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„Bildungs-Baustelle“ im besten Alter

LWH lädt ein zum Mitwirken …
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Vor 50 Jahren hat Dr. Werner Remmers das erste
Programm für das Ludwig-Windthorst-Haus vor-
gelegt. Damals kam es noch recht bescheiden als
Flyer daher. Das Titelblatt zeigte ein starkes und
symbolträchtiges Bild (siehe rechts) von Ferdinand
Hees (der zehn Jahre später Kapelle, Aula und
Foyer künstlerisch gestaltete): Schemenhaft
zeigen sich da aufeinander geschichtete
Ziegelsteine und Gerüstkonstruktionen.
Man könnte auch sagen: eine Baustelle –
Zeichen für die Aufbauarbeit, die damals
geleistet wurde. Doch eine Baustelle ist
das LWH bis heute geblieben – „under
construction“. Das gilt vordergründig für
die Um- und Neubauarbeiten in Stein, die
seit 2009 laufen und in diesem Sommer
zu Ende gehen. Das gilt aber noch mehr für
unser Programm. Da verändert sich immer
etwas. Mancher Bereich boomt, andere Schwer-
punkte werden zu Randphänomenen. Wieder ande-
res müssen wir neu angehen. Das LWH ist in diesem
Sinne Dauerbaustelle. Aber es ist eine Baustelle
ohne Absperrung, ohne Zaun. Sie will die Menschen
einladen, mitzubauen und mitzuwirken.
Das mag auch das Leitwort andeuten, unter das
wir unser 50-jähriges Jubiläum gestellt haben:
nachFRAGEN – querDENKEN – mitWIRKEN.
Eine Katholisch-Soziale Akademie wie das LWH ist
nichts Statisches, keine Behörde. Sie muss immer
in Bewegung sein. Ihr Auftrag ist es, nachzufra-
gen, den Dingen auf den Grund zu gehen, unter
die Oberfäche zu schauen. Warum ist das mit der
Energiewende so schwer und kompliziert? Wie kann
die Kirche die Menschen besser ansprechen? Auf
welche Weise können Christen das Salz in der Suppe
sein? Wie kann man bei den vielen unterschiedlichen
Lebensstilen und Lebensentwürfen einheitliche
Wertvorstellungen vermitteln? Was macht einen
guten Lehrer / eine gute Lehrerin aus? Nur wer
die richtigen Fragen stellt, vermag auch zu
unterscheiden, ob eine gesellschaftliche
Entwicklung, ein gesellschaftliches Phä-
nomen ein vorübergehender Trend ist
oder wirklich einen grundlegenden Wandel
bedeutet. Nachfragen bedeutet auch
neugierig sein – neugierig auf Menschen
und Meinungen.
Freilich dürfen wir beim bloßen Nach-
fragen nicht stehen bleiben. Antworten
müssen hinterfragt werden. Erst dann
können Menschen eigene Ideen entwickeln, alt ein-
getretene Pfade verlassen, wagen Neues zu denken.
Es muss Frei-Räume geben, gerade auch innerhalb
der Kirche, in denen Menschen laut denken und
experimentieren können – nach dem Motto: Was
wäre denn, wenn alles ganz anders käme? Was wäre,
wenn die Ortskirchen wirklich wieder eine große
Bedeutung erhielten und Rom Macht abgäbe – was
das Pontifkat von Franziskus andeutet? Wie könnte
Demokratie aussehen, wenn es keine politischen
Parteien mehr gäbe? Was wäre, wenn eine Landes-
regierung deutlich stärker in die Aus- und Fortbil-
dung von Lehrkräften investierte?
Alles Nachfragen und Querdenken nützt nichts,
wenn letztendlich die Tat fehlt. Alles Diskutieren und
Debattieren bliebe folgenlos. Für sich genommen,
wäre es Symptom für Selbstbespiegelung und Düns-
ten im eigenen Saft. Deshalb muss eine Katholisch-
Soziale Akademie mit allen gesellschaftlichen Grup-
pen und Milieus in den Austausch treten. Wir müssen
unseren Gästen eine Perspektive eröfnen. Es geht
doch letztlich darum, Menschen ihre Fähigkeiten
entdecken zu lassen, sie zu bestärken, das eigene
Weltbild zu entwickeln, damit sie sich an ihrem Platz
in der Gesellschaft entfalten und gestalten können.
Gerade unser Namensgeber Ludwig Windthorst hat
im 19. Jahrhundert eindrucksvoll vor Augen geführt,
dass eine Gesellschaft nicht vom Zuschauen lebt,
sondern vom tatkräftigen und beherzten Zupacken.
Hier liegt eine große Chance für Bildungsein-
richtungen wie das LWH: Den Kern des Christlichen
und Humanen können wir auch dorthin vermitteln,
wo Kirche unmittelbar nicht mehr gefragt zu sein
scheint. Das LWH bewegt sich im Vorhof von Kirche,
kann und sollte Brückenbauer oder Übersetzer in
jene Milieus hinein sein, die auf den ersten Blick zu
den fernen und distanzierten gehören.
Es arbeitet seit 50 Jahren auf dieser ofenen
Baustelle – gemeinsam mit Ihnen, die Sie unsere
Veranstaltungen besuchen, an unseren Seminaren
teilnehmen. Wir freuen uns, wenn Sie uns weiterhin
verbunden bleiben, um gemeinsam mit uns
nachzufragen, querzudenken und mitzuwirken.
Herzlichst
Ihre Ihr
Dr. Birgit Stoßberg Dr. Michael Reitemeyer
(Vorsitzende LWH e.V.) (Akademiedirektor)
_ Vorwort
Birgit Stoßberg und Michael Reitemeyer
3
_ Inhalt
Vorwort
12 „Bildungs-Baustelle“ im besten Alter.
LWH lädt ein zum Mitwirken …
Birgit Stoßberg, Michael Reitemeyer
14 Inhaltsverzeichnis
Grußworte
16 Bischof Dr. Franz-Josef Bode im Gespräch
18 Ministerpräsident Stephan Weil
10 Landrat Reinhard Winter
11 Oberbürgermeister Dieter Krone
12 Staatssekretär Dr. Hermann Kues MdB,
Vorsitzender der Ludwig-Windthorst-Stiftung
13 Wolfgang Borchardt, Vorsitzender des
Landesverbandes der Niedersächsischen
Heimvolkshochschulen
14 Prälat Dr. Peter Klasvogt, Leiterkreis der
Katholischen Akademien in Deutschland
15 Bernward Bickmann und Lothar Harles,
Arbeitsgemeinschaft Katholisch-Sozialer
Bildungswerke
Zur Person – Rückblicke
16 Vom Zauber des Anfangs –
Ein Kurzporträt zum Gründungsdirektor
Dr. Werner Remmers
Volker Resing
18 Kritisch in Liebe zur Kirche –
Dr. Walter Klöppel im Gespräch
20 Reinhold Jackels und Barbara Korte-Terfehr
nachFRAGEN – querDENKEN – mitWIRKEN: Inhalte und Schwerpunkte
22 Ludwig Windthorst –
ein Name als Programm
Michael Reitemeyer
Theologie und Kirche
24 Hofnung, die trägt. Theologisch-pastorale
Bildungsarbeit im Ludwig-Windthorst-Haus
René Kollai
Politik und Wirtschaft
30 Mut zur Meinung. Politische Bildung im LWH
Johannes Kröger, Michael Reitemeyer
36 Wie zukunftsfähig ist der „Dritte Weg“?
Agnes Kläsener
Gesellschaft und Familie
38 Vater, Mutter, Kind.
Gesellschaft und Familie im Wandel
Maria Brand
42 Teilen erleben
Maria Brand
43 „1:1“-Betreuung – 10 Tage abseits vom Alltag
Swenna Vennegerts
44 Eine neue Rolle fnden
Agnes Kläsener
Pädagogik
46 Mut zum Erziehen. Pädagogische Fragen
und Angebote in Kontinuität und Wandel
Suzanne von Melle
50 Chance Vielfalt –
Inklusion und Integration im LWH
Suzanne von Melle
52 Entscheidend: „Gute Lehrer!“ –
Lehrerfortbildungen zwischen
Fachunterricht und Bildungspolitik
Judith Hilmes
55 LWH: Kompetenzzentrum
für Lehrerfortbildung
Judith Hilmes
56 Schülerakademie
Michael Brendel
57 Pädagogischer Think Tank –
der Arbeitskreis Schule und Bildung
Heiner Reinert
Kommunikation und Medien
60 Medium zwischen den Generationen.
Kommunikation im Wandel
Michael Brendel
Gesundheit und Pfege
64 Welche Pfege wollen wir?
Gesundheitsbildung im Spannungsfeld
zwischen Professionalisierung und Ethik
Maria Brand
66 Ethik in Medizin und Pfege.
Ein neuer Fachbereich und ein neues Gesicht
Klaus Klother
67 Erster Emsländischer Hospiz- und Palliativtag
Maria Brand
4
_ Inhalt
Kunst und Kultur
68 Kunst macht sichtbar
Michael Reitemeyer
72 Tanzen verbindet.
Traditionsreiches Angebot im LWH
Maria Brand
Ausblick und Dank
74 Werte – Wissen – Wandel.
Herausforderungen an ein
zukunftsfähiges Bildungshaus
Michael Reitemeyer
Netzwerk LWH
78 Netzwerk LWH. Tragfähige Verbindungen
nach innen und außen
René Kollai
80 Nationale Ausstrahlung –
Ludwig-Windthorst-Stiftung
Johannes Kröger
82 Seltenes Erfolgsmodell –
Kindergarten St. Ansgar
Mechthild Schröers, René Kollai
84 Moderne Medienstelle –
Religionspädagogische Literatur im LWH
Mia Dornieden
86 Orte zum Leben –
KEB ist „unterwegs zu den Menschen“
Gisela Bolmer
87 Außenstelle mittendrin.
Bistum und LWH kooperieren
Sabine Gautier, Bärbel Grote
88 Die WABE – Sozialer Knotenpunkt im Dorf
Andrea Osterhage
89 Wichtiger Seismograph –
MAV: Der Dritte Weg im LWH
Daniel Dinklage
Hinter den Kulissen
92 Gesucht – gefunden.
Zivildienst und Freiwilligendienste
René Kollai
93 Zertifzierte Bildungsarbeit –
Qualitätsmanagement auf hohem Niveau
René Kollai
94 Mitarbeitende Juni 2013
95 Mitarbeitende 1963–2013
Impressum
Gesamtverantwortung und Redaktion
Ludwig-Windthorst-Haus
Katholisch-Soziale Akademie
Gerhard-Kues-Str. 16
49808 Lingen (Ems)
Telefon: 0591 6102-0
Telefax: 0591 6102-135
eMail: info@lwh.de
Internet: www.lwh.de
Träger: Ludwig-Windthorst-Haus e.V.
Vereinsregister VR461 beim Amtsgericht Lingen
Vorstand: Dr. Birgit Stoßberg (Vorsitzende), Ulrich Boss (stellv. Vorsitzender)
Generalvikar Theo Paul, Dechant Thomas Burke, Björn Jansen
Geschäftsführer: Dr. Michael Reitemeyer (verantwortlich)
Realisation
Projektbüro pro-t-in GmbH
www.pro-t-in.de
Druck
Druckerei Ralf Müller, Meppen
www.drm-meppen.de
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Begegnung, Dialog, Spiritualität
Bischof Dr. Franz-Josef Bode im Gespräch
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Herr Bischof, wann haben Sie zum ersten Mal vom
Ludwig-Windthorst-Haus gehört?
Bischof Dr. Bode: Ich kannte bis zu meiner Einfüh-
rung als Bischof von Osnabrück so gut wie nichts von
dieser Region. Deshalb habe ich das LWH erst 1995
wirklich wahrgenommen.
Im Jahr 1999 war die Deutsche Bischofskonferenz
zu Gast im LWH. Wie haben Sie diese Frühjahrskon-
ferenz erlebt?
Bischof Dr. Bode: Die Konferenz hat sich allen
Bischöfen sehr eingeprägt. Inhaltlich ging es vor
allem und ziemlich dramatisch um die Schwan-
gerschaftskonfiktberatung. Außerdem waren der
Ort und die Art des Hauses mit den interessanten
Einzelgebäuden für die Bischöfe
neu. Auch mein Versprecher im
Eröfnungsgottesdienst ist jedem
noch in Erinnerung. Ich habe
den Vorsitzenden statt „Karl Lehmann“ „Kardinal
Lehmann“ genannt. Das war er damals noch nicht,
wurde es aber bald.
Das Bistum Osnabrück investiert in seine Bildungs-
häuser, während andere Diözesen die Förderung
zurückfahren oder gar Einrichtungen schließen.
Warum ist Ihnen das so wichtig?
Bischof Dr. Bode: Die Kirche muss im Bereich
ganzheitlicher Bildung, vor allem auch in der
Erwachsenenbildung, lebendig tätig bleiben. Heute
braucht es viele verschiedene Orte der Begegnung
mit Kirche und Glauben, weil die persönlichen
Zugänge sehr verschieden sind und ein Dialog in
den unterschiedlichen menschlichen Bereichen nur
so geführt werden kann. Bildungshäuser sind Orte
der Begegnung, des Dialogs und der Spiritualität. Sie
sind Knotenpunkte im Netzwerk Kirche.
Welche Bedeutung haben für Sie die katholischen
Akademien – im Hinblick auf die Kirche und in
Bezug auf die Gesellschaft allgemein, aber auch
für den einzelnen Menschen, der an den Veranstal-
tungen teilnimmt?
Bischof Dr. Bode: Katholische Akademien fördern
den Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft, so
dass diese sich gegenseitig tiefer
wahrnehmen. Im LWH ist das ein
besonderer Schwerpunkt. Sie stär-
ken Menschen, besser Rechen-
schaft geben zu können von der Hofnung, die sie
erfüllt, wie es im 1. Petrusbrief heißt. Sie ermutigen
Menschen, ihren Glauben und ihre Überzeugungen
öfentlicher zu machen. Und sie begleiten vor allem
die ehrenamtlichen Kräfte der Kirche in ihrem Dienst.
Im vergangenen Jahr haben wir den 200. Geburts-
tag von Ludwig Windthorst feiern können. Welche
Botschaft hat diese Persönlichkeit heute für uns?
Bischof Dr. Bode: Das Ludwig-Windthorst-Jubiläum
hat gezeigt, was für eine große Wirkung diese
Persönlichkeit auch nach so langer Zeit noch ent-
faltet. Das Interesse war sehr groß. Christen dürfen
sich eben nicht in der Kirche und in Privathäusern
verstecken. Sie müssen Politik mit ermöglichen und
mit gestalten. Das mutige Eintreten Windthorsts für
die Minderheiten, für die Freiheit der Kirche, für die
Laien in der Kirche und für den Parlamentarismus
macht immer wieder seine katholisch-christlichen
Wurzeln sichtbar. So ermutigt er zu einem Glauben
mit praktischen Konsequenzen und zum öfentli-
chen Engagement.
Was wünschen Sie dem Ludwig-Windthorst-Haus
für die Zukunft?
Bischof Dr. Bode: Ich wünsche dem Haus weiterhin
eine so hervorragende Entwicklung wie in den letz-
ten Jahren, viele aufmerksame Besucherinnen und
Besucher, eine hohe Begegnungskultur und einen
breiten positiven Einsatz für einen Glauben, der Gott
und den Menschen nahe bleibt.
_ Grußwort
Bischof Dr. Franz-Josef Bode
„In Erwachsenenbildung
lebendig tätig bleiben“
7
„Bedeutender Impulsgeber“
Grußwort von Ministerpräsident Stephan Weil
8
Sehr geehrte Damen und Herren,
vor 25 Jahren lautete der Titel Ihrer Festschrift „Wir
sprechen miteinander“. Das war Ausdruck wert-
voller politischer Bildungsarbeit, denn politische
Sozialisation fand lange Zeit in fest gefügten Erfah-
rungsräumen wie Familien, sozialen und kirchlichen
Milieus statt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
im Ludwig-Windhorst-Haus hatten es sich daher
zur Aufgabe gemacht, zwischen den Lebenswelten
einen Austausch, ein Gespräch, zu initiieren. Ihre
Bildungseinrichtung wurde auf diese Weise nicht
nur in Niedersachsen, sondern deutschlandweit zu
einem bedeutenden Impulsgeber für gesellschafts-
politische und kirchliche Themen. Politische Bildung
im Zeitalter der Mediendemokratie verlangt indes
neue Mittel und Wege. Die Bürgerinnen und Bürger
erfahren über Internet, Fernsehen und Zeitung von
den verschiedenen Lebensstilen, Meinungen und
Weltanschauungen ihrer Nachbarn. Die Welt ist kom-
plexer und damit auch unübersichtlicher geworden.
Trefend lautet das Motto zu Ihrem 50. Jubilä-
um „nachFRAGEN – querDENKEN – mitWIRKEN“. Es
geht nun darum, gesellschaftlichen Entwicklungen
nachzuspüren, Fragestellungen zu vertiefen und
Menschen zum Mitwirken zu befähigen. Politische
Bildung hat heute mehr denn je die Aufgabe, zu
erklären und zu vermitteln. Zu Recht stellen Sie
daher den mündigen Bürger, der nachFRAGT, quer-
DENKT und schließlich mitWIRKT, in den Mittelpunkt
Ihres Wirkens. Das Ludwig-Windhorst-Haus hat sich
diesem Leitgedanken in bemerkenswerter Weise
verschrieben. Die Vielfalt der angebotenen Semi-
nare, Tagungen, Vorträge und Ausstellungen deckt
alle Facetten unseres Zusammenlebens ab. Das ist
bewundernswertes Engagement!
Im Namen der Niedersächsischen Landesre-
gierung gratuliere ich allen Verantwortlichen im
Ludwig-Windthorst-Haus zum 50. Jubiläum und für
Ihren jahrzehntelangen Dienst an Demokratie und
öfentlicher Diskussionskultur. Mit Mut und Kreati-
vität haben Sie das Haus zu einer der wichtigsten
überparteilichen Institutionen in Niedersachsen
gemacht. Die Leiter des Hauses, alle Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeiter haben den Auftrag der
politischen Meinungsbildung sehr ernst genommen
und so über fünfzig Jahre den guten Ruf des Hauses
erarbeitet und gewahrt.
Stephan Weil
Niedersächsischer Ministerpräsident
_ Grußwort
Ministerpräsident Stephan Weil
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Überzeugendes Gesamtpaket
„Ein Haus der Region für die Region“ – so lautet die
Grundphilosophie des Ludwig-Windthorst-Hauses,
und dieses Selbstverständnis zeigt die Verbunden-
heit der Bildungseinrichtung mit dem Emsland – und
umgekehrt!
Zum 50-jährigen Bestehen der Einrichtung, zu
dem ich im Namen des Landkreises Emsland ganz
herzlich gratulieren möchte, kann man über diese
Verbundenheit hinaus eines ganz klar festhalten:
Das LWH hat in vielerlei Hinsicht von Beginn an eine
Vorreiterrolle eingenommen, denn mit der Grund-
steinlegung durch den damaligen Leiter Dr. Werner
Remmers wurde für das Emsland ein entscheidendes
Kapitel hin zu einem dichten Netz an Weiterbil-
dungseinrichtungen aufgeschlagen, auf das wir
heute mit Stolz blicken können.
Mit ihrer katholisch-sozialen Ausrichtung nimmt
die Lingener Akademie bis heute eine bedeutende
Rolle ein. Auch bei der Umsetzung des Modellpro-
jektes „Bildungsregion Emsland“ konnte sich der
Landkreis in den vergangenen Jahren immer auf die
Mitwirkung und Unterstützung durch das Ludwig-
Windthorst-Haus verlassen.
Doch so wichtig die inhaltliche Konzeption einer
Bildungseinrichtung ist: Um weiterhin wettbewerbs-
fähig zu bleiben, muss auch die Ausstattung zeit-
gemäß und modern sein. Die im vergangenen Jahr
abgeschlossenen Baumaßnahmen am LWH haben
ein überzeugendes „Gesamtpaket“ entstehen lassen,
das nicht nur mit modernen Inhalten, sondern auch
mit besten äußeren Rahmenbedingungen aufwar-
ten kann. Ich freue mich sehr, dass der Landkreis
Emsland mit seiner umfassenden fnanziellen Unter-
stützung einen wesentlichen Beitrag dazu leisten
konnte, dass die Heimvolkshochschule und Akade-
mie zukunftsfähig bleibt.
Im Namen des Landkreises wünsche ich dem
Ludwig-Windthorst-Haus, dass es ihm weiterhin
gelingt, aktuelle Themen aufzugreifen, ein eigen-
ständiges Profl zu bewahren und damit auch in
Zukunft ein wichtiger Baustein in der emsländischen
Weiterbildungslandschaft zu sein.
Reinhard Winter
Landrat des Landkreises Emsland
_ Grußwort
Landrat Reinhard Winter
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Hohes Niveau
Vor 50 Jahren gegründet, ist das Ludwig-Windthorst-
Haus heute eine der wichtigsten Bildungseinrichtun-
gen im norddeutschen Raum. Nach umfangreichen
Sanierungs- und Umbaumaßnahmen erstrahlt das
Haus pünktlich zum Jubiläum und zum Geburtstag
seines Namensgebers in neuem Glanz. Rund acht
Millionen Euro sind in die Bauarbeiten gefossen,
wobei sich die Stadt Lingen mit einer Millionen Euro
beteiligt hat.
Das Geld ist gut investiert. So kündet eine stetig
wachsende Teilnehmerzahl mit circa 21.000 Gästen
pro Jahr vom guten Ruf und hohen Niveau der Kurse
und Vorträge des Hauses. Das Programm führt
jährlich tausende Menschen aus ganz Deutschland
und dem Ausland zu uns nach Lingen. Das LWH hat
sich damit bundesweit einen Namen gemacht und
damit natürlich auch die Stadt Lingen weit über die
Grenzen des Landkreises hinaus bekannt gemacht.
Das umfangreiche Programm beinhaltet aktuelle
gesellschaftspolitische Diskussionen wie auch ein
breites Angebot im Bereich Fort- und Weiterbildun-
gen. So appelliert auch das Leitwort zum Jubiläum,
sich an der Gestaltung unserer Gesellschaft zu
beteiligen.
Das Motto „nachFRAGEN – querDENKEN – mit-
WIRKEN“ bringt es auf den Punkt: Das Ludwig-
Windthorst-Haus fordert die Menschen auf, in den
politischen und kulturellen Diskurs einzutreten, aktiv
zu werden und sich einzumischen.
Für Ihr unermüdliches Engagement und Ihren
Einsatz möchte ich allen Verantwortlichen und
Mitarbeitern des Ludwig-Windthorst-Hauses danken
und Ihnen im Namen des Rates und der Verwaltung
der Stadt Lingen, aber auch ganz persönlich herzlich
gratulieren.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und
gutes GeLingen in Ihrem täglichen Wirken und freue
mich auf viele weitere spannende, interessante
und informative Diskussionsabende, Lesungen und
Podiumsdiskussionen.
Herzlichst

Dieter Krone
Oberbürgermeister der Stadt Lingen (Ems)
_ Grußwort
Oberbürgermeister Dieter Krone
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_ Grußwort
Dr. Hermann Kues MdB
Liebe Freundinnen und Freunde des LWH,
sehr geehrte Damen und Herren,
zum 50-jährigen Jubiläum des Ludwig-Windthorst
Hauses möchte ich als Vorsitzender der Ludwig-
Windthorst-Stiftung, aber auch persönlich, ganz
herzlich gratulieren. Die Geschichte von Haus und
Stiftung ist eng miteinander verfochten. Bekanntlich
war es der Gründungsdirektor des LWH, Dr. Werner
Remmers, der die Stiftung im Jahr 1982 ins Leben
gerufen hatte. Mit verschiedenen Projekten widmet
sie sich seitdem der wissenschaftlichen Aufarbeitung
des Lebenswerkes Windthorsts. Die Stiftung möchte
Menschen motivieren, sich aus einer christlichen
Grundhaltung heraus in der Gesellschaft zu enga-
gieren und Verantwortung zu übernehmen. Bei
vielen Projekten besteht zwischen Haus und Stiftung
seit Jahren eine enge Kooperation. So feierten wir
im vergangenen Jahr 2012 gemeinsam den 200.
Geburtstag von Ludwig Windthorst mit zahlreichen
Veranstaltungen an vielen Orten in Deutschland. Für
die gute, unkomplizierte Zusammenarbeit möchte
ich mich ausdrücklich bedanken.
Ein Jubiläum ist immer ein Anlass, innezuhalten,
Bilanz zu ziehen, aber auch nach vorne zu schauen.
Ich wünsche dem Ludwig-Windthorst-Haus, mit
seinen Angeboten auch zukünftig Seismograph
gesellschaftlicher Entwicklungen in der Region und
darüber hinaus zu sein. Mögen durch die Arbeit der
Katholisch-Sozialen Akademie noch viele Menschen
für sich das Engagement in Kirche, Gesellschaft und
Politik entdecken – ganz im Sinne Windthorsts.
Staatssekretär Dr. Hermann Kues MdB
Vorsitzender der Ludwig-Windthorst-Stiftung
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Beispielgebende Arbeit
Der Niedersächsische Landesverband der Heimvolks-
hochschulen gratuliert der Katholisch-Sozialen
Akademie Ludwig-Windthorst-Haus herzlich zum
50-jährigen Jubiläum.
Im Landesverband der Heimvolkshochschulen
sind zur Zeit 22 Bildungshäuser in unterschiedlicher
Trägerschaft zusammengeschlossen: Neben katho-
lischen und evangelischen Heimvolkshochschulen
gehören ihm Bildungsstätten in gewerkschaftlicher,
ländlicher und freier Trägerschaft an. Mit jährlich
mehr als 367.000 Teilnehmertagen, davon mehr als
70.000 im Bereich der politischen Bildung, gehören
die niedersächsischen Heimvolkshochschulen zu
den wichtigsten Bildungsanbietern im Land.
Das Ludwig-Windthorst-Haus hat seit seiner
Gründung einen wichtigen Part sowohl bei der
Entwicklung der Erwachsenenbildung in Niedersach-
sen als auch bei der verbandspolitischen Tätigkeit
für die Heimvolkshochschulen gespielt. Verankert in
der katholischen Soziallehre wurde über nunmehr
50 Jahre ein qualitativ hochstehendes Programm-
angebot in den Bereichen Theologie, Pädagogik,
Politik, Wirtschaft und Gesundheit entwickelt.
Qualifzierungen für Ehrenämter, berufiche Fort-
und Weiterbildung, politische Bildung und Seminare
zur Persönlichkeitsentwicklung auf der Grundlage
katholischer Wertorientierungen gehören zu den
Arbeitsschwerpunkten, die das Ludwig-Windthorst-
Haus landesweit zu einer bekannten und fachlich
anerkannten Bildungseinrichtung gemacht haben.
Dabei hat diese Heimvolkshochschule der Ver-
suchung widerstanden, zur zertifkatsorientierten
Kompetenzvermittlungsanstalt zu werden, die auf
kurzfristig vermittelbare Qualifkationen für unter-
schiedliche berufiche Verwendungszwecke zielt.
Vielmehr ist das Ludwig-Windthorst-Haus immer
den Wurzeln und theoretischen Grundlagen der
Heimvolkshochschulbewegung verbunden geblie-
ben. Dazu gehören die besonderen pädagogischen
Möglichkeiten, die das „Leben und Lernen unter
einem Dach“ bieten ebenso wie der Grundgedanke
des lebenslangen Lernens. Das mehrtägige gemein-
same Lernen schaft (Frei-)Räume für tiefgreifende
Lernprozesse, die in kurzfristigen Bildungsangebo-
ten nicht erreicht werden können. Das Kennenlernen
anderer Menschen in ihren Werthaltungen und
persönlichen Verfasstheiten und die Auseinan-
dersetzung mit ihnen bilden einen wesentlichen
Bestandteil ganzheitlicher Bildungsprozesse auch im
Ludwig-Windthorst-Haus.
Der Niedersächsische Landesverband der Heim-
volkshochschulen freut sich, das Ludwig-Windthorst-
Haus in seinen Reihen zu haben und wünscht für die
Fortsetzung der in vielen Bereichen beispielgeben-
den Arbeit alles Gute.
Wolfgang Borchardt
Vorsitzender des Niedersächsischen
Landesverbandes der Heimvolkshochschulen
_ Grußwort
Wolfgang Borchardt
13
_ Grußwort
Prälat Dr. Peter Klasvogt
Wo christliche Weltverantwortung einen Ort hat
Unsere Zivilgesellschaft steht vor gewaltigen Her-
ausforderungen, und Kirche und Christen haben
angesichts dieser globalen Verunsicherungen nicht
nur eine große Vergangenheit, sondern auch eine
starke Zukunft. Wenn alles unsicher wird, worauf wir
politisch und ökonomisch gebaut haben, dann steht
die Frage im Raum, was trägt, was gilt, was bleibt. In
diesem breiten Strom der Vermittlung von Werten
und der Prägung von Haltungen und Einstellungen
ist auch das Ludwig-Windthorst-Haus zu verorten,
das in dieser Hinsicht Großartiges geleistet hat und
in der großen Tradition der Evangelischen und
Katholischen Akademien in Deutschland steht.
Die Lingener Akademie des Bistums Osnabrück
sieht sich in besonderer Weise der Entwicklung und
Verbreitung der Katholischen Soziallehre verpfichtet,
die schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts die soziale
Frage aufgegrifen und Einfuss genommen hat auf
die wirtschaftliche, politische und soziale Dimen-
sion des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Die
Einsicht der Gründerväter, dass eine Gesellschaft auf
Gerechtigkeit gründen muss, um zu einem dauer-
haften sozialen Frieden zu kommen, und dass Werte
wie Solidarität, Subsidiarität und die Verantwortung
gegenüber der nachwachsenden Generation nicht
dem Belieben anheimgestellt werden dürfen, son-
dern als regulative Ideen jedwedem politischen und
gesellschaftlichen Handeln zugrunde liegen müssen,
hat maßgeblich zu unserem Wohlstand und einer
sozial befriedeten Gesellschaft beigetragen. Inso-
fern kommt den Kirchen und ihren Akademien in
dieser Hinsicht nicht nur ein Wächteramt als soziales
Gewissen der Gesellschaft zu; es ist zugleich ihr urei-
gener Auftrag, aktiv und engagiert an dieser Art der
Gewissensbildung mitzuwirken. Heute nicht anders
als damals. Daran wird auch die Katholisch-Soziale
Akademie im Ludwig Windthorst Haus maßgebli-
chen Anteil haben. Ad multos annos!
Peter Klasvogt
Leiterkreis der Katholischen Akademien Deutschlands
14
Begeisterung wecken
In diesem Jahr besteht die Katholisch-Soziale Aka-
demie Ludwig-Windthorst-Haus seit 50 Jahren. Das
ist für die Arbeitsgemeinschaft Katholisch-Sozialer
Bildungswerke in der Bundesrepublik Deutschland
(AKSB) ein guter Anlass, unserem Mitglied Dank zu
sagen. Das LWH hat der Jugend- und Erwachse-
nenbildung in Deutschland in den 50 Jahren seines
Bestehens vielfältige Impulse gegeben. Die Akade-
mie ist ein anerkannter Ort des Diskurses über aktu-
elle Entwicklungen unserer Gesellschaft. Mit seinen
politischen Bildungsangeboten fördert das LWH die
Partizipationsbereitschaft und leistet einen wichti-
gen Beitrag zur Entwicklung unserer Demokratie. Als
Institution nicht-formeller und nicht-formaler Bil-
dung macht es lebensbegleitendes Lernen erfahrbar.
Der Bezug zu den Werten der christlichen Sozialethik
in der Bildungsarbeit der Akademie macht für viele
den Reiz aus, immer wieder ins Haus zu kommen
und gemeinsam nach Antworten auf die großen
Fragen der Zeit zu suchen.
Jugendliche und junge Erwachsene sind eine
besondere Zielgruppe des LWH. Im „LuWi-Arbeits-
kreis“ wird das Engagement von Nachwuchskräften
nachhaltig gefördert. Der politischen Bildung gelingt
es hier, Begeisterung zu wecken und lebensentschei-
dend zu wirken.
Die Bildungsarbeit des LWH leistet für das lebens-
lange Lernen aller Generationen einen wichtigen,
unverzichtbaren Beitrag für die gesamte deutsche
Bildungslandschaft. Wir wünschen, dass vom LWH
auch in Zukunft viele Menschen dazu motiviert
werden, ihre eigenen Rechte und Interessen zu
erkennen und ihre Verantwortlichkeiten gegenüber
Mitmenschen und Gesellschaft wahrzunehmen.
Bernward Bickmann Lothar Harles
Vorsitzender der AKSB Geschäftsführer der AKSB
_ Grußwort
Bernward Bickmann und Lothar Harles
15
Vom Zauber des Anfangs
Gründungsdirektor Dr. Werner Remmers hat das LWH zu einem bundesweit beachteten Forum gemacht
Volker Resing
16
Das Meppener Kreisarchiv verwahrt den persön-
lichen Nachlass von Werner Remmers. Über 200
Einzelakten verzeichnet das so genannte Findbuch
des Archivs. Unter der laufenden Nummer 62 ist die
Korrespondenz mit dem Osnabrücker Oberhirten
Helmut Hermann Wittler abgelegt. Auf dünnem
Durchschlagpergament ist das intensive Zwiege-
spräch von Remmers, dem ab 1962 amtierenden,
neuen Akademiedirektor in Lingen und dem Osna-
brücker „Chef“ nachzuvollziehen. Es ging immer
wieder auch um praktische Fragen, doch vor allem
zeichnen diese Briefe die Geschichte einer Annähe-
rung nach. Ein Sich-auf-einander-Zubewegen, das
auch durch Kritik von außen an Remmers Arbeit
angestachelt wurde. Am Ende stand das „Du“ und
eine gegenseitige Sorge um das persönliche Wohl-
ergehen des jeweils anderen. „Kuriere Dich gut aus
und fange nicht wieder zu schnell mit der Arbeit an“,
schreibt der Bischof einmal an Remmers.
Wahrscheinlich wäre die ganze Arbeit des
Ludwig-Windthorst-Hauses in der Umbruchs- und
Aufbruchszeit der Kirche nach dem Zweiten Vatika-
nischen Konzil nicht denkbar gewesen ohne diese
enge Briefbeziehung von Bischof und Direktor. Vor
allem illustriert sie die herausragende Leistung von
Werner Remmers. Er hat es geschaft, das Bildungs-
haus am Rande der Republik zu einem innerkirch-
lichen Forum zu machen und es als solches zu
etablieren, das weit über die Grenzen des Emslandes
ausstrahlte und Wirkung zeigte. Es ist diese Grün-
dungsepoche mit ihrem Zauber, Elan und Pionier-
geist, die Kirche auch zu einem Ort der Debatte und
des Diskurses zu machen, von der das LWH in Teilen
bis heute zehrt.
Remmers schreibt seinem Bischof viel und aus-
führlich, unterrichtet ihn über alles, ohne aber seine
eigene Unabhängigkeit infrage zu stellen. Sicher sei
es besser, es gebe kritische Anfragen als gar keine
mehr, „das sehen Sie sicher auch so“, schreibt er
seinem Bischof nach massiver Kritik an einer Veran-
staltung. Wittler wollte Remmers, wollte die Debatte,
auch wenn er sich immer um die Linie und Treue
zur Kirche sorgte. In welcher Rolle er Remmers sah,
macht ein Schreiben deutlich, das der Osnabrücker
Bischof in Rom aufsetzte. Nach Abschluss des Konzils
sei es „unsere gemeinsame Aufgabe“, so der Bischof,
„die Erneuerung der Kirche im Geiste des Konzils“
voranzutreiben. Dass er für diese Aufgabe Laien an
seiner Seite habe, stimme ihn froh und zuversicht-
lich. Dieser Brief vom 20. Oktober 1965 aus Rom war
die Arbeitsgrundlage für Remmers. Vielleicht ist es
die Arbeitsgrundlage des LWH bis heute.
Werner Remmers wurde 1930 in Papenburg in
einfachen Verhältnissen geboren. Er wächst in einer
katholischen Selbstverständlichkeit auf, die früh
schon durch die nationalsozialistische Realität irritiert
wurde. Die Kirche und vor allem auch der tiefe
persönliche Glaube haben Remmers durch die Katas-
trophen von Diktatur und Krieg getragen. Die Kirche
der Nachkriegszeit erlebte er dann aber auch als
bedrückend und eng. Vor allem in der Jugendarbeit
und im Bund Neudeutschland keimt die Sehnsucht
nach Veränderung, die in ihm ein Leben lang leben-
dig bleiben wird.
Remmers studiert in Münster Volkswirtschaft,
lernt dort den späteren Kardinal Joseph Höfner
kennen. Er heiratet in der Zeit seine Frau Marianne
und gründet eine Familie. Seine zweite berufiche
Leidenschaft neben der Kirche wird die Politik. 1967
wird er für die CDU Mitglied des Niedersächsischen
Landtags. 1976 wird er Kultusminister und vor allem
durch seine Redegewandtheit und seine antiideo-
logische Herangehensweise bundesweit bekannt.
Nach Stationen als Fraktionsvorsitzender und
Umweltminister beendet er Anfang der 90er Jahre
seine politische Karriere und fängt noch mal neu an.
1991 wird er Gründungsdirektor der Katholischen
Akademie in Berlin und erkennt den Reiz der neuen
alten Hauptstadt und ihrer Mitte noch bevor die
Regierung an die Spree umgezogen ist. 2011 stirbt
Werner Remmers nach langer schwerer Krankheit in
Lingen. ❚
_ Zur Person
Dr. Werner Remmers
Bernhard und Marianne Remmers bei der Eröfnung
des „Werner-Remmers-Patt“ in Holthausen, 2013.
17
Kritisch in Liebe zur Kirche
Dr. Walter Klöppel im Gespräch
Dr. Walter Klöppel und Geistlicher
Rektor Hermann Haneklaus
18
Dr. Walter Klöppel war der zweite Leiter des Ludwig-
Windthorst-Hauses. Er verstarb am 6. Januar 2013.
Ein gutes Jahr zuvor sprachen Ulrike Winterstein
und Michael Reitemeyer mit Walter Klöppel über
Schwerpunkte der LWH-Arbeit – und trafen einen
wie immer sehr ofenen, lebensfrohen und nach-
denklichen Gesprächspartner…
Das Ludwig-Windthorst-Haus wurde 1963 als
katholische Akademie in der kleinen Gemeinde
Holthausen eröfnet. Wie konnte das gut gehen:
eine Akademie im Emsland?
Dr. Walter Klöppel: Das LWH hat sich von Beginn
an ganz bewusst als eine Akademie auf dem Lande
gesehen und eine enge Verbindung mit der Bevölke-
rung gesucht. Das Haus übernahm für die Gemeinde
auch ganz praktische Aufgaben, wie den Kindergar-
ten, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite
errichtet worden war und eine Schwesternstation;
im Haus wurden eine Bibliothek, eine Lehrküche und
eine Nähstube für das Dorf untergebracht. So hatten
wir einen guten Blick auf das, was direkt um uns
herum geschah. Und wir richteten unser Kurspro-
gramm an dem aus, was vor Ort benötigt wurde. Das
LWH bildete sozusagen den Kern eines Dorferneue-
rungsprogramms. In Holthausen war man bei allen
möglichen Berührungsängsten auch immer stolz auf
das LWH. Als sich in den 1970er und 1980er Jahren
die Landwirtschaft und damit die dörfichen Struktu-
ren veränderten, haben wir die daraus entstehenden
Konfikte immer wieder thematisiert.
Daneben spielt doch sicher der Bildungsbereich
eine wichtige Rolle? In den 1960er und 1970er
Jahren war dieser ja in der Bundesrepublik sehr
umkämpft. Woran erinnern Sie sich besonders?
Dr. Walter Klöppel: Ja, in der Bildungspolitik hat-
ten wir in den 1970er Jahren sehr bewegte Zeiten.
Als ich 1970 im LWH anfng, fanden noch Halbjah-
reskurse für berufstätige junge Männer und Frauen
statt. Sie konnten damit die Hochschulreife erlangen
und sich im zweiten Bildungsweg weiter qualif-
zieren. Sehr wichtig war uns dafür zu werben, dass
gerade Mädchen eine ordentliche Bildung bekom-
men. Das „katholische Mädchen vom (Ems-)Lande“
war geradezu zum Symbol der Benachteiligung im
Bildungsbereich geworden. Solche Dinge haben wir
aufgegrifen. Das LWH war ein Ort, der für Bildung
geworben hat. Später haben wir uns verstärkt in der
Lehrerbildung engagiert. Viele junge Lehrer, die seit
Mitte der 1960er Jahre aufs Land gekommen waren,
fühlten sich von Anfang an mit dem LWH verbunden,
weil es mehr bot als Dorfschule oder Kneipe. Es war
ein Ort, an dem ein intellektueller Austausch möglich
wurde.
Mit Ludwig Windthorst im Namen steht das Haus
auch für Laienkatholizismus und theologische Bil-
dung. Was hat denn Theologie im LHW ausgemacht?
Dr. Walter Klöppel: Theologie – das war und
ist eine ganz wichtige und prägende Säule. Im LWH
konnten die Besucher moderne Theologie erfahren.
Das war nicht immer spannungsfrei, weil der Dialog
hier auch kontrovers geführt wurde, geführt werden
durfte. Ich habe so einen Satz in Erinnerung: „Der
Bischof leistet sich das LWH.“ Es wurde zwar Kriti-
sches gesagt, aber in Liebe zur Kirche. Es ging uns
darum, den Aufbruchsgeist des Zweiten Vatikanums
lebendig zu halten – das spiegelt ja unser Haus,
unsere Kapelle direkt wieder. Was unsere täglichen
Kurse angeht, so erinnere ich mich noch gerne an
den „Bräutekurs“, eigentlich ein ganz „harmloser“
Kurs zur Ehevorbereitung. In diesem Kurs kamen
dann so brisante Themen wie die „Pillenenzyklika“
Humanae vitae, Sexualität oder herrschende Frauen-
bilder zur Sprache.
Neben der Theologie spielte die Politik im LWH
immer eine wichtige Rolle. Welche Erinnerungen
haben sie an solche Auseinandersetzungen?
Dr. Walter Klöppel: Die Gebietsreform im
Emsland – das war Mitte der 1970er Jahre ein extrem
kon troverses Thema. Hier in Lingen sperrten sich
viele gegen die Aufösung des Altkreises. Wir konn-
ten den niedersächsischen Innenminister für eine
ofene und faire Diskussion gewinnen und damit
ein Forum bieten, um Bedenken vorzutragen. Mit
solchen Veranstaltungen erhielt das LWH auch eine
überregionale Bedeutung. Wir haben erkannt, dass
es sinnvoll ist, immer einen regionalen Anker, einen
regionalen Bezug bei den politischen Themen zu
setzen. Sehr hitzig waren auch Veranstaltungen,
in denen es um die Entwicklung der Kernenergie
und das neue Kernkraftwerk im Süden der Stadt
ging. Gegen manche Widerstände haben wir dann
durchgesetzt, dass dieses Thema diskutiert wurde. Es
war für mich ein persönliches Anliegen, kontroverse
Themen in einer Weise zu diskutieren, die nicht
unversöhnlich war. Positionsbestimmungen sollten
ermöglicht werden, ohne das gemeinsame Ziel aus
den Augen zu verlieren. ❚
_ Zur Person
Dr. Walter Klöppel
19
_ Zur Person
Reinhold Jackels und Barbara Korte-Terfehr
Erwachsenenbildung gestärkt
Reinhold Jackels war Direktor vom 1. Februar 1991
bis 31. März 2008. Der gebürtige Rheinländer setzte
sich auf Landes- und Bundesebene für die Stärkung
der Erwachsenenbildung ein. Als stellvertretender
Vorsitzender des Landesverbandes der Heimvolks-
hochschulen in Niedersachsen arbeitete er ganz
wesentlich am Niedersächsischen Erwachsenenbil-
dungsgesetz mit, das für Einrichtungen wie das LWH
ein spürbares Plus an Planungssicherheit bedeutete.
2007 fusionierten LWH und Niels-Stensen-Haus in
Lilienthal-Worphausen, ein Bildungshaus des Bis-
tums Hildesheim. Auch in der Arbeitsgemeinschaft
Katholisch-Sozialer Bildungswerke wirkte er im
Vor stand mit. Reinhold Jackels unterzog den Betten-
trakt Anfang der 1990er Jahre einer damals dringend
notwendigen Renovierung: Jedes Zimmer wurde
mit Bad und Dusche ausgestattet. Reinhold Jackels
hat sich der Herausforderung gestellt, das Haus in
einer Zeit der knapper werdenden ökonomischen
Ressourcen zu führen.
Strukturelle Erneuerung
Barbara Korte-Terfehr war vom 1. April 2008 bis zum
31. Juli 2010 Direktorin des LWH. In diese Zeit fel
die wichtige Entscheidung, das Ludwig-Windthorst-
Haus einer grundlegenden Sanierung zu unterzie-
hen. Auslösendes Moment war das Konjunkturpaket
II, der Startschuss wurde 2009 gegeben. Im Mai 2010
konnte bereits der neue Verwaltungstrakt einge-
weiht werden. Barbara Korte-Terfehr arbeitete auch
intensiv an einer inhaltlich-strategischen Neuausrich-
tung des Hauses. Als Beauftragte für Qualitätssiche-
rung führte sie das LWH 2008 zur ersten Rezertif-
zierung und sorgte in der Folge für eine strukturelle
Erneuerung in den Bereichen Organisation und
Personal. Als besondere Aufgabe und Herausforde-
rung für eine Katholisch-Soziale Akademie betrach-
tete sie es, mit den Menschen in einer säkularisierten
Gesellschaft in den Dialog einzutreten und sie für
christliche Grundwerte zu interessieren. Dies fand
dann auch seinen Niederschlag in der Entwicklung
eines neuen Leitbildes.
Oben links: 1.6.1973 Vorstellung des Erweiterungs-
baus – F. Hees, Dr. W. Remmers, W. Bunsmann.
Oben rechts: 18.2.2009 Eröfnung der Bismarck-
ausstellung im LWH – M. Ortmann, Dr. H. Kues,
Dr. R. Seiters, B. Korte-Terfehr, Prof. Dr. U. Lappen-
küper, Dr. A. von Seggern.
Unten links: Studien leiterteam 2007 –
M. Brand, Dr. G. Wilhelm, Sr. Angela Maria,
R. Jackels, B. Terfehr, S. Vennegerts, A. Drummler,
Dr. S. Reininger, Dr. A. Belle.
Unten rechts: Dr. W. Klöppel.
20
_ Zur Person
Impressionen
21
Ludwig Windthorst –
ein Name als Programm
Michael Reitemeyer
22
Das Kürzel „LWH“ ist wohl bekannter als der volle
Name „Ludwig-Windthorst-Haus“. So dürfte auch
die Person, die hinter diesem Namen steht, nur für
Insider eine echte „VIP“ sein. Im Jahr 2012 konnten
wir den 200. Geburtstag dieses begnadeten Politi-
kers und Reichstagsabgeordneten feiern. Nur 1,50
Meter groß und fast blind, prägte dieser kluge Kopf
der Zentrumspartei aber für zwei Jahrzehnte die par-
lamentarischen Debatten im Deutschen Reichstag,
nicht zuletzt als ernst zu nehmender Gegenspieler
Bismarcks.
Windthorst zeichnete sich aus durch Leidenschaft
in der Sache, Rückgrat, Durchhaltevermögen, enor-
me Sachkenntnis und tiefe Religiosität (nicht Fröm-
melei). Sein Motto: Jedem das gleiche Recht. Das galt
für ihn im konfessionellen Sinne ebenso wie für die
im Parlament vertretenen Fraktionen. Schon früh
sah er das Zentrum nicht so sehr als rein katholische
Partei, sondern wollte sie für die Protestanten öfnen.
Im Reichstag gab er gelegentlich sogar den Sozialis-
ten etwas von seiner Redezeit ab. Nicht weil er deren
Inhalte teilte, sondern weil er den übermächtigen
Bismarck mit seinen Sozialistengesetzen ausbremsen
wollte. Jedem das gleiche Recht. Windthorst forderte
demokratische Grundrechte ein, als kaum jemand
wusste, wie man das schreibt.
Die Juden wollte er unter den besonderen Schutz
des Staates gestellt sehen, weil sie eine Minderheit
im Deutschen Reich waren – zu einem Zeitpunkt, als
bereits die ersten radikalen Nationalisten im Reichs-
tag saßen und der rassistische Antisemitismus seine
theoretische Grundlegung erfuhr. Übrigens war
Windthorst kein Freund eines starken Zentralstaa-
tes. Er dachte eher föderalistisch, forderte eine fein
austarierte Machtbalance zwischen dem Deutschen
Reich und seinen Einzelstaaten.
Ein Mann mit Rückgrat
Ende der achtziger Jahre des neunzehnten Jahrhun-
derts und in der letzten Phase des Kulturkampfes
saß Windthorst manchmal zwischen allen Stühlen.
Auf der einen Seite wollte er die Stellung der katho-
lischen Kirche gegen preußische Usurpation vertei-
digen, wo es nur ging. Auf der anderen Seite ging es
ihm völlig gegen den Strich, dass Papst Leo XIII. den
Zentrumsabgeordneten vorschreiben wollte, wie sie
im Parlament abzustimmen hätten. Seiner Meinung
nach folgte die Politik anderen Gesetzmäßigkeiten
als die katholische Kirche. Prekär war, dass es damals
um den Rüstungshaushalt ging: Der Reichstag sollte
diesen für sieben Jahre absegnen, eine Außerkraft-
setzung des Parlaments. Zu allem Überfuss stand
der Papst auf der Seite Bismarcks! Windthorst war
der einzige Zentrumsabgeordnete, der dagegen
stimmte: ein Mann mit Rückgrat.
Der Name Windthorst spricht also eine Einladung
aus: Eine Einladung zum Mitmachen, eine Einladung,
Rückgrat zu zeigen. Eine Einladung, der eigenen
Überzeugung treu zu bleiben. Eines war für ihn klar:
Bürgerinnen und Bürger können nicht nur Zuschauer
sein. Damit ändert sich nichts. Auch unsere Gesell-
schaft heute lebt nicht von Zuschauern, die alles aus
sicherer Distanz betrachten und ständig nörgeln.
Unsere Gesellschaft erhält nur ein menschliches
Antlitz, wenn wir die Ärmel hochkrempeln, uns
einmischen und Verantwortung übernehmen. Und
wenn wir das sogar deshalb tun, weil wir als Christen
davon überzeugt sind, dass Handeln besser ist als
schöne Worte.
Die folgenden Ausführungen widmen sich den
unterschiedlichen Schwerpunkten, mit denen das
Ludwig-Windthorst-Haus versucht, dem Namens-
geber gerecht zu werden und die Impulse einzu-
lösen, die von dieser großartigen Persönlichkeit
ausgegangen sind – im nachFRAGEN, querDENKEN
und mitWIRKEN. ❚
Rückblick 50 Jahre:
Kirche und Welt
LWH
1962 1963
11.10.
Eröffnung
2. Vatikanisches
Konzil
03.06.
† Papst
Johannes XXIII.
19.05.
Georg Diederichs (SPD),
Ministerpräsident
Niedersachsens,
SPD-FDP-Koalition
23
_ Namensgeber
Ludwig Windthorst
Hofnung, die trägt
Theologisch-pastorale Bildungsarbeit im Ludwig-Windthorst-Haus
René Kollai
24
Fünf Jahrzehnte theologisch-pastorale Bildungsar-
beit im LWH spiegeln ein halbes Jahrhundert bun-
desdeutscher Kirchengeschichte wider. Deutliche
Wandlungen sind ebenso erkennbar wie markante
Kontinuitäten.
Das „nie eingeholte“
Zweite Vatikanische Konzil
Es ist sicherlich kein Zufall, dass der erste
theologische Akademieabend 1963 den Titel trägt
„Der bisherige Verlauf des Konzils“ und dass im Halb-
jahresprogramm des Jahres 2013 eine Vortragsreihe
zur bleibenden Bedeutung der Pastoralkonstitution
„Gaudium et spes“ zu fnden ist.
Die Auseinandersetzung um den Verlauf des
Konzils (1962-65), die erste Phase der Umsetzung
der Beschlüsse, die Begleitung der Synode der
deutschen Bistümer (1971-75), die Rezeption 20
Jahre nach Beschlussfassung in den 80er Jahren,
die Ernüchterungen der 90er Jahre und die leiden-
schaftlichen Bekenntnisse zum Konzil 50 Jahre nach
Einberufung bilden ein thematisches Kontinuum
in der Katholisch-Sozialen Akademie des Bistums
Osnabrück.
Theologische Bildung
für „Laien“
Auch wenn Priester und Ordenschristen das Leben
und die Arbeit des LWH erkennbar prägten, so zeich-
net sich die theologische Bildungsarbeit vorrangig
als Initiative von überzeugten Laienchristen und
-christinnen aus. Die Direktoren und Referenten des
LWH waren in besonderer Weise Seismographen im
Aufspüren von Themen. Aufgrund ihrer vielfältigen
Kontakte gelang es, prominente und hochkarätige
nationale und internationale Theologen, Theologin-
nen und Bischöfe nach Lingen-Holthausen zu holen.
Seit Eröfnung des Hauses waren „Akademie-
abende“ besondere Aushängeschilder des LWH auch
im Bereich der Theologie. Daneben gab es in den
1960er bis beginnenden 80er Jahren ofen ausge-
schriebene Wochenendseminare, die Interessierte
unterschiedlichen Alters mit religiösen Themen »
In unterschiedlichsten Foren und Seminaren pfegt das Ludwig-Windthorst-Haus den regen Dialog zwischen
Menschen verschiedener Kulturen und Religionen. Hier: Kongress „Kirche geht“, Okt. 2012.
1963
21.06.
Papst Paul VI.
(bis 06.08.1978)
25.08.
Eröfnung
LWH, Werner
Remmers
Gründungs-
direktor
21.–22.09.
„Der bisherige
Verlauf des
Konzils“
12.10.
Rücktritt
Bundeskanzler
Konrad Adenauer
(CDU)
1957–1987
Helmut Hermann
Wittler, Bischof
von Osnabrück
25
_ Theologie und Kirche
Theologisch-pastorale Bildungsarbeit
erreichten. Diese Seminare ermutigten dann viele,
sich anschließend auch an Akademieabende „heran
zu trauen“.
Ab Mitte der achtziger Jahre verschieben sich
die Fragestellungen von der Auseinandersetzung
mit dem eigenen Glauben hin zu religionspäda-
gogischen Fragestellungen, wie z.B. Glaubensver-
kündigung bei (Klein-)Kindern oder Jugendlichen
gelingen kann. Zielgruppen werden zuneh-
mend Verantwortliche und Multiplikatoren aus
Kirchengemeinden.
Zeitbezogenheit und Kontinuität
Die Akademieabende zeigen immer wieder Refexe
auf gesellschaftspolitische und kirchliche Entwick-
lungen. So lässt sich in den 1960er Jahren eine
Betonung des Themas „Glaube und Naturwissen-
schaft“ entdecken (z.B. „Das Weltbild des Teilhard de
Chardin“) aber ebenso eine konstruktive Auseinan-
dersetzung mit dem Existenzialismus (A. Camus und
J.P. Sartre). In der zweiten Hälfte der Sechziger
werden im Nachgang des Konzils alle Bereiche
kirchlichen Lebens wie Kirchenbau, Eucharistie,
Umgang mit der Bibel, Religionsfreiheit und vieles
andere durchbuchstabiert, da durch das Konzil die
Spielkarten der kath. Kirche völlig neu gemischt
wurden. Ein weiterer Akzent liegt im ökumenischen
Dialog.
Anfang der 70er Jahre taucht ein neues zentrales
Stichwort auf: „Krise“. Die radikalen gesellschaftli-
chen Umbrüche in Politik, Erziehung, Wissenschaft
verändern auch die kirchlichen Themen („Autorität
in der Krise“; „Krise der evangelischen Kirche in
Deutschland“; „Kath. Kirche in der Krise“…).
Nach der gemeinsamen Synode der deutschen
Bistümer 1971-75 wird in der zweiten Hälfte der 70er
Jahre eine stärkere Hinwendung zu sozialethischen
Themen erkennbar („Kirche und Arbeiterschaft“;
„Strafvollzug aus christlicher Sicht“; „Pastorale Proble-
me nach dem § 218“…). Mit dem Beginn der Achtzi-
ger wird eine „räumliche Ausweitung“ theologischer
Fragestellungen spürbar: Einerseits verstärkt sich die
weltkirchliche Perspektive durch die Theologie der
Befreiung (erstmals 1977), andererseits prägen auch
der beginnende Dialog der Weltreligionen sowie
Fragen der Umweltethik die Arbeit. Zunehmend wer-
den gesellschaftliche Entwicklungen sozialethisch
befragt (z.B. Frauenfrage, Nach- oder Aufrüstung
der Bundeswehr, Entstehung und Bedeutung der
„Grünen“ …).
Seit Ende der 80er Jahre und spätestens seit
der Wiedervereinigung Deutschlands wird die
Positionierung des einzelnen Christen in einem
sich zunehmend säkularisierenden Umfeld zum
zentralen Thema. Seit Anfang der 90er Jahre werden
divergierende Entwicklungen erkennbar: einerseits
weltkirchliche Themen („500 Jahre Entdeckung
Amerikas“) und Veranstaltungen in feministischer
Perspektive zu biblischen, dogmatischen und pas-
toralen Fragen, andererseits zu Veröfentlichungen
aus dem Vatikan („Der neue Weltkatechismus“; „Zum
Verständnis von ‚Dominus Jesus‘“).
Prof. Dr. Oswald von Nell-Breuning SJ und Dr. Her-
mann Kues, 1980.
1963 1965 1966
22.11.
Ermordung
John F. Kennedys,
Dallas
11.03.
„Das Konzil – und
was danach kommt“,
Otto B. Roegele,
München
19.–20.11.
„Humanismus
– eine dritte
Konfession?“,
Walter Dirks,
WDR Köln
29.10.–01.11.
„Liturgie nach dem
Konzil. Zur Praxis
der Gestaltung
in unseren
Gemeinden“
Logo von
Ferdinand Hees
im Halbjahres-
programm 1965
26
_ Theologie und Kirche
Theologisch-pastorale Bildungsarbeit
Seit den 2000er Jahren werden die Themen
zunehmend pastoraler und immer häufger fnden
Veranstaltungen in Kooperation mit dem Bistum
Osnabrück statt. Dies mag u.a. daran liegen, dass
sich mit Bischof Bode eine zuvor nicht gekannte
„Dialogkultur“ im Bistum etabliert. Theologische
Fragestellungen treten hinter pastorale Fragestellun-
gen zurück. Aktuell ist
ein vorsichtiger Gegen-
trend erkennbar, der
zentralen fundamental-
theologischen Themen
wieder Zeit und Raum
gibt („Warum lässt uns
Gottes Liebe leiden?“;
„Von Gott reden in einer
gottvergessenen Zeit“;
„Heute noch von Sühne
reden?“).
Neben der Kontinu-
ität in der Auseinander-
setzung um das Zweite
Vatikanische Konzil zieht
sich eine zweite Linie
wie ein roter Faden
durch alle Jahrzehnte:
Es ist die katholische Soziallehre im Kontext gesell-
schaftlicher Veränderungsprozesse. Auch wenn
der Begrif „Katholische Soziallehre“ kaum noch im
Veranstaltungstitel erscheint, bleiben sozialethische
Themen in der theologischen Bildungsarbeit des
LWH präsent (z.B. weltwirtschaftliche, medienethi-
sche und bioethische Fragestellungen).
Priester-Runden –
Ehrenamtlichen-Qualifkation
In den 1960er und 70er Jahren nutzen verschiedene
Priesterkonferenzen aus Dekanaten bis zum ent-
fernten Schleswig-Holstein (damals noch Teil des
Bistums Osnabrück) das LWH als Tagungsort für weit-
gehend selbst organisierte Priesterfortbildungen.
In den 80er Jahren siedelte sich die neugebildete
Berufsgruppe der Pastoralreferenten im LWH an. In
den Neunzigern entstand in Zusammenarbeit mit
dem Emsland-Dechanten ein jährlicher Pastoraltag
für alle Hauptamtlichen der damals sechs Deka-
nate des Emslands, der Grafschaft Bentheim und
Ostfrieslands.
Die durch Bischof Averkamp in den 90er Jahren
eingeführten mehrtägigen „Dekanatsklausurtagun-
gen“ für Priester, Diakone und pastorale Mitarbeiter/-
innen fnden u.a. auch im LWH statt.
Die Entwicklung des seit Anfang der 80er Jahre
stattfndenden „Katechetischen Kongresses“ zeigt
augenscheinlich die Veränderungsprozesse der
vergangenen 30 Jahre. Diese damals neue „Groß-
veranstaltung“ im Bistum Osnabrück richtete sich
anfangs vorrangig an Priester und Hauptamtliche in »
Interreligiöser Dialog im LWH: Dr. M. Reitemeyer; A. Mazyek, Zentralrat der Muslime;
Prof. Dr. M. Blasberg-Kuhnke, Universität Osnabrück; J. Sievers, Landesrabbiner;
Dr. W. Verburg, Bistum Osnabrück, Sept. 2012
1968
01.12.
Kurt Georg
Kiesinger (CDU),
Bundeskanzler,
Große Koalition
31.01.
Inbetriebnahme
erstes Kernkraft-
werk in Lingen
04.04.
Ermordung
Martin Luther Kings
11.04.
Beginn der
Studentenunru-
hen nach Attentat
auf Rudi Dutschke
25.07.
Enzyklika
„Humanae vitae“
21.–24.10.
„Schulkonzeption
für die Zukunft:
Zur Frage der
Gesamtschule“
05.12.
„Ehe und ver-
antwortliche
Elternschaft“,
Klubabend mit
Werner Remmers
27
_ Theologie und Kirche
Theologisch-pastorale Bildungsarbeit
der Pastoral. Seit den 90er Jahren wuchs die Zahl
der ehrenamtlichen Katecheten an, während die
Zahl der hauptamtlichen Teilnehmer zurückging.
Damals konnte der Qualifzierungsbedarf in Gemein-
den und Dekanaten nicht gedeckt werden. Der
„exklusive“ Ort solcher Veranstaltungen in einem
Bildungshaus ist durch das hauptamtliche Perso-
nal in den Dekanaten mittlerweile „in die Fläche“
gebracht worden.
Geistliche Spurensuche
Neben den Seminaren und Akademieabenden gab
und gibt es immer wieder kirchenjahrbezogene
geistliche Angebote. Die Kapelle des LWH ist ein
guter geistlicher Raum für regelmäßige Gemeinde-
gottesdienste und ein begehrter Ort für Taufen und
Trauungen.
In den „geprägten“ Zeiten (Fastenzeit und
Advent) gab es geistliche Angebote, unter denen
die „Kar- und Ostertage im LWH“ besondere Akzente
setzten. Die Rahmenbedingungen für diese Ange-
bote haben sich gewandelt: Ein deutlich verändertes
Freizeitverhalten, die Ausdiferenzierung des kirch-
lichen Angebots und gestiegene Kursgebühren
bilden eine höhere Hürde für Interessierte.
Glaube als Bestandteil sozialen
Lebens und Arbeitens
Neben den religiösen und theologischen Semina-
ren, Werkwochen und Akademieabenden waren
auch die Fortbildungen für Erzieherinnen, Pfege-
dienstleitungen christlicher Krankenhäuser oder
Altenpfegerinnen immer von
Fragen gelebten Christseins
in kirchlichen Einrichtungen
geprägt. Professionalisierung,
Ausdiferenzierung, verstärkte
Einbindung externer Fach-
dozenten und gestiegene
formale Voraussetzungen an
staatlich geförderte Erwach-
senenbildung stellen diese
Selbstverständlichkeit heute
in Frage.
Tastende Ausblicke
„Inhalte und Themen waren
uns wichtiger als Formate
und Zielgruppen!“ Diese
Aussage von Bernward
Rusche, einem langjährigen
theologisch-katechetischen Referenten des LWH von
1979-1994, zeigt die Veränderung der Ausgangslage
für theologische Bildungsarbeit.
„Wie gestalten wir das Thema anders als alle
anderen?“ So lautet heute die Ausgangsfrage für die
Entwicklung neuer Veranstaltungen. Diese Frage
geht davon aus, dass es (fast)
kein Thema gibt, das nicht
woanders bereits medial
ausgiebig bearbeitet wurde.
Die seit 2010 stattfnden-
den theologischen Akade-
mieabende zur Vorbereitung
auf das Zentralabitur spre-
chen erstmals wieder junge
Menschen in größerer Zahl
an. Insgesamt aber werden
Interessierte an theologi-
schen Themen immer älter.
Die theologisch–rationale
Durchdringung existenzieller
und sozialer Fragen bildet für
eine immer kleiner werdende
Gruppe von Menschen einen
Zugang zum Glauben.
Dr. Christof Gärtner, geistlicher Rektor
des LWH 2009–2012, beim Dekanats-
katholikentag Emsland-Süd, März 2012
1969 1970
20.07.
Erste
Mondlandung
1969
Errichtung
Altes Heuerhaus
13.02.
Deutscher Bildungsrat:
Erwachsenenbildung
wird integraler Bestand-
teil des Bildungssystems
16.–19.09.
Vorschulkongress in
Hannover, Empfehlung:
Kindergarten in das Bil-
dungswesen integrieren
24.04.
„Schulreform, Bildungs-
forschung und Bildungs-
planung“,
Kurt Aurin, TU Hannover
09.06.
„Religionsunterricht
in der Diskussion“
21.10.
Willy Brandt (SPD),
Bundes kanzler,
„Mehr Demokratie
wagen!“, erste sozial-
liberale Koalition
28
_ Theologie und Kirche
Theologisch-pastorale Bildungsarbeit
Von Averkamp bis Zulehner –
Theologen und Bischöfe im LWH
Dogmatiker: W. Beinert; L. Bof; E. Drewermann; E. Gössmann; G. Greshake; H. Haag;
P. Hünermann; W. Kasper; M. Kehl; H. Kessler; E. Kos; K. Lehmann;
H. Meyer-Wilmes; J. Meyer zu Schlochtern; F.-J. Nocke; H.-J. Pottmeyer;
K. Rahner; D. Sattler; D. Sölle; H. Vorgrimler; J. Werbick
Fundamentaltheologen: E. Biser; W. Bühlmann; P. Knauer; J.-B. Metz; K. Müller; J. Splett; B. Welte
Kirchengeschichtler: A. Angenendt; E. Iserloh
Alt- und Neutestamentler: A. Deissler; E. Dirscherl; Ch. Dohmen; H. Frankemölle; F.-L. Hossfeld; E. Lohse;
Th. Söding; G. Steins; E. Zenger
Moraltheologen: A. Auer; F. Böckle; J. Gründel; D. Mieth; E. Schockenhof
Pastoraltheologen: D. Emeis; A. Exeler; O. Fuchs; E. Garhammer; N. Mette; H. Steinkamp;
P. Zulehner
Sozialethiker: F. Hengsbach; H. Missalla; W. Pompey; O. von Nell-Breuning
Religionspädagogen: A. Biesinger; R. Englert; B. Grom; H. Halbfas
Religionssoziologen: M. Ebertz; K. Gabriel; F.-X. Kaufmann; M. Sellmann
Liturgiewissenschaftler: A. Gerhards; K. Richter
Bischöfe: B.-J. Alfrink (Utrecht); L. Averkamp (OS); F.-J. Bode (OS); H. Brandenburg
(Stockholm); F. Hofmann (Würzburg); K. Hemmerle (Aachen); J. Homeyer
(Hildesheim); T. Kettmann (OS); K. Lehmann (Mainz); R. Marx (München);
P.-W. Scheele (Würzburg); J. Wanke (Erfurt); H. H. Wittler (OS)
Die Zahl der in der Kirche ehrenamtlich Enga-
gierten wird sinken, aber die Anforderungen an das
Engagement und der Fortbildungsbedarf werden
steigen. Und es wird auch zukünftig fragende und
suchende Menschen geben, die nicht nach spirituel-
ler Wellness dürsten, sondern nach verantwortetem
Reden über Gott.
Vision einer „lebensnahen“
und „gottvollen“ Kirche
In den vielen hundert Seminaren, Werkwochen und
Akademieveranstaltungen im LWH zeigt sich die bis
heute uneingelöste Vision einer „lebensnahen und
gottvollen“ Kirche in produktiv-kritischer Zeitgenos-
senschaft, die gesellschaftliche Herausforderungen
auf der Folie ihres christlichen Wertesystems analy-
siert und kommentiert, die nachFRAGt, querDENKt
und mitWIRKt. ❚
07.12.
Kniefall Willy Brandts
in Warschau,
Ostverträge
17.12.
Erklärung der Deutschen
Bischofskonferenz zum
Religionsunterricht
03.01.
Eröfnung Gemeinsame
Synode der Bistümer
in der Bundesrepublik
Deutschland, Würzburg
1967–1974
Kindergarten-
reform,
1. Phase
1971
„Fragen an die Synode“,
Klubabend-Reihe
30.–31.01.
„Schule schon
vor der Schule?
Zum Problem der
Vorschulerziehung“
1971
bpk/Hanns Hubmann
29
_ Theologie und Kirche
Theologisch-pastorale Bildungsarbeit
Mut zur Meinung
Politische Bildung im LWH
Johannes Kröger, Michael Reitemeyer
Joachim Gauck am 12.11.2010 im LWH
30
Wenn sich ein Bildungshaus als Katholisch-Soziale
Akademie bezeichnet, dann ist das bereits eine poli-
tische Aussage. Es versteht sich als Ort, an dem sich
Menschen mit der Katholischen Soziallehre ausein-
andersetzen können, um sich eine Meinung darüber
zu bilden, was sozial gerecht ist, was die Gesellschaft
zusammenhält. Ein solches Haus will nicht nur inner-
kirchlicher Refexionsraum sein, sondern mitten in
der Gesellschaft seinen Standort haben.
Wenn sich ein solches Haus überdies
nach dem „genialsten Parlamentari-
er“ benennt, wie Golo Mann Ludwig
Windthorst charakterisiert, dann bekundet
es den entschiedenen Willen, Politik zu
einem Kernthema zu machen: sich einzu-
mischen, nachzuFRAGEN, querzuDENKEN
und mitzuWIRKEN bei allem, was das
öfentliche Leben anbetrift.
Windthorst steht ebenso für das kreative Span-
nungsverhältnis zwischen Politik und Kirche bzw.
Religion. Eine Akademie ist ein idealer Ort, um dieses
Verhältnis zwischen religiöser Überzeugung und
öfentlicher Vernunft immer wieder zur Sprache zu
bringen – und zu vermitteln.
Politische Bildung ist damit nicht ein Bereich
neben vielen anderen, sondern eine Art Wasser-
zeichen des Hauses. Es geht nicht um Parteipolitik,
sondern darum, Interesse an dem Politischen, am
öfentlichen Geschehen, an gesellschaftlichen und
geschichtlichen Zusammenhängen zu wecken. Es
geht auch darum, etwas gegen Politikverdrossenheit
wie Politikerverdrossenheit zu tun – wohl wissend,
dass nur der eine Gesellschaft verändern kann, der
sich einmischt, der eben nachfragen, querdenken
und mitwirken möchte. Das ist auch ein christlicher
Auftrag. Zuschauer und Nörgler richten nichts aus,
dafür aber Menschen, die Verantwortung überneh-
men und tatkräftig anpacken.
Bei alldem spiegelten sich die nationalen wie
europäischen Entwicklungen im Programm des
Hauses wider: das Ende der Adenauer-Ära ebenso
wie das Wachsen der Europäischen Gemeinschaft,
die „moralische Wende“ der Kohl-Regierung wie
die Wiedervereinigung, der Kalte Krieg ebenso wie
Gesundheitsreformen.
Immer wieder fand dann auch die „Prominenz“
den Weg ins LWH: Helmut Kohl und Joachim Gauck,
Norbert Lammert und Paul Kirchhof,
Andrea Nahles und Regine Hildebrandt,
Christian Wulf und Antje Vollmer, Ignaz
Bubis und Wolf Biermann, Oswald von
Nell-Breuning und Friedhelm Hengsbach,
Jürgen Rüttgers und Annette Schavan,
Franz Müntefering und Daniel Bahr – das
Spektrum ist breit.
Natürlich standen im Vordergrund nicht
allein die Personen, sondern auch die Themen:
Das Soziale und die Wirtschaft
Katholisch-Soziale Akademien wie das LWH sind
in der Glanzzeit der Katholischen Soziallehre ent-
standen. Dr. Werner Remmers bezieht sich oftmals
auf Joseph Höfner, den er während des Studiums
in Münster als Professor gehört hatte. Das LWH
„Wie immer die Lokomotive fährt, ich fahre mit und
suche bei Zeit und Gelegenheit zu bremsen oder auch
den Lokomotivführer hinabzuwerfen und selbst zu
führen. Abstinenzpolitik ist Faulheit oder Dummheit.“
(Ludwig Windthorst am 9. Juli 1879 in Penzing)
»
1971
04.12.
„Die wirtschaftliche
Entwicklung des
Emslandes“
25.–26.03.
„Mutter erzieht allein“,
Seminar für allein-
stehende Frauen
06.05.
„Das neue Betriebs-
verfassungsgesetz
– ein Fortschritt?“
Sep.–Dez.
„Schulreform in
Niedersachsen“,
Veranstaltungs-
reihe
1972
Einführung der
Orientierungsstufe
in Niedersachsen
1971/72
Erste Versuche
mit „Integrierten
Gesamtschulen“
18.01.
Novelle
Betriebs-
verfassungs-
gesetz
1972
Sommer
LWH ist vor-
übergehend
auch VHS mit
eigenständigem
Programm
31
_ Politik und Wirtschaft
Politische Bildung
hat gerade in den siebziger Jahren Betriebsverfas-
sungsgesetz, Mitbestimmung, Verhältnis Kirche und
Arbeitnehmer, Christentum und Sozialismus zum
Gegenstand seiner Veranstaltungen gemacht. Nicht
zuletzt hat der Schwerpunkt der MAV-Schulungen
hier seine geistige Grundlage. Trotz gegenwärtig
stabiler Konjunktur in Deutschland bleibt die soziale
Frage wach. Das gemeinsame Arbeiten in Netzwer-
ken wie dem Sozialen Forum Emsland und regelmä-
ßige Gespräche mit Betriebsräten und Gewerkschaf-
ten widmen dem große
Aufmerksamkeit.
Es versteht sich (fast)
von selbst, dass die
soziale Markwirtschaft
und vor allem ihre Kon-
kretisierung regelmäßig
thematisiert werden.
In einer Region, in der
mittelständische solide
Unternehmen angesie-
delt sind und erfolgreich
arbeiten (und aus dem
Emsland eine Boom-
Region geschafen
haben), stellt sich immer
öfter auch die Frage
nach dem Verhältnis von
staatlicher Regulierung
und unternehmerischer
Freiheit. – Fünf Jahre
nach der Finanzkrise von 2008 lautet weiterhin eine
globale Herausforderung: Wie lassen sich die Spiel-
regeln der sozialen Marktwirtschaft international
durchsetzen – damit Spekulation und Zockerei nicht
die gesamte Weltwirtschaft ruinieren und himmel-
schreiende soziale Ungerechtigkeit produzieren. Das
LWH geht diesen Fragen intensiv nach. Auch die
Dauerkrise des Euro(päischen Finanzsystems) kommt
immer wieder zur Sprache, so z.B. im Sommer 2011
mit dem Chef der KfW-Bank Dr. Ulrich Schröder.
Deutsche Frage
Dr. Walter Klöppel hat lange vor der Wende regel-
mäßige Kontakte in die damalige DDR gepfegt.
Bereits die 80er Jahre waren von der Frage geprägt,
was die Deutschen hüben und drüben miteinander
verbindet. Eine Studienreise in die DDR ermöglichte
1978 eine Jugendbegegnung. Nach 1989 konnte
Klöppel nicht nur aus erster Hand berichten, sondern
Menschen aus beiden Teilen Deutschlands im LWH
zusammenführen.
Mit der Wiedervereinigung ging es um die
Herausforderungen der Einheit, etwa 1992 in dem
Familienseminar „Der schwierige Weg zur Deutschen
Einheit“. Zu den großartigen Chancen der Einheit
„Zukunft der Volksparteien“ im Foyer des Lingener Theaters: Prof. Dr. F. Walter,
Politikwissenschaftler; D. Krone, Lingener Oberbürger meister; H. Ahrens, NDR;
Dr. J. Rüttgers, ehem. Minister präsident NRW und Dr. M. Reitemeyer, Juni 2011
1973
23.02.
„Anpassungsdruck in
der Landwirtschaft –
ein Prozess ohne Ende?“,
Theodor Heidhues,
Göttingen
02.–03.06.
Eröfnung LWH-Erweiterungs-
bau mit Aula und Kapelle /
Tag der ofenen Tür
17.10.
Beginn der
ersten Ölkrise
25.11.
Erstes Sonntags-
Fahrverbot
September
Fachkräfte-Intensivkurs
Vorschulerziehung
32
_ Politik und Wirtschaft
Politische Bildung
sprach im Oktober 1999 Altbundeskanzler Helmut
Kohl. Auch die Lebenssituation in der ehemaligen
DDR kam mehrfach zur Sprache, etwa mit Zeitzeu-
gengesprächen oder mit Joachim Gauck, der im
November 2010 aus seiner Biografe „Winter im
Sommer – Frühling im Herbst“ las.
Eine Region voller Energie
Bei vielen großen Themen spielt auch die Region
eine erhebliche Rolle: allen voran Energie, Umwelt,
Landwirtschaft. So hatte Fukushima unmittelbare
Auswirkungen für das Kernkraftwerk in Lingen. Auch
die Energiewende betrift das Emsland unmittelbar,
das seinen Strombedarf zu 100% aus erneuerbaren
Energien zu decken vermag und Durchgang für
neue Stromtrassen ist. Biogas und Vermaisung der
Landschaft sind keine abstrakten Themen, sondern
existentiell. Das LWH ist ein Ort, an dem darüber
heftig gestritten und sachlich diskutiert wird.
Als das neue Lingener Kernkraftwerk geplant
wurde, hat man übrigens die Potenziale für die
regionale Entwicklung mit einem gewissen Profes-
sor Klaus Töpfer erörtert. Das LWH wäre nicht LWH,
wenn hier nicht auch schon 1979 Alternativen zur
Kernenergie diskutiert worden wären. Altkanzler Dr. Helmut Kohl 1999 zu Gast im LWH; Dr. W. Remmers und Dr. H. Kues bedanken sich für seinen Vortrag. »
15.02.
„Das Mitbestimmungs-
konzept der Gewerk-
schaften“
15.03.
„Die Mitbestimmungs-
vorstellungen von
Regierung und
Opposition“
16.05.
Helmut Schmidt
(SPD), Bundes-
kanzler
22.11.
Beschluss der Gemeinsamen
Synode der Bistümer in der
Bundesrepublik Deutschland
(1971-1975) zum Religions-
unterricht
06.05.
Rücktritt
Bundeskanzler
Willy Brandt
(SPD)
30.05.
Niedersächsisches
Schulgesetz
1974
33
_ Politik und Wirtschaft
Politische Bildung
Es gibt einige Zielgruppen, für die das LWH
besonders viel in Sachen politischer Bildung tut:
Schülerinnen und Schüler
Mut zur Meinung! Mit jungen Menschen über die
Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe disku-
tieren, Schülerinnen und Schülern die Bedingungen
der sich verändernden Arbeitswelt nahe bringen
und für soziales und politisches Enga-
gement werben: Das LWH versteht das
als integralen Teil seines Auftrags, z.B.
in der Form von Berufsbildungssemi-
naren oder Seminaren für Schülerver-
tretungen. Die Prinzipien Gerechtig-
keit, Chancengleichheit, Subsidiarität
und Verantwortung durchziehen die
Seminareinheiten. Dabei steht das
LWH im regen Austausch mit den
Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft
katholisch-sozialer Bildungswerke
(AKSB), die auf regelmäßigen Fach-
tagungen und Konferenzen aktuelle
gesellschaftliche Entwicklungen
diskutiert und daraus Konzepte und
Methoden für Seminare der politi-
schen Bildung entwickelt.
Menschen mit Behinderung(en)
Teilhabe ist auch das Ziel bei Seminaren mit und
für Menschen mit Behinderungen. So gestaltet
das LWH seit vielen Jahren Seminare für Heim-
und Werkstattbeiräte. Seit 2012 gibt es auch
Seminare zur Wahlvorbereitung für Menschen
mit Behinderung(en). Im Sinne der Inklusion sol-
len alle Bevölkerungsgruppen erreicht und zum
gesellschaftlichen Engagement befähigt werden.
Das Seminarkonzept „Wahlen inklusive“ bietet
hier einen ersten Ansatzpunkt. Dieser soll in den
kommenden Jahren zusammen mit den Kooperati-
onspartnern weiter ausgebaut werden mit dem Ziel,
Menschen mit Behinderung(en) dazu zu ermutigen
sich selbstständig ihre Meinung zu bilden und für
diese einzutreten.
LuWis – mit Lust und
Neugier zum
gesellschaftlichen
Engagement
Eine Besonderheit in der politi-
schen Jugendbildung bilden die
LuWis, der Stipendiatenkreis der
Ludwig-Windthorst-Stiftung.
Hier trefen sich junge Menschen,
die bereit sind, sich über Schule,
Studium oder Beruf hinaus in Kirche,
Politik und Gesellschaft zu engagie-
ren. Ziel ist es, die jungen Menschen
mit der christlichen Soziallehre und
wichtigen politischen Themen ver- Politische Bildung im Spannungsfeld zwischen Schule, Studium und Beruf.
1975
31.01.
„Die Auswirkungen
des niedersächsischen
Schulgesetzes“,
Ernst Mahrenholz,
nds. Kultusminister
1972-77
Niedersächsische
Verwaltungs- und
Gebietsreform
September
„Kirche und Arbeiterschaft –
ein fort wirkender Skandal?“,
P. Oswald von Nell-
Breuning SJ
20.11.
Beschluss der Würz-
burger Synode „Kirche
und Arbeiterschaft“
21.04.
„Die Kreisreform
in Niedersachsen“,
Rötger Groß,
nds. Innenminister
1976
34
_ Politik und Wirtschaft
Politische Bildung
traut zu machen und sie herauszufordern, über den
Tellerrand ihres Fachs oder Berufs hinauszuschauen.
Durch die Begegnung mit Personen des öfentlichen
Lebens soll die Bereitschaft zum gesellschaftlichen
Engagement gefördert werden. Die Themen, mit
denen sich der Arbeitskreis beschäftigt, werden
von den derzeit knapp 140 Stipendiaten auf deren
Jahrestagung selbst gewählt. 2012 hieß es „Die
europäische Idee“. Dabei standen Fragen nach einer
gemeinsamen europäischen Bürgerschaft und einer
europäischen Kultur im Mittelpunkt. Die Verant-
wortung jedes Einzelnen für das Gelingen Europas
erschien besonders wichtig.
Auch an diesem Beispiel zeigt sich, dass aktuelle
Themen – manchmal der Zeit voraus – genutzt
werden, um grundsätzliche Fragen zu diskutieren.
So lauteten bereits die allerersten Jahresthemen in
den 1980er Jahren „Neue Medien“ und „Chancen
und Risiken der Gen- und Fortpfanzungstechnik“.
In den vergangenen Jahren wurden sowohl aktuelle
Themen wie „Die arabische Revolution“, als auch
Themen abseits des Mainstreams, wie „Kulturnation
Deutschland“ gewählt.
Derzeit wird verstärkt an der Schafung eines
Alumni-Netzwerkes gearbeitet. Dafür soll der För-
derkreis der Ludwig-Windthorst-Stiftung genutzt
werden, um die ehemaligen Stipendiaten langfristig
an die Stiftung zu binden.
Ausblick
Die Themen und der Auftrag der politischen Bildung
werden dem LWH und unserer Gesellschaft nicht
ausgehen. Es wird der Auftrag sein, alle Bevölke-
rungsschichten zu erreichen und die Diskussion um
den Wert der Demokratie und die daraus entste-
henden Pfichten und Chancen immer wieder neu
zu setzen, zum Engagement zu ermutigen und zu
befähigen. ❚
In entspannter Atmosphäre thematisch arbeiten – LuWi-Jahrestagung 2012.
Januar
Erstmals mehr als
1 Mio. Arbeitslose
in der BRD
05.01.
100. Geburtstag
Konrad Adenauer
(† 1967)
06.02.
Ernst Albrecht,
Ministerpräsident
Niedersachsens
(CDU)
April
Walter Klöppel,
Leiter des LWH
Januar
Bensberger Kreis
verabschiedet
Memorandum:
„Anti-Sozialismus
aus Tradition“
August
„Christentum und
Sozialismus“ –
Streitgespräch zum
Memorandum des
Bensberger Kreises
13.02.
Werner Remmers,
Niedersächsischer
Kultusminister (CDU)
(bis 1982)
35
_ Politik und Wirtschaft
Politische Bildung
Wie zukunftsfähig ist der „Dritte Weg“?
Agnes Kläsener
Was in der Weimarer Reichsverfassung so klar def-
niert war – Religions- und Glaubensgemeinschaften
können ein eigenständiges Arbeitsrecht erlassen,
dies gilt besonders für die großen Kirchen – ist heute
längst nicht mehr unumstritten. Immer wieder gibt
es Diskussionen zum kirchlichen Arbeitsrecht. Von
einem Mitarbeiter/einer Mitarbeiterin der katho-
lischen Kirche in einem Krankenhaus, Altenheim,
Kindergarten oder sonstigen Einrichtung wird erwar-
tet, dass er/sie „die Grundsätze der katholischen
Glaubens- und Sittenlehre anerkennt und beachtet“
(Grundordnung des kirchlichen Dienstes im Rahmen
kirchlicher Arbeitsverhältnisse vom 22. September
1993 in der Fassung vom 26. September 2011). Er/sie
handelt also im Sinne der Kirche und trägt zu ihrem
Sendungsauftrag bei. Diese Loyalität wird nicht nur
während der Arbeitszeit verlangt, sondern auch im
privaten Leben.
Für Mitarbeiter und Dienstgeber in katholischen
Einrichtungen gilt der „Dritte Weg“, der anstelle des
Tarifvertragssystems – das die säkulare Arbeitswelt
prägt – zur Tarifndung genutzt wird. So resultieren
die kirchlichen Entgeltergebnisse nicht aus einem
Tarifstreit zwischen Gewerkschaften und Arbeitge-
berverbänden, sondern aus einer kooperativ gestal-
teten Verhandlung beider Seiten in den arbeitsrecht-
lichen Kommissionen. Streik und Aussperrung sind
deshalb nicht erlaubt.
Miteinander im Gespräch bleiben: das ist eines der Ziele des „Dritten Weges“. Das LWH schult kirchliche Mitarbei-
tervertretungen, damit sie ihre Rechte und Pfichten vereinbarungsgemäß wahrnehmen können.
1976
18.03.
Mitbestimmungs-
gesetz
22.-23.10.
„Ludwig Windthorst –
Konrad Adenauer. Porträts
zweier christlicher Politiker“,
Rudolf Morsey, Speyer und
Rudolf Lill, Köln
1977
Stilllegung
Kernkraftwerk
Lingen I
08.–09.01.
„Problemfeld
Kernenergie“
01.08.
Grün-
dung
Landkreis
Emsland
1977
Planungsbeginn
AKW Lingen II
1977
36
_ Politik und Wirtschaft
Kirchliches Arbeitsrecht
Die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Mitar-
beiter- und Dienstgebervertretern ist beim „Dritten
Weg“ besonders wichtig. Aber auch das Wissen um
die eigenen Rechte und Möglichkeiten sind von
hoher Bedeutung. Regelmäßige Schulungen, in
denen die Mitarbeitervertretungen theoretisches
und praktisches Wissen für ihre MAV-Arbeit erlernen
können, sind wertvoll. Das Ludwig-Windthorst-Haus
bietet für über 200 MAVen im Bistum Osnabrück
solche Fortbildungen an.
1982 entstand die Idee, ein diözesanes Trefen
der MAVen zu initiieren. Dort wurde der Beschluss
gefasst, eine Arbeitsgemeinschaft zur Stärkung
der MAVen zu gründen. Diese Geschäftsstelle der
Arbeitsgemeinschaft für MAVen war zunächst im
LWH angesiedelt. Inzwischen „sitzt“ die Diözesane
Arbeitsgemeinschaft der MAVen in Osnabrück, wirkt
aber weiterhin an Seminaren mit. Damals wie heute
ist die Vermittlung der rechtlichen Rahmenbedin-
gungen der Grundstein der MAV-Schulungen. Damit
das erworbene Wissen efektiv eingesetzt werden
kann, fnden ergänzend Kurse zur Rhetorik, Modera-
tion und Vermittlung statt.
Für die Katholisch-Soziale Akademie stellt die
Schulung der Mitarbeitervertretungen in katholi-
schen Einrichtungen eine Kernaufgabe dar, die einen
festen Stellenwert im Haus hat. Dabei die kritischen
Auseinandersetzungen und Meinungen der Gesell-
schaft aufzufangen und zu refektieren, ist ein großer
und wichtiger Baustein der Bildungsarbeit zum
„Dritten Weg“. ❚
Enger Austausch und Fallbeispiele garantieren den
Transfer in die Praxis.
Fit für‘s Zentralabitur!?
Unter diesem Titel hören Schülerinnen und Schüler,
Lehrerinnen und Lehrer Vorträge zu Themen aus
Geschichte, Politik und Religion von hochkarä-
tigen Professoren aus ganz Deutschland. Nach
den spannenden Vorträgen zu Kernthemen des
Zentralabiturs stehen die Professoren für Fragen
und Anmerkungen zur Verfügung. Bei Lehrkräften
der Sekundarstufe II aus dem Emsland und der
Grafschaft Bentheim fnden die Veranstaltungen
großen Zuspruch.
In Kooperation mit der Katholischen Erwachse-
nenbildung Osnabrück, der Landesschulbehörde
sowie der Schulabteilung des Bischöfich Münster-
schen Ofzialats Vechta bietet das LWH darüber
hinaus mehrere Akademieabende pro Schuljahr
zur Zentralabitur-Vorbereitung im Fach Religion
an. ❚
06.08.
† Papst Paul VI.
28.09.
† Papst Johannes Paul I.
16.10.
Wahl
Papst Johannes Pauls II.
1978
Arbeitslosigkeit
sinkt auf unter
1 Mio.
September
„Vollbeschäftigung –
eine Utopie?“,
Josef Stingl,
Präsident Bundes-
anstalt für Arbeit
26.08.
Wahl
Papst Johannes Pauls I.
1978
37
_ Politik und Wirtschaft
Kirchliches Arbeitsrecht
Vater, Mutter, Kind
Gesellschaft und Familie im Wandel
Maria Brand
38
So wie sich die Gesellschaft in den letzten 50 Jahren
verändert hat, so haben sich auch Familien als kleins-
te Einheit und Abbild der Gesellschaft verändert.
Anfang der 1960er Jahre gab es im ländlichen Raum
überwiegend kinderreiche Mehrgenerationenfamili-
en. Die Frauen waren mit der Familienarbeit betraut
und meist nicht erwerbstätig. Im Emsland waren
Familien zudem eng in kirchliche und dörfiche
Strukturen eingebunden.
Die Unterstützung der Familien in allen Belangen
der Kindererziehung und Familienorganisation war
von Beginn an ein zentrales Anliegen des LWH.
Im Frühjahr 1997 lockte der Titel „Schenk deinem
Kind Erinnerungen. Abenteuer – Leuchttürme im
Meer der Langeweile“ Familien nach Holthausen.
Beispielhaft zeigt dieses Seminar den pädagogi-
schen Ansatz der Familienarbeit im Haus: Ausgehend
davon, dass Kinder und Erwachsene die Welt mit
anderen Augen sehen und begreifen, erhalten sie in
Altersgruppen Gelegenheit, sich auf ihre Weise dem
jeweiligen Thema zu nähern, bevor gemeinsame
Aktionen den Austausch darüber ermöglichen.
Von 1965 bis 2003 fanden im Sommer 14-tägige
Freizeiten für Familien statt. Vor allem die Sommer-
tage ermöglichten es kinderreichen Familien und
Alleinerziehenden, trotz knapper Kassen zu
verreisen.
Im Jahr 2000 reisten die Gäste „Einmal um die
ganze Welt“. Dabei lernten die Eltern außerge-
wöhnliche Angebote kennen von Qi Gong bis zu
Gemeinsames Musizieren war schon immer ein prägendes Element der Familienbildung – in den 1960er Jahren
grifen dafür Mutter, Vater und Kinder noch zur Blockföte.
»
1978
09.11.
40 Jahre
Reichspogromnacht
15.11.
„Die Zukunft des Emslandes.
Geburtenrückgang und
kommunale Familienpolitik“
Dezember
„Die Zukunft
des Emslandes.
Wirtschaftliche
Entwicklung und
Kernenergie“
16.01.
Schah Reza
Pahlavi verlässt
den Iran
28.–29.10.
„9. November 1938:
40 Jahre Reichskristallnacht“,
u.a. Hans Mommsen,
Bochum
1979
39
_ Gesellschaft und Familie
Familienbildung
afrikanischem Tanz; parallel näherten sich die
Kinder diesen Themen in altersgemäßer Weise.
Gemeinsames Tun, wie das Herstellen von Spiel -
zeug aus Plastikmüll, führte Eltern und Kinder
zusammen.
Für viele Familien waren die Tage Gelegenheit,
sich auf kreative Weise unterschiedlichsten Themen
zu nähern und gleichzeitig Kontakte und Freund-
schaften zu knüpfen, die z.T. über Jahre gepfegt
wurden.
Seit Mitte der 2000er Jahre geht die Nachfrage
nach längeren Familientagungen zurück. Die Gründe
dafür sind vielfältig und liegen nicht zuletzt in den
veränderten Familienstrukturen und Lebensge-
wohnheiten. Dieser Wandel ist, wenn auch verspätet,
in den ländlichen Regionen angekommen. So sind
heute meist beide Elternteile erwerbstätig, die
Geburtenzahlen gehen auch im Emsland zurück.
Viele Familien sind von Scheidung betrofen und
die Zahl der Patchworkfamilien steigt. Auch das
Freizeitverhalten von Familien hat sich verändert;
Reisen ins Ausland sind heute erschwinglich und
selbstverständlicher.
Lebensspuren – Neue Themen
Vielfältige Angebote gibt es im LWH nach wie vor
für Familien in besonderen Lebenssituationen – sei
es, dass ein Kind eine Behinderung hat, dass eine
Familie Pfegekinder aufgenommen hat, oder dass
eine Familie nicht mehr komplett ist.
Beispielhaft seien hier die Angebote für Allein-
erziehende vorgestellt, eine Zielgruppe, die in den
70er und 80er Jahren immer mehr in den Fokus auch
der kirchlichen Bildungsarbeit rückte. Anfänglich ein
Angebot für Witwen, stellte sich rasch heraus, dass
Gut besucht und weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt und beliebt: die Familienseminare, hier mit
dem Musiker Ludger Edelkötter.
1979
04.10.
„Das Regiment
der Mullahs.
Was will der Islam?“
21.09.
„Kernenergie: Chance für die
Entwicklung einer Region?“,
u.a. Birgit Breuel, nds.
Wirtschaftsministerin und
Klaus Töpfer, Hannover
07.-10.06.
Erste Wahlen zum
EU-Parlament
09.–10.11.
„Alternativen
zur Kernenergie“
03.12.
„Warum kann das Chris-
tentum nicht veralten?“,
Karl Rahner SJ, München
1980
01.02.
Ajatollah Chomeini
kehrt in den Iran
zurück, schiitischer
Gottes staat
40
_ Gesellschaft und Familie
Familienbildung
immer mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus
zerbrochenen Familien kamen.
Das Bistum Osnabrück stellte sich dieser Her-
ausforderung und gründete 1981 einen diözesanen
Arbeitskreis unter Leitung einer eigenen Referentin
für Alleinerziehende. Die jeweiligen Studienleiter/
innen im LWH waren hier von Beginn an aktiv mit
eingebunden. Es wurden Seminare geplant, die mit
reger Beteiligung einer größer werdenden Gruppe
von Alleinerziehenden stattfanden.
In diesem Rahmen entstand das vielbeachtete
Buch „Lebensspuren. Gedanken und Gedichte zu
Trennung und Scheidung.“ Hierzu fanden auch
Lesungen in unserem Haus statt. Im Jahr 2006 war
die Studienleiterin des LWH dann auch aktiv beteiligt
an der Planung und Durchführung des ersten Got-
tesdienstes für getrennt Lebende und Geschiedene
im Osnabrücker Dom.
Diese Beispiele zeigen, dass Bildungsarbeit nicht
ohne Rücksicht auf die konkrete Lebenssituation
geschieht und Menschen mit besonderen Herausfor-
derungen besondere Angebote und gute Netzwerke
bietet. ❚
Familienbildung im LWH: Eltern und Kinder gestalten Zeit miteinander – beim Basteln, Spielen und Musizieren.
1981/82
Rasanter Anstieg
der Arbeitslosen-
zahlen auf 1,3 Mio.
bzw. 1,8 Mio.
14.09.
Erste Sozialenzyklika
Papst Johannes Pauls II.
„Laborem Exercens“
1981
Leonardo Bof
veröfentlicht
„Kirche –
Charisma und
Macht“
10.11.
„Fehlt der sozialen
Marktwirtschaft
die Moral?“, Fried-
helm Hengsbach
SJ
1982
Errichtung
„Neues Heuerhaus“,
heute Speiseraum 1
03.09.
„Stehen wir vor dem Staats -
bankrott? Reißt das soziale
Netz?“, u.a. Friedhelm Ost
(ZDF) und Burkhard Ritz,
nds. Finanzminister
1981 1982
41
_ Gesellschaft und Familie
Familienbildung
Teilen erleben
Maria Brand
Was machen Familien mit Kindern, die sich auf die Erstkommu-
nion vorbereiten? Sie kommen ins LWH. Und erleben vielleicht
folgendes:
Jedes Kommunionkind hat für zu Hause ein Brot gebacken –
in der Vorbereitung auf die Erstkommunion nicht unbedingt ori-
ginell. Nun sitzen sie im Kreis, die Brote stolz vor sich hingelegt.
Die Eltern sitzen um die Kinder herum. Die Referentin kündigt
an, dass für den folgenden Gottesdienst ein Brot benötigt wird.
An sich kein Problem, es sind ja genügend Brote da, aber jedes
Kind hat genau ein Brot gebacken. Und dann die Herausfor-
derung: Jedes Kind soll genau überlegen, ob es bereit ist, das
eigene Brot für den Gottesdienst herzugeben. Die Konsequenz:
Wer sein Brot hergibt, kann es nicht mehr mit nach Hause neh-
men. Das will gut überlegt sein. Die Kinder sind still, es ist ihnen
anzumerken, wie es innerlich in ihnen arbeitet. Die Spannung
überträgt sich auf die Eltern. „Komm, so schwer ist das doch
nicht, ist doch nur ein Brot!“, scheinen sie ihren Kindern zuzuru-
fen. Aber es ist schwerer als gedacht, und die Referentin macht
das allen Beteiligten sehr deutlich. Am Ende steht ein Junge auf
und gibt sein Brot her, sehr ernst, aber auch sehr bewusst. Ein
Aufatmen geht durch die Gruppe. Aber allen ist spürbar deutlich
geworden, wie schwer teilen sein kann – und wie schön. ❚
Auch so werden religiöse Themen für Familien im Rahmen von Gemeindeseminaren erlebbar
gemacht: Gemeindemitglieder aus Nordwalde studieren das Musical „Israel in Ägypten“ ein.
_ Gesellschaft und Familie
Familienbildung
1982
Gründung der Diözesanen
Arbeitsgemeinschaft der
Mitarbeitervertretungen
im Bistum Osnabrück
(DiAG-MAV)
06.09.
„Gottes befreiende
Botschaft. Latein-
amerikanische
Theologie“,
Leonardo Bof
01.-05.02.
„‚Der dritte Weg’
des kirchlichen
Dienstrechts“
17.09.
Bruch der
sozial-liberalen
Koalition im
Bundestag
01.10.
Wahl
Helmut Kohls
(CDU) zum
Bundes kanzler
06.03.
Bundestags-
wahlen, die
Grünen
erstmals im
Bundestag
1983 1982
1982
Gründung der
Ludwig-Windthorst-
Stiftung
42
„1:1“-Betreuung – 10 Tage abseits vom Alltag
Swenna Vennegerts
Menschen mit Behinderung sind im LWH eine „feste
Größe“: Schon früh bereicherten Familienfreizeiten
für Familien mit einem oder mehreren behinderten
Kindern, durchgeführt in Zusammenarbeit mit dem
St. Lukas-Heim Papenburg, das LWH-Programm.
Aufbauend darauf entwickelten sich feste Angebote
in verschiedenen Kooperationen: Frühlings- und
Herbstseminare mit dem St. Lukas-Heim, Radiowerk-
stätten mit Vitus, Meppen, Frauenseminare mit der
heilpädagogischen Hilfe Osnabrück und – speziell
für junge Frauen – Kurse in Zusammenarbeit mit der
Heimstatt Clemens August in Neuenkirchen-Vörden.
Auch mit dem Christophorus-Werk Lingen und der
Lebenshilfe Nordhorn arbeitet das LWH regelmäßig
zusammen.
Inzwischen entstanden Seminare für Frauen und
Männer aus unterschiedlichen Einrichtungen – The-
menwerkstätten („Wie wohne ich, wie wohnen ande-
re?“) mit aktuell fünf Kooperationspartnern.
Anknüpfend an die langjährigen Erfahrungen mit
Familienfreizeiten haben sich die „Sommertage“ zu
einer ganz besonderen Freizeit- und Urlaubsmög-
lichkeit für Menschen mit Behinderungen entwickelt:
Im Rahmen einer 1:1-Betreuung erleben sie zehn
Tage abseits des Alltags – mit inhaltlichem Konzept
und angepasst an ihre jeweiligen Bedürfnisse. ❚
Entspannen, Spaß haben, Freunde fnden: Die Freizeiten für Menschen mit Behinderung sind für die Teilnehmer
und ihre Angehörigen eine wertvolle Auszeit vom Alltag.
22.10.
Großdemonstration der
Friedensbewegung in Bonn
22.11.
Bundestagsbeschluss
zur Stationierung von
Pershing II-Raketen
1982
„Abrüstung ohne Sicherheit?“,
Alois Mertes, Staatsminister
im Auswärtigen Amt
18.04.
Wort der Deutschen
Bischofkonferenz
„Gerechtigkeit schaft
Frieden“
bpk/Jochen Moll
43
_ Gesellschaft und Familie
Familienbildung
Eine neue Rolle fnden
Agnes Kläsener
Über 23 Millionen Menschen engagieren sich in
Deutschland ehrenamtlich in Vereinen, Organi-
sationen, Gruppen, öfentlichen Einrichtungen
und Kirchen – und das teilweise über Jahrzehnte
hinweg. Ohne diese Ehrenamtlichen wäre unsere
Gesellschaftsstruktur kaum denkbar. Seminare für
Ehrenamtliche gab es seit jeher in unterschiedlichen
Bereichen. Als Katholisch-Soziale Akademie fördern
und unterstützen wir das Ehrenamt auf vielfältige
Weise: So zeigte das LWH Anfang 2013 die Ausstel-
lung „Impressionen – Fotografen aus dem Emsland
rund um Holthausen und Biene“ – ein Projekt, das
von ehrenamtlichen Emsländern und dem Projekt-
büro WABE initiiert wurde und regional auf große
Begeisterung stieß.
Erfahrungswissen für Initiative (EFI)
Zur Stärkung des Ehrenamtes startete im Jahr 2002
das Bundesmodellprogramm „Erfahrungswissen
für Initiative“ (EFI). Dieses Programm grif die Her-
ausforderung des demografschen Wandels auf.
Viele ältere Menschen engagieren sich nach ihrer
Berufs- oder Familien-
phase ehrenamtlich.
Ihr Engagement sollte
besonders gestärkt
werden mit dem Ziel,
das Erfahrungswissen
Älterer für Initiativen,
Vereine und Einrichtun-
gen in unterschiedlichen
gesellschaftlichen Berei-
chen zu aktivieren und
nutzbar zu machen.
35 Kommunen aus zehn
Bundesländern nahmen
am EFI-Programm teil.
Im Ludwig-Windthorst-Haus fanden die Schulungen
für das EFI-Programm Niedersachsen statt. In drei
dreitägigen Veranstaltungen wurden die Teilneh-
menden zu SeniorTrainerinnen und SeniorTrainern
ausgebildet. Bundesweit wurden 942 SeniorTrai-
nerinnen und SeniorTrainer im Laufe des EFI-Pro-
gramms auf ihre neue Rolle nach der Berufs- oder
Familienphase gecoacht. So haben die pensionierte
Richterin, der ehemalige Personalchef von Opel oder
die Hausfrau und Mutter ihre neue, ganz eigene
Rolle im Ehrenamt gefunden. Auf der Basis ihres
vielfältigen Erfahrungswissens, ergänzt um die Schu-
lungen des EFI-Programms, haben die qualifzierten
SeniorTrainerinnen und SeniorTrainer rund 4000
Projekte beraten, begleitet oder neu aufgebaut.
Das LWH trägt der gesellschaftlichen Bedeutung des Ehrenamts mit einem
umfangreichen Fortbildungsangebot Rechnung.
20.02.
„Amateure oder Profs?
Über die Schwierigkeiten
des kommunalpoliti-
schen Mandats“
10.04.
„Die Kirche und
die Grünen“,
Dietmar Mieth,
Tübingen und Antje
Vollmer, Bonn
26.04.
Reaktorunglück
in Tschernobyl
1987
Ludwig Averkamp
Bischof von
Osnabrück
(1987-1995)
1987 1986
1986
Errichtung
der „Scheune“
44
_ Gesellschaft und Familie
Ehrenamt
Engagement-Lotsen für
Ehrenamtliche Niedersachsen
(ELFEN)
Als Nachfolger des Bundesmodellprogramms EFI
installierte das Niedersächsische Ministerium für
Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration
2006 das Projekt „Engagement-Lotsen für Ehren-
amtliche Niedersachsen (ELFEN)“. In Zusammen-
arbeit mit den Kommunen, lokalen Einrichtungen
wie z.B. Freiwilligenagenturen und ausgewählten
Bildungsträgern werden unter dem Dach der Frei-
willigenakademie Niedersachsen pro Jahr bis zu 90
Personen zu Engagement-Lotsen ausgebildet. In
zwei dreitägigen Blöcken bekommen sie nützliche
Fertigkeiten für ihre ehrenamtliche Arbeit an die
Hand. Von der eigenen Rollenfndung über Öfent-
lichkeitsarbeit bis hin zu konstruktiven Konfiktlö-
sungsmöglichkeiten lernen die ELFEN Wissenswertes
für ihre Arbeit, tauschen sich untereinander aus und
geben sich Tipps. Alter, beruficher Werdegang und
ehrenamtliches Interesse sind bei jeder ELFE unter-
schiedlich. Von der Seniorin bis zur Studentin sind
alle Altersstufen vertreten. Auch die entstehenden
Projekte sind bunt und facettenreich: ein Senioren-
café, regionale Fotoausstellungen und sogar eine
Fledermausaufangstation waren ELFEN-Projekte der
vergangenen Jahre. Die Qualifzierungskurse zum
Engagement-Lotsen sind auch deshalb so interes-
sant, weil man zu Beginn des Kurses nie genau weiß,
welches Projekt am Ende entstehen wird.
Ausblick
Das Engagement des
LWH für das Ehren-
amt ist damit nicht
abgeschlossen. Auch
weiterhin werden wir
in unseren Schulungen
Ehrenamtliche stärken
und begleiten, denn
unsere Gesellschaft
braucht ihr Engagement.
Zwar steigt die Zahl
der Ehrenamtlichen in
der Bundesrepublik
Deutschland, die
Herausforderungen
rund um das Thema
aber auch. Fragen
zur eigenen Rolle
im Ehrenamt, zum
Versicherungsschutz sowie der große Bereich der
Öfentlichkeitsarbeit besonders im und mit dem
Internet sind Herausforderungen, mit denen Ehren-
amtliche umgehen müssen. Sie zu stärken und zu
begleiten ist unser Auftrag. ❚
ELFEN: Die Engagement-Lotsen leisten in ihrem jeweiligen Wohn- und Lebensum-
feld Hilfe zur Selbsthilfe, indem sie Projekte starten und andere in ihrem ehrenamt-
lichen Engagement stützen.
02.09.
Feier zum
25-jährigen
Bestehen des
LWH
09.11.
Fall der
Berliner
Mauer
27.10.
„Zukunft ohne Wurzeln?
Die Tradierungskrise in
Glaube und Gesellschaft“,
Walter Kasper, Tübingen
1988 1989
45
_ Gesellschaft und Familie
Ehrenamt
Mut zum Erziehen
Pädagogische Fragen und Angebote in Kontinuität und Wandel
Suzanne von Melle
46
Erzieherinnen sind mutig. Nicht unbedingt, wenn sie
durch Wald und Gebüsch rund um das LWH strei-
fen, Naturmaterialien sammeln und sich später mit
diesen kreativ versuchen, um Erfahrungen mit „Kopf,
Herz und Hand“ zu sammeln. Anlass für diesen „Aus-
fug“ von 20 Erzieherinnen: Die Qualifzierungsmaß-
nahme zur Krippenfachkraft, die seit 2012 angeboten
wird. Hier geht es um konkrete ästhetische Erkennt-
nisse, um ein Lernen mit allen Sinnen. Erzieherinnen,
die sich darin üben, werden überzeugend vermitteln,
weil sie selbst „von der Sache“ überzeugt sind. Schon
hier zeigen sie Mut, sich für einen bestimmten Erzie-
hungsstil einzusetzen, für etwas, das ihnen wichtig
ist, das sie weitergeben möchten. Diese Leitschnur
zieht sich durch alle pädagogischen Angebote, von
Anfang an.
Die pädagogische Ausrichtung des Hauses kon-
zentrierte sich zunächst vor allem auf das erzieheri-
sche Handeln innerhalb der zu gründenden Familie.
Eine erste Tagung für Kindergärtnerinnen fndet sich
aber bereits im Februar 1965: „Familie und Kinder-
garten“ kombinierte geschickt den Wunsch nach
Zusammenarbeit zwischen Einrichtung und Eltern-
haus. Dieser Gedanke ist noch heute aktuell. Das
Seminar „Zusammenarbeit mit Eltern“, im Juni 2013
im Programm, zeigt Bedarf und Dilemma gleicher-
maßen auf, denn die Zusammenarbeit mit Eltern als
Gestaltung einer Erziehungspartnerschaft zu verste-
hen, stellt hohe Anforderungen an alle Akteure.
Von Anfang an, ab Oktober 1963, waren Erzie-
hung und pädagogisches Handeln in den familiären
Kontext eingebettet; die Kurse sollten vor allem
junge Mädchen und Frauen auf Ehe und Familie vor-
bereiten. Der Leser des Programms
aus dem Winter 1964/65 stellt
fest, dass diese Kurse ohne große
Werbung immer belegt seien. „Das
Besondere an den Kursen besteht
vielleicht in der Kombination des
praktischen Unterrichts – vom
Kochen bis zur Säuglingspfege“,
schreibt der damalige Leiter des
Hauses, Dr. Werner Remmers.
2013 wird Säuglingspfege
anders buchstabiert, denn die
Zeiten haben sich geändert. Der
ab 01.08.2013 bestehende Rechts-
anspruch eines jeden Kindes ab
einem Jahr auf einen Betreuungs-
platz hat den quantitativen Ausbau
des Krippenangebotes zur Folge.
Die vom Niedersächsischen Kultusministerium
herausgegebenen Handlungsempfehlungen zum
Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im
Elementarbereich vom Juni 2012 unterstreichen
den Zusammenhang von Bildung, Betreuung und
Erziehung von Kindern unter drei Jahren, der in
besonderer Weise zu beachten sei. Mit diesen Hand-
lungsempfehlungen wird auch auf das Fundament
So fng alles an: In den ersten pädagogischen Seminaren der 1960er
Jahre lernten Frauen, ihre spätere Mutterrolle auszufüllen.
»
1990
Februar
„Neue Aspekte der
Deutschlandpolitik“,
Rudolf Seiters,
Kanzleramtsminister
23.–27.05.
Erster gesamt-
deutscher
Katholikentag
in Berlin
03.10.
Tag der
deutschen
Einheit
27.10.
1. Tagung der
Katholischen
Akademie Berlin
(Gründungsdirektor
Werner Remmers)
03.10.
„Umstrukturierung
von Wirtschafts-
unternehmen in
der DDR“
13.05.
Gerhard Schröder
(SPD), Minister-
präsident Nieder-
sachsens
47
_ Pädagogik
Themen im Wandel
der Seminarangebote im pädagogischen Bereich
verwiesen: Erzieherinnen müssen immer wieder ihre
persönliche Haltung zu aktuellen Fragestellungen
überprüfen und ggf. neu ausrichten.
Seminare im LWH ermöglichen diesen Zugang.
Gleichzeitig ist die Steigerung der Handlungskompe-
tenz im Blick. Nicht zuletzt die Qualifzierungsmaß-
nahmen zur Krippenfachkraft zeigen, dass das Haus
unmittelbar auf relevante pädagogische Themen
reagiert. Das war bereits Ende der 1960er Jahre so,
als die Erziehung von Kindern im Vorschulalter eine
große Rolle spielte. Die „moderne Erziehung“ Anfang
der 1970er Jahre fndet sich in kontroversen Ausein-
andersetzungen („Problem der Vorschulerziehung“)
wieder und bringt Eltern und Erzieher miteinander
ins Gespräch. Selbstverständlich steht auch das
Thema Kindererziehung mit seinen Schwerpunkten
(„Religiöse Erziehung im Kleinkind-
alter“; „Erziehung zur Brüderlich-
keit“) auf der Agenda. Regelmäßig
werden ab den 1970er Jahren
Akademietagungen angeboten;
so betont Hermann Lübbe 1979:
„Noch einmal: Mut zum Erziehen!“.
Ja, mit Sicherheit darf immer wie-
der ermutigt werden, couragiert
und beherzt zu erziehen.
Die legendären „Klubnachmit-
tage“ richteten sich irgendwann
auch an Kindergärtnerinnen und
Kindergartenträger und brachten
Fragen wie die nach der „Vorschule
– eine Gefahr für den Kindergarten?“
(1975) aufs Tapet. 1979 wollen die
Erzieherinnen sich noch auf „den Weg zur Erzieher-
persönlichkeit“ machen, bewegen sich und musizie-
ren viel, während sie Anfang der 1980er Jahre den
Spielplatz als Lern- und Erfahrungsfeld entdecken,
bzw. ihn von Kindern entdecken lassen. Natürlich fn-
det die Beschäftigung mit der Montessori-Methode
„Hilf mir, es selbst zu tun“ Raum, schon Anfang der
1980er Jahre. Seit 1998 laufen ununterbrochen
Montessori-Diplom-Kurse, zweijährig und berufsbe-
gleitend. Der nächste Durchgang wird im Frühjahr
2014 starten.
Endlich wird Mitte der 1980er nach der Rolle des
Vaters in der Erziehung gefragt. Das LWH greift Wan-
del und Veränderung im pädagogischen Denken
und Handeln auf. Immerhin dürfen Väter jetzt, nach
den ersten 25 LWH-Jahren, unter sich sein.
Ab den 1990er Jahren widmet man sich in den
Kindergärten der konzeptionellen Arbeit, in beson-
derer Weise der Zusammenarbeit zwischen Leitung
und Erzieherinnen und der „verantwortlichen
Leitung eines Kindergartens“. Und Prof. Huppertz
aus Oberried fragt: „Brauchen wir einen neuen Kin-
dergarten?“ (1990); allein diese Frage ist nun wirklich
nicht mehr neu. Die Erzieherinnen bewegen sich
weiter („Vom Sitzkindergarten zum Bewegungskin-
Erzieherinnen diskutieren im Rahmen von Fachveranstaltungen über
ihre Rolle und die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit.
14.03.
100. Todestag von
Ludwig Windthorst
18.06.
Margaret Anderson
(USA) veröfentlicht
Biografe „Ludwig
Windthorst“
20.06.
Abgeordnete des
Bundestages stimmen
für Berlin als neuen
Regierungssitz
07.02.
EU-Vertrag
von Maastricht
05.–06.09.
„Die Mauer muss weg“ –
der schwierige Weg
zur Deutschen Einheit
(Familienwochenende)
1992 1993 1991
Anfang 1991
Reinhold Jackels wird
Leiter des LWH,
Walter Klöppel stv.
Leiter des Katholischen
Büros Hannover
48
_ Pädagogik
Themen im Wandel
dergarten“; 1990), sie singen, spielen, tanzen (1992)
und gehen zu Studiennachmittagen. „Sind unsere
Kinder noch normal?“, fragt ein Veranstaltungsti-
tel. Dieses Rätsel möchte man auch in den 1990er
Jahren ergründen.
Heute widmen sich ganze Reihen psychischen
Erkrankungen in Familien, auch von Kindern. Tod
und Sterben im Kindergarten (1994) und Thera-
pieformen für Kinder (1997) sind
weitere Themen, die die Zeichen
der Zeit widerspiegeln.
Die Anforderungen an Erzie-
herinnen steigen ofensichtlich.
Bereits Ende der 1990er Jahre
fnden wir erste Seminare, die sich
mit dem eigenen „Ausgebrannt-
Sein“ beschäftigen („Vom Burnout
zum eigenen Feuer“, 1998; „Mei-
nem Streß auf der Spur“, 1999), ein
Thema, das im neuen Jahrtausend
noch mehr Brisanz besitzt. Gesund-
erhaltung steht ganz oben auf der
Agenda der Angebote für päda-
gogische Mitarbeiter/innen, die
in besonderer Weise von diesem
Problem betrofen sind („Seelisch ft bleiben! Saluto-
genese und Gesunderhaltung“, Akademieabend im
April 2013). Erzieherinnen beschäftigen sich heute
wie selbstverständlich mit „Qualitätsmanagement
in der Kita“, „Portfolioarbeit“, „Inklusion“ und „Krip-
pe“, um nur einige unter vielen neuen Themen zu
nennen, die herausfordern und auch an Grenzen
bringen: Zu oft muss „Hintergrundarbeit“ geleistet
werden. Auf der Strecke bleiben immer: die Kinder.
So steht auf der einen Seite die immer älter wer-
dende Generation an Erzieherinnen, die sich auch
nach 30 oder 40 Berufsjahren jeden Tag neu auf die
Kinder einlassen und gleichzeitig allen Ansprüchen
gerecht werden möchten – auch den eigenen. Auf
der anderen Seite steht die jüngere Generation an
Erzieherinnen. Schon heute zeichnet sich ab, dass
ein Großteil von ihnen nicht ein Leben lang im Beruf
bleiben wird. Die an sie – von allen Seiten – gestell-
ten Anforderungen steigen permanent. Gleichzeitig
wird die (Bildungs-)Arbeit mit den ganz Kleinen
schlecht honoriert, die Lobby, die der Erzieherin
zugeschrieben wird, spricht für sich. Wer hat da noch
Mut zum Erziehen?
Die Pädagogik setzt sich seit jeher mit Theorie
und Praxis von Bildung und Erziehung auseinander.
Da wiederholen sich Themen. Aber auch neue, an
aktuellen Geschehnissen ausgerichtete Schwer-
punkte werden entwickelt. Es gilt, Impulse zu setzen
und Orientierung zu bieten. Es bedarf des Mutes,
zu erziehen, immer wieder „dran zu bleiben“, die
Zeichen der Zeit zu erkennen und ein Forum für
Austausch und Weiterentwicklung zu bieten, worauf
es ankommt. So wird die pädagogische Bildung im
LWH ihre Bedeutung behalten. Auch in den nächsten
50 Jahren. ❚
In Sorge um den eigenen Berufsstand positionierten sich Erzieherinnen
1999 politisch im Rahmen der geplanten Reform der Erzieher/ innenaus-
bildung.
1993
30-jähriges
Bestehen
des LWH
1993–2006
Kooperation
mit Litauen:
christlich-soziale
Bildungsarbeit
Juni
Einweihung
Seminargebäude
„Alter Kindergarten“
21.10.
„Zugänge zum
Matthäus-Evangelium“,
Eugen Drewermann,
Paderborn
22.05.
„Ordinatio Sacerdotalis“
von Papst Johannes
Paul II. mit „Nein“ zum
Diakonat der Frau
1994
Das neue Logo des LWH
49
_ Pädagogik
Themen im Wandel
Chance Vielfalt – Inklusion und Integration im LWH
Suzanne von Melle
Aktuell hat die Integration von Menschen mit
Behinderung eine neue Dynamik erhalten, die den
neuen rechtlichen Verpfichtungen geschuldet ist:
Inklusion ist das bildungspolitische
Thema, denn durch die Anerkennung
der UN-Konvention im März 2009 ist
weltweit und auch in der deutschen
Bildungs- und Schulpolitik eine
Orientierung an Bildungsgerechtigkeit
gestärkt worden. In Niedersachsen
wird die inklusive Schule verbindlich
zum Schuljahresbeginn 2013/14 ein-
geführt. Schüler/innen wird dann ein
barrierefreier und gleichberechtigter
Zugang ermöglicht. Damit ist klar, dass
alle Kinder gemeinsam lernen können
(und sollten!). Eltern von Schüler/innen
mit sonderpädagogischem Förder-
bedarf erhalten ein Wahlrecht, ob ihr
Kind die allgemeine Schule oder eine
Förderschule besuchen soll.
Inklusion bezieht sich aber nicht
nur auf den schulischen Kontext. Nach einer Def-
nition der Deutschen UNESCO-Kommission wird
„Inklusion (…) als ein Prozess verstanden, bei dem
auf die verschiedenen Bedürfnisse von allen Kindern,
Jugendlichen und Erwachsenen eingegangen wird.
Erreicht wird dies durch verstärkte Partizipation an
Lernprozessen, Kultur und Gemein-
wesen, sowie durch Reduzierung und
Abschafung von Exklusion in der
Bildung.“ Inklusion will die Bedürfnisse
aller Kinder, letztlich aller Menschen
berücksichtigt wissen. Dies hat Aus-
wirkungen auf Bildungsangebote
und den Zugang zu diesen. In letzter
Konsequenz kann deshalb nicht
ausschließlich der Fokus auf einzel-
ne Phasen der Bildungsgeschichte
(wie Schulbildung) eines Einzelnen
gelenkt werden. Der Blick muss sich
weiten. Im Juni 2011 wird Inklusion
im LWH als Herausforderung für die
Bildung thematisiert und der Auftakt
für Bewusstseinsarbeit geleistet, die
sich gerechte Teilhabe aller Menschen
auf die Fahne geschrieben hat. Seit
2011 werden Grundschulkräfte auf die
seit 1994
Wochenend-
Angebote für
Alleinerziehende
24.10.
Errichtung des
Erzbistums
Hamburg
07.01.
Einführung von
Ludwig Averkamp
als Erzbischof von
Hamburg
Mai
Erster bistumsweiter
Katechetischer
Kongress im LWH
Juni
Ignaz Bubis (Zentralrat der Juden)
zum Jahrestrefen von ehemaligen
Schülern der United World Colleges
im LWH
Oktober
Modernisierung und
Erweiterung des
Bettentraktes im
LWH abgeschlossen
1995 1994
03.–04.06.
„Diakonat der Frau.
Ein verdrängtes
Thema?“
Das Thema Inklusion wird das Ludwig-Windthorst-Haus in den nächsten Jahren
weiter beschäftigen. Dabei wird der Fokus nicht nur auf die Schule, sondern die
gesamte Gesellschaft gerichtet sein.
50
_ Pädagogik
Inklusion und Integration
Inklusion vorbereitet und seit Ende 2012 sogar Lehr-
kräfte aus dem Bereich der Sekundarstufe I. Erziehe-
rinnen beschäftigen sich mit Inklusion in Krippe und
Kita, und der Studientag „Vielfalt statt Einfalt“ (März
2012) richtete sich an Lehrkräfte, Schulleiter/innen,
Trägervertreter/innen, Erzieherinnen und Eltern
gleichermaßen.
Die verordnete Vielfalt hat unlängst kontroverse
Diskussionen hervorgerufen. Lehrer/innen fühlen
sich verunsichert und überfordert. Die Ressourcen
sind mehr als knapp und provozieren mit Recht
Kritik. Es scheint unmöglich, personell und räumlich
auf die bevorstehenden Veränderungen an den
Schulen reagieren zu können. Ist hier vorschnell
entschieden worden? Eltern behinderter Kinder
wissen nicht mehr, ob ihr Kind auch an einer
Regelschule gut betreut sein wird. Darüber hinaus
fürchten auch Eltern um die Lernfortschritte ihrer
nicht behinderten Kinder, die sich auf das Lerntem-
po der Lernschwachen einstellen müssten – ob sie
wollen oder nicht. Einmal mehr macht dieser Diskurs
deutlich, dass das Thema Inklusion noch nicht in das
öfentliche Bewusstsein vorgedrungen ist. Hier muss
man auch der Politik Versäumnisse zuschreiben. Auf
der Strecke bleiben im Kontext dieser Debatten nach
wie vor die Kinder, die Unterstützung und Akzeptanz
gerade brauchen. Auch deshalb will das LWH Platt-
form sein, das Thema Inklusion ins Bewusstsein zu
rücken, um Vielfalt nicht als Bedrohung sondern als
Chance sehen zu können.
Die Angebote für
Menschen mit Behinde-
rungen im LWH begin-
nen schon in den ersten
Jahren des Bestehens
des Hauses. Während
sich die ersten Angebo-
te ab 1968 im Wesent-
lichen an Eltern behin-
derter Kinder richten
(„Das geschädigte Kind
in der Familie“, 1968;
„Lebenshilfen für das
behinderte Kind“, 1968;
„Erziehung und Bildung
behinderter Kinder“,
1969; „Sexualerziehung
bei geistig Behinderten“,
1969) fndet 1971 das
1. Heilpädagogische
Seminar für (zukünftige)
Mitarbeitende in der
Behindertenhilfe statt. Es sollte Ausgangspunkt für
viele Seminarangebote werden, die das Programm
des LWH bis heute prägen. ❚
26.11.
Einführung von
Franz-Josef Bode
als Bischof von
Osnabrück
27.01.
Auschwitz-Gedenktag
wird gesetzlicher
Feiertag
27.01.
Erstmals Veranstaltung zum
Auschwitz-Gedenktag im LWH
gemeinsam mit der Stadt Lingen,
Pax-Christi-Gruppe Lingen und
Forum Juden-Christen
1996 1997
Begegnungen mit Menschen mit Behinderung haben im Ludwig-Windthorst-Haus
eine lange Tradition. Schon in den 1960er Jahren fanden die ersten Seminare statt.
51
_ Pädagogik
Inklusion und Integration
Entscheidend: „Gute Lehrer!“
Lehrerfortbildung zwischen Fachunterricht und Bildungspolitik
Judith Hilmes
Die Frage nach einem „guten“ Lehrer, einer „guten
Lehrerin“ wirkt eigentümlich bieder. Im zeitgenös-
sischen Bildungsdiskurs heißt das „pädagogische
Professionalität“. Die Debatte aber wird vom
Zauberwort der „Kompetenz“ bestimmt. Schule
ist stets kontroversen Erwartungen von Seiten der
Gesellschaft und Politik ausgesetzt und wird von
unterschiedlichsten Interessenlagen instrumentali-
siert – Schule als eierlegende Wollmilchsau. Dabei
wird ein Aktionismus an den Tag gelegt, der weder
Schülerinnen und Schülern, noch den Lehrkräften,
noch dem Unterricht gut tut. Es stellt sich hier die
Frage, welche Rolle die Person des Lehrers in dieser
Diskussion spielt.
Die seit Ende April auch in deutscher Sprache
vorliegende „Hattie-Studie“ stellt die Lehrkraft in
ihrem Verhältnis zu den Schülern in den Mittelpunkt.
Der Forscher John Hattie greift in seinem Buch
„Visible Learning for teachers“ (2012) auf empirische
Forschungsergebnisse aus über 960 Metaanalysen
zurück. Es berücksichtigt über 50.000 einzelne
Studien und damit Lernergebnisse von mehr als
260 Millionen Schülern aus dem englischsprachi-
gen Raum. Die Studie wird auf einer Stufe mit den
großen internationalen Vergleichsuntersuchungen
wie Pisa genannt. John Hattie stellt eine einfache
Frage: Was beeinfusst wirksam den Lernerfolg der
Die Kultusministerkonferenz tagte Mitte der 1970er Jahre im LWH. In der Bildmitte: Peter Glotz, damals Parlamen-
tarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft.
April
„Für eine Zukunft in Solidarität und
Gerechtigkeit“, Diskussionsabend
mit T. Winkler (EKD), H. Kues MdB,
E. Schwanholt MdB, J.-B. Berentzen
(BKU), M. Zimball (DGB)
Mai
Gründung
„Offener Kanal Emsland
Grafschaft Bentheim e.V.“/
Ems-Vechte-Welle
1997
Einrichtung eines
Radio-Studios / erste
Radio-Workshops in
Zusammenarbeit mit
dem „Ofenen Kanal“
06.07.
Diözesantag der
Alleinerziehenden-
arbeit im LWH
1997
25 Jahre Allein-
erziehendenarbeit
im Bistum
Osnabrück
Seit August
Eigener Internetauftritt
des LWH (als erster
Einrichtung des
Bistums Osnabrück)
1997
22.02.
Gemeinsames Wort der
Kirchen zur wirtschaftlichen
und sozialen Lage in Deutsch-
land „Für eine Zukunft in
Solidarität und Gerechtigkeit“
52
_ Pädagogik
Lehrerfortbildung
Schülerinnen und Schüler? Von den 138 analysierten
Faktoren stehen qualifziertes Feedback von Seiten
des Lehrers und die Lehrer-Schüler-Beziehung ganz
oben.
Hattie hat mit seinen Thesen auch unter den
Bildungsforschern heftige Diskussionen, Bestätigung
wie Kritik, ausgelöst. Die Bedeutung seiner Studie ist
aber gerade mit Blick auf die vielen bildungspoliti-
schen Debatten enorm: Thesen werden untermauert,
andere verworfen. Überall wird z.B. über Schulstruk-
turen und Klassengröße diskutiert, doch ihr Einfuss
auf den Lernerfolg erweist sich als gering. Die Hattie-
Studie macht deutlich: Solange es nicht um Lehren
und Lernen im Zusammenhang geht, müssen alle
Maßnahmen ins Leere zielen. Gute Pädagogen
braucht das Land.
Natürlich war das LWH von Anfang an Ort
zahlreicher Veranstaltungen und Diskussionen zur
Schulstruktur. Erinnert sei hier an die heftigen Aus-
einandersetzungen um die Gesamtschule, mit der
Bildungspolitiker Heilserwartungen ebenso herauf-
beschworen wie den Untergang des Abendlandes.
Als in Deutschland erste Versuche gestartet werden,
bietet das LWH im Oktober 1968 eine dreitägige
Veranstaltung zu Fragen der Gesamtschule an.
Nach Jahrzehnten der Auseinandersetzungen
gehören Gesamtschulen zum System, teils integriert,
teils kooperativ. Die Einführung der Oberschule
im Schuljahr 2011/2012 in Niedersachsen lässt alte
Grabenkämpfe neu aufammen. Aber es kommt ein
neues Argument hinzu: der demografsche Wandel
in ländlichen Regionen – und damit verbunden der
gefährdete Bestand einzelner Haupt- oder Real-
schulen. Auch darüber wurde im März 2011 im LWH
diskutiert, leider ohne den Minister; artikuliert wurde
eine große Verunsicherung, solange die Rahmenbe-
dingungen unbekannt waren.
Eher unideologisch
und pragmatisch geht
Werner Remmers an
die Schulformdebatte
heran. Seine Einführung
der Orientierungsstufe
in Niedersachsen stieß
bei den eigenen Partei-
freunden nicht unbe-
dingt auf ein ungeteilt
positives Echo. „Aufs
Gymnasium gehören nur
die begabtesten Kinder
– und meine eigenen“,
kommentierte Remmers.
Befragungen von
Lehrkräften nach dem
Bedarf an Fortbildung
haben in der Regel ein
Orientierungsstufe: Selbstverständlich ging die Debatte über die Remmers-Idee
nicht am LWH vorbei. »
1998
Niedersächsisches
Schulgesetz schreibt
für Gymnasien Berufs-
orientierungskurse vor
27.09.
Gerhard Schröder
(SPD), Bundes-
kanzler
28.10.
Gerhard Glogowski
(SPD), Minister-
präsident Nieder-
sachsens
1998
Beginn der Berufs-
orientierungskurse
im LWH
1998
53
_ Pädagogik
Lehrerfortbildung
Ergebnis: Es geht um Unterrichtsge-
staltung und Methoden-Knowhow.
Ob das eine schon antizipierende
Bestätigung der Hattie-Studie ist,
mag dahingestellt sein. Tatsache aber
ist, dass die kurzfristige praktische
Verwertbarkeit von Fortbildungen
im Unterricht wichtigstes Kriterium
für die Güte einer solchen Veranstal-
tung darstellt. Zu den längerfristigen
Fortbildungen im LWH gehören zum
Beispiel seit 1998 die Montessori-
Diplom-Kurse und Seminare zum
Thema „Efektiver lehren und lernen“
seit Herbst 2004. Seit einiger Zeit läuft
auch „Lions Quest“, ein Training, um
Schülerinnen und Schüler erwachsen
werden zu lassen – d.h. konfiktfähiger,
selbstbewusster, wertschätzender,
weniger gewaltbereit. Das ist dann
immer auch ein gutes Persönlichkeits-
training für die jeweilige Lehrkraft
selbst. Natürlich dürfen weder Klippert noch Wahl
fehlen, wenn es um individuelle Förderung geht
(um nur zwei Koryphäen des Pädagogenolymps zu
nennen).
Seit dem 01. Januar 2012 ist das LWH per Vertrag
mit dem Land Niedersachsen auch Kompetenzzen-
trum für Lehrerfortbildung. Dadurch werden neben
den bestehenden Angeboten zusätzlich Fortbildun-
gen zu den bildungspolitischen Maß-
nahmen des Landes Niedersachsen
angeboten. Hier erfolgt eine Zusam-
menarbeit mit dem NLQ in Hildesheim
(Niedersächsisches Landesinstitut für
schulische Qualität) und der Nieder-
sächsischen Landesschulbehörde.
In der Lehrerfortbildung wird
der Zusammenhang von Schule
und Gesellschaft umfassend deut-
lich. Erziehen und Bilden stehen im
Spannungsfeld zwischen gesellschaft-
lichem Anspruch und individuellen
Bedarfen. Lehrkräfte leben tagtäglich
in diesem Spannungsfeld. Daher ist
die umfassende und zugleich selbst-
kritische Auseinandersetzung mit
Schule und mit der Fortbildung von
Lehrkräften ein wichtiges Anliegen
im LWH. So soll es sein: Eine „gute“
Mischung fnden, die sich an den
Bedürfnissen der Lehrkräfte orientiert und bildungs-
politische Veränderungen gemeinsam mit den
Kollegen in Augenschein nimmt. Wie sagt Hattie?
„Auf die Lehrkraft kommt es an!“ ❚
Über viele Jahre ein Magnet für Religionslehrerinnen und Religionslehrer aus den
Bistümern Osnabrück, Münster und Hildesheim: die Musische Werkwoche im LWH.
22.–25.02.
Frühjahrsvollversammlung der
Deutschen Bischofskonferenz im
LWH mit Beschluss zum Ausstieg
aus der staatlichen Schwanger-
schaftskonfliktberatung
14.03.
Erstmals Festakademie
zum Todestag von
Ludwig Windthorst;
Gastredner: Bischof Josef
Homeyer (Hildesheim)
27.10.
„Politik zwischen
Vision und Realität“,
Helmut Kohl,
Bundeskanzler a.D.
1999
27.01.
Wolf Biermann
anlässlich des
Auschwitz-Gedenk-
tages Gast im LWH
54
_ Pädagogik
Lehrerfortbildung
LWH: Kompetenzzentrum für Lehrerfortbildung
Judith Hilmes
Das Ludwig-Windthorst-Haus bietet seit Jahrzehnten
Veranstaltungen im Bereich der Lehrerfortbildung
an. Seit 2012 tut es das ofziell im Auftrag des
Landes. Denn die Lehrerfortbildung in Niedersach-
sen wurde zum 01. Januar 2012 neu organisiert:
Landesweit entstanden neun Kompetenzzentren für
Lehrerfortbildung, vorwiegend in Verantwortung
der Universitäten. Das Ludwig-Windthorst-Haus
bildet zusammen mit der Universität Vechta und
der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte in
Papenburg eines dieser neun Kompetenzzentren.
In diesem Rahmen übernehmen sie Aufgaben der
Landesschulbehörde und arbeiten eng mit dem Kul-
tusministerium und dem Niedersächsischen Landes-
institut für schulische Qualität (NLQ) zusammen.
Organisatorisch ist das Kompetenzzentrum der
Universität Vechta mit LWH und HÖB für die Land-
kreise Grafschaft Bentheim, Emsland, Cloppenburg,
Vechta und Diepholz zuständig und damit für eine
Region mit 610 Schulen, fast 12.000 Lehrkräften und
162.000 Schülerinnen und Schülern. Die Neustruk-
turierung erfolgte mit dem Ziel, die drei Phasen der
Lehrerbildung besser aufeinander abzustimmen
und universitäre Forschung und schulische Praxis
in einen kontinuierlichen Diskurs zu bringen. Die
Kompetenzzentren sind für die Entwicklung, Organi-
sation, Durchführung und Evaluation der angebote-
nen regionalen Fortbildung
für öfentliche Schulen
verantwortlich. Es werden
Maßnahmen in den Berei-
chen Didaktik und Metho-
dik der Fächer, Fachfremder
Unterricht, Gesprächs-
führung, Medieneinsatz,
Professionalisierung der
Lehrerrollen, Lehrergesund-
heit u.v.m. für Lehrkräfte
angeboten. Darüber hinaus
gibt es Fortbildungen für
Schulsozialarbeiter, Pädago-
gische Mitarbeiter, Schul-
sekretärinnen und anderes nicht-lehrendes Personal
sowie Seminare zu bildungspolitischen Vorgaben
des Landes. Schließlich unterstützt das Kompetenz-
zentrum auch bei der Verwirklichung von Ideen zur
schulinternen Lehrerfortbildung (SchiLF). ❚
www.kompetenzzentrum-lehrerfortbildung.de
Aus Anlass der Eröfnung des Kompetenzzentrums für Lehrerfortbildung stellte
sich der damalige niedersächsische Kultusminister Dr. Bernd Althusmann dem
Gespräch mit einem breiten Fachpublikum.
Das Bild zeigt v.l.: Dr. M. Reitemeyer; Kultusminister Dr. B. Althusmann;
Dr. M. Rieken, Universität Vechta, und Dr. T. Südbeck, Historisch-Ökologische
Bildungsstätte Papenburg (HÖB)
November
Beginn der „CDU-
Spendenaffäre“
14.03.
Paul Kirchhoff bei
Festakademie: „Die
kulturellen Vorausset-
zungen einer freiheit-
lichen Verfassung“
August
Einführung
Green-Card für
ausländische
IT-Fachkräfte
11.10.
„Zukunftstag Schule“,
Tag für Schülerver-
tretungen aus
Niedersachsen
(ca. 2.000 Teilnehmer)
2000
Bundestagsbeschluss
zum Ausstieg aus der
Atomenergie / Gesetz
über Vorrang erneuer-
barer Energien
2000
Erste Veranstaltungen
zur Nutzung erneuer-
barer Energien im
Emsland
2000
15.12
Sigmar Gabriel
(SPD) Minister-
präsident
Niedersachsens
55
_ Pädagogik
Lehrerfortbildung
Schülerakademie
Berufiche Orientierung
Michael Brendel
Seit 2003 blicken jährlich 100 Schülerinnen und
Schüler der emsländischen und Grafschafter Gymna-
sien in den Herbstferien im Rahmen der Schüleraka-
demie über den schulischen Tellerrand hinaus. Dabei
vertiefen sie sich in Themen, die im Schulalltag
wenig bis keinen Platz haben – und zwar auf einem
Niveau, das dem von Erstsemestern an einer Hoch-
schule entspricht. Feste Bestandteile des Workshop-
Angebotes sind eine Einführung in das Strafrecht,
das Erstellen von 3D-Modellen, ein Rhetorik- und
Kommunikationstraining, das volkswirtschaftliche
Planspiel OEKOWI, die Vermittlung interkultureller
Kommunikation, ein Theaterkurs und ein Filmwork-
shop. Initiiert wurde die Schülerakademie von der
Niedersächsischen Direktorenvereinigung Grafschaft
Bentheim – Emsland. Gefördert wird sie von der
Wirtschaftsvereinigung der Grafschaft Bentheim
e.V., dem Wirtschaftsverband Emsland e.V., den
Agenturen für Arbeit in Nordhorn und Leer sowie der
VME-Stiftung Osnabrück Emsland. ❚
Feierlicher Abschluss: Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Schule nehmen alljährlich an der
großen Abschlusspräsentation der Schülerakademie teil, Nov. 2012.
Arbeit mit den neuen Medien: Im Rahmen der
Schülerakademie erarbeiten Jugendliche gemein-
sam einen Film.
06.06.
„Die innere Einheit
Deutschlands“,
Kardinal Sterzinsky,
Berlin
11.09.
Terroranschläge auf
World Trade Center
und Pentagon
21.09.
Erster Politischer
Club, Thema:
„Was kommt
nach dem
Terror?“
2000
Januar
Bassam Tibi (Politologe,
Göttingen) spricht über
den Begrif „Leitkultur“
Dezember
Erste berufsbeglei-
tende Fortbildung
Montessori-Pädagogik
abgeschlossen
Oktober
Friedrich Merz
(CDU) löst
Debatte über
„Leitkultur“ aus.
2001
56
_ Pädagogik
Schülerakademie
Pädagogischer Think Tank – der Arbeitskreis Schule und Bildung
Heiner Reinert
Das „difuse Wortpaar“ Schule und Bildung und der
gleichnamige Arbeitskreis Schule und Bildung haben
ihre eigene kleine Geschichte.
In den Gründerjahren suchte das LWH sein Profl,
seine Richtung und sein Publikum. Dabei auch an
Schule zu denken, an Schülerinnen und Schüler, an
Eltern, an Lehrerinnen und Lehrer und an Schullei-
terinnen und Schulleiter, lag gewissermaßen auf der
Hand. In „Schule“ gibt es immer und ständig Fortbil-
dungsbedarf, der sich in der stetigen Veränderung
der Gesellschaft begründet. Demokratische Schule,
nicht nur gesetzlich legitimiert, fordert Lehrkräfte
fachlich, pädagogisch und allgemein gebildet „auf
der Höhe der Zeit“, ohne dem Zeitgeistigen kurzat-
mig hinterherzurennen.
Wochenkurse, Tagesveranstaltungen, Vorträge
und Akademieabende bearbeiten das Feld Schule
und Bildung. Die Themen, Ideen und Konzepte
entstehen in einem kreativen Diskurs mit dem
Leitungsteam des LWH sowie dem Hause nahe ste-
henden Pädagoginnen und Pädagogen. Aus dieser
„kreativen Unruhe“ entwickelte sich beinahe unauf-
fällig ein Kreis, der sich mehrmals im Jahr trift. Es ist
ein Arbeitskreis ohne Satzung, und ohne Hierarchi-
en. Den Begrif Leitbild kannte man anfangs noch
nicht. Aber die gemeinsame Aufgabenstellung war
ofensichtlich und – wie wir
heute wissen – erfolgreich.
Der Arbeitskreis
begleitete die schulpäda-
gogischen Entwicklungen
in Niedersachsen insbe-
sondere mit Blick auf die
Grafschaft Bentheim und
das Emsland. Fortbildun-
gen und Initiativen nahmen
regionalspezifsche Umset-
zungen in den Blick.
Pionierarbeit:
Regionalisierung
Ein Modellversuch, an dem
sich das Land Niedersachsen durch das damalige
Lehrerfortbildungsinstitut, die Universität Osnabrück,
das damalige Schulaufsichtsamt Emsland und das
LWH beteiligte, wurde vom Arbeitskreis angestoßen.
Dieser Modellversuch erarbeitete in drei Jahren
Mit zeitgemäßen Seminaren begleitet das LWH die schulpädagogische Entwick-
lung in Niedersachsen. Wichtiger Pulsmesser ist der Arbeitskreis „Schule und
Bildung“.
»
01.01
Einführung
Euro als
Bargeld
02.02.
Christian Wulff
(CDU), Minister-
präsident Nieder-
sachsens
25.06.
Beschluss der nds.
Landesregierung
zur Abschaffung der
Orientierungsstufe zum
Schuljahr 2004/2005
Dezember
„Sind monotheistische
Religionen vom
Grundverständnis her
gewalttätig?“, Arnold
Angenendt, Münster
18.12.
„Maueröfnung und
innere Einheit“,
Günter Schabowski
(ehem. ZK-Mitglied
der SED)
2003 2002
57
_ Pädagogik
Schule und Bildung
Konzepte einer regionalisierten Lehrerfortbildung,
ein Vorläufer der Regionalen Lehrerfortbildung bis
hin zum heutigen Kompetenzzentrum.
Der Arbeitskreis wirkt bis in
die kommunale Schulpolitik. Die
im Emsland fast fächendeckende
Verbreitung der Haupt- und Real-
schulen wurde hier mitentwickelt.
Auch werden gesellschaftliche
Bedingungen analysiert und gege-
benenfalls in Veranstaltungstypen
umgesetzt. Für Lehrerinnen, die
nach längerer Familienzeit in ihren
Beruf zurückkehren möchten, wurde
ein „Wiedereingliederungskonzept“
erarbeitet und realisiert.
Aktuelle Themen im Blick
Immer wieder werden brandaktuelle Themen disku-
tiert und auf ihre Relevanz für die Lehrerfortbildung
geprüft. So wurde die Hattie-Studie vorgestellt und
erläutert – genau einen Tag, bevor Professor John
Hattie selbst an der Universität Oldenburg seine
Forschungen und Leitvorstellungen des „Visible
Learning“ präsentierte. Und weil Lehrerfortbildung
und Lehrerausbildung eng miteinander zusam-
menhängen, hat sich der Arbeitskreis auch intensiv
mit dem Projekt GHR 300 auseinandergesetzt, das
den Masterstudiengang für die Ausbildung von
Lehrkräften in den Grund-, Haupt- und Realschulen
völlig neu organisiert. Daraus erwachsen dann
wieder Überlegungen für die Gestaltung von
Mentorenschulungen.
Kompetenz und Erfahrung
Der Arbeitskreis setzt sich aus Lehrkräften, überwie-
gend Schulleiterinnen und Schullei-
tern aller Schulformen aus der Graf-
schaft Bentheim und dem Emsland
zusammen. Ebenso beteiligen sich
die Leitung und Studienleiterinnen
und Studienleiter des LWH, die Fort-
bildungsverantwortliche des Kom-
petenzzentrums Lehrerfortbildung,
Vertreter der Schulaufsicht und der
Studienseminare. Ein besonderer
Reiz liegt in der breit gefächerten
Altersstruktur. Die hier versammelte
berufiche Kompetenz und Erfah-
rung machen den Arbeitskreis zu
einem pädagogischen „Think Tank“.
Die Mitgliedschaft erfolgt durch
Berufung durch die Leitung des LWH
in Abstimmung mit dem Leiter des Arbeitskreises.
Die bisherigen Leiter waren SAD i. R. Josef Barlage
und RSD i. R. Alfons Lögering (+ 2013). Zurzeit leitet
RSD i. R. Heiner Reinert dieses Gremium. ❚
Welche Angebote brauchen Lehrerinnen und Lehrer? Welche Themen sind relevant?
Antworten auf diese Fragen gibt seit Jahren der Arbeitskreis „Schule und Bildung“.
14.04.
„Kirche zwischen Vertrauens-
und Einnahmeschwund“,
Theo Paul, Generalvikar
Bistum Osnabrück, und
Michael Ebertz, Freiburg
09.09.
„Eine neue Schulpolitik
für Niedersachsen“,
Bernd Busemann (CDU),
nds. Kultusminister
Herbstferien
Erste Schüler-
akademie im LWH
2005
Diskurs über die umstrittene
„Christusgemeinschaft“ im
Bistum, 2005–2011
02.04.
† Papst
Johannes Paul II.
01.03.
„Neue geistliche Bewegungen“,
Akademieabend zu geistlichen
Gemeinschaften im Bistum
2003 2005
58
_ Pädagogik
Schule und Bildung
18.09.
Bundestagswahl,
Angela Merkel (CDU),
Bundeskanzlerin,
Große Koalition
ab 2005
Projekt des Bistums
Osnabrück: „Haus für
Kinder und Familien“
19.04.
Wahl
Papst Benedikts XVI.
13.10.
„Zukunft des
Kindergartens“,
Studientag
04.11.
Veranstaltung zum
Familien-Hearing
mit Paul Kirchhoff
17.11.
„40 Jahre Gaudium et Spes –
Katholische Soziallehre
auf der Suche nach einem
neuen Standort“,
P. Friedhelm Hengsbach SJ
59
_ Pädagogik
Schule und Bildung
Medium zwischen den Generationen
Kommunikation im Wandel
Michael Brendel
60
Zum sicheren Sprechen ermutigen, Kommunikation
fördern und Medienkompetenz stärken – seit Grün-
dung des Ludwig-Windthorst-Hauses fnden sich
Veranstaltungen im Programm, die die kommunikati-
ven Fähigkeiten erweitern, den praktischen Umgang
mit etablierten oder so genannten „neuen Medien“
zum Inhalt haben oder deren soziale Folgen erörtern.
Denn so unterschiedlich die Medien, die in den
letzten 50 Jahren einmal als „neu“ galten, auch sind
– die gesellschaftlichen Folgen sind vergleichbar: Die
jeweils junge Generation nimmt (digitale) Trends
scheinbar mühelos in ihre Lebenswelt und ihren
Wortschatz auf, während ihre Eltern den technischen
Neuerungen mit Ablehnung oder Unverständnis,
zumindest aber mit Skepsis begegnen. Das LWH
sah und sieht sich hier als Vermittler zwischen den
Generationen.
Ob die technische Entwicklung in der gleichen
Geschwindigkeit fortschreitet wie in den vergange-
nen 50 Jahren, ist nicht absehbar – selbst Computer-
visionäre haben den Einschnitt, den soziale Netz-
werke für die Gesellschaft bedeuten, nicht erwartet.
Doch die folgende kurze Reise durch die Halbjah-
resprogramme zeigt: Das LWH hat jedes „neue“
Medium kritisch begleitet und im Sinne fruchtbarer
Erwachsenenbildung „zu den Menschen gebracht.“
Rhetorik: Mit Sprache überzeugen
Mit dem Seminar „Argumentations- und Redetech-
nik“ fand im März 1975 erstmals ein Rhetorikkurs
statt. Zielgruppe waren Kommunalpolitiker, denen
das Rüstzeug für öfentliche Reden und Diskussi-
onen vermittelt werden sollte. In den Folgejahren
waren vor allem junge Erwachsene Adressaten der
Rhetorikkurse, denen unter Titeln wie „Wie sag ich
es bloß“ oder „Ähm, also, ich meine“ sprachliche
Sicherheit und gutes Ausdrucksvermögen als schuli-
sche und berufiche Qualifkation vermittelt wurden.
Anfang der 1990er Jahre standen verstärkt Frauen
im Fokus: Dabei gab es u.a. Kooperationen mit der
Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands und
dem Arbeitskreis Unternehmerfrauen im Handwerk
Lingen e.V. Seit 2001 sind das Bistum Osnabrück und
das Erzbistum Hamburg enge Kooperationspartner,
die einmal jährlich Pastoralreferenten, Gemeindeas-
sistenten und Priester in der Ausbildung zur „Werk-
woche Rhetorik“ nach Lingen einladen.
Medienkompetenz:
Mitmachen und Nachfragen
Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet – den
sachkundigen, aber kritischen Umgang mit Medien
versteht das LWH als Auftrag. Der handwerklich-
praktische Teil fndet seit 1965 seine Abbildung in
diversen Schreibwerkstätten und seit 1989 auch in »
Pro und Contra Facebook – aus dem Seminar
„Gefällt mir“, November 2012.
2008
Veröffentlichung
„Perspektivplan 2015“
für das Bistum
Osnabrück
01.04.
Verabschiedung
Reinhold Jackels
17.04.
„Jesus von Nazareth“,
Vortrag von
Bischof Bode
2007
Buch „Jesus von Nazareth“
von Papst Benedikt
auf Platz 1 deutscher
Bestsellerlisten
21.–25.05.
97. Deutscher
Katholikentag,
Osnabrück
Oktober
Fusion LWH und
Niels-Stensen-Haus,
Lilienthal-Worphausen
2007 2008
61
_ Kommunikation und Medien
Zwischen den Generationen
Radioworkshops. Das hauseigene Tonstudio bot
interessierten Amateuren die Möglichkeit eigene
Radiobeiträge zu konzipieren und aufzunehmen –
und seit 1997 im Rahmen des Bürgerfunks der
Ems-Vechte-Welle auch zu senden.
Dem Medium Fernsehen widmet sich das LWH
seit Ende der 1960er Jahre. Die Gründung des ZDF
und der so genannten „dritten Programme“, die
Einführung des Farbfernsehens 1967 und die Live-
übertragung der Mondlandung zwei Jahre später
machten die
„Flimmerkiste“
zum Massen-
medium: Im Jahre
1970 saß jeder
Deutsche im Schnitt täglich über anderthalb Stun-
den vor dem Fernseher.
Das Referententeam des LWH begleitete diese
Entwicklung kritisch. Im Februar 1969 fand mit
„Kinder vor dem Bildschirm“ das erste TV-kritische
Seminar statt, für den Akademieabend „Macht das
Fernsehen unsere Meinung?“ am 29. April 1971
konnte Werner Remmers den NDR-Programmchef
Dietrich Schwarzkopf verpfichten. Am 17. Januar
1984, gut zwei Wochen nach dem Start der ersten
beiden privaten TV-Sender Sat.1 und RTL plus,
wurden mit dem Seminar „Erst will ich noch Dallas
sehen – Kinder vor dem Fernsehschirm“ die herauf-
ziehenden neuen pädagogischen Herausforderun-
gen beleuchtet.
Internet: Adden, posten, liken
In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre hielten Per-
sonal Computer Einzug in Betriebe, Schulen – und
auch ins LWH-Programm. Wandten sich die ersten
Veranstaltungen
zur Computer-
technik 1987
zunächst an
einzelne Berufs-
gruppen, wurde der PC dank des Preisverfalls und
internetfähiger Betriebssysteme im darauf folgen-
den Jahrzehnt auch für Privatanwender interessant.
Doch in demselben Maße, in dem immer mehr
PCs Anbindung an das weltweite Netz bekamen,
verloren Teile der Gesellschaft die Anbindung an die
digitale, neue Welt. Während jugendliche Computer-
cracks die neuen Entwicklungen scheinbar mühelos
in ihren Alltag übernahmen, hatten die Vertreter
älterer Generationen oftmals Berührungsängste,
wenn es um die neue Technik ging. Anfang 1999
wurde ein neuer PC-Raum mit zwölf internetfähigen
PCs in Betrieb genommen, zudem unterstrich die
Rubrik „Multimedia“ im Halbjahresprogramm 1/1999
die Bedeutung dieser Kurse für das Haus.
Der damalige Referent Günther Oberthür erinnert
sich an den ersten Internetkurs „Jung genug fürs
Internet“ für Menschen über 50 Jahre:
„Die Teilnehmer sagten: ‚Ich will den Umgang mit dem
Computer lernen, ohne unter dem Druck zu stehen, der
sonst im Berufsleben herrscht.‘“
Und nicht selten wurde bei denen, die den PC
berufich nutzen wollten – oder mussten – auch
der Spieltrieb geweckt. Oberthür fühlte eine
Pionierstimmung:
„In der Pause kriegte ich die Leute kaum aus dem Raum.
Sie waren begeistert, dass da eine Seite aus Amerika
auf dem Bildschirm auftauchte oder Lehrer Unterrichts-
materialien aus Bayern fanden, die sie selbst brauchen
konnten. Und die wollten sie dann erstmal ausdrucken,
weil sie Angst hatten, fünf Minuten später könnten sie
aus dem Internet verschwunden sein.“
Im Jahre 2013 ist das Internet in der Gesellschaft
angekommen – und umgekehrt: die Gesellschaft im
„Die Liveübertragung der Mondlandung machte
die ‚Flimmerkiste‘ zum Massenmedium.“
Uraufführung
Theaterstück
„Ludwig, mein
Märchenprinz
oder Bismarck?“
Mai
LWH auf dem
Katholikentag
in Osnabrück
Juni
Barbara Terfehr,
LWH-Leiterin
13.10.
Erster Banken-
Rettungsschirm
über fast 500
Mrd. Euro
15.09.
Finanzkrise –
Zusammenbruch
der Investment-
bank „Lehman
Brothers“
30.10.
„1. Investment-
Forum“ im LWH,
Thema: Finanz-
krise
2008
62
_ Kommunikation und Medien
Zwischen den Generationen
Internet. Zumindest ein Teil – denn erneut scheinen
sich Familien zu spalten – in die, die „posten“ und
die, die nicht „posten“. Jugendliche, die als erste
Generation überhaupt mit Computer und Internet
aufgewachsen sind, nutzen wie selbstverständlich
auch die seit 2009 in Deutschland populären sozi-
alen Netzwerke Facebook und Twitter – während
das so genannte „Mitmach-Web“ vielen Eltern und
Lehrern fremd ist. Seit November 2012 wenden sich
die Seminare „Gefällt mir – die Facebookgeneration
verstehen und schützen“ und „Kinder sicher im Netz“
gegen die Ängste, die Erwachsene bezüglich der
ihnen nicht nur sprachlich fremden Netzwerke und
ihrer Mitglieder haben, die adden, posten, liken und
followen – und macht die Teilnehmer kompetent für
das neue Medium. ❚
Kommunikation steuern: NLP
Die neurolinguistische Pro-
grammierung, kurz: NLP, ist ein
Kommunikationskonzept. Basie-
rend auf Erkenntnissen über die
menschliche Wahrnehmung
und Informationsverarbeitung
untersucht es, welche Faktoren
das Erleben der Menschen
steuern und wie sie ihre Erfah-
rung „selbst erschafen“. Ziel ist
eine Verbesserung der zwischen-
menschlichen Kommunikation
sowie die persönliche Entfaltung
der Teilnehmer. Der erste Kurs
im LWH wurde 1999 für Mitar-
beiter in sozialen Einrichtungen
angeboten. Ermutigt von der
großen Resonanz diferenzierte
sich das NLP-Angebot immer
weiter aus. Bis heute ist die
Osnabrücker Sozialpädagogin Nena Schröder Refe-
rentin aller NLP-Kurse. Sie kommt gerne ins LWH:
„Im LWH herrscht eine gute Lernatmosphäre. Hier
wissen wir: Wir werden versorgt und können uns auf
die Kursinhalte konzentrieren. Das Haus in der schönen
Natur ist für mich ein Lernmedium.“ ❚
Eine „gute Atmosphäre“ ist insbesondere für Kurse zur
Persönlichkeitsentwicklung unabdingbar.
24.02.
Podiumsdiskussion
zum Thema
Pius-Bruderschaft
24.01.
Vatikan hebt Exkommuni-
kation von vier Bischöfen
der Pius-Bruderschaft auf
2009
60 Jahre Gründung
Bundesrepublik
Deutschland
27.09.
Bundestagswahl,
Angela Merkel (CDU)
weiter Bundeskanzlerin,
Koalition CDU/CSU-FDP
ab April
„60 Jahre Bundesrepublik
Deutschland“,
Akademieabendreihe
(u.a. mit Franz Walter)
26.11.
„Der Crash ist da!
Was tun in der Krise?“,
Autorenlesung mit
Max Otte
2009
Beginn umfangreicher
Umbaumaßnahmen
im LWH (Planung/Um-
setzung: Stephans-
werk Osnabrück)
2009
63
_ Kommunikation und Medien
Zwischen den Generationen
Welche Pfege wollen wir?
Gesundheitsbildung im Spannungsfeld zwischen Professionalisierung und Ethik
Maria Brand
64
Krankenpfege, Altenpfege, Ethikkurse für Kran-
kenpfegeschüler/innen, Ausbildung zur Gemeinde-
krankenpfege. Die Liste der Fortbildungen in den
vergangenen 50 Jahren ist lang.
Die Pfege kranker, alter und hilfsbedürftiger
Menschen ist eine Kernaufgabe der Caritas. Werner
Remmers schrieb in einem der ersten Halbjahrespro-
gramme im Winter 1964/65: „Auf besonders lebhaf-
tes Interesse stießen Tagungen für Krankenschwes-
tern (Ordensfrauen). Hier zeigt sich eine wichtige
Aufgabe einer Heimvolkshochschule, nämlich die
Lücke zwischen religiös-aszetischer und rein beruf-
lich-fachlicher Weiterbildung auszufüllen.“ Diesem
Auftrag fühlte sich das LWH bis weit in die 90er Jahre
hinein verpfichtet.
Über Jahrzehnte begleitete das Haus die zuneh-
mende Professionalisierung und Spezialisierung
in der Pfege, vor allem im Bereich des mittleren
Managements. Allein 35 Stationsleitungskurse
fanden bis Mitte der 90er Jahre statt. In 420 Unter-
richtsstunden wurden zukünftige Stationsleitungen
auf ihre anspruchsvolle Tätigkeit vorbereitet. Dazu
kamen sie sechs Mal jeweils zwei Wochen am Stück
ins LWH – beeindruckend angesichts der heutigen
durchschnittlichen Verweildauer an der berufichen
Weiterbildung von 1,5 bis 3 Tagen.
Bis heute ist die Thuiner Schwester Helgard
Brunen (1912-2008) im Haus unvergessen. Durch ihre
Arbeit von Mitte der 70er bis Ende der 80er Jahre
gelang es ihr, die Ausbildung zum/r Gemeindekran-
kenpfeger/in als anerkannte Fachweiterbildung zu
etablieren.
Viele Akademieabende mit den jeweiligen Sozi-
alminister/innen der Landesregierung zeigen, dass
das LWH gesundheitspolitisch Akzente setzte. In den
80er und 90er Jahren stieg der Kostendruck auf die
Krankenhäuser. Immer mehr Einrichtungen wurden
in eine GmbH umgewandelt und in die wirtschaft-
liche Selbständigkeit entlassen. Der medizinische
Fortschritt brachte eine zunehmende Spezialisie-
rung des Pfegepersonals.
Schon in den 90er Jahren deutete sich an, was
durch den Bologna-Prozess ab 2000 Realität wurde:
die Akademisierung der Pfege.
Die Weiterbildungslandschaft im Gesundheits-
wesen hat sich nachhaltig verändert. In Osnabrück
wurde die Pfegeakademie gegründet und die
Krankenhäuser gingen dazu über, Fortbildungen in
Verbünden selber zu organisieren.
Der Prozess der Professionalisierung der Pfege,
den das LWH über Jahrzehnte aktiv mitgeprägte,
führte letztlich dazu, dass eine Fachweiterbildung für
Stationsleitungen, wie sie notwendig wurde, nicht
mehr in einer Einrichtung wie dem LWH stattfnden
konnte. Dazu verfügt das Haus weder über die
technisch-pfegerischen noch über die personellen
Voraussetzungen.
Herausforderungen für die Zukunft
Seit zwei Jahren allerdings ist das LWH im intensiven
Gespräch mit den regionalen Akteuren im Gesund-
heitswesen mit dem Ziel, an das Anliegen der ersten
Stunde – berufiches Handeln ethisch und theolo-
gisch zu refektieren – anzuknüpfen. Die Beratung
und Schulung von Ethikkomitees in Krankenhäusern
sowie Pfege- und Ärzteteams wird eine wichtige
Zukunftsaufgabe des LWH sein. ❚
16.11.
„Kompetent
für Krippe“,
Kongress
20.-22.11.
Fachtagung
„Bildungs gerechtigkeit
als Auftrag der Schule“
Oktober
Verschärfung
der Finanzkrise
seit 2009
Bistum Osnabrück fördert
Ausbau von Kita-Plätzen
für die Betreuung von
Kindern unter drei Jahren
26.10.
„Der Euro in der
(Finanz-) Krise?!“,
Martin Bohl
2009
29.11.
„Die Aufsteigerrepublik –
Zuwanderung als Chance“,
Armin Laschet (CDU)
65
_ Gesundheit und Pfege
Gesundheitsbildung
Ethik in Medizin und Pfege
Ein neuer Fachbereich – und ein neues Gesicht
Klaus Kother
Im Mai 2013 gründete der Katholische Kranken-
hausverband des Bistums Osnabrück den neuen
Fachbereich „Ethik in Medizin und Pfege“. Angesie-
delt ist der Fachbereich in den Räumen des Ludwig-
Windthorst-Hauses. Das Ziel des Fachbereiches ist
vor allem die Erweiterung der ethischen Kompeten-
zen in den Mitgliedskrankenhäusern. Verantwortli-
cher Leiter dafür ist der Theologe Dr. Klaus Klother.
Er bietet im LWH Weiterbildungen für Mitarbeitende
aus Medizin und Pfege an, die ihre ethischen
Kompetenzen erweitern möchten. Mögliche The-
men sind Grundlagen der Ethik, Einführungen in das
Instrument der ethischen Fallbesprechung, Mode-
ratorenschulungen für ethische Fallbesprechungen
sowie Einzelveranstaltungen zu ausgesuchten The-
men wie Patientenverfügung, Therapieziel-Ände-
rung (Therapiebegrenzung) und Organspende.
Darüber hinaus wird der Fachbereich die Mit-
gliedskrankenhäuser bei der Arbeit ihrer Ethikkomi-
tees wie etwa der Fallberatung unterstützen. Außer-
dem sollen für den Verband gemeinsame, oder für
die einzelnen Krankenhäuser spezifsche Leitlinien
zum Umgang mit bestimmten ethischen Fragen
entwickelt werden.
Wenngleich sich die Veranstaltungen und Wei-
terbildungen aus dem Bereich „Ethik in Medizin und
Pfege“ primär an die Mitarbeitenden der Kranken-
häuser richten, bietet das Ludwig-Windthorst-Haus
auch ofene Veranstaltungen zu aktuellen medizin-
ethischen Fragestellungen an. ❚
Dr. Klaus Kother wird die ethischen Fragen in Medizin
und Pfege in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellen.
10.06.
Gesprächsabend zur
Präimplantations-
diagnostik (PID)
2010
Mai
Einweihung des
neuen Verwal-
tungsgebäudes
28.01.
Erster Bericht über
Missbrauchsfälle im
Berliner Canisius-Kolleg
08.03.
Bischof Bode bittet Opfer
sexueller Gewalt öffent-
lich um Vergebung
10.03.
„Wirtschaftliche Entwicklung
und soziale Gerechtigkeit“,
Andrea Nahles (SPD)
66
_ Gesundheit und Pfege
Ethik und Medizin
Erster Emsländischer Hospiz- und Palliativtag
Die Zeichen der Zeit erkennen – Hospiz, Trauerbegleitung und Palliative Care
Maria Brand
In den 1990er Jahren entwickelte sich eine konfessi-
onsübergreifende Kooperation mit dem Lutherstift
in Falkenburg. Gemeinsam wurde die Ausbildung zur
Trauerbegleitung und die Palliative Care-Ausbildung
konzipiert – eine Zusammenarbeit, die mit Schlie-
ßung des Lutherstiftes 2012 leider ein Ende fand.
Mit der Ausrichtung des 1. Emsländischen Hospiz-
und Palliativtages 2013 wird das Thema Hospiz
wieder aufgegrifen. In den letzten 15 Jahren hat sich
ein fächendeckendes Netz ambulanter Hospizgrup-
pen und Vereine gebildet. Heute engagieren sich ca.
250 Frauen und Männer im Emsland und begleiten
Sterbende und deren Angehörige durch
überwiegend ehrenamtliches Engage-
ment. Neben den beiden Palliativstütz-
punkten in Sögel und Thuine tragen
sie durch ihre Arbeit zu einer besseren
hospizlich-palliativen Versorgung in der
Region bei.
Der Hospiz- und Palliativtag im LWH
will dieses große Engagement sichtbar
machen und das Netzwerk von Haupt-
und Ehrenamtlichen enger knüpfen.
Das LWH möchte auch in Zukunft
dieses Netzwerk durch Fortbildungsan-
gebote begleiten. ❚
Zuspruch und Begleitung bis zum letzten Atemzug: Die Hospiz-
arbeit ver dient Aufmerksamkeit und Anerkennung.
23.09.
„Die Gesundheitspolitik der
christlich-liberalen Bundes-
regierung – eine Zwischen-
bilanz“, Daniel Bahr (FDP)
12.06.
„Schullandschaft
in Niedersachsen“,
Bernd Busemann
(CDU)
30.06.
Christian Wulff,
Bundespräsident;
David McAllister (CDU),
Ministerpräsident
Niedersachsens
06.07.
Bundesgerichtshof:
PID nicht strafbar
01.09.
Michael Reitemeyer,
Leiter des LWH
ab September
Neubau Gästehaus D
(Planung/Umsetzung:
Stephanswerk
Osnabrück)
67
_ Gesundheit und Pfege
Hospizarbeit
Kunst macht sichtbar
Michael Reitemeyer
68
Gespräch über Kunst und Religion in der Kunsthalle Lingen: Dr. Michael Reitemeyer, Künstler
Markus Lüpertz, Düsseldorf, Bischof Dr. Friedhelm Hofmann, Würzburg und Meike Behm,
Leiterin der Kunsthalle Lingen
»
„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern
macht sichtbar“ – dieses Wort des Malers Paul Klee
bringt auf den Punkt, warum sich eine Katholische
Akademie und Heimvolkshochschule mit Kunst
beschäftigen sollte. Kunst ist nicht
einfach nur nettes Beiwerk, das
zur Imagepfege gehört. Wenn
Kunst sichtbar macht, dann ist
sie zentraler Bestandteil des
Bildungsauftrags.
Bildung ist meistens eine
Sache des Kopfes. Mit dieser
Beschränkung auf das rein Kogni-
tive wird der gesamte ästhetisch-
emotionale Bereich ausgeblendet.
Lernen ist aber Sache des ganzen
Menschen. Das schließt sinnliche
und emotionale Wahrnehmung
mit ein. Alle Menschen sind Tag
für Tag unzähligen Sinneseindrü-
cken ausgeliefert. Wie kann ich
herausfnden, was von diesen Ein-
drücken wichtig ist? Wie kann ich
dabei das Wichtige vom Unwich-
tigen unterscheiden? Was hilft
mir besser zu sehen, zu hören, zu
fühlen? Einübung in die Unterscheidung kann man
so etwas nennen. Für diese Einübung muss und darf
ein Ort wie das LWH den notwendigen Raum geben.
Literatur und Theater
Wie ein roter Faden ziehen sich Autorenlesungen
in Kooperation mit Buchhandlungen und Verlagen
durch das Programm, mit Lyrik,
Prosa und anderen Genres –
dabei zu Gast: Hilde Domin, Kurt
Marti, Ulla Berkewicz, Hans-Dieter
Hüsch, Dorothee Sölle, Sarah
Kirsch. Auch Theater und Musical
haben ihren Ort im LWH – zum
Beispiel über Jahre im Rahmen
des Holthausener Sonntagsfo-
rums. Dabei sind auch Produktio-
nen, die aus dem Kursgeschehen
erwachsen und Teilnehmende
aus dem Hause einbeziehen.
Darüber hinaus gastieren aber
auch Ensembles, wie zum Beispiel
jüngst das Wolfgang-Borchert-
Theater aus Münster in der neu
gestalteten Aula. Und da spürt
jeder, dass es beim Theater um
die Höhen und Abgründe des
Menschen geht, um seine Suche
nach Sinn.
21.01.
Offener Brief führender
CDU-Politiker zu „Viri
Probati“ (gegen Pflicht-
zölibat)
2011
12.11.
„Winter im Sommer –
Frühling im Herbst.
Erinnerungen“,
Lesung Joachim Gauck
2010
2010 bis 2013
„50 Jahre Zweites
Vatikanisches Konzil“,
Akademieabend-
Reihe
25.09.
„Wege durch die Krise. Wie die Kirche
mit Missbrauchsfällen umgeht“,
Theo Paul, Generalvikar Bistum
Osnabrück; Christoph Haverkamp,
NOZ
69
_ Kunst und Kultur
Kulturelle Bildung
Musik
Eine besondere Rolle spielt die Musik. Anfangs
gastierte das Osnabrücker Sinfonieorchester gele-
gentlich im LWH. Wichtig für die Entwicklung wurde
das neue geistliche Lied, vor allem in den 70er und
80er Jahren tauchen immer wieder die Namen Piet
Janssens und Ludger Edelkötter auf, aber auch die
Gruppe Kontakte aus Lippstadt ist regelmäßig zu
Gast, insbesondere zum Holthausener Sonntagsfo-
rum. Siegfried Fietz gestaltet in den letzten Jahren
im Advent ein Musical mit Familien. Kirchenmusiker
konnten aber auch mit Olivier Messiaen auf ihre
Kosten kommen.
Großer Beliebtheit
erfreute sich die musi-
sche Werkwoche, die
über zwei Jahrzehnte
bis 2009 Religionsleh-
rerinnen und Religions-
lehrer, Erzieherinnen
und Erzieher aus den
Bistümern Osnabrück,
Hildesheim, Hamburg,
Paderborn und Münster
angezogen hat. Die
Faszination entstand
vielleicht durch die
Mischung. Alle Künste
kamen zum Tragen, eine
ganz andere Art der Got-
tesdienstvorbereitung
war möglich. Aus dieser
Kreativität erwuchsen viele Impulse für Unterricht
und Kindertagesstätte.
Bildende Kunst
Malerei prägt bis heute das Gesicht des LWH. Gerade
durch seine Ausstellungen erhält das Haus immer
eine besondere Note und Atmosphäre. Und nach
der Renovierung kommen die Werke vor den wei-
ßen Wänden noch besser zur Geltung. Man kommt
einfach „ins Gespräch“ mit den Bildern und mit den
Künstlern.
Und manchmal sind dann auch die ganz Gro-
ßen zu Gast, wie zum Beispiel Markus Lüpertz im
Gespräch mit Bischof Friedhelm Hofmann aus
Würzburg. Fazit ihres Dialogs über die Beziehung
von Kunst und Kirche: Die Kunst vermag etwas
zum Ausdruck zu bringen, wozu die Sprache kaum
mächtig ist. „Damit das Göttliche in der Welt erkannt
wird, bedient sich Gott der Künstler.“ Es gab Zeiten,
da wurden kunstgeschichtliche Seminare im LWH
angeboten, zum Beispiel über Max Beckmann oder
Josef Beuys.
Kunst wurde für das LWH in dem Augenblick
praktisch erfahrbar, als es darum ging, dem Neubau
Chöre kommen besonders gerne ins LWH: Sie fnden in den verschiedenen Räumen
ideale Probebedingungen. Abschließende Auftritte in den Gottesdiensten benach-
barter Gemeinden fnden regen Zuspruch.
19.03.
† Werner Remmers,
LWH-Gründungsdirektor
2011
11.03.
Nuklearkatastrophe
von Fukushima
17.03.
Stellungnahme der
Deutschen Bischofs-
konferenz zur PID
(Plädoyer für ein
klares Verbot)
08.03.
Veranstaltung zur Ober-
schule mit Staatssekretär
Stefan Porwol, niedersäch-
sisches Kultusministerium
09.03.
„Einmischen als Christenpflicht“
(u.a. mit Hermann Kues MdB,
Mit unterzeichner des offenen
Briefes)
März
Schulreform: Gesetz-
entwurf zur Einführung
der Oberschule in
Niedersachsen
04.02.
Professoren-Memorandum
„Kirche 2011 –
Ein notwendiger Aufbruch“
70
_ Kunst und Kultur
Kulturelle Bildung
von 1972 mit Aula und Foyer ein neues Gesicht zu
geben. Über die künstlerische Ausgestaltung des
Gebäudes durch den Papenburger Maler Ferdinand
Hees wurde viel diskutiert. Die gesamte Anlage
sprach von großem Mut der Bauherren. Bei der
Renovierung im Jahr 2012 wurde darauf geachtet,
dass die charakteristische Formensprache des Künst-
lers erhalten bleibt.
Auch Karikaturen gehören zu einem Haus, das
aktuelle gesellschaftspolitische Fragen disku-
tiert und die politische Bildung auf seine Fahnen
geschrieben hat. Im Jubiläumsjahr 2012, zum 200.
Geburtstag Windthorsts, mussten daher Karikaturen
ins LWH, war Windthorst selbst doch dankbares
Opfer der Karikaturisten seiner Zeit. Mit Frank Hopp-
mann konnten wir einen Karikaturisten gewinnen,
der sich nicht in der schnelllebigen Tagesaktualität
verliert, sondern eher ins Innere der Politiker schaut:
„Politköpfe – Satirische Portraits von Bismarck und
Windthorst bis zu Steinbrück und Merkel“, lautete
denn auch das Motto jener Ausstellung, die im
Hannoveraner Landtag und im LWH stattfand. ❚
Einer der „Politköpfe“ aus der gleichnamigen
Karikaturen-Ausstellung von Frank Hoppmann:
Angela Merkel.
Der verstorbene Papenburger Lehrer und Künstler
Ferdinand Hees hat dem LWH in den 60er und 70er
Jahren seinen künstlerischen Stempel aufgedrückt.
Hier die ehemaligen Türen zur Kapelle mit Motiven
der pfngstlichen Geistsendung.
31.03.
„Gott ist größer als
wir glauben“,
Annette Schavan
(CDU) und Volker
Resing
11.04.
Podiumsdiskussion
„Kernenergie nach
Fukushima“
Juni
Bundestag beschließt
Atomausstieg bis 2022
Mai 2011 – Sept. 2012
Auslagerung der Religions-
pädagogischen Arbeitsstelle
in die ehem. Buchhandlung
van Acken
ab 01.06.
Sanierung von Aula,
Foyer und Kapelle
(Stephanswerk Osna-
brück/Ulrich Tilgner,
Bremen)
71
_ Kunst und Kultur
Kulturelle Bildung
Tanzen verbindet
Traditionsreiches Angebot im LWH
Maria Brand
Getanzt wird im LWH schon lange: In den frühen
80er Jahren fnden sich bereits Wochenenden unter
dem klingenden Titel „Tanz und Geselligkeit“ für
Familien und die Fortbildungen für Kindertagesstät-
ten machen Angebote zum Thema Rhythmus und
Tanz.
1977 gründete sich der Bundesverband Senioren-
tanz e.V. Ähnliche Verbände fnden sich in ganz Euro-
pa und sogar in Brasilien (gegründet von deutschen
Auswanderinnen).
Der Verband entwickelte eine Methode der
rhythmischen Tanzansage, die die Vermittlung der
Tänze auch für ungeübte Tänzer/innen möglich
macht. Gleichzeitig werden die Tänze, die aus dem
Tanzbereich der deutschen und internationalen Fol-
klore stammen oder selber choreografert werden,
altersgemäß angepasst. Dabei wird auf schwierige
Sprünge und Drehungen verzichtet.
Im LWH wurden Mitte der 80er Jahre im Bereich
Untrennbar sind Tanzseminare im LWH mit dem Namen Sr. Annette Ferneding verbunden, die ihre Teilnehmer-
innen und Teilnehmer mit ihrer eigenen Tanzleidenschaft ansteckte.
06.03.
„Vielfalt statt Einfalt“,
Hans Wocken,
Hamburg
Januar
Neuordnung der
Lehrerfortbildung
in Niedersachsen
17.01.
200. Geburtstag
Ludwig Windthorst
01.01.
LWH Kompetenzzentrum
für Lehrerfortbildung mit
der Universität Vechta
und HÖB Papenburg
2012 2011
28.11.
„Ehrliche Arbeit“,
Norbert Blüm
(CDU)
27.06.
„Inklusion. Herausforderung
für die Bildung“,
Annebelle Pithan, Münster
72
_ Kunst und Kultur
Tanz
der Altenpfege erste Ausbildungskurse für das
Tanzen im Sitzen und auch das Tanzen auf der Fläche
angeboten.
Doch erst Sr. Annette Ferneding von den Mau-
ritzer Franziskanerinnen brachte den richtigen
Schwung: Von 1989 bis 1999 baute sie maßgeblich
das Seniorentanz-Angebot auf und aus. Noch heute
ist sie vielen Tanzleiterinnen in bleibender Erinne-
rung. Mit ihrer Tanzbegeisterung und ihrem Tempe-
rament proflierte sie diesen Bereich. Eine tanzende
Schwester, das war ungewöhnlich und für viele eine
Bereicherung und positive Überraschung.
Seit zwei Jahrzehnten werden im LWH in Koope-
ration mit dem Bundesverband Tanzleiterinnen aus-
gebildet. Das Haus genießt einen ausgezeichneten
Ruf, so dass viele Tänzerinnen und Tänzer seit Jahren
mit ihren Gruppen wiederkommen. Über die Ausbil-
dung hinaus können die Tanzleiterinnen ihr Wissen
in den unterschiedlichsten Tanzformen vertiefen.
Dabei reicht das Angebot von Square-Contra und
Rounddance über Linedance und Folklore bis hin zu
Angeboten im meditativen Tanz.
Tanzen verbindet: Das gilt auch für die Gruppen,
die im LWH zusammentrefen. Da Tanz zudem inter-
national ist, kann er auch Sprachbarrieren überwin-
den. So entstehen immer wieder berührende und
prägende Begegnungen. ❚
Tanzen im Sitzen – ein Angebot, das seit vielen Jahren immer wieder nachgefragt wird. Über die Bewegung fnden
Menschen zueinander, entspannen und öfnen sich und werden auf diese Weise bereichert.
12.–18.03.
Festwoche zum 200. Geburtstag von
Ludwig Windthorst mit Einweihung
des umgestalteten LWHs
73
_ Kunst und Kultur
Tanz
Werte – Wissen – Wandel
Herausforderungen an ein zukunftsfähiges Bildungshaus
Michael Reitemeyer
74
„Leben und Lernen unter
einem Dach“ neu denken
Am 26. April dieses Jahres wurde in Hannover eine
Studie über Profl und Zukunftsperspektiven für die
Heimvolkshochschulen in Niedersachsen vorgestellt.
Hier einige zentrale Botschaften dieser Studie:
• In einer Heimvolkshochschule sollen Menschen
ausreichend Zeit haben, um zu lernen; Zeit zum
Nachfragen, zum Austausch, zur Vertiefung. Für
gelingendes Lernen sind Geduld, Muße, Zuhören
und Nachdenklichkeit nötig.
• Das Leitmotiv der Heimvolkshochschulen vom
„Leben und Lernen unter einem Dach“ wird in
diesem Gedanken neu entfaltet. Nur mit ausrei-
chender Zeit sind nachFRAGEN und querDENKEN
möglich, der Erwerb von Hintergrundwissen, das
man nicht ohne weiteres aus dem Netz ziehen
kann.
• Menschen gewinnen Abstand vom Alltag. Der Kopf
wird frei für neue Gedanken.
• Die Heimvolkshochschulen schafen einen Raum,
in dem Begegnung zwischen den Teilnehmenden
gestiftet wird, das heißt: In Gesprächen am Rande
lernen unsere Gäste mindestens so viel wie in den
Seminareinheiten selbst.
• Die Arbeit der Heimvolkshochschulen sensibilisiert
die Teilnehmenden für ihre Verantwortung im
Gemeinwesen.
• Heimvolkshochschulen bieten den notwendigen
Frei- und Schutz-Raum für die Auseinandersetzung
mit Sinnfragen.
Diese Punkte bilden seit 50 Jahren
Wesensmerkmale der Arbeit im LWH.

Herausforderungen
Die Herausforderungen sind vielfältig
und können nur durch gemeinsame
Anstrengungen aller Beteiligten
bewältigt werden. Zu diesen Heraus-
forderungen gehören
• in einer beschleunigten Gesellschaft
die immer kürzere Verweildauer in
unseren Einrichtungen. Dauerten
Kurse im LWH vor 25 oder 30 Jahren
oft zwei Wochen oder länger, so liegt der durch-
schnittliche Aufenthalt heute bei ca. 1,5 Tagen. Es
gilt, für den Zeitfaktor beim Lernen zu werben;
• ein verlässliches Gegenüber in Politik und Ver-
waltung: Wir haben unsere Volksvertreter wie
unsere Ansprechpartner auf kommunaler, Landes-,
Bundes- und Europaebene bislang als verlässlich
erlebt, als aufgeschlossen für unsere Arbeit und
sehr interessiert. Möge das so bleiben;
Baustelle: In den 50 Jahren seines Bestehens vollzog das LWH so
manchen Wandel – nicht nur, aber natürlich auch baulich.
»
2012
März
Dekanats-
katholikentag
Emsland-Süd
März
LWH veröffentlicht Buch
zum 2. Vatikanischen Konzil:
„Das Feuer brennt weiter“
75
_ Werte – Wissen – Wandel
Ausblick und Dank
• ein Plus an Formalitäten bei Antragsverfahren. Die
formalen Anforderungen von Antragstellung und
Abrechnung müssen überschaubar bleiben und
dürfen nicht die gesamte Arbeitskraft absorbieren;
• mehr denn je die Einwerbung von Drittmitteln. Sie
wird zeitintensiv sein, aber sie ist von existentieller
Bedeutung;
• die wachsende Bedeutung unserer Kooperati-
onspartner. Der Bedarf, auf den unser Bildungs-
angebot reagiert, ergibt sich oft genug aus
Kooperationen. Es gilt, Kooperationspartner zu
pfegen, Netzwerke zu intensivieren. Das bedeu-
tet, Faktoren für eine gelingende Partnerschaft auf
Augenhöhe zu erarbeiten.
Katholisch-Soziale Akademie
Das LWH ist nicht nur Heimvolkshochschule, son-
dern auch Katholisch-Soziale Akademie des Bistums
Osnabrück. Diese „Doppelnatur“ ist eine dankbare
Herausforderung.
Eine Einrichtung, die im „Vorhof“ der Kirche arbei-
tet, hat die einmalige Chance, die Sinnfrage immer
wieder aufzuwerfen, ohne gleich missionarisch-
vereinnahmend zu
wirken. Aber sie hält
diese Suchbewe-
gung des Menschen
nach seinem Woher
und Wohin wach.
Und schon Karl
Rahner wusste, dass
dieses Fragen den
Menschen vom Tier
unterscheide. Wer
diese Frage nicht
mehr stelle, kreuze
sich zum fndigen
Tier zurück.
Ein Thema, das
uns – nicht zuletzt
als Frucht des
Windthorst-Jubilä-
ums 2012 – weiter intensiv beschäftigen wird, ist das
Verhältnis zwischen Staat und Religion. Unser Staat
ist weltanschaulich neutral. Das aber heißt nicht,
dass Religion keinerlei Rolle spielen dürfte oder gar
als irrationale Privatmarotte von Exoten gesehen
werden könnte. „Die religiösen Traditionen können
dafür sorgen, dass Wertfragen, Wahrheitsfragen und
Themen kultureller Bindung nicht aus den zivilgesell-
schaftlichen, öfentlichen Diskursen herausgedrängt
werden“ (Karl Gabriel).
Auch für Jürgen Habermas ist die Demokratie
auf Haltungen angewiesen, die aus vorpolitischen
Quellen wie religiösen Lebensentwürfen stammen.
Bekannte Formen an neuem Ort: Die Werke des Künstlers Ferdinand Hees schmücken
jetzt die Flure des Gästehauses D und spiegeln so die traditionelle (Kunst-) Geschichte
des Hauses.
06.01.
† Walter Klöppel,
zweiter Leiter des LWH
20.01.
Landtagswahl,
Stephan Weil (SPD),
Ministerpräsident
Niedersachsens
28.02.
Rücktritt
Papst Benedikts XVI.
23.03.
Gesetz zur Einführung
der inklusiven Schule
in Niedersachsen ab
Schuljahr 2013/2014
2012 2013
November
Beginn des Umbaus
Gästehaus E („Betten-
trakt“; Planung/
Umsetzung: Stephans-
werk Osnabrück)
76
_ Werte – Wissen – Wandel
Ausblick und Dank
Obgleich solche religiösen Prägungen nicht als
normative Vorgaben für demokratische Verfahren
gelten könnten, würden sie als Hintergrund und
Motivation für die Demokratie eine große Rolle
spielen.
Eine Akademie hätte ihre Aufgabe verfehlt, wenn
sie dieses fruchtbare Spannungsverhältnis von Staat
und Religion nicht immer wieder zum Gegenstand
ihres nachFRAGENs – querDENKENs – mitWIRKENs
machen würde.
Wir haben die große Chance, Themen tiefer zu
durchdringen als es in den gängigen Talkshows der
öfentlichen und privaten Fernsehsender geschieht.
Wir hofen, dass diese Gesellschaft ein menschliche-
res Antlitz erhält, indem wir nachFRAGEN, quer-
DENKEN und mitWIRKEN. Ein hoher Anspruch, aber
darunter dürfen wir es nicht tun.
Dank
Am Ende soll die Dankbarkeit stehen. Dass wir die
50 Jahre erreicht haben, ist ein Geschenk. Dank-
bar dürfen wir allen Mitarbeitenden sein, die all
die Jahre für das Haus gearbeitet haben; dankbar
einem Bistum, das sich ein LWH leistet und der
Erwachsenenbildung aus Überzeugung breiten
Raum gibt; dankbar den Entscheidungsträgern in
Politik und Verwaltung auf allen Ebenen, die die
Entwicklung des LWH mit Wohlwollen und Unter-
stützung begleiten; dankbar einer Nachbarschaft,
die mit liebevollem
Interesse die Geschi-
cke des LWH ver-
folgt; dankbar den
vielen Kooperations-
partnern, die mit uns
ideenreich und krea-
tiv zusammenarbei-
ten; dankbar unseren
Gästen und unseren
Referenten, die mit
ihren Impulsen, ihren
Anregungen und
ihrem Dasein das
Haus prägen; dank-
bar dem Trägerver-
ein, der in vielerlei
Hinsicht Halt gibt
und Resonanzraum
ist; dankbar vielen
anderen Menschen,
die dem Haus
verbunden sind. Dankbar dürfen wir Gott sein, der
uns all die Jahre getragen hat – beim nachFRAGEN,
querDENKEN und mitWIRKEN. ❚
Transparenz und Profl – die neuen Türen der Aula.
13.03.
Wahl
Papst Franziskus
02.06.
Klaviermatinee,
Klasse Peter
von Wienhardt,
Musikhoch-
schule Münster
18.06.
Ernennung von
Johannes Wübben
zum Weihbischof
in Osnabrück
29.07.
† Altbischof
Ludwig Averkamp
14.03.
„Staat und Kirche – Anmerkungen
zur verfassungsrechtlichen Stellung
der Religionsgemeinschaften nach
dem Grundgesetz“, Jörn Ipsen
77
_ Werte – Wissen – Wandel
Ausblick und Dank
Netzwerk LWH
Tragfähige Verbindungen nach innen und außen
René Kollai
78
Seit der Gründung des Ludwig-Windthorst-Hauses
wurde deutlich, dass sich eine katholische Akademie
in Lingen-Holthausen nur in starker Verzahnung
mit vielen Partnern aus Kirche, Politik und gesell-
schaftlichem Leben entwickeln kann. Im Laufe
der Jahre entstand auf diese Weise ein buntes und
sich zunehmend diferenzierendes Netz von Kon-
takten, Partnerschaften, Kooperationen bis hin zu
Trägerschaften.
Schon 1964 übernahm das LWH die Trägerschaft
des neu errichteten Kindergartens St. Ansgar für die
beiden Gemeinden Holthausen und Biene. Aus der
Fortbildung für Religionslehrkräfte entwickelte sich
seit Anfang der 1970er Jahre aus der Hausbibliothek
des LWH die religionspädagogische Arbeitsstelle
(RPA), die heute neben den beiden RPA’s des Bistums
Osnabrück in Osnabrück und Papenburg weiterhin
wichtige Anlaufstelle in der Region ist.
Aus der sozialräumlich-orientierten Ehrenamts-
förderung des LWH erwuchs über ein Modellprojekt
der KBE (Kath. Bundesarbeitsgemeinschaft Erwach-
senenbildung) auf Bundesebene im Jahr 2007 die
WABE als koordinierende Ehrenamtsbörse in der
Kommune Holthausen-Biene. Seit Frühjahr 2013 ist
die Trägerschaft des LWH in den Verein WABE e.V.
übergegangen.
Die enge Verbindung zwischen Bildungshaus
(LWH) und „ambulanter“ Erwachsenenbildung
(KEB) spiegelt sich bis heute darin wieder, dass die
Geschäftsstelle der KEB-Lingen ihr Büro im Haus hat.
Auch im Rahmen der Regionalisierung des Bischöf-
lichen Seelsorgeamtes Anfang der 2000er Jahre
haben die Bereiche Frauenseelsorge, Alleinerziehen-
denpastoral und Kita-Pastoral ihre Beheimatung im
LWH gefunden.
Über diese Bereiche hinaus, die durch die räum-
liche Nähe zum Haus das innerste Netzwerk bilden,
steht das LWH in unzähligen lokalen bis bundeswei-
ten Kooperationen: von der Lingener Arbeitsgemein-
schaft der Erwachsenenbildung, der Beratungsstelle
LOGO des Kinderschutzbundes, über den Landkreis
Emsland, die Bildungsregion Emsland, viele Schulen
und Behinderteneinrichtungen der Region, das
Bistum Osnabrück, den Diözesan-Caritasverband,
den Heimvolkshochschulverband Niedersachsen,
den Leiterkreis der kath. Akademien Deutschlands
bis hin zur Arbeitsgemeinschaft Katholisch-Sozialer
Bildungseinrichtungen (AKSB). Neben den hier in
Auswahl genannten Verbindungen verfügt das LWH
über viele weitere Verbindungen, die z.T. projekt-
bezogen entstehen oder auch über einen längeren
Zeitraum die Grundlage für gemeinsame Veranstal-
tungen bilden.
Das vielschichtige Netzwerk des LWH begründet
sich aus drei zentralen Überlegungen: 1. Zur Veran-
kerung in der Region bedarf es vielfältiger Kontakte
und Verbindungen; 2. Qualitätsorientierte Bildungs-
arbeit des LWH ist auf Zusammenarbeit mit unter-
schiedlichen Fachverbänden und Organisationen
angewiesen; 3. Attraktive Bildungsveranstaltungen
lassen sich aus organisatorischen und fnanziellen
Gründen leichter in bewährten Kooperationen
entwickeln und durchführen.
Ein Netzwerk ist jedoch immer nur so stark wie
die Partner, die es tragen. Deshalb ist und bleibt es
weiterhin ein zentrales Ziel des LWH, ein erfahrener
und verlässlicher Partner in Fragen der Organisation
von Bildungsveranstaltungen zu sein – als auch in
den zuvor beschriebenen inhaltlichen Themenbe-
reichen des Hauses als fachlich kompetenter Partner
zum gegenseitigen Nutzen für alle beteiligten
Kooperationspartner mitzuwirken. ❚
79
_ Netzwerk LWH
Nationale Ausstrahlung
Ludwig-Windthorst-Stiftung
Johannes Kröger
Typisch Werner Remmers: Aus Anlass seines 50.
Geburtstages lud er dazu ein, nicht ihm per-
sönlich Geschenke zu machen, sondern Geld
für die Gründung einer Stiftung zu spenden.
Aus dieser Idee entstand 1982 die Ludwig-
Windthorst-Stiftung. Ihr Hauptzweck ist es, die
Verdienste Ludwig Windthorsts um die Gestal-
tung der gesellschaftlichen und politischen
Ordnung und um die Stärkung der christlich
sozialen Bewegung des ausgehenden 19.
Jahrhunderts zu würdigen. Sein Engagement
als christlicher Politiker und sein unermüdliches
Eintreten für benachteiligte Minderheiten und
demokratische Rechte im Deutschen Reich
sollen als Vorbild lebendig gehalten werden.
Die Früchte ihrer Arbeit in den ersten 30 Jah-
ren ihres Bestehens erntete die Stiftung im Jahr
2012 bei den Feierlichkeiten zum 200. Geburts-
tag Windthorsts: In bundesweit über 50 Veran-
staltungen konnte mehr als 5.000 Personen das
Wirken Windthorsts näher gebracht werden.
„Sein Weitblick wird am deutlichsten in Fra-
gen der religiösen Toleranz sichtbar. Hier ist er
Visionär. Dabei geht es immer um konsequente
religiöse Toleranz als Grundlage des modernen
Staates. Man darf annehmen, dass er sich heute
für den islamischen Religionsunterricht an unse-
ren Schulen stark gemacht hätte, ebenso wie
für den Bau von Moscheen“, betonte Stiftungs-
vorsitzender Dr. Hermann Kues die Aktualität
Windthorst´schen Denkens.
In vielen Kooperationen unter anderem
mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Katho-
lischen Akademie in Berlin und dem Gymna-
sium Carolinum in Osnabrück konnten für die
Veranstaltungen prominente Köpfe gewonnen
werden: So engagierten sich Prof. Dr. Bernhard
Vogel (Ministerpräsident a. D.), Bundestags-
präsident Prof. Dr. Norbert Lammert, Bischof
Franz-Josef Bode und der Präsident des Zentral-
rates der Katholiken, Alois Glück, in der „Sache
Windthorst“.
Sie und viele andere erreichten mit ihrem
Engagement eine nationale Ausstrahlung, die
sich in überregionalen Pressestimmen spie-
gelte. Allerdings verdankt sich der Erfolg ganz
wesentlich auch all jenen, die sich seit 1982 in
vielfältiger Weise für die Stiftung eingesetzt
haben. Die Stiftungsarbeit lebt unter anderem
von den jährlichen Tagungen, bei denen immer
wieder auch Ergebnisse der wissenschaftlichen
Aufarbeitung des Erbes Ludwig Windthorsts zur
Sprache kommen. So wurde zum 100. Todestag
Windthorsts 1991 eine Edition seiner Briefe in
80
_ Netzwerk LWH
Ludwig-Windthorst-Stiftung
Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert beeindruckte
am 28. November 2010 als Redner.
zwei Bänden veröfentlicht. Vor allem fördert die
Stiftung junge Erwachsene, die sich über Schule, Stu-
dium und Beruf hinaus aus einer christlich–sozialen
Grundhaltung im Sinne Windthorsts gesellschaftlich
engagieren – ein Anliegen, dem sich der Arbeitskreis
Ludwig Windthorst, kurz: „LuWis“, widmet (siehe
Seite 34–35).
Die Stiftung hat sich dem politischen und christ-
lichen Erbe ihres Namensgebers verschrieben – eine
Aufgabe, die im Ludwig-Windthorst-Haus und weit
darüber hinaus Impulse für den gesellschaftspoliti-
schen und kirchlichen Diskurs geben wird. ❚
Ein Plädoyer für Nachhaltigkeit im Denken und Handeln hielt der Vorsitzende des
Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, im Rahmen der Festakade-
mie zur Jahrestagung der Ludwig-Windthorst-Stiftung 2012.
Hoher Besuch zu Ehren Ludwig Windthorsts: v.l. der bereits verstorbene Bischof von
Stockholm, Dr. H. Brandenburg, der ehemalige Bundestagspräsident W. Thierse,
LWH-Leiter R. Jackels, Dr. W. Remmers und Bischof Dr. F.-J. Bode.
81
_ Netzwerk LWH
Ludwig-Windthorst-Stiftung
_ Netzwerk LWH
Kindergarten St. Ansgar
Seltenes Erfolgsmodell
Kindergarten St. Ansgar
Mechthild Schröers, René Kollai
Im Kindergarten St. Ansgar haben viele Kinder von
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des LWH wichtige
soziale Erfahrungen gemacht. Dennoch haben die
Verantwortlichen in Bistum, Stadt und Landkreis
Lingen sicherlich keine „Betriebskita“ im Blick gehabt,
als sie 1964 gleich vis à vis des jungen „LWH“ einen
Kindergarten für die beiden Ortsteile Holthausen
und Biene gründeten und den damaligen Leiter
Dr. Werner Remmers baten, die Trägerschaft zu
übernehmen. Bis heute ist dieses Modell im Bistum
Osnabrück einzigartig; in der Regel sind katholische
Kirchengemeinden Träger der Kindertagesstätten.
Heute ist die Einrichtung, die anfangs wegen Platz-
mangels nur 5-jährige Kinder aufnehmen konnte,
eine hochdiferenzierte, moderne Stätte frühkindli-
cher Bildung mit fünf unterschiedlichen Gruppenan-
geboten und einer möglichen Betreuungszeit von
07:30 bis 16:30 Uhr.
Der seit 49 Jahren bestehende Kindergarten
St. Ansgar hat sich – wie das LWH – auch baulich
verändert: Von 1964 bis 1984 war er in einem Gebäu-
de direkt gegenüber dem LWH angesiedelt, welches
bis heute liebevoll „Alter Kindergarten“ genannt
wird. Nach Fusion der beiden Grundschulen von
Holthausen und Biene im Jahr 1984 zog der Kinder-
garten in das Gebäude der Volksschule Holthausen
an der Kroppstraße um. Mehrfach wurde dieser
Einweihung des katholischen Kindergartens Holthausen-Biene am 01.07.1964. Das Kindergartengebäude 1964-1984, gegenüber vom LWH.
82
1954 erichtete Bau den steigenden pädagogischen
Ansprüchen entsprechend umgebaut und erweitert
– zuletzt 2012 im Rahmen einer radikalen Sanierung:
Das moderne Haus mit seiner 5.700 qm großen
Außenfäche bietet aktuell 100 Kindern im Alter von
einem bis sechs Jahren hervorragende Entwick-
lungs- und Lernmöglichkeiten. Das 20 pädagogische
Mitarbeiterinnen zählende Team wird seit 1989 von
Mechthild Schröers geleitet.
Die einzigartige Trägerstruktur bietet beiden
Partnern – Kita und LWH – vielfältige Gestaltungs-
möglichkeiten: So proftieren die Erzieherinnen und
Kindergarteneltern von den Fortbildungsangeboten
des LWH im Bereich frühkindlicher Bildung. Gleich-
zeitig stellt die Kita St. Ansgar für das LWH ein Praxis-
feld dar, um Themen und Fragestellungen frühkind-
licher Pädagogik zu entdecken und zu überprüfen.
Schließlich leistet das LWH mit der Kita St. Ansgar
einen wichtigen Beitrag für das soziale Leben in
Holthausen-Biene. ❚
Seit 1984 ist der Kindergarten St. Ansgar im Gebäude der ehemaligen Volksschule
Holthausen an der Kroppstraße.
Viel Platz bietet – innen und außen – das aktuelle Kindergartengebäude nach der
Grundsanierung 2012.
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_ Netzwerk LWH
Kindergarten St. Ansgar
Moderne Medienstelle
Religionspädagogische Literatur im LWH
Mia Dornieden
Schon seit Bestehen des LWH gibt es eine Haus-
bibliothek. Diese diente den Referenten zunächst
als Handapparat für ihre Kursarbeit. Da es zudem
von Beginn an sehr viele Lehrerfortbildungen
für das Fach Religion gab, sammelte sich in der
Hausbibliothek schnell ein Bestand an religionspäda-
gogischer Literatur an. 1977 beauftragten das Bistum
Osnabrück und die damalige Hausleitung die neue
Bibliotheksleiterin Mia Dornieden damit, eine religi-
onspädagogische Arbeitsstelle aufzubauen und zu
leiten: Damit sollten den Religionslehrerinnen und
Religionslehrern im Emsland Hilfen für ihre Arbeit in
der Schule an die Hand gegeben werden. Im Laufe
von fast vier Jahrzehnten wurde der Bestand immer
wieder erweitert und an die medientechnischen
Die Medienstelle vor dem Umbau. Der Eingang zur Religionspädagogischen Arbeitsstelle heute.
84
_ Netzwerk LWH
Religionspädagogische Arbeitsstelle
Anforderungen angepasst.
Während der Umbauphase im LWH in den Jahren
2011 und 2012 sichtete das Medienstellen-Team mit
Unterstützung der Medienstelle Osnabrück den
gesamten Bestand, entrümpelte und sortierte neu.
Heute stehen rund 8.000 Bücher, 250 DVDs und 200
CDs, 50 CD-ROMs und 420 Bilder- und Foliensets zu
religiösen Themen zur Verfügung. Eine Fundgru-
be für Religionspädagoginnen und -pädagogen,
Erzieherinnen und Erzieher, Priester, Pastoral- oder
Gemeindereferentinnen und –referenten sowie alle,
die ehrenamtlich in der Gemeindekatechese tätig
sind. Über 265 Themenschuber, dazu Schulbücher
und Lehrerhandbücher, Arbeitshilfen zur Religions-
pädagogik und didaktisches Material unter anderem
zu Erstkommunion, Firmung, Erwachsenen- und
Seniorenarbeit sowie Vorschläge zur Gestaltung von
Gottesdiensten stehen bereit. Der Bestand ist auf
der Homepage des Bistums Osnabrück im Internet
einsehbar.
Die Medienstelle ist dienstags und donnerstags
von 13.30 Uhr bis 19.30 Uhr geöfnet. Aktuell werden
jährlich rund 15.000 Bücher und Medien entliehen.
Nach dem Umbau präsentiert sich auch die
Arbeitsstelle selbst in neuem Ambiente: Ein neuer
Boden, moderne Möbel und eine deutlich hellere
Beleuchtung laden ein zum Stöbern und Verweilen.
Bischof Bode segnete die neuen Räumlichkeiten im
Herbst 2012. ❚
Einweihung der renovierten RPA im Rahmen des diözesanen Religionslehrertages am 13.09.2012. Von links:
S. Behlau, M. Zickwolf, M. Dornieden, Dr. M. Reitemeyer, Sr. Angela Maria Bordewick und Bischof Dr. F.-J. Bode.
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_ Netzwerk LWH
Religionspädagogische Arbeitsstelle
Orte zum Leben
KEB ist „unterwegs zu den Menschen“
Gisela Bolmer
„Anziehen, gewinnen, vernetzen, leben, darum geht
es in unserer Bildungsarbeit; neugierig machen,
Augen öfnen, unterscheiden lernen, Gaben und
Fähigkeiten miteinander verbinden, Knotenpunkte
entdecken, ‚Land‘, d.h. Orte zum Leben fnden.“ So
beschrieb Bischof Franz-Josef Bode die Aufgabe der
Katholischen Erwachsenenbildung in seiner Predigt
im Festgottesdienst zum 50. Jubiläum der KEB Nie-
dersachsen am 6. Juli 2006 in Hannover.
Diese „Orte zum Leben“ sucht die Katholische
Erwachsenenbildung Lingen auf, sie erfüllt ihren
Auftrag dort, wo die Menschen leben und wohnen:
in den Kirchengemeinden, Vereinen und Verbänden,
in kleinen Bauernschaften und den Zentren der
Samtgemeinden.
Um diesem Auftrag näher zu sein, zog die KEB
1981 in das Ludwig-Windthorst-Haus. In der Ver-
knüpfung der Bildungsaufträge von Heimvolkshoch-
schule und Flächenerwachsenenbildung wollte man
dem Bildungsbedarf der Kirchengemeinden kompe-
tenter und fexibler nachkommen.
Ende der 80er Jahre kam zunächst zaghaft, dann
aber mit Power, auch die Frauenbildung ins Emsland.
Ausgehend vom „Frauen Café“ und den „Holthause-
ner Frauenwochen“ im LWH schlugen Frauenveran-
staltungen Wellen bis in die kleinste Ortschaft.
In bewährter Kooperation mit dem LWH und der
Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd),
Diözesanverband Osnabrück, wurden frauenpoli-
tische (und damit häufg auch familienpolitische)
Themen diskutiert, Qualifzierungen für Ehrenamtli-
che und Frauen nach der Familienphase entwickelt
und durchgeführt.
Im LWH wurden zentrale Fragestellungen in
Workshops, Studientagen und Akademieabenden
bearbeitet, die dann ihren Niederschlag und ihre
Nachhaltigkeit in den vielen Veranstaltungen vor Ort
in den Gemeinden und Verbänden fanden.
Genau so soll es sein: Wenn die großen Themen
in Politik, Kirche und Gesellschaft nachhaltig wirken
sollen, müssen sie vor Ort ihren Widerhall fnden.
Erst durch Multiplikatoren wie Ehrenamtliche,
Kursleiter und Dozenten fnden diese Themen ihren
erwachsenenpädagogisch angemessenen Transfer
in den Alltag und Lebensraum der Menschen in den
Gemeinden.
Daher geht die KEB mit ihren Angeboten in die
Kirchengemeinden, zu den jungen Familien mit
ihren Fragen zu Erziehung und dem Leben mit
Kindern; zu den Menschen im dritten und vierten
Lebensalter; in die Familienzentren, die sich nicht nur
den Kindern, sondern der ganzen Familie unterstüt-
zend zuwenden; zu den Verbänden und Vereinen,
die ihre gesellschaftlichen Fragen erörtern und
Ehrenamtlichkeit fördern.
Ermöglicht wird diese Arbeit durch die Unterstüt-
zung Ehrenamtlicher, die sich mit der entsprechen-
den Ortskenntnis für die Realisierung der verschie-
densten Kursangebote einsetzen. ❚
Als „Kirche in der Welt“ versteht sich die Katholische
Erwachsenenbildung mit ihrem Angebot, mit dem sie
ganz bewusst „in die Fläche“ geht.
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_ Netzwerk LWH
Katholische Erwachsenenbildung Lingen
Unsere Vorsitzenden
1976–2002: Josef von der Haar
2002–2009: Mechthild Wessling
Seit 2009: Prof. Dr. Joachim Thönessen
Außenstelle mittendrin
Bistum und LWH kooperieren
Sabine Gautier, Bärbel Grote
Anfang 2000 beschritt das Bistum Osnabrück einen
neuen Weg. Es wurde der Versuch unternommen,
die Familienseelsorge/Alleinerziehenden-Seelsorge
auch dezentral, in einer Region des Bistums, zu
verorten. So bezog im Januar 2000 Bärbel Grote,
Diözesanreferentin für Alleinerziehenden-Seelsorge,
ihr Büro im Ludwig-Windthorst-Haus in direkter
Nachbarschaft zur KEB Lingen. Seit 2012 ist der
neue Zuständigkeitsbereich von Bärbel Grote die
Kindertagesstättenpastoral.
Im September 2002 kam Pastoralreferentin
Hanne Büker hinzu, um auch die Frauenseelsorge für
das Bistum nicht allein aus der Zentrale in Osnabrück
zu gestalten. Im Sekretariat der Bürogemeinschaft
arbeitete Ute Remling-Lachnit schon seit 2001 für
das Bistum und die KEB.
Hanne Büker wechselte 2010 in die Leitung der
Krankenhausseelsorge des Bonifatiushospitals in
Lingen. Ihre Nachfolge in der Seelsorge-Außenstelle
trat Pastoralreferentin Sabine Gautier an.
Vor Ort und nah dran
In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass
der Versuch, in den Regionen verortet und damit
näher an den Zielgruppen zu sein, der richtige Weg
ist. Die Büros sind eine Außenstelle des Seelsorge-
amtes, aber mit ihrer inhaltlichen Ausgestaltung sind
sie zugleich mittendrin. Mittendrin im katholischen
Milieu, in der aktiven kfd-Verbandsarbeit, in der
Arbeit für den ökumenischen Weltgebetstag der
Frauen, in der Kooperation mit der Katholischen
Erwachsenenbildung, hier besonders in der Eltern-
Kind-Gruppenarbeit. Mittendrin auch in einem Bil-
dungszentrum, dem LWH. Eine gezielte Kooperation
im Bereich der Tagesveranstaltungen und Seminare
war die Folge. Seminare für Alleinerziehende, Vor-
bereitungsveranstaltungen zum Weltgebetstag der
Frauen, zur Woche für das Leben, frauenpolitische
Seminare, Kooperationen bei familien- und erzie-
hungsbezogenen Themen sowie im Fortbildungsbe-
reich der Kindertagesstätten verantworten Bistum
Osnabrück, KEB Lingen und LWH gemeinsam.
Insgesamt haben die Vernetzung und die gute
Zusammenarbeit des Bistums Osnabrück und des
LWH in den vergangenen Jahren viele Vorteile in der
inhaltlichen Ausgestaltung der Arbeitsfelder und der
Unterstützung der Menschen in ihren je unterschied-
lichen Lebens- und Arbeitssituationen hervorge-
bracht. ❚
Das starke Team von KEB und BGV: Margret Upschulte (KEB), Gisela Bolmer (KEB); Ute Remling-Lachnit;
Bärbel Grote (BGV) und Sabine Gautier (BGV).
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_ Netzwerk LWH
Seelsorgeamt, Außenstelle Lingen
Die WABE
Sozialer Knotenpunkt im Dorf
Andrea Osterhage
Seit 2006 gibt es das Zukunftsbüro Wabe im Linge-
ner Ortsteil Holthausen-Biene. Mittlerweile ist es
nicht mehr aus dem Ort wegzudenken. Wer umge-
zogen ist und nicht weiß, an wen er sich wenden soll,
fndet dort Hilfe. Wer einen Angehörigen verloren
hat und trauert, erfährt, wo er sich aussprechen
kann. Wer alleinerziehend ist und kein Netzwerk hat,
der wird hier aufgefangen.
In erster Linie bietet das Projektbüro Hilfe zur
Selbsthilfe an. Es ist so etwas wie ein Katalysator
für den sozialen Zusammenhalt im Ort. Hier wird
ein niederschwelliges Angebot für Familien und
Einzelpersonen in bestimmten, zum Teil schwierigen
Lebenssituationen vorgehalten.
Hier wird aber auch ehrenamtliches Engagement
nach Kräften unterstützt, oft auch in Zusammenar-
beit mit den örtlichen Vereinen, hier werden Projek-
te für und mit jungen Menschen initiiert, hier wird
zwischen Bevölkerung und Ortsrat oder Jugendpar-
lament vermittelt. Das Ziel dieser Arbeit ist, dass sich
alle Menschen in Holthausen-Biene zu Hause fühlen!
Jahrelang wurde nach Wegen gesucht, der
schleichenden Aufösung sozialer Strukturen im
Dorf entgegenzuwirken bzw. deren Folgen aufzu-
fangen. Holthausen-Biene ist ein „normales“ Dorf
mit gemischten Entwicklungstendenzen. Die Zahl
der Menschen, die nicht mehr sozial integriert sind,
steigt. Besonders die Zahl der Familien mit Kindern,
die in sozial und kommunikativ schwierigen Situ-
ationen leben, nimmt ständig zu. Damit zeigt der
Ortsteil Holthausen-Biene ein aktuelles Spiegelbild
der gesamtgesellschaftlichen Situation. Innerhalb
des Dorfes gibt es kleine „Siedlungsbereiche mit
städtischem Problemcharakter“ – keine sozialen
Brennpunkte, aber Räume dörficher Isolation. In
ihnen leben deutsche Familien genauso wie Familien
mit Migrationshintergrund.
Eine Arbeitsgruppe suchte kontinuierlich nach
Wegen, „abdriftende“ Familien zu unterstützen.
Diesem Arbeitskreis gehörten Vertreter der katho-
lischen und evangelischen Kirchengemeinde, die
Kindergartenleiterin, die Schulleitung der örtlichen
Grundschule, Mitarbeiter des städtischen Jugendam-
tes sowie Mitglieder des Ortsrates und die Leitung
des Ludwig-Windthorst-Hauses an. Mit Hilfe von
Fördermitteln des Bundes wurde dann das Projekt-
büro Wabe gegründet.
Bis heute steht die Wabe über einen „Beobach-
tertisch“ in engem Kontakt mit Kindergarten und
Schule, den Kirchengemeinden und dem Ortsrat.
Bis Februar 2013 war das Ludwig-Windthorst-
Haus Träger des Projektes. Nach dem Auslaufen
der fnanziellen Förderung durch die Stadt Lingen
wurde ein eigener Trägerverein Wabe e.V. ins Leben
gerufen, der die Arbeit der Wabe im Sinne ihrer
ursprünglichen Zielsetzungen weiterführt und vor
allem für den Aufbau einer tragfähigen fnanziellen
Basis sorgt. Das tut er gemeinsam mit den beiden
Mitarbeiterinnen, die auch bisher schon das „opera-
tive Geschäft“ der Wabe gemanagt haben und gerne
auch weiterhin als Ansprechpartnerinnen zur Verfü-
gung stehen. ❚
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_ Netzwerk LWH
Wabe
Wichtiger Seismograph
MAV: Der Dritte Weg im LWH
Daniel Dinklage, Vorsitzender der MAV
Die Mitarbeitervertretung (MAV) kümmert sich um
die Interessenvertretung der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter im LWH. Sie wird für vier Jahre gewählt
und besteht aktuell aus fünf Mitgliedern. Der
Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt in der Förderung
der berufichen, wirtschaftlichen und sozialen Belan-
ge der Mitarbeitenden. Sie nimmt sich der Sorgen
und Nöte der Kolleginnen und Kollegen an und
vertritt deren Anliegen gegenüber dem Dienstgeber.
Ein gutes Miteinander zwischen Dienstnehmern
und Dienstgeber ist für ein erfolgreiches Wirken
unverzichtbar. In diesem Sinne übernimmt die MAV
eine wichtige Aufgabe. Denn sie ist nicht nur eine
Art Seismograph für Stimmungen und Spannungen
im Kreis der Beschäftigten, sondern auch gleich-
berechtigter Partner bei Verhandlungen mit dem
Dienstgeber, ganz im Sinne des „dritten Weges“.
Die MAV im Ludwig-Windthorst-Haus hat eine
lange Tradition, es gibt sie bereits seit vielen Jahren.
Angefangen mit drei MAV-Mitgliedern hat sich diese
Zahl aufgrund der gestiegenen Mitarbeiterzahl des
LWH in den letzten Jahren auf fünf erhöht. ❚
_ Netzwerk LWH
Mitarbeitervertretung
Die jährlichen Betriebsausfüge werden von der MAV vorbereitet und durchgeführt, hier: Reholand Sommer 2011.
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_ Hinter den Kulissen
Impressionen
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_ Hinter den Kulissen
Impressionen
Gesucht – gefunden
Zivildienst und Freiwilligendienste
René Kollai
Am 13. Juli 1972 begann eine neue Ära im LWH: Der
erste Zivildienstleistende, Josef von Lehnden, trat
seinen Dienst anstelle des verpfichtenden Wehr-
dienstes bei der Bundeswehr an. Ihm folgten bis zum
31. Januar 2011 weitere 110 junge Männer, die den
Dienst mit der Wafe verweigert haben. Aus dem
anfänglich zögerlichen Projekt mit einem ersten
„Zivi“ entstand eine eigene „Säule“ im LWH, zu der im
Jahr 2001 zum Beispiel sechs Zivis gehörten. Die Liste
der Tätigkeiten war vielfältig: Dienst an der Rezep-
tion, Tätigkeit im Druckraum; Vor- und Nachberei-
ten von Seminarräumen, kleinere
hausmeisterliche Reparaturarbeiten;
Fahrdienste für Teilnehmer und
Referenten ebenso wie gärtnerische
Aufgaben im großen Außengelände
des LWH und vieles mehr.
Die meisten Zivis stammten aus
der Region und haben sich ihre Zivi-
Stelle selbst ausgesucht. So mancher
berufiche Werdegang hat durch
den Zivildienst im LWH eine neue
oder andere Zielrichtung bekom-
men. Neben den obligatorischen
Tätigkeiten haben einzelne Zivis ihre
ganz besonderen Fähigkeiten und
Vorlieben in das Leben des LWH
eingebracht. Viele Erinnerungen und
Anekdoten verbinden sich mit einzelnen Personen:
Fragt der Sicherheitschef der damaligen Bundestags-
präsidentin Dr. Rita Süßmuth den diensthabenden
Zivi an der Rezeption: „Sagen Sie mal, haben Sie im
Umfeld des LWH so etwas wie einen Hubschrauber-
landeplatz?“ Darauf der Zivi: „Tut mir leid, aber ich
komme immer mit dem Fahrrad!“
Seit 2000 kam mit dem „Freiwilligen Ökologi-
schen Jahr“ ein erster Freiwilligendienst hinzu, der
seinen Schwerpunkt im Gartenbereich des LWH
setzt. Wer aufmerksam die Außenanlagen erkundet,
entdeckt in allen „Ecken“ Jahresprojekte einzelner
FÖJ’ler, sei es die Benjes-Hecke am Waldrand, die
Kräuterspirale, die Sonnenuhr, das Labyrinth …
Seit 2001 kamen junge Frauen hinzu, die ein
Freiwilliges Soziales Jahr im LWH absolvieren
wollten. Im Unterschied zur Dienstpficht der Zivis
waren die Dienste der FÖJ’ler und FSJ’lerinnen
freiwillig. Seit dem 1. August 2011 absolvieren
jährlich drei junge Menschen ihr FSJ, FÖJ oder ihren
Bundesfreiwilligendienst.
Auch nach mehr als 40 Jahren
entdecken Jugendliche oder junge
Erwachsene in einem Freiwilligen-
dienst im LWH sich selbst in einem
neuen Umfeld, kommen mit Men-
schen und Themen in Berührung,
denen sie im schulischen Umfeld
kaum begegnet sind und fnden
Perspektiven für ihre berufiche
Orientierung. Viele konnten am Ende
der Zeit zufrieden feststellen: Ich
habe etwas Neues gesucht und habe
vieles davon im LWH gefunden. Aber
jetzt geht meine Suche an einem
anderen Ort weiter. ❚ Vielfältige Aufgaben übernahmen die „Zivis“ im LWH – dafür schlüpften sie mitunter in
die ungewöhnlichsten Rollen ...
92
_ Hinter den Kulissen
Freiwilligendienste
Zertifzierte Bildungsarbeit
Qualitätsmanagement auf hohem Niveau
René Kollai
Volle Akademieabende, regelmäßig wiederkehrende
Gäste und eine kontinuierliche Präsenz in der lokalen
Presse waren über viele Jahrzehnte Ausdruck quali-
tativ guter Akademiearbeit.
Seit 2004 ist im niedersächsischen Erwachse-
nenbildungsgesetz verankert, dass eine öfentliche
Förderung der Erwachsenenbildung nur dann
möglich ist, wenn genau defnierte Maßnahmen der
Qualitätsentwicklung durchgeführt
und durch Dritte zertifziert werden.
2004 wurde das LWH erstmals im
Rahmen von LQW (Lernerorientierte
Qualitätstestierung in der Weiter-
bildung) durch das Institut ART SET
zertifziert. 2008 und 2012 wurde das
LWH durch Nachweis der steigenden
Anforderungen re-zertifziert. Im
Zertifzierungsverfahren müssen
folgende zehn Bereiche erarbeitet
und nachgewiesen werden: Leitbild
(Welchem Selbstverständnis folgt die
Einrichtung?), Bedarfserhebung (Wie
werden Seminarthemen gefunden
und entwickelt?), Schlüsselprozesse
(Wie funktionieren hausinterne
Abläufe?), Lehr-Lern-Prozesse (Wie
ist das pädagogische Konzept?),
Evaluation (Wie werden Seminare
ausgewertet?), Infrastruktur (Welche pädagogischen
Möglichkeiten bieten die räumlichen Ressourcen?),
Führung (Nach welchem Verständnis wird die Ein-
richtung geführt?), Personal (Wie geschieht Aus- und
Fortbildung der Mitarbeitenden des Hauses?), Con-
trolling (Mit welchen Mitteln werden Finanzen und
Abläufe kontinuierlich überprüft?) und Kundenkom-
munikation (Wie werden Kontakte zu ehemaligen
oder künftigen Gästen gehalten bzw. aufgebaut?).
Durch die Einrichtung einer kontinuierlich arbei-
tenden „Steuerungsgruppe Qualitätsentwicklung“
mit zehn Personen aus allen Bereichen des Hauses
hat sich mittlerweile ein Blick auf die Qualität des
Hauses verankert, um interne Abläufe im Haus zu
perfektionieren, die Bedürfnisse und Rückmeldun-
gen der Gäste konsequent im Blick zu behalten und
vor allem die pädagogischen Prozesse in den Semi-
naren genauer zu analysieren.
Auch wenn Fragebögen, Checklis-
ten und Prozessabläufe das tägliche
Zuhören und genaue Hinschauen
nicht ersetzen sollen, so ergänzen
diese Instrumente die notwendige
Intuition im Umgang mit Gästen,
Seminarinhalten und externen
Referenten.
Die im März 2012 erworbene
Urkunde zur 2. Re-Zertifzierung
beweist: Das Ludwig-Windthorst-
Haus steht für qualitativ hochwertige
Bildungsarbeit mit Erwachsenen und
für Erwachsene. ❚
Erfolgreich rezertifziert: Die Steuerungsgruppe Qualitätsentwicklung behält die päda-
gogischen Prozesse und das Feedback der Gäste im Blick.
93
_ Hinter den Kulissen
Qualitätsmanagement
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_ Hinter den Kulissen
Mitarbeitende Juni 2013
Verwaltung und Rezeption
Achelwilm Anneliese 1963–1965
Aehlen Renate 1968–1970
Albers Marion 1991–2007
Assmuth Angelika 1976–1979
Backherms Agnes 1964–1968
Behlau Sabine seit 1991
Bonnekessel Maria 1970–1976
Bönning Petra 1971–1972
Bruns Monika 1989–2001
Buiker Claudia 2003–2008
Colmer Heike 1990–1999
Diekmann Hedwig 1963–1966
Dietrich Emmi 2007–2011
Dinklage Daniel seit 2007
Drews Monika 1986–1986
Duisen Kerstin 1984–1994
Einspanier Nathalie seit 1993
Feldkamp Tobias seit 2009
Fenten Michaela seit 1978
Fühner Gisela 1981–1990
Gelker Doris 1996–1999
Harmann Ingrid 1990–1990
Hartmann Anni 1971–1974
Haßlach Brigitte seit 1999
Hentschel Lisa 1995–1995
Holterhus Walburga 1966–1968
Jeske Christina 2002–2008
Kamlage Karl-Heinz 1971–1971
Kayser Bärbel 1983–1985
Kloppe Ursula 1965–1981
Knippen Franz seit 1993
Kölker Birgit seit 1989
Kopel Marlene 1975–1976
Korbiel Irma 1992–1993
Kuhr Agnes 1964–1964
Lindemann Andrea 1987–1993
Lübbering Marita seit 2013
Lüttel Mechthild 1969–1971
Overberg Claudia 1985–1987
seit 1991
Prekel Margret 1995–1997
Hausleitung und Referenten/-innen
Belle Dr. Andreas 2004–2010
Bobbert Dr. Monika 1992–1995
Bolmer Gisela 1986–1988
Bordewick Sr. Angela Maria seit 2007
Brand Maria seit 1995
Brendel Michael seit 2012
Bröring Hermann 1973–1976
Dahl Siegfried-Guido 1977–1979
Danner Prof. Dr. Stefan 1989–1995
Ebel Michael 1976–1981
Ferneding Sr. M. Annette 1989–1999
Fühner-Walbelder Werner 1987–1993
Gartmann Dr. Michael 1978–1978
Gautier Andreas 2008–2012
Gescher Dr. Antonius 1966–1970
Hellmuth Dr. Martina 1993–1995
Herb Barbara 1987–1987
Hevicke Michael 1970–1973
Hilmes Judith seit 2012
Hofmann Andreas 1986–1986
Hohmann Reinhard 1981–1988
Holz Dorothee 1995–2000
Holzknecht Ansgar 1972–1976
Hornhues Dr. Karl-Heinz 1966–1971
Jackels Reinhold 1991–2008
Kämper Brigitte 1991–1992
Kirchberg Dr. Julie 1990–1994
Kläsener Agnes seit 2012
Klöppel Dr. Walter 1970–1991
Kobor Julius seit 2013
Kollai René seit 2010
Konermann Hermann 1983–1985
Korte Adelheid 1982–1997
Korte-Terfehr Barbara 2007–2010
Kratel Dr. Andreas 2008–2008
Kues Dr. Hermann 1979–1984
Litmeyer-Schepers Thekla 1991–1992
Lösing Alfred 1964–1964
Luig Klaus 1980–1987
Lütz Monika 1973–1975
Mehring Dr. Ludger 1993–2002
Meynen Christine 1981–1993
Milleg Hildegard 1970–1972
Nitsche Bernd 1976–1977
Oberthür Günter 1988–2006
Olbrich Dorothea 1966–1972
Ortmann Martha 1972–1980
Osinski Johanna 1976–1977
Paschen Ruth 1964–1966
Reinhard Kunigunde 1966–1968
Reininger Dr. Simeon 2000–2009
Reitemeyer Dr. Michael seit 2010
Remmers Dr. Werner 1962–1976
Röttger Franz-Josef 1997–
Runde Heinz 1977–1978
Rusche Bernward 1979–1994
Santel Josef 1994–2003
Sauerland Angela 1979–1981
Seegers Marita 1990–1999
Soegtrop OSB Sr. Ulrike 1987–1988
Ständer Gerd 1972–1978
Stefaniak Anna 1980–1981
Stephan Christel 2007–2012
Teckentrup Peter 1963–1966
Thalmann Franz 1981–1989
van Kampen Klaus 1995–2004
Vennegerts Swenna seit 2004
von Melle Suzanne seit 2010
Waack Wolf-Ulrich 2002–2004
Wilhelm Dr. Georg 2003–2012
Willmann Dr. Thomas 1983–1990
Witte Dr. Ulrich 1985–1991
Geistliche Rektoren und Seelsorger
Brandebusemeyer Jens seit 2009
Busenhagen Rüdiger 1969–1970
Gärtner Dr. Christof 2009–2012
Haneklaus Hermann 1977–1984
Hilgeforth Heinz-Günther 1970–1977
Langer Hans-Dieter 1989–1990
Langewand Heiner 1990–1997
Lanvermeyer Franz Bernhard 1997–2000
Leigers Hermann-Josef 1977–1984
Maschke Romuald 1963–1964
Meyer zu Schlochtern Prof. Dr. Josef 1984–1985
Molitor Reinhard 1997–2000
Neufeld Dr. Titus 1967–1977
Reinersmann Christoph 1973–1976
Sauermost Dr. Burkhard 1985–1988
Schütte Hubert 1985–1990
van Beek Benedikt 1967–1969
Vogt Meinolf 1965–1967
Warning Klaus 2000–2009
Zimmer Damian 1971–1977
Ludwig-Windthorst-Stiftung
Burrichter Johannes 1985–1986
Killing Cordula 1985–1986
Kröger Johannes seit 2012
Schleicher Christian 1991–1993
ter Horst 1984
Theberath Norbert 1992–1992
Weßling Georg 1984–1985
Religionspädagogische Arbeitsstelle (RPA)
Behlau Sabine 2000–2013
Bunzel Sonja 1975–1977
Dornieden Mia seit 1977
Remling-Lachnit Ute seit 2013
Zickwolf Martina seit 2012
95
_ Hinter den Kulissen
Mitarbeitende 1963–2013
Ramour Christel 1967–1986
Reinel Frauke seit 2006
Reiners Gertrud 1967–1969
Remling-Lachnit Ute seit 2001
Rickling Ines 2007–2009
Rickling Sonja seit 1975
Schmidt Hildegard 1971–1975
Schönekäs Monika 1976–1976
Schulz Petra 1975–1978
Schumacher Rosemarie 1976–1981
Schwengler Irma 1974–1988
Steinbrink Sarah 2005–2005
Stennes Maria 1966–1971
Striet Karin 1983–1986
Thamann Anneliese 1963–1965
von Bobart Irmgard 1965–1974
vor dem Brocke Anne 1978–1990
Wempe-Finup Marianne 1966–1998
Wesseln Heinz 1997–2003
Witt Bärbel seit 1985
Zickwolf Martina seit 2008
Küchen- und Servicepersonal
Ahlers Maria 1970–1974
Altgilbers Maria 1967–1967
Apken Agnes 1972–1972
Asprion Silvia 1987–1988
Back Hedwig 1971–1972
Behne Monika 1984–1986
Behnen-Meyer Elisabeth 1986–1987
Bentlage Anna 1965–1967
Bentlage Maria 1970–1971
1973–1974
Berends Agnes 1971–1972
Bergmann Monika seit 1988
Bicker Anneliese 1971–1971
Bleise Hedwig 1968–1968
Böhm Helene 1974–1976
Book Christine 1994–1996
Brink Monika 1969–1970
Brinker Gerda 1972–1974
Brinklaus Christa 1990–1992
Brinkmann Monika 1987–1988
Brüggemann Doris 1985–1986
Brümmer Agatha 1970–1971
Brümmer Judith 1997–1998
Brümmer Magda 1965–1966
Brunklaus Christa 1990–1992
Bruns Antonia 1964–1965
Bruns Gertrud 1969–1969
Bruns Ingrid 1981–1981
Büter Helene 1974–1976
Dall Margret 1984–1985
Darpel Karola 1965–1966
Determann Bettina 1986–1987
Detert Kerstin 1980–1982
Deuling Annemarie 1966–1967
Dietrich Corinna 1993–1993
Dirkes Monika 1984–1986
Dirksen Sigrid 1988–1989
Dockemeyer Gertrud 1967–1967
Dokters Elisabeth 1981–1982
Donhauser Anita 1974–1975
Duscha Carin 1974–1975
Dust Agnes 1968–1968
Eckhardt Hermann-Josef 1985–1991
Egbers Anni 1966–1967
Egbers Maria 1966–1967
Ehmke Walburga 2008–2008
Eilers Agnes 1986–1987
Eilers Maria 1978–1979
Einhaus Marie-Theresia 1983–1985
Eixler Martha 1963–1967
Engelbertz Anneliese 1980–1981
Esders Sabine 1982–1983
Evers Andrea 1983–1984
Ewers Antonia 1968–1969
Fasselt Agnes 1972–1972
Feldmann Hildegard 1963–1966
Fenten Rainer 2007–2008
Fühner Heinrich 1976–1981
Gebbeken Nicole 1990–1991
Gebben Annelene 1992–2000
Geers Edith 2007–2009
Geers-Barreira Claudia 1986–1987
Glasfort Maria 1967–1968
Gödiker Hedwig 1972–1973
Göken Agnes 1973–1974
Greve Jutta 1975–1979
Griese Monika 1988–1989
Große-Siebenbürgen Kerstin 1991–1994
Groß-Thedieck Monika 1981–1982
Grote Brigitte 1998–2000
Gruis Hedwig 1972–1973
Gutzmann Bianca 1989–1991
Hackmann Sabine 1994–1996
Hagemann Hedwig 1966–1966
Hahnke Anna 2000–2002
Hausberg Bianca 1998–2000
Hegge Karin 1999–2001
Heinen Maria 1979–2013
Helming Margret 1975–1976
Herbers Gerda 1985–1987
Herbers Jutta 1982–1984
Hille-Reh Gisela 1991–1991
Hilmes Katrin 1992–1994
Hofschroer Mechthild 1967–1970
Hofschröer Andrea 1982–1983
Hofschröer Annette seit 2000
Hofschröer Emma 1976–1977
Hofschröer Margret 2003–2010
Hofschröer Marlene 1964–1965
Holle Sandra 1990–1992
Holt Liesel 1963–1964
Hoppen Altine 1976–1977
Humbert Maria 1978–1979
Hüser Sandra 1996–1997
Hüsing Hedwig 1966–1967
Hüsken Petra 1981–1982
Husmann Anna 1974–1974
Jansen Johanna 1975–1976
Jansen Stefanie 1993–1995
Jaske Maria 1974–1975
Jostberends Julia 2002–2004
Kalmer Heike 1998–1999
Kalmer Maria 1965–1966
Kalmer Mechthild 1971–1971
Kathmann Brigitte 1977–1978
Keggenhof Ruth 1974–1997
Keiser Elke 1981–1983
Kempken Birgit 1992–1994
Keuter Elena 2006–2008
Keuter Maria 1973–1974
Klene Elisabeth 1965–1966
Kley Alexandra seit 2011
Klus Melanie seit 1989
Klute Beate 1979–1980
Knüven Hildegard 1973–1974
Koldehof Petra 1995–1997
Korb Kerstin 1997–1997
Kortevoß Paula 1964–1965
Kossen Susanne 1975–1976
Köster Irmgard 1970–1970
Kotte Claudia 1986–1988
Kotte Monika 1982–1983
Kotte Petra 1982–1984
Kramer Birgit seit 1997
Krause Brigitte 1974–1974
Kroner Maria 1983–1984
Kues Martha 1963–1967
Kuper Roswitha 1976–1978
Küpker Elisabeth 1994–1997
Küwen Walburga 1967–1968
Lammers Else 1977–1978
Landwehr Annette 1986–1988
Leopold Monika 1974–1978
Lerche Karin 1972–1972
Lindemann Marie-Ther. 1974–1975
Lindemann Rita 1981–1982
Loepker Carina 2004–2006
Lüssing Dorothea 1983–1985
Marien Ursula 1990–1991
Mauritz-Blockhaus Denis-Jasmin 1997–1998
May Anne seit 1997
Meer Gisela 1977–1979
seit 2002
Meer Hildegard 1974–1975
Meerpohl Marlies 1967–1968
96
_ Hinter den Kulissen
Mitarbeitende 1963–2013
Meinders Monika 1977–1979
Meints Annegret 1982–1983
Menken Petra 1978–1979
Mergel Astrid 1996–1998
Möllerhaus Maria 1970–1971
Müller-Fahlbusch Christian 1982–1982
Müter Tamara 1998–1999
Niehof Gisela 1985–
Niehof Maria 1976–1977
Niemann Maria 1969–1970
Niers Beate 1996–1997
Nülle Jutta 1972–1974
Ottemann Merle 2004–2006
Pieper Maria 1963–1964
Pleus Annette 1973–1973
Pleus Hedwig 1969–1969
Pohlabeln Karin 1984–1991
Porath Maria 1980–1981
Pott Margot 1974–1975
Prange Sonja 2002–2003
Risau Rita 1986–1987
Rogoll Rosemarie 1976–1977
Rolfes Mechthild 1991–1993
Roling Monika 1983–1984
seit 1986
Rosemann Bärbel 1979–1980
Rothenpieler Margret 1974–1974
Rothlübbers Judith 2002–2003
Sahnen Marianne 1969–1970
Santel Maria 1964–1965
Sattler Marlies 1975–1977
seit 1979
Schmees Marlen 1976–1979
Schmidt Annika 2001–2003
Schmitz Birgit 1999–2001
Schmitz Ingrid 1980–1981
Schomaker Martina 1985–1987
Schritgen Nina 2003–2005
Schröder Eva-Maria 2003–2004
Schröder Marianne 1974–1975
Schulte Anni 1967–1968
Schulte Bärbel 1980–1982
Schulte Dorothea 1980–1981
Schulte Gabriele 1993–1995
1995–1996
Schulte Wilma 1973–1975
Schultejans Hildegard 1978–1979
Schulz Agnes 1973–1976
Schumacher Helga 1972–1972
Schumacher Sylvia 1977–1978
Schütte Annemarie 1968–1969
Schwering Silvia 1989–1990
Schwob Angelika 1980–1981
Silies Elisabeth 1968–1968
Silies Margret 1968–1969
Sloot Maria 1971–1974
Specker Ingrid 1987–1989
Stermann Hildegard 1978–1980
Stickforth Irmgard 1965–1966
Storm Corinna 2001–2002
Suilmann Ursula 1984–1986
Sundermann Elisabeth 1985–1986
Sur Edeltraud 1979–1980
Surmann Sophie 1979–
Swarte Hildegard 1974–1975
1976–1984
Tebbel Erna 1966–1967
Tegeder Anne-Maria 2000–2002
Theilen Annegret 1978–1981
Thien Anna 1967–1970
Timmer Erna 1966–1967
Többen Bärbel 1983–1983
Többen Helga 1988–1990
Többen Marlies 1979–1980
Tranel Sandra 1991–1992
Triphaus Uta 1979–1980
Ungrun Renate 1984–1986
Uphus Ursula 1983–1985
van der Wyk Ingeborg 1979–1980
Vehring Monika 1969–1972
Vogelsang Maria-Anna 1968–1968
Voskuhl Hildegard 1972–1973
Waller Mechthild 1982–1983
Wehrs Sabrina seit 2005
Wermes Maria 1971–1972
Wessing Alexandra seit 2000
Westendorf Thekla 1972–1972
Wilken Maria 1973–1976
Will Monika 1971–1972
Wilmes Hedwig 1971–1972
Wintels Elisabeth 1967–1968
Wolbers Ursula 1987–1989
Wübbe Maria 1970–1973
Wüben Monika 1991–1993
Zinner Ursula 1983–1984
Zwafnk Zwanette 1973–1974
Reinigungsdienste
Abel Ursula 1975–1984
Alke Anni 1986
Bemboom Gertrud 1963–1968
Brockhaus Agnes 1974–1996
Buchholz Hildegard seit 1997
Duchscherer Ursula seit 2000
Fischer Anna 1972–1974
Foppe Monika 1982–1992
Hartke Thea 1993–
Heitker Agnes 1986–
Helle Elke seit 1999
Herbers Agnes seit 1996
Herbers Dagmar seit 2002
Herbers Marita 1976–1978
Hermeling Elisabeth 1973–1986
Herrmann Anni 1977–
Hofschröer Maria seit 2000
Hütten Leni 1984–1986
Jezewska Joanna seit 2012
Kamprolf Klara 1974–1989
Kerkhof Maria 2000–2009
Keuters Anna 1970–1979
Kotte Anni 1966–1977
Kotte Elke 1989–1990
2007 -2008
seit 2010
Krieger Hildegard 1985–1986
Kues Annemarie 1985–1996
Küven Bernadine 1976–1979
Lake Monika seit 2013
Lüken Anni 1977–1997
Lüttel Ingrid seit 2013
Lüttel Maria 1977–1986
Mansholt Thekla 1996–1996
Markus Maria 1966–1985
Mix Agnes 1985–
Müller Heidi 2009–2010
Neumann Doris seit 2002
Rave Anna 2008–2010
Ripperda Irmgard seit 2002
Robben Maria 1975–1991
Rohde Therese seit 1992
Rosemann Rita 1973–1986
Rosenow Rita seit 2013
Schneider Thea 1963–1981
Többen Maria 1976–1977
Trepohl Leni 1989–1996
Urmanski Maria 1987–1989
Wienhof Maria 1986–
Hausmeister- und Gärtnerdienste
Bruns Matthias seit 2010
Fels Manfred seit 2011
Hofschroer Heinz 1963–1982
Hofschröer Hermann 1967–2001
Pölker Alfred seit 1991
Wetzel Markus seit 2011
97
_ Hinter den Kulissen
Mitarbeitende 1963–2013
Auszubildende
Alfschnieder Indra Chantal 2002–2002
Becker Maren 2007–2009
Eilers Anna-Lena seit 2013
Geers Lena seit 2013
Hohmann Hannah 2007–2009
Kamprolf Christina 2006–2008
Kamprolf Kathrin 2009–2011
Knoll Sandra 2011–2013
Kovalenko Galina 2010–2012, 2013
Krapkowski Kamila 2005–2007
Rodermond Melissa seit 2013
Rolfes Jutta 2009–2011
Röttger Annika 2010–2012, 2013
Teipen Andrea 2008–2011
Tengen Birgit 2005–2007
Tepe Svenja 2004–2005
Thys Annika seit 2012
Uhlen Lisa seit 2012
Völker Sabine 2011–2013
Warkentin Anastasia 2009–2011
Zivildienstleistende
Aehlen Kai 2006–2007
Ahaus Tim 2010–2011
Barkeling Werner 1974–1975
Beel Christian 2003–2003
Benedixen Reinhard 1988–1990
Berling Johannes 1979–1981
Bojer Thomas 1998–1999
Bolmer Reiner 1990–1991
Boomhof Michael 2002–2003
Börger Alois 1980–1982
Boss Mark Benedikt 2010–2011
Boßmann Ludger 1986–1987
Braun Burkhard 1979–1980
Brecklinghaus Stephan 1979–1980
Bröcker Benjamin 2003–2004
Brümmer Helmut 1976–1977
Bruns Heinz-Gerd 1984–1985
Bruns Thomas 1998–1999
Cosse Gerd 1997–1998
Drosten Bernhard 1985–1987
Dycker Manuel 1992–1993
Eikelmann Daniel 2000–2001
Eilermann Michael 1994–1996
Eilting Peter 2008–2009
Escher Lambert 1973–1974
Fangmeyer Christoph 2000–2001
Feldt Thomas 2005–2006
Finken Daniel 1982–1983
Fischer Florian 1997–1998
Foppe Ralf 1990–1991
Frinken Daniel 1982–1983
Gels Florian 2010–2011
Göken Mathias 1993–1994
Greve Horst 1979–1980
Groß Andreas 2001–2002
Grunewaldt Lars 1997–1998
Guss David Johannes 2006–2007
Hanschke Lars 1993–1994
Heck Johannes 1999–2000
Heidemann Christian 1995–1996
Heilemann Stefan 2005–2005
Hemmen Michael 1992–1993
Hille Christian 1995–1996
Hofschroer Christian 1993–1994
Hofschröer Chris 1989–1990
Hofschröer Christian 1995–1996
Hofschröer Christoph 1994–1995
Holt Bernd 2000–2001
Jakobs Mathias 1991–1992
Kemmer Holger 1991–1992
Keuters Tim 2007–2008
Knoll Florian 2005–2006
Köbbe Johannes 1987–1989
Koopmann Johannes 1975–1976
Koops Christian 2003–2003
Koormann Matthias 2007–2008
Köster Andreas 2007–2007
Kramer Dr. Nils 2001–2003
Krummen Frank 1996–1997
Krummen-Boyer Matthias 1994–1996
Kruse Johannes 1980–1981
Kues Peter 1974–1976
Kufeld Hermann 1977–1979
Kühlenborg Daniel 2000–2001
Kuiter Martin 2010–2011
Kujau Daniel 2000–2001
Lefers Hannes 2009–2010
Lindt Ulrich 1983–1984
Litmeyer Bernhard 1983–1985
Lorenz Marcel 1991–1992
Lühn Tobias 2005–2006
Luislampe Heiko 2009–2010
Maak Stephan 2002–2003
Marstall Thomas 1983–1984
Meiners Christoph 2006–2007
Möhlenkamp Helmut 1991–1992
Möllering Guido 1993–1994
Mönter Mathias 1992–1993
Osterhage Frank 1994–1996
Otten Bernhard 1982–1983
Partmann Bernhard 1977–1978
Peters Andreas 1986–1988
Poetker Hubert 1985–1987
Post Olaf 1990–1991
Pöttker Hubert 1985–1987
Rassow Jan-Tim 2004–2005
Riedemann Stefan 2003–2003
Rischmüller Friedrich 1989–1990
Rübertus Jörg 2009–2009
Rulhof Manfred 1981–1982
Sanning Jan 2004–2005
Schawe Martin 1976–1977
Schefer Hendrik 2009–2009
Schif Tobias 1997–1998
Schimmöller Christian 1992–1993
Schmidt Ralf 1996–1997
Schmidt Theodor 1982–1983
Schmitz Ludger 1973–1975
Schnieders Tomas 2008–2009
Scholten Heinrich 1975–1976
Schomaker Jörg 2001–2002
Schulte Andreas 1984–1986
Siedenbiedel Christian 1988–1990
Stefens Udo 1984–1986
Störtländer Dirk 1995–1996
Tautz Daniel 1995–1996
Tepper Maik 2009–2010
Theising Christoph 2008–2009
Timmers Marc 2003–2004
Uhte Andreas 1978–1980
von Lehmden Josef 1972–1973
Voß Josef 1987–1988
Wallura Christian 1998–1999
Wess Karl-Heinz 1976–1978
Westermann Christoph 2004–2005
Wiegmann Johannes 2003–2004
Wiermer René 1998–1999
Wortberg Michael 1977–1978
Wöste Andreas 2009–2010
Freiwilligendienste (BFD, FÖJ, FSJ)
Albers Franziska 2008–2009
Bach Franziska 2002–2003
Bäumer Stephan 1982–1983
Berling Heidrun 2003–2004
Bohlmann Rika 2010–2011
Bonhorst Annika 2008–2009
Echelmeyer Dominik 2009–2010
Fresenborg Maike 2005–2006
Fritz Cedrik 2011–2012
Früchtenicht Anna 2006–2007
Gerling Julia 2004–2005
Giese Ina 2012–2013
Hopster Anna 2011–2012
Hülsmann Bernd 2005–2006
Klaß Alexandra 2002–2003
Kohl Nicola 2001–2002
Kruse Simon 2008–2009
Meinert Thorben 2012–2013
Menninghaus Matthias 2004–2005
Möller Anna 2007–2008
Schüring Anna 2010–2011
Storck Christiane 1999–2000
98
_ Hinter den Kulissen
Mitarbeitende 1963–2013
Talle Laura 2011–2012
Thoben Markus 2012–2013
Többen Claudia 2007–2008
Vorwerk Klaus 2000–2001
Winter Jessica 2009–2010
Wolbers Alice 2000–2001
Praktikanten/-innen
Ahlers Prof. Dr. Reinhild 1983–1984
Deimann Lena seit 2013
Drab Hubert 1988
Hagedorn Alfred 1967–1968
Hebbelmann Sarah 2006
Jackels Tamar 2007–2008
Kass Renate 1975
Krause Claudia 2004–2005
Onken Hermann 1987–1988
Remmers Herbert 1968
Rosemann Herbert 1975
Wilmer Nicole 2006
Wilmink Birgit 2000–2001
Kindergarten St. Ansgar
Albers Kerstin seit 1989
Barenkamp Eva-Maria 2007–2008
Baumgarten Helga 1982–1985
Belle Claudia seit 2008
Bembom Sandra seit 2009
Berg, van den Elisabeth 1985–1989
Berger Lena seit 2012
Bergsma Maryke 1968–1969
Berndsen Helga 1989–1996
Bölle-Brüggen Monika 1974–1994
Bonifatia, Sr. (Gerda Busen) 1977–1982
Boomhof Sylvia 2001–2011
Brockmann Heike 1985–2010
Bruns Hildegard seit 1994
Bünker Doris 1964–1965
Burrichter Katharina 2004–2007
Büter Elisabeth seit 2010
Büttgen Maria 1975–1976
De Jong Julia 2007
Deimann Agnes 1968–1969
Dojan Miriam 2011
Dojan Ruth 2012–2013
Egbers Anke 2002–2003
Einhaus Andrea 2010–2013
Evers Martina 1975–1976
Fening Margret 1970–1975
Fickers Jutta 1984–1985
Gerling Anita seit 1991
Gravel Sonja 1996–2002
Greve Raphaela 2005–2008
2009–2010
Hackmann Angeli 1985–1989
Haustein Kathrin 2007–2011
Heile Elisabeth 1966–1968
Heinen Daniela 1998–1999
Helm Birgit 1973–1977
Hofschröer Melanie seit 2010
Hohmann Katharina seit 1997
Holt Simone 1990–1991
1994–1996
Holtgers Maria 1989–1990
Hüsers Andrea seit 2013
Janning Beate 2001–2003
Janning Walburga seit 2010
Jansen Margret 1976–1982
Kamphuis Ulrike 2003
Kaufhold Monika seit 1995
Kerschner Heike 1988–
Keuter Maria 1966–1968
Koopmann Renate 1989–1989
Korte Roswitha 1966–2010
Koslowski Christine 1991–1997
Kramer Johanna seit 1995
Kues Maria 1964–1965
1968–1971
Kullack Roswitha 1972–1978
Lager Sandra 1994–1996
Lambers Anni 1989–2000
Leugers Monika 1975–1980
Liesen-Krause Marlies 1997–2006
Lütgehaus Ingrid 1973
Machnik Ursula 1996–1997
Marientöbben Gerda 1978–1984
Massold Helena 2008–2010
Mausolf Elfriede 1965–1966
Meemann Sarah 2010–2011
Menger Anne 1983–1986
Menke Katharina 2007–2009
Müntel Heike 1987–
Neuert Martina 1975–1976
Osinski Johanna 1976–1977
Penkert Monika 1977–1980
Plagge Dietmar 1983–1984
Pohlkamp Silvia 1985–1986
Pohlmann Annegret 1966–1967
Revermann Maria 1975–1976
Rieken Elisabeth seit 2012
Rohe Ulrike 1984–1985
Rohof Nadja 2010
Rojahn Lena 2005
Rümpker Birgitt 1999–2012
Schacht Renate 1976–1977
Schmidt Christiane seit 2012
Schröers Mechthild seit 1995
Schürmann Ingeborg 2007–2010
Silies Kerstin 1998–2009
Sonntag Maria 1982–1983
Späder Andrea 1987
Strahl Rita 1975–1976
Stredder Melanie seit 2013
Teichert Petra seit 2000
Thiering Rosemarie 1982–1983
Tholen Julia seit 2011
Thomas Kirstin 1986–1987
Timmers Maria 1970–1971
Uhlmann Maria 1969–1970
Untiedt Anneliese 1968–1969
Vollmer Bettina seit 2006
Voorbrink Stephanie 1996–2008
Weßling Anni 1970–1972
Windhaus Andreas 2006
Wintermann Annette seit 2012
Witsken Ulrike 2000–2005
Dorfhelfer/-innen
Ramler Anna 1969–1969
Rothlübbers Maria 1970–1973
Schwennen Gertrud 1964–1968
Projektbüro WABE
Bemboom-Krull Kerstin seit 2012
Diepenthal Petra 2008–2012
Osterhage Andrea seit 2006
Fachliche Berater
Markus Michael seit 2008
Reinert Heiner seit 2010
Bildnachweise
AKSB (S. 15), Agência Brasil (Bilder lizenziert nach CC-BY-SA,
S. 77), Bildagenturen (CanStockPhoto, S. 38, 46, 78; iStock-
photo, S. 50; fotolia, S. 51, 58, 60, 64, 67, 86), Bildarchiv Preu-
ßischer Kulturbesitz (Hanns Hubmann, S. 29; Jochen Moll,
S. 43), Bistum Osnabrück (S. 44, 77), Bundesarchiv (S. 23,
39; Jens Gathmann, S. 27; Peer Grimm, S. 47; Kuhn, S. 47;
Stanislaw Mucha, S. 51; Engelbert Reineke, S. 42, 43; Ludwig
Wegmann, S. 33; Ulrich Wienke, S. 35, 36; Katherine Young,
S. 25; alle Bilder lizenziert nach CC-BY-SA), CDU Hannover
(S. 16), CDU Niedersachsen (S. 57), European People‘s Party
(lizenziert nach CC-BY-2.0, S. 59), explonauten.net GmbH
(Titelbild, Umschlagrückseite), German Wikipedia user
Kovermann (S. 25), Verlag Herder GmbH (S. 61), Hermann
Haarmann (S. 77), Ferdinand Hees (S. 3, 26, 45), Frank
Hoppmann (S. 71), Katholische Akademie Schwerte (S. 14),
Kirchenbote Bistum Osnabrück (S. 51), Heinrich-Pesch-
Haus Ludwigshafen (S. 66), Helmut Kramer (Titelbild, S. 2,
25, 73, 74, 75, 76, 94, Umschlagrückseite), Hermann Kues
(S. 12), Landkreis Emsland (S. 10, 36), Ludwig-Windthorst-
Haus, Ludwig-Windhorst-Haus/Archiv, Lv HVHS Nieder-
sachsen (S. 13), NOZ (S. 21), Günter Oberthür (S. 53), Thomas
Osterfeld (S. 36, 37), Jörg Sarbach (S. 21, 22, 32, 35, 71, 75,
77, 84), Spiegel-Verlag (S. 32), Staatskanzlei Hannover (S. 9),
Stadt Lingen (Ems) (S. 11), SPD Niedersachsen (S. 55), Klaus
van Kampen (S. 21, 40), Wabe e.V. (S. 88), Birgit Wermelt,
Nordwalde (S. 42)

Programmtitel S. 59: Flyer Mitte: Titelseite der deutschen
Ausgabe John Hattie, Lernen sichtbar machen, Schneider
Verlag, Hohengehren (2013); zweiter Flyer von rechts:
Lernumgebungen erfolgreich gestalten: Prof. Diethelm
Wahl; Flyer rechts: Lernförderliche Leistungsbeurteilung:
Dr. Felix Winter
99
_ Hinter den Kulissen
Mitarbeitende 1963–2013