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BUNDESLIGA-RÜCKSCHAU

Horst Seehofer, Ersatzspieler für Thomas Müller

Sammer vermisst Emotionen in München. Beim BVB überzeugt selbst Hummels, und die Bremer versagen kläglicher als die FDP in Bayern. Was vom Bundesliga-Spieltag bleibt.

VON Steffen Dobbert | 16. September 2013 - 10:10 Uhr

© Andreas Gebert, DPA

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (rechts) steht Mitte August auf den Stufen vor der bayerischen Staatskanzlei neben Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge

Wer spielte wie gegen wen?

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Bremen gegen Frankfurt. Auch wenn wir am Freitag noch das Gegenteil vorausgesagt hatten . Der Kollege Fritsch wusste es nicht besser, niemand wusste es besser, die Bremer schon gar nicht. Mit einer Niederlage mögen einige heimlich gerechnet haben. Mit dem ein oder anderen blöden Gegentor auch. Aber was dann am Samstagnachmittag im Weserstadion geschah, war so schlimm, als würde Rainer Brüderle Tabu spielen und vor Schadenfreude ebenso schön anzuschauen. Nach einer Viertelstunde fiel das 1:0 für die Frankfurter. Nach einer halben Stunde rammte Bremens Franco Di Santo seinen Fuß samt Schuh und Stollen ins Gesicht von Bastian Oczipka; das Blut floss, Di Santos ging mit Roter Karte in die Kabine und seine Kollegen spielten noch schlechter. In der zweiten Halbzeit verwandelte sich der Bremer Führungsspieler Aaron Hunt plötzlich in einen Vogel, flog als Schwalbe über den Rasen, landete, stutzte seine Federn und verzwitscherte den Elfmeter kläglich. Es folgte das 0:3, eine Viertelstunde vor Abpfiff, Sebastian Prödls großer Auftritt. Er sah den Ball von der Seite kommen, schaute, zuckte und drosch mit der rechten Picke darauf ein. Der Ball flog und landete sicher im eigenen Tor.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Bayern gegen Hannover. Auch wenn wir am Freitag noch das Gegenteil vorausgesagt hatten . Der Kollege Fritsch wusste es nicht besser, niemand wusste es besser, außer

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Matthias Sammer. Der sieht solch langweilige nebensächliche Fußballspiele immer

mindestens ein Jahr vor ihrem Ereignis kommen. Nach dem Abpfiff sucht er sich dann eine Fernsehkamera, schmeißt den inneren Feuermelder an und beweist, weshalb sein Spitzname

Motzki lautet: "Wir spielen lethargisch!

emotionalisieren uns nicht!

das nicht!

Frau ihrem Mann die ganze Nacht die Hand halten. Der Fußballer konnte wegen schwerer Motivationsschübe kaum einschlafen.

So geht

Wir spielen Dienst nach Vorschrift!

Wir

Wir müssen raus aus einer gewissen Komfortzone!

Wir verstecken uns alle!

Das reicht nicht!" Danach musste Franck Ribérys

Wer stand im Blickpunkt?

Horst Seehofer, Menschenfänger, Populist, Fußball-Fan, Autobahn-Kümmerer, ehemaliger Torhüter, König von Bayern und Ersatzspieler für Thomas Müller:

Was passierte beim Twitter-Spiel unseres Reporters?

Worüber redeten nach dem Spieltag alle?

Über die absolute Mehrheit des BVB. Nach dem 6:2 gegen die Hamburger stehen die Dortmunder mit fünf Siegen aus fünf Spielen auf Platz eins. Besser ist die Borussia noch nie in eine Saison gestartet. Besser haben sich Neuverpflichtungen noch nie in den ersten Spielen eingebracht. Mit acht von 15 Toren haben Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mkhitaryan mehr als die Hälfte der Treffer in dieser Spielzeit geschossen. Besser geht’s nicht. Hätte nur noch gefehlt, dass Mats Hummels ein Tor geschossen hätte. Selbst der Dortmunder Fastnationalstammspieler spielte am Wochenende mal komplett ohne groben Fehler, steuerte die Abwehr und leitete viele Angriffe ein. Sein Trainer mit der modischen Brille nutzte den Moment und ließ nach Abpfiff die Öffentlichkeit wissen, dass seine Spieler in der Nationalelf zu schlecht wegkommen. "Wenn Fehler einen Namen kriegen, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass es ein Spieler von Borussia Dortmund ist", nörgelte Klopp und verwies neben Hummels auf Marcel Schmelzer, den Joachim Löw vor Wochen kritisierte. In der Politik nennt man das Lobbyarbeit. Doch anders als im Bundestag fragt man sich, ob Hummels, Schmelzer, Reus und die anderen es nötig haben, dass Klopp für sie in der Nationalmannschaft Wind macht.

Was machten die Frauen?

Die "Torbienen" starten durch, so richtig. Mit 7:0 gewann Turbine Potsdam in Sindelfingen und schoss sich damit an die Tabellenspitze der Bundesliga. Dahinter kamen die Deutschen Meisterinnen aus Wolfsburg nur zu einem 1:1 in Jena. Auch die Frankfurterinnen patzten und erreichten vor den eigenen Fans gegen Essen nur ein 1:1. Die Frauen des Geheimfavoriten bezwangen am Wahltag in Bayern in ihrem ersten Spiel im Münchener Traditionsstadion an der Grünwalder Straße den SC Freiburg mit 2:1.

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© ZEIT ONLINE STEFFEN DOBBERT Steffen Dobbert ist verantwortlicher Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT

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STEFFEN DOBBERT

Steffen Dobbert ist verantwortlicher Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Was war sonst noch wichtig?

Mario Gomez' schwere Verletzung , Innenbandteilriss und Stauchung im Knie, im Spiel Florenz gegen Cagliari. Mesut Özils erste Tor-Vorlage für Arsenal London nach zehn Minuten Spielzeit gegen den FC Sunderland. Und die Liebe. War Wochenende. Wozu ein Einklang von Beruf und Beziehung führt, wissen besonders die Bürger aus Andalusien. Wer sich dort einmal so richtig verknallt hat, will nicht wieder weg. Ivan Rakitic erging das so, nachdem er in Sevilla eine neue Liebe fand. Und weil das den Fans des FC gefiel, suchen sie nun nach einer Frau für Marko Marin. Der offensive Mittelfeldspieler spielt derzeit als Leihgabe des FC Chelsea für die Spanier und müsste nach der Saison wieder zurück nach England wechseln. Wenn nicht zwischenzeitlich irgendwas Wichtiges geschieht. "Priorität hat nicht, einen Innenverteidiger oder Stürmer zu holen, sondern für Marko Marin eine spanische Verlobte zu finden!", heißt es deshalb unter den Fans des Fußballvereins.

Was war das Zitat des Wochenendes?

"Das Treffen hatte die Dauer eines Fußballspiels – in der Nachspielzeit haben wir die Presseerklärung aufgesetzt."

Schalkes Finanzvorstand Peter Peters nachdem er sich am Samstagvormittag mit Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger getroffen hatte. Reinhard Rauball, Präsident von Borussia Dortmund, hatte das versöhnliche Gespräch nach der Debatte um Polizeieinsätze im Schalker Stadion zwischen beiden initiiert. Ergebnis: Alle zurück auf Los. Die Polizei wird am Mittwoch beim Champions-League-Heimspiel gegen Steaua Bukarest wie gewohnt im Stadion präsent sein.