Sie sind auf Seite 1von 3

PR Blogger: Mehr Spenden für den Qualitätsjournalismus 22.06.

09 09:59

PR Blogger

22. Juni 09
Mehr Spenden für den Qualitätsjournalismus
Wer über PR nachdenkt, muss ebenfalls über Journalismus nachdenken. Auch wenn im Internet die Karten zwischen
den Disziplinen neu verteilt werden und Media Relations künftig nur noch ein Teilgebiet der Public Relations-Aufgaben
darstellen wird: Das Schaffen von Publicity durch Medienberichterstattung wird nicht aus dem Zielkatalog
verschwinden. Doch mit dem gravierenden Wandel der Medienlandschaft, den wir derzeit erleben, werden sich auch die
Geschäftsmodelle der Branche ändern. An anderer Stelle habe ich diese Veränderungen aus einer gesellschaftlichen
Perspektive betrachtet. Dort habe ich (Thomas Euler) ein Konzept vorgestellt, das sich Funding Journalism nennt.
Hinter dem Begriff verbirgt sich ein noch sehr neuer Ansatz, der jedoch das Potential hat, einen Teil des wichtigen
Investigativjournalismus zu finanzieren. Das Modell ist schnell erklärt: Eine gemeinnützige Stiftung beschäftigt
Journalisten, bezahlt deren Arbeit mit Spendengeldern und stellt die fertigen journalistischen Erzeugnisse dem Rest der
Welt kostenfrei zur Verfügung. Übrigens auch sämtliche Publikationen. Seit Kurzem gibt es einige Non-Profits, die sich
dieser Aufgabe verpflichtet haben. Für das meiste Aufsehen hat sicherlich die Gründung des Huffington Post
Investigative Funds gesorgt, doch auch andere Projekte wie Spot.us oder maiak widmen sich dem spendenfinanzierten
Journalismus.
Sollten diese Projekte erfolgreich verlaufen und es ihnen gelingen, einerseits Akzeptanz auf Spenderseite aufzubauen
und andererseits einen echten journalistischen Beitrag zu leisten, dann könnten sie tatsächlich eine Bereicherung der
Medienlandschaft neben den strauchelnden Medienkonzernen darstellen. Thematische Beschränkungen gibt es dabei an
sich keine. Solange sich genug Spender finden lassen, kann von politischer Berichterstattung bis hin zum Lifestylebeitrag
jeder Inhalt umgesetzt werden.
Aus der PR-Perspektive wirft ein derartiges Journalismusmodell
natürlich Fragen auf. Wie sehen generell die Zukunftschancen dieses
Modells aus? Wie gehen spendenfinanzierte Journalisten mit PRlern
um? Um einigen dieser Fragen auf den Grund zu gehen, habe ich
Jürgen Vollmer, Chefredakteur von maiak - ein schweizer NGO, das
Funding Journalism über die Region Osteuropa aus unabhängigen
Mitteln zahlt - dazu befragt.

>> Sehen Sie das Modell des Funding Journalism als tragfähig genug
an, um einen Teil des täglichen Nachrichtenjournalismus zu
finanzieren - etwa im Fall, dass sich das Zeitungssterben fortsetzen und verschlimmern sollte?

Ich halte Funding Journalism für eine mögliche Lösung zur Finanzierung von Qualitätsjournalismus. Und solche
Lösungen müssen schnell kommen: Vor einigen Tagen gab der Zürcher "Tages-Anzeiger" als zweitgrösste
Schweizer Qualitätszeitung bekannt, dass er ein Drittel (!) der insgesamt 230 Vollzeitstellen abbaut, unter
anderem auch einen Teil der Auslandredaktion und der Moskau-Korrespondenten. Es bleibt damit eine einzige
Schweizer Zeitung, die "Neue Zürcher Zeitung", die eigene Korrespondenten in Osteuropa hat. Es wäre ein
Wunder, wenn durch die Entlassungen von Auslandredaktoren und Korrespondenten die Berichterstattung aus
Osteuropa in den anderen Blättern qualitativ und quantitativ verstärkt würde. Deshalb sehen die
Trägerorganisationen von maiak im Funding Journalism eine realistische und sinnvolle Möglichkeit, die
Berichterstattung über Osteuropa qualitativ und quantitativ zu verbessern.

Eine Präzisierung noch: "Den täglichen Nachrichtenjournalismus" kann und will maiak nicht finanzieren. Das
wäre höherer Blödsinn, weil erstens die dpa-Korrespondenten in Osteuropa einen guten Job machen und

http://klauseck.typepad.com/prblogger/2009/06/trendwatch-funding-journalism.html Seite 1 von 3


PR Blogger: Mehr Spenden für den Qualitätsjournalismus 22.06.09 09:59

wäre höherer Blödsinn, weil erstens die dpa-Korrespondenten in Osteuropa einen guten Job machen und
zweitens – das merken jetzt auch die Verleger – weil die News heute in Echtzeit im Internet stattfinden und nicht
auf den Seiten einer Zeitung, die am Vortag gedruckt wurde. Die Zeitungen werden künftig auf einer Seite alle
Ausland-News zusammenfassen und ansonsten die Leser mit exklusiven Hintergrundberichten informieren – die
unter anderem durch Funding Journalism finanziert werden.

Auch allgemein halte ich es für unwahrscheinlich, dass spendenfinanzierte Modelle Nachrichtenjournalismus
finanzieren können, da ich als ehemaliger Agenturjournalist weiss, dass eine Nachrichtenorganisation wie die dpa
extrem kostenintensiv ist. Stattdessen sehe ich die Stärken des Funding Journalism klar bei der
Hintergrundberichterstattung, die er sehrwohl auf hohem Niveau leisten kann.

>> Haben Sie Leitlinien definiert, wie ihre Journalisten mit PRlern umgehen sollen und wenn ja, was beinhalten
diese?

Maiak hat ein Redaktionsstatut mit der klaren Vorgabe: "Die Redaktion weist jede Einflussnahme, jeden Druck
seitens einzelner Personen, politischer Parteien, Unternehmen, ökonomisch, religiös oder ideologisch orientierter
Gruppen zurück."

Auch im Programmleitbild von maiak wird die publizistische Grundhaltung klar vorgegeben: "Die Autoren
schreiben nach publizistischen Kriterien und unabhängig von politischen, wirtschaftlichen, religiösen, sozialen
oder anderen Interessengruppen sowie von persönlichen Interessen."

Wir unterscheiden aber Werbung oder politische Propaganda von der PR und beurteilen Letztere nicht per se
negativ. Die PR – sprich die Öffentlichkeitsarbeit von Organisationen, Unternehmen oder Behörden – hat
durchaus ihre Berechtigung, wenn es um Information, Kommunikation und Meinungsbildung geht.

>> Sollte sich das Funding Journalism etablieren und in Zukunft einen größeren Anteil der Berichterstattung
tragen, hätte dies Ihrer Meinung nach Implikationen auf Public Relations oder bliebe das Verhältnis von
Journalisten zu PRlern davon unangetastet?

Schauen wir die Sache doch ganz pragmatisch an: Auf der einen Seite finanziell und personell gut dotierte
Nichtregierungs-Organisationen wie maiak, deren Autoren anerkannte Fachleute in ihrem Themengebiet sind
und deren Träger (Stiftungen, Universitäten und Privatpersonen) langfristig einen unabhängigen
Qualitätsjournalismus fördern wollen. Auf der anderen Seite brutal dezimierte Redaktionen unter Zeitdruck, die
sich durch Anzeigen von Unternehmen, Organisationen und Behörden finanzieren.

Wenn die Redaktionen einen Teil der Hintergrundberichte durch eine Organisation wie maiak und deren Funding
Journalism finanziert erhalten, könnte es sogar ihre publizistische Unabhängigkeit vergrössern. Ich denke
deshalb, dass durch den Funding Journalism langfristig die Öffentlichkeitsarbeit von Organisationen,
Unternehmen oder Behörden besser wird, da die PR besser werden muss.

Dies soll zunächst als Einstieg in das Thema 'Funding Journalism' genügen. Mich würde interessieren: Sind Sie schon
mit Journalisten in Berührung gekommen, die für eine Funding Journalism Organisation gearbeitet haben? Wird dieses
Thema für Sie an Relevanz gewinnen oder denken Sie, es bleibt ein Nischenthema? Über Ihre Meinung würde ich mich
freuen!
Thomas Euler
>> Freitag.de: Qualitätsjournalismus im Internetzeitalter
>> Huffington Post: Announcing the launch of the Huffington Post Investigative Fund

http://klauseck.typepad.com/prblogger/2009/06/trendwatch-funding-journalism.html Seite 2 von 3


PR Blogger: Mehr Spenden für den Qualitätsjournalismus 22.06.09 09:59

>> Huffington Post: Announcing the launch of the Huffington Post Investigative Fund
>> PRESSthink: Introducing the new Huffington Post Investigative Fund
Verfasst von Thomas Euler am 22. Juni 09 um 09:23 in Medien | Permalink
Technorati-Tags: Funds, Journalismus, Journalisten, Medien, Non-Profit, PR, Spenden

TrackBack
TrackBack-Adresse für diesen Eintrag:
http://www.typepad.com/services/trackback/6a00d8341c2d6d53ef0115712dbde8970b
Folgende Weblogs beziehen sich auf Mehr Spenden für den Qualitätsjournalismus:

Kommentare
Anmelden oder kostenloses Konto anlegen (optional).

(Sie können HTML-Befehle wie <b> <i> and <ul> verwenden, um Ihren Text zu
formatieren. URLs werden automatisch in Links umgewandelt.)

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt.

Name

E-Mail-Adresse

Website (URL)

Absenden Vorschau

http://klauseck.typepad.com/prblogger/2009/06/trendwatch-funding-journalism.html Seite 3 von 3