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Literaturvermittlung: Fragen Sie meinen Agenten - Bücher - FAZ

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HOLGER STELTZNER Feuilleton Aktuell Feuilleton Bücher Literaturvermittlung Fragen Sie meinen Agenten 10.10.2013

Literaturvermittlung

Fragen Sie meinen Agenten

10.10.2013 · Seit fünfunddreißig Jahren gibt es das Agentenzentrum auf der Messe. 631 Agenten aus einunddreißig Ländern tummeln sich dort in diesem Jahr, um ihre Autoren unterzubringen – und ihnen etwas Glamour zu verleihen.

Von JULIA BÄHR

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Standesgemäß mit Agentenschnurrbart: Daniel Graf

© FIECHTER, FABIAN

mit Agentenschnurrbart: Daniel Graf © FIECHTER, FABIAN G leich zu Anfang des Fünfzigerjahre-Films „The Girl

G leich zu Anfang des Fünfzigerjahre-Films „The Girl Can’t Help It“ bringt Künstleragent Tom seinem Schützling Jerri den wichtigsten Satz überhaupt bei. Egal, was sie gefragt wird, immer soll sie nur antworten: „Ask my agent.“ Diese redundante Aussage umgibt sie tatsächlich mit einer solchen Aura von Begehrtheit, dass Jerri zum Star wird. An ihrem nur als schrill zu bezeichnenden Gesang liegt es jedenfalls nicht. Der Verweis auf den Agenten lässt inzwischen sogar die efeuberankte Buchbranche glamourös schillern. „Gerade die jungen Autoren aus Berlin haben inzwischen fast alle eine Agentur“, konstatiert Thomas Tebbe, Programmleiter für Belletristik beim Piper Verlag.

Drei hauptsächliche Aufgaben erfüllt eine Agentur: Sie überarbeitet das Manuskript in Zusammenarbeit mit dem Autor, bringt es bei einem Verlag unter und handelt den Vertrag aus. Dafür wird sie am Umsatz beteiligt. Es gilt als einfacher, bei einer Agentur unterzukommen als bei einem Verlag – aber das stimmt nicht in jedem Fall. „Täglich gehen drei bis fünf unverlangt eingesandte Manuskripte bei uns ein, und wir schauen uns alles an“, sagt Eva Semitzidou von der mit zwei Agenten recht kleinen Literarischen Agentur Michael Gaeb. „Davon gelangen aber nur etwa zwei pro Jahr zur Veröffentlichung.“

Bei Graf & Graf, mit acht Köpfen einer der größten Agenturen der Branche, haben die unverlangt eingesandten Manuskripte sogar geringere Chancen als bei den meisten Verlagen. Auf der Website wird sogar extra darauf hingewiesen, dass sie nicht bearbeitet werden könnten. Trotzdem schicken täglich drei bis vier hoffnungsvolle Autoren ihre Machwerke ein. „Wenn es irgend möglich ist, antworten wir ihnen“, sagt Daniel Graf, der seit anderthalb Jahren zur Agentur gehört. „Aber oft ist das einfach nicht zu machen.“

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12.10.2013

Literaturvermittlung: Fragen Sie meinen Agenten - Bücher - FAZ

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Fragen Sie meinen Agenten - Bücher - FAZ Seite 2 von 3 © FIECHTER, FABIAN Eva

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Eva Semitzidou

Auch Eva Semitzidou setzt auf Eigeninitiative, statt auf Talente im Briefkasten zu hoffen: „Die meisten Autoren sprechen wir direkt an. Wir lesen alle Literatur- Anthologien, die wir in die Finger kriegen, und beobachten Wettbewerbe sowie im Selbstverlag veröffentlichte E-Books.“ Auf diese Weise rekrutieren viele Agenten Leute, die sich schon bewiesen haben. Daniel Graf rekrutiert bevorzugt auf Empfehlung hin. „Der persönliche Kontakt spielt eine große Rolle“, erklärt er.

Die Bearbeitung des Manuskripts handhaben Agenturen unterschiedlich. Eva Semitzidou lässt ihren Autoren freie Hand, wenn diese alleine am Text arbeiten wollen und damit zu einem guten Ergebnis kommen. Die meisten seien allerdings sehr dankbar für ihre Hilfe. Bei Graf & Graf wird die gemeinsame Arbeit am Manuskript dagegen vorausgesetzt. „Eine gute Agentur nimmt nicht einfach, was ihr angeboten wird, und schickt es in die Welt hinaus“, sagt Daniel Graf. Er legt Wert auf eine „intensive Auseinandersetzung über das Manuskript“.

Willkommener Filter

Gerade für Autoren, die sich das Verfassen eines druckfähigen Manuskripts selbst zutrauen, steht die Verlagssuche meist im Vordergrund. Eva Semitzidou verschickt alle sechs Monate einen Newsletter mit aktuellen Projekten an alle relevanten Verlage; ansonsten sprechen die Agenten zielgerichtet Lektoren an. „Vor ein paar Jahren hatten manche Verlage noch ihre Zweifel. Inzwischen sind sie auf unsere Vorselektion angewiesen“, sagt Semitzidou.

In der Tat betrachten die Verlage den Landgewinn der Agenturen durchaus wohlwollend. „Wenn man in engem Kontakt mit den Agenten steht und ganz genau formuliert, was für Manuskripte man sucht, dann sind Agenturen ein willkommener Filter, da sie ja auch stark selektieren“, sagt KiWi-Lektor Olaf Petersenn. Doch durch die Empfehlungen wächst auch der Druck: „Agenturen können durch ihr Verfahren des Manuskriptversands an mehrere Verlage eine Konkurrenzsituation herstellen.“ Das führt nicht nur zu einem Bieterwettstreit und am Ende höheren Vorschüssen, sondern kann die Lektoren auch in Hektik versetzen, wie Cornelia Eberle von Diogenes berichtet. „Die Branche ist insgesamt viel schneller geworden. Gerade wenn ein Buch auf Empfehlung kommt, muss man es sofort lesen“, sagt sie. „Neulich kam ein Manuskript per Mail, und zehn Minuten kam eine zweite Mail hinterher: Hat sich erledigt, es ist schon verkauft.“

„Die Flut der Lektüre zwingt zum Priorisieren“, bekennt auch Tebbe. Zehn bis fünfzehn unverlangt von den Autoren selbst eingesandte Manuskripte erreichen den Piper- Verlag täglich; hinzu kommt etwa dieselbe Menge über Agenturen. „Alle Manuskripte werden geprüft, aber nur eines pro Monat dringt zu mir durch“, sagt Tebbe. Die anderen sind da bereits aussortiert – ein Schicksal, das mit Umweg über eine Agentur deutlich seltener blüht. „Vielleicht einmal in sieben Jahren“, schätzt Tebbe, „verlegen wir ein unverlangt vom Autor eingesandtes Manuskript als Hardcover.“

Rechtsbeistand für die Autoren

Bei Diogenes ist unter den verlegten Büchern nur alle fünf Jahre eines, das ohne Agentur eingereicht wurde – dabei kommen von den viertausend Manuskripten pro Jahr nur fünfhundert über Agenturen. Bei KiWi liegt die Erfolgsquote deutlich höher, etwa bei fünfzig Prozent. Das liegt auch daran, dass viele Hausautoren des Verlags keinen Agenten haben. Alina Bronsky, Tino Hanekamp und Joachim Meyerhoff wendeten sich ohne den Umweg an den Verlag.

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Dabei ist die Liste derer, die es bei KiWi alleine geschafft haben, illuster: Uwe Timm, Maxim Biller, Feridun Zaimoglu sind darunter. Bei Diogenes kamen Ingrid Noll und Bernhard Schlink ohne Schützenhilfe unter. Doch der Weg kann hart sein, wenn niemand für einen einsteht. „ Autoren unverlangter Manuskripte rufen nicht alle zwei Wochen im Verlag an und fragen nach dem Stand der Dinge“, sagt Thomas Tebbe. „Aber die Agenturen haben meine Durchwahl.“ Schon dieser Umstand kann dazu führen, dass das Manuskript nicht in Vergessenheit gerät. Ist das Buch platziert, geht es an die Verhandlungen – eine Aufgabe, für die die meisten Autoren nicht geboren sind. „Die wenigsten kennen sich mit der rechtlichen Seite aus – und die meisten wollen sich auch gar nicht damit befassen“, hat Semitzidou beobachtet. Die Verlage wissen, dass sie mit den Agenten routinierte und realistische Verhandlungspartner vor sich haben, und sind meist froh über deren gute Vorarbeit. „Es gibt da diese Klischeevorstellung vom Agenten, der allein durch mystische Verhandlungstricks immense Vorschüsse aushandelt. Diese Idee würde Verleger und Lektoren doch sehr unterschätzen“, bemerkt Daniel Graf trocken.

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Die Verlage wollen jedoch nichts davon wissen, dass Agenten mehr Geld für ihre Autoren herausholen könnten. „Die Verhandlungen selbst sind oft nicht härter als mit Autoren, die sich mit genügend Erfahrung selbst vertreten“, findet Olaf Petersenn, und Cornelia Eberle setzt auf die Vernunft: „Gute Agenten wissen, dass sie nicht zu hoch pokern dürfen.“

Auch dieser Schritt ist damit keiner, für den jeder Autor unbedingt eine Agentur bräuchte. Es hat jedoch seinen Grund, dass die Schriftsteller ohne Agenten oft zur älteren Garde gehören, die fest und unverrückbar mit einem Verlag verbunden sind. Denn wenn ein Autor den wechseln möchte, fangen die Suche und die Verhandlungen wieder ganz von vorne an. „Die Loyalität der Verlage zum Gesamtwerk eines Autors nimmt tendenziell ab“, hat Daniel Graf beobachtet. „Es bleibt die Agentur als langfristiger Wegbegleiter.“

Quelle: F.A.Z. Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

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