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Ingar Solty

Das Obama-Projekt

Krise und charismatische Herrschaft

Frank Unger, Lehrer und Freund, zum Gedenken

All right we are two nations America our nation has been beaten by strangers who have bought the laws and fenced off the meadows and cut down the woods or pulp and turned our pleasant cities into slums and sweated the wealth out of our people and when they want to they hire the executioner to throw the switch. John Dos Passos: The Big Money (1937)

1. Cäsarismus, charismatische Herrschaft und charismatische Führung

In Situationen tiefgreifender gesellschaftlicher Krisen und Umbrüche schlägt die Stunde des Cäsarismus und charismatischer Herrscherfiguren. In diesen Situationen kann die politische Sphäre zeitweilig eine eigenartige Autono- mie gegenüber der ökonomischen entwickeln und hängt das Geschick einer gesamten sozialen Formation oft von Kontingenzen und Einzelpersonen ab. Dabei geraten als Folge der Krise geronnene hegemoniale Bündniskonstellati- onen in Bewegung und können deren Einzelelemente unter den Bedingungen alternativer geistig-moralischer Führung neu zusammengefügt werden. Die Politik erhält somit für einen historischen Augenblick eine kurze Freiheit für drastische Kurswechsel. Max Weber hat im Cäsarismus eine allgemeine Tendenz innerhalb »mas- senstaatlicher« Herrschaftsformen gesehen. Er richtete seinen Blick dabei insbesondere auf die USA. Denn das amerikanische präsidiale Mehrheits- wahlrecht, in dem das Volk den Präsidenten selber wählt und dieser nicht vermittelt vom Parlament ernannt wird (vgl. Weber 1980: 862) beinhaltet eine quasi natürliche Veranlagung zum Cäsarismus. Anstatt dass das Parlament die Führungspersönlichkeit vom Volk entfremdet, entsteht hier eine direkte Ver- bindung zwischen akklamierendem Volk und akklamiertem charismatischen Herrscher. Den Cäsarismus definierte Weber von daher wiederum mit Blick

auf die USA als die plebiszitäre Wahl eines »freien, traditionsentbundenen Vertrauensmannes der Massen (…) und als eben deshalb uneingeschränkten Herrn eines von ihm persönlich frei (…) ausgelesenen Stammes von höchst- qualifizierten Offizieren und Beamten« (ebd.: 554f.). Die allgemeine cäsaris- tische Tendenz in den USA verschärfte sich mehr als zwei Jahrzehnte nach Webers Tod, als nach 1945 die Erfordernisse der US-Imperialpolitik eine zunehmende Zentralisierung der politischen Befugnisse im Präsidentenamt – vor allem hinsichtlich der außenpolitischen Handlungsfreiheit – hervor- brachten. Arthur M. Schlesinger Jr. hat diese historische Entwicklung als die »imperiale Präsidentschaft« bezeichnet (1974). Es ist vor diesem Hintergrund verständlich, dass die regelmäßige Frage nach der Beliebtheit des Präsidenten in der US-Bevölkerung viel entschei- dender ist als bspw. im parlamentarischen Wahlsystem Deutschlands. Denn für eine cäsaristische Demokratie mit einem charismatischem Herrscher gilt insbesondere in der gesellschaftlichen Krise, dass es »nicht die vielköpfige Versammlung des Parlaments [ist, die] als solche ›regieren‹ und die Politik ›machen‹ (kann) (…). Die ganze breite Masse der Deputierten fungiert nur als Gefolgschaft für den oder die wenigen ›leader‹, welche das Kabinett bilden, und gehorcht ihnen blind, solange sie Erfolg haben.« (Weber 1980:

853) Allerdings schätzte Weber die Autonomie der Politik gegenüber den sozialen Klassen und der »Wirtschaft« als sehr begrenzt ein, denn das Charisma unterliege einem notwendigen Veralltäglichungsdrang, d.h. dem Versuch, charismatische Herrschaft durch die bürokratische Einbindung der relevanten gesellschaftlichen Kräfte abzusichern und auf Dauer zu stellen. Der Veralltäglichungsprozess sei »in sehr wesentlicher Hinsicht identisch mit Anpassung an die Bedingungen der Wirtschaft als der kontinuierlich wirkenden Alltagsmacht. Die Wirtschaft ist dabei führend, nicht geführt.« (ebd.: 148) Ein etwas weiter gefasster Begriff der charismatischen Herrschaft, der als theoretischer Leitfaden für ein Verständnis der USA heute besonders aufschlussreich ist, stammt von Antonio Gramsci. Einer Idee von Robert Michels folgend entwickelte er den Begriff der »charismatischen Führung« weiter. Das Konzept bildete dabei einen entscheidenden Baustein für die von Gramsci im Hegemoniebegriff begründete Ausarbeitung einer eigent- lichen Theorie der Politik im Marxismus. Mit seiner Hilfe trug er der Rolle von Akteuren und (Klassen-)Ideen im Verhältnis zu den (politisch konsti- tuierten) ökonomischen Verhältnissen Rechnung und half, den Marxismus als Philosophie der Praxis wiederzubegründen. Gramsci sah dabei zwei

Formen der charismatischen Herrschaft am Werk: Erstens – in Anlehnung an die Marxsche Bonapartismustheorie – eine Situation der Lähmung der gesellschaftlichen Hauptklassen. Diese erfordert die autoritäre Lenkung durch einen charismatischen Herrscher, eine »mehr oder weniger außerge- wöhnliche Persönlichkeit« (Gramsci 1991ff., Gef 2: 287), die, häufig auf der Grundlage einer kleinbürgerlichen Massenbasis, die Aufrechterhaltung der herrschenden (Eigentums-)Ordnung betreibt. Denn dem aus der Situation geborenen charismatischen Führer geht es anders als der Klassenpartei nicht um eine planmäßige »Transformation des Staates«, d.h. der in den Staatsap- paraten verdichteten gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse. Zweitens disku- tiert Gramsci charismatische Führung in Bezug auf moderne Gesellschafts- formationen, die allerdings noch keine entwickelten Zivilgesellschaften hervorgebracht haben. Dabei sei die charismatische Führung eine Form der politischen Führung »in einer primitiven Phase der Massenparteien (…), in der die Doktrin sich den Massen als etwas Nebulöses und Zusammenhangloses darstellt, das eines unfehlbaren Papstes bedarf« (ebd.: 286). Anstelle von einer aus der Zivilgesellschaft und aus den Produktionsverhältnissen mit sozial und politisch organisierten Klassen aufsteigenden Hegemonie entstehe in dem Maße ein anderer Typus von Partei, »[j]e weniger die Partei auf der Grundlage einer einheitlichen Weltanschauung entsteht und sich bildet (…), sondern auf Grundlage zusammenhangloser und verworrener Ideologien, die von Empfindungen und Emotionen zehren (…).« (ebd.: 286) Bezogen auf die Arbeiterklasse und ihre Verbündeten, d.h. Klassen mit »subjektiv wider- sprüchlichen Klassenpositionen« (Erik Olin Wright), um deren hegemoniale Einbindung erfolgreich gestritten wurde, konnte Gramsci dem Begriff der »charismatischen Führung« wenig abgewinnen. Ausgehend von seiner Drei- stufentheorie der Hegemoniegewinnung, die auf der Ebene der Produktion, d.h. der gewerkschaftlichen Klassenorganisierung ihren Anfang nimmt, stellte er dem Begriff der charismatischen Führung eine Vorstellung von organischer Führung entgegen. Zwar hing der Leninist Gramsci keineswegs der Vorstellung an, dass die Ebene des Staates für den politischen Emanzi- pationskampf der Arbeiterklasse zumindest solange zu vernachlässigen sei, bis die zivilgesellschaftliche Hegemonie errungen sei. Dennoch entwickelte er sein Denken in Bezug auf die existierenden Parteien der Arbeiterklasse mit ihren klassischen Öffentlichkeitsformen zwischen Theorieproduktion (»Neue Zeit«) und Popularisierung (»Vorwärts« oder »l’Ordine Nuovo«) sowie mit Blick auf die im Aufstieg begriffene Gewerkschaftsbewegung. Die Be- deutung des Zusammenspiels aus postfordistischer Klassenfragmentierung

und mediendemokratischer Transformation der Öffentlichkeit, in denen die charismatische Führung als historische Tatsache an Bedeutung zulegt, musste ihm noch fremd bleiben. Für die USA heute, so wird hier vorausgesetzt, sind Elemente beider Konstitutionsbedingungen von charismatischer Führung im Sinne Grams- cis vorhanden. Der entsprechende Ruf nach »autoritärer Führung« im US-Wahlkampf ist dabei omnipräsent. Aus Gründen des amerikanischen Exzeptionalismus einerseits und eines beispiellosen Niedergangs der or- ganisierten Arbeiterbewegung seit Mitte der 1970er Jahre andererseits sind die USA heute durch ein besonderes Maß an Klassenfragmentierung gekennzeichnet. Zwar konnte der von Konjunkturzyklen unabhängige freie Fall des gewerkschaftlichen Organisierungsgrades seit 1975 durch die erfolgreichen Organisierungskampagnen der letzten Jahre insbesondere im (immobilen) Dienstleistungssektor wenigstens gebremst werden. Trotzdem waren laut Informationen des US Bureau of Labor Statistics 2007 nur 12,1% der Beschäftigten Mitglieder von Gewerkschaften. Dabei ist der öffentliche Sektor – Lehrer, Professoren, aber auch Polizisten und Feuerwehrmänner – mit 35,9% fast fünfmal so stark organisiert wie der private Sektor (7,5%). Die »Klassenlosigkeit«, die sich darin widerspiegelt, ist in den USA seit den 1970er Jahren vor allem durch »nicht-klassenbasierte Formen der Solidari- tät«, insbesondere religiöser Art, kompensiert worden (Brenner 2007b: 617). Dabei ist die Religion, ja nicht einmal der christliche Fundamentalismus an sich im politisch rechten Spektrum zu verorten. Historisch betrachtet hat der Atheismus anders als in Europa gesellschaftlich eine reaktionäre Funk- tion, nämlich die einer Waffe zur Abwehr der Interessenrepräsentation der »kindlichen Masse« in einer überaus religiösen Gesellschaft (Unger 2006; Losurdo 2008). Viele »bible thumpers« aus dem Süden waren Teil sozial fortschrittlicher Bewegungen und auch der New-Deal-Koalition. Auch heute gilt noch, dass die gewerkschaftlich organisierten Teile der christlich-funda- mentalistischen Bewegung mehrheitlich noch oder wieder im »linken« Lager stehen und demokratisch wählen (vgl. Rilling 2006). Das Zusammenspiel aus wegbrechender fordistisch-gewerkschaftlicher Klassenbindung und einer politisierten und als Religiöse Rechte in die Republikanische Partei integrierten christlich-fundamentalistischen Bewegung – eine Einbindung, die sich jetzt aufzulösen beginnt – hat allerdings dazu geführt, dass die von Gramsci geschilderten Bedingungen charismatischer Führung auf die USA heute mehr denn je zutreffen. Und auch für die Lähmung der Gesellschaft, für die wechselseitige Blockierung zweier polarisierter gesellschaftlicher

Blöcke, finden sich in den USA zahlreiche Anzeichen. Denn trotz des von einer überwältigenden Mehrheit anerkannten offensichtlichen Scheiterns des neokonservativen Projekts als gesamtgesellschaftlichem Kohäsionsfak- tor mangelt es in den USA an einer zukunftsweisenden gesellschaftlichen Opposition, die kooptiert und zur Erneuerung des US-Kapitalismus genutzt werden könnte. Der berühmte US-Soziologe Richard Sennett (2006) hat des- halb von einer »Passivitätskrise« der US-Gesellschaft gesprochen und diese als Symptom des Niedergangs beschrieben. Die langfristige Beschädigung des unilateral-imperialistischen Lösungsansatzes für die Krise in den USA verlangt nach einem neuen Projekt. Aber da sich dieses nicht von unten aufdrängt, liegt der Schluss nahe, dass es von oben konstituiert werden muss. Die Krise in den USA ist also in doppelter Hinsicht eine charismatische Herrschaftsoption. Die Frage ist, ob sich ein charismatischer Herrscher finden lässt, der diese verwirklicht.

2. Mehrheitswahlrechtliche Mobilisierungsdemokratie und Hegemoniekrise des (Neo-)Konservatismus in den USA

Wie bereits angedeutet, befinden sich die USA heute in einer Hegemonie- krise des (Neo-)Konservatismus. Der Neokonservatismus-Begriff bezeichnete ursprünglich eine von den USA ausgehende globale Konterrevolution in der »großen Krise« des keynesianisch regulierten fordistischen Kapitalismus, die auf die Zurückdrängung der gewachsenen Arbeitermacht sowie der sich global auf dem Vormarsch befindenden Linken und die Wiederherstellung der US-Hegemonie in der globalen politischen Ökonomie durch die Finanz- marktliberalisierung und neoliberale Globalisierung abzielte. Das zentrale innenpolitische Kampffeld war der Sozialstaat, den es zurückzubauen galt. In dieser Hinsicht ist der Neokonservatismus-Begriff mit dem in den USA kaum verbreiteten Konzept des politischen Neoliberalismus (wenigstens teil-)kongruent. In den USA ist unter Neokonservatismus in jüngster Zeit allerdings ein spezifisches »außenpolitisches« Projekt, das sich unter dem Stichwort »War On Terror« vollzog, verstanden worden. Die neokonservative Hegemoniekrise ist das Resultat des Scheiterns dieses Projektes. Ihren Auftakt bildete die Katrina-Naturkatastrophe, die den Blick der Öffentlichkeit auf den desolaten inneren Zustand der USA zurücklenkte und die eklatanten Widersprüche im konservativen Lager zum Aufbrechen brachte. Das politische Bündnis im

Inneren, das das neokonservative Projekt stützte – eine durch die Klammer des Irakkriegs zusammengehaltene Allianz aus transnational-freihandels- imperialistisch orientierten Kapitalfraktionen, dem militärisch-industriellen Komplex, der Ölwirtschaft und einer rechtsextremen Massenbasis bestehend aus subalternen christlichen Fundamentalisten und militaristischen Natio- nalisten (teilweise mit widersprüchlichen kleinbürgerlich-globalisierungs- kritischen Weltsichten) –, ist zusammengebrochen und in seine Einzelteile zerfallen. Bei den Kongresswahlen manifestierte sich die Hegemoniekrise des Neokonservatismus schließlich auch politisch-institutionell (vgl. hierzu näher Solty 2007). Dabei sind hinsichtlich des Zerfalls des konservativen Lagers grundsätzlich zwei Möglichkeiten denkbar: Entweder das bloß kurzfristige Auseinanderbrechen seiner heterogenen Einzelteile, das eine kurzfristige Schwächung des Rechtsblocks innerhalb einer langfristig anhaltenden Rechtsentwicklung bedeuten könnte 1 oder die langfristige Destabilisierung und Redynamisierung der einzelnen Blockbestandteile, die damit zum Ge- genstand hegemonialer Neukonfigurierungen werden. Hierfür bedürfte es allerdings politischer Alternativen, eines alternativen historischen Blocks, der die freigewordenen Kräfte unter neuer »geistig-moralischer Führung« integriert. In den USA, die historisch von Zyklen politischer Lagerdominanz gekennzeichnet sind, 2 würde sich eine solche Entwicklung mittelfristig auch in der politischen Landschaft widerspiegeln. Um dies zu verstehen, muss man sich die Besonderheiten des politischen Systems der USA vergegenwärtigen. Denn im Unterschied zu Ländern mit (relativen) Proporzwahlsystemen hat sich z.B. die im Gefolge der Kulturre- volution von 1968 aufgestiegene Massenbildungsschicht keine eigene poli- tische Form gegeben. Wenn derartige Versuch trotzdem einmal unternommen wurde, mussten sie angesichts der Spezifik des amerikanischen Wahlsystems bedeutungslos bleiben. Dabei gefährdeten sie im Falle von unabhängigen Präsidentschaftskandidaturen (Ralph Nader, Ross Perot, Patrick J. Buchanan) die Einheit der Linken bzw. der Rechten und verhalfen nicht selten dem Kandidaten vom gegenüberliegenden Spektrum zum Wahlsieg (vgl. hierzu näher Solty 2008a). In der Regel organisieren sich diese Klassenfraktionen und Milieus, sofern ihre Einbindung nicht scheitert, daher traditionell als

1 Dies ist die These von Robert Brenner (2007a).

2 Die Republikaner dominierten die Politik der USA bis zur Bildung der New-Deal-Koalition in den 1930er Jahren. Die damit einsetzende strukturelle Hegemonie der Demokraten endete mit dem Zusammenbruch der New-Deal-Koalition und leitete eine lange Phase selten unter- brochener republikanischer Dominanz ein, die bis heute anhält.

Elemente innerhalb der beiden Großparteien und müssen politisch stets neu integriert werden. Und insofern die US-Parteien keine Programm- und Massenparteien mit berufspolitischen Profilen sind, sondern eher den Hono- ratiorensystemen des Frühliberalismus entsprechen, bei dem auch politische Seiteneinstiege mit entsprechendem Privatvermögen befördert werden, 3 findet diese Integration nur in Ausnahmefällen qua Institutionalisierung als Parteiflügel statt, sondern vielmehr in Form kurzfristiger Wahlmobili- sierungen. In Ermangelung eines Listenwahlrecht muss diese wiederum von den integrativen Kapazitäten des jeweiligen Präsidentschaftskandidaten – wie z.B. durch Wahlversprechen wie der Zurücknahme der 1973er Roe-v.- Wade-Entscheidung des Obersten Gerichtshofes 4 oder durch die strategische Auswahl des Vizepräsidenten geleistet werden. 5 Auf die Bedeutung der Swing-States im politischen Alles-oder-nichts- System der USA ist in wahlarithmetischen Artikeln, die i.d.R. aus den wahlstrategischen Abteilungen der Republikaner oder der Demokraten selbst stammen, häufig hingewiesen worden. Weniger bekannt ist, dass Wahlen nicht notwendigerweise gewonnen, sondern häufig gerade durch die mangelnde Integrationskraft und konsequente Wahlenthaltung ganzer Klassenfraktionen und Milieus verloren werden. Für den amerikanischen Konservatismus bedeutet dies, dass die Quadratur des Kreises eines Bünd- nisses aus äußerst widersprüchlichen sozialen Kräften gemeistert werden muss. An deren Ende entsteht eine Allianz zwischen den großbürgerlichen Freihandelsimperialisten, der (unilateral-)militaristischen Rüstungswirtschaft und der Öllobby einerseits und einer rechten bis rechtsextremen Massenbasis andererseits – von sozialen Abstiegsängsten geplagte Paläokonservative (im Stil von Buchanan), ebenfalls imperialismuskritische, rechtslibertär-fiskal- konservative Antietatisten sowie subalterne und überwiegend protestantische Fundamentalisten. Der Irakkrieg fungierte dabei als Klammer dieses Bünd- nisses. Manche Interpreten sind sogar so weit gegangen, seine Ursachen weniger in geoökonomischen oder -politischen Erwägungen zu suchen, sondern in den inneren politischen Verhältnissen der USA. Demzufolge sei

3 Vgl. hierzu bspw. die Einleitung in Lorenz/Micus 2009.

4 Das als Roe v. Wade bekannte Gerichtsurteil bezeichnet in den USA die Liberalisierung des Abtreibungsrechts, die seither von konservativer Seite heftig bekämpft wird.

5 So wurde zur Mobilisierung der enttäuschten Evangelikalen zunächst die Kirchgängerin und beliebte Ministerin Condoleeza Rice als republikanische Vizepräsidenten ins Spiel gebracht. Deren Nähe zum neokonservativen Projekt ließ John McCain allerdings schließlich eine Entschei- dung zugunsten von Sarah Palin, der »wertkonservativen« Gouverneurin aus dem peripheren Alaska, treffen, was als Versuch der Einbindung dieses Milieus gedacht gewesen ist.

der nach der Enron-Pleite unter Legitimationsdruck geratene Finanzmarkt- kapitalismus durch eine imperialistische »Ablenkungsstrategie« (Charles Beard) gerettet worden (vgl. Bronner 2005; Piven 2004). Unabhängig von den genauen Beweggründe für den Irakkrieg mussten sich die Fliehkräfte in der republikanischen Allianz in jedem Fall bemerkbar machen, sobald die Klammer zerbrach und der Blick sich nach einem Jahrfünft wieder nach innen richtete. Die Hegemoniekrise des (Neo-)Konservatismus ist eine histo- rische Öffnung der politischen Hegemonialkonstellation in den USA, die es so seit dem Zusammenbruch der New-Deal-Koalition 1964/1968 und dem Aufstieg des Rechtsblocks zu einer 40 Jahre währenden Vorherrschaft nicht mehr gegeben hat. Das Krisenbewusstsein im Lager des US-Konservatismus ist dementsprechend ausgeprägt. Autoren wie David Frum (2008a: 2) bspw. beweinen den Verlust einer ganzen Generation für die konservative Sache und mahnen eine konservative Antwort auf die soziale Frage an, indem sie versuchen zu belegen, dass die wachsende soziale Ungleichheit die Hegemo- niefähigkeit des Konservatismus in den USA grundsätzlich untergrabe (Frum 2008b). Es ist aber nicht bloß der Konservatismus, der in den USA in die Krise geraten ist, sondern seine Krise ist gerade Ausdruck des gescheiterten Versuches, die größere ökonomische, politische, ideologische und kulturelle Krise in den USA durch eine imperialistische Außenlösung abzuwenden. Darauf wird zurückzukommen sein.

3. Barack Obama und die Bedingungen charismatischer Herrschaft in den USA

Vor diesem spezifischen historischen Hintergrund eignet sich Barack Obama als Projektionsfolie für eine charismatische Herrscherpersönlichkeit und reitet auf einer Welle fast messianisch zu nennenden Zuspruchs mit einer in der Tat bemerkenswerten Vorwahlmobilisierung. 6 Seine Popularität resultiert

6 Dieser Zuspruch beschränkt sich nicht auf das US-Imperium. Obama entfaltet seine mes- sianische Kraft auch und gerade im Hinblick auf den Großteil der bürgerlichen Öffentlichkeit im europäischen Subimperialismus und wirkt auch – und das ist ein Unterschied zum Afgha- nistankrieg – tief in dessen Zivilgesellschaft hinein. Man vergegenwärtige sich bloß die Bilder des Massenauflaufs bei Obamas Rede vor der Siegessäule in Berlin am 24. Juli 2008, die – wie Wolfgang Fritz Haug bemerkt hat – eigentlich nur mit denen der Antikriegsdemonstrationen am 15. Februar 2003 zu vergleichen sind. Dabei wirkt Obama auch hier als eine bemerkenswerte Projektionsfläche, wobei die unilateralen, aggressiven Misstöne seiner außenpolitischen Reden als Unerfahrenheitslapsus kleingeredet werden. Vgl. hierzu bspw. Spoerl 2008

dabei aus der historischen Krisensituation, die charismatische Herrschaft begünstigt, und seinem Anti-Establishment-Charisma, das sich aus seiner antilobbyistischen Unkorrumpierbarkeits-Rhetorik, seiner vermeintlichen Distanz zur bereits zwei Jahrzehnte währenden Dynastieherrschaft der Bushs und Clintons und nicht zuletzt auch aus seiner Hautfarbe und Biografie speist. Hinzu kommt die spezifische Art und Weise, mit der er die heterogenen und politisch ungeordneten Sehnsüchte nach Wandel bündelt. Die viel kritisierte Vagheit seiner politischen Positionen ist dabei gerade der Schlüssel zu seinem Erfolg: Je vager seine politischen Positionen, umso leichter fällt die Projek- tion, umso fruchtbarer ist seine Botschaft der Einheit in einem ökonomisch, politisch, ideologisch und kulturell seit vier Jahrzehnten stark gespaltenen und polarisierten Land. Die Massenbewegung, die Obama ins Leben gerufen hat, und sein Charisma bedingen sich dabei gegenseitig. Die tendenzielle Auflösung der Spaltungslinien innerhalb des konser- vativen Lagers, die das geronnene politische Geschehen redynamisiert hat, bleibt allerdings prekär. Obamas Strategie beruht darum darauf, die wieder in Bewegung geratenen hegemonialen Einzelteile nicht durch die Bedienung alter Feindbilder in ihre alte verfestigte Form zurückschlagen zu lassen und damit der konservativen Allianz zu einer neuen Einheit qua Polarisierung, z.B. durch einen neuen Kulturkampf, zu verhelfen. Obamas Versuche, den diskursiven Fokus auf die soziale Frage zu legen, hängen mit dieser Tatsache zusammen. Soll der (populistische) Glanz jedoch über den Wahlkampf hinaus andauern, bedarf es eines tragfähigen, kohärenten wirtschaftlichen und politischen Programms, das die USA vor dem Hinter- grund der bestehenden gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse aus ihrer tiefen Krise führen kann. Denn das Charisma bleibt, so Max Weber (1980: 140ff.), an die Bedingung seiner »Bewährung« geknüpft, d.h. dass »seine Führung (…) Wohlergehen für die [charismagläubigen] Beherrschten (bringt)«. Dabei kann die charismatische Herrschaft von Veralltäglichungsprozessen auch profitieren. Denn die Einbindung der lose der charismatischen Führung an- hängenden sozialen Kräfte kann durch bürokratisierte Vermachtung in den Staatsapparaten unter Umständen die Schaffung eines neuen historischen Blocks bedeuten. Auf diese Weise könnte auch der Bestand der charismag- läubigen Massenbewegung als populare Massenbasis erhalten bleiben und hegemonial ausstrahlend auf die in der neokonservativen Hegemoniekrise verflüssigten subalternen Kräfte wirken. Die Alternative wäre die Implosion der popularen Basis, denn diese besteht weitgehend aus einer projizierenden Massengefolgschaft und nicht als kohärent organisierte Interessengruppe.

Die Diskussion um ein neues Herrschaftsprojekt setzt allerdings eine genaue Kenntnis der Kräfteverhältnisse der sozialen Gruppen, auf die dieses sich stützen könnte, voraus, d.h. eine Verständigung über die historische Lage der US-Gesellschaft.

4. Historisches Ende des Überkonsums der US-Arbeiterklasse und Prekarisierung der globalkeynesianischen Funktion der USA

Die gegenwärtige Situation kann nur vor dem Hintergrund des prekär gewor- denen Stellenwerts der USA in der Weltordnung verstanden werden. Auf der einen Seite hat die Transnationalisierung des Kapitals in Form von langfristi- gen und sozial transformierend wirkenden Ausländischen Direktinvestitionen (ADI) zwar zusammen mit der Errichtung oder Funktionserweiterung von global-institutionellen Kohäsionsfaktoren wie der Trilateralen Kommission, der WTO, dem IWF und der Weltbank zu einer größeren Klassenkohärenz innerhalb des asymmetrisch-ultraimperialistischen Blocks geführt (Deppe u.a. 2004). Auf der anderen Seite bestehen aber entgegenwirkende Momente der zwischenimperialistischen Konkurrenz zwischen den nationalstaatlich und wettbewerbsregional verfassten Staats-Zivilgesellschaftskomplexen fort. Diese sind von einem Schwinden der Abhängigkeit der Blöcke voneinander und insbesondere der Bedeutung der USA für den globalen Kapitalismus gekennzeichnet. Das hängt vor allem damit zusammen, dass aufgrund von EU-Osterweiterung und der allmählichen Verlagerung des weltwirt- schaftlichen Zentrums nach Ostasien die Rolle und des Machtfaktors USA als »importer of last resort« (einem globalkeynesianischen Schwamm für Überschusskapital und Überschusswaren) in einer volatilen Weltwirtschaft tendenziell sinkt. Zwar sind Außenhandel und Ausländische Direktinvestiti- onen im Kontext der kapitalistischen Globalisierung rasant angestiegen: 1975 betrug das Gesamtvolumen des Welthandels nach Angaben der WTO noch 876,90 Mrd. US-Dollar, 30 Jahre später belief es sich bereits auf 10.431,00 Mrd. US-Dollar. Jedoch relativiert sich dieses Bild vor dem Hintergrund der Tatsache, dass sich Außenhandel und ADI zum größten Teil innerhalb der formellen Wirtschaftsverbünde NAFTA, Europäische Union oder ASEAN (Plus Three) abspielen. So belief sich der Intrahandel der EU-25 2006 auf 67,3% des Gesamtaußenhandels, während sich im asiatischen (50%) und nordamerikanischen Wirtschaftsraum (53,9%) immerhin noch über die Hälfte des Gesamtaußenhandels als Intrahandel vollzog. Entscheidend ist dabei

allerdings ferner die tendenzielle Entwicklung, denn diese ist von einer sich verringernden Abhängigkeit der Weltwirtschaft von den USA gekennzeich- net. So reduzierte sich der US-Anteil der Exporte am EU-25-Extrahandel zwischen 2000 und 2006 noch einmal von 8,9 auf 7,3% zugunsten einer tendenziellen Verlagerung der EU-Exportpolitik in Richtung Russland und China. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Betrachtung der Importe: Hier be- trug der Intrahandelsanteil der EU-25 2006 insgesamt 64,2% und löste im verbleibenden EU-Extrahandel seit 2000 China (von 2,7 auf 5,1%) die USA (von 7,3 auf 4,6%) als wichtigstem Handelspartner ab, während Russland (von 1,9 auf 3,1%) den USA den dritten Platz als wichtigster Importhan- delspartner streitig macht. Aber nicht nur die EU, sondern auch der ostasiatische Raum lockert seine Abhängigkeit vom US-Markt: So hat die Exportnation China bspw. die USA als wichtigsten Handelspartner Japans abgelöst (der US-Anteil halbierte sich zwischen 2000 und 2006 fast von 19,1 auf 12%, während der chinesische von 14,5 auf 20,5% stieg). Entscheidender aber noch ist die durchaus ver- blüffende Lockerung der japanischen Abhängigkeit vom US-Absatzmarkt, denn auch hier wird der chinesische Binnenmarkt mittelfristig die USA als Hauptabsatzmarkt Japans ablösen (der US-Anteil fiel zwischen 2000 und 2006 von 30 auf 22,6%, während der chinesische sich von 8,9 auf 17,2% fast verdoppelte). 7 Kurzum: Die Tatsache, dass die Handelsintegration der kapitalistischen Globalisierung in erster Linie ein regionales und erst in zweiter Linie ein globales Phänomen ist, relativiert die globalkeynesianische Funktion der USA in der globalen politischen Ökonomie. Hinzu kommt, dass die lang- same Verschiebung des weltwirtschaftlichen Zentrums auf die eurasische Landmasse die Abhängigkeit von den USA ohnehin verringert. Zwar haben sich weder Asien noch die EU als immun gegenüber der von den USA aus- gehenden Finanzkrise gezeigt. Dennoch steigt die »Krisenresistenz« beider Blöcke, was für die Schwellenländer von entscheidender Bedeutung ist. 8 Zudem sollte nicht unterschätzt werden, was in der bürgerlichen Presse be-

7 Alle Zahlen sind diversen WTO-Statistiken entnommen, teilweise wurden eigene Be- rechnungen angestellt. http://www.wto.org/english/res_e/statis_e/its2007_e/its07_world_tra- de_dev_e.htm (stand: 16.8.2008)

8 Vgl. z.B. den Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums vom Juli 2008: »Krisenanfällig- keit von Schwellenländern im Lichte der aktuellen Finanzmarktturbulenzen«, http://www.bun- desfinanzministerium.de/nn_2368/DE/BMF Startseite/Aktuelles/Monatsbericht des BMF/ 2008/07/080715agmb010,templateId=raw,property=publicationFile.pdf (Stand: 16.8.2008)

reits als »Ende der Globalisierung« diskutiert wird (Fischermann u.a. 2008):

Die steigenden Energie- und damit Transportkosten auf die Globalisierung werden tendenziell entschleunigend wirken, die Bedeutung des regionalen Intrahandels durch die wachsende Bedeutung absatzmarktnaher Produk- tionsstätten erhöhen und sowie die Abhängigkeit der Wirtschaftsblöcke voneinander zusätzlich mindern. Die Finanzkrise in den USA, deren Talsohle noch längst nicht durchschrit- ten ist und die auf weitere Bereiche der Realökonomie jenseits der schwer angeschlagenen Bauindustrie überzugreifen droht, hat die Bedeutung der USA als »importer of last resort« noch über diese langfristigen Trends hinaus geschmälert. Denn der (langfristige) Absturz des Dollars und das Ende des auf der Immobilienspekulationsblase beruhenden Überkonsums qua Privathaus- haltsverschuldung (als erster Dimension des US-Triple-Deficits) markieren eine doppelte Zäsur in der Geschichte der USA. Nach innen bedeuten diese Entwicklungen eine Absenkung jenes Konsumniveaus von Arbeitern, das trotz weitgehender Vernichtung der organisierten Arbeiterbewegung auch nach dem Fordismus aufrecht erhaltenen werden konnte. Ermöglicht wurde dieser Umstand erstens durch die Erweiterung der Wochen-, Jahres- und Lebensarbeitszeit, zweitens durch die Feminisierung des Arbeitsmarktes unter neoliberalen Bedingungen, drittens durch die Abwälzung der Kosten des hohen Konsumniveaus auf die Arbeiterklassen der Peripherie (Walmar- tisierung) sowie viertens durch die spekulationsblasengestützte Privathaus- haltsverschuldung. Das Platzen der Blase, die Abwertung des Hauseigen- tums, Zehntausende von Zwangsversteigerungen monatlich, die durch die Dollarschwäche angetriebenen Preissteigerungen von Importwaren und eine Gesamtinflation von 7,5% im Juli 2008 - all das hat zur Folge, dass die US-Arbeiterklasse zum ersten Mal seit der neoliberalen Tendenzwende aufs Heftigste auf ihre objektive (Klassen-)Lage zurückgeworfen ist. Entsprechend ist ihre Aufnahmebereitschaft für die sozialen Deutungsmuster von orga- nischen Intellektuellen der Arbeiterklasse gestiegen. Deren Organisationen haben sich jedoch, wie eingangs erwähnt, trotz oder wegen der Spaltung der US-Gewerkschaften nicht von ihrem historischen Niedergang erholt. Gleichzeitig sinkt mit dem Rückgang der aggregierten Nachfrage, die sich brisanterweise bspw. auch am konjunkturpolitischen Verpuffen der drasti- schen Leitzinssenkungen ablesen lässt, nach außen auch die Relevanz der USA als globaler Konsumtionsschwamm. Zudem malt der sinkende Dollar ferner das Gespenst einer Fluchtbewegung aus dem Dollar an die Wand, die einen weiteren Inflations- und Verarmungsschub zur Folge hätte. Immerhin

verliert die gigantische Masse an US-Staatspapieren- und Dollar-Wäh- rungsreserven in den Depots der ausländischen Zentralbanken und globalen Privatvermögenden, die bisher das irrsinnige US-Leistungsbilanzdefizit (die zweite Dimension des Triple Deficits) gestützt haben, durch die Abwertung des Dollar zunehmend an Wert. 9 Hiermit wird auch für die ölexportierenden Länder die Denominierung ihrer Ölausfuhren in Dollar zum Problem. Der Irakkrieg unterbrach die zunehmende Orientierung der OPEC auf den Euro, denn die Interimsregierung unter der US-Besatzung machte die Entscheidung der Hussein-Regierung, ihre Ölrechnungen zukünftig in Euro abzurechnen, rückgängig. Die Bedeutung dieser Ankündigung für die Entscheidung zum Krieg, die sich auch als Drohung an alle anderen Ölstaaten richtete, darf dabei nicht unterschätzt werden. Jedoch währte die Unterbrechung dieser langfris- tigen Entwicklungstendenz nicht lange. Denn schon auf der OPEC-Konferenz vom 19. November 2007 stand das Thema wieder auf der Tagesordnung und wurde zum ersten Mal offen und breit diskutiert (mit entsprechenden Turbu- lenzen auf den Märkten). Dabei äußerten die Präsidenten Venezuelas, Irans und auch Ecuadors den Wunsch, die OPEC-Staaten vom US-Dollar, einem »wertlosen Stück Papier«, zu befreien. Setzt sich aber die Absetzbewegung vom Dollar durch, dann verlieren die USA mit dem »Ende des Öl-Standards« (Croft 2005) das zentrale Finanzmachtmittel in der globalen politischen Ökonomie, das ihren Überkonsum bisher ermöglicht hat. Währenddessen mehren sich die Anzeichen für eine multi- oder wenigs- tens bipolare Weltwährungsordnung. So erhöht sich der Anteil des Euro an den globalen Finanzreserven und ökonomischen Transaktionen stetig und macht diesen als globale Handelswährung mit dementsprechenden Seigneu- rage-Gewinnen für den Euroraum attraktiver. 10 Schon heute sind ein Viertel aller Devisenreserven Euros, rechnen zahlreiche Staaten – 40 im Vergleich zu 60 – ihren Handel in Euro ab (der Rest hält Währungskörbe) und beläuft sich der Anteil des internationalen Handels, der in Dollar denominiert ist, auf nur noch 60%. Die Deutsche Bank sagt bereits für das Jahr 2010 voraus, dass der Euro einen Handelswährungsanteil zwischen 30 und 40% erreicht haben wird. Dabei droht den USA eine spiralenförmig nach unten verlau- fende Sogwirkung aus sich wechselseitig verstärkenden Ursachen, denn, so

9 Das Leistungsbilanzdefizit der USA ist das höchste der Welt und beträgt rund das Sechs- fache der zwei nachfolgenden Defizitländer Spanien und Großbritannien. 2007 belief es sich auf 731,21 Mrd. US-Dollar, was in etwa 7% des US-BIPs entspricht.

10 Als Seigneurage wird der »Gewinn« bezeichnet, den die emittierenden Notenbanken durch die Differenz von Nennwert und Herstellungskosten eines Zahlungsmittels erzielen.

Michael Schubert, Ökonom bei der Commerzbank: »Meldungen von Zentral- banken über Umschichtungen von Reserven führen an den Finanzmärkten regelmäßig zu Spekulationen, dass sich der Abwertungsdruck auf den Dollar noch verschärft und so in eine kaum noch aufzuhaltende Abwärtsbewegung des Dollars mündet« (zit. nach Kaufmann 2007). Der relative Niedergang der USA ist mithin zwar keine beschlossene Sache. Eines steht aber fest:

Die Handlungsspielräume haben sich für jeden US-Präsidenten drastisch verringert. Dadurch befinden sich die USA heute in einer besonderen Zwickmühle. Denn die binnenökonomisch zur Ankurbelung der Konjunktur notwendige Senkung der Leitzinsen sorgt neben der Bipolarisierung der Währungskons- tellation für einen zusätzlichen Abwärtsdruck auf den Dollar, während sie gleichzeitig den mit Unbehagen beobachteten Ausverkauf fixierter Kapital- werte in den USA befördert. Dementsprechend sorgt die Zinssenkungspolitik der US-Notenbank für zusätzliche Unruhe in den finanzkapitalistischen Kreisen, wohnt dieser doch eine weitere inflationsfördernde, sprich: fi- nanzkapitalentwertende Tendenz inne. Von daher wächst schon jetzt der Druck auf die US-Notenbank, die Zinssätze wieder heraufzusetzen. Damit würde aber die Kreditklemme noch verschärft, während man gleichzeitig die Währungsstabilität auf dem Rücken der Arbeiterklasse und der erodieren- den Mittelschicht austrüge. Die Rückkehr zur neoliberalen Hochzinspolitik, die der Arbeiterbewegung historisch das politische Genick gebrochen hat (Inflationsbekämpfung statt Vollbeschäftigung), ist angesichts der konjunk- turellen Entwicklung, der seit der Fordismuskrise erstmals zurückgekehrten Stagflation und der größten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren politisch also ebenfalls äußerst bedenklich.

5. Ein neuer New Deal gegen den relativen Niedergang der USA und 40 Jahre Republikanerhegemonie?

Vor diesem Hintergrund erscheint für viele undogmatische, d.h. nicht-ne- oliberale Beobachter wie David Harvey (2003: 74ff. u. 209ff.) oder James Kenneth Galbraith (2008) ein »neuer New Deal«, d.h. ein großes öffentliches Investitions- und Beschäftigungsprogramm als der einzige tragfähige Lösungsansatz zur Behebung der doppelten US-Hegemoniekrise, einer He- gemoniekrise im Innern und in der Weltordnung. Dieser »New New Deal« wurde 2005 als Reaktion auf die Katrina-Katastrophe politisch zunächst

in der an Bedeutung gewinnenden linken Wochenzeitschrift The Nation gefordert. Einer relativen Beliebtheit erfreut er sich seither auch unter der von den »New Democrats« enttäuschten moderat linken Klientel, die dem informationsgesellschaftlichen Mantra Clintons »What you earn depends on what you can learn« längst nichts mehr abgewinnen kann. Dabei wären die Erfolgschancen auch für einen solchen Weg durchaus prekär. Denn mit einem Rekonvaleszenzprogramm würde der überstrapazierte US-Staatshaushalt (die dritte Dimension des Triple Deficits) mittelfristig weiter belastet. Hier wäre die Gefahr eines weiteren Wertverlustes des Dol- lars mit all seinen Spinoff-Effekten gegeben. Ein neuer New Deal könnte aber u.U. durch die dringend erforderliche Gesundung der Infrastruktur und eine neue Welle der »inneren Landnahme« zu einem ökonomischen und politischen Selbstläufer werden, indem er die Grundlagen für eine Runde der »Kapitalakkumulation durch erweiterte Reproduktion« im Sinne von David Harvey (1999: 166ff. u. 2003: 108ff.) legt: Erstens durch öffentliche Beschäftigungsprogramme, welche die Beschäftigtenquote erhöhen, die Sozialsysteme entlasten, die Verhandlungsposition der Gewerkschaften verbessern und neben der öffentlichen insgesamt auch die private Nachfrage erhöhen würden. Zweitens durch gezielte öffentliche Investitionen in die bröckelnde Infrastruktur, die die Umlaufzeit des Kapitals verringern, das Bildungsniveau der lohnabhängigen Klassen und Schichten erhöhen und die Arbeitskraftressourcen für einen hochtechnologischen Zukunftssektor (bspw. im Bereich der regenerativen Energien oder der Gentechnologie) schaffen würden. Gezielte öffentliche Investitionen in solche Sektoren, die qua »geistiger Eigentumsrechte« und ökonomischer Skaleneffekte einen Hochlohnsektor schaffen und mit internationaler politischer Anziehungskraft verbinden, könnten auf diese Weise die Zentralität der US-Wirtschaft und des US-Staates in der globalen politischen Ökonomie tendenziell befestigen. Paradoxerweise würde also gerade der abgewertete Dollar der US-Ökonomie zu besonderer Wettbewerbsfähigkeit verhelfen. Harvey ging allerdings nicht davon aus, dass diese Alternative zum relativen Niedergang der USA vor dem Hintergrund der Kräfteverhältnisse der sozialen Klassen in den USA durchzuführen sei. So schrieb er, dass ein neuer New Deal »noch mehr Staatsverschuldung und/oder noch höhere Steuersätze erfordern würde. Das aber wäre genau das, was die herrschenden Klassenkräfte in den USA nicht einmal im Entferntesten in Erwägung ziehen würden. Jeder Politiker, der sich traut, ein solches Paket vorzuschlagen, würde von der kapitalistischen Presse und ihren Ideologen mit allergrößter

Wahrscheinlichkeit fertig gemacht und müsste sich angesichts der geball- ten Macht des Geldes auf sichere Wahlniederlagen gefasst machen« (2003:

76). In dieser Einschätzung irrte sich Harvey allerdings tendenziell, denn mittlerweile wird ein neuer New Deal nicht mehr ausschließlich als Elend bekämpfende und Arbeitermacht stärkende Übergangsforderung von der Linken gefordert. Vielmehr beginnt seine Ausstrahlungskraft allmählich bis weit in die strategisch langfristig denkenden Teile der kapitalistischen Klasse hineinzuwirken. Dabei spiegelt sich hierin eine zunehmende Gewahr- werdung der Hegemoniekrise von Neokonservatismus und Neoliberalismus wider und die Einsicht in die Notwendigkeit, durch eine Adressierung der sozialen Frage dem wachsenden Protektionismus in den USA zu begegnen und dem amerikanischen Freihandelsimperialismus die Massenbasis und Legitimationsgrundlage zu sichern. Ganz konkret für einen neuen New Deal spricht sich aus der kapitalistischen Klasse ferner der New Yorker Bürgermeister, Milliardär und Freihändler Michael Bloomberg aus (2008). Dabei kritisiert er, dass die Krisenbewältigungs- und Konjunkturpolitik der Regierung in Form von Regierungsschecks an die Bevölkerung durch syste- matische keynesianische Investitionen in die Infrastruktur als Grundlage des Zukunftswachstums ersetzt werden müsse. Den progressiven Forderungen nach einem neuen New Deal kommt er recht nahe, wenn er schreibt: »Leider hört man in Washington immer häufiger, dass man schon wieder Schecks rausschicken will, die abermals bloß eine weitere Kauforgie für vor allem im Ausland produzierte Industrieprodukte wie Fernseher und Stereoanlagen finanzieren wird. Das wird unserer Wirtschaft so gut wie gar nichts nützen. Dabei haben wir die Möglichkeit, die Wirtschaft diesmal auf die richtige Weise anzukurbeln – vorausgesetzt, wir wählen einen anderen Ansatz: Mehr Amerikanerinnen und Amerikanern Arbeitsplätze zu verschaffen, die jene Infrastruktur aufbauen, die wir brauchen, um in der globalen Ökonomie wettbewerbsfähig zu sein und die wirtschaftliche Supermacht der Welt zu bleiben. Dieser Ansatz wird sofort wirtschaftliche Früchte tragen, wenn der Kongress entscheidende Projekte fördert, bei denen der Spatenstich im nächsten halben Jahr erfolgen könnte. Hier in New York würde uns eine kurzfristige Finanzspritze erlauben, unsere Fortschritte in Projekten wie der Second-Avenue-U-Bahn, der Verlängerung der Metrolinie 7 und dem Fulton Street Transit Center zu beschleunigen. Investieren wir überall im Land in Projekte dieser Kategorie, dann würden wir die Arbeitslosigkeit senken, das Haushaltsaufkommen der Kommunen und Bundesstaaten erhöhen, die damit zu tun haben, ihren Haushalt in Ordnung zu bringen, und in den nächs-

ten paar Jahrzehnten Milliarden an US-Dollar von privaten Investitionen anlocken. Denkt daran: Der New Deal half uns nicht bloß dabei, aus der Wirtschaftsdepression herauszukommen, er schuf vielmehr die Grundlagen für eine ganze Epoche dynamischen Wirtschaftswachstums.« (2008)

6. Postneoliberale Mindestbedingungen und das Obama-Goolsbee- Projekt

Kann nun der relative Niedergang der USA und die Verschärfung der tiefen inneren Krise nur durch ein solches Programm abgewendet werden, dann muss Obama an dem Anspruch dieses neuen New Deals gemessen werden. Die Erfolgschancen einer dauerhaften charismatischen Führung hängen mit anderen Worten davon ab, wie es ihm gelingt, ein solches Programm umzusetzen. Dabei gilt, dass das »Dollar-Wall-Street-Regime« der USA die materiellen Grundlagen für einen solchen Kurswechsel legt, da es die USA in die einmalige Situation eines Zugriffs auf die globalen Finanzreserven bringt. Paradoxerweise könnten es somit gerade die ausländischen Zentralbanken und Privatvermögen sein, die den USA – allerdings im ökonomischen und politischen Interesse der Kapitalherrschaft weltweit – zu einem neuen Früh- ling verhelfen. Auf diese Weise könnten sie den gescheiterten Versuch hinter sich lassen, den eigenen Niedergang durch die unilaterale Imperialherrschaft auf Kosten anderer Wirtschaftsblöcke abzuwenden. Anders als die europäischen Nationalstaaten sind die USA durch keine Maastricht-Kriterien an ein neoliberales Gesellschaftsmodell gebunden. Aufgrund ihrer globalkeynesianischen Funktion können sie sich als ein- ziges Land der Erde ein Triple Deficit leisten, das andernorts schon längst den IWF mit seinen Strukturanpassungsprogrammen auf den Plan gerufen hätte. Insofern wäre eine solche Richtungsänderung in den USA durchaus im Bereich des Möglichen. Allerdings würde sie in Ermangelung starker sozialer Bewegungen, die auf eine solche Entwicklung drängen und die kooptiert und zur Selbsterneuerung produktiv gemacht werden könnten, den Mut erfordern, mit der neoliberalen Orthodoxie der Politik des ausge- glichenen Staatshaushalts zu brechen. Die Legitimitätskrise des neoliberalen Lagers müsste genutzt werden, um auf der charismatisch-herrschaftlichen Grundlage einer um die Nichtwähler aus der Arbeitermasse erweiterten Basis das Bündnis mit alternativen Partnern, wie z.B. den Gewerkschaften und den geschwächten binnenmarktorientierten Kapitalfraktionen zu suchen.

Tatsache ist, dass eine solche Erneuerung der USA gewaltige Effekten auch auf postneoliberale Konstellationen in Lateinamerika und Europa hätte und unter Umständen die Weltwirtschaft insgesamt aus ihrer ökonomischen und politischen Krise führen könnte. Abseits von Lateinamerika fehlen in den kapitalistischen Kernstaaten des Nordens momentan aber noch die poli- tischen Kräfte für die Kooptation, Selbsteinschreibung und Durchsetzung eines solchen Projektes oder sie befinden sich – wie in Deutschland – erst im Anfangsstadium einer gegenhegemonialen Formierung (Brie 2006: 51ff; Solty 2008b). Die entscheidende Frage hierbei ist, ob neben der notwendigen Bedingung der tiefen Hegemoniekrise in den USA auch die – wenigstens theoretisch – hinreichende Bedingung entsprechender konzeptiv-ideolo- gischer und strategischer Ressourcen auf Seiten Obamas gegeben ist. Gibt es Anzeichen dafür, dass Obama den Mut besitzt, sich neue Bündnispartner jenseits des neoliberalen Blocks zu suchen, mit dem Zentrismus der Clinton- Demokraten zu brechen und der neoliberalen Politik des ausgeglichenen Staatshaushalts eine Absage zu erteilen? Insofern es sich bei einem politischen Wissenschaftsartikel um keine Kriminalgeschichte handelt, kann die Frage mit »nein« beantwortet werden. Denn ungeachtet aller programmatischen Vagheit und dem (wohl bewuss- ten) Mangel an einem spezifischen und kohärenten wirtschaftspolitischen Programm verdichtet sich Barack Obamas politische Grundorientierung zunehmend. Und es zeigt sich: Für den Fall seiner Regierungsübernahme werden die neuen Bündnispartner auch die alten sein. Entscheidend für die politische Ausrichtung der USA unter Obama sind dabei in erster Linie seine Berater. Einige Aufmerksamkeit zog er damit auf sich, dass er sich seit Ende Juli 2008 mit Paul Volcker, dem Zentralbank- präsidenten der neoliberal-monetaristischen Wende, und Robert Rubin zu wirtschaftspolitischen Beratungen traf. 11 Seltener Berücksichtigung finden jedoch Obamas Chefberater, die, was schon nichts Gutes ahnen lässt, fast durchweg Wirtschaftswissenschaftler sind. 12 Und tatsächlich erlaubt die

11 Robert Rubin ist als ehemaliger CEO von Goldmann Sachs und Citigroup der wirtschafts- politische Vordenker der Austeritätspolitik unter Clinton gewesen. An den Beratungen mit Obama beteiligt war auch Anna Burger, die Vorsitzende Change-to-Win-Koalition, die aber genauso wenig wie der organisationspolitisch erfolgreiche SEIU-Vorsitzende Andrew Stern für einen Bruch mit der business-unionistischen, d.h. sozialpartnerschaftlich-wettbewerbskorpo- ratistischen Position innerhalb der Gewerkschaften steht. 12 Einzig und allein John Edwards verzichtete darauf, sich von orthodoxen Ökonomen beraten zu lassen und suchte sich seinen Beraterstab aus dem US-Kongress zusammen, dessen Unterhaus noch eine stärkere populare Anbindung hat.

Auswahl jetzt schon Einblicke in die Zukunft der US-Wirtschaftspolitik einer Obama-Administration. Denn die Kontinuitätslinien zur neoliberalen Clinton-Ära sind unübersehbar. Dabei wundert es, dass es weitgehend uner- wähnt blieb, dass Obama den Walmart-Lobbyisten Jason Furman in seinen Beraterstab aufnahm, während er in den Vorwahlen noch gegen Walmart zu Felde gezogen war und bspw. Hillary Clintons Aufsichtsratstätigkeit bei Walmart scharf gegeißelt hatte. Besonders wichtig für eine Einschätzung der Wirtschaftspolitik Obamas ist allerdings sein bisheriger wirtschaftspolitischer Hauptberater, der junge Chicagoer Ökonom Austan Goolsbee. Dieser ist wirtschaftswissenschaftlicher Kader des 1985 gegründeten Democratic Leadership Council und des vom DLC dirigierten Progressive Policy Institute. Dabei ist die Frage nach Nähe und Distanz zum DLC für eine Einschätzung der zukünftigen Wirtschaftspolitik einer Obama-Administration entscheidend. Denn dessen Funktion bestand in den späten 1980er Jahren darin, in der amerikanischen »Sozialdemokratie« die neoliberale Wende vorzubereiten. Das DLC bildete bald das Netzwerk hinter der Clinton-Politik – Clinton war selber einst dessen Vorsitzender – sowohl im Hinblick auf die Dritte-Wegs-Wirtschafts- als auch die poli- tisch-strategische Orientierung weg vom verhaltenen Klassenkampf. Die neoliberale, progressiv-wettbewerbsstaatliche Ausrichtung des Democratic Leadership Council geht dabei bereits aus dem Statut des DLC hervor, in dem er sich als »Ideenzentrum, Katalysator und nationale Stimme für eine Reformbewegung« charakterisiert, »die die amerikanische Politik jenseits die alte Links-Rechts-Debatte verschiebt (…). [D]as DLC ist bestrebt, ein neues Denken zu entwickeln, das auf fortschrittlichen Idealen, in der Mehrheits- gesellschaft verankerten Werten und innovativen, nicht-bürokratischen, marktorientierten Lösungen beruht, und wirbt dafür um Unterstützung in der Bevölkerung. Zentrale Bausteine dieses Denkens sind drei Grundprin- zipien: die Förderung der Chancengleichheit für alle; die Einforderung von Selbstverantwortung von Jedermann; und die Förderung eines neuen Ge- meinschaftssinns«. Weiter heißt es: »Seit seiner Gründung steht das DLC für eine Politik, die sich von der Förderung von privatwirtschaftlichem Wachs- tum, die fiskalpolitische Verantwortung über eine gemeinwesenorientierte Polizeiarbeit bis hin zur arbeitsbasierten Sozialstaatsreform, dem Ausbau der internationalen Handelsbeziehungen und dem Dienst am Vaterland (national service) erstreckt.« Dabei brüstet man sich damit, dass die »New- Democrat«-Politik der Clinton-Ära »die Wohlfahrtsstaatsbezüge halbierte (…), den Staatshaushalt ausglich und die staatliche Bürokratie auf ihren

geringsten Umfang seit der Kennedy-Administration abbaute.« (2007) Dass das »Jobwunder« der so genannten New Economy unter Clinton dabei nicht nur nicht nachhaltig war, weil es auf der IT-Spekulationsblase beruhte, deren Platzen die Rezession von 2001 hervorrief, sondern mit der verheerenden Temporary Assistance for Needy Families-»Reform« auf einer annähernden Zerstörung der US-Arbeitslosenversicherung und einer enormen Ausweitung eines Zwangsarbeitssystems (»workfare statt welfare«) aufbaute (vgl. Platt 2003), das Hartz IV nicht unähnlich ist, wird dabei verschwiegen. Goolsbee selbst immerhin verschweigt nicht, dass in einem bereits 2006 entworfenen politischem Programm für den DLC und einen möglichen Regierungsantritt die private Aneignung der Produktivitätszuwächse und die folgerichtige verschärfte Einkommens- und Vermögenspolarisierung während der Clinton-Ära zum Ausgangspunkt für die Forderung nach einer »Demokratisierung des Kapitalismus« nimmt. Goolsbees Programm geht somit von der Beobachtung aus, dass sich im (nicht so bezeichneten) Neoliberalismus der letzten 30 Jahre konjunkturzykle- nunabhängig sowohl die Einkommens- als auch die Vermögensverteilung sozial massiv polarisiert hat, was eine Erosion der Mittelschicht und eine Verelendung der Arbeiterklasse zur Folge gehabt hat. Der Schlüssel des Rät- sels sei, dass im Neoliberalismus, in dem die Finanzmärkte ihren Charakter von der Investitionsfinanzierung zur Finanzinvestition gewandelt haben, da hier die höchsten Gewinnspannen zu erwarten sind, den Finanzmärkten eine gewaltige Umverteilungsfunktion von unten nach oben innewohnt. Goolsbees Patenrezept dagegen ist, und das ist mit »Demokratisierung des Kapitalismus« gemeint, die Beteiligung der mittleren und unteren Bevölke- rungsschichten an den Gewinnen der Finanzmärkte. Jene müssten schlicht in die Lage versetzt werden, selber Unternehmensanteile qua Aktien zu erwerben: »Wir Wirtschaftswissenschaftler wissen nicht, ob das Stagnieren der Löhne der letzten Jahre ein dauerhaftes Merkmal unserer Wirtschaft werden wird. Jedenfalls sind die Dividenden der Kapitalinvestitionen so hoch wie niemals zuvor. D.h., wenigstens solange bis Klarheit im Bild der Löhne herrscht, sollte der Fanfarenstoß für Progressive lauten: Demokratisiert die Kapitaleigentümerschaft!« (2006) Die Antwort von Obamas Demokratischer Partei auf die in den Mittel- punkt des Wahlkampfes gerückte soziale Frage ist also das Versprechen einer sozialen Besserstellung von Arbeiterklasse und »Mittelschicht«. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass die USA von einem historischen Sonderweg geprägt sind. Er besteht darin, dass sie als einziges fortgeschrittenes kapitalistisches

Land zwar eine organisierte Arbeiterbewegung, aber keine unabhängige politische Partei der Arbeiterklasse hervorgebracht haben, die den sozial- demokratischen und kommunistischen Parteien Europas vergleichbar wäre. Nichtsdestotrotz hat die Demokratische Partei – v.a. seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, d.h. nach dem Niedergang der unabhängigen Parteien der Arbeiterklasse, der Sozialistischen Partei und der Kommunistischen Partei der USA – die Funktion einer quasisozialdemokratischen Partei erfüllt. Unter »sozialdemokratisch« sei dabei die politische Nähe zur Gewerkschaftsbewe- gung und eine im Verhältnis zur Republikanischen Partei »linkere« Orien- tierung verstanden. Im Sinne von Norberto Bobbio (1994) lässt sich diese als Ausrichtung an einem irgendwie gearteten Gleichheitsbegriff definieren, denn auch der »selbstverantwortlichen Chancengleichheit« des »vorsorgenden Sozialstaats« einer neoliberal transformierten Sozialdemokratie liegt noch eine irgendwie geartete Gleichheitsvorstellung zugrunde. Vor diesem Hintergrund möchte ich im Folgenden als Gedankenexperiment voraussetzen, dass der von Goolsbee geäußerten Kritik an der sozialen Pola- risierung ein »ehrliches« sozialdemokratisches Unrechtsbewusstsein zugrunde liegt oder wenigstens die Vorstellung, dass eine Adressierung, Milderung oder Behebung dieser Polarisierung den institutionellen Machtinteressen der Demokratischen Partei entgegenkäme. Dabei zeigt sich, dass Obama die Marktprobleme der tiefen Krise prinzipiell mit Marktlösungen angehen will und am theologischen Postulat einer selbstregulierten kapitalistischen Gesellschaft nicht wesentlich rüttelt. Stattdessen fällt er mit Aussagen auf wie jener gegenüber dem Fernsehsender CNBC: »Schauen Sie, ich bin ein Befürworter des Wachstums und der freien Märkte. Ich liebe den Markt.« (zitiert nach Konicz 2008) Jedenfalls hat die auf weitere Teile der Realökono- mie ausgreifende Finanzkrise jenseits von verschärften Transparenzauflagen vonseiten der Bush-Administration auf keiner Seite der beiden Parteien zur Einsicht in die Notwendigkeit einer Re-Regulierung der Finanzmärkte geführt. Von einer Re-Regulierung der Finanzmärkte ist im US-Wahlkampf zu keiner Zeit die Rede gewesen. Und doch ist sie Kernbedingung für eine postneoliberale Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung und wird auch eine Milderung der Erosion der »Mittelschicht« und des Elends der US-Arbeiter- klasse jenseits der hochtechnologischen Hochlohnbereiche ohne sie nicht zu haben sein. Schließlich sind ohne eine Re-Regulierung der Finanzmärkte auch die Mittel zur Behebung der neoliberalen sozialen Polarisierungspro- zesse eng begrenzt. Denn wer »A« – Verzicht auf eine Re-Regulierung des Finanzmarktkapitalismus – sagt, muss auch »B« sagen: den staatlichen

Akteuren bleiben ausschließlich redistributive Mittel als sozialpolitische Steuerungsmaßnahmen. Hierbei zeigt sich jedoch, dass die Obama-Administration in spe sich auch noch »künstlich« behindert. Denn alle Anzeichen sprechen dagegen, dass die nicht unwahrscheinliche Obama-Präsidentschaft eine Abkehr von der Politik des ausgeglichenen Staatshaushaltes bedeuten würde. In den USA aber, wo kein »Neuer Konstitutionalismus« die Regierungen zu einer solchen Politik »zwingt« (vgl. Gill 2008) und wo man über die Surplus-Macht des Zugriffes auf die globalen Finanzreserven verfügt, kommt dies einer souveränen Entscheidung für die regulatorische Unmündigkeit des »Neuen Konstitutionalismus« gleich. Eine Obama-Präsidentschaft in den USA wäre eine neoliberale Selbst-Maastrichtisierung. Bislang wird vom Ausland noch toleriert, dass der US-Neokonservatis- mus die besondere Macht der USA ausgenutzt hat, um mit seiner massiven Steuersenkungs-, Aufrüstungs- und Kriegspolitik den US-Haushalt in eine Rekordschieflage gebracht hat, die andernorts längst den IWF mit seinen Strukturanpassungsprogrammen auf den Plan gerufen hätte. 13 Unterdessen übt sich auch Obama darin, den Fiskalkonservatismus der Clinton-Politik fortzusetzen. Dadurch bestätigt er die Beobachtung, dass es eigentlich die von den fiskalkonservativen und rechtslibertären Antietatisten als »tax- and-spend liberals« verschrienen und gehetzten Demokraten sind, die jenen Haushalt neoliberal konsolidieren, den die Republikaner zuvor ins Ungleich- gewicht gebracht haben. Dabei sei einmal dahingestellt, ob Obama dies in vorauseilendem Gehorsam und aus Angst vor dem Stigma eines »tax-and- spend liberals« tut oder ob man diese Politik als Ausdruck der allgemeinen gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse in den USA zu interpretieren hat. So hat Goolsbee zwar angekündigt, dass das US-Haushaltsdefizit keines- falls kurzfristig aufzuheben sei, und bekräftigt, dass »die langfristige Haus- haltsgesundung (…) von entscheidenden Investitionen bspw. zugunsten der Erschwinglichkeit der Hochschulbildung und für die Aus- und Weiterbildung des Arbeitskräftereservoirs und die Infrastruktur des Landes abhängt« (2008), womit er auf das drängende Problem einer Ausbildungsmisere reagiert. Denn die US-Bildungspolitik sieht sich im Kontext der Zurückhaltung der Banken,

13 Die Neuverschuldung der USA betrug in den ersten beiden Quartale 2008 insgesamt 311 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Nettokapitalzufluss von fast 2 Milliarden US-Dol- lar täglich. Die Gesamtverschuldung des US-Staates beläuft sich gegenwärtig auf rund 9.000 Milliarden US-Dollar.

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Studienkredite zur Finanzierung der stetig steigenden Studiengebühren zu verleihen, mit einem drastischen Finanzierungsdesaster der Studierenden und einem Einbruch der Studieneinschreibungen konfrontiert (FAZ, 14.8.2008).

Dabei ist der Staat ohnehin schon als größter Kreditgeber der Privathaushalte – insbesondere bei der Studienfinanzierung – eingesprungen (Goodman 2008). Zudem bewegt sich dieser allgemeine Ansatz der Umschulung und Weiterbildung, d.h. einer sozialpolitischen Nachbereinigung des ungleichen und stetig Arbeitskraft entwertenden kapitalistisch-konkurrenzgetriebenen Entwicklungsprozesses im politisch moderaten Fahrwasser der Institutiona- listischen Politischen Ökonomie. Aus historischer Erfahrung und pragma- tischem Interesse hat diese von John Stuart Mill über Max Weber bis John Maynard Keynes vorsichtige staatsinterventionistische Kurskorrekturen am Marktdogma der mathematisch entpolitisierten Neoklassik formuliert. Dabei wird diese Aus- und Weiterbildungspolitik gelegentlich auch als notwen- diges Beiwerk für die weltwirtschaftliche Integration gesehen, denn – wie der Direktor des Woodrow Wilson International Centers for Scholars in Washington D.C., Lee Hamilton, weitsichtig erkennt – die Beförderung des Freihandels erfordert die Legitimität nach innen, die durch das Anwachsen protektionistischer Stimmungen in den USA prekär geworden ist: »Die US- Unterstützung für weitere wirtschaftliche Verflechtung hat nachgelassen

verstärkt für die Förderung des Frei-

)

(

handels einsetzen. Im großen und ganzen wirkt er sich nämlich zu unserem Vorteil aus. Allerdings müssen seine negativen Begleiterscheinungen durch Umschulungsprogramme und Sozialleistungen für jene abgefedert wer- den, die in schwächeren Sektoren beschäftigt sind.” (Hamilton 2008: 35) Imperialistische Globalisierung und bestimmte sozialpolitische Korrektur- maßnahmen bedingen sich also gegenseitig. Hinzu kommt schließlich, dass das von Goolsbee angepeilte so genannte »reskilling« der »deskilled« auch schon elementarer Bestandteil der »fördernden und fordernden«, progres- siv-wettbewerbsstaatlichen Neosozialdemokratie mit ihrer Ersetzung von Klassenkampf und sozialer Sicherheit durch entpolitisierten Dritten Weg und Vorsorgenden Sozialstaat gewesen ist, für den das DLC genauso steht wie Obama selbst. Dieser versprach Anfang Juli, die materielle und ideelle Förderung der privaten (kirchlichen) Sozialeinrichtungen noch auszubau- en und damit faktisch die neoliberale Privatisierung des Sozialstaats, die ausgerechnet von Bush vernachlässigt worden sei. Bei dieser Gelegenheit begründete Obama seinen Plan mit dem Argument, dass »die heutigen Herausforderungen – angefangen von der Rettung unseres Planeten bis zur

).

Der neue Präsident sollte sich (

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Abschaffung der Armut – heute viel zu groß [seien], als dass sie vom Staat allein gelöst werden können.« Aber auch in anderen Politikbereichen lässt Obama durchblicken, welche Rolle er dem Staat bei der Bekämpfung der ökonomischen, sozialen und zivilgesellschaftlichen Desintegrationskrise zubilligt, nämlich so gut wie keine. Eine ähnliche Marktorientierung und Staatsskepsis beweist er auch in Sachen Energiewende, wo er sich für den Emissionshandel einsetzt, oder in der Debatte um die katastrophale US-Gesundheitsversorgung, bei der ein Fünftel der Bevölkerung über gar keine Versicherung verfügt und ein weiteres Fünftel »unterversichert« ist. Das bedeutet, dass diese Menschen zwar irgendwie versichert, aber dennoch gezwungen sind, zahlreiche Ge- sundheitsleistungen zu verschieben oder ganz darauf zu verzichten, weil sie unbezahlbar geworden sind. Obama hat zwar den Vorschlag Clintons, einen Versicherungszwang einzuführen, kritisiert, weil das Problem nicht mangelnder Wille zur Versicherung, sondern vielmehr mangelnde Finanzres- sourcen seien. Gleichzeitig jedoch distanziert er sich mittlerweile zunehmend von jedwedem Single-Payer-Versicherungssystem als einer Ausweitung von Medicare, der staatlichen Minimal-Gesundheitsversorgung für alte Leute, auf die gesamte Bevölkerung, womit er sich der grundsätzlichen Position des DLC annähert. Und er lässt auch keine Anzeichen erkennen, dass er der Gesundheitsindustrie, die bei Riesenprofiten (Verdreifachung zwischen 2002 und 2006) und mit einem Budget von 2,2 Mrd. US-Dollar mittlerweile zum größten Lobbyisten und Wahlkampffinancier in Washington aufgestiegen ist, 14 die Zähne zeigt. Ohne einen Bruch mit der Macht der Industrie wird ein zwangloses, funktionierendes, universelles Gesundheitssystem jedoch nicht zu haben sein. Wie Obama sein ehrgeiziges Versprechen verwirklichen will, die gesamte Bevölkerung bis zum Ende seiner ersten Legislaturperiode ohne Zwang versichert zu sehen, bleibt somit schleierhaft. Demgegenüber nimmt sich der Vorschlag des gescheiterten Kandidatenbewerbers John Edwards geradezu klassenkämpferisch aus. Dieser sah vor, alle Unternehmen, die für ihre Arbeitnehmer keine Krankenversicherung abschließen, finanziell zu belasten und mit den in einen Fonds einzuzahlenden Mehreinnahmen und staatlichen Zuzahlungen die gesundheitliche Versorgung der Nichtver- sicherten zu sichern. Das Goolsbee-Projekt ist dabei in sich konsequent: Verzichtet man auf die Re-Regulierung der Finanzmärkte, beobachtet man aber doch den ge-

14 Center for Labor Renewal, http://www.centerforlaborrenewal.org (Stand: 17.9.2008)

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waltigen Umverteilungsmechanismus weg von den Produzierenden und hin zu den Finanzjongleuren, der den Finanzmärkten innewohnt, dann liegt die Schlussfolgerung nahe, dass man – von der Intransparenz der Finanzmärkte einmal abstrahierend – die unteren Einkommens- und Mittelschichten, de- ren Spar- und Anlagenquote immer geringer wird, am Kasinokapitalismus und seinen Gewinnen beteiligt. Das sind Forderungen, die sich im Übrigen auch in den Kommentaren der Wirtschaftsseite der FAZ regelmäßig lesen lassen (vgl. z.B. Mohr 2008). Dabei müssen diese Forderungen nicht einmal »sozialdemokratisch« am Wohlergehen der »Masse« orientiert sein, sondern sie können schlicht auch dem klassischen konservativen Gedanken von Louis Bonaparte über Bismarck bis zu Ronald Reagans und George W. Bushs Heimeigentümerpolitik folgen, dass die Eigentumslosigkeit »ordnungspoli- tisch« eine Gefahr bedeutet, da ihr eine »Sozialdemokratisierungstendenz« innewohnt: Wer noch was besitzt, hat noch etwas zu verlieren und streikt nicht, begibt sich nicht in den Klassenkampf. Insofern Goolsbee nicht vorhat, im Bündnis mit den Gewerkschaften deren politische Stärkung zu verfolgen, um ihre Tarifabschlüsse oder Orga- nisationsmachtposition zu verbessern, kann jedenfalls die Ausweitung der Finanzspielräume der unteren und mittleren Einkommensschichten nur noch steuerpolitisch, durch Steuererleichterungen, erreicht werden. Dabei gibt sich Goolsbee in seinem Versuch, die Arbeiterklasse und »Mittelschicht« als Sparer und (Klein-)Anleger zu kapitalistischen Investoren zu machen, radikal: Er fordert, über das gegenfinanzierende Auslaufenlassen der Steuersenkungs- pakete von Bush sen. und jr. für die Reichen hinauszugehen (Goolsbee 2006). Gegen diese hatte selbst John McCain in den zwei Kongressabstimmungen gestimmt, der die oppositionelle Haltung dazu erst unter dem Druck von rechts – insbesondere von Rush Limbaugh – aufgab.

7. Bedingungen des konzeptiv-ideologischen Scheiterns:

Das Obama-Amerika als neoliberale Selbst-Maastrichtisierung

Die Effekte solcher Maßnahmen – und damit die wirtschaftspolitischen Unterschiede zwischen Demokraten und Republikanern – sind in den USA krass überschätzt und als Folgen von steuerpolitischen Entscheidungen interpretiert worden. Und doch: Selbst wenn – im besten Falle – solche faktischen Steuererhöhungen für die kapitalistische Klasse und Steuersen- kungen für die Armen nicht bereits im Vorfeld am Widerstand der »powers

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that be« scheitern sollten, die sich dabei die »verblendeten« subalternen Rechtslibertären vor den Karren spannen könnten, würden sie kaum etwas an den drastischen Verelendungsprozessen der US-Arbeiterklasse und der Erosion der Mittelschicht ändern. Denn der finanzielle Spielraum, der so für die unteren und mittleren Einkommensschichten entstünde, würde durch fünf historische Prozesse gleich wieder zugeschüttet: So hat erstens die Dollarabwertung zur Folge, dass die globale Inflation (mit ihren katastro- phalen Konsequenzen in der Peripherie) die US-Bevölkerung im Verhältnis zu den anderen fortgeschritten kapitalistischen Ländern doppelt trifft (in den USA steht sie momentan bei 7,5% 15 ). Zweitens bedeutet der Zusammen- bruch der Immobilienspekulationsblase, wie weiter oben ausgeführt, dass der »Überkonsum« der US-Bevölkerung qua Privathaushaltsverschuldung auf der Grundlage überbewerteten Hauseigentums (im Zusammenspiel mit der Dollar-Abwertung) an sein historisches Ende geraten ist. Zusätzliches Einkommen hätte zunächst diesen Konsumtionsquellenverlust aufzuwiegen. Drittens schwächt im Kontext der seit der Fordismuskrise erstmals wiederge- kehrten Stagflation die sprunghaft auf (offiziell geschönte) 6,1% angestiegene Arbeitslosigkeit, dem höchsten gemeldeten Stand seit 2003, die Marktmacht der Arbeiterklasse noch über ihre historische Schwäche hinaus und sorgt für zusätzlichen Druck auf die Löhne. Viertens zeigt sich schon jetzt, dass die Konjunkturprogramme der Republikaner wie auch der Demokraten, die sich im Wesentlichen nur durch ihr Verhältnis von Steuersenkungen und direkten Finanzspritzen unterscheiden, durch den Wegfall (steuerpflichtiger) Beschäftigungsverhältnisse auf der kommunalen und bundesstaatlichen Ebe- ne neutralisiert werden. Die meisten Kommunen und Einzelstaaten, die seit der Reform Clintons für die Arbeitslosenversicherung zuständig sind, weigern sich nämlich, die durch die Wirtschaftskrisen bedingten Steuerausfälle durch Steuererhöhungen aufzufangen und rationalisieren als Notbehelf daher nun öffentliche Beschäftigungsverhältnisse weg. Fünftens schließlich hängt das Zusammenspiel aus konjunkturpolitisch verpuffenden Leitzinssenkungen, die unter normalen Umständen das Investitionsaufkommen und damit die Markt- macht der Arbeiter stärken würden, und der daraus erwachsenden Gefahr

15 Dabei geht Kevin Phillips davon aus, dass die Inflation in den USA durch die offiziellen Statistikbehörden historisch geschönt worden ist, indem bspw. der Konsumtionswandel aufgrund von gestiegenen Lebensmittelpreisen (Hühnchen statt Rindersteak) durch die Ausklammerung der Steakproduktion nicht berücksichtigt wird (Phillips 2008).

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einer Fluchtbewegung aus dem Dollar noch als ein weiteres Damoklesschwert über dem privaten wie staatlichen Gesamtüberkonsum der USA. Kurzum: Mit all ihren möglichen klassenpolitischen Konsequenzen haben Finanzkrise und drohende Rezession die USA an den historischen Wendepunkt eines Endes des trotz sinkender oder stagnierender Reallöhne gehaltenen Arbeiterkonsumniveaus gebracht. Da mit der eingebrochenen aggregierten Nachfrage im Privatsektor der eine Teil der weltwirtschaftlichen Funktion der USA als »importer of last resort« wegzubrechen droht, würden die Steuererleichterungen Obamas und Goolsbees für die Armen wenig am Status quo ändern. Nochmals: Abhilfe für die drastischen Verelendungspro- zesse der Arbeiterklasse und für die auch subjektiv fundamental durchschla- gende Proletarisierung der Mittelschicht ist nicht in Sicht. Zudem stellt sich die Frage nach der Gegenfinanzierung solcher Maß- nahmen. Denn Barack Obama geht in seiner fiskalkonservativen Grundo- rientierung noch weiter als sein Chefberater und macht sich für die Wie- dereinführung der PAYGO-Politik stark, welche die Haushaltsverschuldung ohne Gegenfinanzierungen gesetzlich verbieten soll. Damit schwächt sich die redistributive Politik noch zusätzlich selbst, denn die drohende Rezes- sion wird die Finanzkrise des US-Staates verschärfen und die finanziellen Spielräume drastisch einengen. Denn während im Kontext der Krise die finanzielle Belastung der Ar- beitslosenversicherung zwangsläufig ansteigen wird, müssen auch noch die Kosten für Medicaid, die staatliche Minimalgesundheitsversorgung für die Armen, geschultert werden. Hinzu kommt weiterhin, dass sich die USA mit der Renteneintrittswelle der Baby-Boomer-Generation auf eine gewaltige Kostenlawine im Bereich Medicare, der staatlichen Gesundheitsversorgung für Rentner und Behinderte, zubewegen. Mit anderen Worten: Selbst wenn sich die PAYGO-Politik im besten Fall nur auf die Neuverschuldung bezieht und in anderen Haushaltsbereichen gekürzt wird, um bspw. Steuererleichterungen für die Armen möglich zu machen (Obama denkt z.B. an die Raumfahrt), wird sich eine Obama-Ad- ministration bald in den Fängen einer drastischen Krise der Staatsfinanzen wiederfinden. Es werden »Sachzwänge« auftreten, die jene Kräfte im DLC beflügeln, die schon jetzt auf weitere Leistungskürzungen in den Bereichen Medicare, Medicaid und Rentenversicherung zur Lösung der anstehenden Budgetprobleme drängen (vgl. das in Zusammenarbeit mit der neoliberalen Heritage Foundation entstandene DLC 2008). Vielleicht erklärt sich hieraus, dass der Präsident des DLC, Al From, Obama bereits im Frühjahr, als der

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DLC politisch noch auf Clinton setzen konnte, Obama bereits siegesgewiss für sich reklamierte (Horowitz 2008).

8. Dimensionen des inneren Imperialismusdrucks

Vor dem Hintergrund dieser inneren ökonomischen und politischen Zwänge wird die imperialistische Kontinuität gewahrt bleiben. Zwar wird der Druck auf die EU-Regierungen wachsen, sich wieder in die subalterne, subim- perialistische Position innerhalb des asymmetrischen Ultraimperialismus unter Führung der USA einzureihen. Aber selbst wenn es aus spezifischen Gründen tatsächlich zu einer Veränderung der Mittel kommt, werden die Ziele der US-Außenpolitik, bei der die US-Präsidenten im amerikanischen Checks-and-Balances-System traditionell die größten Spielräume besitzen, weitgehend gleich bleiben müssen. Denn objektiv bleibt der spezifische innere Imperialismusdruck bestehen. Dieser besitzt seine Haupttriebkräf- te in dem durch den Kongress auch nach den Wahlen von 2006 (bspw. in Haushaltsfragen) noch gestützten, ökonomisch, politisch wie kulturell bedeutsamen militärisch-industriellen Komplex sowie dem Scheitern einer politischen Wende hin zur regenerativen Energieunabhängigkeit an der fiskalkonservativen Orientierung. Die Anbahnung einer solchen Wende würde nicht nur eine scharfe Auseinandersetzung mit der Öllobby und ei- ner ganzen ölbasierten Wirtschaftsweise, sondern auch enorme öffentliche Investitionen in Forschung und Entwicklung erfordern. Zwar bekennt sich Obama grundsätzlich zur Energiewende und tritt als Lobbyist der agroka- pitalistischen Biospritproduzenten auf, die er mit Sondersteuern gegen die Ölindustrie quersubventionieren will (Rupp 2008). Aber seine »innovativen« Maßnahmen für die Energiewende sind im Kern marktförmig, so z.B., wenn er private Unternehmen wie General Motors durch staatliche Steuerver- günstigungsanreize dazu bringen will, in treibstoffeffiziente Serienautos zu investieren. 16 Dabei ist es hinsichtlich der Diskussion um den inneren Imperialismus- druck einer ölbasierten Wirtschaftsweise nicht einmal entscheidend, zu

16 Zudem hat Obama seine Verve in Sachen Energiewende durch stetige Zugeständnisse an den Status quo eingebüßt. So hat er im Sommer 2008 seine ursprüngliche Gegnerschaft zur Nutzung der Kernenergie und sogar zur Erschließung bisher unter Naturschutz gestellter Räume für Ölbohrungen – z.B. vor der Küste Floridas – aufgegeben.

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welcher analytischen Schlussfolgerung man hinsichtlich der gesellschaft- lichen Triebkräfte hinter dem Irakkrieg gekommen ist. Seien diese nun (a) ein sozusagen partikulares Partikularinteresse einer US-Ölwirtschaft mit dem machtstrukturellen Zugang zur politischen Macht unter Bush (Halliburton & Co.), was eine »instrumentalistische Staatstheorie« zugrunde legen würde und im Hinblick auf das politische System der USA, in dem die »relative Autono- mie des Staates« deutlich geringer ausgeprägt ist, Plausibilität geltend ma- chen kann. Oder sei dieses nun (b) ein nationales, aber wenigstens auf einer Verdichtung der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse insgesamt beruhendes, »ideell-gesamtkapitalistisches« Interesse an der geopolitischen Kontrolle des Öls und seiner Seigneurage-Gewinne, was eine relationale Staatstheorie und den Gedanken der »relativen Autonomie« auch in Bezug auf den US-Staat voraussetzen würde. Oder aber seien diese (c) das Interesse des US-Staates in seiner Funktion als Manager des globalen Kapitalismus zur Brechung des OPEC-Kartells, zur Sicherung der fossil-energetischen Grundlagen der global- kapitalistischen Konjunktur insgesamt und der gewaltsamen Aufschließung der durch Schuldknechtschaft und Strukturanpassungsprogramme nicht beizukommenden Ölstaaten für die private Kapitalakkumulation und Profit- produktion. Denn in jeder der drei Perspektiven müsste der US-Staat schon allein im Hinblick auf die energetischen Grundlagen des Wirtschaftens auch weiterhin seiner imperialistischen »Tradition« folgen. Konsequenterweise hat auch Obama in seiner Grundsatzrede zur Außenpolitik vom 15. Juli 2008 die »Energiesicherheit« zu einer von fünf Prioritäten erhoben, woraus sich im Kontext des Scheiterns einer wirklichen, nicht-marktförmigen Energie- wende spezifische geopolitische Konsequenzen ergeben. Denn die aufgrund der Lebensmittelverteuerung ohnehin umstrittene Agrospritproduktion, die Obama – wie gesagt – quersubventionieren will, ist in ihrer Bedeutung sowohl im Hinblick auf ihren Energieertragsanteil als auch in Hinblick auf ihre Effizienz eine zu vernachlässigende Größe. Zudem lohnt es sich, sich in Europa daran zu erinnern, dass Obamas frühe Gegnerschaft zum Irakkrieg keineswegs mit Antiimperialismus oder wenigstens mit einem auf »soft power« basierten Multilateralismus gleich- zusetzen ist. Denn Obama ist kein prinzipieller Kriegsgegner, sondern nach eigener Aussage nur ein Gegner von »dummen Kriegen«. Wie viele ehemalige Präsidenten auch lässt er sich von Zbigniew Brzezinski beraten, der Europa für einen »Brückenkopf« auf der eurasischen Landmasse hält und deshalb der NATO-Osterweiterung (sowie Truppen- oder Raketenstationierungen in Tschechien, Polen, der Ukraine und im Kaukasus) einen Vorrang vor

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der der EU einräumt. Und auch (neo-)konservative Hardliner reiben sich gelegentlich verwundert und frohlockend die Augen, wenn Obama die quantitative Aufstockung der US-Armee (wer wird das wohl bezahlen?) und die Ausweitung der Truppenpräsenz in Afghanistan fordert. Oder wenn er bemerkenswert aggressive Töne gegenüber Pakistan und Iran anschlägt (z.B. die Entschlossenheit, al-Qaida auch ohne Erlaubnis der pakistanischen Regierung auf deren Hoheitsgebiet verfolgen oder das iranische Atompro- gramm »um jeden Preis«, d.h. auf Grundlage der Präventivkriegsdoktrin von Bush, verhindern zu wollen 17 ). So wird gerne gefrotzelt, dass man es offenbar mit einem Kandidaten zur politischen Rechten von George W. Bush zu tun habe. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt aus einer verhalten neokonservatismuskritischen Haltung der Neorealist Robert Kagan (2007), während sich ein früherer konzeptiver Ideologe der Neocons, Francis Fu- kuyama, als Obama-Anhänger geoutet hat. Tatsache ist jedenfalls, dass die schlichte »Umgruppierung der Truppen« (Norman Paech) – weg vom Irak und hin nach Afghanistan – keinen wirklichen Bruch mit der Außenpolitik von George W. Bush bedeutet. Im projizierenden Europa schließlich sind derlei Misstöne im »multilate- ralen« Ohr in der Regel als außenpolitische Unerfahrenheit abgetan worden. Demgegenüber verspricht sich die transatlantisch-konservative Presse schon jetzt eine schlichte Verbesserung der EU-Position innerhalb des US-Imperi- ums und – beflügelt durch die Einladung des irakischen Präsidenten Nouri al-Maliki – eine Partizipation an der Irakbeute. Dabei mag Obama im Übrigen Recht behalten, dass der Irakkrieg »dumm« gewesen ist, da er zwar die Profite der privaten Ölmultis gewaltig gesteigert hat, aber mit der Rückkehr der Stagflation in einer ölbasierten Weltwirtschaft gleichzeitig das wirtschaftliche und politische Grundgerüst der globalen politischen Ökonomie insgesamt ins Wanken gebracht hat. Der Krieg ist beispielsweise in jenem Moment dumm geworden, als der Entmachtung des Ölstaates Irak durch die Teilreprivatisierung der Weg geebnet wurde. Obama mag es sich zur Aufgabe machen, gegen die partikularistischen Fraktions- interessen des von Bush privilegierten Südstaaten-Kapitals den US-Staat als Ganzen wieder zum »ideellen Gesamtkapitalisten« wenigstens der USA,

17 Al-Qaida könnte sich wohl keinen besseren Bündnispartner wünschen als einen »ver- rückten« US-Präsidenten, der einen souveränen Atomstaat mit einer mächtigen islamistischen Opposition angreift, deren politische Schwächung im Kontext der letzten Wahlen durch solcherlei Ankündigungen und/oder Maßnahmen gleich umgekehrt werden mag.

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wenn nicht der Welt zu machen. Und dennoch wird der innere Imperia- lismusdruck ohne eine Wende der energetisch-stofflichen Grundlagen der Weltwirtschaft nicht abnehmen. Auch die Notwendigkeit, den »Bumerang« von den nicht-integrierten Rändern des globalen Kapitalismus und Slum- planeten im Zaum zu halten, wird bei Aufrechterhaltung der neoliberalen Weltordnung, fortbestehen. Ob die USA aber weiterhin Zugriff auf die globalen Finanzreserven haben werden, die notwendig sind, das US-Imperium (auch im Interesse des trans- nationalen Kapitals) aufrechtzuerhalten, scheint aus den oben genannten Gründen fraglich. Nun besteht zwar noch keine ernsthafte Konkurrenz oder Alternative zum US-Imperium: Der EU-Block als am meisten ernstzuneh- mender Konkurrent steckt in der politischen Krise und es mangelt ihm zudem an den politischen und militärischen Kapazitäten sowie dem Willen zur Konfrontation (Cafruny/Ryner 2008). Und doch drängen die verschobenen globalen Kräfteverhältnisse zwischen den Staats-Zivilgesellschaftskomple- xen und Wettbewerbsregionen seit der Ära Bush der EU eine machtvollere Position auf (Altvater/Mahnkopf 2007). Von daher ist eine Rückkehr zum Status quo ante vor dem Hintergrund der neuen Kräftekonstellation kaum vorstellbar. Hinzu kommt, dass die Aufrechterhaltung des neuen Imperialis- mus unter der Führung der USA davon abhängt, wie es diesen gelingt, eine zunehmend protektionistisch orientierte und kriegsmüde Bevölkerung hinter dem gewaltförmig durchgesetzten Projekt des Freihandelsimperialismus zu versammeln. So erkennt auch Lee Hamilton, der Direktor des Woodrow Wilson International Center for Scholars in Washington D.C., den von der Bush-Administration missachteten historischen Zusammenhang zwischen Imperialismus und Sozialpolitik (vgl. zu dieser Missachtung näher Piven 2004: 3f.) und mahnt Obama: »Die Außenpolitik des Präsidenten sollte im Inland eine starke Basis haben, die den Ansichten der Amerikaner Rechnung

trägt. Was in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht in den USA passiert, ist für den Erfolg unserer Außenpolitik ebenso wichtig wie das, was in der

In jüngster Zeit deuten einige Signale darauf hin, dass die

ökonomische Bedeutung der USA abnimmt. (

glauben, dass das Land in die falsche Richtung steuert. (

Mehr als 80% der Amerikaner

) Ohne die Unter-

Welt geschieht. (

)

)

stützung durch das amerikanische Volk aber ist amerikanische Außenpolitik sehr problematisch und auf längere Sicht wahrscheinlich sogar unmöglich.” (2008: 36f.) Die neoliberale Selbst-Maastrichtisierung vermeidet aber gerade eine Reorganisierung neoliberaler Hegemonie als politische Herrschaft auf der Grundlage von Konsens und aktivem Zuspruch.

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9. Barack Obama und die politische Linke: Der neue New Deal als gestutzte Alternative

Eine Rettung nach vorne durch ein Ende der »Rubinomics« – und einen neuen »New Deal« wird es vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Kräf- teverhältnisse, der konzeptiv-ideologischen Ressourcen und der strategischen Orientierung von Barack Obama nicht geben. Mit seinen austeritätspoli- tischen Zielsetzungen und dem Fehlen einer popularen klassenkämpferischen Position, die sich nicht davor scheut, sich die »powers that be« zum Feind zu machen, steht Obama der Verwirklichung eines solchen Großprojektes selbst im Weg. Sein Einknicken vor den »powers that be« vergeudet dabei extern wie intern die Chance einer Rekonstitution der US-Hegemonie, die – wie jede nicht-militaristische keynesianische Konjunkturpolitik – als (gewünschten oder unerwünschten) Nebeneffekt die Verbesserung der Kampfposition der US-Arbeiterklasse zur Folge hätte und somit als progressiv einzuschätzen wäre. Denn der Bruch mit der neoliberalen Politik des ausgeglichenen Staatshaushalts, die Re-Regulierung des Finanzmarktkapitalismus und die Überwindung des Neoliberalismus sind Grundbedingungen für eine Strategie des Sozialismus im 21. Jahrhundert überhaupt. Eine solche Wende in den USA hätte sich dabei auch allein aus einem bornierten institutionellen Interesse der Demokratischen Partei ergeben können. Dieses hätte darin bestehen können, die 40 Jahre währende Do- minanz der Republikanischen Partei zu brechen, dieser die Kontrolle über den Geißelungsbegriff der »Moral« zu entreißen (vgl. Wolff 2005) und einen neuen alternativen historischen Block unter dem Dach der Demokratischen Partei zu organisieren. Ähnlich der historischen New-Deal-Koalition hätte er auch die signifikante christlich-fundamentalistische Bevölkerungsschicht oder Teile von ihr unter neuer »geistig-moralischer Führung« mit klassenba- sierten Solidaritätsformen in eine sozioökonomisch fortschrittliche Allianz einbinden können. 18

18 Dahinter steckt nicht nur Wunschdenken, denn es ist – wie bereits weiter oben ange- deutet – eine empirisch belegte Tatsache, dass christlich-fundamentalistische Gesinnung und gewerkschaftlich-progressive Orientierung sich nicht wechselseitig ausschließen, da – wie Rainer Rilling in seiner Analyse der Kongresswahlen herausgestrichen hat – es insofern eine bemerkenswerte Korrelation zwischen klassenbasierter Solidaritätsform und progressiver Orientierung gibt, als »unter den weißen ›wiedergeborenen‹ Christen (die mit 41 Punkten Vor- sprung republikanisch wählten) die gewerkschaftlich Organisierten mit 15 Punkten Vorsprung demokratisch wählten.« (2006)

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Dass die Chance der Öffnung der Hegemoniekrise des (Neo-)Konserva- tismus, deren baldige Schließung nach einer demokratischen Enttäuschung unter diesen Umständen nicht unwahrscheinlich ist, nicht genutzt wurde, daran trägt auch die amerikanische Linke eine gewisse Mitschuld. Denn der Wahlkampf ist trotz der historischen Umbruchsituation von der ei- nen Hälfte der antikapitalistischen Linken eigentlich schon von Anfang an weitgehend ignoriert oder mit Spott überzogen worden, während die andere Hälfte der antikapitalistischen Linken dem Obamamania-Ticket mit teilweise erschreckend großen Illusionen aufgesessen ist (dies gilt z.B. für ansonsten so scharfsinnige Beobachterinnen wie Frances Fox Piven oder Barbara Ehrenreich). Dabei hängt die Spaltung der antikapitalistischen Linken mit der bis heute nicht gelösten und drängenden Frage einer tragfähigen »revolutionären« Strategie zusammen, die sich des Scheiterns sowohl der insurrektionistischen als auch der gradualistischen Flügel der Arbeiterbewegungsparteien vor dem spezifischen Hintergrund des »amerikanischen Sonderwegs« bewusst ist. In den USA bedeutet das vor allem, die Relevanz der politischen Sphäre, die Frage der »Eroberung der politischen Macht«, was auch immer das heute heißen mag, zu erkennen (was sich seit dem Left Forum 2006 und einer einhelligen Kritik der Single-Issue- und Netzwerkansätze nunmehr anbah- nt) und in der Folge die entscheidende Diskussion um die aussichtsreichere Strategie – Drittparteien- oder Entristenstrategie – zu führen. Dabei hat Mike Davis durchaus recht, wenn er sagt, dass die letzten 20 Jahre von einer fulminanten Rechtswende der Demokratischen Partei gekennzeichnet gewesen sind, bei der die politische Macht zentralisiert worden ist (vgl. Davis 2007). Der DLC ist für diese Entdemokratisierung der Demokratischen Partei ein entscheidender Hebel gewesen. Dennoch gibt es ohne die Aussicht auf eine Wahlrechtsreform bisher noch keine Alternative zu einer entristischen Strategie. Genauso wie der integrale kapitalistische Staat nicht von außen zu brechen ist und hegemoniale Auseinandersetzungen im Staat gegen den Staat stattfinden müssen, müssen die hegemonialen Auseinandersetzungen in der Demokratischen Partei gegen die Demokratische Partei geführt wer- den (Solty 2008a). Dabei gilt es für die Linke, insbesondere im US-Kongress die verhältnismäßig starken Progressive und Out of Iraq-Plattformen zu stärken und auf der Grundlage der Einsicht von Wolfgang Abendroth, dass sich sozialer und politischer Fortschritt niemals ohne die organisierte Arbeiterbewegung ergibt, das Bündnis mit den progressivsten Elementen der Gewerkschaftsbewegung zu suchen und von dieser aus wiederum als

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umfassend soziale, politische und nicht allein ökonomische Bewegung auf andere soziale Bewegungen auszustrahlen. Der gewerkschaftslinke Think Tank Center for Labor Renewal um den stets zwischen einer Drittparteienstrategie und einer neuen Regenbogenko- alition strategisch oszillierenden Bill Fletcher Jr. hat lange vor den Wahlen vorgemacht, wie dies funktionieren könnte und eine Strategie skizziert, die zu verfolgen sich gelohnt hätte. So sah man als »Masterplan« vor, zunächst im alten AFL-CIO und der Change-to-Win-Koalition einen von unten angestoßenen innergewerkschaftlichen Kampf gegen die sozialpart- nerschaftlich-wettbewerbsstaatliche und imperialistische Orientierung der Gewerkschaften zu führen. Diese erwies sich dabei bspw. bei der Entstehung einer klaren gewerkschaftlichen Antikriegsposition durch den Druck von US Labor Against War und ähnlichen Initiativen als erfolgversprechend, was vor dem Hintergrund der historischen und strukturellen Einbindung der Metallarbeiter in den militärisch-industriellen Komplex und in das US-Imperium seit 1945 alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Im Anschluss sollte dann von diesen inneren Machtbastionen Druck auf die eigenen Gewerkschaftsführungen ausgeübt werden, mit der Tradition der voraussetzungslosen Unterstützung der Demokratischen Partei zu brechen, die neben der Forderung nach einer drastischen Anhebung der für Orga- nisierungsbestrebungen verwendeten Mittel bekanntlich ein wesentlicher Grund für die Spaltung der Gewerkschaften gewesen ist (vgl. zu den Ursa- chen näher Greven 2006; Solty 2006). Stattdessen sollte die Unterstützung eines demokratischen Kandidaten von der Orientierung an gewerkschaft- lichen Grundforderungen abhängig gemacht werden. Bereits im Vorfeld der Vorwahlen und nicht erst im Anschluss sollte man sich damit für die Unterstützung des gewerkschaftsfreundlichsten Kandidaten entscheiden, womit im Falle der Vorwahlen 2007/2008 John Edwards (oder sogar Den- nis Kucinich) gemeint gewesen wäre. Hiermit verband sich die realistische Hoffnung, erstens die Gewerkschaften als politische Kraft wieder sichtbar zu machen, zweitens die Chancen des progressivsten Kandidaten während der Vorwahlen deutlich zu verbessern, drittens den Wahldiskurs stärker auf die soziale und die Gewerkschaftsfrage zu lenken und viertens Druck auf die übrigen Kandidaten auszuüben, um für die nachträgliche Unterstützung der Gewerkschaften im Falle ihres Sieges zu werben. Die historische Chance einer Verwandlung der Hegemoniekrise des Neo- konservatismus in eine wirkliche Hegemoniekrise des Neoliberalismus, die die Konstruktion eines alternativen historischen Blocks zur Voraussetzung

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hat, scheint verpasst worden zu sein. Eine wirkliche Einflussnahme auf die Orientierung der Demokratischen Partei und der Linken nach Bush hat es im Grunde genommen nicht gegeben. Dabei war die zunehmende Annähe- rung Obamas an den DLC nicht abzusehen. Noch recht lange stand er dem DLC mit einer oppositionellen Haltung gegenüber, die er 2003 mit seiner Kritik des Irakkriegs, seiner damaligen Befürwortung eines universellen Gesundheitssystems und seiner Kritik an NAFTA begründete. Vor dem Hin- tergrund dieser Gemengelage sieht es nun allerdings so aus, als würde eine Machtübernahme der Demokraten unter einer Präsidentschaft Obamas die Chance, den relativen Niedergang der USA in der Weltordnung durch den riskanten Befreiungsschlag eines neuen New Deals abzuwenden und damit der US-Arbeiterklasse jenseits des hochtechnologischen Hochlohnsektors eine Milderung ihres Elends zu ermöglichen, zu verspielen. Dies mag den gesell- schaftlichen Kräfteverhältnissen oder letzten Endes schlicht dem fehlenden Mut Obamas zu wirklicher charismatischer Führung und zur Konstruktion eines neuen popular gestützten hegemonialen Bündnisses geschuldet sein. Jedenfalls wird der Wendestimmung und konservativen Hegemoniekrise in den USA weder in innen- noch in außenpolitischer Sicht eine wirkliche Wende folgen. Stattdessen wird unter Obama mit einiger Wahrscheinlich- keit die zahnlose und hegemonieunfähige progressiv-wettbewerbsstaatliche Nachbereinigungspolitik der Dritten-Wegs-Sozialdemokratie fortgesetzt wer- den. Kommt es wirklich dazu, steht die Linke in den USA vor der Aufgabe, einerseits die Illusion zu zerstören, dass mit einer neoliberalen Politik des ausgeglichenen Staatshaushalts und ohne eine Reregulierung der Finanz- märkte eine Aufhebung des grassierenden Elends zu haben sein wird, und andererseits für ein alternatives Projekt zu streiten. Im Juni 2008 hat der linksliberale New-York-Times-Kolumnist Paul Krugman (2008) die eindrucksvolle Wendestimmung in den USA – 81% der Amerikaner sind davon überzeugt, dass sich das Land »auf falschem Kurs« befinde (Leonhardt/Connelly 2008) – mit der Stimmung vor der Wahl Re- agans 1980 und Clintons 1992 verglichen. Krugman hat deshalb die Frage aufgeworfen, ob Obama ein »Ronald Reagan der Linken« werden könnte, also jemand, der – anders als Bill Clinton seinerzeit – der Stimmung einen wirklichen Kurswechsel folgen lässt. Damit ist nicht zu rechnen. Wird mit der Politik der neoliberalen Selbst-Maastrichtisierung nicht gebrochen, wer- den die USA im November einen zweiten Clinton bekommen – allerdings unter den Bedingungen eines fortgeschrittenen relativen Niedergangs in der globalen politischen Ökonomie. Die sich bietende Chance einer dauerhaften

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Aufhebung der 40 Jahre währenden Republikanerhegemonie wird verspielt werden. Zwar mag es passieren, dass sich die christlich-fundamentalistische Bewegung als die subalterne Massenbasis der Republikaner trotz Sarah Palins Vizekandidatur dieser Wahl passiv enthält. Für eine dauerhafte Herauslösung und aktive Einbindung in einen progressiven gegenhegemonialen Block mit einer neuen »geistig-moralischen Führung« bedürfte es aber einer religiös »deradikalisierend« und klassenbildend wirkenden Koalition eines neuen New Deal. Die Alternative hierzu ist der beschleunigte Absturz in die Barbarei.

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