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Pbb. Verlagspostamt 8010 Graz

ISSN 1996-4900

1 | 2010 02Z032470
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02Z032470
Verlagspostamt 8010 Graz ISSN 1996-4900 1 | 2010 02Z032470 Für immer jung Aspekte des Alterns aus
Verlagspostamt 8010 Graz ISSN 1996-4900 1 | 2010 02Z032470 Für immer jung Aspekte des Alterns aus

Für immer jung

Aspekte des Alterns aus dem Blickwinkel der Wissenschaft in einem Special auf den Seiten 6 bis 15.

Langlebig / S. 6

Einen Jungbrunnen entdeckten

Grazer Biowissenschafter in

Weizenkeimen, Sojabohnen,

Grapefruits und Sperma.

Kurzweilig / S. 8

Lernangebote für SeniorInnen

müssen zweckorientiert und

speziell aufbereitet sein, weiß

eine Pädagogin der Uni Graz.

Weitsichtig / S. 10

Licht steigert die Lebens-

qualität von SeniorInnen und

kann Demenz entgegenwirken,

erforschte eine Psychologin.

S c i e n ce - B l i c k Helle Köpfe der

S c i e n ce - B l i c k

Helle Köpfe der Alma Mater

Zwei Gründer, acht Attikafiguren und die NobelpreisträgerInnen in 425 Jahren

D ass „seine“ Hochschule einst 27.000 Studierende zählen würde, hätte sich Erzherzog Karl II. von In-

nerösterreich wohl kaum träumen lassen, als er 1585 die Universität Graz gründete. Zwar sollte seine Bil- dungsstätte allen sozialen Schichten eine Schulung er- möglichen – der erste Student war aber ein „Interner“:

Karls Sohn, später Kaiser Ferdinand II, malte mit krake- ligen Buchstaben „Ferdinandus“ in sein Matrikelbuch. Als eine der ersten Studentinnen besuchte Henriette von Aigentler 1872 Vorlesungen, später unterrichtete sie in Graz – und heiratete Ludwig Boltzmann. Auf ihre erste Professorin musste die Uni Graz noch länger war- ten: Ganze 380 Jahre nach der Gründung wurde Clara Zawisch-Ossenitz zur ersten Ordinaria – für Histologie und Embryologie – ernannt.

Hohe Ehre. Obwohl sie erst 1897 als ordentliche Höre- rinnen zugelassen wurden, sind auch die Namen vieler Frauen untrennbar mit der Uni Graz verbunden. Sera- phine Puchleitner immatrikulierte als Erste im Studi- enjahr 1898/99, als Fächer belegte sie Geographie und Geschichte. Die Medizinerin Oktavia Aigner-Rollett er- öffnete nach ihrer Ausbildung als erste Frau in Graz eine Arztpraxis, und Gerty Cori erhielt 1947 – nach ihrer Zeit als Forschende an der Uni Graz – zusam- men mit ihrem Mann Carl den Nobelpreis für Medi- zin. Sechs Nobelpreisträger darf die Grazer Uni regulär zu ihrer „Familie“ rechnen: Fritz Pregl, Julius Wagner- Jauregg, Erwin Schrödinger, Otto Loewi, Victor Hess

und Karl von Frisch. Die Liste der Grazer „hellen Köpfe“ ist noch lang: Ludwig Boltzmann definierte die Ther- modynamik neu, Alfred Wegener beschrieb die Konti- nentalverschiebung, Joseph Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung beeinflusste die Wissen- schaft nachhaltig. Sie leben in verschiedenen Zentren und Instituten, die ihre Namen tragen und wo in ihrem Sinne geforscht wird, weiter. Am Hauptgebäude ver- ewigt sind diese berühmten Persönlichkeiten jedoch nicht. Den Eingang zieren Karl II. und Franz I. – warum erklärt der Leiter des Universitätsarchivs Ao.Univ.-Prof. Dr. Alois Kernbauer: „Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Uni Graz, nicht zuletzt aus Angst vor einem Über- schuss an Akademikern, zu einem Lyzeum degradiert. Erst 1827 errichtete Kaiser Franz I. die Universität wie- der. Als Dank dafür wurde die Einrichtung fortan Karl- Franzens-Universität genannt.“

Am Dach der Uni. Hoch am Dach des Hauptgebäu- des wachen acht Prominente über das universitäre Ge- schehen: Hippokrates, Augustinus, Leonardo da Vinci, Hugo Grotius, Gottfried Wilhelm Leibniz, Sir Isaak New- ton und Immanuel Kant trotzen seit 115 Jahren Wind und Wetter. Sie repräsentieren fortschrittlichen Wis- senschaftsgeist, revolutionäre Forschungsergebnisse und globales, weltveränderndes Denken. 425 Jahre bestimmten diese Werte und Leistungen die Grazer Universität – den kommenden Jahrhunderten darf die Alma Mater also hoffnungsvoll entgegenblicken. GK

Von innen nach außen: Seraphine Puchleitner, Ludwig Boltzmann, Otto Loewi, Joseph Schumpeter, Fritz Pregl, Erwin Schrödinger, Erzherzog Karl II., Franz I., Julius Wagner- Jauregg, Alfred Wegener, Victor Hess, Oktavia Aigner-Rollett

Fotos: Christian Jung – Fotolia.com, Uni Graz

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Wagner- Jauregg, Alfred Wegener, Victor Hess, Oktavia Aigner-Rollett Fotos: Christian Jung – Fotolia.com, Uni Graz 3

I n h a l t sve r z e i c h n i sSchwerpunkt Altern Für immer jung . . . . . . . . . .

Schwerpunkt AlternI n h a l t sve r z e i c h n i s

Für immer jung

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Zwei Grazer Forscher haben eine lebensverlängernde Substanz entdeckt.

 
Schwerpunkt Altern

Schwerpunkt Altern

Was Hans doch noch lernt

 

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Solveig Haring macht Wissen für ältere Menschen leichter zugänglich.

 
Schwerpunkt Altern

Schwerpunkt Altern

Mehr Licht, mehr Leben

 

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Elisabeth Weiss weiß, wie Licht für SeniorInnen die Lebensqualität steigert.

Schwerpunkt Altern

Schwerpunkt Altern

Wenn Kultur alt macht .

 

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ImpressumMedieninhaber, Herausgeber und Verleger: Karl-Franzens-Universität Graz Universitätsplatz 3, 8010 Graz, Austria Telefon:

Medieninhaber, Herausgeber und Verleger:

Karl-Franzens-Universität Graz Universitätsplatz 3, 8010 Graz, Austria Telefon: ++43 (0) 316 / 380-1029 Fax: ++43 (0) 316 / 380-9039 E-Mail: unizeit@uni-graz.at www.uni-graz.at/unizeit

Grundlegende Blattlinie: UNIZEIT versteht sich als Organ zur Förderung der inner- und außer- universitären Kommunikation.

Chefredakteurin: Mag. Dagmar Eklaude AutorInnen: Dr. Elisabeth Holzer, Mag. Gerhild Kastrun (GK), Mag. Gudrun Pichler, Julia Schaffer- hofer, Mag. Andreas Schweiger

Gestaltung, Satz und Layout: Simone Lindner Coverfoto: Monkey Business – Fotolia.com

Anzeigenleitung: Mag. Dagmar Eklaude Telefon ++43 (0) 316 / 380-1029 E-Mail: dagmar.eklaude@uni-graz.at

Erscheinungstermin: März 2010

Nachdruck unter Quellenangabe erlaubt.

Namentlich gezeichnete Artikel geben immer die Meinung der Autorin oder des Autors wieder und müssen mit der Auffassung der Redaktion nicht identisch sein.

mit der Auffassung der Redaktion nicht identisch sein. 4 Kulturell verankerte Stereotypen diskriminieren Ältere,

4

Kulturell verankerte Stereotypen diskriminieren Ältere, zeigt eine Amerikanistin.

Schwerpunkt Alterndiskriminieren Ältere, zeigt eine Amerikanistin. Heilsamer Hitzeschock . Ein neu entdecktes Protein könnte

Heilsamer Hitzeschock .

Ein neu entdecktes Protein könnte die Entstehung von Parkinson & Co. hemmen.

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Schwerpunkt Alternvon Parkinson & Co. hemmen. . 14 . . . . . . . . .

Karitative Kooperation .

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In einem Praxisprojekt mit der Caritas lernen Studierende soziale Kompetenz.

Theologiemit der Caritas lernen Studierende soziale Kompetenz. Kommunikation der Körper . 16 . . . .

Kommunikation der Körper

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Ein Forschungsprojekt analysiert die Darstellung von Körpern in den Medien.

Volkswirtschaftanalysiert die Darstellung von Körpern in den Medien. Kurse und Kurven . . . . .

Kurse und Kurven

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Robert Hill erarbeitet Börsenindices, die vor einer Krise warnen könnten.

Systematische Musikwissenschaft  

Systematische Musikwissenschaft

 

Von der Geburt der Töne .

 

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Richard Parncutt ist dem Ursprung von Musikalität auf der Spur.

 
Slawistik

Slawistik

Sprachspaltereien

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LinguistInnen erforschen Eigenheiten neu entstandener slawischer Sprachen.

Meinungs-Forschungerforschen Eigenheiten neu entstandener slawischer Sprachen. Ohne Ehrgeiz keine Zukunft .   . . . .

Ohne Ehrgeiz keine Zukunft .

 

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Konrad Altenbuchner erzählt, warum er Studierende der Uni Graz fördert.

Absolventen-Portrait

Absolventen-Portrait

Schlag auf Schlag

 

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Boris Bukowski ist promovierter Jurist und spielt am 3. März in der Aula.

Gesichter der Geschichte  

Gesichter der Geschichte

 

Die Wellen der Wirtschaft

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Der Ökonom Joseph Schumpeter prägte sein Fach nachhaltig.

 

Kurz & Bündig Personalia .  . . . . . . . . . . . . . .   . . . . . . . . . . . . . .

 

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Foto: Schiffer

Foto: Schiffer Ed i to ri a l Für die Gesellschaft! Liebe Leserinnen und Leser! Die

Ed i to ri a l

Für die Gesellschaft!

Liebe Leserinnen und Leser!

Die Steiermark ist mit fünf Uni- versitäten, zwei Fachhochschu- len, zwei Pädagogischen Hoch- schulen sowie weiteren For- schungseinrichtungen ein Wissenschaftsland. Die Karl- Franzens-Universität Graz bildet in diesem weiß-grünen Netzwerk als die traditionsreichste Einrich- tung den Nukleus für Fortschritt und Innovation. Sie übernimmt für 27.000 Studierende, also für 57 Prozent aller StudentInnen der Steiermark, die Verantwor- tung. Sie versorgt die Menschen mit Bildung und Ausbildung und leistet damit eine bedeutende Aufgabe für die gesamte Gesell- schaft. Der Anteil an finanzieller Unterstützung trägt dieser zen- tralen Rolle jedoch keineswegs Rechnung. Es ist geradezu ein Paradoxon, dass insbesondere die großen Volluniversitäten, die noch dazu in den vergangenen Monaten die stärksten Studierendenzu- wächse verzeichneten, mit einem im Vergleich zu anderen Ein- richtungen unterdurchschnitt- lichen Budget ihr Auslangen fin- den müssen. Überdurchschnitt- lich hingegen ist das Ausmaß,

mit dem die Karl-Franzens-Uni- versität seit Jahrhunderten ver- lässlich ihre Leistungen anbie- tet – ganz abgesehen von ihrer enormen wirtschaftlichen Kraft, wie auch eine Studie im Auf- trag der Industriellenvereinigung Steiermark im Vorjahr eindrucks- voll bestätigt hat. Mehr als hundert Studien an sechs Fakultäten liefern die Grundlage für die Laufbahnen erfolgreicher AbsolventInnen. Wenn darüber hinaus eine große Zahl der führenden Köpfe unseres Landes hier an der zweitältesten Universität Österreichs studiert hat, darf stolz und selbstbewusst behauptet werden: So schlecht kann die Ausbildung nicht sein! Die erste Ausgabe der UNIZEIT im Jubiläumsjahr 2010, in dem die Uni Graz auf ihr 425-jähriges Bestehen aufmerksam macht, unternimmt wieder einen Streif- zug durch die vielfältigen For- schungsgebiete, ohne die das Wissenschaftsland Steiermark mit Sicherheit um einiges ärmer wäre.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihr Rektor Alfred Gutschelhofer

spannende Lektüre wünscht Ihr Rektor Alfred Gutschelhofer „Die Karl-Franzens-Uni- versität bildet im weiß- grünen

„Die Karl-Franzens-Uni- versität bildet im weiß- grünen Netzwerk als die traditionsreichste Einrich- tung den Nukleus für Fort- schritt und Innovation.“

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im weiß- grünen Netzwerk als die traditionsreichste Einrich- tung den Nukleus für Fort- schritt und Innovation.“

S c hwe rp u n k tA l te rn Für immer jung „May you stay forever young“, wünschte Bob Dylan

A l te rn

Für immer jung

„May you stay forever young“, wünschte Bob Dylan vor mehr als dreißig Jahren seinen Fans. Damals war die Forschung noch weit von der Entdeckung eines „Jungbrun- nens“ entfernt. Viel Scharlatanerie wurde mit dem uralten Traum der Menschheit getrieben, doch nun scheint er in greifbare Nähe ge- rückt: Zwei Grazer Wissenschaf- ter haben eine lebensverlängernde Substanz entdeckt. Wir werden es Bob Dylan ausrichten.

von Gerhild Kastrun

E wige Jugend: Dieser Traum der Menschheit wurde bis dato

nur in Erzählungen Wirklichkeit. In der griechischen Mythologie ist es König Endymion, der, von der Mondgöttin Selene in dauerhaften Schlaf versetzt, seine Jugend auf immer bewahrt. Weniger roman- tisch ist die Geschichte von Erzsé- bet Báthory: Die ungarische Gräfin des 16. Jahrhunderts soll in Mäd- chenblut gebadet haben, um sich ihren frischen Teint zu erhalten. Oscar Wildes fiktive Figur Dorian Gray gab gar seine Seele im Tausch gegen immerwährende Jugend. Solche Opfer sind jedoch gar nicht nötig. Der Schlüssel zur Adoleszenz ad infinitum ist nämlich näher als gedacht: im menschlichen Körper selbst.

Sensation. Spermidin, eine Subs- tanz, die in hoher Konzentrationen in der männlichen Samenflüssigkeit vorkommt, verlängert das Leben von verschiedensten Zellen und Tieren. Zu diesem Ergebnis kamen Univ.-Prof. Dr. Francesco Madeo und Dr. Tobias Eisenberg vom Institut für Molekulare Biowissen- schaften der Uni Graz nach mehr als sechs intensiven Jahren der For-

der Uni Graz nach mehr als sechs intensiven Jahren der For- 6 schung. Die Meldung ging

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schung. Die Meldung ging Anfang Oktober 2009 um den gesamten Globus. Nahezu perfekt ergänzten die Neuigkeiten die aktuelle „Anti- Aging“-Diskussion, die mit der Ver- leihung des Nobelpreises an drei US-WissenschafterInnen ihren vor- läufigen Höhepunkt fand. Was Zel- len altern lässt, fanden die Neo- NobelpreisträgerInnen heraus. Wie die Lebensdauer von Zellen verlän- gert werden kann, wurde in Graz entdeckt. „Der Körper altert durch Schäden an Proteinen und anderen Zellkom- ponenten, die durch freie Radika- le hervorgerufen werden“, erklären Eisenberg und Madeo. Auch alters- bedingte Krankheiten, wie Parkin- son oder Alzheimer, sind auf die Ablagerung von verklumpten Pro- teinen, also Abfall in Nervenzellen, zurückzuführen. Mit fortgeschritte- nem Alter verringert sich die Fähig- keit des Körpers, die geschädigten Proteine oder defekte Mitochon- drien – sozusagen die Kraftwerke der Zellen – zu entsorgen. Genau dieses körpereigene „Aufräumkom- mando“ konnten die Grazer Biowis- senschafter ankurbeln. Sie fügten Zellen Spermidin hinzu und beob- achteten, dass die Substanz deren Struktur verändert. „Spermidin re- programmiert die Ablesung der DNA“, schildert Madeo. „Das heißt, es werden plötzlich andere Gene abgelesen und für die Zelle zur Ver- fügung gestellt. Diese Gene regen hauptsächlich die Selbstverdauung der Zelle an.“ Die so genannten Autophagie-Gene rufen also die hauseigene „Müllab- fuhr“ auf den Plan: Verklumpte Pro- teine werden von Membranen um- hüllt und dann dem zellulären Magen zugeführt, wo es zum Verdau die- ser „schrottreifen“ Proteine kommt. „Der Autophagie-Prozess ist, da ist sich die Forschungsgemeinschaft

ist, da ist sich die Forschungsgemeinschaft e inig, der wich- tigste Faktor für Langlebigkeit“,

e inig, der wich- tigste Faktor für Langlebigkeit“, betont Eisenberg die Relevanz der Ergeb- nisse. Gemeinsam konnten die bei- den Forscher zelluläre Schäden bei Mäusen durch den Autophagie- Prozess reduzieren. Auch Fliegen und Würmer wurden durch Zuga- be von Spermidin auf jugendlich „programmiert“ und lebten länger. Die Ergebnisse könnten für die kli- nische Forschung sehr wichtig wer- den, zum Beispiel bei der Thera- pie von Alterserkrankungen oder bei der Behandlung von Fettsucht. „Die Aktivierung der Autophagie schützt auch vor Erkrankungen des Nervensystems, zumindest in ver- schiedenen Tiermodellen“, so die Biowissenschafter. Nach ein bis drei Jahren Grundlagenforschung sollen weitere Ergebnisse auf dem Tisch liegen. Der Verknappung „Jungbrunnen Sperma“ wollen die Wissenschafter jedoch nicht ganz zustimmen. Die Substanz kommt nämlich nicht nur in der menschlichen Samenflüssig- keit vor: Auch Grapefruits, Weizen- keime und Sojabohnen enthalten Spermidin in hoher Konzentration – und verlängern somit eventuell das Leben.

Fotos: Lunghammer (2)
Fotos: Lunghammer (2)

Tobias Eisenberg (l.) und Francesco Madeo jonglieren die Jugend herbei: Sie entdeckten, dass Spermidin, das auch in Grapefruits vorkommt, das Leben verlängern kann. Die Früchte wurden allerdings nur fürs Foto verwendet.

Gesund altern. Die Altersfor- schung ist ironischerweise ein re- lativ junges wissenschaftliches Ge- biet, das aber kontinuierlich an Be- deutung gewinnt. „Die Menschen werden im Durchschnitt immer älter, durch verbesserte Versor- gung und Hygiene“, erklärt Madeo. Altersforschung beschäftigt sich vor allem mit gesundheitsför- dernden Praktiken. Am effektivsten ist vermutlich eine Methode, die nicht ohne Grund in fast allen Kulturen zu fin-

den ist: „Das kontrollierte Fasten löst Autophagie-Prozesse aus und wirkt damit lebensverlängernd“, so der Wissenschafter. Hin und wie- der Zeit zwischen den Mahlzeiten verstreichen zu lassen, verbessert die Blutwerte und verringert die Wahrscheinlichkeit einer Degene- ration der Hirnzellen. Auch soziale Eingebundenheit, in- nere Abwechslung, Bewegung und eine gesunde Lebensweise gehö- ren zum Rezept, das ein langes Leben verheißt. Doch nicht die An- zahl der Jahre garantiert das Glück:

„Letztlich macht die Tiefe, nicht die Länge, den Wert eines Le- bens aus“, ist Madeo über- zeugt. Bob Dylan wusste das auch.

Der Kon-

gress, der von 1. bis 4. Juli 2010 im Kurhaus Bad Aussee stattfin- det, befasst sich heuer mit dem Thema „Lebensalter“. Die Vorträge halten Roberta Maierhofer (Graz):

„Leben und Altern als Wider- spruch? Eine kulturwissenschaft- liche Einführung in Zeit und Erfah- rung“, Anne D. Basting (Milwau- kee): „From Memory to Imagina- tion: linking generations through creative engagement“, Francesco Madeo (Graz): „Molekularbiologie – Anti-Aging“ sowie Michael Mit- terauer (Wien): „Alterszäsuren im historischen Wandel“.

Ausseer

Gespräche.

www.uni-graz.at/aussee
www.uni-graz.at/aussee

Jungbrunnen aus der Natur: Weizen- keime, Grapefruits und Sojabohnen ent- halten Spermidin in relativ hoher Kon- zentration.

Fotos: Tein, Norman Chan – Fotolia.com

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und Sojabohnen ent- halten Spermidin in relativ hoher Kon- zentration. Fotos: Tein, Norman Chan – Fotolia.com

Foto: KK

S c hwe rp u n k tFoto: KK A l te rn Was Hans doch noch lernt Bildung ist keine Frage der

A l te rn

Was Hans doch noch lernt

Bildung ist keine Frage der Lebens- jahre: Was wir brauchen, sind po- sitiv besetzte Altersbilder und das nötige Know-how abseits von eige- nen PCs für SeniorInnen, meint die Erziehungswissenschafterin Sol- veig Haring. Sie versucht, Wissen und Weiterbildungsmöglichkeiten einer höhersemestrigen Zielgrup- pe leichter zugänglich zu machen.

von Julia Schafferhofer

S ie sind jenseits der sechzig, singen Songs von „The Clash“

oder „Coldplay“ und touren damit um die Welt. Im Gepäck: Lebens- freude, Krücken und auch der eine oder andere Todesfall. Die Rede ist von einem realen US-SeniorInnen- Chor namens „Young@heart“. Die gleichnamige Dokumentation ist eine Ode ans Leben und Lernen und eine Absage an den Jugend- wahn. Die Realität sieht oft anders aus, sie manifestiert sich nicht selten in Weisheiten wie „Man ist so alt, wie man sich fühlt.“ Oder: „Wer rastet, der rostet.“ Oder frei nach Charlie Chaplin: „Ab einem gewissen Alter tut auch die Freude weh.“ Einer wissenschaftlichen Prüfung halten solche Alltags-Sager nicht stand, wie Dr. Solveig Haring betont: „Wir müssen uns von diesem polarisie- renden Konstrukt ‚jung ist gut, alt ist schlecht‘ verabschieden“, sagt die Forscherin am Institut für Erzie- hungs- und Bildungswissenschaft der Uni Graz. „Wer ist denn eigentlich alt? Das Alter gibt es nicht, vielmehr ver- schiedene Ausprägungen und Ziel- gruppen“, erklärt Haring. Die Welt- gesundheitsorganisation WHO hat auf die gesellschaftlichen Ten- denzen reagiert und einen neuen Abschnitt, jenen des dritten Le-

reagiert und einen neuen Abschnitt, jenen des dritten Le- 8 bensalters, also von der Pension bis

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bensalters, also von der Pension bis etwa zum 80. oder 85. Lebens- jahr, generiert. „Entscheidend sind aber immer das soziale Umfeld und der individuelle Jahrgang“, fasst Haring zusammen.

Alt versus jung. Die Zahlen dazu:

23 Prozent der ÖsterreicherInnen, also zwei Millionen Menschen, sind laut Statistik Austria über sechzig

Menschen, sind laut Statistik Austria über sechzig Solveig Haring befasst sich mit der Didaktik für ältere

Solveig Haring befasst sich mit der Didaktik für ältere Personen.

Jahre alt. Tendenz steigend. Bis zum Jahr 2035 sollen es bereits zwischen 35 und 38 Prozent sein. Davon gelten 300.000 bis 600.000 Personen als hochaltrig und be- tagt. Fakt ist, dass die Lebenser- wartung steigt und die Gesellschaft immer stärker altert. Fakt ist aber auch, dass sich das Bildungsange- bot nicht unbedingt an demogra- fischen Daten orientiert. Das Pro- blem: „Altern ist nach wie vor zu einseitig besetzt.“ Der Altersbegriff dürfe nicht durch im Schaukelstuhl sitzende Men- schen auf der einen und schwer kranke, bettlägrigen PatientInnen auf der anderen Seite deklariert sein. Denn das Resultat solcher Bilder manifestiere sich schnell in festgeschriebenen Klischees: Ak-

tive versus ruhende Menschen. Produktive versus unproduktive Menschen. Agile versus pflegebe- dürftige Menschen. Arbeit versus Pension. Welche Assoziationen in solchen Bildern auch mitschwin- gen? Das Alter als Mangel an Ju- gend und damit auch als Mangel an Gesundheit. Klischees, die der Rea- lität hinterherhinken.

Lernen fürs Morgen. „Wir brau- chen positiv besetzte Altersbilder“, betont die Erziehungswissenschaf- terin, die sich schwerpunktmäßig in Forschung und Praxis mit dem Thema „Didaktik im Alter“ beschäf- tigt. Der Zugang zu neuen Kommu- nikationstechnologien ist dabei es- sentiell. Wer keine speziellen Ange- bote für ältere Semester schnürt, der sperrt eine ganze Gesellschaft vom Zugang zu Wissen und Wei- terbildung aus, der konstruiert eine Gegenwelt. Dass Lernen an bestimmte Lebens- jahre gebunden ist und ihm natür- liche Grenzen gesetzt sind, stimme so, betont Haring, nämlich nicht. Gerade am Übergang zu einem neuen Abschnitt – konkret von der Erwerbstätigkeit zur Nicht-Erwerbs- tätigkeit – sei Neuorientierung im Sinne von Weiterbildung ein mo- tivierendes und lebensbejahendes Element. Vorausgesetzt: Das Ler- nen im Alter verkomme nicht zu einer rückblickenden Übung oder einem Rekonstruieren der Vergan- genheit. „Lernen muss immer eine Auseinandersetzung mit der Ge- genwart und der Zukunft sein.“ Dazu hat sich in der Praxis das so genannte SOK-Modell (nach Baltes & Baltes 1990) herauskristallisiert. SOK basiert auf den Begriffen Se- lektion, Optimierung und Kompen- sation. Selektion meint – im Lern- prozess – die Beschränkung auf we- nige konzentrierte Lebensbereiche.

Foto: cp-pictures
Foto: cp-pictures

Lernen im Alter: Ist das Angebot entsprechend aufbereitet, halten SeniorInnen mit der Jugend locker mit.

Optimierung bedeutet körperliche und mentale Stärkung. Und Kom- pensation meint: einerseits das Ge- dächtnis trainieren, andererseits Einbußen verlangsamen.

Der Zweck ist das Ziel. Kurz zu- sammengefasst lautet das Rezept:

Kompetenzen der SeniorInnen im Einzelfall erkennen und auf ihnen aufbauen. Klingt plausibel, erfor- dert aber jede Menge Wissen um das Wie des Lernens älterer Men- schen. Außerdem muss berücksich- tigt werden, dass unter Umständen heute 65-Jährige als höchsten Ab- schluss den Besuch der Hauptschu- le vorweisen können und seit fünf- zig Jahren keine Bildungseinrich- tung mehr betreten haben. Das schließt auch das Wissen um ihre Schwächen ein. „Die Wahr- scheinlichkeit ist hoch, dass ältere Menschen schlecht sehen“, weiß Haring aus Erfahrung. Das heißt,

als TrainerIn müsse man mit grö- ßeren Schriften, mindestens 36 Punkt, arbeiten. Es gäbe auch The- orien, die besagen, das Kurzzeitge- dächtnis sei im Alter beeinträchtigt. Der wichtigste Grundsatz fürs Ler- nen lautet jedoch: „Man muss alte Menschen fesseln. Und das gelingt nur mit Inhalten, die zweckorien- tiert sind.“ Zielloses Surfen im In- ternet, womit sich jüngere Gene- rationen gerne ihre Zeit vertrei- ben, sei nichts, das SeniorInnen an- spricht: Sie verwenden das Internet in erster Linie als Nutzmedium, als UserInnen seien sie sehr kritisch. Fehle das Ziel, fehle die Motivation.

SeniorInnen-Pickerl. Nur in einem Punkt war sich die Gesell- schaft schnell einig: Ältere machen sich gut als KonsumentInnen. Und schon waren spezielle Mobiltele- fone, PCs oder der Mixer für Senio- rInnen geboren. Zu einem positiven

Altersbild, so Haring, würde solch eine Vermarktung nicht beitragen:

„Den Artikeln haftet der Geruch der Hilfsbedürftigkeit an“, kritisiert sie und zitiert dazu die Altersforsche- rin Barbara Gehrke: „Falls Herstel- lerInnen ganz sichergehen wollten, dass ihre Produkte im Regal ver- stauben, sollten sie ‚für Frauen, Be- hinderte und SeniorInnen‘ drauf- schreiben.“ Wie könnte man das Alter als Teil des Lebens positiver besetzen? Indem man die Selbstständigkeit und Selbstbestimmung dieser Per- sonen stärke, betont Haring. „Am besten eingebettet in ein soziales Feld.“ Den Film vom SeniorInnen-Chor, der „The Clash“ oder „Coldplay“ singt, zeigt sie übrigens nicht nur älteren Semestern, sondern auch ihren Studierenden. Verständnis für andere Generationen ist nämlich keine Altersfrage.

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Semestern, sondern auch ihren Studierenden. Verständnis für andere Generationen ist nämlich keine Altersfrage. 9

S c hwe rp u n k tA l te rn Mehr Licht, mehr Leben Das letzte Lebensviertel ist oft von zunehmender

A l te rn

Mehr Licht, mehr Leben

Das letzte Lebensviertel ist oft von zunehmender Einsamkeit, schmerz- haften Erkrankungen und einer ver- schlechterten Lebensqualität ge- kennzeichnet. Allein und gebrech- lich sehen ältere Menschen meist einer tristen Zukunft entgegen. „Kein Muss“, sagt die Psychologin Elisabeth Weiss. Sie gibt Tipps für einen lichteren Lebensabend.

von Gerhild Kastrun

L ustlos, müde, unrund: Wer an der Herbst-Winter-Depression

leidet, wird in den Monaten No- vember bis Jänner oft von Stim- mungsschwankungen, erhöhtem Schlafbedarf und Heißhungerat- tacken auf Süßigkeiten geplagt. Schuld ist die reduzierte Sonnen- einstrahlung, die sich massiv auf Psyche und Gesundheit auswirkt. Aufatmen ist für die meisten oft erst ab März möglich; für eine Gruppe jedoch praktisch nie: „Stu- dien in Altersheimen zeigen, dass zahlreiche BewohnerInnen ständig bei einer Beleuchtung leben müs- sen, die unter 2000 Lux liegt“, be-

Foto: Weiss

Elisabeth Weiss

studierte Medizin und Psychologie in Innsbruck und absolvierte eine

Facharztausbil-

dung für Psychi- atrie. 2006 habi- litierte sie sich in diesem Fach. Seit September 2009 ist Weiß an der Uni Graz Professorin für Biologische Psychologie. Dem Institutsschwer- punkt „Gehirn und Verhalten“ trägt sie Rechnung, indem sie unter an- derem die genetischen Faktoren, die das Zusammenspiel beider Kompo- nenten beeinflussen, untersucht.

indem sie unter an- derem die genetischen Faktoren, die das Zusammenspiel beider Kompo- nenten beeinflussen, untersucht.
Zusammenspiel beider Kompo- nenten beeinflussen, untersucht. 1 0 stätigt Univ.-Prof. DDr. Elisabeth Weiss vom Institut

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stätigt Univ.-Prof. DDr. Elisabeth Weiss vom Institut für Psychologie der Uni Graz. „Damit steht ihnen nicht einmal die Helligkeit eines be- wölkten Sommertages für die Pro- duktion des wichtigen Hormons Serotonin zur Verfügung.“ Die Aus- wirkungen sind drastisch: Schlaf- störungen, Depressionen sowie re- duzierte Gedächtnisleistungen, die letztendlich bis zur Demenz führen können.

Dämmerzustand. Mit einer immer älter werdenden Gesellschaft neh- men auch die Erkrankungen des Geistes stetig zu. „Hier sehen wir einen klaren Anstieg exponenti- ell zum Alter“, sagt Weiss. In der Altersklasse der 60-Jährigen sind etwa drei Prozent von Demenz be- troffen, bei den 80-Jährigen sind es bereits dreißig Prozent. Allein in Österreich leiden rund 100.000 Menschen an Demenz. „Wichtig ist vor allem eine frühe und genaue Abklärung, da die Grenze zwischen gesund und krank oft nicht exakt festlegbar ist“, warnt die Psycho- login vor Pauschalurteilen. „Sehr viele Menschen leiden an einer leichten kognitiven Störung. Sie zeigen im Laufe von etwa fünf Jah- ren ein höheres Risiko, an Demenz zu erkranken.“ Bei dieser Art von Störung kön- nen Alltagsfunktionen, wie etwa Einkäufe, Bankgeschäfte oder der Haushalt, selbstständig er- ledigt werden. Die Gedächtnis- leistung wird trotzdem kontinu- ierlich schlechter. „Wer kennt es nicht, dass ältere Verwandte oft dieselben Dinge mehrmals erzäh- len oder erfragen?“, schmunzelt Weiss. Diese altersbedingten Ver- haltensmuster seien bis zu einem gewissen Grad natürlich, erläutert die Forscherin, die sich primär mit höheren Hirnleistungen – Planen,

Gedächtnis und Emotionen – aus- einandersetzt. Wenn der Alltag jedoch einge- schränkt ist, wenn Flexibilität, problemorientiertes Denken und Sprachfunktionen verlorengehen, spricht man von Demenz. Neben der Vergesslichkeit kommt es bei der Demenz auch zu einer Abnah- me des Denkvermögens, der Ur- teilsfähigkeit und der Fähigkeit, Alltagsprobleme zu lösen. „Ände- rungen im Tagesplan werden dann zur großen Herausforderung, denn für Personen mit einer Demenz ist es schwierig, sich schnell auf neue Gegebenheiten einzustellen“, erklärt Weiss. Zusätzlich können Wahrnehmungsstörungen, Desori- entiertheit oder Persönlichkeitsver- änderungen auftreten. In der Ent- wicklung neuer Therapiemetho- den für diese Krankheit wird nun immer häufiger auf den Lichtfaktor gesetzt.

Lichtwerdung. Besseres Licht be- deutet besseres Leben – das ist mittlerweile ein anerkanntes Fak- tum. Ess- und Menstruationsstö- rungen werden mit Licht behandelt. Aber auch in der Altersforschung wird der Lichttherapie in den letz- ten Jahren vermehrt Aufmerksam- keit geschenkt. Elisabeth Weiss hat bereits an der Universität Innsbruck ein Projekt zur Lichttherapie im Alter und bei Depressionen geleitet, das jetzt in Graz seine Fortsetzung mit einem geplanten Lichtlabor findet. Die Behandlung bedeutet aber nicht, dass sich PatientInnen gleißender Strahlung aussetzen müssen. „Therapeutisches Licht hat eine Stärke von etwa 10.000 Lux, was einem bewölkten Tag entspricht“, erklärt die Wissenschafterin. Drei- ßig Minuten dauert eine Behand- lung – die positive Wirkung von

Foto: Haimburger
Foto: Haimburger

Kontakte zu pflegen hält jung und fit – genauso wie abwechslungsreiche Ernährung, Aktivitäten und Bewegung.

Licht auf Stimmung, Schlafquali- tät und kognitive Funktionen ist dennoch nicht zu übersehen. Nicht außer Acht zu lassen sind aber auch andere, „hausgemachte“ Fak- toren, die für die Entwicklung von Demenz von wesentlicher Bedeu- tung sind.

Klartext. „Dass zu hohe Zucker-, Cholesterin- und Blutdruckwerte und natürlich Rauchen sowie wenig Bewegung dem Körper schaden, ist bekannt. Dass aber die geistige Leistung als Folge davon auch ex- trem leidet, wissen die wenigsten“, unterstreicht Weiss den engen Zu- sammenhang zwischen leiblichem und geistigem Wohlbefinden. Al- tersforscherInnen empfehlen daher verschiedene vorbeugende Maß- nahmen, die nicht nur dementen oder demenzgefährdeten Personen empfohlen werden. „Lange aktiv zu

sein ist das Um und Auf für einen angenehmen Lebensabend“, be- tont Weiss. Damit sind sowohl die körperliche als auch die mentale Fitness gemeint. Gesunde Ernäh- rung, regelmäßige Bewegung und soziale Kontakte sind dabei unab- dingbar. Einfache Aktivitäten ver- ringern das Risiko einer geistigen Erkrankung merklich: „Ganz oben auf dieser Liste stehen Lesen und Rätsellösen. Alles, was das Hirn trainiert und stimuliert, sagt der Demenz den Kampf an“, so die Al- tersforscherin. Auch eine Sprache oder ein Instrument zu lernen, sind Methoden, die der Krankheit vor- beugen. Aus Sicht der WissenschafterInnen stellt Tanzen eine Möglichkeit dar, viele dieser „vorbeugenden Maß- nahmen“ miteinander zu verbin- den. „Tanzen kombiniert Bewegung mit Musik, beides regt an und ent-

spannt zugleich.“ Die abverlangte Gedächtnisleistung sei auch sehr groß, immerhin gelte es, sich eine Choreografie zu merken. „Der Kon- takt mit anderen ist aber wahr- scheinlich ausschlaggebend für den Erfolg von Tanztherapien“, er- läutert Weiss.

Ausblick. Neben der Untersu- chung von Alterserkrankungen be- schäftigt sich Weiss auch mit der Frage, durch welche Erneuerungen die Lebensqualität im Alter zusätz- lich erhöht werden kann. „Mobi- lität ist ein wichtiger Punkt. Wir untersuchen gerade, wie der Ver- kehr besser an die Bedürfnisse äl- terer Personen angepasst werden könnte, damit diese länger selbst- ständig ihren Alltag bewältigen können.“ Das Alter als Lebenspha- se mit eigenen Reizen zu etablie- ren, ist das Ziel.

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ihren Alltag bewältigen können.“ Das Alter als Lebenspha- se mit eigenen Reizen zu etablie- ren, ist

S c hwe rp u n k tA l te rn Wenn Kultur alt macht Die westliche Gesellschaft wird immer älter. Während

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Wenn Kultur alt macht

Die westliche Gesellschaft wird immer älter. Während Medizin und Wirtschaft bereits darauf reagie- ren, ist das Altern aus Sicht der Kulturwissenschaften noch uner- forschtes Land. Dabei haben kultu- rell verankerte Vorstellungen gro- ßen Einfluss auf die Lebensgestal- tung älterer Menschen. Die Ame- rikanistin Roberta Maierhofer will mit dem Projekt „Aging Studies in Europe“ ein internationales For- schungsnetzwerk in den Alterns- wissenschaften begründen.

von Gudrun Pichler

W er knapp über fünfzig ist, hat mittlerweile recht gute

Chancen, noch ein Drittel seines Lebens vor sich zu haben. Doch was tun mit diesen Jahren? Einen neuen Beruf erlernen? Studieren? Na ja, doch etwas spät, werden die meisten denken, den Kopf schüt- teln oder bestenfalls schmunzeln. Anders Ao.Univ.-Prof. Dr. Roberta Maierhofer. Die Leiterin des „Cen- ter for the Study of the Americas“ (C.SAS) an der Uni Graz plädiert für einen von traditionellen Rol- lenbildern freien Blick auf das Al- tern. „Geprägt durch unsere Kul- tur haben wir recht enge Vorstel- lungen, wie sich Menschen eines bestimmten Alters zu verhalten haben“, bedauert die Wissenschaf- terin. Wer davon abweicht, wird ab- gelehnt oder belächelt. „Diese ge- sellschaftliche Verurteilung ist es, die alt macht, indem sie die indivi- duelle Lebensgestaltung und Ent- faltung der Persönlichkeit behin- dert“, erklärt Maierhofer und for- dert Chancengleichheit für Jung und Alt. Sie möchte mit ihrer Arbeit dazu beitragen, die Alternswissen- schaften in ganz Europa und darü- ber hinaus zu etablieren.

schaften in ganz Europa und darü- ber hinaus zu etablieren. 1 2 Zeichnung: Elizabeth Layton (1982)

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Zeichnung: Elizabeth Layton (1982)
Zeichnung: Elizabeth Layton (1982)

Altern hat viele positive Seiten. „Ihre Stärke liegt in ihren Prinzipien“ lautet der Titel der Zeichnung.

Bewusstseinsbildung. Gleichzei- tig soll auch die Öffentlichkeit sensi- bilisiert werden. Denn der Großteil der Menschen sei sich der Proble- matik gar nicht bewusst. Sich über das Älterwerden lustig zu machen, gilt in unserer Gesellschaft als hu- morvoll: „Auf dem Schreibtisch? In der Küche? Im Bad? Mit 45 ist es schon eine tolle Leistung, sich zu er- innern, wo der Autoschlüssel liegt!“ Sprüche wie dieser zieren unzählige „witzige“ Geburtstagskarten. Maierhofer findet das nicht zum La- chen. „Alter wird in unserer Gesell- schaft generell mit Defiziten und Verfall in Verbindung gebracht. Diese negative Bewertung führt zu stereotypen Verallgemeinerungen, die nicht der Realität entsprechen.“ Natürlich habe das Alter für die Per- son auch eine Bedeutung, körper- lich ebenso wie geistig, aber die Individualität stehe darüber. „Auch wenn Menschen eine gewisse Le- benszeit hinter sich haben, bleiben sie Individuen, die nie aufhören, sich zu entwickeln, sich zu verän- dern und ihre Identität immer wie- der neu zu begründen.“ Genauso wenig wie Personen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Rasse, Religion

oder Klasse dis- kriminiert werden dürfen, sei es ak- zeptabel, dass Al- ter zu Ausgren- zungen führe.

Forschung. Zur Beschä f tigung mit dem Thema kam die Wissen- schafterin über die amerikani- sche Literatur. In ihrer Habilitation (2003) begab sie sich auf die

Suche nach einer spezifisch weiblichen Kultur des Al- terns. „Salty old women“, der Titel ihrer Arbeit, entwirft ein Gegenbild zur vertrauten „sweet old lady“. „Die amerikanische Literatur und Kultur eignet sich besonders gut für die Auseinandersetzung mit al- ternswissenschaftlichen Fragen, denn ihre Multi-Ethnizität führt zu einer größeren Bandbreite an Le- bensentwürfen für das Altern, die Alternativen zu traditionellen Wegen aufzeigen“, so die Forsche- rin. Auch die stärkere Betonung der Individualität in der amerika- nischen Gesellschaft fördere einen offeneren Umgang mit dem Älter- werden. So sind die Alternswissenschaften auch am C.SAS verankert. Die Dis- sertantin Mag. Heidrun Mörtl unter- sucht die Bedeutung des Alters bei amerikanischen UreinwohnerInnen. Darüber hinaus kommen immer wieder ForscherInnen des Netz- werks „Aging Studies in Europe“ für Vorträge nach Graz. Und Maier- hofer ist Herausgeberin der gleich- namigen Reihe, deren jüngster Band das Altern von Stars unter die Lupe nimmt.

w w w . u n i - g r a z . a t

www.uni-graz.at/csas

Foto: Hermann Seidl; © Salzburger Kunstverein
Foto: Hermann Seidl; © Salzburger Kunstverein

Die Künstlerin Ines Doujak befasst sich in ihrem Projekt „Dirty Old Women“ mit Alter und Weiblichkeit in unserer Gesellschaft. Das Dokumentationsfoto entstand bei einer Modenschau im Salzburger Kunstverein 2005.

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in unserer Gesellschaft. Das Dokumentationsfoto entstand bei einer Modenschau im Salzburger Kunstverein 2005. 1 3

S c hwe rp u n k tA l te rn Heilsamer Hitzeschock Muskelzittern, unkontrollierbare Be- wegungen, geistige Umnachtung – und in

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Heilsamer Hitzeschock

Muskelzittern, unkontrollierbare Be- wegungen, geistige Umnachtung – und in manchen Fällen der Tod. Diese Symptome betreffen derzeit rund 100.000 ÖsterreicherInnen:

Sie sind fest im Griff von Parkin- son, Alzheimer und Co. Ein Hoff- nungsschimmer tut sich aber jetzt auf: WissenschafterInnen der Unis Graz und Melbourne zeigten, dass ein bestimmtes Protein die Ent- stehung mancher neurologischer Krankheiten beeinflussen kann.

von Gerhild Kastrun

D ass in einem gesunden Kör- per ein gesunder Geist woh-

nen soll, ist ein Wunsch, den bereits der römische Dichter Juvenal äu- ßerte. Ist das Gehirn von Verfall ge- zeichnet, leidet der gesamte Körper. „Für viele neurodegenerative Krank- heiten, wie die früher als Veitstanz bezeichnete Chorea Huntington, gibt es keine absolute Heilung“, be- stätigt Dr. Fabio Falsone vom Institut für Chemie der Uni Graz. Allerdings wird an Therapiemöglichkeiten ge- arbeitet. Eine molekulare Studie be- wies nun, dass das Wechselspiel zwischen zwei Proteinen die Entste- hung von Gehirnerkrankungen we- sentlich beeinflussen kann.

Exakter Ablauf. In der mensch- lichen Zelle regeln Proteine eine Vielzahl biochemischer Prozesse. Falsone, Forscher in der Arbeits- gruppe rund um Ao.Univ.-Prof. Dr. Klaus Zangger, erklärt: „Viele von ihnen kann man als ‚moleku- lare Maschinen‘ bezeichnen, weil sie dafür ‚programmiert‘ sind, eine exakt definierte Aufgabe, wie etwa eine chemische Reaktion, mit extre- mer Genauigkeit unzählige Male zu wiederholen.“ Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn Proteine eine

Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn Proteine eine 1 4 Foto: cp-pictures Kampf der Krankheit:

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Foto: cp-pictures
Foto: cp-pictures

Kampf der Krankheit: Ein Hitzeschockprotein kann die Entstehung von Parkinson beeinflussen. Fabio Falsone untersucht das freigelegte Protein.

exakt definierte räumliche Struktur aufweisen. Drei Bedingungen müs- sen dafür erfüllt sein, so der Chemi- ker. „Erstens: Die Aminosäureket- ten, aus denen Proteine bestehen, werden korrekt gefaltet. Zweitens:

Die Zelle erkennt diesen Umstand. Drittens: Nicht korrekt gefaltetes Material wird entsorgt.“ Sobald eine dieser Voraussetzungen nicht mehr erfüllt ist, kommt die Zelle aus dem Gleichgewicht – mit dra- stischen Folgen. „Bei vielen Erkran- kungen des Gehirns, wie etwa Alz- heimer, Creutzfeldt-Jakob oder Par- kinson, spielen derart ‚mutierte‘ Proteine eine zentrale Rolle“, bestä- tigt Falsone. Das in der Studie un- tersuchte Protein „alpha-Syuncle- in“ ist zum Beispiel maßgeblich an der Enstehung von Parkinson be- teiligt, indem es in der Zelle faden- förmige Fasern bildet. Diese sind wahrscheinlich für den Krankheits- ausbruch mitverantwortlich.

Anstandswauwau. Andere Ei- weißkörper jedoch spielen Helfer- lein – wie das Hitzeschockprote-

in Hsp90. „Diese Art von Protei- nen werden auch ‚molekulare Cha- perone‘ genannt, was soviel wie ‚Anstandswauwau‘ bedeutet. Sie kontrollieren die korrekte Faltung, überprüfen, wo Hilfe benötigt wird, und überwachen die Entsorgung des Proteinmülls“, erklärt Falsone. Hsp90 wird unter Stress, wie etwa bei Hitzeschocks, vom Körper ver- mehrt produziert. Seine Wirkung ist enorm, bestätigt der Chemiker:

„Wir haben herausgefunden, dass Hsp90 die Fäden, die von alpha-Sy- unclein gebildet werden, modulie- ren kann.“ Unter gewissen Bedin- gungen werde die Entstehung der Fasern gefördert, unter anderen gemindert. „So ein aktiver körper- eigener Modulationsmechanismus war bisher nicht bekannt“, betont der Wissenschafter. Die Studie lie- fert daher nicht nur neue Einsichten im molekularen Entstehungsverhal- ten der Parkinson‘schen Krankheit – auch der Möglichkeit, neue the- rapeutische Ansätze zu entwickeln, ist man einen großen Schritt näher gekommen.

Foto: deanm1974 – Fotolia.com

Foto: deanm1974 – Fotolia.com S c hwe rp u n k t A l te rn

S c hwe rp u n k t

A l te rn

Karitative Kooperation

Eine Lehrveranstaltung der beson- deren Art hat Klaus Scala, Leiter des Zentrums für Soziale Kompe- tenz der Uni Graz, gemeinsam mit der Caritas ins Leben gerufen: Im Praxisprojekt Sozialmanagement können Studierende anhand kon- kreter Aufgabenstellungen der Hilf- sorganisation ihr Wissen in der Anwendung erwerben und leisten gleichzeitig nützliche Dienste an der Gesellschaft.

von Dagmar Eklaude

A m Anfang stand eine Idee von Caritas-Präsident Dr. Franz Kü-

berl und Uni-Rektor Univ.-Prof. Dr. Alfred Gutschelhofer: Die beiden planten einen Diskussionsabend, der weitere Kooperationsprojekte zwischen der Sozial- und der Bil- dungseinrichtung initiieren sollte. Schon im Zuge der Vorbereitungen für diese Veranstaltung ergab sich die Zusammenarbeit der Ins- titutionen. Ao.Univ.-Prof. Dr. Klaus Scala, Leiter des Zentrums für So- ziale Kompetenz der Karl-Franzens- Universität, und Mag. Wolfgang Glatz von der caritas akademie „er- fanden“ die Lehrveranstaltung Pra- xisprojekt Sozialmanagement, die nun höchst erfolgreich ins dritte Semester geht.

Soziale Aufgaben. Die Caritas stellt für die Studierenden einen Katalog mit Projektvorschlägen zu- sammen, die im Rahmen der Lehr- veranstaltung realisiert werden sol- len. Im vergangenen Semester war das etwa eine Umfrage unter Sucht- kranken, welche Transferleistungen sie in Anspruch nehmen oder nicht, oder eine adäquat aufbereitete Bro- schüre mit Wissenswertem für die BewohnerInnen einer SeniorInnen- residenz.

für die BewohnerInnen einer SeniorInnen- residenz. Die Bedürfnisse der BewohnerInnen eines SeniorInnenheims

Die Bedürfnisse der BewohnerInnen eines SeniorInnenheims erhoben Stu- dierende der Uni Graz. Der Wunsch nach mehr Kontakt stand ganz oben.

„Zu Semesterbeginn vermitteln wir den Studierenden das nötige Basis- wissen, dann geht es in die Praxis. Und natürlich bieten wir zwischen- durch immer wieder Coachings an“, erklärt Scala, der die Lehrveranstal- tung gemeinsam mit Kollegen Mag. Erich Nekam sowie Roland Prein- falk von der Caritas abhält. In Grup- pen zu drei bis vier Personen wer- den die Projekte realisiert – was mitunter mit unerwarteten Hürden verbunden ist.

Sensible Zugänge. Für ein Seni- orInnenheim sollte beispielswei- se die Zufriedenheit der Bewohne- rInnen ermittelt werden. Da viele Betroffene bereits dement waren oder aus anderen Gründen nicht einfach einen Fragebogen ausfül- len konnten, mussten die Studieren- den zu anderen Mitteln greifen, um an die Daten zu gelangen: Sie un- ternahmen beispielsweise Spazier- gänge mit den SeniorInnen, um so im Gespräch etwas über ihre Sor-

gen, Wünsche und Ängste zu erfah- ren. „Die Ergebnisse der Befragung waren für die Organisation zum Teil überraschend. „Etwa leiden viele BewohnerInnen an der zu geringen Vernetzung mit SeniorInnen aus anderen Stockwerken, die gleich kommunikationsfähig sind wie sie selbst“, weiß Scala. Die erhobenen Anliegen werden zur Verbesserung der Wohnqualität herangezogen und auch als Modell für andere Häu- ser übernommen. „Die TeilnehmerInnen haben ihre Aufgaben sehr gut bewältigt, und die Caritas war mit den Ergebnis- sen bislang hoch zufrieden“, streut Scala seinen Studierenden Rosen. Und auch für den Wissenserwerb sei die Lehrveranstaltung bestens geeignet: „Man kann Projektma- nagement in kleinem Rahmen aus- probieren, gleichzeitig findet auto- matisch soziales Lernen statt, da die Studierenden mit den KlientInnen der Caritas in direkten Kontakt tre- ten“, so der Experte.

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Lernen statt, da die Studierenden mit den KlientInnen der Caritas in direkten Kontakt tre- ten“, so

T h e o l o g i eKommunikation der Körper Die Inszenierung von Körpern, die Rolle der Sexualität und den Ein- fluss

Kommunikation der Körper

Die Inszenierung von Körpern, die Rolle der Sexualität und den Ein- fluss moderner Technologien auf unsere Wahrnehmung der Welt un- tersucht ein Projekt am Institut für Fundamentaltheologie. Denn die Art der Kommunikation mit der Umwelt beeinflusst auch unser Verhältnis zu Gott.

von Elisabeth Holzer

D arth Vader? Luke Skywal- ker? Ja, das sind die Filmge-

stalten aus Star Wars: Wer hätte sie in einem Zusammenhang mit dem Begriff Fundamentaltheologie vermutet? Dr. Alexander Ornella grinst ziemlich breit. „Warum nicht? Uns geht es um die Inszenierung eines Körpers. Daran sieht man dann schon, ob der Charakter gut oder böse ist.“ Das Klischee lässt grüßen: Luke, der anfangs einfache Bauerntölpel vom Land, dünn, blond und auf den Befehlen des Onkels gehorchend. Darth Vader, ganz in Schwarz, massiv, groß und mit einer Maske, die das Gesicht verdeckt und die Stimme verzerrt. Gut da, böse dort, ohne viele Worte zu verlieren. Die EmpfängerInnen der Botschaft ken- nen sich auch so aus. „Good and evil bodies“ sind ein anschaulicher Teil, aber eben nur ein Teil eines Forschungs- projektes am Institut für Funda- mentaltheologie der Karl-Fran- zens-Universität. „Kommunizie- rende Körper“ heißt es und soll den Körper als Medium in religi- ösen Symbolsystemen darstel- len, ein anthropologischer An- satz also. „Der Körper ist in der Kulturwissenschaft ja schon län- ger thematisiert worden, aber in der Theologie kaum“, begrün-

det Projektmitarbeiter Alexander Ornella. Doch weil sich Theologie mit der Beziehung des Menschen zu Gott auseinandersetze, müsse sie auch auf die Körperlichkeit ein- gehen. „Der menschliche Körper findet sich ja immer in einem Kon- text wieder, gesellschaftlich, medi- al, religiös. Das beeinflusst unsere Selbstwahrnehmung und die Tat- sache, wie ich mich als Individuum verstehe. Und das beeinflusst mein Verhältnis zur Welt.“

Kleider machen Leute. Aus meh- reren Blickwinkeln geht die interna- tionale Forschungsgruppe seit Ok- tober des Vorjahres ans Werk. Mit d a b e i sind neben dem Institut für Fundamen- taltheologie – O.Univ.-Prof. Dr.

Gerhard Larcher hat die Leitung inne – auch ExpertInnen der Uni Zürich sowie des Forschungsinsti- tuts Fondazione Bruno Kessler in Italien. So untersucht eine Wissen- schafterin die Beziehung von Kör- per und Kleidung, indem sie etwa liturgische Gewänder analysiert. „Die Grundannahme ist: Was wir anziehen, ist ein Medium, der Kör- per auch. Doch die Garderobe kann auch Machtstrukturen widerspie- geln. Also ist der Körper Teil einer Machtstruktur“, erläutert Ornella. Die Art und Weise, einen Körper darzustellen, habe folglich etwas mit Macht zu tun. Welche Vor- schriften gelten, welche Hierarchie?

Erotische Beziehung. Ein wich- tiger Part des Projekts dreht sich um Sex. Auch den könne man als Kommunikati- on betrachten, mehrfach sogar. Da wäre die bio- logische Seite: „Sexuali- tät ist körperlicher Grundvoll- zug und Kommunikation von Kör- pern“, betont Ornella. Aber es gibt auch noch den theologischen Zu- gang. „Sexualität ist eine Möglich- keit der Bezugnahme auf Gott.“ Das erscheint auf den ersten Blick doch eher ungewöhnlich, doch Ornella verweist auf Überlieferungen und Schilderungen von MystikerInnen. „Die haben eine sehr sinnliche Spra- che, wenn sie Gotteserfahrungen schildern. Die Mensch-Gott-Bezie- hung ist sehr oft unter einem ero- tischen Aspekt beschrieben wor- den.“ Ein Beispiel dafür sind die Geschichten Hadewijchs von Antwerpen, einer Mystikerin aus dem 13. Jahrhundert. So beschreibt sie etwa ihre Visi- on während einer Messe in der Kirche. „Ich war dort und mein Herz, meine Adern, alle meine Glieder zitterten und bebten vor

meine Adern, alle meine Glieder zitterten und bebten vor Star-Wars-Figur Darth Vader: Die dunk- le Gestalt

Star-Wars-Figur Darth Vader: Die dunk- le Gestalt verrät den bösen Charakter.

Vader: Die dunk- le Gestalt verrät den bösen Charakter. 1 6 Foto: Wessely Alexander Ornella analysiert,

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Foto: Wessely
Foto: Wessely

Alexander Ornella analysiert, wie in Filmen – etwa in „Star Wars“ – gute und böse Körper dargestellt werden.

Begierde. (…) Und mein Geliebter erfüllte mein Verlangen nicht, dass ich sterben und ganz in Ekstase ver-

gehen sollte. (…) Ich begehrte, mei- nen Geliebten vollkommen zu ge- nießen, zu erkennen und zu schme-

cken. (

zu mir und nahm mich ganz in seine Arme und zwang mich an sich, und alle Glieder, die ich hatte, fühlten die seinen in all ihren Wonnen. (…) Da wurde ich gänzlich befriedigt und genoss alle Wonnen.“

Danach aber kam er selbst

)

Sex sells. Doch die Zeiten haben sich geändert. Erotik und Sex sind aus Film, Buch und Werbung nicht wegzudenken und werden eigent- lich schon inflationär gebraucht, um Artikel zu verkaufen. Deshalb untersucht das Team auch, wie Se- xualität heute dargestellt wird und ob oder wie sehr sich erotische Sprache verändert hat. „Die Frage ist: Wie weit kann Sexualität heute noch als Hort verstanden werden, in dem man Gott erfahren kann?“, beschreibt Ornella. „Es geht darum, abseits von allem Normdenken zu schauen, welchen Stellenwert die Sexualität auch heute noch im Pro- zess des Sinnsuchens einnimmt.“

Das trifft sich mit einem weiteren Teil des Forschungsprojekts: Kör- per, Mensch, Technik, ein weites Feld. „Mit der zunehmenden Technologisierung verschwim- men die Grenzen Körper – Tech- nologie immer mehr“, glaubt Or- nella. Mobiltelefon, Internet, virtu- elle Freundschaften à la Facebook – „mittlerweile kommt man sich ja abgeschnitten vor, wenn man ein- mal keinen Internet-Zugang hat. Man fühlt sich nackt, wenn man ohne Handy das Haus verlässt. Und das ist ja dann auch eine körper- liche Erfahrung.“ Ornella glaubt, dass die Technolo- gie fundamental für das mensch- liche Selbstverständnis gewor- den ist. „Das wäre dann aber kein Phänomen, das neu ist. Der kultu- relle Kontext hat immer schon die menschliche Identität geprägt, von der Höhlenmalerei bis zum Buch- druck.“ Doch ein wichtiger Aspekt habe sich geändert: Der Fortschritt würde immer schneller. „Früher hat sich eine technische Errungen- schaft über Generationen entwi- ckelt. Heute bekommt es eine Ge- neration mit mehreren Technolo- gien zu tun.“

Gott und die Welt. Körper und Sexualität, gute und böse Körper, neue Technologien: All das beein- flusse die Weise, in der die Welt wahrgenommen werde. Das ist der Ausgangspunkt der ForscherInnen- gruppe. „Unsere Grundannahme ist: Der Körper ist ein Medium. Wir fragen uns, wie wird er inszeniert, wie kommunizieren Körper mitei- nander?“ Und hier spannt sich der Bogen zurück zur Fundamental- theologie. „Wie ich die Welt wahr- nehme, beeinflusst auch, wie ich mich in Beziehung zu Gott stelle. Wenn sich mein Weltverhältnis än- dert, dann wird sich auch das ande- re ändern“, erläutert Ornella. Dabei sei es jedoch wichtig, keine Gräben aufzuschütten. „Virtuelle und reale Welt sind keine Gegensätze. Wir gehen ins Kino, aber die Technologie eröffnet uns neue Kontakte. Wir nehmen ein- fach die Möglichkeiten des Virtu- ellen in den Alltag mit hinein.“ Das bedeute nicht, dass er der schö- nen neuen (Internet-)Welt gänzlich unkritisch gegenüberstehe, beteu- ert Ornella. „Aber Technologie war immer Ausdruck der Kreativität des Menschen.“

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gegenüberstehe, beteu- ert Ornella. „Aber Technologie war immer Ausdruck der Kreativität des Menschen.“ 1 7

Foto: Eklaude

Vo l k swi r t s c h a f tFoto: Eklaude Kurse und Kurven Die Entwicklung von Immobilien- preisen, ein internationaler Ver- gleich der

Kurse und Kurven

Die Entwicklung von Immobilien- preisen, ein internationaler Ver- gleich der Lebensstandards, maß- geschneiderte Börsenindices: Ro- bert Hill, Volkswirt an der Uni Graz, arbeitet an der Optimierung von Messmethoden, die in weiterer Folge auch vor einer neuerlichen Wirtschaftskrise warnen könnten.

von Dagmar Eklaude

R obert Hill vom Institut für Volks- wirtschaft der Uni Graz nimmt

die Entwicklung von Immobilien- preisen unter die Lupe. Der Univer- sitätsprofessor versucht, Methoden herauszufinden, mit denen Häuser bestmöglich bewertet werden kön- nen, um verlässliche und vergleich- bare Kennzahlen zu erstellen – ähn- lich dem Verbraucherpreisindex. „Die besondere Schwierigkeit dabei ist, dass jedes Haus verschie- den ist. Nicht nur, was die Größe oder die Anzahl der Räume be- trifft, sondern auch in Bezug auf die Lage. Zwei identische Gebäu- de würden in verschiedenen Regi- onen unterschiedliche Preise erzie- len“, erklärt der Experte. Die sim- pelste Methode für die Erstellung eines Immobilienindexes wäre es, den Durchschnittspreis der Häuser anzunehmen, die innerhalb eines Quartals verkauft wurden. „Wech- selte allerdings in einem Messzeit- raum eine sehr große, sehr teure Immobilie die BesitzerInnen, wür- den im darauffolgenden Quartal die Kennzahlen fallen“, gibt Hill zu be- denken. „Der Durchschnittspreis ist zu hohen Schwankungen unterwor- fen, um fundierte Aussagen über die Entwicklung auf diesem Sektor treffen zu können.“ Der Volkswirt nimmt für seine Be- wertung die tatsächliche Größe der Häuser sowie die Anzahl an Zim-

tatsächliche Größe der Häuser sowie die Anzahl an Zim- 1 8 Robert Hill entwickelt neue Börsen-

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Größe der Häuser sowie die Anzahl an Zim- 1 8 Robert Hill entwickelt neue Börsen- indices,

Robert Hill entwickelt neue Börsen- indices, um vor Krisen zu warnen.

mern und Bädern als Grundlage. Darüber hinaus berücksichtigt er die Region und sogar die exakte Lage in Längen- und Breitengraden. Die Daten dafür bezieht der gebür- tige Brite aus seiner Heimat sowie aus Australien, da für Österreich verlässliche Hauspreise schwer verfügbar sind. „Aus den Immobi- lieninseraten kann man meist nur die Verhandlungsbasis oder einen Preis auf Anfrage entnehmen. Um wie viel Geld das Haus verkauft wird, lässt sich nicht feststellen“, schildert Hill das Problem mit der heimischen Datenlage. Anhand der konkreten Angaben kann der Experte einen so genann- ten „hedonischen Index“ erstellen, also einen, der die Häuser nach den inneren und äußeren Werten be- urteilt. „Dieses Instrument ist sehr hilfreich, um etwa die aktuellen Im- mobilienpreise zu bewerten“, un- terstreicht er. „Schließlich hat die aktuelle Finanzkrise ja mit dem Platzen der Immobilienblase in den USA ihren Ausgang genommen.“ Folglich sind derzeit einige Länder bemüht, solche hedonischen In- dices zu entwickeln. In Frankreich etwa stellen die Notariate dem sta- tistischen Amt die Daten zur Ver-

Veränderte Immobilienpreise geben meist Aufschluss über die Wirtschaftsentwicklung.

Foto: iStockphoto.com / Hillary Fox

fügung, um eine qualitative Bewer- tung zu ermöglichen. In Österreich wäre diese Vorgehensweise eben- falls eine gute Möglichkeit, an ver- lässliche Daten zu gelangen, meint Hill. Auf lange Sicht könnte man an- hand der Kennzahlen auch feststel- len, ob Immobilien über- oder un- terbewertet sind, und vorsichtige Prognosen über die Preisentwick- lung anstellen. Der Wissenschafter sieht seine Aufgabe allerdings eher darin, die Methoden zu optimieren, mit denen derartige Indices erstellt werden: „Es gibt mehrere Zugänge, wir wollen jeweils den bestmög- lichen finden.“

EU-Vergleich. Die Forschungen des Grazer Uni-Professors nützt unter anderem die Europäische Union. Sie strebt einen harmo- nisierten Verbraucherpreisindex an, der die Teuerung in allen Mit- gliedsstaaten vergleichbar abbil- det. „Derzeit hat jedes Land seine eigene Methode, die Inflationsrate zu ermittlen, daher lassen sich die Zahlen kaum gegenüberstellen“, so Hill. Die abgestimmten Kennzahlen sollen auch die laufenden Kosten für Eigenheime beinhalten, die sich allerdings besonders schwer fest- machen lassen. Bei der Feststellung des Wertes von Eigenheimen nimmt man derzeit an, dass die BesitzerInnen sich selbst Miete bezahlen. Robert Hill setzt sich nun mit der Frage ausei- nander, wie diese Kos- ten am besten abgebildet

und die Kennzahlen optimal in einen harmonisierten Verbraucherpreisin- dex integriert werden können. Würden Immobilienpreise bei der Berechnung der Teuerung berück- sichtigt, hätte dies vielleicht auch die aktuelle Wirtschaftskrise be- einflusst. „Vor allem in den USA, Großbritannien, Irland und Spani- en stiegen die Preise auf dem Sek- tor im Vorfeld der Krise stark an, ohne dass sich die Inflationsrate veränderte“, erklärt der Volkswirt. Die Zentralbanken hätten diese Ent- wicklung zu wenig berücksichtigt, meint Hill. „Der Verbraucherpreisin- dex müsste auf Entwicklungen am Immobilienmarkt reagieren, oder zumindest sollten die ExpertInnen auch Vermögenswerte stärker in Betracht ziehen“, so der Professor.

Lebensstandard. In einem wei- teren Forschungsschwerpunkt un- tersucht Robert Hill Preisverände- rungen in bestimmten Regionen der Erde. Konkret untersucht er im Rah- men eines von der Weltbank koor- dinierten Projekts die Lebensstan- dards in verschiedenen Ländern. „Wir nehmen einen bestimmten Korb von Waren und Dienstlei- stungen an und bestimmen, wie viel dieser in einem Staat kostet. Dadurch erhält man eine Umrech- nungsrate für Währungen, die

signifikant vom offiziellen Wechsel- kurs abweichen kann“, erklärt Hill. Diese Rate ist nötig, um etwa die Höhe des Mitgliedsbeitrags zu be- stimmen, den ein Land an eine in- ternationale Organisation – wie etwa die UNO – zu entrichten hat. Weiters gibt sie Aufschluss über die Notwendigkeit von Hilfszuwen- dungen. Die letzte derartige Untersuchung wurde im Jahr 2005 angestellt und brachte überraschende Ergebnisse zutage: „Es stellte sich heraus, dass die allgemeine Kaufkraft in China und Indien deutlich geringer war, als bis dato angenommen“, so Hill. Er untersucht nun, ob diese Ergeb- nisse auch richtig waren oder auf einen Fehler in der Studie zurück- zuführen sind. Die nächste Bewer- tung steht nämlich für 2011 an, bis dahin soll der Experte die Erhe- bungsmethode noch einmal genau unter die Lupe nehmen und perfek- tionieren.

Börse. Der Grazer Professor be- fasst sich auch mit dem Design von maßgeschneiderten Börsenindices, die die Leistung von Fondsmana-

gerInnen fair bewerten. „Jeder Fonds hat seinen eigenen Stil. Man- che investieren grundsätzlich lieber in kleine Firmen, andere in Groß- konzerne“, erklärt der Volkswirt. Diese Aktienpakete entwickeln sich an der Börse meist unterschiedlich – allerdings ohne das Zutun ihrer VerwalterInnen. „Deren Leistung an der Performance der Wertpapiere zu messen, ist also ungerecht. Es wäre sinnvoll, Kennzahlen einzufüh- ren, die die Individualität der Fonds berücksichtigen“, resümiert er. In Summe ist Hill mit seinen Ar- beiten sehr praxisorientiert. „Ich habe den Eindruck, dass die wirt- schaftswissenschaftliche For- schung in Österreich theorielastig ist. Gerade für die Ausbildung von Studierenden halte ich es für wich- tig, noch mehr mit empirischen Daten zu arbeiten“, meint er.

die Ausbildung von Studierenden halte ich es für wich- tig, noch mehr mit empirischen Daten zu

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S y s te m a t i s c h eFoto: © Nmedia – Fotolia.com M u s i k wi s s e n s

M u s i k wi s s e n s c h a f t

Von der Geburt der Töne

Die Mitglieder des 2009 gegrün- deten Zentrums für Systematische Musikwissenschaft erforschen die sozialen, psychologischen und kul- turellen Funktionen von Musik. Dabei werden auch Fragen ge- stellt, die seit der Antike ein ultima- tives Problem der Forschung dar- stellen: Was ist Musik eigentlich? Warum gibt es sie? Wo kommt sie ursprünglich her?

von Gudrun Pichler

K unst und Kultur, darunter auch Musik, sind vor mindestens

30.000 Jahren entstanden, wie Höhlenmalereien und Funde frü- her Instrumente nahelegen“, er- klärt Univ.-Prof. Dr. Richard Parn- cutt, Leiter des Zentrums für Sys- tematische Musikwissenschaft (ZSMW) der Uni Graz. Manche For- scherInnen gehen von einer evolu- tionären Bedeutung der Musik aus. Rituale mit lautlich-rhythmischen Ausdrucksformen haben dazu bei- getragen, den Zusammenhalt von Gemeinschaften zu festigen, gewis- sermaßen als „sozialer Klebstoff“, wie Parncutt es formuliert. Derart gestärkte Gruppen hätten sich eher durchsetzen können als andere.

These. Der Forscher der Uni Graz hält aber auch einen anderen Ur- sprung für plausibel. Er befasst sich mit der These, dass die Anfänge von Musik in der Kommunikation zwi- schen der Mutter und ihrem Säug- ling zu finden sind. „Die so genann- te Babysprache ist sehr musikalisch, mit übertriebenen Tonhöhen, und stark gefühlsbetont“, zeigt Parncutt Gemeinsamkeiten auf. „Musik kann zu emotionalen Gipfelerlebnissen und Veränderungen des Bewusst- seinszustandes führen, was Bild- kunst zum Beispiel nicht bewirkt.“

führen, was Bild- kunst zum Beispiel nicht bewirkt.“ 2 0 Musik kann in einen emotionalen Ausnahmezustand

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führen, was Bild- kunst zum Beispiel nicht bewirkt.“ 2 0 Musik kann in einen emotionalen Ausnahmezustand

Musik kann in einen emotionalen Ausnahmezustand versetzen.

Hierein füge sich auch, dass Neuge- borene schon gut entwickelte mu- sikalische Fähigkeiten haben. „Sie können Melodien, Rhythmen und Phrasen wahrnehmen, wie viele empirische Studien zeigen“, berich- tet Parncutt. „Ihre Kompetenzen, musikstrukturelle Unterschiede und Änderungen zu erkennen, unter- scheidet sie kaum von erwachse- nen NichtmusikerInnen.“ Der Fötus beginnt zirka zwanzig Wochen vor der Geburt zu hören und Bewegungen wahrzunehmen. Dass er bereits pränatal mit dem Klang der mütterlichen Stimme ver- traut wird, ist ebenfalls mehrfach empirisch belegt. „Es liegt nahe an- zunehmen, dass er den physischen und emotionalen Zustand der Mut- ter akustisch über ihre Stimme, ihren Kreislauf, ihr Atmen und ihre Verdauung sowie über ihre Bewe- gungen wahrnimmt“, meint der Wissenschafter. Mit Blick auf die Evolution bedeutet eine enge Bindung zwischen Mutter und Kind höhere Überlebenschan- cen. So bereite sich der Fötus auf

die lebensgefährlichen ersten Mo- nate in einer prähistorischen Ge- sellschaft vor. „Stimmt diese Spe- kulation, wäre das pränatale Hören als evolutionäre Anpassung und die Musik als damit verbundenes Nebenprodukt zu bezeichnen“, fol- gert Parncutt. Wie alle anderen Theorien der Ent- stehung von Musik sei diese These zwar mit den derzeitigen Mitteln der Wissenschaft kaum belegbar, doch solle das nicht davon abhal- ten, alle Möglichkeiten gründlich zu untersuchen. „Empirisch rele- vante Technologien entwickeln sich ja auch ständig weiter“, begründet Parncutt sein Interesse an dieser einzigartigen Forschungsrichtung.

Zentrum. Am ZSMW nähert man sich den Funktionen von Musik aus verschiedenen Richtungen. Musik- ethnologe Mag. Bernd Brabec un- tersucht Verbindungen zwischen Musik und außergewöhnlichen Be- wusstseinszuständen, wie Trance und Ekstase, und damit in Verbin- dung die Rolle von Musik in Me- dizin, Therapie, Schamanismus und Besessenheitsritualen. Die Pianis- tin, Physikerin und Lise-Meitner- Stipendiatin Dr. Erica Bisesi analy- siert Beziehungen zwischen Struk- tur und Ausdruck in der Musik – Timing, Dynamik und Artikulation – anhand von Messungen und Mo- dellierungen musikalischer Auffüh- rungen. Projektassistentin Martina Koegeler organisiert die erste „Con- ference on Applied Intercultura- lity Research“, die von 7. bis 10. April 2010 Wissenschaft und Pra- xis in allen Bereichen der Interkul- turalität zusammenbringen soll. Die Tagung dient als Paradebeispiel für den neuen Forschungsschwerpunkt „Heterogenität und Kohäsion“ der Uni Graz.

www.uni-graz.at/zsmw
www.uni-graz.at/zsmw

Foto: Eklaude

Foto: Eklaude S l awi s t i k Sprachspaltereien Ein Team von SlawistInnen unter- sucht

S l awi s t i k

Sprachspaltereien

Ein Team von SlawistInnen unter- sucht die Unterschiede zwischen den aus dem Serbokroatischen hervorgegangenen Sprachen. Sie verwenden dafür ist eine eigens entwickelte riesige Suchmaschine, die per Knopfdruck Vergleiche aller slawischen Sprachen ermöglicht und allen Interessierten wesentlich mehr Services bietet als Gramma- tiken oder Wörterbücher.

von Dagmar Eklaude

N ach dem Zerfall Jugoslawi- ens waren die neuen National-

staaten um ihre kulturelle Identität bemüht – und damit auch um eine eigene Sprache. Folglich haben sich aus dem Serbokroatischen mittler- weile das Kroatische, das Serbische, das Bosnische beziehungsweise Bosniakische (siehe Kasten) sowie das Montenegrinische entwickelt. Die tatsächlichen Unterschiede zwi- schen diesen Sprachen aufzuzeigen, ist Ziel eines von O.Univ.-Prof. Dr. Branko Tošović geleiteten und vom österreichischen Wissenschafts- fonds FWF geförderten Projekts. „Derzeit ist die Verständlichkeit unter den vier Idiomen noch sehr hoch, die Unterschiede bestehen vor allem im Wortschatz“, erklärt Tošović, Linguist am Institut für Sla- wistik der Uni Graz. Doch in Zu- kunft könnten sich die Sprachen weiter auseinanderentwickeln: „In den Schulen der jeweiligen Länder

Vielfalt. Aus dem Serbokroatischen ist unter anderem das Bosnische oder Bosniakische hervorgegangen. Mit letzterem Begriff titulieren man- che SerbInnen und KroatInnen die von den BosniakInnen – den in Bos- nien lebenden MuslimInnen – ge- sprochene Sprache. Diese selbst ver- wenden die Bezeichnung Bosnisch.

Sprache. Diese selbst ver- wenden die Bezeichnung Bosnisch. Branko To š ovi ć und Arno Wonisch

Branko Tošović und Arno Wonisch untersuchen die Unterschiede zwischen dem Bosnischen/Bosniakischen, Kroatischen und Serbischen.

gibt es eigene Lehrbücher, und in Kroatien werden manche serbische Filme sogar mit Untertiteln gezeigt.“

Einzigartiges Werkzeug. Um die Unterschiede zwischen den vier Sprachen eingehend und objektiv analysieren zu können, wurde von Ass.-Prof. Dr. Hubert Stigler und sei- nem Team am Zentrum für Informa- tionsmodellierung in den Geistes- wissenschaften eine riesige Such- maschine entwickelt. Die zugrunde liegende Datenbank mit Textdateien, Audio- und Videofiles umfasst mitt- lerweile rund drei Millionen Einträ- ge. „Dieses Korpus beinhaltet Texte in 14 slawischen Sprachen sowie auf Deutsch, die miteinander ver- bunden sind und direkt verglichen werden können. Darunter sind auch die Werke bekannter Schriftstelle- rInnen wie Ivo Andrić“, beschreibt Projektkoordinator Mag. Arno Wo- nisch die umfassende Forschungs- grundlage. Über Suchabfragen nach einem Wort oder Wortstamm kann man so zum einen die Verwendung

bestimmter Begriffe im Kontext he- rausfinden, zum anderen die Häu- figkeit gewisser Ausdrücke ermit- teln und damit ersehen, wie typisch diese für die jeweilige Sprache sind. Das umfassende Webportal mit dem Titel GRALIS – kurz für „Grazer linguistische Slawistik“ – kommt aber nicht nur ForscherInnen, son- dern auch Studierenden und allen Interessierten zugute. Neben den für das konkrete Projekt „Die Un- terschiede zwischen dem Bosni- schen/Bosniakischen, Kroatischen und Serbischen“ essenziellen Ele- menten verfügt es noch über ei- nige zusätzliche Features, etwa den so genannten MorphoGenera- tor: „Dieser zeigt für jedes Wort in der Datenbank in allen Sprachen die Abwandlungen in den einzelnen Fällen beziehungsweise Personen und Zeiten an. Das bietet kein Wör- terbuch“, unterstreicht Wonisch. Im Endausbau wird das GRALIS- Korpus mit Texten aus allen slawi- schen Sprachen befüllt sein.

www-gewi.uni-graz.at/gralis/ 2 1
www-gewi.uni-graz.at/gralis/
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M e i n u n g s - Fo r s c h u n gOhne Ehrgeiz keine Zukunft Ein Brennpunkt für die steirischen Regionen – so beurteilt Konrad Al-

Ohne Ehrgeiz keine Zukunft

Ein Brennpunkt für die steirischen Regionen – so beurteilt Konrad Al- tenbuchner, Geschäftsführer von Buchbinder rent-a-car, die Karl- Franzens-Universität. Warum sein Unternehmen junge ForscherInnen unterstützt und wie er die Bezie- hung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sieht, beantwortet Kon- rad Altenbuchner im Interview.

Interview: Andreas Schweiger

W arum engagieren Sie bezie- hungsweise Ihr Unternehmen

sich für die Karl-Franzens-Universi- tät? Was ist Ihre Motivation? Wir bilden prinzipiell in Österreich und in Deutschland sehr viele junge Menschen aus. Wenn wir und unse- re MitarbeiterInnen keine vernünf- tige Ausbildung bekommen, wenn kein Ehrgeiz vorhanden ist, dann haben wir in Europa keine Zukunft. In Asien hält man uns vor Augen, wie diese Eigenschaft gelebt wird. Und vielleicht können wir mit dem Buchbinder-Preis Impulse geben, die jungen Menschen anzuspornen.

Und wird die Firma Buchbinder junge ForscherInnen weiter anspornen? Wir werden der Uni Graz in der einen oder anderen Form mit Si- cherheit erhalten bleiben.

Wie beurteilen Sie als international tätiger Unternehmer den Stellen- wert der Uni Graz in der Region? Die Universität Graz ist durch ihr vor allem rural geprägtes Hinter- land in einer vorteilhaften Lage. Ich habe festgestellt, dass aus die- sen Gebieten oft mehr Fleiß und mehr Qualität herkommen als aus den Großstädten. Und aus der Gra- zer Gegend stammen im österrei- chischen Vergleich auffallend viele Menschen mit besonders ausge- zeichneten Fähigkeiten. Auch die Uni Graz profitiert von dieser Lage, sie zieht viele gute Studierende an, was die vergangenen Buchbinder- PreisträgerInnen bestätigen.

Was muss und soll eine Universität

für die Gesellschaft leisten? Eine Universität kann nur den Rah- men liefern. Sie kann adäqua- te technische

bieten, den Rest müssen die Stu- dierenden selbst leisten. Ich sehe anhand der eingereichten Arbeiten, was sich junge AkademikerInnen selbstständig aneignen, das fliegt einem nicht einfach so zu. Ich bin überzeugt, dass die Eigenverant- wortung in Zukunft immer wich- tiger werden wird.

Viele ForscherInnen befürchten eine zunehmende Ökonomisierung der Universitäten. Was kann bezie- hungsweise darf die Wirtschaft für die Wissenschaft beitragen? Ich denke, dass der Einfluss von Firmen überbewertet wird. Für vernünftige Betriebe ist es wich- tig, einen guten Kontakt zur Uni- versität zu pflegen, um insbeson- dere zukünftige MitarbeiterInnen zu generieren. Die Firma Buchbinder ist zwar ein Dienstleistungsunter- nehmen, aber auch wir brauchen wissenschaftlich ausgebildete Füh- rungskräfte.

Welcher Forschungsbereich interes- siert Sie persönlich besonders? Zurzeit interessiert mich brennend das Elektromobil. Ich denke, dass es in den vergangenen Jahren viele Bemühungen gab, es zu boykottie- ren. Doch wie es aussieht, lässt

Warum ist Ehrgeiz in unserer Gesell- schaft nicht genügend ausgeprägt? Wir leben in einer Generation,
Warum ist Ehrgeiz in unserer Gesell-
schaft nicht genügend ausgeprägt?
Wir leben in einer Generation, die
sehr behütet aufgewachsen ist.
Vieles ist den Menschen in die
Wiege gelegt, ohne eigenes Zutun,
ohne Anstrengungen. Und das för-
dert nicht immer den Ehrgeiz.
Verhältnis-
se, die pas-
sende Infra-
struktur und
die besten
Lehrenden
Altenbuchner: „Der Buchbinder-
Preis soll junge Forsche-
rInnen anspornen.“
Foto: Eklaude

sich das Produkt nicht länger ver- hindern. Das Auto wird gleichsam zu einem Haushaltsge- rät und damit auf den Level einer Waschmaschine

heruntergebro-

chen. Wir w e r d e n in den nächsten zehn Jah- ren einen enormen Umbruch erleben.

einer Waschmaschine heruntergebro- chen. Wir w e r d e n in den nächsten zehn Jah-

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A l u m n i Gesellschaft der Freunde des Kunsthistorischen Instituts Wieder ist der

A l u m n i

A l u m n i Gesellschaft der Freunde des Kunsthistorischen Instituts Wieder ist der alumni
A l u m n i Gesellschaft der Freunde des Kunsthistorischen Instituts Wieder ist der alumni

Gesellschaft der Freunde des Kunsthistorischen Instituts Wieder ist der alumni UNI graz um eine Sektion reicher: Der be- reits seit vielen Jahren bestehen- de Verein der Freunde des Kunst- historischen Institutes wird in Zu- kunft im Dachverband alumni UNI graz weiterarbeiten und wirken. Für WissenschafterInnen, Interessierte und LiebhaberInnen von Kunstge- schichte und bildender Kunst ergibt sich so eine noch bessere Gelegen- heit, ihr Verständnis und Wissen weiter zu vertiefen. Sektionsleiter em.Univ.-Prof. Götz Pochat begrün- det die intensivierte Zusammenar- beit folgendermaßen: „Der gegen- wärtigen Vernetzung der Fächer

und der Außenwirkung des Insti- tuts ist Rechnung zu tragen. Die Kontakte zu Studierenden und Ab- solventInnen werden gefestigt und geisteswissenschaftliche Belange für Alumni nachhaltig eingebracht.“

Veranstaltung im Sommer- semester 2010:

Workshop:

Wie lese ich ein Kunstwerk? Eine Einführung in die Gestaltungsprin- zipien der bildenden Kunst und der Architektur Vortragender:

em.Univ.-Prof. Götz Pochat Termin:

12. / 13. März und 26. / 27. März (In Kooperation mit Vita activa)

Foto: ÖAW
Foto: ÖAW

Kunsthistoriker Götz Pochat

Foto: cp-pictures
Foto: cp-pictures

Pharmazeutische Wissenschaften im Fokus beim Naturwissenschaftlichen Fakultätstag

alumni.RÜCKBLICK NAWI-Club: Beim Tag der Naturwissenschaftlichen Fakultät trafen sich bereits zum vierten Mal ForscherInnen und Interessierte. Mehr als 170 TeilnehmerInnen dis- kutierten am 4. Dezember über ak- tuelle Aspekte der Arzneistofffor- schung und erhielten Einblicke in die Möglichkeiten der Traditionellen Chinesischen Medizin. Weiters er- örtert wurden Entwicklungen in der Krebstherapie sowie die Frage, wie Nanopartikel als Arzneimittel un- sere Zukunft beeinflussen. Beim Fakultätstag 2010 werden voraus- sichtlich die Erdwissenschaften im Fokus stehen.

alumni.NEUIGKEITEN Erfolgsstory alumni UNI graz. 2005–2009 Druckfrisch liegt der Tätigkeitsbericht 2005–2009 des alumni UNI graz bereit. Er bietet detaillierte Einblicke zu Services, Daten und Fakten und gibt einen Ausblick, was in der Zukunft geplant ist. Der Bericht kann unter alumni@uni-graz.at kostenlos bestellt werden bzw. steht unter www.uni-graz.at/alumni_neues zum Download bereit.

Im Jänner 2010 konnte sich die Erfolgsgeschichte fortsetzen:

Der alumni UNI graz ist mit mehr als 7.000 AbsolventInnen, FreundInnen und FördererInnen der Karl-Franzens-Universität Graz regelmäßig in Kontakt und zählt mittlerweile mehr als 1.500 aktive Mitglieder!

Foto: alumni UNI graz
Foto: alumni UNI graz

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Graz regelmäßig in Kontakt und zählt mittlerweile mehr als 1.500 aktive Mitglieder! Foto: alumni UNI graz

Foto: Bukowski

Foto: Bukowski

Foto: Bukowski Foto: Bukowski A b s o l ve n te n - Po r

A b s o l ve n te n - Po r t ra i t

Schlag auf Schlag

A b s o l ve n te n - Po r t ra i t

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„Du bist wie Kokain.“ Untrennbar ist dieser Hit mit Boris Bukowski verbunden. Eigentlich Dr. Boris Bu- kowski! Die österreichische Rock- Legende studierte an der Karl- Franzens-Universität, wo der pro- movierte Jurist im Jubiläumsjahr der Uni Graz ein musikalisch-aka- demisches Comeback feiert. Bei seinem ersten Konzert in der Aula!

von Andreas Schweiger

N icht nur die Musik lag ihm im Blut, sondern auch die Juriste-

rei. „Mein Vater, mein Bruder hat- ten Rechtswissenschaften studiert, so war es für mich logisch, nach der Matura diesen Weg einzuschla- gen“, erinnert sich Boris Bukowski. Aber Musik, die wollte er natür- lich schon immer machen, und zu- sätzlich etwas, „das mir mehrere Türen offen lässt“. Sein Ziel ver- folgte er dennoch weiter ehrgeizig:

„Ich wollte als Popstar reich und berühmt werden“, schmunzelt der Musiker. Das Klischeebild vom angepassten Jus-Studenten erfüllte der gebür- tige Oststeirer allerdings nie – erst recht nicht zu Ende der 1960er-Jah- re, als er mit schulterlangen Haa- ren in den Hörsälen der Rechtswis- senschaftlichen Fakultät an der Uni Graz auftauchte. Für größere Prü- fungen ließ er sich von einer Freun- din die Frisur mit Klammern hoch- stecken – mit viel Haarspray und viel Angst, „dass sich das Ganze plötzlich auflösen könnte …“. Und so wurde schließlich je nach An- lassfall die üppige Lockenpracht in ein damals „professorentaugliches“ Styling verwandelt. „Ich habmir dann sogar eine Kurz- haarperücke gekauft. Aber eine aus Echthaar“, schmunzelt der heute 64-Jährige, „die habich dann hin

und wieder auch bei Vorlesungen und bei Prüfungen getragen. Mit der Perücke war der Aufwand nicht so groß.“ Ans Abschneiden der Mähne dachte er niemals. Selbst dann nicht, wenn man ihn in der Stadt an den Haaren zog und auch beschimpfte. „Es war mein Aus- druck, sich gegen die Obrigkeit zu wehren und sich nichts gefallen zu lassen.“

Freiheit. Nach der Matura 1965 und anschließendem Grundwehr- dienst hieß es: Endlich weg von zu Hause! „Die Freiheit war am schönsten“, schwärmt der Musiker heute noch. Auch dann, wenn es am nötigen Kleingeld fehlte. Das verdiente er sich bei diversen Auf- tritten als Schlagzeuger. Gespart musste dennoch werden. „Wir haben immer dort gegessen, wo es billig war, oder Studentinnen haben gekocht und uns zum Essen einge- laden.“ Ferialjobs fetteten ebenso das ma- gere Budget auf. In Stockholm ar- beitete er unter anderem als Fens- terputzer und Tellerwäscher. Ge- meinsam mit einem Freund, mit dem er schon die Schulbank im Fürstenfelder Gymnasium gedrückt hatte: Schiffkowitz, der später mit STS für Dutzende Hits und Goldene Schallplatten sorgen sollte. Sein „Selbstwertgefühl“ appellierte schließlich an ihn, das Studium 1974 mit der Promotion abzuschlie- ßen. „Weil ich mir sonst später ein- mal den Vorwurf gemacht hätte, ich wäre zu blöd dafür gewesen“, begründet Bukowski. Und seine ju- ristischen Kenntnisse nutzte der Akademiker später in seiner Musik- karriere, etwa bei Vertragsverhand- lungen, wo er sich nichts vorma- chen lässt. Auch das Kleingedruck- te war nie ein großes Problem. „Zu- sätzlich zum Fachwissen habich

Ein Frisurenkunstwerk. Bukowski erschien mit aufgesteckten Haaren zu Prüfungen.

Bukowski erschien mit aufgesteckten Haaren zu Prüfungen. Boris Bukowski als Jus-Student an der Uni Graz Foto:

Boris Bukowski als Jus-Student an der Uni Graz

Foto: Wikimedia/Manfred Werner
Foto: Wikimedia/Manfred Werner

2010: wieder auf Tour mit alten und neuen Songs

während des Studiums aber noch viel Wichtigeres er- fahren“, räumt Boris Bukowski ein. „Ich habe gelernt, mich selbst zu organisieren und mir die notwendigen Informationen zu besorgen.“ Professoren sind ihm einige in mehr oder weniger guter Erinnerung geblieben. Zum einen der Finanzwis- senschafter Anton Tautscher. „Er konnte wunderbar blumig die Inhalte vermitteln.“ Zum anderen Rechts- historiker Hermann Baltl. „Weil ich bei einer Prüfung ein Wort falsch betont habe, ist er aufgesprungen und hat gerufen: ,Um Gottes Willen, Herr Kollege, mit die- ser Betonung lacht man Sie auf der ganzen Welt aus.‘“ Schon während seines Studiums startete Bukowski – die Gitarre zupfte er bereits seit seiner Kindheit, das Schlagzeug kam mit 15 dazu – seine musikalische Lauf- bahn. Er spielte als Schlagzeuger in verschiedenen Bands und unter anderem bei Konzerten der Hoch- schülerschaft am Campus. Schlag auf Schlag ging es nach der insgesamt 14-semestrigen Uni-Karriere auch beruflich. Die erste Single der Band „Magic“, wo er 1972 als Drummer anheuerte, wurde 1975 veröffent- licht. In dieser Ära entstand unter anderem der Song „Kokain“, den Boris Bukowski längst zu seinem musi- kalischen Erkennungsmerkmal gemacht hat. 1980, drei Alben später, schien die Magie vorüber zu sein. Die Gruppe löste sich auf und verschwand im Archiv der österreichischen Musikgeschichte.

Solo-Karriere. Bukowski richtete sich in der Grazer Schönaugasse ein eigenes Studio ein, wo er sowohl Platten der Kultband „Erste Allgemeine Verunsiche- rung“ (EAV) als auch seine ersten Solo-Nummern pro- duzierte. Mit Songs wie „Fritze mit der Spritze“ und „Fandango“, die mittlerweile Kultstatus erlangt haben, erklomm er in der heimischen Hitparade Top-Plätze. „Trag meine Liebe wie einen Mantel“ lag 1989 sogar drei Wochen lang an der Spitze der rot-weiß-roten Charts. In den 90er-Jahren ging Bukowski musikalisch neue Wege, versuchte sich unter anderem als Schauspieler und blieb dabei stets seinem Motto treu: „Ich bereue nur das, was ich nicht gemacht habe.“ Daher bastelt der deutschsprachige Interpret zurzeit in Kooperati- on mit einer Sängerin an einem Album mit englischen Songs. Und auch in seiner langen Karriere gibt es noch ein erstes Mal. Dort, wo Bukowski vor 36 Jahren seine Promotionsurkunde entgegennahm und ein feierliches „Gaudeamus“ erklang, rockt er am 3. März 2010 erst- malig mit seiner E-Gitarre. Mit anderen prominenten AbsolventInnen der Uni Graz unternimmt auch er in der Aula eine Zeitreise durch sein Studium. Fast wie aus einem Song des Urgesteins des Austropop: „Alte Liebe – nicht mehr modern. Doch diese Liebe lässt mich nicht los …“

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Song des Urgesteins des Austropop: „Alte Liebe – nicht mehr modern. Doch diese Liebe lässt mich
G e s i c h te r d e r G e s c

G e s i c h te rd e r G e s c h i c h te Die Wellen der

d e r

G e s c h i c h te

Die Wellen der Wirtschaft

2005 wurde an der Karl-Franzens-

Universität das Graz Schumpeter Centre für ökonomische und so- ziale Studien gegründet. Die For- schungseinrichtung trägt den Namen eines der bedeutendsten

Wirtschaftswissenschafter des 20. Jahrhunderts, der von 1911 bis

1921 als Professor für Politische

Ökonomie an der Uni Graz lehrte.

von Gudrun Pichler

J oseph A. Schumpeter (1883– 1950) sorgte unter seinen Zeit-

genossInnen immer wieder für Kon- troversen. Er wurde verehrt ebenso

wie vehement kritisiert. Sie nann- ten ihn unter anderem den „Wun- dermann aus Mähren“, das „Enfant terrible der Wiener Schule“ oder „Schummelpeter“, wie Ass.-Prof. Dr. Stephan Böhm vom Institut für

Volkswirtschaftslehre der Uni Graz

weiß. Böhm erzählt auch folgende

der Uni Graz weiß. Böhm erzählt auch folgende Anekdote: Schumpeter habe einmal seine drei Lebensziele
der Uni Graz weiß. Böhm erzählt auch folgende Anekdote: Schumpeter habe einmal seine drei Lebensziele
der Uni Graz weiß. Böhm erzählt auch folgende Anekdote: Schumpeter habe einmal seine drei Lebensziele

Anekdote: Schumpeter habe einmal seine drei Lebensziele verraten: be- gehrtester Liebhaber Wiens, bester Herrenreiter Österreichs und größ- ter Ökonom der Welt. Eines hätte er verfehlt, soll er hinzugefügt haben. Außer Zweifel steht: „Schumpy“

– so sein Spitzname in den USA

– war einer der brillantesten Wirt-

schaftstheoretiker und hat die Ent-

wicklung seines Fachs nachhaltig beeinflusst.

hat die Ent- wicklung seines Fachs nachhaltig beeinflusst. Berufung. Als 1911 seine rund 550 Seiten starke

Berufung. Als 1911 seine rund 550 Seiten starke „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ er- schien, war er gerade einmal 28 Jahre alt. Im gleichen Jahr wurde Schumpeter „Zufolge Allerhöchs- ter Entschließung“ vom 30. Okto- ber zum ordentlichen Professor der Politischen Ökonomie an der Rechts- und Staatswissenschaft- lichen Fakultät der Karl-Franzens-

und Staatswissenschaft- lichen Fakultät der Karl-Franzens- 2 6 Foto: Harvard University Archives, call # HUGBS 276.90p

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Foto: Harvard University Archives, call # HUGBS 276.90p (2)
Foto: Harvard University Archives, call # HUGBS 276.90p (2)

Joseph A. Schumpeter um 1910. Im Oktober 1911 wurde er Ordinarius an der Universität Graz.

Universität Graz ernannt. Der jüngste Ordinarius der Monar- chie hatte es zu Anfang allerdings nicht leicht, erzählt Univ.-Prof. Dr. Heinz-Dieter Kurz, Leiter des Graz Schumpeter Centre. „Seine Beru- fung war alles andere als unum- stritten.“ Prof. Richard Hildebrand, Vorsitzender der Berufungskom- mission, urteilte über seinen jun- gen, begabten und ehrgeizigen Kollegen: „Etwas, das man auch nur im Entferntesten als eine wis- senschaftliche Leistung bezeich- nen könnte, hat er bis jetzt nicht aufzuweisen.“ Da war wohl eine große Porti- on Neid mit im Spiel, denn Hil- debrand, ein Vertreter des Histo-

rismus, hatte selbst nur wenig an wissenschaftlichen Leistungen zu ver- buchen. „Schumpe- ter vertrat die An- sicht, dass neben

wirtschaftshistori-

schen Studien auch eine solide Theo- rie notwendig sei, um Phänomene der Ökonomie zu beschreiben“, er- klärt Kurz. Hinzu kam, dass dem jun- gen Wissenschafter

der Ruf vorauseilte, ein egozentrischer und arroganter Le- bemann zu sein. Exzellente Bezie- hungen zur Regie- rung in Wien sollen

sein,

die Joseph Schum- peter schließlich doch den Weg an die Universität Graz ebneten.

„Auch die Studie- renden boykottierten anfangs seine Lehrveranstaltungen, weil er angeblich zu viel von ihnen ver- langte“, berichtet Kurz. Doch sein Charisma und seine Qualitäten hät- ten sie bald überzeugt. „Schumpe- ter war ein hervorragender Lehrer und bewältigte ein enormes Pen- sum an der Universität und spä- ter auch an der Technischen Hoch- schule.“ 1913/14 ging der Wissenschafter für ein Studienjahr als Austausch- professor an die Columbia Univer- sity in New York, wo er seine Kol- legInnen zweifellos beeindruckt haben muss. Die Universität ver- lieh dem 30-Jährigen ein Ehren- doktorat.

es

gewesen

ver- lieh dem 30-Jährigen ein Ehren- doktorat. es gewesen Schumpeter hatte bereits als Kind in Graz
ver- lieh dem 30-Jährigen ein Ehren- doktorat. es gewesen Schumpeter hatte bereits als Kind in Graz
ver- lieh dem 30-Jährigen ein Ehren- doktorat. es gewesen Schumpeter hatte bereits als Kind in Graz
ver- lieh dem 30-Jährigen ein Ehren- doktorat. es gewesen Schumpeter hatte bereits als Kind in Graz
ver- lieh dem 30-Jährigen ein Ehren- doktorat. es gewesen Schumpeter hatte bereits als Kind in Graz
ver- lieh dem 30-Jährigen ein Ehren- doktorat. es gewesen Schumpeter hatte bereits als Kind in Graz
ver- lieh dem 30-Jährigen ein Ehren- doktorat. es gewesen Schumpeter hatte bereits als Kind in Graz

Schumpeter hatte bereits als Kind in Graz gelebt. Nach dem Tod sei- nes Vaters war er als Vierjähriger mit seiner Mutter von Triesch – heute Třešt in Tschechien – in die Stadt an der Mur gezogen. 1893 übersiedelte die Familie dann mit dem Stiefvater nach Wien, wo Joseph das Elite-Gymnasium Theresianum besuchte. Während seiner Lehr- und Forschungstätig- keit in Graz wohnte der Wissen- schafter im Haus Parkstraße 17 – an dem heute eine Gedenktafel an den großen Ökonomen erinnert.

in seinem mehr als tausend Sei- ten starken Werk „Business Cycles“ (1939). Darin be- schreibt er in der wirtschaftlichen Entwicklung Wel- len unterschied- licher Länge, die einander über- lagern. Als Bei- spiele für Basis- Erfindungen, die seiner Theorie nach jeweils eine lange Welle aus- gelöst haben, nennt er die Dampfmaschine (1787 bis 1842), die Eisenbahn (1843 bis 1897) und die Elektrifi- zierung (1897 bis zirka 1940).

Theorie. Schumpeters Forschungs-

interesse galt der Wirtschaftstheo- rie. „Die wirtschaftliche Entwick- lung versteht er als Prozess, in dem sich das System durch eine ihm innewohnende Kraft aus sich selbst heraus ständig verwandelt“, fasst Heinz-Dieter Kurz zusammen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die UnternehmerInnen, die Schum- peter als GestalterInnen der wirt-

schaftlichen Entwicklung

verherr-

Praxis.

1916/17

licht.

„Für ihn sind sie die Häupt- der Moderne, getrieben von

war Schumpeter

linge

Dekan

der

Juri-

Foto: © IMAGNO/ÖNB 1919 war Joseph Schumpeter sieben Monate lang Finanzminister im Kabinett Karl Renner.
Foto: © IMAGNO/ÖNB
1919 war Joseph Schumpeter sieben Monate lang
Finanzminister
im Kabinett Karl Renner.

‚halbpathologischen‘ Motiven“, er- läutert Kurz. Die UnternehmerInnen übersetzen Erfindungen in profitable Innova- tionen – bei Schumpeter ein zen- traler Begriff. Innovationen kön- nen das gesamte Wirtschafts- und Sozialsystem umwälzen, da sie Unternehmen zu vermehrten In- vestitionen veranlassen und damit das Wirtschaftswachstum ankur- beln. Sind die Vorteile der Inno- vationen ausgeschöpft, lässt die Kapital-Akkumulation nach und es beginnt eine Rezession, bis durch die nächste Erfindung der Aufschwung von Neuem in Gang kommt. „Die Krise, der untere Wendepunkt, ist für Schumpeter eine notwendige Phase im Ver- lauf des Konjunkturzyklus“, erklärt Kurz. „Er spricht von einem Pro- zess ‚schöpferischer Zerstörung‘.“ „Perfektioniert“ hat Joseph Schumpeter diese Theorie später

hat Joseph Schumpeter diese Theorie später dischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz.
hat Joseph Schumpeter diese Theorie später dischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz.
hat Joseph Schumpeter diese Theorie später dischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz.
hat Joseph Schumpeter diese Theorie später dischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz.
hat Joseph Schumpeter diese Theorie später dischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz.
hat Joseph Schumpeter diese Theorie später dischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz.
hat Joseph Schumpeter diese Theorie später dischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz.
hat Joseph Schumpeter diese Theorie später dischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz.

dischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz. Gleichzeitig begann er sich zuneh- mend politisch zu engagieren. Im Frühjahr 1919 wurde er im Kabinett Karl Renner Finanzminister. Doch kam es bald zu Konflikten, unter anderem weil Schumpeter die An- schlusspolitik der Regierung ab- lehnte. Nach nur sieben Monaten trat der Ökonom von seinem Amt zurück. Seine Verpflichtungen als Univer- sitätsprofessor hatte er während seiner politischen Tätigkeit in Wien vernachlässigt. Im Sommersemes- ter 1920 lehrte er dann wieder in Graz, doch suchte er bald eine neue Herausforderung. Im Juli 1921 wurde er Präsident der Bie- dermann & Co. Bankaktiengesell- schaft. Im Oktober beantragte er seine Enthebung vom Lehramt, um sich ganz seinen neuen Aufgaben widmen zu können. Erst im Jahr

ganz seinen neuen Aufgaben widmen zu können. Erst im Jahr 1925 – nachdem er in der
ganz seinen neuen Aufgaben widmen zu können. Erst im Jahr 1925 – nachdem er in der
ganz seinen neuen Aufgaben widmen zu können. Erst im Jahr 1925 – nachdem er in der
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ganz seinen neuen Aufgaben widmen zu können. Erst im Jahr 1925 – nachdem er in der
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ganz seinen neuen Aufgaben widmen zu können. Erst im Jahr 1925 – nachdem er in der
ganz seinen neuen Aufgaben widmen zu können. Erst im Jahr 1925 – nachdem er in der

1925 – nachdem er in der österrei- chischen Wirtschaftskrise sein ge- samtes Vermögen verloren hatte – wendete sich Joseph Schumpeter wieder der Wissenschaft zu, zuerst als Professor in Bonn und ab 1932 an der Harvard University. In den USA entstanden drei seiner Haupt- werke: „Business Cycles“ (1939), „Capitalism, Socialism and Demo- cracy“ (1942) und „History of Eco- nomic Analysis“ (1954 posthum). An der Karl-Franzens-Universi- tät ehrt man sein Vermächtnis seit 1995 mit den „Graz Schumpeter Lectures“, zu denen jedes Jahr eine internationale Koryphäe der Sozi- alwissenschaften eingeladen wird. Der Erfolg der Vorlesungen sowie das Interesse an der Dynamik mo- derner Ökonomien führte 2005 zur Gründung des Graz Schumpeter Centre.

www.uni-graz.at/schumpeter.centre

www.uni-graz.at/schumpeter.centre

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Dynamik mo- derner Ökonomien führte 2005 zur Gründung des Graz Schumpeter Centre. www.uni-graz.at/schumpeter.centre 2 7
Dynamik mo- derner Ökonomien führte 2005 zur Gründung des Graz Schumpeter Centre. www.uni-graz.at/schumpeter.centre 2 7

Ku r z & B ü n d i g Foto: Pichler Gekrönt. Der Erzherzog-Johann-Forschungspreis

Ku r z

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B ü n d i g

Foto: Pichler

Foto: Pichler Gekrönt. Der Erzherzog-Johann-Forschungspreis 2009 ging an die Germanistin Karin Gradwohl-Schlacher (3. v.

Gekrönt. Der Erzherzog-Johann-Forschungspreis 2009 ging an die Germanistin Karin Gradwohl-Schlacher (3. v. r.) für ihren Beitrag zu einem Handbuch über den steirischen Literaturbetrieb im Dritten Reich. Die Physikerin Astrid Veronig (2. v. l.) erhielt für ihre Arbeit in der Sonnenforschung den Förderungspreis für Wissenschaft und Forschung 2009. Überreicht wurden die Auszeichnungen am 11. Dezember 2009 von Landesrätin Kristina Edlin- ger-Ploder (2. v. r.) in der Grazer Burg. Peter Macheroux (3. v. l.) von der TU Graz erhielt den Forschungspreis des Landes Steiermark. Mit den Geehrten freuten sich die LaudatorInnen Arnold Hanslmeier (l.) vom Institut für Phy- sik und Helga Mitterbauer (r.) vom Institut für Germanistik der Uni Graz.

Geladen. Mit der von ihr gestif- teten „MeisterInnenklasse“ bietet Landesrätin Kristina Edlinger-Plo- der in diesem Semester erstmals an der Uni Graz die Möglichkeit, mit international renommierten Persön- lichkeiten eine Woche lang zu dis- kutieren und sich innerhalb der neu eingerichteten Forschungsschwer- punkte besser zu vernetzen. Dank der Initiative können auch Disser- tantInnen, HabilitandInnen sowie hochbegabte DiplomandInnen bei ausgewiesenen ForscherInnen studieren. Den Anfang macht der weltbekannte Ägyptologe Jan Ass- mann, der am 19. April 2010 auch einen öffentlichen Vortrag zum Thema „Das kulturelle Gedächtnis“ halten wird. Mit seinem Seminar „Hieroglyphen, Mysterien und das Modell der ‚Doppelten Religion‘“ werden der Forschungsschwer- punkt „Kultur- und Deutungsge- schichte Europas“ sowie zwei Dis- sertationsprogramme verstärkt.

Europas“ sowie zwei Dis- sertationsprogramme verstärkt. 2 8 Foto: KK Gefeiert. Zu einem bota- nischen Kol-

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Foto: KK

Gefeiert. Zu einem bota- nischen Kol- loquium lud das Institut für

P flanzenwis-

s e n s c h a f t e n am 26. Jän- ner 2010 an- lässlich des 60. Geburts- tags von

Paul Blanz. Der Jubilar ist seit 1993 Profes- sor für Botanik der Uni Graz und forscht schwerpunktmäßig zu Pil- zen und Flechten. Kollege Tho- mas Roitsch hob in seiner Lauda- tio Blanz Einsatz für die hervorra- gende technische Ausstattung des Instituts hervor, mit der er seinen KollegInnen die Arbeit wesentlich erleichtert. Walter Buzina von der Med Uni Graz hielt im Rahmen der Feierlichkeiten einen Vortrag zum Thema „Pilz und Mensch“.

Buzina von der Med Uni Graz hielt im Rahmen der Feierlichkeiten einen Vortrag zum Thema „Pilz

Paul Blanz

Geehrt. Das Europäische Trai- nings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokra- tie (ETC) der Uni Graz wurde am 28. Jänner 2010 in der Aula der Alten Universität mit dem Men- schenrechtspreis 2009 des Landes Steiermark ausgezeichnet. Landes- hauptmann Franz Voves betonte bei der Verleihung, er möchte mit diesem Preis engagierte Menschen und Organisationen ins Rampen- licht der Öffentlichkeit stellen und sie zur Fortsetzung ihrer humani- tären Aktivitäten motivieren. ETC- Leiter Wolfgang Benedek nahm die Ehrung entgegen und nannte in seiner Dankesrede gleich neue Pläne: „In Zukunft wollen wir mit speziellen Zivilcourage-Workshops gegen Rassismus und Ausländer- feindlichkeit vor allem Jugendli- che erreichen.“ Weitere Preisträ- gerInnen waren die Megaphon-Uni sowie der ehemalige Bundesheer- Offizier Manfred Oswald.

Foto: Eklaude

Foto: Eklaude Altenbuchner und Strohmaier Gestiftet. Mit der Bedeutung neuer Technologien, die allen Menschen zugute

Altenbuchner und Strohmaier

Gestiftet. Mit der Bedeutung neuer Technologien, die allen Menschen zugute kommen – also etwa moder- nen Kommunikationsmitteln – be- fasst sich Mag. Rita Strohmaier vom Institut für Volkswirtschaft der Uni Graz. Für ihre herausragende For- schungsarbeit erhielt die 28-Jährige am 4. Dezember 2009 den mit 20.000 Euro dotierten Buchbinderpreis. Die Verleihung nahm Stifter Konrad Al- tenbuchner, Geschäftsführer des Unternehmens Buchbinder rent-a- car, persönlich vor. Der Buchbin- derpreis wird seit 2007 jährlich an exzellente DissertantInnen der Uni Graz vergeben, um die Verbindung zwischen Wirtschaft und Wissen- schaft zu intensivieren.

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Foto: Pichler Graviert. Elke Heinrich, Katharina Maria Sonnenschein und Clemens Leit- ner (v. l.) sind die

Graviert. Elke Heinrich, Katharina Maria Sonnenschein und Clemens Leit- ner (v. l.) sind die drei besten REWI-AbsolventInnen des Studienjahres 2008/09. Insgesamt wurden am 30. November 2009 im Rahmen eines Festakts im Meerscheinschlössl die Top 15 Magistrae und Magistri juris ausgezeichnet. Erstmals wurden auch die VerfasserInnen der neun besten Diplomarbeiten und der sechs besten Dissertationen geehrt. Alle dreißig Ausgezeichneten trugen sich in das Ehrenbuch der Fakultät ein und er- hielten eine Urkunde sowie Geldpreise in Höhe von insgesamt 10.300 Euro, gesponsert von der Grazer Wechselseitigen Versicherung, der Rechtswis- senschaftlichen Fakultät und dem alumni UNI graz. Katharina Maria Son- nenschein durfte zudem den vom Künstler H. W. Hundstorfer kreierten REWI-Award entgegennehmen. Die drei Top-AbsolventInnen werden au- ßerdem in die Tafel der Jahrgangsbesten im Bauteil C/E des RESOWI-Zen- trums eingraviert. Kriterien für das Ranking waren Notendurchschnitt und Studiendauer, wie Kommissionsvorsitzender Günther Löschnigg erklärte.

Gratuliert. Seinen 60. Geburtstag feierte der international renom- mierte Germanist Gerhard Melzer im Jänner 2010. Er leitet seit zwan- zig Jahren das Franz-Nabel-Insti- tut für Literaturforschung der Uni Graz sowie seit 2003 das Litera- turhaus. Unter den rund 200 Gä- sten fanden sich als GratulantInnen auch bekannte SchriftstellerInnen – wie Marlene Streeruwitz, Olga Flor oder Wolfgang Polanz –, der Ver- leger Max Droschl sowie Kultur- stadtrat Wolfgang Riedler und sein Vorgänger Helmut Strobl im Meer- scheinschlössl ein. Im Namen der Universität gratulierten GEWI-De- kan Gernot Kocher und Germanis- tik-Kollege Kurt Bartsch.

Gefördert. Zum zwölften Mal führte die Sozial- und Wirtschafts- wissenschaftliche Fakultät am 25. November 2009 feierlich ihren Dia- log mit der Öffentlichkeit. Die Ver- anstaltung wurde mit einigen be- sonderen Programmpunkten auf- gewertet: Ralf Ewert, seit kurzem Professor für Unternehmensrech- nung und Wirtschaftsprüfung, hielt seine Antrittsvorlesung über „Was ist und wie misst man Qua- lität der Rechnungslegung?“. Wei- ters wurden im Rahmen von „SOWI im Dialog“ die besten Master-, Di- plom- und Doktorarbeiten des vergangenen Studienjahres aus- gezeichnet. Und erstmals wur- den auch die 15 besten Absolven- tInnen der Fakultät geehrt. „Unsere JungakademikerInnen erhalten ein Forum, interessierten Persönlich- keiten ihre Leistungen vorzustellen und Kontakte für die Zukunft zu knüpfen“, begründete Dekan Wolf Rauch die Initiative. Auch die För- derer Othmar Ederer, Generaldirek- tor der Grazer Wechselseitigen Ver- sicherung, sowie Günther Witam- was, Vorstand des SOWI-Absolven- tInnenvereins, freuten sich über die Leistungen. „Es ist ein Verdienst der Universität Graz, dass die Wirt- schaft über gute AbsolventInnen verfügt“, betonte Ederer.

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ist ein Verdienst der Universität Graz, dass die Wirt- schaft über gute AbsolventInnen verfügt“, betonte Ederer.

Kastrun Foto: SchweigerFoto:

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Foto: Kastrun Exzellenz. Ausgezeichnete AbsolventInnen und ihre Betreuer: Werner Wolf, Bernhard Kettemann, Hugo Keiper,

Exzellenz. Ausgezeichnete AbsolventInnen und ihre Betreuer: Werner Wolf, Bernhard Kettemann, Hugo Keiper, Walter Hölbling, Martina Koegeler, Lukas Dolensky, Alwin Fill, Andrea Kettemann und David Newby (v. l.) feierten am 24. November 2009 im Meerscheinschlössl die Verleihung des „Excellence Award“ der Institute für Anglistik und für Amerikanistik. Fünf Geehrte – Carmen Brunner und Julia Reiterlehner waren bei der Feier verhindert – tei- len sich ein Preisgeld von 2000 Euro, das von SponsorInnen gestiftet wurde. Mit der Auszeichnung werden ein Gesamtnotendurchschnitt von höchstens 1,5, eine hervorragende Diplomarbeit sowie eine sehr gute Abschlus- sprüfung honoriert. Der Excellence Award wird seit 2002 einmal jährlich vergeben.

Excellence Award wird seit 2002 einmal jährlich vergeben. Das Video „Surmount“ von Gerald Straub ist im

Das Video „Surmount“ von Gerald Straub ist im Rahmen der „Spatial Explorations“-Ausstellung in Malta zu sehen.

Präsenz. Margit Neuhold, Kunsthis- torikerin und Absolventin der Uni Graz, hat in Malta eine besonde- re Ausstellung kuratiert. Unter dem Titel „Upon Arrival: Spatial Explo- rations“ thematisieren junge ös- terreichische KünstlerInnen von 12. Februar bis 14. März 2010 mit ihren Installationen Erfahrungen in unbekannten Räumen. „Malta ist der ideale Ort für diese Ausstel- lung. Am Rand von Europa und in

Ort für diese Ausstel- lung. Am Rand von Europa und in 3 0 der Nähe von

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der Nähe von Afrika gelegen, er- lebt der Inselstaat Wellen von Tou- ristInnen, MigrantInnen und Flücht- lingen. Gleichzeitig öffnet er sich der internationalen künstlerischen Arena“, weiß Neuhold, die auch in Malta studiert hat. In Kooperation mit dem Centre for Intermediality Studies in Graz der Karl-Franzens- Universität entstand zur Ausstel- lung eine Publikation.

www.maltacontemporaryart.com

www.maltacontemporaryart.com

Pre s s e s p l i t te r Artenvielfalt. Mit genetischen Methoden

Pre s s e s p l i t te r

Artenvielfalt. Mit genetischen Methoden widmen sich Gra- zer WissenschafterInnen der Er- haltung der Artenvielfalt in hei- mischen Bächen und Flüssen. So hat sich die österreichische Bachforellen-Population bereits stark mit aus dem Norden Eu- ropas importierten Artgenossen vermischt, wie der Grazer Biodi- versitätsforscher Steven Weiss bei Studien herausgefunden hat.

APA ZukunftWissen, 21. Jänner 2010

Annenstraße. Laut, verkehrsbe- lastet und heruntergekommen – so wird die Annenstraße von BewohnerInnen, Geschäftstrei- benden und PassantInnen wahr- genommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Grazer Instituts für Soziologie. Die kon- kreten Verbesserungsvorschlä- ge: Verkehrsberuhigung, Reno- vierung der Häuser, Begrünung, breitere Gehsteige und Radwege.

www.krone.at, 22. Jänner 2010

Prominenz. Exzellente Forscherin mit internationaler Ausrichtung, erste ordentliche Professorin am Institut für

Prominenz. Exzellente Forscherin mit internationaler Ausrichtung, erste ordentliche Professorin am Institut für Geschichte der Uni Graz, Wegbereiterin für den eu- ropaweiten wissenschaftlichen Austausch – nur einige Attribute, die auf Grete Walter-Klingenstein (l.) zutref- fen. Die Karl-Franzens-Universität ehrte am 15. Dezem- ber 2009 die Historikerin anlässlich ihres 70. Geburts- tages mit einem großen Festakt in der Aula. Neben zahlreichen Ehrengästen aus aller Welt gratulierte auch GEWI-Dekan Gernot Kocher (r.).

aller Welt gratulierte auch GEWI-Dekan Gernot Kocher (r.). Reverenz. Johann Blaickner (r.), langjähriger Leiter der

Reverenz. Johann Blaickner (r.), langjähriger Leiter der Studien- und Prüfungsabteilung der Uni Graz, schenkte die erste gedruckte lateinische Version des Koran dem Institut für Religionswissenschaft. Als Dankeschön für die Rarität – in Österreich ist das Werk aus dem Jahr 1543 nur fünfmal verfügbar – erhielt Blaickner am 3. De- zember 2009 im Lesesaal der Universitätsbibliothek von Dekan Hans-Ferdinand Angel (l.) den Goldenen Ehren- ring der Katholisch-Theologischen Fakultät.

von Dekan Hans-Ferdinand Angel (l.) den Goldenen Ehren- ring der Katholisch-Theologischen Fakultät. 3 1

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von Dekan Hans-Ferdinand Angel (l.) den Goldenen Ehren- ring der Katholisch-Theologischen Fakultät. 3 1
Pe r so n a l ia Neue Professuren Ao.Univ.-Prof. Dr. Rudolf Egger studierte Pädagogik

Pe r so n a l ia

Neue Professuren

Ao.Univ.-Prof. Dr. Rudolf Egger studierte Pädagogik und Soziologie an der Uni Graz. 1996 habilitierte er sich im Fach Pädagogik und war seither als außerordentlicher Pro- fessor am Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaften tätig. Mit 1. März 2010 wurde er zum Universitätsprofessor für Lebenslanges Lernen – Le- bensbegleitende Bildung an der Umwelt-, Regional- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät bestellt.Ao.Univ.-Prof. Dr. Rudolf Egger

Regional- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät bestellt. Univ.-Prof. Dr. Kerstin Tina Ehrke- Rabel studierte in

Univ.-Prof. Dr. Kerstin Tina Ehrke- Rabel studierte in Graz und Paris Rechtswissenschaften. 2005 habi- litierte sie sich für Finanzrecht und Europarecht. Nach Forschungsauf- enthalten in Amsterdam, Paris und Göttingen wurde sie 2008 Univer- sitätsprofessorin für Finanzrecht an der Uni Linz. Mit 1. März 2010 wurde sie zur Universi- tätsprofessorin für Finanzrecht an der Rechtswissen- schaftlichen Fakultät bestellt.

an der Rechtswissen- schaftlichen Fakultät bestellt. Univ.-Prof. Dr. Barbara Gasteiger- Klipcera studierte

Univ.-Prof. Dr. Barbara Gasteiger- Klipcera studierte Medizin und Psy- chologie in Innsbruck und Wien. 2002 habilitierte sie sich für Psy- chologie. Ab 2004 war sie Profes- sorin für Pädagogische Psychologie an der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Mit 1. März 2010 wurde sie zur Universitätsprofessorin für Integrationspäda- gogik/Inklusive Pädagogik an der Umwelt-, Regional- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät bestellt.

Karriere, Preise, Ehrungen

Dr. Stephen Berkebile vom Institut für Physik er- hielt den Ernst-Eckhard-Koch-Preis 2009, dotiert mit 2.500 Euro.

Univ.-Prof. Dr. Klaus-Dieter Ertler vom Institut für Romanistik erhielt am 26. Februar 2010 in der kana- dischen Botschaft in Wien für besondere Verdienste um die kanadisch-österreichischen Beziehungen eine „Go for Gold“-Ehrenmedaille.

Das Europäische Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie (ETC) der Uni Graz wurde mit dem Menschenrechtspreis 2009 des Landes Steiermark ausgezeichnet. Zentrumsleiter Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Benedek nahm die Ehrung entgegen.

Der Erzherzog-Johann-Forschungspreis 2009 des Landes Steiermark wurde am 11. Dezember 2009 an Dr. Karin Gradwohl-Schlacher vom Institut für Ger- manistik für ihren Beitrag zu einem Handbuch über den steirischen Literaturbetrieb im Dritten Reich ver- liehen.

Univ.-Prof. Dr. Peter Hofmann vom Zentrum für Be- wegungswissenschaften und Sportmedizinische For- schung wurde am 11. November 2009 zum Fellow of the American College of Sports Medicine ernannt. Dieses College ist die weltweit größte Organisation für Sportmedizin und Sportwissenschaften.

Organisation für Sportmedizin und Sportwissenschaften. 3 2 Univ.-Prof. Dr. Barbara Kaltenba- cher studierte

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Univ.-Prof. Dr. Barbara Kaltenba- cher studierte Technische Ma- thematik an der Universität Linz, wo sie sich 2003 habilitierte. Sie forschte unter anderem in Erlan- gen und Göttingen und war zuletzt als Universitätsprofessorin für Op- timierung an der Universität Stutt- gart tätig. Mit 1. März 2010 wurde sie zur Universi- tätsprofessorin für Angewandte Mathematik an der Naturwissenschaftlichen Fakultät bestellt.Univ.-Prof. Dr. Barbara Kaltenba- cher

PD Dr. Klaus Kraemer studier- te Soziologie, Politikwissenschaft und Geschichte an der Universität Münster. 2007 habilitierte er sich im Fach Soziologie. Zuletzt hatte er eine Vertretungsprofessur für Soziologie in Münster inne. Mit 1. März 2010 wurde er zum Universi- tätsprofessor für Angewandte Soziologie (Wirtschaft/ Organisation, soziale Probleme) an der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät bestellt.PD Dr. Klaus Kraemer

und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät bestellt. Prof. Dr. Cornelia Wustmann stu- dierte Sozialpädagogik

Prof. Dr. Cornelia Wustmann stu- dierte Sozialpädagogik an der TU Chemnitz. Sie arbeitete an den Uni- versitäten in Chemnitz und Dres- den und verwaltete seit 2008 die Professur für Sozialdidaktik an der Leuphana Universität Lüneburg. Mit 1. März 2010 wurde sie zur Uni- versitätsprofessorin für Frühkindpädagogik an der Umwelt-, Regional- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät bestellt.

Ass.-Prof. DDr. Renate Kicker vom Institut für Völ- kerrecht und Internationale Beziehungen wurde eh- renhalber zur „Visiting Professor“ der University of Bristol ernannt.

Ass.-Prof. DDr. Anneliese Legat vom Institut für Ös- terreichische Rechtsgeschichte und Europäische Rechtsentwicklung wurde am 21. Jänner 2010 zum dritten Mal zur Vorsitzenden des Zentralausschusses für die UniversitätslehrerInnen beim Bundesministe- rium für Wissenschaft und Forschung für eine fünf- jährige Funktionsperiode gewählt.

Mag. Thomas Neger, wissenschaftlicher Projektmit- arbeiter am Institut für Österreichisches, Europä- isches und Vergleichendes Öffentliches Recht, Poli- tikwissenschaft und Verwaltungslehre, wurde am 24. November 2009 mit dem Wissenschaftspreis 2009 der Arbeiterkammer Steiermark ausgezeichnet.

Univ.-Prof. Dr. Heiner Rindermann vom Institut für Psychologie wurde am 11. Jänner 2010 zum Fellow der renommierten amerikanischen Wissenschaftsge- sellschaft APS (Association for Psychological Sci- ence) gewählt.

Univ.-Prof. Dr. Friedrich Spener vom Institut für Mo- lekulare Biowissenschaften wurde anlässlich der Jah- restagung der Deutschen Gesellschaft für Fettwis- senschaft vom 26. bis 27. November 2009 in Heidel- berg von der Mitgliederversammlung zum Ehrenmit- glied ernannt.

Habilitationen und Lehrbefugnisse

Dr. Andreas Hohenau, Privatdozent am Institut für Phy- sik, erhielt die Lehrbefugnis für das Fach „Experimen- talphysik“. Sammelhabilitation: „Surface Plasmon Na- no-Optics“

Dr. Hermine Penz, M.S., Assistenzprofessorin am Institut für Anglistik, erhielt die Lehrbefugnis für das Fach „Englische Sprachwissenschaft“. Habilitations- schrift: „Language, Culture and Social Interaction: Lin- guistic Aspects of Communication across Cultures“

Dr. Elisabeth Staudegger, Privatdozentin am Institut für Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie und Rechtsinfor- matik, erhielt die Lehrbefugnis für das Fach „Rechtsin- formatik und IT-Recht (Informationstechnologie-Recht), Bürgerliches Recht und Immaterialgüterrecht“. Habi- litationsschrift: „Das Computerprogramm als Rechts- objekt – zugleich ein Beitrag zum Sachbegriff im Infor- mationszeitalter“

Dr. Markus Tilp, Privatdozent am Institut für Sportwis- senschaft, erhielt die Lehrbefugnis für das Fach „Bewe- gungs- und Trainingswissenschaft“. Sammelhabilitati- on: „Biomechanische und trainingswissenschaftliche Studien zur menschlichen Bewegung“

Dr. Franz Zeder, Privatdozent am Institut für Philoso- phie, erhielt die Lehrbefugnis für das Fach „Philosophie unter besonderer Berücksichtigung der Philosophiedi- daktik“. Habilitationsschrift: „Skeptische Philosophiedi- daktik. Über Begriffe, Probleme und Themen des Philo- sophieunterrichts“

Mag. Rita Strohmaier, wissenschaftliche Mitarbeite- rin am Institut für Volkswirtschaftslehre, erhielt am 4. Dezember 2009 für ihr Dissertationsprojekt den mit 20.000 Euro dotierten Buchbinderpreis.

Dr. Astrid Veronig vom Institut für Physik erhielt für ihre Arbeit in der Sonnenforschung am 11. Dezember 2009 den Förderungspreis für Wissenschaft und For- schung des Landes Steiermark.

für Wissenschaft und For- schung des Landes Steiermark. Dissertationen Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche

Dissertationen Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

André Bauer, „Der Einfluss von Organschaftsrege- lungen auf den Unternehmenswert im österreichisch- deutschen Vergleich“ (Institut für Unternehmensrech- nung und Steuerlehre)

Mag. Michael Gradwohl, „Komplexe dynamische Systeme in der Wirtschaftsforschung. Eine Untersu- chung zur sozioökonomischen Dimension von Stabi- lität“ (Institut für Statistik und Operations Research)

Dipl.-Kfm. Jörg Hruby, „Kognitionsstrukturen und in- ternationale strategische Entscheidungsprozesse von

ManagerInnen in Europas 500 schnell wachsenden KMU“ (Institut für Organisation und Institutionen- ökonomik)

Mag. Christian Kößlbacher, „Komplexe dynamische Systeme in der Wirtschaftsforschung. Eine Untersu- chung zur sozioökonomischen Dimension von Stabi- lität“ (Institut für Statistik und Operations Research)

Mag. Rudolf Schwarz, „Wertorientiertes Manage- ment von Medienmarken“ (Institut für Marketing)

Dissertationen Umwelt-, Regional- und Bildungs- wissenschaftliche Fakultät

Mag. Harald Eglauer, „Simulation eines eisho- ckeyspezifischen Belastungsprofils – kardiozirkulato- risches und metabolisches Profil“ (Institut für Sport- wissenschaft)

Mag. Elisabeth Sifkovits, „Eugenie Schwarzwald, Mädchenbildung, Koedukation und die Vermittlung der Kultur der Moderne“ (Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft)

Dissertationen Rechtswissenschaftliche Fakultät

Mag. Sabrina Gaberc, „Umfang und Grenzen des Selbstbestimmungsrechts des Patienten in Öster- reich, Deutschland und Slowenien – gezeigt insbe- sondere am Beispiel der Patientenverfügung“ (Institut für Zivilrecht, Ausländisches und Internationales Pri- vatrecht)

Mag. Philipp Kapl, „Der österreichische Arbeitszeit- schutz zwischen europarechtlichen Vorgaben und kollektivvertraglicher Umsetzung“ (Institut für Ar- beitsrecht und Sozialrecht)

Mag. Matthias Löschnigg, „Strukturfragen der Sat- zung in der österreichischen Arbeitsrechtsordnung und im europäischen Kontext“ (Institut für Arbeits- recht und Sozialrecht)

Mag. Günther Sammer, „Der Öffentlichkeitsbegriff im Urheberrecht – Eine kritische Analyse“ (Institut für Österreichisches und Internationales Unternehmens- und Wirtschaftsrecht)

Mag. Robert Tschuschnig, „Das Zusammentreffen sozialversicherungsrechtlicher Leistungsansprüche mit Schadenersatzansprüchen“ (Institut für Arbeits- recht und Sozialrecht)

Mag. Carina Urban, „Abgrenzung zwischen Phyto- pharmaka und pflanzlichen Nahrungsergänzungsmit- teln – Eine exemplarische Analyse unter Berücksich- tigung wettbewerbsrechtlicher Aspekte“ (Institut für Österreichisches und Internationales Unternehmens- und Wirtschaftsrecht)

Mag. Monika Zenz, „Die Anzeigepflicht von Ärzten, Jugendwohlfahrtseinrichtungen und Schulpädago- gen bei Verdacht auf Kindesmisshandlung“ (Institut für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie)

nur Forschungs-News Heiße 10 Euro pro Jahr um
nur Forschungs-News
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(Institut für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie) nur Forschungs-News Heiße 10 Euro pro Jahr um 3 3

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(Institut für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie) nur Forschungs-News Heiße 10 Euro pro Jahr um 3 3

Dissertationen Naturwissenschaftliche Fakultät

Mag. Matthias Bilban, „Immissionsklimatologien für ausgewählte Standortbereiche in Kärnten“ (Institut für Geographie und Raumforschung)

Mag. Andreas Filipancic, „Kulturlandschaftsdynamik und Nutzungskonflikte im Suburbanisierungsgürtel der Stadt Graz unter besonderer Berücksichtigung der Marktgemeinde Laßnitzhöhe“ (Institut für Geogra- phie und Raumforschung)

Maria Salome Gachet Otanez, „Screening of Ecua- dorian Plants for Anti-protozoal Activity and Phyto- chemical Investigation of Jacaranda glabra (Bignonia- ceae) and Cupania cinerea (Sapindaceae)“ (Institut für Pharmazeutische Wissenschaften)

Mag. Nicole Galler, „Electrically Actuated Elastomers for Waveguide Intensity Modulators“ (Institut für Phy- sik)

Mag. Alexander Thomas Goritschnig, „Proton-An- tiproton Annihilation into a LambdaC-AntiLambdaC Pair within the Generalized Parton Picture“ (Institut für Physik)

Mag. Vincent Thomas Grote, „Schlaferholung und Herzratenvariabilität als Indikatoren für Wohlbefinden und Gesundheit“ (Institut für Psychologie)

DI Andreas Gumbsch, „Investigation of Atomic Pro- cesses at Surfaces with a Low Temperature Scanning Tunneling Microscope“ (Institut für Physik)

Mag. Sigrun Gundl, „Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit: Ein Beratungsmodul für Pharmazeuten“ (Institut für Pharmazeutische Wissenschaften)

Ursula Köhler, „Quantifizierung von Stresseinfluss bei der Mg++ Bestimmung im Rahmen einer Messreihe beim österreichischen Bundesheer“ (Institut für Phar- mazeutische Wissenschaften)

Sanja Mihajlovic, „R1 Coupling Protein Regulatory Ef- fects at the Early Stage of the Conjugative DANN Pro- cessing“ (Institut für Molekulare Biowissenschaften)

Mag. Christian Möstl, „Modeling Magnetic Clouds Using Multi-spacecraft Observations“ (Institut für Physik)

Viet Cuong Nguyen, „A Database for Polymer Chro- matography“ (Institut für Chemie)

Mag. Tobias Pfingstl, „Taxonomy of the Familiy Scu- toverticidae (Acari: Oribatida). New Morphological and Phylogenetic Aspects“ (Institut für Zoologie)

Mag. Elfriede Pittler, „Enantiomerentrennung mit- tels chromatographischer und elektrochromatogra- phischer Trennmethoden“ (Institut für Pharmazeu- tische Wissenschaften)

Mag. Barbara Scharinger-Mohr, „Die Blüten-Bera- tung als komplementärmedizinische Heilmethode und deren mediendidaktische Aufbereitung“ (Institut für Pharmazeutische Wissenschaften)

Mag. Kathrin Winkler, „Assessment of Hybridization and Introgression Between Native and Introduced Stocks of European Whitefish Coregonus sp. in Aus- trian Lakes“ (Institut für Zoologie)

Dissertationen Geisteswissenschaftliche Fakultät

Mag. Georg Friedrich, „Die Mehrdeutigkeit von ‚Jetzt‘. Eine Klassifizierung“ (Institut für Philosophie)

Mag. Michael Josef Greger, „Bräuche zwischen Über- lieferung und Innovation. Eine Bestandsaufnahme und Analyse traditioneller und neuer Jahreslaufbräu- che im Bezirk Liezen (Steiermark)“ (Institut für Volks- kunde und Kulturanthropologie)

Forschungsprojekte

Akademie der Wissenschaften

Prof. Dr. Steffen Birk (Institut für Erdwissenschaften), „Characterisation and prediction making in spring catchments using process-based global methods“, bew. Betrag: EUR 33.200,--

Mag. Tina Katharina Herbst (Institut für Physik), „Po- lyakov Loops and the QCD Phase Structure“, bew. Betrag: EUR 75.000,--

Mag. Miriam Schaider (Institut für Zoologie), „Chemi- cal ecology of soil-dwelling Dysprioi (Arachnida, Opi- liones)“, bew. Betrag: EUR 37.500,--

Europäische Kommission

Ao.Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Kroutil (Institut für Che- mie), „Amine Synthesis through Biocatalytic Cas- cades“, bew. Betrag: EUR 528.240,--

Ao.Univ.-Prof. Dr. Martin Mittelbach (Institut für Che- mie), „Novel biotechnological approaches for utilizing carbon containing wastes to make high added value products“, bew. Betrag: EUR 223.868,--

FFG – Österreichische Forschungsförderungsgesell- schaft

Ao.Univ.-Prof. Dr. Gerhard Grossmann (Institut für Soziologie), „Sustainable Strategies of Urban Flood Risk Management“, bew. Betrag: EUR 32.400,--

Urban Flood Risk Management“, bew. Betrag: EUR 32.400,-- 3 4 Mag. Angelika Linner , „Ettore Sottsass:

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Mag. Angelika Linner, „Ettore Sottsass: Eine semi- otische Betrachtung von Innenraum und Möbel als Kommunikationsträger“ (Institut für Kunstgeschichte)

Mag. Angelika Nair, „Waldemar Bloch. Ein Polyhistor im Grazer Musikleben nach 1945“ (Institut für Musik- wissenschaft)

Mag. Guido Melchior, „Probleme der Selbsterkennt- nis“ (Institut für Philosophie)

Mag. Ute Sonnleitner, „Widerstand gegen den ‚(Austro-)Faschismus‘ in der Steiermark 1933–1938“ (Institut für Geschichte)

 

Ao.Univ.-Prof. Dr. Reinhold Lazar (Institut für Geogra- phie und Raumforschung), „Entwicklung eines Güte- zeichens für Gesundheitsregionen unter Berücksichti- gung von Einheimischen und Touristen“, bew. Betrag:

und Ableitung von Reformüberlegungen für die Stei- ermark“, bew. Betrag: EUR 91.220,--

O.Univ.-Prof. Dr. Paul Portmann (Institut für Ger- manistik), „Steirische Initiative: ‚Wissenschaftliches Schreiben für fremdsprachige Studierende‘“, bew. Betrag: EUR 30.000,--

EUR 18.468,--

Ao.Univ.-Prof. Dr. Reinhold Lazar (Institut für Geo- graphie und Raumforschung), „Unterkühlte Blockhal- den“, bew. Betrag: EUR 13.405,--

Ao.Univ.-Prof. Dr. Anita Prettenthaler-Ziegerhofer (Institut für Österreichische Rechtsgeschichte und Europäische Rechtsentwicklung), „Frauen in der Stei- ermark von 1848 bis in die Gegenwart“, bew. Betrag:

Ao.Univ.-Prof. Dr. Volker Ribitsch (Institut für Che- mie), „Stärkebasierende Etikettierklebstoffe“, bew. Betrag: EUR 13.040,--

EUR 35.000,--

Ao.Univ.-Prof. Dr. Karl Steininger (Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel), „Assessing flexibi- lity mechanisms for achieving the Austrian 2020 re- newable energy targets“, bew. Betrag: EUR 35.096,--

Ao.Univ.-Prof. Dr. Karin Schmidlechner-Lienhart (Institut für Geschichte), „Frauen in der Steiermark von 1848 bis in die Gegenwart“, bew. Betrag: EUR

35.000,--

IAAER – International Association for Accounting Education and Research

Stadt Graz

Dr. Monika Stromberger (Institut für Geschichte), „EKZ Annenstraße. Ein Forschungsprojekt zur Ge- schichte und Zukunft der Annenstraße – 2. Phase“, bew. Betrag: EUR 2.250,--

Univ.-Prof. Dr. Ralf Ewert (Center for Accounting Re- search), „How to Assess High Quality Financial Re- porting? An Analysis of Earnings Quality Metrics“, bew. Betrag: EUR 17.508,--

 
 

Zukunftsfonds

der

Republik

Österreich

|

Land Steiermark

Land Steiermark

 

Ass.-Prof. Klaus Poier (Institut für Österreichisches, Europäisches und Vergleichendes Öffentliches Recht, Politikwissenschaft und Verwaltungslehre), „Österrei- chisches Landesverfassungsrecht – Gesamtanalyse

Dr. Eduard Staudinger (Institut für Geschichte), „Flie- germorde. NS-Verbrechen an westalliierten Flugzeug- besatzungen und ihre Systematik im heutigen öster- reichischen Raum (1943–1945)“, bew. Betrag: EUR

75.000,--