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24    Region  l   der landbote   l   Donnerstag, 11. juni 2009

24 Stunden nonstop im Sattel der Harley


Vier Biker aus der Region haben am letzten Wochenende
die ultimative Herausforderung der Swiss 500 Miles gemeinsam
auf sich genommen: Einen Tag und eine Nacht fuhren sie
auf ihren Harleys über 800 Kilometer quer durch die Schweiz.
region – Edith Keller aus Stadel bei täuscht ruft er die Hotline der Veran-
Winterthur, Albin Ebneter aus Zürich, stalter an. Wenigstens ist es momentan
Thomas Gisler aus Flaach und Chris- trocken. «Sie haben gesagt, der Besen-
toph Lohner aus Seuzach erreichen wagen sammelt mich und mein Motor-
mit ihren Harleys um 17 Uhr Giswil rad ein.» Für die anderen drei ist damit
im Kanton Obwalden. Plötzlich über- klar: «Dann fahren wir weiter.»
schwemmt ein heftiger Wolkenbruch
die Strassen – nur eine halbe Minute, Weiterer unfreiwilliger Halt
bevor sie beim ersten Kontrollpunkt Bald regnet es wieder und die Sicht
im Restaurant Siesta absteigen. Hät- durch das Helmvisier ist miserabel. So
ten sie keine Regenbekleidung an, wä- kommt es, dass die drei eine Abzwei-
ren sie jetzt – kurz nach dem Start der gung verpassen. An einer Tankstelle
zweiten Swiss 500 Miles (siehe Kasten) studieren sie rätselnd die Strassenkar-
– völlig durchnässt. te. Wenig später halten etwa 15 weitere
Trotz Regen nehmen sie nach erhal- Biker an, denen es gleich ergangen ist.
tenem Stempel die zweite von insge- Einige bleiben auf ihren Bikes sitzen,
samt 13 Etappen in Angriff. Es folgt ein andere schauen mit in die Karte. Allge-
nicht ganz ungefährlicher Ritt über die meines Werweissen folgt, bis einer ent-
Mörlialp nach Sörenberg: Die Stras- scheidet, «wir fahren da lang», und ihm
se ist schmal und kurvenreich. Zudem alle bis zum nächsten Posten folgen.
nimmt der Regen vorerst noch zu. Immerhin sind die übrigen Nacht-
etappen, die in die Gegend von Ro-
Defekt zwingt zu frühem Aus mont FR, Yverdon VD und Le Pâquier
Nach Bratwurst und Pommes geht es NE führen, etwas leichter: Es gibt we-
gegen 20.30 Uhr auf die dritte Etap- niger Abzweigungen und die meisten
pe. Hier soll für Thomas Gisler bereits Strassen sind weniger schmal und kur-
das Ende kommen. Zuhinterst fahrend, vig. Dafür macht die Temperatur Chris- Über 270 Harley-Davidson- und Buell-Fahrer aus der Schweiz und dem Ausland am Start in Sempach. Bild: Gabriela Müller
verschwindet er auf dem Gurnigelpass toph Lohner und Albin Ebneter jetzt
BE auf einmal aus den Rückspiegeln zu schaffen: 5 Grad Celsius und nasse Gegen 6 Uhr morgens erreichen die dar­auf verlassen: Auch der Routen- Tour, der nochmals durch wundervolle
seiner Kollegen. Edith Keller bleibt an Handschuhe lassen ihre Hände zu Eis- drei Moutier JU. Die grosse Müdigkeit planer der IG Swiss 500 Miles, Grizz- Landschaften führt und in der Altstadt
der nächsten Ausweichstelle stehen, zapfen werden. In La Brévine NE, auf bleibt zum Glück bei allen aus – ob- ly, hat seinen Job wieder gut gemacht. von Bülach endet. Edith Keller, Albin
Albin Ebneter und Christoph Lohner über 1000 Metern über Meer, sind sie wohl sie schon Stunden auf ihren Bikes Wie eine grosse Belohnung für das Ebneter und Christoph Lohner sind
fahren mit ihren wendigeren Maschi- sich einig: «Wir müssen uns jetzt mit ei- sitzen und bis jetzt 600 Kilometer zu- nächtliche Durchbeissen erscheint es «glücklich, erleichtert und zufrieden».
nen zu Thomas Gisler zurück. Er steht ner Suppe wärmen.» Ihre Kollegin da- rückgelegt haben. Sie können es kaum da, dass nun die Sonne vom Himmel Für sie, aber auch für Thomas Gisler,
am Strassenrand neben seiner Ultra gegen friert nicht: «Verkleidung und glauben, dass sie für die restlichen 200 lacht. So erleben die Teilnehmer der der ebenso im Ziel ist und den dreien
Glide und lässt die Mundwinkel hän- Windschutzscheibe meiner Ultra Glide Kilometer noch rund sechs Stunden zweiten Swiss 500 Miles einen wetter- gratuliert, steht fest: «Nächstes Jahr
gen: «Der Gaszug ist gerissen.» Ent- halten viel ab.» brauchen sollen. Doch sie können sich mässig hervorragenden Abschluss der sind wir wieder dabei.» lDIMITRI HÜPPI

war­um harley und wieso 500 meilen in 24 stunden? die vier biker aus der region sagens Swiss 500 Miles
sind kein Rennen
Seit 2008 heisst­ die ultimative Tour
für Harley-Davidson- und Bu-
ell-Fahrer hierzulande Swiss 500
Miles. Am letzten Wochenende
fand der Ride zum zweiten Mal
statt. Über 270 Biker nahmen dar-
an teil. Gestartet wurde am Sams-
tag um 15 Uhr in Sempach.
Bei diesem Event legen die Bi-
ker in einem vorgegebenen Zeit-
rahmen (20 bis 24 Stunden) eine
Distanz von 500 Meilen (über 800
Kilometer) zurück. «Dies ist kein
Rennen und die Verkehrsregeln
Edith Keller-Hablützel, 55, aus Stadel bei Albin Ebneter, 43, aus Zürich fährt seit Thomas Gisler, 33, aus Flaach arbeitet Christoph Lohner, 44, aus Seuzach ist und Tempolimits müssen eingehal-
Win­ter­thur, fährt eine bronze-schwarz-far- 1986 Motorrad – seit 1995 Harley-David- in einer öffentlichen Verwaltung als Be- verheiratet und Vater zweier Kinder (12 ten werden», betont Urs Studer. Er
bene 2008er-Harley-Davidson Ultra Glide son. Damals legte er sich seine schwar- reichsleiter. Seit 1995 fährt er Motorrad. und 15). Den Motorradschein machte er ist Präsident der organisierenden
Classic. Die Kauffrau ist verheiratet und ze 1994er-Sportster zu. «Schon beim «Ich war schon immer ein Fan von Chop- 1994. 1997 kaufte er sich eine nagel- IG Swiss 500 Miles. Die Strecke
hat zwei erwachsene Kinder. Sie fährt Schrauben an den Mofas zierte ein Poster pern und Harleys. Als ich im Sommer neue schwarz lackierte Harley-Davidson ist in Etappen gegliedert. Zu jeder
seit 1972 Motorrad, seit 1991 Harley. aus dem Film ‹Easy Rider› mit Peter Fon- 2002 zwei Wochen im Westen der USA Bad Boy mit Springergabel, die er heute Etappe gibt es einen Streckenbe-
«Umgestiegen bin ich, weil ich mit meiner da und Dennis Hopper auf ihren Bikes un- mit einer E-Glide unterwegs war, packte noch fährt. «Schon als Jugendlicher war schrieb, der genau zu befolgen ist.
Suzuki GSX-R 1100 immer zu schnell un- sere Werkstattwand.» Wie die Filmhelden mich das Harley-Fieber vollends.» 2005 mir klar: wenn ich je Motorrad fahre, dann Nach jedem erfolgreich zurückge-
terwegs war. Heute möchte ich die Land- will der Selbständige der Norm entsprin- kaufte er mit seinem Vater eine bordeaux- eine Harley. Das ge­nia­le Design und der legten Abschnitt erhalten die Fah-
schaft geniessen.» An den Swiss 500 gen, wenn er mit seinem Custom­bike rote 1999er-Ultra Glide. An den Swiss Sound faszinieren mich. Vor jeder Fahrt rer am Checkpoint einen Stempel.
Miles­ war sie erstmals dabei. «Ich mache übers Land fährt. «An den Swiss 500 Mi- 500 Miles nahm Gisler zum zweiten Mal erfasst mich ein Kribbeln.» Die Swiss Im Ziel bekommen die Biker zur
jährlich alleine ein bis zwei Tagestouren les war ich zum zweiten Mal dabei. Mich teil. «Eigentlich wollte ich kein zweites 500 Miles fuhr er zum zweiten Mal. «Mir Erinnerung und Auszeichnung ei-
von bis zu 900 Kilometern. Hier wollte ich reizt es, mich auf unbekannten Routen Mal so etwas Verrücktes machen. Doch gefällt daran besonders die Fahrt bis ins nen Swiss 500 Miles-Pin. (hü)
die Erfahrung machen, in einer Gruppe auf Wetterkapriolen einzulassen und ge- es ist ein einmaliges Erlebnis, auf die­se Morgengrauen und dass es etwas ist,
unterwegs zu sein.» gen die Müdigkeit anzukämpfen.» Art an seine Grenzen zu gehen.» was noch nicht jeder gemacht hat.» (hü) www.swiss500.ch

Tödlicher Unfall auf der Autobahn A1


Bei Lind­au starb gestern lenker – ein 52-jähriger Mann – töd- Umgebung und jene von Wallisellen
ein 52-jähriger Autolenker. liche Verletzungen zu. Sein 40-jähriger im Einsatz. Wegen des Unfalls muss-
Mitfahrer, der 46-jährige Lenker des te die Autobahn in Fahrtrichtung Win­
Drei weitere Personen – nachfolgenden Fahrzeuges und der ter­thur während mehrerer Stunden
dar­un­ter der Unfallver- 32-jährige Unfallverursacher wurden gesperrt werden. In der Gegenrich-
ursacher – wurden verletzt. bei der Kollision verletzt. Sie wurden tung wurde zudem ein Fahrstreifen ge-
mit verschiedenen Sanitätsfahrzeugen schlossen. Aufgrund dieser Einschrän-
lindau – Ein Personenwagenlenker ins Spital gebracht. Beim Unfallver- kungen kam es zu massiven Verkehrs-
war gestern kurz nach 12 Uhr auf der ursacher wurde zudem eine Blut- und behinderungen.
Autobahn A1 in Richtung Zürich un- Urinprobe angeordnet. Beim Auto des Unfallverursachers
terwegs, als er bei Lind­au aus noch un- handelt es sich um einen roten VW
geklärten Gründen die Kontrolle über Mehrere Stunden gesperrt Sharan mit deutschen Kontrollschil-
sein Fahrzeug verlor. Dabei wurde das Die Unfallursache ist noch nicht ge- dern. Personen, welche Angaben zur
Auto über die Mittelleitplanke kata- klärt und wird durch die Kantonspo- Fahrweise des 32-jährigen Mannes
pultiert und landete auf der Gegen- lizei Zürich in Zusammenarbeit mit machen können, werden ebenso wie
fahrbahn. Dort kam es zur Frontalkol- dem wissenschaftlichen Dienst der unmittelbare Zeugen des Unfalls ge-
lision mit zwei Personenwagen, die in Stadtpolizei Zürich untersucht. Neben beten, sich mit dem Verkehrszug Win­
Richtung Win­ter­thur unterwegs wa- den verschiedenen Einsatzkräften von ter­thur der Kantonspolizei Zürich un-
ren. Bei diesem Unfall zog sich einer Sanität und Polizei standen auch die ter der Telefonnummer 052 208 17 00
der nach Win­ter­thur fahrenden Auto- Feuerwehr von Ill­nau-Eff­re­ti­kon und in Verbindung zu setzen.(red) Das Fahrzeug des Unfallverursachers trägt deutsche Kontrollschilder. Bild: key