Sie sind auf Seite 1von 1

KlimaPOlitiSChE hintErgrÜndE und aufBau dEr SOndiErungSStudiE

1

zu berücksichtigen und dafür entsprechende finanzielle Mittel bereitzustellen. Einmal mehr wurde das Senkenpotenzial der terrestrischen Biosphäre anerkannt; der Schutz der tropischen Wälder wurde als Ziel der Klimarahmenkonvention beschlossen. Zusätzlich rückte die Option der Anpassung an den Klimawandel (adaptation) in den Vordergrund; die Industrieländer er- klärten sich bereit, den Entwicklungsländern zu diesem Zweck und für eine klimafreundliche Entwicklung im Zeitraum zwischen 2010 und 2020 jährlich 30 Milliarden US-Dollar und da- nach sogar jährlich 100 Milliarden US-Dollar über einen Klimafond bereitzustellen.

1.4 Climate Engineering als mögliche klimapolitische Option?

Vor diesem Hintergrund tritt in die Diskussionen über Reaktionen auf den anthropo- genen Klimawandel die Frage, ob Climate Engineering eine weitere Reaktionsmög- lichkeit darstellen könnte. Ursprünglich war die Diskussion auf die Reduzie- rung von Treibhausgasemissionen fokussiert, in den vergangenen Jahren wurde zusätzlich begonnen, auch Möglichkeiten zur Anpas- sung (adaptation) an Klimaveränderungen zu berücksichtigen (Abbildung 2).

Als Argumente für die Berücksichtigung von Climate Enginee-

ring zur möglichen Reaktion auf den anthropogenen Klimawan- del werden vor allem angeführt, dass (i) bei hoher Klimasen- sitivität die Folgen des Klimawandels stärker sein können als noch vor einigen Jahren geschätzt, (ii) die internationalen Ver- handlungen zum Klimaschutz zu langsam Fortschritte erzielen, (iii) die bereits eingeleitete Erwärmung bereits für lange Zeiträume nicht mehr umkehrbar ist, und (iv) das Überschrei- ten kritischer Schwellenwerte im Klimasystem zu katastropha- len Schäden führen könnte. Entsprechend wird argumentiert, dass CE- Technologien vor diesem Hintergrund eine notwendige (Notfall-)Maßnahme dar- stellen, um dem Klimawandel zu begegnen. Hiergegen wird eingewandt, dass (i) erhebliche Unsicherheiten über die Nebenfolgen der verschiedenen Tech- nologien bestehen, (ii) sich bei einer Unterbrechung der Maßnahmen ein viel schlimmerer Klimawandel einstellen kann, (iii) sowieso nur eine parti-

elle Kompensation des anthropogenen Klimawandels erreicht werden kann, (iv) aufgrund der unterschiedlichen regionalen Auswirkungen erhebliche Ver- teilungseffekte und entsprechende gesellschaftliche und geopolitische Kon- flikte eintreten, und (v) die Anstrengungen für herkömmliche Emissionskontrolle reduziert werden. Darüber hinaus bestehen grundsätzliche Einwände, die auf nor- mativen Einstellungen basieren (z. B. religiöse oder zivilisationskritische Argumente). Entsprechend kontrovers stellt sich die Debatte über Climate Engineering dar, die sich mitt- lerweile nicht mehr nur auf die wissenschaftliche Machbarkeit oder die Effizienz dieser Tech- nologien beschränkt.

Kontroverse debatte über Climate Engineering

Emissions- Anpassung vermeidung Reaktionsportfolio gegen Anthropogenen Klimawandel ? Climate Engineering
Emissions-
Anpassung
vermeidung
Reaktionsportfolio
gegen
Anthropogenen
Klimawandel
?
Climate Engineering

aBBildung 2:

reaktionsstrategien auf den Klimawandel

Allerdings gehen die Diskussionen über technologische Eingriffe in das Klimasystem und Versuche, solche Maßnahmen zu verwirklichen, bis in das 19. Jahrhundert zurück. Dabei war die Intention zumeist eine Veränderung lokaler Wettervariablen, wie z. B. die Veränderung der Niederschlagsmenge (Fleming 2010). Allerdings wurde bereits 1965 US-Präsident Johnson von seinen Beratern auf die Möglichkeit hingewiesen, dem anthropogenen Klimawandel mit Hilfe technologischer Eingriffe in das Klimasystem zu begegnen. Es wurden Möglichkeiten

Quelle: Eigene darstellung.

diskussionen über Climate Engineering seit dem 19. Jahrhundert

Sondierungsstudie Climate Engineering

13