Sie sind auf Seite 1von 6

Freundeskreis Dinah Juni 2009 Der_Fall_Dinah@gmx.

org
___________________________________________________________________________
Auszug aus dem gerichtlichen Beschluss:

Oberlandesgericht Karlsruhe
5. Familiensenat Freiburg
Beschluss bzgl.
Elterliche Sorge für Dinah ………
geb.: ……..1998
25. Mai 2009
5 UF 224/08
-----------------
6F 202/08 AG Bad Säckingen

1. Auf die Beschwerde der Kindeseltern1 wird der Beschluss des Amtsgerichts –
Familiengericht – Bad Säckingen vom 20.11.08 (6 F 202/08) aufgehoben.
2. Das Beschwerdeverfahren ist gerichtsgebührenfrei. Außergerichtliche Kosten werden
nicht erstattet. Im Übrigen verbleibt es bei der Kostenentscheidung erster Instanz.
3. Der Gegenstandswert des Beschwerdeverfahrens wird auf 3000,- € festgesetzt.

Gründe:

I.
(Vorgeschichte / Verlauf des Verfahrens & Sichtweisen der Beteiligten)2

……….3
…….
Mit Schriftsatz vom 24.07.2008 hat die Organisation TaskForce4 beim Familiengericht Bad
Säckingen beantragt, der Beteiligten Ziff. 1 die elterliche Sorge für ihre Tochter Dinah
hinsichtlich der Ausreise des Mädchens nach Äthiopien sowie der Gesundheitsfürsorge für das
Mädchen durch einstweilige Anordnung wegen drohender Gefährdung von Genitaverstümmlung
zu entziehen. Zur Begründung wurde vorgetragen, die Kindeseltern hätten eine mehrwöchige
Reise Dinahs und ihres Bruders …….. nach Äthiopien zu den Großeltern geplant, wobei die
beiden Kinder voraussichtlich nur von der Schwester der Kindesmutter begleitet werden sollten.
………….
…….

II.
Die zulässige Beschwerde der Kindeseltern ist begründet und führt zu der Aufhebung des
erstinstanzlichen Beschlusses. Die Voraussetzungen eines Eingriffs nach § 1666 BGB in die
elterliche Sorge der Beschwerdeführer für ihr Kind Dinah liegen nicht vor.

1.
……..
…..
(Zuständigkeiten)

1 Diese und nachfolgende Hervorhebungen durch Fettdruck oder durch in Klammern eingefügte Ausrufezeichen
(!) oder Unterstreichungen erfolgte durch den Freundeskreis.
2 Ergänzende Erläuterungen bspw. bzgl. Weglassungen sind hier und nachfolgend kursiv und in Klammer gesetzt.
3 Redaktionelle Weglassungen sind hier und nachfolgend durch offene oder eingeklammerte Punktlinien

gekennzeichnet.
4 Tatsächlich steht hinter dieser "Organisation" Frau Ines Laufer, Hamburg, als allein vertretungsberechtigt. Frau

Laufer hat das o.g. Verfahren ohne Rechtsgrundlage persönlich und mittels politischen Druck erzwungen.

1
Freundeskreis Dinah Juni 2009 Der_Fall_Dinah@gmx.org
___________________________________________________________________________
2.
…….
….. (Ausführungen zum § 1666 BGB5)

Ein Eingriff in das Sorgerecht der Eltern setzt demnach eine gegenwärtige oder zumindest
unmittelbar bevorstehende Gefährdung des Kindeswohls voraus. Die Gefahr muss in einem
solchen Maße vorhanden sein, dass sich bei der weiteren Entwicklung der Dinge eine erhebliche
Schädigung des geistigen oder leiblichen Wohls des Kindes mit ziemlicher Sicherheit voraussehen
lässt (……..…). Ein Eingriff in die elterliche Sorge ist deshalb nur zulässig, wenn Tatsachen
festgestellt werden können, die den Schluss auf eine konkrete Gefährdung des Kindeswohls
rechtfertigen. Diese konkrete Gefährdung als Voraussetzung eines Eingriffs ist in jedem
Einzelfall unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände festzustellen.

3.
Nach diesen Grundsätzen fehlt es im Streitfall an den tatsächlichen Voraussetzungen für einen
Eingriff in das Sorgerecht der Beschwerdeführer.

Bei der Beschneidung bzw. der genitalen Verstümmelung eines Mädchens handelt es sich
allerdings um einen schweren, irreparablen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, der
bleibende physische und psychische Schäden zu Folge hat, und deshalb um eine das Kindeswohl
in hohem Maße beeinträchtigende Behandlung.

Der Senat stimmt auch mit dem Familiengericht darin überein, dass an den Grad der
Wahrscheinlichkeit der Gefährdung des Kindeswohls umso geringere Anforderungen zu stellen
sind, je größer und gewichtiger der drohende Schaden ist. Besteht dieser Schaden in einer
Beschneidung bzw. genitalen Verstümmelung, bedarf es deshalb nur geringer Anzeichen für eine
entsprechende Gefahr, um einen Eingriff nach § 1666 BGB zu rechtfertigen. Das bedeutet
jedoch nicht, dass auf das Vorliegen konkreter Verdachtsmomente gänzlich verzichtet
werden kann und bereits eine abstrakte Gefährdung ausreicht, um ein Eingreifen zu
rechtfertigen.

Zwar handelt es sich bei Äthiopien um ein Hochrisikoland hinsichtlich der weiblichen
Genitalverstümmelung. Nach einer Studie des ORC Macro (einem amerikanischen
Forschungsinstitut) zu Äthiopien (Democratic und Health Survey) von 2005, auf die sich auch
UNICEF und die deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit beruft, sind in
Äthiopien 74% der weiblichen Bevölkerung von Genitalverstümmelung betroffen, wobei die
Raten in den einzelnen Regionen unterschiedlich sind. Im Vergleich zum Jahr 2000 hat die
Unterstützung der Genitalverstümmelung danach abgenommen: 38% der Mütter von Mädchen
haben mindestens eine Tochter beschneiden lassen, im Jahr 2000 noch 52%. Frauen mit
höherem Bildungsgrad und auch einer städtischen Umgebung seien eher bereit, die Praktik
aufzugeben (….).

Bereits hieraus ergibt sich aber, dass die bloße Herkunft der Eltern eines Kindes aus
Äthiopien allein nicht indiziert, dass gerade diese Eltern ihre Töchter in ihrem
Heimatland beschneiden lassen wollen bzw. nicht in der Lage sind, das Kind hiervor zu
schützen.

……………

5 § 1666, Abs. 1 BGB: "Wird das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes oder sein Vermögen
gefährdet, so hat das Familiengericht, wenn die Eltern nicht gewillt oder nicht in der Lage sind, die Gefahr
abzuwenden, die zur Abwendung der Gefahr erforderlichen Maßnahmen zu treffen"

2
Freundeskreis Dinah Juni 2009 Der_Fall_Dinah@gmx.org
___________________________________________________________________________
……… (Schilderung archaischer Lebensverhältnisse)

Die Feststellung allein, dass es sich bei Äthiopien um ein Hochrisikoland hinsichtlich der
weiblichen Genitalverstümmelung handelt, reicht deshalb nicht aus, um in jedem Fall, in dem ein
weibliches Kind äthiopischer Herkunft nach Äthiopien reisen soll, unabhängig von den
konkreten Lebensverhältnissen der elterlichen Familie, eine Maßnahme nach § 1666 BGB zu
rechtfertigen.

Die Entziehung des Sorgerechts hinsichtlich der Reise eines Kindes ins Ausland, wie vorliegend,
greift in das durch Art. 6 Abs. 2 S. 1 GG geschützte Recht der Eltern zur eigenverantwortlichen
Bestimmung von Pflege und Erziehung ihres Kindes ein. Ein solcher Eingriff ist nur zu
rechtfertigen, wenn im Einzelfall (!) konkrete (!) Anhaltspunkte für eine drohende Verletzung des
Kindeswohls vorliegen. Eine andere Betrachtungsweise würde Eltern, die aus einem
Hochrisikoland hinsichtlich der Beschneidungsgefahr stammen, unter einen Generalverdacht
stellen und u.a. (!) gegen das Benachteiligungsverbot des Art. 3 Abs. 3 GG6 verstoßen (…....).

4.
Vorliegend sind nach den Erkenntnissen des Senats keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich,
dass Dinah im Falle eines Besuchs der Großeltern in Addis Abeba einer Beschneidung
unterzogen werden könnte. Vielmehr haben die Ermittlungen des Senats zu den
Lebensverhältnissen der Eltern und der Großeltern, die das Kind besuchen sollte, ausreichend
Anhaltspunkte ergeben, die gegen eine derartige Gefährdung sprechen.

1. Die Kindeseltern leben seit Jahren in Deutschland und sind hier integriert. Sie haben bei
der Anhörung durch den Senat glaubhaft versichert, dass sie eine Beschneidung von
Mädchen ablehnen. (…..)

2. Auch der vom Senat im Wege der Amtshilfe eingeholte Bericht der Deutschen Botschaft
in Addis Ababa über die Lebensumstände der Großeltern, deren Umfeld, Bildungsstatus
und Einstellung zur Genitalverstümmelung lassen Verdachtsmomente für eine
Gefährdung Dinahs bei einem Aufenthalt bei den Großeltern in Addis Abeba nicht zu.

Der Mitarbeiter der Deutschen Botschaft hat die Großeltern aufgesucht, die
Lebensumstände geprüft und hat in seinem Bericht Folgendes aufgeführt:
Die Großeltern entstammen dem gutbürgerlichen äthiopischen Bildungsbürgertum. (…..)
………
……. (detaillierte Schilderung der Lebensumstände der Herkunftsfamilie in Addis Ababa,
Äthiopien)

Alle der anwesenden Familienangehörigen hätten sich deutlich von der in Äthiopien
praktizierten Genitalverstümmelung distanziert. Diese Praxis sei mit ihrem Lebensstil
nicht vereinbar. Genauso würden alle in ihrem Bekanntenkreis und alle gebildeten
Äthiopier denken. Im Übrigen sei es in Äthiopien auch verboten,
Genitalverstümmelungen vorzunehmen. Es sei ihnen jedoch bekannt, dass weiterhin in
Afar und anderen Regionen in Äthiopien Genitalverstümmelungen vorgenommen
werden würden, was sie sehr schlimm fänden.

6 Art. 3, Abs. 3 GG: "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache,
seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt
oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

3
Freundeskreis Dinah Juni 2009 Der_Fall_Dinah@gmx.org
___________________________________________________________________________
Der Bericht schließt ab mit der Einschätzung des Verfassers, dass Dinah in keiner
Weise bei einem Aufenthalt bei ihren Großeltern in Addis Abeba gefährdet wäre.

(…….) Der Senat sieht keinen Anlass, Zweifel an der persönlichen Einschätzung des
Mitarbeiters der Deutschen Botschaft, der mit der Lebenseinstellung der äthiopischen
Bevölkerung vertraut ist, zu hegen. Insbesondere die Tatsache, dass es sich bei den
Mitgliedern der Familie um weitläufige, sozial engagierte Personen handelt, die zahlreiche
Verbindungen zu westlichen Lebensverhältnissen haben, sowie die Tatsache, dass
sämtliche Töchter der Familie eine fundierte Ausbildung genossen haben, qualifizierte
Tätigkeiten im sozialen, aber auch im gesellschaftlichen Bereich (…..) ausüben, zeigen
Lebensverhältnisse, die sich deutlich von den in den Berichten dargestellten Gefahren
und Vorstellungen (Entführung, Zwangsheirat, Vergewaltigung) unterscheiden. Es darf
nicht unberücksichtigt bleiben, dass sich in einem Staat wie Äthiopien unterschiedliche
Lebensverhältnisse wiederfinden, die nach westlichen Vorstellungen von mittelalterlichen
bis zu modernen Lebensverhältnissen reichen. Es geht deshalb nicht an, bestehende
Unterschiede zu ignorieren und Angehörige dieser Staaten, die sich moderne
Lebensverhältnisse erarbeitet haben und auch entsprechend leben, unter einen
Generalverdacht zu stellen, der auf – wenn auch weit verbreiteten – archaischen
Vorstellungen und Lebensverhältnissen beruht.

3. Vor diesem Hintergrund kann auch der Unterschied, dass die Reise Dinahs ohne die
Eltern bzw. eines Elternteils nur in Begleitung ihres älteren Bruders geplant war, keine
Verdachtsmomente dafür begründen, dass für Dinah bei einem Aufenthalt bei
den Großeltern die Gefahr einer Genitalverstümmelung bestanden hätte. Die
Eltern hatten für eine Begleitung durch eine erwachsene Person, nämlich eines Freundes
der Familie, des Vaters des Patenkindes des Beschwerdeführers, gesorgt. Die Großeltern
waren ohne weiteres in der Lage, ihre Enkelkinder vom Flugplatz abzuholen, so dass
insgesamt eine Situation bestanden hätte, die auch auf westlichen Flughäfen
nicht ungewöhnlich ist. (!)
……...
…… (nachvollziehbare Erklärung der Eltern zum Motiv der Reise Dinahs)

4. Unter Berücksichtigung und Abwägung der ermittelten Umstände sieht der Senat auch
bei einer niedrigen Eingriffsschwelle keine konkreten Anhaltspunkte für eine
Gefährdung des Kindes bei einer Reise zu en Großeltern nach Addis Abeba. Die
Voraussetzungen für Maßnahmen im Sinne des § 1666 BGB liegen nicht vor.

5.
………
…….. (Kostenentscheidung, Jugendamt nicht kostenpflichtig - alle außergerichtlichen Kosten
(Rechtsanwalt) gehen trotz gewonnenem Verfahren zu Lasten der Familie!)

=======================================================

4
Freundeskreis Dinah Juni 2009 Der_Fall_Dinah@gmx.org
___________________________________________________________________________
Zusätzliche Erläuterungen seitens des Freundeskreises:
In der Auflistung des bisherigen Geschehensablaufs in erster Instanz unter "Gründe, I." listet der Senat
detailliert die Behauptungen, Sichtweisen, Feststellungen und Forderungen der "TaskForce" (Frau
Laufer), des Jugendamtes sowie des Amtgerichtes (Familiengericht, 1. Instanz) auf. Nahezu keiner
dieser Punkte konnte der Prüfung durch das OLG standhalten. Das OLG folgte lediglich zwei der
zahlreichen vorgebrachten Sichtweisen der erstinstanzlichen Entscheidung des Familiengerichts bzw.
der Argumentation des Jugendamtes und der Forderungen der Frau Laufer ("TaskForce") bzgl. einer
bestehenden Gefährdung, nämlich:

1. Der Feststellung, dass es sich bei Genitalverstümmelung (FGM) um einen schweren,


irreparablen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit handelt mit bleibenden psychischen und
physischen Folgen für das Kind. FGM stellt somit eine in hohem Maß das Kindeswohl
beeinträchtigende Behandlung dar7.
und

2. Die Eingriffsschwelle, ab der der Staat in das Grundrecht der Eltern eingreifen darf, sinkt in
umgekehrtem Verhältnis zur Schwere des zu erwartenden Schadens, den das Kindeswohl
nehmen könnte. Die Gefahr der Beschneidung würde daher auch bei nur relativ geringen,
jedoch immer konkret zu benennenden Anzeichen einen Eingriff gem.
§ 1666 BGB rechtfertigen.8

Darüber hinaus wurden jedoch insbesonder folgende Forderungen, Argumente & Behauptungen
Laufers ("TaskForce"), des Jugendamtes und des erstinstanzlichen Familiengerichtes in der
Entscheidungsfindung des OLG nicht als relevant gewürdigt und zum Teil ausdrücklich und wiederholt
verworfen:
ü Das alleinige Reisevorhaben eines minderjährigen Mädchens in ein sogenanntes
"Hochrisikoland" bzgl. Genitalbeschneidung rechtfertigt keinen staalichen Eingriff in das
Sorgerecht der Eltern.
ü Die fehlende Begleitung durch die Eltern ist solange gleichfalls nicht relevant, wie die
Begleitung des Kindes durch verantwortliche und zuverlässige Ramenbedingungen seitens der
Eltern sichergestellt ist.
ü Jährliche ärztliche Untersuchungen minderjähriger Mädchen mit Migrationshintergrund bzgl.
deren genitaler "Unversehrtheit" sind nicht erforderlich bzw. können nicht verlangt werden.
ü Verzichtserklärung der Eltern bzgl. Reisevorhaben ihrer Kinder in die Herkunftsländer der
Eltern sind nicht erforderlich.
ü Rein auf abstrakte Statistiken (bspw. Zahlen aus WIKIPEDIA) gestütze Anhaltspunkte auf
mögliche generelle Gefährdungen sind nicht entscheidungsrelevant.
ü Ein generelles Ausreiseverbot minderjähriger Mädchen, die aus "Hochrisikoländern" stammen
bzw. mit entsprechendem familiären Migrationshintergrund der Eltern, ist nicht konform mit
unserer Verfassung.
Kommentar Freundeskreis Dinah:
Der Beschluss des Oberlandesgerichts ist als eine klare und außerordentlich erfreuliche Absage in erster
Linie an die Adresse Laufers und ihrer vermeintlichen Organisation "TaskForce" zu verstehen. Mit dem
Hinweis auf Art. 3 des Grundgesetzes benennt das OLG die Kernforderungen Laufers als das, was sie
sind: schlichtweg verfassungswidrig.

7 Diese Sichtweise wurde und wird uneingeschränkt jederzeit auch von den Kindeseltern, den Großeltern und dem
Freundeskreises der Familie so gesehen, FGM in jedweder Form wurde und wird jederzeit und unmissverständlich von
allen o.G. abgelehnt.
8 Auch dann darf jedoch auch weiterhin nicht von einer abstrakten, sondern muss stets von einer im jeweiligen Einzelfall zu

prüfenden konkreten Gefährdung ausgegangen werden, um einen Eingriff des Staates in das Erziehungsrecht der Eltern
zu rechtfertigen.

5
Freundeskreis Dinah Juni 2009 Der_Fall_Dinah@gmx.org
___________________________________________________________________________
In juristisch-diplomatischer Weise wird damit zugleich Kritik am Beschluss des erstinstanzlichen
Familiengerichts deutlich. Es wird offenbar, dass weder Jugendamt noch Familiengericht Wege gesucht
haben, sich von den konkreten Lebensumständen der Eltern und deren Familie in Addis Abeba ein
Bild zu machen. Die Eruierung der tatsächlichen Verhältnisse wurde in erster Instanz ausschließlich
dem Anwalt der Eltern und dann erneut im Beschwerdeverfahren dem OLG überlassen. Betont
werden muss hierbei, dass die erste, vom Anwalt der Eltern eingeholte Stellungnahme der Deutschen
Botschaft vom Familiengericht nicht erkennbar gewürdigt wurde, obwohl auch in dieser Stellungnahme
bereits deutlich wurde, dass für das Kind Dinah zu keiner Zeit eine Gefährdung bestand.
Der Beschluss macht ferner unmissverständlich deutlich, dass auch die vom Jugendamt vorgebrachten
Forderungen gegenüber den Eltern nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind, weil auch sie auf der
Annahme eines Generalverdachts beruhten. Weiterhin gilt in unserem Rechtsstaat: ein Generalverdacht
gegen eine Volksgruppe oder gegen Mitglieder bestimmter Ethnien ist nicht rechtmäßig. Das OLG hat
erfreulich eindeutig klar gestellt, dass verfassungswidrige und u.E. rassistische und volksverhetzende
Forderungen, wie sie Laufer u.a. in ihrem sog. "Präventionsprogramm" vertritt, in unserem Land
keinen Platz haben.
Laufer hat ihre Forderungen dabei aber nicht nur in aggressiver und unseres Erachtens
menschenverachtender Art und Weise versucht durchzusetzen. Sie hat darüber hinaus auch wiederholt
versucht, Kritiker an ihrer Position mundtod zu machen9. Anstatt sich der Konfrontation und
Diskussion zu stellen, hat sie mehrfach versucht, Kritik schlicht zu unterdrücken und Menschen unter
Druck zu setzen. Positionen, die von der ihren abweichen, werden von ihr nicht toleriert und mit
Mitteln des Machtkampfes statt des Diskurses angegangen.
Hier schließt sich der Kreis zu der von uns bereits früher gezogenen gedanklichen Parallele zu
Robespierre und seinem "Terror der Tugendhaften und Gutwilligen". Laufers Selbstüberschätzung der
eigenen politischen Position, ihrer Person und ihrer Bedeutung in Verbindung mit ihrem u.E.
fundamentalistisch-missionarisch ausgeprägtem und auf uns blindwütig wirkenden
Sendungsbewußtsein geht zwar nicht buchstäblich "über Leichen". Laufer nimmt aber mit ihrer
Agitation kaltschnäutzig großes persönliches Leid in der von ihr attakierten Familie in Kauf.
"Gutmensch" Laufer bringt diese Familie existenziell in Bedrängnis, indem sie den Eltern ohne
jeglichen rechtfertigenden Grund ein teures familiengerichtliches Verfahren aufgezwungen hat, für das
unser gegenwärtiges Rechtssystem keine Kostenübernahme der Anwaltskosten durch Gericht oder
Jugendamt vorsieht, selbst wenn die Eltern obsiegen. Darüberhinaus hat Laufer versucht, den
Kindesvater mittels anwaltlicher Einschüchterung davon abzubringen, sachbezogene Kritik an ihrem
Auftreten und ihren politischen Positionen im Internet zu veröffentlichen.
Für uns scheint es bei Laufers Bemühungen in erster Linie darum zu gehen, sich selbst in der
Öffentlichkeit darzustellen. Als "Krönung" wäre hierbei sicher von ihr verbucht worden, "endlich"
auch so einen Erfolg verbuchen zu können wie Rüdiger Nehberg mit dem Fall, in dem auf seine
Veranlassung ein Sorgerechtsentzug letztlich bis zum BGH durchgesetzt wurde.10 "Pech" für Laufer,
dass sie sich ausgerechnet mit Migranten angelegt hat, die über jeden Verdacht erhaben sind. Dinahs
Familie weiß sich nicht nur selbst zu wehren, sondern verfügt (auch Dank ihrer guten Integration)
außerdem über zahlreiche Freunde, die in solch schweren Zeiten zu ihnen halten. Aber Glück für alle
Migranten in unserem Land, die sich mit Hilfe des aktuellen OLG-Beschlusses und dessen
Feststellungen künftig besser gegen solcherlei rassistische Übergriffe werden wehren können!
Für den Freundeskreis der Familie:
Bedilu Bogale, Helen Agonne, Manfred Elsner, Mulugeta Woldeselasse, Teklu Hailu

9 bspw. Redaktionen von "Mona Lisa" (ZDF), Badische Zeitung, Süddeutsche Zeitung etc. etc …… sowie die Familie selbst
und deren Freunde. Wie vom OLG mitgeteilt wurde, hat Laufer sogar versucht, Druck auf die Deutsche Botschaft in
Addis Abeba auszuüben.
10 Der Fall, der gerade auch von Laufer wiederholt zitiert wird, hat nach sorgfältiger Prüfung des Einzelfalls zum Entzug der

elterlichen Sorge geführt, ohne dass der BGH-Beschluss in irgendeiner Weise die Zulässigkeit des von Laufer stets
geforderten Generalverdachts bestätigt hat.