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Der Karneval der Tiere

Textfassung von Boris Aljinovic und François Smesny


Musik: Camille Saint-Saëns
Besetzung: Saxophonquartett

Textfassung für die Hörbuchproduktion:


Der Karneval der Tiere von O-Ton-Produktion, Berlin

www.o-ton-produktion.de ISBN: 978-3-9810256-5-1


© und (P) 2007 O-Ton-Produktion

Einleitung und königlicher Marsch des Löwen

Da war das ganze Getier vollständig versammelt


auf einer Lichtung im tiefsten Urwald.
Wollt einer sie aufzählen, hätt´ er gestammelt.
Es kamen so viele von jung bis alt.
Da waren Esel, Hühner, ein Eisbär,
Gazellen, Elefanten, ein Krokodil, das lag quer.
Und Hase und Igel und noch und noch viel mehr,
und wollten feiern bis morgens um viere.
Denn heut’ ist der Karneval der Tiere.

Es ist die Nacht der Erfüllung der Träume.


Über allem steht leuchtend der Mond,
darunter Gedrängel bis in die Wipfel der Bäume.
Man hofft, dass die Strapaze sich lohnt.
Eine Eintagsfliege hat weitere Pläne verschoben.
Ein Fuchs hat seinen Hunger aufgehoben.
Selbst das Zappeltier verbat sich das Toben.
Man sieht gespannt auf das Blasquartett,
das am liebsten schon jetzt begonnen hätt´.

"Ich kann noch nichts sehen.", klagt ein Kormoran,


"Nun sei doch mal still", ruft eine Giraffe,
"Erst kommt der König, dann fangen wir an."
"Das ist doch albern", schreit hierauf der Affe.
Da tritt hervor der Kuckuck mit Taktstock,
gekleidet im schwarzen Livreerock,
unterm Flügel hat er den Notenblock.
Er schaut auf das Nasenbär Orchester:
Es sind zwei Brüder mit je einer Schwester.

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Vorn erhebt sich ein kleiner Tumult.
Endlich der König der Tiere, der Löwe.
Dem Aufruhr zeigt er vornehm Geduld,
winkt ruhig in die Menge: "Nu´lasst das Getöse."
"Sonst isser anders", sagt eine Termite.
"Mein Hügel liegt in seinen Jagdgebiete,
was da los ist, wenn ich das verriete.
Und dafür zahl ich auch noch Miete.”
Der Kuckuck hebt den Stock für den königlichen Marsch.
Der König nimmt Platz und denkt an einen leckeren Barsch.

Musik: Königlicher Marsch der Löwen.

Der Hahn und seine Henn(I)nnen

Nun kann es wie immer beginnen-


Tiere lieben wie wir Traditionen-
Mit dem Hahn und seinen HennInnen!
Es gibt schon vorab Ovationen.
Da nörgelt der Bär aus dem ewigen Eis:
“Bei mir zu Haus’ ist schon alles ganz weiss,
langweiln kann ich mich auch am Polarkreis “.
Die anderen aber freut jedes Jahr wieder-
die Pyramide aus Gackergefieder.

Musik: Hühner und Hahn

Die wilden Esel

Der Hase sagt: “Da fehlte doch ein Huhn?”


Der Igel fragt: “ Hä? Wo isses denn nun?
Die Gerda haben wir nicht geseh´n.
Uns deucht, es ist was schreckliches gescheh´n!”
“Ich wusste gar nicht, wie die hieß“
bemerkt der Fuchs und lächelt mies.
Das finden Has und Igel fies.
Doch getrieben von Sturm und Drang
galloppieren jetzt die Esel heran.

Musik: Wilde Esel

Die Schildkröten

Aus allen kehlen Bravos


für den wilden Eselstanz.
Alle finden ihn famos.
Wer kann, wackelt mit dem Schwanz.
Doch nun zum ruhigen Klang der Tröten
tanzen langsam drei Schildkröten,
die vor Anstrengung erröten.
Manche Tiere reizt der Tanz zum Lachen,
aber die sollen das mal besser machen.

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Musik: Die Schildkröten

Der Elefant

Da tritt auf der weise Elefant.


Er trägt Perücke und Tütü.
Der Maulwurf schaut verwundert angespannt
“Hä? Ist jetzt sein Verstand perdü?“
Mit dem Rüssel hebt ers Röckchen,
dann schüttelt er die Löckchen,
der Kuckuck schwingt’s Tacktstöckchen.
Das haben wir gemein mit allen Tieren:
Zum Karneval, da darf man sich blamieren.

Musik: Der Elefant

Das Känguruh

Gejohle und Applaus.


“Davon hat er immer schon geträumt“
bestätigt stolz die Maus.
“Er is´nämlich mein größter Freund.“
Plötzlich tanzt heran ein Känguruh,
es trägt dabei so rote Gummischuh
und spielt mit sich alleine Blindekuh.
Das überrascht das Krokodil:
“Alleine Blindekuh? - Das bringt nicht viel.“

Musik: Känguruhs

Das Aquarium

Auf die Lichtung strömt ein buntes Lichtermeer.


Vier Gazellen tragen stumm ein riesigrund Aquarium.
Das leuchtet von unendlich vielen Fischen her.
Vor Staunen wirken die meisten dumm.
Ei! Ein bunter Lachs. Da! Ein Seestern und ein Zitteraal.
Schau mal ein Manta, nein, wie elegant und schmal.
Oh! Ein Schleierfisch, und unten sogar ein ganz kleiner Wal.
Kaum ein Landtier kennt die ganze Unterwasserpracht,
selbst der Haubentaucher hat dort unten nie lang zugebracht.

Musik: Das Aquarium

3
Die Wesen mit langen Ohren

Da treten auf vier Fabelwesen,


so unaussprechlich gräusslich.
Das Fell dabei sich aufzulösen,
es riecht auch schon ganz scheusslich.
Die Beine unterschiedlich lang,
Augen wie ein Höhlengang.
Grimassen wie von Folterzwang
und hintendran ganz lange Ohren.
Wer hat da den Verstand verloren?

Musik: Persönlichkeiten mit den langen Ohren

Der Maulwurf sagt: “Was war denn das?“


Darauf die Maus: “Ein kruder Spass.“

Der einsame Kuckuck im Wald

Traurig spricht auf einmal der Kuckuck:


“Wir werden geboren in fremden Nestern,
niemand merkt den Betrug.
Wir kennen nicht Brüder noch Schwestern.
Unsere Eltern werden wir nie sehen,
den Kindern niemals beistehen,
alleine durchs Leben gehen.
Auf das Leben das Gott uns erschuf,
singen wir einsam unseren Ruf. – Kuckuck!”

Musik: Der Kuckuck

Die Vögel

“Ach, lass uns mit deinem Selbstmitleid in Ruh,


für so was ist heut Abend keine Zeit“
spricht fröhlich nun der Kakadu.
“Auf mein Zeichen Vögel seid bereit.
Heute sind wir sorgenfrei,
alle Vögel, fliegt herbei“.
Und mit einem Freudenschrei
erklingt ein Rauschen von tausend Vögeln,
die fröhlich singend über die Häupter segeln.

Musik: Das Vogelhaus

4
Die Nasenbären

Da fällt auf die Nase von König Löwe


was Weisses vom Himmel, ganz glitschig und warm.
Die Menge verstummt, “Das war eine Möwe.
Die hat sich versteckt, ganz feige im Schwarm.
Das war ein Anschlag auf des Königs Ehre.“
Vergiftet ist die Atmosphäre.
Wer weiß, was noch geschehen wäre,
wenn nicht das Nasenbär-Quartett
den Karneval gerettet hät.

Musik: Die Pianisten

Die Fossilien

Aus den Wipfeln fallen Lianen.


Dran hängen versteinerte Knochen.
Geführt von den Pavianen
Marionetten vergangener Epochen.
Zwei Brontosaurier so groß wie ein Baum.
Sie tanzen, es war ein romantischer Traum.
Das sie schon tot, man glaubt es kaum.
Man vertreibt sich die Zeit mit Illusionen,
so geht das Spiel schon seit Jahrmillionen.

Musik: Die Fossilien

Der Schwan

Auf einmal tanzt herein auf einem spiegelglatten See


der elegante weiße Schwan und kündet von dem Sterben und der Schönheit.
Das alles Leben und alle Hässlichkeit auch mal vergeh.
Nur in der Sekunde jetzt zeigt sich der Tiere Wahrheit,
denn die Ewigkeit verweilt,
wenn der Augenblick den Vorhang teilt
und uns im Nu von unsern Sorgen heilt,
dass uns ein Moment alles vergessen ließ -
Der Schwan zeigt uns, wo es wirklich liegt, das Paradies.

Musik: Der Schwan

5
Finale

Die Tiere hatten sich aneinandergelehnt.


Es war schon viel später als Nachts um viere.
Und als die Eintagsfliege ein letztes mal gähnt,
brachen sie auf die Karnevals Tiere.
Sie mussten nach Hause die Esel, die Hühner, der Eisbär,
Gazellen, Elefanten, das Krokodil lag auch nicht mehr quer.
Salamander und Hase und noch und noch viel mehr.
Vom Schönen zu scheiden warn sie verdammt
als die Strahlen der Sonne die Lichtung entflammt.

Musik: Finale