Der herausgestellt hatte, erwies sich auch des-
Artikel wurde von Wissenschaftlern des sen Inhalt als sehr interessant. Als erstes
Regionalen Botanischen Gartens „Ing. stellte sich mir die Frage, ob ich die
Manuel González de Cosío“ in Cadereyta, Schlußfolgerungen der Autoren zu
Querétaro verfaßt, eines erst 1991 eröff- Mammillaria mieheana teilen kann. Vor
neten und somit neuen, modernen bota- meinem geistigen Auge hatte ich dabei die
nischen Gartens, den ich im Jahr 2003 mit in europäischen Kulturen unter diesem
meinem Reisebegleiter Helge Fiedler Namen verbreiteten Pflanzen, die nicht wie
selbst besuchen konnte. Wir konnten uns unter Lichtmangel leidende Exemplare von
seinerzeit einer Führung durch eine junge M. densispina aussehen, sondern wie
Wissenschaftlerin anschließen, die Übergangsformen zwischen M. densispina
möglicherweise zu den Verfassern des und M. elongata (siehe u.a. Hunt 1987 und
Artikels gehört. Der Garten hat uns durch Reppenhagen 1991). In der im Botanischen
seine Anlage und sein Konzept (siehe Arti- Garten Halle stationierten Pflanzen-
kel von H. Vogel in Mtbl. 31, Heft 3, 2007) sammlung des AfM stehen unter der Be-
sehr begeistert, denn er besteht nicht nur zeichnung M. mieheana beispielsweise
aus Schaubeeten und Gewächshäusern, Pflanzen mit 18 bis 20 Randdornen und 0
sondern im hinteren Teil aus einer natur- bis 1 Mitteldornen, die ursprünglich aus Sa-
belassenen Yucca-Landschaft und einer men der Fa. Köhres, Erzhausen, Deutsch-

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land stammen. Damit ist aber noch nicht Im Artikel von Chávez Martínez et al. wird
klar, ob es derartige Pflanzen waren, die der Versuch unternommen, das Zustande-
Tiegel bei seiner Erstbeschreibung vorla- kommen von Tiegel’s Beschreibung der M.
gen. Nach dem Studium des vorliegenden mieheana durch die morphologische Varia-
Artikels und der u.a. bei Hunt und bilität von M. densispina unter unterschied-
Reppenhagen zitierten Erstbeschreibung lichen Belichtungsbedingungen zu erklären.
komme ich zu der Schlußfolgerung, daß Ich halte das für einen interessanten Ge-
das wahrscheinlich nicht der Fall ist. So- sichtspunkt und somit die Idee, den Arti-
mit wäre das von den Wissenschaftlern kel den Mammillarienfreunden in Deutsch-
aus Cadereyta geäußerte Verständnis von land in übersetzter Fassung zur Verfügung
M. mieheana korrekt, wonach diese Art zu stellen, für sehr gerechtfertigt.
unter die Streubreite der Merkmale der
früher beschriebenen M. densispina fällt. Ralf Dehn

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Zusammenfassung
Im Jahr 2000 sammelten Mitarbeiter des dieselbe Art zu interpretieren. Nachfolgend
Jardín Botánico Regional de Cadereyta ergab sich die Hypothese, dass M.
eine Gruppe von Exemplaren der Gattung mieheana das Ergebnis der besonderen
Mammillaria, die anfänglich als Mammil- Wachstumsbedingungen im Gewächshaus
laria mieheana Tiegel bestimmt wurden, oder unter einem geschlossenen Blätter-
einer Art, von der man den Herkunftsort dach im Wald sein könnte, das heißt, ge-
nicht kennt, und deren Typus-Exemplar ringe Belichtung und höhere Luftfeuchtig-
nicht erhalten ist. Aufgrund dessen, dass keit im Umfeld. Um diese Hypothese zu
diese Art aktuell von Guzmán et al. (2003) beweisen, wurden Vergleiche der Aktiven
als gültig angesehen wird, wurde die Lo- Fotosynthese-Strahlung (PAR) vorgenom-
kalität erkundet, um die Individuen in ih- men, unter der alle untersuchten Exemp-
rem natürlichen Zustand zu beschreiben, lare vorgefunden wurden, wobei ein be-
das Habitat zu typifizieren, und dessen trächtlicher Unterschied zwischen den
genaue Lage zu dokumentieren. An der in Belichtungsbedingungen bei offenem Him-
den abgefragten Archiven angegebenen mel im Vergleich zu den Bedingungen un-
Lokalität wurde nur eine Population von M. ter einem Blätterdach oder im Inneren ei-
densispina (Coulter) Orcutt vorgefunden, nes Gewächshauses festgestellt wurde.
deren Individuen eine morphologische Ver- Es ist wichtig, aufzuzeigen, dass sich die
änderung in Bezug auf die Körpergröße im Exemplare, die dazu dienten, M. mieheana
Zusammenhang mit dem Grad ihrer zu beschreiben, unter denselben Bedin-
Sonnenexposition aufwiesen. Es wurde gungen verminderter Belichtung und güns-
eine Analyse des morphologischen Ver- tiger Bewässerung entwickelt haben soll-
gleichs zwischen diesen Exemplaren und ten, wobei letztere seit ihrer Erst-
den im botanischen Garten deponierten beschreibung am Wildstandort wahr-
mit dem Ziel vorgenommen, ihre taxono- scheinlich nie wieder aufgefunden noch
mische Identität zu bestätigen. Die Ergeb- gesammelt wurde (Pilbeam 1999).
nisse zeigen, dass alle untersuchten Ex- Schlüsselwörter:
emplare gut zur Beschreibung von M. Cactaceae , Belichtungsbedingungen,
densispina passen, was nahelegt, sie als Querétaro, morphologische Veränderung

Abstract
During 2000, the staff from the „Jardín population of M. densispina (Coulter)
Botánico Regional de Cadereyta“ collected Orcutt was found at the site, individuals
a group of specimens of the genus from which do exhibit a morphological
Mammillaria that were initially classified as variation in the size of their bodies related
Mammillaria mieheana Tiegel, a species to sunlight exposition. A comparative
from which the original location is analysis of the morphology of these
unknown, and the type specimen has been specimens and the ones in the Botanic
lost. As this species is currently held as Garden was performed in order to state
valid by Guzmán et al. (2003), the site was their taxonomical identity. Results show
sur veyed in order to describe the that all specimens fit the description for
individuals in their natural conditions, typify M. densispina, and therefore should be
their habitat and to notify about their interpreted as belonging to that same
precise location. Nonetheless, only a species. Consequently, the hypothesis

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arose that M. mieheana could be only a important to point out that the specimens
product of particular growing conditions used to first describe Mammillaria
in the greenhouse or under dense forest mieheana might have grown under a well
canopy, i.e. lower illumination and higher irrigated and shady environment, and that
humidity. In order to test this hypothesis, from then on, probably no specimens from
Photosynthetic Active Radiation (PAR) that species have been found or collected
measures were made for all studied in the wilderness (Pilbeam, 1999).
individuals, finding a considerable Key words:
difference between open canopy Cactaceae, light conditions, Queretaro,
conditions compared to either greenhouse morphologic variation.
or within canopy forest conditions. It is

Einführung
Die Existenz verschiedener Taxa der Fami- Die zuvor genannte Lage wird dadurch
lie Cactaceae in der Natur bleibt gegen- verschärft, dass das Typexemplar von M.
wärtig ungeklärt, wie das bei Mammillaria mieheana nicht konserviert wurde, und
mieheana TIEGEL (Leptocladodae) der Fall dass das, was nach Europa gelangt ist, an-
ist, die aktuell von Guzmán et al. (2003) scheinend eine leicht zu vermehrende Va-
als gültige Art angesehen wird, während- rietät von Mammillaria elongata DC. ist.
dessen andere Autoren sie als eine nur Die ursprüngliche, vielleicht aus der Finca
provisorisch anerkannte Art katalogisiert der Familie Schmoll stammende Art ihrer-
haben (Hunt 1999). Die Klärung der taxo- seits verschwand wegen ihrer schwierigen
nomischen Situation von M. mieheana Vermehrung aus den weltweiten gärtneri-
hängt davon ab, dass Kenntnis über deren schen Kulturen (Reppenhagen 1991).
natürliche Populationen erlangt wird, aber Vor diesem Panorama, und weil der Re-
bis heute konnten der oder die Standorte, gionale Botanische Garten Cadereyta „Ing.
wo diese Art wächst, nicht genau lokali- Manuel González de Cosío“ eine Gruppe
siert werden. Seit ihrer Entdeckung und von Exemplaren besitzt, die unter einer vo-
Erstbeschreibung im Jahr 1933 wurde M. rangegangenen Gartenleitung als letztlich
mieheana nur aus dem Staat Querétaro unter diese taxonomische Einheit fallend
vermeldet, ohne die Lage der Typlokalität bestimmt wurde, wurde beschlossen, eine
zu präzisieren. Felderkundung zu unternehmen, um die
Es existiert nur eine einzige, nicht doku- Identität der Exemplare der Sammlung zu
mentierte, aus der Region Sierra del bestätigen, ihr Habitat zu charakterisieren
Zamorano stammende Registrierung von und das Auffinden der Lokalität zu doku-
Alfred Lau (Lau 717), die ein von mentieren.
Mammillaria densispina (Coulter) Orcutt In dieser Arbeit wird die Hypothese auf-
verschiedenes, aber derselben Reihe zu- gestellt, dass M. mieheana eine morpho-
gehöriges Exemplar betrifft, das wahr- logische Variante von M. densispina ist,
scheinlich M. mieheana entspricht. Des- hervorgerufen durch eine unterschiedliche
halb kann davon ausgegangen werden, Reaktion der Individuen beim Wachsen
dass genanntes Taxon am Wildstandort nie unter gegensätzlichen Belichtungs-
wieder aufgefunden noch gesammelt bedingungen, in der Form, dass sich eine
wurde (Pilbeam 1999). morphologische Veränderung nur an Indi-

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viduen zeigt, die unter dem geschlosse- der Art analysiert, einschließlich der im
nen Blätterdach des Waldes wachsen und Schlüssel von Pilbeam (1999) angegebe-
an jenen, die seit 2000 unter Gewächs- nen diagnostischen Merkmale.
Um die Hypothese der Unterschiede
im Belichtungsgrad unter unterschied-
lichen Umweltbedingungen zu bewei-
sen, wurden Messungen der Aktiven
Photosynthese-Strahlung (PAR) (µmol
m-2 s-1) als indirekte Einschätzung des
fotosynthetischen Photonenflusses
(PPF) vorgenommen, unter jeder der
Bedingungen, unter denen die unter-
suchten Exemplare wuchsen: in der
Wildpopulation im a) offenen Raum (Ge-
lände ohne Blätterdach), b) unter einem
Abb. 2: Mammillaria densispina, in einem Gebiet Blätterdach und c) im Innern eines Ge-
mit geschlossenem Blätterdach wachsend, R.
wächshauses. Die erhaltenen PAR-
Hernández 12014 (QMEX)
Werte für jede der Bedingungen wur-
hausbedingungen im Botanischen Garten den mit dem PAR-Wert eines Kontroll-
wuchsen. An dieser Stelle ist es wichtig, geländes verglichen, um die erzielte PAR
darauf hinzuweisen, dass die Gewächshäu- zu bewerten. Die Messungen wurden an
ser dieser Institution nicht konventionell sonnigen Tagen während der Stunden der
sind, da sie nicht mit Plastik gedeckt und stärksten Belichtung, zwischen 10. 00 und
dunkler als ein konventionelles Gewächs- 16. 00 Uhr in Abständen von jeweils 30
haus sind. Minuten vorgenommen, wobei ein
Apogee-Quantometer vom Modell BQM
Methoden Q-Basic verwendet und der Mittelwert
Die Beschreibung und die Charak- festgehalten wurde. Um die statistische
terisierung des Habitats wurden am Wild- Signifikanz zwischen jeder der Bedingun-
standort erarbeitet, und die entsprechen- gen und der Kontrolle zu bestimmen, wur-
den Herbarexemplare (R. Hernández
12014), die im Herbario Estatal de
Querétaro „Jerzy Rzedowski“ de la
Universidad Autónoma de Querétaro
(QMEX).deponiert sind, wurden vorbe-
reitet.
Es wurden morphologische Daten
der Individuen im Feld und von den
vorliegenden Informationen der Ex-
emplare des Botanischen Gartens ge-
wonnen; ferner wurde eine Tabelle
des Vergleichs zwischen den M.
mieheana nahestehenden Taxa erar- Abb. 3: Aktive Fotosynthesestrahlung, Mittelwert
beitet. Mit diesem Vergleich wurden unter dem geschlossenen Blätterdach des
einige der wichtigsten Merkmale je- Quercus-Waldes

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de ein nichtparametrischer (U-Mann- deren Ursprung mit der Entstehung der


Whitney-) Test verwendet (Zar 1999). neovulkanischen Kette in Verbindung steht
(Pérez-Vanzor et al. 1996).
Ergebnisse Bezüglich der regionalen Einordnung
Morphologische Veränderung gemäß INEGI (1986) gehört diese Zone zur
An der in den historischen Dokumenten physiografischen Provinz Mesa del Centro
des Botanischen Gartens berichteten Lo- und liegt innerhalb der Unterprovinz Sier-
kalität wurde nur eine Population von M. ras y Llanuras del Norte de Guanajuato;
densispina gefunden, in der sich Exemp- im System der Oberflächenformen wird sie
lare von zwei morphologischen Varianten als Meseta Lávica con Cañadas (Lava-
zeigten: a) Die Exemplare, die unter offe- plateau mit Schluchten) bezeichnet. Das
nem Himmel oder in Gebieten wachsen, Klima der Lokalität ist vom Cw-Typ, gemä-
wo das Blätterdach nur spärlich ist, mes- ßigt und mäßig feucht mit Sommerregen;
sen zwischen 4 und 6 cm Höhe und 1,5 der Boden ist ein Parabraunerde-
bis 5,0 cm Durchmesser und b) die Indivi- Phaeozem mit aus saurem Ergussgestein
duen, die unter dem geschlossenen (Rhyolith) bestehender steiniger Phase,
Blätterdach des Waldes wachsen, sind all- von der Textur her schottrig-tonig-sandig,
gemein von größerem Format als erstere von der Reaktion leicht sauer und mit ei-
und erreichen Ausmaße von bis 15,0 cm nem geringen bis mäßigen Gehalt an or-
Höhe (im Durchschnitt 9,0 cm) und 5,0 cm ganischer Substanz.
Durchmesser. Der Steineichenwald dieser Lokalität ist
Der vorgenommene morphologische von Weideland und Trocken-Dornbusch
Vergleich führt zu der Beobachtung, dass umgeben und bewegt sich im Grenz-
alle Merkmale der untersuchten Exempla- bereich der Klimatypen BS und Cw, in ei-
re mit der Originalbeschreibung von M. ner Höhenlage von 2300 bis 3000 m
densispina übereinstimmen oder sich da- (Zamudio et al. 1992). Die Pflanzengesell-
mit überlappen, und dass das einzige schaft weist folgende Arten auf:
Merkmal, das diese Art von M. mieheana
trennt, die Körperhöhe ist (siehe Abb. 1). Quercus glaucoides MART. & GALEOTTI
Quercus grisea LIEBM.
Beschreibung des Geländes der Un- Quercus rugosa NÉE
tersuchungen und der Ort der Auf- Nolina parviflora KUNTH
sammlung Buddleia sessiliflora KUNTH
Die Lokalität liegt im Municipio Tolimán im Arctostaphylos pungens KUNTH
Bundesstaat Querétaro, 65 km von des- Salvia mexicana L.
sen Hauptstadt entfernt in einer als El Agave salmiana OTTO ex SALM-DYCK
Derramadero bekannten Gegend (20° 58' Opuntia cantabrigiensis LYNCH
53,4'’ N; 100° 00' 39,2'’ W). Die Höhenla- Baccharis conferta Kunth
ge des Standortes ist 2649 m, wobei es Amelanchier denticulata (KUNTH) KOCH
sich um eine Zone mit Steineichenwald- Mammillaria gigantea HILDM. ex
Vegetation handelt; physiografisch und ge- K. SCHUM.
ologisch gehört diese Zone zur Sierra del Stenocactus ochoterenaus TIEGEL
Zamorano, die aus einem Verbund vulka-
nischer Erhebungen besteht, die während
des Obertertiärs entstanden sind, und

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Tabelle 1: Vergleich der Merkmale zwischen M.mieheana TIEGEL und den ihr
nahestehenden Taxa

M.densispina M. elongata M. mieheana M. aff. M. densispina


(COULTER) ORCUTT DC. (Craig TIEGEL mieheana R. HERNÁNDEZ
(Craig 1949) 1949, Pil- (Reppen- Bot. Garten 12014
beam 1999) hagen 1991) Cadereyta (QMEX)
(s.l.)

einzeln oder Rasen Rasen bildend, Rasen einzeln oder


Rasen bildend, bildend, 5 cm bildend, Rasen bildend,
6-10 cm 2 - 3 cm Durchmesser, 2,5-4 cm 4-5 cm
Körper
Durchmesser, bis Durchmesser, 15 cm hoch Durchmesser, Durchmesser,
12 cm hoch 3-10 cm hoch 4-11,5 cm 4-15 cm hoch
hoch

20-25, 8-13 mm 15-20, 5-12 18-20, 15 mm 16-18, 10 mm 12-21, 10 mm


lang, nadelig mm lang, lang, nadelig, lang, nadelig, lang, nadelig,
gerade, weiß bis gerade bis fast gerade, gerade, gerade,
Randdornen
gelb gebogen, hellgelb hellgelb hellgelb
leicht nach
oben wei-
send, gelb
5-6, 10-20 mm keine oder 3-6, Größe 3-5, 9 mm 4-6, 12 mm
lang, nadelig, selten ein nicht näher lang, nadelig, lang, nadelig,
Mittel- gerade bis leicht einzelner, angegeben, gerade, nadelig,
dornen geneigt, gelb 6-8 mm lang nadelig, fast hellgelb gerade,
oder weiß, mit gerade, hellgelb
dunkler Spitze honiggelb
junge Axillen mit Axillen leicht unge Axillen junge Axillen junge Axillen
weißer Wolle, wollig bis mit weißer leicht wollig, und Areolen
Axillen und dann nackt; nackt, Areolen Wolle, junge Areolen rund, leicht wollig,
Areolen Areolen oval, jung rund bis oval, Areolen jung wollig Areolen rund
mit Wolle, dann jung leicht verlängert und
nackt wollig wollig
äußere äußere gelblich, äußere äußere
Blütenblätter Blütenblätter röhrenförmig; Blütenblätter Blütenblätter
grünlichgelb mit grünlichgelb andere Daten grünlichgelb grünlichgelb
rosa Spitze, mit rosa sind nicht mit leichter, mit einem
innere Mittellinie, angegeben blassrosa blassen rosa
Blütenblätter innere Mittellinie, die Fleck im
Blüten
schwefelgelb, Blütenblätter nicht bis zur Mittelteil,
röhrenförmig gelblich, Spitze reicht, innere
röhrenförmig innere Blütenblätter
Blütenblätter hellgelb,
gelb, röhrenförmig
röhrenförmig

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Tabelle 1a: Vergleich der Merkmale zwischen M.mieheana TIEGEL und den ihr
nahestehenden Taxa

M.densispina M. elongata M. mieheana M. aff. M.


(COULTER) DC. (Craig TIEGEL mieheana densispina
ORCUTT 1949, Pil- (Reppen- Bot. Garten R. HERNÁNDEZ
(Craig 1949) beam 1999) hagen 1991) Cadereyta 12014
(s.l.) (QMEX)

rot, kurz- rot, gebogen, durchschei- weißlich, nicht


keulig, mit keulig, mit nend-weiß- keulenförmig, beobachtet
Frucht persistentem persistentem lich, keulen- mit
Perianth Perianth oder eiförmig persistentem
Perianth

Steineichen-- Trocken-Dorn- nicht Steineichen-- Steineichen--


wald, busch, spezifiziert wald, wald,
Habitat vulkanische Sediment- vulkanische vulkanische
Felsen felsen Felsen Felsen

Jalisco, Hidalgo und Querétaro Tolimán, Tolimán,


Durango, Querétaro Querétaro Querétaro
Aguascalient-
es, Zacatecas,
Verbreitung
San Luis
Potosí,
Querétaro,
Guanajuato

Belichtungsverhältnisse Die Abb. 2, 3 und 4 zeigen die im Wild-


Die PAR-Werte haben gezeigt, dass zwi- zustand unter den beiden verzeichneten
schen der Kontrolle und dem offenen Raum Bedingungen wachsenden, untersuchten
keine signifikanten Unterschiede bestehen Exemplare und diejenigen, die unter
(1829.6 ± 78.3 bzw. 1794.3 ± 77.2; P = 0.60, Gewächshausbedingungen wuchsen.
Abb. 1). Auf der anderen Seite sind sie zwi-
schen dem offenen Raum und unter dem Schlussfolgerung
Blätterdach (574 ± 160, P = 0.002; Abb. 1) Die Unterschiede in der von einigen Arten
hoch signifikant; ebenso zwischen dem of- der Familie der Cactaceae aufgefangenen
fenen Raum und dem Gewächshaus (144.1 PAR-Menge haben die Veränderung der
± 9.65, P = 0.002; Abb. 1). Sprosshöhe zur Folge; diese Tatsache wur-
Das Obige bestätigt die Existenz gegen- de in verschiedenen Studien dokumentiert,
sätzlicher PAR-Werte entsprechend dem die sich auf die Gattungen Stenocereus,
Mikroumfeld, wo die Art wächst, was das Trichocereus und Opuntia beziehen (Gibson
Wachstum und die morphologische Verän- und Nobel 1986; Gutiérrez 2000; Rebman
derung der Individuen als Funktion des und Pinkna 2001 sowie Nobel und Bobich
Faktors Licht entscheidend beeinflussen 2002). Im Wildzustand hängt die über je-
könnte. der Pflanze vorkommende Lichtstärke von

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der umgebenden Vegetation ab, da diese


die Intensität des den Individuen der un-
teren Schicht zur Verfügung stehenden
Lichts begrenzt, und in der Folge das Be-
streben bewirkt, die obersten Lagen des
Blätterdaches zu erreichen (Gibson und
Nobel 1986).
Die Entwicklung einer größeren Oberflä-
che durch die Bildung zahlreicher Warzen
führt zur Verfügbarkeit einer größeren
Oberfläche für die PAR-Aufnahme und da-
mit zur Erhöhung der Aufnahme des tägli-
chen fotosynthetischen Photonenflusses
(PPF), der direkt verantwortlich für die Bin-
dung von CO2 ist und damit in direkter Be-
ziehung zur Gesamtproduktivität der Pflan-
ze steht (Gibson und Nobel 1986).
Die Umrechnung der erzielten Ergebnis- Abb. 1
se in PPF-Werte hat folgende Äquivalen- Prozentwerte (Durchschnitt ± e.e.) der
te: offener Raum 158 mol m-2 d-1, unter dem Aktiven Photosynthesestrahlung (PAR)
Blätterdach 49,59 mol m-2 d-1 und im Innern unter drei gegensätzlichen Licht-
des Gewächshauses 12 mol m-2 d –1; dabei bedingungen, unter denen sich die
ist zu beachten, dass der für die maximale Art entwickelt
CO2-Bindung erforderliche PPF-Wert bei
einigen Kakteen mit 30 Mol m-2 d-1 einge- ge Ursache der beiden morphologischen
schätzt wurde (Nobel und Bobich 2002), Varianten den Belichtungsbedingungen in
was verdeutlicht, dass die im Innern des gegensätzlichen Umgebungen zugeschrie-
Gewächshauses verbliebenen Exemplare ben werden kann.
unter einem Belichtungsgrad weiter- In diesem Punkt ist es wichtig, aufzu-
wuchsen, der für die Produktivität als ein- zeigen, dass M. mieheana wahrscheinlich
schränkend angesehen werden kann. nach einem aus der Finca Schmoll in
In Abhängigkeit von vorigen Thesen wird Cadereyta, Querétaro stammenden Exem-
deutlich, dass sowohl die Exemplare von plar beschrieben wurde, da eine große
M. densispina, die unter dem geschlosse- Menge Kakteenmaterial aus diesem Staat
nen Laubdach des Waldes wachsen, als von Carolina und Ferdinand Schmoll ge-
auch die, die im Gewächshaus des Bota- sammelt und nach Europa verschickt wor-
nischen Gartens verblieben, eine durch die den war, die ihre eigenen Gewächshäuser
Veränderung des Belichtungsgrades in entwarfen und bauten, die ihrerseits als
beiden Umgebungen hervorgerufene mor- Anregung zum Bau der ersten beiden Ge-
phologische Reaktion demonstrieren, die wächshäuser dienten, die der Botanische
eine Zunahme der Sprosshöhe zur Folge Garten in seinen Anlagen erbaute (Abb. 5
hatte, die sich an die in der Beschreibung und 6); in einem davon verblieb für mehr
von M. mieheana angegebenen Gestalt als vier Jahre das als M. mieheana be-
annähert. Deshalb ist es möglich, die Hy- stimmte Exemplar, eine Art, die seit ihrer
pothese aufzustellen, dass die notwendi- Erstbeschreibung am Wildstandort wahr-

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scheinlich nie wieder aufgefunden noch 363 s.


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