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Die Entwicklungsbiologie versteht Totipotenz als die Fähigkeit einer Zelle, sich aus sich selbst heraus zu einem Organismus zu entwickeln. In dieser biologischen Perspektive wird Totipo- tenz als eine Entwicklungsfähigkeit von Zellen, jedoch nicht als spezifische Bestimmung menschlicher Zellen verstanden.

Erstaunlich ist es daher, dass diese Fähigkeit in Ethik und Recht als normatives Kriterium für die Statusbestimmung des menschlichen Embryos verwendet wird, vermag sie doch in einer rein biologischen Perspektive diese spezifische Be- stimmung gar nicht zu leisten. Möchte man einen Embryo als menschlichen Embryo bestimmen, d.h. einen Organismus als möglichen Träger von Schutzrechten verstehen, greift eine biologische charakterisierung zu kurz, da das spezifisch „Menschliche“ nur sehr eingeschränkt Gegenstand der Bio- logie sein kann. Welche Möglichkeiten einer angemessenen Bestimmung menschlicher Embryonen bieten sich, in die ei- nerseits die notwendigen biologischen Fakten Eingang fin- den, andererseits aber auch etwa philosophische, religiöse und lebensweltliche Verständnisse berücksichtigt werden, um damit den Blick von einem Organismus einer bestimmten

Spezies hin zum Menschen als Träger von Würde zu weiten?

In diesem Schnittfeld von Natur- und Geisteswissenschaften kann man mit Georg Henrik von Wright kausale und teleo- logische Erklärungen unterscheiden und fragen, welchem Bereich der Begriff der Totipotenz am ehesten zuzuordnen sei bzw. ob eine solche Zuordnung überhaupt gerechtfertigt ist. Die Fähigkeit, sich „zu etwas“ zu entwickeln, scheint eine teleologische Erklärung nahezulegen. Entspricht dies jedoch dem Selbstverständnis der Biologie? Zu fragen ist einerseits, in welcher Weise die Biologie den Begriff der Totipotenz ver- wendet, und andererseits, ob – und wenn ja, wie – er durch Ethik und Recht aufgenommen werden kann, um als norma- tives Kriterium des menschlichen Embryos fungieren zu kön- nen. Vor diesem Hintergrund fragt der Workshop, welche Ver- mittlungen unternommen werden müssen, um biologische Begriffe, wie den der Totipotenz, für die normativen Wissen-

schaften nutzbar zu machen.

AnFAhrT

B 42 A 3 A 61 Bendorf Höhr- Grenzhausen A 48 Dernbacher Koblenzer Dreieck Kreuz
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Bendorf
Höhr-
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Koblenzer
Dreieck
Kreuz
Theologische
Hoschschule
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Vallendar
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Philosophisch-Theologische
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Leitung

Prof. Dr. Dr. Thomas heinemann Lehrstuhl Ethik, Theorie und Geschichte der Medizin, PTHV

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im hause ursula Keller Tel. 0261 6402-700 forum@pthv.de biologie und norm Der biologische Begriff der Totipotenz

biologie und norm

Der biologische Begriff der Totipotenz und die Frage nach dem Status des menschlichen Embryos

Interdisziplinärer Workshop Donnerstag, 21. märz 2013

Im Rahmen des BMBF-Forschungsprojekts„Entwicklungs- biologische Totipotenz: Bestimmung als ein normatives Kriterium in Ethik und Recht unter Berücksichtigung neuer entwicklungs- biologischer Erkenntnisse“

GEFöRDERT DuRcH:

Kriterium in Ethik und Recht unter Berücksichtigung neuer entwicklungs- biologischer Erkenntnisse“ GEFöRDERT DuRcH:

ProgrAmm

14:00 – 14:30 uhr

Begrüßung und Einführung

14:30 – 15:30 uhr

marianne Schark (Berlin) Biologie und Bio-Philosophie:

Wie kann biologische Totipotenz ein notwendiges und hinreichendes Kriterium für die Definition des menschlichen Embryos sein?

15:30 – 16:30 uhr

martin F. meyer (Koblenz) Potentialitäten:

Welche Zweckbegriffe verwendet Aristoteles in der menschlichen Embryologie und in der Ethik?

16:30 – 17:00 uhr

Kaffeepause

ProgrAmm

17:00 – 18:00 uhr

Ludger honnefelder (Bonn) Normalität und Normativität:

Wie können normale Naturprozesse in die Gewinnung von ethischen Normen eingehen?

18:00 – 19:00 uhr

Josef Franz Lindner (Augsburg) Biologie im Recht:

Wie können biologische Begriffe angemessen in Legaldefinitionen eingehen? – Überlegungen am Beispiel der biologischen Totipotenz als Definitionskriterium für den menschlichen Embryo im Recht

19:00 – 19:30 uhr

Abschlussdiskussion

rEFErEnTIn unD rEFErEnTEn

Dr. phil. Dipl. Biol. marianne Schark

Forschungsbereich„Mind and Brain“ charité, Berlin

Dr. phil. martin F. meyer

Institut für Kulturwissenschaft universität Koblenz-Landau

Prof. em. Dr. phil. Ludger honnefelder

Institut für Wissenschaft und Ethik Institut für Philosophie, universität Bonn

Prof. Dr. Josef Franz Lindner

Lehrstuhl für öffentliches Recht universität Augsburg