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Inquisition (1)
Über die kleine Dinah und ihre Eltern habe ich bereits zweimal kurz berichtet. Ich will den Fall, der
bundesweit Schlagzeilen gemacht hat, jetzt aber noch einmal sehr ausführlich darstellen. Zum einen
hat er grundsätzliche Bedeutung, zum anderen darf über das ganze vor Ungereimtheiten nur so
strotzende Verfahren nicht einfach der gnädige Mantel des Schweigens gehüllt werden.

Aber der Reihe nach.

Anna und Yacob stammen ursprünglich aus Äthiopien, leben aber schon seit vielen Jahren in
Deutschland. Ihre zwei gemeinsamen Kinder - 10 und 12 Jahre alt - sind hier geboren. Der 40-jährige
Vater kam 1990 nach Deutschland und besitzt seit sechs Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit, die
47 Jahre alte Mutter ist italienische Staatsbürgerin. Wer sie kennt, würde nie auf die Idee kommen,
dass es sich hier nicht um eine gut integrierte glückliche Familie handelt. Doch als Anna und Yacob
am 12. August des vergangenen Jahres einen Brief des Fachbereiches Jugend & Familie beim
Landratsamtes Lörrach erhalten, gerät ihre heile Welt völlig aus den Fugen: Die Behörde legt den
Eltern nahe, ihre zehnjährige Tochter Dinah nicht nach Äthiopien reisen zu lassen, wo sie in den
Sommerferien in Begleitung eines engen Freundes der Familie (beide Elternteile können aus
beruflichen Gründen nicht selbst mitreisen) zum ersten Mal ihre Großeltern besuchen sollte. Zitat:

[…], der Fachbereich Jugend und Familie kann die Ausreise ihrer Tochter Dinah nach
Äthiopien nicht befürworten, da die Gefährdung einer Beschneidung in Äthiopien
vielerseits nichts ausgeschlossen werden kann.

Konkrete Verdachtsmomente, dass Dinah tatsächlich ein solches Schicksal droht, liegen zwar nicht
vor, aber das interessiert den Landkreis offensichtlich nicht. Eigenartig ist die Sichtweise aber auch
deshalb, weil das Amt zweieinhalb Wochen zuvor noch ganz anderer Meinung gewesen war:

Nachdem wir die Eltern und die Kinder kennengelernt haben, kommen wir zu der
Einschätzung, dass die langjährig in Deutschland lebende Familie die hiesigen
europäischen Werte lebt und traditionell-ethnische Handlungen wie eine Beschneidung
ablehnt.

Weiterhin zeigt sich aus der berichteten Lebensweise der Eltern, dass ihnen die
persönliche Förderung und Entwicklung ihrer Kinder sehr am Herzen liegt. Dies
beinhaltet unseres Erachtens auch die Gesundheitsfürsorge. Aus unserer Sicht ergeben
sich daraus keine Hinweise auf die Gefahr einer drohenden Kindeswohlgefährdung

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durch Beschneidung.

Für diese Sichtweise gibt es auch sehr gute Gründe. Im selben Schreiben heißt es dazu:

Zum Vorwurf des Eingriffes durch Beschneidung der Tochter Dinah äußern die Eltern,
dass diese Eingriffe nicht in ihre christliche und moderne Familientradition passen
würden. […] Herr H. habe sieben Schwestern, die nicht beschnitten seien. Frau M. habe
mit ihrer mittlerweile erwachsenen Tochter die ersten acht Lebensjahre in Äthiopien
gelebt.

Anna und Yacob lassen sich auf jeden Fall nicht einschüchtern und wollen Dinah immer noch zu
ihren Großeltern reisen lassen. Aus diesem Grund regt das Landratsamt Lörrach beim zuständigen
Familiengericht Bad Säckingen den Erlass einer Anordnung nach § 1666 BGB an, die das
Aufenthaltsbestimmungsrecht der Eltern einschränken soll. Am 1. August 2008 lehnt das
Familiengericht eine solche Anordnung aber noch ab:

Eine hinreichend konkrete Gefahr, dass bei der Tochter […] Dinah für den Fall der
Durchführung der geplanten Äthiopien-Reise eine Beschneidung durchgeführt werden
könnte, ist nicht feststellbar. Alle Kriterien, die für eine solche Gefahr maßgebend sein
können - Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppierung, die Beschneidungen
durchführen lässt, Zugehörigkeit zu einer Religion, in der dies üblich ist, dörflicher
oder ländlicher Bereich, niedriger Bildungsgrad - sprechen hier für das Nichtbestehen
einer Gefahr für eine Beschneidung:

• Die Eltern und Großeltern […] gehören nicht einer derjenigen ethnischen
Gruppierungen an, bei denen Beschneidungen üblich sind,

• Eltern und Großeltern sind Angehörige der orthodoxen beziehungsweise (bei der
Mutter) katholischen Kirche, beide lehnen solche Eingriffe ab,

• die geplante Reise führt in die Hauptstadt Addis Abbeba,

• der Bildungsgrad der Großeltern, […], ist hoch, die Großmutter leitet eine Primary
School in der Hauptstadt.

Das Landratsamt Lörrach gibt sich damit aber nicht zufrieden und übt weiterhin massiven Druck auf
die Eltern aus. Am 11. August 2008 legt es - nachdem sich das baden-württembergische
Sozialministerium und das Regierungspräsidium Freiburg eingeschaltet hatten - Anna M. und Yacob
H. eine unfassbare und fast schon erpresserische Erklärung vor, die sie unterschreiben sollten:

Hiermit erklären wir, […], als sorgeberechtigte Eltern unserer Tochter Dinah, […],
von der Urlaubsreise unserer Tochter Dinah nach Addis Abeba/Äthiopien, abzusehen.

Eine Kopie der Stornierung des Flugtickets für unsere Tochter Dinah legen wir dem
Fachbereich Jugend & Familie, […], bis spätestens Donnerstag. 14.08.2008, 16 Uhr,
vor.

Wir legen ebenfalls bis Donnerstag, 14.08.2008, 16 Uhr, die Anmeldebestätigung der
von uns für Dinah gewählten Schule zum Schuljahr 2008/2009 vor.

Wir stellen die körperliche Unversehrtheit (keine Beschneidung) von Dinah sicher.
Hierzu stellen wir Dinah einmal jährlich bis zu ihrer Volljährigkeit einem
Kinderarzt/Gynäkologen vor. Wir legen eine ärztliche Bescheinigung bis spätestens
30.09. des jeweiligen Jahres beim FB Jugend & Familie Lörrach vor.

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Am Tag darauf wendet sich das Landratsamt erneut an das Familiengericht Bad Säckingen und bittet
darum, diese von den Eltern auf anwaltlichen Rat hin nicht akzeptierte Erklärung in einem neuen
Verfahren (!) zur Auflage zu machen. Begründung:

Die Mitwirkungsbereitschaft der Eltern scheint [sich] unter dem großen Druck zu
erschöpfen.

Am 4. September 2009 entzieht das Familiengericht Bad Säckingen Dinahs Eltern wegen angeblicher

Gefahr im Verzug

im Wege der einstweiligen Anordnung das Aufenthaltsbestimmungsrecht für ihre Tochter, soweit es

[…] um die Veranlassung oder Genehmigung von Reisen Dinahs ins Ausland geht.

Hinsichtlich dieses Punktes stellt das Gericht Dinah unter die Amtspflegschaft des Landratsamtes.
Dabei bedarf es dieser vorläufigen Zwangsmaßnahme gar nicht mehr. Anna und Yacob hätten Dinah
zwischen dem ersten Urteil des Familiengerichtes und der einstweiligen Anordnung - also zwischen
dem 1. August und dem 4. September 2008 - jederzeit ganz legal nach Äthiopien reisen lassen
können, aber zu diesem Zeitpunkt haben die Eltern schon soviel Angst vor dem Landratsamt, dass sie
sich das nicht mehr trauen. Den zunächst für den 4. August 2008 geplanten Flug Dinahs verschieben
sie zunächst um neun Tage, doch die Eltern stornieren letztendlich auch die Umbuchung - und
verlieren dabei die bereits bezahlten Flugkosten. Nur Dinahs Bruder besucht seine Großeltern und
kehrt wohlbehalten wieder zurück.

Dinahs Eltern: Yacob und Anna (Fotoveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Heiner Fabry )

Die einstweilige Anordnung wird nach einer förmlichen Anhörung zwei Wochen zuvor im
Hauptsacheverfahren am 20. November 2008 bestätigt. In der Urteilsbegründung beruft sich der
Richter - man mag es kaum glauben - unter anderem auf einen Eintrag im Online-Lexikon Wikipedia:

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass Äthiopien zu denjenigen Ländern Afrikas zählt,
in denen die Beschneidung weiblicher Genitalien besonders weit verbreitet ist. Nach

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Darstellung des Internet-Lexikons ‘Wikipedia’ beträgt der Anteil beschnittener Frauen


an der Gesamtpopulation Äthiopiens in einigen Gebieten zwischen 95 und 100 Prozent.
[POLITBLOGGER fragt sich: Leben in Äthiopien eigentlich nur Frauen?] In den anderen
Landesteilen sind es zwischen 75 und 95 Prozent. Nur wenige Länder Afrikas Afrikas
weisen eine so hohe Verbreitungsquote auf, unter anderem der Sudan, Guinea, Mali,
Sierra Leone und Somalia. Dass alle diese Daten auf Schätzungen beruhen, liegt in der
Natur der Sache.

Diese Zahlen sind jedoch nicht nur geschätzt, sondern auch veraltet und falsch. Die Deutsche
Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit weiß es besser:

Laut Demographic and Health Survey 2005 sind 74 Prozent der weiblichen
Bevölkerung in Äthiopien von FGM [POLITBLOGGER: Female Genital Mutilation, die
englische Bezeichnung für Genitalverstümmelung] betroffen. In den Regionen Somali,
Affar und Dire Dawa sind nahezu alle Frauen beschnitten, in Oromiya und Harari
noch mehr als 80 Prozent. Die geringsten Raten gibt es in den Regionen Tigray und
Gambela mit 29 Prozent beziehungsweise 27 Prozent. Im Süden des Landes wird FGM
bei manchen ethnischen Gruppen gar nicht praktiziert. Im Vergleich zum Jahr 2000 hat
die Unterstützung abgenommen: 38 Prozent der Mütter von Mädchen haben mindestens
eine Tochter beschneiden lassen, im Jahr 2000 noch 52 Prozent. Frauen mit höherem
Bildungsgrad und aus einer städtischen Umgebung sind eher bereit, die Praktik
aufzugeben.

Doch von diesen Zahlen weiß das Gericht nichts (oder will nichts davon wissen). Genauso wenig will
der Richter den vollkommen untadeligen Ruf der Familie oder die anderen stichhaltigen Argumente
der Eltern in seine Entscheidung einfließen lassen. Es folgt einzig und allein der geänderten Position
des Landratsamtes. Es macht fast den Eindruck, als hätte der Beschluss des Familiengerichtes bereits
vor Verhandlungsbeginn festgestanden.

Anna und Yacob lassen sich aber nicht entmutigen und gehen - wie wir inzwischen wissen -
erfolgreich gegen das Urteil des Familiengerichtes in Berufung. Dabei haben die Richter des
Oberlandesgerichtes Karlsruhe ihren Bad Säckinger Kollegen juristisch regelrecht abgewatscht. In der
Urteilsbegründung heißt es unter anderem:

Die zulässige Beschwerde der Kindeseltern ist begründet und führt zu der Aufhebung
des erstinstanzlichen Beschlusses. Die Voraussetzungen eines Eingriffs nach § 1666
BGB in die elterliche Sorge der Beschwerdeführer für ihr Kind Dinah liegen nicht vor.

[…]

Ein Eingriff in das Sorgerecht der Eltern setzt demnach eine gegenwärtige oder
zumindest unmittelbar bevorstehende Gefährdung des Kindeswohls voraus. Die Gefahr
muss in einem solchen Maße vorhanden sein, dass sich bei der weiteren Entwicklung
der Dinge eine erhebliche Schädigung des geistigen oder leiblichen Wohls des Kindes
mit ziemlicher Sicherheit voraussehen lässt […]. Ein Eingriff in die elterliche Sorge ist
deshalb nur zulässig, wenn Tatsachen festgestellt werden können, die den Schluss auf
eine konkrete Gefährdung des Kindeswohls rechtfertigen. Diese konkrete Gefährdung
als Voraussetzung eines Eingriffs ist in jedem Einzelfall unter Berücksichtigung
sämtlicher Umstände festzustellen.

Nach diesen Grundsätzen fehlt es im Streitfall an den tatsächlichen Voraussetzungen


für einen Eingriff in das Sorgerecht der Beschwerdeführer.

[…]

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Der Senat stimmt auch mit dem Familiengericht darin überein, dass an den Grad der
Wahrscheinlichkeit der Gefährdung des Kindeswohls umso geringere Anforderungen zu
stellen sind, je größer und gewichtiger der drohende Schaden ist. Besteht dieser
Schaden in einer Beschneidung bzw. genitalen Verstümmelung, bedarf es deshalb nur
geringer Anzeichen für eine entsprechende Gefahr, um einen Eingriff nach § 1666 BGB
zu rechtfertigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass auf das Vorliegen konkreter
Verdachtsmomente gänzlich verzichtet werden kann und bereits eine abstrakte
Gefährdung ausreicht, um ein Eingreifen zu rechtfertigen.

[…]

Bereits hieraus ergibt sich aber, dass die bloße Herkunft der Eltern eines Kindes aus
Äthiopien allein nicht indiziert, dass gerade diese Eltern ihre Töchter in ihrem
Heimatland beschneiden lassen wollen bzw. nicht in der Lage sind, das Kind hiervor zu
schützen.

Die Feststellung allein, dass es sich bei Äthiopien um ein Hochrisikoland hinsichtlich
der weiblichen Genitalverstümmelung handelt, reicht deshalb nicht aus, um in jedem
Fall, in dem ein weibliches Kind äthiopischer Herkunft nach Äthiopien reisen soll,
unabhängig von den konkreten Lebensverhältnissen der elterlichen Familie, eine
Maßnahme nach § 1666 BGB zu rechtfertigen.

Die Entziehung des Sorgerechts hinsichtlich der Reise eines Kindes ins Ausland, wie
vorliegend, greift in das durch Artikel 6 Absatz 2 Satz 1 Grundgesetz geschützte Recht
der Eltern zur eigenverantwortlichen Bestimmung von Pflege und Erziehung ihres
Kindes ein. Ein solcher Eingriff ist nur zu rechtfertigen, wenn im Einzelfall konkrete
Anhaltspunkte für eine drohende Verletzung des Kindeswohls vorliegen. Eine andere
Betrachtungsweise würde Eltern, die aus einem Hochrisikoland hinsichtlich der
Beschneidungsgefahr stammen, unter einen Generalverdacht stellen und unter anderem
gegen das Benachteiligungsverbot des Artikels 3 Absatz 3 Grundgesetz verstoßen […].

Vorliegend sind nach den Erkenntnissen des Senats keine Anhaltspunkte dafür
ersichtlich, dass Dinah im Falle eines Besuchs der Großeltern in Addis Abeba einer
Beschneidung unterzogen werden könnte. Vielmehr haben die Ermittlungen des Senats
zu den Lebensverhältnissen der Eltern und der Großeltern, die das Kind besuchen
sollte, ausreichend Anhaltspunkte ergeben, die gegen eine derartige Gefährdung
sprechen.

1. Die Kindeseltern leben seit Jahren in Deutschland und sind hier integriert. Sie haben
bei der Anhörung durch den Senat glaubhaft versichert, dass sie eine Beschneidung von
Mädchen ablehnen. […]

2. Auch der vom Senat im Wege der Amtshilfe eingeholte Bericht der Deutschen
Botschaft in Addis Ababa über die Lebensumstände der Großeltern, deren Umfeld,
Bildungsstatus und Einstellung zur Genitalverstümmelung lassen Verdachtsmomente
für eine Gefährdung Dinahs bei einem Aufenthalt bei den Großeltern in Addis Abeba
nicht zu.

[…]

Der Bericht schließt ab mit der Einschätzung des Verfassers, dass Dinah in keiner
Weise bei einem Aufenthalt bei ihren Großeltern in Addis Abeba gefährdet wäre. […]
Der Senat sieht keinen Anlass, Zweifel an der persönlichen Einschätzung des
Mitarbeiters der Deutschen Botschaft, der mit der Lebenseinstellung der äthiopischen

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Bevölkerung vertraut ist, zu hegen. […] Es darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass
sich in einem Staat wie Äthiopien unterschiedliche Lebensverhältnisse wiederfinden,
die nach westlichen Vorstellungen von mittelalterlichen bis zu modernen
Lebensverhältnissen reichen. Es geht deshalb nicht an, bestehende Unterschiede zu
ignorieren und Angehörige dieser Staaten, die sich moderne Lebensverhältnisse
erarbeitet haben und auch entsprechend leben, unter einen Generalverdacht zu stellen,
der auf – wenn auch weit verbreiteten – archaischen Vorstellungen und
Lebensverhältnissen beruht.

[…]

Vor diesem Hintergrund kann auch der Unterschied, dass die Reise Dinahs ohne die
Eltern beziehungsweise eines Elternteils nur in Begleitung ihres älteren Bruders
geplant war, keine Verdachtsmomente dafür begründen, dass für Dinah bei einem
Aufenthalt bei den Großeltern die Gefahr einer Genitalverstümmelung bestanden hätte.
Die Eltern hatten für eine Begleitung durch eine erwachsene Person, nämlich eines
Freundes der Familie, des Vaters des Patenkindes des Beschwerdeführers, gesorgt. Die
Großeltern waren ohne weiteres in der Lage, ihre Enkelkinder vom Flugplatz
abzuholen, so dass insgesamt eine Situation bestanden hätte, die auch auf westlichen
Flughäfen nicht ungewöhnlich ist.

[…]

Unter Berücksichtigung und Abwägung der ermittelten Umstände sieht der Senat auch
bei einer niedrigen Eingriffsschwelle keine konkreten Anhaltspunkte für eine
Gefährdung des Kindes bei einer Reise zu en Großeltern nach Addis Abeba. Die
Voraussetzungen für Maßnahmen im Sinne des § 1666 BGB liegen nicht vor.

Juristisch ist der Fall damit abgeschlossen. Das Landratsamt Lörrach hat gegen den Beschluss keine
Beschwerde eingelegt. Was bleibt, sind die seelischen Wunden bei Dinah und ihren Eltern, die kein
Richterspruch aus der Welt schafft und die einige Zeit benötigen werden, um verheilen zu können.
Einen äußerst schalen Nachgeschmack hinterlässt der jetzt abgeschlossene Fall aber auch deshalb,
weil Dinahs Eltern trotz des Erfolgs auf ihren nicht unerheblichen Kosten sitzen bleiben. Obwohl der
Familie nur ein kleines Einkommen zur Verfügung steht, haben sie keinen Anspruch auf
Prozesskostenhilfe. Und in Verfahren nach § 1666 BGB gibt es leider auch keine Möglichkeit, der
unterlegenen Partei - in diesem Fall dem Landratsamt - die Kosten aufzuerlegen. Ich bitte alle Leser
deshalb, der Familie durch Spenden zu helfen:

Verwendungszweck: Spendenkonto Dinah


Kontoinhaber: Claus Huber, Rechtsanwalt
Kontonummer: 70423715
Bankleitzahl: 68391500
Bank: VR-Bank eG, Schopfheim

Ein entsprechendes Spendenbanner befindet sich auch oben rechts im Navigationsbereich dieses
Blogs. Wer Anna und Yacob ebenfalls helfen will, darf das Banner gerne auf seiner Seite
veröffentlichen. Den Code zum Einbinden des Banners bitte nicht direkt im Browser öffnen, sondern
per Rechtsklick mit der Maus auf den Link und Ziel speichern unter als txt-Datei downloaden.

Am Ende hat der Rechtsstaat gegen die unfassbare Willkür einer Behörde und eines Gerichtes zwar
die Oberhand behalten, doch schon beim nächsten ähnlich gelagerten Fall könnte das Ende weitaus
weniger befriedigend sein. Damit will ich zu einer ganz wichtigen Frage überleiten, die unbedingt
noch geklärt werden muss - nämlich die, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass eine

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vorbildlich integrierte und völlig unbescholtene Familie so energisch um ihr gutes Recht kämpfen
musste. Denn hinter all dem steht eine einzelne Person, die während des gesamten Verfahrens hinter
den Kulissen die treibende Kraft war und die ich im zweiten Teil dieses Artikels morgen eingehend
beleuchten werde.

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Dem Freundeskreis Dinah danke ich sehr herzlich für die Unterstützung bei der Recherche für diesen Artikel.

Geschrieben am Sonntag, 05. Juli 2009 und abgelegt unter Deutschland, Absurdes,
Fremdenfeindlichkeit, Juristisches, Diskriminierung. Verfolgen Sie die Diskussion zu diesem Beitrag
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