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themenheft

WOHNEN

MATERIALIEN FÜR DEN DAF-UNTERRICHT ZUM THEMA WOHNEN ZENTRUM FÜR ÖSTERREICHSTUDIEN, AUGUST 2007

Wolfgang Malik, Gerd Hollenstein, Gilma Plukiene

ZUM THEMA WOHNEN ZENTRUM FÜR ÖSTERREICHSTUDIEN, AUGUST 2007 Wolfgang Malik, Gerd Hollenstein, Gilma Plukiene

themenheft

WOHNEN

themenheft WOHNEN

MATERIALIEN FÜR DEN DAF-UNTERRICHT ZUM THEMA WOHNEN ZENTRUM FÜR ÖSTERREICHSTUDIEN, AUGUST 2007

Herausgeber:

Zentrum für Österreichstudien, www.his.se/osterrike Hochschule in Skövde, www.his.se Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (Abteilung I/3a, Referat„Kultur und Sprache“), www.kulturundsprache.at

Zentrum für Österreichstudien, 2007

Idee, Inhaltliche Gestaltung, Redaktion Inhaltliche Mitarbeit und Beratung Autor/innen Bilder

Umschlagfoto Grafische Gestaltung, Layout

Wolfgang Malik

Gerd

Wolfgang

Ruth

Florian Lüftner, Stefan Malik, Wolfgang Malik, Werner Schwarz, Wolfgang Zeiner

Wolfgang Malik

Mattias Bolander

Ehrmann, Michaela Gigerl, Angelika Grani,

Hollenstein, Trude Höllerbauer

Malik, Gerd Hollenstein, Gilma Plukiene

themenheft WOHNEN

Inhalt

Vorwort

4

Einleitung

 

5

KAPITEL 1

MEINE STRASSE – HIER WOHNE ICH

6

KAPITEL 2

WOHNUNGEN UND IHRE BEWOHNER/INNEN

12

KAPITEL

3

WOHNPRÄFERENZEN VON JUGENDLICHEN

15

KAPITEL 4

WOHNUNGSANNONCEN

20

KAPITEL 5

WOHNEN LITERARISCH

22

KAPITEL

6

BESONDERE WOHNFORMEN

28

LEHRER/INNENKOMMENTAR

33

KAPITEL 5 WOHNEN LITERARISCH 22 KAPITEL 6 BESONDERE WOHNFORMEN 28 LEHRER/INNENKOMMENTAR 33
Anlässlich der EU-Präsidentschaft Ös- terreichs im ersten Halbjahr 2006 ver- anstaltete das Zentrum für Österreich-

Anlässlich der EU-Präsidentschaft Ös- terreichs im ersten Halbjahr 2006 ver- anstaltete das Zentrum für Österreich- studien an der Hochschule in Skövde / Schweden in Kooperation mit dem österreichischen Bildungsministerium einen internationalen Schulwettbewerb für Gymnasien und Handelsschulen in Dänemark, Estland, Finnland, Is- land, Lettland, Litauen, Norwegen und Schweden zum Thema „Meine Straße:

Hier wohne ich - Essays, Geschich- ten, Lieder, Bilder rund ums Thema WOHNEN“. Insgesamt erreichten das Zentrum für Österreichstudien 653 Beiträge aus 90 Schulklassen. Neben Einzelarbeiten wurden auch zahlreiche Partner- und Gruppenarbeiten einge- reicht. Die Form der Beiträge reichte von Essays über Märchen, Kriminal- geschichten, philosophischen Abhand- lungen, Tagebuchnotizen, Zündholzmo- dellen, Zeichnungen, Bilderbüchern,

Vorwort

Plakaten, Collagen bis hin zu Fotore- portagen, Powerpoint-Präsentationen, Informationsfoldern, DVDs, Videos, MP3 Liedern, E-Journalen.

Nicht nur die große Teilnehmerzahl, sondern auch die Vielfalt an Beiträ- gen, ist für uns ein Zeichen dafür, dass Deutsch durchaus noch ein lebendes Unterrichtsfach an den nordischen und baltischen Schulen ist. Wir haben aber auch festgestellt, dass das The- ma WOHNEN ein interessanter, mo- tivierender und aus dem Unterricht nicht wegdenkbarer Schwerpunkt ist. Aus diesem Grund freuen wir uns nun nach dem themenheft METROPOLEN das themenheft WOHNEN präsentieren zu können.

den Ländern des Nordens und des Bal- tikums sowie Österreich zu fördern, haben wir an den Anfang des Themen- heftes bewusst Schüler/innenbeiträge aus dem Schulwettbewerb gesetzt, die aus verschiedenen Ländern kommen. Aber auch die folgenden Kapitel, die sich auf Österreich beziehen, laden im- mer zum Vergleich mit dem eigenen Land und den anderen nordischen und baltischen Ländern ein.

Den Schüler/innen und Lehrer/innen, die das Material im Unterricht ver- wenden, wünschen wir viel Vergnügen damit!

Lars-Erik Johansson Leiter des Zentrums für Österreichstudien

Da es dem Zentrum für Österreichstu- dien stets ein Anliegen war und ist, auch den interkulturellen Dialog zwischen

Einleitung

themenheft WOHNEN ist eine didak- tisierte Materialiensammlung für den kommunikativen und interkulturel- len Landeskundeunterricht im Fach Deutsch als Fremdsprache auf den Niveaus A2 und B1/B2 und ist vor al- lem für den Einsatz an Gymnasien und Handelsschulen in den nordischen und baltischen Ländern gedacht. Auch wenn sich das Themenheft vor allem auf ös- terreichische Verhältnisse konzentriert, so laden die Texte und Aufgaben immer zum interkulturellen Vergleich mit der eigenen Wohnsituation, der Wohnsitua- tion im Heimatland der LernerInnen ein. Die in diesem Themenheft versammelt- en Kapitel sind: „Meine Straβe – hier wohne ich“, „Wohnungen und ihre Be- wohner/innen“, „Wohnpräferenzen von Jugendlichen“, „Wohnungsannoncen“, „Wohnen literarisch“ und „Besondere Wohnformen“.

Vor allem in den Texten ist von Kapitel zu Kapitel eine Progression des Schwier- igkeitsgrades festzustellen, wobei die dazugehörenden Übungen vorentlas- tend Schritt für Schritt an die Texte heranführen sollen. Die jedem Kapitel vorangestellte Niveaubeschreibung von Niveau I bis III dient zur Orientierung. Letztendlich liegt die Entscheidung bei der Lehrperson, welche Texte und Übungen für die jeweilige Lerner/in- nengruppe angemessen sind. Es ver- steht sich von selbst, dass man zu den Texten auch andere Übungen, als die hier vorgeschlagenen, anbieten kann. Die in diesem Themenheft präsentierten Texte und Übungen verstehen sich als Beispiele, die auch zur Auseinanderset- zung mit anderen Wohnsituationen in anderen Kulturen anregen können.

Die einzelnen Kapiteln können der Rei- he nach oder unabhängig voneinander erarbeitet werden. Hält man sich nicht an den Aufbau des Themenheftes, dann ist wichtig, dass man den Wortschatz zum Thema Wohnen auf eine andere Weise erarbeitet und sichert. Zur Ori- entierung wird jedes Kapitel in einer gewissen Grundfarbe gehalten. So kann man sich auch leichter im Lehrer/in- nenkommentar am Ende des Themen- heftes zurechtfindet.

themenheft

gen

zum

WOHNEN

Lese-

und

Übun-

Hörverstehen,

bietet

gen zum WOHNEN Lese- und Übun- Hörverstehen, bietet zum Wortschatz, zur Grammatik, zum kreativen Schreiben und

zum Wortschatz, zur Grammatik, zum kreativen Schreiben und Schreiben nach Mustern, zur mündlichen Präsen- tation, zum Arbeiten mit Interviews, zum eigenen Recherchieren sowie Rollenspiele, Pantomime und kleine Theateraktivitäten. Die Übungen sind zum Teil als Einzelarbeiten konzipiert, aber auch Paar- oder Gruppenarbeiten sind gefordert. Auf eine grafische Sym- bolisierung einzelner Übungen wird verzichtet, da oft mehrere Fertigkeiten gleichzeitig gefragt sind und trainiert werden.

Die Kapitel sind so aufgebaut, dass zu Beginn jedes neuen Themas alle Auf- gaben präsentiert werden. Es empfiehlt sich, sie der Reihe nach auszuführen, da sie aufeinander aufbauen. Zusatz- aufgaben kann man noch im Anschluss an die Textteile bzw. im Lehrer/in- nenkommentar finden, wo auch die Lösungen zu einzelnen Übungen ab- gedruckt sind. Jedes Kapitel endet mit einem kleinen Projekt, in dem die Lern- er/innen über ihre eigene Situation oder die in ihrem Herkunftsland reflektieren sollen.

Didaktisch-methodisch gehen wir von folgender Überlegung aus: Lerner/in- nen interessieren in der Regel Dinge, die sie selbst betreffen beziehungsweise neugierig machen. Neugierde lässt sich auch mit einfachen Mitteln erzeu- gen – eines davon ist das Hypothesen bilden. Immer wieder fragen wir die Lerner/innen in diesem Themenheft,

was sie meinen oder glauben, was sie von dem Kapitel oder Text erwarten, ob ihre Neugierde zufrieden gestellt wurde, was sie meinen, wie ein Text weiter geht oder eine bestimmte Per- son sich fühlt, welche Fragen noch of- fen sind und wie sie zu den vermissten Antworten kommen können. Wichtig dabei ist, dass vorerst keine Hypothese als falsch betrachtet wird. Eine Hy- pothese ist eine Ausgangsüberlegung, deren Wahrheitsgehalt mit Hilfe des Textes überprüft wird. Indem sich die Lerner/innen nun mit ihren eigenen Vorstellungen und Erwartungen einem Text oder einer Aufgabe nähern, ist ihr Interesse geweckt und man kann davon ausgehen, dass sie den Text zu einem gewissen Grad auch aus eigenem An- trieb lesen. Ein weiteres Prinzip in den Übungen ist, dass die Schüler/innen nicht nur etwas über Österreich lernen sollen, sondern gleichzeitig über ihre eigene Situation reflektieren können und ihnen die Möglichkeit gegeben wird, diese auch zu präsentieren.

Wir danken allen, die uns auf unter- schiedliche Weise bei der Erstellung des Themenheftes geholfen haben und wün- schen allen Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern viel Spaß mit dem themenheft WOHNEN.

Wolfgang Malik

Niveau I - II

Meine Straβe

KAPITEL 1

MEINE STRASSE – HIER WOHNE ICH

1. Ordne die Texte 1 – 8 den Bildern A – H zu

Sieh dir die Bilder A – H an und überlege dir, wer in diesen Häusern und Wohnungen wohnt. Glaubst du, dass

die Bewohner/innen mit ihrer Wohnsituation zufrieden sind? In welchem Land liegen die Häuser und Wohnun- gen?

Lies dir die Texte 1 – 8 durch und ordne sie den Bildern A – H zu. Begründe deine Zuordnung.

Ihr könnt euch die Texte auch aufteilen. Jeder liest einen Text und sucht das dazupassende Bild. Besprecht

dann eure Wahl in der Gruppe.

2. Welche der vorgestellten Wohnformen gefällt dir am besten?

Notiere zu jedem Bild und Text Vor- und Nachteile.

3. Wortschatz

Unterstreiche in den Texten alle Wörter, die mit dem Thema „Wohnen“ zu tun haben und lege ein mehrspra-

chiges Glossar an.

DEUTSCH

MUTTERSPRACHE

ENGLISH

FREMDSPRACHE

das Haus

the house

la casa

der Garten

the garden

4. Projekt

Gestalte selbst einen Beitrag zu dem Thema „Meine Straβe – hier wohne ich.“

Das folgende Cluster kann dir bei der Themengestaltung und beim Aufbau des Textes helfen.

Du kannst natürlich über alle Aspekte schreiben. Aber vielleicht erscheint dir ein bestimmter Punkte

besonders interessant und du möchtest ihn genauer erforschen. Über welche Aspekte wird in den Texten 1 – 8 geschrieben?

Stellt in eurer Schule eine kleine Ausstellung über eure Häuser, Wohnungen, Wohnformen und Wohnumge-

bungen zusammen und lernt so eure Stadt oder eure Gemeinde besser kennen.

Mein Haus Lage Infrastruktur Nachbar Name Verkehr Passanten abgelegen Probleme Florianigasse
Mein Haus
Lage
Infrastruktur
Nachbar
Name
Verkehr
Passanten
abgelegen
Probleme
Florianigasse

7

A C E G
A
C
E
G
B Meine Straβe
B
Meine Straβe
D
D
F
F
H
H

Meine Straβe

8

1 Ich wohne in einer Straße na- mens Fornbyvägen. Sie liegt in

Rinkeby, einem Vorort von Stockholm. Rinkeby ist von Menschen aus vielen Ländern und Kulturen bewohnt. Dort gibt es fast nur Hochhäuser mit vier bis sechs Stockwerken. Das Hochhaus, in dem ich wohne, hat fünf Stockwerke. In diesen Stockwerken ist über die Jahre viel passiert, z.B. dass Matratzen die Treppen hinunter fahren. (…)Trotz Rinkebys schlechtem Ruf ist das Leben

hier sehr schön. Die schwedischen Me- dien vermitteln ein sehr schlechtes Bild von Rinkeby. Es sei schmutzig, alle seien kriminell und Drogen würden an jeder Ecke verkauft werden. Aber dieses Bild stimmt nicht. Dort gibt es viele grüne Stellen und die Wiese „Järvafältet“ ist ein sehr beliebter Picknickplatz. Hier in Rinkeby sprechen alle mit einander und man kann mit einem total fremden Menschen bei einem Greißler für eine sehr lange Zeit sprechen. Wenn man in

der Innenstadt mit jemandem sprechen will, den man nicht kennt, glauben sie, dass man gestört ist und sie versuchen, so diskret wie möglich wegzugehen. Ich habe, wie schon gesagt, mein gan- zes Leben hier in Rinkeby gewohnt und ich will niemals zu einem toten Platz ir- gendwo in der Stadt umziehen, wo man Pfefferspray ins Gesicht bekommt, weil man jemanden fragt, wie spät es ist.

Theofan Monciu

2 Meine Straβe heißt Konsumvägen. Sie ist nach einer alten Geschäft-

skette benannt, die Konsum hieß. Ich habe den Konsum nie gesehen, weil er abgeris- sen wurde, als ich in unser Haus gezogen bin. Jetzt gibt es nur neue Häuser, da wo der Konsum gestanden hat und es gibt keine Spuren von dem alten Geschäft. Mein Haus ist über 30 Jahre alt, aber es sieht aus, als ob es erst 10 Jahre alt wäre. Die Häuser von meinen Nachbarn sind

neuer, aber sie sehen älter aus. Auf jeder

Seite wohnen Familien mit Kindern und hinter meinem Haus wohnt eine 95 Jahre alte Dame. Früher wohnte ein sehr al- ter Mann da, wo jetzt eine der Familien wohnt. Er war sehr komisch, weil er mit seiner Krücke an unsere Tür geschlagen hat. Wir wussten nicht, was wir tun soll- ten, also gaben wir ihm Essen. Später kam sein Enkel und gab das Essen zurück. Vor meinem Haus gibt es einen Kindergarten. Die Kinder in dem Kindergarten sind sehr störend. Sie weinen den ganzen Tag und

das ist nervig. Besonders im Sommer sind sie störend, weil sie so früh kommen und da schlafe ich noch. Sie beginnen zu wei- nen und sie wecken mich, weil mein Fen- ster offen ist. Das ärgert mich sehr und ich bin dann den ganzen Tag sauer. Sonst pas- siert nicht so viel in meiner Straβe. Sie ist ziemlich langweilig, aber sie ist eine gute Straβe, wenn man kleine Kinder hat. Sie können ruhig spielen und groß werden.

Martin Mihaylov

3 Hinter dem Markt ist eine Reihe von grauen Plattenhäusern zu se-

hen. In einer dieser fünfstöckigen „Kisten“ lebe ich seit meiner Geburt selbst. Auf den ersten Blick sehen diese Häuser, die in den siebziger Jahren gebaut worden sind, besonders ungemütlich und eintönig aus. Aber die Leute bemühen sich irgend- wie ihre Umwelt zu verschönern: Frauen züchten kleine Vorgärten und schmücken mit Blumen ihre eigenen Balkone, Män- ner streichen die Treppenhäuser mit hellen Farben, damit die Atmosphäre heller und

heiterer wird. Wenn das Wetter schön ist, wird es in den Höfen sogar sehr lebhaft:

ältere Menschen unterhalten sich auf den Bänkchen und beobachten Jugendliche, die energisch auf den Basketballspiel- plätzen ringen. Ihre Stimmen hört man bis zum späten Abend und sie beruhigen sich erst dann, wenn die Dunkelheit an- bricht. Zu Hause im Bett höre ich dann nur leises Verkehrsrauschen, aber es nervt mich nicht, eher umgekehrt – es wirkt beruhigend. Es gibt einige Geräusche, die weitaus mehr stören. Ich meine Laute von

Nachbarn, die nicht immer zur selben Zeit schlafen gehen. Die Wände sind sehr dünn, dann hört man und manchmal spürt man sogar die Musikrhythmen aus den anlie- genden Wohnungen, wenn dort eine Party stattfindet. Nicht alle Nachbarn sind aber geduldig und tolerant den Radaumachern gegenüber – von Zeit zu Zeit wird auch die Polizei gerufen. Meistens ist es aber den- noch ziemlich ruhig in unserem Bezirk und die Gesetzeshüter besuchen uns nur selten.

Agné Stankevičiūé

4 Ich bin die Straβe, alte Straβe, alte Straβe. Man nennt mich Gasse, schmale Gasse, Blumengasse.

Ja, in der Stadt sind Straβen: breite Straβen, lange Straβen. Im Dorf, da, wo ich bin, sind nur die Gassen, kleine Gassen, schmale Gassen.

Ich hab´s viel besser, als die Schwestern in der Großstadt! Keine Fabrik, kein Hafen, keine Werkstatt. Die saub´re Luft für meine Lungen ist gesund. Ringsum hab´ ich nur Fichten, grüne Wiesen, dunklen Sumpf.

Von Früh bis Spät hab´ ich ja aber keine Ruh´:

Man rennt, man quietscht, man schimpft auf eine Kuh. Da fährt ein Auto oder rollt ein Pferdewagen, Da bellt ein Hund, da klopft die Tür vom Laden.

Der tiefe Winter mit viel Schnee bringt mir die Ruhe. Da schlaf´ ich länger, bis man melkt die ersten Kühe. Nun wachen langsam alle alten Häuser auf. Vom ersten Schornstein kommt der weiße, nette Rauch.

Die Kinderstimmen sind für mich so gut bekannt:

Die kleinen Frechen- die sind immer Hand in Hand. Mit ihren Taschenlampen laufen wieder sie zur Schule Vorbei am Friedhof und an der alten armen Mühle.

Von Früh bis Spät hab´ ich ja aber keine Ruh´:

Man rennt, man quietscht, man schimpft auf eine Kuh. Da fährt ein Auto oder rollt ein Pferdewagen, Da bellt ein Hund, da klopft die Tür vom Laden.

Im Sommer ist mein Leben bunt wie Regenbogen. Es riecht nach Heu, nach Beeren und nach Roggen. Der warme Regen wischt von mir den grauen Staub, Ich atme tief die Frische von dem grünen Laub.

Und winke ich vom Weit der Affenbrücke. (Die hat bestimmt ja wieder neue dunkle Lücke). Heut´ gibt es Fisch für alle. Auch für mich. Da freuen sich die Katzen, alle freuen heute sich.

Von Früh bis Spät hab´ ich ja aber keine Ruh´:

Man rennt, man quietscht, man schimpft auf eine Kuh. Da fährt ein Auto oder rollt ein Pferdewagen, Da bellt ein Hund, da klopft die Tür vom kleinen Laden.

Matas Plūkys

Meine Straβe

5 Ein einsamer Tourist schleicht durch die Straβe und in unseren

Garten hinein. Er drückt seine fette Nase gegen unser großes Wohnzimmerfen- ster. Mein Bruder klopft irritiert an die Fensterscheibe und der Tourist läuft er- schrocken aus dem Garten. Das Viertel ist sehr neu und modern und die Touris- ten sind einfach von der modernen Ar- chitektur fasziniert, und dass alle Häuser neben oder auf dem Wasser liegen. Im Winter sind die Touristen nicht so viele, aber im Sommer kommen sie in großen Haufen. In unserem Viertel ist es wichtig, einen Zusammenhalt zu haben. Darum hat man einen Verein in Gåshaga Brygga

gebildet. Da redet man über sehr wich- tige Sachen. Wie z.B., ob die neu ange- legten Büsche zwei oder drei Meter von der Garage entfernt stehen sollen. Oder was man mit dem schrecklichen, alten Auto machen soll, das bereits seit zwei Wochen auf dem Parkplatz steht. Meine Familie war eine der ersten, die in das Viertel gezogen ist. Darum konnte ich gut beobachten, wie neue Nachbarn dazugekommen sind, und wie das kleine Viertel nur wuchs und wuchs, bis die Einwohner fast glaubten, dass Gåsahaga Brygga eine eigene kleine Welt sei. Die Bewohner hier sind faul. Im Winter mieten sie einen Mann, der den Schnee wegpflügt, im Frühlingen einen anderen,

der die Kieselsteine wegfegt, im Som- mer einen, der das Gras schneidet und die Büsche unterhaltet und im Herbst einen Mann, der alle Blätter von der Straβe weg nimmt. Vor allem Boote sind sehr wichtig hier für die Bewohner. An den Wochenenden versammeln sich die Väter im Hafen und putzen an ihren Diamanten. Es wird ständig unter den Bootsbesitzern konkurriert, wessen Boot am schönsten und teuersten ist. Genau so ist es mit den Autos. Alles wird ständig von den Nach- barn abgeschätzt. Und so wird es immer sein - hier in Gåshaga Brygga.

Nicole Bångstad

Jeden Tag freue ich mich über den Platz, wo ich wohne. Ob-

wohl ich in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus wohne, gefällt es mir sehr und ich würde meinen Wohn- platz mit niemand tauschen. Meine Freude beginnt jeden Arbeitstag, weil

mein Wohnort neben meiner Schule ist, weshalb ich länger schlafen kann. Meine Wohnung befindet sich in dem schönsten Teil von Vilnius, in der Alt- stadt – Uzupis. Das ist ein sehr altes, eigentümliches und liebes Wohngebiet, in dem meistens gute, interessante und

manchmal seltsame Leute wohnen. Meiner Meinung nach muss man ein- zigartig sein, um hier leben zu können. Und das ist das Wichtigste und das Schönste an meinem Wohnplatz!

Gelminė Glemžaitė

7 Ich wohne in einem gelben Rei- henhaus. Im Erdgeschoss gibt

es ein Schlafzimmer, ein Badezimmer und ein großes Zimmer mit Küche und Wohnzimmer. Im Schlafzimmer schlafen meine Eltern und es ist grün und harmonisch. Die Wände im Ba- dezimmer sind weiß und der Boden ist grau. Dort gibt es einen Whirlpool, den

ich sehr liebe. Hier haben wir auch die Waschmaschine und den Wäschetrock- ner. Wenn man in der Halle weiter geht, kommt man zu einem großen Zim- mer. Da sind die Küche und das Wohn- zimmer. Die Decke ist schräg und das prägt das ganze Haus. Im ersten Stock hat mein Vater sein Büro und ich mein Zimmer. Wir haben noch einen kleinen

Hinterhof mit Gartenmöbeln und einem Geräteschuppen. Es gibt aber kein Gras, außer Blumen in Töpfen und zwei Kletterpflanzen. Im Sommer essen wir draußen, wenn es warm und schön ist.

Annie Blomgren

8 Hallo! Ich heiße Julia. Hier ist mein Haus.

Es ist rot und groß. Der Garten hat einen großen, grünen Rasen und einen kleinen Bach. Ich wohne mit meiner Mutter, meinem Vater und meinem Bruder. Ich habe lei- der keine Tiere. Mir gegenüber wohnt Anita. Sie ist sehr nett, aber sie spricht ununterbrochen. Manchmal spricht sie so viel, dass ich Schmerzen in den Ohren bekomme. In meiner Straβe wohnt ein seltsamer Filou. Wir nennen ihn Punk Jansson. Er hat eine Rockband. Wenn Jansson böse ist, flucht er so laut, dass es die ganze Straβe hört.

Neben meinem Haus wohnt Leffe. Er hat viele Katzen, mit denen ich spielen kann. Leffe ist ein Feuerwehrmann. Man fühlt sich sicher mit ihm. Hier ist der Tischler Anders. Er hat gerade ein Baby bekommen. Er hat auch einen Hund, der genau so wie das Baby ist. Anders Haus liegt neben der Feuerwache. Jeden Tag geht ein Arbeiter vorbei. Ich winke ihm oft zu und er winkt auch froh zurück. Tuttut! Ein Alarm von der Feuerwache. Ein Unfall ist passiert. Leffe rennt sofort zur Station und fährt mit dem Feuerwehrauto davon. Eine Katze ist auf einem Baum hoch

geklettert und traut sich nicht mehr herunter. Leffe nimmt die Leiter, klet- tert nach oben und holt die Katze. Am Tag darauf beginnt die große Tanz- woche hier in Malung. Ich kann die Musik aus dem Volkspark hören und von meinem Fenster aus kann ich den Park sehen. Wenn ich dann in meinem Bett liege, träume ich von allen netten Jungen, mit denen ich tanzen werde, wenn ich alt genug bin. GUTE NACHT!

Anne-Lie Söderlind

Welcher Text gehört zu welchem Bild?

BILD

A

B

C

D

E

F

G

H

TEXT

               

Meine Straβe

10

Eine Unterrichtsidee zu Bild A von Gilma Plukiene

„Was meine Straβe erzählt“ Text und Musik: Matas Plūkys www.his.se/osterrike/schulwettbewerb

1. Hör dir die erste Strophe des Liedes an und sammle Vermutungen!

Was für eine Straße ist das? Wo liegt sie? In der Stadt? Auf dem Land?

Wie könnte man diese Straße charakterisieren? (ruhig, lebendig…). Verwende dafür auch das Wörterbuch.

Vergleich dein Ergebnis mit deiner/m Sitznachbarn/in.

2. Hör dir die zweite Strophe und den Refrain des Liedes an!

Was gibt es alles in der Straße von Matas? Wie ist das Leben dort?

3. Hör dir die 3 und die 4 Strophe des Liedes an!

Bringe die Textkärtchen in die richtige Reihenfolge.

Achtung: die Textkärtchen stehen in Form von Erklärungen!

Oft ist der Winter tief und es gibt viel Schnee

Die Kinder machen auch im Dorf viel Lärm

Im Winter hat die Straβe mehr Ruhe

Auf der Straβe ist es am Morgen sehr dunkel, und man braucht Taschenlampen

Im Winter kann die Straβe länger schlafen

Im Dorf gibt es eine Schule

In der Straβe gibt es viele alte Häuser

Im Dorf gibt es einen Friedhof

Man heizt die Häuser mit Holz

Im Dorf gibt es eine alte Mühle

4. Setze das passende Wort ein und vergleiche das Lied mit deinem Text!

ist

mein Leben bunt wie

Es riecht nach

,

nach

und nach

Der warme

wischt von mir den grauen

,

Ich atme tief die

von dem grünen

Und winke ich vom Weit der

(Die hat bestimmt ja wieder neue dunkle

)

Heut´ gibt es

für alle. Auch für mich.

Da freuen sich die

,

Alle freuen heute sich.

Heu, Lücke, Staub, Roggen, Af- fenbrücke, Regen, Fisch, Frische, Regenbogen, Beeren, Katzen, im Sommer, Laub

5. Diskutiere mit deinem Sitznachbarn!

Ist die Straße mit ihrem Leben zufrieden? Warum?

Wo wohnt ihr? In einer Dorfstraße? In einer Stadtstraße? Seid ihr mit eurem Leben da zufrieden? Warum?

Wo möchtet ihr lieber leben? Warum?

. Schreibt ein Antwortlied einer Straße in der Stadt. Ihr könnt so beginnen:

Ich bin die Straβe, alte Straβe, berühmte Straβe.

Man nennt mich Boulevard, Avenue, Promenade.

Ja, im Dorf sind auch Straβen, aber doch vor allem Gassen.

In der Stadt, da, wo ich bin, sind nur Boulevards, Avenuen, Promenaden.

Ich hab´s viel besser, als der Bruder in dem Dorf!

Meine Straβe

11

Eine Unterrichtsidee zu Bild D

Vorschlag 1)

Lies Text 8 und male Bilder zur Illustration oder fotografiere in deiner Wohnumgebung Motive, die zum Text passen. Du kannst auch Bilder aus Illustrierten ausschneiden und den einzelnen Textausschnitten zuordnen.

Vorschlag 2)

Schneide die Bilder aus oder sortiere deine Fotos und ordne sie den entsprechenden Textstellen in Text 8 zu.

Vorschlag 3)

Was passiert auf den Bildern? Versuche eine Geschichte / ein Märchen / ein Bilderbuch zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem Lesen!

zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem
zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem
zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem
zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem
zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem
zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem
zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem
zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem
zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem
zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem
zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem
zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem
zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem
zu schreiben. Vergleiche deine Geschichte mit dem Text 8. ACHTUNG: Diese Übung funktioniert nur VOR dem

Niveau I - II

Wer wohnt wo?

12

KAPITEL 2

WOHNUNGEN UND IHRE BEWOHNER/INNEN

1. Schreiben eines Steckbriefs

Die abgedruckten Fotos zeigen drei Wohnungen / Häuser,

sowie drei Menschenbilder aus Österreich. Wer wohnt wo? Ordnet in Kleingruppenarbeit die Personen den Wohnungen / Häusern zu und füllt (mit Phantasie!) den Steckbrief für die Bewohner/innen dieser Wohnungen aus!

A

B

C

2. Mündliche Präsentation

und bin … alt. Ich …“. Die anderen sollen erraten, in welcher Wohnung / in welchem Haus diese Person wohnt. Sie sollen auch ihre Überlegungen dazu formulieren.

Präsentiert eure Person im Plenum: Zeigt zunächst das Porträt eurer Person. Beginnt dann so: „Ich heiße …

3. Wohnformen

ten Personen?

Wie und wo kann man noch wohnen?

Vergleicht eure Präsentationen mit den Lösungen. Was ist das Besondere an den Wohnformen der vorgestell-

4. Schreiben eines Gedichts

Beschreibt nun „eure“ Wohnung / „euer“ Haus in Form eines „6 Sinne – Gedichts“.

Meine Wohnung Meine Wohnung klingt wie Ich sehe in ihr Sie ist für mich Ich rieche und spüre

und

5. Projekt

Wie leben die Menschen in deinem Land / in deiner Schule? Macht eine Untersuchung über die Wohnformen

und stellt eine Präsentation zusammen. Die Fragen des Steckbriefes können euch dabei als Muster dienen.

Steckbrief

1. Wie heißen Sie?

2. Wie alt sind Sie?

3. Wo sind Sie geboren?

4. Wo wohnen Sie jetzt? Beschreiben Sie bitte ein bisschen die Lage, Größe, Anzahl

der Mitbewohner/innen Ihrer Wohnung / Ihres Hauses.

5. Sind Sie ledig, verheiratet oder verwitwet?

6. Warum haben Sie sich gerade für diese Wohnung / Haus / Form des Wohnens

entschieden?

7. Was und wo ist Ihr Lieblingsplatz in Ihrer Wohnung?

8. Was ist Ihr Lieblingsgegenstand in Ihrer Wohnung?

9. Was sind Sie von Beruf?

10. Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

11. Was essen und trinken Sie am liebsten?

12. Welche Musik hören Sie am liebsten?

13. Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Bewohner/innen

A
A
B
B
Wer wohnt wo? 13 C
Wer wohnt wo?
13
C
1. Vorname: 2. Alter: 3. Geburtsort: 4. Beschreibung des Wohnortes: 5. Familienstand: 6. Wahl des
1. Vorname:
2. Alter:
3. Geburtsort:
4. Beschreibung des Wohnortes:
5. Familienstand:
6. Wahl des Wohnortes:
7. Lieblingsplatz:
8. Lieblingsgegenstand:
9. Beruf:
10. Hobbys:
11. Lieblingsspeisen:
12. Lieblingsmusik:
13. Lebensmotto:

14

Wohnungen

1
1
2
2
3
3
14 Wohnungen 1 2 3 Wer wohnt wo?
Wer wohnt wo?
Wer wohnt wo?
14 Wohnungen 1 2 3 Wer wohnt wo?
14 Wohnungen 1 2 3 Wer wohnt wo?
14 Wohnungen 1 2 3 Wer wohnt wo?

Niveau I - III

Wohnpräferenzen

15

KAPITEL 3

1. Einstieg

WOHNPRÄFERENZEN VON JUGENDLICHEN

Wie wohnen Jugendliche in Österreich? Lest die Tabelle und sucht Informationen, wie es in eurem Heimat-

land aussieht.

Familienmerkmale

Österreich

Heimatland

Einpersonenhaushalte (in 1.000)

1.219

 

Familien insgesamt (in 1.000)

2.311

 

ohne Kinder im Haushalt

887

 

mit Kindern im Haushalt

1.424

 

durchschnittliche Zahl der Kinder

1,69

 

Paare zusammen (in 1.000)

2.015

 

darunter Ehepaare

1.716

 

darunter Lebensgemeinschaften

300

 

Alleinerziehende Elternteile (in 1.000)

296

 

mit Kindern unter 15 Jahren

120

 

durchschnittliche Zahl der Kinder

1,42

 

alleinerziehende Mütter

251

 

alleinerziehende Väter

44

 

Kinder aus geschiedenen Ehen (in 1.000)

2.019

 

Quelle: STATISTIK AUSTRIA

(in 1.000) 2.019   Quelle: STATISTIK AUSTRIA Hinterhof  Setzt die fehlenden Wörter in den Text

Hinterhof

Setzt die fehlenden Wörter in den Text ein und schreibt dann einen Text über die Situation in eurem Heimatland.

Wie wohnen Jugendliche in Österreich? In Österreich leben 8,3 Millionen Menschen. Insgesamt gibt es

nenhaushalte. Aber nicht alle Eltern sind verheiratet. 300.000 Paare leben in einer 1,69 Kinder. 887.000 Familien haben

Familien und

Einperso-

Eine Familie hat Kinder und bei über 2 Millionen Kindern sind

die Eltern

90

dieser Jugendlichen wohnen bei der Mutter und nur 10 Prozent leben

mit ihrem

Vater.

2. Arbeit mit Bildern

In welcher, der in diesem Abschnitt abgebildeten Wohnungen und Häuser, würdest du gerne wohnen? In

welchen nicht? Begründe deine Wahl.

3. Fragebogen - Wortschatz

Lest die Fragestellungen und Auswahlkriterien der folgenden Raster durch und klärt, ob ihr alles versteht!

Besprecht in der Klasse, was mit bestimmten Fachausdrücken und anderen euch unbekannten Wörtern gemeint ist.

z.B.: Infrastruktur, Gemeindewohnung, öffentliche Verkehrsmittel

4. Paararbeit

Füllt die Raster für euch selbst aus und stellt Vermutungen darüber an, wie euer Partner sie ausfüllen wird.

Ihr könnt dafür zwei Farbstifte verwenden, einen für euch und einen für euren Partner. Besprecht im Anschluss eure Vermutungen.

5. Projekt

Erarbeitet selbst einen Fragebogen, mit dem ihr in eurem Umfeld die Wohnpräferenzen von Jugendlichen an eurer

Schule, in eurer Stadt / Gemeinde erfragen könnt.Macht eine Umfrage. Ihr könnt natürlich auch die hier verwendeten Raster benutzen.

Vergleicht eure Ergebnisse mit den Wohnpräferenzen von Jugendlichen in Wien.

Bereitet eine Präsentation der Ergebnisse eurer Recherchen vor. z.B.: schriftlicher Report, Wandzeitung usw.

Ihr könnt dafür die Vorlage von Seite 19 verwenden. ACHTUNG: In den meisten Zeilen fehlen die letzten 2 - 3 Buchstaben. Ergänzt die Lücken.

1

„Wie wohnen Sie zurzeit?”

bei den Eltern nur bei Vater oder Mutter abwechselnd bei Mutter und Vater bei der
bei den Eltern
nur bei Vater oder Mutter
abwechselnd bei Mutter und Vater
bei der Mutter / dem Vater mit neuer Partner/in
in Stieffamilie mit Halbgeschwistern
in Stieffamilie mit Stiefgeschwistern
in Stieffamilie mit Halb- und Stiefgeschwistern
bei den Groβeltern
bei Verwandten
allein
in Untermiete
in einer Wohngemeinschaft
in einem Heim
anders

„Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Wohnsituation?“

sehr zufrieden

zufrieden

weniger zufrieden

unzufrieden

Wohnungen in der DonauCity Wohnpräferenzen
Wohnungen in der DonauCity
Wohnpräferenzen
unzufrieden Wohnungen in der DonauCity Wohnpräferenzen Wohnsiedlung „Warum sind Sie mit Ihrer Wohnsituation nicht

Wohnsiedlung

„Warum sind Sie mit Ihrer Wohnsituation nicht sehr zufrieden?“ 1=trifft zu, 2=trifft zum Teil zu,
„Warum sind Sie mit Ihrer Wohnsituation nicht sehr zufrieden?“
1=trifft zu, 2=trifft zum Teil zu, 3=trifft weniger zu, 4=trifft nicht zu
1
2
3
4
Eltern / Familienproblem
zu wenig Platz
keine Ruhe / keine Privatsphäre
hässliche / unangenehme Umgebung
zu wenig Freiheit / beengt
zu viele Zuwanderer im Bezirk
möchte lieber alleine wohnen
zu laut
Zustand der Wohnung
möchte lieber in einer anderen Stadt wohnen
unangenehme Nachbarschaft
anderes
„Was würden Sie an Ihrem momentanen Wohnumfeld ändern?“
1=sehr wichtig, 2=wichtig, 3=weniger wichtig, 4=unwichtig
1
2
3
4
bessere Infrastruktur für Jugendliche
mehr Grünanlagen
Sportanlagen
Freizeitmöglichkeiten und Veranstaltungen
mehr Sicherheit
niedrigere Kosten
kinderfreundlicher
renovieren
mehr Rechte für Jugendliche
anderes
niedrigere Kosten kinderfreundlicher renovieren mehr Rechte für Jugendliche anderes Dachbodenausbau Gemeindebau

Dachbodenausbau

niedrigere Kosten kinderfreundlicher renovieren mehr Rechte für Jugendliche anderes Dachbodenausbau Gemeindebau

Gemeindebau

17

„Wie wichtig sind für Sie die folgenden Kriterien bei der Wohnentscheidung?“ 1=sehr wichtig, 2=wichtig, 3=weniger wichtig, 4=unwichtig

1 2 3 4 preisgünstiges Wohnen saubere Luft gute Verbindung mit öff. Verkehrsmitteln leichte Erreichbarkeit
1
2
3
4
preisgünstiges Wohnen
saubere Luft
gute Verbindung mit öff. Verkehrsmitteln
leichte Erreichbarkeit des Zentrums
ruhige Umgebung
gute Infrastruktur und Einkaufsmöglichkeit
leichte Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes
Wohnen im Grünen
eigener Parkplatz
räumliche Nähe zur Natur
Wohnen im Zentrum

„Welche Infrastruktur sollte Ihr Wohnumfeld unbedingt aufweisen?“ 1=sehr wichtig, 2=wichtig, 3=weniger wichtig, 4=unwichtig

1 2 3 4 Arbeitsplatz / Schule in der Nähe Nahversorgung (große Supermärkte) Nahversorgung (kleine
1
2
3
4
Arbeitsplatz / Schule in der Nähe
Nahversorgung (große Supermärkte)
Nahversorgung (kleine Geschäfte)
Sportmöglichkeiten
Banken
Restaurants, Lokale, Disco
Kultur, Theater, Kino
Kindertagesheime
Wohnungen in den Gasometern Wohnpräferenzen
Wohnungen in den Gasometern
Wohnpräferenzen
Wohnungen in den Gasometern Wohnpräferenzen Wohnbau von Zaha Hadid Villa „Was ist für Sie in Ihrer

Wohnbau von Zaha Hadid

in den Gasometern Wohnpräferenzen Wohnbau von Zaha Hadid Villa „Was ist für Sie in Ihrer Wohnumgebung

Villa

„Was ist für Sie in Ihrer Wohnumgebung wichtig? Welche Distanzen akzeptieren Sie?“

zu Fuß mit Verkehrsmitteln min Freunde Garten Park / Spielplatz Mülltrennung Garage Bus / U-Bahn
zu Fuß
mit Verkehrsmitteln
min
Freunde
Garten
Park / Spielplatz
Mülltrennung
Garage
Bus / U-Bahn
Laden / Geschäft
Beisl / Eckkneipe
Schule
Kirche / Friedhof
Supermarkt
Bibliothek
Post
Kulturhaus / Kino
Sportzentrum
Bahnhof / Autobahn
Flughafen
Naturschutzgebiet
Internetcafe
5
10
15
5
10
15

„Können Sie sich vorstellen in einer der unten angeführten Wohnanlagen zu wohnen?“ Informiert euch zuerst im Internet oder über eine andere Quelle, was man unter der jeweiligen Wohnform ver-

steht.

  naturnahes Wohnen „Interethnische Nachbarschaft“ kinderfreundliches Wohnen Öko-Wohndorf autofreie
naturnahes Wohnen
„Interethnische Nachbarschaft“
kinderfreundliches Wohnen
Öko-Wohndorf
autofreie Siedlung
frauenfreundliches Wohnen
Hochhausviertel
Gemeindewohnung
Einfamiliehaus, Villa im Grünen
Eigentumswohnung
Dachbodenausbau in einem Altbau
Reihenhaus
Neubauwohnung
Wohnung in einer kleinen Siedlung
Wohnung in einer Groβsiedlung
Zimmer in einer WG oder Wohnheim
anderes

Wohnpräferenzen

18

Daten zur Wohnsituation von Jugendlichen in Wien

„Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer derzeitigen Wohnsituation?“

zufrieden sind Sie mit Ihrer derzeitigen Wohnsituation?“ „Wie wohnen Sie zurzeit?“ „Können Sie sich vorstellen

„Wie wohnen Sie zurzeit?“

derzeitigen Wohnsituation?“ „Wie wohnen Sie zurzeit?“ „Können Sie sich vorstellen in einer der unten an-

„Können Sie sich vorstellen in einer der unten an- geführten Wohnanlage zu wohnen?“

in einer der unten an- geführten Wohnanlage zu wohnen?“ „Warum sind Sie mit Ihrer derzeitigen Wohnsitua-
in einer der unten an- geführten Wohnanlage zu wohnen?“ „Warum sind Sie mit Ihrer derzeitigen Wohnsitua-
in einer der unten an- geführten Wohnanlage zu wohnen?“ „Warum sind Sie mit Ihrer derzeitigen Wohnsitua-

„Warum sind Sie mit Ihrer derzeitigen Wohnsitua- tion nicht sehr zufrieden?“

Ihrer derzeitigen Wohnsitua- tion nicht sehr zufrieden?“ „Welche Infrastruktur sollte Ihr Wohnumfeld unbedingt

„Welche Infrastruktur sollte Ihr Wohnumfeld unbedingt aufweisen?“

Infrastruktur sollte Ihr Wohnumfeld unbedingt aufweisen?“ „Was würden Sie an Ihrem momentanen Wohnum- feld

„Was würden Sie an Ihrem momentanen Wohnum- feld ändern?“

würden Sie an Ihrem momentanen Wohnum- feld ändern?“ „Wie wichtig sind für Sie folgende Kriterien bei

„Wie wichtig sind für Sie folgende Kriterien bei der Wohnentscheidung?“

„Wie wichtig sind für Sie folgende Kriterien bei der Wohnentscheidung?“ Alle Graphiken aus MAYER 2002, S.

Alle Graphiken aus MAYER 2002, S. 75 - 95.

Wohnpräferenzen

1

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung über die Wohnpräferenzen von Jugendlichen in Wien Obwohl
Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung über die Wohnpräferenzen von
Jugendlichen in Wien
Obwohl der Wunsch nach einer eigenen Wohnung bereits stark ausgeprägt ist, wohnen d
meisten Wiener Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren weiterhin bei den Eltern.
Preisgünstiges Wohnen, saubere Luft, gute Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, e
ausreichende
Infrastruktur
und
Einkaufsmöglichkeiten
sowie
die
bequeme
Erreichbarkeit
d
Arbeitsplatzes sind für die Jugendlichen wichtiger als Wohnen im Grünen.
Die
Befragungsresultate
haben
den
Nachweis
für
ein
hohes
ökologisches
und
sozia
Bewusstsein der jungen Wiener erbracht. Dies zeigt sich beispielsweise an der hohen Akzept
von Themenwohnprojekten, wie z.B. der Autofreien City.
Die Bauphilosophie der Wohnungsanlagen der 1960er und 1970er Jahre befinden sich vielero
in einem Widerspruch zu den Wohnvorstellungen der heutigen jungen Generation. Viele die
Wohnanlagen und die Grundrisse der Wohneinheiten waren ausschließlich auf die Bedürfni
von Kernfamilien ausgerichtet und entsprechen nicht den modernen Wohnansprüchen und d
heutigen
Wohnverhalten.
Es
sind
daher
bautechnische
und
soziale
Sanierungsmaβnah
notwendig, um ein sozial ausgewogenes Wohnmilieu zu kreieren.
Es
bestehen
erhebliche
Defizite
in
der
Durchführung
von
Wohnumfeldaufwertungen.
Di
Mängel betreffen vor allem die Situation von Jugendlichen in Groβsiedlungen, d.h. konkret d
ästhetische
und
infrastrukturelle
Gestaltung
des
Lebensumfelds,
Mängel
hinsichtlich
d
Grünraumgestaltung, das Fehlen von Spielplätzen und Jugendtreffs usw.
Neue
Wohnformen
und
Haushaltstypen
stehen
in
einem
engen
Zusammenhang
zueinan
Neue Wege des kommunikativen Wohnens, das Themenwohnen usw. finden unter den Jugendlic
eine hohe Zustimmung. Das Wohnen der jungen Generation kann aber nicht getrennt von je
anderer gesellschaftlicher Gruppen (z.B. Ausländer, ältere Menschen, Behinderte usw.) betrach
werden.
So
sind
vor
allem
im
Bereich
des
gemeinschaftlichen Wohnens
neue
Formen
d
Zusammenlebens zu fördern.
Die Tendenz zum Eigentum ist bei den Jugendlichen sehr stark ausgeprägt. 78% streben entwe
ein
Einfamilienhaus
oder
eine
Eigentumswohnung
an.
Dieses
Ergebnis
entspricht
d
allgemeinen gesellschaftlichen Trend zur Unabhängigkeit und zum Individualismus.
Bezüglich
der
Realisierung
ihrer
Wohnwünsche
sind
die
Jugendlichen
dennoch
optimistis
87%
der
Befragten
sind
davon
überzeugt,
dass
sie
ihren
Traumwohnungswunsch
me
mit Hilfe der Eltern – verwirklichen werden können.
Die Resultate der Untersuchung weisen darauf hin, dass die Wohnberatungsangebote speziell f
junge Leute einer Intensivierung bedürfen.
Trotz gewisser Präferenzen für einen Verbleib in der Stadt wird sich bei den jungen Mensc
der Trend zum Wohnen im Wiener Umfeld fortsetzen. Diese Entwicklung könnte sich mit d
Verbreitung der Teleheimarbeit weiter verstärken.
Vera Mayer

Aus MAYER 2002, S. 99f.

Niveau I - III

Annoncen

20

KAPITEL 4

WOHNUNGSANNONCEN

1. Annoncen entziffern

Im Plenum: Ihr bekommt vier Wohnungsannoncen aus Österreich. Versucht mit Phantasie zu erraten, was die

Abkürzungen bedeuten.

Bildet Gruppen zu 4 Personen und sucht euch eine Wohnungsannonce aus: Lest dazu die Worterklärungen.

2. Fragen formulieren

Ihr bekommt nun zu eurer Annonce zwei Rollenkarten. Zwei (Annonce 1 – 3) oder drei (Annonce 4) Perso-

nen sind nun die Käufer/innen (Mieter/innen), ein bis zwei Personen sind die Verkäufer/innen (Vermieter/innen).

Überlegt euch genau eure Rolle und was ihr wollt.

Die Käufer/innen (Mieter/innen) stellen eine Liste von Fragen an die Verkäufer/innen (Vermieter/innen)

zusammen und die Verkäufer/innen überlegen sich Fragen an die Käufer/innen.

3. Dialog führen

Übt dann den Frage-Antwort-Dialog zwischen Käufer/innen und Verkäufer/innen in der Gruppe. An-

schließend spielt ihr den Dialog im Plenum vor. Das Plenum muss erraten, um welche Annonce es sich handelt.

4. Annonce selbst verfassen

Versucht nun die Wohnung / das Haus, wo ihr selbst wohnt, auf dem österreichischen oder deutschen Woh-

nungsmarkt anzubieten: Schreibt eine Annonce! Ihr könnt diese gerne auch mit einem Foto eures Hauses / eurer Wohnung versehen.

Annoncen

1

W – 1190 Wien, Neustift am Walde: 1 Zim-

mer in WG, 16 m², Verfügbarkeit: 07/07, Preis (VB): € 180,- keine zusätzlichen BK, Beschreibung: helle Ruhelage, f. Studen- ten, Altbau, Dachgeschoss.

2

3

W

- 1030 Wien, Zentrumsnähe: Mietwoh-

nung, 58 m², Verfügbarkeit: sofort, Be- schreibung: Botschaftsviertel, Nähe U3/U4 Landstr., Grünlage, neu renov., VZ, Kü, Fliesenbad, WC, ZH, möbl., Lift, s. geeig-

net f. Pendler oder 1-2 Berufstätige, Nähe Musikhochschule, sehr günstig, BK € 88,90

/

Monat. Tel. von 20-21 Uhr

T

- 9900 Lienz / Adolf-Purtscher-Straße:

Eigentumswohnung, 2 Zi., 50 m², Preis

73.700,- Verfügbarkeit: sofort, Be-

schreibung: 8 m² Keller, Gar., Ferienwohn- wdg, keine Maklerprovision, EG, teilmöbl., sonnig/hell, 8 m² Terr., gepflegtes Haus, 5 min. zum Zentrum

4

B - 7452 Unterpullendorf: Haus, 4 Zi., 1.000

m², Preis € 180.000,- , Verfügbarkeit: sofort, Beschreibung: Thermennähe Lutzmanns- burg, mod. Wohnhaus, 130 m², 2-stöckig, gepfl. Gar. mit Swimmingpool, Garage. Bilder auf Anfrage , Dachgeschoss, Erdg- eschoss, Garten, Loggia, Terr.

Worterklärungen

1

2

3

4

07/07 – verfügbar ab Juli 2007

f. Studenten – für Studenten BK - Betriebskosten

VB – Verhandlungsbasis (Ausgangspreis)

W - Wien / 1190 – 1 = Wien, 19. = Bezirk

WG – Wohngemeinschaft (von zwei/mehr- eren Personen)

BK - Betriebskosten Kü. - Küche

neu renov. – neu renoviert möbl. – möbliert

s. geeignet f. – sehr geeignet für

Tel. - Telefon

U3/U4 – U-Bahnstation der Linien U3 und U4, Landstraße VZ – Vorzimmer

W - Wien / 1030 – 1 = Wien, 03. = Bezirk

WC – Toilette ZH - Zentralheizung

EG = Erdgeschoss

Ferienwohnwdg. = Ferienwohn-Widmung (als Ferienwohnung vorgesehen) Gar. = Garage min. - Minuten

T = Tirol / 9900 Lienz = Osttirol teilmöbl. = teilmöbliert Terr. = Terrasse Zi. = Zimmer

B – Burgenland

gepfl. Gar. – gepflegter Garten mod. Wohnhaus – modernes W. Terr. - Terrasse Zi. - Zimmer

Annoncen

21

Rollenkarten

Vermieter/innen Sie sind Vermieter/innen. Sie wollen ruhige männliche Studenten als Mieter, keine Frau- en. Sie wollen einen neuen Mieter spätest- ens Ende Juli. Sie möchten mehr Miete pro Monat bekommen als die Verhandlungsbasis von € 180,-.

Vermieter/innen Sie sind Vermieter/innen. Sie wollen eine zentrale Mietwohnung von 58 m² möglichst teuer vermieten, für mindestens € 700,- monatlich. Die Wohnung ist schließlich neu renoviert. Sie wollen möglichst einen Pendler oder ein bis zwei Berufstätige als Mieter/in- nen.

Verkäufer/innen Sie sind Verkäufer/innen. Sie wollen eine kleine Eigentumswohnung, ursprünglich eine Ferienwohnung, im Erdgeschoss eines Hauses in Lienz (Osttirol) verkaufen. Sie haben eine neue Arbeit in der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck gefunden, fast 200 km von Lienz weg. Sie wollen einige Möbel zurück lassen und möglichst schnell verkaufen.

Verkäufer/in Sie sind Verkäufer/in und Makler/in. Sie wol- len ein modernes Wohnhaus mit zwei Stock- werken und gepflegtem Garten (mit Swim- mingpool) verkaufen. Da Sie in finanziellen Schwierigkeiten sind, wollen Sie unbedingt den Preis von € 180.000,- bekommen. Eine weitere Voraussetzung für Sie ist, dass die Käufer keine Ausländer sind.

Mieter/in mit Mutter Sie sind eine interessierte Mieterin mit Ihrer Mutter. Sie wollen das Zimmer in der WG mieten. Sie sind eine Frau von 18 Jahren und gehen noch ein Jahr ins Gymnasium. Erst in einem Jahr wollen Sie an der Universität studieren. Sie möchten frühestens zum Schul- anfang im September einziehen. Ihre Mutter begleitet sie bei der Wohnungs- besichtigung.

Mieterpaar Sie sind ein Studentenpaar und wollen eine Mietwohnung im Zentrum. Sie sind ein Paar:

Er ist 27 und studiert Medizin im 16. Semes- ter, sie ist 22 und studiert Kunstgeschichte seit 4 Jahren. Sie möchten maximal € 600,- monatlich ausgeben, und zwar inklusive Betriebskosten.

Käufer: Eltern für Tochter Sie wollen in Lienz eine kleine Eigen- tumswohnung für Ihre Tochter, 20 Jahre, kaufen. Sie wird in einem halben Jahr eine Arbeit in einer kleinen Firma in Lienz an- treten. Ihre Tochter möchte die Wohnung auf jeden Fall neu renovieren und auch nach eigenem Geschmack gestalten.

Käufer: Ehepaar mit Kind Sie wollen von Wien wegziehen und im nahen Burgenland ein günstiges Haus kaufen. Sie sind ein Paar: Er ist 38 Jahre alt und Computerfachmann, sie ist 35, Germa- nistin, kommt aus Polen und bringt aus erster Ehe einen 15-jährigen Sohn mit. Sie wollen sich bei der Haussuche Zeit lassen und nicht mehr als € 150.000,- für das Haus bezahlen.

Niveau II - III

Wohnen literarisch

22

KAPITEL 5

WOHNEN LITERARISCH

1. Vorentlastung

Im Kapitel 3 habt ihr euch mit der Wohnsituation und den Wohnpräferenzen österreichischer Jugendlicher

auseinandergesetzt. Die dort kennen gelernten Wörter werden euch jetzt weiter helfen.

Jeder der fünf folgenden Texte hat eine/n Jugendliche/n in einer bestimmten familiären Struktur (siehe Kapi-

tel 3) zur Hauptfigur. Überlegt euch, wie Jugendliche aufwachsen und wo sie wohnen. Geht dabei einfach von den Erfahrungen in eurer Klasse oder eurem Freundeskreis aus.

Welche Herausforderungen stellt eine bestimmte Familiensituation an die Jugendlichen? Wie geht es ihnen?

Wie sind ihre Gefühle? Welche Vor- und Nachteile sind mit bestimmten Familienkonstellationen verbunden?

2. Textarbeit: Pantomime

Lest in Kleingruppen (4 oder 5 Personen) einen der folgenden Texte und stellt ihn oder eine wichtige Szene

daraus pantomimisch dar.

Die Zuschauer spekulieren, worum es in diesem Textabschnitt geht.

Die Zuschauer dürfen im Anschluss an die Darbietung auch an alle Akteur/innen Fragen stellen, was oder

wen sie darstellen. Z.B.: „Warum kriechst du auf dem Boden?“, „Warum lehnst du nur an der Wand?“

Erzählt nun den Inhalt der Szene oder schreibt kurze Dialoge zu der dargestellten Szene.

Überprüft eure Zusammenfassung anhand des Textes.

3. Textarbeit: Standbild

Lest in Kleingruppen (4 oder 5 Personen) einen der folgenden Texte und stellt die Schlüsselszene oder die für

euch wichtigste Szene in Form eines Standbildes nach.

Weiterarbeit wie bei Übung 2

4. Hypothesen bilden

Wie geht der Text weiter? Was ist vorher passiert? Bildet Hypothesen.

5. Analyse: Zusammenfassung

In welchen familiären Verhältnissen wohnen die Hauptfiguren der fünf Texte?

Mit welchen Problemen haben sie zu kämpfen?

. Recherche / Interview

Wie typisch ist diese Wohnform in Österreich und in eurem Land? Recherchiert auch im Internet? Du kannst

dafür unter www.google.at folgende Suchbegriffe eingeben: Patchworkfamilie, Probleme in der Familie, Wohn- situation von Jugendlichen usw.

Kennt ihr jemanden, der oder die in einer ähnlichen Situation wohnt? Erzählt der Person von dem Text-

ausschnitt, den ihr gelesen habt und macht ein Interview mit ihr, in dem ihr über ihre konkrete Situation specht.

7. Nachbereitung: Ein Brief

Schreibt an eine der Hauptfiguren in den fünf Texten einen Brief, in dem ihr einerseits weitere Fragen zu

ihrer Wohnsituation stellt, aber andererseits auch Hilfe anbietet und Ratschläge gebt, wie sie ihre Wohnsituation verbessern könnte.

8. Lektüre

Suche im Internet Informationen über den Inhalt und den oder die Autor/in des Buches.

Lies eines der Bücher.

Wohnen literarisch

23

Textauszug gekürzt

Solange die Zikaden schlafen

Papa hatte Geburtstag und lud uns zum Chinesen ein. Er sagte, er werde eine neue Kollegin von der Schule mitbrin- gen. Flo und ich warteten im Restau- rant, bis sie kamen. Wir sahen sie aus dem Auto steigen. Sie schauten ein- ander an und lachten. „Oje“, sagte Flo. Christine hatte den dümmsten Lacher, den ich je in meinem Leben gehört habe. Sie lacht eine ganze Tonleiter hin- auf, dabei gibt es meist keinen Grund zum Lachen. Flo und ich schauten uns an und ich wusste, sie dachte dasselbe wie ich. Papa war ungewöhnlich heiter an diesem Tag, so heiter wie schon lange nicht, und ich merkte erst sehr viel später, dass ich diese Stimmung schon einmal an ihm bemerkt hatte, einige Wo- chen vorher, als er vom Schwimmkurs zurückgekommen war, sehr verändert, sehr heiter, überschäumend, er wirkte wie ein junger Mann, der zum ersten Mal verliebt war. Zum ersten Mal verliebt, dachte ich, der Satz hakte sich in meinem Kopf fest. Zum ersten Mal verliebt. Vielleicht war es so. Und da riss etwas in mir und ich dachte: Er hat sie nie geliebt. Er hat Mutzi – so nannten wir unsere Mutter – in Wahrheit nicht geliebt. Aber jetzt hatte es ihn offenbar erwischt. Und auf dem Schikurs musste es begonnen haben. Wir hatten uns an den Tisch gesetzt, an dem wir immer gesessen waren. Auf unsere Stammplätze. Aus alter Ge- wohnheit. Und nun saß diese Christine auf Mutzis Platz. Wir hätten das bedenken sollen. Uns an einen anderen Tisch setzen sol- len. Aber jetzt war es zu spät. Sie saß schon da. Sie hatte lange blonde Haare, gefärbt und dauergewellt, wie sich später her- ausstellte, als sie sich nicht mehr so viel Mühe gab, perfekt auszusehen. Sie schenkte Papa Jonglierbälle zum

Geburtstag. Drei Jonglierbälle und er freute sich wie ein Kind. Als sei es das gewesen, was er sich schon immer gewünscht hatte. Später, als er damit übte, fielen die Bälle mit dumpfem Knall zu Boden und dieses Geräusch erinnerte mich an das Begräbnis. Wie der Sarg auf dem Boden des Grabes aufgekommen war. Ich hasste diese Jonglierbälle. Zugegeben, Christine bemühte sich. Sie wollte freundlich sein. Zeigte Interesse. Sie fragte so das Übliche:

Klassen, Lehrer, Lieblings- gegenstände. Na ja, für eine Lehrerin ist das wichtig. Sie fragte Flo, was sie nach der Matura machen wollte. Flo sagte: „Psychologie studieren.“ Christine lachte eine Tonleiter. „Hahahahahahahahahaha!“ Noch eine Tonleiter. „Da muss ich ja aufpassen, dass ich mich nicht verrate.“ Außer Christine lachte nie- mand. Papa versuchte zu- mindest wohlwollend und beifällig zu schmunzeln, aber selbst das wirkte ver- krampft. Wie überhaupt das ganze Mit- tagessen ein einziger Krampf war. Chris- tine ging mir auf die Nerven mit ihrem dummen Highschoolgirl-Getue, gegen das sich Flos Benehmen wohltuend er- wachsen abhob, das Essen schmeckte mir nicht, Papa wollte es allen recht machen und machte es dadurch nieman- dem recht und schließlich merkte er das auch selber und war beleidigt. Christine wollte es auch allen recht machen und stieß auf blanke Ablehnung. Für mich war das Schlimmste, dass sie Papa so unverhohlen anhimmelte und dass sie auf Mutzis Platz saß. Flo und ich sprachen Christine mit „Sie“ an. Die meinte, wir könnten ruhig „du“ zu ihr sagen, doch Flo schaute sie gerade an und fragte: „Warum?“ Worauf Christine zunächst schwieg und

dann eine Tonleiter lachte, als sei es ein gelungener Scherz gewesen. Christine fragte mich, wie es mir in der Schule gefalle, und ich nickte beiläufig. Darauf war eigentlich nichts zu sagen. Papa fühlte sich bemüßigt eine Anek- dote aus meinem Schulleben zu erzäh-

len.

Christine – es war nichts anderes zu erwarten gewesen – trällerte eine Ton- leiter. O Gott, hörte dieser Krampf denn nie auf?

Doch! Als ob sie es gespürt hätte – aber war sie dazu eigentlich fähig? –, schaute Christine auf die Uhr und sagte: „So Leid es mir tut, aber ich muss jetzt gehen. Ich habe noch Nachmittags- unterricht.“ „Ich auch, Kinder“, sagte Papa. „Ich muss auch …“ Wir sagten nichts. Keine Höflichkeitsfloskeln. Nicht für Christine. Als sie gerade im Wegge- hen waren, hörte man aus dem Radio „I Did It My Way“ von Frank Sinatra. Flo und ich erstarrten, Papa schaute uns an, ich las in seinem

Blick, dass er dasselbe dachte wie wir. Es war der Song, den wir an Mutzis Grab gespielt hatten, sie hatte es sich so gewünscht. Warum spielten sie „I Did It My Way“ im Chinarestaurant? Die sollten irgendeine Ching-Chang- Chung-Musik spielen! „Ich seh euch später!“, sagte Papa. Und Christine winkte und tschilpte:

„Tschüüüüs!“ „Auf Wiedersehen“, sagte Flo in ihrer tiefsten Bassstimme. Und da musste ich lachen, obwohl alles so traurig war.

.

Aus: Jutta Treiber, Solange die Zikaden

schlafen.

Copyright (c) 1998 by Verlag Carl Ueberreuter, Wien

Copyright (c) 1998 by Verlag Carl Ueberreuter, Wien Innerer Monolog Das erste Treffen mit dem neuen

Innerer Monolog

Das erste Treffen mit dem neuen Freund / der neuen Freundin der Mutter / des Vaters ist für keine/n der Beteiligten leicht. Versetzt euch in die Lage einer der vier Personen (Ich-Erzählerin, Flo, Vater, Christine) und verfasst einen inneren Monolog, wie diese Person die Szene erlebt. Welche Gedanken gehen ihr durch den Kopf, welche Gefühle kommen auf. Nehmt eine ganz konkrete Szene aus dem Text als Anlass für euren inneren Monolog. z.B.: Wir sahen sie aus dem Auto steigen. Sie schauten einander an und lachten. „Oje“, sagte Flo. Was geht der Ich-Erzählerin oder Flo durch den Kopf, wenn sie Christine gemeinsam mit dem Vater sehen? Was denkt sich der Vater beim Betreten des Restaurants?

Wohnen literarisch

24

Textauszug gekürzt

Müde bin ich Känguru. Nachrichten aus dem Krisen- gebiet Patchwork-Familie

Betty redet von ihren vielen Kindern, wenn sie davon redet, wie viele sie auf gesunde Weise satt zu kriegen hat, das schließt Teresa mit ein und klingt sehr nett, so als ginge es Betty vor al- lem darum, dass alle ihre Kinder, auch Teresa, unterschiedslos mit gesunder, sättigender Nahrung versorgt werden. Aber Teresa weiß, dass es ein Vorwurf an sie ist, wenn Betty so redet. Hätte Betty bloß ihre tatsächlichen Kinder zu versorgen und nicht auch noch Teresa, wer weiß, welche Leckerbissen dann drin wären! Fünf Kinder! Das geht ins Geld. Son- derbarerweise ist es vor allem die Tat- sache, dass Teresa bei ihnen lebt, die ins Geld geht. Vier Kinder wären nicht so schlimm. Aber das fünfte! Das fünfte ist Teresa. Man könnte auch sagen, ei- ner der Zwillinge sei das fünfte, aber so würden es nur Leute sehen, die keine Ahnung haben. Das fünfte ist Teresa, die später hinzugekommen ist, obwohl sie als erste da war. Sie war jedoch als erste nur für Hannes da und nicht für Betty, und das zählt. Für Betty ist sie die Nummer fünf, daher auch für alle anderen. Wenn Ste- fanie ein Bub geworden wäre, wären sie vielleicht bloß zu dritt. Nein, falsch, Betty wollte auf jeden Fall zwei gemeinsame mit Hannes, denn zwei sind das Kennzeichen wirk- lich geglückter Verbin- dungen. Einzelkinder sind Produkte gescheiterter Ehen, gescheitert, ehe das konventionelle Glücks- maß - zwei Kinder - voll war. Betty wollte zwei, nun hat sie drei von Han- nes. Deine Mutter ist auf dem Cover von Leute, sagt Carolina plötzlich. Betty wirft ihr einen strafenden Blick zu. Lass Teresa damit in Ruhe, sagt sie zu Carolina, obwohl Carolinas Bemerkung anscheinend

ganz harmlos dahergekommen ist. Betty lächelt Teresa zu, verzeihend ir- gendwie, und beginnt, die leeren Teller abzuräumen. Betty braucht es Teresa gar nicht zu verzeihen, dass sie eine Mutter hat, die auf dem Cover von Leute ist. Betty soll aufhören, so zu tun, als wäre es prinzipiell schon unan- ständig, das Cover von Leute zu zieren. Teresa traut sich zu wetten, dass Betty wer weiß was drum gäbe, einmal auf dem Cover von Leute zu sein. Viel- leicht würde Betty sogar genauso weit gehen wie Sophie und mit Ronnie Wil- liams bumsen, wenn sie dafür auf das Titelblatt von Leute käme, aber leider, leider, keine Chance. Am Abend hört Teresa Betty und Han- nes in der Küche reden. Bis an mein Lebensende, sagt Hannes bitter. Sie war der größte Fehler meines Lebens und er wird mich bis an mein Ende verfolgen. Betty sagt milde: Jetzt übertreib nicht. Ich übertreibe nicht, hört Teresa Han- nes sagen. So war sie, so ist sie und so wird sie immer sein. Und ich muss es ausbaden. Nicht du, sagt Betty. Doch, ich, widerspricht Hannes. Ich muss mir überlegen, was ich jetzt tun soll.

Ich bitte dich, sagt Betty. Sie macht doch von ihrem Besuchsrecht sowieso kaum Gebrauch. Trotzdem, beharrt Hannes. Betty sagt tröstend. Sei nicht so pessimistisch. Sobald das Mädel erwach- sen ist, geht dich das alles nichts mehr an. Hannes seufzt. Ach du, sagt er, warum hab ich dich nicht früher getroffen? Betty lacht. Guter Einfall, Hannes! Ja, warum hat er Betty nicht früher getrof- fen? Dann hätte er sich das Theater mit Sophie erspart und Teresa würde ihm nicht wie ein Klotz lebenslang am Bein

und Teresa würde ihm nicht wie ein Klotz lebenslang am Bein hängen, die Mensch gewordene Erin-

hängen, die Mensch gewordene Erin- nerung an den größten Fehler seines Lebens. Vielleicht sogar der größte Fehler seines Lebens selbst. Von So- phie konnte er sich ja scheiden lassen. Sophie hätte er längst aus seiner Erin- nerung gestrichen. Wenn da nicht Ter- esa wäre. Warum nur hat er Betty nicht früher getroffen? Warum ist so was Unnötig- es wie Teresa überhaupt auf der Welt? Danke, Hannes. Teresa schlendert in die Küche. Sophie hat mich angerufen, sagt sie scheinbar unbefangen. Sie will mich am Sonntag sehen. Geht das in Ordnung? Hannes und Betty wechseln einen be- deutungsschweren Blick. Hannes ist sicher auf hundert, aber er will es sich nicht anmerken lassen. Ich weiß nicht, ob mir das recht ist, sagt er langsam. Nein? Warum nicht? Komm, tu nicht so, sagt Betty resolut. Wir haben alle Leute gelesen, oder? Ja, und?, fragt Teresa. Herrgott, sagt Hannes, ich finde nicht, dass sie der richtige Umgang für dich ist, tut mir leid. Mir auch, sagt Teresa. Sie ist meine Mutter, oder? Findest du, dass sie sich wie eine Mut- ter verhält?, fragt Betty Warum muss Betty sich immer vordrän- gen? Wenn Hannes das fragte, wäre es okay. Hannes dürfte so eine Frage stel- len. Betty nicht. Wie muss eine Mutter sich verhalten?, fragt Teresa spöttisch. Exakt so wie du? Sprich nicht in diesem Ton mit Betty!, kläfft Hannes. Der Reflex funktioniert immer.

Aus: Elfriede Hammerl: Müde bin ich Känguru. Nachrichten aus dem Krisen- gebiet Patchwork-Familie. (c) Deuticke im Paul Zsolnay Verlag Wien 2006

Dialog verfassen und Rollenspiel

Wie geht das Gespräch zwischen Teresa, Hannes und Betty weiter? Überlegt euch zunächst eine genaue Rollenbe- schreibung der drei und schreibt dann das Gespräch weiter. Spielt euer Gespräch der ganzen Klasse vor.

Publikumsbeteiligung

Nach der Präsentation des Gespräches können die Zuseher (Mitschüler) Fragen an die Charaktere stellen. Z.B. an den Vater: „Warum verteidigst du immer Betty und stellst dich nicht auf die Seite deiner Tochter?“

Wohnen literarisch

25

Textauszug gekürzt

Caretta, Caretta

Es roch nach Kaffee, als ich in die WG zurückkam. Auf dem Tisch stand ein Rie- sentablett mit Apfelkuchen. „Da, das ist Benjamin. Benjamin ist dreizehn. Mit ihm sind wir komplett.“ Mit Benjamin waren wir komplett. Er stand in der Tür, und es war sonnenklar, dass es Ärger geben würde. Er war blass, klein, speckwulstig und hatte die Haare komplett abgeschoren. Die knielangen Jeansshorts saßen unter seinem Kugel- bauch. Über der Schulter hatte er einen orangefarbenen Seesack hängen, mit SS- Zeichen und Hakenkreuzen drauf, die ei- nen linksherum, die anderen rechtsherum, zur Sicherheit. In der einen Hand trug er einen transparenten Game-Boy-Pocket. Er musterte uns alle sorgfältig, einen nach dem anderen. Chuck stellte sich samt der prall gefüllten Reisetasche neben Sally an die Wand. Er schien kurz zu überlegen, ob er uns vorstellen solle, ließ es aber dann bleiben. Der Neue legte den Seesack ab, steckte den Game-Boy in die Hosentasche, ging vor zum Tisch, nahm sich ein Stück Kuchen und stopfte es mit drei Bissen in sich hinein. Er griff nach dem nächsten Stück Kuchen, fixierte dabei Kurt, der nach wie vor zurückgelehnt dasaß. „Bei uns fragt man, bevor man etwas nimmt!“ fuhr Victoria den Neuen an. Sie war wie- der ziemlich kontrolliert. „Homer Simpson“, sagte Christoph in die kurze Stille hinein die entstanden war, „ich werde dich Homer Simpson nennen. Du siehst aus wie Homer Simpson. Ja, ich denke, ich werde dich Homer Simpson nennen.“ – „Genial“, murmelte Philipp neben mir. Oft hatte man von Christoph bis dahin nicht sagen können, dass er ge- nial gewesen wäre. Der Neue hob lang- sam den Kopf. Er schluckte bedächtig den letzten Rest des fünften Kuchenstückes hinunter, griff sich ein sechstes, hob es mit ausgestrecktem Arm in Gesichtshöhe, zermanschte es in der Faust und legte den Klumpen Brei vor Christoph auf den Tisch. „Da hast du“, sagte er, „da hast

du, es ist extra für dich zubereitet, be- hindertengerecht.“ Er schob das Häufchen ganz nah an Christoph heran. „Für Be- hinderte muss die Nahrung ganz speziell zubereitet werden“, sagte er, „sozusagen vorgekaut. Be- hinderte brauchen vorgekau- te Nahrung, und sie brauchen Windeln, sonst scheiβen sie sich an.“ – „Hundert Punkte“, murmelte Philipp, „ein Genie gegen das an- dere.“ Christoph wurde schlagartig so blass wie Anna in ihren schlimmsten Zeiten. Er stand auf. „Die Hornhaut eines Mörders“, sagte ich zu Philipp, „jetzt wächst ihm die Hornhaut eines Mörders.“ Philipp lachte nicht. Wir erwarteten den absoluten Exzess, zumindest ein fliegen- des Kuchentablett, doch Christoph drehte sich um und ging hinaus. „Er scheint ge- lernt zu haben“, sagte Chuck zu Sally. Der Neue fixierte jeden von uns, abwech- selnd, und verschlang sein tausendstes Kuchenstück. Anna versank langsam unter dem Tisch. Philipp stand auf und holte Kaffee, der längst durch die Fil- termaschine geronnen war. „Gibt´s Schlagobers?“ fragte er. „Sind wir hier eine Konditorei?“ fragte Sally retour. Sie ließ wirklich nichts aus, um dem Bild, das die Leute von ihr hatten, gerecht zu wer- den. „Meine Mutter hat mir von Geburt an die Hosen konsequent um zwei Nummern zu groß gekauft“, sagte er, „das Brot hat meistens ihr gerade aktueller Hausfreund aufgefressen, wenn ich nach Hause kom- me, aber Schlagobers zum Kaffee gibt´s immer.“ – „Bin ich deine Mutter?“ fragte Sally. „Rein altersmäßig könntet es sich fast ausgehen“, sagte Chuck, was natürlich in Wahrheit ein Blödsinn war, denn Philipp ist sechzehn und Sally neunundzwanzig, und die dreizehnjährigen Mütter sind nach wie vor nicht so wirklich das Übliche. „Nein danke“, murmelte Philipp. Victoria begann spitze Schreie der Begeisterung

auszustoßen. „Ja!“ rief sie, „ja, ja! Sally wird meine Mutter. Ich möchte, dass Sally meine Mutter wird!“, doch in diesem Mo- ment achtete keiner auf sie, denn in der Tür stand Christoph. Er hatte beide Arme auf dem Rücken und auf dem Kopf seine L.A.Lakers-Kappe. „Du bist tot!“ sagte er, „Homer Simp- son, du bist tot!“ Er ging langsam und bestimmt auf den Neuen zu. Nach weni- gen Schritten konnten wir sehen, dass es eine Baseball- keule war, die Christoph da hinter dem Rücken trug. Alles lief ab wie in Zeitlupe:

Sally schrie auf. Chuck stieß kräftig von der Wand ab. Der Neue hielt im Kauen inne. Für einen Mo- ment blickte er direkt in den Schlag. Die Keule kam in schönem Bogen nach unten, traf ihn präzis auf dem Scheitel, und wenn ein Schädel eine Melone wäre, so hätten wir in diesem Moment eine ziemliche Bescherung gehabt. Der Neue knickte auf der Stelle, auf der er stand, langsam ein. Christoph schwang das Ding nach hinten, um es erneut hochzubringen. Philipp griff zum Tablett, nahm das vorletzte Kuchen- stück und schleuderte es in Richtung Chri- stoph. Es klatschte exakt gegen Christophs Brille. Der zweite Schlag brach im Ansatz ab. Die Keule krachte auf den Tisch, die Tassen hüpften, und Chuck umfing in derselben Sekunde Christoph von hinten mit seinem Schraubstockgriff. Der Neue lag auf dem Rücken da, die Augen geschlossen. Blut quoll aus der Platzwunde. Alle starrten auf ihn hinab, auf seinen Kahlkopf, auf die rund vor- springende Mundpartie, und eines lag klar auf der Hand: Er war Homer Simpson.

Aus: Paulus Hochgatterer: Caretta Caretta. (c) Deuticke im Paul Zsolnay Verlag Wien

1999

Caretta. (c) Deuticke im Paul Zsolnay Verlag Wien 1999 Drehbuch, Dramatisierung Dieser Textausschnitt beschreibt

Drehbuch, Dramatisierung

Dieser Textausschnitt beschreibt sehr genau eine Szene aus der Wohngemeinschaft (WG), in der Benjamin mit

anderen Jugendlichen und ihren Erzieher/innen wohnt. Überlegt euch, wie diese Szene in einer Verfilmung aussehen würde?

- Welche Personen kommen vor? Charakterisiert sie.

- Wie sehen sie aus? Alter, Aussehen, Kleidung usw.

- Wie sind sie im Raum verteilt?

- Usw.

Schreibt ein kleines Theaterstück mit Regieanweisungen und führt es anschließend auf. Ihr könnt den Text in Szenen

teilen, sodass sich Kleingruppen jeweils mit einer bestimmten Szene beschäftigen und diese dann aufführen.

Wohnen literarisch

2

Textauszug gekürzt

Gefährlicher Tausch

Es war einer von diesen Tagen, an denen alles, aber auch wirklich alles schief geht. Gleich am Morgen fing es an. „Benni hustet wieder“, sagte meine Mut- ter. „Kannst du schnell noch was aus der Apotheke holen, Jakob?“ Ich konnte nicht. Echt nicht. Ich musste noch die Mathe-Hausaufgaben machen. In der Mathestunde stellte sich heraus, dass ich die falsche Aufgabe gerechnet hatte. Und die richtige leider nicht konnte. Na ja, jedenfalls sollte ich so einen Zettel unter- schreiben lassen, der meine Eltern in die Sprechstunde zitierte. Zu Hause gab es dann den erwarteten Zoff wegen der Unterschrift auf dem Zet- tel. Und eine mühsame Diskussion über die Wichtigkeit von Hausaufgaben. Dass Benni pausenlos hustete, machte die Sache nicht gerade besser. Ich knallte die Tür hinter mir zu und ging drauflos, ohne zu überlegen, wohin. Erst auf der Brücke über den Fluss fiel mir auf, dass ich ganz automatisch den täg- lichen Schulweg gegangen war. Ich blieb fröstelnd stehen und grübelte. Was wollte ich da eigentlich? Ich schaute mich um. Außer mir war niemand auf der schmalen eisernen Brücke. Alles Mögliche ging mir durch den Kopf. Aber vor allem eines: Mein ganzes Leben wäre anders, einfacher, schöner, wenn ich auf der richtigen Seite des Flusses zur Welt gekommen wäre. Davon war ich absolut und total und hun- dertprozentig überzeugt. Ich weiß nicht, wozu Flüsse überall sonst auf der Welt da sind – bei uns jedenfalls teilt dieses trübe Rinnsal die Stadt in zwei Teile. Auf der einen Seite stehen die Villen mit den Gärten. Je nach Geschmack des Besitzers ist es ein deko- rativ wuchernder Garten oder einer mit sorgfältig gekäm- mten Rasenflächen. In man- chen werden Rosen gezüchtet, in anderen wachsen Obstbäume. Auf jeden Fall aber ist es immer ein großer Garten

mit einer hohen Mauer drum herum oder einem Zaun aus schmiedeeisernen Schnör- keln. Oder sonst was geeignetem, um Un- befugte am Betreten dieser Prächtigkeit zu hindern. Ich gehörte sozusagen von Geburt an zu den Unbefugten. Ich bin nämlich dort zur Welt gekommen, wo es weder Villen noch Gärten gibt. Auf der anderen Seite des Flusses. Dort stehen Werkhallen, Lager- häuser, Bürogebäude der eher schäbigen Art. Von Grün keine Spur. Abgesehen vom Gänsescheiβgrün mancher Wohnhäuser. Richtig: Wohnen kann man da auch. Was heißt: kann? Man muss, wenn man so wenig Geld hat wie meine Eltern. Die Wohn- häuser schauen alle irgendwie gleich aus. Besucher verirren sich da leicht. Zwischen Mülleimern, Teppichklopfstangen und tristen Hauseingängen. Darum muss man sie auch beschriften. Nicht die Besucher, die Hauseingänge. 1. Hof, 3. Stiege, steht zum Beispiel bei unserem Eingang. Es gibt sechs Höfe mit wasweiβichwievielen Stie- gen. Trostlos. In der Volksschule war das nicht weiter auffällig. Weil die Volksschule dort steht, wo es normal ist, kein Geld zu haben. Aber im Gymnasium ist alles anders. Das steht nämlich drüben, auf der an- deren Seite. Dort, wo ich eigentlich nicht hingehöre, zwischen den Villen mit ihren großen Gärten. Und die meisten in unserer Klasse haben Geld. Einer erbt später einmal eine Firma, die Schrauben herstellt. Ziemlich viele Schrauben müssen das sein. Er wohnt nämlich mit seinen Eltern in der prächtig- sten Villa am Fluss, mit dem größten Garten und der höch- sten Mauer drum herum. Ich stand da auf der Brücke und dachte daran, was er alles hatte und ich nicht. Es gab eigentlich nur eines, worum ich ihn nicht beneidete, und das war sein Name. Er heißt Julius, weil alle Degenhart-Söhne immer Julius heißen. Grundsätzlich und ohne

immer Julius heißen. Grundsätzlich und ohne Ausnahme. Damit der Firmennamen nicht geändert werden muss.

Ausnahme. Damit der Firmennamen nicht geändert werden muss. Julius Degenhart & Sohn. Ich glaube, wenn er einen Bruder hätte, würde der auch Julius heißen. Vor- sichtshalber, falls ihnen ein Julius abhanden kommt. Witzigerweise haben unsere Na- men dieselben Anfangsbuchstaben. Julius Degenhart und Jakob Denner. Zwei- mal JD – aber was für ein Unterschied! Ich hätte mir nur zu gern selbst vorgemacht, dass dieser Julius ein Ekel wäre. Stinkreich aber widerlich. Nur: Wozu sollte ich mich selber anlügen? Er war zu allem Reichtum auch noch nett. Alle mochten ihn. Alle. Manchmal wirkte er zwar verschlafen, aber das nahm ihm keiner übel. Natürlich hatte ihn Laura zu ihrem Fest eingeladen. Julius wurde immer und überall eingeladen. Kunststück, dachte ich, während ich da auf der Brücke stand und den Wellen nach- schaute. Mit so viel Geld ist leicht nett sein. Gar nicht auszudenken, wie nett ich wäre. Auf einmal spürte ich, dass ich nicht mehr allein auf der Brücke war. Ein paar Schritte neben mir lehnte eine Frau an dem Eisengeländer und schaute zu den Wellen hinunter. Ihr Gesicht verschwand völlig hinter einer dichten Mähne grauer Haare. Es war mir nicht angenehm, dass da noch jemand auf meine Wellen glotzte. Mir war kalt. Ich stopfte meinen Schal vorne in die Jacke und zerrte an den zu kurzen Ärmeln. Die Frau starrte noch immer zum Wasser hinunter. Eine Krähe landete auf dem Geländer der Brücke und beäugte mich interessiert. Ich wollte gehen, aber ich hatte keine Ah- nung, wohin. Jedenfalls nicht nach Hause. Noch nicht. Vielleicht wäre alles, was nachher pas- sierte, nicht passiert, wenn ich einfach los- marschiert wäre. Aber so stand ich da und überlegte.

Aus. Edith Schreiber-Wicke, Gefährlicher Tausch (c) 2007 by Thienemann Verlag (Thiene- mann Verlag GmbH), Stuttgart - Wien

Fortsetzung erfragen

Wie geht der Text weiter? Stellt JA / NEIN – Fragen (Entscheidungsfragen), wie der Text weitergeht. Ihr stellt eine Frage und der Lehrer / die Lehrerin antwortet mit JA- , NEIN- oder ICH WEISS NICHT-Kärtchen. Ein Schüler stellt also eine Frage und der Lehrer hält das entsprechende Kärtchen in die Höhe und sagt sonst nichts. Das wird solange fortgesetzt, bis die gesamte Geschichte mehr oder weniger genau rekonstruiert ist. Dabei ist es sehr wichtig, dass der Lehrer oder die Lehrerin den ganzen Text genau kennt.

Ja

Nein

Weiß nicht

Wohnen literarisch

27

Textauszug gekürzt

Bonsai

Eben habe ich wieder einmal den Tages- Streit mit meiner Alleinerzieherin hinter mich gebracht. Den haben wir beide schon so gewohnheitsmäßig drauf wie das Zähneputzen und es wird so lange siebenmal die Woche eine Fortsetzung davon geben, bis einer von uns der ein- deutige Sieger wird. Das Problem dabei ist allerdings, dass ich nicht recht weiß, wie in diesem Mutter-Sohn- Krieg der eindeutige Sieg für mich aussehen sollte. Bei den täglichen Kampf- Etappen ist das klar: Wer das Wohnzimmer verlässt und wütend die Tür hinter sich zuschlägt, ist der Tages-Ver- lierer, wer hocherhobenen Hauptes darin thronen bleibt, ist der Tages-Sieger. Aber meine restlichen Jugendjahre als Gesamt-Sieger hocher- hobenen Hauptes allein im Wohnzim- mer zu verbringen, danach sehne ich mich eigentlich nicht. Wonach sich die Alleinerzieherin sehnt, ist mir schon eher klar. Die würde sich wohl als Gesamt-Siegerin betrachten, wenn sie mich dazu brächte, dass sich mein Tun und Lassen im Rahmen ihrer angeblich äußerst weiten Toleranzgren- zen hielte und ihre „bekanntermaßen überaus hohe Frustrationsschwelle“ nicht überschreite. Wenn sie also aus mir ein pflegeleichtes Knäblein gemacht hätte, das so nett ist, nur dort unange- passt zu agieren, wo es ihr nicht miss- fällt. Anders gesagt: Wenn ich mich aus kindlicher Zuneigung zu ihr einer kom- pletten Wesensveränderung unterzöge. Aber das bringe ich leider nicht, selbst wenn ich besten Willens bin und zufäl- lig absolut nicht Böses im Sinn habe. Typisches Beispiel heute am Nach- mittag: Ich liege auf der Sitzbank im Wohnzimmer, futtere Chips und Oliven und zappe mich die TV-Programme

rauf und runter. Sie kommt herein, noch in Manterl und Hütchen und mit ihrem Werktagsgesicht, Marke: Ach-

Gott-wie-bin-ich-doch-wieder-einmal-

vom-vielen-Geldverdienen-geschafft. In der Hand hat sie einen Brief, den reißt sie auf, zieht einen Wisch heraus, runzelt die Stirn und greint: „Diese Kirchenfritzen sind wohl völlig plemplem geworden, wie kommen die dazu, mir eine Steuernachzahlung vor- zuschreiben, sollen froh sein, dass ich ihnen überhaupt was abgebe?“ Worauf ich sehr friedlich- freundlich sage, dass sie aus der Kirche austreten könne, wenn sie das nicht bezah- len wolle. Schließlich ist die Frau ge- schieden und bekäme nicht mal, wenn sie es wollte, die sonntägliche Kom- munion gespendet. Und wenn man vom simplen Standard-Service einer Firma beinhart ausgeschlossen ist, habe man doch alles Recht dieser den Vertrag auf- zukündigen. Die Alleinerzieherin seufzt vor sich hin und sagt, dass das im Grunde seine Richtigkeit habe, aber es gehe halt um einen schwer wiegenden Schritt und dann quatscht sie allerhand von „Kul- turkreis des christlichen Abendlandes“ daher und von „früher Prägung“ und so verwaschenem Plunder mehr und ich sage – eher spielerisch – dass ich mir hin und wieder sehr wohl überlege nächstes Jahr am katholischen Religionsunter- richt nicht mehr teilzunehmen und es mich kein bisschen stören würde, wenn ich damit dem Kulturkreis des christli- chen Abendlandes „baba“ sagen würde. Und statt dass sich die Frau erst ein- mal höflich erkundigt, warum ich mir das hin und wieder überlege, sagt sie autoritär: „Nein, nein, Sebastian, das wirst du nicht!“, und dann doziert sie

Sebastian, das wirst du nicht!“, und dann doziert sie mir vor, dass ich die Religion, in

mir vor, dass ich die Religion, in die ich hineingeboren wurde, durch zwei wöchentliche Religionsstunden kennen lernen müsse und mich erst dann, wenn ich richtig erwachsen bin und genau wissend, worum es geht, verantwor- tungsvoll pro und contra entscheiden könne. Und ich weise sie – noch eini- germaßen ruhig und beherrscht – darauf hin, dass ich mich nach der Matura keineswegs mehr entschließen könne, am Religionsunterricht teilzunehmen oder nicht, denn dann hätte ich ihn doch komplett hinter mir. Und sie sagt, ja ja ja, so solle es auch sein, denn nichts sei schrecklicher als ein dumpfer Mensch, der etwas ablehnt ohne es wirklich zu kennen, davon komme doch der meiste Jammer auf Erden.

Aus: Christine Nöstlinger, Bonsai (c) Beltz & Gelberg in der Verlags- gruppe Beltz, Weinheim & Basel

Nach Vorlage schreiben

Die in diesem Ausschnitt dargestellte Szene wird jedem/r Leser/in auf irgendeine Art mehr oder weniger vertraut sein. Beschreibt, wie so ein Gespräch bei euch zuhause abläuft. Ihr könnt den Text als Muster nehmen und in eure persönliche Geschichte umschreiben.

Niveau II - III

Besondere Wohnformen

28

KAPITEL

BESONDERE WOHNFORMEN

1. Hypothesen bilden

Hier findet ihr drei Interviews mit Personen, die in einer besonderen Wohnform leben. Diese drei Wohnfor-

men sind ein Frauenhaus, das Frauen in Not Unterkunft und Hilfe bietet, ein „Passivhaus“, ein Haus in einer neuen ökologischen Bauweise und die Sargfabrik, ein von den Mietern selbstverwaltetes Wohnprojekt.

Entscheide dich für eines dieser Projekte und stelle Hypothesen auf, um was es in den jeweiligen Interviews

gehen kann.

Welche Fragen stellen sich dir, wenn du hörst, dass du jetzt ein Interview über das „Frauenhaus Wien“, ein

„Passivhaus“ und ein selbstverwaltetes Miethaus lesen sollst? Formuliere Fragen, die du von dem Text beant- wortet haben möchtest.

Lies den Text und überprüfe, ob und wie deine Fragen durch den Text beantwortet werden.

2. Recherche und Präsentation

Suche im Internet nach mehr Informationen über das von dir gewählte Projekt und bereitet in Kleingruppen

10-minütige Präsentationen für eure Kolleg/innen vor.

Wichtige Internetadressen: www.frauenhaeuser-wien.at, www.igpassivhaus.at, www.sargfabrik.at

3. Interview

Neben der „Sargfabrik“ gibt es in Wien noch zahlreiche andere Projekte, die sich als THEMENWOHNEN

bezeichnen lassen. Such dir eine der folgenden Wohnformen aus und bereite ein Interview vor: „Wohnen mit Kindern“, „Autofreie Siedlung“, „Bike City“, „Integrationshaus“.

Gib die entsprechenden Titel in eine Suchmaschine ein und sortiere die Informationen, die du erhältst.

Bereite dich auf dein Interview vor: Welches Projekt möchtest du bearbeiten? Welche Informationen hast du

bereits im Internet finden können und welche brauchst du noch?

Erarbeite einen Fragenkatalog: Was willst du wissen? Was interessiert dich? Was interessiert andere? Auf

welche Fragen willst du im Interview Antworten haben?

Bereite die Kontaktaufnahme mit einem Interviewpartner vor.

Verfasse einen Brief oder ein eMail, in dem du um einen Interviewtermin bittest.

4. Projekt: Wie sieht es in deinem Heimatland aus?

Recherchiere, ob es in deinem Heimatland ähnliche Projekte gibt.

Gestalte für ein deutschsprachiges Publikum einen Informationsfolder über entsprechende Wohninitiativen in

deinem Land. Stelle dabei die Aktivitäten vor und erkläre, wie man zu weiterführenden Informationen kommt.

in deinem Land. Stelle dabei die Aktivitäten vor und erkläre, wie man zu weiterführenden Informationen kommt.

Wohnen im Frauenhaus

Das Frauenhaus ist eine Krisen- und Schutzeinrichtung für Frauen, die von familiärer Gewalt betroffen sind und deren Kinder. Der Verein Wie- ner Frauenhäuser betreibt vier Frau- enhäuser mit 164 Plätzen für Frauen und Kinder, eine Beratungsstelle und ein Nachbetreuungsprojekt, das wei- teren 31 Frauen und deren Kindern einen Wohnplatz bietet.

Das folgende Interview wurde von einer Mitarbeiterin des 4. Wie- ner Frauenhauses mit einer Be- wohnerin geführt. Frau A lebt seit 4 Monaten gemeinsam mit ihrer 2 Jahre alten Tochter im Frauenhaus und wird demnächst in eine eigene Wohnung (Gemeindewohnung) zie- hen können. Aus welchen Gründen sind Sie ins Frau- enhaus gekommen, was ist geschehen? Meine Mutter hat sich sehr große Sor- gen um mich gemacht, da ich 20 kg in wenigen Monaten abgenommen habe. Sie hat mich aufs Jugendamt begleitet, wo ich dann das 1. Mal über meine Situ- ation berichtet habe - dort habe ich mein Schweigen gebrochen. Ich habe vorher mit niemandem darüber geredet, habe niemandem über meine Probleme mit meinem Mann direkt erzählt. Mein Ehemann hat mich geschlagen, mich psychisch fertig gemacht, mich be- schimpft, mich laufend abgewertet und gedemütigt, auch vor seinen Freunden. Ich traute mich nie, Hilfe zu holen, weil ich Angst vor ihm hatte. Auch meine Tochter B. hat all die Strei- tigkeiten mitbekommen. Ich habe ihn immer darum gebeten, dass er damit aufhören soll, weil meine Tochter Angst hatte und zu schreien und zu weinen be- gann. Ich bin also durch die Unterstützung vom Jugendamt ins Frauenhaus gekommen.

die Unterstützung vom Jugendamt ins Frauenhaus gekommen. Besondere Wohnformen 2 © Ruth Ehrmann Was war ihr
Besondere Wohnformen 2
Besondere Wohnformen
2

© Ruth Ehrmann

Was war ihr erster Eindruck, als Sie ins Frauenhaus gekommen sind? Am Anfang bin ich erschrocken, vor al- lem über die Türverriegelung der Sicher- heitstür, die sich hinter mir geschlossen hat, aber als ich drinnen war, habe ich mich dann ganz schnell sicherer gefühlt. Ich merkte, dass es hier Menschen gibt, die mir geglaubt haben und die mir zuge- hört haben, und mir gesagt haben, das hast du gut gemacht.

Gruppe hat sich jetzt verändert - es sind viele neue Frauen eingezogen, die wollen das noch nicht, die haben noch zu viele Probleme. Ich weiß noch von mir am An- fang, wo ich den Schutz vom Frauenhaus noch gebraucht habe, da war es wichtig, dass andere Frauen zu mir gekommen sind und mich aufgefordert haben, da mal aus mir herauszugehen. So habe ich es dann geschafft, die inneren Prob- leme mit den anderen auszu-

tauschen und die Probleme und Geschichten der anderen Frauen zu hören. Wenn ich nicht wusste, was tun, dann bin ich zur Betreuerin gegan- gen, um mich beraten zu las- sen, um weitere Perspektiven

zu entwickeln. Das Leben ist jetzt einfach wieder schön und ich kann auch sagen, dass ich hier Freundinnen ge- funden habe.

„Das Leben ist jetzt einfach wieder schön und ich kann auch sagen, dass ich hier Freund- innen gefunden habe.“

Können Sie den Wohnbe- reich beschreiben, wie leben Sie hier? Man kann sagen, wie in einem Studentenheim, also so, wie Studenten zusammen

wohnen. Im Moment teile ich eine Wohneinheit mit einer 2. Frau. Jede Frau hat ein eigenes Zimmer, aber Bad /WC und eine Teeküche teilen wir uns. Eigentlich geht es uns super, denn einmal kocht die eine, manchmal die an- dere und wir passen gegenseitig auf die Kinder auf, das ist eine Entlastung. Ich bin jetzt sehr zufrieden mit dem Leben hier.

Wie ist das für Sie, wenn sie an den Aus- zug aus dem Frauenhaus denken? Durch diese Sicherheit, die ich hier im Frauenhaus wieder bekam, habe ich es geschafft, mich von meinem Mann zu trennen und scheiden zu lassen. Ich weiß jetzt, ich habe es geschafft, mein eigenes Leben im Griff zu haben und sehe eine gute Zukunft für mich und mein Kind.

Was sind ihre Wünsche an die Zukunft? Ich wünsch mir, mit meiner Tochter unabhängig und glücklich zu leben. Ich wünsche mir, wieder viel Spaß im Leben zu haben, denn jetzt geht es mir wieder gut, und so wie es jetzt ist, ist es schön Und ich bin auch stolz auf mich, weil sich so viel positiv verändert hat.

Wie ist das Zusammenleben mit den vielen anderen Frauen hier im Frauenhaus? Manchmal kochen wir gemeinsam, machen gemeinsam Ausflüge und gehen bei Schönwetter am Wochenende pick- nicken. Früher gab es eine Clique – wir haben uns da immer abends gemeinsam zusammengefunden, zuerst im TV-Zim- mer und dann im gemeinsamen Esszim- mer. Wir haben Filme gemeinsam ange- schaut, getratscht, gemeinsam gegessen. Leider sind jetzt viele ausgezogen und die

© Ruth Ehrmann

Besondere Wohnformen

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Altbausanierung mit Passivhauskomponenten

Die Familie Schwarz in der oberösterreichischen Ge- meinde Pettenbach war die

erste in Österreich, die ihr

Einfamilienhaus,einemAlt-

bau aus den 60er Jahren, in ein modernes ökolo- gisches PASSIVHAUS um- gebaut hat. Durch diese Sanierung senkte sich der Heizwärmebedarf um 95 Prozent. Wir sprachen mit dem Bauherrn Werner Schwarz.

Herr Schwarz, können Sie in einfachen Worten erklären, was man unter einem „Passivhaus“ versteht? Im Prinzip ist ein Passivhaus ein Haus wie alle anderen. Der Unterschied liegt darin,

dass es besonders gut wärmeisoliert ist und ein kontrolliertes Lüftungssystem besitzt. Das heißt, im Passivhaus wird die Frisch- luft über ein Ansaugsystem

direkt in und die Abluft aus den einzelnen Räumen ge- leitet. Ein herkömmliches Lüften ist daher nicht mehr notwendig, da permanent Frischluft im Raum ist.

Gleichzeitig wird die Zuluft in einem Wärmetauscher von der Abluft erwärmt. Somit bleibt sehr viel Wärmeenergie im Haus und man kommt mit geringen zusätzlichen Heizungen (die meistens direkt die Zuluft erwärmen) aus. Weiters wird die Sonneneinstrahlung als Wärmequelle benutzt, was die Heizkosten nochmals senkt.

als Wärmequelle benutzt, was die Heizkosten nochmals senkt. kein Heizen erforderlich, was auch wieder für das

kein Heizen erforderlich, was auch wieder für das Raumklima gut ist.

Ist ein Umbau mit Passivhauskompo- nenten nicht um einiges teurer als eine „gewöhnliche“ Altbausanierung? Wir hatten etwa 10 % höhere Kosten als

bei einer konventionellen Sanierung. Stellt man dies der Heizkostener-

sparnis gegenüber, rechnen wir mit einer Amortisierung innerhalb von 15 Jahren.

“Herrlich ist es, wenn die Sonne an kalten Wintertagen die Räume wohlig warm werden lässt.”

Warum haben Sie nicht das alte Haus abgerissen und

gleich einen Neubau gebaut? Zum einen war es das Wochen- endhaus meiner Eltern und so dumm es klingen mag, ich wollte das Haus, das meine Eltern mit viel Einsatz und Ent- behrungen gebaut hatten, nicht komplett wegreißen. Mir hat einfach der Gedanke gefallen, es als „Gerüst“ für unser neues Haus zu nehmen. Weiters rechneten wir einfach und ein Abriss hätte uns um vieles mehr gekostet. Und drittens wäre es dann keine Sanierung gewesen, womit viel von der Herausforderung verloren gegangen wäre.

Wie hat sich das Leben für Ihre Familie im neuen Haus verändert? Da wir vorher in einer Wohnung gelebt haben, hat das Leben eine völlig andere Qualität bekommen. Unser Haus ist sehr freundlich, da wir viel Licht im Raum haben. Die großen Fenster geben ein Gefühl der Offenheit und vor allem die Kinder schätzen, dass jetzt jedes ein ei- genes großes Zimmer hat. Am liebsten halten wir uns aber im großen Wohnzim- mer, das zugleich auch die Küche ist, auf.

Unterscheidet sich das Leben in einem Passivhaus von dem in einem Altbau? Sind besondere Dinge zu berücksichtigen, wenn man in ein Passivhaus zieht?

Das Leben in dem Sinn unter- scheidet sich eigentlich nicht. Man schätzt allerdings bald die bereits beschriebenen Vorteile. Worauf man achten muss ist, dass das Heizungssystem natürlich etwas träger ist, da ja nur geringe Heizleistung im Alltag benötigt wird. Dies ist jedoch kaum ein Nachteil, da ja eine Abkühlung durch die extreme Wärmedäm- mung nur sehr langsam erfolgt. Worauf man sehr wohl achten muss, ist die Verschattung. Durch die großen Fensterflächen kann es beim Fehlen von entsprechenden Jalousien oder Markisen zu Überhitzungen im Raum kommen. Vergisst man also in der Früh das Herablassen und kommt erst nachmittags nach Hause, muss man eben mit sehr hohen Raumtemperaturen rech- nen. Herrlich ist es allerdings, wenn die Sonne an kalten Wintertagen die Räume wohlig warm werden lässt.

an kalten Wintertagen die Räume wohlig warm werden lässt. Wird die Passivhausbauweise in ein paar Jahren

Wird die Passivhausbauweise in ein paar Jahren zum absoluten Standard für den Hausbau werden? Ich glaube zwar nicht, dass in naher Zu- kunft das PH zum alleinigen Baustand- ard wird, dafür ist die Skepsis in der Be- völkerung noch zu groß, allerdings wird die Entwicklung der Heizkostenpreise einen Umdenkprozess einleiten. Entschei- dend wird sein, dass die billigste Energie die ist, die ich nicht brauche. Wenn dann auch noch die Lebensqualität steigt, wird es eine wirkliche Alternative zum konven- tionellen Bau werden. Ich kann nur allen zukünftigen Aus-, Um- und Neubauern raten, sich Passivhäuser anzusehen, Ge- spräche mit den Bewohnern zu führen und sich für neue Technologien zu öffnen.

zu führen und sich für neue Technologien zu öffnen. Was hat Sie an der Passivbauweise am

Was hat Sie an der Passivbauweise am meisten fasziniert? Der Hauptgrund war das gute Raumklima, das in einem PH herrscht. Durch die perma- nente Frischluft fühlt man sich wesentlich wohler, außerdem sind die Raumtempera- turen viel ausgeglichener. Im Winter ist die Raumwärme viel angenehmer, weil keine heißen Wärmequellen benötigt werden. Im Sommer kommt die Luft vorgekühlt in den Raum, da sie nach dem Ansaugen durch Leitungen, die in der Erde liegen, ins Haus kommt. In der Übergangszeit ist durch die gute Dämmung praktisch auch

Besondere Wohnformen

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Besondere Wohnformen 31 Wohnen in der Sargfabrik Ein Gespräch mit Gerda Ehs und Lidia Brandstätter, Bewohnerinnen

Wohnen in der Sargfabrik

Ein Gespräch mit Gerda Ehs und Lidia Brandstätter, Bewohnerinnen der Sargfabrik

Im Westen von Wien auf dem Areal einer ehemaligen Sargfabrik ist 1996 die Vision von einer innovativen Wohnkultur Wirklichkeit geworden. An die einst größte Sargtischlerei der Donaumonarchie erinnern heute nur mehr der Grundriss des Neubaus, der stehen gebliebene Schornstein – und der Name:

„Sargfabrik“. Grundeigentümer, Bauherr, Betreiber der Wohnanlage und Vermieter sind der „Verein für Integrative Lebensgestaltung“. Neben dem Wohnheim beheimatet die „Sargfabrik“ auch noch ein Kulturhaus, Badehaus, Seminarhaus, Kinderhaus und ein Café-Restaurant. Somit ist die „Sargfab- rik“ gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester „Miss Sargfabrik“ Österreichs größtes selbstverwaltetes Wohn- und Kulturprojekt.

Was ist die „Sargfabrik“? Die Sargfabrik, also den Verein für In- tegrative Lebensgestaltung, der die Idee gehabt hat, ein Wohnprojekt zu machen, gibt es schon seit 20 Jahren. Auf der einen Seite gab es die Idee, dass man Wohnen, Arbeiten und Kultur an einem Ort verbinden möchte und auf der ander- en Seite aber auch die Idee der Integra- tion von Menschen. Es sollen also nicht nur Familien zusammenleben, sondern auch jüngere und ältere Leute. Eine Idee bei der Planung war auch, dass sich die Wohnungen verändern lassen, aber so leicht, wie man das hinschreibt, ist das nicht. Man kann natürlich Wohnungen trennen und zusammenlegen, das ist

kann natürlich Wohnungen trennen und zusammenlegen, das ist aber durchaus mit größeren baulichen Eingriffen verbunden.

aber durchaus mit größeren baulichen Eingriffen verbunden.

Die „Sargfabrik“ ist Österreichs größtes selbstverwaltetes Wohn- und Kulturprojekt. Wie funktioniert die Selbstverwaltung rein praktisch? Wenn es jetzt darum geht, eine Woh- nungsabtrennung zu machen, dann wird sich vorher damit eine Mitglied- erversammlung befassen. Denn so eine Zusammenlegung bedeutet einen grund- sätzlichen Eingriff in den Bau und da wird es vorher sicher Diskussionen geben. Wenn es allerdings darum geht, welche Konzerte veranstaltet werden, reden nicht alle Mitglieder mit.

Wer wohnt in der Sargfabrik? Es gibt um die 70 Wohnungen. Wenn eine Wohnung frei wird, dann ist es so, dass wir zuerst intern fragen, ob jemand irgendwelche Veränderungen braucht. Wenn das nicht der Fall ist, wird das Freiwerden der Wohnung auf der Inter- essentenliste veröffentlicht. Falls meh- rere Interessierte übrig bleiben, gibt es

eine Gruppe, die dann eine Empfehlung abgibt, wer die Wohnung bekommen sollte. Kriterien für die Empfehlun- gen sind, dass zum Beispiel eine große Wohnung nicht an eine allein stehende Person vergeben würde, wenn sich eine Familie mit drei Kindern bewirbt. Es werden auch eher junge Leute bevor- zugt. Zurzeit wohnt auch eine kurdische Familie hier und eine Wohnung wird immer Asylwerbern zur Verfügung gestellt. Die Bewohner sind sehr ge- mischt, was vor allem auf die Architek- tur zurückzuführen ist, da es eben unter- schiedlich große Wohnungen gibt. Das integrative Wohnprojekt ist davon aus- gegangen unterschiedlich große Fami- lien und unterschiedliche Lebensalter zu vereinen. Von jungen Singles bis zu allein lebenden Pensionisten und Fami- lien und Leuten, wo die Kinder schon weggezogen sind, alles Mögliche.

Warum zieht man in die „Sargfabrik“? Die meisten Leute ziehen wohl deshalb her, weil sie an guten nachbarschaftli- chen Kontakten interessiert sind und an dem was die Sargfabrik darstellt. Wenn man es ablehnt in einem Haus zu wohnen, wo man unter anderem auch mitverantwortlich und zuständig ist für einen Kindergarten, ein Kulturhaus, die Selbstverwaltung des Betriebes, dann wird man sich das nicht zumuten und hier wohnen.

Was sind die Qualitäten der „Sarg- fabrik“ ? Für mich sind das die Infrastrukturein- richtungen und dass das Wohnen hier Engagement zulässt. Man kann sich hier viel engagieren und einbringen.

zulässt. Man kann sich hier viel engagieren und einbringen. Dabei kann man auch sehr viel lernen

Dabei kann man auch sehr viel lernen - von finanziellen Dingen bis zum Leiten einer Organisation. Ich schätze auch sehr, dass man Ei- genleistungen bringen kann, aber nicht seine Stunden abarbeiten muss.

Besondere Wohnformen

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Mir gefällt besonders gut, dass ein Hob- by nicht so schrullig sein kann, dass man nicht Gleichgesinnte trifft. Selbst wenn man Schildkröten züchtet, fin- det man ein paar Leute, die sich auch dafür interessieren. Es können noch so ausgefallene Projekte sein, selbst da fin- det man hier Gleichgesinnte. Ich muss aber auch sagen, dass ich mir noch ein- en Garten am Land gekauft habe. Ich brauchte noch Platz, um einen Kirsch- baum zu pflanzen. Ganz legal, ohne jemanden fragen zu müssen. Hier am Dach im Dachgarten gibt es eben nur rare Flächen mit Nutzungskonflikten, natürlich.

© Wolfgang Zeiner
© Wolfgang Zeiner

Wie unterscheidet sich das Wohnen in der „Sargfabrik“ vom Wohnen in einem Gemeindebau? Auch im Gemeindebau sind gute nach- barschaftliche Kontakte möglich und er wird in dieser Hinsicht stark unter- schätzt. Die Sargfabrik ist diesbezüglich sicher kein Quantensprung. Es ist si- cher nicht so, dass es im Gemeindebau nur Intrige und Feindschaft gibt. Der größte Unterschied zum Gemeindebau ist die Organisationsform, und dass es öffentlicher ist, bewusst öffentlich, dass Leute auch ins Badehaus kommen, um bewusst andere zu treffen.

Inwiefern ist die „Sargfabrik“ öffentli- cher? Es gibt ja nicht nur das Haus, sondern der Verein betreibt auch mehrere Be- triebe wie einen Kindergarten, ein Seminarzentrum, einen Kultur- und Veranstaltungsbereich, und ein Bade- haus, das auch von 400 externen Per- sonen benutzt werden kann. Der Kin- dergarten zum Beispiel, der sich an der Montessori-Pädagogik orientiert, wird von 60 Kindern besucht und nur zehn

davon kommen aus der Sargfabrik. Und das Restaurant hat absolut einen öffentlichen Charakter und soll alles auflockern und zugänglicher machen.

Über weite Strecken ist die Sargfabrik öffentlich zugänglich, auch

wenn am Abend oft die Tore zugemacht werden.

Und wie sieht es mit der sozialen Kon- trolle aus? Die soziale Kontrolle kommt hier natürlich schon vor. Das ist nicht nur wegen der sehr transparenten Architek- tur, sondern es kennen sich

fast alle Leute auch unter- einander mehr oder weniger gut und es gibt sehr viele Zwischenkontakte. Ich habe mir schon öfters gedacht,

wie das für Jugendliche ist, wenn sie zum Beispiel geheim rauchen möchten. Das ist eigentlich alles sehr mit dörflichen Strukturen vergleichbar.

“Es können noch so ausgefallene Projekte sein, selbst da findet man hier Gleichgesinnte.”

Fühlt man sich da nicht gestört?

Natürlich fühlen sich die Bewohner zum Teil gestört, wenn un- unterbrochen Leute die Sargfabrik „be- sichtigen“ kommen. Manchmal ist es anstrengend, aber das kommt natürlich auf die Lage der Wohnung an. Manche Wohnungen sind einfach häufig einge- blickte.

Gibt es noch andere Wohnprojekte in Wien, mit denen Sie sich verwandt füh- len? Am nächsten wäre uns noch das autof- reie Wohnen, wobei die das Problem haben, dass sie kein Mitspracherecht haben, wer einziehen darf. Dann gibt es noch Wohnen mit Kindern. Ausgangs- punkt für das Projekt war sicher die Ökologie und Friedensbewegung der frühen achtziger Jahre, die Frauenbewe- gung, Alternativschulen. Durch die Art der Veranstaltungen und der Angebote wirken wir natürlich auch nach außen mit unseren Anliegen. Es ist auch nicht Zufall, dass im Kindergarten Montes- sori-Pädagogik angewandt wird und wir fürs Restaurant Pächter suchen, die zwar nicht nur rein Bio verkaufen, aber doch eher gesundes Essen anbieten.

rein Bio verkaufen, aber doch eher gesundes Essen anbieten. Was ist das Badehaus? Das Badehaus ist

Was ist das Badehaus? Das Badehaus ist 300 Quadratmeter groß und umfasst auch ein Schwimm- bad. Das Badehaus hat nicht nur den Wellnessaspekt, sondern auch den Reinigungsaspekt, Duschen und auch Badewannen, Whirlpool und Sauna. Ich benutzte das Badehaus deshalb, da ich gerne Kneippdusche und ich brauche rein physisch zwei Duschen dafür. Ich muss also Ortswechseln. So banale Gründe gibt es, um ins Badehaus zu gehen.

Wie sind der Umgangston und die Um- gangsformen unter den Bewohner? Wenn Leute neu hier herkommen, ist das ein langwieriger Prozess zu verstehen, wie die Beziehungen hier in der Sargfabrik sind. Aber man hat immer irgendjemanden, der einen ein- führt. Hier sind auch alle per Du un- tereinander. Auch die Kinder zu den Erwachsenen. Es ist schon auch so hier, dass man mit Konflikten anders umgeht als wo anders. Ich kann zu meinen Nachbarn gehen und sagen:

„Seid´s so lieb und macht das Fens- ter zu“. In meiner ehemaligen Woh- nung hätte ich mich wahrscheinlich geärgert, aber ich wäre nicht zu den Nachbarn gegangen. Da war einfach zu viel Distanz, als dass ich etwas gesagt hätte.

Gibt es Verhaltensweisen, die hier nicht akzeptiert werden? Was absolut nicht hier toleriert wird, das sind Gewalttätigkeiten und Rassis- mus. Ich glaube, hier herinnen hat noch kein Kind eine Watschen (Ohrfeige) be- kommen - außer von anderen Kindern vielleicht.

Lehrer/innenkommentar

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LEHRER/INNENKOMMENTAR

KAPITEL 1

MEINE STRASSE – HIER WOHNE ICH

„Meine Straβe – hier wohne ich“ war 2006 der Titel eines Schüler/innenwettbewerbs des Zentrums für Österreichstudien. In diesem Kapitel werden acht Ausschnitte aus den ca. 700 eingereichten Beiträgen der Schüler/innen aus dem Norden und dem Baltikum präsentiert. Die Übungen und Texte sollen dazu anregen, selbst im Klassenzimmer zu diesem Thema zu arbeiten. Das Lied „Was meine Straβe erzählt“ von Matas Plūkys kann man auf der Homepage des Zentrums für Österreichstudien herunterladen: www.his.se/osterrike/schulwettbwerb. Auf diesen Seiten findet man auch noch weitere Beiträge von Schüler/ innen und Anregungen zur Arbeit mit dem Thema.

Lösung: Welcher Text gehört zu welchem Bild?

BILD

A

B

C

D

E

F

G

H

TEXT

4 / LT

5 / SE

3 / LT

8 / SE

7 / SE

6 / LT

2 / SE

1 / SE

KAPITEL 2

WOHNUNGEN UND IHRE BEWOHNER/INNEN

In diesem Kapitel stellen wir drei Wohnungen in Österreich und ihre Bewohner/innen vor. „Zeig mir, wie du wohnst… und ich sag dir, wer du bist“, lautet ein deutsches Sprichwort. In diesem Abschnitt geht es darum, dass die Schüler/innen von kleinen, persönlichen Einblicken in die vier Wände auf die Bewohner/innen der Wohnungen schließen. Was sagt eine Woh- nung über ihre Bewohner/innen aus? Auf der Grundlage von Bildern von Wohnungen / Häusern sowie von drei Personen ist die Aufgabe, den Steckbrief einer Person zu entwerfen. Jede der vorgestellten Personen steht exemplarisch für eine bestim- mte Wohnform (Wohnen mit Behinderung, Wohngemeinschaft und drei Generationen unter einem Dach). Bei der Arbeit empfiehlt es sich, mindestens zwei Gruppen getrennt an einer Person (und ihren Wohnungsbildern) arbeiten zu lassen. Dadurch kommt das Gespräch bei der Präsentation der Ergebnisse (Vergleichsmöglichkeit) besser in Gang. Die Präsentation wird hier in Ich-Form vorgeschlagen, sie kann aber auch in Er-/Sie-Form gemacht werden.

Lösung

A

B C

2

1 3

Lösungen

Person A = Wohnung 2

1. Wie heißen Sie? Angelika.

2. Wie alt sind Sie? 39.

3. Wo sind Sie geboren? In Villach(Kärnten).

4. Wo wohnen Sie jetzt? Wir wohnen in Annenheim am Ossiachersee. Unser Haus hat 3 Geschosse mit 2 Wohnungen. Im

Parterre leben die Großeltern und darüber die jüngeren Generationen (2 Erwachsene und 2 Kinder).

5. Sind Sie ledig, verheiratet oder verwitwet? Verheiratet.

6: Warum haben Sie sich gerade für diese Wohnung / Haus / Form des Wohnens entschieden? Wir wohnen in wunderschöner

Lage am See und nur 10 Minuten von der Stadt Villach entfernt. Die Verkehrsverbindungen sind ideal. Wir leben am Fuße eines Ski- und Wanderberges. Außerdem ist dieses Haus mein Elternhaus, das wir umgebaut haben.

7. Was und Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Ihrer Wohnung? Die Terrasse mit Blick zum See.

8. Was ist Ihr Lieblingsgegenstand in Ihrer Wohnung? Unser Klavier.

9. Was sind Sie von Beruf? Lehrerin.

10. Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Skifahren, Schwimmen, Lesen.

11. Was essen und trinken Sie am liebsten? Italienische Küche.

12. Welche Musik hören Sie am liebsten? Pop-Musik und Musicals.

13. Wie lautet Ihr Lebensmotto? Nach vorne schauen.

Person B = Wohnung 1

Lehrer/innenkommentar

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1. Wie heißen Sie? Stefan.

2. Wie alt sind Sie? 46 Jahre.

3. Wo sind Sie geboren? In Leoben (Steiermark).

4. Wo wohnen Sie jetzt? Bruck an der Mur ist eine Kleinstadt (13.000 Einwohner) in der Mitte der Steiermark (ca. 50 Kilo-

meter nördlich von Graz). Ich wohne mit meiner Familie (Ehefrau, 23-jährige Tochter im Rollstuhl und 11-jährige Tochter) in einem einstöckigen Mietkauf-Reihenhaus. Das heißt: Zehn Jahre Miete mit einer anschließenden Kaufoption. Es ist eine kleine Siedlung mit acht Reihenhäusern und 13 Wohnungen im Nebenhaus. Autos müssen am Beginn der Siedlung parken. Bewohner sind altersmäßig bunt durchgemischt. Tendenz eher Jungfamilien mit ganz kleinen Kindern. Zu Fuß sind wir

15 Minuten vom Hauptplatz entfernt. Gleich neben der Siedlung befindet sich „die Murinsel“ – Sportstadion, Eislaufplatz, Schwimmbad.

5. Sind Sie ledig, verheiratet oder verwitwet? Verheiratet.

6: Warum haben Sie sich gerade für diese Wohnung / Haus / Form des Wohnens entschieden? Notgedrungen: Das Haus ist rollstuhlgerecht adaptiert.

7. Was und Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Ihrer Wohnung? Die Terrasse.

8. Was ist Ihr Lieblingsgegenstand in Ihrer Wohnung? Das Klavier.

9. Was sind Sie von Beruf? Sonderschullehrer.

10. Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Laufen, Bergsteigen, Schitouren, Computern, Familie, Lesen.

11. Was essen und trinken Sie am liebsten? Salat, Kasnocken, fast alles, Wasser, Bier (Gott sei Dank vertrage ich nicht viel).

12. Welche Musik hören Sie am liebsten? Zu Hause keine. Live: Klassische Konzerte

13. Wie lautet Ihr Lebensmotto? Träume erfüllen – wenn nicht heute, dann halt morgen!

.

Person C = Wohnung 3

1. Wie heißen Sie? Florian

2. Wie alt sind Sie? 21.

3. Wo sind Sie geboren? In Leoben.

4. Wo wohnen Sie jetzt? In Graz, im Stadtteil Jakomini; in einer WG mit einem Mitbewohner; ca. 55m² groß; umgebaute und

renovierte Altbauwohnung; ruhige Gegend, in der einige Studenten wohnen.

5. Sind Sie ledig, verheiratet oder verwitwet? Ledig.

6: Warum haben Sie sich gerade für diese Wohnung / Haus / Form des Wohnens entschieden? Eine WG ist günstiger als al-

leine eine Wohnung zu haben; man vereinsamt nicht; Studentenheime sind nicht wirklich billiger und bieten weniger Lebens- bzw. Wohnqualität. Nach Graz bin ich deshalb übersiedelt, da Pendeln zu zeitaufwändig wäre.

7. Was und Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Ihrer Wohnung? Mein Bett.

8. Was ist Ihr Lieblingsgegenstand in Ihrer Wohnung? Das Bücherregal.

9. Was sind Sie von Beruf? Student, sofern man das als Beruf werten möchte.

10. Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Lesen; ins Theater gehen; Filme schauen; manchmal auch ins Café gehen.

11. Was essen und trinken Sie am liebsten? Selbst gemachtes Gemüsesugo; nicht das billigste aber das beste. Man muss be-

denken: Ein „Fertigsugo“ ist billiger und nicht so zeitaufwändig zuzubereiten.

12. Welche Musik hören Sie am liebsten? Blur, Portishead, Radiohead, The Smiths, Bob Dylan

13. Wie lautet Ihr Lebensmotto? ---

KAPITEL 3

WOHNPRÄFERENZEN VON JUGENDLICHEN

2002 veröffentlichte das Institut für Stadt- und Regionalforschung einen Forschungsbericht über die „Wohnpräferenzen von Jugendlichen in Wien“. Für dieses Kapitel haben wir einige Statistiken und Teile der Zusammenfassung aus der Publikation aufgegriffen und laden damit die Schüler/innen dazu ein, über ihre eigene Wohnsituation und ihre Wohnpräferenzen nachzu- denken. Die Arbeit mit den Rastern soll auch zu einem besseren Kennen lernen der Mitschüler/innen beitragen. Das Ergänzen des Lückentextes ist nur für sehr fortgeschrittene Lerner/innen geeignet. Weniger fortgeschrittene Schüler/innen können sich dafür intensiver mit den Fotografien beschäftigen und sich überlegen, welche Wohnform ihnen am meisten zusagt.

Quelle: Vera Mayer: Wohnpräferenz von Jugendlichen in Wien. Ein Beitrag zur Kultur- und Sozialgeografie des Wohnens. ISR-Forschungsberichte. Herausgegeben vom Institut für Stadt- und Regionalforschung. Heft 27, Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien 2002.

Lehrer/innenkommentar

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Lösung Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung über die Wohnpräferenzen von Jugendlichen in Wien

Obwohl der Wunsch nach einer eigenen Wohnung bereits stark ausgeprägt ist, wohnen die meisten Wiener Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren weiterhin bei den Eltern. Preisgünstiges Wohnen, saubere Luft, gute Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, eine ausreichende Infrastruktur und Einkaufsmöglichkeiten sowie die bequeme Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes sind für die Jugendlichen wichtiger als Wohnen im Grünen. Die Befragungsresultate haben den Nachweis für ein hohes ökologisches und soziales Bewusstsein der jungen Wiener er- bracht. Dies zeigt sich beispielsweise an der hohen Akzeptanz von Themenwohnprojekten, wie z.B. der Autofreien City. Die Bauphilosophie der Wohnungsanlagen der 1960er und 1970er Jahre befindet sich vielerorts in einem Widerspruch zu den Wohnvorstellungen der heutigen jungen Generation. Viele dieser Wohnanlagen und die Grundrisse der Wohneinheiten waren ausschließlich auf die Bedürfnisse von Kernfamilien ausgerichtet und entsprechen nicht den modernen Wohnansprüchen und dem heutigen Wohnverhalten. Es sind daher bautechnische und soziale Sanierungsmaβnahmen notwendig, um ein sozial ausgewogenes Wohnmilieu zu kreieren. Es bestehen erhebliche Defizite in der Durchführung von Wohnumfeldaufwertungen. Die Mängel betreffen vor allem die Situation von Jugendlichen in Groβsiedlungen, d.h. konkret die ästhetische und infrastrukturelle Gestaltung des Lebensum- felds, Mängel hinsichtlich der Grünraumgestaltung, das Fehlen von Spielplätzen und Jugendtreffs usw. Neue Wohnformen und Haushaltstypen stehen in einem engen Zusammenhang zueinander. Neue Wege des kommunikativen Wohnens, das Themenwohnen usw. finden unter den Jugendlichen eine hohe Zustimmung. Das Wohnen der jungen Genera- tion kann aber nicht getrennt von jenem anderer gesellschaftlicher Gruppen (z.B. Ausländer, ältere Menschen, Behinderte usw.) betrachtet werden. So sind vor allem im Bereich des gemeinschaftlichen Wohnens neue Formen des Zusammenlebens zu fördern. Die Tendenz zum Eigentum ist bei den Jugendlichen sehr stark ausgeprägt. 78% streben entweder ein Einfamilienhaus oder eine Eigentumswohnung an. Dieses Ergebnis entspricht dem allgemeinen gesellschaftlichen Trend zur Unabhängigkeit und zum Individualismus. Bezüglich der Realisierung ihrer Wohnwünsche sind die Jugendlichen dennoch optimistisch. 87% der Befragten sind davon überzeugt, dass sie ihren Traumwohnungswunsch – meist mit Hilfe der Eltern – verwirklichen werden können. Die Resultate der Untersuchung weisen darauf hin, dass die Wohnberatungsangebote speziell für junge Leute einer Inten- sivierung bedürfen. Trotz gewisser Präferenzen für einen Verbleib in der Stadt wird sich bei den jungen Menschen der Trend zum Wohnen im Wiener Umfeld fortsetzen. Diese Entwicklung könnte sich mit der Verbreitung der Teleheimarbeit weiter verstärken.

KAPITEL 4

WOHNUNGSANNONCEN

Jede Tageszeitung veröffentlicht zumindest einmal wöchentlich Wohnungsannoncen und informiert über Neuigkeiten auf dem Immobilienmarkt. In diesem Abschnitt können die Schüler/innen das Lesen von österreichischen Annoncen trainieren, Fragen schreiben, Dialoge spielen und selbst Annoncen verfassen. (Ideen u.a.: Dallapiazza, Rosa-Maria; Jan, Eduard von; Blüggel, Beate; Schümann, Anja 2005: Tangram aktuell 2. Lektion 5-8. Kursbuch + Arbeitsbuch. Ismaning: Max Hueber

Verlag:4).

Weitere Annoncen finden Sie unter www.bazar.at.

KAPITEL 5

WOHNEN LITERARISCH

In diesem Teil haben wir fünf Ausschnitte aus Romanen der österreichischen Literatur, die einen Blick auf die Wohnsitu- ation österreichischer Jugendlicher werfen, versammelt. Jeder der fünf Texte hat eine/n Jugendliche/n in einer bestimmten familiären Struktur zur Hauptfigur. Da diese Abschnitte relativ lang sind, empfiehlt es sich, dass sich die Schüler/innen in Gruppen teilen und sich jede Gruppe nur mit einem Text beschäftigt. Die Schüler/innen sollen das Wörterbuch nur dann ver- wenden, wenn es absolut notwendig ist. Diesbezügliche Überlegungen sind: Müssen die Schüler/innen das Wort tatsächlich kennen, um den Text zu verstehen? Lässt sich das Wort durch seine internationale Bedeutung (Internationalismus) verstehen? Lässt sich das Wort durch die Wortbildung verstehen? Kann man das Wort durch den Kontext erschließen? Erst wenn keine dieser Alternativen eine Verständnishilfe ist, sollen die Schüler/innen zum Wörterbuch greifen.

Zusatzaufgaben IMPRO-Theater I: Eine Szene darstellen Eine Gruppe von Schauspieler/innen (3 bis 4 Schüler/innen) steht auf der Bühne. Ein/e andere/r Schüler/in gibt eine kurze Familiensituation vor. Z.B.: Ein Schauspieler ist der Vater / Stiefvater usw., eine Schauspielerin ist die Mutter / die Stief- mutter / Oma usw., ein Schauspieler ist der kleine Bruder / Halbbruder usw., eine Schauspielerin ist die große Schwester / Kusine usw. Vater, Mutter und kleiner Bruder sitzen um den Mittagstisch / im Wohnzimmer usw. und die große Schwester kommt auf Besuch. Das ist die Vorgabe und die Schauspieler/innen beginnen die Szene zu spielen. Jedes Mal wenn die Schauspieler/innen nicht den Vorstellungen der Schüler/in, die / der die Szene vorgegeben hat, entsprechend spielen, hupt sie mit einer Hupe oder klopft auf den Tisch und die Schauspieler/innen sind gezwungen, einen neuen Versuch zu starten. Die Szene wird fortgesetzt, solange es noch lustig ist oder die Szene ein zufrieden stellendes Ende findet. Versucht möglichst viele unterschiedliche Szenen darzustellen.

Lehrer/innenkommentar

3

IMPRO-Theater II: Eine Geschichte erzählen Ein/e Schüler/in erzählt eine Geschichte, indem sie JA-, NEIN-Fragen beantwortet. Z.B.: Thema Familienleben. Die Fra- gen stellen die anderen Schüler/innen. Spielt deine Geschichte im Wohnzimmer? – JA. Ist die ganze Familie anwesend? – NEIN. Sind es Vater, Mutter und die Tochter? – JA. Sind sie harmonisch? – NEIN usw. Auf diese Art und Weise erfragen die Mitschüler/innen eine Geschichte, die der / dem Geschichtenerzähler/in eigentlich vorher noch gar nicht bewusst ist.

KAPITEL

BESONDERE WOHNFORMEN

In diesem Kapitel stellen wir besondere Wohnprojekte in Form von Interviews vor. Das Frauenhaus Wien hilft misshandelten Frauen in ihrer Krise und bereitet sie auf eine lebenswerte Zukunft vor. Die Passivhausmethode ist wohl die aktuellste Ent- wicklung im Bereich ökologisches Wohnen und das Interview mit Bewohnerinnen der „Sargfabrik“ ist ein Beispiel für den Bereich „Themenwohnen“. Der Wohnungsmarkt hat sich in den letzten 20 Jahren grundlegend verändert: Der unmittelbare Bedarf ist gedeckt, nun geht es darum, besser zu wohnen. Wohnen wird als die Summe individueller Bedürfnisbefriedigung angesehen, das Angebot richtet sich gezielt an verschiedene Zielgruppen und Lebensstile. Unter dem Begriff „Themen- wohnen“ kann man jene Marketingstrategie zusammenfassen, die nicht mehr nur leeren Wohnraum anbietet, sondern ein Gesamtprodukt. Das gesamte Wohnumfeld wird geplant, Dienstleistungen und Gemeinschaftseinrichtungen sind inkludiert. Die hier vorgestellten Projekte sind: „Frauenhaus Wien“, „Die Sargfabrik“, „Wohnen in einem Passivhaus“ und sollen zur Auseinandersetzung mit entsprechenden Initiativen im Heimatland der Schüler/innen anregen. Die Idee in diesem Kapitel ist, dass sich die Schüler/innen mit relativ komplexen Sachverhalten auseinandersetzen. Die Auf- gabenstellungen sind einer authentischen Lebenssituation angepasst. In einer Zeitung liest man nur jene Artikel, die einen in- teressieren. Man liest die Überschrift und überlegt sich dann, ob der Text möglicherweise Auskunft über Dinge gibt, die einen ansprechen und über die man mehr wissen möchte. Man ist mit der Lektüre dann zufrieden, wenn man im Text Antworten auf seine eigenen Fragen über das Thema erhält. Aus diesem Grund sollen sich die Schüler/innen zunächst einmal überlegen, um was es in den Texten gehen kann. In einem nächsten Schritt überlegt man sich, welche Fragen man vom Text beantwortet haben möchte. In einem dritten Schritt ist dann zu überprüfen, ob die Fragen vom Text beantwortet werden. Damit wird der Leseprozess kanalisiert und die Schüler/innen haben eine natürliche Motivation den Text zu lesen. Gleichzeitig kommen mit der Beantwortung der Fragen weitere Fragen auf, die dann in Form weiterführender Recherchen gelöst werden können. Haben sich nun die Schüler/innen mit ihren Projekten beschäftigt, können sie sich in der Aufgabe „Interview“ damit ausein- andersetzen, wie man sich auf ein solches vorbereitet. Zunächst müssen sie sich auf das Thema vorbereiten: Grundinforma- tionen sammeln und Thema klären (Bibliothek, Internet). Welches Projekt möchte ich bearbeiten? Welche Informationen habe ich und welche brauche ich noch? Der nächste Schritt ist, einen Fragenkatalog zu erarbeiten und die Ziele des Interviews zu formulieren: Was will ich wissen? Was interessiert mich? Was interessiert andere? Auf welche Fragen will ich Antworten haben? usw. Und dann fehlt noch die Kontaktaufnahme mit möglichen Interviewpartnern über Telefon, eMail oder Brief:

was muss so eine Kontaktaufnahme beinhalten? a.Vorstellen der Gruppe, des Projekts und des Vorhabens; b. Termin, Ort und Ablauf des Interviews klären; c. Fotos, Kassetten-, Videoaufnahmen erlaubt?, d. Verwendung der Aussagen im Interview (z.B. soll der Name anonym bleiben)?

Literaturverzeichnis

Hammerl, Elfriede: Müde bin ich Känguru. Nachrichten aus dem Krisengebiet Patchwork-Familie. Wien: Deuticke 2006, S. 13ff.

Hochgatterer, Paulus: Caretta, Caretta. Wien: Deuticke 1999, S. 50f.

Mayer, Vera: Wohnpräferenz von Jugendlichen in Wien. Ein Beitrag zur Kultur- und Sozialgeografie des Wohnens. ISR- Forschungsberichte. Herausgegeben vom Institut für Stadt- und Regionalforschung. Heft 27, Wien: Verlag der österreich- ischen Akademie der Wissenschaften 2002.

Nöstlinger, Christine: Bonsai. Roman. Weinheim und Basel: Beltz 1997, S. 7ff.

Schreiber-Wicke, Edith: Gefährlicher Tausch (Der andere JD). Stuttgart – Wien: Thienemann 2007, S. 5 ff.