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9 Biosynthese, Modifikation
und Abbau von Proteinen
Andrej Hasilik

9.1 Biosynthese von Proteinen – 287


9.1.1 Überblick – 287
9.1.2 Der genetische Code – 288
9.1.3 Transfer-RNA: Struktur und Funktion – 289
9.1.4 Ribosomen und die Synthese der Peptidbindung – 293
9.1.5 Einzelschritte der Proteinbiosynthese – 293
9.1.6 Hemmstoffe der Proteinbiosynthese – 299
9.1.7 Regulation der Proteinbiosynthese – 300
9.1.8 Pathobiochemie – 301

9.2 Faltung, Transport und Modifikation von Proteinen – 301


9.2.1 Faltung der Polypeptide – 301
9.2.2 Cotranslationaler Transport von Polypeptiden und Proteinen
durch Membranen – 304
9.2.3 Posttranslationaler Transport von Polypeptiden und Proteinen
durch Membranen – 306
9.2.4 Covalente Modifikationen von Proteinen – 307
9.2.5 Pathobiochemie – 313

9.3 Proteinolyse und Abbau von Proteinen – 314


9.3.1 Klassifizierung der Proteinasen – 315
9.3.2 Spezifität der Proteinasen – 315
9.3.3 Kompartimentierung der Proteinasen und ihre Wirkung im Extrazellulärraum
und der Plasmamembran – 316
9.3.4 Abbau von Proteinen in Lysosomen – 318
9.3.5 Proteinolyse in nichtlysosomalen Kompartimenten – 319
9.3.6 Pathobiochemie – 322

Literatur – 324
286 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

> > Einleitung

Proteine erfüllen mannigfaltige katalytische, regulatorische sowie strukturelle Aufgaben. Ihren Funktionen und ihrer Differen-
zierung entsprechend verfügt jede Zelle über ein charakteristisches Muster von Proteinen, das Proteom (. Abb. 9.1). Der Spie-
gel jedes einzelnen Proteins ist veränderlich und ergibt sich aus dem Verhältnis der Synthese- und Abbaugeschwindigkeiten.
Zudem können viele Proteine in unterschiedlich modifizierten Formen vorkommen, wobei einige der Modifikationen physiolo-
gisch reversibel sind und als Interkonversion bezeichnet werden.
Proteine enthalten eine oder mehrere Polypeptidketten, die aus über Peptidbindungen linear verknüpften Aminosäuren
bestehen. Die Sequenz der Aminosäuren (d.h. die Primärstruktur des Proteins) ist genetisch determiniert. Als Bauplan der Prote-
insynthese dient mRNA, in der jeweils drei aufeinander folgende Nucleotide (Tripletts) den Anfang, die einzelnen Aminosäuren
und das Ende der Polypeptidkette definieren. Die Synthese erfolgt in den Ribosomen und benötigt an tRNA gebundene Ami-
nosäuren, verschiedene Faktoren, die den Beginn, die Verlängerung sowie das Ende der Polymerisierung steuern und schließ-
lich GTP. Von den tRNA’s werden 21 verschiedene Aminosäuren übertragen. Diese werden als proteinogen bezeichnet. Energe-
tisch begünstigt werden diese Reaktionen durch eine gekoppelte Hydrolyse des GTP.
Die Synthese der Peptidbindungen wird vom Ribosom, genauer durch eine Peptidyltransferase-Aktivität des Ribosoms
katalysiert. Die naszierende Proteinkette gelangt aus dem Ribosom in das Cytoplasma bzw. in das Lumen des rauen endoplas-
matischen Retikulums (ER). Unter Mitwirkung mehrerer Proteine, die z.T. als molekulare Chaperone bezeichnet werden, ent-
steht die einzigartige 3D-Struktur jedes Proteins, die durch seine Primärstruktur definiert ist. Einige Modifikationen erfolgen
noch vor bzw. während der Faltung und des Transports der Proteine zu ihrem Wirkungsort.
Die Lebensdauer der Proteine im menschlichen Körper variiert zwischen Minuten und Jahren. Ein Teil dieser Polymere wird
unmittelbar nach ihrer Synthese abgebaut. Im Cytosol werden die Proteine zu Oligopeptiden aus ca. 10 Aminosäuren abgebaut
und später in ihre Einzelteile zerlegt. Die Oligopeptide können dem Immunsystem von Histokompatibilitätsproteinen präsen-
tiert werden. So kann festgestellt werden, ob die Zellen nicht zur Synthese fremder Proteine gezwungen werden. In den Lyso-
somen werden Proteine und andere Makromoleküle in ihre Bausteine hydrolysiert. Störungen im Abbau von Proteinen können
9 letal sein und tragen zur Pathologie verschiedener Krankheiten bei, vermutlich auch zu einigen Krebserkrankungen und der
Alzheimer’schen Krankheit.

. Abb. 9.1. Proteomanalyse von menschlicher Leber und einer Aminosäurestoffwechsels ①, der Glycolyse ②, ATP-Synthese ③, das
Monozyten-Zelllinie. Die Proteomanalyse erfolgte durch 2D-Gel- Cytoskelettprotein Aktin ④, ein Chaperon ⑤, und zwei am Proteinab-
elektrophoresen. Die Methode wurde in 7 Kap. 3 beschrieben. Die bau beteiligte Proteine, eine Proteasom-Untereinheit ⑥ bzw. Ubiquitin
Proteinmuster dieser und anderer Gewebe können in der SwissProt ⑦. M = Molekulargewicht; IEP = Isoelektrischer Punkt (Aufnahmen von
Datenbank aufgerufen werden. Einige Gemeinsamkeiten in der Aus- Denis F. Hochstrasser)
stattung der Zellen wurden mit Zahlen hervorgehoben: Enzyme des
9.1 · Biosynthese von Proteinen
287 9
9.1 Biosynthese von Proteinen regeln entsprechend in die Sequenz der Aminosäuren
»übersetzt«. Zellen des exokrinen Pankreas, in denen
9.1.1 Überblick eine sehr intensive Proteinsynthese stattfindet, sind
außerordentlich reich an Ribosomen (. Abb. 9.2)
Proteine bestehen aus einer oder mehreren Polypeptidket-
ten, die als Polymere von Aminosäuren bezeichnet werden Die Translation beginnt am sog. Start-Codon, das die N-
können. Ihre Struktur wird in 7 Kapitel 3 beschrieben. Die terminale Aminosäure (Nr. 1 in . Abb. 9.3) bestimmt. Die
Synthese und subzelluläre Verteilung funktionsfähiger Übersetzung der folgenden Codons führt zur Elongation
Proteine sowie ihr Abbau lassen sich wie folgt kurz be- des C-Terminus der wachsenden Polypeptidkette.
schreiben: 4 Das »Wörterbuch« der Übersetzungsmaschinerie be-
4 Die Polypeptide werden nach einem Bauplan syntheti- steht aus spezifischen Transfer-RNAs (tRNAs). Jede
siert, der durch die lineare Nucleotidsequenz der Pro- tRNA erkennt mit ihrem Anticodon die für eine spezi-
teinstrukturgene auf DNA-Ebene festgelegt ist und in fische Aminosäure codierenden Codons auf der mRNA.
Form von mRNA (messenger-RNA, 7 Kap. 5.5) an den Außerdem trägt sie die entsprechende »cognate« Ami-
Ort der Synthese transportiert wird. Der Bauplan der nosäure. . Abbildung 9.3 gibt in schematischer Form
Proteine ist verschlüsselt. Der genetische Code ordnet einen Ausschnitt der Proteinbiosynthese während der
Basentripletts der mRNA-Sequenz, die als Codons be- Elongationsphase wieder. Auf das Codon n+1 hat mit
zeichnet werden, die Aminosäuren zu. Diese Bausteine Hilfe ihres Anticodons n+1 eine mit der entsprechenden
werden vom Stoffwechsel bereitgestellt Aminosäure beladene tRNA gebunden. Die Bindung
4 Die Proteinsynthese, die den als mRNA vorliegenden erfolgt dabei über das α-C-Atom der Aminosäure. Auf
Bauplan umsetzt, wird als Translation bezeichnet. Sie dem Codon n ist über das Anticodon n eine tRNA ge-
erfolgt an den Ribosomen. In ihnen wird die Nucleo- bunden, die das bisher synthetisierte Peptid trägt.
tidsequenz der mRNA »gelesen« und den Codierungs- Durch den Angriff der freien Aminogruppe der Ami-

. Abb. 9.3. Schematische Darstellung der ribosomalen Protein-


biosynthese. tRNA-Moleküle wirken als Adaptoren, welche die benö-
tigten Aminosäuren entsprechend der Reihenfolge der Codons auf
der mRNA bereitstellen. Die Erkennung der Codons erfolgt in einem
Decodierungszentrum der Ribosomen. In den mit den Aminosäuren
beladenen tRNA-Adaptoren liegen die D-Aminogruppen (D-N) frei vor,
während die D-Carboxylgruppen (D-C) mit dem 3'-Ende der tRNA
verestert sind. Die Carboxylgruppe des Aminosäurerests, das in das
wachsende Peptid zuletzt eingebaut wurde (n), wird im Peptidyltrans-
ferasezentrum von seiner tRNA abgelöst und mit der D-Aminogruppe
. Abb. 9.2. Elektronenmikroskopische Aufnahme von rauem des aktuell angedockten Aminosäure-tRNA-Derivats (n+1) verknüpft.
endoplasmatischen Retikulum im exokrinen Teil des Pankreas. Der aktuell eingebaute Aminosäurerest befindet sich am C-Terminus
Z = Zymogengranulum; M = Mitochondrium (Querschnitt); ZM = Zell- des verlängerten Peptids und dieses infolge der Verknüpfung an der
membran; ER = raues endoplasmatisches Retikulum. (Aufnahme: zuletzt angedockten (n+1) tRNA. Der Mechanismus der Reaktion wird
Elmar Sieß) in 7 Abb. 9.13c gezeigt
288 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

nosäure n+1 auf die Esterbindung, mit der die Amino-


säure n mit ihrer tRNA verknüpft ist, wird die Peptid-
bindung gebildet. Die Kettenverlängerung erfolgt dabei
also am C-Terminus
4 Bei jeder derartigen Übertragung wird im Peptidyl-
transferase-Zentrum (PTZ) des Ribosoms eine neue
Peptidbindung hergestellt. Der chemische Mechanis-
mus der Elongation wird im 7 Kap. 9.1.5 erklärt
4 An der Assemblierung von Ribosomen mit der mRNA,
der Anbindung der Aminoacyl-tRNAs sowie der
schrittweisen Decodierung, bzw. Durchschleusung der
mRNA durch das Ribosom, sind mehrere als Trans-
kriptionsfaktoren (TF) bezeichnete Proteine beteiligt.
Sie gewährleisten die Spezifität und die Mechanik der
Übersetzung. Einige dieser Faktoren binden und hy-
drolysieren GTP in Abhängigkeit von der Durchschleu-
sung der mRNA – tRNA Komplexe durch die Überset-
zungsmaschine
4 Die Proteine werden gefaltet und co- oder post-trans-
lational modifiziert. Eine weitere Maschinerie erkennt
verschiedene Sortierungs- und Transportsignale in-
nerhalb der Primärstruktur der neuen Proteine und
sorgt für ihre Verteilung auf verschiedene zelluläre
Kompartminente
9 4 Der Erfolg der Proteinbiosynthese sowie die Funktions-
tüchtigkeit und der Bedarf an den jeweiligen Proteinen
unterliegen einer ständigen Kontrolle. Fehlerhafte Pro-
dukte, nicht mehr benötigte sowie geschädigte Proteine
werden durch Proteinasen schrittweise in einzelne
Aminosäuren hydrolysiert . Abb. 9.4. Der genetische Code. Die angegebenen Basen des
4 Mitochondrien und in pflanzlichen Zellen auch Chlo- Codons entsprechen der mRNA-Sequenz. Die Aminosäurenamen sind
roplasten besitzen jeweils eigene DNA sowie komplette in der Kurzform angegeben. Die Codonfamilien und die Codon-Dub-
Proteinsynthesesysteme. Sie ermöglichen die lokale letten mit Pyrimidin- und Purinbasen in der wobble-Position sind
durch die gelben, orangefarbigen bzw. blauen Beschriftungsfelder
Synthese stark hydrophober Proteine
markiert. Die singulären Codons für Methionin und Tryptophan sind
durch ein grünes und die Stoppcodons durch ein weißes Beschrif-
tungsfeld hervorgehoben. Die Isoleucin-codierende Codon-Triade ist
9.1.2 Der genetische Code durch rosafarbene Schriftfelder markiert. Die Aminosäuren mit stark
hydrophoben Seitenketten (Cystein in oxidierter Form) sind blau
umrahmt. Der Stern markiert das zum Einbau von Selenocystein
! Der genetische Code ist universal, konservativ und
genutzte Stopp-Codon
degeneriert.

Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden erstma- und dem Stopp-Signal wird als genetischer Code bezeich-
lig in vitro-Systeme zur Proteinsynthese beschrieben. Mit net (. Abb. 9.4).
synthetischen Polyribonucleotiden war es möglich, die er- Die Codierung der Aminosäuresequenz der Proteine in
sten Codons, die den Einbau einzelner Aminosäuren be- Form von Tripletts bedeutet, dass Insertionen oder Dele-
stimmen, zu identifizieren. Es wurde erkannt, dass Codons tionen dreier Nucleotide auf DNA-Ebene zu einer Verlän-
aus drei Nucleotiden bestehen. In der mRNA beginnt die gerung bzw. Verkürzung der Polypeptidkette um eine Ami-
Codierung nahe des 5c-Terminus der mRNA mit dem Trip- nosäure führen. Wenn die Zahl zusätzlicher oder fehlender
lett AUG, das in einem besonderen Kontext als Start- Nucleotide nicht durch drei teilbar ist, verschiebt sich das
codon dient und bei eukaryoten Zellen den Einbau von Leseraster und die Sequenz wird ab der mutierten Stelle
Methionin bestimmt. Eine Überlappung der Tripletts tritt vollständig verändert. Ist ein einzelnes Nucleotid und die
nicht auf. Die Codierung endet vor dem 3c-Ende mit einem Bedeutung des Codons betroffen, handelt es sich um eine
von drei Stopp-Codons, UAA, UAG oder UGA. Jedes »missense«-Mutation. Ändert sich mit dem Nucleotidtausch
Stopp-Codon kann die Synthese zum Abschluss bringen. die Codonbedeutung nicht, wird die Mutation als still (si-
Die Zuordnung der Codons zu einzelnen Aminosäuren lent) bezeichnet. Entsteht ein neues Stopp-Codon spricht
9.1 · Biosynthese von Proteinen
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man von einer »nonsense«-Mutation. Ob eine DNA-Se- ersten zwei Nucleotiden festgelegt wurde. Bis auf zwei Aus-
quenz ein Protein codiert, muss in allen drei Leserastern in nahmen gilt die Regel, dass in der dritten Position des Co-
beiden Richtungen überprüft werden. Potentiell codieren- dons beide Purin- bzw. Pyrimidinbasen jeweils eine Ami-
de Sequenzen werden als offene Leserahmen (open reading nosäure codieren. Ein Blick in die . Abb. 9.4 zeigt, dass bei
frame, ORF) bezeichnet. Sie zeichnen sich dadurch aus, acht der Aminosäuren in der dritten Position eine beliebige
dass an ihrem Anfang das DNA-Triplett ATG als Start-Co- Base vorliegen kann. Mutationen in der dritten Position
don steht und über weite Strecken kein Stopp-Codon vor- dieser Codons haben also keinen Einfluss auf den Einbau
kommt. Die Identifizierung der ORFs im Genom wird der Aminosäuren. In der ersten Spalte befinden sich Co-
durch ein gehäuftes Vorkommen von Stopp-Codons in den dons, die ausschließlich die relativ großen hydrophoben
Introns erschwert. Aminosäuren codieren. Wenn also in der mittleren Posi-
Mit den vier Basen der DNA können 43 = 64 verschie- tion eines Codons Uracil steht, können die Basen in der
dene Tripletts gebildet werden. Dem genetischen Code ste- ersten und der dritten Position beliebig ausgetauscht wer-
hen neben den drei Stopp-Codons weitere 61 zur Codie- den, ohne den hydrophoben Charakter oder die Größe der
rung von Aminosäuren zur Verfügung. Diese bestimmen Seitenkette radikal zu ändern. Eine Mutation an jeder dieser
20 direkt einbaubare, sog. proteinogene Aminosäuren. Positionen führt, wenn überhaupt, zum Austausch ähn-
Eines der drei Stopp-Codons, das TGA-Codon (opal), be- licher Aminosäuren. Solche Mutationen bzw. der Austausch
stimmt in Kombination mit der sog. SECIS (Selenocystein- werden als konservativ bezeichnet.
Insertions)-Sequenz den Einbau einer »21sten Aminosäu-
re«, des Selenocysteins. Dessen Synthese erfolgt aus Serin
nach Verbindung mit einer spezifischen tRNA (7 weiter 9.1.3 Transfer-RNA:
unten). Beim Menschen wird es zur Biosynthese von 25 Struktur und Funktion
Selenoproteinen benötigt.
! tRNAs sind L-förmige Moleküle, deren Enden die ent-
Degeneriertheit. Weil mit 61 Tripletts nur 20 Aminosäuren scheidenden Aufgaben der Translation genetisch co-
codiert werden, wird der Code als degeneriert bezeichnet. dierter Aminosäurensequenz übernehmen.
Dies bedeutet, dass die meisten Aminosäuren durch mehr
als ein Codon codiert werden. Die mit ca. 2% am seltensten tRNAs sind die bereits erwähnten »übersetzenden« Adap-
vorkommenden Aminosäuren Trypthophan und Methio- tormoleküle der Translation. Sie wurden vor einem halben
nin sowie Cystein und Histidin besitzen nur ein bzw. zwei Jahrhundert entdeckt. Jeder tRNA ist eine spezifische Ami-
Codons. Das mit 9% am häufigsten vertretene Leucin und nosäure zugeordnet. Dagegen kann eine Aminosäure an
zwei weitere Aminosäuren (Arginin und Serin) weisen so- unterschiedliche tRNAs gebunden werden, die als cognate
gar je sechs zugehörige Codons auf. Die jeweils vier Co- (engl. verwandt) oder isoakzeptierend bezeichnet wer-
dons, die unabhängig von der Art der Base in der dritten den.
Position die gleiche Aminosäure codieren (. Abb. 9.4) wer-
den als Codon-Familien bezeichnet. Die Codons einer Fa- Primärstruktur. Die tRNAs bestehen aus 74 bis 95 z.T. mo-
milie werden nicht gleichmäßig, sondern je nach Organis- difizierten Ribonucleotiden. Am häufigsten findet sich eine
mus unterschiedlich häufig benutzt. Die Häufigkeit ihres Länge von 76 Ribonucleotiden. Von dieser leitet sich die
Vorkommens wird als Codonnutzung (codon usage) be- Nummerierung der Ribonucleotide ab. Sie variiert am
zeichnet. stärksten durch Verlängerungen zwischen den Positionen
47 und 48 (. Abb. 9.5).
Universalität. Von wenigen Abweichungen abgesehen wird
der gleiche genetische Code von allen Organismen benutzt. Sekundärstruktur. In der Sequenz finden sich immer vier
Daher wird er als universal bezeichnet. Demnach können komplementäre Bereiche mit intramolekularer Basenpaa-
bakterielle Systeme auch eukaryote mRNAs translatieren. rung. Dadurch entsteht eine Sekundärstruktur mit antipar-
Größere Unterschiede gibt es bei den post-translationalen allel-doppelhelicalen Stielen und Schleifen, die in der zwei-
Modifikationen der Proteine verschiedener Organismen. dimensionalen Darstellung (. Abb. 9.5) an ein Kleeblatt
Der genetische Code der mitochondrialen DNA weicht in erinnert. Eine dieser Schleifen (Anticodon-Schleife) mit
mehrfacher Weise von dem der nucleären DNA ab. ungepaarten Basen enthält das Anticodon, das zum Codon
der mRNA passende Gegenstück. Zwei weitere werden
Konservierung. Mit der Entwicklung komplexer Genome nach den in ihnen enthaltenen modifizierten Basen als D-
ist eine Barriere gegen Änderungen der Codierungsregeln (Dihydrouridin) und \ (Pseudouridin) -Schleifen bezeich-
entstanden. Dies führte zu einer Konservierung der Struk- net. Zwischen den \- und Anticodonarmen befindet ein
tur des Codes und seiner Verschlüsselungsregeln. Es ist variabler Teil, der einen zusätzlichen Arm (Extra-Arm)
möglich, dass der Code von Anfang an aus Tripletts be- bilden kann. Der Akzeptorarm der tRNAs präsentiert ein
stand, dass jedoch die Codierung ursprünglich nur von den einzelsträngiges CCA-3c-Ende, an das die zum Anticodon
290 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

. Tabelle 9.1. Basenpaarungen zwischen Anticodon der tRNA


und Codon der mRNA (wobble-Hypothese)
1. Base des Anticodons 3. Base des Codons
A (ungenutzt) U
C G
U (modifiziert) A oder G
G U oder C
I U, C oder A

rung der ersten Base am 5c-Ende des Anticodons mit der


entsprechenden dritten Base des Codons häufig nicht sehr
fest und darüber hinaus nicht spezifisch ist (. Tabelle 9.1):
4 In der Regel wird A in der 1. Position des Anticodons
. Abb. 9.5. Sekundärstruktur und Erkennungsbereiche von nicht benutzt
tRNA-Molekülen. Die Nucleotide in den lila hervorgehobenen Posi- 4 Ist die erste Base im Anticodon ein (meist modifiziertes)
tionen sind bei fast allen bisher analysierten tRNA-Molekülen iden- U, so kann dieses mit beiden Purinbasen (A oder G)
tisch, weswegen sie immer mit derselben Nummer bezeichnet wer-
Wasserstoffbrücken ausbilden
den. Noch zusätzlich vorkommende Nucleotide (gelb) erhalten eine
Zusatznummer, z. B. Nr. 17 wird von 17:1 gefolgt. Die Sekundärstruktur
4 Wenn in der Position 1 des Anticodons ein C vorliegt,
ergibt sich aus der Basenpaarung antiparallel angeordneter helicaler ist die Position im Codon mit G eindeutig festgelegt.
Bereiche, die 3–4 Arme mit Stielen (Stämmen) und Schleifen sowie Diese Kombination ermöglicht für die Codierung von
einen Stiel mit einem überstehenden 3‘-Endstück ausbilden. Die roten Methionin und Tryptophan jeweils ein einziges Codon
Striche entsprechen den Basenpaarungen. Das Anticodon befindet
zu benutzen
9 sich in Position 34–36 (grün)
4 Ist die erste Base im Anticodon ein G, so erfolgt die
Basenpaarung im Codon mit den Pyrimidinbasen C
passende (cognate) Aminosäure covalent gebunden wird. oder U
Der endständige Adenylrest wird als A76 bezeichnet. 4 In einigen tRNAs findet sich in der ersten Position des
Anticodons das durch Desaminierung von Adenosin
Synthese und Modifizierungen. Das humane Genom ent- entstandene Nucleosid Inosin. Dieses kann sogar mit
hält über 600 tRNA-Gene. Dies ermöglicht Zellen mit in- drei unterschiedlichen Basen auf dem Codon (A, U
tensiver Proteinbiosynthese alle tRNAs in ausreichender oder C) in Wechselwirkung treten
Zahl bereitzustellen. Die primären Transkripte der tRNA-
Gene werden durch Nucleasen, basenmodifizierende En- Francis Crick hat dieses Phänomen als Wackeln (engl. to
zyme und Transferasen in reife tRNAs umgesetzt (7 Kap. wobble) der Codon-Anticodon-Wechselwirkung bezeichnet
8.3). In bestimmten Positionen werden Basen methyliert, und die sich daraus ergebenden Konsequenzen als wobble-
reduziert und desaminiert (so Adenosin zu Inosin in der Hypothese formuliert. Ihre wichtigsten Aussagen sind:
ersten Position der Anticodons der Isoleucin-tRNAs, die 4 Die Minimalzahl der für die Übersetzung von 61 Co-
drei Codons zu lesen vermögen) oder im Ring einer Base dons benötigten tRNA-Moleküle liegt bei 31. Durch
wird die Position der Verknüpfung zum Riboserest (z.B. bei eine weitere Vereinfachung kommen Mitochondrien
Pseudouridin) verändert. Aus dem Kern werden nur voll- mit 22 tRNA’s aus. (Es sind 8 Familien und 14 Dubletten
ständig modifizierte tRNAs exportiert. mit je 4 bzw. 2 Codons; die übrigen 4 Codons bestim-
men den Synthesestopp.)
Anticodon-Codon-Wechselwirkung. Der Mechanismus, 4 Durch das »wobble-Phänomen« sind alle Codon-Anti-
mit dem das Anticodon auf der tRNA das Codon auf der codon-Wechselwirkungen etwa gleich stark, und insge-
mRNA erkennt, beruht auf der klassischen, bereits für die samt etwas schwächer als bei klassischen Basenpaa-
DNA beschriebenen Ausbildung von Wasserstoffbrücken- rungen zu erwarten wäre
bindungen zwischen komplementären Basenpaaren (7 Kap.
5.3.1), wobei die Sequenz in den jeweiligen Triplets anti- Für alle acht in . Abb. 9.4 gezeigten Codon-Familien und
parallel verlaufen muss. Aus dieser Überlegung ließe sich für die Codon-Triade des Isoleucin liegen jeweils zwei
folgern, dass die Zahl der tRNA-Moleküle und Codons, tRNAs vor. Die 12 Codon-Dubletten sowie die Einzel-Co-
nämlich 61, gleich sein müsste. Tatsächlich ist die Zahl der dons von Tryptophan und Methionin benötigen jeweils
tRNAs deutlich geringer. Eine genaue Analyse der in den eine tRNA. Im Einklang mit der wobble-Hypothese liegt die
Anticodons vorliegenden Basensequenzen lieferte die Er- gesamte Zahl bei 32 verschiedenen cytosolischen tRNA’s.
klärung für dieses Phänomen. Es zeigte sich, dass die Paa- Aufgrund des hohen Bedarfs finden sich im menschlichen
9.1 · Biosynthese von Proteinen
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. Abb. 9.6. 3D-Struktur der tRNA. Am Beispiel der tRNAPhe der


Bäckerhefe wurde eine Röntgenstrukturanalyse durchgeführt. Mar-
kiert ist das 3´-Ende und das Anticodon sowie die Dihydrouridin (D)
und Pseudouridin-Schleifen (\). Außer der RNA wurden die in der
Nähe einiger Phosphodiestergruppen vorliegenden Mg2+-Ionen
(Kugeln) sowie das Spermin (Stern) dargestellt. Die Farben entsprechen
sog. Temperaturfaktoren, die auf die Flexibilität einzelner Molekülbau-
steine hinweisen: Der Übergang von blau über grün und gelb zu rot
symbolisiert die Zunahme des Temperaturfaktors. Am flexibelsten ist . Abb. 9.7. Mechanismus der Aminoacylierung einer tRNA
demnach das 5‘-Ende des Akzeptorarms und das 3‘-CCA-Ende sowie durch eine Klasse II Aminoacyl-tRNA-Synthetase. In der ersten
die Anticodon-Schleife. (Aufnahme: Luca Jovine) Teilreaktion erfolgt die Bildung des energiereichen Aminoacyl-Ade-
nylates. Anschließend wird eine tRNA gebunden und die Identität
Genom jedoch bis zu 20 Kopien der einzelnen tRNA-Gene. der Aminosäure überprüft. Im zweiten Teilschritt erfolgt die Über-
Die Zahl der Mitochondrialen tRNA’s ist noch geringer. Sie tragung des Aminoacylrests auf die tRNA

liegt bei 22. Unter den humanen mitochondrialen tRNA’s


finden sich dem entsprechend nur zwei isoakzeptierende des »L« befinden sich die entscheidenden Funktionsträger
tRNA Paare (für Leucin und Serin). des Adaptormoleküls: Die Erkennungsstelle des Codons
Die relative Abschwächung bzw. eine Nivellisierung der (die Anticodonschleife) sowie die Bindungsstelle für die zu
Bindungskraft der Codon-Anticodon Wechselwirkungen übertragende Aminosäure (. Abb. 9.6). Diese Teile sind
ist für die Aufrechterhaltung einer hohen Geschwindigkeit elastischer, als der Winkelteil. Der Abstand zwischen bei-
der Proteinbiosynthese bedeutsam. Diese hängt nicht nur den Enden ist in fast allen tRNAs gleich.
von der Erkennung von Anticodon und Codon, sondern
! Die Beladung der tRNAs mit cognaten Aminosäuren ist
auch von der raschen Lösung der Wasserstoffbrückenbin-
ATP-abhängig und ihre Präzision wird mehrfach kon-
dungen während der Proteinbiosynthese ab.
trolliert.

Tertiärstruktur. Nach der erfolgreichen Kristallisation meh- Beladung. Die 20 proteinogene Aminosäuren werden
rerer tRNAs konnte vor etwa 25 Jahren ihre 3D-Struktur durch zwanzig äußerst spezifische Aminoacyl-tRNA-Syn-
gelöst werden. Es zeigte sich, dass allen tRNAs die gleiche thetasen aktiviert und mit dem 3c-OH-Ende der cognaten
L-förmige Tertiärstruktur gemeinsam ist (. Abb. 9.6). Der tRNAs verestert. Jede Synthetase ist in der Lage alle isoak-
Anticodon- und der D-Stiel bilden den einen und der Ak- zeptierenden tRNAs mit der cognaten Aminosäure zu be-
zeptorarm mit dem variablen Stiel den zweiten gestreckten laden. Beispielsweise lädt die Methionyl-tRNA-Synthetase
Teil des abgewinkelten Moleküls. Diese Gestalt der tRNA- das Methionin auf zwei tRNAs, von denen eine (tRNAiMet)
Moleküle wird durch Wasserstoffbrücken, an denen ver- bei der Initiation und die andere (tRNAMet) bei der Elonga-
schiedene, nicht in den helicalen Bereichen liegende Nuc- tion benötigt wird.
leotide beteiligt sind, sowie durch mehrere Mg2+-Ionen und In . Abbildung 9.7 ist der Reaktionsmechanismus der
in ihrem Winkel durch Spermin stabilisiert. An den Enden Aminoacyl-tRNA-Synthetasen dargestellt. In der ersten
292 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

Teilreaktion katalysieren diese Enzyme die Bildung eines


gemischten Carbonsäure-Phosphorsäureanhydrids zwi-
schen der Carboxylgruppe der jeweiligen Aminosäure und
dem D-Phosphat eines ATP-Moleküls. Die Produkte der
Reaktion sind ein Aminoacyladenylat und anorganisches
Pyrophosphat. Dessen anschließende Hydrolyse verschiebt
das Gleichgewicht der Reaktion auf die Seite des ener-
giereichen Carbonsäure-Phosphorsäure-Anhydrids. In der
zweiten Teilreaktion reagiert Aminoacyladenylat mit der
cognaten tRNA. Die Reaktionsprodukte dieses Transfers
sind die entsprechende Aminoacyl-tRNA und AMP. . Abb. 9.8. Qualitätskontrolle bei der Beladung einer Klasse I
Ihrer Struktur, dem Reaktionsmechanismus sowie ihrer Aminoacyl-tRNA-Synthetase. Eine Hydrolaseaktivität (Symbol: rot
umrandetes Oval) hydrolysiert fehlerhaft gebildetes Aminoacyl-Ade-
Entwicklung entsprechend lassen sich die Synthetasen in
nylat, falls die Seitenkette der Aminosäure nicht optimal von der
zwei Klassen mit jeweils 10 Enzymen aufteilen. Die Enzyme Aminoacyl-tRNA-Synthetase gebunden werden kann (Prätransfer-
der Klasse I übertragen den aktivierten Aminoacylrest vom Editierung). Wenn das Aminoacyl-Adenylat die Kontrolle überstan-
Adenylat zunächst auf die 2c-Hydroxylgruppe, die der Klas- den hat, wird die cognate tRNA gebunden. Danach erfolgt ein Transfer
se II direkt auf die 3c-Hydroxylgruppe des 3c-terminalen der aktivierten Aminosäure auf das CCA-Ende der tRNA und die Post-
transfer-Editierung. Der Einzelstrang wird in einen Teil (grünes Oval)
Adenosins der tRNA. Wie das Beispiel (. Abb. 9.7) der Be-
des aktiven Zentrums geschwenkt, in dem die Posttransfer-Editierung
ladung durch eine der Klasse II Synthetasen zeigt, entsteht erfolgt, die einer Tasche mit Hydrolaseaktivität entspricht. Passt hier
im ersten Schritt das Pyrophosphat. Seine sofortige Hydro- eine Aminosäure gut hinein, erfolgt die Hydrolyse der Esterbindung.
lyse begünstigt die Bildung der »energiereichen« beladenen So kann die Isoleucyl-tRNAIle Valin statt Isoleucin mit dem Adenylrest
tRNAs. Das recht hohe Gruppenübertragungspotential der in ca. einer von 103 Prätransferreaktionen verknüpfen. Jedoch nur
etwa 1% der Valyl-tRNAIle übersteht die Posttransfer-Editierung.
Aminoacyl-tRNAs mit einem 'G0’ von beinahe 30 kJ/mol
Dabei passt der kleinere Valyl-Rest in die Posttransfer-Bindungsstelle
wirkt als Triebkraft der späteren Synthese der Peptidbin-
9 dungen.
und seine Esterbindung wird hydrolysiert, während der größere
Isoleucyl-Rest nicht gebunden bzw. abgespalten werden kann. An
beiden Editierungsstellen ist eine Esterase-Aktivität (rote Elipse) be-
Spezifität der Beladung. Die Synthetasen erkennen »ihre« teiligt
tRNAs aufgrund zahlreicher Kontakte mit den jeweiligen
Anticodon- und Akzeptor-Stielen nahezu fehlerfrei. Die samtfehlerrate von ca. einer auf 104 bis 105 Reaktionen.
Genauigkeit der initialen Bindung der Aminosäuren kann Diese Genauigkeit ist eine Voraussetzung dafür, dass Pro-
jedoch aufgrund der Ähnlichkeit mancher Aminosäuresei- teine, die meistens 102 bis 103 Aminosäurereste enthalten
tenketten den hohen Anforderungen an die Präzision der zu gut 99% fehlerfrei synthetisiert werden.
Proteinsynthese nur in seltenen Fällen unmittelbar genü- Die Editierung sei am Beispiel der Unterscheidung zwi-
gen. So unterscheidet die Tyrosyl-tRNA-Synthetase sehr schen Valin, dem isosterischen Threonin und dem etwas
spezifisch zwischen Tyrosin und Phenylalanin und aktiviert größeren Isoleucin bei den der Klasse I zugehörigen Valyl-
Phenylalamin 105 mal seltener als Tyrosin. Viele andere und Isoleucyl-tRNA Synthetasen erläutert. Die größte die-
tRNA-Synthetasen können die Aktivierung nicht cognater ser Aminosäuren, Isoleucin, passt nicht in die Adenylie-
Aminosäuren jedoch nicht unmittelbar ausschließen. Da- rungsstelle der Valyl-tRNA Synthetase und wird entweder
für verfügen sie über Mechanismen um »fremde« Amino- nicht aktiviert oder aber noch vor dem Transfer wieder
säuren nach der Bildung gemischter Säureanhydride vor deadenyliert. Valyl-AMP und auch Threonyl-AMP sind als
oder nach dem Transfer auf die tRNA zu erkennen und zu Zwischenprodukte relativ stabil und ermöglichen dieser
hydrolysieren. Diese Kontrollen werden als prä- und post- Synthetase die cognate tRNAVal zu binden und die Amino-
transfer Editierung bezeichnet. Zu diesem Zweck besitzen säuren von dem Adenylrest auf das 3c-Ende der tRNA zu
viele Synthetasen ein zweiteiliges aktives Zentrum (. Abb. 9.8) transferieren. Die aminoacylierte tRNA verbleibt ausrei-
mit einer Aminoacylierungsstelle und einer Editierungs- chend lange am Enzym gebunden, um die posttransfer Edi-
stelle. Bildhaft können die Kontrollen mit einem Vor- und tierung zu ermöglichen. Dabei kann der einzelsträngige
einem Feinfilter verglichen werden, mit denen die ver- Teil des 3c-Endes in das mit einer Hydrolaseaktivität ausge-
gleichsweise sperrigeren bzw. kleineren Aminosäuren ab- stattete Editierungszentrum geschwenkt werden. Nur der
gesondert werden. Nach der Hydrolyse nicht cognater Ami- Threonylrest passt in dieses Zentrum und kann hydroly-
noacyladenylate kann ein neuer Aktivierungsversuch un- siert werden. Die Isoleucyl-tRNA Synthetase kann außer
ternommen werden. Bei einem Fehlversuch gehen zwar der cognaten Aminosäure Isoleucin auch Valin aktivieren
zwei »energiereiche« Bindungen des ATP verloren, dafür und transferieren. Im Unterschied zu Isoleucin passt jedoch
kann die Gefahr ein funktionsuntüchtiges Protein zu pro- das kleinere Valin in das Editierungszentrum, sodass seine
duzieren entscheidend verringert werden. Die Beladung Esterbindung vor der Ablösung der tRNA von dem aktiven
der cognaten tRNA erfolgt mit einer sehr niedrigen Ge- Zentrum hydrolysiert wird.
9.1 · Biosynthese von Proteinen
293 9
9.1.4 Ribosomen und die Synthese knüpfenden Aminosäuren bestimmt. Die mRNA liegt in
der Peptidbindung einem Kanal auf der Seite der kleinen ribosomalen Unter-
einheit, die der großen zugewandt ist. Über diesem Kanal
! Ribosomen sind Ribonucleoproteinpartikel, die in einer befindet sich ein Hohlraum, der von den tRNAs in drei
Initialphase der Proteinbiosynthese aus Untereinheiten Stationen durchwandert wird. Diese werden als A- (Ami-
zusammengesetzt werden. noacyl-), P- (Peptidyl-) und E- (Exit-) Stellen bezeichnet.
Sie sind teils in die kleine und teils in die große ribosomale
Im Cytosol und in Mitochondrien gibt es jeweils spezifische Untereinheit (als sog. half-sites) eingebettet. Die Bindungs-
pools von kleinen und großen ribosomalen Untereinheiten. energiewerte in den drei Stationen sind untereinander ver-
Diese bestehen aus ribosomalen rRNAs und den riboso- gleichbar, sodass ein Transport durch die »Stellen« nicht
malen Proteinen (. Tabelle 9.2). In Bakterien lässt sich le- behindert wird.
diglich ein Ribosomentyp (70S-Ribosomen) nachweisen, Die (den Synthesestart ausgenommen) erste Station, in
der dem mitochondrialen ähnelt. Die im Cytosol frei vor- die eine Aminoacyl-tRNA gebracht wird, ist die A-Stelle.
liegenden und an das endoplasmatische Retikulum gebun- Der aminoacylierte Arm der tRNA befindet sich in der A-
denen Ribosomen sind mit einer Sedimentationskonstante Halbstelle der großen ribosomalen Untereinheit, während
von 80S größer als die mitochondrialen bzw. bakteriellen der Anticodonarm aus der großen ribosomalen Unterein-
(70S). Eine weitere Ähnlichkeit zwischen den bakteriellen heit herausragt und von der Seite der tRNA Eintrittsstelle
und mitochondrialen Ribosomen besteht in der Empfind- beobachtet werden kann (. Abb. 9.9a).
lichkeit gegenüber verschiedenen Giften der Proteinbio- Durch die A-Halbstelle der kleinen ribosomalen Unter-
synthese (7 u.). Die cytosolischen Untereinheiten werden einheit hindurch reicht der Anticodon-Arm bis an die
im Nucleolus hergestellt und aus dem Kern exportiert mRNA heran, sein Anticodon (. Abb. 9.9b) tastet das Co-
(7 Kap. 6.2.1). Die mitochondrialen Untereinheiten werden don ab. Das vorausgehende Codon liegt unterhalb der zwei-
in der mitochondrialen Matrix aus mitochondrialen rRNA ten Station (P-Stelle). In dieser befindet sich die vorher
Transkripten (12S und 16S) und im Cytosol synthetisierten eingewanderte tRNA und ihr Akzeptorarm (. Abb. 9.9c,
und importierten Proteinen hergestellt. der orangerote Einzelstrang in der Mitte) trägt das bis dahin
In vitro können die ribosomalen Untereinheiten aus ge- fertig gestellte Peptid. Die in der A-Stelle befindliche tRNA
reinigten Protein- und RNA-Komponenten in funktionsfä- positioniert ihren aminoacylierten Akzeptorarm unmittel-
higer Form rekonstituiert werden. Die rRNAs besitzen eine bar neben das vorgefertigte Peptid, das mit der benachbar-
komplexe Sekundärstruktur mit vielen antiparallel ange- ten tRNA in der P-Stelle verestert ist. Der diese Gruppen
ordneten doppelhelicalen Arealen und Schleifen, die teil- umgebende Raum wird als Peptidyltransferasezentrum
weise mit den ribosomalen Proteinen verbunden sind. (PTZ) bezeichnet. In ihm findet die Peptidsynthese statt.
Während der Proteinbiosynthese bilden die ribosoma- Dabei greift der Aminostickstoff der in der A-Stelle be-
len Untereinheiten mit der mRNA und den tRNAs Kom- findlichen Aminosäure nucleophil die Carbonylgruppe
plexe, in denen die tRNAs die benötigten Aminosäuren des mit der tRNA in der P-Stelle veresterten Peptidylrests
bereitstellen und die mRNA die Reihenfolge der zu ver- an. Der Reaktionsraum ist von Basen umgeben, die nicht
direkt in die Katalyse eingreifen, sondern eine optimale
Positionierung der beiden Substrate ermöglichen. Die
. Tabelle 9.2. Eigenschaften pro- bzw. eukaryoter Ribosomen
und ihrer Untereinheiten
Katalyse der Verknüpfung des Peptidylrests mit der Amino-
gruppe der zuletzt gebundenen aktivierten Aminosäure
Prokaryote Eukaryote
Ribosomen Ribosomen
wird als positional bezeichnet. Da im Peptidyltransferase-
Zentrum keine katalytisch wirkende proteinständige
Gesamtes Ribosom
Gruppe vorliegt, wird das Ribosom als Ribozym bezeich-
Sedimentationskonstante 70S 80S net. Auf eine noch nicht näher aufgeklärte Weise ist der
Masse (kDa) 2500 4200 Peptidyltransfer von der Präsenz der 2c-Hydroxylgruppe
Proteinanteil (Gewichts%) 34 40 am A76 der tRNA in der P-Stelle abhängig. Der detaillierte
Große Untereinheit Ablauf der Proteinsynthese wird im folgenden Abschnitt
beschrieben.
Sedimentationskonstante 50S 60S
RNAs 23S; 5S 28S; 5,8S; 5S
Zahl der Proteine 31 49 9.1.5 Einzelschritte der Proteinbiosynthese
Kleine Untereinheit
Sedimentationskonstante 30S 40S An der Biosynthese von Proteinen sind neben den Riboso-
RNAs 16S 18S men und Aminoacyl-tRNAs GTP und ATP sowie etwa 30
Proteinfaktoren beteiligt, von denen an dieser Stelle nur
Zahl der Proteine 21 33
wenige beschrieben werden. Die Synthese der Proteine lässt
294 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

9 . Abb. 9.9a–c. Struktur von 70S-Ribosomen aus Thermus thermo-


philus. Für die Röntgen-Strukturanalyse wurden Kristalle von Komple-
xen der Ribosomen mit tRNAs benutzt. In den Darstellungen sind die
Proteine und die 23S rRNA der großen ribosomalen Untereinheit
violett bzw. grau und die der kleinen ribosomalen Untereinheit dunkel-
blau bzw. türkis dargestellt. Die 5S rRNA (blau) befindet sich an der
oberen Seite der großen ribosomalen Untereinheit. Die tRNAs in den
E-, P- und A-Stellen sind rot, orange und goldgelb gefärbt. a Ansicht
des Ribosoms von der Eintrittsseite der tRNA. Die orangenfarbenen
Teile stellen den Anticodon-Arm der tRNA in der A-Stelle dar. b Große
ribosomale Untereinheit und die Anticodon-Schleifen der tRNAs in
den (von rechts nach links) A-, P- und E-Stellen. Dies ist die übliche von
der Seite der kleinen ribosomalen Untereinheit en face Betrachtung
der großen ribosomalen Untereinheit (im Vergleich zur Abb. 9a um 90°
nach rechts gedreht). c Die der großen ribosomalen Untereinheit
zugewandte Kontaktseite der kleinen ribosomalen Untereinheit. Man
erkennt die 3c-Enden der tRNAs in den links und mittig stehenden
A- bzw. P-Halbstellen der kleinen ribosomalen Untereinheit.
(Aufnahmen: Marat M. Yusupov und Harry F. Noller)

sich in drei Phasen, Initiation, Elongation und Termina-


tion, aufteilen. Die in eukaryoten Zellen während der Ini-
tiation, Elongation und Termination benötigten Protein-
faktoren werden mit den Kürzeln eIF, eEF bzw. eTF be-
zeichnet. Die Synthese eines Proteins dauert i.d.R. wenige
9 Minuten. In Bakterien erfolgt die Synthese nach dem glei-
chen Prinzip, sie kommt jedoch mit weniger Faktoren aus
und verläuft schneller.
! Proteinbiosynthese eukaryoter Zellen beginnt mit
Methionin-abhängiger Assemblierung von Ribosomen.

Initiation. Der komplexe Ablauf der Initiation wird hier in


fünf Schritten zusammengefasst. (. Abb. 9.10):
1. Bildung eines ternären Komplexes aus dem Initiations-
faktor eIF-2, GTP und der beladenen Initiator-tRNA,
Methionyl-tRNAiMet
2. Bildung eines sog. 43S-Komplexes aus dem ternären
Komplex und der mit eIF-1 und -3 komplexierten klei-
nen ribosomalen Untereinheit
3. Bindung der Kappe (cap) und des Poly(A)-Endes der
mRNA an eIF3, Entspiralisierung des untranslatierten
5c-Bereichs der mRNA und Anlegung des Einzel-
stranges in einen von den eIFs und der Anticodonschlei-
fe der Initiator-tRNA gesäumten Kanal an der Ober-
fläche der kleinen ribosomalen Untereinheit
4. Suchen der für eukaryote mRNA charakteristischen
Kozak-Konsensussequenz (GCCRCCAUGG, in der
das R einen Purinrest, also entweder A oder G symbo-
lisiert) und des in ihr enthaltenen Start-Codons AUG
(scanning der mRNA). Nach diesem Schritt befindet
sich die Methionyl-tRNAiMet in der P-Halbstelle der
kleinen ribosomalen Untereinheit und das Anticodon
ist mit dem Startcodon verbunden
5. Dissoziation der an der Bindung und Positionierung
der Initiator-tRNA beteiligten eIFs von der kleinen
ribosomalen Untereinheit und Vervollständigung des
9.1 · Biosynthese von Proteinen
295 9

. Abb. 9.10. Der eukaryote Initiationszyklus und Reinitiation. wird vom eIF-5 erkannt, der daraufhin die GTPase des eIF-2 aktiviert.
① Der mit GTP aktivierte Initiationsfaktor eIF-2 (hellgrün) bildet mit Die anschließende Hydrolyse des eIF-2-gebundenen GTP führt zur
der Initiations-Methionyl-tRNAiMet einen ternären Komplex. ② Dieser Ablösung des eIF-2xGDP Komplexes und der anderen Faktoren von
wird über die Initiator-tRNA an die P-Halbstelle der kleinen ribosoma- der kleinen ribosomalen Untereinheit. Jetzt ist diese für die Anlage-
len Untereinheit (K) gebunden. Die tRNA passt in eine Nische zwi- rung der großen ribosomalen Untereinheit bereit. ⑤ Der eIF-5BxGTP
schen den an der kleinen ribosomalen Untereinheit gebundenen eIF-1 Komplex (5BxGTP) vermittelt die Anbindung der Methionyl-tRNAiMet
und -3, die weiterhin die Anbindung der großen ribosomalen Unter- an die P-Halbstelle der großen ribosomalen Untereinheit. Nach dieser
einheit behindern. ③ Nun kann die mRNA mit Hilfe ihrer cap-Struktur Anbindung wirkt die große ribosomale Untereinheit auf den eIF-5B als
sowie des Poly(A)-Schwanzes unter Beteiligung von Teilen eines ein GTPase-aktivierender Faktor. Das GTP wird hydrolysiert, der Faktor
oligomeren eIF-4 (hellblau) und eines Poly(A)-bindenden Proteins (5BxGDP) verändert seine Form und dissoziiert von dem vervollstän-
(PABP) an den eIF-3 binden. Eine der Untereinheiten des eIF-4 löst eine digten Ribosom ab. Vor einer Reinitiation (③) müssen zwischenzeit-
am 5‘-Ende der mRNA eventuell vorhandene Sekundärstruktur auf lich abgelöste Untereinheiten des eIF-4 und des PABP an die cap-
und die »ausgebügelte« mRNA wird von einem RNA-bindenden Kanal Gruppe gebunden werden, um ihre Initiationskompetenz zu gewähr-
auf der Oberfläche der kleinen ribosomalen Untereinheit aufgenom- leisten. Aus dem im Laufe der Initiation gebildeten eIF-2xGDP (hell-
men. ④ Danach kann die mRNA mit Hilfe des oligomeren eIF-4 unter grünes Rechteck) und GTP wird mit Hilfe des Guanosinnucleotid-
ATP-Verbrauch durch den Kanal geschoben werden bis das Start- Austauschfaktors eIF-2B der eIF-2xGTP-Komplex regeneriert
Codon dem Anticodon gegenüber liegt. Die exakte Basenpaarung

80S Ribosoms durch Anlagerung der großen riboso- teiligung von eIF-4 und PABP mit dem Poly(A)-Ende im-
malen Untereinheit. Die Initiator-tRNA, Methionyl- mer wieder verbunden und einer weiteren Initiation zu-
tRNAiMet wird dabei mit Hilfe des eIF-5BxGTP-Kom- gänglich gemacht werden kann. Eine Verkürzung des Poly-
plexes an die P-Stelle der großen ribosomalen Unterein- (A)-Endes behindert die Initiation und beschleunigt den
heit gebunden Abbau der mRNA. Bleibt das Poly(A)-Ende bestehen, kön-
nen an eine mRNA im Abstand von jeweils ca. 30 Nucleo-
Während der Initiation und der nachfolgenden Elongation tiden weitere Ribosomen an die mRNA gebunden werden
entfernt sich die Kappe vom Ribosom, wobei sie unter Be- und Polysomen (. Abb. 9.11) bilden. Durch die Bildung
296 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

nucleophilen Angriff der D-Aminogruppe der in der A-


Stelle befindlichen Aminosäure auf das C-Atom der Carbo-
nylgruppe in der P-Stelle. In der A-Stelle entsteht ein Me-
thionyl-Aminoacyl- bzw. ein verlängertes Peptidyl-tRNA
Produkt. Die erste Aminosäure bzw. ein Peptid wird da-
durch auf die zweite bzw. nachfolgende Aminosäure in der
A-Stelle übertragen. Dabei entsteht eine neue Peptidbin-
dung ohne einen unmittelbaren Verbrauch von ATP oder
. Abb. 9.11. Elektronenmikroskopische Aufnahme von Polyso-
GTP. Vor der nächsten Runde müssen die tRNAs in deren
men während der Globinsynthese in Retikulozyten. Durch eine
spezielle Färbung erkennt man die mRNA als einen schwarzen Faden: jeweils nächste Station und gleichzeitig die mRNA durch
(Aufnahme: Alexander Rich) ihren Kanal um etwa 2 nm verschoben werden. Die Energie
für diese chemomechanische Leistung wird durch Hydro-
der Polysomen wird eine parallele Fertigung von mehreren lyse von GTP bereitgestellt. Es ist wahrscheinlich, dass an
Proteinmolekülen ermöglicht und die Produktivität der der Bewegung sowohl die Ribosomen, als auch die tRNAs,
Translation erhöht. vermutlich in Teilschritten, beteiligt sind. Die deacylierte
tRNA wandert aus der P-Halbstelle der großen ribosomalen
! Die für die Elongation benötigten Aminoacyl-tRNAs
Untereinheit in die E-Halbstelle, während der den verlän-
werden als Komplexe mit dem Elongationsfaktor eEF-
gerten Peptidylrest tragende Akzeptorarm der nächsten
1A bereitgestellt.
tRNA aus der A- in die P-Halbstelle vorrückt, die eine hö-
Elongation. Die Elongation erfolgt in fünf Schritten, die für here Affinität zu dem Peptid besitzt als die Erstere. Die
den Einbau jeder nachfolgenden Aminosäure wiederholt tRNAs befinden sich zwischenzeitlich in »hybriden« E/P
werden. Die Schritte sind schematisch in der . Abb. 9.12a und P/A Stellen, wie in . Abb. 9.12a im Schritt 4 angedeu-
dargestellt und in der Legende genau beschrieben. Abhän- tet. Während die Codon-Anticodon-Paarung besteht, wird
gig ist die Elongation von der Bereitstellung von ternären die Positionierung der tRNAs in den kompletten P- und
9 Elongationskomplexen, die in einer Vorbereitungsphase A-Stellen vervollständigt; die Anticodonarme werden erst
aus allen beladenen tRNAs und dem mit GTP aktivierten unter der Einwirkung des eEF-2xGTP-Komplexes aus den
Elongationsfaktor eEF-1A auf gleiche Weise hergestellt A- und P- in die P- und E-Halbstellen der kleinen riboso-
werden. malen Untereinheit verschoben. Der Elongationsfaktor
Im ersten Schritt der Elongation wird an die A-Stelle enthält eine atypische Aminosäure, das Diphtamid (. Abb.
eine Aminoacyl-tRNA gebunden, die zu dem vorliegenden 9.13), die durch posttranslationale Modifikation eines His-
Codon komplementär ist (. Abb. 9.12b). Der zentrale Vor- tidinrests gebildet wird. Das Diphtamid ist der Angriffs-
gang der Elongation ist die nun folgende Ausbildung der punkt des Diphterietoxins (7 Kap. 9.1.8).
Peptidbindung. Wenn eine neue tRNA in der A-Stelle ge- Vom Peptidyltransferase-Zentrum wandert die wach-
bunden wird, kommt es im Peptidyltransferase-Zentrum sende Polypeptidkette durch einen Tunnel (. Abb. 9.14) in
zu einer Rotationsbewegung, durch die die aktivierte Ami- der großen ribosomalen Untereinheit. An der Austrittstel-
nosäure in die unmittelbare Nähe des Estercarbonyls am le wird die naszierende Kette von Proteinen gebunden, die
3c-Ende der in der P-Stelle befindlichen tRNA vorgescho- die Ausbildung einer nativen 3D-Struktur oder die Bindung
ben wird. Wie in . Abb. 9.12c gezeigt, kommt es zu einem des Ribosoms an das ER ermöglichen (7 Kap. 9.2.1, 9.2.2).

. Abb. 9.12a–c. Cytosolischer Elongationszyklus eukaryoter letzten tRNA. ⑤ Beide tRNAs werden zusammen mit der über die 7
Zellen. a Schema der Elongation. ① In einem Vorbereitungsschritt Codon-Anticodon-Wechselwirkungen verbundenen mRNA in dem
werden aus Aminoacyl-tRNAs und aktiviertem eEF-1AxGTP (grünes ribosomalen Hohlraum um etwa 2 nm, von den P- und A- in die E- und
Rechteck mit GTP) ternäre Elongationskomplexe gebildet. Diese wer- P-Stellen, vorgeschoben (s. Lage der Pfeile entlang der mRNA). Der
den für die Bindung der Aminoacyl-tRNAs an die Akzeptor (A)-Stelle Schritt wird durch den eEF-2 gesteuert. Dieser wird entweder mit GDP
benötigt. ② In dem eigentlichen Elongationszyklus bindet der ternäre oder mit GTP komplexiert und in der Nähe der A-Stelle gebunden. Im
Elongationskomplex nahe der Aminoacyl-tRNA- bzw. Akzeptorstelle Laufe der Translokation erhält der eEF-2 (wahrscheinlich vom Ribo-
(A) an das Ribosom, damit zunächst die Codon-Anticodon Paarung som) ein GTPase-aktivierendes Signal, um das Anbinden der Peptidyl-
überprüft werden kann. Bei Übereinstimmung bleibt die tRNA gebun- tRNA in der P-Stelle und die Ablösung des Faktors auszulösen. An-
den. ③ Der am eEF-1A gebundene Anticodonarm ist verbogen und schließend kann die Elongation durch Lesen des nächsten Codons
kann sich nach optimaler Bindung an das Codon wie eine Feder stre- fortgesetzt werden. Notwendig ist die von Guanosin-Nucleotid-
cken. Damit passt sich die tRNA der A-Stelle an. Das besetzte Ribosom Austauschfaktoren abhängige Regeneration der eEF-1A- und eEF-
wirkt auf den eIF-1AxGTP Komplex wie ein GTPase-aktivierender 2·GTP-Komplexe. Der Faktor eEF-1B ist für das Recycling des eEF-1A
Faktor: das GTP wird hydrolysiert, der Faktor kann die Eintrittstelle zuständig. b Anticodon Basenpaarung. Peptidyl- und Aminoacyl
verlassen. ④ Die Peptidsynthese erfolgt im Peptidyltransferasezen- tRNAs in den P- und A-Stellen bilden Wasserstoffbrückenkontakte zu
trum (PTZ) durch eine genaue Positionierung der Peptidyl- und Amino- den Codons der mRNA c Reaktionsmechanismus der Knüpfung der
acyl-tRNAs. Der verlängerte Peptidylrest befindet sich an der jeweils Peptidbindung. (Aufnahme: Harry F. Noller und Marat M. Yusupov (b))
9.1 · Biosynthese von Proteinen
297 9
298 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

. Abb. 9.14. Querschnitt durch die große ribosomale Untereinheit


entlang des Polypeptidtunnels eines bakteriellen Ribosoms. Im Ver-
gleich zur Abb. 9.9b wurde die große ribosomale Untereinheit um ca.
120° nach vorne (»kopfüber«) rotiert und angeschnitten. Die kleine
ribosomale Untereinheit befindet sich an der Unterseite. Der untere
Pfeil markiert den mRNA-Tunnel (mRNA), der mittlere das Peptidyl-
9 . Abb. 9.13. Beispiele seltener Aminosäuren in Proteinen. Das
transferasezentrum (PTZ) und der obere den Polypeptidtunnel (PT).
N-Formylmethionin (f-Met) und das Selenocystein sind proteinogene
Auffälligerweise ist das PTZ ausschließlich von der rRNA umgeben.
Aminosäuren, die als tRNA-Derivate synthetisiert werden (s. Text). Das
Gebunden an die tRNA in der P-Stelle zieht das naszierende Polypep-
Diphtamid entsteht durch eine posttranslationale Modifikation eines
tid (hellblau) vom PTZ zur Austrittstelle des Polypeptidtunnels (AU).
Histidinrests im eEF-2. Es ist der Angriffspunkt des Diphterie-Toxins.
(Aufnahme: Harry F. Noller und Marat M. Yusupov)
Bei Inaktivierung des eEF-2 wird auf das Diphtamid ein ADP-Ribose-
rest (blaue Schrift) übertragen. In freier Form kommen die veränderten
Aminosäuren nach proteinolytischem Abbau modifizierter Proteine
vor

! Drei Stopp-Codons signalisieren das Ende der Protein-


biosynthese, eines kann in einem bestimmten mRNA-
Sequenzkontext den Einbau von Selenocystein signali-
sieren.

Termination. Sobald eines der drei Stopp-Codons UAG,


UAA und UGA gegenüber der A-Stelle positioniert wird,
kommt es zur Freisetzung des Polypeptids und damit zum
Ablösen der mRNA sowie dem Zerfall des Ribosoms in
seine Untereinheiten (. Abb. 9.15). Die kleine ribosomale . Abb. 9.15. Termination der Proteinbiosynthese. Erscheinen
eines Stopp-Codons in der Aminoacyl-Stelle fördert die Bindung des
Untereinheit wird bis zur nächsten Initiation von eIF-3
release-Faktor eRF anstatt einer Aminoacyl-tRNA. Der eRF ahmt die
komplexiert. Die Freisetzung des Polypeptids bei der Ter- Gesamtstruktur sowie die Oberflächenladungsverteilung der tRNAs
mination entspricht einer Übertragung auf Wasser. Die Hy- nach. Er induziert die Hydrolyse der Esterbindung der Peptidyl-tRNA
drolyse wird im Peptidyltransferase-Zentrum unter Einwir- in der P-Stelle, wodurch die Synthese des Proteins beendet wird. Der
kung von Freisetzungsfaktoren RF (release factors) kataly- Komplex zerfällt, während die kleine ribosomale Untereinheit vom
eIF-3 gebunden wird
siert. Die RFs erkennen die Stopp-Codons, besetzen die
A-Stelle und erstrecken sich bis zu A76 der Peptidyl-tRNA
(. Abb. 9.15). nonsense-Mutation zusätzlich zur Veränderung einer tRNA,
sodass mit ihrer Hilfe das Stopp-Codon zumindest gele-
Suppression. Die Stopp-Codons erzeugenden sog. non- gentlich als codierend gelesen wird und genügend funk-
sense-Mutationen können die Bildung oder Funktionsfä- tionstüchtiges Protein gebildet werden kann, spricht man
higkeit eventuell lebensnotwendiger Proteine durch Unter- von einer Suppression. Die mutierte tRNA wird als Sup-
brechung der Synthese vernichten. Kommt es neben einer pressor-tRNA bezeichnet.
9.1 · Biosynthese von Proteinen
299 9

Auch die Insertion eines Nucleotids kann durch tRNA- induzierten Strukturumwandlung im SECIS-Element er-
Mutationen kompensiert werden, wenn beispielsweise die folgt das eEFsec-abhängige Andocken des Anticodons 5c-
Anticodon-Schleife, ebenfalls durch eine Insertion, um ein UCA an das Stoppcodon 5c-UGA. Das dabei aktivierte
Nucleotid verlängert wird. eEFsec spaltet GTP und kann sich danach von der bela-
In humanen Zellen ist die Biosynthese eines als Regula- denen tRNA bzw. der A-Stelle entfernen.
torprotein dienenden »Antizyms« von einer Verschiebung
des Leserahmens abhängig, die auf einem anderen Prinzip
beruht. Dieses Regulatorprotein wird zum Abschalten der 9.1.6 Hemmstoffe der Proteinbiosynthese
Aktivität der Ornithindecarboxylase, des Schrittmacheren-
zyms der Polyaminsynthese (7 Kap. 13.6.3), am Ende der ! Viele Hemmstoffe der Proteinbiosynthese werden als
S-Phase des Zell-Zyklus (7 Kap. 7.1) benötigt. In der Anti- Antibiotika benutzt.
zym-mRNA befindet sich ein überzähliges Nucleotid zwi-
schen zwei Tripletts und verhindert die distale Übersetzung. Antibiotika wirken z.T. sehr spezifisch auf die bakterielle
Diese kann jedoch bei erhöhtem Polyaminspiegel erfolgen: Proteinbiosynthese und erweisen sich für die Aufklärung
das überzählige Nucleotid wird dann zusammen mit einem des Synthesemechanismus und insbesondere für Therapie
der benachbarten Tripletts als ein »Tetraplett« gelesen. Da- bakterieller Infektionskrankheiten als unentbehrlich. Ver-
raus resultiert eine Leserasterverschiebung (frame-shift), schiedene Antibiotika hemmen unterschiedliche Schritte
die die Synthese des »Antizyms« und somit eine Hemmung der Proteinbiosynthese:
der Polyaminsynthese ermöglicht. 4 Tetracycline binden die kleine Untereinheit prokaryo-
ter Ribosomen und verhindern die Bindung der Ami-
Selenocystein. In einigen wenigen humanen Proteinen da- noacyl-tRNA. In hohen Konzentrationen blockieren sie
runter der Glutathionperoxidase kommt die sog. 21. pro- auch die eukaryote Proteinbiosynthese
teinogene Aminosäure Selenocystein (Sec) (. Abb. 9.13) 4 Streptomycin und andere Aminoglycosid-Antibioti-
vor. Das Enzym trägt zum Schutz vor oxidativem Stress bei, ka intercalieren in die 16S rRNA der prokaryoten klei-
in dem es Hydroperoxide und reduziertes Glutathion zu nen ribosomalen Untereinheit. Dadurch wird die A-
Wasser bzw. Alkohol und oxidiertem Glutathion umsetzt. Halbstelle modifiziert, in der die Wechselwirkung zwi-
In vitro verhindert es die Initiation und Propagierung von schen Codon und Anticodon stattfindet. Die Folge sind
Radikalkettenreaktionen. Ablesefehler bei der Elongation
Selenocystein wird allerdings nicht durch eine entspre- 4 Macrolid-Antibiotika, z.B. Erythromycin, binden die
chende Modifikation von Cysteinylresten der Selenproteine 23S rRNA der prokaryoten großen ribosomalen Unter-
gebildet. Es entsteht vielmehr aus der Aminosäure Serin, einheit und »verstopfen« dadurch den Polypeptid-
allerdings erst nachdem diese durch die Seryl-tRNA-Syn- tunnel
thetase auf eine spezifische tRNASec übertragen wurde. Die 4 Das Breitband-Antibiotikum Chloramphenicol kon-
gebildete Seryl-tRNAsec wird in einem enzymatischen Pro- kurriert mit den tRNAs um die A- und P-Stellen im
zess in Selenocysteinyl-tRNASec umgewandelt. Bereich des Peptidyltransferase-Zentrums prokaryoter
Auch der Einbau des an seine spezifische tRNA gebun- Ribosomen
denen Selenocysteins in die wachsende Peptidkette erfolgt 4 Fusidinsäure hemmt den Elongationszyklus. Sie greift
nach einem besonderen Mechanismus. Bei der Analyse der nach der Hydrolyse von GTP und der Translokation der
mRNA von Selenproteinen verblüffte, dass innerhalb der Peptidyl-tRNA ein und verhindert die Ablösung des
Sequenz ein UGA-Stopp-Codon genau an der Stelle auf- GDP-Komplexes des eEF-2 von den Ribosomen
tritt, auf der im Protein das Selenocystein vorliegt. Daraus 4 Cycloheximid hemmt die Translokaseaktivität eukaryo-
folgt, dass dieses Stopp-Codon in definierten mRNAs den ter Ribosomen und wird experimentell für wissen-
Einbau des Selenocysteins bestimmen kann. schaftliche Studien eingesetzt
In der mRNA der Glutathionperoxidase sowie in der 4 Puromycin wirkt sowohl an pro- als auch an eukaryo-
anderer Selenocysteinproteine folgt dem Stopp-Codon eine ten Ribosomen. Es bindet an die A-Stelle des Ribosoms.
Nucleotidsequenz (SECIS), die zur Ausbildung einer Haar- Da es strukturell dem Aminoacyl-Ende der Aminoacyl-
nadelschleife (hairpin) führt. Diese wird von einem SECIS- tRNA ähnelt, kann es den Peptidylrest von der in der
bindenden Protein (SBP2) erfasst. Der mit GTP aktivierte P-Stelle befindlichen Peptidyl-tRNA übernehmen. Dies
Transkriptionsfaktor eEFsec (sec = Selenocystein) bindet führt zum vorzeitigen Abbruch der Proteinbiosynthese
eine Selenocystein-tragende tRNA sowie das an der mRNA (. Abb. 9.16)
gebundene SBP2-Protein. Zusätzlich wird es von dem in
der Nähe des Eintritts zur A-Stelle befindlichen Protein L30
(. Abb. 9.9a) der großen ribosomalen Untereinheit gebun-
den. Dadurch wird das Selenocysteinyl-tRNASec–Molekül
an die A-Stelle gebracht. Nach einer durch das L30-Protein
300 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

. Abb. 9.16. Strukturelle Ähnlichkeit von Puromycin mit dem . Abb. 9.17. Regulation der Initiation. Der mit G-Proteinen ver-
Aminoacyl-Adenylat-Ende von tRNA-Molekülen. Links: Puromycin; wandte Initiationsfaktor eIF-2 wird durch Phosphorylierung/Dephos-
rechts: Aminoacyl-Ende einer tRNA. Unterschiede zwischen beiden phorylierung reguliert. Nach der Anlagerung der Starter-Aminoacyl-
Molekülen sind rot hervorgehoben tRNA an die P-Stelle wird das gebundene GTP zu GDP hydrolysiert. Der
Initiationsfaktor eIF-2B wirkt als Guaninnucleotid-Austausch-Faktor.
Durch spezifische Proteinkinasen kann eIF-2 phosphoryliert werden.
Phosphorylierter eIF-2 bindet wesentlich stärker an eIF-2B, sodass eine
9.1.7 Regulation der Proteinbiosynthese GTP-Anlagerung und somit die Reaktivierung von eIF-2 unmöglich
wird
! Die Proteinbiosynthese kann auf der Ebene der Initia-
9 tion reguliert werden. 4 Über die Phosphorylierung von eIF-2 wird die Protein-
synthese infolge von Stress wie Hitzeschock oder
Die in 7 Kap. 8.5 beschriebenen Möglichkeiten der Trans- Mangel an Wachstumsfaktoren und Aminosäuren ge-
kriptionsregulation sind für die Proteinbiosynthese von hemmt
größter Bedeutung. Darüber hinaus kann die Translation
auf der Ebene der Initiation reguliert werden. Cap-abhängige Initiation. Die Funktion der cap-Gruppe
wird durch eIF-4-bindende phosphorylierbare Proteine re-
Regulation der Initiation durch Modifikation des Initia- guliert. Diese greifen in die Proteinbiosynthese auf verschie-
tionsfaktors eIF-2. Dieses GTP-bindende Protein ist für die denen Stadien der embryonalen Entwicklung, synaptischer
Initiation der Proteinbiosynthese essentiell, da es die Me- Plastizität und bei Wachstumsregulation. Die E-Untereinheit
thionyl-tRNAiMet an die Startposition der mRNA dirigiert (eIF-4E) besitzt onkogenes Potential. Die Erhöhung der
(7 o.). Die Aktivierung von eIF-2 erfolgt durch den als GEF Konzentration verschiedener eIF-4-Untereinheiten steigert
(guanosine nucleotide exchange factor) wirkenden eIF-2B die Translation einer Gruppe der mRNAs mit besonders
(. Abb. 9.10). eIF-2 wird durch Phosphorylierung-Dephos- starker Sekundärstruktur am untranslatierten 5c-Ende. Sie
phorylierung reguliert. In phosphorylierter Form wird er findet beispielsweise in Mamma-Karzinomzellen statt. Bei
von eIF-2B besonders fest gebunden und somit aus dem der langfristigen Festigung und Abschwächung (long term
Reaktionszyklus entfernt (. Abb. 9.17). Erst durch eine spe- potentiation und long term depression) neuronaler Verbin-
zifische Phosphatase kann dieser Vorgang rückgängig ge- dungen wird die Translation bestimmter mRNAs in dendri-
macht werden. In das Verhältnis von phosphoryliertem tischen Fortsätzen durch Phosphorylierung und Dephos-
und nicht-phosphoryliertem eIF-2 greift eine Reihe von phorylierung des Polyadenylat-bindenden Proteins PABP
Faktoren ein: stimuliert bzw. gehemmt, wobei die Initiation von einer
4 Häm hemmt eine eIF-2-Kinase und erleichtert auf Wechselwirkung des eIF-4G mit dem PABP abhängig ist.
diese Weise die Reaktivierung von eIF-2. Dies erlaubt Eine Aktivierung von N-Methyl-D-Aspartat (NMDA)-Re-
v.a. eine Steigerung der Globinbiosynthese in Retikulo- zeptoren führt zu einer Aktivierung der Rezeptor-assoziier-
zyten, wenn ausreichend Häm vorhanden ist (7 Kap. ten Calcium-abhängigen Proteinkinasen, zur Phosphorylie-
20.1.3) rung von PABP und einer lokalen Beschleunigung der Pro-
4 Interferone, die als Antwort auf virale Infekte von ver- teinsynthese selektiver mRNAs.
schiedenen Zellen produziert werden, hemmen die
Translation in Virus-infizierten Zellen durch Aktivie- tRNA-Beladungszustand. Fehlt eine der Aminosäuren,
rung von eIF-2-Kinasen und verhindern damit die Ver- kommt die gesamte Proteinsynthese zum Erliegen. Sie wird
mehrung der Viren schon auf der Stufe der Initiation gehemmt.
9.2 · Faltung, Transport und Modifikation von Proteinen
301 9
9.1.8 Pathobiochemie gressive, fatale infantile Ataxie (CACH, childhood ataxia
with central hypomyelinisation), eine der häufigsten Leuko-
Virale Initiation. Einige Viren, u.a. das Poliovirus, benutzen dystrophie. Scheinbar gesund geborene Kinder sterben vor
einen besonderen Initiationsmechanismus. Sie produzieren dem Erreichen des Schulalters.
ein Protein, das die Kopfgruppen (cap)-abhängige Bindung
eukaryoter mRNA an die kleine ribosomale Untereinheit Diphterietoxin. Dieses vom Bakteriophagen E codierte To-
im Initiationskomplex behindert. Dadurch wird die Trans- xin wird von einigen Stämmen des Corynebacterium Diph-
lation der wirtseigenen mRNA infizierter Zellen unterdrü- theriae gebildet. Bei nicht geimpften Personen wirkt es
ckt und die der viralen mRNA begünstigt. schon in μg-Mengen letal. Es besteht aus A- und B-Unter-
einheiten. Die Letztere ist für die Aufnahme des Toxins in
Beschleunigte Initiation bei Tumoren. Eine Überproduk- die Zelle verantwortlich: Bei saurem pH kann sie in die en-
tion des eIF4E wurde bei Brustkrebs-, Harnblasen- u.a. Tu- dosomale oder lysosomale Membran eindringen und Poren
moren festgestellt und ist mit einer schlechten Prognose bilden, durch die die A-Untereinheit geschleust wird. Im
assoziiert. Es zeigt sich eine inverse Korrelation zwischen Cytosol wird diese wieder gefaltet. Im aktiven Zustand ka-
der Überproduktion und der Überlebensdauer. Dies kann talysiert sie die ADP-Ribosylierung (7 Kap. 23.3.4) des
auf eine Steigerung der Produktion von Wachstumsfakto- Elongationsfaktors eEF2. Diese Modifikation erfolgt an
ren, z.B. VEGF, und/oder der Chemotherapie-Resistenz einem Diphtamid-Rest, der im eEF-2 posttranslational aus
zurückgeführt werden. einer Histidinseitenkette gebildet wird (. Abb. 9.13) und
führt zur Inaktivierung des Faktors. Da das Toxin enzyma-
CACH. Defekte der Untereinheiten des eIF-2B führen zur tisch wirksam ist, kann die Proteinbiosynthese einer Zelle
Hypomyeliniserung und einer Atrophie der weißen Sub- durch ein einziges Molekül des Diphtherietoxins vollstän-
stanz. Die Folge des Weisssubstanzschwundes ist eine pro- dig zum Erliegen gebracht werden.

In Kürze
Die Sequenz der Aminosäuren eines Proteins ist in seiner Die bei der Elongation entstehende Peptidbindung
mRNA codiert. wird durch Positionierung der Substrate in einer Cavität des
Für die Übersetzung der codierten Sequenz ist eine Ribosoms, dem Peptidyltransferasezentrum, katalysiert.
aus Ribosomen, je etwa dreißig tRNAs und Translationsfak- Trotz der Universalität des genetischen Codes gibt es
toren sowie zwanzig Aminoacyl-tRNA-Synthetasen beste- Unterschiede zwischen der Proteinsynthese in Bakterien, in
hende Maschinerie zuständig. Ihre Fehlerrate ist geringer eukaryoten Zellen und in deren Mitochondrien.
als 1 auf 104 eingebaute Aminosäuren. Fortschritte der Molekular- und Strukturbiologie er-
Als Substrate werden zwanzig Aminosäuren, als Ener- möglichen die Erkennung von Antibiotika-empfindlichen
giequellen GTP und ATP benötigt. »Schwachstellen« der Proteinsynthese in pathogenen Or-
Die Proteinbiosynthese erfolgt in den drei Phasen ganismen.
Initiation, Elongation und Termination.

9.2 Faltung, Transport und werden zahlreiche nicht-ionische, ionische, van der
Modifikation von Proteinen Waals’sche und sogar covalente intramolekulare Bin-
dungen getestet und schließlich festgelegt. Die Wege zur
9.2.1 Faltung der Polypeptide finalen nativen Struktur sind vielfältig, die Zahl der theo-
retisch möglichen Zwischenstufen sehr groß. Das Gleiche
! Die korrekte Faltung einer Polypeptidkette wird i.d.R. gilt vermutlich auch für die Zahl der thermodynamisch
durch Chaperone und Isomerasen abgesichert. stabilen, jedoch falschen Alternativstrukturen. Dass die
Faltung dennoch in Sekunden bis Minuten gelingt, ist das
Naszierende Polypeptidketten. Wie entsteht aus einer Ergebnis einer konzertierten Aktion verschiedener Hilfs-
wachsenden Polypeptidkette ein funktionsfähiges Pro- systeme, die die Faltung unterstützen, »nicht erlaubte«
tein? Ab einer Länge von ca. 40 Aminosäuren beginnt ein Bindungen auflösen, selbst wenn diese stabil sind und wie
naszierendes Protein, den Tunnel in der großen ribosoma- thermodynamische »Fallen« mit niedrigem Energiegehalt
len Untereinheit zu verlassen und muss zu seiner typischen und hoher Aktivierungsenergie wirken. Zu diesem Zweck
dreidimensionalen Struktur gefaltet werden. Die Faltung besitzen die Zellen mehrere Enzyme und Bindeproteine,
der Polypeptidkette ergibt sich aus der Primärstruktur die z.B. eine unspezifische Verklumpung von hydropho-
und folgt den Gesetzen der Thermodynamik (7 Kap. 3.3.1 – ben Polypeptidabschnitten verhindern und den Faltungs-
3.3.4). Während eines mehrstufigen Faltungsprozesses prozess beschleunigen. Etwa 1/4 der neu synthetisierten
302 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

Proteine verfehlt die korrekte Faltung und wird abge-


baut.

Hitzeschock-Proteine. Eine Erhöhung der Umgebungstem-


peratur stört die Faltung der Polypeptide und zerstört u.U.
einen Teil der fertigen Proteine. Auf diesen »Stress« reagie-
ren Zellen mit einer verstärkten Synthese sog. Hitzeschock-
Proteine (heat-shock proteins, Hsp). Ihnen werden mehrere
Funktionen zugeordnet. Die wichtigsten sind Faltungshilfe,
Reparatur, Assistenz bei der Bildung von Proteinkomple-
xen, beim Proteintransfer zwischen Kompartimenten und
beim Proteinabbau. Als molekulare Chaperone (engl. cha-
perone, Anstandsdame) verhindern sie falsche und fördern
korrekte Faltungsschritte.

Hsp-Familien. Es gibt mehrere Gruppen von heat-shock-


Proteinen, die nach der Molekülmasse ihrer häufigsten Ver-
treter benannt werden. Sie kommen ubiquitär vor. Als Fal-
tungshelfer können die heat-shock-Proteine sowohl gleich-
zeitig kooperieren als auch nach einander wirken.
Eine solche Hilfsfunktion besteht im Schutz vor der Ag-
gregation hydrophober Abschnitte. Dies wird in Bakterien
durch das DNA-J Protein und in eukaryoten Zellen durch
HDJ1 (Hsp40) und HDJ2 Chaperone gewährleistet. Zu die-
9 ser Familie gehört das Mpp11 Protein, das am Rande des
ribosomalen Proteintunnels lokalisiert ist. Hier bilden
mehrere Hsp Proteine einen Ribosomen-assoziierten Kom-
plex (RAC, ribosome associated complex), in dem struktur-
mäßig unreife Proteine abgefangen werden (. Abb. 9.18a).
. Abb. 9.18a, b. Chaperone, Chaperonine und Faltung. a Koope-
Für einen erfolgreichen Abschluss der Proteinfaltung in
ration von Chaperonen und Chaperoninen bei der Faltung naszieren-
menschlichen Zellen werden in der Regel größere ATP-ab- der Polypeptidketten. Es können nur einige Chaperone gezeigt wer-
hängige, miteinander kooperierende, Chaperone der Hsc70 den. Mehrere befinden sich an der Oberfläche der Ribosomen in der
(heat shock cognate) und Hsp90-Familien benötigt (. Abb. Nähe des Ausgangs des Polypeptidtunnels. Sie bilden den sog. RAC-
9.18a). Sie bilden Komplexe, an denen sog. Co-Chaperone Komplex, der in der Abbildung als Aufnahmetasche dargestellt ist. Sie
binden die naszierenden Polypeptidketten und verhindern die Aggre-
sowie Peptidyl-Prolyl-Peptidisomerasen (7 weiter unten)
gation ihrer hydrophoben Sequenzen. Die teils gefalteten Proteine
beteiligt sind. Beide Proteinfamilien enthalten jeweils eine werden (von links nach rechts) an den TOM Transporter der Mitochon-
oder mehrere konservierte Domänen von etwa 34 Amino- drien oder an das mit Peptidyl-Prolyl-Isomerasen kooperierende
säuren -Länge (tetratricopeptide repeats), die sie zur Bildung homodimere Hitzeschock-Protein Hsp90 und/oder an die Chape-
von Komplexen mit den Hsc70- und Hsp90-Proteinen be- ronine (TRiC) geleitet. Hop verbindet temporär Hsc70 und Hsp90.
PPI = Peptidyl-Prolyl-cis-trans-Isomerase; Mpp11 = Ribosomen-assozi-
fähigen. Die Komplexe wirken nicht nur als kleine Fal-
iertes Chaperon b Kristallographische Struktur eines Archäen-Chape-
tungsmaschinen, sondern auch als Regulatoren oder Koor- ronins (TRiC-Prototyp). Das symmetrische Partikel wird als Raum-
dinatoren lebenswichtiger Prozesse wie der Proliferation füllendes Modell in geschlossener (links) und geöffneter (rechts) Form
und Apoptose. Die Klientel von Hsp90 ist sehr umfang- gezeigt. Die oberen und unteren Hälften sind identisch und hohl. Sie
reich. Es umfasst zahlreiche Proteinkinasen, Protoonkoge- bestehen aus je vier abwechselnd ringförmig verknüpften D- und E-
Untereinheiten. Die Basis-nahen Domänen besitzen ATPase-Aktivität
ne und cytosolische Rezeptoren, die als Transkriptionsfak-
(magenta). Die an den Außenrändern lokalisierten (orange und
toren wirken können. Des Weiteren zählen die Struktur- schwarz) können durch ATP-abhängige Streckung der intermediären
proteine Aktin und Tubulin dazu, die zusätzlich vom Domäne (blau) zwischen offener und geschlossener Konformation
Chaperonin TRiC (7 weiter unten) bearbeitet werden. Ste- wechseln. Ihre Innenseite bindet die nicht oder fehlerhaft gefalteten
roidhormonrezeptoren erlangen die Fähigkeit Steroide zu Proteine. Durch Binden bzw. Hydrolyse von ATP werden diese »Nano-
maschinen« in Bewegung gesetzt. Dabei können sie ihren Inhalt und
binden erst unter Mitwirkung von Hsc70 und Hsp90
ihre Domänenorganisation verändern sowie aggregierte Proteine
(7 Kap. 25.3.1). Für die Bildung tripelhelicaler Domänen in voneinander trennen. (Aufnahme: Lars-Oliver Essen (b))
Kollagenmolekülen wird das induzierbare Hsp47 benötigt.
Hsc70 ist für die Depolymerisierung der Clathrinbeschich-
tung und Freisetzung von Triskelions (7 Kap. 6.2.5) erfor-
derlich.
9.2 · Faltung, Transport und Modifikation von Proteinen
303 9

Chaperonine. In einer besonderen Proteinfamilie finden


sich multimere Faltungskatalysatoren, die als Chapero-
nine bezeichnet werden. Ringförmig angeordnete Unter-
einheiten der Chaperonine bilden kleine Reaktionskam-
mern, in die Substratproteine aufgenommen werden. Die
Aufnahme in die Kammern erfolgt abwechselnd wie bei
einem Zweitakt-Motor. Durch eine ATP-abhängige Ver-
formung der Kammer kommt es zur mechanischen Ver- a
zerrung des eingeschlossenen Proteins. Die alternativen
Strukturen wurden durch kristallographische Untersu-
chungen eines Archäen-Chaperonins aufgeklärt (. Abb.
9.18b). Auf Kosten von ATP können fehlerhaft gefaltete
Proteine bzw. Proteindomänen aus den oben erwähnten
thermodynamischen »Fallen« befreit werden. Im Cytosol
menschlicher Zellen finden sich ähnliche, aus acht ver-
schiedenen Untereinheiten aufgebaute Partikel (TRiC =
TCP1 ring complex).

Peptidyl-Prolyl-cis-trans-Isomerasen (PPIasen). Die mei- b


sten Peptidbindungen liegen zu 100% in einer gestreckten . Abb. 9.19a, b. Cis-trans-Isomerie bei Peptidyl-Prolyl-Peptid-
(trans)-Konformation (7 Kap. 3.3.1) vor. Eine Ausnahme bindungen. a Das D-Kohlenstoffatom eines Prolinrests (Dn) kann in
Bezug auf die am D-Kohlenstoffatom des auf seiner N-terminalen
machen Peptidyl-Prolyl-Peptidbindungen, die zu etwa 10%
Seite gebundenen Aminosäurerests (Dn–1) sowohl in trans – (braune
in cis-Konformation vorliegen (. Abb. 9.19). PPIasen sind gepunktete Linie) als auch in cis-Konfiguration vorliegen (Vereinfach-
ubiquitäre Enzyme, die diese Konformationen umwandeln te Darstellung ohne H-Atome; N-Atome = lila; O-Atome = rot). b Im
können. Ihre Ausschaltung mittels Mutagenese zieht eine humanen Kathepsin D beispielsweise kommt die cis- und trans-Konfi-
Reihe schwerwiegender Störungen nach sich. Sie besitzen guration bei zwei benachbarten Prolinresten (Nr. 24 bzw. 25) vor. Der
Peptidylrest wird hier durch die Aminosäuren Glycin-22 und Threonin-
jeweils eine katalytische (die PPIase) und eine regulato-
23 repräsentiert. In der Projektion ist die cis- am Prolin-24, und die
rische Domäne. Die regulatorischen Domänen einiger trans-Konfiguration am Prolin-25 dargestellt. Die normale Orientie-
PPIasen können kleine Signalstoffe binden und hiervon rung der Polypeptidkette an jedem Prolin-Rest wird bei der Biosynthe-
abhängig andere Proteine regulieren. Cyclophiline, die se bei einem Teil der Moleküle spontan erzeugt, bei den restlichen
bekanntesten PPIasen, binden Cyclosporin A, das zur Im- erfordert sie eine Isomerisierung der initial trans-konfigurierten Bin-
dung. Die Prolinreste übernehmen die Funktion von molekularen
munsuppression eingesetzt wird. Vertreter einer anderen
Scharnieren
PPIasen-Familie, die FKBPs (FK506 bindenden Proteine)
binden verschiedene Makrolid-Antibiotika. Die Cyclo-
philine und die FKBPs werden als Immunophiline be- Die Isomerase selbst wird durch Phosphorylierung und
zeichnet. Den Immunophilinen gemeinsam ist ihre Fähig- Dephosphorylierung inaktiviert bzw. aktiviert. In eosino-
keit, in Anwesenheit ihrer Liganden die als Calcineurin philen Leukozyten, die bei Asthma das pulmonale Binde-
bezeichnete Ca2+-Calmodulin-abhängige Protein-Phos- gewebe infiltrieren, ist die Pin1-Aktivität infolge einer
phatase 2B (7 Kap.30.4) zu binden und zu hemmen. Interaktion der Zellen mit Matrixmolekülen erhöht. Da-
Für die Immunsuppression ist die Hemmung des Cal- durch wird der exosomale Abbau spezifischer mRNAs
cineurins, nicht die der PPIase-Aktivität, entscheidend. In verhindert und folglich die Synthese und Sekretion der
Lymphozyten vermittelt Calcineurin mitogene Signale, Wachstumsfaktoren erhöht, die die inflammatorischen
die bei einer Immunreaktion die klonale Expansion er- Zellen vor Apoptose schützen.
möglichen. So kann die Abstoßung von Transplantaten Chaperone finden sich vor allem im Cytosol, ER und
durch eine Dauerbehandlung mit Cyclosporin A verhin- Mitochondrien. Die kleinsten binden an die naszierenden
dert werden, da diese Substanz an die Cyclophilindomä- Polypeptidketten als Erste, die großen Chaperonine wirken
nen der PPIasen bindet und über die Hemmung des Cal- in späteren Stadien der Faltung und ändern die tertiäre und
cineurins eine Hemmung der Immunreaktion bedingt. quartäre Struktur. Charakteristisch für das chaperoning ist
Die einer dritten Familie zugehörige PPIase, Pin1, isome- eine kontinuierliche Kooperation zwischen den Faltungs-
risiert spezifisch Threonin-Prolin- und Serin-Prolin-Bin- katalysatoren und mit Co-Chaperonen (. Abb. 9.18a), bei-
dungen, jedoch nur in den Substratproteinen, in denen die spielsweise dem Hop (Hsp70/Hsp90 organizing protein).
dem Prolin benachbarten Reste in phosphorylierter Form Dieses interagiert mit den Hitzeschock-Proteinen Hsp70
vorliegen. Die Pin1 Isomerase wird für die Duplikation und Hsp90. Es verbindet sie, wenn das Hsp90 ATP-frei ist.
von Centromeren benötigt und beeinflusst das Zellwachs- Wird Hsp90 mit ATP aktiviert, so löst es sich vom dem Co-
tum, die Onkogenese sowie die Apoptose (7 Kap. 7.1.5). Chaperon und bindet ein anderes.
304 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

9.2.2 Cotranslationaler Transport schleust werden, besitzen eine besondere Aminosäurese-


von Polypeptiden und Proteinen quenz, deren Kernstück etwa 20 Reste umfasst und über-
durch Membranen wiegend aus Aminosäuren mit hydrophoben Seitenketten
besteht. Diese sog. Signalsequenz befindet sich nahe des
! Zellen verfügen über Mechanismen zum cotranslatio- N-Terminus und wird direkt nach dem Verlassen der groß-
nalen Einbau von Proteinen in Membranen sowie zum en ribosomalen Untereinheit von einem Ribonucleoprote-
co- und posttranslationalen Einschleusen von Protei- inpartikel (SRP, signal recognition particle, 7 Kap. 6.2.11)
nen durch Membranen. erkannt und gebunden. Dieser Vorgang und die nachfol-
genden Schritte der Translokation sind in . Abb. 9.20 dar-
Eine beträchtliche Zahl von Proteinen muss entweder in gestellt. Das SRP bindet die Signalsequenz und das Ribo-
Membranen eingebaut oder in das Lumen membranum- som nahe der Austrittsstelle des Polypeptidkanals sowie
schlossener Organellen transportiert werden. Als Mecha- am Eintrittskanal der tRNAs. Damit wird die Polypeptid-
nismen stehen hierfür im Wesentlichen der cotranslatio- synthese abgebremst, bis es das Ribosom und das Signal-
nale und der posttranslationale Transport zur Verfügung. peptid über einen Rezeptor (SRP-Rezeptor, docking prote-
Der erstere Fall ist auf den Transport in die Membranen des in) an das Translocon in der ER-Membran abgibt. Dieses
endoplasmatischen Retikulums oder in sein Lumen be- besteht aus drei Untereinheiten (Sec61DEJ), die einen Ka-
schränkt, der letztere Fall gilt beispielsweise für den Prote- nal formen. Es bildet Komplexe mit den Hilfsproteinen
inimport in Mitochondrien oder Peroxisomen. TRAP (translocon associated protein) und TRAM (trans-
Cotranslationaler Transport. Der Transport in das Lu- locating chain associating membrane protein) sowie Enzy-
men des RER erfolgt cotranslational, d.h. synchron mit der men, die die naszierende Polypeptidkette modifizieren
Synthese. Aktuelle Befunde sprechen dafür, dass die am können. Sein Innendurchmesser beträgt bis zu 15 Å. Die
Ribosom wachsende Kette ohne zusätzlichen ATP-Ver- Fortsetzung der Proteinbiosynthese ist davon abhängig,
brauch in das ER-Lumen transloziert wird. Proteine, die in dass die Signalsequenz vom SRP an den SRP-Rezeptor
die ER-Membran eingebaut oder in das Lumen einge- übertragen wird.
9

. Abb. 9.20. Synthese sekretorischer und integraler Transmem- Chaperon BiP gebunden und die Signalsequenz wird von der Signal-
bran-Proteine im rauen ER. Die Synthese lässt sich in folgende Peptidase (SPase) gespalten. Befinden sich in der Sequenz Glycosylie-
Schritte unterteilen. ① Sobald das Signalpeptid (SP) die große riboso- rungssignale wird die Kette durch den Oligosaccharyltransferasekom-
male Untereinheit verlässt, wird es von einem mit GTP aktivierten plex (OT) gebunden und glycosyliert. ⑤ Die Faltung wird von Calne-
Signal-Erkennungspartikel (signal recognition particle, SRP-GTP) ge- xin (Clx) und Calretikulin (Clr), die Bildung von Disulfidbrücken wird
bunden. Das SRP blockiert die Bindungsstelle von eEF-1A und die von der Proteindisulfidisomerase (PDI) katalysiert. Werden in dem
Proteinsynthese kommt zum Stillstand bis das SRP-GTP mittels eines Protein hydrophobe Transmembransegmente (grüne Linie) syntheti-
ebenfalls mit GTP aktivierten SRP-Rezeptors (docking-protein DP-GTP) siert, können diese den Translocon-Kanal seitlich verlassen. In der
an das ER gebunden wird (② und ③). Dabei wird das Ribosom mit Lipiddoppelschicht können Transmembrandomänen aus mehreren
dem Signalpeptid über dem Translokationskanal (Translocon, Sec61p) vom Kanal abgegebenen Segmenten aufgebaut werden. Die cyto-
positioniert. Das SRP und das DP aktivieren gegenseitig ihre GTPasen solischen Domänen werden mit Hilfe verschiedener Hitzeschock-
und verlassen ihre Bindungsstellen am Ribosom bzw. Translocon. Das Proteine (Hsp40, Hsp70) gefaltet. Korrekt gefaltete, export-kompe-
Signalpeptid befindet sich nun im Translocon und die Proteinsynthese tente Proteine werden in COPII Vesikel (7 Kap. 6.2.4) geleitet und aus
ist enthemmt. ④ Im Lumen des ER wird das naszierende Protein vom dem ER exportiert (7 Abb. 9.31)
9.2 · Faltung, Transport und Modifikation von Proteinen
305 9

. Abb. 9.21. Faltung und Exportkompetenz glycosylierter Prote- lich zu Aminosäuren abgebaut. ⑤ Ein Teil wird jedoch durch den
ine und der HLA-I-Komplexe im ER. Glycoproteine (GP) werden im Tap1/Tap2-ABC-Transporter in das ER transportiert. ⑥ Die HLA-I-
nicht-gefalteten Zustand (uGP) mit UDP-Glucose (Glc) glucosyliert Moleküle werden im ER unter Hsp70-Hitzeschock-Protein BiP-, Calne-
und von den Lectinen Calnexin (Clx) und Calretikulin (Clr) im ER fest- xin (Clx)- und Calretikulin (Clr)-Assistenz gefaltet, mit β2-Mikroglobulin
gehalten. ① Gelungene Faltung: Es kommt zu permanenter Degluco- (β2) heterooligomerisiert. An der Beladung mit passenden Peptiden
sylierung. Das normal gefaltete Glycoprotein (GP) wird nicht mehr sind das Transmembranprotein Tapasin sowie Calretikulin und eine
gebunden und kann zum ERGIC-53 (ER-Golgi intermediate compart- Proteindisulfidisomerase (ERp57) beteiligt. Nach einer Beladung mit
ment-53) transportiert werden. ②–⑥ Misslungene Faltung: ② Retro- einem hochaffinen Peptid wird das HLA-I definitiv deglucosyliert und
translokation: Nicht-gefaltete Glycoproteine werden mit Hilfe der dadurch transportkompetent. ⑦ Das transportkompetente HLA-I
cytosolisch lokalisierten AAA-ATPase p97 durch das Translocon oder und andere Glycoproteine werden durch das Lectin ERGIC-53 in COPII
einen ähnlichen Membran-Kanal ins Cytosol transportiert. ③ Nach Vesikel (7 Kap. 6.2.4) geleitet. Diese verlassen das ER in Richtung
Polyubiquitinierung werden diese wie cytosolische Proteine in Pro- ERGIC-Kompartiment
teasomen hydrolysiert. ④ Die gebildeten Peptide werden mehrheit-

Bei den meisten Proteinen spaltet eine spezifische Pro- carbonat-Kanalprotein und die »passiven« Glucosetrans-
teinase (Signal-Peptidase) die Signalsequenz kurz nach porter der GLUT-Familie mit 12 TM-Segmenten. Die mit
dem Erscheinen eines Proteinteils auf der luminalen Seite einem einzigen TM-Segment integrierten Proteine werden
des ER ab. Die Signalsequenzen tragenden Proteine werden als Typ I und II bezeichnet, wenn der N-Terminus luminal
als Präproteine und, falls sie einer weiteren proteolytischen bzw. cytosolisch liegt. Beispiele für Typ I-TM-Proteine sind
Reifung unterworfen sind, als Präproproteine bezeichnet. die Mannose-6-phosphat-Rezeptoren (7 Kap. 6.2.7), die
In Säugerzellen werden diese durch die Signal-Peptidase Prohormon-Convertasen, verschiedene Zuckertransfera-
meist cotranslational in Proproteine umgewandelt. Daher sen im Golgi-Apparat und die HLA-I-Histokompatibili-
können tierische Präproteine in vitro nur unter besonderen tätsantigene.
Bedingungen hergestellt werden. Bakterien besitzen einen mit dem Translocon verwand-
ten Komplex aus Membranproteinen (SecYEG). Mit Hilfe
Bildung von Transmembrandomänen. An der korrekten verschiedener Systeme können sie Proteine in den periplas-
Orientierung der Signalsequenz mit ihrem N-Terminus matischen Raum, die äußere Membran und ihre Umgebung
zum Cytosol, der Integration eventueller weiterer hydropho- oder Toxine sogar direkt in eukaryote Wirtszellen trans-
ber Sequenzen der neuen Polypeptidkette in die Membran portieren.
einschließlich des Verlassens des Kanals durch eine Pforte
zwischen den Untereinheiten des Translocons und ihrer In- Faltung im ER. Im Lumen des ER wird die Proteinkette un-
korporation in die Lipiddoppelschicht sind wahrscheinlich mittelbar nach dem Import von BiP, einem Hsp40-ähn-
die mit dem Translocon assoziierten Proteine beteiligt. lichen Chaperon, gebunden und vor einer Verklumpung
Die hydrophoben Transmembransegmente (TM-Seg- geschützt. Nach einer sequenzabhängigen Glycosylierung
mente) nehmen in der Membran i.d.R. die Form einer D- (7 u.) spielen zwei Lectin-artige Chaperone, Calnexin (ein
Helix an (7 Kap. 3.3.2). Proteine mit mehreren TM-Sequen- Typ I TM-Protein) und Calretikulin (luminal), eine wich-
zen, z.B. heptahelicale Proteine wie der adrenerge E2-Re- tige Rolle. Sie erkennen terminale Glucosereste, halten Gly-
zeptor (7 Kap. 26.3.4), werden schrittweise in die Membran coproteine, deren Faltung nicht abgeschlossen ist, im ER
integriert. Weitere Beispiele sind das Chlorid/Hydrogen- fest und fördern den Faltungsprozess (. Abb. 9.21). Nach
306 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

Entfernung des terminalen Glucoserests durch die Gluco-


sidasen I und II können Glycoproteine mit mannosereichen
Seitenketten in COPII Vesikel verpackt und zum ERGIC
R -Golgi intermediary compartment, 7 Kap. 6.2.2) trans-
(E
portiert werden. Daran beteiligt ist das zwischen ER und
Golgi rezyklierende Lectin ERGIC-53, das deglucosylierte
mannosereiche Oligosaccharid-Seitenketten von Glyco-
proteinen bindet. Eventuelle Faltungsdefizite können von
einer spezifischen Glucosyltransferase erkannt werden, die
eine Reglucosylierung katalysiert. Dadurch kann der Auf-
enthalt im ER und folglich der Faltungsprozess verlängert
werden. Den Oligosaccharidseitenketten wird eine intra-
molekulare Co-Chaperon-Funktion zugeschrieben. Muta-
tionen eines Glycosylierungssignals führen häufig zu man-
gelhafter Faltung und Abbau des Proteins. Störungen der
Faltung durch Mutationen und ausbleibende Glycosylie-
rung lösen Aggregatbildung und Aktivitätsmangel aus.

Disulfidbrücken. Proteine, die nicht im Cytosol, sondern


z.B. im endoplasmatischen Retikulum, an der Plasmamem-
bran und in Sekreten sowie im Intermembranraum der
. Abb. 9.22. Oxidation von Cysteinseitenketten zu Disulfiden
Mitochondrien vorkommen, enthalten häufig Disulfidbrü- und Reorganisierung der Proteindomänen durch Isomerisierung
cken. Diese werden durch Oxidation zweier Cysteinseiten- der Disulfidbrücken. ① Im ER liegen die Thiole neu synthetisierter
ketten gebildet und stabilisieren die Tertiärstruktur Proteine partiell deprotoniert als Thiolate vor. Diese können die Disul-
9 (7 Kap. 3.3.3). Die verhältnismäßig schnelle Faltung und fide der residenten Enzyme, z.B. der Proteindisulfidisomerase (PDI),
attackieren. Der rote Pfeil symbolisiert den nucleophilen Angriff durch
Oxidation in vivo im ER wird durch etwa ein Dutzend Pro-
das Thiolat. Dadurch wird ein gemischtes Disulfid gebildet. ② Wenn
teindisulfidisomerasen unterstützt, deren aktive Zentren das Enzym auch an einem zweiten Cysteinrest reduziert wird, entsteht
sich in sog. Thioredoxindomänen befinden. Die Zentren in dem neu synthetisierten Protein eine Disulfidbrücke. (Stern) Das
beinhalten jeweils ein Paar Cysteinreste in einem konser- Gleichgewicht zwischen der anfangs oxidierten und der nach dem
vierten Sequenzmotiv (Cys-Xaa-Xaa-Cys), in dem sich in Austausch reduzierten Form der PDI kann durch Reoxidation mittels
eines durch Sauerstoff oxidierbaren Flavoproteins (ERO-1L) wieder
den zwei mittleren Positionen zwei beliebige Aminosäure-
hergestellt werden. ③ Sofern zugänglich werden die Disulfidbrücken
reste befinden können. Die wichtigste Proteindisulfidiso- der oxidierten Proteine durch Thiolate der reduzierten Form der PDI
merase (PDI) kann angegriffen und es werden neue gemischte Disulfide gebildet. ④ Das
4 Thiole anderer Proteine oxidieren sowie dabei entstandene interne Thiolat kann mit einer benachbarten
4 Disulfide isomerisieren Disulfidbrücke reagieren und die Isomerisierung einleiten. ⑤ Falls dies
zu einer stabileren Struktur führt, kann die PDI durch das zuletzt
entstandene Thiolat abgelöst werden
Diese PDI besteht aus vier sog. Thioredoxindomänen, wo-
bei die erste zur Oxidation und Isomerisierung der Thiole
bzw. Disulfide und die vierte nur zur Isomerisierung befä- brücken ermöglichen. Da diese Reaktionen reversibel sind,
higt ist. Die mittleren Domänen der PDI sind nicht enzy- können nacheinander mehrere Brücken aufgelöst und ge-
matisch aktiv. Die erste Domäne kann abwechselnd von schlossen werden, bis die stabilste und thermodynamisch
einer FAD – abhängigen ER-Oxidase (ERO-1L) oxidiert günstigste 3D-Struktur mit der dazugehörenden Kombina-
werden und Thiolpaare anderer Proteine oxidieren (. Abb. tion von Cystinbrücken entsteht.
9.22, Schritte ① und ②). Eine Disulfidisomerisierung kön-
nen beide Domänen katalysieren, wenn ihre Cysteinreste
reduziert sind. Dabei wird eine Disulfidbrücke im Substrat- 9.2.3 Posttranslationaler Transport
protein von einer dissoziierten Thiolgruppe (Thiolat) einer von Polypeptiden und Proteinen
Thioredoxindomäne angegriffen (. Abb. 9.22, Schritt ③). durch Membranen
Es entsteht zunächst ein gemischtes Disulfid sowie je eine
Thiolgruppe am Enzym und am Substrat. Letztere kann in ! Mitochondriale Proteine werden ungefaltet von den
dissoziertem Zustand eine weitere Cystinbrücke angreifen Ribosomen in die Mitochondrien transportiert und
und folglich eine neue Brücke erzeugen. In der reduzierten erlangen erst dort ihre endgültige Struktur.
Form kann praktisch jede Thioredoxindomänen-Protein-
disulfidisomerase falsch geknüpfte Disulfidbrücken auflö- Mitochondriale Proteine. Von den über 1000 mitochondri-
sen, und die Bildung neuer Kombinationen von Cystein- alen Proteinen werden die meisten von den cytosolischen
9.2 · Faltung, Transport und Modifikation von Proteinen
307 9

Polysomen synthetisiert. Matrixproteine werden als Vor- In der Membran dieser Organellen kommen neben
läufer synthetisiert, die ein N-terminales basisches mito- dem erwähnten PEX-Komplex mehrere Transportproteine
chondriales Lokalisierungssignal besitzen. vor. Ihre Aufgabe ist der Transport aktivierter Fettsäuren
Auch die Membranproteine, deren Lokalisierungssi- sowie anderer Substrate und Produkte des peroxisomalen
gnale noch nicht bekannt sind, müssen für den Transport Stoffwechsels. In die Membran wird z.B. der ABC-Trans-
in nicht gefalteter Form bereitgestellt werden. Dies wird porter D1 eingebaut, der für den Transport besonders lan-
durch Bindung an cytosolische heat shock-Proteine sicher- ger Fettsäuren zuständig ist. Diese Fettsäuren werden vor
gestellt. Der Transport vom Cytosol in den Matrixraum dem weiteren Abbau in Mitochondrien in Peroxisomen
erfolgt durch Porenkomplexe der mitochondrialen Außen- verkürzt.
und Innenmembran, die einen sequentiellen Transport ei-
ner Polypeptidkette durch beide Membranen ermöglichen
und als TOM und TIM (transport complex of the outer bzw. 9.2.4 Covalente Modifikationen
inner membrane) bezeichnet werden (. Abb. 9.23 a). Im von Proteinen
Matrixraum kommt es zur Abspaltung der Signalsequenz
durch die mitochondriale »prozessierende« Metallopro- Während der Biosynthese stattfindende Proteinmodifikati-
teinase MPP und zu einer Chaperon (Hsp10 und Hsp60)- onen werden als cotranslational, spätere als posttransla-
assistierten Faltung. Die TOM-Translocase wird für den tional bezeichnet. Sind diese Veränderungen physiologi-
Transport aller mitochondrialen Proteine benötigt. Mit scherweise reversibel, nennt man sie auch als Interkonver-
dem SAM-Komplex sorgt sie für den Import bzw. die As- sion oder Interkonvertierung. Interkonversionen dienen
semblierung der Proteine der äußeren Membran, darunter regulatorischen Zwecken und werden in Zusammenhang
der E-barrel Proteine (7 Kap. 6.1.2). Es ist bemerkenswert, mit dem jeweiligen Stoffwechsel erörtert.
dass die kanalartigen Untereinheiten der TOM-, SAM- und
! Prä- und Präpro-Proteine werden proteinolytisch zu
TIM-Komplexe, die eine den bakteriellen Porinen ver-
reifen Proteinen umgesetzt.
wandte E-barrel-Struktur aufweisen, an ihrer eigenen Her-
stellung beteiligt sind. Die Transportproteine der inneren Eine weitere Modifikation ist die limitierte Proteinolyse.
Membran besitzen jeweils 6 D-helicale Transmembranseg- Diese führt zum Anstieg oder Verlust der enzymatischen
mente. Die von TOM importierten Membranproteine wer- Aktivität, der Ligandenbindung-, Stabilität oder Mobilität
den durch kleine Tim-Proteine übernommen und zu den (7 Kap. 9.3).
TIM- und SAM-Komplexen begleitet, die für ihren Einbau
in die Innen- bzw. Außenmembran zuständig sind. Das Abspaltung des Signalpeptids. In sekretorischen und
Tim9·10 ist ein körbchenartiges oligomeres Protein (. Abb. Membranproteinen kommen N-terminale Signal-
9.23b), das die importierten, nicht vollständig gefalteten sequenzen vor, die diese Proteine ins ER lotsen und nach
Proteine domänenweise bindet und den Einbau der Domä- dem Import durch eine Signal-Peptidase abgespalten wer-
nen in die Membran unterstützt. den (. Abb. 9.20). In der mitochondrialen Matrix wird
diese Aufgabe von der Metalloproteinase MPP (7 o.) über-
! Der Import peroxisomaler Proteine erfolgt nach ihrer
nommen.
Faltung.

Peroxisomale Transportsignale (PTS). Das PTS1 ist C-ter- Aktivierung. Manche Enzyme, z.B. lysosomale Kathepsine
minal lokalisiert und besteht aus nur drei Aminosäuren: und verschiedene Verdauungsenzyme, werden als inaktive
Serinyl-Lysyl-Leucin (Konsensus S/A-K/R-L/M). Ein an- Vorläufer, sog. Proenzyme, synthetisiert. Das Prokathepsin
deres peroxisomales targeting-Signal, PTS2, ist eine N-ter- D wird wie Pepsinogen in saurem Milieu durch Abspaltung
minal lokalisierte basisch-amphipatische Sequenz. Die cy- einer N-terminalen Prosequenz aktiviert. Die Prosequenz
tosolischen Rezeptorproteine Pex5p und Pex7p binden die liegt in gefalteter Form vor, und blockiert die Substrat-
PTS-Signale und vermitteln ihren Transport über den mem- bindungsstelle des aktiven Zentrums. Nach Ansäuerung
branständigen PEX-Importkomplex, an den sie binden kommt es zur Protonierung schwach saurer Gruppen und
und ihre Fracht abgeben können. Das Importsystem koope- Auflockerung der Kontakte zwischen der Prosequenz und
riert mit AAA-ATPasen (7 Kap. 6.1.5) und ist auch am Ein- dem Enzym. Auf diese Weise erfolgt eine Teilaktivierung
bau peroxisomaler integraler Membranproteine beteiligt. des Prokathepsin D. Dieses kann im Weiteren autokataly-
Bekannt sind 32 am Import und am Einbau in die Membran tisch oder von anderen Proteinasen gespalten werden. Die
beteiligte, als Peroxine bezeichnete Proteine. Zwei der Per- Expression einer Kathepsin D-cDNA mit deletierter Prose-
oxine. Pex3 und Pex19, scheinen an der Knospung der per- quenz führt zur Synthese eines inaktiven fehlerhaft gefal-
oxisomalen Membran vom ER beteiligt zu sein. Unter den teten Proteins. Dieser Befund deutet an, dass diese Prose-
importierten peroxisomalen Matrixproteinen finden sich quenz an der Proteinfaltung beteiligt ist und die Eigen-
die am Abbau von Glycin beteiligten D-Aminosäureoxidase schaften eines intramolekularen Chaperons haben könnte.
und Alanin-Glyoxylat-Aminotransferase. Weitere Beispiele einer Aktivierung durch limitierte Prote-
308 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

. Abb. 9.23a, b. Import von im Cytosol synthetisierten Proteinen locase of the inner membrane, PAM = presequence translocase-asso-
in die Mitochondrien. a Für den Import sowie den Einbau in die ciated motor, SAM = sorting and assembling machinery, MPP = mito-
mitochondriale Außen- und Innenmembran (AM bzw. IM) sind je zwei chondrial processing peptidase. b Molekulare Architektur der kleinen
große Komplexe zuständig: Der Außenmembran-Transporter TOM Tim9x10-Translokase. Dieser Komplex ist hohl (s. Aufsicht auf der linken
und die Sortierungs- und Assemblierungsmaschine SAM sowie TIM23. Seite im Bild). Er besteht aus drei Paaren von Tim9 und Tim10 Unterein-
Sie enthalten jeweils ein bis zwei Kanäle, die aus E-barrel-Untereinhei- heiten, die eine D-Propeller-Domäne bilden. Jede Untereinheit be-
ten bestehen. Die mitochondrialen Matrixproteine werden vom TOM steht aus zwei D-Helices und einer Verbindungsschleife. Jede Helix
direkt an den TIM23 abgegeben. Der mit TIM23 assoziierte PAM-Kom- enthält ein Cystein-Zwillingsmotiv, das über Disulfidbrücken (gelb-
plex enthält das mitochondriale ATP-abhängige Chaperon Hsp70, das grün) die zwei Helices einer Untereinheit räumlich fixiert. Die Unter-
die Faltung katalysiert. Die Proteine der mitochondrialen Außen- bzw. einheiten bilden einen doppelten Ring. Sie interagieren über hydro-
Innenmembran werden durch kleinere Chaperonproteine (Tims) zu phobe Seitenketten und aus Lysin- und Glutaminsäureresten beste-
den SAM- und TIM22-Komplexen begleitet. Durch diese molekularen hende Ionenpaare. Im rechten Teil der Abbildung wird die in der
Maschinen werden u.a. die Porin-ähnlichen E-barrel-Proteine der AM Nachbarschaft eines oxidierten Cysteinrests (schwarzer Stern) von der
(rot) und die hexahelicalen Transporter der IM (blaugrün), z.B. die C-terminalen Helix der Tim9-Untereinheit gebildete ionische Brücke
Adenylattranslocase und die Thermogenine, gebildet. Letztere enthal- zu Lysin-57 der C-terminalen Helix von Tim10 gezeigt. (Aufnahmen:
ten drei homologe Paare von D-Helices, die eine Pore umschließen Nils Wiedemann und Nikolaus Pfanner (a) Chaille T. Webb und Jac-
(das Molekül ist übersichtlichkeitshalber je zur Hälfte grün und blau queline M. Gulbis (b))
dargestellt). TOM = translocase of the outer membrane, TIM = trans-
9.2 · Faltung, Transport und Modifikation von Proteinen
309 9

inolyse finden sich in der Gerinnungskaskade und dem


Komplementsystem. (7 Kap. 29.5.3, 34.4)

Hormonreifung. Peptidhormone, z.B. Insulin, werden


durch limitierte Proteinolyse aus Prohormonen gebildet.
I.d.R. werden Vorläuferformen von Polypeptidhormonen
nach Entfernung der Signal-Sequenz in Sekretionsvesikeln,
deren Exozytose regulierbar ist, gespeichert. Während und
nach der Segregation von anderen Proteinen im trans-Gol-
gi-Apparat kommen sie mit Proteinasen in Kontakt (Pro-
hormon-Convertasen, z.B. PC1, Furin). Diese Enzyme
erkennen kurze Signale mit basischen Aminosäuren (als
Konsensus zwei Lysin- oder Argininreste, zwischen denen
0, 2, 4, oder 6 andere Reste vorkommen können) und spal-
ten die Prohormone in charakteristische Fragmente. Das
Proinsulin wird in E-Zellen durch PC2, eine lösliche Pro-
hormon-Convertase, die im trans-Golgi aktiviert und zu-
sammen mit dem Prohormon in Vesikel des regulierten
sekretorischen Wegs verpackt wird, zu Insulin umgewan-
delt (7 Kap. 26.1). Verschiedene Areale des Hypophysen-
vorderlappens enthalten unterschiedliche Convertasen.
Dies erklärt die lokalen Unterschiede im Spaltungsmuster
des Prohormons Proopiomelanocortin. Einige Converta-
sen wirken ausschließlich in den Vesikeln des regulierten,
andere auch im TGN und in Vesikeln des constitutiven
sekretorischen Wegs (7 Kap. 6.2.4).

Entfernung bzw. Addition terminaler Aminosäuren. Ami- . Abb. 9.24. Autokatalytische Reifung selbstspleißender Pro-
nopeptidasen oder Carboxypeptidasen und Transferasen teine. Die Übertragung des N-terminalen auf das C-terminale (Extein-)
können eine oder mehrere Aminosäuren entfernen bzw. Peptid erfolgt über ein Thioesterintermediat. Nach einem Thioester-
anheften. Die Präsenz bestimmter Aminosäuren am N-Ter- transfer befindet sich das N- in der Nähe des C-Exteins. Die Carboxyl-
gruppe des Thioesters wird von dem N-terminalen Stickstoffatom des
minus von Proteinen entscheidet über die Geschwindigkeit
C-Exteins angegriffen. Folge ist die Erzeugung einer Peptidbindung
ihres Abbaus (7 Kap. 9.3.5). zwischen beiden Exteinen sowie die Freisetzung des Inteins

C-terminale Amidbildung. Ein bifunktionelles Enzym, das


eine Peptidylglycin-Monooxygenase-Aktivität besitzt, wird ein mittleres Segment der Polypeptidkette, das als
hydroxyliert bestimmte interne Glycinreste und spaltet den Intein bezeichnet wird, herausgespalten, während die ter-
Hydroxyglycinrest. Das D-Stickstoffatom verbleibt als Ami- minalen Segmente, Exteine, miteinander verschmelzen
dogruppe am Carboxylende des N-terminalen Fragments. (. Abb. 9.24). In Antigen-präsentierenden Zellen wurde
Auf diese Weise wird das TRH (pyro-Glutamyl-Histidyl- ein Spleißen von Peptidfragmenten in Proteasomen
Prolinamid) gebildet. (7 Kap. 9.3.4) beobachtet. Ein Peptidylrest kann von dem
Katalyseintermediat (Peptidyl-Enzym) auf die Aminogrup-
Pyroglutamatreste. N-terminale Glutaminylreste können pe eines vorher freigesetzten Peptids übertragen werden.
unter Freisetzung von Ammoniak von einer Glutaminylcy- Dabei wird ein neues immunogenes Peptid gebildet.
clase zu sog. Pyroglutamatresten umgewandelt werden.
Durch diese seltene Reaktion werden einige releasing Hor- Isopeptidylkopplung. Mehrere Proteine, Ubiquitin, small
mone (z.B. TRH) und Immunglobuline modifiziert. Bei der ubiquitin-like modifier SUMO und ähnliche kleine Proteine
Hormonsynthese kommt es zu einer intramolekularen werden zur Markierung anderer Proteine mittels Isopep-
Transamidierung, bei der das Amid der Seitenkette eines tidbindungen benutzt. Auf unterschiedliche Weise greifen
N-terminalen Glutaminylrests gelöst und seine Carbonyl- sowohl das Ubiqutin, als auch das SUMO-Protein in wich-
gruppe auf die D-Aminogruppe des gleichen Rests übertra- tige und eventuell existentielle Vorgänge der zellulären Ent-
gen wird. wicklung ein:
4 Ubiquitin ist ein ubiquitär vorkommendes kleines Pro-
Proteinspleißen. In seltenen Fällen kommt es zu einem au- tein (. Abb. 9.1, Nr. 7), dessen Bedeutung für die zellu-
tokatalytischen intramolekularen Peptidyltransfer. Dabei läre Physiologie durch seine bei Mensch, Frosch,
310 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

Fruchtfliege und Hefe stark konservierte Sequenz un- verschiedene Kombinationen von Prenyl- und gesättigten
terstrichen wird. Mittels Lysin-48 und -63 geknüpfter Acylresten sowie glycosylierte Phosphatidylinositolderivate
Polyubiquitin-Ketten ist es an Regulation der Proteino- verwendet.
lyse (7 Kap. 9.3.5) bzw. DNA-Reparatur und Transkrip-
tion beteiligt. Acylierungen. Die N-terminale Aminosäure der meisten
4 SUMO-Proteine werden an Seitenketten anderer Prote- cytosolischen Proteine wird cotranslational acetyliert.
ine ähnlich wie das Ubiquitin über Isopeptidbindungen In ausgewählten Proteinen können die D–Aminogruppe
gekoppelt. Alle Sumoylierungen und Polysumoylie- eines Glycinrests oder Thiolgruppen benachbarter Cystein-
rungen gelten als Interkonversion, weil sie reversibel reste mit Myristin- (14 C-Atome) bzw. Palmitinsäure (16
sind. Chromatin-Organisation, DNA-Reparatur (p53) C-Atome) modifiziert werden (. Abb. 9.25). Die entspre-
und Zellzyklus-Steuerung gehören zu den wichtigsten chenden Transferasen sind im ERGIC- und Golgi-Kompar-
durch Sumoylierung gesteuerten Prozessen timenten (7 Kap. 6.2.2) lokalisiert und nutzen die CoA-De-
rivate der Fettsäuren als Substrate. Dabei erstaunt, dass
Vernetzung von Polypeptidketten. Im extrazellulären diese Enzyme die sehr ähnlichen Myristoyl-CoA und Pal-
Raum können supramolekulare Komplexe mit Hilfe einer mitoyl-CoA voneinander unterscheiden können.
Transglutaminase gebildet werden. An der Transglutami- 4 Eine besondere Abfolge von Aminosäuren am N-Ter-
nasereaktion sind Seitenketten von Glutamin- und Lysin- minus (Met-Gly-X-X-X-Ser/Thr) führt zu N-termi-
resten beteiligt. Unter Abspaltung von Ammoniak entste- naler Myristoylierung. Neusynthetisierte Proteine im
hen Isopeptidbindungen. Eine weitere Vernetzungsmög- Cytosol mit dieser Sequenz werden cotranslational von
lichkeit besteht in einer oxidativen Desaminierung von einer Methionin-Aminopeptidase hydrolysiert und an
Lysinseitenketten, bei der Aldehydgruppen gebildet wer- der D-Aminogruppe des Glycins myristoyliert
den. Diese werden mit Lysinresten benachbarter Polypep- 4 In einigen Proteinen kann der Myristoylrest exponiert
tide kondensiert. Im Elastin und an den Tripelhelices des oder »versteckt« werden. Durch eine Regulation der
Kollagens werden auf diese Weise durch eine Lysyloxidase Konformation ändert sich die Tendenz zur Assoziation
9 einige Lysinseitenketten zu Allysin oxidiert. Anschließend mit der Plasmamembran. Beispielsweise funktioniert
werden die Allysinreste mit Aminogruppen gegenüberlie- das Arf-Protein (ADP-Ribosylierungsfaktor, 7 Kap.
gender Lysinreste vernetzt (7 Kap. 24.2.1, 24.3). 6.2.4), das die Bildung von intrazellulären Transportve-
sikeln reguliert, wie ein Myristoylschalter: Der Myri-
Peptidylcholesterin. Das an der embryonalen Entwicklung stoylrest wird durch Erhöhung der Ca2+-Konzentration
beteiligte sezernierte Signalmolekül hedgehog-Protein ist aus dem Inneren des Moleküls nach außen verlagert.
wie die Inteine zu einer autokatalytischen Modifikation be- Anschließend kann das Protein an eine Membran ge-
fähigt. Die kleinere autokatalytische Domäne liegt C-termi- bunden werden
nal und beginnt mit einem Cysteinrest. Dessen Thiolat- 4 Zu den myristoylierten Proteinen zählt man die meisten
gruppe greift die Carbonylgruppe der vorhergehenden D-Untereinheiten von G-Proteinen, Onkogene der src-
Peptidbindung an und wird mit dem größeren N-termi- Familie, die für die Reifung von Lentiviruspartikeln
nalen Proteinteil verestert. Vom Thioester wird dieser Pro- (einschließlich HIV-I) benötigten gag-Proteine und die
teinteil auf Cholesterin übertragen. Dabei wird die C-ter- an der Regulation der Durchblutung beteiligte endothe-
minale autokatalytische Domäne frei. Am N-Terminus liale NO-Synthase (eNOS)
kommt es zu einer Palmitoylierung. Das modifizierte Pro- 4 Die meisten myristoylierten Proteine können durch
tein findet sich bevorzugt in lipid rafts und wird unter Ein- Acylierung bestimmter Cysteinreste zusätzlich palmi-
wirkung des dispatched-Proteins sezerniert. Das freigesetz- toyliert werden. Erst eine Modifikation mit zwei lipo-
te hedgehog-Protein moduliert die Genexpression entfernter philen Resten führt zu einer festen Verankerung in den
Zellen. Im embryonalen Gewebe steuert es die Musterbil- intrazellulären Membranen. Die Palmitoylierung ist ein
dung (die Nomenklatur der erwähnten Proteine bezieht Beispiel für eine Interkonversion. An der Plasmamem-
sich auf die Fruchtfliege; beim Menschen gibt es homologe bran können die Proteine depalmitoyliert und in das
Genprodukte mit vergleichbaren Aufgaben). Cytosol freigesetzt werden
4 Die Acylierung mit gesättigen Fettsäuren begünstigt
! Covalent gebundene Fettsäuren, Glycosylphosphatidy-
eine Verankerung der Proteine in spezifischen »Floß-
linositol, Prenylreste und im Einzelfall Cholesterin kön-
bereichen« (rafts) der Plasmamembran (7 Kap. 2.2.6,
nen zur Verankerung von Proteinen in Membranen
6.2.5)
genutzt werden.

Membran-Anker. Weitere Möglichkeiten Proteine an die Prenylierungen. Unter Prenylierung versteht man die
cytosolische oder extrazelluläre Seite der Plasmamembran Anheftung von Farnesyl- und Geranylgeranylresten
zu binden bestehen in Modifikationen von Seitenketten mit (7 Kap. 6.2.4, 18.3.1) an Proteine. Prenyliert werden ver-
lipidartigen Membran-Ankern. Zur Verankerung werden schiedene Ras-Onkoproteine, die meisten J-Untereinheiten
9.2 · Faltung, Transport und Modifikation von Proteinen
311 9

der G-Proteine, eine Reihe von Proteinkinasen, die in der


Kernmembran verankerten Lamine sowie die am vesiku-
lären Transport beteiligten Rab-Proteine. Verschiedene Bei-
spiele einer stabilen Membranverankerung werden in . Abb.
9.25 dargestellt. Farnesyl- und Geranylgeranyltransferasen
erkennen cysteinhaltige C-terminale Sequenzen. Variatio-
nen eines Sequenzkonsensus CAAX am C-Terminus bilden
Signale für einfache Geranylgeranyl- und Farnesylierungen.
Die dem Cystein (C) benachbarten Aminosäuren müssen
hydrophobe (A) bzw. neutrale (X) Seitenketten tragen, von
denen letztere die Art des Prenylrests bestimmen. Eine am
ER lokalisierte Proteinase kann nach erfolgtem Transfer das
Tripeptid AAX abspalten, wonach i.d.R. die Carboxylgrup-
pe des verkürzten Terminus methyliert wird.
Zur Geranylgeranylierung von Rab-Proteinen wird ein
Rab-eskortierendes Protein benötigt, das die neusyntheti-
sierten und die von Membranen abgelösten Rab-GDP-
Komplexe (7 Kap. 6.2.4) bindet. Zweifach geranylgerany-
lierte Rabs können von GEF-Proteinen zum Binden von
GTP, Ablösen des Eskortproteins und Einbau in einen
knospenden Membranbereich angeregt werden.
Das H-Ras-Proto-Onkoprotein wird in zwei Schritten
modifiziert:
4 durch eine cytosolische Transferase farnesyliert und
4 durch eine andere an benachbarten Cysteinresten pal-
mitoyliert

Dadurch erlangen die Membrananker des H-Ras-Onko-


protein (. Abb. 9.25c) einen stark hydrophoben Charakter.
Dies führt zu einer deutlichen Verlagerung des modifi-
zierten Proteins in die Plasmamembran (von ca. 10% auf
>90%). Sowohl die Lokalisation als auch die Aktivität des
doppelt modifizierten H-Ras werden durch Ein- und Ab-
bau der Palmitoylreste reguliert. Die Palmitoylreste ermög-
lichen eine Anreicherung von H-Ras in lipid raft-Bereichen
. Abb. 9.25a–d. Verankerung von Proteinen in der Plasmamem- (7 Kap. 2.2.6, 6.1.2) der Plasmamembran.
bran mit Beteiligung von Prenylresten. Durch die covalente Anhef- Die Farnesylierung wird für die Aktivierung aller drei
tung von Farnesyl- und Geranylgeranylgruppen an Cysteinylreste bekannten Ras-Onkoproteine benötigt. Daher sind Hemm-
erhalten Proteine große hydrophobe Seitenketten, deren Verankerung stoffe der Farnesyltransferasen und der AAX-Proteinase
in der Membran moduliert und durch Protein-Acylierungen unter-
medizinisch interessant.
stützt werden kann. a In den heterotrimeren G-Proteinen (D,E,J) sind
die D-Untereinheiten meistens N-terminal myristoyliert (alternativ an
einem Cysteinrest palmitoyliert), während die J-Untereinheiten über- Glycosylphosphatidylinositolanker (GPI-Anker). Eine sta-
wiegend C-terminal geranylgeranyliert sind. Im Transducin ist der C- bile Verankerung in dem Außenblatt der Plasmamembran
terminale Cysteinrest farnesyliert und an der Carboxylgruppe methy- besteht aus einem acylierten und mannosylierten Phosha-
liert. b Beispiel eines Rab-Proteins. Diese Proteine regulieren den
tidylinositolrest.
vesikulären Transport. Sie tragen Geranylgeranylreste am C-termina-
len und dem nächsten oder übernächsten Cysteinrest. c Das C-termi- Die Phosphatidylinositol-verankerten Proteine werden
nal farnesylierte H-Ras-Onkogen muss palmitoyliert werden, um fest als Vorläufer mit einer C-terminalen Signalsequenz synthe-
an die Plasmamembran zu binden. d Im K-Ras-4B-Onkogen ist die tisiert, die u.a. zwei kleine und mehrere hydrophobe Ami-
Bindung an die Plasmamembran von der Interaktion der terminalen nosäurereste beinhaltet (. Abb. 9.26). Im Lumen des ER
Lysin-reichen Sequenz mit negativ beladenen Phospholipiden abhän-
wird dieses Signal von einer Transamidase erkannt, die die
gig. Nach Phosphorylierung der Serin- und Threonin-Reste wird das
Protein von der Plasmamembran abgelöst, da die vom Farnesylrest Peptidbindung zwischen den kleinen Resten, die sog. Z-
vermittelte Interaktion mit der Membran für die Bindung nicht aus- Stelle, einerseits und ein aus der Membran ragendes Glyco-
reicht sylphosphatidylinositol andererseits umsetzt. Das hydro-
phobe zur Z-Stelle C-terminal (distal) gelegene Peptid wird
frei, während die Aminogruppe des Anker-Lipids (7 Kap.
312 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

nidase verursachen eine Ketolactat-Azidose und orga-


nische Acidurie, die sehr häufig von einer Hyperammo-
nämie und Hyperventilation begleitet wird

γ-Carboxylierung. Bestimmte Glutamylseitenketten der


Blutgerinnungsfaktoren II, VII, IX und X und des an der
Mineralisierung beteiligten Osteocalcins werden im Golgi-
Apparat Vitamin K-abhängig carboxyliert (7 Kap. 23.2.4).
Über die J-Carboxyglutamylreste und Calcium-Ionen
werden die modifizierten Proteine an Membran-Phospho-
lipide gebunden.
. Abb. 9.26. Bildung eines C-terminalen Glycosyl-Phosphatidyl-
Inositol-Membranankers. Das Substratprotein wird cotranslational Methylierung. In Muskelzellen wird Aktin am Histidin-73
in das Lumen des rauen ER transloziert. Der N-terminale Bereich posttranslational methyliert (7 Kap. 30.2). Diese Methylie-
befindet sich in einem von Chaperonen unterstützten Faltungsstadi-
um. Ein nahe des C-Terminus befindlichen Sequenzsignal der Amino-
rung scheint für den optimalen Ablauf der ATP-abhängigen
säurekette um die zu modifizierende Z-Peptidbindung sowie ein Polymerisierung des G-Aktin von Bedeutung zu sein. Das
Glycosyl-Phosphatidyl-Inositol-Molekül (GPI) werden von zwei Arealen aus dem Abbau des Muskelproteins stammende 3-Methyl-
des aktiven Zentrums der Transpeptidase gebunden. Das in einer histidin wird mit dem Urin ausgeschieden. Demzufolge
Ethanolamingruppe des GPI vorliegende nucleophile Stickstoffatom kann durch Bestimmung des Methylhistidinspiegels im
wird in die Nähe des elektrophilen C-Atoms (Carbonylgruppe) der
Z-Peptidbindung positioniert. Das auf der C-terminalen Seite der
Urin der Proteinumsatz der Muskulatur überprüft werden.
Z-Bindung liegende Peptid wird freigesetzt, während die Carbonyl- Ein Anstieg deutet auf eine Erhöhung des katabolen Stoff-
gruppe des großen N-terminalen Fragments mit der Ethanolamin- wechsels in diesem Organ hin.
gruppe des GPI-Moleküls verbunden wird
Glycosylierungen. Glycosylierungen finden im ER, Golgi-
9 2.2.3) auf die C-terminale Carbonylgruppe des großen Pro- Apparat und Cytosol statt. Der Verknüpfungsart entspre-
teinfragments übertragen wird. chend lassen sich N- und O-glycosidische Modifikationen
In der Plasmamembran werden die auf diese Weise ver- unterscheiden, die an den Seitenketten des Asparagins bzw.
ankerten Proteine überwiegend in den Cholesterin-rei- verschiedener hydroxylierter Aminosäuren erfolgen kön-
chen Mikrodomänen (lipid rafts) gesammelt. nen. Donatoren der Zucker bei diesen Modifikationen sind
Die Verankerung mit Phosphatidylinositol ist für die Zuckernucleotide und Dolicholpyrophosphoryloligo-
dimere erythrozytäre Form der Acetylcholinesterase, für saccharide. Am häufigsten findet sich in Glycoproteinen
die alkalische Phosphatase und für zwei in den Erythro- die N-glycosidische Verknüpfung (. Abb. 9.20, 7 Kap.
zyten zum Schutz vor spontaner Aktivierung des Komple- 17.3.2).
ments benötigten complement decay accelerator-Proteine 4 Die im RER hergestellten sekretorischen und Membra-
charakteristisch (7 Kap. 29.2.1, 34.4). nproteine werden i.d.R. N-glycosyliert. Eine promi-
nente Ausnahme ist das unglycosylierte Serumalbumin.
Modifikation mit prosthetischen Gruppen und Cofak- Die Synthese der N-glycosidisch verknüpften Oligosac-
toren. Covalente Verbindungen dieser Art gibt es in einigen charide und deren Modifikationen im Golgi-Apparat
Holoenzymen, z.B. in den Phosphorylasen (7 Kap. 11.2) werden im 7 Kapitel 17.3.2 beschrieben. Die Oligosac-
und D-Ketosäuredehydrogenasen, in deren aktiven Zentren charidseitenketten tragen zur Stabilisierung der Ober-
Pyridoxalphosphat- bzw. Lipoylreste mit Lysinseitenketten fläche, Faltung und Faltungskontrolle der Proteine bei
verbunden sind. (7 o.)
4 In einigen Hämoproteinen ist die Hämgruppe mit 4 Die im ER gebildeten O-glycosidischen Verknüpfungen
dem Protein covalent verbunden. Im Cytochrom c kommen meistens an Serin- und Threoninseitenketten
(7 Kap. 15.1.1) bestehen zwei Thioätherbindungen zwi- vor. Diese Verknüpfungsart ist für die langen Glycosa-
schen dem Häm- und dem Globinteil minoglykanketten der Proteoglykane (7 Kap. 17.3.5)
4 Apocarboxylasen werden über bestimmte Lysinreste charakteristisch. Als Signale für diese Modifikationen
covalent mit Biotin verbunden, wodurch Holocarboxy- dienen kurze Glycin-/Serin-reiche Sequenzen. In Mu-
lasen entstehen. Die Amidbindung zwischen den En- cinen (7 Kap. 32.1) und zahlreichen Glycoproteinen
zymen und dem Coenzym wird durch die Holocarbo- kommen kürzere O-glycosidisch gebundene Oligosac-
xylase-Synthetase katalysiert. Das nach dem Abbau der charide vor. Im Kollagen wird Hydroxylysin glycosy-
Biotinenzyme gebildete Biotinyllysin, das Biocytin, liert (7 Kap. 24.2)
wird durch eine Biotinidase gespalten. Auf diese Weise 4 Glycosylierungen von neu synthetisierten Proteinen
wird das Biotin für den Stoffwechsel wieder verfügbar. sind auch im Cytosol möglich. Im Glycogenin (7 Kap.
Defekte der Holocarboxylase-Synthetase und der Bioti- 11.2.1) wird ein Tyrosinrest glucosyliert, bevor die
9.2 · Faltung, Transport und Modifikation von Proteinen
313 9

Zuckerkette durch die Glycogensynthase verlängert Es bildet die für die Prion-Erkrankung typischen Plaques
werden kann. Eine Modifikation von Tyrosinresten in im Zentralnervensystem, die zu dessen Zerstörung führen.
verschiedenen cytosolischen Proteinen mit N-Acetyl- Für die Umwandlung des normalen Prionproteins PrPc in
glucosamin führt zur Tanslokation der Proteine in den das unlösliche und proteinaseresistente PrPsc sind i. Allg.
Kern. Dieser Zuckerrest kann auch auf Serin- und Mutationen verantwortlich. Es hat sich jedoch gezeigt, dass
Threoninseitenketten übertragen werden. Da in Prote- diese Umwandlung auch durch exogen zugeführtes PrPsc
inen die hydroxylierten Aminosäuren phosphoryliert ausgelöst werden kann. Dabei wird die Umfaltung des nor-
werden können (7 Kap. 4), ist bei einigen Proteinen malen Prionproteins zur E-Faltblattstruktur mit steigender
die Bildung drei alternativer Formen möglich. Be- Menge an zugeführtem PrPsc beschleunigt. Prionproteine
stimmte hydroxylierte Seitenketten können unverän- besitzen folglich eine gewisse Chaperonaktivität und wir-
dert, phosphoryliert oder N-acetylglucosaminyliert ken wie infektiöse Agentien.
werden. Durch die letztgenannte Modifikation wird die
Möglichkeit zur Regulation der Aktivität der Proteine Primäre Hyperoxalurie I. Diese Erkrankung wird durch De-
durch Phosphorylierung und Dephosphorylierung fekte der Alanin-Glyoxylat-Aminotransferase verursacht.
unterdrückt Eine der bekannten Mutationen geht mit einer nahezu nor-
malen Aktivität des Enzyms einher. Gestört ist die Nutzung
Acetylcholinesterase als Beispiel für die Synthese alterna- des peroxisomalen Transportsignals 1, was zu einer Fehllo-
tiver Proteinformen. Durch alternatives Spleißen wird das kalisierung des Enzyms führt. Statt in Peroxisomen, gelangt
Protein in drei Varianten mit verschiedenen C-terminalen das geringfügig veränderte Protein in die Mitochondrien.
Sequenzen (R = read through; T = tailed; H = hydrophob) Obwohl das Enzym aktiv ist, werden die typischen Oxalo-
synthetisiert. sesymptome (Urolithiasis, Nephrocalcinose und evtl. syste-
4 Die R-Form, AcChER, ist löslich. Sie kommt als mono-, mische Oxalose) manifest.
di- und tetrameres Protein im Blut vor
4 Im neuralen Gewebe findet sich die Membran-assozi- Zellweger-Syndrom. Bei diesem Syndrom ist die peroxiso-
ierte Form AcChET. Ihre C-terminale Sequenz enthält male Transportmaschinerie defekt. Betroffen ist i.d.R.eine
einen Cysteinrest. Sie bildet Tetramere, in denen über ganze Gruppe von Enzymen, deren Transport von einem
Disulfidbrücken zwei Moleküle miteinander und zwei der peroxisomalen Transportsysteme abhängig ist. Das au-
mit Untereinheiten eines Membran-assoziierten Prote- tosomal-rezessiv vererbte Syndrom ist durch craniofaciale
ins (P) verbunden sind. Das Protein P verankert die Dysmorphie, Neurodegeneration, Hepatomegalie sowie
Acetylcholinesterase in Synapsen fakultativ Nierenzysten charakterisiert und frühzeitig le-
4 In der neuromuskulären Endplatte bildet die tetramere tal.
AcChET-Form ein Heteromer mit einem Kollagen- Der Mukoviszidose (cystische Fibrose) liegt eine Mu-
ähnlichen Protein (COLQ). Das COLQ bindet die Te- tation ('F508: Deletion des 508. Codons) im CFTR-Gen
tramere an der gleichen Stelle wie das Protein P und (7 Kap. 32.2.4) zugrunde. Diese verursacht eine mangel-
verankert sie in der Basallamina. Die Endplatten-Ace- hafte Faltung, Verbleib im ER und Abbau des Proteins
tylcholinesterase-Defizienz beruht auf Mutationen durch das ERAD-System (7 Kap.9.3.5). Das Gen codiert ein
des COLQ-Proteins Chlorid-Transporterprotein aus der ABC-Transporterfa-
4 Die H-Form, AcChEH, wird mit einer C-terminalen milie, dessen Mangel Störungen des Chlorid- und sekundär
Signalsequenz synthetisiert, die die Bildung eines Phos- des Wassertransports in Atemwegs-, Intestinum-, Pank-
phatidylinositolankers ermöglicht und abgespalten reas-, Testes- und Schweißdrüsen-Epithel verursacht. Die
wird (7 o.). Diese Form tritt an der Oberfläche der Ery- Funktion dieser Organe ist bei dieser Krankheit am stärk-
throzyten auf. sten beeinträchtigt.
Sequenzveränderungen in tripelhelicalen Abschnitten
der Kollagen I-Gene verursachen die Osteogenesis imperfec-
9.2.5 Pathobiochemie ta und wirken häufig dominant. Sie behindern die Faltung
bereits dann, wenn nur eine der drei Ketten defekt ist.
Faltungs- und Transportdefekte. Die so genannte Prion-
Erkrankung wird durch eine Änderung der Faltung des Chaperonopathien. Die Aufgaben von Chaperonen und
Prionproteins PrPc ausgelöst. Das Prionprotein kommt im Chaperoninen lassen sich vereinfacht mit Kontrolle, Erzeu-
Zentralnervensystem, aber auch in verschiedenen visze- gung nativ und Entsorgung abnormal strukturierter Prote-
ralen Geweben vor. Seine Funktion ist noch unbekannt. Bei ine beschreiben. Durch Mutationen, endogene und exo-
der Prion-Erkrankung wandeln sich D-helicale Strukturen gene Einwirkungen z.B. Hypoxie oder oxidativen Stress
des Proteins in E-Faltblätter um. Das auf diese Weise gebil- kann das System der Chaperone akut oder chronisch über-
dete, anders strukturierte Prionprotein wird als PrPsc be- fordert werden. Bekannte Folgen sind Entwicklungsstö-
zeichnet und hat eine hohe Tendenz zur Selbstaggregation. rungen, Apoptose und Seneszenz von Zellen, degenerative
314 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

Prozesse und beschleunigtes Altern. Im humanen Genom MIRL (CD59), die die C3 und C5-Konvertase-Komplexe
befinden sich drei Gene für das Hitzeschock-Protein Hsp70. des Komplementsystems destabilisieren bzw. die Ausbil-
Mutationen in Promotoregionen dieser Gene, die zur Min- dung der C9-lytischen Komplexe behindern. (Die Proteine
derung der intrazellulären Konzentration des Proteins füh- werden synthetisiert, jedoch nicht verankert und daher se-
ren, prädisponieren zur Parkinsonschen Krankheit. Es wird zerniert). Die Patienten leiden an intravaskulärer Hämoly-
angenommen, dass in diesem Fall Kontrolle und Abbau fi- se, Hämoglobinurie und langfristig eventuell Eisenmangel.
brillogener Proteinaggregate vermindert sind. Bei einem Durch intermittierende vaskuläre Hämolyseereignisse be-
der drei Gene wurde ein Polymorphismus gefunden bei steht ein erhöhtes Thromboserisiko. Hämolytische Episo-
dem in der Peptid-Bindungsregion des Chaperons alterna- den sind sporadisch und treten bevorzugt nachts auf, sodass
tiv Methionin oder Threonin codiert wird. Bei den älteren die Hämoglobinurie meist im Morgenurin beobachtet
Menschen, im Vergleich zu den jüngeren, kommt die Threo- wird.
nin-Variante mit verminderter Chaperon-Aktivität mit
einer signifikant geringeren Häufigkeit vor. Die Methionin- Smith-Lemli-Opitz-Syndrom. Die Patienten leiden an Miss-
variante wird daher als ein Longevitätsgen bezeichnet. In bildungen im Bereich der Mittellinie verbunden mit einer
Tiermodellen wurde gezeigt, dass eine genetisch bedingte Dysplasie des Corpus callosum und mentaler Retardierung.
Überexpression von Chaperonen, z.B. des Hitzeschock- Das autosomal-rezessiv vererbte Syndrom wird durch De-
Proteins Hsp70 die pathologischen Folgen akuter und chro- fekte der 7-Dehydrocholesterin-'-7-Reduktase, des letzten
nisch neurologischer Störungen bei Ischämie bzw. die Par- Enzyms des Cholesterin-Biosynthesewegs verursacht. Der
kinsonsche Erkrankung verursachenden Defekten signifi- Spiegel des Cholesterins ist vermindert, der der Biosynther-
kant mildern. seintermediate erhöht. Die Intermediate können das Cho-
lesterin bei der posttranslationalen Modifikation des hedge-
Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH). In häma- hog-Proteins nicht ersetzen. Folglich sind seine Interakti-
topoetischen Zellen entsteht gelegenheitlich ein (erwor- onen mit Membranen und Beteiligung an der embryonalen
bener) Defekt der Glycosyl-Phosphatidyl-Inositol (GPI)- Entwicklung gestört. Im Tiermodell mit dem gleichen Gen-
9 Anker-Synthese. In betroffenen klonal gebildeten Erythro- defekt konnte gezeigt werden, dass bei niedrigem endo-
zyten resultiert ein Mangel am decay accelerating factor genen Cholesterinspiegel auch die regulierte Sekretion bzw.
DAF (CD55) und an Membran-Inhibitor reaktiver Lyse Bildung sekretorischer Granula vermindert sind.

In Kürze
Nach der Biosynthese erhalten die Proteine ihre native Proteine, die eine N-terminale Signalsequenz enthal-
Konformation durch eine assistierte Faltung. ten, werden cotranslational in das Lumen des ER transpor-
Die Assistenz wird von Chaperonen der Hitzeschock- tiert. Im ER finden i.d.R. andere Modifikationen als im Cyto-
Proteinfamilie und Peptidyl-Prolyl-cis-trans-Isomerasen sol statt, z.B. die Disulfidbrückenbildung sowie N- und O-
geleistet. Glycosylierungen.
Viele Proteine werden während oder unmittelbar Die meisten mitochondrialen Proteine werden heat
nach der Synthese (co- bzw. posttranslational) covalent shock protein-abhängig vor ihrer Faltung transportiert, die
modifiziert. Die Informationen für die Modifikationen sind peroxisomalen gelangen mit Hilfe von Peroxinen nach der
in der Primärstruktur der Proteine enthalten. Diese ent- Faltung in ihre Zielorganellen.
scheidet sowohl direkt als auch mittels cotranslationaler Die co- und posttranslationalen Modifikationen tragen
Modifikationen über die Faltung. maßgeblich zur Komplexität der in verschiedenen Zellen
Posttranslationale Modifikationen erfolgen entweder präsenten Proteinstrukturen und damit ihres Proteoms
an primären Bindungen innerhalb der Polypeptidkette bei.
oder peripher auf den Seitenketten der Aminosäuren.

9.3 Proteinolyse und Abbau Die sehr verschieden ausfallende Lebensdauer ist durch
von Proteinen die Halbwertszeit (t1/2) charakterisiert. Diese kann je nach
Protein wenige Minuten bis mehrere Jahre betragen. Ein
Täglich werden mehr als 300 g des körpereigenen Proteins Beispiel stellt die zirkulierende Acetylcholinesterase dar,
umgesetzt. Bei einer negativen Stickstoffbilanz, z.B. bei deren Halbwertszeit von der Kohlenhydratstruktur und
Hunger, Hypercortisolismus, einer Muskeldystrophie oder dem Oligomerisierungszustand abhängig ist. Bei der lang-
postoperativ kann die Abbaurate beträchtlich höher sein. lebigsten tetrameren Form liegt die Halbwertszeit bei 12
Der normale Umsatz (turnover) eines Proteins hängt von Stunden. Wenn die Oligosaccharide ihre terminalen Sialin-
den Geschwindigkeiten der Synthese und des Abbaus ab. säurereste verlieren, wird das Enzym von Hepatozyten auf-
9.3 · Proteinolyse und Abbau von Proteinen
315 9

genommen (7 Kap. 17.3.4) und die Halbwertszeit verkürzt Metallopeptidasen. Im aktiven Zentrum dieser Enzyme, die
sich auf 5 Minuten. in der Superfamilie von sog. zincins zusammengefasst wer-
Für den Proteinabbau, die Proteinolyse (Proteolyse), den, finden sich Zn2+-Ionen. Diesen Enzymen ist eine Histi-
stehen Hunderte von Proteinasen (Proteasen) zur Verfü- din-haltige Aminosäuresequenz (HEXXH, wobei die Abkür-
gung. Diese Enzyme spalten Peptidbindungen in Protei- zungen H, E und X Histidin-, Glutaminsäure- bzw. beliebige
nen und/oder Peptiden und werden allgemeiner als Pepti- Aminosäurereste symbolisieren) in ihren aktiven Zentren
dasen bezeichnet. gemeinsam. Die vielleicht bekanntesten Beispiele dieser En-
Manche Proteinasen sind für die weitgehende Zerle- zymgruppe sind Matrix-Metalloproteinasen (MMP) und
gung von Proteinen in kleine Bruchstücke verantwortlich, das an der Regulation des Blutdrucks beteiligte Angiotensin-
z.B. die Proteinasen des Verdauungstrakts. Andere außer- I-Conversions-Enzym ACE (7 Kap. 28.1.10). Matrix-Metal-
ordentlich spezifische Proteinasen hydrolysieren nur eine loproteinasen werden im 7 Kapitel 9.3.3 näher beschrieben.
spezifische Bindung in einem oder wenigen Proteinen zu.
Durch diese partielle Spaltung, d.h. limitierte Proteinoly- Serinpeptidasen. Hier finden sich verschiedene Prohor-
se, können neue Strukturen, Eigenschaften oder eine Um- monconvertasen, die pankreatischen Proteinasen Trypsin,
verteilung der Proteine manifest werden. Chymotrypsin und Elastase, die in Leukozyten vorkom-
menden Granzyme, Elastase, Kathepsin G, verschiedene
Gerinnungsfaktoren einschließlich Thrombin und auch
9.3.1 Klassifizierung der Proteinasen das thrombolytische Plasmin. Im Katalysezentrum der
meisten Serinpeptidase findet sich die katalytische Triade
! Für die Benennung verschiedener Proteinasengruppen Asparaginsäure-Histidin-Serin, in der diese Reste räumlich
ist die Zusammensetzung ihrer katalytischen nucleo- jedoch nicht der Primärsequenz benachbart sind. Der kata-
philen Gruppen maßgeblich. lytische Mechanismus der Serinpeptidasen wird in 7 Kap. 4.3
erklärt. Bemerkenswerterweise konstituierte sich die glei-
Proteinasen spalten Peptidbindungen, in denen Carbonyl- che Triade bei Vertretern verschiedener Serinpeptidasen-
gruppen mit schwach elektrophilen Kohlenstoffatomen Familien unabhängig voneinander.
vorliegen. Nach der Art der beteiligten Wirkgruppe des ak-
tiven Zentrums wird der Katalysetyp in sechs Enzymgrup- Threoninpeptidasen. Diese Enzyme sind insofern einma-
pen klassifiziert und entsprechend benannt. Die siebte lig, als an der Katalyse die D-Amino- sowie die Hydroxyl-
Gruppe umfasst Proteinasen unbekannten Reaktionstyps gruppe eines N-terminalen Threoninrests beteiligt sind. Zu
und wird nicht näher diskutiert. In der Datenbank Merops dieser Gruppe gehören die für den Abbau von Glycoprote-
(http://merops.sanger.ac.uk) finden sich alle bisher in die- inen benötigte Glycoasparaginase und die E-Untereinheit
sen Gruppen beschriebenen Proteinasen, wobei sie dort in Proteasomen (7 Kap. 9.3.4).
unter dem Oberbegriff Peptidase geführt werden.
Aspartatpeptidasen zeichnen sich durch zwei Aspara-
ginsäurereste im aktiven Zentrum aus. Viele Mitglieder der 9.3.2 Spezifität der Proteinasen
Gruppe, wie das lysosomale Kathepsin D und das im Ma-
gensaft wirkende Pepsin arbeiten bei saurem pH optimal. ! Die Analysen der die Bindungsspezifität bestimmenden
Von anderen sauren Peptidasen lassen sich diese Enzyme molekularen Strukturen bilden die Grundlage für eine
durch Hemmung mit Pepstatin A unterscheiden. Renin rationale Entwicklung neuer Medikamente.
(7 Kap. 28.1.10) und die HIV-1 Proteinase sind bei neu-
tralem pH aktiv. Hemmstoffe dieser Aspartatproteinase Die Spezifität der Protein- oder Peptidhydrolyse wird
finden therapeutische Anwendung bei der Kombinations- durch die Bindung des Substrats an das aktive Zentrum der
therapie von AIDS-Patienten. Peptidase bestimmt. Gebunden werden die Seitenketten
Cysteinpeptidasen umfassen die lysosomalen Kathep- oder die Peptidbindungen mehrerer Aminosäurereste des
sine B, K, L und S, die Calciumionen-abhängigen Calpaine, Substrats durch entsprechende Substratareale (subsites) des
die ebenfalls in Cytosol lokalisierten und an der Apoptose Enzyms. Die Benennung dieser Reste ist der Legende zu
beteiligten Caspasen, die meisten deubiquitierenden En- . Abb. 9.27a zu entnehmen. Die Summe der Bindungs- und
zyme, sowie die Gingipaine, die von dem Bakterium Por- Abstoßungskräfte der Pn–Sn Interaktionen bestimmt die
phyromonas gingivalis gebildet werden und an der Patho- gesamte Bindungskraft zwischen Enzym und Substrat und
genese der Periodontitis beteiligt sind. letztendlich die Bindungskonstante und die Wahrschein-
Glutamatpeptidasen bilden eine kleine Familie fun- lichkeit der Spaltung. Gespalten wird die Peptidbindung
galer saurer Peptidasen, die sich von den bekannteren Car- zwischen den Resten P1 und P1c.
boxylatpeptidasen der Aspartatpeptidasefamilien durch Die Kenntnis der Bindungsstellen und der 3D-Struktur
ihre Resistenz gegenüber dem Hemmstoff Pepstatin A aus- der Proteinasen ist bei der Erklärung der Spezifität der Pro-
zeichnen. teinasen sowie der Wirkung von Medikamenten, die zur
316 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

Hemmung von Proteinasen eingesetzt werden, wichtig. In


. Abb. 9.27b,c wird ein Beispiel der Interaktion eines Blut-
druck-senkenden Hemmstoffs (Lisinopril) des angioten-
sin-I-converting-Enzyms (7 Kap. 28.1.10) mit einer Metal-
loproteinase gezeigt.
Nach der Lage der spaltbaren Peptidbindung unter-
scheidet man folgende Typen von Peptidasen:
4 Spaltet eine Peptidase eine Aminosäure oder ein Dipep-
tid vom N-Terminus ihres Substrats ab, so wird sie als
Aminopeptidase bzw. Dipeptidylpeptidase bezeich-
net. An der Bindung der Substrate an diese Enzyme ist
ihre D-Aminogruppe (der N-Terminus) beteiligt, für
die die subsites S1 bzw. S2 zuständig sind
4 Spaltet eine Peptidase die C-terminale Aminosäure von
einem Substrat ab, wird sie als Carboxypeptidase be-
zeichnet. Sie bindet den C-terminalen Rest mit seiner
D-Carboxylgruppe an die subsite S1c und hydrolysiert
die benachbarte Peptidbindung
4 Peptidyldipeptidasen binden die letzten zwei Amino-
säurereste ihrer Substrate an die subsites S1c und S2c und
setzen Dipeptide frei
4 Dipeptide werden von Dipeptidasen gespalten
4 Enzyme, die entweder die C- oder die N-terminalen
Reste von Oligopeptiden oder Proteinen hydrolysieren,
9 heißen Exopeptidasen (Exoproteinasen)
4 Werden von den Termini weiter entfernte Peptidbin-
dungen gespalten, so spricht man von Endopeptidasen
. Abb. 9.27a–c. Bindung von Substraten und Hemmstoffen im bzw. Endoproteinasen
aktiven Zentrum von Peptidasen. a Nomenklatur. Die vom Enzym
gebundenen Aminosäurereste (ocker) werden als Pn (n = natürliche Die Spezifität der Enzyme ist i.d.R. unabhängig von der Län-
Zahl) bezeichnet; die Reste P1–Pn erstrecken sich von der zu spalten- ge der gespaltenen Substrate und Produkte. Die Pankrea-
den Peptidbindung zum N-Terminus, die P1’–Pn’ zum C-Terminus.
tische Carboxypeptidase B hydrolysiert Peptidbindungen
Hydrolysiert wird die Bindung zwischen P1 und P1’. Substratareale der
Enzymoberfläche Sn, die die zugehörigen Reste Pn binden, werden als C-terminaler basischer Reste. Entscheidend ist die Wechsel-
subsites bezeichnet. Die Zahl der involvierten subsites ist für jedes wirkung des Rests P1c mit der subsite S1c. Sie bindet basische
Enzym charakteristisch. Bei der Metallopeptidase Angiotensinogen-I- Reste sowie ihre freie D-Carboxylgruppe. Proteinasen unter-
Conversions-Enzym ACE beispielsweise sind es die S1, S1’ und S2’ scheiden zwischen verschiedenen Konformationszuständen
subsites. Das Zink-Ion (grüne Kugel) des aktiven Zentrums liegt defini-
der Substrate. Es können nur solche Peptidbindungen ge-
tionsgemäß zwischen den Substratarealen S1 und S1’. Die im Anschluss
an das S2’ subsite eingezeichnete positiv geladene Gruppe ermöglicht spalten werden, die sterisch zugänglich sind und deren um-
die Bindung von Substraten oder Hemmstoffen, die auf der C-termi- liegende Gruppen in das aktive Zentrum der Enzyme passen.
nalen Seite des P2’-Rests eine elektronegative Gruppe enthalten. Die Zugänglichkeit kann durch Modifikationen, Faltungs-
b Struktur von Lisinopril. Dieser ACE-Hemmstoff besitzt eine Peptid- fehler, Denaturierung oder eine enzymatische Veränderung
ähnliche Struktur, die der des natürlichen Substrats Angiotensin-I sehr
der nativen Struktur des Substrats erhöht werden.
ähnelt. Seine Bausteine passen in die subsites und bilden mehrere
hydrophobe und ionische Interaktionen mit dem aktiven Zentrum
aus. c Struktur des aktiven Zentrums eines Angiotensinogen-I-Conver-
sions-Enzyms, das in Anwesenheit von Lisinopril kristallisiert wurde. 9.3.3 Kompartimentierung der
Markiert ist das zentrale Zn-Ion (grün), die das Zn-Ion bindenden Proteinasen und ihre Wirkung
Histidinreste (His), die hydrophoben Reste (M) sowie die an ionischen im Extrazellulärraum
Brücken beteiligten Ladungen (+,–) ausgewählter Lysinseitenketten
bzw. Carboxylate. Es werden nur wenige Aminosäurereste des Enzyms
und der Plasmamembran
gezeigt, die markierten Histidinreste sind Bestandteil eines allen
Metallopeptidasen gemeinsamen Sequenzmotivs und befinden sich Nach Lokalisierung lassen sich Proteinasen in zwei Grup-
in der gezeigten D–Helix (D, magenta). Der Hemmstoff (ocker) nimmt pen mit mehreren Untergruppen gliedern:
den als graues Netz dargestellten Raum (Elektronendichte) im akti-
4 Extrazelluläre Proteinasen:
ven Zentrum ein; zwischen den S1 und S1’ subsites befindet sich eine
Carboxylgruppe des Lisinoprils, die das Zn-Ion bindet und keine Intestinaltraktproteinasen (7 Kap. 32),
Peptidbindung, die gespalten werden könnte. (Aufnahme: K. Ravi Blutplasmaproteinasen (7 Kap. 29),
Acharya und Edward D. Sturrock (c)) Matrixmetalloproteinasen (7 Kap. 24.6)
9.3 · Proteinolyse und Abbau von Proteinen
317 9

4 Plasmamembranproteinasen stoffe als Serinproteinase-Inhibitoren. Sie werden Serpine


4 Intrazelluläre Proteinasen: genannt. Ihre Komplexe mit Thrombin und anderen akti-
Lysosomale und endosomale Proteinasen vierten Proteinasen werden durch einen serpin enzyme-
(7 Kap. 9.3.4), complex SEC-Rezeptor der Hepatozyten-Plasmamembran
Proteinasen in nicht-lysosomalen Kompartimenten gebunden, endozytiert, und lysosomal abgebaut.
(7 Kap. 9.3.5)
Peri- und extrazelluläre Matrixmetalloproteinasen. Die
! Die Aktivität vieler Proteinasen wird durch Inhibitor-
weiter oben erwähnte Superfamilie der Metallopeptidasen
Proteine reguliert.
gliedert sich in 26 MMPs (Matrixine), ähnlich großen
Häufig stellen Proteinasen eine Gefahr für ihre Umgebung Gruppen von ADAM-(adistengrin-like and metalloprotei-
dar. Daher unterliegen sie komplexen Kontrollmechanis- nase) und ADAMTS- (ADAM with thrombospondin motifs)
men, an denen spezifische Proteinaseinhibitoren beteiligt Metalloproteinasen, Astacine sowie Meprine. Die letzteren
sind. sind überwiegend in der Plasmamembran lokalisiert (7 u.),
während alle ADAMTS als lösliche Proteine sezerniert
Blutplasmaproteinasen. Mehrere Reaktionen der Abwehr- werden.
systeme sowie hormoneller Regulationssysteme im Blut
! Matrixmetalloproteinasen regulieren den Stoffwechsel
(Koagulation, Komplement, Fibrinolyse, Kallikrein- Kinin-
des Bindegewebes, des Knochens und der Haut.
sowie Renin-Angiotensinsystem; 7 Kap. 28.1.10) beruhen
auf einer präzisen Abstimmung der proteinolytischen Ak- Einige MMPs sind mittels TM-Domänen, andere durch
tivität durch aktivierbare Proteinasen und ihre Hemmstoffe. GPI-Anker in die Plasmamembran integriert, die meisten
Die meisten Proteinasen im Blutplasma gehören zu den Se- jedoch werden sezerniert und von Matrixmolekülen ge-
rinproteinasen. Renin dagegen ist eine Aspartatproteinase. bunden. Alle Enzyme dieser Gruppen enthalten eine Pro-
Mehrheitlich liegen die Blutplasma-Serinproteinasen als sequenz, die das aktive Zentrum bzw. dessen Zink-Ion mit
inaktive Proenzyme vor. Ausgelöst durch verschiedene einer Cystein-Seitenkette abschirmt. Bei der Aktivierung
Signale, Noxen oder Verletzung werden sie proteinolytisch, wird die Prosequenz abgespalten oder blockiert. Die Spal-
z.T. autokatalytisch aktiviert (7 Kap. 29) und durch ver- tung kann durch Plasmin und andere sezernierte Proteina-
schiedene Proteinaseinhibitoren gehemmt: sen, durch Prohormon-Convertasen (die entsprechende
Spaltstelle ist jedoch nicht bei allen MMPs vorhanden) oder
α2-Makroglobulin ist ein genereller Hemmstoff der Blut- bakterielle Proteinasen (dies ist bei Wundinfektionen, Ka-
plasmaproteinasen. Es liegt im Plasma in einer relativ ho- ries, Periodontitis u.a.m. von Bedeutung) katalysiert wer-
hen Konzentration vor und zeichnet sich durch eine un- den. Die meisten MMPs enthalten eine regulatorische (Hä-
strukturierte über 30 Aminosäurereste lange, durch zahl- mopexin-) Domäne, die an Heparansulfat in der Matrix
reiche Enzyme hydrolysierbare Domäne (bait) sowie eine binden und oligomerisieren kann. Je nach Spezifität kön-
interne J-Glutamyl-Thioesterbindung aus. Eine Spaltung nen die aktivierten Enzyme bei neutralem pH verschiedene
der bait-Sequenz ruft eine Konformationsänderung hervor, Matrixbestandteile wie Kollagen, Fibronectin, Amelogenin
die zu einem Einschluss und/oder einer covalenten Bin- und Aggrecan sowie E-Cadherin u.a. Zelladhäsionsmole-
dung der angreifenden Proteinase führen kann. Letztere küle (7 Kap. 6.2.5, 24) spalten. Die MMPs werden aufgrund
ergibt sich aus einer Aktivierung des Thioesters und Bil- verschiedener Eigenschaften in mehrere Subgruppen un-
dung von Isopeptidbindungen mit H-Aminogruppen von terteilt:
Lysinresten der Proteinasen. Die Konformationsänderung 4 interstitielle Kollagenasen
führt zur Endozytose der Komplexe durch Makrophagen 4 Basalmembran- Kollagenasen
und Fibroblasten über Rezeptoren an der Plasmamem- 4 Matrilysine
bran. 4 Stromelysine
α1-Antitrypsin hemmt die aus Granulozyten freige- 4 membrangebundene MMPs
setzte Elastase (sein Mangel führt zum Lungenemphysem,
7 Kap. 29.6.5) sowie das aktivierte (Akutphase-) Protein C Das bekannteste Mitglied der Astacin-Familie ist BMP-1
(ein hoher Spiegel von D1-Antitrypsin prädisponiert zu (bone morphogenic protein 1) (7 Kap. 24.7.2). Es wirkt als
Thrombosen, weil es die Inaktivierung von Coagulations- Prokollagen C-Proteinase und spaltet die C-terminale Do-
faktoren durch das aktivierte Protein C einschränkt). mäne der fibrillären Prokollagene I-III. Die freigesetzte
C1-Inhibitor ist einer der Hauptregulatoren des Kalli- Domäne des Prokollagen I wirkt chemotaktisch auf Endo-
krein, des intrinsischen Koagulationswegs sowie des Kom- thelzellen. Die des Prokollagen II ist identisch mit Chon-
plementsystems (sein Mangel verursacht das hereditäre drocalcin, sodass das BMP-1 bei der Osteogenese sowohl
Angioödem). die Vaskularisierung als auch die Mineralisierung unter-
Dem überwiegenden Typ der Blutplasmaproteinasen stützt. Nicht minder wichtig erscheint die Aktivierung der
entsprechend wirken die meisten hier erwähnten Hemm- Lysyl-Oxidase durch das BMP-1. Das bei dieser Aktivie-
318 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

rung freigesetzte Propeptid wirkt Tumor-suppressiv; es segmenten finden. Das Amyloid ist also ein Produkt der
hemmt die Aktivierung von NFNB durch das Ras-Protein. E- und J-Sekretasen. Als α-Sekretasen werden Enzyme
In der Haut fördert das BMP-1 die epidermal-dermale Ver- bezeichnet, die das Amyloid-Präkursorprotein nicht amy-
bindung durch Spaltung der Propeptide von Prolaminin-5 loidogen spalten. So wirken u.A. die membranständigen
und Prokollagen VII. Schließlich ist das BMP-1 an der Ak- ADAM-10 und -17 Metalloproteinasen. Die letztere ist mit
tivierung anderer BMPs beteiligt. Die Metalloproteinasen dem TNF-alpha-Conversions-Enzym TACE identisch, das
werden einerseits durch eine selektive Expression und Ak- für die Freisetzung des proinflammatorischen und immu-
tivierung und andererseits durch vier kleine TIMP (tissue noregulatorischen TNF-α (7 Kap. 26.4.2) verantwortlich ist.
inhibitors of metalloproteinases)-Proteine gesteuert, die als
! Ecto- und Intramembranproteinasen kooperieren bei
nichtspaltbare Substratanaloga auf alle MMPs sowie einige
der Freisetzung von Transkriptionsfaktoren.
ADAM- und ADAMTS-Proteinasen wirken. Die inaktiven
Komplexe werden mittels eines LDL-Rezeptor-related In der Embryonalentwicklung spielen die J-Sekretasen eine
Proteins endozytiert, und in Lysosomen abgebaut. wichtige Rolle bei dem sog. notch-signalling. Die Regulation
der Entwicklung durch Notch-Gene wurde ursprünglich
! An der Zelloberfläche finden sich zahlreiche Metallo-
bei der Taufliege Drosophila und beim Fadenwurm Caenor-
proteinasen darunter die extrem spezifischen Conver-
habditis entdeckt. Bei Vertebraten kommen vier Notch-
sions-Enzyme sowie Sekretasen.
Rezeptoren und fünf Notch-Liganden mit überlappender
Plasmamembranproteinasen. Ein Teil der schon er- Spezifität vor. Auch in diesen Organismen ist das Notch-
wähnten MMPs zählt zu den extrazellulär wirkenden Plas- System von grundlegender Bedeutung für Differentierung,
mamembranproteinen, den Ectoenzymen. Proliferation, Apoptose, Cancerogenese und spezialisierte
4 Meprine werden hauptsächlich von Darm- und Nie- Leistungen wie die Gedächtnisbildung. Die Liganden der
renepithelzellen gebildet. Sie spielen eine Rolle bei der Notch-Rezeptoren sind i.d.R. Membranproteine, die sich
Verdauung und Rückresorption sowie bei Abwehrreak- an benachbarten Zellen befinden. Ihre Bindung verursacht
tionen im Urintrakt und Leukozyten eine Konformationsänderung des Rezeptors mit mehreren
9 4 Die Neprilysin oder Enkephalinase genannte neutrale Folgen:
Endopeptidase 24.11 ist ein Ectoenzym der Epithelzel- 4 Abspaltung der Ektodomäne durch die α-Skretase
len und Leukozyten, das an der Inaktivierung verschie- TACE (7 Kap. 25.8.2)
dener bioaktiver Peptide z.B. Enkephaline und Substanz 4 Intramembran-Hydrolyse des getrimmten Rezeptors
P, beteiligt ist durch J-Sekretasen
4 Das Endothelin-Conversions-Enzym ECE wird von 4 Translokation der abgespaltenen intrazellulären Domä-
Endothelzellen gebildet. Seine wichtigste Aufgabe ist ne in den Zellkern und Aktivierung der Transkription
die Spaltung von big-endothelin zum Endothelin, einem Notch-regulierter Gene
starken Vasokonstriktor und für Verdickungen der
Neointima bei Restenosen verantwortlich gemachtem Die freigesetzte Notch-Ektodomäne wird proteinolytisch
Mitogen glatter Muskelzellen entsorgt. Der membranständige Ligand, mit dem sie nach
4 Das Angiotensin-I-Conversions-Enzym ACE kommt der Spaltung assoziiert bleibt, wird ubiquitiniert (7 Kap.
in größeren Mengen in den Lungen und Nieren vor 9.3.5), endozytiert und lysosomal abgebaut.
(7 Kap. 28.1.10)

Die Ektodomänen eines Teils dieser Enzyme können mit- 9.3.4 Abbau von Proteinen in Lysosomen
tels Sheddasen (shedding-Enzyme) in der gleichen Mem-
bran von ihren Transmembransegmenten abgespalten wer- ! In Lysosomen und Endosomen kooperieren verschie-
den und finden sich im Blutplasma. dene Endo- und Exoproteinasen beim Abbau von
endo- und autophagozytierten Proteinen, Partikeln
Sekretasen. Andere an Hydrolyse und Freisetzung von Ec- und Organellen.
toenzymdomänen beteiligte Enzyme werden Sekretasen
genannt. Wichtige Beispiele sind die E-Sekretasen, z.B. das Die meisten der in Lysosomen vorkommenden Proteinasen
beta-amyloid-precursor-converting-enzyme BACE (7 Kap. werden als Kathepsine bezeichnet. Im Lumen der Lyso-
31.5.1). Es handelt sich um Aspartatproteinasen. J-Sekre- somen herrscht ein pH von ca. 4,5, bei dem viele Proteine
teasen sind ebenfalls an der Bildung der Amyloidfrage- instabil sind, während die lysosomalen Hydrolasen optimal
mente beteiligt. Ihre proteinolytisch aktive Untereinheiten, arbeiten. Zusammen mit Amino- und Carboxypeptidasen
Präsenilin-1 und -2, sind in der Lage, Transmembranseg- sind die Kathepsine in der Lage, sämtliche in die Lysosomen
mente ihrer Substratproteine im Bereich der Lipiddoppel- aufgenommenen Proteine zu Aminosäuren abzubauen. Die
schicht zu hydrolysieren. Ihr aktives Zentrum wird von Produkte werden über die lysosomale Membran in das Cy-
Aspartatseitenketten gebildet, die sich in Transmembran- tosol abgegeben.
9.3 · Proteinolyse und Abbau von Proteinen
319 9

die Hormone T3 und T4 freigesetzt, die anschließend in den


Kreislauf abgegeben werden.

Abbau von Proteinen der Plasmamembran. Die adrener-


gen E2-Rezeptoren, Glycin-Rezeptoren oder der ENaC-Ka-
nal unterliegen einem als down-regulation bezeichneten
Vorgang. An ihm sind mehrere Modifikationen, darunter
die Ubiquitinierung (7 Kap. 9.3.5) beteiligt. Letzterer folgt
eine beschleunigte Endozytose, eine Konzentrierung der
ubiquitinierten Proteine in besonderen Arealen der späten
Endosomen (7 Kap. 6.2.6), das Knospen dieser Areale in das
Lumen, die Bildung interner Vesikel sowie der Abbau letz-
terer, bei dem sowohl die Proteine als auch die Lipide hy-
drolysiert werden.

Aktivierung und Abbau von proteinolytisch aktivierten


Rezeptoren (PARs). Die PARs bilden eine Gruppe von vier
. Abb. 9.28. Autophagosom. Elektronenmikroskopische Aufnahme Protein-G-gekoppelten Rezeptoren, die durch proteinoly-
eines Hepatozyten. Gezeigt wird ein frühes Autophagosom (APS), in tische Spaltung nahe ihres N-Terminus bzw. Bindung des
dem ein Mitochondrium, ER und Ribosomen eingeschlossen sind. verkürzten Endes (tethered end) in der Agonist-Domäne
Neben dem Autophagosom befindet sich ein Phagophor (PP), ein
aktiviert werden. Sie können also nur einmal benutzt wer-
frühes Stadium der Autophagosomenbildung, in dem eingestülpte
ER-Zisternen einen Hohlraum bilden. Durch ein vollständiges Um-
den. Danach werden sie in Lysosomen abgebaut. Der Spie-
schließen des in diesem Raum sequestrierten Materials entsteht ein gel nicht-aktivierter PARs wird durch Ubiquitinierung und
Autophagosom. Der eingeschlossene Bereich wird zum Inhalt des Endozytose reguliert. PAR-2 findet sich insbesondere in den
Autophagosoms. Durch ein Verschmelzen mit Lysosomen oder Vesi- intestinalen, kardiovaskulären und pulmonalen Systemen
keln, die lysosomale Enzyme transportieren, entsteht aus diesem ein
und besitzt protektive sowie Entzündungs- und Schmerz-
lytisches lysosomales Organell. (Aufnahme: Eeva-Liisa Eskelinen)
empfindungsregulatorische Eigenschaften. Es wird an erster
Stelle durch Trypsin und Mastzell-Tryptase aktiviert. Auch
Mikro- und Makroautophagozytose. Intrazelluläre Protei- die anderen drei PARs kommen in verschiedenen Epithelien
ne und Organellen können unter Beteiligung von heat sowie im Endothel und glatter Muskulatur vor. Sie werden
shock-Proteinen nach einer Verknüpfung mit dem sog. Au- von Thrombin aktiviert. Charakteristisch für die PARs ist
tophagozytose (Apg)-Regulatorprotein durch Mikropha- ihre Aktivierung durch Proteinasen, die in ihrer Umgebung
gozytose in die Lysosomen gelangen. Durch Makroauto- durch Entzündung freigesetzt werden.
phagozytose gelangen größere Areale des Cytoplasmas in
Phagosomen. Somit können fast alle Bestandteile des Cyto-
plasmas einschließlich der Mitochondrien, Peroxisomen 9.3.5 Proteinolyse in nichtlysosomalen
und Glycogenpartikel dem lysosomalen Abbau zugeführt Kompartimenten
werden (7 Kap. 6.2.7). An der Bildung von Autophago-
somen sind ER-Membranen beteiligt (. Abb. 9.28). Diese Hier werden Gruppen von einigen sehr spezifischen Prote-
verschmelzen mit Lysosomen, Endosomen oder kleinen inasen beschrieben, die ihre Substratproteine aufgrund de-
lysosomale Enzyme transportierenden Vesikeln. Bei Hun- finierter Sequenzsignale (Primärstruktur) oder aufgrund
ger und erhöhtem Ketonkörperspiegel ist die Autophagozy- Signal-induzierter Konformationsränderungen in verschie-
tose gesteigert. denen nicht-lysosomalen Kompartimenten erkennen:
4 Mitochondriale Signalpeptidasen befinden sich in der
Endozytose. Proteinfragmente, die beim Abbau extrazellu- Matrix und gehören zu den Metallopeptidasen. Sie ent-
lärer Matrix entstehen, Lipoproteine und veränderte Ma- fernen das N-terminale basische Lokalisierungssignal
kromoleküle sind typische lysosomale Substrate, die über der Matrixproteine unmittelbar nach ihrem Import
spezifische Rezeptoren und rezeptorvermittelte Endozyto- (. Abb. 9.23). Andere Peptidasen dieser Organellen
se (7 Kap. 6.2.5) sehr effektiv in die Lysosomen gelangen. sind am Abbau mitochondrialer Proteine beteiligt
Stellvertretend können hier die in den 7 Kapiteln 18.5.2, 4 Signalpeptidasen im rauen ER sind an der cotransla-
11.7.1 und 17.3.4 beschriebenen LDL-, AGE- bzw. Asia- tionalen Spaltung von Signalpeptiden (. Abb. 9.20) be-
loglycoprotein-Rezeptoren und das am Abbau der MPP- teiligt. Sie gehören entweder zu den Aspartat- oder den
TIMP-Komplexe beteiligte LDL receptor-related protein er- Serinpeptidasen
wähnt werden. Im Schilddrüsenepithel werden durch lyso- 4 Im Golgi-Apparat können durch limitierte Proteinoly-
somale Proteinolyse aus endozytiertem Thyreoglobulin se Transkriptionsfaktoren ins Cytosol freigesetzt wer-
320 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

. Abb. 9.29. Polyubiquitinierung und Abbau


von Proteinen. In dem stark vereinfacht darge-
stellten Ubiquitinierungszyklus werden Ubiqui-
tin-Reste als Thioester an die Transferproteine E1
und E2 sowie als Amid (Isopeptid) auf das Subs-
trat und sich selbst (Lysin-48) übertragen. Dabei
werden die dargestellten Polyubiquitin-Ketten
gebildet. Die Modifikationssignale werden von
Ubiquitin-Ligasen (E3) erkannt. Meist handelt es
sich um fehlgefaltete, oxidativ geschädigte oder
fehlsynthetisierte Proteine, hier mit einem
Schädelsymbol gekennzeichnet. Die Isopeptid-
bindungen werden durch die 19S-Untereinheit
des Proteasoms hydrolysiert und das Ubiquitin
wiederverwendet. Unter ATP-Verbrauch wird
das abzubauende Protein durch die 19S-Unter-
einheit entfaltet

den. Bekannt ist dies bei der Steuerung des Choleste- Wachstum und können den Zelltod, die Apoptose, herbei-
9 rinstoffwechsels (7 Kap. 18.3.3) und ER-Stress-indu- führen. Sie spalten bestimmte native Proteine an der C-Ter-
zierter Entzündungsreaktionen (7 u. ERAD-System). minus-nahen Seite von Aspartylresten, wodurch sie ihren
Die Transkriptionsfaktoren sind als cytosolische Do- Namen erhalten haben. Ihre Funktion ist in den 7 Kapiteln
mänen Bestandteile ER-residenter Proteine. Für ihre 7.1.5 und 25.8.2 besprochen
Freisetzung müssen zwei Voraussetzungen erfüllt wer-
! Der Abbau der Proteine durch Proteasomen wird meist
den: Erstens Transport dieser Proteine in den Golgi-
durch ihre Ubiquitinierung reguliert.
Apparat und zweitens proteinolytische Spaltung. Für
diesen Schritt sind sog. site-1- und site-2-Proteinasen Die meisten Proteine werden im Cytosol abgebaut. Der Ab-
zuständig. Es sind Serin- bzw. Metalloproteinasen bau ist streng reguliert. Daran ist eine Gruppe von modifi-
4 Ubiquitär vorkommend, jedoch für sekretorische zierenden Enzymen beteiligt, die den Abbau durch eine
Kompartimente neuroendokriner Zellen besonders multiple Verknüpfung mit Ubiquitin einleiten. Durch eine
charakteristisch sind Prohormon-Convertasen. Mit lokale Verstärkung dieser Modifikation können Kernprote-
hoher Spezifität erkennen sie jeweils zwei (P1, P2, ine selektiv abgebaut werden. Eine weitere Möglichkeit,
. Abb. 9.27) oder drei (P1, P2, P4) basische Aminosäu- Proteine im Cytosol abzubauen, besteht in einer Calcium-
rereste in der Primärsequenz von Prohormonen oder ionen-abhängigen Aktivierung von sog. Calpainen. Die
Proenzymen (z.B. Prorenin) sowie Präkursorformen Aktivität der Calpaine wird durch Proteine aus der Familie
von sekretorischen und integralen Membranprotei- der Calpastatine reguliert.
nen. Die bekanntesten speziell in neuroendokrinen
Zellen vorkommenden Prohormon-Convertasen, Ubiquitinierung. Proteine, die für den Abbau bestimmt
PC1/3 und PC2 sowie das ubiquitäre Furin und vier sind, werden mit einem aus 76 Aminosäuren bestehenden
weitere bilden eine Familie Subtilisin-ähnlicher Serin- Protein, dem Ubiquitin (7 Kap. 9.2.3), covalent verbunden.
peptidasen. Furin ist an der limitierten Proteinolyse Die Verbindung erfolgt in mehreren Schritten (. Abb. 9.29).
von Präkursoren zahlreicher Proteine, darunter Albu- Zunächst muss Ubiquitin aktiviert werden. Dies geschieht
min, Gerinnungsfaktoren, einige MMPs, Integrine, durch die ATP-abhängige Knüpfung einer Thioesterbin-
Hormone), Rezeptoren, Hüllproteine verschiedener dung zwischen der C-terminalen Carboxylgruppe des Ubi-
Viren, und seiner eigenen beteiligt. Es besitzt ein quitin und einer Thiolgruppe eines Hilfsproteins (E1). Die
Transmembransegment und eine kurze cytosolische Ubiquitin-Reste werden durch Transthioesterifizierung auf
Domäne. weitere Proteine (E2) und mittels spezifischer Ubiquitin-
Ligasen (E3) auf Aminogruppen ausgewählter Proteine
Eine funktionell herausragende Gruppe cytosolischer Pro- übertragen. Häufig wird die Ubiquitinierung fortgesetzt bis
teinasen sind die Caspasen. Sie kontrollieren das normale sog. polyubiquitinierte Proteine entstehen. In menschlichen
9.3 · Proteinolyse und Abbau von Proteinen
321 9

Geweben gibt es mehrere E2-Proteine und fast 100 E3-En- Ubiquitinierungssignale. Ubiquitin scheint am Ende einer
zyme. Es entstehen Isopeptidbindungen. Reihe von Modifikationen zu stehen, die den Abbau von
Polyubiquitinierung und eventuell mehrfache Monou- nicht benötigten Proteinen einleiten. Durch Stress, Hitze,
biquitinierung verschiedener Lysin-Reste von Membran- chemische Veränderungen und katabole Stoffwechselsig-
proteinen leitet ihre Endozytose und ihren Abbau in späten nale kann der Abbau beschleunigt werden. Diese Strategie
Endosomen (7 Kap. 6.2.5), Polyubiquitinierung den prote- erfordert, dass die Ubiquitinierung durch zahlreiche E3-
asomalen Abbau im Cytosol und Zellkern ein. Signal für Enzyme katalysiert wird, die an ihren Substratproteinen
den Abbau sind die über das Lysin-48 verlängerten Ubiqu- charakteristische Signale erkennen. Ubiquitiniert werden
tinketten). 4 Proteine mit einer kurzen Halbwertszeit. Ein Beispiel
hierfür ist die Tyrosin-Aminotransferase in der Leber.
! Proteasomen befinden sich im Cytosol und im Zellkern
Dieses Enzym wird für den Abbau der Aminosäuren
und können in besonderen Fällen auch nicht-ubiquiti-
Phenylalanin und Tyrosin benötigt. Es wird durch Glu-
nierte Proteine abbauen.
cocorticoide induziert und seine Aktivität ist bei Hunger
Proteasomen. In diesen Fass-ähnlichen Partikeln (. Abb. stark erhöht. Postprandial wird es rasch ubiquitiniert
19.30a, b) werden die polyubiquitinierten Proteine endo- und in Proteasomen abgebaut. Ein weiteres Beispiel ist
proteinolytisch abgebaut. Proteasomen (insgesamt 26S) die Hydroxymethylglutaryl-CoA-Reduktase, die maß-
sind als ein symmetrisches Fass mit abtrennbaren »Deckel- geblich an der Cholesterin-Biosynthese beteiligt ist.
teilen« von je 19S aufgebaut. Der zentrale Teil (20S) besteht Nach einem Anstieg des Spiegels der Mevalonsäure und
aus 2 × 2 siebengliedrigen Proteinringen. Drei der sieben der Sterole wird das Enzym ubiquitiniert und abgebaut
Untereinheiten der inneren Ringe besitzen proteinolytische 4 Proteine mit einem N-terminalen Argininrest. Der Ab-
Aktivität. Ihre aktiven Zentren befinden sich auf der Innen- bau kann durch Übertragung von Arginin auf Protein
seite des Partikels. Der Zugang zum zentralen Hohlraum durch eine Arginyl-tRNA induziert werden. Die Argi-
wird beidseits durch Regulationskomplexe (19S) kontrol- nylierung erfolgt bevorzugt an N-terminalen Glutamin-
liert. Diese besitzen eine AAA-ATPase-Aktivität und nut- säure- und Asparaginsäureresten. Diese Termini wie-
zen die Energie der ATP Spaltung zur Entfaltung der Prote- derum können durch Desamidierung von terminalen
insubstrate. Man spricht von einer unfoldase-Aktivität. Die Glutamin- bzw. Asparaginresten erzeugt werden. Die
zu spaltenden Proteine werden von den Regulationskom- Abhängigkeit der Ubiqutinylierung von der N-termi-
plexen mittels der Polyubiquitinierung erkannt. Die 19S nalen Aminosäure ist unter dem Begriff »N-end-rule«,
Komplexe spalten Isopeptidbindungen und trennen die die N-terminalen Abbausignale als N-Degrons bekannt
Ubiquitinketten vom Substratprotein ab. Die entfalteten 4 Proteine, die sog. PEST-Sequenzen enthalten. Für die-
Proteinketten werden in den Hohlraum der Partikel abge- se Sequenzen sind die Aminosäuren Prolin (P), Gluta-
geben und dort zu Dodekapeptiden oder ähnlich langen minsäure (E), Serin (S) und Threonin (T) charakte-
Fragmenten hydrolysiert. ristisch. Enthalten sind sie z.B. in Androgen-, Estrogen-

. Abb. 9.30a, b. Elektronenmikroskopische


und schematische Darstellung des Aufbaus der
26S-Proteasomen. a Untersuchungen der Elek-
tronendichte der Proteasomen-Partikel aus Oozy-
ten von Xenopus laevis deuten an, dass sie hohl
sind. b Das Modell zeigt den Querschnitt des aus
vier Ringen bestehenden Fassteils (20S) mit zwei
19S-Untereinheiten. Jeder Ring setzt sich aus
7 Untereinheiten zusammen. Je 3 Untereinheiten
(E1, E2 und E5) der beiden inneren Ringe besitzen
proteinolytische Aktivität: Eine Trypsin-ähnliche,
eine Chymotrypsin-ähnliche und eine Peptidyl-
glutamyl-Peptid-hydrolysierende (PGPH) Aktivität.
Das Substratprotein wird durch eine schwarze
Linie symbolisiert. (Aufnahmen: Wolfgang Bau-
meister und Zdenka Cejka (a), Wolfgang Hilt und
Dieter Wolf (b))
322 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

und Vitamin D-Rezeptoren. Die Aktivität einer PEST- Antigenpräsentation. Ein Teil der von Proteasomen pro-
Sequenz und damit der Abbau eines Rezeptors wird duzierten Oligopeptide wird mittels eines ABC Transpor-
durch Phosphorylierung benachbarter Domänen im ters (7 Kap. 6.1.5) in das Lumen des ER importiert (. Abb.
Rezeptormolekül reguliert 9.21). Der hier wirkende ABCB2/3 Transporter ist hetero-
4 Proteine, die im ER aus verschiedenen Gründen nicht dimer und wird als TAP1/TAP2-Transporter bezeichnet.
korrekt gefaltet oder beschädigt und durch das ERAD- Unter den Produkten der Proteasomen selektiert er 8–10
System (ER-assoziierte Proteindegradation) (7 u.) ab- Aminosäurereste lange Oligopeptide. Im Lumen des ER
gebaut werden werden diese unter Katalyse durch das HLA-1-Chaperon
Tapasin, zur Beladung von HLA-Molekülen verwendet.
ER-assoziierte Proteindegradation. Erstreckt sich die De- Diese werden aus dem ER zur Plasmamembran transpor-
und Reglucosylierung während der Chaperon-assistierten tiert und dort präsentiert (7 Kap. 34.2.2).
Faltung eines im rauen ER synthetisierten Proteins (7 Kap
9.1., 9.2.1) über eine längere Periode, erhöht sich die Chance Calpaine. Die Calpaine sind Calciumionen-abhängige cy-
seiner Demannosylierung durch sog. EDEM-Mannosida- tosolische Serinproteinasen, die am Umsatz der Muskelpro-
sen. Daran können die Glycoproteine mit verzögerter Fal- teine physiologisch bei der Myoblastenfusion und patholo-
tung erkannt werden. Diese sowie nichtglycosylierte Pro- gisch bei der Muskeldystrophie beteiligt sind. In Neuronen
teine mit ähnlichen Faltungsproblemen werden durch werden sie nach einer Ischämie aktiviert, die zu neuronaler
sog. Retrotranslokation ins Cytosol transportiert und Apoptose führen kann. Eine Erhöhung der Calpainaktivität
abgebaut. An diesem Export fehlerhafter Proteine ist das wird häufig durch eine Inaktivierung von Calpastatinen,
Translocon (Sec61p) beteiligt. Die im Cytosol initial er- cytosolischen Hemmstoffen der Calpaine, erreicht.
scheinende Proteinkette wird von der p97 AAA-ATPase
(7 Kap. 6.1.5) erfasst und aus dem ER »herausgezogen«. Im Hormonelle Regulation der Proteinolyse. Glucocorticoide
Cytosol wird sie z.B. aufgrund der in diesem Kompartiment verstärken den Proteasom-, Calpain- und Lysosomen-ab-
atypischen Glycosylierung von einem E3-Enzym polyubi- hängigen Abbau von Proteinen. Sie stimulieren die Expres-
9 quitiniert und proteasomal abgebaut (7 u.). Auf diesem sion der Ubiquitinierungssysteme, des NF-NB Faktors und
Wege können auch nicht-glycosylierte Proteine mit Fal- mehrerer Proteasomen-Untereinheiten sowie der hsp70-
tungsdefekten entsorgt werden. Die gesamte Maschinerie Chaperonine Durch Letztere können Mikroautophago-
dieser Entsorgung wird als ERAD-System bezeichnet. zytose und lysosomaler Abbau cytosolischer Proteine indu-
Überproduktion nicht gefalteter Proteine oder Störung ziert werden. Diese Glucocorticoid-Wirkungen werden
des ERAD-Systems erzeugt ER-Stress. Im Rahmen einer durch IGF-1 (insulin-like growth factor-1) antagonisiert.
Gegenregulation, die als unfolded protein response UPR
bezeichnet wird, kommt es zu einem Anstieg der Konzen-
tration der Chaperone und der Aktivität des ERAD-Sys- 9.3.6 Pathobiochemie
tems.
Überproduktion und Mangel an Kathepsinen. Die Sekre-
Ubiquitin-unabhängiger Abbau durch Proteasomen. An tion von Kathepsinen durch aktivierte Leukozyten in ent-
der Biosynthese von Polyaminen (7 Kap. 13.6.3), die zur zündetem Gewebe trägt zum Abbau der interzellulären
Komplexierung der DNA benötigt werden, ist die Orni- Substanz bei, weil Kathepsine im Matrixraum bei neutralem
thindecarboxylase beteiligt. Das Enzym wird im Zellzy- pH teilweise aktiv sind. Ihre Sekretion durch Tumorzellen
klus am Ende der S-Phase inaktiviert und abgebaut. Beides korreliert mit ihrer Invasivität, beispielsweise beim Mam-
wird durch eine Rückkopplung seitens der Polyamine be- ma-Karzinom. In mineralisiertem Gewebe kommt es bei
wirkt. Mittels einer translationalen Rasterverschiebung einem hohen Parathormonspiegel zu einer parakrinen Ak-
(7 Kap. 9.1.2) wird von den Polyaminen die Synthese eines tivierung von Osteoklasten und Verschmelzung ihrer lyso-
Regulatorproteins (des Antizyms) stimuliert. Das Antizym somenähnlichen Vesikel mit der Plasmamembran. Dabei
bindet die Ornithindecarboxylase, hemmt sie und bewirkt wird Kathepsin K freigesetzt, dessen primäre Funktion der
ihren proteasomalen Abbau. Dies bedeutet, dass nicht jedes Abbau von Kollagen I ist (7 Kap. 6.2.7, . Tabelle 6.5). Bei Tu-
von den Proteasomen abzubauende Protein ubiquitiniert mor-assoziierterOsteolysez.B.beiProstata-Karzinommetas-
werden muss. tasen wird die Sekretion von Matrilysin (MMP7) gesteigert.
Dies führt zum Abbau von RANKL (7 Kap. 24.7.3) und zur
! Ein Teil der von Proteasomen gebildeten Proteinfrag-
Osteoklastenaktivierung. Bei jungen Erwachsenen kommen
mente wird für eine immunologische Kontrolle der
benigne Neoplasmen vor, die als ossäre Riesenzelltumore
Zellen benutzt.
bekannt sind. In Osteolyseherden dieser benignen meist
Oligopeptidabbau. Die meisten der von den Proteasomen nahe einer Metaphyse langer Röhrenknochen lokalisierten
gebildeten Peptidfragmente werden durch Aminopeptida- Tumore finden sich die dem Tumor namensgebenden Rie-
sen im Cytosol abgebaut. senzellen, die Salzsäure und große Mengen von Kathepsin K
9.3 · Proteinolyse und Abbau von Proteinen
323 9

sezernieren. Hereditärer Kathepsin K-Mangel führt in somen verkürzt werden, gespeichert. Die Expression des
Folge einer Kollagen-Persistenz zur Pycnodysostosis, die Gens ist durch sog. Peroxisomenproliferatoren induzier-
durch Osteochondrodysplasie und Osteosklerose charak- bar. Daher erscheint die Beschleunigung der Synthese des
terisiert ist. Defekte im Kathepsin D-Gen verursachen eine Transportproteins durch Phenylbutyrat bei Patienten, bei
letale Form der neuronalen Ceroid-Lipofuszinose mit denen eine Restaktivität vorliegt, vielversprechend. Phenyl-
connataler progressiver Neurodegeneration. butyrat beschleunigt darüber hinaus die Synthese zahl-
reicher peroxisomaler Proteine, darunter des ABCD2-Pro-
Virus-induzierter Proteinabbau. Die Stimulation der Zell- teins mit überlappender Spezifität und mag daher auch bei
proliferation durch das E6-Protein der »Hochrisiko«-Stäm- Patienten mit vollständigem ABCD1-Mangel zumindest
me des humanen Papilloma-Virus beruht auf einer Induk- partiell wirksam sein.
tion des proteasomalen Abbaus des Tumorsuppressor-Gens
p53. Es bildet einen ternären Komplex mit einer Ubiquitin- Zellulärer Stress und Apoptose. In Stresssituationen kön-
ligase und dem p53 Protein, wodurch dessen Ubiquitinie- nen zahlreiche Signale zum Zelltod führen. Das folgende
rung stark beschleunigt wird. Ein anderes Beispiel wurde Beispiel zeigt wie durch eine lokale Überproduktion von
bei Cytomegalievirus beobachtet. Das Virus steuert die Stickstoffmonoxid (NO) Abbau von Zellkernproteinen
Synthese von Proteinen, die im ER die schweren Ketten des und Apoptose ausgelöst werden können. Bei starkem Reiz
HLA-I-Komplexes erkennen sowie dessen Retrotransloka- nach z.B. übermäßiger Freisetzung von Neurotransmittern
tion einleiten. Dadurch wird die Antigenpräsentation und in Nervenzellen und durch TNF-D oder Endotoxin in Ma-
Abwehr infizierter Zellen abgeschwächt oder unmöglich krophagen kann es zu einem Anstieg von NO und zur nicht
gemacht. Die Histokompatibiltätsmoleküle werden schließ- enzymatischen Nitrosylierung verschiedener Proteine
lich durch das ERAD-System abgebaut. kommen. Die in den meisten Zellen stark exprimierte
Glycerinaldehyd-3-Phosphatdehydrogenase (. Abb. 9.1,
Adrenoleukodystrophie. Diese X-chromosomal vererbte 7 Kap. 11.1.1) wird am Cysteinrest im aktiven Zentrum
Erkrankung (X-ALD) beruht auf einem Gendefekt eines nitrosyliert. Diese Form bildet einen Komplex mit der Ubi-
ABC-Transporters (ABCD1), der wahrscheinlich für den quitin-Ligase Siah1, der mittels eines NLS-Signals in der
Transport sehr langer Fettsäuren (C20 bis C26) in die Per- Aminosäuresequenz der Ligase in den Zellkern transloziert
oxisomen verantwortlich ist. Sie erlangte durch den Film wird. Normalerweise wird die Ligase im Zellkern abgebaut,
Lorenzo’s Öl allgemeine Bekanntheit. Inzwischen konnte im Komplex mit der nitrosylierten Dehydrogenase jedoch
gezeigt werden, dass mit Ölsäure in einer Menge, die etwa ist sie stabil. Von ihr ubiquitinierte Proteine werden durch
20% der calorischen Versorgung entspricht, die Synthese Proteasomen im Zellkern abgebaut. Es folgt die Apoptose.
derartiger besonders langkettiger Fettsäuren gehemmt Störungen der Aktivität von Siah1 und einer weiteren E3-
wird. Im Gehirn und anderen Organen der X-ALD Pa- Ubiquitin-Ligase Parkin sowie der Prolyl-Isomerase Pin1
tienten werden aufgrund des Transportdefekts langkettige (Kap. 9.2.1) tragen zum Untergang dopaminerger Neurone
Fettsäuren, insbesondere C26:0, die in normalen Peroxi- bei der Parkinson’schen Erkrankung bei.

In Kürze
Die Halbwertszeit von Proteinen ist individuell und in vie- Durch Autophagozytose können Cytoplasmabestand-
len Fällen regulierbar. Die am Abbau der Proteine beteili- teile und ganze Organellen, durch Endozytose Plas-
gten Proteinasen lassen sich nach dem Mechanismus der mamembran- sowie extrazelluläre Makromoleküle für den
Katalyse und Spezifität in mehrere Gruppen und Familien Abbau in die Lysosomen transportiert werden.
einteilen. Die Spezifität wird durch die Bindung der Amino- Durch limitierte Proteinolyse können die Struktur und
säureseitenketten, die sich in Nachbarschaft der zu spal- Eigenschaften spezifisch ausgewählter Proteine modifiziert
tenden Peptidbindung befinden, bestimmt. werden. Durch eine gezielte Spaltung können Proteine akti-
Proteinasen spalten entweder endo- oder exoprotein- viert, inaktiviert oder aus einer Verankerung gelöst werden.
olytisch und setzen Peptide und Aminosäuren frei. Limitierte Proteinolyse ist ein wichtiges Mittel der Signal-
Fehlgefaltete und beschädigte Proteine werden durch verarbeitung und ist an vielfältigen Formen der intra- und
Polyubiquitinierung markiert und von Proteasomen abge- interzellulärer Kommunikation, Differenzierung, Zellprolife-
baut. Ein Teil der von Proteasomen gebildeten Oligopep- ration und Zelltod beteiligt.
tide werden mittels HLA-I-Molekülen für eine Kontrolle
durch das Immunsystem an der Zelloberfläche präsentiert.
324 Kapitel 9 · Biosynthese, Modifikation und Abbau von Proteinen

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