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Zusammenfassung:„Inszenierungsgesellschaft?
Zum
Theater
als
Modell,
zur
Theatralität
von
Praxis“ 
 Herbert
Willems 


folgenden
Ausarbeitungen
als
Möglichkeit
ein er
sozialwissenschaftlichen
 Betrachtung
von
Theatralität 


Hintergrund:
 Das
Bühnenmodell
( Goffmann ) 


„Interaktionsordnung“
 – 
auf
Basis
einer
komplex
angelegten
Theorie
und
Analyse


 

der
Interaktionen 


Das
Modell
bezieht
sich
auf
situative
verortete
Interaktionssysteme,
 Interaktionsräume
und
Interaktionskontexte,
kann
aber
auch
auf
die
Kultur
und
 Praxiskont exte
von
Verständigungsmedien
und
Verbreitungsmedien
angewendet
 werden.



Als
Medienbühne
ist
dann
allerdings
jede
sprachliche
oder
bildliche
Basis
von
 Inszenierung
und
Performance
zu
verstehen(Bsp.
Email
schreiben)


Primäre
Interaktionstheatralität 


Struktur merkmal
der
Interaktionstheatralität
ist
bestimmt
durch
das
Agieren
 und
Interagieren
physisch
präsenter
Personen,
die

fundamentalen
sozialen
 Zwängen
und
habituelle
Mechanismen
folgen 


Jeder
im
Spiel
steht
zum
einen
unter
dem
Interpretationszwang
(
zu
erken nen,
 was
eigentlich
vorgeht
),
zum
anderen
unter
dem
Kundgabezwang
(
erkennen
zu
 geben
wie
er
eigentlich
vorgeht
)

für
den
Einzelnen
bedeutet
dies
eine
Anpassung
an
die
Normen
der
Gesellschaft:
 auf
der
„Frontstage“
gilt
die
Technik
des
„
impression
managme nts
“
























 (
=
Verbergen
und
Unterlassen
verschiedener
Aspekte
),
während
er
auf
 „Backstage“
die
Maske
fallen
lassen
kann 


Bsp:
 Um
den
erweckten
 (
ersten
)
Eindruck
aufrecht
zu
erhalten,
muss
der
 Zugang
zur
 „ Backstage “ 
natürlich
verhindert
werden.
Wirkungsvoll
ist
 Mystifikation,
die
Wahrung
sozialer
Distanz
(
wie
 Könige,
Minister
etc .
)
 


 


 Informationskontrolle
und
Wahrung
von
Geheimnissen
ist
zentral. 


Theatrale
Sinntypen
und
Sinnkomplexitäten 


um
Wesen
theatraler
Prozesse
gerecht
zu
werden,
bedarf
es
einer
zusätzlichen
 Sinntheorie:
Ermöglicht
das
„Lesen“
der
sozialen
Umwelt
und
das
dementsprechende
 Behandeln 


„Täuschungen“ ‐ 
bewusstes
Bemühen,
Handeln
zu
lenken
und
damit
falsche
 Vorstellungen
erzeugt
werden


Strategische
Interaktion=
durch
B eobachten
schlussfolgern,
Spielähnliche
 Überlegungen,
Wettkampf
der
Einschätzung


 


diese
Spiele
implizieren
dramaturgische
Techniken
und
Züge


Habitusformen
der
(theatralen)
Interaktionsordnung 


Hintergrundwissen:




Begriff
„Habitus“
nach
 Bourdieu 
=Seinsweise
eines
 Angehörigen
einer
sozialen
Schicht


Begriff
„Habituskonzept“
nach
 Bourdie :

















 =
Vermittelung 
zwischen
den
 


















 • 
 fundamentalen
Lebensbedingungen
und
den
 
 


















 • 
 Praxisformen
eines
sozialen
Akteurs


Habitusf ormen:


Habitusf ormen:
 •

Differenz
zwischen
Inszenierung
und
Darstellung:
Grundlage
bildet
 Habituskonzept 


Bezogen
auf
Theatralitätsbegriff
ist
habituelle
Zustand
besonders
durch
die
 körperliche
Verfassung
geprägt
=
Körper
ist
das
Darstellungsmittel
und
 Ausstellungsobjekt 


we gen
Habitus
ergeben
sich
verschiedene
Verhaltensstile
und
geben
ein
Feld
von
 Theatralität
dar
 


Verschiedene
Verhaltensstile:
 a)
Rollendarstellung 
 


 

 =
 aufgrund
von
situativen
Umsetzungen
von
Regeln
entstehen
theatrale 
 





 

 Verhaltensstile,
die
im
Sozialisationsprozess
zur
zweiten
Natur
werden
 b)
Rollendistanz 






 =
meint
zugespitzt
die
Trennung
zwischen
Individuum
und
seiner
mutmaßlichen
 






Rolle: 
„Das
ist
nicht
mein
wirkliches
Ich“ 
 c)

Image 
 


=
 Selbstbilder,
die
eine
„zweite
Natur“
bilden
und
i m
Sozialisationsprozess
habituell
 





 werden


Sequentialität 


=
Konzepte
und
Verfahren,
um
die
Ordnung
von
Prozessen
zu
erfassen:
Theater‐ 
 



 metaphorik
nur
begrenzt
hilfreich.
Deshalb:


1) Skripttheorie


 

Soziale
Anlässe
&
Behaviour
Settings 


Persönliche
Verhaltensstile 


Dramatische
Drehbücher
der
Mediengenres


2) Ritualmodell 


 

Moralische
Dimension
der
Interaktionspraxis


Prozeßstrukturen
in
„Spielen“ 


Enthält
Anhalspunkte
für
alles,
was
während
eines
Gesprächs
geschieht 


3) Spielmodell
der
strategischen
Interaktion 


 

Be zugsrahmen
für
die
Analyse
der
Sequentialität
von
strategischen
Zügen
 und
Wechselspielen
von
strategischen
Zügen


Korporalität 


 

Körper
=
„symbolische
Realität“ 


Schwerpunkt
dessen,
was
mit
Theatralität
gemeint
ist 


Aspekte
der
Korporalitätsanalyse
u.a.: 


1) Kö rper
ist
Zeichenträger,
Zeichenproduzent 
und
Objekt
entsprechender
 „Erkennungen“
(Bsp.:
„erste
Eindrücke“)
/
 K.
trägt
Zeichen
des
Geschlechts,
Alters,
 Rasse,
Krankheit,
Lebensgewohnheiten
etc.
 


2) Der
Körper
ist
ritueller
Körper,
Träger
und
Erzeuger
rituelle r
Zeichen,


Subjekt
und
Objekt
ritueller
(Be ‐ )Handlung,
Bsp.:
Normierung
und
 Selbstkontrolle
des
Blicks,
Bsp.:
Aktmalerei,
Goffman
 
„Blickordnung“
wichtiger
 Bestandteil
der
Interaktionsordnung!!
Bsp.
Für
korporale
Ritualisierungen:
 Händeschütteln,
Händehal ten,
Küsse,
Verbeugungen
etc. 
 













 (
weitere
Aspekte
von
Seite
44
 – 
50
)


Figurativität
und
Historizität 


‐ 
Das
Bühnenmodell
und
ähnliche
Modelle
greifen
in
zwei
theatralitätsanalytisch 
 


wichtigen
Richtungen
zu
kurz: 


a)




 ‐ 




es
verfehlt 
relevante
Strukturbedingungen,
Sinnbezüge,
Beziehungsnetze
und
 
















 Handlungsketten
jenseits
der
Interaktion
und
ihrer
situativen
Lokalität 


Die
Theatralität
der
modernen
Gesellschaft
ist
in
komplex
strukturierte,
 dynamische
und
in
ihrem
inneren
Konstellationen
veränderliche
Kontexte
 eingelassen,
die
sozusagen
den
Rahmen
der
empirischen
(Inter‐ )Aktionen
 abgeben 


Das
Figurationsmodell
vom
Soziologen
Norbert

Elias 
beschreibt
eine
von
 Konzepten
wie
„System“
oder
„Rolle“

verfehlte
Tatsache
und
Ebene
erfas st,
 nämlich
die
spezifisch
konstellierten
Beziehungen
und
Beziehungsgeflechte,
die
 sich
innerhalb
struktureller
Rahmenbedingungen
in
verschiedenen
Dimensionen
 ausformen,
entwickeln
und
wandeln 


b) 


 ‐ 



 Die
Erscheinungsformen
und
Sinnvoraussetzungen
von
Theatrali tät
sind 
















 historisch



Elias
„Figurationsprozess“
beschreibt
„Grammatiken
des
sozialen
Handelns“
als
 Momente
langfristiger
Formationen
und
Transformationen
auf
verschiedenen
 gesellschaftlichen
und
„bio ‐ psychischen“
Ebenen


Modernität,
The atralität,
Entheatralisierung 


Theatralität
ist
eine
Realität
oder
Realitätsdimension
jeder
Kultur
und
jeder
 Epoche


Der
moderne
Mensch
führt
im
Gegensatz
zum
„höfischen
Menschen“
eher
ein
 „untheatralisches“
Leben,
da
er
fundamental
durch
die
Logik
funktiona ler
 Differenzierung
geprägt
ist


Heutzutage
ist
„Authentizität“
ein
gesellschaftsweit
anerkannter
Zentralwert 


Die
moderne
ist
auch
eine
Epoche
theatraler
Anomie




bedeutet
nicht
nur
Freiheit
von
Theatralität,
sondern
auch
Freiheit
und
Zwang 







 
zu
Theatralität 


Wo
es
an
symbolischer
Praxisorganisation
mangelt,
ist
der
Handelnde
als
 „Performancekünstler“
gefragt
 


Zentrale
Institutionen,
Struktur ‐ 
und
Systemformen
sind
„antitheatral“ 
u.a.
 werden
Medien‐ Codes
(Geld,
Macht,
Wahrheit,
Liebe,…)
differenziert
und
 spezialisiert


Inszenierungsgesellschaften


die
moderne
Gesellschaft
erzeugt
und
bedingt
durch
die
Komplexität
ihrer
 Struktur
Formen,
Spielräume
und
Zwänge
von
Theatralität
bzw.
theatralem
 Handeln


Märkte
und
Konkurrenzen:
 


es
herrschen,
auf
Grund
von
Kulturwandlungen
und
sozialen
 Differenzierungsprozessen,
Markt‐ 
und
(Selbst ‐ )
Vermarktungsprinzipien


Individuen
(speziell
jüngere)
müssen,
wenn
sie
etwas
anstreben,
auf
Märkten
für
 persönliche
Beziehungen
„auftreten“
und
versuchen,
durch
entsprechendes
 „Sich‐ Auf führen“
„eine
Person,
die
anderen
auffällt“ 


es
bestehen
Zwänge
oder
Motive,
sich
als
Mensch
interessant
und
gefällig
zu
 machen,
sich
zu
idealisieren,
das
„Outfit“
zu
stilisieren,
den
„Body“
zu
bilden,
 Individualität
zu
dramatisieren
 
„guten
Eindruck“
scha ffen


in
vielen
beruflichen
Kontexten
stehen
Menschen
unter
theatralem
 Handlungsdruck 


in
Karrieren,
in
denen
der
Erfolg
von
Images
und
persönlichen
Beziehungen
 abhängt 


in
der
Werbung
wird
Theatralität
zu
einem
(kauf ‐ )entscheidenden
 wirtschaftlichen
Faktor 


S pezialkulturen:



bedingt
und
verstärkt
durch
die
Entwicklung
der
Medientechnik,
aus
der
sich
 viele
neue
Erlebnis ‐ 
und
Kommunikationsoptionen
ergeben
haben,
haben
sich
 „Spezialkulturen“
entwickelt 


Kulturen,
die
aus
relativ
unorganisierten
„Szenen“

„selbstr eferentielle
 Subsysteme“
gebildet
haben
(z.B.
Sadomachisten) 


Theatralität
und
rezeptive
Produktivität: 


viele
Klassen
moderner
Existenzbedingungen
ziehen
ein
Theatralitäts‐ 
oder
 Dramaturgiebewusstsein
nach
sich


in
immer
mehr
Rollen
und
Rollenhaushalten
präg en
sich
immer
mehr
theatrale

 Seiten
aus,
die
immer
wichtiger
werden


„Theatralitätswerte“
unterscheiden
sich
jedoch
unter
den
einzelnen
Individuen



„Reinheit
der
Aufführung“
unterscheidet
sich
anhand
des
Kriteriums
 „Ausschließlichkeit
des
Anspruchs
der
Zuschauer
auf
die
Handlung,
der
sie
 beiwohnen“ 


jeder
Akteur
braucht
heute,
als
Voraussetzung
seiner
Gesellschaftsfähigkeit,
ein
 generelles
Theatralitätswissen,
ein
Grundkenntnis
theatraler
Sinnkomplexitäten
 und
ein
entsprechendes
Verarbeitungs‐ 
und
Handlungsv ermögen


Mediale
Theatralität
//
Weltbilder
und
„Bildner“
von
Weltbildern: 


Massenmedien
spielen
die
wichtigste
erfahrungsgenerative
Rolle
in
der
heutigen
 Gesellschaft


mit
ihren
Präsentationen
und
Inszenierungen
erzeugen
sie
eine
Unzahl
von
 „Erfahrungen
zweiter
Hand“,
aus
denen
sich
Weltbilder
ergeben 


Massenmedien
haben
sich
zum
gesellschaftlichen
Theatralitäts ‐ 
und
 Realitätszentrum
entwickelt 


//
Genre ­Rahmen :


Theatralität
von
Genres 


Medienerzeugnisse
lassen
sich
also
im
Prinzip
als
„rasch
wechselnde
Ströme
 verschieden
gerahmter
Abschnitte“
beschreiben,
als
komplexe
Spezifikationen
 dessen,
was
im

Rahmen
des
jeweiligen
 Genres
möglich
ist


Sie
sind
(Grenz‐ )Wandlungen
unterworfen 


Genre‐ Rahmen
geben
eine
Definition
von
den
offerierenden
Geschehnissen
und
 den
organisierten
Erfahrungen


(
 spannender
Exkurs
ab
S.
66
zum
Thema
 „ Glaubwürdigkeit
von
 Genre ­Rahmen
 der
 Werbung “
zu
empfehlen 
 )


Rezipienten
und
Rezeption :


Massenmedien
bilden
eine
Art
Plattform,
auf
der
eine
Vielfalt
von
kulturellen
 Wissensbeständen,
Bedeutungs ‐ 
und
Informationstypen
zum
Ausdruck
und
zur
 Darstellung
kommt 


das
Medienforum
bietet
Akteuren 
die
Möglichkeit
Kultur,
ihre
Kultur
darzubieten
 und
anzubieten 


medienkulturelle
Subjekte
(Journalisten
usw.)
sind
Sinnvermittler
und
 Sinnproduzenten,
sie
reagieren
mit
hoher
Sensibilität
auf
konkrete
Ereignisse,
 auf
den
Wandel
gesellschaftlicher
Strukture n,
Veränderungen
in
Einstellungen
 und
Wertvorstellungen 


Medienerzeugnisse
zeichnen
sich
durch
eine
prinzipielle
interpretative
 Verfügbarkeit
aus,
sie
sind
mehr
oder
weniger
offen


Medienrezipienten
können
daher
zu
Faktoren
von
Bedeutungskonstitutionen
 werden


die
unterschiedlichen
Stile
der
Rezipienten
lassen
sich
auf
habituelle
 Rahmenrepertoires,
erfahrungswirksamen
sozialen
und
kulturellen
Differenzen
 zurückführen



Produzenten
von
Medienerzeugnissen
sind
daher
gezwungen,
strategisch
zu
 operieren,



sie
müssen
die
„Medienlandschaft“
absuchen,
um
ihre
Publika
zu
erreichen
und
 sie
müssen
das
Design
ihrer
Theatralität
auf
die
habituellen
Rahmen
ihrer
 Publika
abstimmen
(Rezeption ‐ 
und
Nutzungsarten)